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	<title>Berlin / Brandenburg-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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	<title>Berlin / Brandenburg-Archiv - Baukunst</title>
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		<title>TU Berlin wegen Baumängel gesperrt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Jul 2026 08:13:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die TU Berlin sperrt ihr Hauptgebäude, Bayern beschließt zehn Milliarden, NRW vermietet über einen Landesbetrieb. Wie die Länder bauen, entscheidet über die Substanz.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | Regionales | <strong>Berlin</strong> | Juli 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Vier Länder, vier Modelle: Wer in Deutschland die Hochschulen baut</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Organisationsform des Hochschulbaus ist Ländersache, und sie entscheidet darüber, wie schnell ein marodes Universitätsgebäude wieder nutzbar wird. In Deutschland konkurrieren vier Modelle: die klassische Staatsbauverwaltung, der Landesbetrieb mit Mieter-Vermieter-Modell, die Anstalt des öffentlichen Rechts und die Bauherreneigenschaft der Hochschule selbst. Die Sperrung des Hauptgebäudes der Technischen Universität Berlin im Mai 2026 hat diese Strukturfrage aus den Verwaltungsakten in die Tagespresse befördert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Anlass ist gravierend. 400 Lehrveranstaltungen mussten neu verortet oder digital ersetzt werden, rund 35.000 Studierende sind betroffen. Von den 102 Gebäuden der TU Berlin sind laut Tagesspiegel-Recherche vom Mai 2026 genau vier in gutem baulichem Zustand. Der Investitionsbedarf der TU liegt bei 2,4 Milliarden Euro, jener aller elf staatlichen Berliner Hochschulen bei über acht Milliarden, verteilt auf 450 landeseigene Gebäude mit 1,2 Millionen Quadratmetern Nutzfläche.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum ist der Hochschulbau überhaupt Ländersache?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bis 2006 war er es nicht allein. Artikel 91a Absatz 1 Nummer 1 des Grundgesetzes und das Hochschulbauförderungsgesetz (HSchulBG) machten Ausbau und Neubau von Hochschulen zur Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern. Die Föderalismusreform I strich beides, das HSchulBG trat zum 1. Januar 2007 außer Kraft. An seine Stelle traten befristete Kompensationszahlungen nach Artikel 143c des Grundgesetzes, die Ende 2019 ausliefen. Seither tragen die Länder die Last allein, nach der Konnexitätsregel des Artikels 104a Absatz 1 des Grundgesetzes. Was als Entflechtung gedacht war, wirkt heute als Auseinanderdriften: Jedes Land baut nach eigener Organisationslogik, eigenem Haushaltsrecht, eigener Priorität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Befund ist überall derselbe, nur die Zahlen wechseln. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) schätzt den bundesweiten Sanierungsbedarf auf 110 Milliarden Euro, eine Hochrechnung der Universität Hamburg kommt auf 140 Milliarden. Die RWTH Aachen beziffert ihren Bedarf auf 2,5 Milliarden, die Universität Bonn saniert ihr barockes Hauptgebäude für rund eine Milliarde, die Ludwig-Maximilians-Universität München nennt 900 Millionen, die neun baden-württembergischen Universitäten zusammen sechs bis acht Milliarden. Berlin ist kein Sonderfall, sondern der lauteste Fall. HRK-Präsident Walter Rosenthal benennt das Kernproblem prozedural: „Von der Planung bis zum Baubeginn können schon mal zehn Jahre vergehen.“</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was unterscheidet die vier Modelle?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern hält an der Staatsbauverwaltung fest. Die Staatlichen Bauämter betreuen die Liegenschaften des Freistaats von der Projektentwicklung bis zum Bauunterhalt, die Hochschulen sind Nutzerinnen, nicht Bauherrinnen. Finanziert wird kameralistisch aus dem Haushalt. Am 23. Juni 2026 beschloss das bayerische Kabinett rund zehn Milliarden Euro für Unikliniken und eine Hochschulbau-Offensive, darunter 120 Baumaßnahmen in vier Jahren und eine zusätzliche „Hochschulbaumilliarde“ aus dem Infrastruktur-Sondervermögen des Bundes. Ministerpräsident Markus Söder betonte, Ziel bleibe, keine neuen Schulden zu machen. Die SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag hält dagegen, allein der Sanierungsstau der Hochschulen betrage rund zehn Milliarden. Das Modell ist verlässlich, aber an die Kassenlage gekettet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nordrhein-Westfalen wählte 2001 den Gegenentwurf. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB NRW) hält als Landesbetrieb über 1.400 Hochschulgebäude mit mehr als fünf Millionen Quadratmetern Mietfläche und vermietet sie an die 35 Hochschulen des Landes. Seit 2009 flossen fünf Milliarden Euro über das Hochschulmodernisierungsprogramm (HMoP). Der BLB agiert außerhalb des Kernhaushalts, was Tempo bringt und Kontrolle kostet. Ein Untersuchungsausschuss des Landtags Nordrhein-Westfalen arbeitete von 2012 bis 2017 überteuerte Grundstücksgeschäfte und Kostenexplosionen auf, das Landesarchiv in Duisburg wurde zum Sinnbild; das Landgericht Düsseldorf verurteilte 2017 den früheren Geschäftsführer wegen Bestechlichkeit und Untreue. Rosenthal nennt Nordrhein-Westfalen und Hessen dennoch als Positivbeispiele, weil dort eine „klare Priorisierung“ erkennbar sei.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Thüringen geht einen dritten Weg. Die Friedrich-Schiller-Universität Jena bekam per Gesetzesänderung die Bauherrschaft übertragen. Rosenthal, der die Universität bis 2023 leitete, hält genau das für den beschleunigenden Faktor.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Berlin kombiniert nun Elemente aus beidem. Der Senat beschloss am 21. April 2026 auf Vorlage von Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra das Berliner Hochschulbaugesellschaftsgesetz (BHGG). Die Berliner Hochschulbaugesellschaft (BHG) entsteht als Anstalt des öffentlichen Rechts, übernimmt die Bauherrenfunktion, führt ein Mieter-Vermieter-Modell ein und darf für dringliche Vorhaben eigene Kredite aufnehmen. Die Gründungsphase ist für 2026/2027 vorgesehen. Czyborra nennt es ein „bundesweit einzigartiges Instrument“.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was folgt daraus für andere Länder?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kreditfähigkeit ist der eigentliche Unterschied. Bayern finanziert aus laufenden Einnahmen und kommt damit weit, solange die Einnahmen stimmen. Berlin kann das nicht. Von den 5,2 Milliarden Euro, die dem Land bis 2036 aus dem Sondervermögen Infrastruktur zustehen, sind rund 415 Millionen für die Wissenschaft vorgesehen, davon 170 Millionen für den Neubau der Berliner Hochschule für Technik in Tegel und 200 Millionen für das Naturkundemuseum. Für die Sanierung der Universitäten bleiben 45 Millionen, rechnerisch 0,6 Prozent des Bedarfs. Wer so wenig Masse hat, muss die Bilanz auslagern oder kapitulieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau hier setzt die Kritik an. Die Landeskonferenz der Rektorinnen und Rektoren und der Präsidentinnen und Präsidenten der Berliner Hochschulen (LKRP) trägt die Idee mit, nicht aber die Ausführung. Der Gesetzentwurf sei „in einer Kultur der Schuldzuweisung und Missbilligung“ geschrieben, heißt es in ihrer Stellungnahme vom Februar 2026. Und finanzpolitisch: „Dem Land müssen Gesamtkosten entstehen, ansonsten ist das Vorhaben zum Scheitern verurteilt.“ Zins und Tilgung sind neues Geld, kein Buchungstrick. TU-Präsidentin Geraldine Rauch warnte in der Ausschussanhörung, die Hochschulen liefen „in eine Situation nicht gedeckter Haushalte“. Der Akademische Senat der Freien Universität sieht die Wissenschaftsfreiheit nach Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes berührt, weil Bauentscheidungen strategische Entscheidungen über Forschung und Lehre sind. Wissenschaftsstaatssekretär Henry Marx hält dagegen, die Hochschulen blieben eng in die Governance eingebunden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bund hält sich zurück. Zwischen 2026 und 2029 stellen Bund und Länder jährlich bis zu einer Milliarde Euro für Wissenschaftsinfrastrukturen und Kitas bereit, verteilt nach dem Königsteiner Schlüssel; auf Berlin entfallen davon 50,2 Millionen im Jahr, hälftig geteilt mit den Kitas. Über neun Jahre summiert sich die Bundesbeteiligung aus dem Sondervermögen auf etwa zwölf Milliarden. Die HRK schlug 2025 ein Programm über 90 Milliarden Euro vor, darunter ein Sofortprogramm des Bundes über 38 Milliarden und danach einen Bund-Länder-Pakt mit 2,6 Milliarden jährlich. Rosenthal nennt das Bereitgestellte einen Anfang, der bei weitem nicht ausreiche.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Übertragbar ist daraus weniger das Modell als die Diagnose. Keine Rechtsform ersetzt Geld, sie kann es nur besser oder schlechter einsetzen. Nordrhein-Westfalen zeigt, dass Auslagerung ohne Berichtspflichten teuer wird. Bayern zeigt, dass Haushaltsdisziplin die Substanzfrage vertagt, statt sie zu lösen. Jena zeigt, dass Nutzernähe den Dienstweg schlägt. Und Berlin zeigt, dass eine Organisationsreform ohne hinterlegte Mittel die Hochschulen zu Mieterinnen von Gebäuden macht, deren Miete niemand bezahlt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bleibt der baukulturelle Kern, der in allen vier Modellen dieselbe Antwort verlangt. Ein Großteil der betroffenen Bauten stammt aus den 1960er und 1970er Jahren, viele stehen unter Denkmalschutz, etliche sind Schlüsselwerke der Nachkriegsmoderne. In ihnen steckt graue Energie, die ein Ersatzneubau erst über Jahrzehnte amortisiert. Die Entscheidung zwischen Instandsetzung und Abriss fällt in der Praxis nicht am Bauwerk, sondern in der Wirtschaftlichkeitsberechnung nach DIN 276. Wer den Bestand erhalten will, muss die Rechenregel ändern, nicht nur die Rechtsform.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Bäume gegen die Hitze: Berlin macht ernst, die Bezirke müssen liefern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jul 2026 13:34:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
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		<category><![CDATA[Berliner Straßengesetz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Berlin verpflichtet sich gesetzlich zu einem Straßenbaum alle 15 Meter. Was im KAnGBln wirklich steht, wann private Pflanzrechte greifen und woran die Umsetzung hängt.  </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | Regionales | <strong>Berlin</strong> | Juli 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Baum alle 15 Meter: Was das Berliner Klimaanpassungsgesetz wirklich vorschreibt</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Berliner Klimaanpassungsgesetz (KAnGBln) vom 7. November 2025 ist das erste Landesgesetz in Deutschland, das kommunale Klimaanpassung nicht als Programmsatz formuliert, sondern als messbare Pflicht mit Mengengerüst, Zielpfad und Fristen. Verkündet im Gesetz- und Verordnungsblatt für Berlin am 20. November 2025 (GVBl. S. 542), trat es einen Tag später in Kraft: 24 Paragraphen, acht Abschnitte, vier Änderungen bestehender Landesvorschriften.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Weg dorthin führte über die Volksinitiative BaumEntscheid, die im Herbst 2024 mehr als 33.000 Unterschriften sammelte. Das Abgeordnetenhaus von Berlin übernahm den Entwurf am 3. November 2025 selbst, nach Verhandlungen mit dem Senat. Ein Volksentscheid entfiel damit.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Verdopplung in zehn Jahren? Das Gesetz sagt etwas Präziseres</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die verbreitete Zusammenfassung, Berlin verdopple seinen Baumbestand binnen zehn Jahren, trifft die Rechtslage nicht. § 6 Absatz 1 KAnGBln verlangt zunächst die Wiederherstellung eines Bestands von 440.000 Straßenbäumen bis zum 31. Dezember 2027, vorrangig durch Bepflanzung aller offenen Baumscheiben. Das ist Bestandssicherung, keine Vermehrung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der eigentliche Hebel steckt in § 6 Absatz 2: Auf jeder Straßenseite und auf allen ausreichend breiten Mittelstreifen soll je Straßenabschnitt im Durchschnitt mindestens alle 15 Meter ein gesunder, ein gepflegter oder ein Entwicklungsbaum stehen. Absatz 3 legt den Zielpfad fest: 15 Prozent aller Straßenabschnitte bis Ende 2030, 85 Prozent bis Ende 2037, 100 Prozent bis Ende 2040. Aus diesem Raster ergibt sich rechnerisch die kommunizierte Zahl von rund einer Million Stadtbäumen. Im Gesetzestext steht sie nicht, und der Horizont ist 2040, also vierzehn Jahre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die Definitionsarbeit in § 2. Das Gesetz unterscheidet den gesunden Straßenbaum (Schadstufe 0 nach Anlage 2 der Baumschutzverordnung) vom gepflegten Straßenbaum und führt den Entwicklungsbaum ein: ein Gehölz aus innovativen naturbasierten Pflanz- und Aufwuchsverfahren, das binnen zehn Jahren die Kühlleistung eines gesunden Straßenbaums erreicht. Damit öffnet sich die Tür für Naturverjüngung und Sukzession im Straßenraum, ein leiser Bruch mit der Solitärlogik der Gartenamtsleiterkonferenz.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Dürfen Berlinerinnen und Berliner jetzt selbst Bäume pflanzen?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch nicht, und später nicht ganz so, wie es klingt. § 7 Absatz 1 gewährt natürlichen und gemeinnützigen juristischen Personen das Recht, Baumscheiben mit bodennaher Vegetation zu bepflanzen, nach Abschluss einer Gestattungsvereinbarung mit der zuständigen Stelle. Diese regelt zulässige Pflanzen nach Pflanzliste, Ausführung und Auflösungsverantwortung. Die Bezirksämter sind verpflichtet, sie unverzüglich abzuschließen, soweit keine überwiegenden öffentlichen Belange entgegenstehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Haken liegt im Zeitpunkt. Das Recht entsteht erst mit Inkrafttreten der Berliner Klimaanpassungsverordnung nach § 20, spätestens jedoch 24 Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes, also bis zum 21. November 2027. Bis dahin gelten die bezirklichen Merkblätter zur Baumscheibenbegrünung weiter, die eine Bepflanzung dulden, aber keinen Anspruch begründen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rechtssystematisch gewichtiger als die Blumenbeete ist § 7 Absatz 5: Bepflanzung von Baumscheiben und Nachpflanzung durch Bürgerinnen und Bürger stellen keine Sondernutzung nach § 11 Absatz 1 des Berliner Straßengesetzes dar. Damit fällt die Erlaubnispflicht weg, an der bürgerschaftliches Engagement im Straßenland bislang regelmäßig scheiterte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Und die Bäume selbst? § 7 Absatz 2 erlaubt es Personen, die Pflanzung zu veranlassen, nicht sie auszuführen. Beauftragt werden müssen sachkundige Dienstleister, auf eigene Kosten. Die Pflanzung ist drei Monate vorher anzuzeigen; widerspricht die Behörde nicht, darf gepflanzt werden. Mit Abschluss geht das Eigentum nach § 946 des Bürgerlichen Gesetzbuchs auf den Straßenbaulastträger über, spätestens zwei Monate danach übernimmt das Bezirksamt Bewässerung und Pflege. Für Schäden haftet der sachkundige Dritte. Eine saubere Konstruktion: privates Kapital, öffentliche Unterhaltung, professionelle Haftung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das für Entwurf und Planung?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">§ 9 formuliert ein Berücksichtigungsgebot: Träger öffentlicher Aufgaben haben Zweck und Zielpfade der §§ 3 bis 6 bei ihren Planungen und Entscheidungen zu berücksichtigen. Das ist kein Optimierungsgebot mit weitem Abwägungsspielraum wie in § 1 Absatz 5 des Baugesetzbuchs, aber deutlich mehr als ein Appell. Wer in Berlin Straßenraum plant, muss das 15-Meter-Raster erfüllen oder seine Unterschreitung öffentlich begründen; § 6 Absatz 4 verlangt bei Nichterreichbarkeit eine veröffentlichte Begründung und Ausgleich im Regelfall innerhalb von 150 Metern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Konflikt ist im Gesetz bereits angelegt. Derselbe Absatz nennt den Unterstreifen als bevorzugten Pflanzort und verlangt zugleich, die erforderlichen Breiten von Rad- und Fußwegen sicherzustellen. Unter diesem Streifen liegen Gas, Strom, Fernwärme und Telekommunikation. Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt hat im Juni 2026 genau diesen Zielkonflikt zum Schwerpunkt der Umsetzungsplanung erklärt, samt Prüfung eines digitalen Zwillings des Berliner Straßenraums.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In den Hitzevierteln, definiert über den Berliner Umweltgerechtigkeitsatlas 2021/22 mit physiologischen Äquivalenttemperaturen über 32 Grad Celsius tagsüber und 24 Grad nachts, kommen weitere Ziele hinzu: Kühlinseln in höchstens 150 Metern fußläufiger Entfernung, klimawirksame Grünflächen in 500 Metern, eine Absenkung der Tageshöchsttemperatur um mindestens 2 Grad Celsius. § 5 Absatz 2 priorisiert dabei die Quartiere, die das Monitoring Soziale Stadtentwicklung als sozial niedrig eingestuft hat. Klimaanpassung wird hier ausdrücklich als Verteilungsfrage behandelt, nicht als Gestaltungsthema.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Unmittelbar spürbar für Bauherrschaften wird § 21. Er verpflichtet den Senat, die Baumschutzverordnung vom 11. Januar 1982 binnen sechs Monaten so zu ändern, dass bereits Bäume ab 70 Zentimetern Stammumfang unter Schutz fallen, bei mehrstämmigen Exemplaren ab 50 Zentimetern, jeweils gemessen in einem Meter Höhe. Bislang lag die Schwelle bei 80 Zentimetern. Hinzu kommt: Die Zahl der Ersatzpflanzungen nach Anlage 1 der Baumschutzverordnung steigt in jeder Staffelung um zwei, der Ersatz ist im Regelfall im Umkreis von 150 Metern um den Fällort innerhalb der nächsten zwei Pflanzperioden zu realisieren, und bei ausbleibendem Anwuchserfolg muss nachgepflanzt werden. Bäume in Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten sowie in Gartendenkmalen nach § 2 Absatz 4 des Denkmalschutzgesetzes Berlin sind nicht länger vom Anwendungsbereich ausgenommen. Für Baulückenschließungen und Nachverdichtung verschiebt das die Kalkulation spürbar, in der Kostengruppe 500 nach DIN 276 ebenso wie im Bauzeitenplan.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wo das Gesetz verwundbar bleibt</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">An der Verwaltung. Die Federführung ging erst Mitte Januar 2026 an die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt; der Projektauftrag für das Umsetzungsplanungsprojekt nach § 22 ging Ende Juni 2026 in die Ressortabstimmung, gut ein halbes Jahr nach Ablauf der gesetzlichen Sechsmonatsfrist. Die Klimaanpassungsverordnung nach § 20, ohne die Pflanzliste, gute fachliche Baumpflegepraxis und Baumscheibenverfahren unbestimmt bleiben, ist bis November 2027 zu erlassen. Bis dahin gilt ersatzweise die Straßenbaumliste der Gartenamtsleiterkonferenz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die zweite Schwachstelle steht in § 23 Absatz 3: Personal- und Sachmittel stellt das Land bereit „nach Maßgabe der Haushaltsgesetze“. Ein Zielpfad ohne Gärtnerinnen, Baumkontrolleure und Planungskapazität bleibt ein Diagramm. Der unabhängige wissenschaftliche Beirat nach § 17 und das Sofortprogramm bei Zielverfehlung nach § 19 sind kluge Sicherungen, ersetzen aber keine Stellen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotzdem: Berlin hat sich ein Instrument gegeben, das der Davoser Erklärung von 2018 näherkommt als die meisten Baukulturbekenntnisse, weil es Qualität an Wirkung misst und nicht an Absicht. Ob es trägt, entscheidet sich in den Bezirksämtern. In München und Stuttgart, wo vergleichbare Initiativen laufen, wird man genau hinsehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Architekten gehen auf die Straße, Baukultur zum Anfassen in Berlin</title>
		<link>https://baukunst.art/architekten-gehen-auf-die-strasse-baukultur-zum-anfassen-in-berlin/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Jun 2026 16:39:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur Galerie Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Baukulturvermittlung]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeitsbeteiligung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie kommt Baukultur aus dem Fachzirkel zu den Menschen? Die Architektur Galerie Berlin und die Bundesstiftung Baukultur erproben am 2. Juli 2026 ein offenes Gesprächsformat mitten auf dem Gehweg.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Regionales<em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong"> |</strong></em> Berlin <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Raus aus der Blase: Wie Berlin Baukultur auf den Bürgersteig holt</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Bürgersteig-Salon ist ein offenes Gesprächsformat, das die Vermittlung von Baukultur aus dem geschlossenen Fachzirkel auf die Straße verlegt und bewusst das Gespräch mit Passantinnen und Passanten sucht. Am 2. Juli 2026 lädt die Architektur Galerie Berlin gemeinsam mit der Bundesstiftung Baukultur zur zweiten Auflage unter dem Titel „Raus aus der Blase“ ein. Die Veranstaltung gehört zum Format „Baukulturtreff“ und versteht sich als praktischer Versuch, vom Reden ins Handeln zu kommen. Begrüßt wird das Publikum von Ulrich Müller, dem Leiter der Architektur Galerie Berlin, und von Reiner Nagel, der die Bundesstiftung Baukultur seit Mai 2013 als Vorstandsvorsitzender führt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Anlass ist alles andere als nebensächlich. Im Baugesetzbuch (BauGB) ist Baukultur längst kodifiziert. Nach § 1 Absatz 6 Nummer 5 BauGB sind die Belange der Baukultur, des Denkmalschutzes und die Gestaltung des Orts- und Landschaftsbildes bei der Aufstellung von Bauleitplänen zu berücksichtigen. Die gebaute Umwelt ist damit keine private Geschmacksfrage, sondern ein abwägungsrelevantes öffentliches Gut. Zwischen diesem Anspruch und der gesellschaftlichen Wahrnehmung klafft jedoch eine Lücke, die das Berliner Format genau adressiert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum erreicht die gesetzliche Öffentlichkeitsbeteiligung so wenige Menschen?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Baugesetzbuch schreibt Beteiligung ausdrücklich vor. § 3 Absatz 1 BauGB regelt die frühzeitige Unterrichtung der Öffentlichkeit über die Ziele einer Planung, § 3 Absatz 2 BauGB die förmliche Auslegung des Planentwurfs samt Möglichkeit zur Stellungnahme. In der Praxis bleibt diese Beteiligung häufig formal. Bekanntmachungen im Amtsblatt, Akteneinsicht zu Bürozeiten und juristisch verdichtete Begründungen erreichen vor allem jene, die ohnehin mit Planungsrecht vertraut sind. Wer keine Vorbildung mitbringt, scheitert selten am Interesse, meist an der Form.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau hier setzt der Bürgersteig-Salon an. Statt das Publikum in einen Saal zu bitten, sucht das Format den öffentlichen Raum auf, in dem Stadt tatsächlich erlebt wird. Die niedrige Schwelle ist Programm. Ein Tisch auf dem Gehweg lädt anders ein als ein Auslegungsverfahren. Übertragbar ist diese Beobachtung auf nahezu jede Kommune, denn das Beteiligungsdefizit ist kein Berliner Sonderfall, sondern ein bundesweites Muster. Architektinnen und Stadtplaner kennen die Folge: Vorhaben, die formal beteiligt wurden, lösen bei der Fertigstellung dennoch Überraschung und Widerstand aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Reiz liegt im Verzicht auf Hierarchie. Während das förmliche Verfahren feste Rollen verteilt, mischt der Salon Fachleute und Laien. Begriffe wie Nachverdichtung, graue Energie oder Umbaukultur werden dort nicht vorausgesetzt, sondern im Gespräch erklärt. So entsteht Übersetzungsarbeit, die das Planungsrecht zwar verlangt, in der Auslegungspraxis aber kaum leistet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Format ist erprobt. Bereits 2024 fand die Auftaktveranstaltung als Gemeinschaftsprojekt der Architektur Galerie Berlin mit der Bundesstiftung Baukultur statt und brachte Engagierte aus Bildung, Aktivismus und Verwaltung zusammen. Der „Bürgersteig-Salon“ verlegt die Diskussion bewusst vor die Tür der Galerie, damit auch Nichtfachleute und zufällig Vorbeikommende einbezogen werden. Die Methode ist denkbar einfach und gerade darin überzeugend: ein offener Ort, ein klarer Anlass, kurze Wege zwischen Fachwissen und Alltagserfahrung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Berlin verfügt über vergleichsweise ausdifferenzierte Instrumente der Baukulturpflege. Das Baukollegium Berlin, angesiedelt bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, berät stadtbildprägende Vorhaben und tagt seit Jahren öffentlich. Die gestalterische Grundnorm liefert § 10 der Bauordnung für Berlin (BauO Bln): Bauliche Anlagen müssen nach Form, Maßstab und Material so gestaltet sein, dass sie das Straßen-, Orts- oder Landschaftsbild nicht verunstalten. Solche Vorschriften sichern eine Untergrenze, sie erzeugen jedoch noch kein gesellschaftliches Bewusstsein für Qualität. Dieses Bewusstsein muss vermittelt werden, und die Vermittlung ist die eigentliche Leerstelle.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das Format für die Berliner Planungskultur?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Teilnehmenden der zweiten Auflage spiegeln die Breite der Akteurslandschaft. Mit dabei sind Leon Beck von Architects4Future, Angelika Hinterbrandner an der Schnittstelle von Architektur, Politik und Kommunikation, Robert Koerdt von der Max-Bill-Schule, Kristin Lazarova von der Urbanen Liga, Judith Rädlein von Urbaneo, Anne Schmedding von der Stiftung Berliner Leben, Florian Tienes von AG.URBAN und Jessica Waldera von Kleine Baumeister. Die Moderation übernehmen Leonie Ederer von der Bundesstiftung Baukultur und Amina Ghisu von der Deutschen BauZeitschrift (DBZ). Diese Mischung aus Aktivismus, Bildung, Wissenschaft und Verwaltung kommt in förmlichen Verfahren selten an einem Tisch zusammen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Zeitpunkt ist klug gewählt. 2026 begeht die Bundesstiftung Baukultur ihr zwanzigjähriges Bestehen; gegründet wurde sie 2006 durch das Gesetz über die Errichtung einer Bundesstiftung Baukultur mit Sitz in Potsdam. Wenige Wochen vor dem Salon, am 11. Juni 2026, stellte die Stiftung beim Konvent der Baukultur ihren siebten Baukulturbericht 2026/27 unter dem Titel „Gestalten, Prozesse, Bauen, Zusammenhalt“ vor und übergab ihn an Bundesbauministerin Verena Hubertz. Der Bericht rückt die frühe Projektphase, die sogenannte Phase Null, sowie die Beteiligung der Zivilgesellschaft ins Zentrum. Der Bürgersteig-Salon erprobt diese bundesweite Programmatik im konkreten Berliner Maßstab.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Übertragbar ist der Ansatz auf andere Regionen, weil nahezu jedes Bundesland inzwischen vergleichbare Strukturen kennt. Gestaltungsbeiräte sind vielerorts kommunal fest etabliert, in einzelnen Ländern auch landesrechtlich verankert; sie sichern fachliche Qualität, bleiben für die breite Öffentlichkeit aber oft unsichtbar. Ein niedrigschwelliges Gesprächsformat kann diese Gremienarbeit ergänzen, ohne sie zu ersetzen, und das Verständnis für planerische Abwägung in die Quartiere tragen. Gerade kleinere Städte und ländliche Räume, in denen Personal und Sichtbarkeit knapp sind, könnten von dieser Übersetzungsleistung profitieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritisch bleibt zu fragen, ob ein einzelner Abend strukturelle Defizite ausgleichen kann. Ein Gespräch auf dem Gehweg ersetzt keine reformierte Beteiligungspraxis, und die Reichweite solcher Formate bleibt begrenzt. Die europäische Davoser Erklärung von 2018 hat eine hohe Baukultur als gemeinschaftliche Aufgabe definiert; sie einzulösen verlangt mehr als symbolische Gesten. Der eigentliche Hebel läge in einer Beteiligung, die § 3 BauGB nicht nur erfüllt, sondern verständlich macht: in Klartext statt Amtsdeutsch, in aufsuchender statt abwartender Kommunikation, in kontinuierlicher statt punktueller Ansprache.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dennoch liegt der Wert des Formats gerade in seiner Bescheidenheit. Es nimmt den Begriff der Öffentlichkeit wörtlich und trägt ihn dorthin, wo Stadt entsteht und benutzt wird. Für die Berliner Planungskultur ist das ein realistischer und übertragbarer Beitrag. Nicht die große Geste verändert die Wahrnehmung von Baukultur, sondern die Summe vieler kleiner Gespräche, die aus Betroffenen Beteiligte machen. Wenn aus dem Salon eine Reihe und aus der Reihe eine Haltung wird, ist viel gewonnen, in Berlin und weit darüber hinaus.</p>
