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	<title>Regional | Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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	<title>Regional | Baukunst</title>
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		<title>Zwölf Kirchen, 106 Stimmen: Manifesta 16 Ruhr macht den Kirchenbau der Nachkriegszeit zur Bühne</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2026 16:07:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[§ 48 BauO NRW]]></category>
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		<category><![CDATA[DSchG NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Inhaltliche Tags: Manifesta 16 Ruhr]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchenumnutzung. Regelwerke: BauO NRW]]></category>
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		<category><![CDATA[SBauVO NRW]]></category>
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					<description><![CDATA[Zwölf leerstehende Kirchen, 106 Teilnehmende, 64 neue Auftragsarbeiten: Die Manifesta 16 Ruhr macht die Nachkriegsmoderne zur Bühne und das Ruhrgebiet zum Labor für Baukultur. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art </strong> |  REGIONALES | <strong>Ruhr</strong> | April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gottesdienst ohne Gott: Wie die Manifesta 16 Ruhr die Kirchen des Ruhrgebiets besetzt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Am 25. März hat die Manifesta 16 Ruhr die vollständige Teilnehmendenliste bekanntgegeben. Der Parcours durch zwölf ehemalige Nachkriegskirchen in Bochum, Duisburg, Essen und Gelsenkirchen rückt ein oft vergessenes Kapitel der Ruhrgebietsmoderne ins Zentrum.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Manifesta 16 Ruhr ist die 16. Ausgabe der europäischen Wanderbiennale für zeitgenössische Kunst und findet vom 21. Juni bis 4. Oktober 2026 in Bochum, Duisburg, Essen und Gelsenkirchen statt. Am 25. März 2026 hat das Team der Biennale in der St. Josef Kirche in Gelsenkirchen-Ückendorf die vollständige Liste der Teilnehmenden bekanntgegeben: 106 Künstlerinnen, Künstler und Kollektive aus 30 Ländern, darunter 64 neue Auftragsarbeiten, die eigens für zwölf ausgewählte Nachkriegskirchen im Ruhrgebiet entwickelt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Motto „This is not a Church“ formuliert dabei weniger eine künstlerische Pose als eine bauliche Ausgangsfrage. Unter der Leitung des katalanischen Architekten und Stadtplaners Josep Bohigas und der Manifesta-Direktorin Hedwig Fijen hat ein siebenköpfiges Kuratorinnen- und Kuratorenteam nach zweijähriger Recherche und dem Besuch von rund 200 Kirchen zwölf Veranstaltungsorte festgelegt, die gemeinsam den Parcours der Biennale bilden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Auswahl trifft einen Nerv der bundesdeutschen Baukultur. Nach Einschätzung der International Foundation Manifesta (IFM) werden in den kommenden zehn Jahren rund die Hälfte aller Kirchengebäude in Deutschland ihre sakrale Nutzung verlieren. Für ein Ruhrgebiet, dessen Nachkriegsmoderne bislang vor allem über Zechen, Hochöfen und Siedlungen erzählt wird, verschiebt die Manifesta 16 den Fokus auf ein bisher eher marginal behandeltes Kapitel: den protestantischen und katholischen Kirchenbau zwischen 1950 und 1975.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Kirchen werden bespielt und wer hat sie entworfen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die zwölf Veranstaltungsorte verteilen sich auf vier Städte und decken ein bemerkenswert breites architektonisches Spektrum ab. In Duisburg bildet die katholische Kulturkirche Liebfrauen (1958 bis 1971, Entwurf Toni Hermanns) den Ankerpunkt, eine der bedeutendsten Kirchen der Nachkriegsmoderne in der Rhein-Ruhr-Region mit einer zweigeschossigen, kubischen Struktur und einer Faltwand aus glasfaserverstärktem Plexiglas im Innenraum. In Essen stehen St. Marien in Frohnhausen (1961 bis 1963, Hans Schilling), die Markuskirche, Heilig Geist, Heilig Kreuz und St. Gertrud auf dem Programm.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gelsenkirchen bringt mit St. Josef (1894 bis 1896, Lambert von Fisenne, Sakristei 1912 von Josef Franke), St. Bonifatius (1963, Ernst von Rudloff), St. Anna Schalke-Nord (1970, Paul Günther) und der kristallin geformten Thomaskirche in Erle eine Mischung aus neogotischen und dezidiert modernen Bauten ein. Bochum schließlich vertritt mit Gethsemane (einer protestantischen Notkirche der Nachkriegszeit), Christ-König (ursprünglich für das Franziskanerkloster errichtet), St. Ludgerus in Langendreer mit seiner markanten dreieckigen Grundform und St. Anna die Bandbreite zwischen Notbau, Ordenskirche und skulpturaler Moderne.