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	<title>Bayern-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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		<title>Kälte unter der Altstadt: München baut sein Fernkältenetz aus</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Sep 2026 16:40:19 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Unter der Münchner Altstadt fließt Kälte statt Wärme. Die Stadtwerke bauen ihr Fernkältenetz aus, mit Verspätung. Wer profitiert, wer bleibt außen vor?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">REGIONALES / BAYERN </strong>| September 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><span style="color: #993300;">Die Stadt als Kühlschrank: Münchens stilles Infrastrukturprojekt</span></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Unter der Münchner Altstadt fließt Kälte statt Wärme. Die Stadtwerke bauen ihr Fernkältenetz aus, mit Verspätung. Wer profitiert, wer bleibt außen vor?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Fernkälte ist die zentrale Erzeugung von Kaltwasser, das über ein geschlossenes Rohrnetz zu angeschlossenen Gebäuden fließt und dort eigene Kältemaschinen, Rückkühlwerke und Kältemittel überflüssig macht. München verfügt nach Angaben von ZDFheute mit rund 24 Kilometern Leitungslänge über das größte Fernkältenetz Deutschlands, und die Stadtwerke München (SWM) bauen es derzeit Richtung Süden aus. Oberbürgermeister Dominik Krause (Bündnis 90/Die Grünen) formulierte im Juli 2026 den Anspruch knapp: „Wir müssen noch schneller vorankommen als bisher.“ Neben der kommunalen Wärmeplanung kündigte er auch eine Kälteplanung für die Landeshauptstadt an.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><span style="color: #993300;">Wie funktioniert die Münchner Fernkälte?</span></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Prinzip gleicht der Fernwärme mit umgekehrtem Vorzeichen. Die SWM betreiben unter der Altstadt Kältezentralen im Untergeschoss des Stachus-Bauwerks, in der Herzogspitalstraße und am Odeonsplatz. Am Stachus nutzen sie das Wasser des Westlichen Stadtgrabenbachs, eines der Münchner Stadtbäche. Diese Kanäle entstanden im Mittelalter aus Seitenarmen der Isar, trieben Mühlen, Sägen und Hammerwerke an und wurden bis in die 1960er Jahre größtenteils trockengelegt oder überdeckt. Das Bachwasser kühlt über Wärmetauscher einen getrennten Kreislauf; die Vorlauftemperatur liegt laut SWM zwischen 6 und 10 Grad Celsius. Eisspeicher, die nachts gefrieren und nachmittags abschmelzen, decken die Lastspitzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bach allein trägt das System nicht. Nach der Stadtratsvorlage des Referats für Arbeit und Wirtschaft von 2018 stammt nur rund ein Viertel der Leistung aus freier Kühlung mit Flusswasser, etwa 35 Prozent aus Absorptionskältemaschinen, die mit Fernwärme betrieben werden, und rund 40 Prozent aus elektrischen Kompressionskältemaschinen. Eine Präsentation der SWM beziffert den erneuerbaren Anteil der Erzeugung auf 25,5 Prozent. Das Innenstadtnetz versorgt demnach 122 Liegenschaften mit 84 Megawatt Anschlussleistung. Parallel betreiben die Stadtwerke acht kleinere Grundwasserkältenetze, darunter seit 2004 das Netz für das Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) der BMW Group, das nach SWM-Angaben jährlich rund zehn Millionen Kilowattstunden Strom einspart.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zu den Kunden der Altstadt zählen die Fünf Höfe mit der Kunsthalle München, die Hofstatt und das Hotel Bayerischer Hof. Dimitrios Ladas, technischer Gebäudemanager der Fünf Höfe, bringt den Nutzen auf eine Zeile: „Wir benötigen keine eigenen Rückkühlwerke mehr auf dem Dach.“</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><span style="color: #993300;">Was leistet die neue Zentrale am Energiestandort Süd?</span></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Herzstück des Ausbaus ist eine Fernkältezentrale am Energiestandort Süd in Sendling, wo nach SWM-Angaben seit 2021 auch Deutschlands größte Geothermieanlage rund 60 Megawatt Wärme liefert. Im Endausbau soll die Zentrale rund 35 Megawatt Kälteleistung bereitstellen, rechnerisch genug für rund 100 Bürogebäude. Gekühlt wird mit Wasser aus dem Isarwerkkanal, mit Absorptionstechnik auf Basis von Fernwärme und künftig mit sommerlichen Überschüssen aus der Tiefengeothermie. Eine Transportleitung von fünf bis sechs Kilometern führt durch Isarvorstadt und Ludwigsvorstadt in die Innenstadt und war 2024 laut SWM weitgehend verlegt. Der technische SWM-Geschäftsführer Helge-Uwe Braun begründete das Projekt 2022 damit, dass durch die zentrale Erzeugung „wertvolle Ressourcen geschont“ würden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Blick auf den Zeitplan lohnt dennoch. Die Stadtratsvorlage von 2018 sah erste Kundenanschlüsse zwischen 2019 und 2022 vor, die Ankündigung von 2022 nannte das Jahresende 2023 und sprach von der größten Fernkältezentrale Europas. Im SWM-Magazin von 2024 ist nur noch von der größten Deutschlands die Rede, die Fertigstellung ist nun für etwa 2028 vorgesehen. Bis dahin überbrücken provisorische Kälteanlagen, die erste Ausbaustufe liefert rund 13 Megawatt. Aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) wurde ein Projektvolumen von 3,28 Millionen Euro bewilligt, das zur Hälfte die EU, zu zehn Prozent der Freistaat Bayern und zu 40 Prozent die Landeshauptstadt tragen; Gesamtkosten nennen die Quellen nicht. Im Norden soll eine weitere Zentrale folgen, um Technologieunternehmen und deren Rechenzentren zu versorgen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><span style="color: #993300;">Warum profitiert vor allem die Innenstadt?</span></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Fernkälte rechnet sich dort, wo viele Abnehmer mit hohem Bedarf auf engem Raum sitzen. Die SWM nennen eine wirtschaftliche Untergrenze von etwa 100 Kilowatt Kälteleistung je Anschluss; Bürohäuser, Kaufhäuser, Hotels, Kliniken und Rechenzentren erreichen diesen Wert mühelos, ein typisches Mehrfamilienhaus in Giesing oder Neuperlach nicht. Das Netz folgt damit der Logik einer Straßenbahn: Es fährt dort, wo die Fahrgäste dicht stehen. Für Mieterinnen in Dachgeschossen, Rentner in unsanierten Altbauten und Familien in Hochhäusern der Nachkriegszeit, die die Sommerhitze am stärksten spüren, bleibt das System vorerst Zukunftsmusik. Hier helfen eher Verschattung, Nachtlüftung, Speichermasse und reversible Wärmepumpen, also das Repertoire des sommerlichen Wärmeschutzes nach DIN 4108-2.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausbaurichtung verrät einen strukturellen Vorteil Münchens: Stadtbäche, ein ergiebiges Grundwasser in der Münchner Schotterebene und ein dichtes Fernwärmenetz als Antrieb für Absorptionskälte. Städte ohne diese Voraussetzungen müssen stärker auf strombetriebene Großkältemaschinen setzen. Hamburg versorgt die City Nord seit 1968 aus einem zentralen Fernkältewerk, Wien und Paris zählen laut ZDFheute zu den europäischen Vorreitern. Übertragbar ist daher weniger die Technik im Detail als der Ansatz, Kälte als kommunale Infrastruktur zu planen und nicht als Summe privater Einzelgeräte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><span style="color: #993300;">Was bedeutet der Ausbau für Architektinnen und Architekten?</span></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Planung verändert ein Fernkälteanschluss mehr als die Haustechnik. Entfallen Rückkühlwerke, werden Dachflächen frei für Photovoltaik, Begrünung oder Nutzung; Lärmkonflikte nach der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) entschärfen sich, und Kältemittel, deren Einsatz die EU-Fluorgase-Verordnung (EU) 2024/573 schrittweise weiter beschränkt, verschwinden aus dem Gebäude. An Baudenkmälern und im Ensemble Altstadt, wo Außengeräte einer Erlaubnis nach Art. 6 Bayerisches Denkmalschutzgesetz (BayDSchG) bedürfen, ist das ein handfestes Argument. Laut SWM sinkt der Stromverbrauch gegenüber dezentralen Klimaanlagen um 50 bis 70 Prozent.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Praktisch verlangt ein Anschluss frühe Abstimmung. Statt einer Kältezentrale mit Verdichtern braucht das Gebäude eine kompakte Übergabestation mit Wärmetauscher, eine Hausanschlusstrasse und ein hydraulisch passendes Kaltwassersystem, denn das Netz verlangt eine Rücklauftemperatur von mindestens 16 Grad Celsius. Diese Parameter gehören in die Vorplanung, also in Leistungsphase 2 nach § 34 und § 55 Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI), damit Planerinnen, Haustechniker und Tragwerksplanerinnen Deckenhöhen, Kühldecken und Technikflächen darauf abstimmen. Wer erst in der Ausführungsplanung an die Versorgung denkt, verschenkt den Flächengewinn, der den Anschluss für Bauherrinnen und Bauherren wirtschaftlich attraktiv macht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritisch bleibt der Blick auf die Gesamtbilanz. Jede Kühlung, auch die effizienteste, behandelt ein Symptom. Glasfassaden ohne außenliegenden Sonnenschutz, fehlende Speichermasse und versiegelte Innenhöfe erzeugen jene Lasten, die das Netz anschließend abführt. Eine Kälteplanung gewinnt deshalb an Gewicht, wenn sie mit Bebauungsplänen verzahnt wird, die nach § 9 Abs. 1 Nr. 12 und 13 Baugesetzbuch (BauGB) Versorgungsflächen und Leitungstrassen sichern, sowie mit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) und der Wärmeplanung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Netz für heißere Sommer</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Münchens Fernkälte ist ein Stück unsichtbarer Baukultur: Sie arbeitet unter dem Pflaster, entlastet Dächer und Fassaden und nutzt ein Wassersystem, das die Stadt seit dem Mittelalter prägt. Die Verzögerung am Energiestandort Süd zeigt allerdings, wie zäh Infrastrukturprojekte im Bestand vorankommen, und der hohe Anteil strombetriebener Kälte mahnt zu nüchterner Kommunikation. Solange das Netz an der Grenze der dichten Innenstadt endet, bleibt es ein Angebot für Gewerbe und Verwaltung. Ob die angekündigte Kälteplanung auch Quartiere mit Wohnungsbau erreicht, entscheidet darüber, ob aus einem Vorzeigeprojekt eine Antwort auf die Hitze der kommenden Jahrzehnte wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Graue Energie schlägt den Abrissbagger: Münchens Arabellahaus wird saniert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Jul 2026 09:10:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Aus dem Abrisskandidaten wird ein Modellfall: Wie die Bayerische Hausbau Münchens Arabellahaus statt Neubau zum begehbaren Stadtbaustein umbaut.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | Regionales | <strong>Bayern</strong> | Juli 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Vom Abrisskandidaten zum Ausflugsziel: So wird das Arabellahaus umgebaut</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Meta-Description (147 Zeichen): </strong>Das Münchner Arabellahaus wird nicht abgerissen, sondern saniert und erweitert: mit öffentlicher Dachterrasse und Europas längster Außenrolltreppe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Einleitung (144 Zeichen): </strong>Aus dem Abrisskandidaten wird ein Modellfall: Wie die Bayerische Hausbau Münchens Arabellahaus statt Neubau zum begehbaren Stadtbaustein umbaut.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Arabellahaus wird nicht abgerissen, sondern grundlegend saniert und erweitert: Die Bayerische Hausbau Real Estate, Immobilientochter der Münchner Schörghuber Unternehmensgruppe, hat ihre seit Jahren diskutierte Abbruchplanung für das 75 Meter hohe Hochhaus im Bogenhausener Arabellapark verworfen. An deren Stelle tritt eine Revitalisierung, die den Bestand erhält, technisch erneuert und um rund 16.500 Quadratmeter ergänzt. Der Entwurf stammt vom Münchner Büro Hild und K um den Architekten und Hochschullehrer Andreas Hild, die Projektentwicklung verantwortet die SBP Bau- und Projektentwicklung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Stadt ist das mehr als eine einzelne Bauentscheidung. Das Arabellahaus, von 1966 bis 1969 nach Plänen des Architekten Toby Schmidbauer für den Bauunternehmer Josef Schörghuber errichtet, zählt mit 23 Geschossen, rund 150 Metern Länge und etwa 87.000 Quadratmetern Geschossfläche zu den größten Hochhäusern Bayerns. Sein ornamentales Fassadenraster trug ihm den Spitznamen „Haremsgitter“ ein. Im Keller nahmen in den legendären Musicland Studios die Rolling Stones, Queen und Led Zeppelin ihre Alben auf. Ein Haus mit dieser Biografie verschwindet nicht geräuschlos.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum verzichtet die Bayerische Hausbau auf den Abriss?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Ausschlag gab die Bilanz der grauen Energie. Ein Neubau hätte den vorhandenen Beton, den Stahl und die Gründung entwertet und zugleich neue Emissionen verursacht. Nach Angaben der Bauherrin spart der Erhalt der Tragstruktur rund 20.000 Tonnen CO₂-Äquivalent, eine Größenordnung, die sich mit keiner noch so effizienten Neubau-Haustechnik kurzfristig zurückgewinnen ließe. Damit rückt ein Argument in den Vordergrund, das im Gebäudeenergiegesetz (GEG) und in der Debatte um den CO₂-Fußabdruck des Bauens zunehmend Gewicht bekommt: Der klimafreundlichste Kubikmeter ist der bereits gebaute. Die ursprünglich für 2026 vorgesehene und später auf 2030 verschobene Beseitigung des Baus ist damit vom Tisch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Damit trifft das Projekt einen Nerv der Branche. Nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft und den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) gewinnt der Bestand als Rohstofflager an Wert, während Abriss und Neubau als CO₂-intensive Ausnahme gelten. Die Bayerische Hausbau reiht sich damit in eine noch junge, aber wachsende Reihe von Umbauprojekten ein, bei denen Eigentümer den Rückbau bewusst scheuen, weil die vermeintlich saubere Lösung des Neuanfangs ökologisch teuer bezahlt wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wirtschaftlich ist die Kehrtwende kein Selbstläufer. Fachleute schätzen die Investition auf einen dreistelligen Millionenbetrag, je nach Rechnung bis in die Nähe von 900 Millionen Euro einschließlich der Mietausfälle während der Bauzeit. Der Erhalt eines in die Jahre gekommenen Skeletts, das seinerzeit auf begrenzte Lebensdauer und amerikanische Vorfertigung ausgelegt war, verlangt eine sorgfältige Untersuchung von Statik, Brandschutz und Schadstoffen. Kostensicherheit nach DIN 276 lässt sich bei einem solchen Bestand erst nach umfangreicher Bauforschung herstellen, ein Risiko, das viele Investoren scheuen. Dass ein Familienkonzern über sein eigenes Erbe entscheidet, senkt hier die Hemmschwelle.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was ändert sich für den Stadtteil?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Umbau öffnet das bislang introvertierte Haus zur Stadt. Auffälligstes Element ist eine diagonale Außenrolltreppe entlang der Arabellastraße, die als längste ihrer Art in Europa gilt und die Öffentlichkeit von Straßenniveau bis auf das Dach in rund 73 Metern Höhe führt. Dort entsteht eine begehbare, begrünte Dachterrasse mit Gastronomie sowie Kultur- und Sportangeboten, zugänglich nicht nur für Bewohnerinnen und Bewohner, sondern für alle Münchnerinnen und Münchner. Zwischen dem 15. und dem 19. Obergeschoss durchschneidet ein großes „Auge“ die Fassade, ein Skygarden als halböffentlicher Gemeinschaftsraum. Eine neue Passage bindet das Haus an den Rosenkavalierplatz an.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Erweiterung folgt einer nachvollziehbaren Logik: Statt in die Höhe wächst das Haus in die Tiefe seiner Längsfassaden. Vorgesetzte „Regale“ schaffen die zusätzlichen 16.500 Quadratmeter, ohne die Silhouette zu sprengen. Zugleich sollen Gewerbeflächen, die im Arabellapark schwerer vermietbar geworden sind, in Wohnraum umgewandelt werden. Die Rede ist von rund 500 Wohnungen, von denen etwa ein Fünftel gefördert entstehen soll. Hotel, Klinik, Praxen, Läden und Restaurants bleiben Teil jener Nutzungsmischung, die das Arabellahaus seit jeher als Stadt in der Stadt kennzeichnet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Arabellapark selbst, in den 1960er und 1970er Jahren als autogerechtes Büro- und Wohnquartier auf der grünen Wiese östlich der Isar geplant, gilt heute vielen als unterkühlt. Ein geöffnetes Arabellahaus mit Dachterrasse, Passage und belebten Erdgeschosszonen könnte dem Viertel jenen Mittelpunkt geben, den ihm die ursprüngliche Planung verweigerte. Insofern wirkt der Umbau über das einzelne Grundstück hinaus, er ist auch ein Reparaturversuch am städtebaulichen Erbe der Nachkriegsmoderne.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ist dieser Erhalt auf andere Regionen übertragbar?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall Arabellahaus ist ein Münchner Sonderfall und zugleich ein Musterbeispiel. Sonderfall, weil ein finanzstarker, langfristig orientierter Familienkonzern über sein eigenes Erbe entscheidet und den langen Atem bis zur geplanten Fertigstellung um 2034 aufbringt. Musterbeispiel, weil sich die Grundfrage bundesweit stellt: Zehntausende Großbauten der 1960er und 1970er Jahre erreichen das Ende ihres ersten Lebenszyklus. Ob in Frankfurt, Köln oder Hannover, überall steht die Wahl zwischen Abriss und Weiterbau an.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Übertragbar ist weniger die spektakuläre Rolltreppe als die Haltung dahinter. Wer Bestand erhält, muss die Bayerische Bauordnung (BayBO) mit ihren Hochhausanforderungen auf ein Haus anwenden, das nach den Regeln seiner Entstehungszeit geplant wurde, und dabei Brandschutz, Rettungswege und Barrierefreiheit nachrüsten. Das ist planerisch anspruchsvoller als ein Neubau auf der grünen Wiese, honoriert aber die über Jahrzehnte gebundene Substanz. Kritisch bleibt anzumerken, dass Machbarkeit auch eine Frage der Eigentümerstruktur ist: Wo Grundstück und Gebäude verschiedenen, kurzfristig kalkulierenden Parteien gehören, dürfte der bequemere Weg des Abrisses weiter dominieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">So gesehen ist die Münchner Entscheidung ein Signal. Sie zeigt, dass ein ungeliebtes Hochhaus der Nachkriegsmoderne nicht zwangsläufig auf der Deponie endet, sondern zum öffentlichen Ort werden kann. Ob aus dem „Haremsgitter“ tatsächlich ein Stück offene Stadt wird, entscheidet sich zwischen 2030 und 2034 auf der Baustelle. Der Anspruch jedenfalls ist gesetzt.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>BYAK: Prof. Lydia Haack als Präsidentin wiedergewählt</title>
		<link>https://baukunst.art/byak-prof-lydia-haack-als-praesidentin-wiedergewaehlt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Jul 2026 07:58:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bayerische Architektenkammer · Kammerwahl 2026 · Berufspolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>114 von 118 Stimmen für Lydia Haack, dazu ein durchgefallener Erster Vizepräsident und 29,9 Prozent Wahlbeteiligung: Was die Vorstandswahl der Bayerischen Architektenkammer offenlegt. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/byak-prof-lydia-haack-als-praesidentin-wiedergewaehlt/">BYAK: Prof. Lydia Haack als Präsidentin wiedergewählt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | Regionales | <strong>Bayern</strong> | Juli 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bayerns Architektenkammer: Die Präsidentin bleibt, ihr Vize nicht</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Die XIV. Vertreterversammlung der Bayerischen Architektenkammer hat Lydia Haack für die kommenden fünf Jahre an die Spitze eines neuen Vorstands mit elf Mitgliedern gewählt</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Prof. Lydia Haack bleibt Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer (ByAK): Die konstituierende Sitzung der XIV. Vertreterversammlung bestätigte die Münchner Architektin und Stadtplanerin am 3. Juli 2026 mit 114 von 118 gültigen Stimmen für eine zweite Amtsperiode. Die Wahlperiode läuft bis 2031.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Vertreterversammlung ist das Parlament der Kammer, einer Körperschaft des öffentlichen Rechts nach dem Bayerischen Baukammerngesetz (BauKaG). Ihre 125 Mitglieder vertreten rund 26.000 Architektinnen, Innenarchitekten, Landschaftsarchitektinnen und Stadtplaner. Sie tagte am 3. Juli von 14.00 bis 18.13 Uhr im Haus der Architektur in der Waisenhausstraße 4 in München; die Wahl leitete Karl Zankl.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Haack gehört dem Vorstand seit 2016 an und wurde 2021 erstmals zur Präsidentin gewählt, als Nachfolgerin von Christine Degenhart. Sie führt mit John Höpfner das Büro Haack + Höpfner Architekten in München und lehrt als Professorin für Baukonstruktion und Entwerfen an der Hochschule Konstanz. Von 2016 bis 2021 stand sie dem Landesverband des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) in Bayern vor. Ihre 114 Ja-Stimmen sind ein Ergebnis ohne Nebengeräusch.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wer sitzt im neuen Vorstand?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Vorstand wächst von zehn auf elf Mitglieder. Erster Vizepräsident wird erneut Franz Damm, Landschaftsarchitekt und Stadtplaner der Liste 13 (Landschaftsarchitekt*innen bdla), mit 72 Ja- zu 44 Nein-Stimmen. Zweite Vizepräsidentin wird Doris Lackerbauer (Liste 3, Der Arbeitskreis) mit 73 zu 45 Stimmen. Ziffer 2.5 der Wahlordnung verlangt für die beiden Vizepräsidien einen Proporz zwischen freischaffenden und nicht freischaffenden Mitgliedern; die getrennten Wahlgänge folgten dieser Vorgabe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als weitere Vorstandsmitglieder gewählt wurden Rainer Post, Lavinia Wagner, Julia Schneider, Thomas Eckert, Alexandra Heese, Thomas Felkner, Bianca Caspari und, in einer Nachwahl, Michaela Ausfelder. Sieben der fünfzehn angetretenen Listen sind damit vertreten. Beratend kommen zwei Personen hinzu: Kristina Vogelsang, weil nach Ziffer 6.3.2 der Satzung die Fachrichtung Stadtplanung sonst unvertreten bliebe, und Antonia Rieß für die Juniormitglieder. Der Nachwuchs wirkt damit erstmals im Vorstand mit, wenn auch ohne Stimmrecht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum fiel der amtierende Erste Vizepräsident durch?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Prof. Clemens Richarz, seit 2021 Erster Vizepräsident der Kammer und Spitzenkandidat der Liste 8 (klimawende:planen), verfehlte als einziger Bewerber die erforderliche Mehrheit: 55 Ja standen 61 Nein gegenüber. Seine Liste benannte daraufhin Michaela Ausfelder nach, die aus dem Wahlausschuss entpflichtet und mit 104 zu 11 Stimmen gewählt wurde. Daniela Kircher rückte per Akklamation in den Wahlausschuss nach.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist weniger das Ergebnis als seine Kommunikation. Die Pressemitteilung der Kammer vom 13. Juli 2026 erwähnt den Vorgang nicht, die Fachpresse ebenso wenig. Nachlesbar ist er allein in der amtlichen Bekanntmachung, die Geschäftsführer Dr. Eric-Oliver Mader am 8. Juli 2026 zeichnete. Eine Körperschaft mit Pflichtmitgliedschaft sollte ihre Personalien vollständig darstellen, gerade die unbequemen. Auch Alexandra Heese unterlag in beiden Vizepräsidenten-Wahlgängen und zog anschließend regulär in den Vorstand ein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Neben dem Vorstand wählte die Versammlung drei Ausschüsse. In den Ausschuss Berufsordnung und Berufsbild zogen Clara Frey, Bernd Rohloff und Juliane Zopfy mit je 82 Stimmen ein. Im Ausschuss Finanzen und Fürsorge entschied bei Stimmengleichheit eine Stichwahl zwischen Sonja Klaus und Volker Heid zugunsten von Klaus. Den Ausschuss Satzung und Wahlordnung führt Michael Zach mit 90 Stimmen an. Die Rechnungsprüferinnen und Rechnungsprüfer bestätigte die Versammlung en bloc per Akklamation.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was sagt eine Wahlbeteiligung von 29,9 Prozent?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">25.993 Mitglieder waren wahlberechtigt, 7.763 wählten, 7.678 Stimmzettel waren gültig. <strong><a href="https://baukunst.art/bayerns-architekten-verweigern-die-eigene-wahl-beteiligung-stuerzt-auf-2987-prozent/" target="_blank" rel="noopener">Das amtliche Endergebnis vom 5. Mai 2026 weist eine Beteiligung von 29,9 Prozent aus.</a></strong> Gut sieben von zehn Kammermitgliedern haben über jenes Gremium nicht abgestimmt, dessen Beitragssatzung und Berufsordnung sie bindet. Ein belastbarer Vergleich mit 2021 fehlt: Das damalige Endergebnis weist keine Beteiligungsquote aus, kursierende Zahlen bleiben unbelegt und taugen nicht für einen Trend.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sitzverteilung nach Hare-Niemeyer bestätigt die bekannte Kräfteordnung. Die Liste 12 (BDA) erhielt 8.393 Stimmen und 35 der 125 Sitze und bleibt mit Abstand stärkste Kraft. Es folgen klimawende:planen und die Landschaftsarchitekt*innen bdla mit je 13 Sitzen, die Freischaffenden Architekten mit 10 und die BauFrauen mit 9. Dass die gemeinsam zweitstärkste Liste im Vorstand nur über eine Nachbenennung vertreten ist, verdient Beachtung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Listenlandschaft selbst ist ein bayerisches Spezifikum. Fünfzehn Listen traten an, von den jungen perspektiven der Liste 1 bis zum Netzwerk der verbandsunabhängigen Baukultur-Initiativen, das mit 172 Stimmen genau einen Sitz erreichte. Diese Fächerung bildet den Berufsstand feiner ab als ein Wahlkampf zweier Lager. Sie erschwert aber Mehrheiten und macht Nachbenennungen wie jene der Liste 8 zur eingeübten Routine.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Themen bestimmen die XIV. Wahlperiode?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Haack nennt drei Vorhaben: Gebäudetyp e, Bauturbo und faire Vergabe. „Berufspolitik braucht einen langen Atem“, sagte sie nach der Wahl. Alle drei Themen sind älter als eine Wahlperiode.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gebäudetyp e steht für ein Bauen unterhalb des gewohnten Komfortstandards. Bayern verankerte das Instrument bereits im August 2023 in Art. 63 der Bayerischen Bauordnung (BayBO), der Abweichungen zulässt, sofern die Schutzziele gewahrt bleiben; seit Dezember 2023 erproben 19 Pilotprojekte die Praxis. Auf Bundesebene folgte das Gebäudetyp-e-Gesetz, das die vertragsrechtliche Seite im Bürgerlichen Gesetzbuch adressiert. Die Kammer betreibt das Thema seit Jahren, was Haack zu Recht als Erfolg verbucht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bauturbo dagegen ist Bundesrecht auf Zeit. § 246e des Baugesetzbuchs (BauGB) gilt seit dem 30. Oktober 2025 und läuft zum 31. Dezember 2030 aus. Die Norm erlaubt Gemeinden, für den Wohnungsbau von nahezu allen Vorschriften des Bauplanungsrechts abzuweichen, ohne einen Bebauungsplan aufzustellen oder zu ändern; Voraussetzung ist das ausdrückliche Einvernehmen der Gemeinde. Das beschleunigt, setzt aber zugleich die planerische Abwägung aus. Eine Kammer, die Baukultur vertritt, wird beides begründen müssen. Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr hat dazu einen Fragenkatalog veröffentlicht, die Kammer stellt ihren Mitgliedern eigene Hinweise bereit. Beratungsbedarf entsteht genau dort, wo Beschleunigung auf Gestaltungsanspruch trifft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auffällig ist eine Leerstelle. 2021 nannte Haack den Klimaschutz ausdrücklich als Herausforderung, 2026 fehlt er in ihrem Statement. Ein inhaltliches Programm der XIV. Wahlperiode liegt bislang nicht vor. Ob Umbaukultur und graue Energie den Rang behalten, den die Davoser Erklärung von 2018 der Baukultur zuschreibt, wird sich an den Anträgen der kommenden Sitzungen zeigen, nicht an Pressemitteilungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für andere Länderkammern ist der bayerische Befund weniger Vorbild als Kontrollfrage: Wie viel Beteiligung trägt eine Selbstverwaltung, deren Mitgliedschaft nicht freiwillig ist? Bayern beantwortet sie derzeit mit 29,9 Prozent. Das ist keine Krise, aber auch kein Ergebnis, bei dem sich eine Kammer beruhigt zurücklehnen sollte. Die XIV. Wahlperiode beginnt damit mit einer Bringschuld nach innen, gegenüber jenen 18.230 Mitgliedern, die keinen Stimmzettel abgegeben haben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Transparenzhinweis: Der Autor kandidierte bei der Wahl zur XIV. Vertreterversammlung auf Liste 7 (Freischaffende Architekten) und wurde mit 93 Stimmen in die Vertreterversammlung gewählt. Alexandra Heese, ebenfalls Liste 7, gehört dem neuen Vorstand an.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Hitzeschutz in Bayern: Wie das Stadtklima zur rechtlichen Bauaufgabe wird</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jun 2026 06:28:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[itzeschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaanpassung]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtplanung Bayern]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rund um den Hitzeaktionstag 2026 fordert Bayern mehr kommunalen Hitzeschutz. Der Hitze-Check der Umwelthilfe offenbart Defizite, das Baurecht bietet Werkzeuge. Wer nutzt sie konsequent?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Regionales<em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong"> |</strong></em> Bayern <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayerns heißes Versäumnis: Warum keine Großstadt den Hitze-Check besteht</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hitzeschutz in der Stadtplanung bezeichnet das Zusammenspiel aus baulichen, freiraumplanerischen und rechtlichen Instrumenten, mit denen Kommunen die thermische Belastung in Gebäuden und im öffentlichen Raum senken. In Bayern hat das Thema im Juni 2026 eine neue Dringlichkeit erreicht. Rund um den bundesweiten Hitzeaktionstag am 11. Juni, der unter dem Motto „Gemeinsam vorsorgen gegen Extremhitze“ steht, und die Bayerische Hitzeaktionswoche vom 8. bis 12. Juni rückt eine Frage in den Vordergrund: Folgen Planung und Baurecht den klimatischen Realitäten schnell genug?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) hat die Kommunen aufgefordert, ihre Hitzeschutzmaßnahmen weiter auszubauen. Besonders gefährdet seien ältere Menschen, Pflegebedürftige, Schwangere, Säuglinge sowie Menschen mit Vorerkrankungen. Seit Herbst 2024 haben über 60 bayerische Kommunen das Beratungsangebot des Bayerischen Kompetenzzentrums für Gesundheitsschutz im Klimawandel genutzt, das beim Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) angesiedelt ist. Das Bündnis Hitzeschutz Bayern stellte Anfang Juni in München Projekte vor, die vulnerable Gruppen schützen und das Gesundheitswesen auf häufigere Hitzewellen vorbereiten sollen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Lage in den Städten bleibt dennoch ernüchternd. Der „Hitze-Check 2026“ der Deutschen Umwelthilfe (DUH) vergibt an keine der 17 untersuchten bayerischen Kommunen über 50.000 Einwohnerinnen und Einwohner eine grüne Gesamtnote. Als kritisch gelten unter anderem Neu-Ulm, Fürth und Nürnberg. Schlusslicht ist Neu-Ulm, das mit einem Versiegelungszuwachs von 1,48 Prozent eine der höchsten Raten der gesamten Studie aufweist und beim Baumschatten am Ende des bayerischen Vergleichs liegt. München schneidet beim Beschirmungsgrad und bei der Flächenversiegelung landesweit am besten ab, Passau erreicht beim Hitzebetroffenheitsindex mit 13,84 den besten bayerischen Wert. Bundesweit liegt allerdings keine bayerische Stadt unter den absoluten Schlusslichtern, die sich in Baden-Württemberg finden. Die Umwelthilfe fordert mehr Entsiegelung, zusätzliche Baumpflanzungen und neue Grünflächen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet der Hitzeschutz für die Bauleitplanung?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Planungspraxis verschiebt sich der rechtliche Rahmen spürbar. Das Bundes-Klimaanpassungsgesetz (KAnG), seit dem 1. Juli 2024 in Kraft, verpflichtet nach § 8 KAnG öffentliche Planungsträger seit Anfang 2025 dazu, Klimarisiken wie städtische Hitzeinseln, Dürre und Starkregen fachübergreifend zu berücksichtigen. Nach § 12 KAnG müssen die Länder eigene Anpassungsstrategien vorlegen. Bayern hat dafür bis spätestens 31. Januar 2027 Zeit und kann auf der Bayerischen Klima-Anpassungsstrategie (BayKLAS) aus dem Jahr 2009 aufbauen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Baurecht bleibt die Klimaanpassung nach § 1 Absatz 5 Baugesetzbuch (BauGB) zunächst ein abzuwägender Belang, der nach § 1 Absatz 7 BauGB mit anderen Interessen in Ausgleich gebracht wird. Die Klimaschutzklausel des § 1a Absatz 5 BauGB verstärkt diesen Auftrag. Konkret und durchsetzbar wird der Hitzeschutz dort, wo Kommunen ihn im Bebauungsplan festsetzen: § 9 Absatz 1 BauGB erlaubt Festsetzungen zu Grünflächen, zur Begrünung baulicher Anlagen und zur Bepflanzung von Grundstücken. Über örtliche Bauvorschriften nach Art. 81 der Bayerischen Bauordnung (BayBO) lassen sich Dach- und Fassadenbegrünung verbindlich vorschreiben. So wird aus dem politischen Appell ein planungsrechtliches Werkzeug.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein zentrales Instrument bleibt der kommunale Hitzeaktionsplan. Er bündelt Frühwarnung, den Schutz von Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern, die Ausweisung kühler Orte sowie langfristige stadtplanerische Ziele in einem abgestimmten Konzept. Der Freistaat stellt dafür Leitfäden und eine Toolbox bereit, die von Warnsystemen über Trinkwasserangebote bis zu Beschattungskonzepten reichen. Damit liegt die Schwelle für den Einstieg niedrig; die eigentliche Hürde verläuft bei der dauerhaften Umsetzung und der Finanzierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Leitbild der Schwammstadt verbindet beide Ziele. Quartiere, die Regenwasser speichern statt es rasch abzuleiten, kühlen über Verdunstung und mindern zugleich das Risiko von Überflutungen bei Starkregen. München zählt mit hohem Beschirmungsgrad und vergleichsweise geringer Versiegelung zu den Vorreitern, auch wenn der DUH-Check belegt, dass selbst die Landeshauptstadt das grüne Niveau verfehlt. Modellquartiere mit konsequenter Entsiegelung, Retentionsflächen und verschatteten öffentlichen Räumen liefern übertragbare Bausteine für kleinere Gemeinden, deren finanzielle und personelle Spielräume häufig enger sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Übertragbar sind solche Ansätze allerdings nur bedingt. Eine dicht bebaute Innenstadt wie in Nürnberg oder Fürth stellt andere Anforderungen als eine wachsende Mittelstadt mit Flächenreserven. Die Kritik an steigender Versiegelung trifft gerade jene Kommunen, die unter Wohnungsdruck neue Baugebiete ausweisen. Hier entsteht ein Zielkonflikt zwischen Innenentwicklung, Nachverdichtung und Freiraumschutz, der sich nicht pauschal auflösen lässt, sondern in jeder Abwägung nach § 1 Absatz 7 BauGB neu austariert werden muss.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie wirkt der sommerliche Wärmeschutz im Gebäudebestand?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während Freiraum und Stadtklima die öffentliche Debatte prägen, entscheidet sich der Hitzeschutz auch am einzelnen Gebäude. § 14 Gebäudeenergiegesetz (GEG) verlangt den Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes nach DIN 4108-2. Das Sonneneintragskennwertverfahren begrenzt die solaren Lasten über Fenstergröße, Orientierung und Verschattung. Im Neubau ist dieser Nachweis Pflicht, im Bestand bleibt er die eigentliche Herausforderung. Außenliegende Verschattung, helle Oberflächen, gezielte Nachtauskühlung und begrünte Dächer senken die Innentemperaturen, ohne dass energieintensive Klimatechnik nötig wird. Gerade Pflegeheime, Kindertagesstätten und Krankenhäuser, also die Orte der besonders gefährdeten Gruppen, profitieren von solchen passiven Maßnahmen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Schwäche des Systems liegt in seiner Unverbindlichkeit. Das Deutsche Institut für Urbanistik beschreibt das KAnG als Rahmen, der vieles ermöglicht, aber wenig erzwingt. Die Erstellung kommunaler Klimaanpassungskonzepte bleibt bislang freiwillig, ihre Umsetzung hängt an Personal und Förderung. Für planende Architektinnen und Architekten sowie für kommunale Verantwortliche folgt daraus eine klare Konsequenz: Wer Hitzeschutz ernst nimmt, muss die vorhandenen Instrumente aktiv einsetzen, statt auf eine bundesrechtliche Pflicht zu warten. Entscheidend ist, ob Städte und Gemeinden die bereitstehenden Werkzeuge in verbindliche Planung übersetzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt die Förderfrage. Kommunale Klimaanpassungskonzepte und das dafür nötige Personal wurden bislang über Bundesprogramme mitfinanziert, deren Fortbestand nicht gesichert ist. Wo Stellen für ein Klimaanpassungsmanagement fehlen, bleiben Leitfäden und Toolbox abstrakt. Bayern verweist zwar auf das Bayerische Klimainformationssystem und kostenfreie Informationspakete wie „Hitzeanpassung kompakt“, doch die Übersetzung in Bebauungspläne, Sanierungsfahrpläne und Freiraumkonzepte erfordert Fachkräfte vor Ort.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der historische Blick schärft die Aufgabe. Jahrzehntelang galt Verdichtung als Tugend und Versiegelung als Zeichen des Fortschritts. Der Klimawandel kehrt diese Logik um: Boden, Wasser und Vegetation werden zur Infrastruktur. Hitzeschutz ist damit keine nachträgliche Korrektur, sondern eine Entwurfsaufgabe, die Stadtplanung, Freiraum und Gebäude zusammendenkt. Bayern besitzt die Werkzeuge und die Datengrundlagen. Der Hitzeaktionstag macht den Handlungsdruck sichtbar; ob daraus widerstandsfähige Quartiere entstehen, entscheidet sich nicht im Gesetzblatt, sondern in den Bebauungsplänen der kommenden Jahre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Architektouren 2026: 199 offene Türen und ein Prädikat, das die Planungspraxis prüft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Jun 2026 16:55:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Architektouren]]></category>
		<category><![CDATA[Baukulturvermittlung]]></category>
		<category><![CDATA[KlimaKulturKompetenz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zum 30. Jubiläum öffnen die Architektouren am letzten Juni-Wochenende 199 Türen in ganz Bayern. Ein kuratiertes Format mit gesetzlichem Auftrag und prüfbarer Nachhaltigkeit.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Regionales<em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong"> |</strong></em> Bayern <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Juni 2026</p>
<h1>Was 199 offene Türen über die Zukunft des Bauens verraten</h1>
<p>Die Architektouren sind das größte Format zur Baukulturvermittlung in Bayern, bei dem realisierte Bauten, Innenräume, Freiräume und stadtplanerische Lösungen an einem festen Wochenende im Juni öffentlich zugänglich werden. Im Jahr 2026 feiert dieses Format der Bayerischen Architektenkammer (ByAK) sein dreißigjähriges Bestehen. Am 27. und 28. Juni öffnen 199 Projekte aus ganz Bayern ihre Türen. Die Auswahl traf ein unabhängiger Beirat, nicht die Bauherrschaft und kein Marketingbüro. Diese kuratierte Strenge unterscheidet die Veranstaltung von einem gewöhnlichen Tag der offenen Tür.</p>
<p>Was 1996 als ambitioniertes Vermittlungsprojekt begann, hat sich zur bedeutendsten baukulturellen Veranstaltung des Freistaats entwickelt. Drei Jahrzehnte Kontinuität sind in einem Feld, das von Baukonjunkturen und Förderzyklen abhängt, keine Selbstverständlichkeit. Sie verweisen auf einen institutionellen Auftrag, der über das einzelne Jubiläum hinausreicht und der das Format von einer reinen Leistungsschau unterscheidet.</p>
<h2>Warum ist die Vermittlung von Baukultur ein gesetzlicher Auftrag?</h2>
<p>Die Förderung der Baukultur gehört nach Art. 2 des Bayerischen Baukammerngesetzes (BauKaG) zu den gesetzlichen Aufgaben der Architektenkammer. Anders als ein privates Festival erfüllen die Architektouren damit einen öffentlich-rechtlichen Auftrag: Sie machen planerische Qualität nicht nur sichtbar, sondern verhandelbar. Wer ein Projekt besucht, trifft auf die Architektinnen und Architekten, auf die Bauherrschaft und auf die Nutzerinnen und Nutzer zugleich.</p>
<p>Dieser Dreiklang ist methodisch bemerkenswert. Architektur entsteht in den Leistungsphasen der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI), von der Grundlagenermittlung bis zur Objektüberwachung. Für die Öffentlichkeit bleibt dieser Prozess meist unsichtbar; wahrgenommen wird allein das fertige Ergebnis. Die Architektouren öffnen diese Blackbox, indem sie das Gebäude mit den Stimmen seiner Beteiligten zusammenführen. Wer erfahren möchte, warum ein Grundriss so und nicht anders ausfällt, erhält die Antwort an der Quelle statt aus dem Prospekt.</p>
<p>Hinzu kommt eine berufspolitische Dimension. Das öffentliche Bild der Architektinnen und Architekten schwankt zwischen Künstlerfigur und Kostenverursacher; selten wird der Beruf als koordinierende Treuhandfunktion wahrgenommen, die zwischen Bauherrschaft, Behörden und ausführenden Gewerken vermittelt. Indem die Architektouren das Gespräch an den realisierten Bau verlagern, korrigieren sie dieses Zerrbild. Wer hört, wie eine Planerin eine knappe Budgetvorgabe in einen tragfähigen Entwurf übersetzt hat, versteht den Wert der Leistungsphasen besser als jede Imagekampagne. Vermittlung wird so zur Nachwuchs- und Akzeptanzfrage zugleich.</p>
<p>Für eine überregionale Leserschaft ist das Modell anschlussfähig. Vergleichbare Reihen bestehen in anderen Bundesländern, vom bundesweiten Tag der Architektur der Bundesarchitektenkammer (BAK) bis zu landesspezifischen Veranstaltungen. Bayern unterscheidet sich durch die feste Verzahnung mit einem Prädikat, das ökologische Kriterien benennbar und damit überprüfbar macht.</p>
<h2>Was bedeutet das Prädikat KlimaKulturKompetenz für die Planungspraxis?</h2>
<p>Das Prädikat KlimaKulturKompetenz bewertet fünf Nachhaltigkeitskriterien: Energieeffizienz, Klimaanpassung, Flächensparen, Barrierefreiheit und weitere Aspekte der Nachhaltigkeit. Jedes dieser Kriterien lässt sich auf einen konkreten Rechtsrahmen zurückführen, was das Prädikat von einem reinen Werbesiegel abhebt und an die geltende Normenlage bindet.</p>
<p>Energieeffizienz misst sich am Gebäudeenergiegesetz (GEG), dessen Anforderungen an Primärenergiebedarf und baulichen Wärmeschutz den Maßstab für Neubau und Sanierung setzen. Barrierefreiheit verweist auf Art. 48 der Bayerischen Bauordnung (BayBO) und auf die Schutzziele der DIN 18040-1 für öffentlich zugängliche Gebäude sowie der DIN 18040-2 für Wohnungen. Flächensparen knüpft an die Bodenschutzklausel des § 1a Abs. 2 Baugesetzbuch (BauGB) an, die den sparsamen Umgang mit Grund und Boden zur Abwägungsdirektive erhebt, ergänzt durch das Anbindegebot der bayerischen Landesplanung. Klimaanpassung schließlich findet ihre Grundlage in § 1 Abs. 5 BauGB, der Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel ausdrücklich zu Zielen der Bauleitplanung erklärt.</p>
<p>Kritisch bleibt anzumerken, dass das Prädikat auf Selbstauskunft beruht. Die teilnehmenden Büros benennen selbst, in welchen der fünf Kriterien ihr Projekt überzeugt; eine externe Zertifizierung nach DGNB oder BNB ersetzt das Verfahren nicht. Der Mehrwert liegt deshalb weniger in der Strenge der Prüfung als in der Transparenz: Wer das Prädikat ausweist, lädt zur Nachfrage vor Ort ein. Damit verschiebt sich die Debatte von der Hochglanzbroschüre zum nachprüfbaren Detail, vom Versprechen zur Begehung.</p>
<p>Auffällig ist, welcher Aspekt in der Kriterienliste nur indirekt erscheint: der Umgang mit dem Bestand. Die graue Energie bereits verbauter Substanz gilt inzwischen als zentrale Stellschraube der Klimabilanz, weil Abriss und Neubau erhebliche Emissionen freisetzen. Wenn Flächensparen und Klimaanpassung ernst genommen werden, rückt der Erhalt vorhandener Gebäude in den Vordergrund, auch jenseits des förmlichen Denkmalschutzes nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz (BayDSchG). Viele der ausgezeichneten Projekte dürften daher Umbauten und Erweiterungen sein, nicht Neubauten auf der grünen Wiese. Genau dieser Trend verdient die Aufmerksamkeit der Besucherinnen und Besucher.</p>
<h2>Regional erschlossen, überregional anschlussfähig</h2>
<p>Die Online-Trefferliste der ByAK lässt sich nach Regierungsbezirk, Typologie und KlimaKulturKompetenz sortieren, was die individuelle Tourenplanung erleichtert. Begleitet wird das Wochenende von einer Wanderausstellung und von regionalen Bustouren zu ausgewählten Projekten. Diese Infrastruktur verankert die Veranstaltung in der Fläche, von Unterfranken bis ins schwäbische Allgäu, und vermeidet die einseitige Konzentration auf die Landeshauptstadt. Gerade für ländliche Regionen, die unter demografischem Wandel und Leerstand leiden, wirkt diese Sichtbarkeit als Argument für qualitätvolle Innenentwicklung.</p>
<p>Diese föderale Breite hat einen planungskulturellen Hintergrund. Bayern kennt erhebliche Unterschiede zwischen prosperierenden Ballungsräumen und strukturschwachen Grenzregionen; was in München als Nachverdichtung gilt, bedeutet im Bayerischen Wald oft die Rettung eines Ortskerns. Die Architektouren bilden diese Spannweite ab, statt sie zu glätten, und liefern damit Argumente für eine differenzierte Landesentwicklung.</p>
<p>Die traditionelle Preview eröffnet das Jubiläum am 22. Juni 2026 im Foyer des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr. Staatsminister Christian Bernreiter und Kammerpräsidentin Prof. Lydia Haack würdigen dort die drei Jahrzehnte. Dass ein Bauministerium und eine Berufskammer gemeinsam auftreten, signalisiert die politische Anschlussfähigkeit des Themas und die Bereitschaft, Baukultur als Standortfaktor zu begreifen.</p>
<p>Dreißig Jahre Architektouren belegen, dass Baukultur keine private Liebhaberei ist, sondern eine öffentliche Aufgabe mit gesetzlichem Fundament. Die 199 Projekte des Jahres 2026 führen vor Augen, dass Energieeffizienz, Barrierefreiheit und Flächensparen keine Hindernisse guter Architektur darstellen, sondern deren Bedingungen. Wer am letzten Juni-Wochenende eine Tür durchschreitet, betritt kein Museum, sondern einen Gebrauchsraum, der seine Qualität im Alltag beweisen muss. Genau darin liegt der bleibende Wert des Formats.</p>
<h2><strong>Leserinformation</strong></h2>
<table style="font-weight: 400;" width="624">
<tbody>
<tr>
<td width="153"><strong>Veranstaltung</strong></td>
<td width="471">Architektouren 2026, dreißigjähriges Jubiläum, 199 Projekte aus ganz Bayern</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Termin</strong></td>
<td width="471">Samstag und Sonntag, 27. und 28. Juni 2026</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Preview</strong></td>
<td width="471">Montag, 22. Juni 2026, 18.00 Uhr, Foyer des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr, Franz-Josef-Strauß-Ring 4, 80539 München</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Veranstalter</strong></td>
<td width="471">Bayerische Architektenkammer (ByAK)</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Projekte und Tourenplanung</strong></td>
<td width="471">Online-Trefferliste der ByAK, sortierbar nach Regierungsbezirk, Typologie und KlimaKulturKompetenz; Booklet als PDF verfügbar</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Begleitprogramm</strong></td>
<td width="471">Wanderausstellung sowie regionale Bustouren zu ausgewählten Projekten</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Eintritt</strong></td>
<td width="471">In der Regel kostenfrei und ohne Voranmeldung, einzelne Projekte abweichend</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Barrierefreiheit</strong></td>
<td width="471">Die Zugänglichkeit variiert je Projekt; Schutzziele nach DIN 18040-1 für öffentlich zugängliche Gebäude. Objektbezogene Hinweise in der Online-Trefferliste</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Web</strong></td>
<td width="471">byak.de</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/architektouren-2026-199-offene-tueren-und-ein-praedikat-das-die-planungspraxis-prueft/">Architektouren 2026: 199 offene Türen und ein Prädikat, das die Planungspraxis prüft</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Eine Glyptothek aus Eichen: Etsdorf wagt das transnationale Denkmal</title>
		<link>https://baukunst.art/eine-glyptothek-aus-eichen-etsdorf-wagt-das-transnationale-denkmal/</link>
					<comments>https://baukunst.art/eine-glyptothek-aus-eichen-etsdorf-wagt-das-transnationale-denkmal/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 08:03:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Europa-Tempel]]></category>
		<category><![CDATA[Glyptothek Etsdorf]]></category>
		<category><![CDATA[Oberpfalz]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Haimerl]]></category>
		<category><![CDATA[Public Art]]></category>
		<category><![CDATA[Säuleneichen]]></category>
		<category><![CDATA[Wilhelm Koch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>47 Eichen als Säulenhalle: In Etsdorf ist Europa ein Hain geworden. Ein Tempel zwischen Aphaia, Walhalla und Acker.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/eine-glyptothek-aus-eichen-etsdorf-wagt-das-transnationale-denkmal/">Eine Glyptothek aus Eichen: Etsdorf wagt das transnationale Denkmal</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong> | Regionales | Bayern Baukultur | Mai 2026<br />
Lesezeit: ca. 7 Minute</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie können 47 Eichen Europa retten?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Künstler Willi Koch will die europäische Idee erlebbar machen. Darum hat er ihr auf einem Acker in der Oberpfalz einen Tempel gewidmet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Glyptothek ist im klassischen Sinn eine Sammlung von Skulpturen in einem tempelartigen Bau. In Etsdorf, einem Ortsteil der oberpfälzischen Gemeinde Freudenberg im Landkreis Amberg-Sulzbach, kehrt sich diese Definition um: Hier ist der Tempel selbst die Skulptur, und seine Säulen sind 47 Eichen. Am 9. Mai 2026, dem Europatag, wurde der Bau eingeweiht. Initiator ist der Künstler Wilhelm Koch, im Dorf nur Willi genannt. Den Entwurf zeichnete der Münchner Architekt Peter Haimerl, bekannt für das Konzerthaus Blaibach, ausgezeichnet 2016 mit dem Preis des BDA Bayern und 2018 mit dem Bayerischen Staatspreis für Architektur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf einer Anhöhe nahe der Europastraße E50, die Paris mit Nürnberg und Prag verbindet, formen die 47 Säuleneichen den Grundriss eines griechischen Peripteros. Jede Eiche steht stellvertretend für einen Staat des Kontinents. Statt steinerner Säulen wachsen hier Bäume; statt antiker Götterbilder ein offener Raum, in dem laut Selbstverständnis der Trägerstiftung über Demokratie, Europa und Zukunft verhandelt werden soll. Das Projekt wurde mehr als 25 Jahre lang bürgerschaftlich verfolgt. Träger ist die Stiftung Glyptothek Etsdorf Oberpfalz, unterstützt vom Verein der Freunde der Glyptothek Etsdorf. Finanziert wurde der Bau durch Säulenpaten, Tempelpaten, Patinnen und Paten der „Bausteine der Demokratie“, durch Unternehmen sowie eine LEADER-Förderung der Europäischen Union. Die Baugenehmigung wurde 2009 erteilt und 2022 erneuert. Volksspatenstich war am 12. September 2010, dem 2499. Jahrestag der Schlacht von Marathon; die offizielle Grundsteinlegung folgte am Europatag 2025.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie wird aus 47 Eichen ein Tempel?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Haimerls Entwurf nimmt drei Referenzen auf. Erstens den Aphaia-Tempel auf der griechischen Insel Aigina als typologisches Vorbild der archaischen Säulenhalle. Zweitens die Glyptothek München von Leo von Klenze als namensgebende Schwester. Drittens die Walhalla bei Regensburg, ebenfalls von Klenze, als bayerische Vorgängerin der Erinnerungsarchitektur. Während Klenze mit der Walhalla ein Pantheon deutschsprachiger Persönlichkeiten errichtete, weitet Etsdorf den Blick: 47 Eichen, eine für jedes Land des Kontinents, von Andorra bis zur Ukraine. Die Zahl folgt den 46 Mitgliedsstaaten des Europarats und ergänzt das ausgeschlossene Russland; sie ist mehr Symbol als Statistik.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Peter Haimerl ist die naheliegende Wahl für ein solches Vorhaben. Sein Konzerthaus Blaibach (2014) hat in einem 2000-Einwohner-Ort des Bayerischen Waldes einen Hochbau von internationalem Rang geschaffen, der zeigt, dass ländliche Räume Träger anspruchsvoller Baukunst sein können. Sein Leitmotiv „Attraktion statt Restriktion“ steht für eine Haltung, die ländliche Lage als Stärke begreift. In Etsdorf gibt er diesem Ansatz eine programmatische Wendung: Aus dem soliden Sichtbeton der Blaibacher Halle wird in der Oberpfalz ein lebendes Bauwerk. Es ist die wohl reduzierteste Geste seiner bisherigen Werkbiografie.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Tempelgrundriss bleibt streng. Die Eichen stehen in Reihen, die den Stylobaten eines klassischen Peripteros nachzeichnen. Doch der Bau lebt. Die Säulen sind biologische Organismen, die wachsen, sich verändern, im Winter ihre Blätter verlieren, im Sommer Schatten werfen. Wer den Tempel im Mai 2026 betritt, sieht junge Bäume mit dünnen Stämmen. Wer ihn 2076 besucht, wird durch einen Hain ausgewachsener Säuleneichen schreiten. Architektur als Wachstumsprozess, geplant über Generationen, ist eine Antwort auf den Bauboom der Gegenwart, die selten zu hören ist. Sie verbindet Baukunst mit den Prinzipien des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) und mit den Anforderungen an klimaresilientes Bauen, wie sie aktuell unter dem Stichwort Schwammstadt diskutiert werden. Säuleneichen, eine schmal wachsende Form der Stieleiche, werden zudem in Bayern als sturmresistent und langlebig eingestuft und finden sich häufig auf Listen klimaangepasster Baumarten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was leistet ein Tempel, was ein Museum nicht kann?