<h2><strong>Leserinformation</strong></h2>
<table style="font-weight: 400;" width="624">
<tbody>
<tr>
<td width="153"><strong>Veranstaltung</strong></td>
<td width="471">„Raus aus der Blase“, 2. Bürgersteig-Salon (Format „Baukulturtreff“)</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Termin</strong></td>
<td width="471">Donnerstag, 2. Juli 2026, 18 Uhr</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Ort</strong></td>
<td width="471">Architektur Galerie Berlin, Karl-Marx-Allee 96, 10243 Berlin (Friedrichshain)</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Veranstalter</strong></td>
<td width="471">Architektur Galerie Berlin in Kooperation mit der Bundesstiftung Baukultur</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Eintritt</strong></td>
<td width="471">frei</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Anreise</strong></td>
<td width="471">U5 Weberwiese (rund 200 Meter); Nachtbus N5; weitere Linien am Strausberger Platz</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Barrierefreiheit</strong></td>
<td width="471">Der Salon findet ebenerdig auf dem Bürgersteig vor der Galerie statt und ist damit stufenlos erreichbar (Maßstab DIN 18040-1 für öffentlich zugängliche Gebäude). Für besondere Bedarfe empfiehlt sich eine kurze Voranfrage bei der Galerie.</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Information</strong></td>
<td width="471">architekturgalerieberlin.de, Telefon (030) 788 974 31</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>Das lebende Denkmal: Brandenburgs Landschaftsgärten zwischen Kunst und Recht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Jun 2026 16:16:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Gartendenkmalpflege]]></category>
		<category><![CDATA[Landschaftsgarten]]></category>
		<category><![CDATA[Schloss Neuhardenberg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Garten im Rang eines Denkmals: Die Ausstellung in Schloss Neuhardenberg verbindet Malerei und Gartenkunst und führt mitten in die Fragen der märkischen Gartendenkmalpflege.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Regionales<em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong"> |</strong></em> Brandenburg <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Wenn das Denkmal blüht und stirbt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein historischer Garten ist nach Artikel 1 der Charta von Florenz von 1981 ein mit baulichen und pflanzlichen Mitteln geschaffenes Werk, an dem aus historischen oder künstlerischen Gründen öffentliches Interesse besteht, und steht damit im Rang eines Denkmals. Diese Definition gewinnt im Oderbruch besondere Anschauung. Am 21. März 2026 eröffnet die Stiftung Schloss Neuhardenberg die Ausstellung „Von Gärten, Landschaften und Bildern. Landschaftsgärten in der Kunst vom Barock bis heute“, die bis zum 9. August 2026 zu sehen ist. Kurator Simon Häuser versammelt Werke aus sechs Jahrhunderten, von Jan Breughel dem Älteren über Carl Blechen, Max Liebermann und Lesser Ury bis zu Rineke Dijkstra und Tobias Zielony. Die Eröffnung bestreiten Dr. Heike Kramer, Simon Häuser und Prof. Dr. Hartmut Dorgerloh, Generalintendant der Stiftung Humboldt Forum.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Anlass ist mehr als ein kunsthistorischer. Der Park von Neuhardenberg, vor rund 200 Jahren nach Plänen von Peter Joseph Lenné im Auftrag von Hermann Fürst von Pückler-Muskau und unter Mitwirkung von John Adey Repton angelegt, ist selbst Gegenstand der Schau. Karl Friedrich Schinkel formte das Schloss zwischen 1820 und 1823 zur klassizistischen Anlage um; Lenné übersetzte die Prinzipien der Malerei in den Raum. Blickachsen, perspektivische Staffelung, das Gruppieren und Vereinzeln von Bäumen: Der englische Landschaftsgarten ist ein gemaltes Bild, in dem man spazieren geht. Genau diese künstlerische Substanz schützt das Denkmalrecht, und genau hier beginnen die Schwierigkeiten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung erzählt diese Wechselbeziehung in beide Richtungen. Gemälde barocker Parkanlagen erscheinen als Sinnbilder von Macht, Landschaftsbilder des 18. Jahrhunderts als Vorbilder der englischen Gärten, romantische und impressionistische Arbeiten als innere und atmosphärische Landschaften, expressionistische Parkmotive als psychisch aufgeladene Szenen. Fotografische und zeitgenössische Positionen befragen schließlich das Verhältnis von Mensch und Natur neu. So entsteht ein Panorama, das die Gartenkunst nicht als Dekor begreift, sondern als eigenständige künstlerische Disziplin, vielschichtig und verschiedenartig wie ein Garten selbst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum steht ein Landschaftsgarten rechtlich auf unsicherem Boden?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Brandenburgische Denkmalschutzgesetz (BbgDSchG) vom 24. Mai 2004 zählt in § 2 die Gartendenkmale ausdrücklich zu den geschützten Denkmalarten und fasst darunter gärtnerische Anlagen oder sonstige von Menschen gestaltete Teile von Landschaften mit ihren Pflanzen, Frei- und Wasserflächen. § 1 BbgDSchG verpflichtet Land, Gemeinden und Eigentümer gleichermaßen zu Schutz, Erhaltung, Pflege und Erforschung. Doch ein Garten widersetzt sich der Logik, die für Mauerwerk gilt. Artikel 2 der Charta von Florenz beschreibt ihn als Bauwerk, das vornehmlich aus lebendem Material besteht und damit vergänglich und erneuerbar ist. Ein Baudenkmal altert; ein Gartendenkmal wächst, blüht und stirbt im Jahresrhythmus. Die Erhaltungspflicht knüpft dabei an die Denkmaleigenschaft selbst und nicht erst an die Eintragung in die Denkmalliste, die in Brandenburg lediglich nachrichtlich wirkt. Wer ein Gartendenkmal besitzt, trägt die Verantwortung also vom ersten Tag an, unabhängig davon, ob ein Schild am Eingang darauf hinweist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Daraus folgt eine paradoxe Pflege. Was die Gestalt eines historischen Gartens ausmacht, hält Artikel 4 der Charta fest: Grundriss und Bodenrelief, Pflanzungen mit ihren Ausmaßen und Farbwirkungen, bauliche Ausstattung sowie bewegtes oder ruhendes Wasser. Die Authentizität liegt also nicht im einzelnen Baum, sondern im räumlichen Konzept. Wer einen abgängigen Bestand ersetzt, zerstört nichts, sofern er die ursprüngliche ästhetische Absicht trifft; wer ihn unverändert lässt, riskiert den Verlust der Komposition. Die Instandhaltung ist, wie die Charta betont, eine vorrangige und notwendigerweise fortwährende Maßnahme. Für Eigentümerinnen und Eigentümer schlägt sich das in dauerhaften Kosten nieder, die § 10g Einkommensteuergesetz (EStG) für Gartendenkmale immerhin steuerlich abfedert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Neuhardenberg zeigt, wie anspruchsvoll diese Aufgabe ist. Nach der Wende lag der Park als überwachsenes Fragment vor. Die Gartenarchitektin Adelheid von Schönborn rekonstruierte ihn in den 1990er Jahren entlang der historischen Blickbeziehungen, eine Arbeit, die 2004 mit der Auszeichnung „Deutschlands schönster Park“ gewürdigt wurde. Rekonstruktion bleibt in der Denkmalpflege heikel, weil sie zwischen Wiederherstellung und Neuschöpfung changiert. Die Charta von Florenz lässt sie zu, knüpft sie aber an gesicherte Befunde und an die Achtung des gewachsenen Bestands. In Neuhardenberg dienten genau jene Bilder als Quelle, die nun in der Ausstellung hängen: Gemälde und historische Aufnahmen halfen, verschwundene Baumgruppen und Wegeführungen zu belegen. So wird die Schau zur stillen Fortsetzung der denkmalpflegerischen Arbeit, die den Park überhaupt erst zurückgewonnen hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was leistet die Ausstellung für die märkische Gartendenkmalpflege?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Schau macht sichtbar, was im Recht abstrakt bleibt: die künstlerische Logik des Gartens. Wenn Carl Blechen, Walter Leistikow oder Dora Hitz Parkräume malen, dokumentieren sie nicht nur Motive, sondern die Sehweisen, aus denen diese Räume hervorgingen. Gartendenkmalpflege braucht solche Quellen, denn historische Gemälde, Stiche und Fotografien sind oft die einzigen Belege für verlorene Pflanzungen und Sichtachsen. Die Ausstellung übernimmt damit eine Aufgabe, die das Denkmalrecht voraussetzt, aber nicht selbst erfüllen kann: die Vermittlung des Denkmalwerts an ein breites Publikum.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zugleich verankert sie ein regionales Erbe. Brandenburg trägt mit Babelsberg, Glienicke, Branitz und Neuhardenberg eine Dichte an Lenné- und Pücklerschen Anlagen, die in Deutschland einzigartig ist. Diese märkische Gartenlandschaft ist kein Kulissenzauber, sondern ein planungsrechtlich relevanter Bestand, dessen Sichtachsen bis in die Umgebung reichen. Der Umgebungsschutz des BbgDSchG erfasst deshalb auch Flächen jenseits der Parkgrenze, etwa wenn ein Bauvorhaben eine historische Blickbeziehung zerschneiden würde. Wer in solchen Lagen plant, verhandelt nicht nur mit der unteren Denkmalschutzbehörde, sondern mit zwei Jahrhunderten gestalteter Wahrnehmung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein kritischer Punkt bleibt. Ausstellungen feiern das Schöne, während die eigentliche Last in den Pflegeetats steckt, die in Zeiten knapper Kassen unter Druck geraten. Hinzu kommt der Klimawandel: Trockenheit, Hitze und neue Schädlinge bedrohen alte Baumbestände schneller, als Denkmalpläne sie ersetzen können. Ein lebendes Denkmal lässt sich nicht einfrieren, es muss bewirtschaftet werden, und zwar dauerhaft, geduldig und mit Fachpersonal, das immer schwerer zu finden ist. Insofern ist „Von Gärten, Landschaften und Bildern“ mehr als eine Hommage an die Gartenkunst. Die Schau erinnert daran, dass der Schutz historischer Gärten eine fortlaufende kulturelle und finanzielle Entscheidung ist, deren Maßstab nicht der einzelne Baum ist, sondern das Bild, das er mit allen anderen ergibt. Wer dieses Bild bewahren will, muss es immer wieder neu pflanzen.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Besucherinformation</strong></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Ausstellung in der Stiftung Schloss Neuhardenberg</em></p>
<table style="font-weight: 400;" width="602">
<tbody>
<tr>
<td width="153"><strong>Ausstellung</strong></td>
<td width="448">„Von Gärten, Landschaften und Bildern. Landschaftsgärten in der Kunst vom Barock bis heute“</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Laufzeit</strong></td>
<td width="448">21. März bis 9. August 2026</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Ort</strong></td>
<td width="448">Stiftung Schloss Neuhardenberg, Ausstellungshalle, Schinkelplatz, 15320 Neuhardenberg</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Öffnungszeiten</strong></td>
<td width="448">Mittwoch bis Sonntag und feiertags, 11 bis 18 Uhr; geschlossen am 26. August 2026</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Eintritt</strong></td>
<td width="448">8 €, ermäßigt 5 €. Ermäßigungen gelten für Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende, Freiwilligendienstleistende, Seniorinnen und Senioren, Arbeitslose sowie Menschen mit Behinderungen.</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Eröffnung</strong></td>
<td width="448">Samstag, 21. März 2026, 15 Uhr, Großer Saal. Eintritt frei, Anmeldung erbeten.</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Begleitprogramm</strong></td>
<td width="448">Kuratorenführung am Sonntag, 12. April 2026, 15 Uhr. „Ein Tag im Park“ mit einer Performance von Nezaket Ekici am Sonntag, 31. Mai 2026, 14 Uhr.</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Landschaftspark</strong></td>
<td width="448">Ganzjährig frei zugänglich.</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Barrierefreiheit</strong></td>
<td width="448">Das Schlossensemble ist ein klassizistisches Baudenkmal; barrierefreie Zugänge orientieren sich an DIN 18040-1. Besucherinnen und Besucher mit eingeschränkter Mobilität stimmen ihren Besuch vorab mit der Stiftung ab.</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Anreise</strong></td>
<td width="448">Regionalbahn RB 26 bis Trebnitz (Mark) oder Seelow-Gusow, weiter per Bus oder Taxi (Taxi Ahrendt Neuhardenberg, Telefon 033476 50168).</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Tickets und Auskunft</strong></td>
<td width="448">Telefon 033476 600-750, täglich 10 bis 18 Uhr; online über ticketmaster sowie im Stiftungsshop in Neuhardenberg.</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Web</strong></td>
<td width="448">schlossneuhardenberg.de</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="font-weight: 400;"><em>Angaben nach Stand der Stiftung Schloss Neuhardenberg; Barrierefreiheit gemäß DIN 18040-1. Änderungen vorbehalten.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Das Pergamonmuseum: Berlins ewige Baustelle</title>
		<link>https://baukunst.art/das-pergamonmuseum-berlins-ewige-baustelle/</link>
					<comments>https://baukunst.art/das-pergamonmuseum-berlins-ewige-baustelle/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 09:48:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Pergamonmuseum  ·  Museumsinsel Berlin  ·  Denkmalsanierung  ·  DSchG Bln  ·  GEG  ·  HOAI  ·  UNESCO-Welterbe  ·  BauGB]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=16173</guid>

					<description><![CDATA[<p>Vierundzwanzig Jahre Sanierung, zwei Bauabschnitte, 1,5 Milliarden Euro: Wie aus dem Pergamonmuseum das längste Provisorium der deutschen Kulturbauhistorie wurde.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong> | Regionales | Berlin | Mai 2026<br />
Lesezeit: ca. 8 Minute</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vierundzwanzig Jahre für ein Museum</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Pergamonmuseum auf der Berliner Museumsinsel ist seit dem 23. Oktober 2023 vollständig geschlossen und durchläuft eine zweistufige Generalsanierung, deren Gesamtfertigstellung das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) erst für 2037 in Aussicht stellt. Vierundzwanzig Jahre liegen damit zwischen dem ersten Spatenstich im Januar 2013 und der vollständigen Rückkehr eines Hauses, das zu den meistbesuchten Museen Deutschlands zählt. Der Pergamonaltar war bereits seit Herbst 2014 nicht mehr zugänglich; das Ischtar-Tor und die babylonische Prozessionsstraße bleiben es bis mindestens 2036. Was als denkmalgerechte Grundinstandsetzung begann, ist zum längsten Provisorium der deutschen Kulturbauhistorie geworden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der erste Bauabschnitt umfasst den Nordflügel und den Mittelbau mit dem Pergamonaltar und ist seit Dezember 2025 baulich fertiggestellt. Die Wiedereröffnung dieses Teils plant die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) für den 4. Juni 2027. Im zweiten Bauabschnitt, dessen Bauausführung im März 2025 begonnen hat, werden der Südflügel, der Südkopf und ein gänzlich neuer vierter Flügel errichtet. Die veranschlagten Gesamtkosten liegen laut BBR bei 1,5 Milliarden Euro; das Bundesamt teilte Mitte Mai 2026 mit, dieser Rahmen werde nach aktueller Prognose nicht überschritten, der Bauabschnitt A liege jedoch um bis zu fünf Prozent über den 2017 genehmigten 489 Millionen Euro.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Träger sämtlicher Baukosten ist der Bund. Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer bezeichnete die teilweise Wiedereröffnung 2027 als kulturpolitischen Meilenstein. SPK-Präsidentin Marion Ackermann hob bei der Fertigstellung des Bauabschnitts A im Dezember 2025 die enge Abstimmung zwischen BBR, den drei beteiligten Museen und den Restaurierungswerkstätten hervor; der Wiedereröffnungstermin sei nach Jahren der Verschiebungen erstmals konkret datiert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum dauert die Sanierung vierundzwanzig Jahre?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bauaufgabe verbindet drei Schwierigkeitsgrade, die selten gleichzeitig in einem Projekt auftreten. Erstens der bauliche Zustand des Bestands. An Stahlkonstruktion, Dach, Lichtdecken, Fassaden, Gesimsen und gesamter technischer Ausrüstung dokumentierte das BBR vor Baubeginn massive Schäden. Im Südflügel sind die tragenden Außenwände des Untergeschosses durchfeuchtet; im Bauabschnitt A stießen die Bauleute auf Pumpenhäuser aus der Errichtungszeit zwischen 1910 und 1930, die nach Fertigstellung nicht abgebaut worden waren und in keiner Bestandsdokumentation auftauchten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zweitens die räumliche Lage. Sechs Meter neben dem Nordflügel verläuft eine hoch frequentierte Stadtbahntrasse, im Osten begrenzt die Spree, im Westen der Kupfergraben das Grundstück. Baustelleneinrichtungsflächen sind kaum vorhanden, statt der erforderlichen vier Kräne finden nur zwei Platz, Lagerflächen müssen permanent umgeräumt werden. Erschütterungssensible Tiefbauarbeiten unter der Stadtbahn mussten vor Einbringung der Exponate abgeschlossen sein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drittens die denkmalrechtliche Bindung. Das Pergamonmuseum gehört seit 1999 zum UNESCO-Welterbe Museumsinsel; die Grundinstandsetzung erfolgt nach den Vorgaben des Denkmalschutzgesetzes Berlin (DSchG Bln) und unterliegt dem Berliner Landesdenkmalamt. Architekturobjekte wie der Pergamonaltar konnten nicht ausgebaut werden, sie verblieben verpackt am Ort, hochsensible Messtechnik überwachte ihre Stabilität durch die gesamte Bauphase, parallel zur Sanierung wurden sie restauriert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Viertens die Logistik der Großarchitekturen. Die Mschattafassade, ein monumentales Fragment des umayyadischen Wüstenschlosses Mschatta aus dem 8. Jahrhundert, wurde im Zuge der Sanierung vollständig aus dem Südflügel demontiert und im Nordflügel neu aufgebaut. Aleppo-Zimmer und Alhambra-Kuppel wurden in Werkstätten zerlegt, gereinigt und an den jeweils neuen Standorten wieder zusammengesetzt. Mehrere tausend Ausstellungsobjekte der drei beherbergten Sammlungen, also der Antikensammlung, des Museums für Islamische Kunst und des Vorderasiatischen Museums, wurden während der Schließung restauriert; einzelne Stücke gingen als Leihgaben an den Hamburger Bahnhof, das Kupferstichkabinett oder den Louvre. Allein dieser logistische Aufwand erstreckt sich planmäßig über das gesamte Bauzeitfenster.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bringt der vierte Flügel architektonisch?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Wettbewerbsentwurf des Kölner Architekten Oswald Mathias Ungers, der den Wettbewerb im Jahr 2000 gewann und 2007 verstarb, greift einen unausgeführten Gedanken Alfred Messels auf: die Schließung der Dreiflügelanlage zu einem Karree. Der neue vierte Flügel verbindet die Kopfbauten von Nord- und Südflügel auf der Hauptausstellungsebene als aufgeständerte gläserne Vitrine. Tragende Stahlelemente werden mit fränkischem Muschelkalk bekleidet; das Material zitiert die Fassaden des Bestands. In diesem Flügel werden Großarchitekturen des Ägyptischen Museums präsentiert; erstmals seit Eröffnung wird ein geschlossener Rundgang entlang der antiken Architekturen möglich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der zweite zentrale Ergänzungsbau ist das gläserne Tempietto im Ehrenhof, das den Eingangspavillon von 1982 ersetzt und unmittelbar in die unterirdische Archäologische Promenade führt. Diese Promenade verbindet auf Ebene 0 das Pergamonmuseum mit dem Bode-Museum, dem Neuen Museum und dem Alten Museum. Sie ist die bauliche Manifestation des Masterplans Museumsinsel und macht aus den vier Häusern erstmals einen begehbaren Gesamtorganismus. Die Werkgemeinschaft Pergamonmuseum, bestehend aus Kleihues + Kleihues Gesellschaft von Architekten mbH, Walter A. Noebel (verstorben 2012) und BAL Bauplanungs und Steuerungs GmbH, setzt den Ungers-Entwurf seit 2009 um.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie verändert das Provisorium die Berliner Museumslandschaft?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit dem Pergamon Panorama in unmittelbarer Nachbarschaft, errichtet 2018 nach Plänen von spreeformat architekten, betreibt die SPK ein Alternativangebot mit Yadegar Asisis 360-Grad-Panorama und ausgewählten Teilen des Pergamonaltars. Das Museum für Islamische Kunst zieht im Zuge der Sanierung dauerhaft vom Süd- in den Nordflügel um, auf mehr als doppelt so großer Ausstellungsfläche. Aleppo-Zimmer, Alhambra-Kuppel und die Mschattafassade wurden in Werkstätten zerlegt, restauriert und an den neuen Standorten wieder zusammengesetzt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architekturkritisch ist der lange Zeithorizont des Projekts inzwischen umstritten. Nikolaus Bernau hat in der Wochenzeitung Die Zeit die Prognose formuliert, das Haus werde bei Eröffnung 2037 klimatechnisch und energetisch ein Bauwerk der fossilen Vergangenheit sein; die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) verschärfen sich schneller als der Bauablauf. Auch die internationale Restitutionsdebatte hat sich seit Wettbewerbsentscheidung verschoben: Türkische Stellen, darunter die Archäologin Zeynep Boz vom türkischen Kulturministerium, haben die Eigentumsverhältnisse am Pergamonaltar zuletzt öffentlich infrage gestellt. Die Provenienzforschung an den Sammlungen läuft während der Bauzeit weiter; ihre Ergebnisse werden Teil der neuen Dauerausstellungen sein und kuratorische Lösungen erfordern, die in den Planungsannahmen von 2007 noch keine Rolle spielten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Hauptstadt trägt das Provisorium auf der Museumsinsel länger, als die meisten Häuser zwischen zwei grundlegenden Modernisierungen stehen. Wer 2013 als Studierende oder Studierender den Pergamonaltar zuletzt sah, wird ihn 2027 als Berufstätige oder Berufstätiger wiedersehen, und das Ischtar-Tor erst zehn Jahre danach. Das Pergamonmuseum wird so zur Lehrbuchstudie für die Grenzen denkmalgerechter Großprojekte unter Welterbe-Auflagen und für die Frage, ob Bauen bei laufendem Betrieb in dieser Dimension überhaupt sinnvoll bleibt. Berlin liefert die Antwort in Echtzeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-pergamonmuseum-berlins-ewige-baustelle/">Das Pergamonmuseum: Berlins ewige Baustelle</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Sanierung der Akademie der Künste in Berlin: Gesprungene Verbundgläser zwingen BImA zur Machbarkeitsstudie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 May 2026 09:18:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Akademie der Künste]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gesprungene Scheiben am Pariser Platz: Die Akademie der Künste wird zwanzig Jahre nach Eröffnung erneut zur Baustelle. Die BImA prüft.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div><strong>baukunst.art</strong> | Regionales | Mai 2026<br />
Lesezeit: ca. 7 Minuten</div>
<h2>Berlin, Pariser Platz 4: Wie aus Behnischs Glastraum erneut ein Bauproblem wird</h2>
<div>Die Akademie der Künste am Pariser Platz 4 in Berlin, 2005 nach Plänen von Günter Behnisch und Werner Durth eröffnet, ist ein Bauwerk, das seine Funktion als Symbol nicht hinter sich lassen kann. Die rund 40 Meter breite Glasfassade gegenüber dem Brandenburger Tor sollte Transparenz verkörpern, nach den Erfahrungen der NS-Geschichte, als das Vorgebäude unter Albert Speer den Umbau Berlins zur „Welthauptstadt Germania“ projektierte. Zwei Jahrzehnte später wird die Symbolarchitektur erneut zum technischen und politischen Problem. Nach Berichten des SPIEGEL und entsprechenden Ausschreibungsunterlagen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) wird derzeit eine Machbarkeitsuntersuchung zur Sanierung der Liegenschaft Pariser Platz 4 vergeben. Gesprungene Verbundsicherheitsgläser, Mängel an der Pfosten-Riegel-Konstruktion und statisch fragwürdige Anbindungen stehen im Mittelpunkt eines Vorgangs, der die Kostenrechnung des Hauses, zuletzt bei rund 76,8 Millionen Euro, weiter belasten dürfte.</div>
<div>Es ist nicht die erste Mängelrunde dieses Bauwerks. Bereits zwischen 2014 und 2018 wurde das Haus während des laufenden Betriebs grundsaniert, die Bauherrschaft lag damals noch beim Land Berlin. Klima- und Haustechnik der Bibliothek, der vier Ausstellungssäle und der „Black Box“ mussten ersetzt werden, weil die ursprüngliche Generalunternehmerlösung an konstruktiver Sorgfalt scheiterte. Mit dem Hauptstadtfinanzierungsvertrag ging das Gebäude im Anschluss in den Bestand des Bundes über; die Akademie der Künste ist Mieterin, der Bund Eigentümer. Damit verlagert sich die Verantwortung auch baurechtlich, nach § 14 Bauordnung Berlin (BauO Bln) und den Anforderungen des § 1 Baugesetzbuch (BauGB) an eine geordnete städtebauliche Entwicklung, vom Land an den Bund.</div>