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass die meisten dieser Bauten unter Denkmalschutz nach dem Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen (DSchG NRW) stehen oder als erhaltenswerte Bausubstanz eingestuft sind, ist planungsrechtlich keine Nebensache. Jede temporäre Umnutzung als Ausstellungsort muss sich mit § 9 DSchG NRW auseinandersetzen, der für Veränderungen eine Erlaubnis der Unteren Denkmalbehörde verlangt. Auch baurechtlich sind die Konstellationen anspruchsvoll: Die Biennale bewegt sich in der Schnittmenge aus § 48 BauO NRW (Versammlungsstätten) und der Sonderbauverordnung (SBauVO NRW), ohne die zwölf Häuser dauerhaft in Versammlungsstätten umzuwidmen. Für 100 Tage Publikumsverkehr sind Flucht- und Rettungswege, Brandschutznachweise und Einbauten nach Versammlungsstättenrecht so zu konzipieren, dass sie reversibel bleiben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was sagt die Teilnehmendenliste über den Standort Ruhrgebiet?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zusammensetzung der 106 Teilnehmenden ist aus regionaler Sicht aufschlussreich. 25 Prozent der Beteiligten kommen aus Deutschland, 21 Prozent aus der Türkei und 9 Prozent aus Polen. Diese Gewichtung, so die Manifesta, spiegele die Einwanderungsgeschichte des Reviers und spanne einen Bogen von Gastarbeitergenerationen bis zu jüngeren deutsch-türkischen Positionen. Prominente Namen wie Katharina Fritsch, Alicja Kwade, Luc Tuymans, Wilhelm Sasnal, Nil Yalter, Mirosław Bałka, Judith Hopf und Pedro Cabrita Reis stehen neben Kollektiven wie SUPERFLEX, Bureau Baubotanik oder Constructlab. Gerade die Präsenz architektonisch argumentierender Gruppen wie Bureau Baubotanik und Constructlab lässt erwarten, dass ein Teil der Interventionen dezidiert baulich und räumlich gedacht ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die kuratorische Struktur folgt einem Tandem-Modell, das Hedwig Fijen anlässlich des 30. Jubiläums der Manifesta seit der ersten Ausgabe 1996 in Rotterdam eingeführt hat. Drei generationsübergreifende Paare teilen sich die Städte: Anda Rottenberg mit Krzysztof Kościuczuk in Bochum, René Block mit Leonie Herweg in Essen und Henry Meyric Hughes mit Michael Kurtz in Duisburg. Gürsoy Doğtaş verantwortet das öffentliche Programm, Josep Bohigas die städtebauliche Rahmung. Flankiert wird das Programm von „Manifesta 16+“, bei dem 16 regionale Initiativen und Projekte aus Dortmund, Herne, Mülheim an der Ruhr, Marl, Bottrop, Oberhausen sowie den vier Kernstädten eingebunden sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Getragen wird die Biennale vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, vom Regionalverband Ruhr (RVR) und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Förderpartner sind die RAG-Stiftung, die E.ON Stiftung, die Kunststiftung NRW, die Brost-Stiftung, die Stiftung Mercator und die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Die offizielle Eröffnung findet am 20. Juni 2026 auf dem Gelände der UNESCO-Welterbestätte Zeche Zollverein in Essen statt, der Besuch der Ausstellungen ist während der gesamten Laufzeit ticketfrei. Nach der Manifesta 4, die 2002 in Frankfurt am Main gastierte, ist dies erst die zweite deutsche Ausgabe der Biennale.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisch interessant ist, was nach dem 4. Oktober 2026 bleibt. Die Manifesta versteht sich ausdrücklich nicht als Blockbuster-Ausstellung, sondern als Inkubator. In Gelsenkirchen-Ückendorf hat das Projekt mit der Öffnung von St. Josef bereits vor Biennale-Beginn ein Nachbarschaftsprogramm etabliert, St. Bonifatius wurde über Urbane Künste Ruhr schon länger als Kulturort erprobt, die Kulturkirche Liebfrauen in Duisburg fungiert seit Jahren als Bürgerprojekt. Die Frage, die in allen zwölf Häusern mitläuft, ist damit weniger kuratorisch als baukulturell: Welche Nutzungsmodelle tragen eine denkmalgeschützte Nachkriegskirche dauerhaft, wenn die Sakramentalnutzung entfällt?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Baukultur in Nordrhein-Westfalen liegt genau hier der eigentliche Testfall. Die gängigen Umnutzungstypologien, Kolumbarium, Kulturzentrum, Wohnen im Kirchenschiff, sind seit zwei Jahrzehnten durchdekliniert, doch eine belastbare Systematik für die Nachnutzung protestantischer Notkirchen oder kleiner katholischer Stadtteilkirchen existiert kaum. Dass die Manifesta 16 Ruhr zwölf unterschiedliche Typologien parallel bespielt, erlaubt erstmals einen vergleichenden Blick unter realen Nutzungsbedingungen. Für die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, die beteiligten Kommunen und die Landeskirchen dürfte sich die eigentliche Diskussion daher erst am 5. Oktober 2026 beginnen, dem Tag nach der Finissage.