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	<title>Bayern | Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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	<title>Bayern | Baukunst</title>
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		<title>Das Ende einer Setzung: DASMAXIMUM in Traunreut schließt nach vierzehn Jahren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 11:33:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[DASMAXIMUM Traunreut]]></category>
		<category><![CDATA[Heiner Friedrich]]></category>
		<category><![CDATA[Privatmuseum]]></category>
		<category><![CDATA[Stiftungsrecht (§§ 80 ff. BGB)]]></category>
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					<description><![CDATA[Nach vierzehn Jahren schließt DASMAXIMUM in Traunreut. Einordnung zur Stiftung Heiner Friedrichs, zu privaten Museen in Deutschland und zur Frage, ob damit ein Kunst-Ort an Gewicht verliert.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>Baukunst.art</strong> / Regionales / April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ende einer Setzung: Warum Heiner Friedrichs Privatmuseum in Traunreut schließt</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Privatmuseum ist eine aus privaten Mitteln errichtete, dauerhaft öffentlich zugängliche Sammlung, deren Fortbestand vom Willen und den Ressourcen einer einzelnen Person oder Familie abhängt. Dieser Satz erklärt, warum in Oberbayern ein Kapitel zu Ende geht: Nach vierzehn Jahren schließt das Museum DASMAXIMUM. KunstGegenwart in Traunreut seine Türen. Das 2010 von Heiner Friedrich errichtete Stiftungshaus, eines der stillsten und zugleich radikalsten Ausstellungsprojekte der Bundesrepublik, beendet den Museumsbetrieb. Die Stiftung richtet sich nach eigenen Angaben konzeptionell neu aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Friedrich, Sohn des Alzmetall-Gründers Harald Friedrich und einer der prägenden Galeristen und Mäzene der zweiten Jahrhunderthälfte, hatte zwischen 2010 und 2011 die ehemaligen Werkshallen des elterlichen Unternehmens, die einst der Produktion des Kleinwagens „Spatz“ gedient hatten, zu einem Ausstellungsort umbauen lassen. Im Juli 2011 öffnete DASMAXIMUM auf rund 4.300 Quadratmetern. Zur Anlage gehörte auch das Altenmarkter Schulhaus aus der Nachkriegszeit, der sogenannte Holzstadel, der wegen seiner kleinen Fenster und seiner Waldlage die vollständige Installation der Lichtarbeit „European Couples“ von Dan Flavin bei Tageslicht erlaubte. Die Sammlung zeigte dauerhaft eingerichtete Werkgruppen von Dan Flavin, Walter De Maria, Andy Warhol, John Chamberlain, Imi Knoebel, Georg Baselitz, Blinky Palermo, Uwe Lausen und Maria Zerres.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum war DASMAXIMUM mehr als ein oberbayerisches Provinzmuseum?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Haus verfolgte ein kuratorisches Prinzip, das in der deutschen Museumslandschaft selten ist. Werkgruppen dauerhaft und unverändert in eigens konzipierten Räumen, ohne wechselnde Sonderausstellungen, ohne rotierende Hängung, ohne Kunstlicht. Die Philosophie, das Kunstwerk ohne jede Interpretation selbst sprechen zu lassen, kehrte damit aus dem amerikanischen Kontext nach Deutschland zurück. Friedrich hatte sie ab 1974 mit der Dia Art Foundation in New York institutionalisiert, mit Räumen, die ausschließlich einem Werk oder einem Künstler gewidmet sind. Architektonisch bedeutete das in Traunreut: keine White-Cube-Neutralität, sondern Hallen, deren industrielle Herkunft ablesbar blieb, mit schlanken Tragwerken, sichtbarem Dachstuhl und Tageslicht als primärer Lichtquelle. Die Traunreuter Setzung stand in einer Reihe mit der Dia Beacon im Hudson Valley, dem „Lightning Field“ Walter De Marias in New Mexico, der Kunstinsel Naoshima in Japan und, näher, dem „Vertikalen Erdkilometer“ Walter De Marias am Friedrichsplatz in Kassel.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vor diesem Hintergrund war die oberbayerische Kleinstadt Traunreut, ein Produkt der Nachkriegsplanung mit rund 21.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, nur scheinbar ein ungewöhnlicher Ort. Friedrich knüpfte an die Biografie seiner Familie und an das industriekulturelle Erbe seines Vaters an. Die Kooperation mit der Pinakothek der Moderne im Rahmen des „American Summer“ 2011, die Nachbarschaft zum Dream House Polling (La Monte Young und Marian Zazeela, Stiftung Klang-Licht-Raum) und die Zusammenarbeit mit Hubert Burda Media zur Ausstellung „Zentrum der Reaktion“ im Jahr 2024 um das Künstlerpaar Uwe Lausen und Heide Stolz zeigten, dass der Ort in ein internationales Netzwerk eingebunden war. Langjährige Vorständin und kuratorische Wegbegleiterin Friedrichs war Dr. Corinna Thierolf, die in der Abschiedserklärung der Stiftung ausdrücklich gewürdigt wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rechtlich und institutionell lag das Museum in einer typischen Konstellation. Träger war die Stiftung DASMAXIMUM, eine rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts nach den §§ 80 ff. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) und dem Bayerischen Stiftungsgesetz (BayStG). Für die in der Sammlung enthaltenen Werke gilt wie für jede bedeutende Privatsammlung das Kulturgutschutzgesetz (KGSG) vom 31. Juli 2016, das die Ausfuhr national wertvollen Kulturguts beschränkt und die Verzeichnung in öffentlichen Listen vorsieht. Beide Rahmen werden bei der Neuausrichtung der Stiftung und bei jeder möglichen Überführung von Werkgruppen eine Rolle spielen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ist die Schließung ein Zeichen für den Niedergang Deutschlands als Kunst-Ort?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage liegt auf der Hand, sie trägt aber zu dick auf. Richtig ist, dass die Schließung ein Verlust ist. Ein Ort, der ohne Eventbetrieb und ohne Ticketmaschine ausgekommen ist, fehlt. Richtig ist auch, dass private Museen in Deutschland strukturell schwächer verankert sind als in Frankreich, wo die Fondation Louis Vuitton, die Bourse de Commerce (Pinault Collection) und die Fondation Cartier in den vergangenen Jahren ganze Stadtviertel neu justiert haben. Das liegt weniger an mangelndem Sammlerwillen als an steuerrechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen, die Mäzenatentum in Frankreich seit der Loi Aillagon von 2003 in einer Weise fördern, die in der Bundesrepublik nicht vergleichbar ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Von einem Niedergang zu sprechen wäre dennoch falsch. Die Sammlung Goetz in München, das Museum Brandhorst, die Sammlung Boros in Berlin, die Feuerle Collection, das Schauwerk Sindelfingen, die Langen Foundation in Neuss, die Sammlung Hurrle in Durbach und die Kunsthalle Weishaupt in Ulm beweisen, dass private Häuser weiterhin getragen werden. Zugleich zeigt der Fall der Sammlung Gerlinger am Buchheim Museum, ebenso wie der Rückzug der Sammlung Essl in Klosterneuburg von 1999 bis 2016, dass die Überführung privater Sammlungen in die nächste Generation die eigentliche Schwachstelle ist. Die Schließung in Traunreut steht in dieser Tradition, nicht in einer Niedergangserzählung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Markus Blume hat öffentlich Hoffnungen auf eine Zukunft der Sammlung geäußert. Die Museumsoffensive der Kulturagenda Bayern, die das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (StMWK) zusammen mit den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen unter der interimistischen Leitung von Anton Biebl betreibt, kennt Formate für die Einbindung privater Bestände. Denkbar wären Dauerleihgaben an die Pinakothek der Moderne, eine Überführung einzelner Werkgruppen in die Sammlung Brandhorst oder eine Kooperation mit der Hamburger Kunsthalle und den Häusern K20 und K21 in Düsseldorf. Ebenso denkbar ist eine Lösung vor Ort, die das ensemblehafte Prinzip der bestehenden Hängung bewahrt, und sei es in reduzierter Form als Außenstelle einer staatlichen Sammlung. Entscheidungen dieser Größenordnung sind jedoch Angelegenheit der Stiftung und ihres Kuratoriums, nicht der staatlichen Hand.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt, ist eine architektonische und kulturgeschichtliche Lehre. Die umgenutzten Werkshallen in Traunreut, das sanierte Altenmarkter Schulhaus und die Einbettung in den bestehenden Stadtraum waren ein Modellfall für Konversion als Kulturproduktion, mit durchgängig natürlicher Belichtung als leitendes Entwurfsprinzip. Dass ein solcher Ort sich nicht automatisch in die dritte Dekade trägt, liegt nicht an der Qualität der Architektur oder der Sammlung, sondern an der strukturellen Abhängigkeit vom Stifter und am Fehlen eines öffentlich-rechtlichen Ankers. Wer Privatmuseen als Teil der öffentlichen Kultur denken will, muss die Frage der Generationenübergabe beantworten, bevor sie sich stellt. Traunreut ist damit kein Beleg für den Niedergang Deutschlands als Kunst-Ort, sondern ein Hinweis auf die nächste kulturpolitische Baustelle.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Chamberlain-Haus in Bayreuth: Vom Dokumentationszentrum zum Erinnerungshub</title>
		<link>https://baukunst.art/chamberlain-haus-in-bayreuth-vom-dokumentationszentrum-zum-erinnerungshub/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 11:13:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
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		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[NS-Dokumentationszentrum]]></category>
		<category><![CDATA[Oberfranken]]></category>
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					<description><![CDATA[Statt eines Dokumentationszentrums zur NS-Ideologiegeschichte beschließt Bayreuth einen abgespeckten Erinnerungshub im Chamberlain-Haus. Die BKM-Millionen stehen auf der Kippe.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">baukunst.art | <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">OBERFRANKEN</strong> | April 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das Haus des Rassentheoretikers: Bayreuth ringt um seine dunkelste Adresse</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein NS-Dokumentationszentrum von nationaler Strahlkraft wird in Bayreuth vorerst nicht entstehen. Der Kulturausschuss der Stadt hat am 13. April 2026 mit zehn zu sieben Stimmen eine deutlich abgespeckte Variante empfohlen. Statt einer Dauerausstellung an zwei authentischen Täterorten soll nun lediglich das Gebäude Wahnfriedstraße 1, das sogenannte Chamberlain-Haus, saniert und im Dachgeschoss um einen kleinen Vermittlungsraum ergänzt werden. Die ursprünglich eingeplanten elf Komma fünf Millionen Euro Bundesförderung aus dem Programm KulturInvest stehen damit voraussichtlich nicht mehr zur Verfügung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall Bayreuth ist in doppelter Hinsicht bemerkenswert. Zum einen, weil die Stadt als einer der symbolisch am stärksten belasteten Orte des Nationalsozialismus in Deutschland gilt. Zum anderen, weil sich hier die Widersprüche zwischen kulturpolitischem Anspruch, kommunaler Finanzlage und denkmalpflegerischer Verantwortung auf engstem Raum verdichten. Das Chamberlain-Haus, benannt nach dem Rassentheoretiker und Wagner-Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain, liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Villa Wahnfried und beherbergt bislang das Jean-Paul-Museum. Das zweite ursprünglich vorgesehene Gebäude, das Geburtshaus des NSDAP-Gauleiters Hans Schemm in der Brautgasse 2, entfällt in der nun bevorzugten Option.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum scheitert das vollständige Dokumentationszentrum an der Kasse?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Grundlage der Entscheidung war eine im Januar 2025 beauftragte Studie der Erinnerungskultur-Expertin Henrike Claussen. Fünf Varianten standen zur Auswahl. Die ambitionierteste hätte einschließlich der Sanierung beider Standorte mit rund 18,76 Millionen Euro Baukosten und 725.000 Euro jährlichem Betriebsaufwand zu Buche geschlagen. Die beschlossene Option 3 kommt auf 5,6 Millionen Euro Baukosten und 226.940 Euro Betrieb pro Jahr. Der Unterschied liegt weniger im Sanierungsaufwand als in der inhaltlichen Tiefe. Nur die beiden großen Varianten erfüllten die Voraussetzungen, die der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) an eine Förderung knüpft, nämlich eine Themensetzung von nationaler Strahlkraft und eine Dauerausstellung über mindestens 25 Jahre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bereits 2022 hatte die Stadt ein Finanzierungskonzept skizziert, das eine Förderquote von 88 Prozent vorsah: 50 Prozent vom Bund, 20 Prozent von der Oberfrankenstiftung, ergänzt durch Mittel aus der Städtebauförderung der Regierung von Oberfranken. Diese Konstruktion bleibt an den BKM-Antrag gebunden, der bis zum 31. Dezember 2027 prüffähig vorliegen muss. Die Abstimmung im Kulturausschuss fiel dennoch knapp zugunsten der kleinen Lösung aus. Thomas Bauske (SPD) verwies auf konkurrierende Investitionen in Kindertagesstätten, Schulen und Sportanlagen, Luisa Funke-Barjak (FDP) sprach von Bauchschmerzen bei den laufenden Betriebskosten. Oberbürgermeister Thomas Ebersberger warnte dagegen, dass sich das Fördergeld nicht mehr abrufen lasse, wenn die Stadt jetzt zurückrudere.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Unabhängig von der gewählten Variante gilt eine bauliche Realität: Das Chamberlain-Haus muss ohnehin saniert werden. Teile des Dachs sind derzeit notdürftig mit Planen abgedeckt. Als Baudenkmal unterliegt das Gebäude dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz (BayDSchG) mit den bekannten Erlaubnispflichten nach Artikel 6. Für Eingriffe in die Gebäudehülle greifen zusätzlich die energetischen Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG), wobei § 105 GEG Denkmalen Spielräume einräumt. Die Bayerische Bauordnung (BayBO) regelt die baulichen Mindestanforderungen, etwa an Fluchtwege und Barrierefreiheit, die bei einer musealen Nutzung anders zu bewerten sind als beim jetzigen Bestand als Jean-Paul-Museum.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet die Entscheidung fuer die Erinnerungskultur in Oberfranken?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die inhaltliche Debatte verlief quer zu den Fraktionsgrenzen. Stefan Schlags (Grüne) plädierte für digitale und vernetzte Formate statt einer klassischen Ausstellung und kritisierte die Verengung auf die NS-Ideologiegeschichte. Christoph Rabenstein (SPD) sah mit der Formel „Täter im Mittelpunkt, Opfer außen vor“ eine problematische Schwerpunktsetzung. Claussen hielt dagegen, dass der Fokus auf Ideologiegeschichte lokale Ereignisse nicht ausblende, sondern das völkische Denken des 19. Jahrhunderts mit seinen Wirkungen bis in die Gegenwart greifbar mache. Stefan Specht (CSU) sprach sich für die größere Option 2 aus und mahnte, neben den ideologischen Wurzeln auch den Widerstand in Bayreuth sichtbar zu machen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit der beschlossenen Option wandelt sich die Bauaufgabe grundlegend. Gefragt ist nicht mehr ein Dokumentationszentrum mit Dauerausstellung, sondern ein Erinnerungshub: Sanierung des Bestands, ein flexibler Vermittlungsraum im Dachgeschoss, Koordinationsfunktion für bestehende Initiativen und Pop-up-Formate im Stadtraum. Die architektonische Aufgabe verlagert sich damit von musealer Ausstellungsinszenierung hin zu einer behutsamen Instandsetzung mit geringem zusätzlichen Einbau. Für die Denkmalpflege ist das grundsätzlich die schonendere Lösung. Aus kuratorischer Sicht droht jedoch die Fragmentierung: Ein Ort ohne Dauerausstellung erreicht ein anderes Publikum und verliert die Voraussetzungen für eine institutionelle Trägerschaft, wie sie die Richard-Wagner-Stiftung mit Beschluss des Stiftungsrats vom 30. November 2023 übernommen hätte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Blick in andere Städte schärft das Profil der Bayreuther Entscheidung. Das NS-Dokumentationszentrum München am Königsplatz, 2015 nach Entwurf von Georg Scheel Wetzel Architekten eröffnet, setzt auf einen markanten Neubau an historisch aufgeladener Stelle. Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg arbeitet mit dem Bestand der NS-Kongresshalle und wird derzeit nach Plänen von Petzinka Pink Architekten neu aufgestellt. Das NS-Dokumentationszentrum Köln nutzt das ehemalige Gestapo-Hauptquartier im EL-DE-Haus als authentischen Ort. Allen gemeinsam ist das inhaltliche Fundament einer langfristig angelegten Dauerausstellung, verbunden mit wissenschaftlicher Begleitung. Die Bayreuther Variante ohne Dauerausstellung bleibt in dieser Reihe ein Sonderfall. Sie entspricht eher einem dezentralen Bildungsträger als einer nationalen Gedenkstätte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bauaufgabe im engeren Sinne ist eine Denkmalsanierung mit kulturpädagogischem Nutzen. Das Chamberlain-Haus, erbaut in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als bürgerliche Villa, verlangt eine vollständige Dachüberarbeitung, vermutlich ergänzt um haustechnische Ertüchtigung, Brandschutzkonzept nach Artikel 12 BayBO sowie eine abgestimmte energetische Sanierung innerhalb der Denkmalgrenzen. Der Ausbau des Dachgeschosses für Vermittlungsarbeit wirft Fragen nach Rettungswegen, Raumakustik und Barrierefreiheit nach DIN 18040-1 auf, die im Bestand selten trivial zu lösen sind. Hinzu kommt die Einbindung der Außenflächen. Eine honorarrechtlich saubere Abwicklung wird sich nach HOAI 2021 mit Leistungen der Objektplanung Gebäude nach § 34, flankiert von Tragwerksplanung und Fachplanung TGA, bewegen. Wer diese Leistungen ausschreibt, wird sich an den verbliebenen Förderkulissen orientieren müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die regionale Planungskultur in Oberfranken hat der Vorgang Signalwirkung. Kommunen mit schwieriger Haushaltslage stehen immer häufiger vor der Frage, ob sie Bundes- und Landesförderungen abrufen oder freiwillige Ausgaben dauerhaft reduzieren wollen. Bayreuths Entscheidung zeigt, dass selbst eine Förderquote jenseits der 80 Prozent keine automatische Zustimmung zu Projekten von überregionaler Bedeutung sichert, sobald die verbleibenden Betriebskosten den kommunalen Spielraum übersteigen. Der Kulturausschuss hat zusätzlich empfohlen, eine Strategie zur Professionalisierung der Erinnerungsarbeit in Bayreuth zu beauftragen. Damit könnte die kleinteilige Trägerschaft, die bislang auf Vereine, die Universität Bayreuth und einzelne Projekte verteilt ist, konsolidiert werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die endgültige Entscheidung trifft der Stadtrat. Offen bleibt, ob Option 3 sich am Ende tatsächlich günstiger erweist als der ursprünglich kalkulierte große Wurf. Ohne BKM-Beteiligung entfällt die 50-Prozent-Basisförderung, und auch die Mittel der Oberfrankenstiftung waren an die größere Themensetzung gebunden. Für die Sanierung allein müssen neue Fördertöpfe erschlossen werden, etwa über die Städtebauförderung oder denkmalpflegerische Programme des Freistaats Bayern. Die Substanz des Chamberlain-Hauses drängt. Und die symbolische Frage, wie Bayreuth mit seinen braunen Kapiteln umgeht, bleibt unabhängig vom Bauvolumen bestehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Abholzen statt Aufforsten: Bayern gibt den Holzbau auf</title>
		<link>https://baukunst.art/abholzen-statt-aufforsten-bayern-gibt-den-holzbau-auf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 09:34:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
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					<description><![CDATA[Bayern strich die Holzbauförderung BayFHolz. Ein politischer Kurswechsel mit Folgen für Klimaschutz, Baubranche und die Zukunft des nachwachsenden Baustoffs.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Abholzen statt Aufforsten: Bayern gibt den Holzbau auf</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bayerische Holzbauförderprogramm (BayFHolz) ist ein staatliches Instrument zur finanziellen Unterstützung klimagerechten Bauens, das die bayerische Staatsregierung 2022 als Teil ihrer Klimastrategie einführte und das zum Ende des Jahres 2026 ohne Nachfolgeprogramm ausläuft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was zunächst wie eine Fußnote in der Haushaltspolitik klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als symptomatisch für einen breiteren Stimmungswandel in der deutschen Klimaschutzpolitik. Bayern, das sich nicht ohne Stolz als zukünftiges &#8222;Holzbauland Nummer eins&#8220; inszenierte, zieht nun still und leise die Reißleine. Neue Anträge nimmt das Bayerische Bauministerium ab sofort nicht mehr entgegen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was leistete BayFHolz, und warum war das Programm überhaupt bedeutsam?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Programm förderete den Neubau sowie die Erweiterung und Aufstockung kommunaler Einrichtungen und mehrgeschossiger Wohngebäude in Holzbauweise. Die Zuwendung berechnete sich dabei nicht pauschal, sondern nach einem ökologisch sinnvollen Schlüssel: 500 Euro je Tonne der in Holzbauelementen und Dämmstoffen gebundenen Kohlenstoffmenge. Seit der Einführung unterstützte das Programm laut Bayerischem Bauministerium rund 510 Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von rund 58 Millionen Euro.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dieses Fördermodell besaß einen doppelten Hebel: Zum einen schuf es direkte finanzielle Anreize für Bauherrinnen und Bauherren, Kommunen sowie private Unternehmen, auf den nachwachsenden Rohstoff Holz umzusteigen. Zum anderen sandte es ein politisches Signal: Der Freistaat steht zur Bauwende. Beide Botschaften sind mit dem Programmende hinfällig.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum schafft Bayern die Holzbauförderung ab, und was folgt daraus?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bayerische Bauministerium begründet die Entscheidung nüchtern: &#8222;Vor dem Hintergrund des weiterhin hohen Bedarfs an bezahlbarem Wohnraum konzentriert die Staatsregierung die verfügbaren Mittel verstärkt auf Programme mit breiter und sozialer Wirkung&#8220;, erklaert ein Sprecher gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Das Auslaufen bedeute weder eine Abkehr vom Klimaschutz noch eine Reduzierung der Gesamtförderung. Der Holzbau sei &#8222;mittlerweile wettbewerbsfähig und fest im Markt verankert&#8220;, strukturell negative Auswirkungen seien deshalb nicht zu erwarten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das klingt nach Sachlichkeit, lässt aber eine Reihe unbequemer Fragen unbeantwortet. Wettbewerbsfähig im Vergleich zu was? Holz konkurriert in der Praxis vor allem mit Stahlbeton, einem Material, dessen graue Energie und CO2-Intensität im Lebenszyklus ungleich höher liegen. Wenn Förderinstrumente ihre Arbeit getan haben und wegfallen, weil der Markt funktioniert, wäre das tatsächlich ein Erfolg. Wenn sie wegfallen, weil das Budget anderswo gebraucht wird, ist das eine andere Geschichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schärfere Worte kommen von den Grünen im bayerischen Landtag. Ursula Sowa, Bau-Sprecherin der Fraktion, sieht im Programmende einen direkten Angriff auf die Bauwende: &#8222;Wer die Holzbauförderung streicht, blockiert aktiven Klimaschutz im Gebäudebereich.&#8220; Das Ende des Programms entziehe der Branche Planungssicherheit und erschwere den Umstieg auf klimagerechtes Bauen massiv, so die Politikerin.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Einschätzung deckt sich mit dem, was Architektinnen und Architekten sowie Holzbauunternehmer in der Praxis wahrnehmen. Förderungen wirken nicht nur kurzfristig als Investitionshilfe, sondern langfristig als Qualifizierungsmotor: Betriebe investieren in Weiterbildungen, in Maschinen, in Know-how, wenn sie wissen, dass der Markt stabil bleibt. Entzieht man diesen Rahmen abrupt, entsteht Unsicherheit, die sich schlechter berechnen lässt als CO2 pro Kubikmeter Brettschichtholz.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Konsequenzen hat das für andere Bundeslaender und die DACH-Region?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern ist nicht allein. Auch in anderen Bundesländern stehen Klimaschutzprogramme unter Haushaltsdruck. Die Bayerische Architektenkammer (ByAK) hat sich in der Vergangenheit mehrfach für eine Stärkung des Holzbaus eingesetzt, zuletzt im Kontext der Novelle der Bayerischen Bauordnung (BayBO), die in § 26 BayBO erweiterte Möglichkeiten für brennbare Baustoffe in höheren Gebäudeklassen vorsieht. Dieser regulatorische Fortschritt und die nun ausbleibende Förderung stehen in einem eigentümlichen Missverhältnis: Dürfen tut man mehr, finanzieren will der Staat weniger.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Vergleich dazu hält Baden-Württemberg an seiner Holzbauoffensive fest, Österreich fördert über den Klima- und Energiefonds weiterhin Holz- und Hybridbauweisen, und die Schweiz integriert Holzbau systematisch in die kantonale Energiegesetzgebung. Bayern, einst Taktgeber im deutschsprachigen Raum, riskiert damit eine Positionsverschiebung im regionalen Wettbewerb um innovative Baubetriebe, qualifizierte Fachkräfte und zukunftsorientierte Kommunen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist kein Plädoyer für staatliche Dauersubventionierung. Märkte sollen funktionieren, und erfolgreiche Technologien brauchen irgendwann keine Krücken mehr. Aber der Holzbau ist in Deutschland noch nicht an dem Punkt, an dem er ohne politische Rückendeckung einfach läuft. Laut Statistischem Bundesamt lag der Anteil von Gebäuden in Holzbauweise am Wohnungsneubau 2023 bei rund 20 Prozent. Wachstumspotenzial ist vorhanden, Selbstläufer ist der Markt noch nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was am Ende bleibt, ist ein Paradox: Eine Staatsregierung, die sich dem Klimaschutz verpflichtet und gleichzeitig ein Instrument abbaut, das genau diesem Klimaschutz diente. Das Argument der Wettbewerbsreife mag stimmen; das Argument der politischen Signalwirkung wird dabei ausgeblendet. Denn auch Symbolpolitik hat eine Funktion: Sie zeigt an, wohin eine Gesellschaft sich bewegen will. Holz war dieses Signal. Jetzt ist es abgeholzt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Regal vor der Fassade: Wie Neuperlach die Sanierungsfrage neu stellt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 09:02:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