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Glyptothek Etsdorf wird, anders als die Pinakotheken in München, keine festen Öffnungszeiten haben. Das Gelände ist tagsüber frei zugänglich, ein klassischer Public-Art-Raum. Damit reagiert das Projekt auf ein verbreitetes Unbehagen: Museen, so der implizite Vorwurf, wirken in der Zeit der Aufmerksamkeitsökonomie zunehmend wie Hochsicherheitstrakte des Wissens. Wer Demokratie verhandeln will, muss niedrigschwellig einladen. Der Tempel auf der Wiese tut genau das. Bereits seit 2010 ergänzt das Tempel-Museum Etsdorf, untergebracht im ehemaligen Schulgebäude des Ortes, das Projekt mit wechselnden Ausstellungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wilhelm Koch, der mit dem Luftmuseum Amberg, der Asphaltkapelle und dem Tempel-Museum Etsdorf seit Jahrzehnten an Räumen arbeitet, die zwischen Skulptur, Architektur und sozialem Forum oszillieren, bezeichnet die Glyptothek als „denk mal“ für Europa. Die getrennte Schreibweise ist programmatisch: Ein Denkmal ist immer auch ein Imperativ. In Zeiten von Populismus, Renationalisierung und Polarisierung verteidigt das Projekt einen Wertekanon, der gerade in den Dörfern oft als ferne Brüsseler Abstraktion erscheint. Dass dieses Bekenntnis ausgerechnet aus einem 500-Einwohner-Ort kommt, ist die eigentliche Pointe. Das Unterstützernetzwerk reicht von Albert Füracker, Staatsminister der Finanzen und für Heimat, über Bayerns Grünen-Fraktion bis zum Sänger Udo Lindenberg als Tempelpaten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baurechtlich ist der Tempel ein Sonderfall. Vorhaben im Außenbereich nach § 35 Baugesetzbuch (BauGB) sind im Regelfall nur privilegiert zulässig, wenn sie der Landwirtschaft oder bestimmten öffentlichen Belangen dienen. Ein Erinnerungsbau auf der Wiese fällt in keine dieser Kategorien. Dass die Baugenehmigung nach Art. 55 ff. Bayerische Bauordnung (BayBO) gleichwohl erteilt und 2022 erneuert wurde, verdankt sich der ausgewiesenen Bedeutung als Kunstwerk, der breiten kommunalen Unterstützung sowie der Tatsache, dass der Tempel selbst weitgehend ohne versiegelte Flächen auskommt. Die Gemeinde Freudenberg, der Landkreis Amberg-Sulzbach und der Bayerische Staat haben das Projekt mitgetragen. Aus baurechtlicher Sicht ist das ein lehrreiches Beispiel dafür, wie ein Kunstwerk im Außenbereich genehmigungsfähig werden kann, wenn der gestalterische und kulturelle Beitrag substantiiert nachgewiesen wird und die Eingriffsregelung nach BNatSchG durch eine ökologisch wirksame Pflanzung kompensiert ist. Für die Genehmigungspraxis bei vergleichbaren Public-Art-Projekten in anderen Bundesländern, etwa in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern oder Niedersachsen, liefert Etsdorf ein anwendbares Verfahrensmuster.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage, ob 47 Eichen Europa retten können, ist rhetorisch überspitzt. Sie retten weder den Euro noch die Asylpolitik noch die Energiepreise. Was sie leisten, ist etwas Anderes: Sie machen eine politische Idee körperlich erfahrbar. Wer zwischen ihnen steht, im Schatten ihrer Kronen, sieht den realen Raum, den Europa beansprucht: 47 Länder, 47 Sprachen, 47 Geschichten, alle stehen sie nebeneinander und bilden zusammen einen Hain. Das ist mehr als jede Sonntagsrede.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Architektur lautet die Lehre, dass Baukunst nicht aus Stein, Stahl oder Holz bestehen muss. Manchmal genügt eine Idee, ein Grundriss und die Geduld, Bäume wachsen zu lassen. Manchmal entsteht das wichtigste Gebäude einer Region in einem Dorf, dessen Namen außerhalb der Oberpfalz niemand kennt. Und manchmal wird ein Acker zur Bühne der europäischen Selbstvergewisserung, ohne dass dafür ein einziger Kubikmeter Beton vergossen wurde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">TEMPEL-MUSEUM Etsdorf<br data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="hardBreak" data-prosemirror-node-inline="true" />Verein der Freunde der GLYPTOTHEK ETSDORF OBERPFALZ e.V.<br data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="hardBreak" data-prosemirror-node-inline="true" />Wilhelm Koch, Museumsleiter/1. Vorstand<br data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="hardBreak" data-prosemirror-node-inline="true" />Rangersgaß 24 – 92272 Etsdorf – T. 0172 9645228<br data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="hardBreak" data-prosemirror-node-inline="true" /><a href="mailto:mail@tempel-museum.de" target="_blank" rel="noopener" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link">mail@tempel-museum.de</a> – <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://www.tempel-museum.de/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://www.tempel-museum.de</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<item>
		<title>Bayerns Architekten verweigern die eigene Wahl: Beteiligung stürzt auf 29,87 Prozent</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 May 2026 10:32:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Bayerische Architektenkammer]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Kammerwahl 2026]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=16070</guid>

					<description><![CDATA[<p>Nur 29,87 % der bayerischen Architekten haben gewählt. Der BDA gewinnt 35 Sitze, klimawende:planen 13. Was bedeutet diese Legitimationskrise für die Berufspolitik?</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art</strong> | Bayern · Berufspolitik · Kammerwahl 2026 | Mai 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">29,87 Prozent: Bayerns Architekten bestätigen den Verdacht</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wahl zur XIV. Vertreterversammlung der Bayerischen Architektenkammer hat am 5. Mai 2026 ihr Ergebnis gefunden, und es markiert einen historischen Tiefstand: 29,87 Prozent Wahlbeteiligung, ein Einbruch um über zwölf Prozentpunkte gegenüber der Wahl 2021. Von 25.993 wahlberechtigten Architektinnen und Architekten haben nur 7.763 ihre Stimme abgegeben. Damit hat sich der Befund, den die Redaktion von baukunst.art im April-Editorial <strong><a href="https://baukunst.art/wer-nicht-waehlt-darf-sich-nicht-wundern/">„Wer nicht wählt, darf sich nicht wundern“</a></strong> formuliert hatte, nicht nur bestätigt, sondern dramatisch verschärft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im April hatte die Redaktion an die 42 Prozent Beteiligung von 2021 erinnert und gewarnt, ein Berufsstand, der seine eigene Vertretung mehrheitlich ignoriere, könne sich nicht ernsthaft beklagen, wenn seine Interessen in der politischen Auseinandersetzung wenig Gewicht hätten. Die Zahlen vom 5. Mai zeigen jetzt: Nicht einmal mehr drei von zehn Mitgliedern sind dem Aufruf zur Wahl gefolgt. Sieben von zehn haben sich entschieden zu schweigen, und das im Vorfeld einer Legislaturperiode, in der über Reformen der HOAI, das Vergabetransformationsgesetz und die anstehende Novelle der Bayerischen Bauordnung (BayBO) entschieden wird.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was sagt eine Wahlbeteiligung von 29,87 Prozent über die Legitimation der Architektenkammer aus?</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Vertreterversammlung der Bayerischen Architektenkammer ist gemäß Artikel 22 des Baukammerngesetzes (BauKaG) das oberste Beschlussorgan einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie verhandelt mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, sie nimmt Stellung zur novellierten BayBO, sie steuert die Bayerische Architektenversorgung und legt die Beitragsordnung fest. All das geschieht im Auftrag von rund 26.000 Mitgliedern. Wenn aber nur 7.763 dieser Mitglieder die Vertretung legitimieren, fragt sich, mit welcher Autorität die Kammer auftritt, wenn sie gegenüber dem Freistaat Bayern oder dem Bund Position bezieht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die nüchterne Antwort: mit einer schwachen. Eine Vertretung, hinter der weniger als ein Drittel des Berufsstands steht, lässt sich politisch leichter relativieren als eine, die 70 Prozent der Mitglieder hinter sich versammelt. Wer in München, Berlin oder Brüssel die HOAI verhandelt, weiß: Die ByAK spricht laut Statistik für jeden zehnten Bauplaner Deutschlands. Sie spricht aber nicht mit dem Mandat aller, sondern mit dem Mandat der knapp 30 Prozent, die abgestimmt haben. Für die anstehende BayBO-Novelle, in der das verfahrensfreie Bauen weiter ausgeweitet werden soll, ist das ein konkreter politischer Nachteil.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Listen prägen jetzt die bayerische Berufspolitik?</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer wählt, gestaltet. <strong><a href="https://www.byak.de/aktuelles/newsdetail/kammerwahl-2026.html" target="_blank" rel="noopener">Das Ergebnis der Listenwahl</a></strong> macht klar, wer den Berufsstand in den nächsten fünf Jahren repräsentiert. Mit deutlichem Abstand stärkste Kraft ist der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA): 8.393 Stimmen, 35 von 125 Sitzen, drei der elf Vorstandssitze. Damit verfügt der BDA über mehr Sitze als die nächsten drei Listen zusammen. Eine derart deutliche Mehrheit war in den vergangenen Wahlperioden nicht zu beobachten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf Platz zwei folgt klimawende:planen mit 3.004 Stimmen und 13 Sitzen, ein Hinweis darauf, dass die ökologische Transformation der Baukultur in der Wahrnehmung der Wählenden offenbar an Gewicht gewonnen hat. Nahezu gleichauf liegen die Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten (bdla) mit ebenfalls 13 Sitzen. Die Liste 7 „Freischaffende Architekten“ erhielt 2.487 Stimmen und 10 Sitze, die Liste 6 „BauFrauen“ zog mit 2.053 Stimmen und 9 Sitzen ein und ist damit die stärkste explizit auf Geschlechtergerechtigkeit ausgerichtete Liste in der Geschichte der ByAK.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die Vorstandszusammensetzung. Acht der fünfzehn angetretenen Listen sind im elfköpfigen Vorstand vertreten, der BDA dreifach, die übrigen sieben Listen mit je einem Sitz. Das Ergebnis zeigt eine fragmentierte, aber breit aufgestellte Spitze, in der die großen freien Berufsverbände (BDA, bdla, bdia, Freischaffende) den Ton angeben, ergänzt um Themenlisten zu Klimaschutz, Geschlechtergerechtigkeit, Nachwuchs und öffentlichem Dienst. Die Architektenpolitik in Bayern ist damit pluraler geworden, ihre Beschlussfähigkeit wird in der Vertreterversammlung allerdings davon abhängen, ob sich Mehrheiten bilden lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wer wählt, wer schweigt?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer auf die Mikrostruktur der Wahlbeteiligung schaut, erkennt ein vertrautes Muster. Beamtete Architektinnen und Architekten haben zu 44,12 Prozent gewählt, Stadtplaner zu 45,66 Prozent, Landschaftsarchitekten zu 45,87 Prozent. Im Gegensatz dazu beteiligten sich freischaffend Tätige zu lediglich 29,17 Prozent, baugewerblich Tätige sogar nur zu 17,65 Prozent. Wer im öffentlichen Dienst arbeitet oder in einer Fachrichtung mit kleinerer, gut vernetzter Mitgliederbasis, der wählt häufiger. Wer im Tagesgeschäft eines Architekturbüros oder am Bau steht, also dort, wo HOAI-Reformen und Vergabeentscheidungen unmittelbar wirken, der schweigt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch geografisch bleibt die Beteiligung niedrig. Die Oberpfalz erreicht 30,45 Prozent, Oberbayern 30,40 Prozent, Schwaben mit 27,26 Prozent das Schlusslicht. Frauen wählten geringfügig häufiger als Männer (30,55 zu 28,69 Prozent). Ein Lichtblick ist die Wahl der Beratenden für Juniormitglieder: Hier lag die Beteiligung bei 32,6 Prozent, gewählt wurden vier Frauen, mit Antonia Rieß an der Spitze. Die Generation, die in den nächsten Jahrzehnten den Berufsstand tragen wird, zeigt also mehr demokratisches Engagement als der Durchschnitt der gestandenen Kollegenschaft. Das ist ein Signal, das in den Strategiegruppen der ByAK nicht überhört werden sollte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was die Kammer und der Berufsstand jetzt tun müssen</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Wahlergebnis ist nicht das Versagen der Bayerischen Architektenkammer, die professionell organisiert hat, mit Online-Wahl, Erinnerungsaktionen und transparenter Vorbereitung. Es ist der Befund eines Berufsstands, der seine demokratische Selbstvertretung schleifen lässt. Die ByAK hat in den nächsten Wochen vor allem zwei Aufgaben: Erstens, die mit dem schwachen Mandat verbundene Verhandlungsposition gegenüber Staatsministerium und Bundesgremien realistisch zu bewerten und sich nicht hinter formaler Repräsentativität zu verstecken. Zweitens, eine belastbare Strategie zu entwickeln, wie sie ihre Mitglieder beim nächsten Mal überhaupt erreicht, am Laptop, im Posteingang, in der täglichen Wahrnehmungslage zwischen Genehmigungsverfahren und Bauleitung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Berufsstand selbst sollte aus diesem Ergebnis ableiten: Wer die Rahmenbedingungen seines Berufs gestalten will, muss sich an deren Gestaltung beteiligen. Sonst gilt, was die Redaktion bereits im April formulierte: Wer nicht wählt, darf sich nicht wundern. Fünf Jahre Vertreterversammlung sind eine lange Zeit,für berufspolitische Entscheidungen die über die Zukunft unseres Berufstand entscheiden werden. Die XIV. Wahlperiode beginnt mit einem schwachen Mandat. Sie sollte mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme einhergehen, was Berufspolitik in Bayern in den nächsten fünf Jahren überhaupt noch erreichen kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/bayerns-architekten-verweigern-die-eigene-wahl-beteiligung-stuerzt-auf-2987-prozent/">Bayerns Architekten verweigern die eigene Wahl: Beteiligung stürzt auf 29,87 Prozent</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Münchens Ludwigstraße wird klimagerechter Saalplatz: Pariser Büro gewinnt Realisierungswettbewerb</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 May 2026 07:18:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Freiraumplanung]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaanpassung Innenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Landschaftsarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Ludwigstraße München]]></category>
		<category><![CDATA[Verkehrswende]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>München wagt den Umbau einer der bedeutendsten Prachtstraßen Europas: Aus sechs Fahrspuren werden zwei, aus einer Transitachse ein klimagerechter Saalplatz mit Baumhainen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>baukunst.art </strong> /  Regionales / Mai 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Verkehrswende auf Königsachse: München baut Ludwigstraße radikal um</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Von Stuart Stadler, Architekt VFA, Herausgeber baukunst.art</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">München, 5. Mai 2026</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ludwigstraße in München, eine der vier städtebaulich bedeutendsten Prachtstraßen der bayerischen Landeshauptstadt, wird zum begrünten Saalplatz mit Baumhainen umgebaut. Den freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb mit Ideenteil nach RPW 2013 hat das Pariser Büro MDP Michel Desvigne Paysagiste mit PCA-STREAM gewonnen, wie das Baureferat der Landeshauptstadt am 4. Mai 2026 mitteilte. Aus sechs Fahrspuren zwischen Brienner Straße und Oskar-von-Miller-Ring werden zwei. Aus einer Transitachse soll ein Aufenthaltsraum von welthistorischem Rang werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Preisgericht unter Vorsitz der Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer (BAK), tagte zweistufig: nach erster Sichtung am 13. Februar 2026 und einer Überarbeitungsrunde am 28. April 2026. Am Verfahren beteiligten sich zwölf nationale und internationale Büros. Den zweiten Preis erhielt TOPOTEK 1, Berlin (Martin Rein-Cano), den dritten ImI Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, Berlin. Anerkennungen gingen an studioB Landschaftsarchitektur, München, sowie an raum + zeit Landschaftsarchitektur Stadtplanung, Landshut.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Auftakt nahm der Wettbewerb mit einem Stadtratsbeschluss, der das Baureferat (Gartenbau) federführend mit der Auslobung beauftragte. Vorbereitet wurde das Verfahren gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und weiteren Fachreferaten der Landeshauptstadt. In Beteiligungsterminen wurden Ministerien und Bauämter des Freistaats, Anwohnerinnen und Anwohner, Gewerbetreibende, der Verband der Automobilindustrie, das Kreisverwaltungsreferat sowie der Festring München e. V. eingebunden. Die Auslobung verlangte explizit eine klimaverantwortliche Gestaltung bei gleichzeitiger Wahrung des denkmalgeschützten Erscheinungsbildes des Klenze-Gärtner-Ensembles.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie reagiert ein königliches Ensemble auf den Klimawandel?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ludwigstraße ist ein Gesamtkunstwerk des 19. Jahrhunderts. Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner planten die Achse zwischen Odeonsplatz und Siegestor von 1816 bis 1852 für Kronprinz, später König Ludwig I. Der eigens entwickelte Rundbogenstil, italienische Neurenaissance im Süden, Neuromanik im Norden, prägt die Straße bis heute. Sie steht unter Ensembleschutz nach Art. 1 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 6 des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes (BayDSchG); die Einzelbauten sind Baudenkmäler nach Art. 1 Abs. 2 BayDSchG.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau dieser Schutzstatus macht die Aufgabe heikel. Eingriffe in das geschützte Erscheinungsbild bedürfen der Erlaubnis der Denkmalschutzbehörde nach Art. 6 BayDSchG. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege war daher von Beginn an in die Wettbewerbsvorbereitung eingebunden. Grundlage der Entwürfe war eine vom Stadtrat beschlossene und mit dem Denkmalschutz abgestimmte Musterlösung zur Neuaufteilung der Verkehrsflächen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort des Pariser Siegerteams um Michel Desvigne und Philippe Chiambaretta liegt in einer scheinbar zurückhaltenden Geste. Die Verfasserinnen und Verfasser begreifen den Raum zwischen Klenzes und Gärtners Bauten nicht als zu möblierende Straße, sondern als großen städtischen „Saalplatz“ mit weitgehend durchgängigem Belag. Trittsteinartig verteilte, artenreiche Baumhaine setzen Akzente, ohne die axiale Wirkung des Ensembles zu zerschneiden. Die Jury hebt hervor, dass diese Hain-Inseln „inselartige, schattige und überwiegend unversiegelte Aufenthaltsbereiche“ schaffen, ohne die Lesbarkeit des historischen Stadtraums zu kompromittieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der zweitprämierte Entwurf von TOPOTEK 1 setzte demgegenüber auf eine stärker rhythmische Gliederung mit linear geführten Pflanzstreifen, die das Straßenbild taktweise unterteilen. Der Berliner Beitrag von ImI Levin Monsigny entwickelte einen eher gartenkünstlerischen Ansatz mit klar abgegrenzten Vegetationsfeldern. Beide Konzepte wurden von der Jury für ihre Schärfe gewürdigt, blieben aber im Vergleich zur trittsteinartigen Logik des Pariser Beitrags hinter dessen Balance aus städtebaulicher Großzügigkeit und mikroklimatischer Detailaufmerksamkeit zurück.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Signalwirkung hat das Verfahren für andere Städte?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Münchner Schritt ist mehr als eine lokale Verkehrsumplanung. Er ist ein Modellfall für die Frage, wie Deutschland mit dem Konflikt zwischen Denkmalschutz und Klimaanpassung umgeht. Die Vorgaben des Bundes-Klimaanpassungsgesetzes (KAnG) vom Juli 2024 und die Empfehlungen der DIN EN 17210 für barrierefreie und klimaresiliente öffentliche Räume verlangen genau jene Entsiegelung und Beschattung, die in steingeprägten Innenstadträumen am schwersten umzusetzen ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt der bauklimatische Druck. Der Deutsche Wetterdienst dokumentiert für süddeutsche Großstädte einen Anstieg der mittleren Jahrestemperatur seit Ende des 19. Jahrhunderts um etwa zwei Grad. Die Münchner Innenstadt zwischen Stachus und Odeonsplatz zählt nach Erhebungen des Referats für Klima- und Umweltschutz zu den am stärksten von Hitzeinseln betroffenen Bereichen Bayerns. Eine sechsspurige, weitgehend versiegelte Asphaltachse mitten im historischen Ensemble verstärkt diesen Effekt; jeder zusätzliche Quadratmeter Beschattung und Entsiegelung wirkt mikroklimatisch unmittelbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die institutionelle Choreographie des Verfahrens. Beteiligt waren das Baureferat (Gartenbau), das Referat für Stadtplanung und Bauordnung, das Kreisverwaltungsreferat, das Referat für Arbeit und Wirtschaft, das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, der Freistaat Bayern als Eigentümer mehrerer Liegenschaften sowie der Festring München e. V. wegen des Trachten- und Schützenzugs zum Oktoberfest. Die Verzahnung mit dem Umbau des Sperrengeschosses am U-Bahnhof Odeonsplatz durch SWM und MVG erlaubt zudem, Baulogistik und Oberflächenwiederherstellung in einem Zug zu denken, statt zweimal aufzureißen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Andrea Gebhard nennt im Jurykommentar einen „mutigen Schritt“, ein Ensemble von Weltrang so umzugestalten. Dieses Lob ist zugleich Benchmarkbildung. Wenn München es schafft, einen königlichen Repräsentationsraum vom Auto zurückzuerobern, sinkt die Hemmschwelle für Stuttgart, Dresden, Wiesbaden oder Leipzig, ähnliche Verfahren auf eigenen Achsen anzustoßen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritisch bleibt die Realisierungsphase. Die Reduktion von sechs auf zwei Fahrspuren ist nur möglich, weil seit 2025 der motorisierte Verkehr von Norden über den Oskar-von-Miller-Ring den Altstadtring direkt erreichen kann. Solche Vorbedingungen sind in anderen Städten nicht selbstverständlich gegeben. Im neu geordneten Querschnitt müssen Busverkehr, Radverkehr in Form des Radschnellwegs München-Garching, Anlieferung und Behindertenstellplätze koexistieren, ohne den Aufenthaltscharakter zu kannibalisieren. Hinzu kommt die offene Finanzierungsfrage: Konkrete Kostenangaben fehlen bislang, der Stadtrat soll erst auf Grundlage des Wettbewerbsergebnisses über das weitere Vorgehen entscheiden. Die HOAI 2021 (§§ 39 ff. für Freianlagen) liefert den Honorarrahmen, die Bauleistungen werden über die VOB/A in mehreren Losen ausgeschrieben werden müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die zweistufige Ausstellung der Wettbewerbsbeiträge, vom 26. Mai bis 7. Juni im Oskar-von-Miller-Forum und vom 9. bis 19. Juni in der Halle des Technischen Rathauses, signalisiert, dass das Verfahren nicht abgeschlossen, sondern eröffnet ist. Die eigentliche Probe steht bevor: die denkmalrechtliche Erlaubnis im Detail, die Verträglichkeit mit dem laufenden Trachten- und Schützenzug, die langfristige Pflege der neuen Baumhaine in einem klimatisch zunehmend mediterranen München.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was München mit Klenze, Gärtner und nun Desvigne wagt, ist die Übersetzung historischer Stadtbaukunst ins 21. Jahrhundert. Das denkmalgeschützte Ensemble bleibt Hauptdarsteller, der Raum davor wird vom Verkehrsapparat zur klimaresilienten Bühne der Stadtgesellschaft. Berlin hat mit der gescheiterten Verkehrsberuhigung der Friedrichstraße jüngst gezeigt, wie verfehlt eine schlecht koordinierte Umgestaltung wirken kann. München setzt dem ein dialogisch vorbereitetes, zweistufiges RPW-Verfahren mit eingebundenem Denkmalfachamt entgegen. Sollte die Realisierung gelingen, dürfte die Ludwigstraße zur Referenz für vergleichbare Projekte in der gesamten DACH-Region werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Das Ende einer Setzung: DASMAXIMUM in Traunreut schließt nach vierzehn Jahren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 11:33:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[DASMAXIMUM Traunreut]]></category>
		<category><![CDATA[Heiner Friedrich]]></category>
		<category><![CDATA[Privatmuseum]]></category>
