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	<title>Innovation-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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		<title>Das Wasserstoff-Märchen aus dem Untergrund</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Sep 2026 09:57:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kreisrunde Senken über Wasserstofffeldern, Billionen Tonnen im Untergrund, eine neue Explorationsmethode: Der Hype um weißen Wasserstoff wächst schneller als die Datenlage. Eine Einordnung.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-wasserstoff-maerchen-aus-dem-untergrund/">Das Wasserstoff-Märchen aus dem Untergrund</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">INNOVATION</strong> | September 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Weißer Wasserstoff: Warum 5,6 Billionen Tonnen kein Bauprogramm sind</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Geologischer Wasserstoff, im Marketing „weißer Wasserstoff&#8220; genannt, ist molekularer Wasserstoff, der in der Erdkruste laufend neu entsteht, überwiegend durch Serpentinisierung eisenhaltiger Gesteine und durch Radiolyse von Porenwasser. Die Ressource ist real und geochemisch gut belegt. Die Schlussfolgerungen, die daraus derzeit für den Gebäudesektor gezogen werden, sind es nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahl, die den Diskurs trägt, stammt vom United States Geological Survey (USGS). Geoffrey S. Ellis und Sarah E. Gelman modellierten im Dezember 2024 in der Fachzeitschrift Science Advances einen wahrscheinlichsten Wert von rund 5,6 Billionen Tonnen Wasserstoff im Untergrund. Bereits zwei Prozent davon würden den für ein Netto-Null-Szenario projizierten Weltbedarf etwa 200 Jahre decken. Zitiert wird meist genau diese Hälfte des Befunds. Die andere Hälfte steht in derselben Veröffentlichung: Der weitaus größte Teil dieses Wasserstoffs dürfte praktisch nicht förderbar sein, und die Bandbreite des Modells erstreckt sich über sieben Größenordnungen. Eine Abschätzung, deren Unsicherheit den Faktor zehn Millionen umfasst, ist ein Forschungsauftrag und keine Reserve.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was haben Feenkreise mit Energiepolitik zu tun?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den jüngsten Aufmerksamkeitsschub lieferte die Geologie. Martin P. J. Schöpfer vom Institut für Geologie der Universität Wien veröffentlichte im September 2025 gemeinsam mit Christine Detournay und Gábor Tari in der Fachzeitschrift Geology (Band 53, Heft 9, Seiten 712 bis 716) ein mechanisches Modell für sogenannte subzirkuläre Senken, jene kreisrunden vegetationsfreien Vertiefungen, die in Russland, Brasilien, Australien und den USA über wasserstoffführenden Formationen auftreten. Steigt Wasserstoff aus der Tiefe in wassergesättigte Sedimente, verdrängt er das Porenwasser und hebt die Oberfläche an, das Sediment geht auf wie ein Soufflé. Versiegt der Gasstrom, fällt der Druck, das Material kompaktiert, die Senke bleibt zurück. In den Simulationen korrelieren Durchmesser und Absenktiefe mit Gasdruck und Tiefe der Quelle. Damit ließe sich aus der Geometrie an der Oberfläche auf die Tiefe eines Reservoirs schließen, bevor gebohrt wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zwei Einordnungen gehören dazu, die in der Berichterstattung regelmäßig fehlen. Erstens stammt die Arbeit nicht aus einem industriefernen Umfeld: Der Energiekonzern OMV finanzierte sie, und Ko-Autor Gábor Tari ist Group Chief Geologist der OMV-Sparte Exploration und Produktion. Das entwertet die Methode nicht, erklärt aber die Richtung der Fragestellung, denn der praktische Nutzen des Modells liegt in der Verbilligung von Exploration. Zweitens sind die berühmten Feenkreise im namibischen Grasland ein anderes Phänomen; die Ökologie erklärt sie überwiegend über Termiten und über Selbstorganisation der Vegetation bei Wasserkonkurrenz. Die Begriffsgleichheit erzeugt eine Suggestion, die die Daten nicht hergeben. Ein Oberflächenindiz ist zudem kein Lagerstättennachweis, sondern bestenfalls ein Hinweis darauf, wo sich eine Bohrung lohnen könnte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum gibt es weltweit nur eine einzige fördernde Quelle?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wirtschaftlich gefördert wird geologischer Wasserstoff bislang an genau einem Ort: in Bourakébougou in Mali, seit 2012, mit einer Reinheit von über 95 Prozent. Die Quelle versorgt ein Dorf mit rund 1.500 Einwohnerinnen und Einwohnern mit Strom, und der Betreiber Hydroma berichtet, dass der Lagerstättendruck nach elf Jahren gestiegen statt gefallen sei. Das ist geologisch bemerkenswert. Es bleibt zugleich eine Größenordnung, die ein Dorf beschreibt und keinen Industriestandort.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Alles Weitere ist Exploration, und die publizierten Mengen sind Hochrechnungen, keine Messwerte. Ein Forschungsteam um Jacques Pironon und Philippe de Donato vom Labor GeoRessources der Université de Lorraine und des Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) extrapolierte 2023 aus Messungen in einer einzelnen Altbohrung im lothringischen Folschviller ein Vorkommen von 46 Millionen Tonnen, bezogen auf das gesamte Becken bis zu 260 Millionen Tonnen; das Unternehmen Française de l’Énergie strebt eine Förderung ab 2027 oder 2028 an. In Südaustralien traf Gold Hydrogen auf der Yorke-Halbinsel nach Unternehmensangaben auf 97 Prozent reinen Wasserstoff. In Saskatchewan meldet MAX Power seit Juli 2026 ein kommerzielles Validierungsprogramm auf dem Lawson-Komplex mit bis zu 28,6 Prozent Wasserstoff im Bohrgas. Sämtliche dieser Angaben stammen aus Unternehmensmitteilungen. Keines der Projekte hat bislang belegt, was allein zählt, nämlich eine stabile Förderrate über Jahre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der physikalische Grund für diese Zurückhaltung ist banal und hartnäckig. Wasserstoff ist das kleinste Molekül überhaupt. Er diffundiert durch Deckschichten, an denen Methan zuverlässig hängen bleibt, und er wird unterwegs von Mikroorganismen verstoffwechselt, die daraus Methan machen. Ob es überhaupt genügend geologische Fallen gibt, in denen sich Wasserstoff über lange Zeiträume in abbauwürdiger Menge sammelt, ist die offene Kernfrage der gesamten Branche. Sie ist nicht beantwortet. Bezeichnenderweise sprechen Ellis und Gelman von Ressourcen und nicht von Reserven. In der Rohstoffwirtschaft trennt dieser Unterschied alles: Ressourcen sind vermutete Mengen im Untergrund, Reserven sind nachgewiesen und mit heutiger Technik wirtschaftlich gewinnbar. Geologischer Wasserstoff hat bis heute keine Reservenposition.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das für die Planung von Gebäuden?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">An dieser Stelle wird aus einer geologischen Debatte ein baupraktisches Problem. Der Befund wandert im politischen Raum vom Bergbau in die Heizungstechnik, und dort richtet er Schaden an. Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), von Bundestag und Bundesrat am 10. Juli 2026 beschlossen und am 28. Juli 2026 im Bundesgesetzblatt verkündet, ersetzt das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und streicht die Pflicht zu 65 Prozent erneuerbarer Energie bei neuen Heizungen nach § 71 Abs. 1 GEG. An ihre Stelle tritt die sogenannte Bio-Treppe mit 10 Prozent klimafreundlicher Brennstoffe ab 2029, 15 Prozent ab 2030, 30 Prozent ab 2035 und 60 Prozent ab 2040, flankiert von einer Grüngasquote für Inverkehrbringer, die 2028 bei einem Prozent beginnt. Deren konkrete Ausgestaltung steht bis zum 1. Dezember 2026 noch aus. Schon das H2-ready-Privileg nach § 71k GEG war in der Praxis jene Erfüllungsoption mit den geringsten unmittelbaren Konsequenzen für Bauherrschaften.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier liegt die Pointe, die in der Debatte konsequent übersehen wird. Anrechenbar ist nach derzeitigem Stand grüner Wasserstoff, also solcher aus erneuerbarem Strom. Geologischer Wasserstoff ist kein grüner Wasserstoff. Er stammt aus einer Bohrung, nicht aus einem Elektrolyseur, und er erfüllt die einschlägigen Herkunftsdefinitionen bislang nicht. Wer die Funde in Lothringen oder Mali als Begründung dafür anführt, eine Gasheizung einzubauen, argumentiert also mit einem Brennstoff, der die eigene Erfüllungsoption gar nicht bedient. Ob und wie geologischer Wasserstoff künftig eingeordnet wird, ist eine offene regulatorische Frage, keine bestehende Rechtslage.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Evidenz spricht dagegen, und zwar ungewöhnlich eindeutig. Jan Rosenow vom Environmental Change Institute der University of Oxford wertete 2024 in der Fachzeitschrift Cell Reports Sustainability 54 unabhängige Studien zur Gebäudebeheizung mit Wasserstoff aus. Keine einzige davon sieht darin eine tragende Rolle. Der Grund ist thermodynamisch und nicht ideologisch: Eine Wärmepumpe liefert aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme, während der Umweg über Erzeugung, Verdichtung, Transport und Verbrennung von Wasserstoff den größten Teil der eingesetzten Energie vernichtet. Wasserstoff aus dem Untergrund verändert an dieser Kette genau einen Punkt, nämlich die Erzeugungskosten. Alle übrigen Verluste bleiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch die Infrastruktur zeigt, wohin die Reise tatsächlich geht. Die Bundesnetzagentur genehmigte am 22. Oktober 2024 das Wasserstoff-Kernnetz mit 9.040 Kilometern Länge und 18,9 Milliarden Euro Investitionsvolumen bis 2032, davon rund 60 Prozent umgestellte Erdgasleitungen. Dieses Netz verbindet Stahlwerke, Raffinerien und Chemiestandorte. Es endet nicht im Reihenhausgebiet, und es wird dort auch nicht enden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wo der Fund tatsächlich zählt</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nichts davon spricht gegen die Forschung. Sollten sich auch nur einige der explorierten Felder als produzierbar erweisen, wäre das erheblich, weil geologischer Wasserstoff die Ökonomie von Stahlerzeugung, Ammoniaksynthese und Raffinerieprozessen verändern könnte, ohne den enormen Strombedarf der Elektrolyse. Das ist ein industriepolitisch bedeutender Vorgang und für die graue Energie von Baustoffen mittelbar relevant, denn primärer Stahl und Zement hängen an genau diesen Prozessen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Entwurfsebene folgt daraus nichts. Der Fund unter Lothringen ist kein Argument, einen Gasanschluss zu behalten, und ein Kreismuster in der brasilianischen Savanne ersetzt keine kommunale Wärmeplanung. Die eigentliche Gefahr dieser Meldungen liegt nicht in ihrem wissenschaftlichen Gehalt, sondern in ihrer politischen Verwendbarkeit: Sie liefern eine Begründung, Entscheidungen zu vertagen, deren Alternativen längst marktreif sind. Innovation lässt sich auch dadurch simulieren, dass man auf eine bessere Zukunft wartet, statt die verfügbare Gegenwart zu bauen.</p>
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		<title>Hitzeresiliente Stadt: Vier Wirkprinzipien und die Technologien dahinter</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Aug 2026 13:00:45 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Nicht die Mittagsspitze entscheidet, sondern die Tropennacht. Welche vier Wirkprinzipien Städte kühlen und welche Technologien ihre Wirkung erstmals belegen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | <strong>INNOVATION</strong> | August 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Hitzeresilienz im Entwurf: Simulation verändert die Stadtplanung</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hitzeresilienz bezeichnet die Fähigkeit einer Stadt, Extremhitze ohne gesundheitliche Schäden und ohne Funktionsverlust zu überstehen. Technisch entsteht sie aus vier Wirkprinzipien: Verschattung, Verdunstung, Kaltluftzufuhr und thermisch träge Bauweise. Alles Übrige ist Beiwerk, mitunter teures.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Dringlichkeit lässt sich beziffern. Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt im Wochenbericht zur Hitzemortalität vom 13. August 2026 bis zur Kalenderwoche 31 rund 12.500 hitzebedingte Sterbefälle, davon etwa 9.600 allein in der Extremwoche Ende Juni. Die Altersgruppe ab 85 Jahren trug mit 193,6 Sterbefällen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner die Hauptlast. Zum Vergleich: Für die Sommer 2018 und 2019 zusammen weist das Umweltbundesamt (UBA) rund 15.600 zusätzliche Sterbefälle aus. Hitze wirkt damit in einer epidemiologischen Größenordnung, und sie trifft zuerst dort, wo die Bebauungsdichte hoch und der Grünanteil niedrig ist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum entscheidet die Nacht und nicht der Mittag?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die planerisch relevante Größe ist nicht die Tagesspitze, sondern die Tropennacht, definiert als Nacht mit einem Temperaturminimum von 20 Grad oder darüber. Der menschliche Organismus kompensiert einen heißen Tag zuverlässig, sofern die Nacht Erholung erlaubt. Bleibt die Auskühlung aus, addieren sich die Belastungen, und dieser Kumulationseffekt erzeugt die Sterbefallkurven des RKI.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nachts zeigt sich zugleich der städtische Wärmeinseleffekt am deutlichsten. Asphalt, Beton und Klinker speichern die Einstrahlung des Tages und geben sie nach Sonnenuntergang wieder ab, während das Umland bereits abkühlt. Zwischen dicht bebauten Quartieren und offener Landschaft entstehen Temperaturdifferenzen von im Mittel zwei bis vier Kelvin, die nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in windschwachen Strahlungsnächten bis zu zehn Kelvin erreichen können. Daraus folgt eine unbequeme Erkenntnis: Sonnensegel, Sprühnebel und mobile Beschattung adressieren die Mittagsspitze, also den falschen Parameter. Wirksam sind für Planerinnen und Planer jene Maßnahmen, die den nächtlichen Wärmeabfluss verbessern, nämlich Entsiegelung, Kaltluftleitbahnen und die Reduktion gespeicherter Wärme in Oberflächen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was leistet Simulation, was Faustregeln nicht können?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der eigentliche Innovationssprung der vergangenen Jahre liegt nicht im Material, sondern im Nachweis. Mit dem Stadtklimamodell PALM-4U, entwickelt unter Federführung des Instituts für Meteorologie und Klimatologie der Leibniz Universität Hannover in der Fördermaßnahme „Stadtklima im Wandel“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), lässt sich das Mikroklima gebäudeauflösend simulieren. Der Unterschied zur klassischen Klimafunktionskarte ist derselbe wie zwischen einer Faustformel und einer Tragwerksberechnung: Statt allgemeiner Empfehlungen liefert das Modell die Kelvin-Differenz einer konkreten Variante an einem konkreten Ort.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Grenze war bislang die Rechenzeit: Eine gebäudeauflösende Quartierssimulation beansprucht Hochleistungsrechner über Tage, im Wettbewerbstakt also unbrauchbar. Genau hier setzt das Projekt MACspeeDZ an, das im Dezember 2025 unter Konsortialführung der Stadt Mannheim gestartet ist und bis November 2029 läuft. Beteiligt sind neben Mannheim die Stadt Aachen, die regio iT, die GEO-NET Umweltconsulting sowie Forschungsgruppen der RWTH Aachen und der Universität Stuttgart. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das Vorhaben mit 3,24 Millionen Euro bei einem Gesamtvolumen von rund 3,9 Millionen Euro. Ein eigens trainiertes KI-Modell soll die aufwendige Strömungssimulation approximieren, gespeist von 100 über das Stadtgebiet verteilten Klimasensoren. Gelingt das, verschiebt sich die Klimabewertung aus der nachgelagerten Gutachtenphase in den Entwurf, dorthin also, wo Entscheidungen noch kostenneutral revidierbar sind.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Materialien: Kühlung ohne Energieeinsatz</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei den Oberflächen ist die passive Strahlungskühlung der interessanteste Ansatz. Sie nutzt das atmosphärische Fenster zwischen 8 und 13 Mikrometern, in dem Wärmestrahlung nahezu ungehindert in den Weltraum entweicht. Ein Team der Columbia University um Qilong Cheng zeigte 2024 in der Fachzeitschrift Nexus, dass bereits die Geometrie hilft: Eine Wand mit Zickzackprofil bleibt im Tagesmittel 2,3 Kelvin kühler als eine ebene Wand mit identischer Beschichtung, mittags bis zu 3,1 Kelvin. In der Gebäudesimulation sinkt der jährliche Kühlenergiebedarf je nach Klimazone um 2 bis 26 Prozent. Der Effekt entsteht ohne Strom, ohne Anlagentechnik, ohne Wartungsvertrag.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Einschränkungen gehören zur Wahrheit: Verschmutzung mindert das Emissionsverhalten, und in der Heizperiode kühlt die Fassade weiter, was den Jahresenergiebedarf verschlechtern kann. Adaptive Systeme mit umschaltbaren Elementen sind Gegenstand laufender Forschung, marktreif sind sie nicht. Wo kein Baum wachsen kann, etwa auf Dächern und in engen Straßenräumen, bleibt die Technologie dennoch aussichtsreich.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der unterschätzte Hebel liegt unter dem Belag</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Messungen der Technischen Universität München an Münchner Straßenbäumen ergaben Saftflussraten von bis zu acht Litern je Stunde und eine Kühlleistung von bis zu 2,3 Kilowatt je Baum, was der Leistung eines Raumklimageräts entspricht (Rahman und andere, Science of the Total Environment, 2018). Der begrenzende Faktor ist nicht die Pflanzung, sondern der durchwurzelbare Raum unter der Oberfläche. Das Stockholmer Modell löst das mit einem tragfähigen Skelettsubstrat aus grobem Schotter, Kompost und Pflanzenkohle, das zugleich als Rigole für Niederschlagswasser dient. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) förderte von Dezember 2022 bis Januar 2025 ein Übertragungsprojekt der Carbuna AG mit 125.000 Euro; das Ergebnis: übertragbar ohne wesentliche Änderungen, geringe rechtliche Hürden, Nachholbedarf bei der Normung. Damit fallen zwei Ziele zusammen, die häufig als konkurrierende Projekte geführt werden, nämlich Regenwasserbewirtschaftung nach DWA-A 138-1 (Oktober 2024) und Verschattung des Straßenraums. Für die Schnittstelle erarbeiten die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) und die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) derzeit gemeinsam das Merkblatt DWA-M 163 „Baumstandorte und Regenwasserbewirtschaftung“.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was heißt das für die Planungspraxis?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit dem 1. Juli 2024 gilt das Bundes-Klimaanpassungsgesetz (KAnG). Das Berücksichtigungsgebot nach § 8 KAnG verpflichtet die Träger öffentlicher Aufgaben, Klimarisiken fachübergreifend in Planungen und Vorhaben einzubeziehen; es greift für alle Verfahren, die ab dem 1. Januar 2025 beantragt oder angezeigt wurden. Nach § 12 Abs. 1 KAnG bestimmen die Länder, welche Stellen kommunale Klimaanpassungskonzepte aufzustellen haben, eine Frist nennt das Gesetz dafür nicht; ihre eigenen Anpassungsstrategien müssen die Länder nach § 10 Abs. 6 KAnG bis zum 31. Januar 2027 vorlegen. Die Werkzeuge existieren längst: § 1 Abs. 5 und § 1a Abs. 5 Baugesetzbuch (BauGB) verankern Klimaanpassung in der Abwägung, § 9 Abs. 1 Nr. 20 und Nr. 25 BauGB erlauben Festsetzungen zu Flächen, Bepflanzung und Erhaltungsbindungen. Auf Gebäudeebene regelt § 14 Gebäudeenergiegesetz (GEG) den sommerlichen Wärmeschutz mit Nachweis nach DIN 4108-2:2013-02, Abschnitt 8, ein Nachweis, der in der Praxis zu oft am unteren Rand geführt wird und damit die spätere Nachrüstung von Splitgeräten vorprogrammiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">München hat am 2. Juli 2025 mit dem Stadtratsbeschluss „Klimaresilientes München 2050“ 26 konkrete Ziele bis 2030 formuliert und die Stadtklimaanalyse aus dem Jahr 2014 fortgeschrieben; die Neuauflage wurde im August 2026 veröffentlicht, ergänzt um einen Katalog von 21 klimaökologisch wirksamen Einzelmaßnahmen. Das ist ein solider Rahmen. Der Engpass liegt danach: bei Pflege- und Bewässerungsbudgets, die über zwanzig Jahre gesichert sein müssen, und beim Zielkonflikt zwischen Nachverdichtung nach § 34 BauGB und dem Erhalt von Freiflächen, der bislang meist zugunsten der Verdichtung entschieden wird. Technologie ersetzt diese Entscheidung nicht. Sie macht ihre Folgen nur erstmals sichtbar, bevor gebaut wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Umbauen statt abreissen: Ein französisches Modell stellt die Dämmdoktrin infrage</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jul 2026 07:31:02 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Wintergarten-Pufferzone]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Statt dicker Dämmung eine transparente Pufferzone: Das preisgekrönte Modell von Lacaton &#038; Vassal spart Heizenergie, gewinnt Wohnraum und fordert die deutsche Passivhaus-Logik heraus.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/umbauen-statt-abreissen-ein-franzoesisches-modell-stellt-die-daemmdoktrin-infrage/">Umbauen statt abreissen: Ein französisches Modell stellt die Dämmdoktrin infrage</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong>  | Innovation | Juli 2026 | Lesezeit: ca. 5 Minuten</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Pufferzone statt Dämmpaket: Warum ein französisches Sanierungsmodell das Passivhaus herausfordert</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Pufferzonensanierung bezeichnet die energetische Ertüchtigung eines Bestandsgebäudes durch eine vorgelagerte, unbeheizte Raumschicht aus Wintergärten und Balkonen, die als thermischer Puffer wirkt und den Wohnungen zugleich Fläche verschafft. <strong><a href="https://www.lacatonvassal.com/" target="_blank" rel="noopener">Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal</a></strong>, seit dem Pritzker-Preis 2021 die international bekanntesten Vertreterinnen und Vertreter dieses Ansatzes, stellen damit die deutsche Sanierungslogik auf den Kopf: Statt den Baukörper in immer dickere Dämmschichten zu hüllen, setzen sie eine transparente Hülle davor. Das Ergebnis sind bis zu 60 Prozent weniger Heizenergie und zusätzlicher Wohnraum, erreicht mit vergleichsweise geringem Materialeinsatz.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was unterscheidet die Pufferzone von der Dämmschicht?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das deutsche Passivhaus, 1991 von Wolfgang Feist in Darmstadt-Kranichstein erstmals gebaut und seit 1996 vom Passivhaus Institut zertifiziert, folgt einem klaren Prinzip: maximale Dämmung, luftdichte Hülle, kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Der Heizwärmebedarf darf 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr nicht überschreiten, die Luftdichtheit muss einen n50-Wert von höchstens 0,6 erreichen. Für die Sanierung existiert mit dem EnerPHit-Standard eine eigene Variante, die einen Heizwärmebedarf von bis zu 25 kWh pro Quadratmeter und Jahr zulässt. Gegenüber dem Bestand spart das Passivhaus bis zu 90 Prozent Energie, allerdings um den Preis einer aufwendigen, materialintensiven Gebäudehülle.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Lacaton und Vassal verfolgen die entgegengesetzte Strategie. Vor die bestehende Fassade setzen sie eine drei bis vier Meter tiefe Schicht aus Wintergärten und Balkonen. Diese unbeheizte Zone fängt solare Gewinne ein, senkt die Transmissionsverluste der dahinterliegenden Wohnräume und wirkt im Sommer als Verschattung. Der Wintergarten arbeitet nicht gegen, sondern mit dem Klima. Ein deutscher Vorläufer dieser Bauweise ist der Architekt und Hochschullehrer Thomas Herzog, der bereits 1979 in Regensburg ein Wohnhaus mit doppelter, klimaaktiver Hülle realisierte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie viel Energie und Fläche gewinnt der Bestand tatsächlich?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Beweis liefern zwei Projekte. Beim Tour Bois-le-Prêtre, einem 1961 von Raymond Lopez errichteten Pariser Wohnhochhaus mit 96 Wohnungen, entfernten Frédéric Druot, Lacaton und Vassal 2011 die alte Betonfassade und legten eine raumhohe Glasschicht davor. Die Wohnungen wuchsen erheblich, die Mieterinnen und Mieter konnten während der Bauzeit in ihren Wohnungen bleiben, und die Kosten lagen bei rund einem Drittel dessen, was Abriss und Neubau verschlungen hätten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch größer war der Maßstab in Bordeaux. Für die Cité du Grand Parc transformierte das Team um Lacaton, Vassal, Druot und Christophe Hutin 2017 drei Wohnblöcke mit insgesamt 530 Sozialwohnungen. Vorgefertigte Betonmodule von 3,8 Metern Tiefe wurden vor die Fassade gehängt, die Kosten blieben bei etwa 50.000 Euro pro Wohnung, die Mieten unverändert. 2019 erhielt das Projekt den Mies-van-der-Rohe-Preis der Europäischen Union. Die Grundidee reicht bis zur Studie „Plus&#8220; von 2004 zurück, mit der die Beteiligten auf staatliche Pläne reagierten, rund 200.000 Wohnungen der Nachkriegsmoderne durch Neubauten zu ersetzen. Sie wiesen nach, dass sich für den Preis eines Abrisses drei bis vier Bestandswohnungen aufwerten lassen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum tut sich Deutschland mit dem Ansatz schwer?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Geschosswohnungsbau kam das Konzept hierzulande bislang nicht zum Zug. Das hat mehrere Gründe. Zum einen prägt die Passivhaus-Kultur die Förderlandschaft: Das Gebäudeenergiegesetz (GEG), zuletzt 2024 novelliert, und die Programme der Kreditanstalt für Wiederaufbau belohnen messbare Kennwerte für Dämmung und Anlagentechnik, nicht aber den Flächengewinn einer ungeheizten Pufferzone. Zum anderen zählt eine solche Zone nach der Wohnflächenverordnung (WoFlV) nicht ohne Weiteres als vollwertige Wohnfläche, was ihre wirtschaftliche Bewertung erschwert. In Frankreich nutzten Lacaton und Vassal genau diesen Umstand als Vorteil, weil Wintergärten dort nicht auf die streng normierte Sozialwohnungsfläche angerechnet werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt eine kulturelle Prägung. Die deutsche Debatte denkt Sanierung vom Grenzwert her, nicht vom Raum. Ein Ansatz, der Behaglichkeit und Großzügigkeit über die reine Kilowattstunde stellt, fügt sich nur schwer in ein Regelwerk, das den Erfolg an der Nachkommastelle des Heizwärmebedarfs misst.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was ändert die EPBD 2024 an dieser Abwägung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die überarbeitete EU-Gebäuderichtlinie EPBD, am 28. Mai 2024 in Kraft getreten und bis 2026 in nationales Recht zu überführen, verschiebt den Maßstab. Erstmals verlangt sie die Bilanzierung des Lebenszyklus-Treibhauspotenzials, das die „graue&#8220; Energie in Baustoffen mit den Emissionen der Nutzungsphase zusammenführt. Ab 2028 gilt die Nachweispflicht für große Neubauten, ab 2030 für alle. Der Gebäudesektor zählt europaweit zu den größten Verursachern von Treibhausgasen, und ein erheblicher Teil davon steckt bereits vor dem ersten Heiztag in Herstellung und Transport der Baustoffe. Damit rückt jene Rechnung ins Zentrum, die Lacaton und Vassal seit jeher aufmachen: Ein Abriss vernichtet nicht nur Material und Geschichte, sondern auch die bereits investierte graue Energie des Bestands.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Sanierung folgt daraus eine neue Logik. Wer Bestand erhält und mit geringem Materialeinsatz ertüchtigt, punktet in der Gesamtbilanz oft stärker als ein hochgedämmter Neubau. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) hat den Umsetzungsprozess der EPBD begleitet und dringt darauf, den Vorrang der Bestandserhaltung im deutschen Recht zu verankern. Ein Abrissmoratorium, wie es Teile der Fachwelt fordern, ist damit noch nicht verbunden, doch die Richtung ist vorgezeichnet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das für kleine und mittlere Büros?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Planerinnen und Planer jenseits der großen Konzerne liegt darin eine Chance. Das Konzept verlangt kein Hochtechnologie-Repertoire, sondern präzises Entwerfen mit einfachen, industriell verfügbaren Bauteilen: Stahlrahmen, Polycarbonat, vorgefertigte Betonelemente. Es eignet sich besonders für die zahlreichen Wohnungen in deutschen Großsiedlungen der 1960er und 1970er Jahre, deren Grundrisse eng und deren Fassaden sanierungsbedürftig sind. Zugleich verspricht der Ansatz eine soziale Dividende, weil sich Wohnraum gewinnen lässt, ohne die Bewohnerinnen und Bewohner durch Luxussanierung und steigende Mieten zu verdrängen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Grenzen des Ansatzes sind gleichwohl real. Nördlich der Alpen fallen die solaren Gewinne geringer aus als in Bordeaux, der sommerliche Wärmeschutz nach DIN 4108-2 verlangt sorgfältige Verschattung, um eine Überhitzung der Pufferzone zu vermeiden, und der Brandschutz vorgelagerter Glasschichten stellt eigene Anforderungen. Damit das Modell hierzulande Fuß fasst, müsste zudem die Fördersystematik den Flächengewinn honorieren, nicht allein den Dämmwert. Doch als Ergänzung zur Dämmorthodoxie, nicht als deren Ersatz, verdient das französische Modell in Deutschland mehr Aufmerksamkeit, als es bisher erhält. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob gedämmt oder gepuffert wird, sondern wie viel Bestand, Fläche und graue Energie sich mit dem geringsten Aufwand bewahren lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Ertüchtigung statt Abriss: Warum die maroden Autobahnbrücken nicht alle fallen müssen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2026 14:10:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Bauwerksmonitoring]]></category>