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					<description><![CDATA[Abreissen oder dämmen? Neuperlach verlangt eine dritte Antwort. Forschende der TU München zeigen, wie Nachkriegssiedlungen mit bewohnbarer Holzkonstruktion in die Zukunft geführt werden können.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ohne Abriss, ohne Mieterhöhung: Das Forschungsprojekt, das Grosswohnsiedlungen eine Zukunft gibt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die bewohnbare Dämmung ist ein bauliches Konzept, das die energetische Sanierung von Nachkriegsgebäuden mit echter Wohnraumgewinnung verbindet und damit beide Ziele gleichzeitig löst, die bisher meist gegeneinander ausgespielt wurden. Am Beispiel von München-Neuperlach demonstriert das Forschungsprojekt &#8218;Wohnen weiterbauen&#8216; der Technischen Universität München (TUM) und der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg), wie Grosswohnsiedlungen der Nachkriegszeit weder abgerissen noch kosmetisch repariert werden müssen, sondern tiefgreifend und sozialverträglich weiterentwickelt werden können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Neuperlach liegt im Südosten Münchens und gilt als eines der grössten zusammenhängenden Siedlungsgebiete der Bundesrepublik aus der Wiederaufbauphase. Die Wohnblöcke, in langen Reihen aufgestellt, sind erkennbar am geschlossenen Typ, bei dem die Aussenwände der Nachbargebäude seitlich unmittelbar anschliessen. Dieser Gebäudetyp &#8218;Reihe linear&#8216; stand im Mittelpunkt der Untersuchungen, die zwischen 2022 und 2024 im Rahmen des EU-Programms &#8218;Creating NEBourhoods Together&#8216; durchgeführt wurden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was versteht man unter &#8218;bewohnbarer Dämmung&#8216;, und warum ist das mehr als eine Wortneuschöpfung?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Begriff &#8218;bewohnbare Dämmung&#8216; bezeichnet eine vorgesetzte Raumschicht in Holzbauweise, die an den Bestandsfassaden der Wohnblöcke angebracht wird. Technisch funktioniert das Prinzip über ein modulares Konstruktionsprinzip: Holzwände stehen in regelmässigen Abständen quer zur Bestandsfassade und bilden sogenannte Schottenwände. Auf diese Schotten werden Holzdecken aufgelegt. Je nach Planung schliesst eine Einfachverglasung oder eine gedämmte Aussenwand die neue Schicht nach aussen ab.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Ergebnis ist ein &#8218;Regal&#8216;, wie die Forschenden das Konstrukt treffend nennen: statisch unabhängig vom Bestandsgebäude, anpassungsfähig an unterschiedliche Gebäudebreiten und an Vor- sowie Rücksprünge verschiedener Gebäude. Diese Unabhängigkeit ist kein Zufall, sondern Programm. Das Regal kann werksseitig vorgefertigt werden, was die Montagezeit vor Ort erheblich reduziert und witterungsunabhängige Produktion ermöglicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was den Ansatz von einer konventionellen Fassadendämmung unterscheidet, ist die Mehrfachlesbarkeit der neuen Flächen. Sie können als Erweiterung eines bestehenden Raumes genutzt werden, als Übergang zwischen zwei Räumen oder als eigenständig nutzbarer Bereich. Familien unterschiedlicher Grösse, Paare, Wohngemeinschaften und Einzelpersonen sollen die Flächen je nach Lebenssituation individuell aneignen können. Klassische Nutzungszuweisungen von Zimmern werden damit bewusst aufgelöst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die energetischen Kennwerte sprechen für den Ansatz: Simulationen aus der Projektphase ergaben, dass der Heizwärmebedarf des Bestandsgebäudes um bis zu 68 Prozent gesenkt werden kann. Das übersteigt die Einsparwirkung konventioneller Fassadendämmungen erheblich. Die Raumschicht wirkt als thermische Pufferzone, die Wärmeverluste im Winter dämpft und im Sommer vor Überhitzung schützt. Dass dabei Holz als Baustoff zum Einsatz kommt, hat einen weiteren Vorteil: Kohlenstoff wird dauerhaft im Material gespeichert, und die sogenannte graue Energie, die bereits im Bestandsgebäude steckt, bleibt genutzt, anstatt mit dem Abriss verloren zu gehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie lässt sich die Sanierung finanzieren, ohne die bestehenden Mieterinnen und Mieter zu belasten?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Finanzierungsfrage ist bei Sanierungsvorhaben in Grosswohnsiedlungen häufig der eigentliche Knackpunkt. Erhöhte Mieten für Bestandswohnungen gelten politisch als kaum durchsetzbar und sind sozial problematisch, wenn die Bewohnerschaft ohnehin unter Druck steht. Das Konzept &#8218;Wohnen weiterbauen&#8216; beantwortet diese Herausforderung mit einem Querfinanzierungsmodell über Anbauten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bestandswohnungen in Neuperlach bestehen überwiegend aus Dreizimmerwohnungen. Durch Anbauten an die bestehenden Erschliessungskerne können Ein- und Zweizimmerwohnungen ergänzt werden, die auf dem Münchner Mietmarkt gut vermietbar sind. Die Einnahmen aus diesen neuen Einheiten subventionieren die Sanierungskosten der Bestandswohnungen quer. Mieterhöhungen für langjährige Bewohnerinnen und Bewohner werden so vermieden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein weiterer Effekt ist die altersgerechte Umzugsmöglichkeit innerhalb des vertrauten Quartiers. Ältere Bewohner und Bewohnerinnen, die in Neuperlach verwurzelt sind, können in kleinere, barrierefreie Wohnungen im Anbau wechseln. Die freigewordenen grösseren Wohnungen stehen dann für Familien zur Verfügung. Das stärkt die soziale Durchmischung, ohne Verdrängung zu erzeugen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Anbauten selbst sollen als Holz-Hybrid-Bauten mit mittlerem Ausbaustandard ausgeführt werden. Gegenüber einem vollständig neuen Gebäude sind die Herstellungskosten geringer, weil die vorhandene Infrastruktur genutzt wird: Treppenhaus, Aufzug und Fernwärmeanschlüsse sind bereits vorhanden. Zusätzliche Erschliessungsflächen im Anbau entfallen, was die Effizienz der Grundrisse erhöht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was lässt sich von Neuperlach auf andere Grosswohnsiedlungen übertragen?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Neuperlach ist kein Sonderfall. Grosswohnsiedlungen ähnlicher Bauart und Ära existieren in zahlreichen deutschen und europäischen Städten. Die Sanierungsfrage stellt sich überall gleich, und die zur Verfügung stehenden Mittel sind begrenzt. Das Forschungsprojekt versteht Neuperlach ausdrücklich als Untersuchungsobjekt und Anwendungsfall, von dem andere Kommunen, Wohnungsbaugesellschaften und Planende lernen sollen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Münchner Architekt Andreas Hild, Professor für Entwerfen, Umbau und Denkmalpflege an der TUM und einer der Projektbeteiligten, formuliert im Vorwort der im Mai 2025 im Gebr. Mann Verlag erschienenen Publikation zur Studie: Es brauche eine Vision, die helfe, die Grosswohnsiedlungen in eine Zukunft zu führen, nicht zuletzt um als Gemeinschaft die kulturelle und gesellschaftliche Chance einer ökologischen Wohnungswende zu nutzen. Das ist keine Bescheidenheitsgeste, sondern Programm.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Studie, die auf MediaTUM der TUM frei zugänglich ist (<strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="https://mediatum.ub.tum.de/1781725" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">https://mediatum.ub.tum.de/1781725</a></span></span></strong> ), liefert kein abgeschlossenes Entwurfsprodukt, sondern ein Instrumentarium. Planende erhalten Grundlagen, um den Bestand in europäischen Grosswohnsiedlungen sozialverträglich und ökologisch zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Das Regal vor der Fassade ist dabei kein ästhetisches Statement, sondern ein pragmatischer Baustein für eine Wohnraumversorgung, die Bestand und Zukunft gleichzeitig ernst nimmt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die bayerische Baupolitik und die Kommunen im Grossraum München ist &#8218;Wohnen weiterbauen&#8216; ein willkommener Impuls. Die Bayerische Bauordnung (BayBO) sowie das Bayerische Wohnraumförderungsgesetz (BayWoFG) bieten grundsätzlich Spielräume für innovative Sanierungsansätze, die über reine Energiemassnahmen hinausgehen. Ob die politischen Akteure diesen Spielraum nutzen werden, bleibt abzuwarten. Die Forschenden haben jedenfalls gezeigt, dass es keine technischen Hinderungsgründe mehr gibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Rechenzentren als Raumfaktor: Was die Ausstellung &#8222;City in the Cloud&#8220; über Bayerns Dateninfrastruktur verrät</title>
		<link>https://baukunst.art/rechenzentren-als-raumfaktor-was-die-ausstellung-city-in-the-cloud-ueber-bayerns-dateninfrastruktur-verraet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 17:31:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Dateninfrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Rechenzentren]]></category>
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					<description><![CDATA[Wo wohnen unsere Daten? Mitten unter uns. Die TUM-Ausstellung zeigt, was die Cloud wirklich ist: Beton, Strom und Wasser. Besonders in Bayern.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Cloud hat eine Adresse und die liegt in Garching</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Eine Ausstellung im Architekturmuseum der TUM macht sichtbar, was kaum jemand sehen will: Rechenzentren als prägende Bauaufgabe unserer Zeit.</em></p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Daten Boden berühren</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es gibt Ausstellungen, die man besucht, um Schönes zu sehen. Und es gibt Ausstellungen, die man besuchen sollte, weil sie einem unbequeme Wahrheiten zeigen. &#8222;City in the Cloud – Data on the Ground&#8220;, noch bis 8. März 2026 im Architekturmuseum der TUM in der Pinakothek der Moderne in München zu sehen, gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Sie tut das mit bemerkenswerter räumlicher Präzision: Der Ausgangspunkt liegt nicht irgendwo in der Ferne, sondern 20 Kilometer nördlich des Ausstellungsorts, in Garching bei München. Dort befindet sich das Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, das als regionales Fallbeispiel einen zentralen Platz im kuratorischen Konzept einnimmt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das kuratorische Team rund um Cara Hähl-Pfeifer, Damjan Kokalevski und Andres Lepik hat eine Ausstellung entwickelt, die drei thematische Kapitel entfaltet: &#8222;Elementar&#8220; legt die physischen Grundlagen der digitalen Infrastruktur frei, &#8222;Räumlich&#8220; wendet sich den konkreten Orten der Datenverarbeitung zu, und &#8222;Zeitlich&#8220; fragt, welche Daten wir bewahren, löschen oder vergessen wollen. In der Summe ergibt sich ein Argument, das in seiner Konsequenz unangenehm ist: Die Cloud ist kein Ort jenseits der Wirklichkeit. Sie ist Wirklichkeit. Gebaute, energiehungrige, ressourcenintensive Wirklichkeit.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bayern als Datendrehscheibe</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer über Dateninfrastruktur in Deutschland spricht, denkt zuerst an Frankfurt. Dort liegt der größte Internetknoten der Welt, der DE-CIX, und dort haben sich die meisten und größten deutschen Rechenzentren konzentriert. Der bayerische Sonderfall ist architektonisch wie politisch interessanter, weil er eine andere Geschichte erzählt: die eines wissenschaftlichen Infrastrukturstandorts, der weit vor dem kommerziellen Hype entstand.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das LRZ in Garching verarbeitet Forschungsdaten von europäischem Rang. Fotografin Giulia Bruno, deren Arbeit zentral in der Ausstellung präsent ist, hat das Innenleben des Zentrums dokumentiert: automatisierte Bandarchive, kühlende Gangstrukturen, die Präzision technischer Abläufe, die nach außen vollständig unsichtbar bleiben. &#8222;Encoded Matter&#8220;, ihr Film, übersetzt die physische Seite digitaler Infrastruktur in eine Bildsprache, die zwischen Erhabenheit und Schrecken oszilliert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bayerische Staatsregierung hat die Bedeutung dieser Infrastruktur erkannt und unterstützt das LRZ als Teil einer breiteren Digitalisierungsstrategie. Der Digitale Zwilling München, entwickelt vom Kommunalreferat und dem GeodatenService der Landeshauptstadt, ist ein weiterer Kooperationspartner der Ausstellung. Er steht exemplarisch für die räumliche Logik der Dateninfrastruktur: Daten werden nicht nur über die Stadt produziert, sie formen die Stadt zurück. Planerische Entscheidungen basieren zunehmend auf datengestützten Modellen, deren Infrastruktur wiederum eigene Raumansprüche stellt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fensterlose Kästen und ihre räumlichen Kosten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass Rechenzentren eine der virulentesten ungeklärten Bauaufgaben unserer Zeit darstellen, ist kein neues Argument. Architekt Christian Krauthammel vom Frankfurter Büro TTSP HWP, der seit Jahren Rechenzentren baut, brachte es einmal auf den Punkt: &#8222;Rechenzentren sind eine Schattenwirtschaft.&#8220; Große, fensterlose Volumen, hochgesichert, wärme- und lärmintensiv. Und weitgehend unsichtbar im öffentlichen Diskurs.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung macht deutlich, dass dieses Schweigen kein Zufall ist. Betreiber vermeiden öffentliche Informationen aus Sicherheitsgründen. Kommunale Planungsbehörden schließen Rechenzentren bei neu ausgewiesenen Gewerbegrundstücken zunehmend explizit aus, ohne Konzepte für Alternativen zu entwickeln. Das ist ein planerisches Versagen, das sich in Bayern ebenso zeigt wie anderswo: Garching profitiert von der räumlichen Trennung zwischen Forschungscampus und Wohnbevölkerung. Kommerzielle Anlagen in Ballungsräumen stehen dagegen vor einem Widerspruch: Sie sind notwendig nah an Ballungszentren und gleichzeitig strukturell schwer integrierbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei gibt es Lösungsansätze. Franken Architekten aus Frankfurt am Main haben für SAP in Walldorf ein Rechenzentrum gebaut, das durch eine gefaltete Dachstruktur aus dunklem Streckmetall den Klotz-Charakter auflöst und die industrielle Umgebung aufwertet. Es bleibt ein Einzelfall. Systematische Gestaltungsanforderungen für Rechenzentren fehlen in deutschen Bundesländern, auch in Bayern, fast vollständig.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ressourcen, Macht und koloniale Logiken</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung endet nicht beim ästhetischen Problem. Sie stellt die Machtfrage. Rechenzentren verbrauchen enorme Mengen an Frischwasser und Energie. Sie konzentrieren wirtschaftlichen und politischen Einfluss in den Händen weniger multinationaler Konzerne. Die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen wie Lithium, Kupfer, Kobalt und Zinn verbindet die Dateninfrastruktur mit Abbauregionen, die unter neokolonialen Ausbeutungsverhältnissen leiden. Die Ausstellung zeigt konkret: den Kampf um Wasserrechte in der Atacama-Wüste in Chile sowie die ökologischen und gesellschaftlichen Kosten des Zinnabbaus auf der indonesischen Insel Bangka.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Bayern bedeutet das eine unbequeme Doppelrolle: Als Hochtechnologiestandort profitiert der Freistaat von Dateninfrastrukturen wie dem LRZ. Als demokratische Gesellschaft muss er sich fragen, welche globalen Kosten dieses Profitieren verursacht. Die Ausstellung gibt keine einfachen Antworten. Sie formuliert die Fragen. Das ist, angesichts der Komplexität des Themas, schon bemerkenswert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was die Architektur zu tun hätte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektinnen und Architekten, Planerinnen und Planer stehen vor einer Aufgabe, die noch keine etablierte Sprache hat. Rechenzentren sind weder Industriebau noch Bürogebäude, weder Infrastrukturbau noch öffentlicher Raum. Sie sind ein Hybrid, der alle Kategorien sprengt und gleichzeitig in keiner Förder- oder Planungskultur richtig verankert ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Architekturmuseum der TUM leistet mit dieser Ausstellung einen wichtigen Beitrag, dieses Vakuum sichtbar zu machen. Es wäre an den regionalen Baukammern, Planungsbehörden und Hochschulen, die nächsten Schritte zu tun: Gestaltungsrichtlinien entwickeln, Standortkonzepte erarbeiten, Energierückgewinnung als Pflicht in Baugenehmigungsverfahren verankern. Bayern hat die institutionellen Voraussetzungen dafür. Die politische Entscheidung, sie zu nutzen, steht noch aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;City in the Cloud – Data on the Ground&#8220; zeigt eindrucksvoll, dass die Architektur der Daten keine Zukunftsaufgabe ist. Sie ist Gegenwartsaufgabe. Und sie wartet nicht.</p>
<hr />
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Besucherinformationen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ausstellung</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">City in the Cloud: Data on the Ground. The Architecture of Data</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ort</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architekturmuseum der TUM, Pinakothek der Moderne</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Barer Straße 40, 80333 München</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Laufzeit</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">16. Oktober 2025 bis 8. März 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Öffnungszeiten</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dienstag bis Sonntag: 10.00 bis 18.00 Uhr</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Donnerstag: 10.00 bis 20.00 Uhr</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Montag geschlossen</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eintritt</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">10 Euro, ermäßigt 7 Euro</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sonntags: 1 Euro</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: freier Eintritt</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Begleitprogramm: Data Talks</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sieben öffentliche Gespräche donnerstags, 18.00 bis 19.30 Uhr, kostenloser Eintritt</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Letzter Termin: 5. März 2026 (Finissage)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Anmeldung: <a href="mailto:anmeldung@architekturmuseum.de" target="_blank" rel="noopener" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link">anmeldung@architekturmuseum.de</a></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>FLUX München: Das Pinakothek-Experiment als Modell für den öffentlichen Raum</title>
		<link>https://baukunst.art/flux-muenchen-das-pinakothek-experiment-als-modell-fuer-den-oeffentlichen-raum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Feb 2026 16:16:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Dritter Ort]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Temporäre Architektur]]></category>
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					<description><![CDATA[München wagt das Experiment: FLUX verwandelt die Kiesbrache neben der Pinakothek der Moderne in einen farbexplosiven Dritten Ort. Fünf Jahre, 1,5 Mio. Euro — aber zu welchem Preis?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">FLUX: Experiment am Kunstareal</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Der &#8222;Dritte Ort&#8220; an der Pinakothek der Moderne — zwischen Partizipation, Stadtpolitik und temporärer Architektur</em></p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Kieswüste und Kulturwunder</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Schotterfläche als Parkplatz — das war der unspektakuläre Status quo südlich der Pinakothek der Moderne entlang der Gabelsbergerstraße. Diese sogenannte Kieswüste war Münchner Stadtplanern und Museumsmachern gleichermassen seit Jahren ein Dorn im Auge. Nun soll sich das ändern: Mit FLUX entsteht ab Ende Juni 2025 für fünf Jahre ein „Dritter Ort&#8220;, dessen leuchtend bunter Entwurf von der britischen Künstlerin und Designerin Morag Myerscough stammt — und der Diskussionen weit über das Münchner Kunstareal hinaus auslöst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Konzept des „Dritten Ortes&#8220; geht auf den amerikanischen Stadtsoziologen Ray Oldenburg zurück, der damit in seinem 1989 erschienenen Werk „The Great Good Place&#8220; Räume jenseits von Wohnung und Arbeitsplatz beschrieb. Bibliotheken, Cafés, Marktplätze: Orte, die durch niedrigschwelligen Zugang sozialen Zusammenhalt stiften. Dass ein Münchner Kunstareal nun dieses Konzept für sich beansprucht, ist kein Zufall — es spiegelt einen breiteren Paradigmenwechsel in der deutschen Museumswelt wider.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Morag Myerscough: Mehr als bunte Kulisse</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Künstlerin, deren Vorfahren im Zirkus auftraten und die in einem Londoner Arbeiterviertel aufwuchs, ist in München kein unbeschriebenes Blatt. Ihr „Stadion der Träume&#8220; — die farbenfrohe Bühnenkonstruktion für die Fußball-Europameisterschaft 2024 beim alten Gasteig — wurde schnell zum Publikumsliebling. Myerscough setzt konsequent auf geometrische Muster, gesättigte Farben und partizipative Prozesse: Ihre Entwürfe entstehen in Gemeinschaft mit den jeweiligen Communities vor Ort.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für FLUX setzte sie sich in einem geladenen Wettbewerb gegen 17 weitere Künstlerinnen und Künstler durch. Die Jury, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der vier Pinakotheken-Museen und der Stiftung Pinakothek der Moderne, wählte einstimmig — und wie Projektleiterin Eva Tillig bestätigt, bewusst „den mutigsten, interessantesten und buntesten Entwurf&#8220;. Ob Mut allein ausreicht, um eine Kiesbrache zur urbanen Lebenswelt zu machen, ist eine andere Frage.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisch ist FLUX eine zweigeschossige, begehbare Skulptur, die den Wintergarten der Pinakothek der Moderne mit dem Außenbereich verbindet. Holz und recycelbare Materialien dominieren den Bau — ein nachhaltigkeitsorientierter Ansatz, der zum partizipativen Ethos der Künstlerin passt. Ein „Tree House&#8220; im Cafébereich bietet Witterungsschutz, der „Kitchen Garden&#8220; bedient Myerscoughs Gartenliebe, ein „Bandstand&#8220;-Pavillon fungiert als Bühne für Konzerte und Lesungen. Gastronomie und öffentliche Toiletten ergänzen das Angebot — und das alles unabhängig von den Museumsöffnungszeiten, sieben Tage die Woche.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Finanzierung: Stiftungskultur und Leo Kirchs Erbe</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Gesamtkosten des Projekts werden mit 1,5 Millionen Euro angegeben. Getragen wird FLUX von den vier Museen des Hauses sowie der Stiftung Pinakothek der Moderne, die das Projekt anlässlich ihres 30. Gründungsjubiläums realisiert. Als Hauptförderer hat man die Thomas Kirch Stiftung sowie die Kirch Stiftung gewonnen — beides Einrichtungen in Erinnerung an den Münchner Medienunternehmer Leo Kirch und seine Frau Ruth. Stiftungsratsvorsitzender Reinhard Scolik formuliert die Erwartungshaltung klar: Man hoffe, Menschen anzusprechen, „die erst an Kunst herangeführt werden müssen&#8220;.