		<category><![CDATA[Stiftungsrecht (§§ 80 ff. BGB)]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach vierzehn Jahren schließt DASMAXIMUM in Traunreut. Einordnung zur Stiftung Heiner Friedrichs, zu privaten Museen in Deutschland und zur Frage, ob damit ein Kunst-Ort an Gewicht verliert.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-ende-einer-setzung-dasmaximum-in-traunreut-schliesst-nach-vierzehn-jahren/">Das Ende einer Setzung: DASMAXIMUM in Traunreut schließt nach vierzehn Jahren</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>Baukunst.art</strong> / Regionales / April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ende einer Setzung: Warum Heiner Friedrichs Privatmuseum in Traunreut schließt</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Privatmuseum ist eine aus privaten Mitteln errichtete, dauerhaft öffentlich zugängliche Sammlung, deren Fortbestand vom Willen und den Ressourcen einer einzelnen Person oder Familie abhängt. Dieser Satz erklärt, warum in Oberbayern ein Kapitel zu Ende geht: Nach vierzehn Jahren schließt das Museum DASMAXIMUM. KunstGegenwart in Traunreut seine Türen. Das 2010 von Heiner Friedrich errichtete Stiftungshaus, eines der stillsten und zugleich radikalsten Ausstellungsprojekte der Bundesrepublik, beendet den Museumsbetrieb. Die Stiftung richtet sich nach eigenen Angaben konzeptionell neu aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Friedrich, Sohn des Alzmetall-Gründers Harald Friedrich und einer der prägenden Galeristen und Mäzene der zweiten Jahrhunderthälfte, hatte zwischen 2010 und 2011 die ehemaligen Werkshallen des elterlichen Unternehmens, die einst der Produktion des Kleinwagens „Spatz“ gedient hatten, zu einem Ausstellungsort umbauen lassen. Im Juli 2011 öffnete DASMAXIMUM auf rund 4.300 Quadratmetern. Zur Anlage gehörte auch das Altenmarkter Schulhaus aus der Nachkriegszeit, der sogenannte Holzstadel, der wegen seiner kleinen Fenster und seiner Waldlage die vollständige Installation der Lichtarbeit „European Couples“ von Dan Flavin bei Tageslicht erlaubte. Die Sammlung zeigte dauerhaft eingerichtete Werkgruppen von Dan Flavin, Walter De Maria, Andy Warhol, John Chamberlain, Imi Knoebel, Georg Baselitz, Blinky Palermo, Uwe Lausen und Maria Zerres.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum war DASMAXIMUM mehr als ein oberbayerisches Provinzmuseum?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Haus verfolgte ein kuratorisches Prinzip, das in der deutschen Museumslandschaft selten ist. Werkgruppen dauerhaft und unverändert in eigens konzipierten Räumen, ohne wechselnde Sonderausstellungen, ohne rotierende Hängung, ohne Kunstlicht. Die Philosophie, das Kunstwerk ohne jede Interpretation selbst sprechen zu lassen, kehrte damit aus dem amerikanischen Kontext nach Deutschland zurück. Friedrich hatte sie ab 1974 mit der Dia Art Foundation in New York institutionalisiert, mit Räumen, die ausschließlich einem Werk oder einem Künstler gewidmet sind. Architektonisch bedeutete das in Traunreut: keine White-Cube-Neutralität, sondern Hallen, deren industrielle Herkunft ablesbar blieb, mit schlanken Tragwerken, sichtbarem Dachstuhl und Tageslicht als primärer Lichtquelle. Die Traunreuter Setzung stand in einer Reihe mit der Dia Beacon im Hudson Valley, dem „Lightning Field“ Walter De Marias in New Mexico, der Kunstinsel Naoshima in Japan und, näher, dem „Vertikalen Erdkilometer“ Walter De Marias am Friedrichsplatz in Kassel.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vor diesem Hintergrund war die oberbayerische Kleinstadt Traunreut, ein Produkt der Nachkriegsplanung mit rund 21.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, nur scheinbar ein ungewöhnlicher Ort. Friedrich knüpfte an die Biografie seiner Familie und an das industriekulturelle Erbe seines Vaters an. Die Kooperation mit der Pinakothek der Moderne im Rahmen des „American Summer“ 2011, die Nachbarschaft zum Dream House Polling (La Monte Young und Marian Zazeela, Stiftung Klang-Licht-Raum) und die Zusammenarbeit mit Hubert Burda Media zur Ausstellung „Zentrum der Reaktion“ im Jahr 2024 um das Künstlerpaar Uwe Lausen und Heide Stolz zeigten, dass der Ort in ein internationales Netzwerk eingebunden war. Langjährige Vorständin und kuratorische Wegbegleiterin Friedrichs war Dr. Corinna Thierolf, die in der Abschiedserklärung der Stiftung ausdrücklich gewürdigt wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rechtlich und institutionell lag das Museum in einer typischen Konstellation. Träger war die Stiftung DASMAXIMUM, eine rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts nach den §§ 80 ff. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) und dem Bayerischen Stiftungsgesetz (BayStG). Für die in der Sammlung enthaltenen Werke gilt wie für jede bedeutende Privatsammlung das Kulturgutschutzgesetz (KGSG) vom 31. Juli 2016, das die Ausfuhr national wertvollen Kulturguts beschränkt und die Verzeichnung in öffentlichen Listen vorsieht. Beide Rahmen werden bei der Neuausrichtung der Stiftung und bei jeder möglichen Überführung von Werkgruppen eine Rolle spielen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ist die Schließung ein Zeichen für den Niedergang Deutschlands als Kunst-Ort?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage liegt auf der Hand, sie trägt aber zu dick auf. Richtig ist, dass die Schließung ein Verlust ist. Ein Ort, der ohne Eventbetrieb und ohne Ticketmaschine ausgekommen ist, fehlt. Richtig ist auch, dass private Museen in Deutschland strukturell schwächer verankert sind als in Frankreich, wo die Fondation Louis Vuitton, die Bourse de Commerce (Pinault Collection) und die Fondation Cartier in den vergangenen Jahren ganze Stadtviertel neu justiert haben. Das liegt weniger an mangelndem Sammlerwillen als an steuerrechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen, die Mäzenatentum in Frankreich seit der Loi Aillagon von 2003 in einer Weise fördern, die in der Bundesrepublik nicht vergleichbar ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Von einem Niedergang zu sprechen wäre dennoch falsch. Die Sammlung Goetz in München, das Museum Brandhorst, die Sammlung Boros in Berlin, die Feuerle Collection, das Schauwerk Sindelfingen, die Langen Foundation in Neuss, die Sammlung Hurrle in Durbach und die Kunsthalle Weishaupt in Ulm beweisen, dass private Häuser weiterhin getragen werden. Zugleich zeigt der Fall der Sammlung Gerlinger am Buchheim Museum, ebenso wie der Rückzug der Sammlung Essl in Klosterneuburg von 1999 bis 2016, dass die Überführung privater Sammlungen in die nächste Generation die eigentliche Schwachstelle ist. Die Schließung in Traunreut steht in dieser Tradition, nicht in einer Niedergangserzählung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Markus Blume hat öffentlich Hoffnungen auf eine Zukunft der Sammlung geäußert. Die Museumsoffensive der Kulturagenda Bayern, die das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (StMWK) zusammen mit den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen unter der interimistischen Leitung von Anton Biebl betreibt, kennt Formate für die Einbindung privater Bestände. Denkbar wären Dauerleihgaben an die Pinakothek der Moderne, eine Überführung einzelner Werkgruppen in die Sammlung Brandhorst oder eine Kooperation mit der Hamburger Kunsthalle und den Häusern K20 und K21 in Düsseldorf. Ebenso denkbar ist eine Lösung vor Ort, die das ensemblehafte Prinzip der bestehenden Hängung bewahrt, und sei es in reduzierter Form als Außenstelle einer staatlichen Sammlung. Entscheidungen dieser Größenordnung sind jedoch Angelegenheit der Stiftung und ihres Kuratoriums, nicht der staatlichen Hand.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt, ist eine architektonische und kulturgeschichtliche Lehre. Die umgenutzten Werkshallen in Traunreut, das sanierte Altenmarkter Schulhaus und die Einbettung in den bestehenden Stadtraum waren ein Modellfall für Konversion als Kulturproduktion, mit durchgängig natürlicher Belichtung als leitendes Entwurfsprinzip. Dass ein solcher Ort sich nicht automatisch in die dritte Dekade trägt, liegt nicht an der Qualität der Architektur oder der Sammlung, sondern an der strukturellen Abhängigkeit vom Stifter und am Fehlen eines öffentlich-rechtlichen Ankers. Wer Privatmuseen als Teil der öffentlichen Kultur denken will, muss die Frage der Generationenübergabe beantworten, bevor sie sich stellt. Traunreut ist damit kein Beleg für den Niedergang Deutschlands als Kunst-Ort, sondern ein Hinweis auf die nächste kulturpolitische Baustelle.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Chamberlain-Haus in Bayreuth: Vom Dokumentationszentrum zum Erinnerungshub</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 11:13:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bayreuth]]></category>
		<category><![CDATA[Chamberlain-Haus]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[NS-Dokumentationszentrum]]></category>
		<category><![CDATA[Oberfranken]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Statt eines Dokumentationszentrums zur NS-Ideologiegeschichte beschließt Bayreuth einen abgespeckten Erinnerungshub im Chamberlain-Haus. Die BKM-Millionen stehen auf der Kippe.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">baukunst.art | <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">OBERFRANKEN</strong> | April 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das Haus des Rassentheoretikers: Bayreuth ringt um seine dunkelste Adresse</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein NS-Dokumentationszentrum von nationaler Strahlkraft wird in Bayreuth vorerst nicht entstehen. Der Kulturausschuss der Stadt hat am 13. April 2026 mit zehn zu sieben Stimmen eine deutlich abgespeckte Variante empfohlen. Statt einer Dauerausstellung an zwei authentischen Täterorten soll nun lediglich das Gebäude Wahnfriedstraße 1, das sogenannte Chamberlain-Haus, saniert und im Dachgeschoss um einen kleinen Vermittlungsraum ergänzt werden. Die ursprünglich eingeplanten elf Komma fünf Millionen Euro Bundesförderung aus dem Programm KulturInvest stehen damit voraussichtlich nicht mehr zur Verfügung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall Bayreuth ist in doppelter Hinsicht bemerkenswert. Zum einen, weil die Stadt als einer der symbolisch am stärksten belasteten Orte des Nationalsozialismus in Deutschland gilt. Zum anderen, weil sich hier die Widersprüche zwischen kulturpolitischem Anspruch, kommunaler Finanzlage und denkmalpflegerischer Verantwortung auf engstem Raum verdichten. Das Chamberlain-Haus, benannt nach dem Rassentheoretiker und Wagner-Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain, liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Villa Wahnfried und beherbergt bislang das Jean-Paul-Museum. Das zweite ursprünglich vorgesehene Gebäude, das Geburtshaus des NSDAP-Gauleiters Hans Schemm in der Brautgasse 2, entfällt in der nun bevorzugten Option.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum scheitert das vollständige Dokumentationszentrum an der Kasse?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Grundlage der Entscheidung war eine im Januar 2025 beauftragte Studie der Erinnerungskultur-Expertin Henrike Claussen. Fünf Varianten standen zur Auswahl. Die ambitionierteste hätte einschließlich der Sanierung beider Standorte mit rund 18,76 Millionen Euro Baukosten und 725.000 Euro jährlichem Betriebsaufwand zu Buche geschlagen. Die beschlossene Option 3 kommt auf 5,6 Millionen Euro Baukosten und 226.940 Euro Betrieb pro Jahr. Der Unterschied liegt weniger im Sanierungsaufwand als in der inhaltlichen Tiefe. Nur die beiden großen Varianten erfüllten die Voraussetzungen, die der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) an eine Förderung knüpft, nämlich eine Themensetzung von nationaler Strahlkraft und eine Dauerausstellung über mindestens 25 Jahre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bereits 2022 hatte die Stadt ein Finanzierungskonzept skizziert, das eine Förderquote von 88 Prozent vorsah: 50 Prozent vom Bund, 20 Prozent von der Oberfrankenstiftung, ergänzt durch Mittel aus der Städtebauförderung der Regierung von Oberfranken. Diese Konstruktion bleibt an den BKM-Antrag gebunden, der bis zum 31. Dezember 2027 prüffähig vorliegen muss. Die Abstimmung im Kulturausschuss fiel dennoch knapp zugunsten der kleinen Lösung aus. Thomas Bauske (SPD) verwies auf konkurrierende Investitionen in Kindertagesstätten, Schulen und Sportanlagen, Luisa Funke-Barjak (FDP) sprach von Bauchschmerzen bei den laufenden Betriebskosten. Oberbürgermeister Thomas Ebersberger warnte dagegen, dass sich das Fördergeld nicht mehr abrufen lasse, wenn die Stadt jetzt zurückrudere.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Unabhängig von der gewählten Variante gilt eine bauliche Realität: Das Chamberlain-Haus muss ohnehin saniert werden. Teile des Dachs sind derzeit notdürftig mit Planen abgedeckt. Als Baudenkmal unterliegt das Gebäude dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz (BayDSchG) mit den bekannten Erlaubnispflichten nach Artikel 6. Für Eingriffe in die Gebäudehülle greifen zusätzlich die energetischen Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG), wobei § 105 GEG Denkmalen Spielräume einräumt. Die Bayerische Bauordnung (BayBO) regelt die baulichen Mindestanforderungen, etwa an Fluchtwege und Barrierefreiheit, die bei einer musealen Nutzung anders zu bewerten sind als beim jetzigen Bestand als Jean-Paul-Museum.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet die Entscheidung fuer die Erinnerungskultur in Oberfranken?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die inhaltliche Debatte verlief quer zu den Fraktionsgrenzen. Stefan Schlags (Grüne) plädierte für digitale und vernetzte Formate statt einer klassischen Ausstellung und kritisierte die Verengung auf die NS-Ideologiegeschichte. Christoph Rabenstein (SPD) sah mit der Formel „Täter im Mittelpunkt, Opfer außen vor“ eine problematische Schwerpunktsetzung. Claussen hielt dagegen, dass der Fokus auf Ideologiegeschichte lokale Ereignisse nicht ausblende, sondern das völkische Denken des 19. Jahrhunderts mit seinen Wirkungen bis in die Gegenwart greifbar mache. Stefan Specht (CSU) sprach sich für die größere Option 2 aus und mahnte, neben den ideologischen Wurzeln auch den Widerstand in Bayreuth sichtbar zu machen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit der beschlossenen Option wandelt sich die Bauaufgabe grundlegend. Gefragt ist nicht mehr ein Dokumentationszentrum mit Dauerausstellung, sondern ein Erinnerungshub: Sanierung des Bestands, ein flexibler Vermittlungsraum im Dachgeschoss, Koordinationsfunktion für bestehende Initiativen und Pop-up-Formate im Stadtraum. Die architektonische Aufgabe verlagert sich damit von musealer Ausstellungsinszenierung hin zu einer behutsamen Instandsetzung mit geringem zusätzlichen Einbau. Für die Denkmalpflege ist das grundsätzlich die schonendere Lösung. Aus kuratorischer Sicht droht jedoch die Fragmentierung: Ein Ort ohne Dauerausstellung erreicht ein anderes Publikum und verliert die Voraussetzungen für eine institutionelle Trägerschaft, wie sie die Richard-Wagner-Stiftung mit Beschluss des Stiftungsrats vom 30. November 2023 übernommen hätte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Blick in andere Städte schärft das Profil der Bayreuther Entscheidung. Das NS-Dokumentationszentrum München am Königsplatz, 2015 nach Entwurf von Georg Scheel Wetzel Architekten eröffnet, setzt auf einen markanten Neubau an historisch aufgeladener Stelle. Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg arbeitet mit dem Bestand der NS-Kongresshalle und wird derzeit nach Plänen von Petzinka Pink Architekten neu aufgestellt. Das NS-Dokumentationszentrum Köln nutzt das ehemalige Gestapo-Hauptquartier im EL-DE-Haus als authentischen Ort. Allen gemeinsam ist das inhaltliche Fundament einer langfristig angelegten Dauerausstellung, verbunden mit wissenschaftlicher Begleitung. Die Bayreuther Variante ohne Dauerausstellung bleibt in dieser Reihe ein Sonderfall. Sie entspricht eher einem dezentralen Bildungsträger als einer nationalen Gedenkstätte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bauaufgabe im engeren Sinne ist eine Denkmalsanierung mit kulturpädagogischem Nutzen. Das Chamberlain-Haus, erbaut in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als bürgerliche Villa, verlangt eine vollständige Dachüberarbeitung, vermutlich ergänzt um haustechnische Ertüchtigung, Brandschutzkonzept nach Artikel 12 BayBO sowie eine abgestimmte energetische Sanierung innerhalb der Denkmalgrenzen. Der Ausbau des Dachgeschosses für Vermittlungsarbeit wirft Fragen nach Rettungswegen, Raumakustik und Barrierefreiheit nach DIN 18040-1 auf, die im Bestand selten trivial zu lösen sind. Hinzu kommt die Einbindung der Außenflächen. Eine honorarrechtlich saubere Abwicklung wird sich nach HOAI 2021 mit Leistungen der Objektplanung Gebäude nach § 34, flankiert von Tragwerksplanung und Fachplanung TGA, bewegen. Wer diese Leistungen ausschreibt, wird sich an den verbliebenen Förderkulissen orientieren müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die regionale Planungskultur in Oberfranken hat der Vorgang Signalwirkung. Kommunen mit schwieriger Haushaltslage stehen immer häufiger vor der Frage, ob sie Bundes- und Landesförderungen abrufen oder freiwillige Ausgaben dauerhaft reduzieren wollen. Bayreuths Entscheidung zeigt, dass selbst eine Förderquote jenseits der 80 Prozent keine automatische Zustimmung zu Projekten von überregionaler Bedeutung sichert, sobald die verbleibenden Betriebskosten den kommunalen Spielraum übersteigen. Der Kulturausschuss hat zusätzlich empfohlen, eine Strategie zur Professionalisierung der Erinnerungsarbeit in Bayreuth zu beauftragen. Damit könnte die kleinteilige Trägerschaft, die bislang auf Vereine, die Universität Bayreuth und einzelne Projekte verteilt ist, konsolidiert werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die endgültige Entscheidung trifft der Stadtrat. Offen bleibt, ob Option 3 sich am Ende tatsächlich günstiger erweist als der ursprünglich kalkulierte große Wurf. Ohne BKM-Beteiligung entfällt die 50-Prozent-Basisförderung, und auch die Mittel der Oberfrankenstiftung waren an die größere Themensetzung gebunden. Für die Sanierung allein müssen neue Fördertöpfe erschlossen werden, etwa über die Städtebauförderung oder denkmalpflegerische Programme des Freistaats Bayern. Die Substanz des Chamberlain-Hauses drängt. Und die symbolische Frage, wie Bayreuth mit seinen braunen Kapiteln umgeht, bleibt unabhängig vom Bauvolumen bestehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Abholzen statt Aufforsten: Bayern gibt den Holzbau auf</title>
		<link>https://baukunst.art/abholzen-statt-aufforsten-bayern-gibt-den-holzbau-auf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 09:34:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bayern strich die Holzbauförderung BayFHolz. Ein politischer Kurswechsel mit Folgen für Klimaschutz, Baubranche und die Zukunft des nachwachsenden Baustoffs.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Abholzen statt Aufforsten: Bayern gibt den Holzbau auf</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bayerische Holzbauförderprogramm (BayFHolz) ist ein staatliches Instrument zur finanziellen Unterstützung klimagerechten Bauens, das die bayerische Staatsregierung 2022 als Teil ihrer Klimastrategie einführte und das zum Ende des Jahres 2026 ohne Nachfolgeprogramm ausläuft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was zunächst wie eine Fußnote in der Haushaltspolitik klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als symptomatisch für einen breiteren Stimmungswandel in der deutschen Klimaschutzpolitik. Bayern, das sich nicht ohne Stolz als zukünftiges &#8222;Holzbauland Nummer eins&#8220; inszenierte, zieht nun still und leise die Reißleine. Neue Anträge nimmt das Bayerische Bauministerium ab sofort nicht mehr entgegen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was leistete BayFHolz, und warum war das Programm überhaupt bedeutsam?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Programm förderete den Neubau sowie die Erweiterung und Aufstockung kommunaler Einrichtungen und mehrgeschossiger Wohngebäude in Holzbauweise. Die Zuwendung berechnete sich dabei nicht pauschal, sondern nach einem ökologisch sinnvollen Schlüssel: 500 Euro je Tonne der in Holzbauelementen und Dämmstoffen gebundenen Kohlenstoffmenge. Seit der Einführung unterstützte das Programm laut Bayerischem Bauministerium rund 510 Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von rund 58 Millionen Euro.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dieses Fördermodell besaß einen doppelten Hebel: Zum einen schuf es direkte finanzielle Anreize für Bauherrinnen und Bauherren, Kommunen sowie private Unternehmen, auf den nachwachsenden Rohstoff Holz umzusteigen. Zum anderen sandte es ein politisches Signal: Der Freistaat steht zur Bauwende. Beide Botschaften sind mit dem Programmende hinfällig.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum schafft Bayern die Holzbauförderung ab, und was folgt daraus?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bayerische Bauministerium begründet die Entscheidung nüchtern: &#8222;Vor dem Hintergrund des weiterhin hohen Bedarfs an bezahlbarem Wohnraum konzentriert die Staatsregierung die verfügbaren Mittel verstärkt auf Programme mit breiter und sozialer Wirkung&#8220;, erklaert ein Sprecher gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Das Auslaufen bedeute weder eine Abkehr vom Klimaschutz noch eine Reduzierung der Gesamtförderung. Der Holzbau sei &#8222;mittlerweile wettbewerbsfähig und fest im Markt verankert&#8220;, strukturell negative Auswirkungen seien deshalb nicht zu erwarten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das klingt nach Sachlichkeit, lässt aber eine Reihe unbequemer Fragen unbeantwortet. Wettbewerbsfähig im Vergleich zu was? Holz konkurriert in der Praxis vor allem mit Stahlbeton, einem Material, dessen graue Energie und CO2-Intensität im Lebenszyklus ungleich höher liegen. Wenn Förderinstrumente ihre Arbeit getan haben und wegfallen, weil der Markt funktioniert, wäre das tatsächlich ein Erfolg. Wenn sie wegfallen, weil das Budget anderswo gebraucht wird, ist das eine andere Geschichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schärfere Worte kommen von den Grünen im bayerischen Landtag. Ursula Sowa, Bau-Sprecherin der Fraktion, sieht im Programmende einen direkten Angriff auf die Bauwende: &#8222;Wer die Holzbauförderung streicht, blockiert aktiven Klimaschutz im Gebäudebereich.&#8220; Das Ende des Programms entziehe der Branche Planungssicherheit und erschwere den Umstieg auf klimagerechtes Bauen massiv, so die Politikerin.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Einschätzung deckt sich mit dem, was Architektinnen und Architekten sowie Holzbauunternehmer in der Praxis wahrnehmen. Förderungen wirken nicht nur kurzfristig als Investitionshilfe, sondern langfristig als Qualifizierungsmotor: Betriebe investieren in Weiterbildungen, in Maschinen, in Know-how, wenn sie wissen, dass der Markt stabil bleibt. Entzieht man diesen Rahmen abrupt, entsteht Unsicherheit, die sich schlechter berechnen lässt als CO2 pro Kubikmeter Brettschichtholz.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Konsequenzen hat das für andere Bundeslaender und die DACH-Region?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern ist nicht allein. Auch in anderen Bundesländern stehen Klimaschutzprogramme unter Haushaltsdruck. Die Bayerische Architektenkammer (ByAK) hat sich in der Vergangenheit mehrfach für eine Stärkung des Holzbaus eingesetzt, zuletzt im Kontext der Novelle der Bayerischen Bauordnung (BayBO), die in § 26 BayBO erweiterte Möglichkeiten für brennbare Baustoffe in höheren Gebäudeklassen vorsieht. Dieser regulatorische Fortschritt und die nun ausbleibende Förderung stehen in einem eigentümlichen Missverhältnis: Dürfen tut man mehr, finanzieren will der Staat weniger.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Vergleich dazu hält Baden-Württemberg an seiner Holzbauoffensive fest, Österreich fördert über den Klima- und Energiefonds weiterhin Holz- und Hybridbauweisen, und die Schweiz integriert Holzbau systematisch in die kantonale Energiegesetzgebung. Bayern, einst Taktgeber im deutschsprachigen Raum, riskiert damit eine Positionsverschiebung im regionalen Wettbewerb um innovative Baubetriebe, qualifizierte Fachkräfte und zukunftsorientierte Kommunen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist kein Plädoyer für staatliche Dauersubventionierung. Märkte sollen funktionieren, und erfolgreiche Technologien brauchen irgendwann keine Krücken mehr. Aber der Holzbau ist in Deutschland noch nicht an dem Punkt, an dem er ohne politische Rückendeckung einfach läuft. Laut Statistischem Bundesamt lag der Anteil von Gebäuden in Holzbauweise am Wohnungsneubau 2023 bei rund 20 Prozent. Wachstumspotenzial ist vorhanden, Selbstläufer ist der Markt noch nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was am Ende bleibt, ist ein Paradox: Eine Staatsregierung, die sich dem Klimaschutz verpflichtet und gleichzeitig ein Instrument abbaut, das genau diesem Klimaschutz diente. Das Argument der Wettbewerbsreife mag stimmen; das Argument der politischen Signalwirkung wird dabei ausgeblendet. Denn auch Symbolpolitik hat eine Funktion: Sie zeigt an, wohin eine Gesellschaft sich bewegen will. Holz war dieses Signal. Jetzt ist es abgeholzt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Das Regal vor der Fassade: Wie Neuperlach die Sanierungsfrage neu stellt</title>
		<link>https://baukunst.art/das-regal-vor-der-fassade-wie-neuperlach-die-sanierungsfrage-neu-stellt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 09:02:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bauwende]]></category>
		<category><![CDATA[BayBO]]></category>
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		<category><![CDATA[OTH Regensburg]]></category>
		<category><![CDATA[TU München]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbau]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15613</guid>