		<category><![CDATA[Bestandserhalt]]></category>
		<category><![CDATA[Brückenertüchtigung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Abriss und Neubau dauern Jahrzehnte und kosten Milliarden. Dabei sind Verstärkungsverfahren längst erprobt. Warum die deutsche Brückenpolitik trotzdem lieber sprengt als schient.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | Innovation| Juli 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Deutschlands Brücken sind kaputt. Muss man sie deshalb sprengen?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Ertüchtigung bezeichnet die gezielte Verstärkung eines bestehenden Tragwerks auf ein höheres Lastniveau, ohne es zu ersetzen. Bei den deutschen Autobahnbrücken ist dieses Verfahren technisch ausgereift, ökologisch überlegen und in der Praxis dennoch die Ausnahme. Der Grund liegt seltener in der Statik als in der Verwaltung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Streckennetz der Autobahn GmbH des Bundes umfasst rund 13.200 Kilometer und etwa 28.000 Brückenteilbauwerke, davon rund 21.500 im Zuge der Autobahn und 6.500 Überführungen. Ein erheblicher Teil stammt aus den 1960er und 1970er Jahren, entworfen für eine Verkehrslast, die der heutige Schwerlastverkehr längst überschritten hat. Das Brückenmodernisierungsprogramm des Bundes von 2022 hat rund 4.000 dieser Teilbauwerke als vordringlich eingestuft; sie sollen bis 2032 verstärkt oder ersetzt werden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Woran scheitert das Modernisierungsprogramm?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">An der Arithmetik. Der Bundesrechnungshof stellte in seinem Bericht zur Brückenerhaltung im Bundesstraßennetz vom 29. April 2025 fest, dass die Autobahn GmbH bis Ende 2024 lediglich rund 40 Prozent der vom Bundesverkehrsministerium geplanten Teilbauwerke modernisiert hat. Schärfer noch: Das Ministerium habe sämtliche fertiggestellten Teilbauwerke als Programmerfolg verbucht, obwohl weniger als die Hälfte davon überhaupt unter das Programm fällt. Gezählt wurden auch Bauwerke, die nicht modernisiert, sondern neu gebaut wurden. Um das Ziel 2032 noch zu erreichen, müssten von nun an jährlich rund 590 Teilbauwerke fertig werden. Die Autobahn GmbH plant ab 2026 mit 400.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Lücke ist keine Frage des guten Willens. Sie ist eine Folge der gewählten Methode. Ein Ersatzneubau bindet Planungsrecht, Vergabeverfahren, Baustelleneinrichtung und Verkehrsführung über Jahre. Die Talbrücke Rahmede an der A45 gilt als Vorzeigefall der Beschleunigung: gesperrt im Dezember 2021, gesprengt am 7. Mai 2023, das erste Teilbauwerk im Dezember 2025 freigegeben, das zweite für Herbst 2026 angekündigt, Kosten rund 170 Millionen Euro. Vier Jahre Vollsperrung einer Hauptschlagader, und das war der schnelle Fall.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was leisten Verstärkungsverfahren technisch wirklich?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mehr, als die Abrissquote vermuten lässt. Die Richtlinie für die Nachrechnung von Straßenbrücken im Bestand (Nachrechnungsrichtlinie, Ausgabe 05/2011, samt Ergänzungen) ordnet die Bewertung in vier Stufen. Erst wenn ein Bauwerk auch in der höchsten Stufe durchfällt, in der wissenschaftliche Verfahren und objektbezogene Messungen zulässig sind, ist es rechnerisch am Ende. Viele Brücken bestehen bereits in Stufe 2 oder 3, weil die pauschalen Sicherheitsannahmen der Erstberechnung reale Tragreserven verdecken.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wo die Reserven fehlen, greifen etablierte Verfahren. Kohlenstofffaserverstärkte Kunststofflamellen, aufgeklebt oder in gefräste Schlitze eingeklebt, ergänzen die Biegezugbewehrung; vorgespannt eingebaut, aktivieren sie ihre Festigkeit sofort statt erst bei Rissbildung. Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) dokumentiert in ihrer Erfahrungssammlung zur Verstärkung älterer Beton- und Spannbetonbrücken zahlreiche ausgeführte Beispiele, darunter die Sanierung gerissener Koppelfugen an einer 377,5 Meter langen mehrfeldrigen Spannbetonbrücke. Externe Vorspannung mit Litzen oder Carbonlamellen führt Kräfte gezielt neu, ohne das Tragwerk zu ersetzen. Der Vergleich liegt nahe: Ein Tragwerk wird nicht amputiert, sondern geschient.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Materialwahl ist dabei kein Detail. Carbon korrodiert nicht, was ausgerechnet jene Schwachstelle ausschaltet, die viele Spannbetonbrücken der Nachkriegszeit überhaupt erst ruiniert hat. Hinzu kommt der bautechnische Vorteil: Verstärkungen lassen sich unter laufendem Verkehr ausführen, häufig nachts und ohne Vollsperrung. Der volkswirtschaftliche Schaden einer vierjährigen Netzunterbrechung, wie im Fall Rahmede, taucht in keiner Kostenschätzung nach DIN 276 auf, obwohl er die reinen Baukosten regelmäßig übersteigt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum ist der Bestand die bessere Klimabilanz?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Weil die Emissionen im Bauwerk stecken, nicht im Betrieb. Untersuchungen zur CO2-Bilanzierung von Brücken zeigen für konventionelle Bauweisen in Stahlbeton, Spannbeton, Stahl oder Verbund einen Wert von rund 1,1 bis 2,3 Tonnen CO2 je Quadratmeter Brückenfläche, wobei 70 bis 85 Prozent auf die Herstellung entfallen. Die Autobahn GmbH kalkuliert für 2026 mit rund 360.000 Quadratmetern modernisierter Brückenfläche. Würde diese Fläche vollständig neu gebaut, entspräche das grob einer halben Million Tonnen CO2, allein aus Zement, Stahl und Transport. Die deutsche Zementproduktion emittierte 2019 rund 20 Millionen Tonnen CO2.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jede Brücke, die weitere dreißig Jahre trägt, ist damit ein Klimaprojekt, das ohne Fördertopf auskommt. Der Begriff der grauen Energie, in der Hochbaudebatte längst geläufig, hat den Ingenieurbau bislang nur am Rand erreicht. Dabei ist die Rechnung dort noch eindeutiger, weil eine Talbrücke keine Betriebsenergie verbraucht, die man gegen die Herstellung aufrechnen könnte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Rolle spielen Monitoring und künstliche Intelligenz?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sie verschieben die Beweislast. Die Bauwerksprüfung nach DIN 1076 arbeitet mit festen Intervallen und dem geschulten Auge; sie erkennt Schäden, wenn sie sichtbar sind. Permanentes Monitoring erfasst stattdessen Dehnung, Setzung, Temperatur, Beschleunigung und Neigung kontinuierlich und macht das reale Tragverhalten messbar, statt es abzuschätzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die BASt hat 2025 einen Leitfaden zum strategischen Einsatz von Monitoring bei Ingenieurbauwerken vorgelegt. Im Forschungsprojekt ANYTWIN entwickeln TU Dresden, TU Berlin, die GMG Ingenieurgesellschaft und die BASt standardisierte Mess- und Auswertekonzepte, die Monitoringdaten für Tragsicherheitsnachweise verwertbar machen. Das Projekt IDA-KI mit der Hentschke Bau GmbH, der TU Dresden, der TU Hamburg und der MKP GmbH trainiert Verfahren, die Messfehler von echten Schäden unterscheiden. Das Ziel ist der Wechsel von reaktiver Instandsetzung zu prädiktiver Instandhaltung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Hebel liegt genau an der Schnittstelle zur Nachrechnungsrichtlinie: Stufe 4 erlaubt Messungen. Wer misst, gewinnt Traglast, die vorher nur als Unsicherheitszuschlag existierte. Digitale Zwillinge sind hier kein Schaufensterprojekt, sondern das Instrument, mit dem sich Abriss vermeiden lässt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was spricht dann noch für den Ersatzneubau?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ehrlicherweise einiges. Manche Bauwerke sind konstruktiv nicht zu retten, etwa einzellige Hohlkästen mit unzugänglicher Spanngliedführung oder Tragwerke mit Spannstahl, der zu Spannungsrisskorrosion neigt. Und der Neubau ist industrialisierbar: Das Brückenkompetenzzentrum der Autobahn GmbH setzt auf Standardentwürfe und modulare Bauweisen mit hohem Vorfertigungsgrad. Die Niederlassung Westfalen errichtete auf der A1 zwei baugleiche Überführungen in rund zehn Monaten reiner Bauzeit, fünf Bauwerke wurden als Paket funktional ausgeschrieben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nur ist genau das die Schieflage. Standardisierung, Vergabepakete und Fließbandlogik werden mit Nachdruck auf den Neubau angewandt, während die Ertüchtigung Einzelfall bleibt, geplant von Prüfingenieurinnen und Prüfingenieuren in Handarbeit, ohne vergleichbare Serienlogik. Die Innovation liegt nicht in der Frage, ob Carbon hält. Sie liegt darin, den Bestandserhalt so zu organisieren, dass er dieselbe Geschwindigkeit erreicht wie der Abriss. Solange das nicht geschieht, gewinnt die Sprengung, und zwar nicht aus statischen Gründen, sondern aus verfahrenstechnischen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>300 Terawattstunden unter den Füßen: Warum Deutschland sein Geothermiepotenzial kaum nutzt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2026 13:53:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Fernwärme]]></category>
		<category><![CDATA[GeoBG]]></category>
		<category><![CDATA[geothermie]]></category>
		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
		<category><![CDATA[VDI 4640]]></category>
		<category><![CDATA[Wärmewende]]></category>
		<category><![CDATA[WPG]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mehr als ein Viertel des deutschen Wärmebedarfs liegt unter der Erde. Genutzt wird ein Fünfzehntel davon. Zwei Entscheidungen aus dem Dezember 2025 könnten das Verhältnis endlich verschieben.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | Innovation| Juli 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Erdwärme: Deutschland sitzt auf einem Schatz und bohrt nicht</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Geothermie bezeichnet die Nutzung der im Erdinneren gespeicherten Wärme, und ihr technisch erschließbares Potenzial in Deutschland liegt um ein Vielfaches über dem, was heute davon abgerufen wird. Die gemeinsame „Roadmap Tiefe Geothermie für Deutschland&#8220; von Fraunhofer-Gesellschaft und Helmholtz-Gemeinschaft aus dem Jahr 2022 beziffert das nutzbare Potenzial der tiefen Geothermie auf mehr als 300 Terawattstunden pro Jahr, also über ein Viertel des deutschen Wärmebedarfs, entsprechend einer installierbaren Leistung von rund 70.000 Megawatt. In Betrieb waren laut Bundesverband Geothermie (BVG) im Mai 2025 hingegen 45 tiefe Anlagen mit zusammen 442 Megawatt thermischer Leistung. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit liegt damit der Faktor 150.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie groß ist das Potenzial tatsächlich?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahl 300 ist keine geologische Obergrenze, sondern eine Abschätzung dessen, was mit heutiger Technik in erreichbarer Tiefe und zu vertretbaren Kosten gehoben werden kann. Drei Regionen tragen den Löwenanteil: das Norddeutsche Becken, der Oberrheingraben und das Süddeutsche Molassebecken. Unter München liegt in 2.000 bis 3.000 Metern Tiefe der Malmkarst, ein wasserführender Kalkstein mit Temperaturen zwischen 80 und 100 Grad Celsius. Solche Temperaturen speisen ein Fernwärmenetz ohne Zwischenschritt. München zeigt, was daraus wird, wenn ein Versorger den Aufwand auf sich nimmt: Die Stadtwerke München betreiben mit der Anlage an der Schäftlarnstraße die größte Geothermieanlage Kontinentaleuropas, die im Vollbetrieb Wärme für mehr als 80.000 Menschen liefert. Am Michaelibad entsteht bis 2033 die siebte Anlage mit acht Tiefbohrungen für rund 75.000 weitere Abnehmerinnen und Abnehmer. Insgesamt planen die Stadtwerke zehn Projekte mit über 50 neuen Tiefbohrungen und wollen die Fernwärme bis spätestens 2040 CO2-neutral stellen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt die oberflächennahe Geothermie, die mit Erdwärmesonden in typischerweise 50 bis 150 Metern Tiefe arbeitet und die gewonnene Temperatur über eine Wärmepumpe anhebt. Rund 490.000 Erdwärmeheizungen mit etwa 5 Gigawatt Gesamtleistung waren 2025 nach BVG-Angaben installiert; im selben Jahr kamen etwa 16.000 Anlagen hinzu. Die Fraunhofer-Roadmap „Oberflächennahe Geothermie&#8220; (2022) hält hier den überwiegenden Teil der Gebäudebeheizung für erschließbar. Rechnet man beide Segmente zusammen, kommt der Bundesverband Geothermie auf 50 bis 75 Prozent des deutschen Wärmebedarfs.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dem gegenüber steht der Ist-Zustand: Geothermie und Umweltwärme decken heute etwa 1,5 Prozent des gesamten Wärmebedarfs. Ein Anteil, der in der Statistik als Rundungsfehler durchginge.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum klafft zwischen Potenzial und Ausbau eine solche Lücke?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der zentrale Grund heißt Fündigkeitsrisiko. Eine Tiefbohrung im Molassebecken kostet je nach Länge und Ablenkung 10 bis 20 Millionen Euro, und ob das Zielgestein die erhoffte Schüttung liefert, weiß niemand mit Sicherheit, bevor der Meißel dort ankommt. Für ein Stadtwerk mittlerer Größe ist ein solcher Einsatz existenziell, für eine Kommune ohne eigene Energieversorgung schlicht nicht darstellbar. Banken finanzieren ungern gegen ein Risiko, das sich weder versichern noch wegplanen ließ.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dazu kommen strukturelle Engpässe: Die geologische Erkundung des Untergrunds ist in weiten Teilen Deutschlands lückenhaft, Bohrkapazitäten und erfahrenes Personal sind knapp, und Genehmigungsverfahren nach Bergrecht ziehen sich über Jahre. Der Bundesverband Geothermie zählte 2025 immerhin 178 Projekte in Planung, 23 mehr als im Vorjahr, sowie 18 Anlagen im Bau. Die Zahl der erteilten Aufsuchungserlaubnisse hatte sich 2024 von 82 auf 155 nahezu verdoppelt. Die Bewegung ist also da, sie setzt nur spät ein.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was ändert das Geothermie-Beschleunigungsgesetz?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 4. Dezember 2025 hat der Deutsche Bundestag das Gesetz zur Beschleunigung des Ausbaus von Geothermieanlagen, Wärmepumpen, Wärmeleitungen und Wärmespeichern (GeoBG) beschlossen; es ist am 23. Dezember 2025 in Kraft getreten, § 6 folgte am 22. Juni 2026. Kern ist § 4 GeoBG: Errichtung und Betrieb von Geothermieanlagen, Wärmepumpen, Wärmespeichern und Wärmeleitungen liegen bis zum Erreichen der Treibhausgasneutralität 2045 im „überragenden öffentlichen Interesse&#8220; und dienen der öffentlichen Sicherheit. Damit rückt die Erdwärme rechtlich in dieselbe Kategorie wie Windkraft und Photovoltaik. In der Abwägung, etwa bei Umweltverträglichkeitsprüfungen, wiegt sie künftig grundsätzlich schwerer als entgegenstehende Belange.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Parallel greift das Kapital ein. Seit dem 18. Dezember 2025 vergibt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im Programm 572 Darlehen von bis zu 25 Millionen Euro pro Projekt mit fünf Jahren Laufzeit. Munich Re sichert 30 bis 70 Prozent des förderfähigen Kreditbetrags ab, den Rest trägt eine Bundesgarantie; bei Nicht-Fündigkeit erlässt die KfW den nicht versicherten Teil anteilig. Faktisch lassen sich bis zu 100 Prozent des Darlehens absichern. Mindestens 65 Projekte sollen so über drei Jahre abgesichert werden. Das ist der wirksamste Eingriff der letzten Jahre, weil er nicht am Symptom, sondern an der Ursache ansetzt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das für Planerinnen und Planer im Gebäudebestand?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frist des Wärmeplanungsgesetzes (WPG) für Gemeindegebiete mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist nach § 4 WPG am 30. Juni 2026 abgelaufen. 84 Kommunen waren betroffen, kleinere Gemeinden haben bis zum 30. Juni 2028 Zeit. Aus den kommunalen Wärmeplänen ergibt sich für jedes Grundstück, ob ein Netzanschluss zu erwarten ist oder dezentral geheizt wird. Für Architektinnen und Architekten ist das eine Vorentscheidung, die dem eigenen Entwurf vorausgeht: In ausgewiesenen Wärmenetzgebieten verschiebt sich die Frage vom Erzeuger zur Übergabestation und zur erforderlichen Vorlauftemperatur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wo kein Netz kommt, rückt die Erdwärmesonde ins Blickfeld, und mit ihr die frühzeitige Prüfung der wasserrechtlichen Zulässigkeit sowie die Auslegung nach VDI 4640. Die Sonde ist der Wärmepumpe mit Außenluft im Jahresmittel überlegen, weil das Erdreich im Winter nicht einbricht, aber sie verlangt Fläche, Zugänglichkeit für das Bohrgerät und eine Entscheidung in der Vorplanung nach § 34 HOAI, nicht in der Ausführungsplanung. Wer sie später nachrüsten will, zahlt zweimal.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wo steht die Forschung?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die 300 Terawattstunden setzen voraus, dass auch Regionen ohne ergiebige Aquifere erschlossen werden, also über petrothermale Systeme im kristallinen Gestein. Dafür entsteht im Odenwald das Untertagelabor GeoLaB, ein Gemeinschaftsprojekt von Karlsruher Institut für Technologie (KIT), GeoForschungsZentrum (GFZ) und Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) mit der Technischen Universität Darmstadt. Nach zwei Erkundungsbohrungen bestätigten die Partner 2026 die Eignung des Untergrunds in der Region Tromm; Planung und Genehmigung beginnen. Ein ein bis zwei Kilometer langer horizontaler Stollen soll dort untersuchen, wie sich Klüfte hydraulisch stimulieren lassen, ohne spürbare Seismizität auszulösen. Genau daran, dem Beben von Basel 2006 und den Rissen in Staufen im Breisgau 2007, hängt die gesellschaftliche Akzeptanz der Technologie bis heute.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Erdwärme ist die einzige erneuerbare Wärmequelle, die wetterunabhängig grundlastfähig ist und im Siedlungsraum kaum Fläche beansprucht. Dass sie 1,5 statt 25 Prozent liefert, war nie ein geologisches Problem. Es war ein Finanzierungs- und Genehmigungsproblem. Seit Dezember 2025 sind beide Hebel bewegt worden. Ob das reicht, entscheiden die nächsten 65 Bohrungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/300-terawattstunden-unter-den-fuessen-warum-deutschland-sein-geothermiepotenzial-kaum-nutzt/">300 Terawattstunden unter den Füßen: Warum Deutschland sein Geothermiepotenzial kaum nutzt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Wie kühlt man Gebäude, ohne die Klimabilanz zu ruinieren?</title>
		<link>https://baukunst.art/wie-kuehlt-man-gebaeude-ohne-die-klimabilanz-zu-ruinieren/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jun 2026 16:12:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Bauteilaktivierung]]></category>
		<category><![CDATA[KI im Gebäudebetrieb]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaangepasstes Bauen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Steigende Temperaturen machen Kühlung zur Pflichtaufgabe der Baukultur. Welche Technologien Gebäude erträglich halten und warum künstliche Intelligenz den Unterschied macht.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wie-kuehlt-man-gebaeude-ohne-die-klimabilanz-zu-ruinieren/">Wie kühlt man Gebäude, ohne die Klimabilanz zu ruinieren?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art </strong>  |   Unterwegs   |   Ausgabe Juni 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Kühl wohnen trotz Rekordhitze: Was wirklich hilft</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Klimaangepasstes Bauen umfasst alle baulichen und technischen Maßnahmen, die ein Gebäude bei zunehmender Hitze kühl halten, ohne den Energiebedarf zu steigern. Mit der Häufung extremer Hitzeperioden wird diese Aufgabe zur zentralen Frage der Baukultur. Das Robert Koch-Institut (RKI) und das Umweltbundesamt (UBA) schätzen für die Sommer 2023 und 2024 jeweils rund 3.000 hitzebedingte Sterbefälle in Deutschland, in den Extremsommern 2018 und 2019 lag die Zahl bei jeweils etwa 7.000 (RKI/UBA, 2025). Besonders gefährdet sind Menschen über 75 Jahre mit Herz-Kreislauf-, Atemwegs- oder neurologischen Vorerkrankungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass sich das Problem mit angepassten Bauweisen entschärfen lässt, betont Silvia Öttl, Professorin am Department Smart Building Technologies des Management Center Innsbruck (MCI). Die nötigen Technologien seien längst vorhanden, würden gegen die sommerliche Überhitzung aber noch wenig genutzt. Anschauliches Beispiel ist die Wärmepumpe: Sie gewinnt in Neubau und Sanierung an Beliebtheit, kommt jedoch meist nur zum Heizen zum Einsatz.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum heizen sich Städte stärker auf als das Umland?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Versiegelte Flächen speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts nur langsam ab, weshalb Innenstädte zu Hitzeinseln werden. Fassadenbegrünungen setzen genau hier an und bringen laut Öttl einen doppelten Nutzen: Die Verschattung dämmt das Gebäude, während die Verdunstung das Mikroklima ringsum verbessert. Jeder Baum zähle, und überall, wo sich Natur zulassen lasse, solle man das auch tun.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gesetzgeber hat die Stoßrichtung längst aufgenommen. Das Baugesetzbuch verankert in § 1 Absatz 5 BauGB den Klimaschutz und die Klimaanpassung als ausdrücklichen Belang der Bauleitplanung, und das Bundes-Klimaanpassungsgesetz (KAnG), seit 1. Juli 2024 in Kraft, verpflichtet die Kommunen erstmals zu vorsorgenden Anpassungsstrategien. Begrünte Fassaden, entsiegelte Höfe und Stadtbäume sind damit nicht länger Kür, sondern Teil einer rechtlich eingeforderten Vorsorge. Architektinnen und Architekten gewinnen so ein Werkzeug, das Gesundheitsschutz und Gestaltung verbindet.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Haustechnik kühlt und heizt zugleich?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Wärmepumpe lässt sich ohne großen Mehraufwand auch zum Kühlen verwenden, etwa in Kombination mit einer Fußbodenheizung. Statt warmer Flüssigkeit zirkuliert dann kühle in den Rohren, nimmt Wärme aus dem Raum auf und transportiert sie ab. Vielen Bauherrinnen und Bauherren sei diese Möglichkeit gar nicht bewusst, so Öttl.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch weiter geht die Bauteilaktivierung, bei der die Masse von Betondecken oder -wänden selbst zur Speicherung und Abgabe von Wärme dient. Eingegossene Rohre führen eine Trägerflüssigkeit, die je nach Bedarf wärmt oder kühlt. Was lange als Nischentechnik galt, kommt nun verstärkt auch in der Sanierung an, etwa über vorgefertigte Fassadenelemente, die bereits entsprechend ausgestattet sind. Die thermische Trägheit der Speichermasse glättet Temperaturspitzen und senkt den Bedarf an aktiver Kühlung, ein Prinzip, das auch der sommerliche Wärmeschutz nach § 14 Gebäudeenergiegesetz (GEG) honoriert: Massive, schwere Bauweisen erhalten im Nachweisverfahren nach DIN 4108-2:2013-02 rechnerische Vorteile.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was leistet die Gebäudehülle gegen die Sommerhitze?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Verglasung entscheidet maßgeblich über den Wärmeeintrag. Die im Winter erwünschte Wärmeschutzverglasung hält Wärme im Haus, was im Sommer kontraproduktiv wirkt. Eine Sonnenschutzverglasung kehrt das Prinzip um: Tageslicht gelangt hinein, die aufheizende thermische Strahlung wird durch eine spezielle Beschichtung draußen gehalten. Schaltbare Verglasungen können beide Effekte kombinieren und den Lichtdurchlass dynamisch regeln, allerdings zu einem höheren Preis.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Reguliert wird dieser Bereich über § 14 GEG, der für Neubauten einen ausreichenden sommerlichen Wärmeschutz fordert. Der Nachweis erfolgt nach DIN 4108-2:2013-02, entweder über das vereinfachte Sonneneintragskennwertverfahren oder über eine thermische Gebäudesimulation, die für die drei Sommerklimaregionen A, B und C unterschiedliche Grenz-Raumtemperaturen zwischen 25 und 27 Grad Celsius zugrunde legt. Bei den hitzeresistenten Materialien erlebt ein alter Bekannter eine Renaissance: Holz. Es eigne sich grundsätzlich gut, müsse aber mit anderen baulichen Maßnahmen kombiniert werden, vor allem mit einer wirksamen Wärmedämmung, betont Öttl. Ein gut gedämmtes Haus verhindere nicht nur den Wärmeverlust im Winter, sondern halte im Sommer die Hitze draußen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wo liegt das größte Potenzial der künstlichen Intelligenz?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den größten Hebel sieht Öttl nicht in einer einzelnen Technologie, sondern in der intelligenten Vernetzung des Vorhandenen. Werden getrennte Systeme wie Wärmepumpe, Photovoltaikdach und elektrisch steuerbare Verschattung miteinander gekoppelt und aufeinander abgestimmt, lassen sich sommerliche Energiespitzen gezielt zum Kühlen nutzen oder die ohnehin anfallende Abwärme bestimmter Prozesse verwenden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier kommt die künstliche Intelligenz ins Spiel. Schon in der Planung könnte sie energetische Einsparpotenziale aufspüren, die sonst unentdeckt blieben. Vor allem im Betrieb spielt sie ihre Stärke aus, denn die Optimierung eines Gebäudes verlangt Datenauswertung, und gerade darin ist maschinelles Lernen leistungsfähig. Öttls aktuelle Forschung zielt genau dorthin: Im Projekt „Sunne&#8220; (Laufzeit 2025 bis 2028) entwickelt ihr Team datengetriebene digitale Zwillinge, die Wärmepumpen über Gebäude-Energie-Management-Systeme adaptiv und skalierbar steuern. Sensordaten moderner Verschattungssysteme schließen dabei eine bislang blinde Stelle im thermischen Gebäudeverhalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein nüchterner Befund bleibt: Zukunftsorientiertes Bauen erfordert höhere Investitionen, und die angespannte Lage der Bauwirtschaft bremst diese derzeit. Die Branche sei lange erfolgsverwöhnt gewesen und müsse aktuell sparen, so Öttl. Die Technologien gegen die Hitze sind vorhanden. Ob sie flächendeckend zum Einsatz kommen, entscheidet sich weniger an der Forschung als an der Bereitschaft, kurzfristige Baukosten gegen langfristige Klimafestigkeit abzuwägen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Umbaukultur in Graz: Wenn Bauhof und Restfläche zum Materiallager werden</title>