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Aussage ist aufschlussreich. Sie bestätigt, was Kritikerinnen und Kritiker temporärer Kulturprojekte häufig bemängeln: die implizite Annahme, Hochkultur sei per se nicht zugänglich und bedürfe einer Art Lockmittel. Ob ein bunter Pavillon tatsächlich neue Publikumsschichten in die Museen führt oder vor allem das bestehende Kunstareal-Publikum bereichert, wird sich erst nach den fünf Jahren zeigen. Die Stiftung baut eine eigene Betriebsgesellschaft für FLUX auf — ein Zeichen, dass man das Experiment ernstnimmt, aber auch, dass die Betriebskosten dauerhaft gesichert sein müssen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Stadtpolitik: Die Kieswüste als Experimentierfeld</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Räumlich betrifft FLUX eine Fläche, die im Münchner Stadtgebrauch bisher als Parkplatz diente. Der Wochenmarkt an der Türkenstraße soll unverändernd bleiben — ein wichtiges Signal in einem Stadtquartier, das zwischen Gentrifizierungsdruck, Universitätsbetrieb und Museumstourismus balanciert. Die Maxvorstadt ist kein homogenes Milieu: Studierende, Anwohnerinnen und Anwohner, Kulturtouristinnen und Kulturtouristen sowie obdachlose Menschen nutzen das Kunstareal auf sehr unterschiedliche Weisen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass FLUX als „Wohlfühlort ohne Konsumzwang&#8220; konzipiert ist, klingt einladend — und steht gleichzeitig in einem gewissen Widerspruch zur Tatsache, dass gastronomische Angebote eingeplant sind. Die Frage, wie viel Konsum ein Ort verträgt, ohne seinen inklusiven Charakter zu verlieren, ist nicht trivial. Das Kollektiv „This Is Really Happening&#8220; — bekannt durch Zwischennutzungsprojekte wie das Lovelace-Hotel, Sugar Mountain im alten Sendlinger Betonwerk und die Aktionen in der ehemaligen Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke — begleitet FLUX programmatisch. Die Münchner Zwischennutzungsszene hat Erfahrung darin, Räume lebendig und zugänglich zu halten; dass man sie eingebunden hat, spricht für das Vorhaben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Temporäre Architektur als Testlabor</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stiftungsvorstand Markus Michalke sieht FLUX nicht als Endpunkt, sondern als Anfang. Die Stiftung erwarb vor einigen Jahren vom Architekten der Pinakothek der Moderne, Stephan Braunfels, das Urheberrecht am zweiten Bauabschnitt auf dem Gelände der ehemaligen Türkenkaserne. Braunfels hatte dort ein Haus für die Graphische Sammlung geplant, das den Rotundenbau des Hauptgebäudes ergänzen sollte — ein Vorhaben, das steckenblieb. FLUX soll nun zeigen, „wie die Seele des Dritten Ortes weiterentwickelt werden kann&#8220;, bevor ein permanentes Gebäude folgt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dieser Ansatz — temporär bauen, um dauerhaft zu lernen — ist im internationalen Architekturkontext längst etabliert. Vom Serpentine Pavilion in London bis zu den temporären Pavillons der Biennale di Venezia: Das Experiment vor dem Permanenten ist ein anerkanntes Planungsinstrument. In der deutschen Museumswelt hingegen ist diese Denkweise noch vergleichsweise selten. FLUX könnte hier Modellcharakter entwickeln — vorausgesetzt, die Auswertung des fünfjährigen Betriebs erfolgt systematisch und öffentlich nachvollziehbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Denn genau hier liegt eine Lücke im bisherigen Kommunikationskonzept: Wie wird der Erfolg von FLUX gemessen? Besucherzahlen? Neue Museumsmitgliedschaften? Soziale Heterogenität der Nutzerinnen und Nutzer? Ohne klare Evaluationskriterien läuft das Experiment Gefahr, zur selbstbeweihräuchernden Geste zu werden. Stiftungsvorstand Michalkes zuversichtliches „Wir sind mutig&#8220; klingt ermutigend, ersetzt aber kein Wirkungskonzept.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Signal — und seine Grenzen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">FLUX ist ein ermutigendes Signal: Die Pinakothek der Moderne und ihre Stiftung zeigen, dass ein großes Haus bereit ist, seine Grenzen physisch und konzeptuell zu verschieben. Die Wahl einer Künstlerin mit partizipativem Selbstverständnis statt eines konventionellen Architekturbüros ist mutig. Die Einbindung lokaler Zwischennutzungsakteure ist klug. Die Nachhaltigkeitsorientierung im Bau ist zeitgemäß.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig bleibt die Frage, ob ein 1,5-Millionen-Euro-Projekt an einem der privilegiertesten Kunstorte Deutschlands wirklich jene Menschen erreicht, die „erst an Kunst herangeführt werden müssen&#8220;. Soziale Inklusion entsteht nicht allein durch bunte Farben und offene Türen. Sie erfordert aktive Vernetzungsarbeit mit dem Kiez, mit Schulen und sozialen Einrichtungen — und eine beharrliche Präsenz jenseits des Eröffnungswochenendes. Das partizipative Workshopformat, das wöchentlich angeboten werden soll, ist ein erster Schritt. Ob er genügt, werden die nächsten fünf Jahre zeigen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Architekturwelt bleibt FLUX vor allem eines: ein stadtpolitisches Experiment, das zeigt, wie viel Spielraum zwischen Parkplatz und Museumsbau steckt — wenn man bereit ist, ihn mutig zu nutzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Ort</strong> — Gabelsbergerstraße / Ecke Türkenstraße, München <strong>Eintritt</strong> — kostenlos, kein Konsumzwang, eigene Speisen erlaubt <strong>Öffnungszeiten</strong> — Außenbereich täglich; Gastronomie Di–So 10–22 Uhr; Innenbereich ab 29. April 2026<strong>Programm</strong> — Yoga, Workshops (Open4Making), Konzerte, DJ-Sets, Lesungen, Performances — alles kostenlos<strong>Kontakt</strong> — <strong><a class="underline underline underline-offset-2 decoration-1 decoration-current/40 hover:decoration-current focus:decoration-current" href="mailto:hello@flux-munich.com" target="_blank" rel="noopener">hello@flux-munich.com</a></strong> / flux-munich.com <strong>Anreise</strong> — U-Bahn, Bus 100, Tram 27/28, kein öffentlicher Parkplatz <strong>Barrierefreiheit</strong> — Rampe, rollstuhlgerecht <strong>Laufzeit</strong> — 2025 bis ca. 2030</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Münchens Altstadt wird neu gedacht: Wie das Programm „Altstadt für alle” die größte Transformation seit 1972 einleitet</title>
		<link>https://baukunst.art/muenchens-altstadt-wird-neu-gedacht-wie-das-programm-altstadt-fuer-alle-die-groesste-transformation-seit-1972-einleitet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Jan 2026 09:52:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Fußgängerzone]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung München]]></category>
		<category><![CDATA[Verkehrsberuhigung]]></category>
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					<description><![CDATA[Mehr als 50 Jahre nach Eröffnung der Fußgängerzone wagt München den nächsten großen Wurf. Das Programm „Altstadt für alle” soll Verkehr reduzieren und Aufenthaltsqualität schaffen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 [&quot;orderedList&quot;,{&quot;order&quot;:3,&quot;localId&quot;:null},&quot;listItem&quot;,{&quot;localId&quot;:null}]">„Die Altstadt lebt vom Miteinander”: Warum Münchens größter Umbau seit 1972 die Stadt spaltet</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 30. Juni 1972 eröffnete Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel mit einer legendären Dackelparade Deutschlands erste große innerstädtische Fußgängerzone. Der Stachus, vormals ein Verkehrsmoloch mit bis zu 75.000 Autos täglich, wurde zum autofreien Flaniermeile. Was damals als revolutionärer Eingriff in die gewachsene Stadtstruktur galt, erscheint heute selbstverständlich. Nun steht München erneut vor einem epochalen Umbau seines historischen Kerns.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Grundsatzbeschluss und seine Tragweite</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Mobilitätsausschuss des Münchner Stadtrats hat am 10. Dezember 2025 das Programm „Altstadt für alle” verabschiedet. Mobilitätsreferent Georg Dunkel bezeichnete den Beschluss als „Meilenstein”, relativierte jedoch sogleich: Es handle sich eher um einen Baukasten für künftige Maßnahmen als um ein fertiges Konzept. Die Zielsetzung steht gleichwohl fest: Langfristig soll die Münchner Altstadt ein Ort mit weniger Autoverkehr werden, der dennoch für alle erreichbar bleibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die grün-rote Rathauskoalition hat damit einen Prozess angestoßen, der bereits 2019 seinen Anfang nahm. Sechs Jahre Konzeption, Beteiligung und politisches Ringen liegen hinter dem Vorhaben. Dass die SPD per Änderungsantrag den Begriff „Konzept” aus der Vorlage streichen ließ und von einer „autofreien” Altstadt nicht mehr die Rede ist, offenbart die Kompromisslinien dieses Beschlusses.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die neue Straßenhierarchie</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Mobilitätsreferat plant eine Kategorisierung des Altstadtraums in drei Straßentypen. Stadtstraßen bleiben für den allgemeinen Autoverkehr zugänglich und dienen als Zufahrten zu Parkgaragen. Hier dürfen künftig nur noch Berechtigte parken: Anwohnerinnen und Anwohner, Menschen mit Behinderung, Handwerker. Altstadtstraßen hingegen sollen primär der Erschließung für Bewohnerinnen und Bewohner sowie dem Wirtschaftsverkehr dienen. Kurzes Halten vor Arztpraxen, Hotels oder Geschäften bleibt möglich, doch Durchgangsverkehr wird unterbunden. Neu wären Fußgängerzonen mit sogenannter „Kommunaltrasse”, in denen auch Rad- und öffentlicher Nahverkehr fahren dürfen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein digitales Parkleitsystem soll Besucherinnen und Besucher gezielt zu den Parkgaragen führen und den berüchtigten Parksuchverkehr reduzieren. Die Fraktion Die Grünen/Rosa Liste/Volt hat per Änderungsantrag durchgesetzt, dass Informationen über freie Parkplätze künftig in Navigationsdienste eingepflegt werden können.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Mehr Grün für die Hitzeinsel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Münchner Altstadt kämpft wie viele historische Stadtkerne mit dem urbanen Wärmeinseleffekt. Enge Gassen, dunkle Pflasterungen und fehlende Vegetation lassen die Temperaturen an Sommertagen deutlich über das Niveau der Umgebung steigen. Das Programm sieht mehr Grünflächen und Bäume vor, um das Stadtklima zu verbessern. Seit Jahrzehnten diskutiert das Rathaus auch die mögliche Öffnung des Westlichen Stadtgrabenbachs, der unterirdisch durch die Altstadt fließt. Ein sichtbarer Wasserlauf könnte nicht nur zur Kühlung beitragen, sondern auch die Aufenthaltsqualität steigern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die ersten konkreten Maßnahmen sollen im Graggenauer Viertel umgesetzt werden, das sich zwischen Tal, Diener- und Maximilianstraße sowie dem Altstadtring erstreckt. Danach folgt das Hackenviertel. Bezirksausschussvorsitzende Andrea Stadler-Bachmaier rechnet zunächst mit temporären Elementen wie Pflanztrögen, mobilen Möbeln und veränderter Beschilderung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Opposition und ihre Argumente</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Beschluss fiel nicht einstimmig. CSU und Freie Wähler stimmten dagegen, ebenso die Fraktion FDP/Bayernpartei. Stadträtin Veronika Mirlach von der CSU warnte, die Vorlage mache das „florierende Herz der Altstadt” kaputt. Die Altstadt lebe vom Miteinander, auch mit Autos. Die FDP/Bayernpartei vermisst ein Konzept zur Belebung der Innenstadt und fordert Kurzparkplätze mit bis zu 30 Minuten Parkzeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist, dass auch die ÖDP/München-Liste gegen die Vorlage stimmte, allerdings aus entgegengesetzten Gründen. Stadträtin Sonja Haider kritisierte die Umsetzung als nicht konsequent genug und bezeichnete die um SPD-Vorschläge ergänzte Vorlage als „Papiertiger”. Die SPD hatte eine „Planung mit Augenmaß” gefordert und beantragt, dass trotz bereits erfolgter Öffentlichkeitsbeteiligung bei jeder einzelnen Maßnahme erneut Anwohnerinnen und Anwohner, Bezirksausschüsse, Beiräte, Gewerbetreibende, Verbände und Interessengruppen einbezogen werden sollen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Aufbruch und Beharrung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die grundlegende Veränderung des Zentrums wird sich hinziehen, so viel ist sicher. Jede bauliche und verkehrliche Änderung soll einzeln dem Stadtrat zur Abstimmung vorgelegt werden. SPD-Fraktionsvorsitzende Anne Hübner nannte den Beschluss dennoch einen wichtigen Auftakt. Oberbürgermeister Dieter Reiter sprach von einem großen Schritt hin zu einer lebenswerteren Münchner Innenstadt. Der Zweite Bürgermeister Dominik Krause von den Grünen betonte den Kompromisscharakter: Münchens Altstadt werde attraktiver und moderner, bewahre gleichzeitig ihren unverwechselbaren Charakter.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Blick zurück nach vorn</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Parallelen zu 1972 sind augenfällig, doch die Unterschiede ebenso. Damals trieb der olympische Zeitdruck ein ganzes Bündel von Infrastrukturmaßnahmen voran: S- und U-Bahn, Mittlerer Ring, Altstadtring-Tunnel, Fußgängerzone. Der damalige Stadtentwicklungsplan, auf 30 Jahre angelegt, sah die Einschränkung des Individualverkehrs und die Priorisierung des öffentlichen Nahverkehrs bereits vor. Olympia wirkte als Katalysator.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heute fehlt ein solcher externer Beschleuniger. Stattdessen dominieren Beteiligungsprozesse, politische Aushandlung und die Sorge vor Verdrängungseffekten. Die umfangreiche Bürgerbeteiligung der Jahre 2023 und 2024 umfasste ein Bürgerpanel mit 30 repräsentativ ausgewählten Teilnehmenden, interaktive Workshops für Kinder und Runde Tische mit verschiedenen Akteursgruppen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">München versucht, den schmalen Grat zwischen Verkehrswende und Wirtschaftsinteressen, zwischen Klimaanpassung und Alltagstauglichkeit zu gehen. Der Beschluss „Altstadt für alle” ist kein revolutionärer Schnitt, sondern ein vorsichtiger Auftakt. Ob die grundlegende Veränderung des Zentrums am Ende so epochal wird wie die Einführung der Fußgängerzone 1972, wird sich erst in Jahren zeigen. Die Weichen sind gestellt, die Dackelparade muss warten.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bayern plant Umbauordnung: Bauen im Bestand wird einfacher</title>
		<link>https://baukunst.art/bayern-plant-umbauordnung-bauen-im-bestand-wird-einfacher/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 Dec 2025 16:26:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bauen im Bestand]]></category>
		<category><![CDATA[Bayerische Bauordnung]]></category>
		<category><![CDATA[Umbauordnung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14554</guid>

					<description><![CDATA[Der Freistaat kündigt eine eigene Umbauordnung an und folgt damit anderen Bundesländern. Ob Bayern nur nachzieht oder eigene Akzente setzt, bleibt vorerst offen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Bayern entdeckt das Bauen im Bestand</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern bekommt eine Umbauordnung. Was Bauminister Christian Bernreiter (CSU) bei der Bauministerkonferenz in Würzburg verkündete, klingt nach einem bemerkenswerten Paradigmenwechsel in der bayerischen Baupolitik. Der Freistaat, der sich traditionell als Vorreiter in Sachen Entbürokratisierung inszeniert, hinkt bei diesem Thema jedoch anderen Bundesländern hinterher.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der lange Weg zur Ankündigung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Forderung nach einer Umbauordnung ist in Bayern keineswegs neu. Seit Jahren drängen die Grünen im Landtag auf entsprechende Regelungen, die das Bauen im Bestand erleichtern sollen. Erst im März 2025 brachte die Fraktion einen Antrag ein, der vom Bauausschuss verabschiedet wurde. Allerdings enthielt dieser lediglich die Aufforderung an die Staatsregierung, den Ausschuss über eine mögliche Implementierung zu informieren. Von einem konkreten Gesetzesvorhaben war keine Rede.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass die CSU nun eine grüne Kernforderung umsetzt, mag überraschen. Doch der politische Druck aus mehreren Richtungen war erheblich gewachsen. Bei einer Anhörung im Ausschuss für Bauen, Wohnen und Verkehr im November 2024 sprachen sich Sachverständige von der Bayerischen Architektenkammer über die Ingenieurekammer-Bau bis hin zu Architects for Future einmütig für grundlegende Erleichterungen aus. Die Botschaft war eindeutig: Die Bauordnung müsse zu einer Umbauordnung weiterentwickelt werden, die das Bauen im Bestand und kreislauffähiges Bauen als Standard anerkennt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Niedersachsen als Vorbild</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Blick nach Niedersachsen zeigt, wie eine echte Umbauordnung aussehen kann. Am 1. Juli 2024 trat dort die novellierte Landesbauordnung in Kraft, die von Fachleuten als erster großer Wurf in Deutschland gefeiert wurde. Das zentrale Element bildet der neue Paragraph 85a: Bei Umbauten, Aufstockungen oder Nutzungsänderungen müssen bestehende Gebäude nicht mehr auf aktuelle Neubaustandards gebracht werden. Stattdessen gilt der Grundsatz, dass der Um- und Ausbau im Bestand nicht mehr leisten muss als das Bestandsgebäude selbst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommen weitere Erleichterungen: Die Stellplatzpflicht für Neubauten und Umbauten wurde aufgehoben, die Grenzabstände reduziert und eine Genehmigungsfiktion von drei Monaten eingeführt. Entscheidet die Bauaufsichtsbehörde in dieser Frist nicht, gilt die Genehmigung als erteilt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bremen folgte mit einer etwas zurückhaltenderen Novelle, einer sogenannten Umbauordnung light. Baden-Württemberg zog im Juni 2025 nach: Bauministerin Nicole Razavi (CDU) sprach davon, die Landesbauordnung zu einer echten Umbauordnung zu machen, und versprach eine Umstellung des Systems von Kontrolle auf Ermöglichen. Nutzungsänderungen, bauliche Änderungen im Gebäude, Aufstockungen und Dachgeschossausbauten sollen zu keinen höheren Anforderungen beim Brandschutz mehr führen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bayern holt auf, aber wie weit?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Freistaat hat mit seinen Modernisierungsgesetzen zum 1. Januar 2025 bereits einige Erleichterungen in die Bayerische Bauordnung aufgenommen. Dachgeschossausbauten zu Wohnzwecken sind nun verfahrensfrei, eingeschossige Aufstockungen werden bei den Anforderungen begünstigt, die Stellplatzpflicht wurde kommunalisiert. Auch die Abstandsflächenregelungen in Großstädten wurden gelockert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch diese Maßnahmen bleiben Stückwerk. Eine systematische Neuausrichtung der Bauordnung auf das Bauen im Bestand fehlt bislang. Genau hier soll die angekündigte Umbauordnung ansetzen. Wie diese konkret aussehen wird, ist allerdings offen. Die Bayerische Architektenkammer, die Bayerische Ingenieurekammer-Bau und die Landtagsfraktion der Grünen haben bereits Vorschläge unterbreitet. Ob diese Gehör finden, wird sich zeigen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Anspruch und Wirklichkeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage ist berechtigt, ob Bayern tatsächlich einen eigenständigen Weg beschreiten oder lediglich die Regelungen anderer Bundesländer kopieren wird. Das niedersächsische Modell hat sich in der Praxis bewährt, auch wenn die kommunalen Spitzenverbände gegen die Aufhebung der Stellplatzpflicht klagten. Die baden-württembergische Reform wurde von 71 Verbänden überwiegend positiv aufgenommen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für das Bauen im Bestand wäre ein mutiger Schritt wünschenswert. Der Gebäudesektor in Bayern verursacht erhebliche CO2-Emissionen. Durch Sanierung und Umbau lassen sich im Vergleich zu Abriss und Neubau nicht nur Ressourcen, sondern auch graue Energie einsparen. Die Sachverständigen bei der Landtagsanhörung waren sich einig: Wer die Klimaschutzziele erreichen will, muss den Fokus auf den Erhalt und die Ertüchtigung vorhandener Bausubstanz richten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig stehen Planerinnen und Planer vor praktischen Hürden. Brandschutzvorgaben, Abstandsflächen und Barrierefreiheitsanforderungen sind im Bestand oft nicht eins zu eins umsetzbar. Hier braucht es pragmatische Lösungen, die ein verantwortbares Sicherheitsniveau gewährleisten, ohne Umbauprojekte wirtschaftlich unmöglich zu machen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Mehr als Paragraphen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Umbauordnung allein wird die Probleme des bayerischen Wohnungsmarkts nicht lösen. Die anhaltend hohen Bau- und Finanzierungskosten, der Fachkräftemangel im Handwerk und die komplizierte Förderkulisse bleiben bestehen. Doch sie kann einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie Potenziale im Bestand erschließt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ankündigung aus Würzburg ist ein Signal. Ob daraus ein wirklicher Aufbruch wird, hängt von der konkreten Ausgestaltung ab. Bayern hat die Chance, aus den Erfahrungen anderer Bundesländer zu lernen und eine zeitgemäße Bauordnung zu schaffen, die dem Bestand den Vorrang gibt. Ob die Staatsregierung diesen Spielraum nutzt oder sich mit kosmetischen Korrekturen begnügt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Grünen im Landtag werden jedenfalls genau beobachten, wie ernst es der CSU mit der Umbauordnung tatsächlich ist. Schließlich haben sie das Thema seit Jahren vorangetrieben und werden nicht müde, auf die klimapolitische Dimension hinzuweisen: Eine Bauwende geht nur mit einer Umbauordnung.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bayerns Architekten verweigern sich der Fortbildungskontrolle</title>
		<link>https://baukunst.art/bayerns-architekten-verweigern-sich-der-fortbildungskontrolle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2025 14:23:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Bayerische Architektenkammer]]></category>
		<category><![CDATA[Berufsregulierung]]></category>
		<category><![CDATA[Fortbildungspflicht]]></category>
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					<description><![CDATA[Bayern verweigert sich als einziges Bundesland einer verbindlichen Fortbildungsordnung für Architektinnen und Architekten. Ein Sonderweg mit Folgen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Der bayerische Sonderweg: Wenn Freiwilligkeit zur Bürde wird</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Bayerische Architektenkammer lehnt als einzige Länderkammer eine verbindliche Fortbildungsordnung ab. Während alle anderen Bundesländer den Weg zur bundesweiten Harmonisierung einschlagen, verweigert sich der Freistaat der Qualitätssicherung. Ein Rückschritt im föderalen Flickenteppich der Berufsregulierung.</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es hätte ein historischer Moment werden können. Am 28. November 2025 stand in der Vertreterversammlung der Bayerischen Architektenkammer die Einführung einer Fortbildungsordnung zur Abstimmung. Der Beschlussvorschlag benötigte eine Zweidrittelmehrheit. Er scheiterte. Damit bleibt Bayern das einzige Bundesland ohne verbindliche Regelung zur Kontrolle der gesetzlich bereits bestehenden Fortbildungspflicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ironie dieser Entscheidung liegt in ihrer Entstehungsgeschichte. Erst im Februar 2025 hatte der Vorstand der Bundesarchitektenkammer einstimmig eine Musterfortbildungsordnung verabschiedet. Das erklärte Ziel: die Harmonisierung der 16 unterschiedlichen Landesregelungen und damit ein Beitrag zur Entbürokratisierung. Alle anderen Länderkammern folgen diesem Weg. Nur Bayern nicht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die sanfteste aller Varianten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei war der bayerische Entwurf bereits die mildeste denkbare Form einer Fortbildungsordnung. Die sogenannte Variante 1 sah vor, dass eine Überprüfung der Fortbildungspflicht ausschließlich auf Antrag erfolgt. Wer ein Zertifikat wünscht, muss nachweisen, dass er oder sie die geforderten 16 Fortbildungspunkte pro Kalenderjahr absolviert hat. Ein Fortbildungspunkt entspricht dabei 45 Minuten Unterricht, insgesamt also gerade einmal zwölf Zeitstunden oder etwa anderthalb bis zwei Arbeitstage im Jahr.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zum Vergleich: In anderen Bundesländern werden jährlich mindestens zehn Prozent der Mitglieder durch Stichprobenverfahren überprüft. Die bayerische Variante hätte niemanden ungefragt kontrolliert. Sie hätte lediglich denjenigen ein Qualitätssiegel ermöglicht, die es aktiv anstreben. Selbst diese minimale Formalisierung war der Vertreterversammlung zu viel.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Argument der Eigenverantwortung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Fortbildungspflicht selbst steht nicht zur Debatte. Sie ist seit Jahren im bayerischen Baukammerngesetz verankert. Artikel 24 Absatz 1 Satz 2 Nummer 1 verpflichtet alle Mitglieder, sich beruflich fortzubilden und über die für die Berufsausübung geltenden Bestimmungen auf dem Laufenden zu halten. Was fehlte, war lediglich die konkrete Ausgestaltung dieser Pflicht durch die Kammer.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Gegnerinnen und Gegner der Ordnung argumentieren mit Eigenverantwortung. Architektinnen und Architekten seien selbstständig denkende Fachleute, die keiner Kontrolle bedürften. Das Studium allein qualifiziere bereits ausreichend. Fortbildung sei ohnehin Teil der täglichen Praxis. Solche Argumente verkennen allerdings die Dynamik des Berufsfelds. Technische Regelwerke ändern sich, Bauordnungsrecht wird novelliert, Nachhaltigkeitsanforderungen steigen, die Digitalisierung transformiert Planungsprozesse. Wer hier nicht Schritt hält, gefährdet nicht nur die eigene Reputation, sondern potenziell auch die Sicherheit von Bauwerken.