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt ein Aspekt, der in der öffentlichen Debatte um Kirchenumnutzungen selten auftaucht: die energetische Ertüchtigung. Alle zwölf Häuser unterliegen dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) in der seit dem 1. Januar 2024 geltenden Fassung, und ihre oft einschaligen Wandkonstruktionen, großflächigen Betonglasfenster und ungedämmten Dachschalen stellen Planerinnen und Planer vor erhebliche Abwägungsfragen mit dem Denkmalrecht. Die Manifesta liefert für diese Fragen keine Antworten, aber sie schafft für 100 Tage eine öffentliche Sichtbarkeit der Bauaufgabe, die über den Kreis der Fachleute hinausreicht und damit politische Relevanz erzeugt. Mehr kann eine Kunstbiennale für die gebaute Umwelt kaum leisten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"> <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">LESERSERVICE  |  baukunst.art</strong></p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Manifesta 16 Ruhr: Besuch, Programm und Hintergrund</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Die wichtigsten Eckdaten für den Besuch, das architektonische Rahmenprogramm und weiterführende Informationen für Planerinnen und Planer.</em></p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Besuch und Öffnungszeiten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Laufzeit </strong>21. Juni bis 4. Oktober 2026 (100 Tage)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eröffnung </strong>20. Juni 2026, Zeche Zollverein Essen, UNESCO-Welterbestätte</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Standorte </strong>Zwölf ehemalige Kirchen in Bochum, Duisburg, Essen und Gelsenkirchen</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Öffnungszeiten </strong>Dienstag bis Donnerstag und Sonntag 11 bis 18 Uhr, Freitag und Samstag 11 bis 19 Uhr, Montag geschlossen (Ausnahme 22. Juni: 11 bis 18 Uhr)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eintritt </strong>Kostenfrei an allen zwölf Standorten, ebenso das vollständige Bildungs- und Vermittlungsangebot</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Veranstalter </strong>Manifesta 16 Ruhr gGmbH, Regionalverband Ruhr (RVR), Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Information <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://manifesta16.org/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://manifesta16.org</a></span></span></strong> (Newsletter, Parcours-Karte, Hintergrundtexte zu Bauten und Teilnehmenden)</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Snøhetta gewinnt Generalplanungswettbewerb für das Düsseldorfer Opernhaus</title>
		<link>https://baukunst.art/snohetta-gewinnt-generalplanungswettbewerb-fuer-das-duesseldorfer-opernhaus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2026 15:52:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Düsseldorf]]></category>
		<category><![CDATA[Opernhaus der Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[snohetta]]></category>
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					<description><![CDATA[Das norwegische Büro Snøhetta setzt sich im Generalplanungswettbewerb für das neue Düsseldorfer Opernhaus am Wehrhahn durch. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art </strong> |  REGIONALES | <strong>Düsseldorf</strong> | April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kultur, Musikschule, Bibliothek: Warum Düsseldorfs neue Oper mehr sein soll als ein Theater</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das norwegische Büro Snøhetta Oslo AS hat am 13. November 2025 den zweiphasigen Generalplanungswettbewerb für den Neubau des Düsseldorfer Opernhauses, geführt unter dem Titel „Opernhaus der Zukunft“, für sich entschieden. Der Entwurf sieht einen dreigeteilten Baukörper am Standort Am Wehrhahn 1/Oststraße 15 vor, der neben der Deutschen Oper am Rhein auch die Clara-Schumann-Musikschule und die Musikbibliothek der Stadtbüchereien Düsseldorf aufnimmt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das 25-köpfige Preisgericht unter Vorsitz des Architekten und Stadtplaners Heiner Farwick tagte am 12. und 13. November 2025 in Düsseldorf. Aus 27 Einreichungen der ersten Phase gelangten acht Arbeiten in die finale Runde. Ausgelobt hatte den Wettbewerb die städtische Immobilien Projekt Management Düsseldorf GmbH (IPM), begleitet vom Berliner Büro phase eins. Verfahrensrechtlich folgte die Ausschreibung den Vorgaben der Vergabeverordnung (VgV) sowie der Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW 2013).