		<link>https://baukunst.art/umbaukultur-in-graz-wenn-bauhof-und-restflaeche-zum-materiallager-werden/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jun 2026 16:00:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Bestand und Wiederverwendung]]></category>
		<category><![CDATA[Steiermark / Graz]]></category>
		<category><![CDATA[Umbaukultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Haus der Architektur Graz wird der Bestand zum Programm: asphalt und circa. zeigen, wie Bauhöfe, Restflächen und Wiederverwendung die Bauwende tragen.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art </strong>  |   Unterwegs   |   Ausgabe Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bleibt, wenn nichts mehr neu gebaut wird? Ein Grazer Labor sucht Antworten</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Umbaukultur bezeichnet eine Planungspraxis, die den Bestand als Ressource versteht und Erhaltung, Reparatur sowie Wiederverwendung systematisch über den Neubau stellt. Genau dieses Verständnis rückt das Haus der Architektur (HDA) in Graz zwischen 30. Mai und 31. Juli 2026 in den Mittelpunkt. Unter dem Titel „Stadtabdrücke – Landabläufe“ verwandeln die Architekturkollektive asphalt und circa. den Ausstellungsraum an der Mariahilferstraße in ein offenes Labor, das den Umgang mit dem Vorhandenen zum Programm erhebt. Statt einer fertigen Schau zeigt das HDA einen Diskurs im Entstehen, der über Wochen wächst und sich aus Feldrecherchen, studentischen Arbeiten und einem dichten Begleitprogramm speist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum richtet ein Architekturlabor den Blick auf Bauhöfe und Restflächen?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Kollektiv asphalt untersucht kommunale Bauhöfe und Abfallsammelstellen im ländlichen Raum der Steiermark. Diese niederschwelligen, öffentlich zugänglichen Infrastrukturen gelten selten als architektonisch bedeutsam, doch sie organisieren die Materialflüsse einer ganzen Region. Im Labor entstehen kartografische Mappings, die räumliche Strukturen vergleichbar machen und als eigene Typologie lesbar werden lassen. Multimediale Porträts halten fest, was sich zwischen Lagerhalle, Containerreihe und Sortierfläche an Routinen verdichtet. Aufbauend auf dem Projekt „Umbauhof“, zu dem Ende Mai 2026 ein Band im Birkhäuser Verlag erscheint, treten die atmosphärischen Eigenheiten dieser Orte hervor: das Improvisierte, das Roh-Baustellenhafte und zugleich hochgradig Organisierte. Sichtbar wird so eine Praxis der Wiederverwendung, die Bauteile nicht entsorgt, sondern für den nächsten Bauzyklus bereithält.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Kollektiv circa. wendet sich den oft übersehenen Räumen der Stadt zu, jenen Übergängen, Restflächen und Orten des Selbstverständlichen, die es als „infraordinär“ beschreibt. Beobachtung, Analyse und Darstellung dieser Strukturen versteht circa. als Akt der Anerkennung, als Grundlage für Pflege und Weiterbau. Aus Workshops an ausgewählten Grazer Orten, getragen vom Institut für Architekturtechnologie und vom Institut für Gebäudelehre der Technischen Universität Graz, entsteht ein fortlaufender Atlas der Erinnerungen und transformierten Strukturen. Plan, Text, Zeichnung, Fotografie sowie Sieb- und Prägedruck dienen dabei als Mittel der Übersetzung urbaner Situationen. Architekturstudentinnen und Architekturstudenten errichten Mockups aus geernteten Materialien und bauen erste Exponate, sodass Forschung, Lehre und öffentliche Vermittlung im selben Raum sichtbar werden. Zwischen Abdruck, Archiv und Ausstellung entsteht ein Raum, in dem Stadt gelesen und weitergedacht wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Beide Zugänge ergänzen sich: asphalt liest das Land, circa. die Stadt. Gemeinsam zeichnen sie ein vielschichtiges Bild einer gelebten Umbau- und Reparaturkultur, in der das Bestehende nicht als Mangel, sondern als Ausgangspunkt erscheint. Dass keine abgeschlossene Ausstellung gezeigt wird, sondern ein wachsendes Labor, ist dabei Methode und nicht Verlegenheit; das Format spiegelt eine Praxis, die mit dem rechnet, was schon da ist. So entsteht aus Beobachtung Haltung und aus Haltung ein übertragbares Modell.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche rechtlichen Hürden stehen der Wiederverwendung im Weg?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer Bauteile wiederverwenden möchte, stößt in Österreich rasch auf das Abfallrecht. Sobald ein Bauteil ausgebaut wird, gilt es nach dem Abfallwirtschaftsgesetz 2002 (AWG 2002) zunächst als Abfall; erst mit Erreichen des Abfallendes darf es wieder als Produkt in Verkehr gebracht werden. Die Recycling-Baustoffverordnung (BGBl. II Nr. 181/2015) regelt für mineralische Baustoffe die Bedingungen zulässiger Wiederverwertung und schreibt vor Abbrucharbeiten eine verpflichtende Schad- und Störstofferkundung vor. Für die Praxis heißt das: Wiederverwendung ist kein Selbstläufer, sondern verlangt Nachweise, Dokumentation und ein frühzeitiges Rückbaukonzept, das den späteren Materialweg schon bei der Planung mitdenkt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt die Frage der Bauprodukte. Die neue EU-Bauproduktenverordnung (Verordnung (EU) 2024/3110) nimmt erstmals wiederverwendete Produkte ausdrücklich in den Blick und schafft einen Rahmen für deren Bewertung und Kennzeichnung. Auf Landesebene bleibt das Steiermärkische Baugesetz (Stmk. BauG) maßgeblich, sobald ein Bestand umgebaut statt abgerissen wird; Standsicherheit, Brandschutz und Barrierefreiheit, etwa nach ÖNORM B 1600, sind auch beim Weiterbauen einzuhalten. Steht ein Objekt unter dem Schutz des Denkmalschutzgesetzes (DMSG), tritt die Bewilligung des Bundesdenkmalamtes hinzu. Das Grazer Labor macht diese Regelungsschichten sichtbar, ohne sie zu verklären oder zu vereinfachen. Für planende Büros verschiebt sich damit der Aufwand nach vorn: Wer Wiederverwendung will, dokumentiert früher und genauer.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Spürbar wird hier eine Lücke zwischen Anspruch und Vollzug. Die europäische Kreislaufwirtschaft, vom Neuen Europäischen Bauhaus bis zum Circular Economy Action Plan, fordert Wiederverwendung; das nationale Ordnungsrecht behandelt ausgebaute Bauteile aber weiterhin überwiegend als Abfall. Wer die graue Energie eines Tragwerks erhält, statt es zu entsorgen, spart Emissionen, die kein Neubau je zurückgewinnt. Pre-Demolition-Audits und digitale Materialkataster könnten die Lücke schließen, doch sie sind weder flächendeckend etabliert noch durchgängig vorgeschrieben. Wer wie asphalt Bauhöfe als Knotenpunkte der Wiederverwendung porträtiert, benennt damit auch einen regulatorischen Handlungsbedarf, den die Davos-Erklärung zur Baukultur seit 2018 anmahnt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das Labor für die Planungskultur in der Steiermark?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine erfolgreiche Bauwende entscheidet sich nicht allein an neuen Technologien, sondern am Umgang mit dem Vorhandenen, an bestehenden Infrastrukturen, Routinen und materiellen Kreisläufen. „Stadtabdrücke – Landabläufe“ liest Stadt und Land als Archive und als Ressourcen, aus denen eine Architektur des Weiterbauens schöpfen kann. Gerade im ländlichen Raum, wo demografischer Wandel und Leerstand zusammentreffen, gewinnt diese Haltung an Gewicht: Der kommunale Bauhof wird zum stillen Akteur einer regionalen Ressourcenwirtschaft. Ein Begleitprogramm aus Studierendenworkshops, offenen Werkstätten ohne Voranmeldung sowie Werkstattgesprächen und einer Buchvorstellung am 19. Juni 2026 überführt die Haltung in konkrete Praxis. Auch Landesentwicklung und örtliche Raumordnung profitieren, wenn Kommunen ihre Materialbestände kennen und gezielt steuern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass die Kammer der Ziviltechnikerinnen und Ziviltechniker für Steiermark und Kärnten, das Land Steiermark und die Technische Universität Graz das Format mittragen, verweist auf eine regionale Allianz, die Umbaukultur nicht als Nische, sondern als Kern künftiger Planung begreift. Hervorgegangen ist das Projekt aus dem HDA-Open-Call 2025, also aus einem offenen Auswahlverfahren statt aus einer Auftragsvergabe. Übertragbar ist der Ansatz allemal: Bauhöfe und Restflächen gibt es in jeder Region, ihre Potenziale bleiben meist ungenutzt. Wer sie als Materiallager und als Wissensspeicher begreift, gewinnt für die Bauwende mehr, als jede Neubauförderung verspricht. Die Steiermark könnte so zum Referenzfall werden, wie Regionen ihre eigene Substanz produktiv halten.</p>
<h2 style="font-weight: 400;"><strong>Leserinformation</strong></h2>
<p style="font-weight: 400;"><em>Haus der Architektur Graz, Labor und Ausstellung</em></p>
<table style="font-weight: 400;" width="624">
<tbody>
<tr>
<td width="153"><strong>Ausstellung</strong></td>
<td width="471">„Stadtabdrücke – Landabläufe“, Labor und Ausstellung der Architekturkollektive asphalt und circa.</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Laufzeit</strong></td>
<td width="471">30. Mai bis 31. Juli 2026</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Eröffnung / Kick-off</strong></td>
<td width="471">Samstag, 30. Mai 2026, 19 Uhr, im Rahmen des HDA-Sommerfests (Architekturtagefest)</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Ort</strong></td>
<td width="471">HDA, Haus der Architektur, Mariahilferstraße 2, 8020 Graz, Österreich</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Öffnungszeiten</strong></td>
<td width="471">Ausstellung: Dienstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr</p>
<p>Büro: Montag bis Freitag, 11 bis 17 Uhr</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Begleitprogramm</strong></td>
<td width="471">Feldrecherche Alltagsinfrastrukturen: 16. bis 17. April 2026</p>
<p>Aufbau der Ausstellung mit Studierenden der TU Graz: 2. bis 3. Juni 2026</p>
<p>Studierendenworkshops: 8. bis 9. Juni und 15. bis 16. Juni 2026</p>
<p>Open Workshops (keine Voranmeldung): 10. bis 11. Juni und 17. bis 18. Juni 2026</p>
<p>Werkstattgespräche, Midissage und Buchvorstellung: 19. Juni 2026, 18 Uhr</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Eintritt</strong></td>
<td width="471">Zu den Eintrittskonditionen macht das HDA auf der Programmseite keine Angaben; aktuelle Tarife bitte vorab erfragen. Der Kulturpass „Hunger auf Kunst &amp; Kultur Steiermark“ wird als Partner geführt.</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Barrierefreiheit</strong></td>
<td width="471">Zur barrierefreien Zugänglichkeit liegen keine ausdrücklichen Angaben vor. Ob die Räume stufenlos und gemäß ÖNORM B 1600 erschlossen sind, sollte vor dem Besuch direkt beim Haus geprüft werden.</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Anreise</strong></td>
<td width="471">Das HDA liegt zentral am linken Murufer nahe dem Kunsthaus Graz. Die Anreise ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln der Graz Linien möglich; Haltestelle und Tarife bitte tagesaktuell prüfen.</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Kontakt</strong></td>
<td width="471">Telefon: +43 316 323 500</p>
<p>E-Mail: <a href="mailto:office@hda-graz.at" target="_blank" rel="noopener">office@hda-graz.at</a></td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Web und Newsletter</strong></td>
<td width="471">hda-graz.at; die Newsletter-Anmeldung erfolgt über das HDA.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="font-weight: 400;"><em>Alle Angaben nach dem HDA, Stand der Programmseite. Änderungen vorbehalten.</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/umbaukultur-in-graz-wenn-bauhof-und-restflaeche-zum-materiallager-werden/">Umbaukultur in Graz: Wenn Bauhof und Restfläche zum Materiallager werden</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kühldächer: Warum heller Anstrich Städte wirksamer kühlt als Stadtgrün</title>
		<link>https://baukunst.art/kuehldaecher-warum-heller-anstrich-staedte-wirksamer-kuehlt-als-stadtgruen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 09:30:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Hitzeanpassung]]></category>
		<category><![CDATA[Kühldächer]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtklima]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gegen Hitze in der Stadt gilt Grün als erste Wahl. Eine Modellstudie aus London stellt diese Gewissheit infrage und kürt eine überraschend simple Maßnahme zur wirksamsten: den weißen Anstrich.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/kuehldaecher-warum-heller-anstrich-staedte-wirksamer-kuehlt-als-stadtgruen/">Kühldächer: Warum heller Anstrich Städte wirksamer kühlt als Stadtgrün</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong> | Innovation | Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Das Missverständnis vom grünen Dach</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Kühldächer sind Dachflächen mit stark erhöhter Albedo, die einen Großteil der einfallenden Sonnenstrahlung reflektieren, statt sie als Wärme aufzunehmen. Eine im Juli 2024 in der Fachzeitschrift Geophysical Research Letters erschienene <strong><a href="https://agupubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1029/2024GL109634" target="_blank" rel="noopener">Modellstudie des University College London (UCL)</a></strong> kommt zu einem unbequemen Ergebnis: Unter neun gängigen Maßnahmen gegen städtische Hitze kühlt ausgerechnet die simpelste, der helle Anstrich, am stärksten, deutlich wirksamer als Gründächer, Stadtbäume oder Photovoltaik.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Team um Oscar Brousse von der UCL Bartlett School of Environment, Energy and Resources rechnete mit dem mesoskaligen Stadtklimamodell WRF BEP-BEM in einer Auflösung von einem Kilometer. Untersucht wurde die Region Greater London für die beiden heißesten Tage des Sommers 2018, den 26. und 27. Juli, in einem Sommer, der für das Vereinigte Königreich der wärmste seit Messbeginn war. Jede Intervention wurde zweifach betrachtet: einmal als theoretisches Maximum, flächendeckend über alle Gebäude hinweg, einmal als praktikable Variante im Rahmen des realen Gebäudebestands.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Maßnahme kühlt am stärksten?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Flächendeckend eingesetzte Kühldächer, modelliert mit einer Albedo von 0,85, senken die bodennahe Lufttemperatur stadtweit um durchschnittlich rund 1,2 Grad Celsius, lokal um bis zu 2 Grad. An den heißesten Stunden, wenn die räumlichen Mittelwerte 33 oder 37 Grad erreichen, fällt die Abkühlung mit 3,2 beziehungsweise 2,8 Grad noch deutlicher aus. Photovoltaik über die gesamte Stadt bringt im Mittel etwa 0,5 Grad, der Umbau von Grün- und Ackerflächen zu Laubbaumbestand rund 0,3 Grad. Gründächer aus Sedum schließlich verändern die Tagesmitteltemperatur praktisch nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Energetisch erklärt sich der Effekt sauber. Die erhöhte Albedo reduziert die aufgenommene kurzwellige Strahlung um etwa 50 Watt pro Quadratmeter, der Strom fühlbarer Wärme sinkt um rund 30 Watt pro Quadratmeter. Weniger Einstrahlung, weniger Aufheizung, kühlere Luft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum enttäuschen Gründächer im Mittel?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gründächer gelten als ökologischer Königsweg, doch die Londoner Rechnung differenziert. Tagsüber, zwischen 11 und 14 Uhr, kühlen sie die Umgebung um 0,5 bis 0,8 Grad. Nachts kehrt sich der Effekt um: Die thermische Masse des Aufbaus speichert die Tageswärme und gibt sie nach Sonnenuntergang wieder ab, was die Temperatur am frühen Morgen um rund 0,5 Grad anhebt. Über den Tag gemittelt bleibt kaum messbare Abkühlung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das schmälert den Wert begrünter Dächer nicht. Sie halten Regenwasser zurück, bieten Insekten und Vögeln Lebensraum und verbessern die Dämmwirkung. Als Instrument gegen nächtliche Hitze, die für gesundheitlich gefährdete Menschen besonders kritisch ist, taugen sie der Studie zufolge jedoch nur bedingt. Ähnlich ambivalent fällt das Urteil über Stadtbäume aus: Sie kühlen vor allem abends, erhöhen tagsüber aber über die Verdunstung den Wasserdampfgehalt der Luft. Die steigende Feuchte kann das Hitzeempfinden der Bewohnerinnen und Bewohner verschlechtern, selbst wenn das Thermometer sinkt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist der Befund zur Klimatisierung. Klimaanlagen verlagern Wärme aus dem Inneren nach außen und heizen den Straßenraum auf, stadtweit um 0,15 Grad, in der dichten Innenstadt um bis zu 1 Grad. Eine praktikabel ausgebaute Photovoltaik könnte den dafür nötigen Strom rechnerisch decken, ihre mittlere Leistung von 4,70 Megawatt läge knapp über dem mittleren Verbrauch der Klimageräte von 4,61 Megawatt. Die kühle Innenwelt erkauft sich also eine wärmere Außenwelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das für den Innovationsbegriff?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier wird die Studie für die Baukultur interessant. Sie modelliert Kühldächer bewusst als simpelsten Fall, als Beton mit hoher Albedo, und benennt selbst, dass jüngere technologische Entwicklungen nicht erfasst sind. Genau dort liegt das Innovationspotenzial. Passive Strahlungskühlung etwa, bei der spezielle Beschichtungen Wärme im sogenannten atmosphärischen Fenster direkt in den Weltraum abstrahlen, erreicht im Idealfall Oberflächentemperaturen unter der Umgebungsluft. Hochreflektive Anstriche, kombinierte Solar-Kühldach-Systeme oder schaltbare Materialien, die im Winter Wärme zulassen und im Sommer reflektieren, adressieren genau die Schwäche, die das Modell offenlegt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Denn der helle Anstrich hat eine Kehrseite. Im Winter reflektiert er auch jene Strahlung, die den Heizbedarf senken könnte. Die Autorinnen und Autoren betonen daher, dass Kühldächer mit guter Dämmung kombiniert gehören. Reflektierte Strahlung kann zudem benachbarte Fassaden aufheizen, und großflächig weiße Dachlandschaften werfen ästhetische wie denkmalpflegerische Fragen auf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie übertragbar sind die Ergebnisse auf deutsche Städte?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der städtische Wärmeinseleffekt wirkt in München, Köln oder Berlin nach denselben physikalischen Prinzipien wie in London. Mit dem Bundes-Klimaanpassungsgesetz (KAnG), das im Juli 2024 in Kraft trat, sind Länder und Kommunen zur Hitzevorsorge verpflichtet; das Baugesetzbuch verankert in § 1 Absatz 5 BauGB Klimaschutz und Klimaanpassung als Leitlinie der Bauleitplanung. Helle Dachflächen sind in diesem Rahmen ein technisch simples, kostengünstiges und sofort wirksames Werkzeug, das weder statische Ertüchtigung noch nennenswerten Pflegeaufwand verlangt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zugleich mahnt die Studie zur Vorsicht. Sie beruht auf einem einzigen Modell und nur zwei Hitzetagen, die berechneten Unterschiede liegen teils unter der Modellungenauigkeit. Eine im Oktober 2024 in Nature Cities veröffentlichte Anschlussarbeit desselben Forschungsumfelds bezifferte den möglichen Nutzen dennoch konkret: Flächendeckende Kühldächer hätten London im Hitzesommer 2018 um etwa 0,8 Grad gekühlt und schätzungsweise 249 hitzebedingte Todesfälle verhindert, knapp ein Drittel der damals registrierten Hitzetoten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die eigentliche Innovation liegt damit weniger im Material als in der Methode. Erstmals werden gängige Maßnahmen unter gleichen Bedingungen gegeneinander gestellt und ihre Wirkmechanismen physikalisch zerlegt. Das ersetzt das Bauchgefühl, Grün sei stets gut und Technik stets fragwürdig, durch eine belastbare Vergleichsgrundlage. Für Planerinnen und Planer verschiebt sich damit die Leitfrage: Nicht das sichtbarste, sondern das wirksamste Mittel sollte den Vorrang erhalten. Im überhitzten Sommer der Stadt ist das, zumindest tagsüber, ausgerechnet die unscheinbare helle Farbe auf dem Dach.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Der Klang, den niemand hört: Wie akustische Gesundheit zum Entwurfsparameter wird</title>