<h4>Wo liegen die konstruktiven Schwachstellen der Behnisch-Fassade?</h4>
<div>Die Fassade zum Pariser Platz ist eine Pfosten-Riegel-Konstruktion aus Stahl-Schweißprofilen mit aufgesetzten Verbundsicherheitsgläsern, die absturzsichernd ausgelegt sind. Eine 40 cm vor der Glasebene aufgehängte Rohrkonstruktion zeichnet die Proportionen des historischen Palais Arnim nach. Der Entwurf entstand 1994 in einem internen Wettbewerb der Akademie-Sektion Baukunst und musste gegen die damalige Berliner Gestaltungssatzung und die Doktrin der „Kritischen Rekonstruktion“ durchgesetzt werden. Was als architektonische Geste gelang, erweist sich konstruktiv als sensibel. Verbundsicherheitsgläser dieser Größenordnung reagieren empfindlich auf thermische Belastung, auf nicht spannungsfreie Lagerung und auf Bewegungen der tragenden Stahlkonstruktion. Wenn Punktanbindungen über zwei Jahrzehnte arbeiten, entstehen Mikrorisse in der inneren Glasschicht, die später als sichtbarer Bruch erscheinen. Die statische Nachrechnung nach DIN 18008 (Glas im Bauwesen), die seit 2010 verbindlich gilt, kommt für Bestandsbauten dieser Generation oft zu strengeren Ergebnissen als die ursprüngliche Bemessung. Das gilt für die Akademie ebenso wie für andere Glasarchitekturen der 1990er Jahre.</div>
<h4>Welche Folgen hat eine erneute Sanierung für den Kulturbetrieb?</h4>
<div>Eine Glasfassadensanierung im laufenden Betrieb ist mehr als ein technischer Vorgang. Sie betrifft die sechs Sektionen der Akademie, von Bildender Kunst über Baukunst, Musik und Literatur bis zu Darstellender Kunst und Film- und Medienkunst, deren Plenarsaal, Lesesaal und Bibliothek im Kopfbau zum Pariser Platz untergebracht sind. Das Baukunstarchiv mit den Nachlässen unter anderem von Hans Scharoun, Bruno Taut, Egon Eiermann und Ludwig Hilberseimer befindet sich in den klimatisierten Untergeschossen, deren Lüftungstechnik 2018 erneuert wurde. Eine Beeinträchtigung dieser Räume durch Schwingungen, Staub oder Klimaschwankungen während einer Fassadensanierung wäre konservatorisch heikel; einzelne Bauteilbestände sind nach DIN ISO 11799 zur Lagerung von Archivgut zu führen. Die Akademie ist zudem teilweise denkmalgeschützt, was nach § 11 Denkmalschutzgesetz Berlin (DSchG Bln) eine genehmigungspflichtige Maßnahme bedeutet. Eingriffe in die ursprüngliche Behnisch-Konstruktion sind nicht beliebig, auch dann nicht, wenn sie technisch geboten erscheinen. Bauantrag und denkmalrechtliche Erlaubnis müssen parallel laufen, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wird ebenso eingebunden wie das Landesdenkmalamt Berlin.</div>
<h4>Hinzu kommt das Gebäudeenergiegesetz (GEG)</h4>
<p>Ein Glasbau dieser Größenordnung erfüllt die heutigen Anforderungen an den Wärmedurchgangskoeffizienten der Fassade nur eingeschränkt; eine Sanierung ohne energetische Anpassung wäre eine vertane Gelegenheit, eine mit weitreichendem Eingriff dagegen ein denkmalrechtliches Verfahren. Diese Doppelbindung kennzeichnet einen Großteil der bundesdeutschen Repräsentationsarchitektur der späten 1990er und frühen 2000er Jahre. Auch die honorarrechtliche Dimension verdient Beachtung. Eine Sanierung dieser Tiefe fällt unter die Leistungsphasen 2 bis 8 der HOAI 2021 mit erheblicher Honorarordnung; allein die fachliche Begleitung durch Tragwerksplanung, Glasbauplanung und Bauphysik wird mehrere Büros über mehrere Jahre binden. Für die Kostenfeststellung nach DIN 276 stellt das Vorhaben einen klassischen Fall der Bestandsklassifizierung dar, mit Risikozuschlägen, die sich in den vergangenen Jahren bei vergleichbaren Glasarchitekturen regelmäßig im zweistelligen Prozentbereich bewegt haben. Hinzu kommen Sicherheitsmaßnahmen während des Betriebs, Auslagerungen einzelner Sammlungsteile und voraussichtlich phasenweise Schließungen einzelner Ausstellungsflächen. Die BImA wird sich zudem mit den noch offenen Forderungen aus der ersten Mängelphase auseinandersetzen müssen, in denen es um die Verantwortlichkeit des damaligen Generalunternehmers ging. Ein Verfahren nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) wird sich kaum vermeiden lassen; selbstständige Beweisverfahren nach § 485 ZPO und die flächendeckende Dokumentation des Bestandszustands sind erfahrungsgemäß wesentlicher Bestandteil solcher Vorbereitungen.</p>
<h4>Der politische Subtext der Akademie ist seit ihrer Eröffnung an die Architektur gebunden,</h4>
<div>Die Architektur lässt sich nicht reparieren, ohne den Subtext zu berühren. Behnischs Glas war als Antwort auf Speer gedacht, als gebaute Geste der Offenheit. Dass dieselbe Geste zwanzig Jahre später wieder zur Großbaustelle wird, ist kein Versagen einzelner Firmen. Es ist Ausdruck einer Bauaufgabe, deren Anspruch an Transparenz konstruktiv jenseits des damaligen Standes der Technik lag.</div>
<div>Berlin steht mit dieser Frage nicht allein. Glasarchitekturen der 1990er Jahre, die in jenem Jahrzehnt zwischen Hauptstadtbeschluss und Eurokrise als Repräsentationsbauten entstanden, kommen nun bundesweit in eine Phase, in der konstruktive Ermüdung, energetische Anforderungen und veränderte Normenlage zusammenfallen. In Nordrhein-Westfalen betrifft das Bauten wie den Landtag in Düsseldorf, in Sachsen-Anhalt den Erweiterungsbau der Landesvertretung in Berlin, in Hessen Teile der Deutschen Bibliothek in Frankfurt am Main. Berlin trägt jedoch durch die Dichte hauptstädtischer Bauten eine besondere Last. Allein im Spreebogen werden in den kommenden Jahren der Reichstag, das Bundeskanzleramt und das Paul-Löbe-Haus vor ähnlichen Fragen stehen wie die Akademie. Für die Berliner Verwaltung, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die BImA als Bundesinstitution bedeutet das ein abgestimmtes Vorgehen, das die einzelnen Liegenschaften nicht isoliert behandelt. Der Pariser Platz 4 ist dabei ein Prüfstein, kein Einzelfall, und die Antworten, die hier gefunden werden, werden auf andere Bundesländer übertragbar sein, sofern sie systematisch dokumentiert werden.</div>
<div></div>
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		<title>Abramović im Gropius Bau: Wie ein Neorenaissance-Palast die Performancekunst erdet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 15:08:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Festspiele]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalpflege]]></category>
		<category><![CDATA[DIN 18040-1]]></category>
		<category><![CDATA[DSchG Bln]]></category>
		<category><![CDATA[GEG]]></category>
		<category><![CDATA[Gropius Bau]]></category>
		<category><![CDATA[Marina Abramović]]></category>
		<category><![CDATA[Neorenaissance]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Abramović bespielt bis August den Gropius Bau. Der Neorenaissance-Bau von 1881 ist dabei mehr als Kulisse: Er ist Mitspieler. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/abramovic-im-gropius-bau-wie-ein-neorenaissance-palast-die-performancekunst-erdet/">Abramović im Gropius Bau: Wie ein Neorenaissance-Palast die Performancekunst erdet</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  |  REGIONALES | Berlin | April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Schmerz, Schönheit, Bauakademie: Abramović testet den Gropius Bau</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gropius Bau in Berlin-Kreuzberg, 1877 bis 1881 von Martin Gropius und Heino Schmieden als Königliches Kunstgewerbemuseum im Stil der italienischen Neorenaissance errichtet, ist seit dem 15. April 2026 Schauplatz der ersten grossen Berliner Einzelausstellung Marina Abramović seit den neunziger Jahren. „Balkan Erotic Epic. The Exhibition“ verbindet filmische und skulpturale Installationen mit Live-Performances und eröffnet eine produktive Reibung zwischen zeitgenössischer Performancekunst und historischer Museumsarchitektur, wie sie so nur in Berlin entstehen kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mehr als vierhundert Meter lang reichte die Warteschlange vom Haupteingang an der Niederkirchnerstrasse bis zum S-Bahnhof Anhalter Bahnhof, als Abramović am Dienstagabend, dem 14. April, die Ausstellung anlässlich ihres 75-jährigen Jubiläums eröffnete. Die Berliner Festspiele kuratieren die Schau, die noch bis zum 23. August 2026 läuft, als zweiteiliges Projekt gemeinsam mit Agnes Gryczkowska und Jenny Schlenzka, der seit September 2023 amtierenden Direktorin des Hauses. Im Oktober folgt im Haus der Berliner Festspiele die mehrstündige Bühnenfassung „Balkan Erotic Epic. The Stage Version“.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Abramović verhandelt in den Räumen Themen wie Rituale, Erotik, Tod und den Körper als Ort politischen Widerstands. Dass ausgerechnet ein Bauwerk von 1881, ursprünglich für die Vorbildsammlung des Deutschen Gewerbemuseums entworfen, heute ein solches Programm trägt, ist kein Zufall. Das Haus hat in seiner nunmehr 145-jährigen Geschichte mehrfach die Funktion gewechselt, den Krieg als Ruine überdauert und ist heute eine der gefragtesten Ausstellungsadressen Europas.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist dabei, dass die Berliner Festspiele keine Neutralisierung der historischen Substanz anstreben. Der Bau wird mitgedacht, nicht weggeblendet. Inhaltshinweise zur Ausstellung warnen vor Kriegsereignissen, rassistischer Gewalt, Selbstverletzung und sexuell expliziten Handlungen. Dass solche Themen in einem Haus verhandelt werden, das selbst eine Versehrtheits-Biografie mitbringt, lässt sich als kuratorische Setzung lesen. Architektur und Kunst spiegeln einander, ohne sich zu erklären.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie prägt ein Neorenaissance-Bau die Wahrnehmung zeitgenössischer Performancekunst?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der palastartige viergeschossige Kubus mit nahezu quadratischem Grundriss ordnet sich um einen Lichthof von rund 40 mal 30 Metern Seitenlänge und etwa 26 Metern Höhe. Die dreizonige Fassadengliederung, die strenge Kubatur und die Ausformung der Fenster zeigen Einflüsse der Schinkelschen Bauakademie sowie Ideen Gottfried Sempers. Architektur, Bauplastik und Malerei bildeten hier von Anfang an ein Gesamtkunstwerk, das über Terrakottareliefs, Goldmosaike und Majoliken auf die ursprüngliche Nutzung als Kunstgewerbemuseum verwies.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Performancekunst ist diese Raumfolge ein ambivalentes Geschenk. Der Lichthof mit seinem Glasdach bietet eine kathedralenhafte Kulisse, die Körperhandlungen monumentalisiert. Die ornamentale Dichte der Wandflächen steht zugleich in Spannung zur reduzierten Ästhetik des Performancegenres. Abramović hat in früheren Arbeiten stets mit solchen Spannungen gearbeitet; im Gropius Bau wird die Reibung zwischen balkanischer Folklore und preussischer Repräsentationsarchitektur zum eigentlichen Ausstellungsthema.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die kunsthistorische Bedeutung des Hauses ist durch das Berliner Denkmalschutzgesetz (DSchG Bln) abgesichert. Seit 1966 steht der Bau unter Denkmalschutz; die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung führt ihn als einen der bedeutendsten Museumsbauten Deutschlands aus dem 19. Jahrhundert. Diese Einstufung verpflichtet jede Kuratorin und jeden Kurator, Eingriffe in Raumbild und Substanz mit dem Landesdenkmalamt Berlin abzustimmen, auch bei temporären Installationen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Lichthof wurde 2018 unter der damaligen Direktorin Stephanie Rosenthal von den Sonnenschutzfolien befreit, die zuvor das Tageslicht an den vertikalen Glasflächen gedämpft hatten. Seither ist er wieder in jener atmosphärischen Helligkeit zu erleben, die Gropius und Schmieden für den zentralen Raum vorgesehen hatten. Für Abramović, deren Bildsprache stark mit Licht und Körperpräsenz arbeitet, ist das eine substanzielle Voraussetzung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was leistet der Wiederaufbau von 1978 bis 1981 für die heutige Nutzung?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei den Luftangriffen 1945 verlor der Bau sein Dach, die Nordfassade und die Obergeschosse nahezu vollständig. Bis in die sechziger Jahre blieb die Ruine dem Verfall preisgegeben. Der geplante Abriss wurde durch Walter Gropius, Grossneffe des Erbauers und Bauhaus-Gründer, verhindert. Seine öffentliche Intervention führte 1966 zur Unterschutzstellung unter dem heutigen Namen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektin Ute Weström und der Architekt Winnetou Kampmann leiteten von 1978 an den Wiederaufbau, der 1981 abgeschlossen wurde. Ihre Haltung war bemerkenswert: Sie rekonstruierten anhand historischer Fotografien wesentliche Mosaike, Reliefs und Majoliken, liessen aber bewusst Leerstellen stehen, die von der Zerstörung zeugen. Diese Strategie des „geordneten Fragments“ gilt heute als frühes Beispiel einer Denkmalpflege, die historische Brüche nicht kaschiert, sondern als Teil der Aussage sichtbar lässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wegen der Sektorengrenze der Berliner Mauer, die unmittelbar an der Nordseite verlief, musste der Haupteingang an die Südseite verlegt werden. Erst 1998 bis 1999 stellte das Büro Hilmer &amp; Sattler den nördlichen Haupteingang wieder her und baute das Haus technisch aus. Zwischen 2010 und 2012 folgte im Rahmen des Konjunkturpakets II des Bundes eine umfassende Modernisierung durch das Berliner Büro Pitz &amp; Hoh Werkstatt für Architektur und Denkmalpflege: Klimatisierung der Ausstellungsräume im zweiten Obergeschoss, Fassadensanierung, zusätzlicher Personenaufzug für barrierefreie Zugänglichkeit gemäss DIN 18040-1 und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Damit genügt der Bau heute den energetischen Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) an Bestandsbauten mit Denkmalstatus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese gestaffelte Sanierungsgeschichte, die sich über drei Jahrzehnte erstreckt, ist selten ausreichend gewürdigt. Sie zeigt, dass ein Ausstellungshaus des 19. Jahrhunderts nicht einmalig modernisiert, sondern in Etappen zukunftsfähig gehalten werden muss. Jede Generation von Architekten und Architektinnen hat hier eine Schicht hinzugefügt, ohne den Grundcharakter zu überschreiben. Das Ergebnis ist ein Haus, das zugleich historisch lesbar und betriebstauglich ist, eine Qualität, die für Museumsbauten des späten 19. Jahrhunderts längst nicht selbstverständlich bleibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit 2001 betreiben die Berliner Festspiele das Haus im Auftrag der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Die programmatische Öffnung in Richtung zeitgenössischer Kunst und Performance ist jüngeren Datums und verdankt sich wesentlich der Direktorin Jenny Schlenzka, die zuvor das MoMA PS1 in New York geprägt hatte. Ihre Entscheidung, Abramović als Antrittsgeste einer neuen Programmära in der Stadt zu präsentieren, ist architektonisch lesbar als Bekenntnis zu einem Haus, das Repräsentation und Subversion seit jeher nebeneinander denkt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Architekturdebatte bietet „Balkan Erotic Epic“ mehr als ein kuratorisches Ereignis. Die Schau macht sichtbar, wie sehr die Qualität zeitgenössischer Kunsterfahrung vom baukulturellen Gerüst abhängt, das sie trägt. Weder ein neutraler White Cube noch eine Museumsarchitektur im Zustand musealer Entrückung hätte diese Performances gleichermassen aufnehmen können. Der Gropius Bau, mit seiner Biografie aus Pracht, Zerstörung, Rettung und behutsamer Weiterführung, liefert einen Resonanzraum, den neue Bauten erst mühsam erarbeiten müssten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Haus in der Niederkirchnerstrasse 7, direkt an der ehemaligen Sektorengrenze gelegen, erinnert daran, dass Baukultur in Berlin immer auch eine politische Geschichte erzählt. Dass ausgerechnet an diesem Ort heute eine Künstlerin mit serbisch-montenegrinischer Biografie über den Balkan spricht, ist eine Pointe, die der Bau selbst mitschreibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Gott zieht aus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 14:55:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Erzbistum Berlin verkauft den denkmalgeschützten Klosterkomplex Katharinenstift an eine private Modeakademie. Ein Berliner Strukturwandel in Stein.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  |  REGIONALES | BERLIN | April 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das Ende eines Klosters in Prenzlauer Berg</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Profanierung bezeichnet im katholischen Kirchenrecht die Rückführung eines geweihten Gebäudes in den weltlichen Gebrauch (can. 1222 § 2 Codex Iuris Canonici). Am 12. Februar 2026 vollzog das Erzbistum Berlin genau diesen Akt an der Kirche Mater Dolorosa im Katharinenstift, Greifswalder Straße 17-19. Mit der Profanierung endet ein 130 Jahre altes Kapitel Berliner Kirchengeschichte. Zugleich beginnt ein neues, in dem das Ensemble nicht mehr Ordensschwestern, Schülerinnen und Schülern oder einer portugiesischsprachigen Gemeinde dient, sondern angehenden Designerinnen und Designern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Klosterkomplex wurde 1895/96 nach Plänen des Regierungsbaumeisters August Menken (1859-1903) errichtet, der in Berlin unter anderem die neuromanische Sankt-Johannes-Basilika in Neukölln verantwortete. Gegründet hatten das Haus 1893 die Arenberger Dominikanerinnen, Schwestern der heiligen Katharina von Siena, die hier über Generationen Waisenkinder aufnahmen und bis 2005 karitativ wirkten. Der Backsteinbau mit Klinkerbänderung, hölzernem Spitztonnengewölbe und drei originalen Bleiglasfenstern der Mayer’schen Hofkunstanstalt in München liegt im Hinterhof und ist als Baudenkmal in der Berliner Denkmalliste geführt (Obj.-Dok.-Nr. 09050098).</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Angekündigt wurde der Verkauf im März 2025. Das Erzbistum begründete die Entscheidung mit einem hohen Sanierungsbedarf in allen Bereichen der Liegenschaft sowie mit seinem Immobilienentwicklungsplan, der eine spürbare Reduzierung kirchlicher Flächen vorsieht. Das Katholische Schulzentrum Edith Stein, das hier seit 1995 Erzieherinnen und Erzieher sowie Sozialassistentinnen und Sozialassistenten ausbildete, ist zum Schuljahr 2025/26 auf den Campus der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin nach Karlshorst umgezogen. Die Herz-Jesu-Priester, die seit 2013 in Prenzlauer Berg lebten, und die portugiesischsprachige Gemeinde suchen nach neuen Orten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum gibt das Erzbistum ein denkmalgeschütztes Kloster auf?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort ist bauwirtschaftlich so nüchtern wie gesellschaftlich vielsagend. Laut Erzbistum Berlin zwingt der Zustand der Gebäude zu Investitionen, die aus dem laufenden Haushalt nicht mehr zu leisten sind. Die 2024 veröffentlichte Immobilienstrategie formuliert das Ziel offen: Der Einsatz von Kirchensteuermitteln für Betrieb und Erhaltung eigener Liegenschaften soll auf deutlich weniger Flächen konzentriert werden. Hinter dieser Rechnung steht ein demografischer Befund. Die Zahl der Katholikinnen und Katholiken im Erzbistum, das Berlin, weite Teile Brandenburgs und Vorpommern umfasst, ist seit Jahren rückläufig, und mit ihr die Kirchensteuereinnahmen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Verkauf folgt damit einem Muster, das auch andere Bistümer kennen. In Köln, Essen und Aachen werden Kirchen profaniert, umgenutzt, in Einzelfällen abgerissen. Was den Berliner Fall heraushebt, ist die Nachnutzung. Sie ist weder sakral, wie bei Verkäufen an orthodoxe oder freikirchliche Gemeinden, noch sozial, wie bei Umwandlungen in Kolumbarien oder Pflegeeinrichtungen. Das Ensemble geht an eine private Bildungseinrichtung, deren Gegenstand die sichtbarste Oberfläche der Gegenwart ist: die Mode.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was plant die AMD mit dem ehemaligen Klosterensemble?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Käufer ist die AMD Akademie Mode &amp; Design GmbH, deren Studienprogramme akademisch über die private Hochschule Fresenius verantwortet werden. Unter dem Projektnamen kloster.berlin sollen auf dem rund 6.000 Quadratmeter großen Grundstück Hörsäle, Ateliers und Werkstätten entstehen. Herzstück bleibt die profanierte Kirche, die als Eventfläche für Shows, Präsentationen, Ausstellungen und Konzerte dienen soll. Die Gesellschafter Olaf und Ramona Atanda-Wulf sprechen von einer Öffnung des Hinterhof-Ensembles für den Kiez. Im Kaufvertrag wurde, so die offizielle Mitteilung des Erzbistums, eine würdige Nachnutzung festgeschrieben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus denkmalrechtlicher Sicht ist der Vorgang anspruchsvoll. Das Katharinenstift unterliegt dem Denkmalschutzgesetz Berlin (DSchG Bln) vom 24. April 1995. Nach § 11 DSchG Bln bedürfen Veränderungen, Instandsetzungen und Nutzungsänderungen eines Baudenkmals der Genehmigung durch das Landesdenkmalamt Berlin und die untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks Pankow. Die Eingriffstiefe entscheidet über die Genehmigungsfähigkeit. Eine Modeakademie bringt andere Anforderungen mit sich als ein Kloster. Rettungswege nach Bauordnung Berlin (BauO Bln) in der Fassung vom 29. September 2005, Brandschutzkonzepte, Lüftung, Akustik und Barrierefreiheit nach § 50 BauO Bln treffen auf Spitztonnengewölbe, Holzempore und originale Glasmalerei.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Energetisch wird das Ensemble an den Bestandsregelungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) vom 8. August 2020 gemessen. Für Baudenkmäler greifen die Ausnahmen des § 105 GEG, soweit eine Anpassung die Substanz oder das Erscheinungsbild beeinträchtigen würde. Die planungsrechtliche Einordnung läuft, da ein qualifizierter Bebauungsplan fehlt, voraussichtlich über § 34 Baugesetzbuch (BauGB). Eine Hochschule im Sinne einer Anlage für kulturelle und soziale Zwecke nach § 4 Absatz 2 Nummer 3 BauNVO fügt sich in das Mischgebiet der Greifswalder Straße städtebaulich ein, löst aber Fragen zur Stellplatzpflicht und zum Immissionsschutz aus, insbesondere bei Abendveranstaltungen in der ehemaligen Kirche.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Städtebaulich ist das Projekt ein Gewinn, wenn es ernst genommen wird. Der Hinterhof an der Greifswalder Straße war jahrzehntelang ein halböffentlicher Ort, den Ortskundige kannten und andere nie betraten. Eine Hochschule mit Öffnung zum Kiez könnte diese Schwelle senken. Gleichzeitig stellt die Umnutzung einer Kirche zur Modebühne Fragen, die nicht allein durch Kaufvertragsklauseln zu beantworten sind. Was bedeutet es, wenn ein Raum, der über 130 Jahre Gebet, Gottesdienst und Trauer getragen hat, zum Laufsteg wird? Die Antwort darauf geben nicht Investoren, sondern die künftigen Nutzerinnen und Nutzer im täglichen Umgang mit dem Haus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vergleiche mit anderen deutschen Städten sind aufschlussreich. In Mönchengladbach wurde die Herz-Jesu-Kirche zum Kolumbarium umgewidmet, in Aachen die Pfarrkirche Sankt Josef zum sozialen Treffpunkt, in Essen die Kirche Sankt Barbara zu Wohnungen. Überall gilt die gleiche Faustregel der Denkmalpflege: Je näher die neue Nutzung an der kontemplativen Grundstimmung des Kirchenraums bleibt, desto geringer sind die baulichen Eingriffe. Eine Modeakademie entfernt sich von dieser Grundstimmung weiter als die meisten Alternativen. Das ist nicht zwingend ein Ausschlusskriterium, erhöht aber den Begründungsdruck gegenüber den Denkmalbehörden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall Katharinenstift ist damit mehr als eine lokale Immobilientransaktion. Er steht exemplarisch für einen doppelten Strukturwandel: den Rückzug der Kirchen aus ihrem gebauten Erbe und die Ausweitung privater Bildungsanbieter in stadträumlich privilegierte Lagen. Ob das Ergebnis den Ort trägt, wird sich an Details zeigen. An der Frage, ob die drei Bleiglasfenster der Mayer’schen Hofkunstanstalt weiterhin Licht in den Kirchenraum lassen. An der Frage, ob Holzempore und Spitztonnengewölbe erhalten bleiben oder einer Catwalk-Logik weichen. An der Frage, ob der Hof tatsächlich öffentlich wird oder nur für PR-Zwecke geöffnet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bis Mitte 2026 soll die Übergabe abgeschlossen sein. Die Profanierung im Februar war der erste sichtbare Schritt. Der zweite, entscheidende, liegt in der Hand der Architektinnen und Architekten, die die Umnutzung planen werden. Ihnen fällt die Aufgabe zu, ein Denkmal so zu öffnen, dass es seine Geschichte nicht verliert. Gott zieht aus. Was kommt, wird sich daran messen lassen müssen, ob es dem Ort gerecht wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>IBA Berlin 2034-37: Wie die Hauptstadt die urbane Transformation zur Pflichtaufgabe macht</title>