</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Siegerentwurf gliedert den Baukörper in drei Segmente und reagiert damit auf den dreieckigen Zuschnitt des Innenstadtblocks. Im Erdgeschoss ist ein großzügiges Forum vorgesehen, das den Neubau tagsüber als offenen Aufenthaltsort mit der Stadtgesellschaft verbinden soll. Auf rund 38.000 Quadratmetern Programmfläche entstehen ein Opernsaal mit etwa 1.300 Plätzen, Räume für die beiden Kulturinstitutionen, Flächen für allgemeine Bildungsangebote und Gastronomie. Neben Snøhetta prämierte das Preisgericht drei weitere Arbeiten: HPP Architekten GmbH aus Köln und Düsseldorf auf Platz zwei, die Arbeitsgemeinschaft aus kister scheithauer gross architekten (Köln) und STUDIO GANG ARCHITECTS, Ltd. (Chicago) auf Platz drei sowie wulf architekten aus Stuttgart auf Platz vier.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Snøhetta ist international vor allem durch das Opernhaus in Oslo (2008) und die Bibliotheca Alexandrina (2001) bekannt geworden; die Düsseldorfer Jury honorierte am Osloer Entwurf weniger eine signalhafte Geste als die sensible Verankerung im innerstädtischen Kontext. Die Pressemitteilung von Snøhetta beschreibt das Foyer als organischen, offenen Raum, der eine neue kulturelle Arena der Stadt schaffen soll. Innenräumlich dominieren geschwungene Linien und warme Farbtöne, bei deren Materialität sich in der weiteren Planung zeigen muss, wie konsequent Kreislauffähigkeit nach dem Grundsatz des Cradle-to-Cradle-Prinzips und die Anforderungen einer Zertifizierung nach der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) umgesetzt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche städtebauliche Aufgabe stellt der Standort Am Wehrhahn?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Ratsbeschluss vom 27. Juni 2024 hatte den Standort von der Heinrich-Heine-Allee an den Wehrhahn verlagert. Zugrunde lag die Insolvenz der Signa-Gruppe Ende 2023, in deren Folge die seit 2020 geschlossene Kaufhof-Filiale am Wehrhahn 1 als Grundstück verfügbar wurde. Planungsrechtlich liegt die Fläche in einem Kerngebiet nach § 7 Baunutzungsverordnung (BauNVO); die bauordnungsrechtliche Grundlage bildet § 34 Baugesetzbuch (BauGB) im Zusammenspiel mit der Landesbauordnung Nordrhein-Westfalen (BauO NRW 2018). Als Versammlungsstätte folgt das Vorhaben zusätzlich den Vorgaben der Sonderbauverordnung Nordrhein-Westfalen (SBauVO NRW), die Barrierefreiheit richtet sich nach § 49 BauO NRW.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Städtebaulich übernimmt das Projekt eine Bindegliedfunktion zwischen der Einkaufsachse Schadowstraße und dem bislang heterogenen Quartier am Wehrhahn. Der dreigeteilte Baukörper öffnet sich über das Forum zum Straßenraum und bündelt mehrere öffentliche Nutzungen unter einem Dach. Damit greift die Landeshauptstadt das Konzept des Dritten Ortes auf, das kulturelle, bildungsbezogene und gastronomische Programme überlagert. Kritische Stimmen, insbesondere aus der Linksfraktion im Düsseldorfer Stadtrat, beanstanden den geringen Begrünungsanteil und die Verschattungswirkung des kompakten Volumens. Gebäudetechnisch werden die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) und die Düsseldorfer Vorgaben zur Klimaanpassung die weitere Planung prägen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Standort profitiert von der direkten Anbindung an die 2016 eröffnete Wehrhahn-Linie der Rheinbahn, deren sechs unterirdische Haltepunkte den Stadtraum zwischen Bilk und Pempelfort neu gefasst haben. Zugleich liegt das Grundstück in unmittelbarer Nähe zu weiteren Kulturorten der Innenstadt, darunter das Schauspielhaus von Bernhard Pfau aus dem Jahr 1970. Diese Kontextualisierung unterstützt das Argument, den Neubau nicht isoliert, sondern als Bestandteil eines innerstädtischen Kulturbands zu lesen. Ob die von Snøhetta vorgeschlagene Fassadenbehandlung dem Maßstab der umgebenden Blockrandbebauung standhält, wird sich erst in der Ausarbeitungsphase zeigen; das Preisgericht hat hier ausdrücklich Hinweise zur weiteren Qualifizierung formuliert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das Vorhaben für die Planungskultur in Nordrhein-Westfalen?