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Neben den weltanschaulichen Bedenken dürften auch handfeste finanzielle Überlegungen eine Rolle gespielt haben. Die Einführung einer Fortbildungsordnung hätte Kosten in fünf- bis sechsstelliger Höhe in den Haushalt der Bayerischen Architektenkammer bedeutet: für den Aufbau einer Verwaltungsstruktur zur Erfassung und Prüfung der Nachweise, für die technische Infrastruktur eines Punktekontos, für Personal zur Bearbeitung von Anträgen und Zertifikaten. Diese Investition in die Qualitätssicherung des Berufsstands erschien einem Teil der Vertreterversammlung offenbar nicht gerechtfertigt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Themenkatalog als Orientierungsrahmen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die abgelehnte Fortbildungsordnung hatte einen durchdachten Themenkatalog vorgelegt. Neun Sachgebiete definierten das Spektrum anerkennungsfähiger Veranstaltungen: Bau und Stadtbaukultur, Nachhaltigkeit und Umweltschutz, Planung und Gestaltung, Aus und Durchführung, Planungs, Bau und Projektmanagement, Planungs und Bauökonomie, Recht, Digitalisierung sowie Büro und Selbstmanagement. Die Mitglieder hätten ihre Fortbildungsthemen frei nach beruflichen Aufgaben und individuellen Bedürfnissen wählen können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die Präambel des Entwurfs. Sie formuliert Fortbildung nicht nur als Verbraucherschutz, sondern als Grundlage für eine verantwortungsvolle, klima und sozialgerechte Planungspraxis im Sinne von Gemeinwohl und Generationengerechtigkeit innerhalb der planetaren Grenzen. Die Ablehnung dieser Ordnung wirft damit auch die Frage auf, wie ernst die bayerische Architektenschaft ihre gesellschaftliche Verantwortung nimmt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der föderale Flickenteppich wächst</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während die anderen 15 Länderkammern ihre Fortbildungsordnungen angleichen, vergrößert Bayern den regulatorischen Flickenteppich. Für Architektinnen und Architekten, die bundeslandübergreifend tätig sind, bedeutet dies praktische Komplikationen. Fortbildungen, die in einem Bundesland anerkannt werden, gelten nicht automatisch in einem anderen. Die Musterfortbildungsordnung der Bundesarchitektenkammer sollte genau diese Hürden abbauen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die wechselseitige Anerkennung von Fortbildungsveranstaltungen zwischen den Kammern funktioniert nur, wenn vergleichbare Anforderungen bestehen. Bayern fällt hier aus dem System. Wer bei einem Kammerwechsel nach Bayern kommt, findet eine ungeregelte Situation vor. Wer Bayern verlässt, muss unter Umständen Nachweise erbringen, die im Freistaat nie verlangt wurden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die verpasste Chance der Qualitätssicherung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Zertifikatssystem der abgelehnten Ordnung hätte Bauherrinnen und Bauherren ein Signal gegeben. Wer ein zertifiziertes Kammermitglied beauftragt, kann davon ausgehen, dass diese Person ihre Fortbildungspflicht dokumentiert erfüllt. Dieses Vertrauenselement fällt nun weg. Die Kammer verzichtet auf ein Instrument der Qualitätssicherung, das anderen Berufskammern selbstverständlich ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Verhältnismäßigkeitsprüfung nach EU Richtlinie 2018/958, die vor der Abstimmung durchgeführt wurde, kam zu einem eindeutigen Ergebnis: Die Fortbildungsordnung ist gerechtfertigt, notwendig und verhältnismäßig. Sie dient dem Verbraucherschutz, der öffentlichen Sicherheit und dem Natur und Umweltschutz. Sie beschränkt weder den Berufszugang noch die Berufsausübung unverhältnismäßig. Die eingegangenen Stellungnahmen der Mitglieder brachten kaum neue Argumente.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Berufsstand zwischen Tradition und Moderne</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung der bayerischen Vertreterversammlung offenbart einen Riss innerhalb des Berufsstands. Auf der einen Seite stehen diejenigen, die lebenslanges Lernen als Selbstverständlichkeit betrachten und keine externe Kontrolle benötigen. Auf der anderen Seite stehen jene, die formalisierte Standards als Zeichen von Professionalität verstehen. Beide Positionen haben ihre Berechtigung. Doch in einer Zeit, in der Baukultur, Klimaschutz und Digitalisierung den Berufsalltag fundamental verändern, wirkt das Beharren auf Selbstregulation anachronistisch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bayerische Architektenkammer wird nun einen eigenen Weg finden müssen, die gesetzliche Fortbildungspflicht ihrer Mitglieder zu begleiten, ohne sie zu kontrollieren. Die Akademie für Fort und Weiterbildung wird weiterhin Seminare, Workshops und Lehrgänge anbieten. Die Teilnahme bleibt freiwillig im Sinne einer Selbstverpflichtung ohne Nachweis. Ob das reicht, um den Qualitätsstandard des Berufsstands langfristig zu sichern, darf bezweifelt werden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Revision ist vorgezeichnet</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Fortbildungsordnung wird wiederkommen. Die Bundesarchitektenkammer hat die Umsetzung in den Ländern für die kommenden zwei Jahre avisiert. Der gesellschaftliche Druck in Richtung Qualitätssicherung und Verbraucherschutz wird nicht nachlassen. Spätestens wenn andere Bundesländer von Prüfungspflichten für komplexe Bauvorhaben auf nachgewiesene Fortbildung abstellen, wird Bayern nachziehen müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein weiterer Faktor dürfte den Druck zusätzlich erhöhen: die europarechtliche Dimension der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure. Der Europäische Gerichtshof begründete sein Urteil vom 4. Juli 2019, mit dem er die verbindlichen Mindestsätze der HOAI für europarechtswidrig erklärte, mit einer systemischen Inkohärenz: Die Bundesregierung rechtfertigte die Mindestsätze mit Qualitätssicherung und Verbraucherschutz. Der EuGH akzeptierte dieses Ziel als grundsätzlich legitim, monierte jedoch, dass in Deutschland Planungsleistungen faktisch von jedermann erbracht werden können, ohne entsprechende Qualifikation nachzuweisen. Die Bauvorlageberechtigung, so der Gerichtshof, reiche als Qualitätsgarant nicht aus, zumal sie über die sogenannte kleine Bauvorlageberechtigung auf Handwerksmeister wie Maurer, Betonbauer und Zimmerleute ausgeweitet wurde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer also verbindliche Mindestsätze als Qualitätsinstrument wiederherstellen will, muss zunächst die Qualifikationsanforderungen harmonisieren. Alle Bauvorlagenberechtigten müssten vergleichbare Standards erfüllen, was neben der Ausbildung auch eine dokumentierte Fortbildungspflicht einschließt. Bayern entzieht sich mit der Ablehnung einer verbindlichen Fortbildungsordnung genau diesem Harmonisierungsprozess und erschwert damit langfristig die Wiederherstellung eines kohärenten, EU-konformen Honorarsystems für Planungsleistungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bis dahin bleibt der Freistaat ein fortbildungsregulatorischer weißer Fleck auf der Deutschlandkarte. Ein Sonderweg, der niemandem nützt: nicht den Bauherrinnen und Bauherren, nicht dem Berufsstand, nicht der gebauten Umwelt. Die Vertreterversammlung hat eine Chance vertan. Die nächste wird kommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>München gegen die Abrissbirne: Warum die Stadt jetzt auf Umbau setzt</title>
		<link>https://baukunst.art/muenchen-gegen-die-abrissbirne-warum-die-stadt-jetzt-auf-umbau-setzt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2025 14:53:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[bezahlbarer Wohnraum München]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz und Modernisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Umbaukultur München]]></category>
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					<description><![CDATA[ München baut um statt ab – doch wo scheitert die ökologische Wende an Denkmalschutz und Rendite?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Münchens stille Revolution: Warum Umbaukultur mehr ist als nur ein Trend – und wo sie an Grenzen stößt</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">München, lange bekannt für seine dynamische Bauwirtschaft und den raschen Abriss alter Bausubstanz, erlebt eine architektonische Wende. Stadtbaurätin Elisabeth Merk setzt seit Jahren auf Umbau statt Neubau – nicht aus Nostalgie, sondern aus ökologischer Notwendigkeit. Die Bauwirtschaft verschlingt weltweit die meisten Ressourcen, und jeder Abriss bedeutet nicht nur Materialverlust, sondern auch CO₂-Ausstoß. Doch wie gelingt der Spagat zwischen Denkmalschutz, bezahlbarem Wohnraum und moderner Architektur? Und wo scheitert die Umbaukultur an politischen, wirtschaftlichen oder historischen Hürden?</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Erfolgreiche Projekte: Wenn aus Alt Neu wird</strong></h3>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">1. DAV-Bundesgeschäftsstelle in Parkstadt Schwabing</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ehemalige Bürogebäude in der Parkstadt Schwabing, heute Sitz des Deutschen Alpenvereins (DAV), ist ein Paradebeispiel für gelungene Revitalisierung. Statt den Betonkern abzureißen, wurde er erhalten, aufgestockt und mit einem Atrium sowie einem Holzgerüst an der Fassade versehen. Das Ergebnis: ein energieeffizientes Gebäude, das weniger Treibhausgase ausstößt und sogar CO₂ langfristig bindet. Besonders bemerkenswert: Die Umbaukosten lagen unter denen eines Neubaus – ein Argument, das auch Investoren überzeugt.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">2. Ehemaliges Bahnausbesserungswerk in Neuaubing</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier entstand aus einer denkmalgeschützten Industriehalle ein High-Tech-Standort für Laserkommunikationssysteme. Die Sanierung bewahrte nicht nur die historische Substanz, sondern schuf auch moderne Arbeitswelten. Die Herausforderung: Denkmalschutz und moderne Nutzung unter einen Hut zu bringen. Das Ergebnis zeigt, dass Umbaukultur nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll sein kann.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">3. Klimaquartier Ramersdorf</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ehrgeizigste Projekt der Münchner Wohnen: Bis Mitte der 2030er Jahre sollen 916 Wohnungen energetisch saniert und modernisiert werden. Durch Aufstockungen entstehen 260 zusätzliche, barrierefreie Wohnungen. Das Ziel ist ein klimaneutrales Quartier, das bezahlbaren Wohnraum schafft und die Lebensqualität erhöht. Der Siegerentwurf eines Wettbewerbs setzt auf Erhalt der Bestandsgebäude und Aufwertung des Freiraums – ein Modell für andere Städte.</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wo die Umbaukultur an Grenzen stößt</strong></h3>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">1. Denkmalschutz vs. Modernisierung</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht jedes Projekt verläuft reibungslos. Das geplante Hochhaus am Mittleren Ring, das auf eine denkmalgeschützte Fabrikhalle aufgesetzt werden sollte, scheiterte an der Stadtgestaltungskommission. Der Grund: Die historische Substanz drohte zur „Manschette“ des Neubaus zu werden. Hier zeigt sich, dass Denkmalschutz nicht nur ästhetische, sondern auch ethische Fragen aufwirft – besonders, wenn Gebäude wie die ehemalige Hesselberger Lederfabrik eine NS-Vergangenheit haben.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">2. Wirtschaftliche Interessen</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotz aller ökologischen Vorteile: Büros bringen höhere Mieteinnahmen als Wohnungen. Die Umwandlung von Büroflächen in Wohnraum stockt daher oft an finanziellen Hürden. Die Stadt versucht gegenzusteuern, etwa mit dem Leitfaden „Office to Housing“, der Investoren Anreize bieten soll. Doch ohne politische Rahmenbedingungen bleibt der Umbau oft die Ausnahme.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">3. Akzeptanz in der Bevölkerung</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während Fachleute die Umbaukultur feiern, stößt sie in der Öffentlichkeit nicht immer auf Begeisterung. Projekte wie das Klimaquartier Ramersdorf zeigen, dass partizipative Planung und transparente Kommunikation entscheidend sind, um Skepsis abzubauen. Ohne die Unterstützung der Mieterinnen und Mieter scheitern selbst die besten Konzepte.</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Münchens Umbaukultur: Ein Vorbild mit Macken</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Elisabeth Merk und ihre Mitstreiter beweisen, dass Umbaukultur funktioniert – technisch, ökologisch und oft auch wirtschaftlich. Doch der Weg ist steinig: Denkmalschutz, Investoreninteressen und politische Rahmenbedingungen müssen im Einklang stehen. München zeigt, dass die Wende möglich ist, aber nur, wenn alle Akteure an einem Strang ziehen. Die Frage bleibt: Wird die Umbaukultur zum Standard – oder bleibt sie ein Nischenthema für engagierte Pioniere?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Augsburger Staatstheater: Ein Bauprojekt zwischen Tradition und moderner Architektur</title>
		<link>https://baukunst.art/augsburger-staatstheater-ein-bauprojekt-zwischen-tradition-und-moderner-architektur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2025 14:33:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[regionale Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Staatstheater Augsburg]]></category>
		<category><![CDATA[Theatersanierung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14336</guid>

					<description><![CDATA[ Augsburgs Staatstheater wird zum teuren Experiment: Zwischen Tradition, Moderne und Kostenexplosion entsteht ein neues Kulturzeichen – doch nicht ohne Widerspruch.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Staatstheater Augsburg: Zwischen Denkmalschutz und Kostenexplosion</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Bauprojekt als Spiegel regionaler Herausforderungen</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Augsburger Staatstheater, 1878 von den Wiener Architekten Fellner und Helmer erbaut und nach Kriegszerstörungen in den 1950er Jahren wiederaufgebaut, steht erneut im Fokus der Öffentlichkeit. Doch diesmal geht es nicht um historische Reminiszenzen, sondern um eine der umstrittensten Sanierungen der jüngeren bayerischen Baugeschichte. Mit einem aktuellen Kostenrahmen von über 417 Millionen Euro – ursprünglich waren 186 Millionen veranschlagt – und einer Fertigstellung erst 2030, zeigt das Projekt, wie regionale Baukultur, politische Verantwortung und wirtschaftliche Realitäten kollidieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Von der Vision zur Baustelle: Planungswirren und Architekturenwechsel</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sanierung des denkmalgeschützten Großen Hauses und der Neubau des Kleinen Hauses sowie eines Betriebsgebäudes sollten das Theater in die Zukunft führen. Doch der Weg dorthin war von Turbulenzen geprägt: Nach jahrelangen Verzögerungen und Streitigkeiten um Honorare und Planungskompetenzen beendete die Stadt Augsburg 2025 die Zusammenarbeit mit dem Münchner Architekturbüro Achatz, das zuvor für die Sanierung der Münchner Kammerspiele verantwortlich war. Die Gründe bleiben im Dunkeln, doch die Folgen sind sichtbar: Ein neues Planungsteam unter der Leitung des Büros HENN übernahm die Verantwortung – mit dem Auftrag, das Projekt „im Kostenrahmen und zeitgerecht“ zu vollenden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">HENNs Entwurf setzt auf eine halbtransparente Glasfassade, die sich wie ein Theatervorhang um das Kleine Haus legt. Das Material: recyceltes Glas aus der Region, das tagsüber das Innenleben des Theaters erahnen lässt und nachts als leuchtende Kulturbühne wirkt. Doch nicht alle sind begeistert. Kritiker bemängeln, die Fassade wirke „hässlich oder billig“ und sei schwer lesbar. Befürworter hingegen loben die moderne, offene Gestaltung, die Tradition und Innovation verbindet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kosten, Kritik und kulturelle Strahlkraft</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kostenexplosion – von 186 auf über 417 Millionen Euro – sorgt für Unmut. Der Bund der Steuerzahler spricht von einem „Fass ohne Boden“ und warnt vor weiteren Verzögerungen, die Millionen verschlingen. Doch die Stadt Augsburg betont die Notwendigkeit des Projekts: Das Theater sei ein „wichtiger Standortfaktor“ und trage zur Stadtentwicklung bei. Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) sieht in der Sanierung eine Chance, die kulturelle Identität Augsburgs zu stärken – trotz der finanziellen Bürde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Regionale Besonderheiten: Denkmalschutz, Materialien und Akteure</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sanierung des Staatstheaters ist ein Paradebeispiel für die Herausforderungen regionaler Baukultur. Der denkmalgeschützte Bestand erfordert sensible Lösungen, die historische Substanz und moderne Anforderungen vereinen. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie lokale Netzwerke und politische Entscheidungen den Bauprozess prägen. Die Zusammenarbeit mit regionalen Handwerksbetrieben und die Nutzung nachhaltiger Materialien wie recyceltem Glas unterstreichen den Anspruch, ein „europäisches Kulturgebäude“ zu schaffen, das der Metropole Augsburg gerecht wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit: Ein Theaterbau als Labor für die Zukunft</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Augsburger Staatstheater wird mehr als ein Gebäude: Es ist ein Labor für den Umgang mit historischem Erbe, finanziellen Grenzen und architektonischen Visionen. Ob die Sanierung am Ende als Erfolg oder als Mahnmal für Planungsfehler in Erinnerung bleibt, hängt nicht nur von der Architektur ab, sondern auch davon, wie die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger mit den Herausforderungen umgehen. Eines ist sicher: Das Projekt wird noch lange für Gesprächsstoff sorgen – auf und hinter der Bühne.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wie die Königsklasse des Bauens den Freistaat prägt</title>
		<link>https://baukunst.art/wie-die-koenigsklasse-des-bauens-den-freistaat-praegt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 08:48:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltige Architektur]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Preis „Bauen im Bestand" 2025 zeigt: Bayern transformiert seine Architekturlandschaft durch intelligentes Umdenken. Würzburg gewinnt den Staatspreis – ein Signal für nachhaltiges Bauen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Renaissance der Bausubstanz</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer Bayern als Freistaat der glänzenden Neubauten wahrnimmt, täuscht sich fundamental. Die dritte Auflage des Preises „Bauen im Bestand 2025&#8243; offenbart eine architektonische Strategie, die bayernweit längst in den Handschriften ambitionierter Planerinnen und Planer geschrieben steht: Umbauen statt Abreißen, Transformation statt Tabula rasa. Der soeben verliehene Staatspreis für das Mozartareal in Würzburg ist dabei weniger eine Auszeichnung für Einzelleistung als vielmehr ein Manifest für eine Umbaukultur, die Bayern als Leitmacht etablieren könnte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern besitzt eine architektonische Gemengelage, die anderswo Neid weckt. Von den gründerzeitlichen Wohnquartieren Münchens über die industriellen Gutachterstädte Nürnbergs bis zu den kleinen, feinen Ensembles fränkischer und oberpfälzer Ortskerne – der Bestand ist nicht bloß Material, sondern kulturelle Erbschaft. Und genau hier setzt der aktuelle Preis an: Er erklärt die Bewahrung und intelligente Weiterentwicklung dieser Substanz zur Königsklasse der Baukunst.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Würzburg als Modell: Das Mozartareal</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Würzburger Entscheidung ist dabei alles andere als Sentimentalität. Das Hufeisen-Ensemble auf dem Mozartareal – ursprünglich eine Schulanlage der Nachkriegsjahrzehnte – wurde nicht musealisiert, sondern vitalisiert. Die Stadt Würzburg hätte die bequemere, profitablere Variante wählen können: Eine Shopping-Mall statt einer Schule, Konsum statt Konflikt mit Denkmalschutz. Die Architekten Grellmann Kriebel Teichmann &amp; Partner Architekten (Würzburg) erfassten indes die genuine Qualität des Bestandsbaus: die Großzügigkeit der Raumfolgen, die Qualität der Orientierungsfähigkeit durch Klarheit der Form, die Eignung als öffentlicher Ort.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Transformation ist kein lokales Phänomen. Sie offenbart etwas Grundsätzliches über die Handlungsfähigkeit in bayerischen Stadträten: Während bundesweit die Fachwerkhütte zur Spekulationsmasse wird, bewies Würzburg, dass Kultur und Wirtschaftlichkeit keine Antagonisten sein müssen. Das Mozartareal wurde zur lebendigen Schule; es blieb im städtischen Diskurs präsent statt in den Aktenschränken zu verschwinden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bayern als Versuchslabor für Baukultur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Blick auf die insgesamt 13 nominierten Projekte und die 68 Einreichungen aus Bayern belegt: Der Freistaat ist längst ein Laboratorium intelligenter Bestandstransformation geworden. Das Diözesanmuseum Freising – eine Umgestaltung eines Ursprungsgebäudes vor 1900 durch das Büro Brückner &amp; Brückner Architekten (Tirschenreuth/Würzburg) – zeigt, wie aus dem katholischen Knabenseminar ein lichtdurchfluteter Kunst-Tempel wird. Es ist Transformation als Emanzipation: Das Gebäude bekommt seine nächste Aufgabe, wächst in neue gesellschaftliche Funktionen hinein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gasteig HP8 in München wiederum beweist, dass auch Großstadtprojekte im mittleren siebenstelligen Investitionsbereich nicht an ihrer Bestandstragik scheitern müssen. Das Hamburger Büro gmp (von Gerkan, Marg und Partner) schuf aus einer Industriehalle an der Isar einen „backsteinernen Kultur-Leuchtturm&#8220; – wie Staatsminister Markus Blume ausdrücklich bemerkte. Ein Projekt, das die ganze Ambivalenz der modernen bayerischen Architekturpolitik offenbart: Kultur statt Rendite, ökologische Gesinnung statt Flächenversiegelung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeitsbonus: Bayern als Klimavorreiter</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Klimaschutz- und Energiewende-Debatte wird vielerorts abstraktisiert. Bayern zeigt in der Bestandstransformation ein Phänomen: Das Umbauen ist nicht bloß ästhetische Preference, sondern ökologische Notwendigkeit. Jedes Gebäude, das bewahrt statt abgerissen wird, spart die sogenannte graue Energie – jenen enormen CO2-Rucksack, den jeder Neubau mit sich trägt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bayerische Architektenkammer, der Freistaat und die Bundesstiftung Baukultur haben diesen Nexus längst erfasst: Das Umbauen ist nicht Nostalgie, sondern Klimapolitik mit Architekturstift. Lydia Haack, Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer, formulierte es präzise: „Bauen im Bestand ist eine der größten kulturellen, ökologischen und gesellschaftlichen Aufgaben unserer Zeit.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Besonderheiten: Bayern zwischen Tradition und Moderne</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern hat bei dieser Transformation strukturelle Vorteile. Die dezentrale Struktur des Freistaates – Franken, Oberbayern, Schwaben – erzeugt eine Vielfalt lokaler Baukulturen. Es gibt keine monolithische „bayerische Architektur&#8220;, sondern regionale Dialekte: die Ziegelbauweise Unterfrankens, die Alpenarchitektur Südbayerns, die Industriekultur der Nürnberger Gutachterstädte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eben dieser Reichtum wird im Preis „Bauen im Bestand&#8220; sichtbar: Das Schloss Geltolfing in Aiterhouten, die neue Ortsmitte MittenIM in Niederwerrn (Schwaben), der document Kepler in Regensburg – sie alle zeugen von lokalen Qualitätsansprüchen, die nicht unter der Betongarmatur des bundeseinheitlichen Standards verschwinden. Das ist nicht regionale Folklore, sondern Beweis dafür, dass Ortsgebundenheit und Exzellenz zusammengehen können.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Schattenseite: Fragmente statt Flächenbelegung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritisch angemerkt: Der Preis würdigt Einzelprojekte, nicht Flächenstrategien. Bayern hat Tausende von Gebäuden, deren Zukunft ungewiss ist. Die großen Brachflächentransformationen – etwa die Konversion von Kasernen oder Fabrikareal – bleiben oft hinter ihren Potenzialen zurück. Der Bestand ist kein Problem, das mit drei Preisen gelöst wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dennoch: Der symbolische Zuschlag an Würzburg, an Freising, an München signalisiert etwas Grundsätzliches über die Selbstverständigung eines Bundeslandes. Bayern positioniert sich nicht als Abreißrepublik, sondern als Transformationspionier. Das ist baukulturpolitisch relevant.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Intelligenz statt Improvisation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Preisträgerinnen und Preisträger des Jahres 2025 zeigen: Bauen im Bestand ist die Kunstform jener Architektur, die nicht einfach baut, sondern denkt. Bayern hat damit eine Chance, sich als Freistaat zu profilieren, der Nachhaltigkeit nicht als Marketing-Slogan missbraucht, sondern als architektonisches Handwerksprinzip verankert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Mozartareal in Würzburg, die Architekturpreise und die 194 Einreichungen sind nicht bloß Meldungen für Fachjournalistinnen und Fachzeitschriften. Sie sind Indikatoren für eine Gesellschaft, die verstanden hat: Bauen bedeutet nicht, die Welt zu erneuern, sondern sie intelligent weiterzuentwickeln. Bayern macht das vor.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Geheimplan oder Geschäftstätigkeit? Wie ein Investor Münchens Kultstätten aufkauft</title>