		<link>https://baukunst.art/iba-berlin-2034-37-wie-die-hauptstadt-die-urbane-transformation-zur-pflichtaufgabe-macht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 15:30:08 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Berlin hat die IBA 2034-37 beschlossen. Die dritte Bauausstellung der Hauptstadt soll urbane Transformation, Klimaschutz und Bestandsumbau zur Leitaufgabe machen. Eine Einordnung.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektur. Stadtplanung. Baukultur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">REGIONALES</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Berlins neue IBA: Grosses Versprechen oder teures Spektakel?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Internationale Bauausstellung ist kein Schaufenster, sondern ein Werkzeug: Berlin hat dies zweimal bewiesen, und mit dem Senatsbeschluss vom 24. März 2026 zur IBA 2034-37 setzt die Hauptstadt erneut auf dieses Instrument, um die drängendsten Fragen der Stadtentwicklung verbindlich zu beantworten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nirgendwo in Deutschland ist die Wechselwirkung zwischen politischer Geschichte und Stadtgestalt so unmittelbar ablesbar wie in Berlin. Die Interbau 1957 antwortete auf die monumentale Karl-Marx-Allee im Ostteil der Stadt mit dem Neubau des Hansaviertels, das dem durch den Krieg stark zerstörten Stadtgebiet nicht nur Wohnraum geben, sondern eine westliche Stadtidee verkörpern sollte. Dreissig Jahre danach stand die IBA 1987 vor einer anderen Aufgabe: die Rückgewinnung der durch Krieg und Mauerbau zerstörten historischen Innenstadt. Mit den Leitbildern der behutsamen Stadterneuerung und der kritischen Rekonstruktion schrieb diese zweite Berliner IBA europäische Städtebaugeschichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heute lauten die Themen Klimaschutz, Klimaanpassung und Ressourcenschonung. Die dritte Berliner IBA soll Antworten auf eine Stadtgesellschaft liefern, die wächst, sich verdichtet und gleichzeitig tiefgreifend umgebaut werden muss, ohne dabei sozialen Zusammenhalt und ökologische Belastbarkeit zu opfern.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was will die IBA Berlin 2034-37 konkret leisten?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Laut dem Beschluss des Berliner Senats soll die IBA-Gesellschaft die urbane Transformation der Hauptstadt ins Zentrum stellen. Ziel ist es, neue Herangehensweisen im Umgang mit der bestehenden Stadt zu entwickeln. Klimaschutz, Klimaanpassung sowie der nachhaltige Umgang mit städtischem Grund und Boden sind dabei handlungsleitend. Christian Gaebler, Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, formuliert den Anspruch klar: Berlin solle national und international als Standort für zukunftsfähigen Städtebau positioniert werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die räumliche Verortung der IBA-Projekte folgt einer überzeugenden Logik: Die Vorhaben sollen sich beidseitig entlang des Berliner S-Bahnrings sowie entlang der Radialen entwickeln, also jener Verkehrsachsen, die vom innerstädtischen Kern in die Aussenbereiche führen. Hier treffen unterschiedliche Lebensrealitäten, Mobilitätsmuster und städtebauliche Situationen aufeinander. Die IBA soll stadträumliche Barrieren überwinden, Stadtquartiere besser miteinander verbinden und gleichzeitig qualitätsvolle neue Lebensräume schaffen. Diese Strategie ist klug: Sie zieht die gesamte Stadtgesellschaft in den Prozess, nicht nur die ohnehin gut vernetzten Innenstadtlagen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Finanziell ist die Unternehmung substanziell hinterlegt. Laut einem Bericht der taz vom 25. März 2026 werden für die Gründung der IBA-Gesellschaft und Organisationskosten bis 2037 insgesamt 54 Millionen Euro bereitgestellt, ergänzt durch 24 Millionen Euro an Programmmitteln. Hinzu kommen private Investitionen in Höhe von bis zu 1,15 Milliarden Euro. Das ist eine ernsthafte Grössenordnung, die über symbolische Stadtpolitik weit hinausgeht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum fordert die Architektenkammer Berlin verbindliche Qualitätsstandards?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenkammer Berlin begrüsst die Initiative des Senats ausdrücklich, stellt aber zugleich klare Bedingungen. Der Fokus auf Umnutzung, Ertüchtigung und schonenden Umbau entspreche zwar den zentralen Forderungen der Kammer, müsse jedoch konsequent umgesetzt werden. Das Weiterbauen im Bestand, die Aktivierung untergenutzter Flächen sowie Strategien der Suffizienz und Zirkularität, ausgedrückt im Sinne des Kreislaufwirtschaftsprinzips, müssten verbindliche Leitprinzipien aller IBA-Projekte sein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kammerpräsident Eike Roswag-Klinge bringt die Haltung der Kammer auf den Punkt: Grossereignisse entfalten nur dann eine positive Wirkung, wenn sie mehr leisten als kurzfristige Investitions- oder Imageprojekte. Sie müssten messbare Beiträge zur Lösung zentraler Herausforderungen liefern, insbesondere in den Bereichen bezahlbarer Wohnraum, Klimaanpassung, Biodiversität und soziale Gerechtigkeit. Diese Forderungen treffen den Kern: Stadtpolitik und Architektur müssen sich an Wirkung messen lassen, nicht an Aussenauftritt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Forderung nach konsequenten Wettbewerbsverfahren und interdisziplinärer Planung unter Einbeziehung aller Fachdisziplinen ist dabei keine formale Pflichtübung. Sie ist Voraussetzung dafür, dass die IBA nicht zum Vehikel einzelner Partialinteressen wird. Berlin hat in der IBA 1987 gezeigt, was möglich ist, wenn städtebauliche Qualität als gesellschaftlicher Auftrag verstanden wird, und nicht als Wettbewerbsvorteil für Investoren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus Sicht der Planungskultur ist besonders der Hinweis auf Suffizienz und Zirkularität bemerkenswert. Er signalisiert, dass die Berliner Architektenkammer die ökologische Transformation nicht als technisches Zusatzprogramm, sondern als konzeptionellen Neuanfang begreift. Das entspricht dem Stand der fachlichen Diskussion und geht über die Berliner Landesbauordnung (BauO Bln) und das Berliner Klimaschutz- und Energiewendegesetz (Berliner KliSchG) deutlich hinaus, die zwar wichtige Rahmenbedingungen setzen, aber keine inhaltliche Leitfigur für eine IBA liefern können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für den Rest des DACH-Raums ist das Berliner Modell aufmerksam zu verfolgen. Wien hat mit der Seestadt Aspern gezeigt, dass grossmassstäbliche Stadtentwicklung mit klaren Qualitätsanforderungen gelingen kann, bleibt aber ein Sonderfall durch die starke Rolle der kommunalen Wohnungswirtschaft. In der Schweiz setzt Zürich mit Instrumenten wie dem kommunalen Richtplan und dem Stadtentwicklungskonzept auf langfristige Planungskultur, ohne das Format einer Bauausstellung zu benötigen. Deutschland dagegen ist föderalistisch geprägt: Bauausstellungen wie die IBA Hamburg, die IBA Thüringen oder die IBA&#8217;27 Stuttgart zeigen unterschiedliche Antworten auf regionale Herausforderungen, aber keine systematische Übertragbarkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau hier liegt die Stärke und gleichzeitig die Schwäche des IBA-Formats: Es erzeugt Aufmerksamkeit und mobilisiert Expertise, bleibt aber im deutschen Planungsrecht strukturell schwach verankert. Das Baugesetzbuch (BauGB) kennt keine IBA als Rechtsfigur. Die Planungshoheit der Bezirke nach dem Berliner Bezirksverwaltungsgesetz (BezVG) kann IBA-Vorhaben faktisch blockieren, wenn die politische Abstimmung nicht gelingt. Der Senatsbeschluss ist deshalb ein Anfang, kein Garant.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die IBA Berlin 2034-37 hat das Potenzial, erneut Massstäbe zu setzen, wenn sie konsequent auf Bestand statt auf Neubau, auf Zirkularität statt auf lineare Ressourcennutzung und auf soziale Durchmischung statt auf Verdrängung setzt. Ob sie dieses Potenzial einlöst, wird sich nicht im Gründungsbeschluss entscheiden, sondern in den nächsten Jahren der inhaltlichen Programmentwicklung und der Auswahl der Projekte. Berlin hat die Aufgabe angenommen. Jetzt kommt es auf die Umsetzung an.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Das House of Jazz Berlin: Ein Denkmal wird zur Bühne</title>
		<link>https://baukunst.art/das-house-of-jazz-berlin-ein-denkmal-wird-zur-buehne/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 08:45:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
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		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[House of Jazz]]></category>
		<category><![CDATA[Jazz]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[kulturzentrum]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein leerstehendes Kino aus den Fünfzigerjahren, ein Trompeter mit Weitblick und der politische Wille zweier Ebenen: Das House of Jazz Berlin rückt näher.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Vom Luftwaffen-Kino zum Jazzpalast: Berlin plant ein Kulturwunder</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das House of Jazz Berlin: Ein Denkmal wird zur Bühne</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das House of Jazz Berlin ist ein geplantes nationales Zentrum für Jazz und improvisierte Musik, das seit über einem Jahrzehnt zwischen politischem Willen, Haushaltszwängen und der Suche nach einem geeigneten Ort pendelt. Seit Ende 2025 zeichnet sich ab, dass beides zusammengekommen sein könnte: ein konkreter Standort und ein stabiler politischer Rückhalt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Idee geht auf Till Brönner zurück, Jazztrompeter von internationalem Rang mit Wohnsitz in Potsdam und Los Angeles. In seinem 2010 erschienenen Buch &#8218;Talking Jazz&#8216; skizzierte er ein düsteres Zukunftsbild für den Jazz in Deutschland: abgewickelte Rundfunk-Bigbands, jazzfreies Fernsehen, ein öffentlich-rechtliches Radio, das selbst die kleinen Sendeplätze aufgibt. Seiner Dystopie stellte er eine konkrete Forderung entgegen. Er schlug die Gründung einer Jazz-Akademie vor, nicht ganz wie das Lincoln Center in New York, aber doch in dessen Geiste. Und er bestand darauf: Diese Einrichtung müsse in Berlin entstehen, weil die Hauptstadt, wenn sie keine Kulturmetropole sei, überhaupt keine Metropole sei.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welchen Standort bekommt das House of Jazz?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seitdem ist viel Zeit vergangen. Ein erster Anlauf scheiterte: Die Alte Münze in Berlin-Mitte wurde schließlich nicht für das Jazz-Zentrum genutzt, sondern für zwei Jahrzehnte an das privatwirtschaftliche Event- und Clubunternehmen &#8218;Spreewerkstätten&#8216; vermietet, obwohl bereits 12,5 Millionen Euro Investivmittel im Bundeshaushalt 2016 dafür eingestellt worden waren. Das Projekt wurde zwar nicht zu den Akten gelegt, aber es verlor an Fahrt. Erst ab 2020 setzte eine kontinuierliche institutionelle Förderung ein: Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien stellt seither jährlich 250.000 Euro bereit, seit 2022 kommt vom Land Berlin eine weitere Förderung von 300.000 Euro hinzu. Im Haushaltsbeschluss des Landes für 2026/2027 sind diese Mittel bereits ungekürzt eingeplant.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der neue Standort, der nun politisch diskutiert wird, ist die Kino- und Theateranlage L&#8217;Aiglon am Kurt-Schumacher-Damm 121 im Berliner Bezirk Reinickendorf. Das Ensemble gehörte einst zum Luftwaffen-Kasernengelände und wurde nach 1945 als &#8218;Quartier Napoleon&#8216; zum Hauptquartier der französischen Streitkräfte in Berlin umfunktioniert. Anfang der 1950er-Jahre entwarf der Architekt Hans Wolff-Grohmann das Kulturhaus als Teil eines Ensembles aus Kino, niedrigem Querbau mit ehemaligem Restaurant und einem viergeschossigen Hotel. Das Ergebnis ist eine markante Architektur jener Zeit: großflächig verglastes Foyer mit wellenförmig geschwungener Fassade und Neon-Leuchtschrift, ein großzügiger Zuschauerraum mit Orchestergraben, eine ausschwingende Treppe zur Empore. Seit 1994 steht das Kino leer, seit 2023 ist die Liegenschaft im Besitz des Landes Berlin.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was macht das L&#8217;Aiglon zum richtigen Ort für ein Jazzhaus?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Theatersaal mit Orchestergraben fasst 350 Besucherinnen und Besucher. Das Ensemble bietet darüber hinaus Räumlichkeiten für Verwaltung, Ton- und Lichtregie, Kellerräume sowie das angrenzende Hotel als Gästeunterkunft. Die ehemalige Kommandanten-Villa könnte als interdisziplinäres Residenzhaus genutzt werden. Auf einem Areal von rund 3.000 Quadratmetern wären zudem Anbauten für Proberäume und Gastronomie möglich. Die Deutsche Jazzunion und die IG Jazz Berlin, die das Projekt unter dem Namen &#8218;Zentrum für Jazz und Improvisierte Musik&#8216; vorantreiben, sehen in dem Ensemble eine funktionale wie symbolische Entsprechung dessen, was ein Jazzhaus leisten soll: Bühne, Archiv, Begegnungsraum, Residenz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Vergleich zur Alten Münze erscheint die Realisierung am Kurt-Schumacher-Damm einfacher, kostengünstiger und zeitlich früher möglich. Das politische Plazet scheint zu wachsen. Brönner hat in seinen sozialen Netzwerken über Treffen mit Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer berichtet, ohne den Inhalt der Gespräche im Einzelnen zu kommentieren. Der Ton wirkte zuversichtlich.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie schneidet Deutschland im europäischen Vergleich ab?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Blick über die Grenzen ist ernüchternd. Frankreich fördert seine Jazzszene über die Musikergewerkschaft und die Association Jazzé Croisé, unterstützt vom Kulturministerium. Norwegen betreibt fünf regionale Jazzzentren sowie die Victoria, Nasjional Jazzscene Oslo als überregionale Spielstätte. Dänemark verfügt mit JazzDanmark über eine nationale Förderorganisation. Das Budapest Music Center fungiert als staatlich gefördertes Zentrum für klassische Musik und Jazz gleichberechtigt, mit eigenem Jazzclub, Bibliothek, Archiv und internationalem Residenzprogramm.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Deutschland dagegen verfügt über eine breite, aber fragile Infrastruktur: den Stadtgarten in Köln, den Jazzkeller in Frankfurt, das Jazzinstitut Darmstadt als eines der bedeutendsten Jazzarchive weltweit, ein flächendeckendes Netz aus Clubs und Festivals. München hat sich mit den Labels ECM und ACT Music einen internationalen Ruf erarbeitet. Aber ein nationales Zentrum fehlt. Die Bundeskonferenz Jazz hat 2024 in einem Bericht die Marginalisierung des Jazz in den Medien und die ökonomischen Schwierigkeiten von Jazzmusikern und Jazzmusikerinnen dokumentiert, ein Befund, der seit Brönners Dystopie von 2010 nicht besser geworden ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob ein solches Zentrum dem föderalen System widerspricht, ist eine Frage, die immer wieder gestellt wird. Die Antwort liegt nahe: Einrichtungen mit Exzellenzcharakter wirken nicht als Konkurrenz zu regionalen Institutionen, sondern als Impulsgeber. Das zeigt das Jazz at Lincoln Center in New York, das Berklee College of Music in Boston, und, als regionales Beispiel aus der Klassik, die Kronberg Academy.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das House of Jazz wird gebraucht. Nicht weil der Jazz in Deutschland tot wäre, sondern weil er ein sichtbares Zentrum verdient. Das L&#8217;Aiglon, ein vergessenes Stück Berliner Stadtgeschichte, könnte dieser Ort sein, wenn die politischen Entscheidungen jetzt getroffen werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Berlins neues Hochhausleitbild 2026: Wohnhochhäuser sollen einfacher werden &#8211; aber löst das die Wohnungskrise?</title>
		<link>https://baukunst.art/berlins-neues-hochhausleitbild-2026-wohnhochhaeuser-sollen-einfacher-werden-aber-loest-das-die-wohnungskrise/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Feb 2026 15:46:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Hochhausleitbild]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnhochhäuser Berlin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Berlin will hoch hinaus: Das neue Hochhausleitbild vereinfacht den Wohnhausbau - doch 95 geplante Türme werfen Fragen auf. Wem nützt der Hochhausboom wirklich?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hoch hinaus in Berlin: Zwischen Wohnungsnot und Wolkenkratzertraum</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Berlins neues Hochhausleitbild soll den Bau von Wohnhochhäusern beschleunigen. 95 neue Türme sind bereits in Planung. Ein Blick hinter die Fassaden zeigt: Das Regelwerk ist ambitioniert &#8211; und voller Widersprüche.</em></p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Leitbild, das die Stadt verändert</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Anfang Dezember 2025 erlebte Berlin einen dieser seltenen Momente politischer Unfreiwilliger Komik: In derselben Sitzung des Berliner Baukollegiums, in der Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt das überarbeitete Hochhausleitbild präsentierte, erteilte dasselbe Gremium dem Entwurf von David Chipperfield Architects für zwei neue Wohnhochhäuser am Tiergarten eine klare Absage. Die Botschaft war unmissverständlich: Berlin will mehr Hochhäuser &#8211; nur eben nicht dort und nicht so.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit Januar 2026 gilt das Neue Hochhausleitbild Berlin 2025 für alle Vorhaben, bei denen noch keine formellen Beteiligungsschritte nach dem Baugesetzbuch durchgeführt wurden. Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) verbindet damit eine klare Erwartung: Hochhäuser sollen zur Lösung der Wohnungsfrage beitragen und gleichzeitig städtebauliche Qualität sichern. Der Anspruch ist hoch &#8211; genauso wie die geplanten Gebäude.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">95 Türme: Die Arithmetik des Hochhausbooms</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen, die die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf Anfrage der Grünen-Fraktion veröffentlichte, sind beeindruckend: 95 neue Hochhäuser befinden sich derzeit in Planung, mit Höhen zwischen 31 und knapp 170 Metern. Die meisten Projekte konzentrieren sich auf Berlin-Mitte (23 Vorhaben), Lichtenberg (17) und Charlottenburg-Wilmersdorf (15).</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch die Zusammensetzung gibt zu denken. Bei den städtebaulich besonders prägenden Gebäuden über 60 Meter verschieben sich die Verhältnisse deutlich: 24 dieser Hochhäuser sind überwiegend oder vollständig für Gewerbe und Büros vorgesehen, nur 11 primär fürs Wohnen. Gleichzeitig stehen in Berlin nach Angaben der Grünen rund 1,7 Millionen Quadratmeter Bürofläche leer &#8211; und bis Ende 2026 sollen weitere 840.000 Quadratmeter hinzukommen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Julian Schwarze, Stadtentwicklungsexperte der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, spricht von einer Fehlentwicklung: Vor allem die städtebaulich besonders prägenden Gebäude über 60 Meter werden als Bürohochhäuser geplant. Hier entstehen mehr als doppelt so viele Büro- wie Wohnhochhäuser. Seine Fraktion hat einen Antrag eingebracht, der nicht nur einen Baustopp für neue Bürokomplexe fordert, sondern auch die verstärkte Umnutzung leerstehender Büros in bezahlbare Wohnungen verlangt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Weniger Bürokratie, mehr Wohnraum: Die Reform im Detail</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das überarbeitete Regelwerk bringt zwei wesentliche Neuerungen: die Straffung des Planungsprozesses und die Vereinfachung des Wohnhochhaus-Baus. Statt bisher vier Planungsphasen sind künftig nur noch drei vorgesehen. Das Baukollegium &#8211; jenes Fachgremium, das intern attestierte, die alten Vorgaben führten dazu, dass Hochhäuser &#8218;dicker und moppeliger&#8216; werden &#8211; tritt in seiner beratenden Rolle deutlich in den Hintergrund. Statt dreifacher Befassung ist künftig nur noch eine Sitzung zu Beginn der Projektideenphase verpflichtend.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Wohnhochhäuser gibt es zusätzliche Erleichterungen: Die bisherige Pflicht zur Nutzungsmischung oberhalb des Erdgeschosses entfällt. Ein öffentlich zugängliches Erdgeschoss bleibt jedoch verpflichtend. Der Planungsgrundsatz &#8218;Mehrwert&#8216; gilt als erfüllt, wenn 30 Prozent der Wohnungen als mietpreis- und belegungsgebundener Wohnraum nach dem Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung realisiert werden. Auch die Pflicht zur öffentlich zugänglichen Dachterrasse entfällt &#8211; flexiblere Lösungen auf anderen Geschossen sind nun möglich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Neu und bemerkenswert ist die Anforderung an Nachhaltigkeit: Hochhausprojekte müssen künftig mindestens die Gold-Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) oder eine vergleichbare Auszeichnung vorweisen &#8211; und zwar vor Bauantragstellung. Beschleunigung bedeutet in Berlin also ausdrücklich keine Absenkung von Qualitätsstandards.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Bauturbo: Großes Versprechen, enge Grenzen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besondere Aufmerksamkeit verdient die Verbindung des Hochhausleitbildes mit dem sogenannten Bauturbo &#8211; den seit Oktober 2025 geltenden bundesrechtlichen Regelungen, die Wohnungsbau ohne aufwendiges Bebauungsplanverfahren ermöglichen. Das Hochhausleitbild gilt dabei ausdrücklich als öffentlicher Belang, dessen Einhaltung Berlin zur Bedingung für seine gemeindliche Zustimmung machen kann. Theoretisch denkbar: ein Wohnhochhaus ohne Bebauungsplan, ohne Öffentlichkeitsbeteiligung und ohne Abgeordnetenhausbeschluss.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Thorsten Wilhelm, in der Berliner Immobilienszene als &#8218;Hüter des Hochhausleitbildes&#8216; bekannt, machte jedoch im Baukollegium klar, dass man noch ganz am Anfang der Bauturbo-Anwendung stehe und die Möglichkeit eher theoretischer Natur sei. Tatsächlich zeigen Berliner Rechtsanwälte auf die praktischen Hürden: Hochhausvorhaben können oft nur dort realisiert werden, wo die erforderlichen Abstandsflächen auf dem eigenen Grundstück liegen oder alle betroffenen Nachbarn zustimmen. Als mahnendes Beispiel dient das Campanile-Hochhaus in Frankfurt, das Ende der 1980er-Jahre an der fehlenden Zustimmung einer einzigen Grundstücksnachbarin scheiterte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Anspruch und Wirklichkeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das neue Berliner Hochhausleitbild ist ein ambitioniertes Dokument, das auf echte Probleme antwortet. Der knappe Berliner Stadtboden, steigende Baukosten und der andauernde Wohnungsmangel erfordern neue Lösungsansätze &#8211; und das vertikale Bauen gehört zweifellos dazu. Die Entschlackung der Verfahren ist überfällig und wird langfristig Planungskosten und &#8211; perspektivisch &#8211; auch Mietpreise senken.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch zwei Kritikpunkte verdienen Aufmerksamkeit: Erstens bleibt die Frage offen, ob die Reduzierung des gesellschaftlichen Mehrwerts auf die Bereitstellung von Sozialwohnungen dem Anspruch gerecht wird, den Hochhäuser als &#8218;gute Nachbarn&#8216; erfüllen müssen. Das negative Beispiel &#8218;Billionaires Row&#8216; in Manhattan &#8211; jene schlanken Supertürme, die in ihren Erdgeschosszonen mit Lieferhöfen und Müllplätzen der Nachbarschaft ein wenig schmeichelhaftes Gesicht zeigen &#8211; illustriert, was passiert, wenn der gemeinschaftliche Mehrwert zur Formsache wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zweitens bleibt die strukturelle Berliner Realität unverändert: schleppende Genehmigungsverfahren, chronisch unterbesetzte Bauämter in den Bezirken, tiefgreifende Defizite in der Verwaltung. Kritiker sehen im neuen Regelwerk sogar ein Ablenkungsmanöver, das die Defizite des seit 2024 geltenden Schneller-Bauen-Gesetzes kaschieren soll. Ein gut formuliertes Leitbild allein kann diese Grundprobleme nicht beseitigen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung im Dezember 2025 &#8211; ein neues Hochhausleitbild zu beschließen und gleichzeitig dem Chipperfield-Entwurf am Tiergarten eine Absage zu erteilen &#8211; beschreibt das Dilemma treffend: Berlin möchte die Verdichtung, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Diese Bedingungen klar und transparent zu definieren ist die eigentliche Leistung des neuen Leitbildes. Ob die 95 geplanten Hochhäuser tatsächlich den Wohnungsmarkt entlasten werden, hängt jedoch weit weniger vom Leitbild ab als von den Menschen, die es umsetzen &#8211; und den Ressourcen, die Berlin ihnen dafür bereitstellt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Neue Staatsbibliothek Berlin: 1,1 Milliarden Euro teure Sanierung ab 2030 – elf Jahre Schließung des Scharoun-Baus am Kulturforum</title>
		<link>https://baukunst.art/neue-staatsbibliothek-berlin-11-milliarden-euro-teure-sanierung-ab-2030-elf-jahre-schliessung-des-scharoun-baus-am-kulturforum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Feb 2026 15:28:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz Sanierung]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Scharoun]]></category>