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Kostenziel der Landeshauptstadt liegt bei einer Milliarde Euro. Die Linksfraktion im Rat rechnet unter Einbeziehung von Grundstückskauf und Kreditfinanzierung mit rund 1,56 Milliarden Euro und fordert seit März 2025 einen Bürgerentscheid. Der Düsseldorfer Haupt- und Finanzausschuss hatte bereits im November 2024 eine Kreditaufnahme von 140,7 Millionen Euro für den Grundstückskauf beschlossen. Der Ratsbeschluss zur Beauftragung des Generalplaners ist für 2026 vorgesehen, der Ausführungs- und Finanzierungsbeschluss für 2028. Zuvor führt die IPM Vergabeverhandlungen mit allen vier ausgezeichneten Teams, um das wirtschaftlichste Angebot zu ermitteln. Die weiteren Leistungsphasen werden nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI 2021) vergeben, wobei die Komplexität des Sonderbaus eine Einstufung in die oberen Honorarzonen erwarten lässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Architekturlandschaft in Nordrhein-Westfalen ist der Wettbewerbsausgang doppelt aufschlussreich. Zum einen setzt sich ein internationales Büro gegen die rheinische und nordrhein-westfälische Konkurrenz durch, vertreten durch HPP Architekten und kister scheithauer gross. Zum anderen zeigt das Verfahren, wie stark die öffentliche Auseinandersetzung heute vom Zusammenspiel aus Baukultur, Haushaltslage und Beteiligungsansprüchen geprägt ist. Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen (AKNW) betont regelmäßig den Wert offener, zweiphasiger Wettbewerbe nach RPW 2013 als Instrument der Qualitätssicherung; das Düsseldorfer Verfahren bestätigt diesen Ansatz programmatisch. Im Vergleich mit jüngeren nordrhein-westfälischen Kulturbauten, etwa dem Dortmunder Haus der Vielfalt oder der Sanierung der Kölner Oper, bewegt sich Düsseldorf in einer Liga, die das Bundesland selten erreicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Offen bleibt die Zukunft des Altbaus an der Heinrich-Heine-Allee, eines Nachkriegsbaus aus dem Jahr 1956 nach Plänen von Julius Schulte-Frohlinde. Seine baukulturelle Bedeutung und mögliche Umnutzung stehen erst am Anfang der Debatte; denkmalrechtliche Fragen nach dem Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen (DSchG NRW) sind noch nicht verbindlich geklärt. Die Ausstellung aller 27 Wettbewerbsarbeiten im 34OST an der Oststraße 34 hat die öffentliche Diskussion bis zum 7. Dezember 2025 breiter verankert, als dies bei Projekten dieser Größenordnung sonst üblich ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob das von Stadt und Deutscher Oper am Rhein reklamierte Versprechen einer „Oper für alle“ in Budget, Programm und Architektur tatsächlich einlösbar sein wird, entscheidet sich in den kommenden Planungsphasen. Mit dem Siegerentwurf liegt zumindest eine städtebaulich präzise formulierte Antwort auf einen schwierig geschnittenen Innenstadtblock vor, deren dreifache Segmentierung dem Anspruch an Offenheit und Teilhabe baukörperlich begegnet. Das Forum als tagsüber zugängliche Arena der Stadt bleibt dabei die architektonisch riskanteste und programmatisch wichtigste Setzung des Entwurfs. Die nächsten zwölf Monate, in denen der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf über die Beauftragung des Generalplaners befindet, werden darüber entscheiden, ob aus dem Wettbewerbsergebnis ein tatsächlich errichtetes Kulturhaus wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>Das ungebaute Hamburg: Eine alternative Stadtentwicklungsgeschichte in der Freien Akademie der Künste</title>
		<link>https://baukunst.art/das-ungebaute-hamburg-eine-alternative-stadtentwicklungsgeschichte-in-der-freien-akademie-der-kuenste/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2026 15:39:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Inhaltliche Tags: Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15921</guid>

					<description><![CDATA[Hamburgs Parallelwelt: 32 geplante, aber nie gebaute Projekte zeigen, wie die Hansestadt sich ebenso durch Verwerfungen wie durch Bauten geformt hat.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art </strong> |  REGIONALES | <strong>Hamburg</strong> | April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Was Hamburg sich erspart hat: Schau in der Freien Akademie der Künste</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Hamburgische Architektenkammer und Freie Akademie der Künste zeigen 32 nie realisierte Projekte seit 1960, kuratiert von Ullrich Schwarz</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„Das ungebaute Hamburg“ ist eine gemeinsame Ausstellung der Hamburgischen Architektenkammer (HAK) und der Freien Akademie der Künste in Hamburg, die vom 18. April bis 31. Mai 2026 in der Freien Akademie am Klosterwall 23 rund 32 geplante, aber nie realisierte Hamburger Bauprojekte seit 1960 dokumentiert. Die Schau entsteht im Rahmen des Hamburger Architektursommers 2026 und fußt auf dem 2025 im Dölling und Galitz Verlag erschienenen Band von Ullrich Schwarz und der Hamburgischen Architektenkammer, der als Band 44 in der Schriftenreihe des Hamburgischen Architekturarchivs veröffentlicht wurde (608 Seiten, ISBN 978-3-96060-705-2).