		<link>https://baukunst.art/der-klang-den-niemand-hoert-wie-akustische-gesundheit-zum-entwurfsparameter-wird/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2026 15:47:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Akustische Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Raumakustik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Akustik ist mehr als hörbarer Komfort: Selbst unhörbarer Infraschall verändert Stimmung und Stresshormone. Warum Klang zum Entwurfsparameter wird, den die Architektur nicht länger ignorieren sollte.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-klang-den-niemand-hoert-wie-akustische-gesundheit-zum-entwurfsparameter-wird/">Der Klang, den niemand hört: Wie akustische Gesundheit zum Entwurfsparameter wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Innovation <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Klang an einem Ort ist wichtig für unser Wohlbefinden</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„Der Klang an einem Ort ist wichtig für unser Wohlbefinden.“ Dieser Satz beschreibt eine Verschiebung, die der Architektur eine neue Entwurfsdimension eröffnet: Klang wird vom nachträglichen Komfortthema zum gestalterischen Parameter, und zwar bis weit unter die Hörschwelle. Akustische Innovation bedeutet heute, nicht nur den hörbaren Schall zu beherrschen, sondern auch jene unhörbaren tieffrequenten Schwingungen, die Stimmung und Stresshormone messbar beeinflussen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Anstoß gibt eine im April 2026 in der Fachzeitschrift Frontiers in Behavioral Neuroscience veröffentlichte Studie. Das Team um Rodney Schmaltz an der kanadischen MacEwan University setzte 36 Probandinnen und Probanden Infraschall von etwa 18 Hertz aus, also Schall unterhalb der menschlichen Hörschwelle von rund 20 Hertz. Bei aktivem Infraschall stieg das im Speichel gemessene Stresshormon Cortisol signifikant an, die Teilnehmenden fühlten sich gereizter und bewerteten Musik als trauriger, ohne den Ton bewusst wahrzunehmen. Ein Nocebo-Effekt ließ sich ausschließen. Der Befund bestätigt ältere Beobachtungen: Der britische Ingenieur Vic Tandy hatte 1998 eine stehende Welle bei 19 Hertz als Ursache vermeintlicher Spukerlebnisse identifiziert, und ein Feldversuch des britischen National Physical Laboratory zeigte 2003, dass ein 17-Hertz-Ton bei 22 Prozent von rund 750 Konzertbesuchenden Beklemmung auslöste.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Warum wird Klang zum Entwurfsparameter?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Klang wird zum Entwurfsparameter, weil sich seine Wirkung auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit inzwischen belegen lässt. Lange galt Akustik als Disziplin der Nachbesserung, etwa wenn ein Großraumbüro zu hallig oder eine Wohnung zu hellhörig geriet. Die neue Forschung erweitert das Feld um eine unsichtbare Ebene, denn Räume wirken über den ganzen Körper, nicht nur über das bewusste Hören. Damit rückt die akustische Qualität auf eine Stufe mit Tageslicht, Raumluft und Temperatur, also mit jenen Faktoren, die Entwurf und Zertifizierung längst steuern. Der WELL Building Standard behandelt akustischen Komfort ausdrücklich als Faktor des Wohlbefindens, und auch das Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen (DGNB) bewertet die akustische Behaglichkeit. Wer Klang von Anfang an mitdenkt, gestaltet nicht nur angenehmere, sondern gesündere Räume.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Welche Werkzeuge erschließen den unhörbaren Bereich?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den unhörbaren Bereich erschließen vor allem neue Mess- und Simulationsverfahren. Tieffrequenter Schall lässt sich mit speziellen Mikrofonen und Beschleunigungssensoren erfassen, die langsame Druckänderungen registrieren, welche gewöhnliche Messtechnik überhört. In der Planung erlauben akustische Simulationen, die Eigenfrequenzen eines Raumes vorab zu berechnen, sodass kritische Resonanzen im Bereich um 18 bis 19 Hertz gar nicht erst entstehen. Tandys berüchtigter Korridor besaß genau die Länge, um eine solche stehende Welle aufzuschaukeln, ein Effekt, der sich heute am Modell vermeiden lässt. Auf der Bauteilebene entkoppeln elastische Lager Pumpen, Lüfter und Aufzüge schwingungstechnisch vom Tragwerk. Hinzu kommen digitale Monitoringsysteme, die tieffrequente Belastungen im Betrieb dauerhaft überwachen, vergleichbar mit Sensoren für Luftqualität. Aus einer diffusen Störquelle wird so eine planbare und messbare Größe.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das für Standards und Praxis?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Praxis folgt daraus, dass tieffrequenter Schall als eigenständige Größe in den Entwurf gehört. Die geltenden Regelwerke decken ihn nur teilweise ab. Die DIN 4109 (Schallschutz im Hochbau) und die DIN 18041 (Hörsamkeit in Räumen) zielen auf den hörbaren Bereich, die DIN 45680 (Messung und Bewertung tieffrequenter Geräuschimmissionen in der Nachbarschaft) sowie die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) setzen erst oberhalb deutlicher Belästigungsschwellen an. Die nun belegten subtilen Effekte unterhalb dieser Schwellen erfassen sie kaum. Hier liegt das eigentliche Innovationsfeld für Planungsbüros, die akustische Gesundheit zum Standard machen, statt auf eine Verschärfung der Normen zu warten. Erste Ansätze zeigen sich in Schulen, Kliniken und Bürobauten, in denen Lüftungs- und Klimatechnik bewusst leiser und entkoppelt geplant wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei aller Aufbruchstimmung ist Augenmaß nötig. Die Stichproben der vorliegenden Studien sind klein, die Effekte moderat, und nicht jede Befindlichkeit lässt sich auf Infraschall zurückführen. Die aufgeheizte Debatte um Infraschall durch Windkraftanlagen mahnt zur Vorsicht, denn das Umweltbundesamt (UBA) verweist darauf, dass dieser in üblichen Abständen unter der Wahrnehmungsschwelle bleibt. Innovation heißt hier nicht, ein neues Schreckgespenst zu erzeugen, sondern eine bislang übersehene Qualität nüchtern zu gestalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Baukultur eröffnet sich damit ein lohnendes Feld. Der Trend zu hoch technisierten, dicht gedämmten Gebäuden verlagert die Quellen tieffrequenter Schwingungen ins Innere, dorthin, wo Menschen schlafen, lernen und arbeiten. Wer den Klang eines Ortes als Teil seines Wohlbefindens versteht, gestaltet Architektur, die nicht nur gesehen, sondern im besten Sinne gespürt wird. Aus dem alten Schauer im Gemäuer wird so eine Frage moderner, gesundheitsorientierter Planung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-klang-den-niemand-hoert-wie-akustische-gesundheit-zum-entwurfsparameter-wird/">Der Klang, den niemand hört: Wie akustische Gesundheit zum Entwurfsparameter wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<item>
		<title>Wo steht der 3D-Betondruck im deutschsprachigen Wohnungsbau heute?</title>
		<link>https://baukunst.art/wo-steht-der-3d-betondruck-im-deutschsprachigen-wohnungsbau-heute/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 09:32:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[3D-Betondruck]]></category>
		<category><![CDATA[Additive Fertigung]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Einfamilienhausbau]]></category>
		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
		<category><![CDATA[Zustimmung im Einzelfall]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=16168</guid>

					<description><![CDATA[<p>3D-Betondruck verkürzt Bauzeiten im Einfamilienhausbau. Doch HOAI, ZiE und Haftung halten nicht Schritt. Eine Standortbestimmung.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wo-steht-der-3d-betondruck-im-deutschsprachigen-wohnungsbau-heute/">Wo steht der 3D-Betondruck im deutschsprachigen Wohnungsbau heute?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong> | Innovation / Meinung | Mai 2026</p>
<p>Veröffentlichungsdatum: 13. Mai 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">3D-Betondruck im Einfamilienhausbau: Wie additive Fertigung Bauzeiten komprimiert und das Berufsrecht herausfordert</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Technologie hat die Laborphase verlassen. In Beckum entstand 2020 das erste gedruckte Wohnhaus Deutschlands, geplant von MENSE-KORTE ingenieure und architekten, gedruckt mit dem COBOD BOD2 von PERI 3D Construction. In Wallenhausen folgte das erste Fünf-Familienhaus, in Lindau eine Wohnhausaufstockung, in Heidelberg das aktuell größte gedruckte Gebäude Europas. Im niedersächsischen Selsingen druckt die Matthäi-Gruppe gerade das erste Bürogebäude Norddeutschlands. PERI spricht von siebzehn realisierten oder begleiteten Projekten in Europa und den USA. Das ist keine Pilotphase mehr, das ist eine Marktentwicklung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der BOD2 druckt einen Quadratmeter doppelschalige Hohlwand in fünf Minuten, bedient von zwei Personen, mit einer maximalen Druckgeschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde. Das Fünf-Familienhaus in Wallenhausen entstand in 72 Stunden reiner Druckzeit, einschließlich Rüstzeiten in fünf Wochen. PERI vertreibt mit DREIHAUS ein modulares, durchgeplantes Gebäudekonzept, das nach Herstellerangaben dreißig Prozent schneller und bis zu zehn Prozent günstiger umsetzbar ist als konventionelle Bauweise.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was komprimiert die additive Fertigung tatsächlich, und was nicht?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Druckzeit ist der prominente Wert, aber er beschreibt nur einen Ausschnitt. Komprimiert wird vor allem die Rohbauphase der senkrechten Wandstrukturen. Streifenfundament, Bewehrung, Deckenkonstruktion, Dach, Fenster, Haustechnik, Innenausbau bleiben konventionell. Wer von einem dreitägigen Hausbau spricht, blendet 90 Prozent der Leistungsphasen aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Real komprimiert wird die Schalungsarbeit. Der Drucker formt Rundungen, Hohlräume und Wandintegrationen für Leitungen ohne Mehrkosten. Das ist gestalterisch und ökonomisch relevant, gerade im Einfamilienhausbau, wo individuelle Geometrien sonst Sondergewerke und Sonderpreise auslösen. Die These, Bauen werde damit per se schneller, ist trotzdem nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte schreibt das Bauordnungsrecht.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum braucht jedes gedruckte Haus heute noch eine Zustimmung im Einzelfall?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für den 3D-Betondruck im Hochbau existiert in Deutschland bislang keine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung. Jedes Projekt benötigt eine Zustimmung im Einzelfall nach Paragraf 20 MBO beziehungsweise eine vorhabenbezogene Bauartgenehmigung nach Paragraf 16a, je nach Landesbauordnung. In Bayern regeln Artikel 20 und Artikel 15 BayBO das Verfahren. Tragfähigkeit, Dauerhaftigkeit, Brandschutz und Bauphysik sind projektspezifisch nachzuweisen, in der Regel über ein Prüf- und Zulassungskonzept eines Fachingenieurbüros wie Schiessl Gehlen Sodeikat in Selsingen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der 2024 vom Deutschen Ausschuss für Stahlbetonbau veröffentlichte Leitfaden „Additive Fertigung mit Beton“ strukturiert Verfahren, Prüfungen und Schnittstellen. Er ersetzt aber keine Norm. Jede Wiederholung verkürzt zwar den Nachweisweg, weil bestehende Prüfergebnisse anerkannt werden können, sofern sie einschlägig bleiben. Doch jede neue Geometrie, jeder neue Druckmörtel, jeder neue Wandaufbau setzt den Prozess teilweise zurück. Die Bauindustrie ruft nach Fast-Track-Verfahren für typisierte Druckvorlagen. Bis dahin trägt jedes Projekt die Last des Einzelnachweises.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das für die HOAI-Leistungsphasen?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die HOAI ist nicht für additive Fertigung geschrieben. Sie kennt Werkplanung als zeichnerische Übersetzung in maßstäblich darstellbare Bauteile. Beim 3D-Betondruck wird die Ausführungsplanung zu einer Datei, die direkt in den Slicer und damit in die Maschine geht. Schichthöhe, Bahnbreite, Druckpfad, Materialfluss und Aushärtezeit sind keine Eigenschaften der Bauleistung mehr, sondern Parameter der Planung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Damit verschiebt sich die Leistungstiefe in Leistungsphase 5. Wer den Druckpfad festlegt, definiert das Bauteil. Der Architekt liefert nicht mehr eine Werkzeichnung, die das ausführende Gewerk in seinem Erfahrungsraum interpretiert. Er liefert eine maschinenlesbare Vorgabe, die unmittelbar Bauwirklichkeit wird. Das hebt die Verantwortung, weil es keinen handwerklichen Übersetzungsschritt mehr gibt, der Planungsfehler abfedert. Es senkt sie zugleich, weil Toleranzen technisch fixiert sind. Beides muss berufsrechtlich noch verstanden werden.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wer haftet, wenn der Roboter baut?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Haftungsfrage ist nicht akademisch. Wenn eine Druckschicht nicht ausreichend mit der nächsten verbunden ist, weil der Materialfluss kurz aussetzte, liegt der Mangel im Druckprozess. Wer steht dafür ein? Der Druckdienstleister, der Materialhersteller, der Maschinenlieferant, der Tragwerksplaner oder der Architekt als bauleitende Stelle nach Leistungsphase 8?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die etablierte Antwort lautet: Der Architekt überwacht die Ausführung, prüft die anerkannten Regeln der Technik, dokumentiert Abweichungen. Doch für den 3D-Betondruck existieren diese anerkannten Regeln noch nicht. Der DAfStb-Leitfaden ist eine Empfehlung, keine eingeführte Technische Baubestimmung. Wer hier Bauleitung übernimmt, übernimmt eine Verantwortung, deren technischer Maßstab im Wesentlichen vom Hersteller des Druckers und vom Lieferanten des Druckmörtels definiert wird. Das ist eine Position, die das Berufsbild bisher nicht kannte.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Droht der Architektenschaft die Rolle der Datenlieferantin?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier beginnt die berufspolitische Dimension. Die Definitionsmacht über die Schnittstelle zwischen Planung und Fertigung liegt aktuell bei den Herstellern der Drucker, der Druckmörtel und der Software. PERI bietet Schulungen, Aufbauplanung und Supervisor-Begleitung. COBOD definiert die Slicer-Parameter. Heidelberg Materials liefert den i.tech 3D. Die Architektenkammern und der DAfStb arbeiten an Leitfäden, aber die Geschwindigkeit der Marktentwicklung ist höher als die Geschwindigkeit der Standardisierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn dieser Vorsprung nicht aufgeholt wird, verschiebt sich die Berufsrolle still und unauffällig. Aus dem Planer wird ein Lieferant von STL- oder G-Code-Dateien an einen Druckdienstleister, der die eigentliche Bauwirklichkeit kontrolliert. Aus der Leistungsphase 5 wird ein Export-Workflow. Aus der Bauleitung wird eine Werkstattabnahme. Das mag in Einzelfällen ökonomisch funktionieren. Als Modell für das Berufsbild ist es eine Selbstentmachtung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der 3D-Betondruck ist keine architektonische Frage, solange er nur als schnelle Wand verstanden wird. Er wird zur architektonischen Frage in dem Moment, in dem er das Verhältnis von Entwurf, Werkplanung, Ausführung und Verantwortung neu ordnet. Genau diesen Moment erleben wir gerade. Und genau diesen Moment darf die Architektenschaft nicht den Pressemitteilungen der Druckdienstleister überlassen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was wäre jetzt zu tun?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Erstens: Die Architektenkammern müssen den 3D-Betondruck als Berufsfeld ernstnehmen, nicht als Innovationsthema für Sonderausstellungen. Fortbildung, Musterverträge, Haftungsmuster, Schnittstellenklärung zur HOAI sind überfällig. Wer planen soll, muss wissen, welche Leistungspflicht er übernimmt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zweitens: Der Druckpfad gehört in die Leistungsphase 5. Wenn die Datei das Bauteil definiert, muss sie planerisch verantwortet werden, nicht von einem Druckdienstleister mit eigener Konstruktionsabteilung. Sonst wandert die Wertschöpfung dorthin, wo die Software liegt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drittens: ZiE-Verfahren brauchen typisierte Pfade für wiederkehrende Wandaufbauten. Ohne diese bleibt der 3D-Druck im Einfamilienhausbau ein Premiumprodukt für Bauherren mit Zeit und Budget für Sonderzulassungen. Das ist das Gegenteil dessen, was die Technologie verspricht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Viertens: Geschwindigkeit ist kein architektonischer Wert. Sie ist eine ökonomische Größe. Wer 72 Stunden Druckzeit als Argument für eine Bauweise nimmt, hat den Anspruch der Disziplin verlassen. Die Frage bleibt, was gebaut wird, nicht in welcher Geschwindigkeit.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der 3D-Betondruck wird sich im Einfamilienhausbau durchsetzen, in Nischen zuerst, in der Breite sobald die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung steht. Die technische Frage ist im Wesentlichen beantwortet. Offen ist die berufsrechtliche. Wenn HOAI und Kammerrecht der Marktentwicklung nicht nachziehen, übernehmen andere die Definitionsmacht. Wer die Schnittstelle zwischen Datei und Bauteil verantwortet, bestimmt das Berufsbild der nächsten zwanzig Jahre. Das ist keine Innovationsfrage. Das ist eine Frage der Selbstverortung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wo-steht-der-3d-betondruck-im-deutschsprachigen-wohnungsbau-heute/">Wo steht der 3D-Betondruck im deutschsprachigen Wohnungsbau heute?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Gebäude-Klimarechner: Wann der Erhalt das Klima entlastet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 09:13:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Bauwende]]></category>
		<category><![CDATA[Bestandserhalt Regelwerke: Klimaschutzgesetz (KSG)]]></category>
		<category><![CDATA[DIN EN 15978]]></category>
		<category><![CDATA[GEG]]></category>
		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenszyklusanalyse]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein neues Online-Tool macht den ökologischen Vergleich zwischen Bestand und Ersatz-Neubau berechenbar. Was kann der Gebäude-Klimarechner und wo liegen seine Grenzen?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/gebaeude-klimarechner-wann-der-erhalt-das-klima-entlastet/">Gebäude-Klimarechner: Wann der Erhalt das Klima entlastet</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art</strong> | Innovation | Mai 2026<br />
Veröffentlichungsdatum: 13. Mai 2026<br />
Lesezeit: ca. 5 Minuten</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Erhalt schlägt den Neubau: Wie ein Online-Tool das Klima berechnet</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gebäude-Klimarechner ist ein kostenfreies Online-Werkzeug, das die CO2-Bilanz von Bestandsgebäuden über den gesamten Lebenszyklus erfasst und mit der Klimawirkung eines Ersatz-Neubaus vergleicht. Unter g-kr.online steht das Tool seit Anfang 2026 als Beta-Version für Wohngebäude zur Verfügung. Entwickelt wurde es von Muck Petzet Architekten gemeinsam mit der Accademia di architettura USI in Mendrisio, b+ee bauphysik + energieeffizienz sowie dem Materialkataster Madaster. Gefördert hat das Forschungsprojekt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Programm „Zukunft Bau&#8220;.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Grundidee ist so einfach wie politisch heikel: Wer einen Bestandsbau abreißt und neu baut, verbraucht Material, Energie und Atmosphäre, die in der bestehenden Substanz bereits gebunden sind. Klassische Effizienzbewertungen wie die KfW-Standards oder die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) blenden diese graue Energie weitgehend aus. Sie messen den Betrieb, nicht die Herstellung. Der Gebäude-Klimarechner schließt diese Lücke, indem er beide Seiten in CO2-Äquivalenten gegenüberstellt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was misst der Rechner genau?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nutzerinnen und Nutzer geben Baujahr, Bruttogrundfläche, Geschosszahl und Energieträger ein. Das Tool berechnet daraus drei Kennzahlen: die CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus, den Ressourcenverbrauch in Form von Masse und Materialart sowie das zu erwartende Müllaufkommen. Diese Werte werden für verschiedene Handlungsoptionen ermittelt, vom Weiterbetrieb über die sanfte Sanierung bis zum Ersatz-Neubau. Die Datengrundlage stammt aus modellierten Testplanungen, aus realisierten Umbauprojekten von Muck Petzet Architekten sowie aus Tabellenwerten der Bauforschung. Ein Abgleich mit der Software Scandens diente der Validierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Methodisch lehnt sich der Rechner an die Lebenszyklusphasen nach DIN EN 15978 an. Erfasst werden die Module der Herstellung (A1 bis A3), der Nutzung einschließlich Instandhaltung (B) sowie das Lebensende (C). Die Bilanzierungstiefe bleibt bewusst niedriger als bei kommerziellen Ökobilanz-Programmen, etwa der DGNB-Methodik. Ziel ist nicht die zertifizierungsreife Berechnung, sondern eine belastbare Größenordnung, die in der frühen Entscheidungsphase Orientierung gibt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum braucht es überhaupt ein solches Tool?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bestandserhalt ist im deutschsprachigen Raum bislang strukturell benachteiligt. Steuerliche Anreize, Förderlogiken und sogar Teile der HOAI sind historisch auf den Neubau zugeschnitten. Wer einen Altbau ertüchtigt, kämpft mit Sonderregelungen, höheren Planungsanteilen und einer Beweislast, die der Neubau nicht kennt. Das Klimaschutzgesetz (KSG) verpflichtet Deutschland zur Treibhausgasneutralität bis 2045. Der Gebäudesektor verursacht laut Umweltbundesamt rund 35 Prozent der gesamten Endenergieverbräuche. Ohne eine konsequente Bauwende, also den Umbau von der Baukultur zur Umbaukultur, ist dieses Ziel kaum zu erreichen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier setzt der Gebäude-Klimarechner an. Er macht das Argument für den Erhalt quantifizierbar und damit verhandelbar. Wenn Bauherrschaften, Projektentwicklerinnen und Projektentwickler oder kommunale Bauämter eine Zahl auf dem Tisch liegen haben, verschiebt sich die Diskussion. Aus einer Haltungsfrage wird eine Rechenaufgabe. Muck Petzet, Initiator des Projekts und Professor für Sustainable Design an der Accademia di architettura USI, formuliert es so: Der „richtige Umgang&#8220; mit dem Bestand sei berechenbar.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Aussagekraft hat das Ergebnis?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die meisten modellierten Fälle laufen auf eine moderate Modernisierung hinaus. Das deckt sich mit den Befunden anderer Forschungsinitiativen, etwa dem Praxispfad CO2-Reduktion im Gebäudesektor. Ein Ersatz-Neubau lohnt sich klimatisch nur in Ausnahmefällen, etwa bei stark geschädigter Bausubstanz oder bei massiver Flächenausweitung. Selbst dann muss der Effizienzvorteil im Betrieb die Herstellungsemissionen über Jahrzehnte amortisieren, was bei einer typischen Nutzungsdauer von 50 bis 80 Jahren oft nicht gelingt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Beirat des Projekts ist prominent besetzt. Prof. Elisabeth Endres (TU Braunschweig), Prof. Thomas Auer (TU München) und Timm Sassen (Greyfield Group) begleiten die Entwicklung wissenschaftlich. Mitinitiatoren sind der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) sowie die Greyfield Group. Diese Konstellation verleiht dem Werkzeug Gewicht in der Fachdebatte und unterscheidet es von marketinggetriebenen Rechentools.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Grenzen und blinde Flecken</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">So nützlich der Ansatz ist, so klar sind seine Grenzen. Mischformen wie Teilabbruch, Aufstockungen oder Neubauten mit veränderten Flächen und Volumen lassen sich in der aktuellen Beta-Version nicht abbilden. Auch Kosten werden bewusst ausgeklammert. Die Begründung der Entwicklerinnen und Entwickler: Kosten allein erzeugten keine belastbare Erkenntnis, sondern entfalteten ihre Aussagekraft erst im Verhältnis zu den daraus erwirtschafteten Werten. CO2-Äquivalente seien angesichts der existenzbedrohenden Dimension des Klimawandels die entscheidende „Währung&#8220;, die nur noch begrenzt zur Verfügung stehe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine weitere Einschränkung betrifft die Gebäudetypologie. Bisher ist der Rechner auf Ein- und Mehrfamilienhäuser beschränkt. Bildungs-, Verwaltungs- und Gewerbebauten sollen folgen, sobald die Datenbasis konsolidiert ist. Auch die Bewertung von Bauteilen mit besonderen Anforderungen, etwa bei Denkmälern oder im erweiterten Brandschutz, bleibt Sache spezialisierter Planungsbüros.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das für die Praxis?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten bietet der Rechner einen niederschwelligen Einstieg in die Lebenszyklusbetrachtung. Schon in der Akquisephase lässt sich mit wenigen Klicks eine Größenordnung ermitteln, die als Argumentationshilfe gegenüber der Bauherrschaft dient. Wer früh überzeugen muss, dass der Bestand erhaltenswert ist, kann sich nun auf Zahlen stützen, die mit BBSR-Förderung entstanden sind. Das verändert die Gesprächsdynamik gerade in den frühen Leistungsphasen nach HOAI.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die öffentliche Hand ist das Werkzeug eine willkommene Ergänzung der Entscheidungspraxis. Kommunale Bauämter, die über Sanierung oder Ersatz-Neubau einer Schule, eines Verwaltungsgebäudes oder einer Sporthalle entscheiden, erhalten ein einheitliches Bewertungsraster. Voraussetzung ist allerdings, dass das Tool über die Wohnbau-Beta hinaus ausgebaut wird. Die Aufnahme weiterer Nutzungsklassen ist erklärtes Ziel des Forschungskonsortiums.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert bleibt der politische Subtext. Wenn ein vom BBSR gefördertes Werkzeug systematisch nahelegt, dass der Ersatz-Neubau klimatisch fast nie die richtige Wahl ist, gerät die etablierte Bauförderpolitik unter Begründungsdruck. KfW-Standards, Abschreibungsregeln und Investitionsanreize müssten neu kalibriert werden, um nicht länger eine Praxis zu subventionieren, die das Klimaschutzgesetz konterkariert. Der Gebäude-Klimarechner liefert dafür die empirische Grundlage. Sein Erfolg wird sich daran messen lassen, ob diese Grundlage in regulatorisches Handeln übersetzt wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Der lange Weg zur Kreislaufwirtschaft am Bau</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 14:36:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[§ 34 HOAI]]></category>
		<category><![CDATA[BauPVO]]></category>
		<category><![CDATA[Digitaler Materialpass]]></category>
		<category><![CDATA[DIN EN 15804]]></category>
		<category><![CDATA[DIN EN 15978]]></category>
		<category><![CDATA[EPBD 2024/1275]]></category>
		<category><![CDATA[ESPR 2024/1781]]></category>
		<category><![CDATA[Gebäuderessourcenpass]]></category>