		<category><![CDATA[Staatsbibliothek Berlin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Scharouns Bibliotheksschiff am Berliner Kulturforum wird ab 2030 zur Großbaustelle. Elf Jahre, 1,1 Milliarden Euro – und noch keine Antwort auf die Frage: Wo forschen die Nutzerinnen und Nutzer?</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Scharouns Meisterwerk vor der Jahrhundertsanierung: Was die Grundinstandsetzung der Neuen Staatsbibliothek Berlin wirklich bedeutet</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Bücherschiff läuft auf Grund</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es fangen Eimer Regenwasser auf. Die Fernheizungszentrale havarierte. Zehntausende Bücher mussten aus den Tiefgeschossmagazinen geräumt werden. Wer in diesen Bildern nur den normalen Verschleiß eines vielgenutzten Gebäudes sieht, unterschätzt die Lage grundlegend: Die Neue Staatsbibliothek am Berliner Kulturforum, Haus Potsdamer Straße, steht vor ihrer größten Herausforderung seit ihrer Eröffnung im Jahr 1979. Ab 2030 wird Hans Scharouns goldenes Bücherschiff für mindestens elf Jahre vollständig geschlossen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen allein lassen erahnen, was hier auf dem Spiel steht. 114.000 Quadratmeter Brutto-Grundfläche, 5,4 Millionen auszulagernde Bücher und Medien, 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die eine neue Heimat brauchen, bis zu 3.000 Besucherinnen und Besucher täglich, die künftig anderswo forschen sollen. Und ein Kostenrahmen von 1,1 Milliarden Euro, für den der Bund weitere 350 Millionen als Risikopuffer bereitstellt. Dass diese Dimension des Projekts auch die neue Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Marion Ackermann, bei einer Führung im Februar 2026 offensichtlich überraschte, sagt einiges über die Kommunikationskultur dieser Kulturinstitution aus.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektur als Versprechen – und als Hypothek</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer den Bau verstehen will, muss zurück zu seinen Anfängen. Seit 1964 plante Hans Scharoun, der geniale Eigensinnige der deutschen Nachkriegsarchitektur, einen Bibliothekstyp, den es so noch nicht gab. Keine stille Bücherverwaltungsanstalt, kein Tempel der Ordnung, sondern einen sozialen Resonanzraum: lang gestreckte Lesesäle als Bildungslandschaften mit Terrassen und Balkonen, riesige Foyers als Begegnungsorte, eine Wandelhalle, die allein der Kontemplation dient. Das Bücherschiff, wie der Bau liebevoll heißt, war seinem Zeitalter architektonisch weit voraus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach Scharouns Tod 1972 vollendete sein langjähriger Mitarbeiter Edgar Wisniewski den Bau, der 1978 fertiggestellt und 2005 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Das gleiche Gebäude, das Wim Wenders in „Der Himmel über Berlin&#8220; zur filmischen Traumlandschaft erhob, steht nun vor einer technischen Realität, die wenig romantisch ist: Alle Leitungen – Wasser, Heizung, Elektrik – wurden als ein einziges System für den Gesamtbau konzipiert. Teilsanierungen sind daher bauphysikalisch ausgeschlossen. Die Nachkriegsmoderne plante für sich und allenfalls die folgende Generation, nicht für die Ewigkeit.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Logistik als eigene Disziplin</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ab 2026 beginnen vorbereitende Maßnahmen. 2027 steht die Schadstoffsanierung des Bücherturms auf dem Programm, der mehr als die Hälfte des Buchbestands beherbergt. Ab 2030 folgt die Hauptbaumaßnahme. Die Fertigstellung ist für 2041 geplant, die Außenanlagen sollen bis 2042 abgeschlossen sein. Das bedeutet: Die Bauzeit von elf Jahren entspricht nahezu der ursprünglichen Errichtungszeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">5,4 Millionen Bücher und Medien werden auf vier Ausweichstandorte verteilt: auf bestehende Magazine im Berliner Westhafen und in Friedrichshagen, auf die Staatsbibliothek Unter den Linden sowie auf einen Interimsbau, der an der Tiergartenstraße entstehen soll. Dieser Ersatzneubau, entworfen ebenfalls von gmp Architekten, wird auf rund 16.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche Büros, Lesesaal und Platz für über 50.000 Bände bieten. Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt betonte ausdrücklich, dass dieser Bau kein temporäres Provisorium sein soll: Nach der Staatsbibliothek sollen dort weitere Einrichtungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz während ihrer eigenen Sanierungen Unterschlupf finden. Die finale Architektur wird in einem Realisierungswettbewerb ermittelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besondere Sensibilität verlangt der Umgang mit dem Ibero-Amerikanischen Institut, das als eigenständige SPK-Einrichtung im Seitenflügel untergebracht ist und einen eigenen Interimslesesaal an der Tiergartenstraße erhält. Bei einer auch nur zeitweiligen Schließung dieser weltberühmten Institution für lateinamerikanische und iberische Kulturüberlieferungen wären diplomatische Proteste aus Süd- und Mittelamerika, der Karibik, Spanien und Portugal sicher. Die Wissenschaftspolitik kennt hier keine Toleranzschwellen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">gmp erbt Scharouns Erbe</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Aufgabe der denkmalgerechten Grundinstandsetzung liegt in den Händen von gmp Architekten (Gerkan, Marg und Partner), die sich 2019 in einem internationalen nichtoffenen Wettbewerb unter 14 renommierten Büros durchsetzten. Das Hamburger Büro überzeugte die Jury mit einem Ansatz, der Scharouns Ursprungsidee freilegen statt überlagern will. Nachkriegszeitliche Einbauten aus den 1980er und 1990er Jahren werden rückgebaut. Der Parkplatz vor dem Haupteingang weicht einer Grünfläche. Die bisher ungenutzten Außenterrassen, Scharouns „Decks&#8220;, werden erstmals zugänglich gemacht. Zugangskontrollen funktionieren künftig über in Bücherrücken eingesetzte RFID-Chips statt über Barrieren im Eingang.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Städtebaulich entsteht ein neuer Eingang am Marlene-Dietrich-Platz, der eine lange vermisste Verbindung zwischen Kulturforum und Potsdamer Platz herstellt. Eine Cafeteria mit rund 140 Plätzen ersetzt die legendäre, seit Jahren dornröschenhaft schlummernde Milchbar im hinteren Foyer. Unterschiedliche Arbeitszonen, Gruppenräume und informelle Lernbereiche ergänzen den klassischen Lesesaal. gmp-Architekt Stephan Schütz brachte es auf den Punkt: Das ursprüngliche Konzept Scharouns soll zurückgewonnen werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Denkmalschutz und energetische Moderne müssen dabei einen produktiven Dialog führen. Die Marmor- und Schieferplatten des Foyers gelten als eigenständiges Kunstwerk und müssen für die darunter liegenden Leitungen einzeln abgehoben und eingelagert werden. Die historischen Beleuchtungskörper, zwar wunderschön anzusehen, aber bisher nur mit erheblichem Aufwand zu reinigen, stellen das Restaurierungsteam vor eigene Herausforderungen. Ziel ist eine weitgehende energetische Autonomie des Gebäudes, mit allem, was die Technik des 21. Jahrhunderts heute erlaubt. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat offenbar aus den kostspieligen Planungsdesastern beim Pergamonmuseum gelernt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die unbeantwortete Frage</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Und doch bleibt die wichtigste Frage offen: Wo forschen die Nutzerinnen und Nutzer während der elf Jahre? Rund 1.000 tägliche Arbeitsplätze müssen in einer Stadt ersetzt werden, deren wissenschaftliche und öffentliche Bibliotheken schon heute an ihren Kapazitätsgrenzen arbeiten. Marion Ackermann verwies auf die Foyers der Staatlichen Museen als mögliche Ausweichquartiere. Eine strukturelle Lösung ist das nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders schmerzlich wirkt in diesem Zusammenhang die Entscheidung des Berliner Senats, das ehemalige Kaufhaus Lafayette an der Friedrichstraße nicht als Standort für eine Berliner Zentralbibliothek zu erwerben, in der auch die Staatsbibliothek als Zwischennutzer hätte einziehen sollen. Diese politische Fehlerentscheidung, von der SPD im Berliner Senat durchgesetzt, hat eine strukturelle Lücke hinterlassen, die nun in aller Schärfe sichtbar wird. Die Chance, ein Generationsproblem mit einem Generationsprojekt zu lösen, wurde leichtfertig vergeben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Scharouns Bücherschiff verdient seine Sanierung. 1,1 Milliarden Euro für einen der bedeutendsten Kulturbauten der deutschen Nachkriegsmoderne sind gut investiert, solange Planung, Denkmalschutz und Betrieb wirklich aus einem Guss gedacht werden. Was fehlt, ist die gleiche Weitsicht, die Scharoun bei seiner Bibliothek bewies: nicht nur für die eigene Generation bauen, sondern auch für jene, die noch kommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/neue-staatsbibliothek-berlin-11-milliarden-euro-teure-sanierung-ab-2030-elf-jahre-schliessung-des-scharoun-baus-am-kulturforum/">Neue Staatsbibliothek Berlin: 1,1 Milliarden Euro teure Sanierung ab 2030 – elf Jahre Schließung des Scharoun-Baus am Kulturforum</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Wenn der Energy Drink das Grundwasser schluckt</title>
		<link>https://baukunst.art/wenn-der-energy-drink-das-grundwasser-schluckt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Jan 2026 10:23:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Grundwasser Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Industrieansiedlung Wasserschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Red Bull Baruth]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Red Bull plant eine Mega Abfüllanlage in Brandenburg. Während Investoren von Wirtschaftskraft träumen, warnen Umweltschützer vor dem Ausverkauf einer kostbaren Ressource: dem Grundwasser.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Red Bulls Mega Abfüllanlage in Brandenburg offenbart die Widersprüche zwischen Industrieansiedlung und Ressourcenschutz</em></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Baruth/Mark, einem Städtchen mit knapp 4.000 Einwohnerinnen und Einwohnern südlich von Berlin, entsteht derzeit ein Industriekomplex, der die grundsätzlichen Fragen unserer Zeit verdichtet: Wie viel wirtschaftliches Wachstum verträgt eine Region, deren wichtigste Ressource schwindet? Der österreichische Getränkekonzern Red Bull plant gemeinsam mit seinen Partnern Rauch und Ball Corporation den Ausbau eines Produktionsstandorts für mehr als drei Milliarden Getränkedosen jährlich. Die Investitionen bewegen sich im dreistelligen Millionenbereich, bis zu 350 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Doch die Bürgerinitiative Ressourcenbündnis Baruth und Umweltverbände wie der BUND schlagen Alarm.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Erbe der Brandenburger Urstromquelle</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Geschichte beginnt mit einer Übernahme. 2023 kauften Red Bull und der österreichische Fruchtsafthersteller Rauch die Brandenburger Urstromquelle, die seit der Wende im Industriepark Bernhardsmüh Mineralwasser abfüllte. Mit dem Unternehmen erwarben sie auch die wasserrechtliche Erlaubnis: Bis zu 2,55 Millionen Kubikmeter Grundwasser darf die Stadt Baruth jährlich fördern, davon stehen der Getränkeindustrie rund 92 Prozent zu. Das Gutachten, auf dem diese Genehmigung basiert, stammt aus dem Jahr 2006.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier liegt der erste Knackpunkt. Brandenburg zählt zu den trockensten Flächenländern Deutschlands. Der Winter 2024/25 war der niederschlagsärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Hydrologinnen und Hydrologen der Universität Potsdam konstatierten einen Rückgang der Grundwasserneubildung um 40 Prozent seit 1980. Eine Messstelle in Baruth dokumentiert seit 1991 ein Absinken des Grundwasserspiegels um 2,6 Zentimeter pro Jahr, das ergibt in drei Jahrzehnten fast 80 Zentimeter. Die Umweltorganisation BUND stellte für 15 von 18 brandenburgischen Landkreisen eine Übernutzung des Grundwassers fest, darunter auch Teltow Fläming, in dem Baruth liegt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektur der Intransparenz</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus städtebaulicher Perspektive wirft das Vorhaben grundlegende Fragen auf. Für die geplante Dosenfabrik der Ball Corporation sollen 17 Hektar Kiefernforst weichen, teilweise in einem Wasserschutzgebiet. Der Bebauungsplan für die Erweiterung des 170 Hektar großen Industrieparks wurde im Februar 2025 genehmigt. Kritische Stimmen bemängeln eine Salamitaktik bei den Genehmigungsverfahren: Während der Bebauungsplan bereits steht, fehlt eine Genehmigung zur Ausweitung der Grundwasserförderung noch immer.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Martin Pusch vom Leibniz Institut für Gewässerökologie in Berlin bezeichnet diese Trennung als große Schwachstelle des deutschen Umweltrechts. Die Radelandsiedlung östlich des Industrieparks, ein gewachsenes Wochenendhausgebiet seit 1920, kämpft seit Jahren um Berücksichtigung im Planungsprozess. Die Verträge zwischen der Stadt und den Getränkeunternehmen bleiben unter Verschluss. Bürgermeister Peter Ilk verweist auf privatrechtliche Vereinbarungen und Geschäftsgeheimnisse. Eine Klage auf Einsicht nach dem Umweltinformationsgesetz ist beim Verwaltungsgericht Potsdam anhängig.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Vergleich mit Tesla</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Parallelen zum nur 40 Kilometer entfernten Grünheide sind offensichtlich. Auch dort kämpfte eine Bürgerinitiative gegen die Wasserentnahme durch einen Großkonzern, auch dort wurden Protestcamps errichtet und Medienaufmerksamkeit generiert. Tesla hat eine Genehmigung für 1,8 Millionen Kubikmeter Grundwasser jährlich, verbraucht aber deutlich weniger und hat sich zu Abwasserrecycling verpflichtet. In Baruth liegt die genehmigte Entnahmemenge für die Industrie bei 2,47 Millionen Kubikmetern, also deutlich höher.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der städtische Wasserversorger Wabau und die Projektkoordinatoren von Red Bull betonen, man werde mit 5.500 bis 6.000 Kubikmetern täglich die genehmigten Mengen nicht ausschöpfen. Eine neue Kläranlage soll zusätzlich für Entlastung sorgen: Im Dosenwerk und bei anderen Unternehmen im Industriepark könnten täglich bis zu 2.000 Kubikmeter geklärtes Wasser zum Einsatz kommen. Die Investitionskosten von mehr als 20 Millionen Euro teilen sich die Unternehmen und die Stadt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Baukultur unter Druck</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage, die sich in Baruth stellt, reicht weit über den Einzelfall hinaus. Brandenburgs Landesregierung hat in der vergangenen Legislaturperiode ein Gesamtkonzept zur Anpassung an den Klimawandel im Politikfeld Wasser vorgelegt. Ein neues Wassergesetz ist angekündigt, die Koalition aus SPD und BSW will nachliefern. Umweltministerin Hanka Mittelstädt betont, die Monitoringdaten zeigten keine Übernutzung der erneuerbaren Grundwasservorräte in Baruth.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bürgerinitiative sieht das anders und fordert ein unabhängiges hydrogeologisches Gutachten. Die Online Petition mit dem Titel Unser Wasser gehört uns haben fast 28.000 Menschen unterzeichnet. Red Bull hat bereits Erfahrungen mit bürgerschaftlichem Widerstand: Im österreichischen Ludesch scheiterte 2019 eine geplante Werkserweiterung nach einer Volksabstimmung. Der Konzern machte sich auf die Suche nach einem neuen Standort und wurde in Baruth fündig.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Lehrstück für die Planungskultur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Frank Zierath, Werkleiter des städtischen Wasserbetriebs Wabau, gibt sich gelassen: Das Urstromtal verfüge über ein unterirdisches Meer, man fördere aus mehr als hundert Metern Tiefe, wo keine Kiefer mehr wurzele. Wenn der Grundwasserspiegel in 30 Jahren um 50 Zentimeter sinke, bleibe er entspannt. Die Kritik komme vor allem von außerhalb, in Baruth sei die Mehrheit froh über die Arbeitsplätze.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Haltung offenbart das grundlegende Dilemma regionaler Wirtschaftsförderung in Zeiten des Klimawandels. Die Stadtverordnetenversammlung hat den Verträgen mit großer Mehrheit zugestimmt, sie regeln die Wasserversorgung für 25 Jahre. Red Bull und Rauch werden aufgrund der hohen Investitionen auf Jahre keine Gewerbesteuer zahlen. Die Gegenleistung sind Arbeitsplätze und, so die Hoffnung, wirtschaftliche Belebung einer strukturschwachen Region.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baruth steht damit exemplarisch für die Frage, wie Kommunen den Spagat zwischen Ansiedlungspolitik und Ressourcenschutz bewältigen können. Die Transparenz bei den Vertragsverhandlungen, die frühzeitige Beteiligung der Bürgerschaft, die Aktualität der zugrundeliegenden Gutachten: all das sind Stellschrauben, an denen sich zeigt, ob regionale Planungskultur den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gewachsen ist. Im Industriepark Bernhardsmüh prangt übrigens nicht das Logo der roten Bullen auf den Gebäuden, sondern der rote Apfel des Fruchtsaftherstellers Rauch. Vielleicht ist das ja ein Zeichen dafür, dass hinter den großen Markennamen oft komplexere Strukturen stecken, als der erste Blick vermuten lässt.</p>
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		<title>Schinkels Erbe kehrt zurück: Die Berliner Bauakademie erhält ihre historische Fassade</title>
		<link>https://baukunst.art/schinkels-erbe-kehrt-zurueck-die-berliner-bauakademie-erhaelt-ihre-historische-fassade/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Jan 2026 10:18:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bauakademie]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Friedrich Schinkel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach einem Jahrzehnt des Streits einigen sich Bund und Berlin auf die Rekonstruktion der historischen Ziegelfassade der Bauakademie. Der Weg zum Wettbewerb bleibt dennoch steinig.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Durchbruch nach zehn Jahren Stillstand</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 20. Januar 2026 verkündete der Berliner Senat eine Entscheidung, auf die Architekturinteressierte und Stadtplanerinnen seit fast einem Jahrzehnt gewartet hatten: Die Bauakademie von Karl Friedrich Schinkel soll in ihrer äußeren Erscheinung als das architektonische Schlüsselwerk wiedererrichtet werden, das sie einst war. Bausenator Christian Gaebler teilte mit, dass sich Bund, Land Berlin und Bundesstiftung Bauakademie auf eine gemeinsame Zielformulierung für den Auslobungstext des Realisierungswettbewerbs verständigt hätten. Die historische Fassadenrekonstruktion wird darin als maßgebliches Leitbild verankert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Einigung markiert einen Wendepunkt in einer Debatte, die seit dem Bundestagsbeschluss vom 11. November 2016 die Gemüter erhitzt. Damals stellten die Parlamentarierinnen und Parlamentarier 62 Millionen Euro für die Wiedererrichtung bereit, im aktuellen Bundeshaushalt 2026 sind mittlerweile 72 Millionen Euro eingeplant. Was als klarer Auftrag begann, versank jedoch in einem Sumpf aus Grundsatzdebatten, wechselnden Leitlinien und bürokratischen Verzögerungen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Gebäude, das die Moderne vorwegnahm</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Um die Emotionalität dieser Auseinandersetzung zu verstehen, muss man sich die architekturgeschichtliche Bedeutung des Originals vergegenwärtigen. Die zwischen 1832 und 1836 errichtete Bauakademie war ein revolutionärer Bau. Mit ihren vier identischen Fassaden ohne klassische Mittelachse, der konsequenten Verwendung unverputzten Ziegelmauerwerks und dem offenen Tragwerk nahm Schinkel Prinzipien vorweg, die erst Jahrzehnte später die internationale Architektur prägen sollten. Die Chicago School, Wegbereiterin des modernen Hochhausbaus, bezog sich ausdrücklich auf den Berliner Prototyp.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt, wurde das Gebäude zunächst gesichert. Der bereits begonnene Wiederaufbau endete 1956, sechs Jahre später ließ die DDR Regierung die Ruine für den Neubau des Außenministeriums abreißen. Nach der Wiedervereinigung verschwand auch dieser Bau, seit 2001 erinnert eine gemauerte Musterecke mit dem Roten Saal an das einstige Meisterwerk. Direkt gegenüber erhebt sich heute das Humboldt Forum mit seiner rekonstruierten Schlossfassade.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Streit zwischen Innovation und Tradition</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die vergangenen Jahre offenbarten einen grundlegenden Konflikt zwischen zwei Positionen. Auf der einen Seite stand die 2019 gegründete Bundesstiftung Bauakademie unter ihrem Gründungsdirektor Guido Spars, die das Projekt als Demonstrationsvorhaben für innovatives, nachhaltiges und klimagerechtes Bauen verstand. Eine zeitgenössische Interpretation sollte möglich sein, die Schinkels Innovationsgeist aufgreift, ohne in historisierender Nachbildung zu erstarren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf der anderen Seite formierten sich Rekonstruktionsbefürworter aus Bürgervereinen, Handwerkskammern und Teilen der Fachwelt. Eine Forsa Umfrage ergab 2022, dass 67 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger eine originalgetreue Rekonstruktion befürworteten. Der Berliner Senat positionierte sich im Koalitionsvertrag von 2023 eindeutig: Die Wiedererrichtung der historischen Fassade sei durch geeignete Verfahren sicherzustellen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Dezember 2024 verschärfte das Abgeordnetenhaus die Gangart. Ein Antrag von CDU und SPD ermächtigte den Senat, Wettbewerbsergebnisse abzulehnen, die keine Rekonstruktion der Schinkelfassade vorsehen. Dieser politische Druck zeigte offenbar Wirkung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Quadratur des Kreises</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die nun gefundene Formel versucht, beide Lager zu versöhnen. Die historische Ziegelfassade wird zum zentralen gestalterischen Maßstab, eine exakte Eins zu eins Rekonstruktion strebt man jedoch nicht an. Gaebler betonte, es gehe nicht um museale Nachbildung, sondern um ein zeitgemäß nutzbares Gebäude, das heutigen funktionalen und rechtlichen Anforderungen entspreche. Barrierefreiheit etwa ließe sich mit den historischen Dimensionen nicht ohne Anpassungen vereinbaren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten bedeutet diese Kompromissformel eine delikate Gratwanderung. Einerseits sollen die charakteristische Backsteinfassade, die baukünstlerischen Gliederungselemente und die spezifische Materialität erhalten bleiben. Andererseits dürfen und müssen Details modernisiert werden, um zeitgenössische Bauvorschriften, Energiestandards und Nutzungsanforderungen zu erfüllen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der lange Weg zum Wettbewerb</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotz des Durchbruchs bleibt vieles im Unklaren. Einen konkreten Termin für die Auslobung des Architekturwettbewerbs nannte Gaebler nicht. An der gemeinsamen Zielformulierung waren Vertreterinnen und Vertreter der Senatskanzlei, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauen, des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung sowie der Bundesstiftung Bauakademie beteiligt. Diese Vielstimmigkeit der Akteure hatte in der Vergangenheit regelmäßig zu Verzögerungen geführt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundesstiftung selbst sieht das künftige Gebäude als Reallabor für die Bauwende, als Schaufenster für nachhaltiges und klimagerechtes Bauen. Neben der Fachgesellschaft aus Planenden, Entwickelnden und Betreibenden sollen auch Kinder und Jugendliche an zukunftsgerechtes Bauen herangeführt werden. Im Sinne der Suffizienz plant man ein wandlungsfähiges Haus mit Nutzungsüberlagerungen, das auch externen Kooperationspartnern offensteht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Berlins Wiederaufbauwerk vollendet sich</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit der Bauakademie schließt sich ein Kreis, der in der Nachkriegszeit begann. Bereits die DDR rekonstruierte nach dem Zweiten Weltkrieg das Alte Museum, das Zeughaus, die Neue Wache, das Forum Fridericianum mit Staatsoper und Prinzessinnenpalais sowie den Berliner Dom. Nach der Wende kehrten das Kommandantenhaus und schließlich das Stadtschloss in rekonstruierter Form zurück.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Stimmen bleiben freilich nicht stumm. Das zwischen Schloss und künftiger Bauakademie geplante Einheitsdenkmal, im Volksmund als Wippe bekannt, stößt auf anhaltende Skepsis. Ob die monumentale Schaukel dauerhaft ihren Platz behaupten wird, bleibt abzuwarten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Präzedenzfall für regionale Baukultur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Berliner Entscheidung sendet Signale über die Landesgrenzen hinaus. Sie zeigt, dass demokratische Mehrheiten für Rekonstruktionsprojekte mobilisierbar sind, wenn historische Bedeutung und städtebaulicher Kontext stimmen. Zugleich demonstriert der Kompromiss, dass historische Gestalt und zeitgenössische Anforderungen keine unüberbrückbaren Gegensätze bilden müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Architektenschaft stellt sich nun die Frage, wie sie mit dem definierten Spielraum umgeht. Ein zweiphasiger Wettbewerb mit niedrigschwelligen Zugangskriterien, wie ihn die Architektenkammer Berlin empfahl, könnte vielfältige Ideen ermöglichen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob nach einem Jahrzehnt des Wartens endlich Bewegung in eines der prominentesten Bauvorhaben der Hauptstadt kommt.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>BäumePlus-Gesetz Berlin: 500.000 Bäume, Milliarden Fragen</title>
		<link>https://baukunst.art/baeumeplus-gesetz-berlin-500-000-baeume-milliarden-fragen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 Dec 2025 17:08:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[BäumePlus-Gesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaanpassung]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtgrün Berlin]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14562</guid>