					<description><![CDATA[<p>Abreissen oder dämmen? Neuperlach verlangt eine dritte Antwort. Forschende der TU München zeigen, wie Nachkriegssiedlungen mit bewohnbarer Holzkonstruktion in die Zukunft geführt werden können.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ohne Abriss, ohne Mieterhöhung: Das Forschungsprojekt, das Grosswohnsiedlungen eine Zukunft gibt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die bewohnbare Dämmung ist ein bauliches Konzept, das die energetische Sanierung von Nachkriegsgebäuden mit echter Wohnraumgewinnung verbindet und damit beide Ziele gleichzeitig löst, die bisher meist gegeneinander ausgespielt wurden. Am Beispiel von München-Neuperlach demonstriert das Forschungsprojekt &#8218;Wohnen weiterbauen&#8216; der Technischen Universität München (TUM) und der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg), wie Grosswohnsiedlungen der Nachkriegszeit weder abgerissen noch kosmetisch repariert werden müssen, sondern tiefgreifend und sozialverträglich weiterentwickelt werden können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Neuperlach liegt im Südosten Münchens und gilt als eines der grössten zusammenhängenden Siedlungsgebiete der Bundesrepublik aus der Wiederaufbauphase. Die Wohnblöcke, in langen Reihen aufgestellt, sind erkennbar am geschlossenen Typ, bei dem die Aussenwände der Nachbargebäude seitlich unmittelbar anschliessen. Dieser Gebäudetyp &#8218;Reihe linear&#8216; stand im Mittelpunkt der Untersuchungen, die zwischen 2022 und 2024 im Rahmen des EU-Programms &#8218;Creating NEBourhoods Together&#8216; durchgeführt wurden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was versteht man unter &#8218;bewohnbarer Dämmung&#8216;, und warum ist das mehr als eine Wortneuschöpfung?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Begriff &#8218;bewohnbare Dämmung&#8216; bezeichnet eine vorgesetzte Raumschicht in Holzbauweise, die an den Bestandsfassaden der Wohnblöcke angebracht wird. Technisch funktioniert das Prinzip über ein modulares Konstruktionsprinzip: Holzwände stehen in regelmässigen Abständen quer zur Bestandsfassade und bilden sogenannte Schottenwände. Auf diese Schotten werden Holzdecken aufgelegt. Je nach Planung schliesst eine Einfachverglasung oder eine gedämmte Aussenwand die neue Schicht nach aussen ab.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Ergebnis ist ein &#8218;Regal&#8216;, wie die Forschenden das Konstrukt treffend nennen: statisch unabhängig vom Bestandsgebäude, anpassungsfähig an unterschiedliche Gebäudebreiten und an Vor- sowie Rücksprünge verschiedener Gebäude. Diese Unabhängigkeit ist kein Zufall, sondern Programm. Das Regal kann werksseitig vorgefertigt werden, was die Montagezeit vor Ort erheblich reduziert und witterungsunabhängige Produktion ermöglicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was den Ansatz von einer konventionellen Fassadendämmung unterscheidet, ist die Mehrfachlesbarkeit der neuen Flächen. Sie können als Erweiterung eines bestehenden Raumes genutzt werden, als Übergang zwischen zwei Räumen oder als eigenständig nutzbarer Bereich. Familien unterschiedlicher Grösse, Paare, Wohngemeinschaften und Einzelpersonen sollen die Flächen je nach Lebenssituation individuell aneignen können. Klassische Nutzungszuweisungen von Zimmern werden damit bewusst aufgelöst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die energetischen Kennwerte sprechen für den Ansatz: Simulationen aus der Projektphase ergaben, dass der Heizwärmebedarf des Bestandsgebäudes um bis zu 68 Prozent gesenkt werden kann. Das übersteigt die Einsparwirkung konventioneller Fassadendämmungen erheblich. Die Raumschicht wirkt als thermische Pufferzone, die Wärmeverluste im Winter dämpft und im Sommer vor Überhitzung schützt. Dass dabei Holz als Baustoff zum Einsatz kommt, hat einen weiteren Vorteil: Kohlenstoff wird dauerhaft im Material gespeichert, und die sogenannte graue Energie, die bereits im Bestandsgebäude steckt, bleibt genutzt, anstatt mit dem Abriss verloren zu gehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie lässt sich die Sanierung finanzieren, ohne die bestehenden Mieterinnen und Mieter zu belasten?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Finanzierungsfrage ist bei Sanierungsvorhaben in Grosswohnsiedlungen häufig der eigentliche Knackpunkt. Erhöhte Mieten für Bestandswohnungen gelten politisch als kaum durchsetzbar und sind sozial problematisch, wenn die Bewohnerschaft ohnehin unter Druck steht. Das Konzept &#8218;Wohnen weiterbauen&#8216; beantwortet diese Herausforderung mit einem Querfinanzierungsmodell über Anbauten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bestandswohnungen in Neuperlach bestehen überwiegend aus Dreizimmerwohnungen. Durch Anbauten an die bestehenden Erschliessungskerne können Ein- und Zweizimmerwohnungen ergänzt werden, die auf dem Münchner Mietmarkt gut vermietbar sind. Die Einnahmen aus diesen neuen Einheiten subventionieren die Sanierungskosten der Bestandswohnungen quer. Mieterhöhungen für langjährige Bewohnerinnen und Bewohner werden so vermieden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein weiterer Effekt ist die altersgerechte Umzugsmöglichkeit innerhalb des vertrauten Quartiers. Ältere Bewohner und Bewohnerinnen, die in Neuperlach verwurzelt sind, können in kleinere, barrierefreie Wohnungen im Anbau wechseln. Die freigewordenen grösseren Wohnungen stehen dann für Familien zur Verfügung. Das stärkt die soziale Durchmischung, ohne Verdrängung zu erzeugen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Anbauten selbst sollen als Holz-Hybrid-Bauten mit mittlerem Ausbaustandard ausgeführt werden. Gegenüber einem vollständig neuen Gebäude sind die Herstellungskosten geringer, weil die vorhandene Infrastruktur genutzt wird: Treppenhaus, Aufzug und Fernwärmeanschlüsse sind bereits vorhanden. Zusätzliche Erschliessungsflächen im Anbau entfallen, was die Effizienz der Grundrisse erhöht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was lässt sich von Neuperlach auf andere Grosswohnsiedlungen übertragen?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Neuperlach ist kein Sonderfall. Grosswohnsiedlungen ähnlicher Bauart und Ära existieren in zahlreichen deutschen und europäischen Städten. Die Sanierungsfrage stellt sich überall gleich, und die zur Verfügung stehenden Mittel sind begrenzt. Das Forschungsprojekt versteht Neuperlach ausdrücklich als Untersuchungsobjekt und Anwendungsfall, von dem andere Kommunen, Wohnungsbaugesellschaften und Planende lernen sollen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Münchner Architekt Andreas Hild, Professor für Entwerfen, Umbau und Denkmalpflege an der TUM und einer der Projektbeteiligten, formuliert im Vorwort der im Mai 2025 im Gebr. Mann Verlag erschienenen Publikation zur Studie: Es brauche eine Vision, die helfe, die Grosswohnsiedlungen in eine Zukunft zu führen, nicht zuletzt um als Gemeinschaft die kulturelle und gesellschaftliche Chance einer ökologischen Wohnungswende zu nutzen. Das ist keine Bescheidenheitsgeste, sondern Programm.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Studie, die auf MediaTUM der TUM frei zugänglich ist (<strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="https://mediatum.ub.tum.de/1781725" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">https://mediatum.ub.tum.de/1781725</a></span></span></strong> ), liefert kein abgeschlossenes Entwurfsprodukt, sondern ein Instrumentarium. Planende erhalten Grundlagen, um den Bestand in europäischen Grosswohnsiedlungen sozialverträglich und ökologisch zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Das Regal vor der Fassade ist dabei kein ästhetisches Statement, sondern ein pragmatischer Baustein für eine Wohnraumversorgung, die Bestand und Zukunft gleichzeitig ernst nimmt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die bayerische Baupolitik und die Kommunen im Grossraum München ist &#8218;Wohnen weiterbauen&#8216; ein willkommener Impuls. Die Bayerische Bauordnung (BayBO) sowie das Bayerische Wohnraumförderungsgesetz (BayWoFG) bieten grundsätzlich Spielräume für innovative Sanierungsansätze, die über reine Energiemassnahmen hinausgehen. Ob die politischen Akteure diesen Spielraum nutzen werden, bleibt abzuwarten. Die Forschenden haben jedenfalls gezeigt, dass es keine technischen Hinderungsgründe mehr gibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-regal-vor-der-fassade-wie-neuperlach-die-sanierungsfrage-neu-stellt/">Das Regal vor der Fassade: Wie Neuperlach die Sanierungsfrage neu stellt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Rechenzentren als Raumfaktor: Was die Ausstellung &#8222;City in the Cloud&#8220; über Bayerns Dateninfrastruktur verrät</title>
		<link>https://baukunst.art/rechenzentren-als-raumfaktor-was-die-ausstellung-city-in-the-cloud-ueber-bayerns-dateninfrastruktur-verraet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 17:31:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Dateninfrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Rechenzentren]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15362</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wo wohnen unsere Daten? Mitten unter uns. Die TUM-Ausstellung zeigt, was die Cloud wirklich ist: Beton, Strom und Wasser. Besonders in Bayern.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/rechenzentren-als-raumfaktor-was-die-ausstellung-city-in-the-cloud-ueber-bayerns-dateninfrastruktur-verraet/">Rechenzentren als Raumfaktor: Was die Ausstellung &#8222;City in the Cloud&#8220; über Bayerns Dateninfrastruktur verrät</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Cloud hat eine Adresse und die liegt in Garching</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Eine Ausstellung im Architekturmuseum der TUM macht sichtbar, was kaum jemand sehen will: Rechenzentren als prägende Bauaufgabe unserer Zeit.</em></p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Daten Boden berühren</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es gibt Ausstellungen, die man besucht, um Schönes zu sehen. Und es gibt Ausstellungen, die man besuchen sollte, weil sie einem unbequeme Wahrheiten zeigen. &#8222;City in the Cloud – Data on the Ground&#8220;, noch bis 8. März 2026 im Architekturmuseum der TUM in der Pinakothek der Moderne in München zu sehen, gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Sie tut das mit bemerkenswerter räumlicher Präzision: Der Ausgangspunkt liegt nicht irgendwo in der Ferne, sondern 20 Kilometer nördlich des Ausstellungsorts, in Garching bei München. Dort befindet sich das Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, das als regionales Fallbeispiel einen zentralen Platz im kuratorischen Konzept einnimmt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das kuratorische Team rund um Cara Hähl-Pfeifer, Damjan Kokalevski und Andres Lepik hat eine Ausstellung entwickelt, die drei thematische Kapitel entfaltet: &#8222;Elementar&#8220; legt die physischen Grundlagen der digitalen Infrastruktur frei, &#8222;Räumlich&#8220; wendet sich den konkreten Orten der Datenverarbeitung zu, und &#8222;Zeitlich&#8220; fragt, welche Daten wir bewahren, löschen oder vergessen wollen. In der Summe ergibt sich ein Argument, das in seiner Konsequenz unangenehm ist: Die Cloud ist kein Ort jenseits der Wirklichkeit. Sie ist Wirklichkeit. Gebaute, energiehungrige, ressourcenintensive Wirklichkeit.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bayern als Datendrehscheibe</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer über Dateninfrastruktur in Deutschland spricht, denkt zuerst an Frankfurt. Dort liegt der größte Internetknoten der Welt, der DE-CIX, und dort haben sich die meisten und größten deutschen Rechenzentren konzentriert. Der bayerische Sonderfall ist architektonisch wie politisch interessanter, weil er eine andere Geschichte erzählt: die eines wissenschaftlichen Infrastrukturstandorts, der weit vor dem kommerziellen Hype entstand.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das LRZ in Garching verarbeitet Forschungsdaten von europäischem Rang. Fotografin Giulia Bruno, deren Arbeit zentral in der Ausstellung präsent ist, hat das Innenleben des Zentrums dokumentiert: automatisierte Bandarchive, kühlende Gangstrukturen, die Präzision technischer Abläufe, die nach außen vollständig unsichtbar bleiben. &#8222;Encoded Matter&#8220;, ihr Film, übersetzt die physische Seite digitaler Infrastruktur in eine Bildsprache, die zwischen Erhabenheit und Schrecken oszilliert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bayerische Staatsregierung hat die Bedeutung dieser Infrastruktur erkannt und unterstützt das LRZ als Teil einer breiteren Digitalisierungsstrategie. Der Digitale Zwilling München, entwickelt vom Kommunalreferat und dem GeodatenService der Landeshauptstadt, ist ein weiterer Kooperationspartner der Ausstellung. Er steht exemplarisch für die räumliche Logik der Dateninfrastruktur: Daten werden nicht nur über die Stadt produziert, sie formen die Stadt zurück. Planerische Entscheidungen basieren zunehmend auf datengestützten Modellen, deren Infrastruktur wiederum eigene Raumansprüche stellt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fensterlose Kästen und ihre räumlichen Kosten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass Rechenzentren eine der virulentesten ungeklärten Bauaufgaben unserer Zeit darstellen, ist kein neues Argument. Architekt Christian Krauthammel vom Frankfurter Büro TTSP HWP, der seit Jahren Rechenzentren baut, brachte es einmal auf den Punkt: &#8222;Rechenzentren sind eine Schattenwirtschaft.&#8220; Große, fensterlose Volumen, hochgesichert, wärme- und lärmintensiv. Und weitgehend unsichtbar im öffentlichen Diskurs.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung macht deutlich, dass dieses Schweigen kein Zufall ist. Betreiber vermeiden öffentliche Informationen aus Sicherheitsgründen. Kommunale Planungsbehörden schließen Rechenzentren bei neu ausgewiesenen Gewerbegrundstücken zunehmend explizit aus, ohne Konzepte für Alternativen zu entwickeln. Das ist ein planerisches Versagen, das sich in Bayern ebenso zeigt wie anderswo: Garching profitiert von der räumlichen Trennung zwischen Forschungscampus und Wohnbevölkerung. Kommerzielle Anlagen in Ballungsräumen stehen dagegen vor einem Widerspruch: Sie sind notwendig nah an Ballungszentren und gleichzeitig strukturell schwer integrierbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei gibt es Lösungsansätze. Franken Architekten aus Frankfurt am Main haben für SAP in Walldorf ein Rechenzentrum gebaut, das durch eine gefaltete Dachstruktur aus dunklem Streckmetall den Klotz-Charakter auflöst und die industrielle Umgebung aufwertet. Es bleibt ein Einzelfall. Systematische Gestaltungsanforderungen für Rechenzentren fehlen in deutschen Bundesländern, auch in Bayern, fast vollständig.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ressourcen, Macht und koloniale Logiken</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung endet nicht beim ästhetischen Problem. Sie stellt die Machtfrage. Rechenzentren verbrauchen enorme Mengen an Frischwasser und Energie. Sie konzentrieren wirtschaftlichen und politischen Einfluss in den Händen weniger multinationaler Konzerne. Die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen wie Lithium, Kupfer, Kobalt und Zinn verbindet die Dateninfrastruktur mit Abbauregionen, die unter neokolonialen Ausbeutungsverhältnissen leiden. Die Ausstellung zeigt konkret: den Kampf um Wasserrechte in der Atacama-Wüste in Chile sowie die ökologischen und gesellschaftlichen Kosten des Zinnabbaus auf der indonesischen Insel Bangka.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Bayern bedeutet das eine unbequeme Doppelrolle: Als Hochtechnologiestandort profitiert der Freistaat von Dateninfrastrukturen wie dem LRZ. Als demokratische Gesellschaft muss er sich fragen, welche globalen Kosten dieses Profitieren verursacht. Die Ausstellung gibt keine einfachen Antworten. Sie formuliert die Fragen. Das ist, angesichts der Komplexität des Themas, schon bemerkenswert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was die Architektur zu tun hätte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektinnen und Architekten, Planerinnen und Planer stehen vor einer Aufgabe, die noch keine etablierte Sprache hat. Rechenzentren sind weder Industriebau noch Bürogebäude, weder Infrastrukturbau noch öffentlicher Raum. Sie sind ein Hybrid, der alle Kategorien sprengt und gleichzeitig in keiner Förder- oder Planungskultur richtig verankert ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Architekturmuseum der TUM leistet mit dieser Ausstellung einen wichtigen Beitrag, dieses Vakuum sichtbar zu machen. Es wäre an den regionalen Baukammern, Planungsbehörden und Hochschulen, die nächsten Schritte zu tun: Gestaltungsrichtlinien entwickeln, Standortkonzepte erarbeiten, Energierückgewinnung als Pflicht in Baugenehmigungsverfahren verankern. Bayern hat die institutionellen Voraussetzungen dafür. Die politische Entscheidung, sie zu nutzen, steht noch aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;City in the Cloud – Data on the Ground&#8220; zeigt eindrucksvoll, dass die Architektur der Daten keine Zukunftsaufgabe ist. Sie ist Gegenwartsaufgabe. Und sie wartet nicht.</p>
<hr />
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Besucherinformationen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ausstellung</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">City in the Cloud: Data on the Ground. The Architecture of Data</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ort</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architekturmuseum der TUM, Pinakothek der Moderne</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Barer Straße 40, 80333 München</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Laufzeit</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">16. Oktober 2025 bis 8. März 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Öffnungszeiten</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dienstag bis Sonntag: 10.00 bis 18.00 Uhr</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Donnerstag: 10.00 bis 20.00 Uhr</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Montag geschlossen</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eintritt</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">10 Euro, ermäßigt 7 Euro</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sonntags: 1 Euro</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: freier Eintritt</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Begleitprogramm: Data Talks</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sieben öffentliche Gespräche donnerstags, 18.00 bis 19.30 Uhr, kostenloser Eintritt</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Letzter Termin: 5. März 2026 (Finissage)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Anmeldung: <a href="mailto:anmeldung@architekturmuseum.de" target="_blank" rel="noopener" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link">anmeldung@architekturmuseum.de</a></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/rechenzentren-als-raumfaktor-was-die-ausstellung-city-in-the-cloud-ueber-bayerns-dateninfrastruktur-verraet/">Rechenzentren als Raumfaktor: Was die Ausstellung &#8222;City in the Cloud&#8220; über Bayerns Dateninfrastruktur verrät</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>FLUX München: Das Pinakothek-Experiment als Modell für den öffentlichen Raum</title>
		<link>https://baukunst.art/flux-muenchen-das-pinakothek-experiment-als-modell-fuer-den-oeffentlichen-raum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Feb 2026 16:16:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Dritter Ort]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Temporäre Architektur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15309</guid>

					<description><![CDATA[<p>München wagt das Experiment: FLUX verwandelt die Kiesbrache neben der Pinakothek der Moderne in einen farbexplosiven Dritten Ort. Fünf Jahre, 1,5 Mio. Euro — aber zu welchem Preis?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/flux-muenchen-das-pinakothek-experiment-als-modell-fuer-den-oeffentlichen-raum/">FLUX München: Das Pinakothek-Experiment als Modell für den öffentlichen Raum</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">FLUX: Experiment am Kunstareal</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Der &#8222;Dritte Ort&#8220; an der Pinakothek der Moderne — zwischen Partizipation, Stadtpolitik und temporärer Architektur</em></p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Kieswüste und Kulturwunder</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Schotterfläche als Parkplatz — das war der unspektakuläre Status quo südlich der Pinakothek der Moderne entlang der Gabelsbergerstraße. Diese sogenannte Kieswüste war Münchner Stadtplanern und Museumsmachern gleichermassen seit Jahren ein Dorn im Auge. Nun soll sich das ändern: Mit FLUX entsteht ab Ende Juni 2025 für fünf Jahre ein „Dritter Ort&#8220;, dessen leuchtend bunter Entwurf von der britischen Künstlerin und Designerin Morag Myerscough stammt — und der Diskussionen weit über das Münchner Kunstareal hinaus auslöst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Konzept des „Dritten Ortes&#8220; geht auf den amerikanischen Stadtsoziologen Ray Oldenburg zurück, der damit in seinem 1989 erschienenen Werk „The Great Good Place&#8220; Räume jenseits von Wohnung und Arbeitsplatz beschrieb. Bibliotheken, Cafés, Marktplätze: Orte, die durch niedrigschwelligen Zugang sozialen Zusammenhalt stiften. Dass ein Münchner Kunstareal nun dieses Konzept für sich beansprucht, ist kein Zufall — es spiegelt einen breiteren Paradigmenwechsel in der deutschen Museumswelt wider.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Morag Myerscough: Mehr als bunte Kulisse</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Künstlerin, deren Vorfahren im Zirkus auftraten und die in einem Londoner Arbeiterviertel aufwuchs, ist in München kein unbeschriebenes Blatt. Ihr „Stadion der Träume&#8220; — die farbenfrohe Bühnenkonstruktion für die Fußball-Europameisterschaft 2024 beim alten Gasteig — wurde schnell zum Publikumsliebling. Myerscough setzt konsequent auf geometrische Muster, gesättigte Farben und partizipative Prozesse: Ihre Entwürfe entstehen in Gemeinschaft mit den jeweiligen Communities vor Ort.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für FLUX setzte sie sich in einem geladenen Wettbewerb gegen 17 weitere Künstlerinnen und Künstler durch. Die Jury, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der vier Pinakotheken-Museen und der Stiftung Pinakothek der Moderne, wählte einstimmig — und wie Projektleiterin Eva Tillig bestätigt, bewusst „den mutigsten, interessantesten und buntesten Entwurf&#8220;. Ob Mut allein ausreicht, um eine Kiesbrache zur urbanen Lebenswelt zu machen, ist eine andere Frage.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisch ist FLUX eine zweigeschossige, begehbare Skulptur, die den Wintergarten der Pinakothek der Moderne mit dem Außenbereich verbindet. Holz und recycelbare Materialien dominieren den Bau — ein nachhaltigkeitsorientierter Ansatz, der zum partizipativen Ethos der Künstlerin passt. Ein „Tree House&#8220; im Cafébereich bietet Witterungsschutz, der „Kitchen Garden&#8220; bedient Myerscoughs Gartenliebe, ein „Bandstand&#8220;-Pavillon fungiert als Bühne für Konzerte und Lesungen. Gastronomie und öffentliche Toiletten ergänzen das Angebot — und das alles unabhängig von den Museumsöffnungszeiten, sieben Tage die Woche.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Finanzierung: Stiftungskultur und Leo Kirchs Erbe</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Gesamtkosten des Projekts werden mit 1,5 Millionen Euro angegeben. Getragen wird FLUX von den vier Museen des Hauses sowie der Stiftung Pinakothek der Moderne, die das Projekt anlässlich ihres 30. Gründungsjubiläums realisiert. Als Hauptförderer hat man die Thomas Kirch Stiftung sowie die Kirch Stiftung gewonnen — beides Einrichtungen in Erinnerung an den Münchner Medienunternehmer Leo Kirch und seine Frau Ruth. Stiftungsratsvorsitzender Reinhard Scolik formuliert die Erwartungshaltung klar: Man hoffe, Menschen anzusprechen, „die erst an Kunst herangeführt werden müssen&#8220;.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Aussage ist aufschlussreich. Sie bestätigt, was Kritikerinnen und Kritiker temporärer Kulturprojekte häufig bemängeln: die implizite Annahme, Hochkultur sei per se nicht zugänglich und bedürfe einer Art Lockmittel. Ob ein bunter Pavillon tatsächlich neue Publikumsschichten in die Museen führt oder vor allem das bestehende Kunstareal-Publikum bereichert, wird sich erst nach den fünf Jahren zeigen. Die Stiftung baut eine eigene Betriebsgesellschaft für FLUX auf — ein Zeichen, dass man das Experiment ernstnimmt, aber auch, dass die Betriebskosten dauerhaft gesichert sein müssen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Stadtpolitik: Die Kieswüste als Experimentierfeld</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Räumlich betrifft FLUX eine Fläche, die im Münchner Stadtgebrauch bisher als Parkplatz diente. Der Wochenmarkt an der Türkenstraße soll unverändernd bleiben — ein wichtiges Signal in einem Stadtquartier, das zwischen Gentrifizierungsdruck, Universitätsbetrieb und Museumstourismus balanciert. Die Maxvorstadt ist kein homogenes Milieu: Studierende, Anwohnerinnen und Anwohner, Kulturtouristinnen und Kulturtouristen sowie obdachlose Menschen nutzen das Kunstareal auf sehr unterschiedliche Weisen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass FLUX als „Wohlfühlort ohne Konsumzwang&#8220; konzipiert ist, klingt einladend — und steht gleichzeitig in einem gewissen Widerspruch zur Tatsache, dass gastronomische Angebote eingeplant sind. Die Frage, wie viel Konsum ein Ort verträgt, ohne seinen inklusiven Charakter zu verlieren, ist nicht trivial. Das Kollektiv „This Is Really Happening&#8220; — bekannt durch Zwischennutzungsprojekte wie das Lovelace-Hotel, Sugar Mountain im alten Sendlinger Betonwerk und die Aktionen in der ehemaligen Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke — begleitet FLUX programmatisch. Die Münchner Zwischennutzungsszene hat Erfahrung darin, Räume lebendig und zugänglich zu halten; dass man sie eingebunden hat, spricht für das Vorhaben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Temporäre Architektur als Testlabor</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stiftungsvorstand Markus Michalke sieht FLUX nicht als Endpunkt, sondern als Anfang. Die Stiftung erwarb vor einigen Jahren vom Architekten der Pinakothek der Moderne, Stephan Braunfels, das Urheberrecht am zweiten Bauabschnitt auf dem Gelände der ehemaligen Türkenkaserne. Braunfels hatte dort ein Haus für die Graphische Sammlung geplant, das den Rotundenbau des Hauptgebäudes ergänzen sollte — ein Vorhaben, das steckenblieb. FLUX soll nun zeigen, „wie die Seele des Dritten Ortes weiterentwickelt werden kann&#8220;, bevor ein permanentes Gebäude folgt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dieser Ansatz — temporär bauen, um dauerhaft zu lernen — ist im internationalen Architekturkontext längst etabliert. Vom Serpentine Pavilion in London bis zu den temporären Pavillons der Biennale di Venezia: Das Experiment vor dem Permanenten ist ein anerkanntes Planungsinstrument. In der deutschen Museumswelt hingegen ist diese Denkweise noch vergleichsweise selten. FLUX könnte hier Modellcharakter entwickeln — vorausgesetzt, die Auswertung des fünfjährigen Betriebs erfolgt systematisch und öffentlich nachvollziehbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Denn genau hier liegt eine Lücke im bisherigen Kommunikationskonzept: Wie wird der Erfolg von FLUX gemessen? Besucherzahlen? Neue Museumsmitgliedschaften? Soziale Heterogenität der Nutzerinnen und Nutzer? Ohne klare Evaluationskriterien läuft das Experiment Gefahr, zur selbstbeweihräuchernden Geste zu werden. Stiftungsvorstand Michalkes zuversichtliches „Wir sind mutig&#8220; klingt ermutigend, ersetzt aber kein Wirkungskonzept.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Signal — und seine Grenzen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">FLUX ist ein ermutigendes Signal: Die Pinakothek der Moderne und ihre Stiftung zeigen, dass ein großes Haus bereit ist, seine Grenzen physisch und konzeptuell zu verschieben. Die Wahl einer Künstlerin mit partizipativem Selbstverständnis statt eines konventionellen Architekturbüros ist mutig. Die Einbindung lokaler Zwischennutzungsakteure ist klug. Die Nachhaltigkeitsorientierung im Bau ist zeitgemäß.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig bleibt die Frage, ob ein 1,5-Millionen-Euro-Projekt an einem der privilegiertesten Kunstorte Deutschlands wirklich jene Menschen erreicht, die „erst an Kunst herangeführt werden müssen&#8220;. Soziale Inklusion entsteht nicht allein durch bunte Farben und offene Türen. Sie erfordert aktive Vernetzungsarbeit mit dem Kiez, mit Schulen und sozialen Einrichtungen — und eine beharrliche Präsenz jenseits des Eröffnungswochenendes. Das partizipative Workshopformat, das wöchentlich angeboten werden soll, ist ein erster Schritt. Ob er genügt, werden die nächsten fünf Jahre zeigen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Architekturwelt bleibt FLUX vor allem eines: ein stadtpolitisches Experiment, das zeigt, wie viel Spielraum zwischen Parkplatz und Museumsbau steckt — wenn man bereit ist, ihn mutig zu nutzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Ort</strong> — Gabelsbergerstraße / Ecke Türkenstraße, München <strong>Eintritt</strong> — kostenlos, kein Konsumzwang, eigene Speisen erlaubt <strong>Öffnungszeiten</strong> — Außenbereich täglich; Gastronomie Di–So 10–22 Uhr; Innenbereich ab 29. April 2026<strong>Programm</strong> — Yoga, Workshops (Open4Making), Konzerte, DJ-Sets, Lesungen, Performances — alles kostenlos<strong>Kontakt</strong> — <strong><a class="underline underline underline-offset-2 decoration-1 decoration-current/40 hover:decoration-current focus:decoration-current" href="mailto:hello@flux-munich.com" target="_blank" rel="noopener">hello@flux-munich.com</a></strong> / flux-munich.com <strong>Anreise</strong> — U-Bahn, Bus 100, Tram 27/28, kein öffentlicher Parkplatz <strong>Barrierefreiheit</strong> — Rampe, rollstuhlgerecht <strong>Laufzeit</strong> — 2025 bis ca. 2030</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/flux-muenchen-das-pinakothek-experiment-als-modell-fuer-den-oeffentlichen-raum/">FLUX München: Das Pinakothek-Experiment als Modell für den öffentlichen Raum</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Münchens Altstadt wird neu gedacht: Wie das Programm „Altstadt für alle” die größte Transformation seit 1972 einleitet</title>