		<category><![CDATA[Kreislaufwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[QNG]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15900</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die EPBD 2024 verlangt digitale Gebäudelogbücher und Ökobilanznachweise. Der Materialpass rückt damit von der freiwilligen Zertifizierung in den regulatorischen Pflichtbereich. Ein Überblick.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  |  INNOVATION | April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Digitale Materialpässe unter EU-Druck</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein digitaler Materialpass für Gebäude dokumentiert alle verbauten Materialien, Bauteile und ihre Kreislaufeigenschaften in strukturierter, maschinenlesbarer Form und wandelt sich mit der novellierten EU-Gebäuderichtlinie (EPBD 2024/1275) vom freiwilligen Zertifizierungsextra zur regulatorischen Anforderung. Die Frist zur Umsetzung in nationales Recht endet am 29. Mai 2026. Parallel zwingt die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR 2024/1781) die Hersteller, digitale Produktpässe für einzelne Bauprodukte bereitzustellen. Zusammen entsteht ein neuer regulatorischer Boden für das, was Planerinnen und Planer in Deutschland seit Jahren unter dem Begriff Gebäuderessourcenpass diskutieren, aber nur selten routinemässig liefern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was genau verlangt die Europäische Union?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zwei Rechtsakte greifen ineinander. Nach Artikel 22 der EPBD 2024 muss jeder Mitgliedstaat eine nationale Datenbank für die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden einrichten, die Energieausweise, Inspektionsberichte, Renovierungspässe sowie Angaben zu betriebsbedingten und grauen Emissionen und zum gesamten Treibhausgaspotenzial über den Lebenszyklus zusammenführt. In Artikel 2 der Richtlinie ist das digitale Gebäudelogbuch als einheitliches Instrument verankert. Bis voraussichtlich 31. Oktober 2028 wird das Europäische Komitee für Normung (CEN) einen harmonisierten Standard dafür erarbeiten, der auch ein Materialinventar und die Verknüpfung mit digitalen Produktpässen vorsieht. Artikel 7 der EPBD verpflichtet zusätzlich zur Berechnung und Offenlegung des Lebenszyklus-Treibhausgaspotenzials nach DIN EN 15978: ab 2028 für alle Neubauten über 1.000 Quadratmeter Nutzfläche, ab 2030 flächendeckend.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist eine regulatorische Kettenreaktion. Die Ökobilanz braucht ein Materialinventar, das Materialinventar braucht maschinenlesbare Produktdaten, die Produktdaten liefert künftig der digitale Produktpass nach ESPR. Dessen Ausgestaltung für Bauprodukte ist eng mit der überarbeiteten Bauproduktenverordnung (BauPVO, Verordnung (EU) 2024/3110) verzahnt. Der Materialpass auf Gebäudeebene wird damit zum Sammelpunkt vieler paralleler Datenströme.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wer liefert die Infrastruktur schon heute?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Markt ist bereits sortiert. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat 2023 die erste Fassung des Gebäuderessourcenpasses veröffentlicht, 2025 folgte die überarbeitete Version. Das Dokument erfasst sechs Themenbereiche mit 25 Teilaspekten, darunter verbaute Massen, Materialherkunft, CO2-Emissionen über eine Referenznutzungsdauer von 50 Jahren, Demontagefähigkeit und Zirkularitätsbewertung. Die beiden Fassungen, vollständig und reduziert, erlauben einen gestuften Einstieg. Kommerzielle Plattformen wie Madaster Germany, Concular, EPEA (Part of Drees &amp; Sommer), Urban Mining Index und List Eco haben die Struktur integriert und berechnen daraus eigene Kennzahlen: den Madaster Zirkularitätsindikator (MZI), den Concular Circular Performance Index (CPX) und den DGNB-Zirkularitätsindex.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ed. Züblin AG hat 2025 bei der Sanierung des Bürogebäudes Z2 in Stuttgart einen vollständigen DGNB-Gebäuderessourcenpass erarbeitet, ergänzt um eine Variantenstudie zur Wiederverwendung von Aluminium-Fassadenverkleidungen. Solche Projektdaten zeigen den nüchternen Befund hinter dem Konzept: Kreislauffähige Lösungen mit geringem Massenanteil an der Gesamtkonstruktion haben nur begrenzten Hebel auf das Gesamtergebnis. Der Pass macht Grössenordnungen transparent, auch die unbequemen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Konflikte entstehen in der deutschen Umsetzung?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bund hatte einen digitalen Gebäuderessourcenpass ab 2025 im Rahmen des Qualitätssiegels Nachhaltige Gebäude (QNG) angekündigt. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) entwickelt dazu ein modulares System: Modul 1 erfasst Materialien aus Bauteilkatalog und Herstellerangaben, weitere Module sollen Bestand und Sanierung abdecken. Mit dem Regierungswechsel 2025 hat sich der politische Schwerpunkt jedoch verschoben. Derzeit dominiert das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) als zentrales Vehikel der EPBD-Umsetzung die Agenda. Ob und wann der digitale Ressourcenpass verbindlich wird, bleibt laut einem Fachbeitrag der Zeitschrift nbau vom April 2026 offen. Eine einheitliche Bewertungsmethodik ist erst mit der Novellierung des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB 2.0) zu erwarten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt ein methodisches Problem. Am Markt existieren mehrere Bewertungsansätze ohne einheitlichen Standard. Zirkularitätsindizes rechnen mit unterschiedlichen Gewichtungen, Systemgrenzen variieren, die Qualität hängt stark davon ab, ob generische oder produktspezifische Umweltdaten nach DIN EN 15804 herangezogen werden. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) fordert in ihrer Stellungnahme zur EPBD-Umsetzung vom Juli 2025 eine stufenweise Einführung: zunächst Dokumentationspflicht, später ergänzt um verbindliche Grenzwerte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie verändert das den Planungsalltag?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der digitale Materialpass greift tief in die Leistungsphasen nach § 34 HOAI ein. Für eine belastbare Bewertung müssen Bauteilkataloge, Umweltproduktdeklarationen (EPDs) und BIM-Modelle koordiniert vorliegen, idealerweise ab Leistungsphase 3. Plattformen wie das Concular Life-Cycle Passport oder CircularLCA erzeugen den Pass automatisiert aus BIM-Daten oder tabellarischen Bauteilkatalogen. Die Anbieter beziffern die Zeitersparnis gegenüber der manuellen Excel-Bearbeitung auf bis zu 15 Arbeitstage. In der Praxis hängt der Nutzen an der Datenqualität im Modell. Sind Bauteile unpräzise klassifiziert, liefert auch der beste Algorithmus einen unscharfen Pass.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Parallel entsteht ein neuer Anwenderkreis ausserhalb der klassischen Planung. Banken und Rating-Agenturen nutzen Materialpässe zunehmend als Entscheidungsgrundlage für ESG-Bewertungen nach CSRD (ESRS E5) und für EU-Taxonomie-Nachweise. Die Dokumentation wird damit zum Instrument der Kapitalmarktfähigkeit eines Gebäudes. Fehlende Datenbasis bedeutet nicht mehr nur eine verpasste Zertifizierung, sondern ein potenzielles Stranded-Asset-Risiko.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bleibt zu tun?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die regulatorische Richtung ist klar, die operative Umsetzung nicht. Drei Baustellen bleiben. Erstens fehlt ein nationaler Standard, der die EPBD-Frist im Mai 2026 mit der BNB-2.0-Methodik und der QNG-Praxis vereinbart. Zweitens müssen Herstellerinnen und Hersteller produktspezifische Umweltdaten nach DIN EN 15804 in maschinenlesbarer Form über die künftigen digitalen Produktpässe bereitstellen; ohne diese Grundlage bleibt der Gebäudepass auf generische Datensätze angewiesen. Drittens sind Architekturbüros gefragt, ihre Modellierungsstandards so anzupassen, dass Materialinformationen bereits ab Leistungsphase 2 mitgedacht werden. Wer das jetzt integriert, liefert 2028 die belastbaren Ökobilanzen, die ab dann regulatorisch verlangt werden. Wer wartet, arbeitet unter Zeitdruck.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Werkzeuge zur Bauwende</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 14:22:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[BNatSchG]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Planungstools]]></category>
		<category><![CDATA[DIN 276]]></category>
		<category><![CDATA[GEG]]></category>
		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
		<category><![CDATA[Kreislaufwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[nachhaltiges Bauen]]></category>
		<category><![CDATA[SIA 390/1]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rund achtzig kuratierte Tools für nachhaltiges Bauen, geordnet nach Planungsphasen und Themenfeldern: Die Schweizer Plattform bauwende.tools füllt eine Orientierungslücke, die längst überfällig war.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  |  INNOVATION | April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">bauwende.tools: Digitale Infrastruktur für die Transformation des Bauens</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong><a href="https://bauwende.tools/de" target="_blank" rel="noopener">bauwende.tools</a></strong> ist eine frei zugängliche Plattform, die Werkzeuge, Rechner und Leitfäden für nachhaltiges Bauen entlang aller Planungsphasen bündelt und vom Schweizer Verein Countdown 2030 kuratiert wird. Die Seite versteht sich nicht als weiteres Verzeichnis im Netz, sondern als Navigationshilfe durch ein unübersichtlich gewordenes Ökosystem aus Ökobilanztools, Materialdatenbanken, Bauteilbörsen und Biodiversitätsrechnern. Für Architektinnen und Architekten, die zwischen grauer Energie, Kreislaufwirtschaft und klimaangepasster Freiraumplanung operieren, ist das keine kosmetische Erleichterung, sondern ein methodisches Werkzeug.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum braucht es eine kuratierte Tool-Sammlung?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahl digitaler Hilfsmittel im nachhaltigen Bauen wächst schneller als die Fähigkeit der Planungsbüros, sie zu evaluieren. Zwischen kommerziellen BIM-Add-ons, hochschulnaher Forschungssoftware und behördlichen Faktenblättern klafft eine Orientierungslücke, die in der täglichen Projektarbeit selten ehrlich adressiert wird. bauwende.tools schliesst diese Lücke, indem die Plattform rund achtzig Werkzeuge entlang vier Zugängen ordnet: Entdecken (visuell), Suchen (textlich), Planen (zeitachsenbasiert) und Teilen (Crowdsourcing). Besonders der Reiter „Planen&#8220; markiert den eigentlichen konzeptionellen Sprung. Tools werden dort den Planungsphasen 0 bis 6 zugeordnet, die der Systematik des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) folgen und sich weitgehend auf die Leistungsphasen nach § 34 HOAI übertragen lassen. In der Vorprojektphase erscheinen also nicht Bauteilbörsen, die erst im Rückbau relevant werden, sondern Analysekarten und Ökobilanzrechner für frühe Entscheidungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Werkzeuge sind dort versammelt?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Themenfelder decken das vollständige Spektrum nachhaltiger Planung ab. Im Bereich Bauphysik und Ökobilanz finden sich Klassiker wie die Rechenhilfe SIA 390/1, das U-Wert-Portal <strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://ubakus.de/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://ubakus.de</a></span></span></strong> und der Gebäude-Klimarechner, der Bestandsinformationen mit unterschiedlichen Sanierungsszenarien verrechnet. Das CBE Clima Tool der University of California, Berkeley liefert standortgenaue Klimadaten für thermischen Komfort und passive Strategien. Für Materialentscheidungen stehen die KBOB-Liste (Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren) mit Ökobilanzdaten im Baubereich, die dänische Materialpyramide und AREMA, der Atlas of Regenerative Materials der ETH Zürich, bereit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders dicht besetzt ist der Bereich Zirkularität und Wiederverwendung. Neben dem Urban Mining Index, der das Recyclingpotenzial eines Entwurfs quantitativ bewertet, listet die Plattform rund zwanzig Bauteilbörsen und Re-Use-Marktplätze, darunter Salza, useagain, Gruner Re-Use und reMATERIAL. Madaster, als Gebäuderessourcenpass mit Wiederverkaufswert prominent platziert, zeigt, wohin die Reise geht: weg vom Bauwerk als abgeschriebener Kostenposition, hin zum Materiallager mit Restwert. Biodiversitätsplanung erscheint mit BioValues, Bee Finder, dem Portal Animal Aided Design und der Toolbox Siedlungsnatur, also mit Werkzeugen, die bisher in kaum einem Leistungsbild nach § 15 HOAI explizit abgebildet sind und die trotzdem zunehmend über Baugenehmigungen nach § 34 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) entscheiden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet die Plattform für Büros ausserhalb der Schweiz?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Geltungsbereich-Filter erlaubt eine Auswahl nach Deutschland, Schweiz oder International. Dennoch ist die Plattform unverkennbar schweizerisch geprägt. Viele Rechner beziehen sich auf KBOB-Datensätze, SIA-Normen oder kantonale Förderkulissen. Für die deutsche Planungspraxis bedeutet das: Ein Grossteil der Logik ist übertragbar, ein Teil der Datengrundlage nicht. Die Rechenhilfe SIA 390/1 etwa funktioniert methodisch wie eine Ökobilanzierung nach DIN EN 15978, arbeitet aber mit anderen Referenzwerten als die ÖKOBAUDAT des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB). Für ein Quartiersprojekt in München taugt bauwende.tools daher als Methodenkompass, nicht als Datenquelle. Für die Logik der Kreislaufwirtschaft, für das Framing von Abriss versus Umbau, für den Umgang mit grauer Energie nach Gebäudeenergiegesetz (GEG) und für das Kostenverständnis nach DIN 276 liefert die Sammlung jedoch unmittelbar anschlussfähige Argumente.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist der Reiter „Teilen&#8220;, der die Plattform als Crowdsourcing-Projekt begreift. Countdown 2030 hat diesen Ansatz bereits mit dem Abriss-Atlas erprobt, einem wachsenden Verzeichnis gefährdeter und abgerissener Bauten. Die Einladung, Werkzeuge vorzuschlagen oder neue gemeinsam zu entwickeln, verschiebt die klassische Rollenverteilung zwischen Plattformbetreiber und Nutzerschaft. Für eine Branche, die ihre Transformationslast bisher stark entlang proprietärer Softwareökosysteme organisiert, ist das kein Detail, sondern ein kulturelles Signal.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wo zeigt die Plattform ihre Grenzen?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">bauwende.tools ersetzt keine Leistungsphase und keine Software. Die Sammlung verlinkt auf Tools, bietet selbst aber weder Berechnung noch Dokumentation. Für das konkrete Projekt bedeutet das einen Zwischenschritt, der in knapp bemessenen Honorarbudgets nach HOAI ins Gewicht fällt. Zweitens dominieren freie und halbfreie Werkzeuge, während etablierte BIM-Plug-ins, LCA-Plattformen wie One Click LCA oder eLCA des BMWSB sowie kommerzielle Energieberatungstools nur fragmentarisch vertreten sind. Drittens fehlt ein systematischer Qualitätsvergleich. Zwei Ökobilanzrechner mit unterschiedlichen Systemgrenzen stehen nebeneinander, ohne dass Abweichungen explizit werden. Für Zertifizierungsniveaus nach SNBS, DGNB oder LEED bleibt dieser Vergleich eine separate Aufgabe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Grenzen mindern den Nutzen nicht, sie präzisieren ihn. Die Plattform ist kein Werkzeug, sondern ein Werkzeugkasten; sie ist kuratiert, nicht vollständig. Genau darin liegt ihr Wert. In einer Disziplin, die gerade lernt, dass das ökologische Minimum nicht mehr die freiwillige Höchstleistung, sondern die regulatorische Untergrenze wird, wirkt ein strukturierter Überblick wie ein methodisches Gerüst. bauwende.tools stellt dieses Gerüst bereit, ohne die Entscheidung über das konkrete Werkzeug vorwegzunehmen. Das ist weniger, als mancher kommerzieller Anbieter verspricht, und es ist mehr, als die meisten Planerinnen und Planer bisher zur Hand haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Weniger Stahl, weniger CO2 bessere Brücken: Algorithmen neu denken den Ingenieurbau</title>
		<link>https://baukunst.art/weniger-stahl-weniger-co2-bessere-bruecken-algorithmen-neu-denken-den-ingenieurbau/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 16:18:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Embodied Carbon]]></category>
		<category><![CDATA[Hybridbau]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Strukturoptimierung]]></category>
		<category><![CDATA[Topology Optimization]]></category>
		<category><![CDATA[Tragwerksplanung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Algorithmus aus dem MIT kann Brücken und Hochbauten mit bis zu 20 Prozent weniger gebundenem CO₂ entwerfen, ohne Abstriche bei Tragfähigkeit oder Ausführbarkeit.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art | Kategorie: Innovation</strong></p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Weniger ist mehr: Warum smarte Algorithmen das Bauen grüner machen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Discrete Topology Optimization (DTO) ist ein computergestütztes Verfahren, das Tragstrukturen simultan nach Tragfähigkeit, Ausführbarkeit und gebundenem CO₂ optimiert. An diesem Schnittpunkt arbeitet Zane Schemmer, Doktorand am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Fellow der MIT Morningside Academy for Design (MAD): Seine Algorithmen schreiben keine Geometrie fest, sondern fragen, welche Geometrie in einer gegebenen Aufgabe die materialeffizienteste und klimaschonendste Lösung ergibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektur- und Ingenieurwelt diskutiert seit Jahren über graue Energie und grauen Kohlenstoff, den sogenannten Embodied Carbon. Doch die meisten Optimierungsansätze der letzten Jahrzehnte führen zu Formen, die sich schlicht nicht bauen lassen, weil sie strukturell elegante, aber handwerklich unrealisierbare Geometrien erzeugen. Schemmer und seine Betreuerin Josephine V. Carstensen, Gilbert W. Winslow Career Development Associate Professor am Department of Civil and Environmental Engineering des MIT, setzen dem entgegen, was sie als ausführbarkeitsorientierte Optimierung beschreiben: Die Algorithmen erhalten von Beginn an Randbedingungen, die realen Bauprozessen entsprechen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie kann ein Algorithmus den CO₂-Fußabdruck einer Brücke um 20 Prozent senken?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf dem IASS-Symposium 2024 in Zürich präsentierten Schemmer und Carstensen Ergebnisse, nach denen ihr DTO-Ansatz den Embodied Carbon von Brücken und anderen Tragwerken um bis zu 20 Prozent gegenüber konventionellen Entwurfslösungen verringert. Die entscheidende Neuerung liegt nicht in einer einzelnen Material- oder Formentscheidung, sondern in der gleichzeitigen Betrachtung mehrerer Variablen: Welches Material ist lokal verfügbar? Wie weit muss es transportiert werden? Welche CO₂-Intensität hat seine Herstellung? Und wie viel Material ist minimal nötig, um alle Lasten sicher abzutragen?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das klingt nach einer einfachen Checkliste. Es ist in Wirklichkeit ein hochdimensionales Optimierungsproblem. Stahl beispielsweise hat gegenüber Beton oder Holz den Vorteil hoher Festigkeit bei geringem Eigengewicht. Was den Stahl teuer macht (in CO₂-Einheiten), ist seine energieintensive Herstellung und, je nach Beschaffungskette, sein langer Transportweg. Schemmers Algorithmus ersetzt in solchen Fällen Teile der Stahlstruktur durch Holzelemente oder optimiert die Dimensionierung einzelner Stahlbauteile nach unten, sodass eine Hybridkonstruktion entsteht, die funktional gleichwertig ist, aber deutlich weniger gebundenen Kohlenstoff aufweist. &#8222;Dasselbe Stahlprofil in zwei verschiedenen Teilen der Welt kann zu zwei völlig unterschiedlichen optimierten Entwürfen führen&#8220;, erklärt Schemmer. Kein Einheitsrezept, sondern ortsspezifische Effizienz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als konkretes Anwendungsbeispiel untersuchte Schemmer eine historische Stahl-Holz-Fachwerkbrücke aus dem späten 19. Jahrhundert über den Big Cypress Bayou in Osttexas. Der Algorithmus optimierte das Tragwerk im Hinblick auf heutige Anforderungen und derzeitige Materialbeschaffungsbedingungen. Das Ergebnis: eine überarbeitete Hybridkonstruktion, die die Grundform des originalen Fachwerks bewahrt, aber materialreduziert und CO₂-effizienter ist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet Topology Optimization für die Praxis von Architekten und Tragwerksplanern?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Tragwerksplaner und Architektinnen, die im deutschen Planungsrecht mit DIN 276, DIN EN 1990 (Eurocodes) und dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) arbeiten, stellt sich die Frage nach der Praxistauglichkeit solcher Forschungsergebnisse zu Recht. Schemmers Antwort liegt im Konzept der &#8222;user-specified force flow&#8220;: Die Planenden geben dem Algorithmus vor, wie die Kräfte im Tragwerk verlaufen sollen, und der Algorithmus sucht innerhalb dieses Rahmens die materialeffizienteste Lösung. Das Ergebnis ist kein abstraktes Computerkonstrukt, sondern ein durch Normen prüfbares, nach Werkstückgeometrien fertigbares Tragwerk.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schemmer selbst benennt den blinden Fleck klassischer Optimierungsforschung klar: Bisherige Ansätze hätten zwar mathematisch elegante Lösungen erzeugt, aber kaum Rücksicht auf Fertigungsrealitäten genommen. Sein Ziel ist ausdrücklich, die Brücke zwischen computergestütztem Idealentwurf und handwerklicher Bauwirklichkeit zu schlagen. Das ist kein akademisches Nebenprodukt, sondern der eigentliche Kern seiner Forschungsagenda.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Alte Trennung, neue Synthese: Wo Architektur und Ingenieurwesen wieder zusammenwachsen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schemmer formuliert einen Gedanken, den Architekturgeschichte und Baukritik schon länger diskutieren: Vor hundert Jahren war die Trennung zwischen Architektur und Tragwerkslehre weit weniger scharf. Brückenbauer wie Gustave Eiffel oder John Augustus Roebling, der Konstrukteur der Brooklyn Bridge, dachten Form und Kraft als Einheit. Die institutionelle Trennung im 20. Jahrhundert hat Spezialisierungsgewinne erbracht, aber auch eine kognitive Barriere errichtet: Architekten entwerfen, Ingenieure rechnen nach. Schemmers Ansatz, der Designentscheidungen durch iterative Optimierungsschleifen in den Ingenieursrechenprozess integriert, weist zurück auf diese früheren, integrierteren Denkweisen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die MIT Morningside Academy for Design (MAD), in deren Rahmen Schemmer als Design Fellow arbeitet, versteht sich explizit als interdisziplinäre Brückeninstanz: Graduierte aus Ingenieurwissenschaften, Stadtplanung, Medienkunst und Architektur tauschen Perspektiven aus. Für Schemmer bedeutete das die Begegnung mit künstlerisch-intuitiven Entwurfsprozessen, die seine algorithmische Denkweise um eine explorative Dimension erweitern. Iteratives Design, so beschreibt er es, öffnet den Blick für Lösungen, die man aus einer einzigen Fachperspektive nie in Betracht gezogen hätte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die deutschsprachige Architekturdebatte, in der Begriffe wie Lebenszyklusanalyse, Kreislaufwirtschaft und klimagerechtes Bauen derzeit intensiv diskutiert werden, liegt hier ein konkreter methodischer Beitrag: Strukturoptimierung nicht als Nachkontrolle eines fertigen Entwurfs, sondern als integraler Bestandteil des Entwurfsprozesses selbst. Das Potenzial ist erheblich. Wenn allein die Wahl zwischen einer reinen Stahlkonstruktion und einer Stahl-Holz-Hybridlösung den Embodied Carbon um bis zu 20 Prozent senken kann, und das bei gleichzeitiger Erhöhung der Fertigungseffizienz, dann ist diese Forschung kein fernliegendes Hochschulergebnis, sondern eine unmittelbar planungsrelevante Innovation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Golden Gate Bridge, Schemmers frühkindliche Inspiration, entstand ohne jedes digitale Werkzeug. Alle Berechnungen von Hand, aller Kraftfluss im Kopf. Dass ein Algorithmus heute diese intuitive Meisterleistung analysieren, neu denken und in klimagünstigere Varianten überführen kann, ist keine Demontage des Ingenieurshandwerks. Es ist seine Weiterentwicklung in eine Zeit, in der Bauwerke nicht nur halten, sondern auch ihrer planetaren Verantwortung gerecht werden müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<item>
		<title>Mondstaub als Baumaterial: GRU Space plant das erste Hotel auf dem Mond</title>
		<link>https://baukunst.art/mondstaub-als-baumaterial-gru-space-plant-das-erste-hotel-auf-dem-mond/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Mar 2026 18:06:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[In-situ-Ressourcennutzung]]></category>
		<category><![CDATA[Materialinnovation]]></category>
		<category><![CDATA[Mondarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[New Space]]></category>
		<category><![CDATA[Weltraumtourismus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15594</guid>

					<description><![CDATA[<p>GRU Space plant das erste Mondhotel aus Lunar Bricks. Das Verfahren, Mondregolith in Baumaterial umzuwandeln, zeigt, wohin sich Bauen im Weltraum entwickelt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/mondstaub-als-baumaterial-gru-space-plant-das-erste-hotel-auf-dem-mond/">Mondstaub als Baumaterial: GRU Space plant das erste Hotel auf dem Mond</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Mondstaub als Ziegelstein: Das ehrgeizigste Bauprojekt der Welt will 2032 eröffnen</h2>
<p>In-situ-Ressourcennutzung (ISRU) bezeichnet das Verfahren, Baumaterialien direkt am Einsatzort zu gewinnen, statt sie aufwendig vom Ausgangsort zu transportieren. Das Start-up Galactic Resource Utilization Space (GRU Space) aus San Francisco hat dieses Prinzip zum Kern eines der ambitioniertesten Bauprojekte der Gegenwart gemacht: dem ersten Hotel auf dem Mond, geplant zur Eröffnung im Jahr 2032.</p>
<p>Das Konzept des GRU Lunar Hotels kombiniert aufblasbare Habitatmodule, die auf der Erde gefertigt und zum Mond transportiert werden, mit einer Außenhülle aus Mondsteinen, sogenannten Lunar Bricks, die direkt aus dem Mondboden hergestellt werden sollen. Die Fassade des Entwurfs zeigt engstehende dorische Säulen, die vollständig aus der grau-texturierten Mondstein-Optik hervorgehen, eine Hülle, die innen liegende Druckmodule schützt.</p>
<h3>Wie funktioniert das Bauen mit Mondstaub?</h3>
<p>Das Kernstück der Technologie ist die sogenannte „Moon Factory&#8220;: ein patentiertes System, das Mondregolith autonom zu Struktursteinen verarbeitet. GRU Space gibt an, einen funktionsfähigen Prototyp dieser Anlage in sechs Wochen für unter 5.000 Dollar gebaut zu haben. Der Prozess basiert auf Geopolymertechnologie: Mondregolith, das feinkörnige Deckgestein der Mondoberfläche, wird mit Bindungsflüssigkeiten aus dem Erdvorrat vermischt und in Form gepresst. Das Prinzip, Regolith in Baumaterial umzuwandeln, ist ein gut erforschtes Feld. In der Theorie lassen sich aus dem Material Steine herstellen, entweder durch 3D-Druck oder durch Sintern von Mondstaub.</p>
<p>Die Roadmap sieht eine gestaffelte Missionsstrategie vor: 2027 soll eine erste kleine Nutzlast auf dem Mond landen und die Schlüsseltechnologien zur Ziegelherstellung und zum Habitateinsatz demonstrieren. 2031 folgt eine zweite, deutlich größere Mission in der Nähe eines lunaren Grabens, der natürlichen Strahlungsschutz durch die Oberfläche bietet. 2032 soll das erste Hotel für bis zu vier Gäste in Betrieb gehen, ausgelegt auf mehrere Tage Aufenthalt, mit Blick auf die Mondlandschaft und die Erde.</p>
<p>Aus bautechnischer Perspektive ist die Grundidee nicht so abwegig, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Aufblasbare Tragstrukturen kennt die Bauindustrie seit Jahrzehnten, von temporären Hallen bis zu Katastrophenschutzunterkünften. Auch NASA und die inzwischen nicht mehr aktive Firma Bigelow Aerospace haben Testmodule aufblasbarer Habitatstrukturen entwickelt und teils im Orbit erprobt. Der entscheidende Innovationsschritt von GRU Space liegt nicht im Modul selbst, sondern in der robotergestützten Umhüllung des aufgeblasenen Körpers mit vor Ort hergestellten Steinen, eine Kombination aus Leichtbau und massiver Schutzschale, die an das Prinzip archaischer Erdkeller oder in Fels gehauener Höhlenbauten erinnert.</p>
<h3>Welche technischen und regulatorischen Hürden bleiben offen?</h3>
<p>Kritiker sehen erhebliche Schwachstellen: Es existiert bislang keine Mondtourismusindustrie, keine regulären bemannten Mondflüge und keine Notfallversorgungsinfrastruktur auf dem Mond. Medizinische Evakuierungskonzepte und Versicherungsrahmen sind nicht vorhanden. GRU Space besitzt zudem weder eigene Trägerrakete noch eine eigene Landeeinheit und hat keine Zulassung für den Betrieb eines Weltraumtourismusprojekts.</p>