					<description><![CDATA[<p>Berlin will bis 2040 eine halbe Million Bäume pflanzen. Doch zwischen politischem Konsens und unterirdischen Leitungen klafft ein Abgrund aus Bürokratie und Milliardenfragen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/baeumeplus-gesetz-berlin-500-000-baeume-milliarden-fragen/">BäumePlus-Gesetz Berlin: 500.000 Bäume, Milliarden Fragen</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Grüne Versprechen im Leitungsdschungel: Berlins ambitioniertes Baumgesetz zwischen Vision und Verwaltungsrealität</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die deutsche Hauptstadt hat sich ein neues Großprojekt auf die Fahnen geschrieben. Am 3. November 2025 beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus mit überwältigender Mehrheit das sogenannte BäumePlus-Gesetz, das erste kommunale Klimaanpassungsgesetz Deutschlands. Bis 2040 sollen mehr als 500.000 neue Bäume gepflanzt, Hunderte Miniparks angelegt und sogenannte Kälteinseln in überhitzten Stadtvierteln geschaffen werden. Die geschätzten Kosten: mindestens 3,2 Milliarden Euro.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Konsens mit Fragezeichen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die politische Einigkeit ist bemerkenswert. CDU, SPD, Grüne und Linke stimmten dem Gesetz ohne Gegenstimmen zu, lediglich die AfD enthielt sich. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner sprach von einem wichtigen Investment in die Zukunft. Woher allerdings das Geld und vor allem die Flächen für diese ambitionierte Begrünungsoffensive kommen sollen, blieb an diesem Tag noch weitgehend ungeklärt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Gesetz geht auf die Initiative Volksentscheid Baum zurück, die der Umweltaktivist Heinrich Strößenreuther mitbegründet hat. Die Gruppierung sammelte über 33.000 Unterschriften und zwang die Politik damit in eine Flucht nach vorn: Ein Bürgerentscheid hätte nach allen Umfragen eindeutig zugunsten von mehr Stadtgrün geendet. Die Abgeordneten zogen es vor, selbst zu handeln, statt sich vom Volk überstimmen zu lassen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bäume gegen Hitzetote</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Argumente der Befürworterinnen und Befürworter sind stichhaltig. Im Hitzejahr 2022 starben in Berlin 416 Menschen an den Folgen extremer Temperaturen, zwölfmal mehr als im Straßenverkehr. Bäume können die Umgebungstemperatur um bis zu sechs Grad Celsius senken, sie spenden Schatten, filtern Schadstoffe und verbessern die Luftqualität. In einer Stadt, deren Bevölkerung stetig altert und deren versiegelte Flächen sich im Sommer aufheizen wie Backöfen, ist grüne Infrastruktur tatsächlich überlebenswichtig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt eine soziale Dimension, die eine Studie der Technischen Universität Berlin jüngst belegt hat. Menschen in einkommensschwachen Stadtteilen leiden überdurchschnittlich unter Hitze, weil ihre Nachbarschaften weniger Grün, dafür mehr Beton und Emissionen aufweisen. Das BäumePlus-Gesetz will genau dort ansetzen: 170 sogenannte Hitzeviertel sollen identifiziert und durch Entsiegelung und Begrünung zu Kühlinseln umgestaltet werden.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Realität unter dem Asphalt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Soweit die Vision. Die Realität sieht ernüchternder aus. Unter 5.000 Euro ist ein Straßenbaum heute kaum noch in die Erde zu bekommen, realistisch sind eher 20.000 Euro und mehr. Der Grund liegt im buchstäblichen Untergrund: Telekommunikations- und Stromkabel, Gas- und Wasserrohre, Fernwärmeleitungen durchziehen den städtischen Boden wie ein dreidimensionales Netzwerk. Wer einen Baum pflanzen will, muss sich mit zahllosen Leitungsbetreibern abstimmen, oft müssen Kabel aufwendig umgelegt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dazu kommen die oberirdischen Nutzungsansprüche: Ein- und Ausfahrten, Ladezonen, Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs. Das BäumePlus-Gesetz fordert, dass möglichst alle 15 Meter ein Baum an der Straße stehen soll. Benedikt Lux, umweltpolitischer Sprecher der Grünenfraktion, mahnte bereits während der Sitzung, dass dies wohl nur gelingen könne, wenn man gleichzeitig über die Zahl der Parkplätze nachdenke. Bürgermeister Wegner hielt dagegen, er wolle eine Stadt, in der sich auch die Autofahrerinnen und Autofahrer wohlfühlten.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Rechnung kommt später</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kaum zwei Wochen nach dem Beschluss wurde die finanzielle Euphorie bereits gedämpft. Die schwarz-rote Koalition halbierte die geplanten Mittel von zwei auf eine Milliarde Euro bis 2040. Mit den jetzt zugesagten Geldern bleibt ein erheblicher Teil der Finanzierung offen. Die Initiative BaumEntscheid kritisiert die Kürzungen als rückschrittliches Signal und warnt davor, das Klimaanpassungsgesetz zur Symbolpolitik verkommen zu lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Idee, das Vorhaben aus dem Sondervermögen des Bundes zu finanzieren, stößt selbst in der Regierungsfraktion auf Skepsis. Berlin wird daraus in den kommenden zwölf Jahren 5,25 Milliarden Euro erhalten, vorwiegend für Infrastrukturmaßnahmen. Der umweltpolitische Sprecher der CDU, Denny Freymark, würde persönlich nicht dafür werben, dass man die Hälfte des Sondervermögens für neue Bäume einsetzt. Im Zweifel sei die Sanierung einer kaputten Brücke wichtiger.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Fällen schneller geht als Pflanzen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bilanz der vergangenen Jahre spricht eine deutliche Sprache. 2024 wurden 5.280 Straßenbäume gefällt, aber nur 2.571 nachgepflanzt. Mehr als die Hälfte aller Berliner Straßenbäume sind geschädigt, 90 Prozent der Rosskastanien leiden unter Krankheiten. Die Verwaltung schafft es nicht einmal, die entstehenden Lücken zu schließen. Wie soll sie dann 500.000 zusätzliche Bäume pflanzen?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Um Kosten zu senken, will die Stadt auf neue Pflanzmethoden setzen. Statt zehn Jahre alter Bäume aus Baumschulen sollen künftig Setzlinge und Sprösslinge sogenannter Entwicklungsbäume gepflanzt werden. In der Verwaltung sprechen sie augenzwinkernd von Fast-Food-Bäumen: schneller, günstiger, hitzeresistenter. Ob diese Rechnung aufgeht, wird sich zeigen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Gesetz als Experiment</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das BäumePlus-Gesetz ist ein spannendes demokratisches Experiment. Bürgerinnen und Bürger haben ein komplexes Gesetzeswerk entwickelt und die Politik zum Handeln gezwungen. Ob die Umsetzung gelingt, steht auf einem anderen Blatt. Heinrich Strößenreuther kündigte bereits an, man werde Senat, Bezirken und Parteien auf die Finger schauen müssen, damit die geplanten Bäume auch wirklich alle kämen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Berlin hat in der Vergangenheit bewiesen, dass es Großprojekte in den Sand setzen kann. Der BER-Flughafen kostete mehr als das Siebenfache des ursprünglichen Budgets. Ob es bei den Bäumen besser läuft, ist offen. Immerhin: Bäume wachsen langsam. Zeit für Korrekturen wäre also vorhanden, sofern der politische Wille anhält und die Finanzierung irgendwann steht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<item>
		<title>Molkenmarkt Berlin: Wettbewerb entschieden, Kosten explodieren</title>
		<link>https://baukunst.art/molkenmarkt-berlin-wettbewerb-entschieden-kosten-explodieren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 Dec 2025 17:04:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Molkenmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Architektenwettbewerb für Berlins Molkenmarkt ist entschieden. Doch die Kosten übersteigen den Rahmen um 23 Prozent. Eine Stadtreparatur am Scheideweg.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Berlins historische Mitte: Zwischen Stadtreparatur und Kostenexplosion</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Architektenwettbewerb für den Molkenmarkt ist entschieden. Die prämierten Entwürfe versprechen eine behutsame Stadtreparatur, doch die Baukosten übersteigen den Rahmen deutlich. Ein Projekt, das nach dreißig Jahren Planung noch immer zwischen Anspruch und Wirklichkeit schwankt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Molkenmarkt ist Berlins ältester Platz und zugleich sein größtes Planungsparadox. Mehr als dreißig Jahre nach den ersten Überlegungen zur Neubebauung des historischen Stadtkerns liegt nun das Ergebnis des ersten Realisierungswettbewerbs vor. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen präsentierte Mitte November 2025 gemeinsam mit der Wohnungsbaugesellschaft Berlin Mitte (WBM) die Siegerentwürfe für Block B/1. Der Juryvorsitzende Vittorio Magnago Lampugnani lobte die Qualität der eingereichten Arbeiten, doch bereits jetzt zeigt sich: Das Projekt droht an den eigenen Ambitionen zu scheitern.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Dreifache Zerstörung, endlose Planung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Molkenmarkt trägt die Narben des 20. Jahrhunderts wie kein anderer Ort in Berlin. Zunächst ließen die Nationalsozialisten Teile der mittelalterlichen Altstadt abreißen, um dort ihr Gauforum zu errichten. Alliierte Bomber setzten das Zerstörungswerk fort, bevor die Verkehrsplaner der DDR schließlich eine achtspurige Durchgangsstraße über das Areal legten. Was übrig blieb, war eine trostlose Asphaltfläche inmitten der historischen Keimzelle der Stadt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Chance zur Neugestaltung dieses besonderen Ortes beschäftigt die Berliner Stadtplanung seit der Wiedervereinigung. Seit 2016 gibt es einen festgesetzten Bebauungsplan, der den neuen Verlauf der Grunerstraße und eine geplante Bebauung auf fünf Blöcken definiert. Dennoch: In derselben Zeit, so kommentierte Dankwart Guratzsch in der Welt, habe Karl Friedrich Schinkel vor 200 Jahren sein gesamtes Lebenswerk geschaffen. Die Kritik trifft einen wunden Punkt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Wettbewerb, drei Lose, vier Sieger</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong><a href="https://www.berlin.de/sen/sbw/presse/pressemeldungen/pressemitteilung.1615934.php" target="_blank" rel="noopener">Der Realisierungswettbewerb</a></strong> für Block B/1 umfasste drei Planungsbereiche zwischen Grunerstraße, Molkenmarkt und Jüdenstraße. Nach neunwöchiger Bearbeitungszeit reichten die Teams im September ihre Arbeiten ein: zehn Entwürfe für Los 1 und Los 2, neun für das prominente Ecklos 3. Die Jury unter Lampugnanis Vorsitz empfahl die Erstplatzierten einstimmig zur Realisierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Los 1, direkt gegenüber dem Roten Rathaus, setzte sich die Arbeitsgemeinschaft aus<strong> <a href="https://www.hildundk.de/bebauung-des-areals-am-berliner-molkenmarkt/" target="_blank" rel="noopener">Hild und K (München), Happel Cornelisse Verhoeven (Rotterdam) und Modersohn &amp; Freiesleben (Berlin)</a> </strong>durch. Los 2 erhielt zwei erste Preise: Duplex Architekten (Hamburg) mit Gort Scott (London) und Kim Nalleweg Architekten (Berlin) sowie blrm Architektinnen und Architekten (Hamburg). Das städtebaulich prominente Los 3 an der Ecke Grunerstraße gewann die Berliner Arbeitsgemeinschaft Eckert Negwer Suselbeek mit Baumeister und Dietzsch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entwürfe folgen dem Gestaltungshandbuch, das Christoph Mäckler aus Frankfurt erarbeitet hat. Es definiert konservative Regeln für Dachneigung, zulässige Materialien und Fensteranteile. Eine klassische Blockrandbebauung mit mittelgroßen Parzellen soll ein abwechslungsreiches, aber stimmiges Erscheinungsbild ermöglichen. Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt beschrieb den erhofften Effekt: Man nähere sich dieser Ecke und denke, hier sei man an einem der Gründungsorte Berlins angekommen. Der Raumkörper sei wieder da, nicht so wie vor dem Krieg, aber als Versprechen, sich der Geschichte der Stadt zuzuwenden.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kosten außer Kontrolle</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die architektonische Qualität hat ihren Preis. Die prognostizierten Baukosten liegen bei durchschnittlich 4800 Euro pro Quadratmeter und damit 23 Prozent über den von der WBM angesetzten 3850 Euro. Dabei sollte die Hälfte der rund 100 Wohnungen mietpreisgedämpft entstehen, für Menschen mit Wohnberechtigungsschein. In der Überarbeitung der Entwürfe müssen nun gestalterische Wünsche und finanzielle Möglichkeiten zur Deckung gebracht werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Landesrechnungshof kritisierte die Planungen im November 2025 als zu langwierig, zu aufwendig und zu teuer. Die zahlreichen Planungs- und Beteiligungsprozesse haben bislang fünf Millionen Euro verschlungen, ohne dass eine einzige Wohnung gebaut worden wäre. Die Initiative Offene Mitte Berlin fordert entsprechend, die Siegerentwürfe so anzupassen, dass die Kostenvorgaben eingehalten werden. Der Molkenmarkt dürfe kein teures Luxusquartier werden, mahnte auch der grüne Wohnungsbauexperte Julian Schwarze.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Rekonstruktion und Moderne</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt spiegelt einen grundlegenden Konflikt in der deutschen Architektur wider. Auf der einen Seite steht die Stiftung Mitte Berlin, die eine weitgehende Wiederherstellung des historischen, kleinteiligen Stadtbilds befürwortet. Auf der anderen Seite stehen die Befürworter einer durchgrünten Ansammlung modernistischer Solitäre als ökologisch-soziales Musterquartier. Kahlfeldt und ihr Vorgesetzter, Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD), suchten mit dem Rahmenplan einen Mittelweg.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Tagesspiegel titelte provokant: &#8218;Zurück in die 90er&#8216;. Tatsächlich erinnern manche Entwürfe an die historisierende Architektur der Friedrichstraße oder die Plattenbauten des Nikolaiviertels, das die DDR zu den 750 Jahr Feiern 1987 wiederaufbauen ließ. Kritiker auf Fachportalen beschrieben Los 1 als einen Gewerbebau, der auch in Marzahn stehen könnte. Die Frage bleibt: Ist das würdig für die Berliner Mitte?</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Paradies für Archäologinnen und Archäologen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während die Architekturdebatten toben, haben die Ausgrabungen 700.000 Fundstücke zutage gefördert. Von jahrhundertealten Holzbohlenwegen über Kämme und Tonkrüge bis zu einer Socke aus dem 15. Jahrhundert. Die Funde werden im diesen Sommer eröffneten Petri Berlin präsentiert, einem archäologischen Museum, das der Münchner Architekt Florian Nagler über die Ausgrabungsstätte der mittelalterlichen Petrikirche gesetzt hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Museum ist das Beste, was Alt Cölln in den letzten Jahren passiert ist. Wenige Stufen führen hinab, und man steht fast tausend Jahre tiefer in der Geschichte. Die Petrikirche, in ihrer letzten Fassung nach dem Krieg einplaniert und unter dem Bürgersteig vergessen, ist wieder sichtbar. In der betont unsentimentalen Stadt Berlin ein seltener Moment gerührten Interesses an der eigenen Vorgeschichte.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Der lange Weg zur Mitte</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Molkenmarkt bleibt ein Konfliktfeld. Die prämierten Entwürfe zeigen, dass eine hochwertige Stadtreparatur möglich ist, die weder in nostalgischer Rekonstruktion noch in gesichtsloser Investorenarchitektur mündet. Doch zwischen Architekturmodell und gebautem Haus liegt ein weiter Weg. Viel hängt davon ab, inwieweit die Wettbewerbsideen in den ausgeführten Bauten Niederschlag finden, wie Matthias Alexander in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schrieb.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die eigentliche Bewährungsprobe steht noch bevor: Können die Entwürfe so überarbeitet werden, dass sie wirtschaftlich tragbar sind, ohne ihre gestalterische Qualität zu verlieren? Oder verschiebt sich die Gestaltung in Richtung billigen Massenwohnungsbau, wie es Kritiker befürchten? Eine Ausstellung der Wettbewerbsentwürfe ist für Januar 2026 geplant. Dann wird sich zeigen, ob der &#8218;Berliner Unwille&#8216; von allen Seiten kommt, oder ob es dem Senat gelingt, die Mitte tatsächlich zu einem Versöhnungsort zu machen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Expo 2035: Berlins riskantes Milliardenspiel</title>
		<link>https://baukunst.art/expo-2035-berlins-riskantes-milliardenspiel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2025 14:17:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Dezentralisierung Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Expo 2035 Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltige Architektur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Berlin soll 2035 Gastgeberin der Weltausstellung werden, nicht mit klassischen Pavillons auf abgeschlossenem Gelände, sondern als dezentrales Stadtlabor. Das Konzept ist innovativ, doch die Lektionen aus Hannover mahnen zur Vorsicht.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1>Expo 2035 Berlin: Stadt statt Spektakel</h1>
<p>Die Initiative Global Goals Berlin präsentiert die Expo 2035 als eine Art architektonisches Gegenprogramm zu traditionellen Weltausstellungen. Statt einer Insel im Stadtraum soll die gesamte Metropole zur Bühne werden: Kiezlabore verteilt in allen Bezirken, urbane Satelliten auf Tempelhof und Tegel, ein thematisches Netzwerk statt pyramidaler Struktur. Das Konzeptteam unter Beteiligung renommierter Architekturbüros wie Graft, Langhof und Lava hat dabei eine Vision entwickelt, die Berlin als Stadt ohne klares Zentrum auffasst und diese Dezentralität zum Markenzeichen macht.</p>
<p>Faszinierend ist die konzeptionelle Idee. Berlin mit seinen vielen Zentren, seinen fragmentierten Räumen zwischen Brachflächen und Innovation, wird zum Vorbild einer polyzentrischen Ausstellung erklärt. Die modulare, reversible Architektur soll nach 2035 in neue Nutzungen übergehen: Bildungsorte, Werkstätten, Nachbarschaftshäuser. Das ist das Versprechen einer nachhaltigen Weltausstellung, nicht die Plättchenarchitektur früherer Expos, sondern ein Transformationsprozess, der die Stadt dauerhaft verändert.</p>
<p>Doch genau hier wird es kritisch.</p>
<h2>Das Hannover-Problem: Wenn Visionen auf Wirklichkeit treffen</h2>
<p>Die Expo 2000 in Hannover hält für viele Architektur- und Kulturkritiker den Status einer Warnung. 40 Millionen Besucherinnen und Besucher wurden prognostiziert, nur 18,1 Millionen kamen. Die Kosten betrugen 3,5 Milliarden D-Mark, hinzu kamen etwa 7,7 Milliarden Euro Infrastrukturinvestitionen. Für Steuerzahler blieb ein Minus von rund 1,1 Milliarden D-Mark. Die hohen Eintrittspreise (69 D-Mark, heute etwa 55 Euro) hemmten die Besucherzahlen. Ein unzureichendes Marketing-Konzept hemmte die Vermittlung der inhaltlichen Vision.</p>
<p>Der niederländische Pavillon verrottete für Jahre mit Stacheldraht-Zäunen und Warnschild. Viele Pavillons wurden zu Relikte eines Festivals, das schneller verblasste, als seine Initiatoren sich erhofften. Der Erfolg der Nachnutzung wird mit 85 Prozent behauptet, doch lange Zeiten der Leerstände und fehlender Investment zeigen, dass reversible Architektur nicht automatisch reversible Nutzungsfähigkeit garantiert.</p>
<p>Das PwC-Gutachten für Berlin bescheinigt der Expo 2035 ein Umsatzpotential von 2,1 Milliarden Euro und einen gesamtwirtschaftlichen Wachstumseffekt im zweistelligen Milliardenbereich. Solche Prognosen erinnern handlich an die Hannover-Szenarien. In Berlin wird Besonnenheit verlangt: nicht Euphorie über potentielle Milliarden, sondern kritisches Hinterfragen der realistischen Nachnutzungskonzepte.</p>
<h2>Dezentralität als Risiko: Die Gouvernance-Frage</h2>
<p>Ein dezentrales Konzept bringt Koordinationsprobleme mit sich, die bei klassischen Expos durch einheitliche Organisationen gelöst werden. Wie synchronisiert man internationale Gelände in Tegel und Tempelhof? Wie garantiert man Qualitätsstandards in 100 Kiezlaboren gleichzeitig? Wie verhindert man, dass einige Standorte zu Tagesausflugzielen herabsinken, während andere prekär bleiben?</p>
<p>Die Initiative spricht vom Münchner Ansatz, von schnellerer Bürokratie durch Expomedium. Das ist ein begründeter Optimismus. Berlins Planungsapparat hält jedoch oft Märkisches Schlendrian parat. Die Sicherung von Konsistenz über Dezentralität hinweg ist in dieser Hinsicht keine architektonische, sondern eine politische Aufgabe, und dort zeigt sich Berlin häufig schwächer als Hannover damals.</p>
<h2>Nachhaltigkeit als Marketing-Instrument?</h2>
<p>Das zentrale Versprechen lautet: Die Expo 2035 macht Berlin zur ersten Weltausstellung der Nachhaltigkeit. Die Nachhaltigkeitsziele der UN sollen Leitlinie sein. Photovoltaik-Hüllen, adaptive Fassaden, begrünte Dachlandschaften, digitale Steuerungssysteme werden in den Visualisierungen propagiert. Das ist nicht falsch, es ist aber auch nicht neu. Jede moderne Expo läuft unter dieser Fahne.</p>
<p>Das Problem liegt in der Transformation von Versprechen zu Realität. Die moderaten Visualisierungen zeigen smarte Architektur. Die Realität wird zeigen, ob sich Kiezlabore für urbane Landwirtschaft nach drei Jahrzehnten umgestalten lassen oder ob sie zu sozialen Ruinen der Unter- und Mittelschicht verkommen. Die reversible Architektur ist Material. Die reversible Ökonomie, ob ein Modelllabor für Energienetze 2040 noch relevant ist, ist eine andere Frage.</p>
<h2>Zum Tegel-Effekt: Großgelände und ihre Lasten</h2>
<p>Tempelhof und Tegel sind paradigmatische Berliner Räume: Orte von erodierten Industrietraditionen, ehemaligen Flughafen-Funktionen, von Parkflächen und Kulturpiraterie, von Squatter-Szenen und Gentrificationsdruck. Sie als Expo-Satelliten zu nutzen, ist zwar plausibel. Es wirft aber auch Fragen zur Kapitalisierung dieser Orte auf. Werden die geplanten Nebenzentren Katalysatoren für nachhaltige Nachnutzung oder Trojanische Pferde für spekulative Stadtentwicklung?</p>
<p>Hier unterscheidet sich die Berliner Realität signifikant von norddeutschen Konzepten. Berlin ist teuer geworden, verdrängt rasch, und die Abgrenzung zwischen Participatory Design und Investment-Aktivierung verwischt sich im Laufe von zehn Jahren schnell.</p>
<h2>Finanzierung: Wer zahlt die Kosten?</h2>
<p>Die Expo-Initiative spricht von 2,5 Millionen Euro Startkapital bis Jahresende, kombiniert mit öffentlichen Mitteln, privaten Partnerschaften und internationalen Kooperationen. Die Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey hat ein größeres Sequencing vorgeschlagen: eine Internationale Bauausstellung 2034, die Expo 2035, das 800. Stadtjubiläum 2037, eine mögliche Olympia-Bewerbung 2040. Das wirkt koordiniert, ambitioniert, und teuer.</p>
<p>Realistische Kostenrechnungen sind nicht veröffentlicht. Wenn Berlin in zehn Jahren rund 7,7 bis 10 Milliarden Euro in dezentralisierte Expo-Infrastruktur investiert, bedeutet das Prioritäten, die anderen Bereichen fehlen: Schulbau, Wohnungsneubau, Verkehrsverlagerung. Die Finanzierungsfrage ist nicht architektonisch, sie ist strategisch.</p>
<h2>Chancen trotz Herausforderungen</h2>
<p>Nicht alles ist Kritik. Das Konzept hat Qualitäten, die traditionelle Expos nicht haben:</p>
<p>Das dezentralisierte Modell kann Stadtquartiere stärken, ohne Enklaven zu schaffen. Die Planung über zehn Jahre erlaubt Experimentieren und Kalibrierung. Die Sichtbarmachung von Nachhaltigkeit als Transformationsprozess statt als abgeschlossene Show ist konzeptionell anspruchsvoller als frühere Weltausstellungen. Die Kiez-Labs könnten als dauerhafte Stadtlaboratorien fortbestehen.</p>
<p>Besonders faszinierend ist die kulturelle Dimension: Berlin als Stadt ohne klares Zentrum nutzt die Dezentralität nicht als Schwachstelle, sondern als Identität. Das Konzept hält Potential, neue Standards für zukünftige Weltausstellungen zu setzen, und damit Vorbild zu sein für dezentralisierte, partizipative Urbane Transformation.</p>
<h2>Die große Frage</h2>
<p>Die Expo 2035 wird sich letztlich an einer einzigen Frage entscheiden: Wird sie ein Beschleuniger für eine echte urbane Nachhaltigkeitstransformation sein, oder ein Etikett für spekulative Infrastruktur-Investitionen?</p>
<p>Berlin entscheidet 2026 über die Bewerbung. Der Abstimmungsprozess der BIE-Mitgliedstaaten erfolgt wahrscheinlich 2027. Bis dahin gibt es Zeit, aus Hannover zu lernen, realistische Finanzierungsmodelle zu entwickeln und die Dezentralität nicht nur als architektonisches Konzept, sondern als gelebte Gouvernance-Struktur auszuarbeiten.</p>
<p>Das Konzept ist mutig. Das ist die Stärke und das Risiko zugleich.</p>
<hr />
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/expo-2035-berlins-riskantes-milliardenspiel/">Expo 2035: Berlins riskantes Milliardenspiel</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<item>
		<title>Das Dragonerareal: Ein Labor für die Stadt von morgen – oder nur ein teures Versprechen?</title>
		<link>https://baukunst.art/das-dragonerareal-ein-labor-fuer-die-stadt-von-morgen-oder-nur-ein-teures-versprechen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2025 13:47:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Dragonerareal]]></category>
		<category><![CDATA[Holz-Hybridbau]]></category>
		<category><![CDATA[kooperative Stadtentwicklung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14327</guid>

					<description><![CDATA[<p>Berlin-Kreuzbergs Dragonerareal wird zum Labor für kooperative Stadtentwicklung – doch wie viel Modell steckt wirklich im Modellprojekt?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-dragonerareal-ein-labor-fuer-die-stadt-von-morgen-oder-nur-ein-teures-versprechen/">Das Dragonerareal: Ein Labor für die Stadt von morgen – oder nur ein teures Versprechen?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wellblech-Chic und Holz-Hybrid: Das Dragonerareal als Berlins kooperatives Experiment</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Dragonerareal in Berlin-Kreuzberg ist seit Jahren ein Symbol für den Kampf um gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung. Nach der Rückkaufaktion des Landes Berlin 2018 und der Abwendung einer Privatisierung sollte das 4,7 Hektar große Gelände am Mehringdamm zum Vorzeigeprojekt für kooperative Planung werden. Doch wie viel Innovation und wie viel Kompromiss stecken wirklich in diesem Modellprojekt?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kooperative Stadtentwicklung zwischen Anspruch und Realität</strong> Das Dragonerareal wird als „gemeinwohlorientiert und kooperativ“ beworben – ein Quartier, das bezahlbaren Wohnraum, Gewerbeflächen, soziale Einrichtungen und partizipative Prozesse vereint. Die Kooperationsvereinbarung von 2019 zwischen Verwaltung, landeseigenen Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren unterstreicht diesen Anspruch. Regelmäßige Foren, Werkstätten und Arbeitsgruppen sollen die Stadtgesellschaft aktiv einbinden. Doch die Realität zeigt: Trotz aller Beteiligungsformate bleibt die Transparenz oft auf der Strecke. So wurden etwa Grundrisse der geplanten Wohngebäude nicht veröffentlicht, und ein Juryprotokoll für die Auswahl der Architekturbüros war nicht einsehbar. Kritikerinnen und Kritiker bemängeln, dass zentrale Entscheidungen hinter verschlossenen Türen fallen – ein Widerspruch zum Modellcharakter des Projekts.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Architektonische Einheitlichkeit statt Vielfalt?</strong> Die ersten Entwürfe für das Baufeld Süd sind entschieden: Fünf Wohngebäude mit rund 240 Wohnungen, alle als Holz-Hybridbauten konzipiert. Die Gewinnerentwürfe von &amp;MICA und Kaden+ setzen auf Wellblechfassaden, vorvergrautes Holz und eine Farbpalette aus zarten Gelb- und Grüntönen. Doch die Ähnlichkeit der Entwürfe wirft Fragen auf: Statt architektonischer Vielfalt dominiert ein einheitliches Erscheinungsbild, das bereits als „Wellblech-Chic für Kreuzberg“ titelt wurde. Die Jury betont zwar die Qualität der robusten Materialien, doch bleibt unklar, ob diese Einheitlichkeit der angestrebten urbanen Mischung gerecht wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachhaltigkeit als Standard oder Alibi?</strong> Das Dragonerareal soll ein Pilotprojekt für klimafreundlichen Städtebau sein. Die geplante Holz-Hybridbauweise bindet CO₂ und reduziert den Materialverbrauch – ein wichtiger Schritt für Berlins Klimaziele. Doch während die ökologischen Ambitionen gelobt werden, fehlt es an konkreten Daten zur langfristigen Sozial- und Umweltverträglichkeit. Zudem verzögert sich der Baubeginn: Statt 2025 soll nun 2027 mit dem Hochbau begonnen werden. Die Finanzierung des geplanten Gewerbehof-Riegels, ein zentrales Element für lokale Handwerksbetriebe, ist weiterhin ungesichert. Hier zeigt sich, dass Nachhaltigkeit nicht nur eine Frage der Bauweise, sondern auch der langfristigen Planungssicherheit ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Lokale Akteure zwischen Mitgestaltung und Machtlosigkeit</strong> Die Geschichte des Dragonerareals ist geprägt von zivilgesellschaftlichem Widerstand. Initiativen wie das „Forum Rathausblock“ oder das „Vernetzungstreffen der Initiativen“ haben maßgeblich dazu beigetragen, dass das Gelände nicht privatisiert wurde. Doch trotz ihrer Einbindung in Gremien und Arbeitsgruppen fühlen sich viele Akteurinnen und Akteure übergangen. „Es läuft nicht alles rund auf dem Dragonerareal“, fasst es eine Vertreterin der Naturfreunde zusammen. Die Sorge: Das Modellprojekt könnte an einem Punkt angelangt sein, an dem Kooperation durch Kosten- und Zeitdruck ersetzt wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit: Ein Modellprojekt mit Fragezeichen</strong> Das Dragonerareal bleibt ein spannendes Experiment – nicht nur für Berlin, sondern für die gesamte Debatte um kooperative Stadtentwicklung. Doch zwischen ambitionierten Zielen, architektonischer Einheitlichkeit und bürokratischen Hürden wird deutlich: Ein echtes Modellprojekt braucht mehr als nur Wellblech und Holz. Es braucht Transparenz, echte Partizipation und die Bereitschaft, auch unangenehme Fragen zu stellen. Ob das Dragonerareal diesen Ansprüchen gerecht wird, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.</p>