		<link>https://baukunst.art/muenchens-altstadt-wird-neu-gedacht-wie-das-programm-altstadt-fuer-alle-die-groesste-transformation-seit-1972-einleitet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Jan 2026 09:52:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Fußgängerzone]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung München]]></category>
		<category><![CDATA[Verkehrsberuhigung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mehr als 50 Jahre nach Eröffnung der Fußgängerzone wagt München den nächsten großen Wurf. Das Programm „Altstadt für alle” soll Verkehr reduzieren und Aufenthaltsqualität schaffen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 [&quot;orderedList&quot;,{&quot;order&quot;:3,&quot;localId&quot;:null},&quot;listItem&quot;,{&quot;localId&quot;:null}]">„Die Altstadt lebt vom Miteinander”: Warum Münchens größter Umbau seit 1972 die Stadt spaltet</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 30. Juni 1972 eröffnete Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel mit einer legendären Dackelparade Deutschlands erste große innerstädtische Fußgängerzone. Der Stachus, vormals ein Verkehrsmoloch mit bis zu 75.000 Autos täglich, wurde zum autofreien Flaniermeile. Was damals als revolutionärer Eingriff in die gewachsene Stadtstruktur galt, erscheint heute selbstverständlich. Nun steht München erneut vor einem epochalen Umbau seines historischen Kerns.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Grundsatzbeschluss und seine Tragweite</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Mobilitätsausschuss des Münchner Stadtrats hat am 10. Dezember 2025 das Programm „Altstadt für alle” verabschiedet. Mobilitätsreferent Georg Dunkel bezeichnete den Beschluss als „Meilenstein”, relativierte jedoch sogleich: Es handle sich eher um einen Baukasten für künftige Maßnahmen als um ein fertiges Konzept. Die Zielsetzung steht gleichwohl fest: Langfristig soll die Münchner Altstadt ein Ort mit weniger Autoverkehr werden, der dennoch für alle erreichbar bleibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die grün-rote Rathauskoalition hat damit einen Prozess angestoßen, der bereits 2019 seinen Anfang nahm. Sechs Jahre Konzeption, Beteiligung und politisches Ringen liegen hinter dem Vorhaben. Dass die SPD per Änderungsantrag den Begriff „Konzept” aus der Vorlage streichen ließ und von einer „autofreien” Altstadt nicht mehr die Rede ist, offenbart die Kompromisslinien dieses Beschlusses.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die neue Straßenhierarchie</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Mobilitätsreferat plant eine Kategorisierung des Altstadtraums in drei Straßentypen. Stadtstraßen bleiben für den allgemeinen Autoverkehr zugänglich und dienen als Zufahrten zu Parkgaragen. Hier dürfen künftig nur noch Berechtigte parken: Anwohnerinnen und Anwohner, Menschen mit Behinderung, Handwerker. Altstadtstraßen hingegen sollen primär der Erschließung für Bewohnerinnen und Bewohner sowie dem Wirtschaftsverkehr dienen. Kurzes Halten vor Arztpraxen, Hotels oder Geschäften bleibt möglich, doch Durchgangsverkehr wird unterbunden. Neu wären Fußgängerzonen mit sogenannter „Kommunaltrasse”, in denen auch Rad- und öffentlicher Nahverkehr fahren dürfen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein digitales Parkleitsystem soll Besucherinnen und Besucher gezielt zu den Parkgaragen führen und den berüchtigten Parksuchverkehr reduzieren. Die Fraktion Die Grünen/Rosa Liste/Volt hat per Änderungsantrag durchgesetzt, dass Informationen über freie Parkplätze künftig in Navigationsdienste eingepflegt werden können.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Mehr Grün für die Hitzeinsel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Münchner Altstadt kämpft wie viele historische Stadtkerne mit dem urbanen Wärmeinseleffekt. Enge Gassen, dunkle Pflasterungen und fehlende Vegetation lassen die Temperaturen an Sommertagen deutlich über das Niveau der Umgebung steigen. Das Programm sieht mehr Grünflächen und Bäume vor, um das Stadtklima zu verbessern. Seit Jahrzehnten diskutiert das Rathaus auch die mögliche Öffnung des Westlichen Stadtgrabenbachs, der unterirdisch durch die Altstadt fließt. Ein sichtbarer Wasserlauf könnte nicht nur zur Kühlung beitragen, sondern auch die Aufenthaltsqualität steigern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die ersten konkreten Maßnahmen sollen im Graggenauer Viertel umgesetzt werden, das sich zwischen Tal, Diener- und Maximilianstraße sowie dem Altstadtring erstreckt. Danach folgt das Hackenviertel. Bezirksausschussvorsitzende Andrea Stadler-Bachmaier rechnet zunächst mit temporären Elementen wie Pflanztrögen, mobilen Möbeln und veränderter Beschilderung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Opposition und ihre Argumente</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Beschluss fiel nicht einstimmig. CSU und Freie Wähler stimmten dagegen, ebenso die Fraktion FDP/Bayernpartei. Stadträtin Veronika Mirlach von der CSU warnte, die Vorlage mache das „florierende Herz der Altstadt” kaputt. Die Altstadt lebe vom Miteinander, auch mit Autos. Die FDP/Bayernpartei vermisst ein Konzept zur Belebung der Innenstadt und fordert Kurzparkplätze mit bis zu 30 Minuten Parkzeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist, dass auch die ÖDP/München-Liste gegen die Vorlage stimmte, allerdings aus entgegengesetzten Gründen. Stadträtin Sonja Haider kritisierte die Umsetzung als nicht konsequent genug und bezeichnete die um SPD-Vorschläge ergänzte Vorlage als „Papiertiger”. Die SPD hatte eine „Planung mit Augenmaß” gefordert und beantragt, dass trotz bereits erfolgter Öffentlichkeitsbeteiligung bei jeder einzelnen Maßnahme erneut Anwohnerinnen und Anwohner, Bezirksausschüsse, Beiräte, Gewerbetreibende, Verbände und Interessengruppen einbezogen werden sollen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Aufbruch und Beharrung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die grundlegende Veränderung des Zentrums wird sich hinziehen, so viel ist sicher. Jede bauliche und verkehrliche Änderung soll einzeln dem Stadtrat zur Abstimmung vorgelegt werden. SPD-Fraktionsvorsitzende Anne Hübner nannte den Beschluss dennoch einen wichtigen Auftakt. Oberbürgermeister Dieter Reiter sprach von einem großen Schritt hin zu einer lebenswerteren Münchner Innenstadt. Der Zweite Bürgermeister Dominik Krause von den Grünen betonte den Kompromisscharakter: Münchens Altstadt werde attraktiver und moderner, bewahre gleichzeitig ihren unverwechselbaren Charakter.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Blick zurück nach vorn</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Parallelen zu 1972 sind augenfällig, doch die Unterschiede ebenso. Damals trieb der olympische Zeitdruck ein ganzes Bündel von Infrastrukturmaßnahmen voran: S- und U-Bahn, Mittlerer Ring, Altstadtring-Tunnel, Fußgängerzone. Der damalige Stadtentwicklungsplan, auf 30 Jahre angelegt, sah die Einschränkung des Individualverkehrs und die Priorisierung des öffentlichen Nahverkehrs bereits vor. Olympia wirkte als Katalysator.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heute fehlt ein solcher externer Beschleuniger. Stattdessen dominieren Beteiligungsprozesse, politische Aushandlung und die Sorge vor Verdrängungseffekten. Die umfangreiche Bürgerbeteiligung der Jahre 2023 und 2024 umfasste ein Bürgerpanel mit 30 repräsentativ ausgewählten Teilnehmenden, interaktive Workshops für Kinder und Runde Tische mit verschiedenen Akteursgruppen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">München versucht, den schmalen Grat zwischen Verkehrswende und Wirtschaftsinteressen, zwischen Klimaanpassung und Alltagstauglichkeit zu gehen. Der Beschluss „Altstadt für alle” ist kein revolutionärer Schnitt, sondern ein vorsichtiger Auftakt. Ob die grundlegende Veränderung des Zentrums am Ende so epochal wird wie die Einführung der Fußgängerzone 1972, wird sich erst in Jahren zeigen. Die Weichen sind gestellt, die Dackelparade muss warten.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Bayern plant Umbauordnung: Bauen im Bestand wird einfacher</title>
		<link>https://baukunst.art/bayern-plant-umbauordnung-bauen-im-bestand-wird-einfacher/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 Dec 2025 16:26:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bauen im Bestand]]></category>
		<category><![CDATA[Bayerische Bauordnung]]></category>
		<category><![CDATA[Umbauordnung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Freistaat kündigt eine eigene Umbauordnung an und folgt damit anderen Bundesländern. Ob Bayern nur nachzieht oder eigene Akzente setzt, bleibt vorerst offen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Bayern entdeckt das Bauen im Bestand</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern bekommt eine Umbauordnung. Was Bauminister Christian Bernreiter (CSU) bei der Bauministerkonferenz in Würzburg verkündete, klingt nach einem bemerkenswerten Paradigmenwechsel in der bayerischen Baupolitik. Der Freistaat, der sich traditionell als Vorreiter in Sachen Entbürokratisierung inszeniert, hinkt bei diesem Thema jedoch anderen Bundesländern hinterher.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der lange Weg zur Ankündigung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Forderung nach einer Umbauordnung ist in Bayern keineswegs neu. Seit Jahren drängen die Grünen im Landtag auf entsprechende Regelungen, die das Bauen im Bestand erleichtern sollen. Erst im März 2025 brachte die Fraktion einen Antrag ein, der vom Bauausschuss verabschiedet wurde. Allerdings enthielt dieser lediglich die Aufforderung an die Staatsregierung, den Ausschuss über eine mögliche Implementierung zu informieren. Von einem konkreten Gesetzesvorhaben war keine Rede.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass die CSU nun eine grüne Kernforderung umsetzt, mag überraschen. Doch der politische Druck aus mehreren Richtungen war erheblich gewachsen. Bei einer Anhörung im Ausschuss für Bauen, Wohnen und Verkehr im November 2024 sprachen sich Sachverständige von der Bayerischen Architektenkammer über die Ingenieurekammer-Bau bis hin zu Architects for Future einmütig für grundlegende Erleichterungen aus. Die Botschaft war eindeutig: Die Bauordnung müsse zu einer Umbauordnung weiterentwickelt werden, die das Bauen im Bestand und kreislauffähiges Bauen als Standard anerkennt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Niedersachsen als Vorbild</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Blick nach Niedersachsen zeigt, wie eine echte Umbauordnung aussehen kann. Am 1. Juli 2024 trat dort die novellierte Landesbauordnung in Kraft, die von Fachleuten als erster großer Wurf in Deutschland gefeiert wurde. Das zentrale Element bildet der neue Paragraph 85a: Bei Umbauten, Aufstockungen oder Nutzungsänderungen müssen bestehende Gebäude nicht mehr auf aktuelle Neubaustandards gebracht werden. Stattdessen gilt der Grundsatz, dass der Um- und Ausbau im Bestand nicht mehr leisten muss als das Bestandsgebäude selbst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommen weitere Erleichterungen: Die Stellplatzpflicht für Neubauten und Umbauten wurde aufgehoben, die Grenzabstände reduziert und eine Genehmigungsfiktion von drei Monaten eingeführt. Entscheidet die Bauaufsichtsbehörde in dieser Frist nicht, gilt die Genehmigung als erteilt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bremen folgte mit einer etwas zurückhaltenderen Novelle, einer sogenannten Umbauordnung light. Baden-Württemberg zog im Juni 2025 nach: Bauministerin Nicole Razavi (CDU) sprach davon, die Landesbauordnung zu einer echten Umbauordnung zu machen, und versprach eine Umstellung des Systems von Kontrolle auf Ermöglichen. Nutzungsänderungen, bauliche Änderungen im Gebäude, Aufstockungen und Dachgeschossausbauten sollen zu keinen höheren Anforderungen beim Brandschutz mehr führen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bayern holt auf, aber wie weit?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Freistaat hat mit seinen Modernisierungsgesetzen zum 1. Januar 2025 bereits einige Erleichterungen in die Bayerische Bauordnung aufgenommen. Dachgeschossausbauten zu Wohnzwecken sind nun verfahrensfrei, eingeschossige Aufstockungen werden bei den Anforderungen begünstigt, die Stellplatzpflicht wurde kommunalisiert. Auch die Abstandsflächenregelungen in Großstädten wurden gelockert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch diese Maßnahmen bleiben Stückwerk. Eine systematische Neuausrichtung der Bauordnung auf das Bauen im Bestand fehlt bislang. Genau hier soll die angekündigte Umbauordnung ansetzen. Wie diese konkret aussehen wird, ist allerdings offen. Die Bayerische Architektenkammer, die Bayerische Ingenieurekammer-Bau und die Landtagsfraktion der Grünen haben bereits Vorschläge unterbreitet. Ob diese Gehör finden, wird sich zeigen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Anspruch und Wirklichkeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage ist berechtigt, ob Bayern tatsächlich einen eigenständigen Weg beschreiten oder lediglich die Regelungen anderer Bundesländer kopieren wird. Das niedersächsische Modell hat sich in der Praxis bewährt, auch wenn die kommunalen Spitzenverbände gegen die Aufhebung der Stellplatzpflicht klagten. Die baden-württembergische Reform wurde von 71 Verbänden überwiegend positiv aufgenommen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für das Bauen im Bestand wäre ein mutiger Schritt wünschenswert. Der Gebäudesektor in Bayern verursacht erhebliche CO2-Emissionen. Durch Sanierung und Umbau lassen sich im Vergleich zu Abriss und Neubau nicht nur Ressourcen, sondern auch graue Energie einsparen. Die Sachverständigen bei der Landtagsanhörung waren sich einig: Wer die Klimaschutzziele erreichen will, muss den Fokus auf den Erhalt und die Ertüchtigung vorhandener Bausubstanz richten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig stehen Planerinnen und Planer vor praktischen Hürden. Brandschutzvorgaben, Abstandsflächen und Barrierefreiheitsanforderungen sind im Bestand oft nicht eins zu eins umsetzbar. Hier braucht es pragmatische Lösungen, die ein verantwortbares Sicherheitsniveau gewährleisten, ohne Umbauprojekte wirtschaftlich unmöglich zu machen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Mehr als Paragraphen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Umbauordnung allein wird die Probleme des bayerischen Wohnungsmarkts nicht lösen. Die anhaltend hohen Bau- und Finanzierungskosten, der Fachkräftemangel im Handwerk und die komplizierte Förderkulisse bleiben bestehen. Doch sie kann einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie Potenziale im Bestand erschließt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ankündigung aus Würzburg ist ein Signal. Ob daraus ein wirklicher Aufbruch wird, hängt von der konkreten Ausgestaltung ab. Bayern hat die Chance, aus den Erfahrungen anderer Bundesländer zu lernen und eine zeitgemäße Bauordnung zu schaffen, die dem Bestand den Vorrang gibt. Ob die Staatsregierung diesen Spielraum nutzt oder sich mit kosmetischen Korrekturen begnügt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Grünen im Landtag werden jedenfalls genau beobachten, wie ernst es der CSU mit der Umbauordnung tatsächlich ist. Schließlich haben sie das Thema seit Jahren vorangetrieben und werden nicht müde, auf die klimapolitische Dimension hinzuweisen: Eine Bauwende geht nur mit einer Umbauordnung.</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Bayerns Architekten verweigern sich der Fortbildungskontrolle</title>
		<link>https://baukunst.art/bayerns-architekten-verweigern-sich-der-fortbildungskontrolle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2025 14:23:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Bayerische Architektenkammer]]></category>
		<category><![CDATA[Berufsregulierung]]></category>
		<category><![CDATA[Fortbildungspflicht]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14472</guid>

					<description><![CDATA[<p>Bayern verweigert sich als einziges Bundesland einer verbindlichen Fortbildungsordnung für Architektinnen und Architekten. Ein Sonderweg mit Folgen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/bayerns-architekten-verweigern-sich-der-fortbildungskontrolle/">Bayerns Architekten verweigern sich der Fortbildungskontrolle</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Der bayerische Sonderweg: Wenn Freiwilligkeit zur Bürde wird</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Bayerische Architektenkammer lehnt als einzige Länderkammer eine verbindliche Fortbildungsordnung ab. Während alle anderen Bundesländer den Weg zur bundesweiten Harmonisierung einschlagen, verweigert sich der Freistaat der Qualitätssicherung. Ein Rückschritt im föderalen Flickenteppich der Berufsregulierung.</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es hätte ein historischer Moment werden können. Am 28. November 2025 stand in der Vertreterversammlung der Bayerischen Architektenkammer die Einführung einer Fortbildungsordnung zur Abstimmung. Der Beschlussvorschlag benötigte eine Zweidrittelmehrheit. Er scheiterte. Damit bleibt Bayern das einzige Bundesland ohne verbindliche Regelung zur Kontrolle der gesetzlich bereits bestehenden Fortbildungspflicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ironie dieser Entscheidung liegt in ihrer Entstehungsgeschichte. Erst im Februar 2025 hatte der Vorstand der Bundesarchitektenkammer einstimmig eine Musterfortbildungsordnung verabschiedet. Das erklärte Ziel: die Harmonisierung der 16 unterschiedlichen Landesregelungen und damit ein Beitrag zur Entbürokratisierung. Alle anderen Länderkammern folgen diesem Weg. Nur Bayern nicht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die sanfteste aller Varianten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei war der bayerische Entwurf bereits die mildeste denkbare Form einer Fortbildungsordnung. Die sogenannte Variante 1 sah vor, dass eine Überprüfung der Fortbildungspflicht ausschließlich auf Antrag erfolgt. Wer ein Zertifikat wünscht, muss nachweisen, dass er oder sie die geforderten 16 Fortbildungspunkte pro Kalenderjahr absolviert hat. Ein Fortbildungspunkt entspricht dabei 45 Minuten Unterricht, insgesamt also gerade einmal zwölf Zeitstunden oder etwa anderthalb bis zwei Arbeitstage im Jahr.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zum Vergleich: In anderen Bundesländern werden jährlich mindestens zehn Prozent der Mitglieder durch Stichprobenverfahren überprüft. Die bayerische Variante hätte niemanden ungefragt kontrolliert. Sie hätte lediglich denjenigen ein Qualitätssiegel ermöglicht, die es aktiv anstreben. Selbst diese minimale Formalisierung war der Vertreterversammlung zu viel.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Argument der Eigenverantwortung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Fortbildungspflicht selbst steht nicht zur Debatte. Sie ist seit Jahren im bayerischen Baukammerngesetz verankert. Artikel 24 Absatz 1 Satz 2 Nummer 1 verpflichtet alle Mitglieder, sich beruflich fortzubilden und über die für die Berufsausübung geltenden Bestimmungen auf dem Laufenden zu halten. Was fehlte, war lediglich die konkrete Ausgestaltung dieser Pflicht durch die Kammer.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Gegnerinnen und Gegner der Ordnung argumentieren mit Eigenverantwortung. Architektinnen und Architekten seien selbstständig denkende Fachleute, die keiner Kontrolle bedürften. Das Studium allein qualifiziere bereits ausreichend. Fortbildung sei ohnehin Teil der täglichen Praxis. Solche Argumente verkennen allerdings die Dynamik des Berufsfelds. Technische Regelwerke ändern sich, Bauordnungsrecht wird novelliert, Nachhaltigkeitsanforderungen steigen, die Digitalisierung transformiert Planungsprozesse. Wer hier nicht Schritt hält, gefährdet nicht nur die eigene Reputation, sondern potenziell auch die Sicherheit von Bauwerken.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Neben den weltanschaulichen Bedenken dürften auch handfeste finanzielle Überlegungen eine Rolle gespielt haben. Die Einführung einer Fortbildungsordnung hätte Kosten in fünf- bis sechsstelliger Höhe in den Haushalt der Bayerischen Architektenkammer bedeutet: für den Aufbau einer Verwaltungsstruktur zur Erfassung und Prüfung der Nachweise, für die technische Infrastruktur eines Punktekontos, für Personal zur Bearbeitung von Anträgen und Zertifikaten. Diese Investition in die Qualitätssicherung des Berufsstands erschien einem Teil der Vertreterversammlung offenbar nicht gerechtfertigt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Themenkatalog als Orientierungsrahmen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die abgelehnte Fortbildungsordnung hatte einen durchdachten Themenkatalog vorgelegt. Neun Sachgebiete definierten das Spektrum anerkennungsfähiger Veranstaltungen: Bau und Stadtbaukultur, Nachhaltigkeit und Umweltschutz, Planung und Gestaltung, Aus und Durchführung, Planungs, Bau und Projektmanagement, Planungs und Bauökonomie, Recht, Digitalisierung sowie Büro und Selbstmanagement. Die Mitglieder hätten ihre Fortbildungsthemen frei nach beruflichen Aufgaben und individuellen Bedürfnissen wählen können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die Präambel des Entwurfs. Sie formuliert Fortbildung nicht nur als Verbraucherschutz, sondern als Grundlage für eine verantwortungsvolle, klima und sozialgerechte Planungspraxis im Sinne von Gemeinwohl und Generationengerechtigkeit innerhalb der planetaren Grenzen. Die Ablehnung dieser Ordnung wirft damit auch die Frage auf, wie ernst die bayerische Architektenschaft ihre gesellschaftliche Verantwortung nimmt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der föderale Flickenteppich wächst</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während die anderen 15 Länderkammern ihre Fortbildungsordnungen angleichen, vergrößert Bayern den regulatorischen Flickenteppich. Für Architektinnen und Architekten, die bundeslandübergreifend tätig sind, bedeutet dies praktische Komplikationen. Fortbildungen, die in einem Bundesland anerkannt werden, gelten nicht automatisch in einem anderen. Die Musterfortbildungsordnung der Bundesarchitektenkammer sollte genau diese Hürden abbauen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die wechselseitige Anerkennung von Fortbildungsveranstaltungen zwischen den Kammern funktioniert nur, wenn vergleichbare Anforderungen bestehen. Bayern fällt hier aus dem System. Wer bei einem Kammerwechsel nach Bayern kommt, findet eine ungeregelte Situation vor. Wer Bayern verlässt, muss unter Umständen Nachweise erbringen, die im Freistaat nie verlangt wurden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die verpasste Chance der Qualitätssicherung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Zertifikatssystem der abgelehnten Ordnung hätte Bauherrinnen und Bauherren ein Signal gegeben. Wer ein zertifiziertes Kammermitglied beauftragt, kann davon ausgehen, dass diese Person ihre Fortbildungspflicht dokumentiert erfüllt. Dieses Vertrauenselement fällt nun weg. Die Kammer verzichtet auf ein Instrument der Qualitätssicherung, das anderen Berufskammern selbstverständlich ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Verhältnismäßigkeitsprüfung nach EU Richtlinie 2018/958, die vor der Abstimmung durchgeführt wurde, kam zu einem eindeutigen Ergebnis: Die Fortbildungsordnung ist gerechtfertigt, notwendig und verhältnismäßig. Sie dient dem Verbraucherschutz, der öffentlichen Sicherheit und dem Natur und Umweltschutz. Sie beschränkt weder den Berufszugang noch die Berufsausübung unverhältnismäßig. Die eingegangenen Stellungnahmen der Mitglieder brachten kaum neue Argumente.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Berufsstand zwischen Tradition und Moderne</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung der bayerischen Vertreterversammlung offenbart einen Riss innerhalb des Berufsstands. Auf der einen Seite stehen diejenigen, die lebenslanges Lernen als Selbstverständlichkeit betrachten und keine externe Kontrolle benötigen. Auf der anderen Seite stehen jene, die formalisierte Standards als Zeichen von Professionalität verstehen. Beide Positionen haben ihre Berechtigung. Doch in einer Zeit, in der Baukultur, Klimaschutz und Digitalisierung den Berufsalltag fundamental verändern, wirkt das Beharren auf Selbstregulation anachronistisch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bayerische Architektenkammer wird nun einen eigenen Weg finden müssen, die gesetzliche Fortbildungspflicht ihrer Mitglieder zu begleiten, ohne sie zu kontrollieren. Die Akademie für Fort und Weiterbildung wird weiterhin Seminare, Workshops und Lehrgänge anbieten. Die Teilnahme bleibt freiwillig im Sinne einer Selbstverpflichtung ohne Nachweis. Ob das reicht, um den Qualitätsstandard des Berufsstands langfristig zu sichern, darf bezweifelt werden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Revision ist vorgezeichnet</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Fortbildungsordnung wird wiederkommen. Die Bundesarchitektenkammer hat die Umsetzung in den Ländern für die kommenden zwei Jahre avisiert. Der gesellschaftliche Druck in Richtung Qualitätssicherung und Verbraucherschutz wird nicht nachlassen. Spätestens wenn andere Bundesländer von Prüfungspflichten für komplexe Bauvorhaben auf nachgewiesene Fortbildung abstellen, wird Bayern nachziehen müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein weiterer Faktor dürfte den Druck zusätzlich erhöhen: die europarechtliche Dimension der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure. Der Europäische Gerichtshof begründete sein Urteil vom 4. Juli 2019, mit dem er die verbindlichen Mindestsätze der HOAI für europarechtswidrig erklärte, mit einer systemischen Inkohärenz: Die Bundesregierung rechtfertigte die Mindestsätze mit Qualitätssicherung und Verbraucherschutz. Der EuGH akzeptierte dieses Ziel als grundsätzlich legitim, monierte jedoch, dass in Deutschland Planungsleistungen faktisch von jedermann erbracht werden können, ohne entsprechende Qualifikation nachzuweisen. Die Bauvorlageberechtigung, so der Gerichtshof, reiche als Qualitätsgarant nicht aus, zumal sie über die sogenannte kleine Bauvorlageberechtigung auf Handwerksmeister wie Maurer, Betonbauer und Zimmerleute ausgeweitet wurde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer also verbindliche Mindestsätze als Qualitätsinstrument wiederherstellen will, muss zunächst die Qualifikationsanforderungen harmonisieren. Alle Bauvorlagenberechtigten müssten vergleichbare Standards erfüllen, was neben der Ausbildung auch eine dokumentierte Fortbildungspflicht einschließt. Bayern entzieht sich mit der Ablehnung einer verbindlichen Fortbildungsordnung genau diesem Harmonisierungsprozess und erschwert damit langfristig die Wiederherstellung eines kohärenten, EU-konformen Honorarsystems für Planungsleistungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bis dahin bleibt der Freistaat ein fortbildungsregulatorischer weißer Fleck auf der Deutschlandkarte. Ein Sonderweg, der niemandem nützt: nicht den Bauherrinnen und Bauherren, nicht dem Berufsstand, nicht der gebauten Umwelt. Die Vertreterversammlung hat eine Chance vertan. Die nächste wird kommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>München gegen die Abrissbirne: Warum die Stadt jetzt auf Umbau setzt</title>