<p>Das Unternehmen macht seine gesamte Roadmap von sinkenden Startkosten, regelmäßigen und verlässlichen bemannten Mondmissionen, einem günstigen regulatorischen Umfeld und unterstützender Technologie wie Stromversorgung und Kommunikation auf dem Mond abhängig. All das befindet sich in verschiedenen Entwicklungsstadien. Das ist eine bemerkenswert ehrliche Selbsteinschätzung für ein Unternehmen, das gleichzeitig Reservierungsanzahlungen von einer Million US-Dollar entgegennimmt.</p>
<p>GRU Space verweist darauf, dass die Ankündigung des Projekts auch durch die von Präsident Trump und NASA-Administrator Jared Isaacman bekanntgegebene Absicht ausgelöst wurde, bis 2030 erste Elemente einer permanenten Mondbasis zu errichten. Der politische Rückenwind aus Washington ist real, die technischen Abhängigkeiten von SpaceX und Blue Origin für Transporte sind es ebenfalls. Das Projekt setzt konsequent auf das Prinzip des Infrastruktur-Parasitismus: Es baut auf Systemen auf, die andere entwickeln, und konzentriert sich auf das eine spezifische Problem, das es lösen will: die Hülle.</p>
<h3>Architektur ohne Vorbild</h3>
<p>Der Entwurf tritt bewusst nicht als Replik irdischer Luxushotels auf. Die regolithbasierten Steine bilden gerippte Schutzschalen und tragende Strukturen, die eine eigene architektonische Formensprache entwickeln, die unmittelbar aus Funktion und Ort abgeleitet ist. Das ist aus gestalterischer Sicht der interessanteste Aspekt des Projekts: eine Architektur, die buchstäblich keinen gestalterischen Referenzrahmen hat, weil es noch kein gebautes Vorbild auf dem Mond gibt.</p>
<p>Die Innenmodule sollen für kurze Aufenthalte ausgelegt sein, zunächst klein, schlicht und überwiegend auf der Erde gefertigt, aber mit der Perspektive, durch Neumaterial vor Ort zu wachsen. Panoramafenster auf die Mondlandschaft und die Erde sind fester Bestandteil des Konzepts. Für Architektinnen und Architekten, die sich mit extremen Standortbedingungen befassen, ist das Projekt ein Lehrbeispiel in radikal kontextgerechtem Bauen: kein Material, das nicht vor Ort verfügbar ist; keine Form, die nicht aus dem Schutzanspruch gegen Strahlung, Mikrometeoriten und Temperaturschwankungen von bis zu 250 Grad Celsius entwickelt wurde.</p>
<p>Wer heute reservieren möchte, zahlt zunächst eine nicht erstattungsfähige Bewerbungsgebühr von 10.000 US-Dollar. Bei Auswahl folgt eine Anzahlung von 250.000 oder einer Million Dollar, je nach Buchungsoption. Der Endpreis wird laut Unternehmensangaben voraussichtlich zehn Millionen Dollar übersteigen.</p>
<p>GRU Space ist kein Architekturbüro. Es ist ein Ingenieursstart-up mit einem 21-jährigen Gründer, das eine Frage beantwortet, die Architektur und Raumfahrt gleichermaßen beschäftigt: Wie baut man dort, wo es kein Material gibt, das nicht astronomisch teuer hertransportiert werden müsste? Die Antwort, man verwendet das Material, das schon da ist, ist alt. Die Technologie, sie auf dem Mond umzusetzen, ist es nicht.</p>
<p>Ob das Hotel bis 2032 steht, ist offen. Dass der Ansatz, Mondregolith als primären Baustoff zu nutzen, die Architektur des 21. Jahrhunderts noch beschäftigen wird, ist kaum zu bezweifeln.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Autarkes Solarleuchtsystem reduziert Lichtverschmutzung am Fahrradweg</title>
		<link>https://baukunst.art/autarkes-solarleuchtsystem-reduziert-lichtverschmutzung-am-fahrradweg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Feb 2026 16:20:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Lichtverschmutzung]]></category>
		<category><![CDATA[Organische Photovoltaik]]></category>
		<category><![CDATA[World Design Capital 2026]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15285</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ein Münchner Designerduo beleuchtet Fahrradwege mit organischer Photovoltaik, senkt Lichtverschmutzung und macht erneuerbare Energie im Alltag sichtbar. Fragt sich nur: Warum blockiert die Bürokratie das?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Main Light: Wenn Solarfolie den Fahrradweg erleuchtet</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Licht als Waffe und als Versprechen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jede Nacht sterben in Deutschland rund 1,2 Milliarden Insekten, angezogen von künstlichen Lichtquellen. Nachtaktive Vögel verlieren die Orientierung, fliegen gegen beleuchtete Hochhäuser. Zugvögel weichen von ihren Routen ab. Pflanzen geraten aus dem Takt. Und der Mensch schläft schlechter, weil sein Koerper ohne ausreichende Dunkelheit das Hormon Melatonin nicht in genügender Menge produziert. Zwischen 2011 und 2022 wurde der Nachthimmel über Europa jaehrlich um 6,5 Prozent heller, registrierte das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung. Lichtverschmutzung ist längst kein marginales Problem mehr. Sie ist eine stille Umweltkatastrophe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig ist Dunkelheit gefährlich. Wer bewegt sich schon gerne nachts auf einem unbeleuchteten Radweg entlang des Mains? Genau dieses Spannungsfeld haben Tobias Trübenbacher und Andreas Lang, zwei Produktdesigner aus München, beide unter dreißig Jahren, zum Ausgangspunkt ihres Projekts Main Light gemacht. Ihr Ansatz ist so simpel wie überzeu­gend: Licht, das nur dann leuchtet, wenn es wirklich gebraucht wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Organische Photovoltaik trifft auf insektenfreundliche LED</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das technologische Herzstück von Main Light sind die farbigen Solarfolien des Kitzinger Unternehmens ASCA. Die ASCA-Folie basiert auf organischer Photovoltaik (OPV): Sie ist leicht, flexibel und semitransparent. Damit unterscheidet sie sich fundamental von herkömmlichen Silizium-Solarmodulen, die schwer, starr und in der Regel ausgesprochen unelegant sind. Die OPV-Folie hingegen fügt sich harmonisch in das gestalterische Konzept ein, spannt bunte, zeitgenössische Muster auf und spendet tagsüber sogar Schatten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die gesammelte Solarenergie wird in Akkus gespeichert und nachts abgerufen. Jedes Modul ist vollständig autark: Es benötigt keine Stromleitungen, die sonst aufwendig im Erdreich verlegt werden müssten. Das reduziert nicht nur die Baukosten erheblich, sondern macht das System auch flexibel einsetzbar. An der Beleuchtung selbst ist der Südtiroler Spezialist ewo beteiligt, der auf innovative LED-Lichttechnik ausgerichtet ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das eigentliche Kunststück ist die Sensorsteuerung: Ein Infrarotdetektor unterscheidet zwischen kleinen Tieren wie Füchsen und Menschen. Passiert ein Fahrradfahrer oder eine Fußgängerin die Anlage, leuchtet die LED auf. Bleibt die Umgebung ruhig, dimmt das System auf zehn Prozent Helligkeit. Zudem ist das Lichtspektrum warmweiß und insektenfreundlich gestaltet. All das geschieht ohne zentrale Steuereinheit, dezentral, ohne aufwendige Infrastruktur.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">World Design Capital 2026: Mehr als ein Aushängeschild</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Main Light entstand im Rahmen der World Design Capital 2026 Frankfurt/Rhein-Main, die die Metropolregion vom 6. Mai bis zum 30. Oktober 2026 zur globalen Bühne für designgetriebene Stadtentwicklung macht. Das Programm der WDC 2026 setzt auf demokratische Teilhabe an Gestaltungsprozessen und begreift Design als Treiber urbaner Veränderung. Main Light passt programmatisch wie ein Schlüssel ins Schloss: Das Projekt verbindet technologische Innovation, ökologische Verantwortung und soziale Zugänglichkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Designerduo plant, die Installation am Fahrradweg zwischen Frankfurt und Offenbach durch zahlreiche Workshops, Vorträge und Informationstafeln zu begleiten. Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker sowie Anwohnerinnen und Anwohner sollen eingeladen werden, Fachleute aus Planung und Wissenschaft ebenso. Das WDC-Team hat Trübenbacher bereits mit einem lokalen Radfahrprojekt und einer Mobilitätsinitiative zusammengebracht. Weitere Kooperationen, unter anderem mit dem Radraum Offenbach, sind geplant.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Bürokratie als stärkste Naturschutzbehörde</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eigentlich sollte Main Light am 6. Mai 2026 auf dem Fahrradweg zwischen Offenbach und Frankfurt präsentiert werden. Ein Teilabschnitt des rund sechs Kilometer langen Weges jedoch führt durch eine Naturschutzzone. Und dort sperrten sich die Behörden. Ausgerechnet ein Projekt, das Lichtverschmutzung minimiert, insektenfreundliche Technologie einsetzt und auf jede fossile Infrastruktur verzichtet, scheitert an der Naturschutzverwaltung. Das ist bitter. Und symptomatisch für ein Land, das seine besten Nachhaltigkeitsideen gerne selbst ausbremst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trübenbacher und Lang ließen sich davon nicht entmutigen. Sie wichen auf eine Freifläche an der Weseler Werft auf der gegenüberliegenden Mainseite aus und präsentieren ihr Konzept dort. Ob das Pilotprojekt nach Oktober 2026 weiterläuft, bleibt offen. Tobias Trübenbacher formulierte es unverblümt: Ihre Arbeit sei kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf. Das klingt nach Geduld. Es ist vor allem Realismus.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Papilio und Main Light: ein konsequentes Werk</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Main Light ist kein Einzelprojekt. Es steht in direkter Linie zum Vorgänger Papilio, den Trübenbacher während seines Bachelorstudiums an der Universität der Künste Berlin entwickelt hat. Papilio verfolgt dasselbe Grundprinzip, speist seine LED-Leuchte aber aus Windenergie statt aus Sonnenenergie. Das erste Einsatzgebiet ist das Internationale Viertel in der dänischen Stadt Esbjerg, die bis 2030 klimaneutral werden will. Weltweit haben bereits Städte Interesse bekundet, auch Guam.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Deutschland hingegen stockt es. Dabei wäre der Bedarf enorm. Millionen von Kilometern Straßen und Radwege sind noch immer auf herkömmliche, energieintensive und lichtverschmutzende Beleuchtung angewiesen. Dezentrale, autarke Systeme wie Main Light oder Papilio könnten das schrittweise ändern, ohne dass Kommunen teure Leitungsinfrastruktur finanzieren müssten. Die Investitionskosten für autarke Einheiten amortisieren sich langfristig. Der ökologische Mehrwert ist unmittelbar.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was dieses Projekt für die Architektur bedeutet</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus architektonischer Perspektive stellt Main Light eine wichtige Frage: Was ist öffentlicher Raum? Lange galt Beleuchtung als reine Infrastruktur, als technischer Nebenaspekt der Verkehrsplanung. Main Light behandelt Licht als gestalterisches Element, das ökologische, soziale und ästhetische Ziele gleichzeitig verfolgt. Die bunten OPV-Folien erzeugen tagsüber ein einladendes, farbenfrohes Bild. Nachts reduzieren sie die Helligkeit auf das Nötigste. Das ist konsequent nachhaltiges Entwerfen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architekturschaffende und Stadtplanende sollten genau hinschauen. Gebäudeintegrierte Photovoltaik in Form organischer Folien ist ein wachsendes Feld. ASCA-Folien lassen sich nicht nur auf Leuchtsäulen spannen, sie sind auch für Fassaden, Glasflächen und Dachabdeckungen geeignet. Der ästhetische Mehrwert gegenüber herkömmlichen blauen Solarmodulen ist erheblich. Und die Möglichkeit, Solarenergie ohne massiven Eingriff in die bestehende Bausubstanz zu erzeugen, öffnet neue Planungsspielräume.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritisch zu fragen bleibt, wie leistungsfähig organische Photovoltaik bei wechselhaftem mitteleuropäischem Wetter ist, wie langlebig die Folien über mehrere Jahrzehnte wirklich sind und welche Recyclingpfade für die Materialien am Ende des Produktlebens existieren. Diese Fragen müssen Hersteller wie ASCA transparent beantworten, bevor aus Pilotprojekten kommunale Standards werden. Das Potenzial ist zweifellos da. Die Serienreife braucht noch Zeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Deutschlands erste Fassade aus recyceltem Plastik entsteht im Münchner Werksviertel</title>
		<link>https://baukunst.art/deutschlands-erste-fassade-aus-recyceltem-plastik-entsteht-im-muenchner-werksviertel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Feb 2026 14:19:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Kreislaufwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[nachhaltiges Bauen]]></category>
		<category><![CDATA[Recycling-Fassade]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Plastik mit Vergangenheit, Gebäude mit Zukunft Das Bürogebäude MONACO im Münchner Werksviertel erhält eine Fassade aus recyceltem Kunststoff. Pretty Plastic aus Amsterdam liefert die Schindeln, MVRDV aus Rotterdam den Entwurf. Ein Pilotprojekt, das zeigt, wohin die Reise gehen kann. Es gibt Materialien, die man kennt, ohne sie je wirklich gesehen zu haben. Fensterrahmen, Regenrinnen, Fallrohre: Sie gehören zum Alltag, bis&#8230;</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Plastik mit Vergangenheit, Gebäude mit Zukunft</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bürogebäude MONACO im Münchner Werksviertel erhält eine Fassade aus recyceltem Kunststoff. Pretty Plastic aus Amsterdam liefert die Schindeln, <strong><a href="https://www.mvrdv.com/" target="_blank" rel="noopener">MVRDV aus Rotterdam</a> </strong>den Entwurf. Ein Pilotprojekt, das zeigt, wohin die Reise gehen kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es gibt Materialien, die man kennt, ohne sie je wirklich gesehen zu haben. Fensterrahmen, Regenrinnen, Fallrohre: Sie gehören zum Alltag, bis sie ausgedient haben, und dann verschwinden sie still in der Mülltonne oder, schlimmer noch, im Verbrennungsofen. Das Amsterdamer Unternehmen Pretty Plastic hat sich seit 2017 zur Aufgabe gemacht, genau diesen Moment zu verhindern. Aus geschreddertem PVC-Abfall presst die Firma farbige Fassadenschindeln, die in zwölf Farben und drei Designs erhältlich sind und inzwischen auf Gebäuden in Belgien, Großbritannien, Frankreich und Dänemark zu finden sind. Deutschland war bislang außen vor. Das ändert sich gerade grundlegend.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Münchner Werksviertel entsteht aktuell das Bürogebäude MONACO, entworfen vom renommierten Rotterdamer Büro MVRDV. Das Projekt ist nicht groß im klassischen Sinne: Rund 4.500 Quadratmeter Nutzfläche verteilen sich auf sechs Stockwerke. Aber MONACO ist ambitioniert in dem, was es über seine Materialien aussagen will. Ein Drittel der Fassade wird mit 20.000 Plastikschindeln von Pretty Plastic verkleidet, der Rest mit rund 60.000 wiederverwendeten Klinkersteinen aus regionalen Abbruchhallen der 1920er und 1930er Jahre. Spatenstich war im April 2025, die Fertigstellung ist für Mitte 2027 geplant.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Work und Play als architektonisches Prinzip</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">MVRDV teilt das Gebäude konzeptionell in zwei Bereiche: Arbeit und Spiel. Der Arbeitsbereich präsentiert sich als solider sechsgeschossiger Kubus, verkleidet mit dem warmen Rotbraun der recycelten Klinker. Der Spielbereich wächst kaskadenartig nach oben und zur Seite, verkleidet mit den bunten Kunststoffschindeln in Blau- und Lilatönen. Diese Dualität setzt sich im Inneren fort: klassische Büroflächen auf der einen Seite, auf der anderen ein Forum für Vorträge und Ideenaustausch, ein Coworking-Biergarten mit Terrasse sowie Lesezimmer für kontemplativere Tätigkeiten. Das Konzept bezeichnet Rock Capital als &#8222;New Work&#8220;, eine Idee, die nicht neu ist, hier aber raumlich und material konsequent durchgezogen wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Verweis auf die TV-Figur Monaco Franze und den legendären Münchner Originalschauplatz ist dabei mehr als Folklore. Sven Thorissen, Direktor des Studio DAS bei MVRDV, formuliert es so: Das Werksviertel ziehe ein internationales Publikum an, das bunte Erscheinungsbild greife die Vergangenheit des Areals als Kunst- und Kulturviertel auf. Wo früher die Pfanni-Fabrik stand, dann der Kunstpark Ost und die Kultfabrik pulsierten, soll jetzt ein Bürogebäude entstehen, das den Geist des Ortes weiterträgt. Das ist ein ehrenwerter Anspruch. Ob er eingelöst wird, hängt nicht zuletzt davon ab, ob die Architektur den Test der Zeit besteht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Material: mehr als ein Nachhaltigkeitsversprechen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Pretty Plastic wurde von den Architekten Overtreders W und bureau SLA gegründet und verfolgt seit Beginn ein klares Ziel: Plastikmüll in langlebige Baumaterialien zu verwandeln. Die Schindeln bestehen zu 100 Prozent aus aufbereitetem PVC-Abfall, können am Ende ihrer Nutzungsdauer vollständig wiederverwertet werden und erfüllen damit das Cradle-to-Cradle-Prinzip in seiner reinsten Form. Welche Farbe eine Schindel erhält, hängt von den verwendeten Abfallmaterialien ab, was jedem Produkt eine leicht individuelle Note gibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Beim MONACO werden rund 70 Prozent des bunten Fassadenteils mit <strong><a href="https://www.prettyplastic.nl/" target="_blank" rel="noopener">Pretty-Plastic-Schindeln</a></strong> verkleidet. Der Rest besteht aus Keramikschindeln, die aus brandschutztechnischen Gründen notwendig sind: Wo die Fassade an ein Nachbargebäude grenzt, schreibt das deutsche Baurecht höhere Brandschutzanforderungen vor, denen Kunststoff nicht genügen kann. Genau diese regulatorische Hürde war laut Rock-Capital-Geschäftsführer Andreas Wißmeier eine der größten Herausforderungen des Projekts. Umfangreiche bauliche und brandschutztechnische Kompensationsmaßnahmen machten schließlich eine Ausnahmegenehmigung möglich. Das deutet darauf hin, dass der Weg zur Kreislaufwirtschaft in der deutschen Bauwirtschaft noch erheblicher regulatorischer Anpassungsarbeit bedarf.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein teures Bekenntnis zur Nachhaltigkeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Gesamtinvestition für das MONACO beziffert Wißmeier auf rund 75 Millionen Euro. Die Recyclingfassade sei deutlich teurer als eine konventionelle Konstruktion aus Glas und Stahl, räumt er offen ein. Das ist bemerkenswert ehrlich und zugleich ein strukturelles Problem: Solange nachhaltige Materialien teurer sind als ihre konventionellen Alternativen, bleibt ihre Anwendung auf Bauherrinnen und Bauherren beschränkt, die entweder idealistisch motiviert sind oder sich auf lange Sicht strategische Vorteile erhoffen, etwa durch Zertifizierungen und Reputationsgewinn.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rock Capital strebt für das MONACO eine LEED-Platin-Zertifizierung an, die höchste Stufe des amerikanischen Nachhaltigkeitssystems. Hinzu kommt die WiredScore-Platin-Zertifizierung für digitale Konnektivität. Im Betrieb sollen intelligente Systeme für Beleuchtung, Heizung und Kühlung den Energieverbrauch minimieren. Fahrradparkplätze, Duschen für Radfahrerinnen und Radfahrer sowie mindestens 20 Ladepunkte für Elektrofahrzeuge runden das Nachhaltigkeitsbild ab. Vor Baubeginn wurde das Projekt bereits mit dem German Design Award 2025 ausgezeichnet. MONACO ist damit schon jetzt ein Projekt der Superlative auf dem Papier. Ob es das auch als gebautes Haus sein wird, entscheidet sich erst in zwei Jahren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Standort als Argument</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das MONACO steht in einer Straße, die einen Namen trägt, der kaum passender sein könnte: Helmut-Dietl-Straße, benannt nach dem Münchner Regisseur und geistigen Schöpfer der Monaco-Franze-Figur. Es liegt zwischen den Hochhäusern Atlas und Highrise One, in unmittelbarer Nachbarschaft zu WERK12, dem anderen MVRDV-Gebäude im Werksviertel, das 2021 mit dem Preis des Deutschen Architekturmuseums als Bauwerk des Jahres ausgezeichnet wurde. MVRDV ist damit im Werksviertel kein Unbekannter mehr. Der neue Auftrag ist in gewisser Weise auch eine Bestätigung einer funktionierenden Zusammenarbeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stadtbaurätin Elisabeth Merk bezeichnet das MONACO als stadtbildprägend und hebt die Klinker als Referenz an das industriekulturelle Erbe des Areals hervor. Das ist kein leeres Lob: Das Werksviertel ist tatsächlich ein seltenes Beispiel dafür, wie ein ehemaliges Industrieareal nicht durch Verdrängung, sondern durch schrittweise Verdichtung und Aufwertung neues Leben erhält. Das MONACO fügt diesem Prozess ein Material hinzu, das bisher im deutschen Stadtbild nicht vorkam.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Pilotprojekt mit Signalwirkung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass Pretty Plastic bisher in Deutschland nicht zum Einsatz kam, liegt nicht an mangelnder Qualität der Produkte. Es liegt an der Kombination aus ungewohntem Material, deutschen Brandschutzvorschriften und einer Baubranche, die Innovation strukturell skeptisch gegenübersteht. In den Niederlanden, wo Pretty Plastic gegründet wurde, stehen die bisher größten Projekte des Unternehmens, etwa das nationale Schwimmcenter Tongelreep in Eindhoven mit fast 31.000 Schindeln auf 1.400 Quadratmetern Fassadenfläche. Deutschland entdeckt das Material nun mit einem vergleichsweise kleinen, aber sichtbaren Gebäude.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob das MONACO Nachahmerinnen und Nachahmer findet, hängt wesentlich davon ab, wie Betrieb und Vermarktung des Gebäudes verlaufen. Wenn sich zeigt, dass die Schindeln wartungsarm und dauerhaft sind, dass die Zertifizierungen helfen, Mieterinnen und Mieter anzuziehen, und dass der Preisaufschlag für die Bauherrschaft langfristig aufgeht, könnte das Projekt tatsächlich einen Markt öffnen. Die Kreislaufwirtschaft braucht Leuchtturmprojekte. Das MONACO hat das Potenzial, eines zu sein. Gebaut werden muss es noch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/deutschlands-erste-fassade-aus-recyceltem-plastik-entsteht-im-muenchner-werksviertel/">Deutschlands erste Fassade aus recyceltem Plastik entsteht im Münchner Werksviertel</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die große Wärmepumpen-Lüge: Warum der Altbau-Mythos endlich fällt</title>
		<link>https://baukunst.art/die-grosse-waermepumpen-luege-warum-der-altbau-mythos-endlich-faellt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 Jan 2026 12:11:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Premium]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14794</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wärmepumpen funktionieren nicht im Altbau, so lautet ein hartnäckiges Vorurteil. Eine vierjährige Langzeitstudie des Fraunhofer ISE widerlegt es eindrucksvoll: In 77 untersuchten Gebäuden mit Baujahren zwischen 1826 und 2001 arbeiteten Wärmepumpen effizient, auch ohne Vollsanierung. Der CO₂-Ausstoß lag 64 Prozent unter dem von Gasheizungen. Warum der Mythos fällt und wo es trotzdem noch hakt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/die-grosse-waermepumpen-luege-warum-der-altbau-mythos-endlich-faellt/">Die große Wärmepumpen-Lüge: Warum der Altbau-Mythos endlich fällt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1>Wärmepumpe im Altbau: Fraunhofer Studie 2025 beweist überraschende Effizienz auch ohne Vollsanierung</h1>
<p>Ein Gebäude aus dem Jahr 1826. Keine Fußbodenheizung, keine gedämmte Fassade, keine Dreifachverglasung. Und trotzdem heizt dort seit Jahren eine Wärmepumpe zuverlässig und effizient. Was für viele Fachleute noch vor wenigen Jahren als technisches Experiment galt, entpuppt sich nach einer vierjährigen Langzeitstudie des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) als tragfähige Realität: Wärmepumpen funktionieren auch im Altbau erheblich besser als gedacht.</p>
<h2>Das Ende eines Vorurteils</h2>
<p>Die Ergebnisse der im November 2025 abgeschlossenen Studie  sind eindeutig. Danny Günther, Teamleiter für Wärmepumpen und Transformation Gebäudebestand am Fraunhofer ISE, fasst zusammen: Wärmepumpen können auch in älteren Gebäuden effizient betrieben werden und heizen klimaschonend, ohne dass die Gebäude auf Neubaustandard saniert werden müssen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten 77 Wärmepumpenanlagen in Ein- bis Dreifamilienhäusern mit Baujahren zwischen 1826 und 2001. Der untersuchte Pool umfasste 61 Luft/Wasser-Wärmepumpen und 16 Sole/Wasser-Wärmepumpen mit Erdsonden. Die beheizten Flächen lagen zwischen 90 und 370 Quadratmetern.</p>
<p>Das zentrale Ergebnis: Die Jahresarbeitszahlen, also das Verhältnis von erzeugter Wärme zu eingesetztem Strom, reichten von 2,6 bis 5,4. Luft/Wasser-Wärmepumpen erreichten im Durchschnitt eine Jahresarbeitszahl von 3,4, eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorgängerprojekt von 2019, das noch bei 3,1 lag. Erdgekoppelte Anlagen schnitten mit durchschnittlich 4,3 noch besser ab. Besonders bemerkenswert: Eine Korrelation zwischen Baujahr der Gebäude und Effizienz der Wärmepumpen konnte nicht festgestellt werden. Das alte Haus von 1826 schneidet also nicht zwangsläufig schlechter ab als ein Nachkriegsbau aus den 1960er Jahren.</p>
<h2>64 Prozent weniger CO₂ als Gasheizungen</h2>
<p>Erstmals berechneten die Forschenden die CO₂-Bilanz unter Berücksichtigung zeitlich variierender Strommix-Daten. Dabei wurden die viertelstündlich schwankenden Emissionswerte im deutschen Strommix erfasst. Das Ergebnis dieser dynamischen Bilanzierung: Im Jahr 2024 lag der CO₂-Ausstoß der untersuchten Wärmepumpen im Schnitt um 64 Prozent niedriger als bei Gasheizungen. Diese Zahl fällt zwar vier Prozentpunkte geringer aus als bei der konventionellen statischen Berechnungsmethode, bleibt aber eindrucksvoll. Mit dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien im Strommix wird sich dieser Vorteil noch verstärken. Für das Jahr 2030 prognostizieren die Forschenden Einsparungen zwischen 58 und 89 Prozent.</p>
<p>Auch konventionelle Heizkörper funktionieren</p>