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		<title>Berlins Betonriese: Wie der Bierpinsel zum Symbol politischen Versagens wurde</title>
		<link>https://baukunst.art/berlins-betonriese-wie-der-bierpinsel-zum-symbol-politischen-versagens-wurde/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 08:20:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin-Steglitz]]></category>
		<category><![CDATA[Bierpinsel]]></category>
		<category><![CDATA[Leerstandsnutzung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Bierpinsel steht seit Jahren leer. Aktivistinnen und Aktivisten fordern jetzt eine gemeinschaftliche Nutzung für das Wahrzeichen Berlins – ein Sinnbild für die Hauptstadtdebatten.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Turm sucht seine Bestimmung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der 46 Meter hohe Bierpinsel am U-Bahnhof Schlossstraße gehört zu Berlins markantesten Bauwerken der Spätmoderne. Das technoide Turmgebäude, entworfen vom Architektenpaar Ursulina Schüler-Witte und Ralf Schüler, prägt seit fast fünf Jahrzehnten die Silhouette Steglitz-Zehlendorfs. Die jüngste Besetzung durch Aktivistinnen und Aktivisten wirft erneut die Frage auf: Wie geht Berlin mit seinen architektonischen Ikonen um?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Forderung ‚Bierpinsel für alle&#8216; trifft den Nerv einer Stadtgesellschaft, die zunehmend um bezahlbare Räume und öffentliche Orte ringt. Der Turm steht exemplarisch für eine spezifisch Berliner Problematik: prominente Leerstände bei gleichzeitigem Raummangel. Während andere Metropolen ihre modernistischen Wahrzeichen längst revitalisiert haben, verharrt der Bierpinsel seit 2002 in einer Art Dornröschenschlaf.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Berliner Baugeschichte in Beton</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entstehungsgeschichte des Bierpinsels liest sich wie ein typisch Berliner Baubericht: ambitioniert gestartet, von Komplikationen durchzogen, letztlich doch realisiert. Bereits während der Bauphase sprangen zwei Investoren ab – ein Vorgang, der in der heutigen Hauptstadtentwicklung fast prophetisch wirkt. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft BEWOGE musste einspringen, um das Projekt zu retten. 27 elf Meter tiefe Betonpfähle und eine drei Meter dicke Fundamentplatte zeugen noch heute vom konstruktiven Aufwand, der für diesen expressiven Bau betrieben wurde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektin und der Architekt schufen mit dem Bierpinsel ein Werk, das die West-Berliner Stadtlandschaft der 1970er Jahre perfekt verkörpert: selbstbewusst, experimentell und an verkehrstechnischen Knotenpunkten positioniert. Die Lage am Kreuzungspunkt zweier U-Bahnlinien war programmatisch – hier sollte urbanes Leben pulsieren. Dass die ursprünglich geplante gastronomische Nutzung nie dauerhaft funktionierte, macht den Bau zu einem melancholischen Monument gescheiterter Urbanitätsvisionen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Denkmalschutz als Chance und Hindernis</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der denkmalgeschützte Status des Bierpinsels spiegelt eine klassische Berliner Paradoxie wider: Einerseits würdigt er die architektonische Bedeutung, andererseits erschwert er pragmatische Nutzungskonzepte. Der aktuelle Eigentümer, seit 2021 im Besitz des Turms, argumentiert mit den Auflagen von Denkmal- und Brandschutz, die einer Revitalisierung im Wege stünden. Diese Argumentation ist in Berlin wohlbekannt – sie begleitet nahezu jedes größere Sanierungsvorhaben der Stadt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Berliner Denkmalpflege steht dabei vor der Herausforderung, zwischen Bewahrung und Entwicklung zu vermitteln. Während in München oder Hamburg ähnliche Objekte oft mit erheblichen öffentlichen Mitteln saniert werden, fehlt in Berlin häufig sowohl das Geld als auch der politische Wille für solche Großprojekte. Die Folge: jahrzehntelange Leerstände, die zu städtebaulichen Wunden werden.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Steglitz-Zehlendorf: Zwischen Tradition und Transformation</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf verkörpert wie kaum ein anderer die Widersprüche Berlins. Einerseits gilt er als bürgerlich-konservativ, andererseits beherbergt er mit dem Bierpinsel eines der radikalsten Architekturexperimente der Stadt. Die Forderung nach einer gemeinschaftlichen Nutzung trifft hier auf eine Bevölkerung, die durchaus offen für kulturelle Experimente ist – sofern sie geordnet ablaufen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die lokale Situation am Standort ist symptomatisch für viele Berliner Kieze: Die Schlossstraße als traditionelle Einkaufsmeile kämpft mit Leerständen und Bedeutungsverlust, gleichzeitig fehlen bezahlbare Wohnungen und niedrigschwellige Kulturangebote. Der Bierpinsel könnte hier als Katalysator wirken – vorausgesetzt, es gelingt, die verschiedenen Interessengruppen zusammenzubringen. Die Bezirkspolitik steht vor der Aufgabe, zwischen Investoreninteressen, Denkmalschutz und zivilgesellschaftlichen Forderungen zu vermitteln.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Berliner Modell für kreative Zwischennutzung?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Berlin hat in der Vergangenheit bewiesen, dass kreative Zwischennutzungen funktionieren können. Vom RAW-Gelände bis zum Holzmarkt haben temporäre Projekte oft den Weg für dauerhafte Lösungen geebnet. Der Bierpinsel böte sich geradezu an für ein solches Experiment. Die robuste Betonkonstruktion könnte verschiedenste Nutzungen aufnehmen: von Ateliers über Co-Working-Spaces bis zu soziokulturellen Zentren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Aktivistinnen und Aktivisten haben mit ihrer Aktion einen wichtigen Impuls gesetzt. Ihre Vision eines ‚Bierpinsels für alle&#8216; knüpft an die beste Berliner Tradition der Aneignung und Transformation von Stadträumen an. Gleichzeitig müssen solche Konzepte heute auch wirtschaftlich tragfähig sein – eine Herausforderung, die in Zeiten knapper öffentlicher Kassen nicht unterschätzt werden darf.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Ein Testfall für Berlins Umgang mit der Moderne</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bierpinsel ist mehr als nur ein leerstehendes Gebäude – er ist ein Testfall für Berlins Umgang mit seinem architektonischen Erbe der Nachkriegsmoderne. Die Stadt muss zeigen, ob sie in der Lage ist, solche Ikonen nicht nur zu bewahren, sondern auch mit neuem Leben zu füllen. Die tomatenrote Eternitverkleidung mag verblichen sein, ersetzt durch poppige Graffiti, die ebenfalls schon wieder verblassen – doch die Substanz des Bauwerks ist intakt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was es braucht, ist eine spezifisch Berliner Lösung: pragmatisch und visionär zugleich, mit Raum für Experimente und dennoch verlässlich finanziert. Die Landesbauordnung Berlin bietet durchaus Spielräume für innovative Nutzungskonzepte, die es zu nutzen gilt. Der Bierpinsel könnte zum Modellprojekt werden für eine neue Form der Stadtentwicklung, die Denkmalschutz, soziale Bedürfnisse und wirtschaftliche Realitäten zusammendenkt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Diskussion um den Bierpinsel zeigt: Berlin muss endlich eine Strategie für seine zahlreichen Leerstandsikonen entwickeln. Andere Städte wie Leipzig oder Dresden haben vorgemacht, wie aus problematischen Erbschaften lebendige Orte werden können. Es wäre an der Zeit, dass auch die Hauptstadt ihre spezifischen Potenziale nutzt – und der Bierpinsel könnte der Anfang sein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Poldern statt Pöbeln: Holländische Hippie-Architekten entern Mitte</title>
		<link>https://baukunst.art/poldern-statt-poebeln-hollaendische-hippie-architekten-entern-mitte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 08:06:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsch-Niederländische Planungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Regionale Transformation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>De Zwarte Hond bringt mit "Optimistic Activism" niederländische Planungsphilosophie ins Aedes – ein Lehrstück für grenzüberschreitende Architekturkultur.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom Polder zum Preußenpark</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn am kommenden Freitag im Berliner Aedes Architekturforum die Ausstellung &#8222;Optimistic Activism Architecture, Urbanism and the Power of Generosity&#8220; eröffnet, markiert dies mehr als nur eine weitere Werkschau eines renommierten Büros. De Zwarte Hond, vor vier Jahrzehnten in Groningen gegründet, präsentiert sich als Bewegung, die bewusst über nationale Grenzen hinweg agiert – mit Standorten in Rotterdam, Köln und Berlin hat sich das heute über 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter starke Kollektiv längst als deutsch-niederländischer Brückenbauer etabliert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wahl des Ausstellungsortes ist dabei alles andere als zufällig. Berlin, mit seiner fragmentierten Stadtstruktur und den ungezähmten Brachen, bietet einen spannenden Kontrast zur durchgeplanten niederländischen Polderlandschaft. Hier, wo städtebauliche Experimente auf preußische Bauordnungen treffen, entfaltet sich die Relevanz der &#8222;großzügigen&#8220; Planungsphilosophie von De Zwarte Hond besonders deutlich.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Großzügigkeit als Gegengift zur Verdichtungshysterie</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Begriff der Großzügigkeit, den die Architektinnen und Architekten ins Zentrum ihrer Arbeit stellen, wirkt in Zeiten maximaler Nachverdichtung fast schon subversiv. Während in deutschen Metropolregionen jeder Quadratmeter umkämpft ist und Landesbauordnungen immer neue Mindeststandards definieren, plädiert De Zwarte Hond für räumliche und soziale Qualität jenseits bloßer Effizienzkriterien. Diese Haltung ist tief in der niederländischen Planungskultur verwurzelt, wo konsensorientierte Verfahren und integrative Konzepte eine lange Tradition haben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ellen Schindler und Matthias Rottmann, die das Büro bei der Vernissage vertreten werden, verkörpern diese grenzüberschreitende Arbeitsweise. Schindlers Engagement für baukulturelle Bildung, manifestiert in der Graphic Novel &#8222;METRO O1O&#8220; über Rotterdams Stadtgeschichte, zeigt exemplarisch, wie niederländische Vermittlungskonzepte auch für deutsche Kontexte fruchtbar gemacht werden können. Das Buch, kostenlos an Rotterdamer Schulen verteilt, könnte durchaus als Blaupause für ähnliche Initiativen in Berlin oder Köln dienen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Übersetzungsleistungen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die in der Ausstellung präsentierten Projekte – vom Wohnquartier Grunobuurt über das multifunktionale Superhub bis zum Bahnhof in Assen – mögen auf den ersten Blick typisch niederländisch erscheinen. Doch der zweite Blick offenbart Prinzipien, die sich durchaus auf deutsche Verhältnisse übertragen lassen. Das Superhub etwa, eine Kombination aus Einkaufszentrum und Gemeindehaus, antwortet auf Herausforderungen peripherer Lagen, wie sie auch in ostdeutschen Plattenbausiedlungen oder westdeutschen Großwohnsiedlungen der 1960er Jahre anzutreffen sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders interessant wird es, wenn man die Arbeitsweise von De Zwarte Hond mit regionalen deutschen Planungskulturen kontrastiert. Während in Bayern die kommunale Planungshoheit sakrosankt ist und in Nordrhein-Westfalen die Internationale Bauausstellung als Format regionaler Entwicklung gepflegt wird, bringen die Niederländerinnen und Niederländer ihre eigene Tradition des &#8222;Poldern&#8220; mit – jenes konsensorientierten Verhandelns, das in den Niederlanden überlebenswichtig war und ist.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Köln als Labor</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kölner Dependance von De Zwarte Hond fungiert dabei als besonders spannendes Labor für diese Kulturtransfers. Die rheinische Metropole mit ihrer eigenwilligen Mischung aus römischem Erbe, mittelalterlicher Kleinteiligkeit und Nachkriegsmoderne bietet ideale Bedingungen für Experimente mit &#8222;optimistischem Aktivismus&#8220;. Hier treffen niederländische Pragmatik auf rheinische Gelassenheit, Poldermentalität auf kölschen Klüngel.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das aktuelle Projekt in Grevenbroich, die Transformation des Frimmersdorf Kraftwerks, zeigt exemplarisch, wie De Zwarte Hond regionale Transformationsprozesse begleitet. Im rheinischen Braunkohlerevier, wo der Strukturwandel nicht nur räumliche, sondern auch identitätsstiftende Dimensionen hat, entwickeln sie Strategien, die über bloße Flächenkonversion hinausgehen. Die Integration von Stadtstrategie, Masterplanung und Freiraumgestaltung folgt dabei einem ganzheitlichen Ansatz, der in deutschen Planungsbüros oft an disziplinären Grenzen scheitert.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Berliner Realitäten</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Berlin wiederum, wo De Zwarte Hond ebenfalls präsent ist, treffen sie auf eine Planungskultur, die zwischen Bestandsschutz und Wachstumsdruck oszilliert. Die Berliner Bauordnung mit ihren spezifischen Anforderungen an Brandschutz und Barrierefreiheit, die fragmentierte Eigentümerstruktur und die politisch aufgeladene Wohnungsfrage schaffen einen Kontext, der sich fundamental von der niederländischen Situation unterscheidet. Dennoch – oder gerade deshalb – können die Impulse aus Groningen und Rotterdam hier besonders produktiv wirken.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung im Aedes, kuratiert in Zusammenarbeit mit der Stiftung Berliner Leben, wird diese Transferleistungen hoffentlich sichtbar machen. Die zweigliedrige Struktur – &#8222;How&#8220; und &#8222;What&#8220; – verspricht dabei mehr als nur Projektpornografie. Wenn die kollaborative Arbeitsweise mittels Filmen und Diagrammen transparent gemacht wird, könnte dies durchaus Impulse für die oft noch hierarchisch organisierten deutschen Büros liefern.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Grenzüberschreitende Baukultur</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">De Zwarte Honds &#8222;optimistischer Aktivismus&#8220; kommt zur rechten Zeit. In einer Phase, in der die Europäische Union mit dem New European Bauhaus kulturelle und klimatische Transformation zusammendenkt, in der grenzüberschreitende Metropolregionen wie die Euregio Rhein-Maas neue Governance-Modelle erproben, braucht es Akteure, die national tradierte Planungskulturen produktiv irritieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob die &#8222;Power of Generosity&#8220; allerdings in deutschen Kommunen mit klammen Kassen und unter dem Druck von Wohnungsnot und Klimaanpassung tatsächlich Resonanz findet, bleibt abzuwarten. Die Ausstellung im Aedes bietet jedenfalls Gelegenheit, diese Fragen zu diskutieren – idealerweise mit jenem &#8222;Raum für Diskussion, Experiment und kollektives Lernen&#8220;, den De Zwarte Hond propagiert.</p>
<h2 class="text-xl font-bold text-text-100 mt-1 -mb-0.5">Veranstaltungsinformationen</h2>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>AUSSTELLUNG</strong> &#8222;Optimistic Activism Architecture, Urbanism and the Power of Generosity&#8220; De Zwarte Hond</p>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>WANN</strong> Vernissage: Freitag, 24. Oktober 2025, 18:30 Uhr Ausstellungsdauer: 25. Oktober bis 3. Dezember 2025</p>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>WO</strong> Aedes Architekturforum Christinenstraße 18-19 10119 Berlin-Mitte</p>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>ERÖFFNUNG</strong> Sprechen werden:</p>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-2.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words">Hans-Jürgen Commerell und Mathias Schnell (Aedes)</li>
<li class="whitespace-normal break-words">Anne Schmedding (Stiftung Berliner Leben)</li>
<li class="whitespace-normal break-words">Ellen Schindler und Matthias Rottmann (De Zwarte Hond)</li>
</ul>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>WEITERE INFORMATIONEN</strong> <a class="underline" href="http://www.aedes-arc.de/" target="_blank" rel="noopener">www.aedes-arc.de</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/poldern-statt-poebeln-hollaendische-hippie-architekten-entern-mitte/">Poldern statt Pöbeln: Holländische Hippie-Architekten entern Mitte</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Drama vom Kurfürstendamm: Wenn Träume zu Baustellen werden</title>
		<link>https://baukunst.art/das-drama-vom-kurfuerstendamm-wenn-traeume-zu-baustellen-werden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Sep 2025 10:05:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin-Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Immobilienrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Restrukturierung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13367</guid>

					<description><![CDATA[<p>Frankfurter Richter stoppen britischen Sanierungsplan für Berliner Prestigebau "Fürst" - ein Präzedenzfall mit weitreichenden Konsequenzen für internationale Immobilienprojekte.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-drama-vom-kurfuerstendamm-wenn-traeume-zu-baustellen-werden/">Das Drama vom Kurfürstendamm: Wenn Träume zu Baustellen werden</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Berliner Baurecht im Stresstest: Das &#8222;Fürst&#8220;-Urteil und seine Folgen für die Hauptstadtarchitektur</h1>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn London nicht mehr hilft</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Landgericht Frankfurt hat mit seinem Urteil vom August 2025 nicht nur einen britischen Restrukturierungsplan gekippt – es hat auch eine Grundsatzfrage der internationalen Baufinanzierung beantwortet. Das Berliner Immobilienprojekt &#8222;Fürst&#8220; am Kurfürstendamm, einst als architektonisches Leuchtturmprojekt der Hauptstadt gefeiert, wurde ungewollt zum Testfall für die Grenzen des sogenannten Insolvenztourismus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung trifft Berlin in einer Phase, in der die Stadt ohnehin mit den Folgen einer überhitzten Immobilienentwicklung kämpft. Das &#8222;Fürst&#8220; steht dabei exemplarisch für eine Generation von Großprojekten, die in der euphorischen Phase vor der Zinswende konzipiert wurden. Auf über 100.000 Quadratmetern sollten Büros, Wohnungen und Geschäfte entstehen – ein urbaner Mikrokosmos, der den Kurfürstendamm neu definieren sollte.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Berliner Baukultur unter Druck</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hatte das Projekt ursprünglich als wichtigen Baustein für die Weiterentwicklung der City West begrüßt. Die lokale Architektenschaft sah darin eine Chance, internationale Standards mit Berliner Bautraditionen zu verbinden. Doch bereits 2023, als die geplante Fertigstellung scheiterte, mehrten sich kritische Stimmen. Die mehr als 100 Millionen Euro Kostensteigerung – ein Phänomen, das in der Hauptstadt fast schon Tradition hat – zwang die Projektentwicklerinnen und -entwickler zu kreativen Finanzierungslösungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Verlagerung des Gerichtsstands nach London mag aus Sicht der Aggregate-Gruppe strategisch nachvollziehbar gewesen sein. Aus Berliner Perspektive offenbart sie jedoch ein strukturelles Problem: Die Hauptstadt ist zwar Magnet für internationale Investoren, doch wenn es kritisch wird, suchen diese ihr Heil in fernen Jurisdiktionen. Dies untergräbt nicht nur das Vertrauen lokaler Gläubiger und Gläubigerinnen, sondern auch die Position Berlins als verlässlicher Immobilienstandort.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Besonderheiten und ihre Tücken</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Berlin unterscheidet sich in seiner Bauordnung und Planungskultur erheblich von anderen deutschen Metropolen. Die historisch gewachsene Teilung der Stadt, die unterschiedlichen Verwaltungstraditionen in Ost und West sowie die föderale Struktur mit zwölf Bezirken schaffen ein komplexes Regelwerk, das internationale Entwickler oft unterschätzen. Das &#8222;Fürst&#8220;-Projekt musste sich nicht nur mit der Berliner Bauordnung auseinandersetzen, sondern auch mit den spezifischen Anforderungen des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf, der für seine strenge Auslegung von Gestaltungsvorgaben bekannt ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kammer für Baukunst der Architektenkammer Berlin hatte bereits früh auf die Risiken hingewiesen, die mit der internationalen Finanzierungsstruktur des Projekts einhergingen. Lokale Architektinnen und Architekten kritisierten, dass bei derart komplexen Eigentümerstrukturen die städtebauliche Qualität oft auf der Strecke bleibt. Der Fall &#8222;Fürst&#8220; bestätigt diese Befürchtungen: Während über Restrukturierungen in London verhandelt wurde, stand die Baustelle am Kurfürstendamm still.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltige Stadtentwicklung in Gefahr</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders problematisch erscheint die Situation aus Sicht der nachhaltigen Stadtentwicklung. Jeder Baustopp bedeutet nicht nur wirtschaftliche Verluste, sondern auch eine Verschwendung bereits investierter Ressourcen. Die graue Energie, die in den bisherigen Bauarbeiten steckt – immerhin sind bereits 50 Prozent abgeschlossen – rechtfertigt eigentlich eine zügige Fertigstellung. Doch die Finanzierungsprobleme haben zu einer Verzögerung von mindestens drei Jahren geführt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Berliner Klimaziele, die eine klimaneutrale Hauptstadt bis 2045 vorsehen, werden durch solche Verzögerungen konterkariert. Moderne, energieeffiziente Gebäude wie das geplante &#8222;Fürst&#8220; sollten eigentlich ältere, weniger nachhaltige Strukturen ersetzen. Stattdessen blockiert eine halbfertige Baustelle wertvolle innerstädtische Fläche.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Signal gegen den Insolvenztourismus</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Frankfurter Urteil sendet ein deutliches Signal an internationale Projektentwickler: Deutsche Gerichte akzeptieren nicht mehr bedingungslos ausländische Restrukturierungspläne, die heimische Gläubigerinnen und Gläubiger benachteiligen. Für Berlin könnte dies mittelfristig positive Folgen haben. Die Hauptstadt leidet seit Jahren unter der Volatilität internationaler Immobilieninvestitionen. Projekte werden angekündigt, begonnen und dann – wenn die Marktbedingungen sich ändern – auf Eis gelegt oder durch komplexe Finanzmanöver gerettet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung stärkt insbesondere regionale Akteure wie die Kassenärztliche Vereinigung Hessen, die als Kreditgeberin aufgetreten war. Solche institutionellen Anleger aus dem deutschen Mittelstand sind oft die stabilsten Partner für Bauprojekte, werden aber bei internationalen Restrukturierungen häufig überstimmt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Perspektiven für die Berliner Bauwirtschaft</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotz des juristischen Rückschlags gibt es Hoffnung für das &#8222;Fürst&#8220;. Eine neue Investorengruppe hat bereits 150 Millionen Euro in den Weiterbau investiert, die Fertigstellung bis Ende 2026 scheint realistisch. Dies zeigt, dass der Berliner Immobilienmarkt trotz aller Turbulenzen attraktiv bleibt. Die Hauptstadt profitiert von ihrer einzigartigen Position als politisches Zentrum Deutschlands und kultureller Hotspot Europas.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Lokale Baufirmen und Handwerksbetriebe, die unter dem Baustopp gelitten haben, können aufatmen. Das Urteil könnte dazu führen, dass zukünftige Großprojekte von vornherein auf solidere finanzielle Füße gestellt werden. Die Berliner Bauverwaltung sollte dies zum Anlass nehmen, ihre Genehmigungsverfahren zu überprüfen und möglicherweise strengere Auflagen für die Finanzierungsstruktur von Großprojekten zu formulieren.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lehren für die Zukunft</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das &#8222;Fürst&#8220;-Debakel offenbart die Achillesferse der Berliner Stadtentwicklung: die Abhängigkeit von internationalem Kapital bei gleichzeitig schwacher lokaler Kontrolle. Eine Renaissance des genossenschaftlichen Wohnungsbaus oder verstärkte Beteiligung städtischer Wohnungsbaugesellschaften könnten Alternativen bieten. Hamburg macht es vor: Dort sind Großprojekte oft in lokale Strukturen eingebettet und damit krisenfester.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Berliner Architekturszene sollte das Urteil als Chance begreifen. Wenn internationale Finanzjongleure an ihre Grenzen stoßen, könnte dies Raum für nachhaltigere, lokal verankerte Entwicklungsmodelle schaffen. Die Hauptstadt braucht keine weiteren Spekulationsobjekte, sondern durchdachte, resiliente Stadtquartiere, die auch in Krisenzeiten Bestand haben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Museumsskandal in Berlin: Wie ein Möbelhändler den deutschen Kulturbetrieb vorführt</title>