		<link>https://baukunst.art/geheimplan-oder-geschaeftstaetigkeit-wie-ein-investor-muenchens-kultstaetten-aufkauft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 08:34:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[#Münchner Innenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Immobilienentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[München erlebt einen ungewöhnlichen Immobilien-Moment: Ein Investor kauft Kultstätten der Innenstadt mit überraschender Geschwindigkeit auf. Die Architekturszene rätselt über die Strategie – und das Potenzial für eine Stadtentwicklung im Wandel.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Phantom mit klarem Plan: Wie Erich Schwaiger Münchens Innenstadt umgestaltet</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Münchner Innenstadt erlebt derzeit ein ungewöhnliches Phänomen: Ein Investor kauft mit bemerkenswerter Geschwindigkeit Immobilien in bester Lage auf. Erich Schwaiger, bekannt aus dem Südpark-Projekt Obersendling, bricht Anfang Oktober 2025 auf zum Einkauftour durch die Fußgängerzone. Hirmer, Sport Schuster, Kaut-Bullinger – Marken, die für Generationen Münchnerinnen und Münchner über Jahrzehnte prägten. Für Immobilienmaklerin und -makler ist es ein rätselhaftes Muster. Für die Stadt ein Moment der Neuausrichtung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was zunächst wirkt wie die Sammelleidenschaft eines wohlhabenden Investors, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als strategisches Immobilien-Mosaik. Schwaiger, der bereits Erfahrungen mit großflächigen Entwicklungen hat, konzentriert sich nicht auf periphere Lagen oder Lückenbauplätze. Er zielt auf die traditionsreiche Kernzone ab – dort, wo die großen Namen des Münchner Einzelhandels ihre Wurzeln haben.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Strategie dahinter</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Rapidität der Transaktionen überraschte Immobilienexperten. Innerhalb weniger Tage realisiert Schwaiger mehrere Käufe von Leuchtturm-Immobilien. Das ist kein Zufall, sondern deutet auf eine vorbereitete Akquisitionsstrategie hin. Die Branche munkelt: Was plant ein Investor mit diesen Kultorten? Eine klassische Neunutzung unter bestehender Fassade? Ein radikales Nutzungskonzept?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Alte Akademie in der Fußgängerzone rückt dabei in besonderes Augenmerk. Diese Ruine – hinterlassen von René Benkos Signa-Imperiums – ist längst ein urbaner Wundpunkt geworden. Oberbürgermeister Dieter Reiter spricht vom „Schandfleck mitten im Herzen der Fußgängerzone&#8220;. Hier konkurriert Schwaiger mit etablierten Playern wie der Heinz Hermann Thiele Familienstiftung und der Hammer AG. Ein ehemaliger CSU-Oberbürgermeister-Kandidat tritt ebenfalls in Erscheinung – die Alte Akademie ist offenbar ein Preis-Objekt geworden, um das mehrere Konzepte ringen.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das regional-planerische Rätsel</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bei dieser Entwicklung aus architektonischer Perspektive besonders interessiert: Folgt Schwaiger einem übergreifenden Leitbild? Oder sind es Opportunitätskäufe im Kontext einer generellen Neubewertung innerstädtischer Flächen?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern und München speziell erleben ein urbanes Umdenken. Die klassischen Einzelhandelsflächen, jahrzehntelang Garant für funktionsfähige Fußgängerzonen, verlieren ihre Exklusivität. Onlinehandel, veränderte Konsumgewohnheiten, nachlassende Frequenzen in urbanen Zentren – die Symptome sind diagnosziziert. Die Therapie aber bleibt unklar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schwaiger könnte Vorbote einer neuen Epoche sein. Nicht die Tertiarisierung alter Einzelhandelsflächen (wie in vielen deutschen Innenstädten üblich), sondern deren Transformation in flexible, multifunktionale Areale. Mixed-Use-Konzepte mit Büro, Wohnen, experimentelle Kultur- und Kreativräume – München hätte durchaus Kapazität für solche Experimente.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Baurechtliche und kulturelle Komplexitäten</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Allerdings: München ist nicht beliebig. Die Landeshauptstadt Bayerns unterliegt – wie alle bayerischen Gemeinden – spezifischen Vorgaben der Bayerischen Bauordnung (BayBO). Neue Nutzungen in der historischen Altstadt erfordern Abwägung mit Denkmalschutzinteressen, Gestaltungsbeiräten, und städtebaulichen Qualitätsstandards. Die Stadt verfügt über einen renommierten Gestaltungsbeirat. Architektonisch versiertheit ist eine Voraussetzung, nicht eine Option.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was Schwaiger vorhätte – und hier liegt die Kernfrage der Branche – muss sich nicht nur planungsrechtlich, sondern auch kulturell mit Münchens Selbstverständnis auseinandersetzen. Die Innenstadt ist nicht Spielfeld für beliebige Kapitalverwertung, sondern historisch gewachsener Raum mit eigenem Charakter. Die Alte Akademie etwa – wann immer sie reaktiviert wird – wird an ihrer Geschichte gemessen: Ein Ort von kulturellem Gewicht, einstmals Sitz der Kunstakademie, später Münchner kulturelle Institution.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Freistaat in der Verantwortung</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessanterweise droht Schwaiger im Kontext der Alten Akademie mit rechtlichen Schritten gegen den Freistaat Bayern. Das ist ein signaler Moment: Ein privater Investor, der einen öffentlichen Träger in die juristische Defensive treibt. Hier vermischt sich Privateigentum mit öffentlichem Anspruch. Bayern – als Freistaat – muss sich Fragen gefallen lassen: Wie lange lässt man Kulturgüter unbespielt? Welche Verantwortung trägt der öffentliche Sektor?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist keine rein architektonische, sondern auch eine politische Frage. Und sie deutet auf eine generelle Neubewertung hin: Der Privatsektor könnte künftig auch in Münchens Zentrum stärker gestaltend eingreifen.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick und Chancen</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eines ist klar: Schwaiger ist kein anonymer Finanzinvestor. Er hat Ortskenntnis, baut Erfahrung mit komplexen Projekten. Das Südpark-Projekt in Obersendling – ein ehemaliges Industrie-Areal – zeigt: Der Mann kann überzeugend umdenken. Urbane Transformation ist sein Metier.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Schwaiger also die klassischen Einzelhandelsflächen Münchens umgestaltet, könnte das die Innenstadt in eine andere Zukunft führen – weniger Konsum-orientiert, möglicherweise experimenteller, offener für neue urbane Mischformen. Oder aber es werden am Ende klassisch Luxus-Wohnungen daraus – die Variante ohne städtebauliche Innovation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Münchner Stadtplanerin und der Stadtplaner sollten genauer hinschauen. Wir alle sollten es. Denn was hier entsteht, könnte exemplarisch sein: Für die Frage, wie Innenstädte überhaupt noch funktionieren können. Und wer die Verantwortung dafür trägt.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Mainberg-Dilemma: Zur prekären Lage privater Denkmaleigentümer in Bayern</title>
		<link>https://baukunst.art/das-mainberg-dilemma-zur-prekaeren-lage-privater-denkmaleigentuemer-in-bayern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Sep 2025 09:52:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Schloss Mainberg]]></category>
		<category><![CDATA[Unterfranken]]></category>
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					<description><![CDATA[Das "fränkische Neuschwanstein" kämpft ums Überleben – Schloss Mainberg steht zum Verkauf, während Bayern über die Zukunft seiner Denkmäler debattiert.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Kann sich Bayern seine Denkmäler noch leisten? Ein Beispiel aus Schonungen</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Rettungsversuch und Resignation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Majestätisch thront Schloss Mainberg über dem Main. Doch der märchenhafte Eindruck täuscht. Die 800 Jahre alte Anlage, einst Geburtsort des Jet-Set-Fotografen Gunter Sachs, verkörpert exemplarisch das Dilemma der bayerischen Denkmalpolitik. Seit April 2025 steht das Schloss für drei Millionen Euro zum Verkauf – ein verzweifelter Versuch, das bauhistorische Juwel vor dem endgültigen Verfall zu bewahren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. 32 Millionen Euro jährlich stellt der bayerische Entschädigungsfonds für Denkmäler bereit, finanziert je zur Hälfte von Freistaat und Kommunen. Eine Summe, die angesichts von rund 115.000 Baudenkmälern im Freistaat wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirkt. Pro Denkmal stehen rechnerisch gerade einmal 280 Euro zur Verfügung – nicht einmal genug für eine fachgerechte Begutachtung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Schloss Mainberg: Paradigma einer verfehlten Strategie</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall Schonungen illustriert die Misere eindrücklich. Nach langem Kampf hat der Freistaat gerade 700.000 Euro zugesagt, um das Schloss in Privatbesitz wenigstens vorm gröbsten Verfall zu bewahren. Eine Notmaßnahme, mehr nicht. Bürgermeister Stefan Rottmann bringt die Problematik auf den Punkt: &#8222;Da sich zudem der Berg insgesamt bewegt, ist das Schloss in Gefahr&#8220;. Die geologischen Herausforderungen verschärfen eine ohnehin prekäre Situation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die historistisch-spätromantische Innenausstattung des Schlosses, zwischen 1915 und 1920 von Franz Rank für den Industriellen Ernst Sachs geschaffen, gilt als einzigartiges Gesamtkunstwerk dieser Epoche in Bayern. 28 Zimmer, ein Rittersaal mit Orgel, kunstvolle Fresken – all das droht verloren zu gehen. Die aktuelle Eigentümerin Renate Ludwig kann die Erhaltungskosten nicht stemmen. Ihre Preisvorstellung von ursprünglich fünf Millionen Euro musste sie bereits auf drei Millionen reduzieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Strukturelle Defizite der bayerischen Denkmalförderung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Probleme sind systemisch. Zur Festlegung der Art sowie Höhe der Zuwendung erfolgt in jedem Einzelfall eine auf die individuellen finanziellen Verhältnisse des jeweiligen Eigentümers abgestimmte Zumutbarkeitsprüfung. Dieses bürokratische Verfahren verzögert dringend notwendige Rettungsmaßnahmen oft um Jahre. Währenddessen schreitet der Verfall unaufhaltsam voran.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Förderstrukturen selbst sind ein Flickenteppich aus Bundes-, Landes- und kommunalen Programmen, ergänzt durch private Stiftungen. Bis einschließlich 2024 wurden zwölf Denkmalschutz-Sonderprogramme mit einem Gesamtvolumen von rund 547 Millionen Euro umgesetzt – bundesweit wohlgemerkt, nicht nur für Bayern. Die Konkurrenz um diese Mittel ist entsprechend hart.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Besonderheiten verschärfen die Krise</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Unterfranken steht vor besonderen Herausforderungen. Die Region verfügt über eine außergewöhnlich hohe Denkmalsdichte, von mittelalterlichen Stadtkernen bis zu barocken Residenzen. Gleichzeitig fehlen oft die wirtschaftsstarken Investorinnen und Investoren, die in prosperierenden Metropolregionen Denkmäler als Prestigeobjekte erwerben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die lokalen Bauordnungen und denkmalpflegerischen Auflagen schaffen zusätzliche Hürden. Gefördert werden die reinen denkmalpflegerischen Mehraufwendungen, heißt es in den Förderrichtlinien. Doch diese Mehrkosten können schnell astronomische Höhen erreichen, besonders wenn historische Handwerkstechniken und Materialien zum Einsatz kommen müssen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Innovative Ansätze und Modellprojekte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hoffnung machen vereinzelte Erfolgsgeschichten. Das Forschungsprojekt &#8222;GreenHeritage 360°&#8220; etwa erprobt in Augsburg klimafreundliche Revitalisierungsstrategien für denkmalgeschützte Infrastrukturbauten. Solche Ansätze könnten Blaupausen für die Zukunft liefern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch die Idee regionaler Netzwerke gewinnt an Bedeutung. Fördervereine, Bürgerinitiativen und lokale Unternehmen schließen sich zusammen, um &#8222;ihre&#8220; Denkmäler zu retten. Der Förderverein Schloss Mainberg kämpft seit Jahren für den Erhalt der Anlage – bislang mit überschaubarem Erfolg.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zeit für einen Paradigmenwechsel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Historiker Thomas Horling kritisiert die bayerische Fokussierung auf Feudal- und Monarchiegeschichte. Andernorts werde das Leben früherer Industriebarone längst touristisch präsentiert, argumentiert er. Die Geschichte der Industriellenfamilien Sattler und Sachs auf Schloss Mainberg böte enormes touristisches Potenzial – wenn man es denn zu nutzen wüsste.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Forderung nach einer Übernahme problematischer Denkmäler in Staatsbesitz wird lauter. Eine Möglichkeit wäre es, Schloss Mainberg in das Eigentum des Freistaats zu überführen, schlägt die grüne Landtagsabgeordnete Rosi Steinberger vor. Ein runder Tisch mit allen Beteiligten könnte Perspektiven entwickeln.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Handeln, bevor es zu spät ist</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern steht an einem Scheideweg. Entweder gelingt es, die Denkmalförderung grundlegend zu reformieren und finanziell deutlich besser auszustatten, oder der Freistaat wird einen erheblichen Teil seines baukulturellen Erbes verlieren. Über 1 Milliarde Euro aus dem Entschädigungsfonds konnten bisher landesweit für Denkmalsanierungen zur Verfügung gestellt werden, mit einem geschätzten Sanierungsvolumen von vier Milliarden Euro. Diese Zahlen zeigen: Denkmalschutz ist auch ein Wirtschaftsfaktor.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall Schloss Mainberg mahnt zum Handeln. 30 Jahre früher hätte die Rettung günstiger sein können, wie das Denkmalnetz Bayern anmerkt. Jetzt braucht es mutige Entscheidungen – und vor allem: ausreichende Mittel. Sonst wird aus dem &#8222;fränkischen Neuschwanstein&#8220; bald eine malerische Ruine. Ein Schicksal, das viele weitere bayerische Denkmäler teilen könnten.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Herzog &#038; de Meurons Milliardenquartier: Wie Münchens Bahnhofsviertel seine Schmuddelecken-Image loswerden will</title>
		<link>https://baukunst.art/herzog-de-meurons-milliardenquartier-wie-muenchens-bahnhofsviertel-seine-schmuddelecken-image-loswerden-will/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Sep 2025 13:14:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[München-Bahnhofsviertel]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltige Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Quartiersentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[Münchens größtes Innenstadtprojekt THE VERSE transformiert das Bahnhofsviertel. Herzog &#038; de Meuron schaffen ein Quartier zwischen bayerischer Bautradition und internationalem Anspruch.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">THE VERSE: Münchens Bahnhofsviertel zwischen Verdichtung und Verheißung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Münchner Bahnhofsviertel hat schon vieles gesehen: Gründerzeitlichen Glanz, kriegsbedingte Zerstörung, zwielichtige Rotlichtromantik und nun die nächste Metamorphose. Mit THE VERSE entsteht hier bis 2027 ein Quartier, das exemplarisch für die Herausforderungen bayerischer Stadtentwicklung steht. Herzog &amp; de Meuron interpretieren dabei nicht nur ein schwieriges Grundstück neu, sondern navigieren geschickt durch die Untiefen der Bayerischen Bauordnung und münchnerischer Planungskultur.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Hauptbahnhof und Theresienwiese: Ein Standort im Spannungsfeld</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Areal zwischen Bayer-, Schwanthaler-, Paul-Heyse- und Mittererstraße liegt im Epizentrum städtebaulicher Umbrüche. Die Nähe zum derzeit komplett neugestalteten Hauptbahnhof macht das Quartier zum Gravitationszentrum der sich wandelnden Münchner Innenstadt. Was die Entwicklerinnen und Entwickler von ACCUMULATA gemeinsam mit Oaktree Capital Management hier realisieren, folgt einer spezifisch münchnerischen Logik: maximale Verdichtung bei gleichzeitiger Schaffung von Aufenthaltsqualität – ein Balanceakt, den die Stadtgestaltungskommission mit Argusaugen beobachtet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die bayerische Landeshauptstadt ringt seit Jahren mit ihrer eigenen Attraktivität. Der Zuzugsdruck, die astronomischen Grundstückspreise und die restriktive Höhenbegrenzung der Münchner Bauordnung zwingen Planerinnen und Planer zu kreativen Lösungen. THE VERSE nutzt diese Zwänge produktiv: Mit über 70.000 Quadratmetern Mietfläche auf einem verhältnismäßig kompakten Grundstück entsteht hier eine der größten Innenstadtentwicklungen Münchens – bei einer Höhe von gerade einmal 30 Metern.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Grüne Lunge statt graue Energie: Der Nachhaltigkeitsansatz</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Robert Hösl, Partner bei Herzog &amp; de Meuron, spricht von einer &#8222;Verfeinerung des nachhaltigen Konzepts&#8220;. Dahinter verbirgt sich mehr als übliche Architektenprosa. Der Teilerhalt des Bestandsrohbaus bis zum dritten Obergeschoss spart nicht nur graue Energie, sondern ist auch eine Verneigung vor der Münchner Tradition des behutsamen Stadtumbaus. Die Bayerische Bauordnung mit ihren spezifischen Anforderungen an Brandschutz und Statik macht solche Bestandsintegrationenn zur Herkulesaufgabe – umso bemerkenswerter ist deren konsequente Umsetzung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die 2.700 Quadratmeter große parkähnliche Oase im Inneren des Quartiers folgt einer typisch süddeutschen Tradition: der Schaffung halböffentlicher Rückzugsräume im verdichteten urbanen Kontext. Anders als in Berlin oder Hamburg, wo Blockrandbebauungen oft hermetisch abgeschlossen bleiben, öffnet sich THE VERSE bewusst zum Viertel. Die Passagen, die Herzog &amp; de Meuron zwischen den Straßenzügen und den Innenhöfen spannen, erinnern an die historischen Durchgänge der Münchner Altstadt – neu interpretiert und klimatisch optimiert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Dachlandschaft als urbanes Statement</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was sich in luftiger Höhe über dem Bahnhofsviertel entwickelt, könnte wegweisend für die bayerische Baukultur werden. Mit über 2.000 Quadratmetern nutzbarer Dachterrassenfläche entsteht eine der ambitioniertesten Dachlandschaften der Stadt. Laufbahnen, Fitnessflächen und sogar ein Padel-Court in 30 Metern Höhe – das klingt nach Silicon Valley, funktioniert aber auch im konservativen München. Die Stadtgestaltungskommission, sonst eher für ihre Skepsis gegenüber allzu progressiven Ideen bekannt, hat diese Vision abgesegnet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Entscheidung markiert einen Paradigmenwechsel in der münchnerischen Planungskultur. Während andere bayerische Städte noch über die Aktivierung ihrer Dachflächen diskutieren, schafft München Fakten. Die lokale Architektenkammer Bayern hat in den vergangenen Jahren intensiv für die Nutzung von Dachflächen als &#8222;fünfte Fassade&#8220; geworben – THE VERSE liefert nun ein Leuchtturmprojekt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lokale Akteure, internationale Standards</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zusammenarbeit zwischen dem Schweizer Büro Herzog &amp; de Meuron und den lokalen Projektentwicklern illustriert eine spezifisch süddeutsche Herangehensweise: Weltläufigkeit bei gleichzeitiger Verwurzelung. Markus Diegelmann von ACCUMULATA, ein Münchner Urgestein der Immobilienbranche, und sein Team kennen die Eigenarten des lokalen Marktes. Die Vermietungsstrategie durch Montibus Asset Management folgt einer Multi-Tenant-Logik, die auf die kleinteilige Unternehmensstruktur Münchens zugeschnitten ist – anders als in Frankfurt, wo Großbanken ganze Türme mieten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Riedel Bau AG als ausführendes Bauunternehmen steht exemplarisch für die Leistungsfähigkeit bayerischer Mittelständler. Während andernorts internationale Generalunternehmer dominieren, setzt München auf regionale Expertise. Diese Firmen kennen die Tücken des Münchner Baugrunds, die spezifischen Anforderungen der örtlichen Bauaufsicht und die ungeschriebenen Regeln der lokalen Baukultur.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Bahnhofsviertel als Labor urbaner Transformation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was sich rund um den Münchner Hauptbahnhof entwickelt, ist mehr als eine isolierte Quartiersentwicklung. THE VERSE wird zum Katalysator einer umfassenden Transformation, die das lange vernachlässigte Bahnhofsviertel zum Central Business District aufwertet. Diese Entwicklung folgt keinem Masterplan von oben, sondern einer typisch bayerischen Mischung aus privatwirtschaftlicher Initiative und kommunaler Steuerung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Nähe zur geplanten zweiten S-Bahn-Stammstrecke macht das Quartier zum Mobilitätshub ersten Ranges. Die Münchner Verkehrsgesellschaft plant bereits die Optimierung der Tramlinien, die Landeshauptstadt München arbeitet an einem umfassenden Mobilitätskonzept für das Viertel. THE VERSE profitiert von diesen Planungen, trägt aber auch zur kritischen Masse bei, die solche Infrastrukturinvestitionen rechtfertigt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Leuchtturm und Lehrbeispiel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stefan Schillinger von ACCUMULATA betont, hier entstehe &#8222;keine sterile Bürowelt, sondern ein lebendiges, gemischt genutztes Quartier&#8220;. Diese Aussage ist mehr als Marketing – sie spiegelt einen Paradigmenwechsel in der bayerischen Projektentwicklung. Während in den 1980er und 1990er Jahren monofunktionale Bürotürme das Ideal darstellten, fordert die moderne Stadtplanung Nutzungsmischung. Die Erdgeschosszone mit Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungen folgt dieser Logik konsequent.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Reduzierung der Arkadentiefe entlang der Paul-Heyse-Straße zeigt, wie kleinteilige Optimierungen große Wirkung entfalten können. Solche Details mögen banal erscheinen, prägen aber die Aufenthaltsqualität entscheidend. Die Münchner Stadtgestaltungskommission, bekannt für ihre akribische Detailbetrachtung, hat diese Anpassungen explizit gewürdigt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Ein Modell mit Übertragungspotenzial</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">THE VERSE zeigt, wie moderne Quartiersentwicklung unter bayerischen Rahmenbedingungen funktionieren kann. Die Kombination aus internationalem Architekturniveau, lokaler Bauexpertise und sensibler Einbettung in den städtebaulichen Kontext macht das Projekt zum potentiellen Vorbild für andere bayerische Großstädte. Nürnberg, Augsburg oder Regensburg stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Verdichtung bei Wahrung der Lebensqualität, Aktivierung brachliegender Innenstadtquartiere, Integration nachhaltiger Mobilitätskonzepte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Fertigstellung 2027 wird zeigen, ob die hochgesteckten Erwartungen erfüllt werden. Bis dahin bleibt THE VERSE ein faszinierendes Realexperiment bayerischer Baukultur – mit all seinen Chancen und Risiken. Die Münchner Stadtgesellschaft beobachtet gespannt, ob Herzog &amp; de Meurons Vision aufgeht: Ein Quartier zu schaffen, das nicht nur architektonisch überzeugt, sondern auch sozial funktioniert. In einer Stadt, die zwischen Laptop und Lederhose navigiert, keine leichte Aufgabe.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bayerns Prestigeprojekt wird zum Planungsdebakel</title>
		<link>https://baukunst.art/bayerns-prestigeprojekt-wird-zum-planungsdebakel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Aug 2025 12:13:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Justizzentrum München]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentliche Bauprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Planungsfehler]]></category>