		<link>https://baukunst.art/muenchen-gegen-die-abrissbirne-warum-die-stadt-jetzt-auf-umbau-setzt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2025 14:53:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[bezahlbarer Wohnraum München]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz und Modernisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Umbaukultur München]]></category>
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					<description><![CDATA[<p> München baut um statt ab – doch wo scheitert die ökologische Wende an Denkmalschutz und Rendite?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Münchens stille Revolution: Warum Umbaukultur mehr ist als nur ein Trend – und wo sie an Grenzen stößt</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">München, lange bekannt für seine dynamische Bauwirtschaft und den raschen Abriss alter Bausubstanz, erlebt eine architektonische Wende. Stadtbaurätin Elisabeth Merk setzt seit Jahren auf Umbau statt Neubau – nicht aus Nostalgie, sondern aus ökologischer Notwendigkeit. Die Bauwirtschaft verschlingt weltweit die meisten Ressourcen, und jeder Abriss bedeutet nicht nur Materialverlust, sondern auch CO₂-Ausstoß. Doch wie gelingt der Spagat zwischen Denkmalschutz, bezahlbarem Wohnraum und moderner Architektur? Und wo scheitert die Umbaukultur an politischen, wirtschaftlichen oder historischen Hürden?</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Erfolgreiche Projekte: Wenn aus Alt Neu wird</strong></h3>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">1. DAV-Bundesgeschäftsstelle in Parkstadt Schwabing</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ehemalige Bürogebäude in der Parkstadt Schwabing, heute Sitz des Deutschen Alpenvereins (DAV), ist ein Paradebeispiel für gelungene Revitalisierung. Statt den Betonkern abzureißen, wurde er erhalten, aufgestockt und mit einem Atrium sowie einem Holzgerüst an der Fassade versehen. Das Ergebnis: ein energieeffizientes Gebäude, das weniger Treibhausgase ausstößt und sogar CO₂ langfristig bindet. Besonders bemerkenswert: Die Umbaukosten lagen unter denen eines Neubaus – ein Argument, das auch Investoren überzeugt.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">2. Ehemaliges Bahnausbesserungswerk in Neuaubing</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier entstand aus einer denkmalgeschützten Industriehalle ein High-Tech-Standort für Laserkommunikationssysteme. Die Sanierung bewahrte nicht nur die historische Substanz, sondern schuf auch moderne Arbeitswelten. Die Herausforderung: Denkmalschutz und moderne Nutzung unter einen Hut zu bringen. Das Ergebnis zeigt, dass Umbaukultur nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll sein kann.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">3. Klimaquartier Ramersdorf</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ehrgeizigste Projekt der Münchner Wohnen: Bis Mitte der 2030er Jahre sollen 916 Wohnungen energetisch saniert und modernisiert werden. Durch Aufstockungen entstehen 260 zusätzliche, barrierefreie Wohnungen. Das Ziel ist ein klimaneutrales Quartier, das bezahlbaren Wohnraum schafft und die Lebensqualität erhöht. Der Siegerentwurf eines Wettbewerbs setzt auf Erhalt der Bestandsgebäude und Aufwertung des Freiraums – ein Modell für andere Städte.</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wo die Umbaukultur an Grenzen stößt</strong></h3>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">1. Denkmalschutz vs. Modernisierung</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht jedes Projekt verläuft reibungslos. Das geplante Hochhaus am Mittleren Ring, das auf eine denkmalgeschützte Fabrikhalle aufgesetzt werden sollte, scheiterte an der Stadtgestaltungskommission. Der Grund: Die historische Substanz drohte zur „Manschette“ des Neubaus zu werden. Hier zeigt sich, dass Denkmalschutz nicht nur ästhetische, sondern auch ethische Fragen aufwirft – besonders, wenn Gebäude wie die ehemalige Hesselberger Lederfabrik eine NS-Vergangenheit haben.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">2. Wirtschaftliche Interessen</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotz aller ökologischen Vorteile: Büros bringen höhere Mieteinnahmen als Wohnungen. Die Umwandlung von Büroflächen in Wohnraum stockt daher oft an finanziellen Hürden. Die Stadt versucht gegenzusteuern, etwa mit dem Leitfaden „Office to Housing“, der Investoren Anreize bieten soll. Doch ohne politische Rahmenbedingungen bleibt der Umbau oft die Ausnahme.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">3. Akzeptanz in der Bevölkerung</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während Fachleute die Umbaukultur feiern, stößt sie in der Öffentlichkeit nicht immer auf Begeisterung. Projekte wie das Klimaquartier Ramersdorf zeigen, dass partizipative Planung und transparente Kommunikation entscheidend sind, um Skepsis abzubauen. Ohne die Unterstützung der Mieterinnen und Mieter scheitern selbst die besten Konzepte.</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Münchens Umbaukultur: Ein Vorbild mit Macken</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Elisabeth Merk und ihre Mitstreiter beweisen, dass Umbaukultur funktioniert – technisch, ökologisch und oft auch wirtschaftlich. Doch der Weg ist steinig: Denkmalschutz, Investoreninteressen und politische Rahmenbedingungen müssen im Einklang stehen. München zeigt, dass die Wende möglich ist, aber nur, wenn alle Akteure an einem Strang ziehen. Die Frage bleibt: Wird die Umbaukultur zum Standard – oder bleibt sie ein Nischenthema für engagierte Pioniere?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<item>
		<title>Augsburger Staatstheater: Ein Bauprojekt zwischen Tradition und moderner Architektur</title>
		<link>https://baukunst.art/augsburger-staatstheater-ein-bauprojekt-zwischen-tradition-und-moderner-architektur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2025 14:33:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[regionale Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Staatstheater Augsburg]]></category>
		<category><![CDATA[Theatersanierung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p> Augsburgs Staatstheater wird zum teuren Experiment: Zwischen Tradition, Moderne und Kostenexplosion entsteht ein neues Kulturzeichen – doch nicht ohne Widerspruch.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/augsburger-staatstheater-ein-bauprojekt-zwischen-tradition-und-moderner-architektur/">Augsburger Staatstheater: Ein Bauprojekt zwischen Tradition und moderner Architektur</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Staatstheater Augsburg: Zwischen Denkmalschutz und Kostenexplosion</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Bauprojekt als Spiegel regionaler Herausforderungen</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Augsburger Staatstheater, 1878 von den Wiener Architekten Fellner und Helmer erbaut und nach Kriegszerstörungen in den 1950er Jahren wiederaufgebaut, steht erneut im Fokus der Öffentlichkeit. Doch diesmal geht es nicht um historische Reminiszenzen, sondern um eine der umstrittensten Sanierungen der jüngeren bayerischen Baugeschichte. Mit einem aktuellen Kostenrahmen von über 417 Millionen Euro – ursprünglich waren 186 Millionen veranschlagt – und einer Fertigstellung erst 2030, zeigt das Projekt, wie regionale Baukultur, politische Verantwortung und wirtschaftliche Realitäten kollidieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Von der Vision zur Baustelle: Planungswirren und Architekturenwechsel</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sanierung des denkmalgeschützten Großen Hauses und der Neubau des Kleinen Hauses sowie eines Betriebsgebäudes sollten das Theater in die Zukunft führen. Doch der Weg dorthin war von Turbulenzen geprägt: Nach jahrelangen Verzögerungen und Streitigkeiten um Honorare und Planungskompetenzen beendete die Stadt Augsburg 2025 die Zusammenarbeit mit dem Münchner Architekturbüro Achatz, das zuvor für die Sanierung der Münchner Kammerspiele verantwortlich war. Die Gründe bleiben im Dunkeln, doch die Folgen sind sichtbar: Ein neues Planungsteam unter der Leitung des Büros HENN übernahm die Verantwortung – mit dem Auftrag, das Projekt „im Kostenrahmen und zeitgerecht“ zu vollenden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">HENNs Entwurf setzt auf eine halbtransparente Glasfassade, die sich wie ein Theatervorhang um das Kleine Haus legt. Das Material: recyceltes Glas aus der Region, das tagsüber das Innenleben des Theaters erahnen lässt und nachts als leuchtende Kulturbühne wirkt. Doch nicht alle sind begeistert. Kritiker bemängeln, die Fassade wirke „hässlich oder billig“ und sei schwer lesbar. Befürworter hingegen loben die moderne, offene Gestaltung, die Tradition und Innovation verbindet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kosten, Kritik und kulturelle Strahlkraft</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kostenexplosion – von 186 auf über 417 Millionen Euro – sorgt für Unmut. Der Bund der Steuerzahler spricht von einem „Fass ohne Boden“ und warnt vor weiteren Verzögerungen, die Millionen verschlingen. Doch die Stadt Augsburg betont die Notwendigkeit des Projekts: Das Theater sei ein „wichtiger Standortfaktor“ und trage zur Stadtentwicklung bei. Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) sieht in der Sanierung eine Chance, die kulturelle Identität Augsburgs zu stärken – trotz der finanziellen Bürde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Regionale Besonderheiten: Denkmalschutz, Materialien und Akteure</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sanierung des Staatstheaters ist ein Paradebeispiel für die Herausforderungen regionaler Baukultur. Der denkmalgeschützte Bestand erfordert sensible Lösungen, die historische Substanz und moderne Anforderungen vereinen. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie lokale Netzwerke und politische Entscheidungen den Bauprozess prägen. Die Zusammenarbeit mit regionalen Handwerksbetrieben und die Nutzung nachhaltiger Materialien wie recyceltem Glas unterstreichen den Anspruch, ein „europäisches Kulturgebäude“ zu schaffen, das der Metropole Augsburg gerecht wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit: Ein Theaterbau als Labor für die Zukunft</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Augsburger Staatstheater wird mehr als ein Gebäude: Es ist ein Labor für den Umgang mit historischem Erbe, finanziellen Grenzen und architektonischen Visionen. Ob die Sanierung am Ende als Erfolg oder als Mahnmal für Planungsfehler in Erinnerung bleibt, hängt nicht nur von der Architektur ab, sondern auch davon, wie die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger mit den Herausforderungen umgehen. Eines ist sicher: Das Projekt wird noch lange für Gesprächsstoff sorgen – auf und hinter der Bühne.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/augsburger-staatstheater-ein-bauprojekt-zwischen-tradition-und-moderner-architektur/">Augsburger Staatstheater: Ein Bauprojekt zwischen Tradition und moderner Architektur</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wie die Königsklasse des Bauens den Freistaat prägt</title>
		<link>https://baukunst.art/wie-die-koenigsklasse-des-bauens-den-freistaat-praegt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 08:48:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltige Architektur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13673</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Preis „Bauen im Bestand" 2025 zeigt: Bayern transformiert seine Architekturlandschaft durch intelligentes Umdenken. Würzburg gewinnt den Staatspreis – ein Signal für nachhaltiges Bauen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wie-die-koenigsklasse-des-bauens-den-freistaat-praegt/">Wie die Königsklasse des Bauens den Freistaat prägt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Renaissance der Bausubstanz</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer Bayern als Freistaat der glänzenden Neubauten wahrnimmt, täuscht sich fundamental. Die dritte Auflage des Preises „Bauen im Bestand 2025&#8243; offenbart eine architektonische Strategie, die bayernweit längst in den Handschriften ambitionierter Planerinnen und Planer geschrieben steht: Umbauen statt Abreißen, Transformation statt Tabula rasa. Der soeben verliehene Staatspreis für das Mozartareal in Würzburg ist dabei weniger eine Auszeichnung für Einzelleistung als vielmehr ein Manifest für eine Umbaukultur, die Bayern als Leitmacht etablieren könnte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern besitzt eine architektonische Gemengelage, die anderswo Neid weckt. Von den gründerzeitlichen Wohnquartieren Münchens über die industriellen Gutachterstädte Nürnbergs bis zu den kleinen, feinen Ensembles fränkischer und oberpfälzer Ortskerne – der Bestand ist nicht bloß Material, sondern kulturelle Erbschaft. Und genau hier setzt der aktuelle Preis an: Er erklärt die Bewahrung und intelligente Weiterentwicklung dieser Substanz zur Königsklasse der Baukunst.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Würzburg als Modell: Das Mozartareal</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Würzburger Entscheidung ist dabei alles andere als Sentimentalität. Das Hufeisen-Ensemble auf dem Mozartareal – ursprünglich eine Schulanlage der Nachkriegsjahrzehnte – wurde nicht musealisiert, sondern vitalisiert. Die Stadt Würzburg hätte die bequemere, profitablere Variante wählen können: Eine Shopping-Mall statt einer Schule, Konsum statt Konflikt mit Denkmalschutz. Die Architekten Grellmann Kriebel Teichmann &amp; Partner Architekten (Würzburg) erfassten indes die genuine Qualität des Bestandsbaus: die Großzügigkeit der Raumfolgen, die Qualität der Orientierungsfähigkeit durch Klarheit der Form, die Eignung als öffentlicher Ort.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Transformation ist kein lokales Phänomen. Sie offenbart etwas Grundsätzliches über die Handlungsfähigkeit in bayerischen Stadträten: Während bundesweit die Fachwerkhütte zur Spekulationsmasse wird, bewies Würzburg, dass Kultur und Wirtschaftlichkeit keine Antagonisten sein müssen. Das Mozartareal wurde zur lebendigen Schule; es blieb im städtischen Diskurs präsent statt in den Aktenschränken zu verschwinden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bayern als Versuchslabor für Baukultur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Blick auf die insgesamt 13 nominierten Projekte und die 68 Einreichungen aus Bayern belegt: Der Freistaat ist längst ein Laboratorium intelligenter Bestandstransformation geworden. Das Diözesanmuseum Freising – eine Umgestaltung eines Ursprungsgebäudes vor 1900 durch das Büro Brückner &amp; Brückner Architekten (Tirschenreuth/Würzburg) – zeigt, wie aus dem katholischen Knabenseminar ein lichtdurchfluteter Kunst-Tempel wird. Es ist Transformation als Emanzipation: Das Gebäude bekommt seine nächste Aufgabe, wächst in neue gesellschaftliche Funktionen hinein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gasteig HP8 in München wiederum beweist, dass auch Großstadtprojekte im mittleren siebenstelligen Investitionsbereich nicht an ihrer Bestandstragik scheitern müssen. Das Hamburger Büro gmp (von Gerkan, Marg und Partner) schuf aus einer Industriehalle an der Isar einen „backsteinernen Kultur-Leuchtturm&#8220; – wie Staatsminister Markus Blume ausdrücklich bemerkte. Ein Projekt, das die ganze Ambivalenz der modernen bayerischen Architekturpolitik offenbart: Kultur statt Rendite, ökologische Gesinnung statt Flächenversiegelung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeitsbonus: Bayern als Klimavorreiter</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Klimaschutz- und Energiewende-Debatte wird vielerorts abstraktisiert. Bayern zeigt in der Bestandstransformation ein Phänomen: Das Umbauen ist nicht bloß ästhetische Preference, sondern ökologische Notwendigkeit. Jedes Gebäude, das bewahrt statt abgerissen wird, spart die sogenannte graue Energie – jenen enormen CO2-Rucksack, den jeder Neubau mit sich trägt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bayerische Architektenkammer, der Freistaat und die Bundesstiftung Baukultur haben diesen Nexus längst erfasst: Das Umbauen ist nicht Nostalgie, sondern Klimapolitik mit Architekturstift. Lydia Haack, Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer, formulierte es präzise: „Bauen im Bestand ist eine der größten kulturellen, ökologischen und gesellschaftlichen Aufgaben unserer Zeit.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Besonderheiten: Bayern zwischen Tradition und Moderne</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern hat bei dieser Transformation strukturelle Vorteile. Die dezentrale Struktur des Freistaates – Franken, Oberbayern, Schwaben – erzeugt eine Vielfalt lokaler Baukulturen. Es gibt keine monolithische „bayerische Architektur&#8220;, sondern regionale Dialekte: die Ziegelbauweise Unterfrankens, die Alpenarchitektur Südbayerns, die Industriekultur der Nürnberger Gutachterstädte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eben dieser Reichtum wird im Preis „Bauen im Bestand&#8220; sichtbar: Das Schloss Geltolfing in Aiterhouten, die neue Ortsmitte MittenIM in Niederwerrn (Schwaben), der document Kepler in Regensburg – sie alle zeugen von lokalen Qualitätsansprüchen, die nicht unter der Betongarmatur des bundeseinheitlichen Standards verschwinden. Das ist nicht regionale Folklore, sondern Beweis dafür, dass Ortsgebundenheit und Exzellenz zusammengehen können.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Schattenseite: Fragmente statt Flächenbelegung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritisch angemerkt: Der Preis würdigt Einzelprojekte, nicht Flächenstrategien. Bayern hat Tausende von Gebäuden, deren Zukunft ungewiss ist. Die großen Brachflächentransformationen – etwa die Konversion von Kasernen oder Fabrikareal – bleiben oft hinter ihren Potenzialen zurück. Der Bestand ist kein Problem, das mit drei Preisen gelöst wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dennoch: Der symbolische Zuschlag an Würzburg, an Freising, an München signalisiert etwas Grundsätzliches über die Selbstverständigung eines Bundeslandes. Bayern positioniert sich nicht als Abreißrepublik, sondern als Transformationspionier. Das ist baukulturpolitisch relevant.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Intelligenz statt Improvisation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Preisträgerinnen und Preisträger des Jahres 2025 zeigen: Bauen im Bestand ist die Kunstform jener Architektur, die nicht einfach baut, sondern denkt. Bayern hat damit eine Chance, sich als Freistaat zu profilieren, der Nachhaltigkeit nicht als Marketing-Slogan missbraucht, sondern als architektonisches Handwerksprinzip verankert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Mozartareal in Würzburg, die Architekturpreise und die 194 Einreichungen sind nicht bloß Meldungen für Fachjournalistinnen und Fachzeitschriften. Sie sind Indikatoren für eine Gesellschaft, die verstanden hat: Bauen bedeutet nicht, die Welt zu erneuern, sondern sie intelligent weiterzuentwickeln. Bayern macht das vor.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wie-die-koenigsklasse-des-bauens-den-freistaat-praegt/">Wie die Königsklasse des Bauens den Freistaat prägt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Geheimplan oder Geschäftstätigkeit? Wie ein Investor Münchens Kultstätten aufkauft</title>
		<link>https://baukunst.art/geheimplan-oder-geschaeftstaetigkeit-wie-ein-investor-muenchens-kultstaetten-aufkauft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 08:34:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[#Münchner Innenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Immobilienentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>München erlebt einen ungewöhnlichen Immobilien-Moment: Ein Investor kauft Kultstätten der Innenstadt mit überraschender Geschwindigkeit auf. Die Architekturszene rätselt über die Strategie – und das Potenzial für eine Stadtentwicklung im Wandel.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/geheimplan-oder-geschaeftstaetigkeit-wie-ein-investor-muenchens-kultstaetten-aufkauft/">Geheimplan oder Geschäftstätigkeit? Wie ein Investor Münchens Kultstätten aufkauft</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Phantom mit klarem Plan: Wie Erich Schwaiger Münchens Innenstadt umgestaltet</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Münchner Innenstadt erlebt derzeit ein ungewöhnliches Phänomen: Ein Investor kauft mit bemerkenswerter Geschwindigkeit Immobilien in bester Lage auf. Erich Schwaiger, bekannt aus dem Südpark-Projekt Obersendling, bricht Anfang Oktober 2025 auf zum Einkauftour durch die Fußgängerzone. Hirmer, Sport Schuster, Kaut-Bullinger – Marken, die für Generationen Münchnerinnen und Münchner über Jahrzehnte prägten. Für Immobilienmaklerin und -makler ist es ein rätselhaftes Muster. Für die Stadt ein Moment der Neuausrichtung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was zunächst wirkt wie die Sammelleidenschaft eines wohlhabenden Investors, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als strategisches Immobilien-Mosaik. Schwaiger, der bereits Erfahrungen mit großflächigen Entwicklungen hat, konzentriert sich nicht auf periphere Lagen oder Lückenbauplätze. Er zielt auf die traditionsreiche Kernzone ab – dort, wo die großen Namen des Münchner Einzelhandels ihre Wurzeln haben.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Strategie dahinter</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Rapidität der Transaktionen überraschte Immobilienexperten. Innerhalb weniger Tage realisiert Schwaiger mehrere Käufe von Leuchtturm-Immobilien. Das ist kein Zufall, sondern deutet auf eine vorbereitete Akquisitionsstrategie hin. Die Branche munkelt: Was plant ein Investor mit diesen Kultorten? Eine klassische Neunutzung unter bestehender Fassade? Ein radikales Nutzungskonzept?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Alte Akademie in der Fußgängerzone rückt dabei in besonderes Augenmerk. Diese Ruine – hinterlassen von René Benkos Signa-Imperiums – ist längst ein urbaner Wundpunkt geworden. Oberbürgermeister Dieter Reiter spricht vom „Schandfleck mitten im Herzen der Fußgängerzone&#8220;. Hier konkurriert Schwaiger mit etablierten Playern wie der Heinz Hermann Thiele Familienstiftung und der Hammer AG. Ein ehemaliger CSU-Oberbürgermeister-Kandidat tritt ebenfalls in Erscheinung – die Alte Akademie ist offenbar ein Preis-Objekt geworden, um das mehrere Konzepte ringen.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das regional-planerische Rätsel</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bei dieser Entwicklung aus architektonischer Perspektive besonders interessiert: Folgt Schwaiger einem übergreifenden Leitbild? Oder sind es Opportunitätskäufe im Kontext einer generellen Neubewertung innerstädtischer Flächen?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern und München speziell erleben ein urbanes Umdenken. Die klassischen Einzelhandelsflächen, jahrzehntelang Garant für funktionsfähige Fußgängerzonen, verlieren ihre Exklusivität. Onlinehandel, veränderte Konsumgewohnheiten, nachlassende Frequenzen in urbanen Zentren – die Symptome sind diagnosziziert. Die Therapie aber bleibt unklar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schwaiger könnte Vorbote einer neuen Epoche sein. Nicht die Tertiarisierung alter Einzelhandelsflächen (wie in vielen deutschen Innenstädten üblich), sondern deren Transformation in flexible, multifunktionale Areale. Mixed-Use-Konzepte mit Büro, Wohnen, experimentelle Kultur- und Kreativräume – München hätte durchaus Kapazität für solche Experimente.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Baurechtliche und kulturelle Komplexitäten</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Allerdings: München ist nicht beliebig. Die Landeshauptstadt Bayerns unterliegt – wie alle bayerischen Gemeinden – spezifischen Vorgaben der Bayerischen Bauordnung (BayBO). Neue Nutzungen in der historischen Altstadt erfordern Abwägung mit Denkmalschutzinteressen, Gestaltungsbeiräten, und städtebaulichen Qualitätsstandards. Die Stadt verfügt über einen renommierten Gestaltungsbeirat. Architektonisch versiertheit ist eine Voraussetzung, nicht eine Option.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was Schwaiger vorhätte – und hier liegt die Kernfrage der Branche – muss sich nicht nur planungsrechtlich, sondern auch kulturell mit Münchens Selbstverständnis auseinandersetzen. Die Innenstadt ist nicht Spielfeld für beliebige Kapitalverwertung, sondern historisch gewachsener Raum mit eigenem Charakter. Die Alte Akademie etwa – wann immer sie reaktiviert wird – wird an ihrer Geschichte gemessen: Ein Ort von kulturellem Gewicht, einstmals Sitz der Kunstakademie, später Münchner kulturelle Institution.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Freistaat in der Verantwortung</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessanterweise droht Schwaiger im Kontext der Alten Akademie mit rechtlichen Schritten gegen den Freistaat Bayern. Das ist ein signaler Moment: Ein privater Investor, der einen öffentlichen Träger in die juristische Defensive treibt. Hier vermischt sich Privateigentum mit öffentlichem Anspruch. Bayern – als Freistaat – muss sich Fragen gefallen lassen: Wie lange lässt man Kulturgüter unbespielt? Welche Verantwortung trägt der öffentliche Sektor?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist keine rein architektonische, sondern auch eine politische Frage. Und sie deutet auf eine generelle Neubewertung hin: Der Privatsektor könnte künftig auch in Münchens Zentrum stärker gestaltend eingreifen.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick und Chancen</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eines ist klar: Schwaiger ist kein anonymer Finanzinvestor. Er hat Ortskenntnis, baut Erfahrung mit komplexen Projekten. Das Südpark-Projekt in Obersendling – ein ehemaliges Industrie-Areal – zeigt: Der Mann kann überzeugend umdenken. Urbane Transformation ist sein Metier.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Schwaiger also die klassischen Einzelhandelsflächen Münchens umgestaltet, könnte das die Innenstadt in eine andere Zukunft führen – weniger Konsum-orientiert, möglicherweise experimenteller, offener für neue urbane Mischformen. Oder aber es werden am Ende klassisch Luxus-Wohnungen daraus – die Variante ohne städtebauliche Innovation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Münchner Stadtplanerin und der Stadtplaner sollten genauer hinschauen. Wir alle sollten es. Denn was hier entsteht, könnte exemplarisch sein: Für die Frage, wie Innenstädte überhaupt noch funktionieren können. Und wer die Verantwortung dafür trägt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/geheimplan-oder-geschaeftstaetigkeit-wie-ein-investor-muenchens-kultstaetten-aufkauft/">Geheimplan oder Geschäftstätigkeit? Wie ein Investor Münchens Kultstätten aufkauft</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Das Mainberg-Dilemma: Zur prekären Lage privater Denkmaleigentümer in Bayern</title>