		<link>https://baukunst.art/museumsskandal-in-berlin-wie-ein-moebelhaendler-den-deutschen-kulturbetrieb-vorfuehrt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Sep 2025 12:47:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Designmuseum]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Berlins Uhlandstraße probt ein Möbelunternehmer den Museumscoup: Rafael Horzons "Deutsches Design Museum" zeigt, wie die Hauptstadt kulturelle Institutionen neu denkt – frech, schnell, privat.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/museumsskandal-in-berlin-wie-ein-moebelhaendler-den-deutschen-kulturbetrieb-vorfuehrt/">Museumsskandal in Berlin: Wie ein Möbelhändler den deutschen Kulturbetrieb vorführt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Berlin probt den Museumscoup: Horzons Deutsches Design Museum als regionale Provokation</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn die Hauptstadt sich selbst zum Museum macht</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In der Berliner Uhlandstraße zwischen Kurfürstendamm und Kantstraße leuchten seit November 2024 übergroße Neonlettern: &#8222;Deutsches Design Museum&#8220;. Ein Titel, der Anspruch erhebt auf nationale Relevanz, während er gleichzeitig ein Augenzwinkern kaum verbergen kann. Rafael Horzon, Unternehmer, Autor und selbsterklärter Nicht-Künstler, hat hier auf 750 Quadratmetern das verwirklicht, was Berlin so meisterhaft beherrscht: die produktive Irritation zwischen Ernst und Ironie, zwischen Institution und Happening.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Eröffnungsausstellung trägt den bescheidenen Titel &#8222;Retrospektive Rafael Horzon: Das Gesamtwerk&#8220;. Der Museumsgründer zeigt ausschließlich eigene Arbeiten – vom legendären Stuhl 01 aus vier identischen Quadraten über Wanddekorationsobjekte aus buntem Plexiglas bis zu Lampen aus umfunktionierten Küchengeräten. Der weiche Teppichboden in den großzügigen Räumen vermittelt eine merkwürdige Mischung aus Showroom und Sakralraum. Im Museumsshop liegen Horzons Bücher neben eigens gestalteten T-Shirts. Bei der Eröffnung las Helene Hegemann, DJs legten auf, es gab Crémant und Gin-Tonic.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Hauptstadt-Provinz-Dialektik</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was hier geschieht, ist mehr als eine Einzelaktion eines exzentrischen Unternehmers. Es ist symptomatisch für die spezifische Berliner Museumslandschaft, die sich fundamental von anderen deutschen Metropolen unterscheidet. Während Frankfurt, München oder Stuttgart ihre Designmuseen als staatstragende Institutionen mit millionenschweren Etats betreiben, entstehen in Berlin kulturelle Räume aus einer anderen Logik heraus: schneller, frecher, selbstfinanziert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Berliner Kulturpolitik, deren Senator Joe Chialo explizit auf privat finanzierte Kulturorte setzt, findet in Horzons Museum eine Blaupause für zukünftige Entwicklungen. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet in Charlottenburg, dem bürgerlichen Gegenpol zum hippen Mitte, diese Institution entsteht. Nach Jahren der Gentrifizierung in den östlichen Bezirken verlagert sich die kreative Energie wieder gen Westen – eine für Berlin typische Wanderbewegung kultureller Hotspots.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die regionale Verwurzelung: Horzon produziert seine Möbel zu hundert Prozent in Berlin, liefert zu neunzig Prozent innerhalb der Stadt aus. Seine &#8222;Neue Berliner Sachlichkeit&#8220; ist nicht nur ästhetisches Programm, sondern auch wirtschaftliches Modell. Die Gläserne Fabrik in Wedding, die Showrooms in Mitte und Charlottenburg – es ist ein dezidiert lokales Imperium, das sich gleichzeitig nationale Bedeutung anmaßt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Konflikt als Konzept</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Namensgleichheit mit der seit 2011 existierenden Frankfurter &#8222;Stiftung Deutsches Design Museum&#8220; ist kein Versehen, sondern kalkulierte Provokation. Während die Frankfurterinnen und Frankfurter mit ihrer Initiative &#8222;Entdecke Design&#8220; pädagogische Bildungsarbeit leisten und ein historisches Fotoarchiv mit 40.000 Dokumenten pflegen, setzt Berlin auf radikale Subjektivität. Horzon ist Gründungsdirektor, Chefkurator und erster ausgestellter Designer in Personalunion.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Konstellation wirft fundamentale Fragen auf: Wer darf ein nationales Museum gründen? Braucht es staatliche Legitimation oder genügt unternehmerische Chuzpe? Die Berliner Antwort ist eindeutig: Einfach machen. Diese Haltung, die Horzon in seinem &#8222;Manifest der Neuen Wirklichkeit&#8220; theoretisch unterfüttert, steht exemplarisch für eine spezifisch hauptstädtische Herangehensweise an Institutionenbildung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Netzwerke und ihre Bedeutung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Horzon-Museum funktioniert nur im spezifischen Berliner Kontext. Es ist eingebettet in ein Netzwerk aus Galeristen wie Johann König, Autorinnen wie Helene Hegemann, Schriftstellern wie Christian Kracht. Dieses Milieu, das zwischen Kunstbetrieb, Literatur und Unternehmertum oszilliert, gibt es so nur in Berlin. Es ist eine Szene, die sich selbst genug ist und gleichzeitig nationale Aufmerksamkeit generiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die etablierte Berliner Museumslandschaft reagiert verhalten. Das Kunstgewerbemuseum am Kulturforum mit seiner umfassenden Designsammlung, das Werkbundarchiv – Museum der Dinge in der Leipziger Straße oder das temporäre Bauhaus-Archiv verfolgen andere, traditionellere Ansätze. Sie sammeln, bewahren, forschen nach etablierten museologischen Standards. Horzons Museum dagegen ist performativ, selbstreferenziell, gegenwärtig.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Berliner Sonderwege</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Hauptstadt hat eine lange Tradition im Erfinden eigener kultureller Formate. Vom Designpanoptikum in Prenzlauer Berg über die zahllosen Projekträume bis zu temporären Ausstellungsformaten – Berlin kultiviert eine Parallelstruktur zur offiziellen Museumslandschaft. Diese Räume sind oft kurzlebig, immer experimentell, manchmal genial.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Horzons Museum reiht sich in diese Tradition ein, hebt sie aber auf eine neue Ebene. Durch die Anmaßung des Titels &#8222;Deutsches Design Museum&#8220; beansprucht es einen Platz im kulturellen Kanon, den es sich selbst verleiht. Das Vitra Design Museum hat 2018 vier Horzon-Entwürfe für seine Sammlung angekauft – eine Art institutionelle Adelung, die der Unternehmer gleichzeitig begehrt und ironisiert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Das Museum als Unternehmen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Juni 2025 kündigt Horzon bereits die nächste Ausstellung an: eine Retrospektive des Architekten Jürgen Mayer H. Ob diese tatsächlich stattfindet oder Teil der performativen Strategie ist, bleibt abzuwarten. Das Museum funktioniert nach der Logik des Start-ups: schnell, flexibel, mit ungewissem Ausgang.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Form der Institutionenbildung könnte wegweisend sein für eine Stadt, deren öffentliche Kulturetats chronisch unterfinanziert sind. Wenn Museen zu Unternehmen werden und Unternehmer zu Museumsdirektoren, entstehen neue Formen kultureller Produktion. Ob diese nachhaltig sind oder nur ein weiteres Berliner Strohfeuer, wird sich zeigen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt, ist die produktive Verunsicherung: In einer Zeit, in der die Grenzen zwischen Kunst, Design und Kommerz ohnehin verschwimmen, schafft Horzon Fakten. Sein Museum ist gleichzeitig Realsatire und ernst gemeinte Institution, Showroom und Tempel, Provokation und Proposal. Es ist, kurz gesagt, typisch Berlin: eine Stadt, die sich permanent neu erfindet und dabei ihre eigenen Regeln schreibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Wenn Fördergelder zur Fallgrube werden: Der Berliner Journalisten-Skandal um soziale Mieten</title>
		<link>https://baukunst.art/wenn-foerdergelder-zur-fallgrube-werden-der-berliner-journalisten-skandal-um-soziale-mieten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Aug 2025 12:26:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Fördergeldskandale]]></category>
		<category><![CDATA[Mietpreisbindung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungspolitik Berlin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p> Berliner Journalisten kassierten 1,7 Mio. Euro Förderung für Haussanierung, hielten sich aber nicht an vereinbarte Sozialmieten. Jetzt klagt das Land – ein Lehrstück über Kontrollversagen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Lehrstück über Vertrauen, Verantwortung und die Tücken der Wohnraumförderung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall klingt wie aus einem schlechten Drehbuch: Eine Gruppe von Journalistinnen und Journalisten erhält 1,7 Millionen Euro öffentliche Fördergelder für die Sanierung eines Berliner Hauses – unter der klaren Bedingung, sozialverträgliche Mieten zu garantieren. Jahre später stellt sich heraus: Die Vereinbarung wurde offenbar gebrochen, die Mieten liegen deutlich über dem vereinbarten Niveau. Nun fordert das Land Berlin nicht nur die komplette Fördersumme zurück, sondern auch saftige Zinsen obendrauf. Ein Fall, der exemplarisch für die Herausforderungen der Berliner Wohnungspolitik steht und grundsätzliche Fragen zur Kontrolle öffentlicher Fördergelder aufwirft.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Anatomie eines Förder-Debakels</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Berlin kämpft seit Jahren mit einer angespannten Wohnungssituation. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat verschiedene Förderprogramme aufgelegt, um bezahlbaren Wohnraum zu erhalten und zu schaffen. Eines dieser Programme richtet sich an private Eigentümerinnen und Eigentümer, die im Gegenzug für Sanierungsförderung Mietpreis- und Belegungsbindungen akzeptieren. Ein durchaus sinnvoller Ansatz – theoretisch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im vorliegenden Fall scheint genau dieses System versagt zu haben. Die Journalistengruppe, die sich als Eigentümergemeinschaft organisiert hatte, profitierte erheblich von den öffentlichen Geldern. Die Sanierung konnte durchgeführt werden, das Gebäude wurde modernisiert. Doch die Gegenleistung – die Bereitstellung sozial verträglicher Mieten – blieb offenbar aus. Ein klassischer Fall von &#8222;Förderung kassiert, Versprechen gebrochen&#8220;?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Berliner Besonderheiten: Zwischen Gentrifizierung und Milieuschutz</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Berliner Wohnungspolitik navigiert seit Jahren zwischen verschiedenen Extremen. Einerseits die rasante Gentrifizierung ganzer Stadtteile, andererseits der verzweifelte Versuch, bezahlbaren Wohnraum zu erhalten. Die Instrumente reichen von Milieuschutzgebieten über den gescheiterten Mietendeckel bis hin zu verschiedenen Förderprogrammen. Die Länderbauordnung Berlin sieht dabei spezielle Regelungen vor, die den besonderen Herausforderungen einer Millionenmetropole Rechnung tragen sollen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Fördergelder für Modernisierungen sind dabei ein zweischneidiges Schwert. Sie ermöglichen notwendige Sanierungen, schaffen aber gleichzeitig Anreize für Eigentümer, ihre Immobilien aufzuwerten – oft zum Nachteil der bestehenden Mieterschaft. Die Bedingung sozialer Mieten soll genau diesen Effekt verhindern. Wenn diese Bedingung jedoch nicht eingehalten wird, pervertiert sich das System selbst.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die rechtliche Dimension: Rückforderung mit Zinsen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung des Landes Berlin, nicht nur die Fördersumme, sondern auch Zinsen einzuklagen, sendet ein deutliches Signal. Es geht nicht nur um die Rückabwicklung einer fehlgeschlagenen Förderung, sondern um eine Art Strafzahlung für den Vertrauensbruch. Juristisch bewegt sich das Land hier auf solidem Grund: Förderverträge enthalten in der Regel klare Rückforderungsklauseln für den Fall der Nichteinhaltung von Bedingungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessant wird die Frage der Verjährung und der Nachweisbarkeit. Wie lange wurden die Mietbindungen tatsächlich eingehalten? Ab wann wurden sie gebrochen? Und vor allem: Warum hat es so lange gedauert, bis die Verstöße auffielen? Diese Fragen werfen ein Schlaglicht auf ein strukturelles Problem der Berliner Förderpolitik: die mangelnde Kontrolle.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kontrollmechanismen: Das Versagen der Aufsicht</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die späte Entdeckung der Vertragsverletzungen offenbart ein systemisches Problem. Berlin vergibt jährlich Millionenbeträge an Fördergeldern für verschiedenste Wohnungsbauprojekte. Die Kontrolle, ob die damit verbundenen Auflagen auch eingehalten werden, scheint jedoch lückenhaft. Personal- und Ressourcenmangel in den zuständigen Behörden führen dazu, dass Verstöße oft erst Jahre später auffallen – wenn überhaupt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Andere Bundesländer haben hier durchaus fortschrittlichere Systeme etabliert. In Hamburg etwa werden geförderte Wohnungen regelmäßig stichprobenartig überprüft, in Bayern gibt es digitale Meldesysteme für Mietänderungen. Berlin hinkt hier hinterher – ein Problem, das sich angesichts des angespannten Wohnungsmarktes fatal auswirkt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die moralische Dimension: Journalisten als Gentrifizierungstreiber?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders pikant an diesem Fall ist die Berufsgruppe der Eigentümerinnen und Eigentümer. Journalisten, die sich oft als kritische Beobachter gesellschaftlicher Missstände verstehen, werden hier selbst zu Akteuren in einem System, das sie möglicherweise in ihrer beruflichen Tätigkeit kritisieren würden. Diese Ironie entbehrt nicht einer gewissen Tragik.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es stellt sich die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung. Gerade Menschen, die im öffentlichen Diskurs stehen und diesen mitgestalten, sollten sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein. Der Bruch von Fördervereinbarungen sendet ein verheerendes Signal – nicht nur rechtlich, sondern auch moralisch.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lösungsansätze: Wie Berlin aus dem Fall lernen könnte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Skandal könnte zum Katalysator für überfällige Reformen werden. Erstens braucht es eine deutliche Verschärfung der Kontrollmechanismen. Digitale Meldesysteme, regelmäßige Überprüfungen und klare Sanktionsmechanismen sind unerlässlich. Zweitens sollten die Rückforderungsklauseln von vornherein abschreckender gestaltet werden – etwa durch automatische Vertragsstrafen bei Verstößen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drittens könnte Berlin von anderen Regionen lernen. Die Wohnungsbauförderung in Baden-Württemberg etwa setzt verstärkt auf gemeinnützige Träger und Genossenschaften, bei denen die Gefahr des Missbrauchs strukturell geringer ist. Auch die Münchner Sozialgerechte Bodennutzung könnte Vorbildcharakter haben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Ein Weckruf für die Berliner Wohnungspolitik</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall der Journalisten-Eigentümergemeinschaft ist mehr als nur ein einzelner Skandal. Er steht symptomatisch für die Schwächen der Berliner Wohnraumförderung: mangelnde Kontrolle, unzureichende Sanktionen und ein System, das zu leicht ausgehebelt werden kann. Die Rückforderung der Fördergelder ist richtig und wichtig – sie darf aber nicht das Ende, sondern muss der Anfang einer grundlegenden Reform sein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Berlin braucht nicht nur mehr geförderten Wohnraum, sondern vor allem ein System, das sicherstellt, dass öffentliche Gelder tatsächlich dem öffentlichen Wohl dienen. Der aktuelle Fall sollte als Mahnung verstanden werden: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – besonders wenn es um Millionenbeträge und die soziale Frage des Wohnens geht.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wenn-foerdergelder-zur-fallgrube-werden-der-berliner-journalisten-skandal-um-soziale-mieten/">Wenn Fördergelder zur Fallgrube werden: Der Berliner Journalisten-Skandal um soziale Mieten</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Späte Erleuchtung: Berlins neue Perspektive auf DDR-Architektur</title>
		<link>https://baukunst.art/spaete-erleuchtung-berlins-neue-perspektive-auf-ddr-architektur/</link>
		
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		<pubDate>Wed, 20 Aug 2025 09:25:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[DDR-Architekturzeichnung]]></category>
		<category><![CDATA[Ostmoderne-Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Tchoban-Foundation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Berlins Tchoban Foundation zeigt DDR-Architekturzeichnungen zwischen Auftrag und Vision. Die Ausstellung "Pläne und Träume" offenbart 35 Jahre nach dem Mauerfall eine verkannte Kreativität.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ostalgie? Von wegen! Diese DDR-Pläne sind brandaktuell</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In den Planungsbüros wurde mit den weltweit üblichen Arbeitsutensilien gearbeitet. Doch was Architektinnen und Architekten der DDR daraus machten, zeigt die aktuelle Ausstellung &#8222;Pläne und Träume – Gezeichnet in der DDR&#8220; in der Tchoban Foundation als faszinierendes Spannungsfeld zwischen normierter Bauplanung und individueller Vision. Vom 24. Mai bis zum 7. September 2025 präsentiert das Museum für Architekturzeichnung in Berlin-Prenzlauer Berg über 140 Arbeiten, die eine alternative Baugeschichte der DDR erzählen – 35 Jahre nach dem Mauerfall.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die kuratorische Leistung von Wolfgang Kil und Dr. Kai Drewes beeindruckt durch ihre Vielschichtigkeit. Markante Zeichnungen, die für konkrete Bauaufgaben in unterschiedlichen Phasen der DDR-Baugeschichte entstanden, werden spannungsvoll kontrastiert mit privaten Zeichenblättern, die oft über ganz anders gelagerte Visionen und Reflexionen Auskunft geben: hier Auftragsbilder, da Wunschproduktion! Diese Gegenüberstellung offenbart eine bisher kaum beachtete Dimension ostdeutscher Architekturgeschichte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Berliner Träume auf Transparentpapier</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung dokumentiert eindrucksvoll, wie Berliner Architekturbüros trotz zentralistischer Vorgaben kreative Freiräume suchten. Lutz Brandts &#8222;Balkonträumereien 2&#8220; von 1983 steht exemplarisch für diese stille Rebellion gegen die Normierung. Während offiziell Plattenbauten das Stadtbild prägten, entstanden auf Transparentpapier fantastische Visionen urbaner Lebensräume, die erst jetzt ihre Würdigung erfahren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders erhellend sind die gezeigten Arbeiten aus dem Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) in Erkner, dem wichtigsten Archiv für ostdeutsche Architekturgeschichte. Dieter Bankerts Vogelschau des Berliner Stadtzentrums von 1976 oder Leopold Wiels Wettbewerbsbeitrag für den Dresdner Kulturpalast von 1960 zeigen eine gestalterische Ambition, die weit über die realisierten Projekte hinausging.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Besonderheiten der Hauptstadt-Moderne</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Berliner Baukultur der DDR-Zeit war geprägt von einem spezifischen Spannungsverhältnis: Als Hauptstadt musste Ost-Berlin repräsentative Staatsarchitektur hervorbringen, gleichzeitig sollte sie Modell für sozialistische Wohnkonzepte sein. Viele Zeichnungen gingen über die reine Visualisierung offizieller Bauaufträge hinaus: Sie waren Ausdruck individueller Träume, künstlerischer Reflexion und stiller Kritik.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung zeigt, wie Berliner Architekten mit dieser Doppelrolle umgingen. Während in Marzahn und Hellersdorf industrialisierte Großsiedlungen entstanden, experimentierten Planerinnen und Planer auf dem Papier mit organischen Stadtlandschaften und durchgrünten Wohnquartieren. Diese Entwürfe lesen sich heute wie Vorläufer aktueller Konzepte zur klimagerechten Stadtentwicklung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Brandenburger Verflechtungen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die regionale Dimension der Schau erstreckt sich über Berlin hinaus. Das IRS in Erkner fungierte als zentrales Planungsinstitut für die gesamte Region. Die dort archivierten Zeichnungen dokumentieren auch die Entwicklung der Brandenburger Industriestädte wie Eisenhüttenstadt oder Schwedt. Diese regionalen Verflechtungen zeigen, wie eng die Berliner Architekturszene mit dem Umland verbunden war – eine Beziehung, die nach 1990 weitgehend gekappt wurde und erst heute langsam wiederentdeckt wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Mechanismen des Vergessens und Wiederentdeckens</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Viele junge Architekt*innen seien damals mit hochgesteckten Zielen in eine Berufspraxis geraten, in der kreatives Entwerfen auf Kosten radikal technisierter Bauprozesse und Sparvorgaben ging. Diese Diskrepanz zwischen Ausbildung und Praxis, zwischen Vision und Realität, prägte eine ganze Generation von Bauschaffen­den. Dass ihre künstlerischen Ambitionen erst jetzt gewürdigt werden, hat mehrere Gründe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach 1990 dominierte in Berlin der Wunsch nach radikaler Erneuerung. DDR-Architektur galt pauschal als Manifestation eines gescheiterten Systems. Diese reflexhafte Ablehnung verhinderte lange eine differenzierte Auseinandersetzung. Hinzu kam, dass viele Architektinnen und Architekten der DDR nach der Wende ihre Büros schließen mussten oder in untergeordnete Positionen gedrängt wurden. Ihre Archive verschwanden in Kellern oder wurden entsorgt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Aktuelle Relevanz für die Metropolregion</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die späte Würdigung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Berlin und Brandenburg vor enormen städtebaulichen Herausforderungen stehen. Die Wohnungsnot zwingt zum Umdenken im Umgang mit dem Bestand. Plötzlich erscheinen DDR-Großsiedlungen nicht mehr als Abrisskan­didaten, sondern als wertvolle Ressource. Die in der Ausstellung gezeigten, nie realisierten Nachverdichtungskonzepte aus den 1980er Jahren könnten Impulse für aktuelle Planungen liefern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders brisant: Die dokumentierten Experimente mit vorgefertigten Bauelementen und industrialisiertem Bauen gewinnen angesichts des Fachkräftemangels neue Aktualität. Was damals aus ideologischen Gründen forciert wurde, könnte heute aus praktischen Erwägungen Renaissance erleben – allerdings unter völlig anderen Vorzeichen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Landesspezifische Förderung der Neubewertung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat die Bedeutung dieser Archivbestände erkannt. Mit der Förderung des IRS und verschiedener Digitalisierungsprojekte wird die Sicherung dieses kulturellen Erbes vorangetrieben. Auch die Architektenkammer Berlin engagiert sich zunehmend für die Aufarbeitung der DDR-Baugeschichte. Diese institutionelle Unterstützung war überfällig und zeigt, dass die Neubewertung kein nostalgisches Projekt Einzelner ist, sondern gesellschaftliche Relevanz besitzt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Tchoban Foundation als privat finanzierte Institution spielt dabei eine Schlüsselrolle. Sie schafft einen neutralen Raum für die Auseinandersetzung, frei von staatlichen Vorgaben oder ideologischen Prämissen. Diese Konstellation – öffentliche Archive, private Präsentation, wissenschaftliche Aufarbeitung – ermöglicht erst die differenzierte Betrachtung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein überfälliger Perspektivwechsel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Schau fragt dabei explizit: Was unterscheidet das zeichnerische Arbeiten von DDR-Architektinnen und -Architekten vom globalen Standard? Die Antwort liegt weniger in der Technik als im Kontext: Nirgendwo sonst mussten Planerinnen und Planer so konsequent zwischen offizieller Linie und persönlicher Vision navigieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung markiert einen Wendepunkt. Sie zeigt, dass die späte Würdigung kein Versäumnis war, sondern historische Notwendigkeit. Es brauchte den zeitlichen Abstand, um Propaganda von Poesie zu trennen. Es brauchte eine neue Generation von Kuratorinnen und Kuratoren ohne biografische Verstrickungen. Und es brauchte die Dringlichkeit aktueller Krisen, um den Wert des Vorhandenen zu erkennen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Berlin vollzieht damit einen wichtigen Schritt von der Verdrängung zur Integration seiner gesamten Baugeschichte. Die Frage &#8222;Wieso erst jetzt?&#8220; beantwortet sich beim Ausstellungsbesuch von selbst: Manchmal braucht es eine Generation, um Geschichte in Kultur zu verwandeln.</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ausstellungsdetails:</strong> &#8222;Pläne und Träume – Gezeichnet in der DDR&#8220; Tchoban Foundation &#8211; Museum für Architekturzeichnung Christinenstraße 18a, 10119 Berlin 24. Mai – 7. September 2025 Mo–Fr: 14–19 Uhr, Sa–So: 13–17 Uhr Eintritt: 6€ / ermäßigt 4€ <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://www.tchoban-foundation.de/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://www.tchoban-foundation.de</a></span></span></p>
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