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					<description><![CDATA[Bayerns größtes Justizprojekt kämpft mit Planungsfehlern: Das neue Münchner Strafjustizzentrum offenbart, was passiert, wenn Sicherheit und Städtebau kollidieren.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn juristische Präzision auf bauliche Realität trifft – Das neue Münchner Strafjustizzentrum und seine logistischen Tücken</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Leonrodplatz in München entsteht seit 2015 Bayerns größtes Hochbauprojekt: ein modernes Strafjustizzentrum, das alle Strafgerichte und Staatsanwaltschaften der Landeshauptstadt unter einem Dach vereinen soll. Was als architektonisches Ausrufezeichen geplant war, entwickelt sich zunehmend zu einem Lehrstück über die Diskrepanz zwischen ambitionierter Planung und praktischer Umsetzung. Besonders die komplexe Logistik der Gefangenentransporte offenbart dabei die Schwachstellen eines Mammutprojekts, bei dem Sicherheitsanforderungen, städtebauliche Integration und funktionale Notwendigkeiten in einem fragilen Spannungsverhältnis stehen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Innenhöfe als Nadelöhr</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das neue Justizzentrum präsentiert sich nach außen als geschlossener Baukörper mit drei Innenhöfen. Diese architektonisch elegante Lösung soll gleichzeitig mehrere Funktionen erfüllen: Sie trennt verschiedene Nutzungsbereiche, schafft begrünte Aufenthaltsflächen und – hier liegt der neuralgische Punkt – dient teilweise der Anfahrt für Gefangenentransporte. Was auf dem Reißbrett funktional erschien, erweist sich in der Praxis als logistische Herausforderung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Konzeption, sensible Sicherheitsbereiche über Innenhöfe zu erschließen, birgt erhebliche Risiken. Gefangenentransporter benötigen nicht nur ausreichend Wendekreise und Rangierflächen, sondern auch sichere Schleusen- und Übergabebereiche. Die räumliche Enge der Innenhöfe zwingt zu Kompromissen, die weder der Sicherheit noch der Effizienz dienlich sind. Moderne Gefangenentransportfahrzeuge, vom gepanzerten Kleinbus bis zum großen Schubbus mit mehreren Sicherheitszellen, stellen spezifische Anforderungen an die Infrastruktur – Anforderungen, die in der ursprünglichen Planung offenbar unterschätzt wurden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Sicherheit versus Stadtverträglichkeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Standortwahl am Leonrodplatz folgte städtebaulichen Überlegungen: Das neue Quartier sollte sich harmonisch in die urbane Umgebung zwischen Olympiapark und Kreativquartier einfügen. Diese Prämisse kollidiert jedoch mit den spezifischen Sicherheitsanforderungen eines Justizzentrums. Während in Stadelheim unterirdische Verbindungsgänge direkte und sichere Gefangenentransporte ermöglichen, muss am Leonrodplatz improvisiert werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Nähe zur Wohnbebauung schränkt die Möglichkeiten für großzügige Sicherheitszonen ein. Jeder Gefangenentransport wird so zu einem sensiblen Manöver, bei dem Sicherheitsinteressen und Anwohnerbelange ausbalanciert werden müssen. Die ursprünglich als Vorteil gepriesene städtische Integration erweist sich bei genauerer Betrachtung als Planungsfehler, der die Funktionalität des Gebäudes grundlegend beeinträchtigt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kostenexplosion als Symptom</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kostensteigerung von anfänglich 200 Millionen auf mittlerweile fast 400 Millionen Euro ist mehr als eine finanzielle Fehlkalkulation – sie ist Symptom einer mangelhaften Projektsteuerung. Zwar werden Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg als Gründe angeführt, doch die strukturellen Probleme liegen tiefer. Nachträgliche Anpassungen an Sicherheitskonzepte, die Ertüchtigung von Zufahrten und die Integration zusätzlicher technischer Systeme treiben die Kosten in die Höhe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders bitter: Trotz der Verdopplung des Budgets bleiben funktionale Defizite bestehen. Die Staatsanwaltschaft beklagt bereits jetzt fehlende 400 Quadratmeter Nutzfläche. Wenn schon in der Bauphase Kompromisse bei essentiellen Funktionsbereichen gemacht werden müssen, wirft das kein gutes Licht auf die Zukunftsfähigkeit des Gebäudes.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zeitplan als Makulatur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ursprünglich sollte das neue Strafjustizzentrum bereits 2020 in Betrieb gehen. Dann wurde der Termin auf 2023, später auf 2024 verschoben. Aktuell spricht man von 2026 – eine sechsjährige Verzögerung, die nicht nur Millionen verschlingt, sondern auch die Glaubwürdigkeit staatlicher Großprojekte untergräbt. Die maroden Zustände im alten Justizzentrum an der Nymphenburger Straße – von Stromausfällen über defekte Toiletten bis zur bröckelnden Fassade – müssen weitere Jahre ertragen werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die permanenten Verschiebungen offenbaren ein systemisches Problem: Die Komplexität moderner Justizbauten wird in der Planungsphase systematisch unterschätzt. 54 Sitzungssäle, hochmoderne Sicherheitstechnik, die Integration verschiedener Behörden und die spezifischen Anforderungen an Gefangenentransporte – all das erfordert eine Planungstiefe, die offenbar nicht erreicht wurde.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lehren aus dem Debakel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Münchner Strafjustizzentrum reiht sich ein in die lange Liste öffentlicher Bauvorhaben, bei denen Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen. Die Ursachen sind vielfältig: politischer Druck für prestigeträchtige Leuchtturmprojekte, mangelnde Einbindung der späteren Nutzerinnen und Nutzer in die Planungsphase, unterschätzte Komplexität der technischen und logistischen Anforderungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders die Problematik der Gefangenentransporte hätte früher erkannt werden müssen. Ein Justizzentrum ist kein normales Bürogebäude – es ist eine hochsensible Sicherheitsinfrastruktur, bei der jedes Detail stimmen muss. Die Zufahrten für Gefangenentransporte sind dabei kein nachrangiges Detail, sondern essentieller Bestandteil des Sicherheitskonzepts. Wenn hier nachgebessert werden muss, gefährdet das nicht nur den Zeitplan und das Budget, sondern potentiell auch die Sicherheit.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Blick nach vorn</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotz aller Kritik: Das neue Strafjustizzentrum wird kommen, irgendwann. Die Frage ist nur, zu welchem Preis – finanziell wie funktional. Die bayerische Justiz braucht dringend moderne Arbeitsräume, und der Neubau bietet durchaus Chancen: barrierefreie Zugänge, moderne Medientechnik in den Gerichtssälen, energieeffiziente Gebäudetechnik.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch die Pannen und Verzögerungen mahnen zur Demut. Großprojekte dieser Art erfordern eine sorgfältige Planung, die alle Aspekte von Anfang an mitdenkt. Die nachträgliche Korrektur von Planungsfehlern ist nicht nur teuer, sondern oft auch nur bedingt möglich. Die zu engen Zufahrten für Gefangenentransporte mögen sich provisorisch lösen lassen – optimal wird die Situation nie werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Münchner Strafjustizzentrum wird somit zu einem Monument verpasster Chancen. Es hätte ein Vorzeigeprojekt werden können, das zeigt, wie moderne Justizarchitektur Sicherheit, Funktionalität und städtebauliche Qualität verbindet. Stattdessen wird es ein Mahnmal für die Grenzen öffentlicher Planungskompetenz – ein 400-Millionen-Euro-Kompromiss, mit dem Generationen von Richterinnen und Richtern, Staatsanwältinnen und Staatsanwälten sowie Justizangestellten werden leben müssen.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Augsburgs ambitionierter Kulturumbau zwischen Kostendruck und architektonischem Anspruch</title>
		<link>https://baukunst.art/augsburgs-ambitionierter-kulturumbau-zwischen-kostendruck-und-architektonischem-anspruch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Aug 2025 09:10:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Augsburg]]></category>
		<category><![CDATA[HENN]]></category>
		<category><![CDATA[Theatersanierung]]></category>
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					<description><![CDATA[Augsburgs Theatersanierung explodiert von 186 auf 417 Mio. Euro. Nach Planerwechsel übernimmt HENN die Mammutaufgabe. Ein schwäbisches Drama zwischen Kostendruck und Kulturanspruch.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Theatersanierung als Sisyphusarbeit: Wenn Kulturbauten zur Kostenfalle werden</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Theatersanierung in Augsburg reiht sich nahtlos in die bundesweite Serie explodierender Kulturbauprojekte ein. Was 2015 noch mit optimistischen 186 Millionen Euro kalkuliert wurde, hat sich auf 417 Millionen Euro mehr als verdoppelt – ein Phänomen, das von Hamburg über Köln bis Stuttgart bekannt ist. Doch hinter den nackten Zahlen verbirgt sich ein komplexes Geflecht aus denkmalschützerischen Anforderungen, technischen Herausforderungen und regionalen Besonderheiten, die das schwäbische Kulturprojekt zu einem Lehrstück moderner Theatersanierung machen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Wechsel als Neustart</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit der Übernahme durch das Münchner Büro HENN vollzieht Augsburg einen bemerkenswerten Kurswechsel. Nach der Trennung von der ARGE Achatz + IMP Ingenieure setzt die Stadt auf ein Büro, das mit Projekten wie der Staatsoper Unter den Linden in Berlin oder dem Bolschoi-Theater in Moskau internationale Reputation im Theaterbau erworben hat. Diese Entscheidung signalisiert den Willen, das Projekt trotz aller Widrigkeiten zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen – und gleichzeitig die Erkenntnis, dass komplexe Theatersanierungen spezifische Expertise erfordern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Herausforderung für HENN ist dabei vielschichtig: Nicht nur gilt es, die bereits begonnene Generalsanierung des Großen Hauses seit 2019 fortzuführen, sondern auch zwei Neubauten für Multifunktionsbühne, Probebühne, Werkstätten und Büros zu integrieren. Diese programmatische Erweiterung spiegelt den gewandelten Anspruch moderner Theaterhäuser wider, die längst mehr sind als reine Aufführungsorte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bayerische Bauordnung trifft auf Bühnentechnik</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die spezifischen Anforderungen der Bayerischen Bauordnung stellen bei Theatersanierungen eine besondere Herausforderung dar. Während historische Theaterbauten oft nach anderen Standards errichtet wurden, müssen sie heute komplexe Anforderungen an Brandschutz, Fluchtwege und Barrierefreiheit erfüllen. Gerade in Bayern, wo die Bauordnung traditionell strenge Vorgaben macht, führt dies zu aufwändigen Eingriffen in die historische Substanz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Augsburgs Großes Haus, ein typischer Theaterbau der Nachkriegsmoderne, steht exemplarisch für die Sanierungsherausforderungen dieser Epoche. Anders als bei Gründerzeittheatern mit ihrer opulenten Ausstattung kämpfen Architekten hier mit der spröden Ästhetik der 1950er Jahre, die heute weder den technischen noch den atmosphärischen Anforderungen genügt. Die Integration moderner Bühnentechnik, Klimatisierung und Akustik in die bestehende Struktur gleicht einem dreidimensionalen Puzzle.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Wirtschaftsimpulse und Handwerkermangel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die schwäbische Wirtschaftsregion bedeutet das 417-Millionen-Projekt durchaus einen Impuls – theoretisch. Praktisch zeigt sich hier ein bayernweites Problem: Der Mangel an qualifizierten Handwerkern und spezialisierten Firmen für Theatertechnik. Während früher regionale Betriebe von solchen Großprojekten profitierten, müssen heute oft überregionale oder gar internationale Spezialisten hinzugezogen werden. Dies treibt nicht nur die Kosten, sondern verlängert auch die Bauzeiten erheblich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Stadt Augsburg versucht gegenzusteuern, indem sie auf regionale Ausschreibungen setzt, wo immer dies möglich ist. Doch gerade bei hochspezialisierten Gewerken wie der Bühnenmaschinerie oder der Theaterakustik ist der Markt dünn. Hier rächt sich, dass in den vergangenen Jahrzehnten kaum in Kulturbauten investiert wurde und entsprechende Kompetenzen verloren gingen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Förderkulissen und kommunale Finanzierung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Finanzierung des Mammutprojekts erfolgt im komplexen Zusammenspiel von kommunalen Mitteln, Landeszuschüssen und Bundesprogrammen. Bayern hat mit seinem Kulturfonds traditionell ein starkes Instrument zur Förderung regionaler Kulturprojekte, doch auch diese Mittel sind begrenzt. Die Stadt Augsburg muss daher kreativ werden: Crowdfunding-Aktionen für einzelne Ausstattungselemente, Patenschaften für Theatersitze und die Einbindung privater Stiftungen ergänzen die öffentliche Finanzierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessant ist der Vergleich mit anderen bayerischen Städten: Während München mit dem Gasteig oder Nürnberg mit seinem Opernhaus ähnliche Herausforderungen meistern müssen, zeigt sich in Augsburg eine spezifische Mischung aus schwäbischem Pragmatismus und kulturellem Ehrgeiz. Die Fuggerstadt will sich als drittgrößte Stadt Bayerns auch kulturell positionieren – ein Anspruch, der Geld kostet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit als Planungsparadigma</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">HENN steht vor der Aufgabe, nicht nur ein funktionales und ästhetisch überzeugendes Theater zu schaffen, sondern auch den Anforderungen an klimaneutrales Bauen gerecht zu werden. Die Integration von Photovoltaik, Geothermie und innovativen Lüftungskonzepten in ein Bestandsgebäude mit zwei Neubauten erfordert intelligente Lösungen. Hier könnte Augsburg tatsächlich Modellcharakter für andere Städte entwickeln – wenn die Balance zwischen Denkmalschutz und Energieeffizienz gelingt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Theater als Stadtentwicklung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Theatersanierung in Augsburg ist mehr als ein Bauprojekt – sie ist ein Statement zur Bedeutung von Kultur in der Stadtentwicklung. In Zeiten, in denen Innenstädte um Attraktivität kämpfen, können sanierte Kulturbauten zu Ankerpunkten werden. Die beiden geplanten Neubauten bieten die Chance, das Theaterquartier städtebaulich neu zu denken und mit der umgebenden Stadtstruktur zu verweben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob das Projekt zum Erfolg wird, hängt nicht allein von HENN ab. Es braucht den politischen Willen, die Kostensteigerungen zu tragen, die handwerkliche Kompetenz zur Umsetzung und die Geduld der Augsburger Bürgerinnen und Bürger. Wenn 2029 – so der optimistische Zeitplan – das sanierte Theater wiedereröffnet, wird es ein anderes sein als das von 1956. Es wird hoffentlich ein Theater sein, das zeigt, wie regionale Baukultur und internationale Architekturexpertise zusammenfinden können.</p>
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		<title>900 Jahre Kontinuität: Kloster Beuerberg als bayerisches Modellprojekt der Transformation</title>
		<link>https://baukunst.art/900-jahre-kontinuitaet-kloster-beuerberg-als-bayerisches-modellprojekt-der-transformation/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Aug 2025 09:03:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalsanierung]]></category>
		<category><![CDATA[Klosterumbau]]></category>
		<category><![CDATA[Oberbayern]]></category>
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					<description><![CDATA[Nach 900 Jahren Geschichte schreibt Kloster Beuerberg ein neues Kapitel: Die 43-Millionen-Euro-Sanierung schafft ein Modell für Bayerns Klosterlandschaft.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Wo einst Schwestern beteten: Ein Besuch im neu erwachten Kloster Beuerberg</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom Augustinerstift zum Zukunftslabor kirchlicher Baukultur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hoch über der Loisach thront es seit 900 Jahren, das Kloster Beuerberg. Was hier im oberbayerischen Voralpenland zwischen Starnberger See und Benediktenwand am 29. Mai 2025 vollendet wurde, markiert einen Paradigmenwechsel im Umgang mit historischen Klosteranlagen: Die Erzdiözese München und Freising investierte 43 Millionen Euro in eine Generalsanierung, die nicht weniger als eine Blaupause für die Zukunft kirchlicher Baudenkmäler darstellt. Kardinal Reinhard Marx sprach bei der Eröffnung zu Christi Himmelfahrt von einem &#8222;Ort der Welterfassung und -gestaltung im Geist des Evangeliums&#8220; – eine Formulierung, die den Anspruch des Projekts treffend zusammenfasst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Transformation des 12.000 Quadratmeter umfassenden Areals steht exemplarisch für eine regionale Herausforderung, die weit über Bayern hinaus Relevanz besitzt: Wie lassen sich monumentale Klosteranlagen in Zeiten schwindender Ordensgemeinschaften erhalten und sinnvoll nutzen? Die Antwort aus Beuerberg ist vielschichtig und durchdacht. Statt einer profitmaximierenden Verwertung als Luxuswohnungen – eine Option, die 2014 beim Erwerb von den Salesianerinnen durchaus im Raum stand – entschied sich die Erzdiözese für einen mutigen dritten Weg: die Schaffung eines kirchlichen Kultur- und Seminarzentrums, das monastische Tradition mit zeitgenössischer Gastlichkeit verbindet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektonische Symbiose aus Bestand und Innovation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die architektonische Umsetzung durch das Planungsteam um DAI GmbH und AHG Architekten Haushofer Gnadke zusammen mit dem Innenarchitekturbüro formstelle zeigt, wie sensible Denkmalpflege und moderne Nutzungsanforderungen harmonieren können. Seit 2020 leiteten sie die vollumfängliche Planung und Umsetzung, nachdem bereits 2011 erste Bestandsaufnahmen und Brandschutzkonzepte erarbeitet worden waren. Die Herausforderung bestand darin, die barocke Substanz des ab 1729 errichteten Stiftsgebäudes zu bewahren und gleichzeitig zeitgemäße Standards für Barrierefreiheit, Brandschutz und Komfort zu integrieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders bemerkenswert ist die gestalterische Grundhaltung des Teams von formstelle. Aus einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Formenkanon der Salesianerinnen entwickelten die Planerinnen und Planer ein Gestaltungsprinzip, das auf Einfachheit, Menschenfreundlichkeit und Authentizität basiert. Die Hohlkehle und das Oval als wiederkehrende Grundformen, die Neuinterpretation traditioneller Materialien wie Schwarzstahl, Leinen und Porzellan sowie das charakteristische &#8222;Beuerberger Grün&#8220; als Akzentfarbe schaffen eine zeitgeistige Übersetzung klösterlicher Ästhetik.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im völlig entkernten Josefstrakt entstanden 23 neue Gästezimmer, während der historische Zellentrakt weitere 25 Zimmer beherbergt. Die Entfernung von Einbauten der vergangenen 50 Jahre legte die ursprünglichen Saal- und Zimmerstrukturen wieder frei. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege begleitete die Wiederherstellung historischer Farb- und Stuckfassungen – ein aufwendiger Prozess, der sich besonders im großen Festsaal mit seiner originalen Rokoko-Stuckdecke auszahlt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Verankerung als Erfolgsfaktor</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die enge Verbindung zwischen Kloster und Ort Beuerberg, die seit der Gründung durch die Grafen von Iringsburg 1121 besteht, wurde bewusst als Leitmotiv der Neukonzeption aufgegriffen. Das zeigt sich nicht nur in der Klosterküche, die vorrangig regionale Produkte verarbeitet und die wiedereröffnete Klosterbackstube betreibt, sondern auch in der Einbindung lokaler Handwerksbetriebe und der Schaffung von Arbeitsplätzen für die knapp 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner des Ortes.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die bayerische Landesbauordnung stellte dabei besondere Anforderungen an das Projekt. Die Kombination aus Denkmalschutzauflagen, Brandschutzvorschriften und den Anforderungen an barrierefreie Gestaltung erforderte innovative Lösungen. So entwickelte das Team gemeinsam mit Spezialisten eine eigene Konstruktion für den brandschutzgerechten Umbau der historischen Geschossdecken in Holzbauweise – ein Detail, das für ähnliche Projekte in Bayern Modellcharakter haben könnte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kultureller Mehrwert statt musealer Erstarrung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit 2016 nutzt das Diözesanmuseum Freising das Kloster für temporäre Ausstellungen, die klösterliches Leben in Bezug zur Gegenwart setzen. Die aktuelle Dauerausstellung im Erdgeschoss dokumentiert mit Fotografien von Thomas Dashuber das Leben der letzten Salesianerinnen und macht die 900-jährige Geschichte des Ortes erfahrbar. Diese kulturelle Dimension ist keine Dekoration, sondern integraler Bestandteil des Konzepts: Das Kloster soll Landmarke geistlichen und kulturellen Lebens bleiben, nicht Museum werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die elf unterschiedlich großen Tagungsräume und die öffentlich zugängliche Gastronomie im ehemaligen Refektorium schaffen Begegnungsräume, die über den kirchlichen Kontext hinaus Relevanz besitzen. Dabei profitieren kirchliche Gruppen von einem 25-prozentigen Preisnachlass – eine kluge Strategie, die wirtschaftliche Tragfähigkeit mit kirchlichem Auftrag verbindet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lehren für die bayerische Klosterlandschaft</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt Beuerberg liefert wichtige Erkenntnisse für den Umgang mit den zahlreichen gefährdeten Klosteranlagen in Bayern. Die Investitionssumme von 43 Millionen Euro mag hoch erscheinen, relativiert sich aber angesichts der kulturhistorischen Bedeutung und der nachhaltigen Nutzungsperspektive. Entscheidend war der partizipative Planungsprozess unter Einbeziehung der Ortsgemeinde, des Diözesanmuseums und verschiedener kirchlicher Organisationen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Projektsteuerung durch Dietrichs zeigt, dass professionelles Management und spirituelle Authentizität keine Gegensätze sein müssen. Die sukzessive Entwicklung seit 2011, beginnend mit der Grundsanierung der Stiftskirche für über 5 Millionen Euro, ermöglichte ein organisches Wachstum des Konzepts und kontinuierliche Anpassungen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zukunftsperspektiven und Übertragbarkeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was in Beuerberg gelungen ist, könnte Schule machen. Die Verbindung aus denkmalpflegerischer Sorgfalt, zeitgenössischer Architektur und lebendiger Nutzung zeigt, dass Klöster auch ohne Ordensgemeinschaften ihre spirituelle und kulturelle Ausstrahlung bewahren können. Generalvikar Christoph Klingan formulierte es treffend: Das Kloster sei besonders geeignet, &#8222;die Menschen über ihren Glauben, seine kirchliche Prägung und tragende Werte für ein gutes Miteinander in der Gesellschaft nachdenken zu lassen.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die regionale Baukultur Oberbayerns findet hier eine zeitgemäße Fortsetzung. Die Nähe zum Starnberger See und zur Autobahn München-Garmisch-Partenkirchen verschafft dem Standort zusätzliche Attraktivität. Doch der eigentliche Erfolg liegt in der klugen Balance zwischen Bewahrung und Erneuerung, zwischen monastischer Tradition und weltlicher Öffnung. Kloster Beuerberg beweist: Transformation bedeutet nicht Verlust, sondern kann zur Vertiefung der ursprünglichen Bestimmung führen – als Ort der Begegnung, der Besinnung und der gemeinschaftlichen Suche nach dem guten Leben.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Millionengrab oder Meisterwerk? Lindaus umstrittene Cavazzen-Sanierung</title>
		<link>https://baukunst.art/millionengrab-oder-meisterwerk-lindaus-umstrittene-cavazzen-sanierung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Jul 2025 12:09:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Barockarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Bodensee]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalsanierung]]></category>