</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, 17. April 2026 um 18 Uhr. Es sprechen Michael Propfe (Präsident der Freien Akademie der Künste), Karin Loosen (Präsidentin der Hamburgischen Architektenkammer), Oberbaudirektor Franz Josef Höing und Kurator Ullrich Schwarz. Die Öffnungszeiten reichen von Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bereits 1991 hatte die Hamburgische Architektenkammer mit Band 4 ihrer Schriftenreihe (herausgegeben von Ulrich Höhns) unter dem Titel „Das ungebaute Hamburg. Visionen einer anderen Stadt in architektonischen Entwürfen der letzten hundertfünfzig Jahre“ einen ersten, inzwischen legendären Überblick über verworfene Entwürfe vorgelegt. Der neue Band beschränkt sich auf die Zeit seit 1960, greift dabei aber auf denselben Titel zurück: Die Fortsetzung versteht sich als Bestandsaufnahme einer Stadt, die in ihrer jüngeren Geschichte mehr verworfen als realisiert hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum legt die Architektenkammer nach 35 Jahren einen neuen Band über ungebaute Projekte vor?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort liegt in der Eigenlogik der Stadtentwicklung. Hamburgs bauliche Gestalt ist nicht nur Ergebnis dessen, was gebaut wurde, sondern mindestens ebenso stark Resultat dessen, was unterblieb. Seit dem Vorgängerband von 1991 hat die Hansestadt zentrale Transformationen durchlaufen: die HafenCity, das Bekenntnis zum Klimaschutz, der Umbau der Innenstadt, die Debatten um Olympia 2012 und 2024. Jede dieser Phasen hat eigene Entwürfe hervorgebracht, die nie über Wettbewerbsergebnisse, Konzeptstudien oder Modelle hinauskamen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kurator Ullrich Schwarz, langjähriger Beobachter der Hamburger Baukultur, und die Hamburgische Architektenkammer unter Präsidentin Karin Loosen haben 32 Vorhaben ausgewählt, die „stellvertretend für den jeweiligen Geist ihrer Zeit“ stehen. Die Bandbreite reicht vom städtebaulichen Großeingriff bis zur punktuellen Intervention. Dazu zählen der Totalabriss von St. Pauli und Ottensen, die Stadtautobahn durch die innere Stadt, die Sportanlagen für Olympia, die Verlagerung der Universität in den Hafen, das Hochhausprojekt in der HafenCity, der Transrapid, die Seilbahn über die Elbe sowie das Parkhaus unter der Binnenalster. Ergänzt werden diese Großthemen durch Einzelentwürfe wie die „Living Bridge“ über die Norderelbe von Hadi Teherani Architects, eine Gleisüberdachung des Hauptbahnhofs von Reichwald Schultz und Partner oder die zahlreichen, teils skurrilen Vorschläge für den Spielbudenplatz auf St. Pauli (etwa die Entwürfe von Blauraum Architekten und Architekten Venus aus dem Jahr 2004).</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein eigenes Gewicht erhält die Ausstellung durch das großformatige Modell des legendären St. Georg-Projekts der Neuen Heimat von 1966. Es galt damals als Musterbeispiel einer flächenhaften Sanierung nach den Leitbildern der autogerechten Stadt und steht heute als Mahnmal für eine Haltung, die mit der Novelle des Bundesbaugesetzes 1971 (später § 136 ff. BauGB, Besonderes Städtebaurecht) und dem sich wandelnden Denkmalverständnis unter den Landesdenkmalschutzgesetzen an ihr Ende kam. In Hamburg regelt dies heute das Denkmalschutzgesetz Hamburg (DSchG HH) in seiner Fassung vom 5. April 2013.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was erzählen die 32 Projekte über Hamburgs Planungskultur?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Auswahl zeigt zwei Bewegungen, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirken. Zum einen waren viele der nicht realisierten Vorhaben politisch gewollt und professionell ausgearbeitet; sie scheiterten nicht an fehlender Planung, sondern an gesellschaftlichen Widerständen, Volksbegehren, Haushaltsrestriktionen oder Regierungswechseln. Die gescheiterten Olympiabewerbungen und die Elbseilbahn sind Paradebeispiele. Zum anderen dokumentiert die Auswahl, wie sich das Verständnis dessen, was als städtebaulich angemessen gilt, innerhalb weniger Jahrzehnte grundlegend verschoben hat. Pläne, die in den 1960er Jahren als fortschrittlich galten, etwa der Flächenabriss ganzer Viertel, wären heute nach § 172 BauGB (Erhaltungssatzung) und den Vorgaben der Baunutzungsverordnung (BauNVO) in dieser Form nicht mehr genehmigungsfähig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Damit wird der Band zu einer alternativen Stadtentwicklungsgeschichte Hamburgs. Er macht sichtbar, dass Planungskultur nicht nur Ja-Sagen, sondern ebenso Nein-Sagen bedeutet. Oberbaudirektor Franz Josef Höing, der bei der Eröffnung spricht, hatte bereits mehrfach betont, dass Stadtentwicklung ohne die Bereitschaft zur Verwerfung keine Qualität erreicht. In diesem Sinne versteht sich die Ausstellung nicht als Katalog vertaner Chancen, sondern als Plädoyer für eine diskursive Planungskultur, wie sie das