<p>Ein weiterer Mythos, der ins Wanken gerät: die Annahme, Wärmepumpen benötigten zwingend Fußbodenheizungen. Die Studie zeigt, dass auch konventionelle Heizkörper für den effizienten Betrieb tauglich sind, sofern sie ausreichend dimensioniert werden. In den untersuchten Fällen konnten sie mit ähnlich niedrigen Vorlauftemperaturen betrieben werden wie Flächenheizungen. Die Angst vieler Altbaubesitzerinnen und Altbaubesitzer vor einem kompletten Umbau ihrer Wärmeverteilung erscheint damit übertrieben.</p>
<h2>Optimierungspotenzial aufgedeckt</h2>
<p>Trotz der positiven Gesamtbilanz identifizierte das Forschungsteam auch Schwachstellen. Viele Wärmepumpen waren auf den Verbrauch bezogen überdimensioniert, die Schalthäufigkeiten lagen bei einigen Anlagen im sehr hohen Bereich. Bei Anlagen mit Kombispeichern wurde teilweise keine zuverlässige Trennung der Temperaturniveaus für Raumheizung und Trinkwassererwärmung realisiert, was zu unnötiger Wärmebereitstellung auf Warmwasser-Temperaturniveau führte.</p>
<p>Diese Erkenntnisse decken sich mit einer europaweiten Feldstudie der ETH Zürich, die im Mai 2025 veröffentlicht wurde. Über zwei Jahre analysierten die Schweizer Forschenden 1.023 Wärmepumpen in zehn europäischen Ländern. Das Ergebnis: 17 Prozent der untersuchten Luftwärmepumpen unterschritten die europäischen Effizienzstandards. Die Anlagen mit dem niedrigsten Wirkungsgrad lagen zum Teil um das Zwei- bis Dreifache unter denjenigen mit dem höchsten Wirkungsgrad. Thorsten Staake, Co-Leiter des Bits to Energy Labs der ETH Zürich, kommentierte: Auch wenn bekannt war, dass fehlerhafte Planungen und Einstellungen keine Seltenheit sind, hat überrascht, wie stark sich dies im tatsächlich erzielten Effizienzniveau widerspiegelt.</p>
<p>Bei 41 Prozent der in einer früheren Schweizer Studie untersuchten Anlagen war die Heizkurve zu hoch eingestellt. In 36 Prozent der Fälle führte die aktivierte Nachtabsenkung zur Abkühlung der Gebäude und einem höheren Nachheizen. Jede zehnte Anlage war überdimensioniert.</p>
<h2>Der Markt reagiert</h2>
<p>Die verbesserte Faktenlage spiegelt sich zunehmend im Kaufverhalten wider. Im ersten Halbjahr 2025 wurden in Deutschland 139.500 Wärmepumpen installiert, ein Anstieg von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit übertraf die Wärmepumpe erstmals in der Geschichte des deutschen Heizungsmarktes die Zahl der neu verkauften Gasheizungen. Zwei Drittel aller 2024 verbauten Wärmepumpen wurden in Bestandsgebäuden installiert, nicht im Neubau. Die Modernisierung, nicht der Neubau, treibt den Markt.</p>
<p>Dennoch bleibt Deutschland im europäischen Vergleich zurückhaltend. Mit 10,6 installierten Geräten pro 1.000 Haushalte liegt die Bundesrepublik weit hinter Norwegen mit 57,34 oder Finnland mit 38,66. Das politische Ziel von 500.000 jährlich installierten Wärmepumpen wurde auch 2025 deutlich verfehlt. Für das Gesamtjahr prognostiziert der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie rund 284.000 abgesetzte Geräte.</p>
<h2>Was bleibt zu tun</h2>
<p>Die Forschungsergebnisse zeigen zweierlei: Erstens funktioniert die Technologie im Altbau besser als ihr Ruf. Zweitens hängt der tatsächliche Erfolg stark von Planung, Installation und Einstellung ab. Das Fraunhofer ISE hat im Abschlussbericht eine Prozessmatrix erstellt, die für die Phasen Planung, Installation und Inbetriebnahme mögliche Qualitätsdefizite dokumentiert. Die ETH Zürich schlägt als Lösungsansatz eine europaweite standardisierte Überwachung vor, gestützt auf Smart-Meter-Daten und KI-gestützte Analysen.</p>
<p>Die Kombination mit Photovoltaik bietet zusätzliches Potenzial. Ohne Batteriespeicher erreichten die in der Fraunhofer-Studie untersuchten Gebäude einen Autarkiegrad von 25 bis 40 Prozent. Die Wärmepumpe im Altbau ist keine Utopie mehr, sondern eine Frage der Qualitätssicherung.</p>
<p>QUELLEN</p>
<p><a href="https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2025/waermepumpen-heizen-auch-im-altbau-klimafreundlich-forschungsprojekt-des-fraunhofer-ise-abgeschlossen.html" target="_blank" rel="noopener">Fraunhofer ISE Studie (November 2025):</a></p>
<p><a href="https://ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2025/05/wie-effizient-arbeiten-waermepumpen-tatsaechlich.html" target="_blank" rel="noopener">ETH Zürich Feldstudie (Mai 2025):</a></p>
<p>_____________________________________________________________________________</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/die-grosse-waermepumpen-luege-warum-der-altbau-mythos-endlich-faellt/">Die große Wärmepumpen-Lüge: Warum der Altbau-Mythos endlich fällt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Zwischen Genie und Zerstörung: Was moderne Architekten von den Römern lernen können</title>
		<link>https://baukunst.art/zwischen-genie-und-zerstoerung-was-moderne-architekten-von-den-roemern-lernen-koennen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Jan 2026 16:08:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Experimentelle Archäologie]]></category>
		<category><![CDATA[nachhaltiges Bauen]]></category>
		<category><![CDATA[römischer Beton]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14788</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Römer waren Meister der Bautechnik, doch ihr Erbe ist zwiespältig. Neue Forschungen enthüllen, wie sie die Umwelt ausbeuteten, während ihr selbstheilender Beton heute als Vorbild für nachhaltiges Bauen gilt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Wunderbeton, der sich selbst repariert</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">43,4 Meter Durchmesser, fast 1900 Jahre alt, noch immer intakt: Die Kuppel des Pantheons in Rom bleibt ein architektonisches Rätsel. Kein anderes nicht stahlverstärktes Betonbauwerk der Welt erreicht diese Spannweite. Was machten die römischen Baumeister besser als ihre modernen Nachfolger, deren Betonkonstruktionen bereits nach 50 bis 100 Jahren erste Verfallserscheinungen zeigen?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Forscherteam um den MIT-Professor Admir Masic hat das Geheimnis nun endgültig gelüftet. Bei Ausgrabungen einer verschütteten Baustelle in Pompeji fanden die Wissenschaftler Baumaterialien, die seit dem Vesuvausbruch im Jahr 79 unserer Zeitrechnung unberührt lagerten. Der Fund liefert den archäologischen Beweis für das sogenannte Heißmischen: Die Römer vermischten Branntkalk direkt mit Wasser, Vulkanasche und Zuschlagstoffen. Die dabei entstehende exotherme Reaktion erzeugte Kalkklumpen im Beton, die bei Rissbildung mit eindringendem Wasser reagieren und diese selbstständig wieder verschließen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Als ich die Materialien untersuchte, hatte ich das Gefühl, in die Zeit um 79 nach Christus zurückgereist zu sein&#8220;, beschreibt Masic seinen Eindruck. Die Erkenntnisse haben nicht nur historische Bedeutung. Die Betonherstellung verursacht heute rund acht Prozent der globalen CO₂-Emissionen. Ein selbstheilender Beton nach römischem Vorbild könnte Wartungsintervalle verlängern und die Klimabilanz der Baubranche deutlich verbessern.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Experimentelle Archäologie korrigiert Vitruv</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Archäologischen Park Xanten am Niederrhein werden seit Jahrzehnten römische Bautechniken im Praxistest erprobt. Der Bauforscher Peter Kienzle leitet dort Rekonstruktionen, die überraschende Erkenntnisse liefern. Die Colonia Ulpia Traiana, um 100 nach Christus von Kaiser Trajan gegründet, ist die einzige römische Großstadt in Deutschland, die nach der Antike nie überbaut wurde. Ihre Fundamente schlummern unberührt unter dem Rasen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Rekonstruktionen widerlegen manche Annahme über den römischen Architekten Vitruv, dessen zehn Bücher &#8222;De architectura&#8220; seit der Renaissance als Standardwerk galten. &#8222;Was wir archäologisch finden, passt nicht so ganz dazu&#8220;, erklärt Kienzle. Vitruv riet etwa vehement von Fachwerk ab, weil es brenne &#8222;wie Fackeln&#8220;. Die archäologischen Befunde zeigen jedoch, dass Fachwerk in den Nordprovinzen eine gängige Bautechnik war. Nicht jeder private Bauherr hatte Zugang zu Ziegeleien oder konnte sich teure Natursteine leisten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders aufschlussreich war der Nachbau der Herbergsthermen. Nach drei Jahren Bauzeit funktionierte die Anlage zunächst, doch wenige Jahre später bildeten sich Risse im Mauerwerk, Rauch drang in die Innenräume. Die Bauforscher mussten eingestehen: Die Römer hatten etwas besser gemacht. Man installierte schließlich einen Ventilator, den die antiken Baumeister garantiert nicht besaßen. Das Rätsel der thermischen Ausdehnung im Aufheiz- und Auskühlungsprozess beschäftigt Kienzle bis heute.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die dunkle Seite der römischen Baukunst</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch hinter den beeindruckenden Bauleistungen verbirgt sich eine andere Geschichte. Die Römer hinterließen Spuren, die noch heute messbar sind, sogar im arktischen Eis. Eisbohrkerne vom Mont Blanc zeigen, dass die atmosphärische Bleikonzentration zwischen dem 3. Jahrhundert vor Christus und dem 2. Jahrhundert nach Christus zeitweise um das Zehnfache anstieg. Während der Pax Romana gelangten insgesamt rund 500.000 Tonnen giftige Bleipartikel in die Atmosphäre. Erst die bleihaltigen Kraftstoffe des 20. Jahrhunderts verursachten eine noch schlimmere Luftverschmutzung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Blei war für die Römer, was Kunststoff heute ist: ein günstiger, leicht formbarer Werkstoff. In Köln strömten täglich 20 Millionen Liter Wasser über die Eifelwasserleitung in die Stadt, verteilt durch Bleirohre. Für ein 37 Meter langes Rohr benötigte man eine Tonne des Schwermetalls. Der jährliche Bleibedarf des Reiches lag bei 80.000 bis 100.000 Tonnen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Manchen Zeitgenossen war die Gefahr durchaus bewusst. Der Ingenieur Vitruv beschrieb die &#8222;blasse Gesichtsfarbe&#8220; der Arbeiter in Bleihütten. Dennoch änderte sich nichts. Im Schweizer Legionslager Vindonissa türmten sich die Abfälle auf einem 200 Meter langen, bis zu 18 Meter hohen Schutthügel. Die Müllflut enthielt vermutlich genug antiken Unrat, um 20 olympische Schwimmbecken zu füllen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Industrielle Luftverschmutzung in der Antike</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In der Eifel entdeckten Archäologinnen und Archäologen ein römisches Werkstattrevier mit bis zu 240 Töpfereien auf nur vier Quadratkilometern. Simulationen der Universität Trier zeigen: Die Brennöfen überschritten heutige Feinstaubgrenzwerte deutlich. Jede Werkstatt produzierte stündlich etwa zehn Gramm Feinstaub und verbrauchte bis zu 120 Kilogramm Holz pro Stunde. Warum errichteten die Römer dieses Industriegebiet ausgerechnet in der dünn besiedelten Eifel statt im nahen Trier? Vermutlich wollte man die Luftverschmutzung von den Bevölkerungszentren fernhalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch drastischer war der Kahlschlag. Im heutigen Baden-Württemberg wurden nach Schätzungen während der rund 200 Jahre andauernden Römerherrschaft etwa 60 Prozent der Waldfläche vernichtet. Die Thermen von Biriciana, dem heutigen Weißenburg in Bayern, verschlangen jährlich bis zu 1,25 Hektar Wald. Für die Heizungen der rund 600 Wohnhäuser der Zivilstadt Carnuntum im heutigen Österreich errechnete der Archäologe Hannes Lehar einen Holzbedarf von 15,5 Hektar pro Winterhalbjahr.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Im Main-Donau-Gebiet zeigen entwurzelte Auewaldeichen im Flusskies, wie häufig die Gewässer während der Römerzeit über die Ufer traten. Der entwaldete Boden konnte den Regen nicht mehr aufsaugen. Erst nach dem Abzug der Römer erholten sich die Auenwälder, doch die Eichen waren dauerhaft verschwunden. Am Murtensee in der Schweiz brauchte das Ökosystem 300 Jahre zur Regeneration.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lehren für die Gegenwart</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Althistoriker Gian Franco Chiai von der FU Berlin ordnet ein: &#8222;Es kam zu ernsten Umweltschäden, aber nicht auf globaler Ebene wie heute. Dazu fehlte den Römern die entsprechende Technik, und damals lebten einfach viel weniger Menschen.&#8220; Dennoch zeigt die römische Baugeschichte ein Grundmuster, das erschreckend aktuell wirkt: technische Innovation ohne Rücksicht auf ökologische Konsequenzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kathrin Jaschke vom Römisch-Germanischen Museum in Köln bremst romantische Vorstellungen von römischer Nachhaltigkeit: &#8222;Sie konnten super Brücken bauen, und die waren natürlich auch dafür gedacht, möglichst lange stehen zu bleiben. Aber es ging ihnen dabei nicht um Nachhaltigkeit. Hätten sie unseren Spannbeton gekannt, hätten sie den mit Sicherheit auch benutzt.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ironie der Geschichte: Gerade weil den Römern moderne Materialien fehlten, entwickelten sie Technologien, die uns heute als Vorbild für nachhaltiges Bauen dienen könnten. Die Selbstheilungsfähigkeit des Opus caementicium, die Langlebigkeit ihrer Konstruktionen, die Anpassung an lokale Ressourcen in den Provinzen, all das sind Prinzipien, die angesichts der Klimakrise neu bewertet werden müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Plinius der Ältere warnte bereits vor 2000 Jahren: &#8222;Wir vergiften auch die Flüsse und die Elemente der Natur und selbst das, was uns leben lässt, die Luft, verderben wir.&#8220; Seine Worte verhallten ungehört. Sein Neffe Plinius der Jüngere ließ als Statthalter einen stinkenden Fluss einfach abdecken, statt ihn zu reinigen. Procul ex oculis, procul ex mente: Aus den Augen, aus dem Sinn. Auch dieses Muster kennen wir nur zu gut.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Innovation braucht Verantwortung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das römische Erbe lehrt uns zweierlei. Erstens: Technische Meisterleistungen können Jahrtausende überdauern, wenn sie auf einem tiefen Verständnis von Materialien und Prozessen beruhen. Zweitens: Ohne Rücksicht auf ökologische Zusammenhänge hinterlässt jede Hochkultur Narben in der Landschaft. Die Römer kannten keine Umweltverträglichkeitsprüfung. Wir haben keine Ausrede mehr.</p>
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		<title>Kreislaufwirtschaft im Bau: Kann ein KI Chatbot die Bauwende beschleunigen?</title>
		<link>https://baukunst.art/kreislaufwirtschaft-im-bau-kann-ein-ki-chatbot-die-bauwende-beschleunigen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Dec 2025 14:48:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[IBA 2027 Stuttgart]]></category>
		<category><![CDATA[Kreislaufwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Zirkuläres Bauen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14533</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die IBA'27 Stuttgart präsentiert mit dem Circular Construction Hub eine digitale Plattform, die Künstliche Intelligenz und Materialdatenbanken vereint, um zirkuläres Bauen vom Expertenthema zum Branchenstandard zu machen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie der Circular Construction Hub der IBA&#8217;27 das zirkuläre Bauen demokratisieren will</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Über 54 Prozent des deutschen Abfallaufkommens entfallen auf das Bauwesen. Gleichzeitig schlummern in deutschen Gebäuden geschätzte 15 Milliarden Tonnen verbauter Materialien, ein anthropogenes Lager von kaum vorstellbarem Ausmaß. Während Architekten und Stadtplanerinnen seit Jahren über Urban Mining und Kreislaufwirtschaft diskutieren, blieb die praktische Umsetzung meist im Stadium des Pilotprojekts stecken. Die Internationale Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart versucht nun, diese Kluft zwischen Theorie und Praxis zu überbrücken.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der im März 2025 vorgestellte Circular Construction Hub verkörpert diesen Anspruch. Die digitale Plattform kombiniert einen KI basierten Chatbot mit einer Materialdatenbank und den Ergebnissen einer umfassenden Stoffstromanalyse. &#8222;Der Bausektor ist einer der größten Hebel für Ressourcenschonung und Klimaschutz&#8220;, betont Andreas Hofer, Intendant der IBA&#8217;27. Die Herausforderung besteht darin, das rasant wachsende Feld der Kreislaufwirtschaft überschaubar zu machen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Chatbot als digitaler Wegweiser</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Herzstück des Hubs bildet ein speziell programmierter Chatbot, der auf einer Datenbasis von über tausend geprüften Fachinformationen aufbaut. Fachbücher, Fallstudien und Forschungsberichte wurden systematisch aufbereitet. Im Unterschied zu allgemeinen KI Tools wie ChatGPT greift der Bot ausschließlich auf verifizierte Quellen zurück und verweist transparent auf diese. Planerinnen und Bauherren können konkrete Fragen stellen: Welche Materialien eignen sich für mein Projekt? Wie lassen sich Bauteile aus einem Rückbau wiederverwenden? Die Antworten sollen nicht nur informieren, sondern direkte Handlungsempfehlungen liefern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jo Bronckers von der niederländischen NGO Fibree, die den Hub maßgeblich mitentwickelt hat, versteht die Plattform als Anfang von etwas Größerem. Die modulare Struktur ermöglicht es, den Bot und die einzelnen Komponenten auf andere Regionen zu übertragen. Für die Region Stuttgart soll der Hub zunächst als Anker dienen, um der Kreislaufwirtschaft zum Durchbruch zu verhelfen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ernüchternde Bestandsaufnahme, pragmatische Lösungen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Erkenntnisse des IBA Pilotprojekts &#8222;Kreislaufschließung&#8220; sind aufschlussreich. An drei Beispielgebäuden, einem ehemaligen Postgebäude in Böblingen sowie einem Wohnhaus und einem Therapiegebäude in Kernen, analysierte das Team um Projektleiterin Stefanie Weavers das Wiederverwendungspotenzial. Das Ergebnis war ernüchternd: Unter Berücksichtigung der aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen lag das Potenzial bei unter zehn Prozent.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Quote spiegelt weniger einen Mangel an vorhandenen Materialien wider als vielmehr strukturelle Hindernisse. In Gesprächen mit Stakeholdern, von Kommunen über Hochschulen bis zur Handwerkskammer, kristallisierte sich heraus, dass theoretisch alles vorhanden sei, um in die Umsetzung zu gehen. Der Knackpunkt liegt woanders: Es fehlt an Transparenz, Vernetzung und aussagekräftigen Datengrundlagen zu Gebäuden. Verschiedene Töpfe existieren parallel, jeder kocht seinen eigenen Brei.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Stoffstromanalyse als Planungsinstrument</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gemeinsam mit dem niederländischen Unternehmen Metabolic führte die IBA&#8217;27 eine Stoffstromanalyse an sieben ausgewählten Projekten durch. Erstmals wurden präzise Daten über verbaute Materialien erhoben: vom Sindelfinger Krankenhausareal über das Quartier Backnang West bis zum KaepseLE Goldäcker. Die Analyse zeigt, welche Materialien in welchen Mengen vorhanden sind, wann sie freigesetzt werden und wo Bedarf entsteht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein zentrales Ergebnis: Die mengenmäßig größte Freisetzung an Beton, Ziegeln und Gips wird im Jahr 2030 erwartet, wenn bei mehreren Projekten intensive Abriss und Sanierungsarbeiten starten sollen. Für die Transformation werden hauptsächlich Beton (geschätzte 70 Prozent der benötigten Materialien) und Holz (10 Prozent) benötigt. Die intensive Nutzung von Holz unterstreicht dessen wachsende Bedeutung für nachhaltiges Bauen, während die anhaltende Dominanz des Betons verdeutlicht, wie dringend Innovationen beim Betonrecycling notwendig sind.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom Abfall zum Rohstoff: Eine Definition macht Probleme</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die größten Hürden für zirkuläres Bauen sind nicht technischer Natur. Es mangelt an Zeit und Personal, selbst bei ambitionierten Planungsbüros. Neue Normen und Regulierungen seien nicht notwendig, betont Weavers. Die Spielräume existieren. Was allerdings dringend angepasst werden müsse, sei die gesetzliche Definition von Abfall. Sobald Material aus einem Gebäude ausgebaut und an anderer Stelle wiederverwendet wird, gilt es rechtlich als Abfall. Diese Kategorisierung erschwert die Wiederverwendung unnötig und verhindert pragmatische Lösungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt das Fehlen einfacher Verfahren zur Gewährleistung von Bauteilen, die ein Risiko für Leib und Leben bedeuten können. Hier brauche es gesunden Menschenverstand und Pragmatismus, um den Dschungel an Gesetzen und Regularien nicht weiter zu verkomplizieren.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die kritische Masse fehlt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei Betrachtung historischer Transformationen, von der landwirtschaftlichen über die industrielle bis zur digitalen Revolution, fallen vier gemeinsame Faktoren auf: Veränderungen der Machtverhältnisse und politischen Rahmenbedingungen, technische Innovationen kombiniert mit wirtschaftlichen Anreizen, ein Paradigmenwechsel sowie eine kritische Masse gesellschaftlicher Unterstützung. Letztere fehlt der Kreislaufwirtschaft im Bausektor noch weitgehend.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während Second Hand Kleidung längst salonfähig geworden ist und einen erfolgreichen Markt bedient, bleibt die öffentliche Aufmerksamkeit für zirkuläres Bauen begrenzt. Die Verbindung zwischen bezahlbarem Wohnraum, Energiekrise und endlichen Ressourcen wird im öffentlichen Diskurs selten hergestellt. Der Hub soll dazu beitragen, diese Lücke zu schließen, indem er Wissen, Akteure, Projekte und Ideen zusammenträgt und so Vernetzung und neue Geschäftsmodelle fördert.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Von der Region zum Standard</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das IBA Pilotprojekt versteht sich als Demonstration dessen, was möglich ist. Aktuell läuft eine von der Holzbau Offensive Baden Württemberg geförderte Untersuchung zur Identifizierung regionaler Unternehmen, die biobasierte Materialien herstellen. Die Materialdatenbank soll mittelfristig auf drei Säulen fußen: Wiederverwendung, Recycling und biobasierte Materialien.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die eigentliche Frage bleibt jedoch: Wie gelingt der Sprung vom 15 jährigen Pilotprojekt Status zur flächendeckenden Anwendung? &#8222;Für eine echte Transformation braucht es politische Weichenstellungen, wirtschaftliche Anreize, neue Geschäftsmodelle und einen Kulturwandel in der Bauwirtschaft&#8220;, fasst Weavers zusammen. Der Circular Construction Hub ist unter <strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://knowledge.iba27.de/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://knowledge.iba27.de</a></span></span> </strong>öffentlich zugänglich. Er ist ein Werkzeug, nicht die Lösung selbst. Ob er seinen Anspruch einlösen kann, das zirkuläre Bauen vom Expertenthema zum Branchenstandard zu machen, wird sich erst zeigen, wenn Architekten und Stadtplanerinnen, Bauherren und Handwerkerinnen ihn tatsächlich in ihre tägliche Praxis integrieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Allgemein anerkannte Regeln der Technik: Verzichtbar oder unverzichtbar?</title>
		<link>https://baukunst.art/allgemein-anerkannte-regeln-der-technik-verzichtbar-oder-unverzichtbar/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Dec 2025 15:50:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[allgemein anerkannte Regeln der Technik]]></category>
		<category><![CDATA[Architektenrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Gebäudetyp E]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Stuttgarter Gerichtsurteil senkt die Hürden für Architektenhaftung drastisch. Gleichzeitig revolutioniert das Gebäudetyp E Gesetz das Bauvertragsrecht. Doch was bedeutet das für die Planungspraxis?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1>Ein Urteil mit Signalwirkung</h1>
<p style="font-weight: 400;">Das Oberlandesgericht Stuttgart hat im Dezember 2024 ein Urteil gefällt, das in der Fachwelt für erhebliche Diskussionen sorgt. Im Kern ging es um die Frage, wie umfassend Architektinnen und Architekten ihre Auftraggebenden über Abweichungen von den allgemein anerkannten Regeln der Technik (a.a.R.d.T.) aufklären müssen. Die Antwort des Gerichts überrascht: Der lapidare Hinweis „Wohnung funktioniert nicht“ wurde als ausreichend gewertet, um einen fachkundigen Bauträger über die Risiken fehlenden Sonnenschutzes zu informieren (Az. 10 U 38/24).</p>
<p style="font-weight: 400;">Der zugrundeliegende Fall illustriert ein alltägliches Szenario der Baupraxis: Ein Architekt plante eine Wohnungseigentumsanlage mit Sonnenschutz für große Fensterflächen, wie es die DIN 4108-2 zum Wärmeschutz vorsieht. Der Bauträger entschied jedoch, diesen nur als kostenpflichtigen Sonderwunsch anzubieten. Als die Erwerber der Dachgeschosswohnungen später rund 100.000 Euro Schadensersatz forderten, wollte der Bauträger den Architekten in Regress nehmen.</p>
<h1>Zwischen Erleichterung und Risiko</h1>
<p style="font-weight: 400;">Das Gericht wies die Klage ab. Die Begründung: Der Architekt habe seine Aufklärungspflicht erfüllt, indem er auf die mangelnde Funktionalität hinwies. Eine detaillierte technische Belehrung über die einschlägige DIN-Norm sei bei einem erfahrenen Bauträger nicht zwingend erforderlich gewesen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Auf den ersten Blick erscheint dieses Urteil als seltener Lichtblick für die Planungspraxis. Hier werden Architekten nicht mit überbordenden Informationspflichten belastet. Der Bauherr wird in seiner fachlichen Kompetenz ernst genommen. Doch die Rechtsanwälte Marius Holdschik und Olrik Vogel warnen im Deutschen Architektenblatt eindringlich davor, dieses Einzelfallurteil zu verallgemeinern.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Problematik liegt auf der Hand: Das Urteil setzt die Hürde für eine wirksame Risikoübertragung auf den Bauherrn sehr niedrig. Es suggeriert, dass eine funktionale Beschreibung bereits ausreichen könnte, selbst wenn eine explizite technische Aufklärung unterbleibt. Darauf sollten sich Architektinnen und Architekten keinesfalls verlassen.</p>
<h1>Das Gebäudetyp E Gesetz als Paradigmenwechsel</h1>