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					<description><![CDATA[Nach 10 Jahren Sanierung öffnet Lindaus barockes Cavazzen wieder. Das 33-Millionen-Projekt zeigt, wie historische Bausubstanz behutsam in die Gegenwart überführt werden kann.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 3 []">Das Cavazzen in Lindau: Wenn Barockpracht auf Gegenwart trifft</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein spätbarockes Juwel erwacht zu neuem Leben</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach mehr als zehn Jahren Planung und aufwendiger Sanierung öffnet das Cavazzen in Lindau wieder seine Pforten. Was die Lindauerinnen und Lindauer liebevoll als „schönstes Haus am Bodensee&#8220; bezeichnen, ist weit mehr als nur ein saniertes Baudenkmal geworden. Mit einem Investitionsvolumen von über 33 Millionen Euro hat die Stadt ein Jahrhundertprojekt gestemmt, das exemplarisch zeigt, wie historische Bausubstanz behutsam in die Gegenwart überführt werden kann.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Meisterwerk der Baukunst</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der 1729 errichtete Prachtbau am Marktplatz verdankt seine Entstehung der reichen Kaufmannsfamilie Seutter von Loetzen, die nach einem verheerenden Stadtbrand auf mittelalterlichen Kellergewölben aus dem zwölften Jahrhundert ein neues Domizil errichten ließ. Als Architekt verpflichtete man Jakob Grubenmann aus Appenzell, der gemeinsam mit seinen als Brückenbauer bekannten Brüdern ein architektonisches Meisterwerk schuf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders beeindruckend ist der Dachstuhl mit seiner für die damalige Zeit revolutionären Konstruktion: Über eine Spannweite von zwölf Metern verzichtete Grubenmann komplett auf Stützen – eine technische Meisterleistung, die das Können der Schweizer Baumeisterfamilie eindrucksvoll unter Beweis stellt. Mit fast elf Metern Höhe erreicht das markante Walmdach nahezu die Höhe des darunterliegenden Gebäudes und prägt bis heute die Silhouette des Lindauer Marktplatzes.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die prächtige Fassadenmalerei mit ihren klassischen Motiven stammt von einem unbekannten Künstler, vermutlich aus Tirol oder Oberitalien. Diese grenzüberschreitende künstlerische Handschrift spiegelt den internationalen Geist wider, der Lindau als Handelsstadt seit jeher prägte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Sanierung als Gratwanderung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Herausforderung der Sanierung lag in der Quadratur des Kreises: Ein fast 300 Jahre altes Baudenkmal sollte nicht nur in seiner historischen Substanz bewahrt, sondern gleichzeitig für moderne Nutzungsanforderungen ertüchtigt werden. Schwere Schäden an der Gebäudesubstanz, veraltete Technik, feuchte Keller und zugige Dachböden machten eine Generalsanierung unumgänglich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Lösung bestand in einem sensiblen Dialog zwischen Alt und Neu. Teils wurde moderne Technik bewusst sichtbar integriert, teils verschwand sie diskret hinter historischen Wänden. Der Einbau eines Aufzugs unter Beachtung aller denkmalpflegerischen Vorgaben geriet dabei selbst zu einer Art Kunst am Bau. Von Fäulnis befallene Böden wurden akribisch kartografiert, aus dem Gebäude geschnitten und exakt im historischen Stil neu eingesetzt – eine aufwendige, aber notwendige Maßnahme zur Substanzerhaltung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders erfreulich: Der spektakuläre Dachstuhl ist nun erstmals für Besucherinnen und Besucher zugänglich. Von hier bietet sich nicht nur ein einzigartiger Blick auf die Konstruktion selbst, sondern auch auf Marktplatz, Bodensee und Alpenpanorama – der Ausblick wird selbst zum Exponat.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Neue Nutzungskonzepte für historische Räume</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Cavazzen soll künftig weit mehr sein als nur ein Museum. Diese Vision durchzieht das gesamte Nutzungskonzept. Neben der neu konzipierten stadtgeschichtlichen Ausstellung entstanden vielfältige Begegnungsräume: Der italienisch anmutende Innenhof lädt zum Verweilen ein, die historischen Kellergewölbe können für Veranstaltungen gemietet werden, und eine kleine Wohnung soll im Wechsel Künstlerinnen und Künstler nach Lindau locken.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die museale Präsentation selbst verabschiedet sich vom verstaubten Heimatmuseum-Image. Ein moderner Einführungsfilm in der ehemaligen Waffenkammer, interaktive Elemente und partizipative Ansätze schaffen einen „offenen musealen Erlebnisraum&#8220;, wie Museumsleiterin Barbara Reil es formuliert. Dabei scheut man auch vor dunklen Kapiteln der Stadtgeschichte nicht zurück: Die Tatsache, dass Lindau 1931 die erste bayerische Kommune mit NSDAP-Oberbürgermeister war, wird ebenso thematisiert wie die kontroverse Geschichte einer Hitlerjungen-Skulptur aus dem Jahr 1937.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Strahlkraft mit überregionaler Bedeutung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was in Lindau gelungen ist, besitzt Modellcharakter für vergleichbare Projekte im süddeutschen Raum. Die geschickte Verflechtung von Fördertöpfen – trotz teils widersprüchlicher Förderbedingungen – zeigt, wie ambitionierte Denkmalprojekte auch für kleinere Kommunen realisierbar werden können. Die bayerische Förderkultur für Baudenkmäler hat hier einmal mehr ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig demonstriert das Projekt, wie regionale Bautraditionen in zeitgemäße Nutzungskonzepte überführt werden können. Der grenzüberschreitende Charakter – ein Schweizer Baumeister, italienisch-tirolische Fassadenkunst, internationale Kaufmannstradition – spiegelt die historische Rolle Lindaus als Drehscheibe zwischen Nord und Süd wider und verleiht dem Projekt eine europäische Dimension.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Würdigung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei aller Begeisterung für das gelungene Projekt bleiben Fragen: 33 Millionen Euro für ein einzelnes Gebäude – ist das in Zeiten knapper Kassen vertretbar? Die Stadt Lindau beantwortet diese Frage mit einem klaren Ja und verweist auf die Multifunktionalität des Hauses und seine identitätsstiftende Bedeutung. Tatsächlich geht es hier um mehr als Denkmalpflege: Es geht um Baukultur als Standortfaktor, um kulturelle Strahlkraft und nicht zuletzt um die Bewahrung eines einzigartigen architektonischen Erbes.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritisch zu hinterfragen bleibt allerdings, ob die angestrebte Öffnung für breite Bevölkerungsschichten tatsächlich gelingt oder ob das Cavazzen trotz aller Bemühungen ein Ort für kulturaffine Eliten bleibt. Hier wird sich in den kommenden Jahren zeigen müssen, ob die neuen Nutzungskonzepte tatsächlich greifen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Cavazzen steht exemplarisch für einen zeitgemäßen Umgang mit historischer Bausubstanz: Bewahrung ohne Musealisierung, Modernisierung ohne Substanzverlust, Öffnung ohne Beliebigkeit. Wenn Kulturamtsleiter Alexander Warmbrunn von einer „enormen kulturellen Strahlkraft weit über die Region hinaus&#8220; spricht, mag das zunächst nach Lokalpolitiker-Rhetorik klingen. Doch tatsächlich besitzt das Projekt das Potenzial, neue Maßstäbe für die Revitalisierung historischer Stadtbauten zu setzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die wahre Bewährungsprobe steht dem Cavazzen allerdings noch bevor: Wird es gelingen, das Haus dauerhaft mit Leben zu füllen? Werden die Lindauerinnen und Lindauer ihr „schönstes Haus am Bodensee&#8220; tatsächlich als Begegnungsort annehmen? Die baulichen Voraussetzungen sind geschaffen – nun liegt es an der Stadtgesellschaft, dieses Potenzial zu nutzen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title> Augsburger Millionengrab: Wie eine Theatersanierung außer Kontrolle gerät</title>
		<link>https://baukunst.art/augsburger-millionengrab-wie-eine-theatersanierung-ausser-kontrolle-geraet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Jul 2025 12:59:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bayerische Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung Augsburg]]></category>
		<category><![CDATA[Theatersanierung]]></category>
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					<description><![CDATA[Augsburgs Staatstheater-Sanierung: Von 186 auf 417 Millionen Euro. Ein Lehrstück über Großprojekte, Quartiersentwicklung und bayerische Baukultur.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das ewige Sanierungsepos nimmt kein Ende</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sanierung des Augsburger Staatstheaters entwickelte sich zum Lehrstück über die Tücken öffentlicher Großbauprojekte in Bayern. Ein Blick auf die nackten Zahlen lässt tief blicken: Von ursprünglich 186 Millionen Euro im Jahr 2016 explodierte die Kostenschätzung über 321 Millionen (2020) auf mittlerweile 417 Millionen Euro. Das entspricht einer Kostensteigerung von über 120 Prozent. Die Fertigstellung? Verschoben von 2026 auf Anfang der 2030er Jahre.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bayerische Bauordnung trifft schwäbische Sparsamkeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sanierung des denkmalgeschützten Großen Hauses und der geplante Neubau eines Kleinen Hauses samt Betriebsgebäude entwickelten sich zum Paradebeispiel für die Herausforderungen bayerischer Großbauprojekte. Während München mit seiner Isarphilharmonie kämpft und Nürnberg das Opernhaus saniert, steht Augsburg mit seinem Theaterprojekt nicht allein da. Die spezifisch bayerischen Anforderungen an Brandschutz, Denkmalschutz und Barrierefreiheit treffen hier auf die traditionell schwäbische Mentalität des sparsamen Wirtschaftens – ein Spannungsfeld, das sich in endlosen Stadtratsdiskussionen manifestiert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisches Chaos und Neuanfang</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Trennung von der Arbeitsgemeinschaft Achatz + IMP Ingenieure markierte einen Tiefpunkt in der Projektgeschichte. Erst für Bauteil II (Kleines Haus und Betriebsgebäude), dann auch für Bauteil I (Großes Haus) musste die Stadt neue Architekturbüros suchen. Das renommierte Münchner Büro HENN übernahm schließlich die Planungen, begleitet von einer externen Projektsteuerung – ein Eingeständnis der Überforderung mit der Komplexität des Vorhabens.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baureferent Steffen Kercher hält dennoch an der Notwendigkeit des Projekts fest: Jede weitere Verzögerung würde die Kosten nur weiter in die Höhe treiben. Ein Teufelskreis, aus dem es kein Entrinnen gibt. Die technischen Anlagen stammen teilweise noch aus den 1930er Jahren, die letzte große Sanierung liegt über 60 Jahre zurück. Ein Zustand, der für ein modernes Staatstheater unhaltbar ist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Freistaat als Retter in der Not?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Umwandlung vom Stadt- zum Staatstheater 2018 erwies sich als kluger Schachzug. Der Freistaat Bayern übernimmt 75 Prozent der förderfähigen Kosten – was allerdings nur etwa 54 bis 56 Prozent der tatsächlichen Gesamtkosten entspricht. Die Stadt Augsburg muss den Rest über Kredite finanzieren, eine Belastung, die angesichts der angespannten Haushaltslage zu hitzigen Debatten führt. Der Bund der Steuerzahler führt das Projekt mittlerweile als &#8222;Dauerbrenner&#8220; in seinen Schwarzbüchern der Steuerverschwendung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Interimsquartiere als kreative Chance</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Paradoxerweise führte die Zwangspause zu einer Renaissance der Augsburger Theaterkultur. Die brechtbühne im Gaswerk entwickelte sich zum vitalen Kulturzentrum, der martini-Park wurde zur beliebten Spielstätte. Mit jährlichen Zusatzkosten von 1 bis 1,5 Millionen Euro für die Interimslösungen zeigt sich jedoch auch hier die finanzielle Belastung. Intendant André Bücker macht aus der Not eine Tugend und nutzt die dezentrale Struktur für innovative Formate und neue Publikumsschichten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Theaterquartier als Stadtentwicklungsprojekt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Vision eines lebendigen Theaterquartiers geht weit über die reine Gebäudesanierung hinaus. Das neue Quartiersmanagement, eine Kooperation zwischen Kulturreferat und Büro für Kommunale Prävention, arbeitet an der Vernetzung von Theater, Gastronomie, Handel und Kreativwirtschaft. Die Initiative &#8222;Theaterviertel Jetzt!&#8220; fordert ein klares Bekenntnis zur Quartiersentwicklung als Gegenmittel gegen das Ausbluten der Innenstadt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Frank Lattke vom BDA Augsburg-Schwaben sieht Potenzial für städtebauliche Visionen: neue Durchwegungen, Blickachsen und Platzgestaltungen könnten das Areal zu einem kulturellen Hotspot transformieren. Die Theaterquartierskonferenzen binden Anwohnende und Gewerbetreibende in den Planungsprozess ein – ein Novum in der bayerischen Planungskultur.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Augsburger Spezifika und überregionale Lehren</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Augsburger Erfahrungen spiegeln typische Herausforderungen bayerischer Mittelstädte wider: historische Bausubstanz trifft auf moderne Anforderungen, knappe kommunale Kassen auf ambitionierte Kulturpolitik. Die Lösung liegt möglicherweise in der konsequenten Verbindung von Kultursanierung und Stadtentwicklung. Andere Städte könnten vom Augsburger Modell des Quartiersmanagements lernen – wenn es denn gelingt, die Vision umzusetzen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Theater als Katalysator</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotz aller Widrigkeiten bleibt das Staatstheater unverzichtbarer Bestandteil der Augsburger Identität. Mit 800 Arbeitsplätzen, hoher Auslastung und vielfältigem Programm rechtfertigt es seine Existenz. Die aktuelle Spielzeit unter dem Motto &#8222;aberwitzig&#8220; könnte als Kommentar zur eigenen Sanierungsgeschichte verstanden werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die entscheidende Frage bleibt: Schafft es Augsburg, aus dem Sanierungsdrama eine Erfolgsgeschichte zu machen? Die Chancen stehen gut, wenn Stadt, Freistaat und Bürgerschaft das Projekt nicht nur als notwendige Reparatur, sondern als Investition in die urbane Zukunft begreifen. Ein Theater, das mehr ist als nur Bühne – ein Quartier, das die Stadt neu definiert.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wenn Architekten träumen: Eine Reise durch Bayerns innovativste Bauten</title>
		<link>https://baukunst.art/wenn-architekten-traeumen-eine-reise-durch-bayerns-innovativste-bauten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Jun 2025 07:57:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Architektouren]]></category>
		<category><![CDATA[bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Ende Juni öffnen 197 bayerische Bauprojekte ihre Türen. Die Architektouren 2025 zeigen unter dem Motto "Vielfalt bauen" Rekordwerte bei der Klimakompetenz.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Vielfalt bauen: Bayerns Architektouren 2025 zwischen regionaler Tradition und Klimakompetenz</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ende Juni öffnen sich wieder bayernweit die Türen zu 197 bemerkenswerten Bauwerken. Die Architektouren 2025 der Bayerischen Architektenkammer setzen dabei ein deutliches Zeichen: Unter dem Motto &#8222;Vielfalt bauen&#8220; präsentiert sich am 28. und 29. Juni nicht nur die gestalterische Bandbreite zeitgenössischer Architektur im Freistaat, sondern auch deren klimabewusste Transformation.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Rekordverdächtige Klimakompetenz im Süden</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die diesjährige Bilanz ist bemerkenswert: 120 Prädikate für KlimaKulturKompetenz wurden an 88 Projekte vergeben – ein neuer Höchststand. Diese Zahlen spiegeln eine tiefgreifende Entwicklung wider, die über modische Nachhaltigkeit hinausgeht. Die fünf Bewertungskriterien – Energieeffizienz, Klimaanpassung, Flächensparen, Barrierefreiheit und weitere Nachhaltigkeitsaspekte – haben sich als praktikable Messlatte für zukunftsfähiges Bauen etabliert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Nachhaltigkeit ist zuallererst eine Frage der Haltung&#8220;, betont Ministerpräsident Markus Söder in seinem Grußwort zu den Architektouren. Diese Haltung manifestiert sich in den ausgewählten Projekten auf beeindruckende Weise: Von der kreislaufgerechten Ortskernentwicklung in Niederwerrn bis zum genossenschaftlichen Wohnquartier wagnisWEST in München-Freiham.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Vielfalt jenseits der Metropolen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die geografische Verteilung der 197 Projekte zeichnet ein differenziertes Bild der bayerischen Baukultur. Während München und Nürnberg erwartungsgemäß stark vertreten sind, überrascht die Dichte qualitätvoller Projekte in den ländlichen Regionen. Besonders Oberfranken und Schwaben stechen durch innovative Ansätze im Umgang mit demografischem Wandel hervor.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Naturkinderhaus Binawiese in Bodenkirchen etwa zeigt exemplarisch, wie sich regionale Holzbautraditionen mit zeitgemäßen pädagogischen Konzepten verbinden lassen. Die Freianlagen von Klaus + Salzberger Landschaftsarchitekten schaffen dabei bewusst einen Bezug zur oberbayerischen Kulturlandschaft, ohne in Heimattümelei zu verfallen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bayerische Bauordnung als Innovationstreiber</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein nicht zu unterschätzender Faktor für die hohe Projektqualität liegt in den Besonderheiten der Bayerischen Bauordnung. Die 2021 novellierte BayBO ermöglicht gerade bei kleineren Vorhaben deutlich mehr Gestaltungsspielraum als vergleichbare Landesbauordnungen. Architekt Stefan Schlicht vom Büro Schlicht Lamprecht Kern, der mit dem Niederwerrner Ortskernprojekt bei den Architektouren vertreten ist, bestätigt: &#8222;Die pragmatische Auslegung der Abstandsregeln hat uns ermöglicht, eine echte Verdichtung ohne Verlust an Wohnqualität zu erreichen.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Flexibilität zeigt sich besonders bei Projekten im ländlichen Raum, wo traditionelle Hofstrukturen behutsam weiterentwickelt werden. Die bayerische Planungskultur profitiert dabei von einem gewachsenen Verständnis für regionale Bauweisen, das sich in den vergangenen Jahren zunehmend von nostalgischer Verklärung löst.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Tradition und Transformation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die ausgewählten Projekte demonstrieren eindrucksvoll, wie sich regionale Identität und zeitgemäße Anforderungen verbinden lassen. Das zeigt sich besonders deutlich bei Sanierungsvorhaben, die mittlerweile fast die Hälfte aller eingereichten Projekte ausmachen. Von der behutsamen Modernisierung oberbayerischer Bauernhöfe bis zur radikalen Transformation ehemaliger Industriebauten – die Bandbreite nachhaltiger Bestandsentwicklung wird bayernweit sichtbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei entstehen durchaus regionale Unterschiede in der Herangehensweise: Während in Oberbayern oft die Integration in gewachsene Strukturen im Vordergrund steht, setzen fränkische Projekte verstärkt auf mutige Kontrastierungen. Diese Vielfalt der Ansätze macht die Architektouren zu einem lebendigen Diskussionsforum über angemessene Planungsstrategien.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Klimaanpassung als regionale Herausforderung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die verschiedenen Klimazonen Bayerns spiegeln sich deutlich in den prämierten Projekten wider. Während alpine Projekte zunehmend auf extreme Wetterereignisse reagieren müssen, stehen in den Flusstälern der Donau und des Mains Hochwasserschutz und Überhitzung im Fokus. Das wagnisWEST-Projekt in München-Freiham etwa entwickelt innovative Lösungen für urbane Hitzeinseln, die sich auf andere Ballungsräume übertragen lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders bemerkenswert ist die wachsende Sensibilität für regionale Materialkreisläufe. Immer mehr Projekte setzen auf lokale Rohstoffe und kurze Transportwege. Der bayerische Wald liefert dabei nicht nur Holz für traditionelle Blockbauweise, sondern auch innovative Holzverbundstoffe für urbane Hochbauprojekte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Neue Planungskultur zwischen Stadt und Land</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Qualität der diesjährigen Projekte zeigt, dass sich in Bayern eine neue Planungskultur etabliert hat, die weder romantische Verklärung noch gedankenlose Modernisierung betreibt. Stattdessen entstehen Lösungen, die regionalen Eigenarten ernst nehmen, ohne dabei zeitgemäße Anforderungen zu vernachlässigen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Entwicklung wird auch durch die verstärkte Zusammenarbeit zwischen den bayerischen Hochschulen und der Praxis gefördert. Die TU München, die Hochschule Coburg und die OTH Regensburg haben ihre Forschungsschwerpunkte zunehmend auf regionale Herausforderungen ausgerichtet. Das zeigt sich in praxisnahen Projekten, die oft den Grundstein für spätere Baurealisierungen legen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gesellschaftlicher Dialog auf Augenhöhe</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Fragen des Planens und Bauens gehören in die Mitte der Gesellschaft&#8220;, formuliert Präsidentin Prof. Lydia Haack das Selbstverständnis der Bayerischen Architektenkammer. Die Architektouren sind mehr als eine Leistungsschau – sie sind Gelegenheit zum direkten Austausch zwischen Planenden, Bauherren und Nutzern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dieser Dialog findet auf Augenhöhe statt, fernab von Expertenjargon und Fachsimpelei. Die teilnehmenden Architektinnen und Architekten verstehen sich als Vermittler zwischen technischen Möglichkeiten und gesellschaftlichen Bedürfnissen. Dabei entstehen oft überraschende Erkenntnisse über die Akzeptanz und Nutzung innovativer Baukonzepte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zukunftsperspektiven regionaler Baukultur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die hohe Qualität der diesjährigen Architektouren-Projekte macht deutlich: Bayern hat sich als Labor für nachhaltiges Bauen etabliert, ohne dabei seine regionalen Wurzeln zu verleugnen. Die Kombination aus pragmatischer Planungskultur, innovativen Förderprogrammen und aufgeschlossener Bauherrschaft schafft ideale Bedingungen für zukunftsfähige Architektur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig zeigen die Projekte, dass die oft beschworene Dichotomie zwischen Stadt und Land zunehmend an Relevanz verliert. Innovative Ansätze entstehen mittlerweile gleichermaßen in Metropolregionen und in der Provinz – oft sogar mit erstaunlichen Synergien zwischen beiden Welten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><a href="https://www.byak.de/planen-und-bauen/architektur-baukultur/architektouren.html" target="_blank" rel="noopener">Die Architektouren 2025</a> dokumentieren so nicht nur den aktuellen Stand bayerischer Baukultur, sondern auch deren Entwicklungspotenzial. &#8222;Vielfalt bauen&#8220; meint eben nicht beliebige Gestaltung, sondern die bewusste Auseinandersetzung mit regionalen Besonderheiten bei gleichzeitig globalem Verantwortungsbewusstsein. Diese Balance zu halten, ist die eigentliche Kunst zeitgenössischer Architektur – und sie gelingt in Bayern zunehmend überzeugend.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die verborgenen Millionen: Nürnbergs fragwürdiges Depot-Experiment</title>
		<link>https://baukunst.art/die-verborgenen-millionen-nuernbergs-fragwuerdiges-depot-experiment/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Jun 2025 09:22:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Nürnberg]]></category>
		<category><![CDATA[Tiefdepot]]></category>