Baugesetzbuch mit den Beteiligungsverfahren nach §§ 3 und 4 BauGB formal vorsieht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Besucherinnen und Besucher ergibt sich daraus ein doppelter Reiz. Einerseits die Faszination dessen, was hätte sein können: Der 250 Meter hohe Gauhochhaus-Entwurf von Konstanty Gutschow für Altona aus der NS-Zeit, das bei der Langen Nacht der Museen 2026 eigens thematisiert wird, markiert eine Vision totalitärer Stadtfigur, die man heute nur mit Schaudern betrachten kann. Andererseits der nüchterne Blick auf Vorhaben, deren Nichtrealisierung sich als Glücksfall erwiesen hat. „Nicht zu bauen kann eine Tugend sein“, heißt es dazu in der Ankündigung der Freien Akademie der Künste.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kooperation der beiden Trägerinstitutionen ist dabei mehr als eine organisatorische Konstellation. Die Hamburgische Architektenkammer verantwortet über ihr Architekturarchiv die fachliche Aufarbeitung, die Freie Akademie der Künste bringt die kulturelle Einbettung in den Hamburger Kunstdiskurs. Parallel zur Ausstellung läuft dort die Reihe „Weiterbauen. Nachnutzungskonzepte denkmalgeschützter Bauten“, eine Vor-Ort-Veranstaltungsreihe gemeinsam mit dem BDA Hamburg und dem Denkmalschutzamt Hamburg. Beide Formate ergänzen sich: Das Ungebaute und das Weiterzubauende bilden zwei Seiten derselben Frage nach der Substanz einer Stadt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die überregionale Leserschaft lohnt sich der Blick nach Hamburg vor allem dort, wo sich die Parallelen zu anderen DACH-Metropolen auftun. München, Berlin und Wien verfügen über vergleichbar dichte Archive ungebauter Projekte, doch nur selten werden sie systematisch ausgewertet. Die Hamburgische Architektenkammer setzt mit dem Band 44 ihrer Schriftenreihe einen Standard, an dem sich andere Landesarchitektenkammern orientieren können. Die Publikation ist, so formuliert es das Hamburger Abendblatt, mehr als ein Album spektakulärer Entwürfe: Sie beleuchtet die wirtschaftlichen und zeitgeistigen Rahmenbedingungen jener Projekte, die manche verhinderten und andere ermöglichten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt, ist ein klares Bild: Hamburgs Stadtgestalt hat sich durch Verwerfungen ebenso sehr geformt wie durch Bauten. Wer nach dem 31. Mai 2026 durch die Hansestadt geht, sieht nicht nur, was steht, sondern auch, was hätte stehen können.</p>
<hr />
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eckdaten der Ausstellung</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Titel </strong>Das ungebaute Hamburg. Visionen einer anderen Stadt. Entwürfe von 1960 bis heute</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Träger </strong>Hamburgische Architektenkammer (HAK) und Freie Akademie der Künste in Hamburg</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kurator </strong>Ullrich Schwarz</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ort </strong>Freie Akademie der Künste, Klosterwall 23, 20095 Hamburg</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eröffnung </strong>Freitag, 17. April 2026, 18 Uhr</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Laufzeit </strong>18. April bis 31. Mai 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Öffnungszeiten </strong>Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Rahmen </strong>Hamburger Architektursommer 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Meisterhaft saniert: Das Konzerthaus am Kieler Schloss, ein Bau der Nachkriegsmoderne, kehrt zurück</title>
		<link>https://baukunst.art/meisterhaft-saniert-das-konzerthaus-am-kieler-schloss-ein-bau-der-nachkriegsmoderne-kehrt-zurueck/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2026 15:22:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[bbp architekten]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalpflege]]></category>
		<category><![CDATA[DIN 4108]]></category>
		<category><![CDATA[DSchG SH]]></category>
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		<category><![CDATA[Nachkriegsmoderne]]></category>
		<category><![CDATA[Philharmonisches Orchester Kiel]]></category>
		<category><![CDATA[Sprotte und Neve]]></category>