<p style="font-weight: 400;">Fast zeitgleich mit dem Stuttgarter Urteil nimmt ein gesetzgeberisches Vorhaben Fahrt auf, das die gesamte Diskussion um die a.a.R.d.T. neu rahmt. Das Gebäudetyp E Gesetz, für das das Bundesjustizministerium und das Bundesbauministerium im November 2025 gemeinsame Eckpunkte vorgelegt haben, will das Bauen in Deutschland grundlegend vereinfachen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der Kerngedanke: Eine Abweichung von den anerkannten Regeln der Technik soll künftig nicht mehr automatisch einen Sachmangel begründen. Das Gesetz unterscheidet dabei zwischen sicherheitsrelevanten Normen, die weiterhin als a.a.R.d.T. gelten und zwingend einzuhalten sind, und reinen Komfortnormen, deren Einhaltung nicht mehr automatisch geschuldet sein soll.</p>
<p style="font-weight: 400;">Konkret bedeutet das: Die Mindestanzahl von 47 Steckdosen in einer Dreizimmerwohnung nach DIN 18015-2 wäre künftig verhandelbar. Der Trittschallschutz über das technisch notwendige Maß hinaus könnte eingespart werden. Die Normtemperatur von 24 Grad im Badezimmer müsste nicht mehr zwingend erreicht werden. All dies unter der Voraussetzung, dass die Vertragsparteien sich darauf einigen und entsprechend aufgeklärt wurden.</p>
<h1>Innovation versus Sicherheit</h1>
<p style="font-weight: 400;">Die Bundesministerinnen Stefanie Hubig (Justiz) und Verena Hubertz (Bauwesen) versprechen erhebliche Kosteneinsparungen. Das Bundesjustizministerium beziffert das Potenzial auf bis zu acht Milliarden Euro jährlich. Der Verband bayerischer Wohnungsunternehmen rechnet mit etwa zehn Prozent niedrigeren Baukosten.</p>
<p style="font-weight: 400;">Kritische Stimmen mahnen jedoch zur Vorsicht. Die Sorge vor einem „Wohnen zweiter Klasse“ ist nicht unbegründet. Die Erinnerung an die stigmatisierten Schlichthäuser der Nachkriegszeit, deren Bewohner abwertend als „Mau-Maus“ bezeichnet wurden, schwingt in der Debatte mit. Der Erfolg des Gebäudetyp E wird davon abhängen, ob die Balance zwischen Kosteneinsparung und Wohnqualität gelingt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Besonders interessant ist der Blick auf die Pilotprojekte: In Bayern werden seit Dezember 2023 neunzehn Vorhaben nach dem Gebäudetyp E Prinzip realisiert. Der Architekt Florian Nagler experimentiert an seinen Forschungshäusern in Bad Aibling mit einfacheren und kostengünstigeren Bauweisen. Die Erkenntnisse sollen der Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht werden.</p>
<h1>Handlungsempfehlungen für die Praxis</h1>
<p style="font-weight: 400;">Das Stuttgarter Urteil und das Gebäudetyp E Gesetz markieren einen Wendepunkt im Umgang mit technischen Standards. Für Architektinnen und Architekten ergeben sich daraus konkrete Handlungsnotwendigkeiten.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die umfassende schriftliche Dokumentation bleibt unverzichtbar. Jede Abweichung von den a.a.R.d.T. sollte detailliert beschrieben und durch den Auftraggeber bestätigt werden. Der technische Sachverhalt muss ebenso klar dargestellt werden wie die funktionalen und rechtlichen Konsequenzen. Eine schriftliche Zustimmung des Auftraggebers nach erfolgter Aufklärung ist dringend zu empfehlen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Fachkunde des Auftraggebers kann die Aufklärungspflicht zwar beeinflussen, sollte aber niemals als Freibrief verstanden werden. Im Zweifel gilt: lieber zu ausführlich als zu knapp dokumentieren. Denn vor einem anderen Gericht könnte selbst der Hinweis auf mangelnde Funktionalität als unzureichend bewertet werden.</p>
<h1>Fazit: Zwischen Aufbruch und Vorsicht</h1>
<p style="font-weight: 400;">Die aktuelle Rechtsentwicklung eröffnet neue Spielräume für innovatives und kostengünstiges Bauen. Das Gebäudetyp E Gesetz könnte tatsächlich jene „Baupreisbremse und Bauturbo in einem“ werden, die Bundesjustizministerin Hubig verspricht. Gleichzeitig bleibt die Mahnung der Stuttgarter Juristen berechtigt: Wer sich allein auf wohlwollende Urteile verlässt und auf gründliche Aufklärung verzichtet, geht erhebliche Haftungsrisiken ein.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die eigentliche Innovation liegt vielleicht weniger in der Absenkung von Standards als in der Etablierung einer neuen Kommunikationskultur zwischen Planenden und Bauherren. Wer die Möglichkeiten des vereinfachten Bauens nutzen will, muss bereit sein, offen über Alternativen, Risiken und Konsequenzen zu sprechen. Das erfordert nicht weniger, sondern mehr fachliche Kompetenz.</p>
<p style="font-weight: 400;">
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		<title>Der Mann, der Denkmäler in Kraftwerke verwandelt: Zu Besuch bei Generalkonservator Pfeil</title>
		<link>https://baukunst.art/der-mann-der-denkmaeler-in-kraftwerke-verwandelt-zu-besuch-bei-generalkonservator-pfeil/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Nov 2025 09:51:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege]]></category>
		<category><![CDATA[Photovoltaik Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Solarbiber]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>13.860 Solarbiber auf einem Renaissancebau: Das BLfD demonstriert mit einem Pilotprojekt, wie sich historische Substanz und Energiewende vereinen lassen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Pilotprojekt: Forschung für die Zukunft der Denkmäler</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit Ende September 2025 werkeln Solarteure und Dachdeckerinnen und Dachdecker auf dem Dach der Alten Münze im Herzen der Münchner Altstadt. Was dort entsteht, ist mehr als eine gewöhnliche Photovoltaikanlage: Es handelt sich um die erste großflächige Indach-Anlage aus sogenannten Solarbiberschwänzen auf einem Denkmal in Bayern. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD), das seit 1986 seinen Sitz in dem historischen Gebäude hat, nutzt dabei seinen gesetzlichen Forschungsauftrag zur Entwicklung von Pilotprojekten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das BLfD ist die Denkmalschutzbehörde des Freistaats Bayern und betreut rund 110.000 Denkmäler. Zu seinen Kernaufgaben gehören Restaurierungswissenschaften, Beratung und Materialforschung. Die Entwicklung von Solarbiberziegeln für herausgehobene Denkmäler gehört zu diesem Forschungsauftrag. Vergleichbare Lösungen gab es bislang nicht.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die rechtliche Grundlage: Novellierung des Denkmalschutzgesetzes 2023</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit der Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG § 105) im Jahr 2023 erhielt die Gewinnung erneuerbarer Energien einen besonderen Vorrang. Bayern reagierte darauf mit einer Änderung des Denkmalschutzgesetzes. Heute wird Denkmaleigentümerinnen und Denkmaleigentümern ein Rechtsanspruch auf die Errichtung denkmalgerechter Photovoltaikanlagen eingeräumt. Die Mehraufwendungen gegenüber normalen Anlagen werden gefördert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei nur etwa 1,5 Prozent des Gesamtgebäudebestands und bei der Bedeutung von Denkmälern, die nach Artikel 141 der Bayerischen Verfassung Verfassungsrang genießen, ist diese Regelung angemessen und vertretbar. Die Bilanz nach zwei Jahren: 2,8 Millionen Euro Fördermittel wurden bewilligt und rund 500 Beratungsfälle bearbeitet.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die technische Lösung: Solarbiber als Innovation</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt beruht auf einer eleganten Lösung: Statt standardisierter schwarzer Solarmodule kommen speziell entwickelte Photovoltaikelemente zum Einsatz, die wie traditionelle Biberschwanz-Dachschindeln wirken. Sie sind etwas dunkler gefärbt und mit Solarzellen ausgestattet. Im ornamentalen Übergang von Solar- und Terrakottabibern wird die architektonische Ausformulierung des Einklangs von Klima- und Denkmalschutz sichtbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In einem vom Landesamt für Denkmalpflege 2023 ausgerichteten Wettbewerb gewann der Entwurf des Architekten Prof. Florian Nagler den ersten Preis. Auf der Dachfläche wurden zunächst drei Musterflächen mit unterschiedlichen Anbietern des am Markt noch nicht beziehbaren „Solar-Biberschwanzziegels“ gesetzt, um deren Leistungsfähigkeit zu ermitteln und im Gespräch mit den Anbietern die richtige Lösung zu finden, die sich besonders gut für Photovoltaik eignen. Der Entwurf sieht vor, die oberen Teilflächen des Daches mit den eigens entwickelten Solarbibern zu bedecken, die dann zur Traufe hin in einem Muster auslaufen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein wichtiger Hinweis: Solarmodule können von den Herstellern in jeder Form nach Fertigungszeichnungen individuell angefertigt werden. Es gibt keine Marktbegrenzung. Die Firmen, die beim Pilotprojekt Solarbiber angeboten haben, erkannten das Potenzial und konkurrierten bewusst um das Projekt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen: Effizienz und Nachhaltigkeit</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die 385 Quadratmeter große PV-Anlage mit einer Leistung von 29,9 kWp wird nach 30 Jahren circa 319 Tonnen CO₂ und rund 10.000 Euro Stromkosten pro Jahr eingespart haben. Fast der gesamte Strom wird direkt im Gebäude genutzt: Die Eigenverbrauchsquote liegt bei 98 Prozent. Die Gesamtinvestitionskosten trägt das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage nach einem Batteriespeicher wurde natürlich geprüft. Er schied jedoch wegen hoher Investitionskosten bei geringer Effizienz aus: Die Erhöhung des Eigenbedarfs hätte nur zwei Prozent betragen. Zudem ist die Lebenserwartung von Batteriespeichern gegenüber den Solarmodulen deutlich begrenzt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Fördermodell: Unterstützung für private Denkmaleigentümer</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt hat Modellcharakter, und das bedeutet konkret: Private Eigentümerinnen und Eigentümer von denkmalgeschützten Gebäuden werden bei der Installation von Photovoltaikanlagen unterstützt. Das Fördermodell funktioniert so: Wenn bei der privaten Sanierung eines Denkmals die bestehende Dachdeckung – und das kann, je nach Denkmal, auch eine Biberschwanzdeckung sein &#8211; durch eine neue Photovoltaikdeckung in Biberschwanzform ersetzt wird, kann eine Förderung in Höhe der Mehrkosten zur normalen Deckung mit normaler Photovoltaik beantragt werden.<br />
Die Förderung deckt die gesamten Mehrkosten gegenüber dem normalen Aufwand ab. Meist werden dann die Mehrkosten zu bis zu 100 Prozent vom BLfD übernommen; die absoluten Kosten für die Eigentümer sind dadurch gering. Und natürlich ist auch kein Denkmaleigentümer verpflichtet, eine Solaranlage zu installieren. Es soll lediglich sichergestellt sein, dass auch am Denkmal eine Teilhabe an der Gewinnung regenerativer Energien möglich ist. Seit 2023 wurde zudem die Mehrwertsteuer auf den Kauf von Solaranlagen auf null Prozent gesetzt, und die KfW bietet zusätzlich Sonderkonditionen an.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das BLfD berät stets auf die verträglichste und wirtschaftlichste Lösung im Sinne der Steuerzahler. Solarbiber bleiben sicher eine Ausnahme für besonders herausgehobene Denkmäler. Beim BLfD gibt es ein eigenes Referat, das sich um die Beratung der Denkmaleigentümerinnen und Denkmaleigentümer kümmert.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das historische Gebäude: Vom Hofmarstall zum Landesamt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Alte Münze selbst ist ein faszinierendes Palimpsest der Geschichte: 1563 als Hofmarstall und Kunstkammer für Herzog Albrecht V. von Bayern erbaut, von 1807 bis 1809 zur Königlichen Münzprägeanstalt umgebaut, im Zweiten Weltkrieg zu 70 Prozent zerstört und bis Ende 1952 wieder vollständig aufgebaut. Seit 1986 ist sie Sitz des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege. Die Arkaden und der Südteil, die heutige Säulenhalle, blieben im Krieg unbeschadet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ausgerechnet hier, auf diesem traditionsreichen Renaissancebau, kommen nun Solarbiberschwänze zum Einsatz. Die technisch hochmoderne Solaranlage wird so zum selbstverständlichen Bauteil des historischen Gebäudes. Die alten Biberschwänze, die vom Dach genommen werden, finden übrigens ein zweites Leben: Sie werden bei der Sanierung anderer Denkmäler wiederverwendet.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Vorbild für eine neue Umbaukultur</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Prof. Mathias Pfeil, Generalkonservator des BLfD, betont: Die Novelle des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes 2023 hat Denkmalschutz und Klimaschutz zu einer Erfolgsgeschichte verbunden. Die PV-Anlage auf dem Dach der Alten Münze sei ein sichtbarer Beweis dafür. Sie vereine technische Innovation mit dem Schutz des kulturellen Erbes und diene als Inspirationsquelle und Forschungsplattform für künftige Projekte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt demonstriert, dass Denkmalschutz und Klimaschutz nicht im Antagonismus stehen müssen. Im Denkmalbereich ist die PV-Anlage ein Pilotprojekt mit doppelter Funktion: Ihre Vorbildfunktion für nachhaltiges Bauen mit gestalterischem Anspruch im sensiblen Stadtbild vereint sie mit ihrer Treiberfunktion für technische Innovation. Bei Montage, Materialwahl und Brandschutz wurden technische Standards weiterentwickelt. Das erworbene Wissen birgt Mehrwert über das Projekt hinaus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Warum Mannheim mit einer gigantischen Pumpe die Energiewende wagt</title>
		<link>https://baukunst.art/warum-mannheim-mit-einer-gigantischen-pumpe-die-energiewende-wagt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2025 16:11:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Energiewende]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltige Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Wärmepumpe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Flüsse als Heizung: Wie Mannheim mit der größten Wärmepumpe der Welt die Energiewende vorantreibt – und warum nicht alle begeistert sind.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die größte Wärmepumpe der Welt: Mannheims riskanter Sprung ins kalte Wasser</strong></h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein technologisches Mammutprojekt am Rhein</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mannheim will Geschichte schreiben: Auf dem Gelände des Großkraftwerks, direkt am Rhein, entsteht die nach eigenen Angaben größte Wärmepumpe der Welt. Mit einer thermischen Leistung von 165 Megawatt soll sie ab 2028 bis zu 40.000 Haushalte mit klimafreundlicher Wärme versorgen. Das Projekt, das rund 200 Millionen Euro kostet und vom Bund mit 59 Millionen Euro gefördert wird, ist ein zentraler Baustein der lokalen Energiewende. Doch hinter den beeindruckenden Zahlen verstecken sich technische Herausforderungen, ökologische Risiken und politische Unwägbarkeiten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wärmepumpe funktioniert nach dem Prinzip eines umgekehrten Kühlschranks: Sie entzieht dem Rheinwasser Wärme und heizt diese mithilfe von Turbokompressoren des schwedischen Konzerns Atlas Copco und dem natürlichen Kältemittel Isobutan auf bis zu 130 Grad Celsius auf. Das Projekt ist nicht nur ein technologischer Kraftakt, sondern auch ein Testfeld für die Integration erneuerbarer Energien in die Fernwärmeversorgung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Technische Innovationen und ihre Tücken</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Herzstück der Anlage bilden die Turbokompressoren, die bereits in anderen Industriebereichen bewährt sind. Isobutan, ein Kohlenwasserstoff, der auch in Haushaltskühlschränken verwendet wird, dient als Kältemittel. Es ist umweltfreundlicher als herkömmliche Kältemittel, aber nicht ohne Risiko: Isobutan ist brennbar, was besondere Sicherheitsvorkehrungen erfordert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein zentrales Problem ist die Temperaturdifferenz: Während die Wärmepumpe im Sommer effizient arbeitet, muss im Winter ein „Fernwärmenachheizer“ die Temperatur weiter erhöhen. Dieser soll sowohl mit Wasserstoff als auch mit Gas betrieben werden können – ein Kompromiss, der die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verlängert und die Klimabilanz schmälert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ökologische Bedenken: Der Rhein als Wärmespender und Ökosystem</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Nutzung des Rheinwassers wirft Fragen auf: Die Anlage entnimmt dem Fluss Wasser, kühlt es ab und leitet es zurück. Während die Einleitung von warmem Wasser aus Kraftwerken bereits bekannt ist, betritt Mannheim mit der Rückführung von kaltem Wasser genehmigungsrechtliches Neuland. In Köln, wo ein ähnliches Projekt geplant ist, sorgten sich Naturschützer um den Fischbestand: Die Saugwirkung der Pumpen könnte Kleinlebewesen und Fischlarven gefährden. Eine „Wasserrutsche“ soll die Tiere zurück in den Fluss leiten, doch ob dies ausreicht, ist ungewiss.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">MVV Energie, der stadteigene Versorgungskonzern, betont, dass das Projekt ein Signal für die Dekarbonisierung ist. Doch der Zeitplan ist ambitioniert: Der Baustart ist für Mitte 2026 geplant, die Inbetriebnahme für den Winter 2028. Gleichzeitig räumt der Vorstand ein, dass das Ziel, das Gasnetz bis 2035 abzuschalten, von politischen Rahmenbedingungen abhängt. Ohne klare gesetzliche Vorgaben bleibt die Planung unsicher.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit: Ein mutiger Schritt mit offenen Fragen</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mannheims Wärmepumpe ist ein Leuchtturmprojekt, das zeigt, wie technologische Innovationen die Energiewende vorantreiben können. Doch der Erfolg hängt nicht nur von der Technik ab, sondern auch von der Lösung ökologischer und regulatorischer Herausforderungen. Ob die größte Wärmepumpe der Welt wirklich ein Modell für die Zukunft wird, bleibt abzuwarten.</p>
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		<item>
		<title>Das Ende der Smartphone-Ära?</title>
		<link>https://baukunst.art/das-ende-der-smartphone-aera/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Oct 2025 13:04:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Interface-Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[KI-Design]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltige Elektronik]]></category>
		<category><![CDATA[Screenless Computing]]></category>
		<category><![CDATA[Technologiekritik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13753</guid>

					<description><![CDATA[<p>OpenAI und der legendäre Designer Jony Ive arbeiten an einem Gerät, das die Smartphone-Ära beenden könnte. Statt Bildschirm und Touch-Interface entsteht ein palmengrosses, kontextbewusstes Objekt – eine radikale Umgestaltung der Mensch-Maschine-Beziehung, die tiefe Fragen für ArchitektInnen und DesignerInnen aufwirft.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wie die post-smartphone Ära unsere Vorstellung von Interface-Design und räumlicher Interaktion transformiert</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit Steve Jobs 2007 das iPhone enthüllte, hat sich kaum etwas Grundlegendes an der Smartphone-Form verändert: ein flaches Rechteck, dominiert von einem scrollbaren Bildschirm, überlagert von standardisierten App-Icons. Diese Designer-Orthopädie hat sich so tief ins kulturelle Gedächtnis eingegraben, dass es schwerfällt, sich eine alternative Zukunft vorzustellen. Doch genau hier setzt die Zusammenarbeit zwischen OpenAI und Jony Ive an. Sie stellt eine provokative These in den Raum: Was, wenn die Bildschirmoberfläche nicht die Zukunft der Mensch-Computer-Interaktion ist, sondern deren Sackgasse?</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Screenless Computing: Die Wiederkehr des Kontexts</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das geplante OpenAI-Gerät wird beschrieben als so groß wie eine Handfläche, ohne Bildschirm, ausgestattet mit Kameras und Mikrofonen – ein Objekt, das seine Umgebung versteht und interpretiert. Dies ist nicht einfach die Negation des Smartphone-Paradigmas, sondern dessen Umwertung. Statt dass das Gerät eine virtuelle Welt im Kleinen darstellt, wird es zur intelligenten Schnittstelle zwischen BenutzerInnen und ihrer physischen Realität. DesignerInnen und ArchitektInnen kennen dieses Prinzip lange: die Macht des Kontexts. Ein Raum funktioniert nicht, weil er „schön&#8220; ist, sondern weil er versteht, was seine NutzerInnen in diesem Moment brauchen. Das ist der gewaltige Unterschied zum Smartphone, das die Welt auf eine glatte, gleichmachende Oberfläche reduziert hat.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die bisherigen Versuche: Gescheiterte Experimente oder Lehrbeispiele?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es wäre naiv, zu übersehen, dass diese Vision nicht neu ist. Das Humane AI Pin (699 Dollar) und das Rabbit R1 (199 Dollar) sollten 2024 die Post-Smartphone-Ära einleiten. Sie scheiterten spektakulär. Das AI Pin hatte miserabele Akkulaufzeiten, das R1 erwies sich als kaum mehr als eine Android-App in Hardware-Form. Warum aber scheiterten diese Produkte wirklich? Nicht weil die Idee falsch war, sondern weil sie die fundamentale gestalterische Aufgabe unterschätzten: Es reicht nicht, einen Bildschirm zu entfernen und zu hoffen, dass künstliche Intelligenz das Problem löst. Man muss eine völlig neue Sprache der Interaktion erfinden – eine, die nicht mehr auf Sichtbarkeit, sondern auf Intuition und Antizipation basiert. Genau das ist Ives Expertise.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Designer als Übersetzer zwischen Welten</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jony Ive hat sein Leben damit verbracht, technische Komplexität in Form zu übersetzen. Der iMac, das iPod Shuffle, das iPhone – alle diese Objekte sind Meisterwerke der Reduktion auf das Wesentliche. Sie zeigen, dass grossartige Designer nicht Technologie verstecken, sondern ihre innere Logik sichtbar und erlebbar machen. Bei einem screenless AI-Device ist diese Aufgabe noch radikaler: Wie macht man künstliche Intelligenz körperlich erlebbar? Wie kommuniziert ein Objekt Vertrauen und Sicherheit, wenn es keine Bedienoberfläche gibt, auf der BenutzerInnen ihre Kontrolle ausüben können? Das ist nicht länger Produktdesign im klassischen Sinne – das ist räumliches Design, das ist Choreografie der Interaktion.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die unterschätzte Dimension: Vertrauensarchitektur</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier offenbaren sich tiefe Probleme, die weder Ive noch Altman einfach „designen&#8220; können. Ein palmengrosses Gerät mit Kameras und Mikrofonen, das ständig seine Umgebung analysiert und vorhersagt, was die Benutzerin gerade braucht – das ist nicht nur eine technische Innovation. Es ist ein Eingriff in die Privatsphäre, die Autonomie und das Vertrauen. Nach internen Berichten kämpft das OpenAI-Team mit genau diesen Fragen: Soll das Gerät immer aktiv sein und mitlauschen? Oder nur auf explizite Aufforderung reagieren? Wer kontrolliert die gesammelten Daten? Wie unterscheidet sich das von totaler Überwachung? Diese Fragen lassen sich nicht allein durch Design lösen – sie erfordern eine gesellschaftliche Debatte über die Grenzen zwischen Dienlichkeit und Kontrolle.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit im Kontext der Entwöhnung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein kritischer Punkt betrifft die Nachhaltigkeit dieser Vision. Das Smartphone hat sich als ökologisches Desaster erwiesen – Billigelektronik mit kurzen Lebenszyklen, seltene Erden, Elektroschrott in biblischen Mengen. Das OpenAI-Gerät könnte diesen Zyklus entweder durchbrechen oder verstärken. Ein langlebiges, modulares Objekt aus nachhaltigen Materialien, das den klassischen Upgrade-Zwang ersetzt? Das wäre revolutionär. Ein weiteres Gadget, das alle zwei Jahre durch ein neues Modell ersetzt wird, weil die KI-Modelle zu gross werden? Das wäre desaströs. Bislang gibt es keine verlässlichen Signale, in welche Richtung OpenAI plant. Überhaupt: Das Versprechen von Jony Ive, dass dieses Gerät die „unbequeme Beziehung&#8220; zwischen Menschen und Technologie heilen könnte, ist bemerkenswert angesichts seiner eigenen Biografie. Der Designer, der das Smartphone zum Massenprodukt machte, präsentiert sich nun als dessen Überwinder. Das ist brillant oder zynisch, je nach Perspektive.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was Architektur und Design von diesem Experiment lernen können</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Wert des OpenAI-Projekts liegt weder in seinem kommerziellen Erfolg noch im einzelnen Produkt. Er liegt darin, dass es eine verdrängte Frage wieder auf den Tisch bringt: Wie gestaltet man für Kontexte statt für Oberflächen? Wie entwirft man Interfaces, die unsichtbar sind? Das ist letztlich die Aufgabe von ArchitektInnen und DesignerInnen: Eine bessere Schnittstelle zwischen Menschen und ihrer Umgebung zu schaffen. Das Smartphone hat uns gelehrt, dass Reduktion, Klarheit und Intuitivität funktionieren können. Das kommende Gerät könnte lehren, dass noch radikalere Formen der Immateriellität möglich sind – und dass sie ihre eigenen, neuen Probleme mit sich bringen. Die Frage ist nicht, ob Ive und Altman „das Smartphone ersetzen&#8220; werden. Die Frage ist, welche neue Abhängigkeit, welche neue Form von Kontrollierbarkeit und Verletzlichkeit mit ihrer Lösung entstehen wird. Das ist eine architektonische Frage par excellence.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Zwischen Hoffnung und Vorsicht</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Smartphone war nicht einfach ein Produkt – es war eine Neugestaltung der Aufmerksamkeit, der Zeit und der Präsenz. Ein screenless AI-Device könnte eine ebenso tiefe Transformation darstellen. Aber es könnte auch ein teures Gadget für die Superreichen sein, während die gesellschaftlichen Probleme des digitalen Kapitalismus ungelöst bleiben. Was wir von Ive, Altman und ihrem Team erwarten sollten, ist nicht Technologie-Messiahismus, sondern Ehrlichkeit: über die Grenzen ihrer Vision, über die Datenschutzfragen, über die ökologischen Konsequenzen. Ein wirklich innovatives Design würde nicht nur eine neue Benutzeroberfläche versprechen, sondern auch eine neue Benutzer-Verantwortung.</p>
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