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					<description><![CDATA[40 Millionen Euro für unsichtbare Architektur: Nürnbergs Tiefdepot wirft grundsätzliche Fragen nach dem Umgang mit Kulturgut und öffentlichen Geldern auf.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Nürnbergs versunkene Millionen: Wenn Kulturpolitik Architektur vergräbt</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das neue Tiefdepot im Germanischen Nationalmuseum ist fertig – doch was oberflächlich als Erfolg gefeiert wird, offenbart eine bedenkliche Entwicklung in der deutschen Kulturpolitik. 40 Millionen Euro haben Bayern und der Bund in ein Bauwerk investiert, das niemand sehen wird. Während andernorts über jeden Radweg debattiert wird, verschwinden hier Unsummen buchstäblich im Erdboden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zwanzig Meter unter Nürnbergs historischem Klosterhof lagern künftig 70.000 Kulturobjekte in einem architektonischen Phantom. Das Bauvolumen von 28.469 m³ entspricht einem mittleren Hochhaus – nur dass es nach unten wächst, unsichtbar und der demokratischen Kontrolle entzogen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bayerns fragwürdige Prioritäten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die technischen Superlative können nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier grundsätzliche Fragen falsch beantwortet wurden. Während Bayern gleichzeitig über Lehrermangel, marode Schulgebäude und unzureichende Kulturförderung für kleinere Häuser klagt, leistet sich das Land eine unterirdische Luxusgarage für Kunstwerke, die ohnehin kaum jemand zu Gesicht bekommt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Germanische Nationalmuseum zeigt gerade einmal 2% seiner 1,44 Millionen Objekte. Die restlichen 98% verschwinden nun in klimatisierten Kellern – eine Sammelwut, die an Bunkerbau erinnert. Ist es wirklich Kulturauftrag, Millionen von Objekten zu horten, die Generationen lang nicht gezeigt werden?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Deckelbauweise als Symbolpolitik</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die gepriesene Deckelbauweise offenbart das ganze Dilemma: Man baut das größte Depot der Region und tut gleichzeitig so, als wäre nichts geschehen. Der Klosterhof sieht aus wie zuvor – eine architektonische Heuchelei, die das eigentliche Problem verschleiert statt es zu lösen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während sich andere Museen Gedanken über zeitgemäße Vermittlung und digitale Zugänglichkeit machen, setzt Nürnberg auf Verstecken. Die aufwendige Klimatechnik mit verschiedenen Feuchtigkeitszonen für unterschiedliche Materialien mutet an wie eine Intensivstation für Kultur – aber ist das noch lebendige Kulturvermittlung?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Selbstbedienung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Verteilung der Planungsaufträge folgt dem bewährten Muster bayerischer Auftragsvergabe: Ki Kästner Ingenieure, Nürnberg; Ottitsch &amp; Co. KG, München; Coplan, Weiden – eine regionale Rundumversorgung, die weniger der Qualität als der politischen Opportunität geschuldet scheint. Dass dabei innovative Lösungen entstehen, ist eher Zufall als Konzept.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Selbst die Materialwahl wird zur Regionalpolitik stilisiert: Kalksandsteine von Zapf Daigfuss, Schwaig sollen das Raumklima positiv beeinflussen. Als könnten nicht andere Materialien dasselbe leisten – aber die kommen eben nicht aus Bayern.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Kosten des Versteckens</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">39.800.000 Euro für ein unsichtbares Bauwerk – diese Summe hätte ausgereicht, um drei bis vier moderne Museumsneubauten zu errichten oder dutzende kleinere Kultureinrichtungen zu sanieren. Stattdessen investiert Bayern in eine Schatzkammer, die an mittelalterliche Horte erinnert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bauzeit mit ihren &#8222;unvorhergesehenen&#8220; Verzögerungen – gefundene Skelette, widerspenstige Bohrer – zeigt beispielhaft die Planungsqualität öffentlicher Großprojekte. Was 2013 begann, wurde erst 2024 fertig. Kostenexplosionen sind da schon eingepreist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Verpasste Chancen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Andere Museen zeigen, wie es anders geht. Das Humboldt Forum in Berlin macht seine Depots sichtbar, das Schaulager in Basel integriert Lagerung in die Ausstellungskonzeption. Nürnberg hingegen wählt den Weg des Versteckens und verpasst die Chance, neue Formen der Kulturvermittlung zu entwickeln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die vielgepriesene &#8222;Deckelbauweise&#8220; ist letztlich Ausdruck mangelnden Muts. Statt sich der Diskussion über Sinn und Zweck riesiger Sammlungen zu stellen, wird das Problem elegant unter den Teppich – oder besser: unter die Erde – gekehrt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fragwürdige Vorbildfunktion</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Nürnberger Projekt wird als &#8222;Referenz für andere Kulturinstitutionen&#8220; gepriesen. Hoffentlich nicht. Denn was hier als Innovation verkauft wird, ist Kapitulation vor den eigentlichen Herausforderungen: Wie macht man Kultur lebendig und zugänglich, statt sie in Bunkern zu verstecken?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Erfahrungsaustausch mit anderen Museen – Mainz, Berlin, Hall in Tirol – liest sich wie eine Verschwörung der Depot-Fetischisten. Alle haben dasselbe Problem: zu viele Objekte, zu wenig Mut, sich davon zu trennen oder neue Wege zu finden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Dilemma der Museumspolitik</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Germanische Nationalmuseum steht exemplarisch für eine verfehlte Kulturpolitik, die Sammeln über Vermitteln stellt. Während die Digitalisierung neue Möglichkeiten der Präsentation eröffnet, vergraben sich die Museen buchstäblich in ihren Beständen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die geplante Sanierung der oberirdischen Gebäude durch David Chipperfield Architects wird weitere Millionen verschlingen – für ein Museum, das seine wichtigste Aufgabe, die Vermittlung von Kultur, immer mehr aus den Augen verliert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der neue &#8222;Kultur-Tresor&#8220; unter Nürnbergs Pflaster ist Symbol einer rückwärtsgewandten Kulturpolitik, die Bewahren mit Verstecken verwechselt. Echte Innovation sähe anders aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Maiskolben in Augsburg &#8211; ein würdiges Denkmal</title>
		<link>https://baukunst.art/der-maiskolben-in-augsburg-ein-wuerdiges-denkmal/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 May 2025 12:27:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Augsburg]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Nachkriegsarchitektur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12383</guid>

					<description><![CDATA[Der Maiskolben in Augsburg ist nun Denkmal - 115 Meter Nachkriegsarchitektur mit olympischer Geschichte und städtebaulicher Bedeutung.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Der Maiskolben in Augsburg &#8211; ein würdiges Denkmal</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Beton Geschichte schreibt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Augsburger Hotelturm</strong> polarisiert seit über fünf Jahrzehnten. Seine markante Silhouette prägt das <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stadtbild</strong> wie kaum ein anderes Bauwerk, seine volkstümliche Bezeichnung als <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">&#8222;Maiskolben&#8220;</strong> verrät die ambivalente Beziehung der Bevölkerung zu diesem <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">architektonischen Zeugnis</strong> der Nachkriegsmoderne. Am 3. Dezember 2024 erhielt das 115 Meter hohe <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Hochhaus</strong> eine besondere Würdigung: Das <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Bayerische Landesamt für Denkmalpflege</strong> nahm den Turm in die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Denkmalliste</strong> auf und machte ihn damit zum <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">höchsten bewohnten Baudenkmal Bayerns</strong>.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Entscheidung mag auf den ersten Blick überraschen. Schließlich gehört der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Betonkoloss</strong> nicht gerade zu jenen <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Bauwerken</strong>, die spontan <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Denkmalschutz</strong>-Gefühle auslösen. Doch genau hier liegt die Bedeutung dieser Unterschutzstellung: Sie dokumentiert einen Wandel im <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Denkmalbewusstsein</strong>, der längst überfällig war.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Olympisches Erbe in Stahlbeton</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Entstehungsgeschichte</strong> des Turms liest sich wie ein Lehrstück der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">deutschen Nachkriegsarchitektur</strong>. Zwischen 1971 und 1972 entstanden nach Plänen der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Architekten</strong> Reinhard Brockel und Erich R. Müller 35 Geschosse in nur zehn Monaten <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Rohbauzeit</strong> &#8211; ein <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Tempo</strong>, das auch heute noch beeindruckt. Der Anlass war pragmatisch: Augsburg benötigte als <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Austragungsort</strong> der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kanu-Slalom-Wettbewerbe</strong> während der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Olympischen Sommerspiele 1972</strong> zusätzliche <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Übernachtungsmöglichkeiten</strong> für internationale Gäste.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">architektonische Vorbild</strong> fanden die Planer in Chicago: Bertrand Goldbergs <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Marina City Towers</strong> dienten als Inspiration für die charakteristischen <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">halbkreisförmigen Balkone</strong>, die dem Gebäude seinen spöttischen Spitznamen einbrachten. Diese formale Anlehne war kein Zufall &#8211; sie reflektierte den <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Optimismus</strong> einer Epoche, die sich international orientierte und <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">technologische Innovation</strong> mit <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">ästhetischer Modernität</strong> zu verbinden suchte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Konstruktive Meisterleitung der Siebziger</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">bautechnischer</strong> Sicht repräsentiert der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Hotelturm</strong> den <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stand der Technik</strong> seiner Zeit. Die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stahlbetonmischbauweise</strong> mit vorgefertigten Elementen galt als fortschrittlich und ermöglichte erst die außergewöhnlich kurze <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Bauzeit</strong>. Die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Konstruktion</strong> demonstriert eindrucksvoll, wie <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ingenieurskunst</strong> und <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Architektur</strong> in den frühen Siebziger Jahren miteinander verschmolzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert erscheint auch die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">funktionale Mischung</strong>: Das Gebäude war nie ausschließlich Hotel, sondern beherbergte von Beginn an <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Büros</strong> und <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Privatwohnungen</strong>. Diese <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nutzungsvielfalt</strong> macht es zu einem frühen Beispiel für <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Mixed-Use-Konzepte</strong>, die heute als zeitgemäße <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stadtentwicklung</strong> gelten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Identität durch Kontroverse</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">öffentliche Wahrnehmung</strong> des <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Maiskolbens</strong> war stets ambivalent. Während Kritiker und Kritikerinnen das Gebäude als <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Schandfleck</strong> bezeichneten, entwickelte es sich paradoxerweise zu einem <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wahrzeichen</strong> der Stadt. Diese Dualität charakterisiert viele <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Bauwerke</strong> der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachkriegsmoderne</strong>: Sie provozieren <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Widerspruch</strong> und schaffen dadurch <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Identität</strong>.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Bayerns Kunstminister</strong> Markus Blume bezeichnete den <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Hotelturm</strong> als &#8222;herausragendes Beispiel deutscher <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachkriegsarchitektur</strong>&#8220; &#8211; eine Einschätzung, die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">architekturhistorisch</strong> durchaus berechtigt erscheint. Das Gebäude dokumentiert eine <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Epoche</strong>, in der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Deutschland</strong> seinen Platz in der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">internationalen Architektur</strong> suchte und dabei <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">eigene Interpretationen</strong> <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">moderner Baukunst</strong> entwickelte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Denkmalschutz als gesellschaftlicher Auftrag</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Unterschutzstellung</strong> des <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Augsburger Hotelturms</strong> markiert einen wichtigen Moment in der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">deutschen Denkmalpflege</strong>. Sie zeigt, dass <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Denkmalschutz</strong> nicht nur <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">historische Schönheit</strong> bewahrt, sondern auch <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">unbequeme Geschichte</strong> würdigt. Die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachkriegsarchitektur</strong> der Sechziger und Siebziger Jahre prägte <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">deutsche Städte</strong> nachhaltig &#8211; oft kontrovers, aber immer <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">zeitgeschichtlich relevant</strong>.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Denkmalschutz</strong> verpflichtet nun Eigentümerinnen und Eigentümer zu <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">genehmigungspflichtigen Eingriffen</strong> bei <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baulichen Veränderungen</strong>. Diese <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Regulierung</strong> mag zunächst als <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Beschränkung</strong> erscheinen, bietet jedoch auch <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Chancen</strong>: <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Steuerliche Vorteile</strong> und <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fördermöglichkeiten</strong> für <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">denkmalgerechte Maßnahmen</strong> können <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Sanierungen</strong> und <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Modernisierungen</strong> unterstützen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit durch Bestandserhaltung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">nachhaltiger</strong> Perspektive erweist sich die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Denkmalwürdigung</strong> des <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Maiskolbens</strong> als vorausschauend. <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Bestandserhaltung</strong> ist <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ressourcenschonung</strong> &#8211; ein Aspekt, der in Zeiten des <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Klimawandels</strong> besondere Relevanz gewinnt. Statt <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Abriss</strong> und <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Neubau</strong> ermöglicht <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">denkmalgerechte Sanierung</strong> die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Weiternutzung</strong> vorhandener <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Bausubstanz</strong> bei gleichzeitiger <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Modernisierung</strong>.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">35 Geschosse</strong> des <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Turms</strong> bieten zudem <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">verdichtetes Wohnen</strong> in <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">zentraler Lage</strong> &#8211; ein <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Konzept</strong>, das heutigen <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stadtentwicklungszielen</strong> entspricht. Die Nähe zum <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Hauptbahnhof</strong> macht das Gebäude zu einem <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">nachhaltigen Wohnstandort</strong> mit <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">optimaler Verkehrsanbindung</strong>.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Denkmal mit Strahlkraft</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Augsburger Maiskolben</strong> verdient seinen <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Denkmalstatus</strong>. Er repräsentiert eine <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">architekturgeschichtlich</strong>bedeutsame <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Epoche</strong>, dokumentiert <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">technische Innovation</strong> und prägt als <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">städtebauliches Wahrzeichen</strong> das <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stadtbild</strong>. Seine <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Unterschutzstellung</strong> signalisiert einen <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">reifen Umgang</strong> mit der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachkriegsmoderne</strong> &#8211; jenseits von <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">nostalgischer Verklärung</strong> oder <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">pauschaler Ablehnung</strong>.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Denkmalwürdigung</strong> des <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">115-Meter-Turms</strong> zeigt: <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Architektur</strong> wird nicht durch <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Alter</strong> oder <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Schönheit</strong> allein zum <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kulturgut</strong>. Entscheidend sind <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">geschichtliche Bedeutung</strong>, <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">künstlerischer Wert</strong> und <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">städtebauliche Relevanz</strong>. Der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Maiskolben</strong> erfüllt alle diese <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kriterien</strong> &#8211; und ist damit ein würdiges <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Denkmal</strong> für eine <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Epoche</strong>, die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">deutsche Städte</strong> bis heute prägt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Bayerns höchstes bewohntes Baudenkmal</strong> steht nun unter <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">besonderem Schutz</strong> &#8211; und das ist gut so.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Olympia in München: Betonträume und Bürgerprotest</title>
		<link>https://baukunst.art/olympia-in-muenchen-betontraeume-und-buergerprotest/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 May 2025 12:11:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Olympia2036]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12381</guid>

					<description><![CDATA[München träumt erneut vom olympischen Glanz – diesmal nachhaltiger, bürgernäher und mit kritischem Blick auf die Vergangenheit. Gelingt 2036 die Neuauflage eines historischen Moments?
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">München und Olympia – wiederholt sich der Traum?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zwischen Nostalgie und Neuanfang</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn München vom olympischen Feuer spricht, lodert unweigerlich das Echo von 1972 auf – jenen Spielen, die sowohl Glanz als auch Tragödie in die Stadt brachten. Fünf Jahrzehnte später wagt München erneut den Blick auf das weltgrößte Sportereignis – mit einem Konzept, das Tradition, Nachhaltigkeit und Beteiligung miteinander verknüpfen will. Doch der Traum von Olympia 2036 steht unter anderen Vorzeichen als damals: Er muss erst die Herzen der Bürgerinnen und Bürger gewinnen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Rückgriff mit Weitblick: Das Konzept</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Besondere an Münchens Bewerbung ist nicht der Gigantismus, sondern seine Zurückhaltung. Rund 90 Prozent der geplanten Sportstätten existieren bereits – ein Novum im oft überbordenden olympischen Kontext. Das ikonische Olympiastadion, der Eiskanal in Augsburg, die Schießanlage in Garching oder die Reitanlage in Riem sollen erneut als Schauplätze dienen. Neu gebaut würde lediglich dort, wo es unumgänglich ist: beispielsweise ein temporäres Schwimmstadion am Münchner Flughafen. Dieses Prinzip der Wiederverwendung ist kein ästhetischer Zufall, sondern Ausdruck eines Paradigmenwechsels. Statt glänzender Architekturutopien steht heute eine olympische Demut im Vordergrund, die nicht zuletzt dem wachsenden Bewusstsein für Nachhaltigkeit geschuldet ist.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Stadt als Bühne: Infrastruktur im Wandel</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Olympia wird zur Projektionsfläche für Münchens infrastrukturelle Zukunft. Die Bewerbung versteht sich auch als Katalysator für lange geplante Großprojekte: die neue U-Bahnlinie U9, die zweite S-Bahn-Stammstrecke und der Nordring für die S-Bahn sollen mit Hilfe des olympischen Rückenwinds endlich Realität werden. Herzstück des Konzepts ist das geplante olympische Dorf im Nordosten der Stadt – in einem Gebiet zwischen Daglfing und Englschalking. Hier sollen 16.000 Athletinnen, Athleten und Offizielle temporär wohnen, ehe die Unterkünfte in reguläre Wohnungen umgewandelt werden. Rund 4000 Wohnungen könnten so entstehen – ein Hoffnungsschimmer im angespannten Münchner Wohnungsmarkt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Chancen, die verpflichten</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Olympische Spiele erzeugen Magnetismus – für Menschen, Kapital und Aufmerksamkeit. München erhofft sich wirtschaftliche Impulse, einen touristischen Schub und die Möglichkeit, sich erneut als internationale Sport- und Kulturmetropole zu positionieren. Ministerpräsident Markus Söder und Oberbürgermeister Dieter Reiter betonen die Stärke Münchens im internationalen Wettbewerb: Erfahrung, Bekanntheit und Effizienz. Gleichzeitig setzt man bewusst auf ein „sympathisches“ Format: ökologisch durchdacht, sozial verankert, transparent gestaltet. In Zeiten von globaler Klimakrise und gesellschaftlicher Polarisierung wäre dies ein bewusster Gegenentwurf zu früheren Spielen – eine Olympia der Besonnenheit.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der Haken im Konzept: Beteiligung und Widerstand</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotz des offenen Charakters bleibt der Weg zur Bewerbung steinig. Ein Bürgerentscheid im Oktober 2025 entscheidet über das Schicksal des Projekts. Die Erinnerung an das Scheitern der Winterspiel-Bewerbung 2022 sitzt tief – damals sagte die Bevölkerung „Nein“, trotz großem politischen Willen. Auch jetzt regt sich Widerstand, vor allem gegen die Bebauung des geplanten Olympia-Dorfes. Die Initiative „Heimatboden“ kritisiert mangelnde Beteiligung und fürchtet um die gewachsene Struktur des Daglfinger Ortskerns. Ihr juristischer Widerstand ist bereits angekündigt. Die Stadt bemüht sich zwar um Kooperation mit Grundeigentümerinnen und Eigentümern, doch die Konfliktlinien sind offensichtlich.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Spiel mit der Geschichte</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht zuletzt steht die Bewerbung auch in einem symbolischen Spannungsfeld. 100 Jahre nach den Spielen in Berlin 1936 und 64 Jahre nach dem Attentat von 1972 will München zeigen, dass Olympische Spiele auch anders gehen – demokratisch legitimiert, respektvoll gegenüber der Geschichte, richtungsweisend für die Zukunft.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit: Ein realistischer Traum?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">München träumt erneut – aber anders. Nicht von Prunk und Protz, sondern von einer nachhaltigen, integrierten und legitimierten Olympiade. Der Weg ist lang, der Ausgang offen. Aber das Konzept ist durchdacht, geerdet und zeitgemäß. Ob sich der Traum erfüllt, liegt diesmal nicht nur in den Händen der Funktionäre – sondern in denen der Stadtgesellschaft.</p>
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