		<link>https://baukunst.art/das-mainberg-dilemma-zur-prekaeren-lage-privater-denkmaleigentuemer-in-bayern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Sep 2025 09:52:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Schloss Mainberg]]></category>
		<category><![CDATA[Unterfranken]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das "fränkische Neuschwanstein" kämpft ums Überleben – Schloss Mainberg steht zum Verkauf, während Bayern über die Zukunft seiner Denkmäler debattiert.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-mainberg-dilemma-zur-prekaeren-lage-privater-denkmaleigentuemer-in-bayern/">Das Mainberg-Dilemma: Zur prekären Lage privater Denkmaleigentümer in Bayern</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Kann sich Bayern seine Denkmäler noch leisten? Ein Beispiel aus Schonungen</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Rettungsversuch und Resignation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Majestätisch thront Schloss Mainberg über dem Main. Doch der märchenhafte Eindruck täuscht. Die 800 Jahre alte Anlage, einst Geburtsort des Jet-Set-Fotografen Gunter Sachs, verkörpert exemplarisch das Dilemma der bayerischen Denkmalpolitik. Seit April 2025 steht das Schloss für drei Millionen Euro zum Verkauf – ein verzweifelter Versuch, das bauhistorische Juwel vor dem endgültigen Verfall zu bewahren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. 32 Millionen Euro jährlich stellt der bayerische Entschädigungsfonds für Denkmäler bereit, finanziert je zur Hälfte von Freistaat und Kommunen. Eine Summe, die angesichts von rund 115.000 Baudenkmälern im Freistaat wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirkt. Pro Denkmal stehen rechnerisch gerade einmal 280 Euro zur Verfügung – nicht einmal genug für eine fachgerechte Begutachtung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Schloss Mainberg: Paradigma einer verfehlten Strategie</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall Schonungen illustriert die Misere eindrücklich. Nach langem Kampf hat der Freistaat gerade 700.000 Euro zugesagt, um das Schloss in Privatbesitz wenigstens vorm gröbsten Verfall zu bewahren. Eine Notmaßnahme, mehr nicht. Bürgermeister Stefan Rottmann bringt die Problematik auf den Punkt: &#8222;Da sich zudem der Berg insgesamt bewegt, ist das Schloss in Gefahr&#8220;. Die geologischen Herausforderungen verschärfen eine ohnehin prekäre Situation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die historistisch-spätromantische Innenausstattung des Schlosses, zwischen 1915 und 1920 von Franz Rank für den Industriellen Ernst Sachs geschaffen, gilt als einzigartiges Gesamtkunstwerk dieser Epoche in Bayern. 28 Zimmer, ein Rittersaal mit Orgel, kunstvolle Fresken – all das droht verloren zu gehen. Die aktuelle Eigentümerin Renate Ludwig kann die Erhaltungskosten nicht stemmen. Ihre Preisvorstellung von ursprünglich fünf Millionen Euro musste sie bereits auf drei Millionen reduzieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Strukturelle Defizite der bayerischen Denkmalförderung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Probleme sind systemisch. Zur Festlegung der Art sowie Höhe der Zuwendung erfolgt in jedem Einzelfall eine auf die individuellen finanziellen Verhältnisse des jeweiligen Eigentümers abgestimmte Zumutbarkeitsprüfung. Dieses bürokratische Verfahren verzögert dringend notwendige Rettungsmaßnahmen oft um Jahre. Währenddessen schreitet der Verfall unaufhaltsam voran.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Förderstrukturen selbst sind ein Flickenteppich aus Bundes-, Landes- und kommunalen Programmen, ergänzt durch private Stiftungen. Bis einschließlich 2024 wurden zwölf Denkmalschutz-Sonderprogramme mit einem Gesamtvolumen von rund 547 Millionen Euro umgesetzt – bundesweit wohlgemerkt, nicht nur für Bayern. Die Konkurrenz um diese Mittel ist entsprechend hart.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Besonderheiten verschärfen die Krise</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Unterfranken steht vor besonderen Herausforderungen. Die Region verfügt über eine außergewöhnlich hohe Denkmalsdichte, von mittelalterlichen Stadtkernen bis zu barocken Residenzen. Gleichzeitig fehlen oft die wirtschaftsstarken Investorinnen und Investoren, die in prosperierenden Metropolregionen Denkmäler als Prestigeobjekte erwerben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die lokalen Bauordnungen und denkmalpflegerischen Auflagen schaffen zusätzliche Hürden. Gefördert werden die reinen denkmalpflegerischen Mehraufwendungen, heißt es in den Förderrichtlinien. Doch diese Mehrkosten können schnell astronomische Höhen erreichen, besonders wenn historische Handwerkstechniken und Materialien zum Einsatz kommen müssen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Innovative Ansätze und Modellprojekte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hoffnung machen vereinzelte Erfolgsgeschichten. Das Forschungsprojekt &#8222;GreenHeritage 360°&#8220; etwa erprobt in Augsburg klimafreundliche Revitalisierungsstrategien für denkmalgeschützte Infrastrukturbauten. Solche Ansätze könnten Blaupausen für die Zukunft liefern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch die Idee regionaler Netzwerke gewinnt an Bedeutung. Fördervereine, Bürgerinitiativen und lokale Unternehmen schließen sich zusammen, um &#8222;ihre&#8220; Denkmäler zu retten. Der Förderverein Schloss Mainberg kämpft seit Jahren für den Erhalt der Anlage – bislang mit überschaubarem Erfolg.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zeit für einen Paradigmenwechsel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Historiker Thomas Horling kritisiert die bayerische Fokussierung auf Feudal- und Monarchiegeschichte. Andernorts werde das Leben früherer Industriebarone längst touristisch präsentiert, argumentiert er. Die Geschichte der Industriellenfamilien Sattler und Sachs auf Schloss Mainberg böte enormes touristisches Potenzial – wenn man es denn zu nutzen wüsste.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Forderung nach einer Übernahme problematischer Denkmäler in Staatsbesitz wird lauter. Eine Möglichkeit wäre es, Schloss Mainberg in das Eigentum des Freistaats zu überführen, schlägt die grüne Landtagsabgeordnete Rosi Steinberger vor. Ein runder Tisch mit allen Beteiligten könnte Perspektiven entwickeln.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Handeln, bevor es zu spät ist</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern steht an einem Scheideweg. Entweder gelingt es, die Denkmalförderung grundlegend zu reformieren und finanziell deutlich besser auszustatten, oder der Freistaat wird einen erheblichen Teil seines baukulturellen Erbes verlieren. Über 1 Milliarde Euro aus dem Entschädigungsfonds konnten bisher landesweit für Denkmalsanierungen zur Verfügung gestellt werden, mit einem geschätzten Sanierungsvolumen von vier Milliarden Euro. Diese Zahlen zeigen: Denkmalschutz ist auch ein Wirtschaftsfaktor.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall Schloss Mainberg mahnt zum Handeln. 30 Jahre früher hätte die Rettung günstiger sein können, wie das Denkmalnetz Bayern anmerkt. Jetzt braucht es mutige Entscheidungen – und vor allem: ausreichende Mittel. Sonst wird aus dem &#8222;fränkischen Neuschwanstein&#8220; bald eine malerische Ruine. Ein Schicksal, das viele weitere bayerische Denkmäler teilen könnten.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-mainberg-dilemma-zur-prekaeren-lage-privater-denkmaleigentuemer-in-bayern/">Das Mainberg-Dilemma: Zur prekären Lage privater Denkmaleigentümer in Bayern</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Herzog &#038; de Meurons Milliardenquartier: Wie Münchens Bahnhofsviertel seine Schmuddelecken-Image loswerden will</title>
		<link>https://baukunst.art/herzog-de-meurons-milliardenquartier-wie-muenchens-bahnhofsviertel-seine-schmuddelecken-image-loswerden-will/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Sep 2025 13:14:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[München-Bahnhofsviertel]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltige Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Quartiersentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Münchens größtes Innenstadtprojekt THE VERSE transformiert das Bahnhofsviertel. Herzog &#038; de Meuron schaffen ein Quartier zwischen bayerischer Bautradition und internationalem Anspruch.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">THE VERSE: Münchens Bahnhofsviertel zwischen Verdichtung und Verheißung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Münchner Bahnhofsviertel hat schon vieles gesehen: Gründerzeitlichen Glanz, kriegsbedingte Zerstörung, zwielichtige Rotlichtromantik und nun die nächste Metamorphose. Mit THE VERSE entsteht hier bis 2027 ein Quartier, das exemplarisch für die Herausforderungen bayerischer Stadtentwicklung steht. Herzog &amp; de Meuron interpretieren dabei nicht nur ein schwieriges Grundstück neu, sondern navigieren geschickt durch die Untiefen der Bayerischen Bauordnung und münchnerischer Planungskultur.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Hauptbahnhof und Theresienwiese: Ein Standort im Spannungsfeld</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Areal zwischen Bayer-, Schwanthaler-, Paul-Heyse- und Mittererstraße liegt im Epizentrum städtebaulicher Umbrüche. Die Nähe zum derzeit komplett neugestalteten Hauptbahnhof macht das Quartier zum Gravitationszentrum der sich wandelnden Münchner Innenstadt. Was die Entwicklerinnen und Entwickler von ACCUMULATA gemeinsam mit Oaktree Capital Management hier realisieren, folgt einer spezifisch münchnerischen Logik: maximale Verdichtung bei gleichzeitiger Schaffung von Aufenthaltsqualität – ein Balanceakt, den die Stadtgestaltungskommission mit Argusaugen beobachtet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die bayerische Landeshauptstadt ringt seit Jahren mit ihrer eigenen Attraktivität. Der Zuzugsdruck, die astronomischen Grundstückspreise und die restriktive Höhenbegrenzung der Münchner Bauordnung zwingen Planerinnen und Planer zu kreativen Lösungen. THE VERSE nutzt diese Zwänge produktiv: Mit über 70.000 Quadratmetern Mietfläche auf einem verhältnismäßig kompakten Grundstück entsteht hier eine der größten Innenstadtentwicklungen Münchens – bei einer Höhe von gerade einmal 30 Metern.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Grüne Lunge statt graue Energie: Der Nachhaltigkeitsansatz</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Robert Hösl, Partner bei Herzog &amp; de Meuron, spricht von einer &#8222;Verfeinerung des nachhaltigen Konzepts&#8220;. Dahinter verbirgt sich mehr als übliche Architektenprosa. Der Teilerhalt des Bestandsrohbaus bis zum dritten Obergeschoss spart nicht nur graue Energie, sondern ist auch eine Verneigung vor der Münchner Tradition des behutsamen Stadtumbaus. Die Bayerische Bauordnung mit ihren spezifischen Anforderungen an Brandschutz und Statik macht solche Bestandsintegrationenn zur Herkulesaufgabe – umso bemerkenswerter ist deren konsequente Umsetzung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die 2.700 Quadratmeter große parkähnliche Oase im Inneren des Quartiers folgt einer typisch süddeutschen Tradition: der Schaffung halböffentlicher Rückzugsräume im verdichteten urbanen Kontext. Anders als in Berlin oder Hamburg, wo Blockrandbebauungen oft hermetisch abgeschlossen bleiben, öffnet sich THE VERSE bewusst zum Viertel. Die Passagen, die Herzog &amp; de Meuron zwischen den Straßenzügen und den Innenhöfen spannen, erinnern an die historischen Durchgänge der Münchner Altstadt – neu interpretiert und klimatisch optimiert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Dachlandschaft als urbanes Statement</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was sich in luftiger Höhe über dem Bahnhofsviertel entwickelt, könnte wegweisend für die bayerische Baukultur werden. Mit über 2.000 Quadratmetern nutzbarer Dachterrassenfläche entsteht eine der ambitioniertesten Dachlandschaften der Stadt. Laufbahnen, Fitnessflächen und sogar ein Padel-Court in 30 Metern Höhe – das klingt nach Silicon Valley, funktioniert aber auch im konservativen München. Die Stadtgestaltungskommission, sonst eher für ihre Skepsis gegenüber allzu progressiven Ideen bekannt, hat diese Vision abgesegnet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Entscheidung markiert einen Paradigmenwechsel in der münchnerischen Planungskultur. Während andere bayerische Städte noch über die Aktivierung ihrer Dachflächen diskutieren, schafft München Fakten. Die lokale Architektenkammer Bayern hat in den vergangenen Jahren intensiv für die Nutzung von Dachflächen als &#8222;fünfte Fassade&#8220; geworben – THE VERSE liefert nun ein Leuchtturmprojekt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lokale Akteure, internationale Standards</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zusammenarbeit zwischen dem Schweizer Büro Herzog &amp; de Meuron und den lokalen Projektentwicklern illustriert eine spezifisch süddeutsche Herangehensweise: Weltläufigkeit bei gleichzeitiger Verwurzelung. Markus Diegelmann von ACCUMULATA, ein Münchner Urgestein der Immobilienbranche, und sein Team kennen die Eigenarten des lokalen Marktes. Die Vermietungsstrategie durch Montibus Asset Management folgt einer Multi-Tenant-Logik, die auf die kleinteilige Unternehmensstruktur Münchens zugeschnitten ist – anders als in Frankfurt, wo Großbanken ganze Türme mieten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Riedel Bau AG als ausführendes Bauunternehmen steht exemplarisch für die Leistungsfähigkeit bayerischer Mittelständler. Während andernorts internationale Generalunternehmer dominieren, setzt München auf regionale Expertise. Diese Firmen kennen die Tücken des Münchner Baugrunds, die spezifischen Anforderungen der örtlichen Bauaufsicht und die ungeschriebenen Regeln der lokalen Baukultur.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Bahnhofsviertel als Labor urbaner Transformation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was sich rund um den Münchner Hauptbahnhof entwickelt, ist mehr als eine isolierte Quartiersentwicklung. THE VERSE wird zum Katalysator einer umfassenden Transformation, die das lange vernachlässigte Bahnhofsviertel zum Central Business District aufwertet. Diese Entwicklung folgt keinem Masterplan von oben, sondern einer typisch bayerischen Mischung aus privatwirtschaftlicher Initiative und kommunaler Steuerung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Nähe zur geplanten zweiten S-Bahn-Stammstrecke macht das Quartier zum Mobilitätshub ersten Ranges. Die Münchner Verkehrsgesellschaft plant bereits die Optimierung der Tramlinien, die Landeshauptstadt München arbeitet an einem umfassenden Mobilitätskonzept für das Viertel. THE VERSE profitiert von diesen Planungen, trägt aber auch zur kritischen Masse bei, die solche Infrastrukturinvestitionen rechtfertigt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Leuchtturm und Lehrbeispiel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stefan Schillinger von ACCUMULATA betont, hier entstehe &#8222;keine sterile Bürowelt, sondern ein lebendiges, gemischt genutztes Quartier&#8220;. Diese Aussage ist mehr als Marketing – sie spiegelt einen Paradigmenwechsel in der bayerischen Projektentwicklung. Während in den 1980er und 1990er Jahren monofunktionale Bürotürme das Ideal darstellten, fordert die moderne Stadtplanung Nutzungsmischung. Die Erdgeschosszone mit Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungen folgt dieser Logik konsequent.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Reduzierung der Arkadentiefe entlang der Paul-Heyse-Straße zeigt, wie kleinteilige Optimierungen große Wirkung entfalten können. Solche Details mögen banal erscheinen, prägen aber die Aufenthaltsqualität entscheidend. Die Münchner Stadtgestaltungskommission, bekannt für ihre akribische Detailbetrachtung, hat diese Anpassungen explizit gewürdigt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Ein Modell mit Übertragungspotenzial</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">THE VERSE zeigt, wie moderne Quartiersentwicklung unter bayerischen Rahmenbedingungen funktionieren kann. Die Kombination aus internationalem Architekturniveau, lokaler Bauexpertise und sensibler Einbettung in den städtebaulichen Kontext macht das Projekt zum potentiellen Vorbild für andere bayerische Großstädte. Nürnberg, Augsburg oder Regensburg stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Verdichtung bei Wahrung der Lebensqualität, Aktivierung brachliegender Innenstadtquartiere, Integration nachhaltiger Mobilitätskonzepte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Fertigstellung 2027 wird zeigen, ob die hochgesteckten Erwartungen erfüllt werden. Bis dahin bleibt THE VERSE ein faszinierendes Realexperiment bayerischer Baukultur – mit all seinen Chancen und Risiken. Die Münchner Stadtgesellschaft beobachtet gespannt, ob Herzog &amp; de Meurons Vision aufgeht: Ein Quartier zu schaffen, das nicht nur architektonisch überzeugt, sondern auch sozial funktioniert. In einer Stadt, die zwischen Laptop und Lederhose navigiert, keine leichte Aufgabe.</p>
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		<title>Bayerns Prestigeprojekt wird zum Planungsdebakel</title>
		<link>https://baukunst.art/bayerns-prestigeprojekt-wird-zum-planungsdebakel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Aug 2025 12:13:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Justizzentrum München]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentliche Bauprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Planungsfehler]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13064</guid>

					<description><![CDATA[<p>Bayerns größtes Justizprojekt kämpft mit Planungsfehlern: Das neue Münchner Strafjustizzentrum offenbart, was passiert, wenn Sicherheit und Städtebau kollidieren.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn juristische Präzision auf bauliche Realität trifft – Das neue Münchner Strafjustizzentrum und seine logistischen Tücken</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Leonrodplatz in München entsteht seit 2015 Bayerns größtes Hochbauprojekt: ein modernes Strafjustizzentrum, das alle Strafgerichte und Staatsanwaltschaften der Landeshauptstadt unter einem Dach vereinen soll. Was als architektonisches Ausrufezeichen geplant war, entwickelt sich zunehmend zu einem Lehrstück über die Diskrepanz zwischen ambitionierter Planung und praktischer Umsetzung. Besonders die komplexe Logistik der Gefangenentransporte offenbart dabei die Schwachstellen eines Mammutprojekts, bei dem Sicherheitsanforderungen, städtebauliche Integration und funktionale Notwendigkeiten in einem fragilen Spannungsverhältnis stehen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Innenhöfe als Nadelöhr</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das neue Justizzentrum präsentiert sich nach außen als geschlossener Baukörper mit drei Innenhöfen. Diese architektonisch elegante Lösung soll gleichzeitig mehrere Funktionen erfüllen: Sie trennt verschiedene Nutzungsbereiche, schafft begrünte Aufenthaltsflächen und – hier liegt der neuralgische Punkt – dient teilweise der Anfahrt für Gefangenentransporte. Was auf dem Reißbrett funktional erschien, erweist sich in der Praxis als logistische Herausforderung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Konzeption, sensible Sicherheitsbereiche über Innenhöfe zu erschließen, birgt erhebliche Risiken. Gefangenentransporter benötigen nicht nur ausreichend Wendekreise und Rangierflächen, sondern auch sichere Schleusen- und Übergabebereiche. Die räumliche Enge der Innenhöfe zwingt zu Kompromissen, die weder der Sicherheit noch der Effizienz dienlich sind. Moderne Gefangenentransportfahrzeuge, vom gepanzerten Kleinbus bis zum großen Schubbus mit mehreren Sicherheitszellen, stellen spezifische Anforderungen an die Infrastruktur – Anforderungen, die in der ursprünglichen Planung offenbar unterschätzt wurden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Sicherheit versus Stadtverträglichkeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Standortwahl am Leonrodplatz folgte städtebaulichen Überlegungen: Das neue Quartier sollte sich harmonisch in die urbane Umgebung zwischen Olympiapark und Kreativquartier einfügen. Diese Prämisse kollidiert jedoch mit den spezifischen Sicherheitsanforderungen eines Justizzentrums. Während in Stadelheim unterirdische Verbindungsgänge direkte und sichere Gefangenentransporte ermöglichen, muss am Leonrodplatz improvisiert werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Nähe zur Wohnbebauung schränkt die Möglichkeiten für großzügige Sicherheitszonen ein. Jeder Gefangenentransport wird so zu einem sensiblen Manöver, bei dem Sicherheitsinteressen und Anwohnerbelange ausbalanciert werden müssen. Die ursprünglich als Vorteil gepriesene städtische Integration erweist sich bei genauerer Betrachtung als Planungsfehler, der die Funktionalität des Gebäudes grundlegend beeinträchtigt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kostenexplosion als Symptom</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kostensteigerung von anfänglich 200 Millionen auf mittlerweile fast 400 Millionen Euro ist mehr als eine finanzielle Fehlkalkulation – sie ist Symptom einer mangelhaften Projektsteuerung. Zwar werden Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg als Gründe angeführt, doch die strukturellen Probleme liegen tiefer. Nachträgliche Anpassungen an Sicherheitskonzepte, die Ertüchtigung von Zufahrten und die Integration zusätzlicher technischer Systeme treiben die Kosten in die Höhe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders bitter: Trotz der Verdopplung des Budgets bleiben funktionale Defizite bestehen. Die Staatsanwaltschaft beklagt bereits jetzt fehlende 400 Quadratmeter Nutzfläche. Wenn schon in der Bauphase Kompromisse bei essentiellen Funktionsbereichen gemacht werden müssen, wirft das kein gutes Licht auf die Zukunftsfähigkeit des Gebäudes.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zeitplan als Makulatur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ursprünglich sollte das neue Strafjustizzentrum bereits 2020 in Betrieb gehen. Dann wurde der Termin auf 2023, später auf 2024 verschoben. Aktuell spricht man von 2026 – eine sechsjährige Verzögerung, die nicht nur Millionen verschlingt, sondern auch die Glaubwürdigkeit staatlicher Großprojekte untergräbt. Die maroden Zustände im alten Justizzentrum an der Nymphenburger Straße – von Stromausfällen über defekte Toiletten bis zur bröckelnden Fassade – müssen weitere Jahre ertragen werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die permanenten Verschiebungen offenbaren ein systemisches Problem: Die Komplexität moderner Justizbauten wird in der Planungsphase systematisch unterschätzt. 54 Sitzungssäle, hochmoderne Sicherheitstechnik, die Integration verschiedener Behörden und die spezifischen Anforderungen an Gefangenentransporte – all das erfordert eine Planungstiefe, die offenbar nicht erreicht wurde.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lehren aus dem Debakel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Münchner Strafjustizzentrum reiht sich ein in die lange Liste öffentlicher Bauvorhaben, bei denen Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen. Die Ursachen sind vielfältig: politischer Druck für prestigeträchtige Leuchtturmprojekte, mangelnde Einbindung der späteren Nutzerinnen und Nutzer in die Planungsphase, unterschätzte Komplexität der technischen und logistischen Anforderungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders die Problematik der Gefangenentransporte hätte früher erkannt werden müssen. Ein Justizzentrum ist kein normales Bürogebäude – es ist eine hochsensible Sicherheitsinfrastruktur, bei der jedes Detail stimmen muss. Die Zufahrten für Gefangenentransporte sind dabei kein nachrangiges Detail, sondern essentieller Bestandteil des Sicherheitskonzepts. Wenn hier nachgebessert werden muss, gefährdet das nicht nur den Zeitplan und das Budget, sondern potentiell auch die Sicherheit.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Blick nach vorn</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotz aller Kritik: Das neue Strafjustizzentrum wird kommen, irgendwann. Die Frage ist nur, zu welchem Preis – finanziell wie funktional. Die bayerische Justiz braucht dringend moderne Arbeitsräume, und der Neubau bietet durchaus Chancen: barrierefreie Zugänge, moderne Medientechnik in den Gerichtssälen, energieeffiziente Gebäudetechnik.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch die Pannen und Verzögerungen mahnen zur Demut. Großprojekte dieser Art erfordern eine sorgfältige Planung, die alle Aspekte von Anfang an mitdenkt. Die nachträgliche Korrektur von Planungsfehlern ist nicht nur teuer, sondern oft auch nur bedingt möglich. Die zu engen Zufahrten für Gefangenentransporte mögen sich provisorisch lösen lassen – optimal wird die Situation nie werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Münchner Strafjustizzentrum wird somit zu einem Monument verpasster Chancen. Es hätte ein Vorzeigeprojekt werden können, das zeigt, wie moderne Justizarchitektur Sicherheit, Funktionalität und städtebauliche Qualität verbindet. Stattdessen wird es ein Mahnmal für die Grenzen öffentlicher Planungskompetenz – ein 400-Millionen-Euro-Kompromiss, mit dem Generationen von Richterinnen und Richtern, Staatsanwältinnen und Staatsanwälten sowie Justizangestellten werden leben müssen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/bayerns-prestigeprojekt-wird-zum-planungsdebakel/">Bayerns Prestigeprojekt wird zum Planungsdebakel</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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