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					<description><![CDATA[Vier Jahre stand der Kieler Saalbau von Sprotte und Neve still. Jetzt erklingt er wieder, mit 47 Millionen Euro, zwölf Akustiksegeln und präzisem Umgang mit der Nachkriegsmoderne. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  |  REGIONALES | <strong>Kiel</strong> | April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Der unterschätzte Schatz der Nachkriegsmoderne: Kiel holt sich sein Konzerthaus zurück</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Konzerthaus am Kieler Schloss ist ein zwischen 1961 und 1965 nach Entwürfen des Hamburger Büros Sprotte und Neve errichteter Saalbau der Nachkriegsmoderne, der seit Januar 2026 nach einer sechsjährigen Sanierung durch <strong><a href="https://www.gmp.de/de/aktuelles/41/presse/21612/konzerthaus-am-schloss-in-kiel-sanierung-und-umbau-zum-zeitgemassen-orchestersaal" target="_blank" rel="noopener">gmp Architekten und bbp architekten</a></strong> wieder bespielt wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wiedereröffnung am 10. Januar 2026 markiert einen Moment, den die Landeshauptstadt Kiel ihrem Kulturpublikum lange schuldig geblieben ist. Rund vier Jahre stand das Haus still, nachdem im Sommer 2021 der Spielbetrieb endete und im November desselben Jahres die Abbrucharbeiten begannen. 2.800 Tonnen Material wurden aus dem Gebäude ausgebaut, ehe die Förderbescheide Ende Februar 2023 eintrafen und ein regulärer Baubetrieb einsetzen konnte. Mit einem Festakt und dem 4. Philharmonischen Konzert am 11. Januar 2026 kehrte das Philharmonische Orchester Kiel in seine Heimspielstätte zurück. Die Arbeitsgemeinschaft aus gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner und bbp architekten aus Kiel plante und realisierte das Vorhaben zwischen 2019 und 2025.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Herbert Sprotte, ein Schüler von Hans Scharoun, brachte die Idee der Weinbergarchitektur zeitgleich mit seinem Lehrer an die Förde. Während Scharoun die Berliner Philharmonie entwarf, lösten Sprotte und Peter Neve in Kiel das klassische Parkett zugunsten gestaffelter Terrassen auf und ließen das Publikum die Bühne umschließen. Eine Bauform, die Deutschland bis dahin nicht kannte, entstand somit nicht in der Hauptstadt, sondern in Schleswig-Holstein. Die Konzerthalle bildet mit dem wieder aufgebauten Ostflügel und der aufgestelzten Historischen Landeshalle das Ensemble des Kieler Schlosses, das seit 2005 nach dem Denkmalschutzgesetz des Landes Schleswig-Holstein (DSchG SH) in seiner Gesamtheit unter Schutz steht, einschließlich der Nachkriegsbauten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie bleibt Nachkriegsmoderne unter Denkmalschutz zeitgemäß?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bestandsbau litt unter dem, was viele Kulturbauten der sechziger Jahre ereilt: nachträglich hinzugefügte Aufzüge und Einbauten, die die ursprüngliche Klarheit überlagerten; Überformungen, die funktional Sinn ergaben, ästhetisch aber die minimalistische Handschrift der Entwurfsverfasser verwischten. Björn Bergfeld, Geschäftsführender Gesellschafter bei bbp, nennt das Haus eine bislang unterschätzte Inkunabel der sechziger Jahre, deren Schlichtheit erst durch das Abräumen späterer Aufbauten wieder lesbar werde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Planenden verfolgten daher einen Ansatz, den gmp als konzeptionelle Fortschreibung bezeichnet. Größtmöglicher Erhalt der Originalsubstanz, präzise Eingriffe in Technik und Akustik, Rekonstruktion der architektonischen Ordnung. Der außenliegende Aufzug vor der Südfassade wurde zurückgebaut und in das Foyer integriert. Die schweren Bronzegusstüren am Eingang entfielen zugunsten einer transparenteren Ausführung. Rund 70 Prozent der Natursteinplatten aus norwegischem Alta-Quarzit konnten wiederverwendet werden, eine Bilanz, die im Kontext grauer Emissionen und ressourcenschonender Sanierung bemerkenswert ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die energetische Gesamterneuerung folgte den Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) und war zugleich Voraussetzung für den Erhalt der Fördermittel; Bund und Land hatten mit den Fördergebern Nachhaltigkeitsziele wie messbare Energieeinsparungen vertraglich vereinbart. Die Pfosten-Riegel-Glasfassade des Foyers wurde in filigranen Proportionen erneuert, eine neue Sonnenschutzverglasung verbessert den sommerlichen Wärmeschutz nach DIN 4108. Das charakteristische Kupferdach über dem Saal wurde originalgetreu rekonstruiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Inneren konzentrierten sich die Eingriffe auf das, was den Saal zum Konzertsaal macht. Zwölf höhenverstellbare Akustiksegel über der Bühne bündeln Schallreflexion, Beleuchtung und Bühnentechnik; sie verbessern vor allem die Hörbarkeit der Orchestermusikerinnen und Orchestermusiker untereinander, ein Punkt, den Generalmusikdirektor Benjamin Reiners als entscheidend für das gemeinsame Spiel beschreibt. Neue Hubpodeste ersetzen die manuelle Podesterie und erlauben den schnellen Umbau vom klassischen Konzert zur Kongressnutzung. Eine Corian-Wandverkleidung mit LED-Hinterleuchtung ergänzt die reduzierte Materialpalette aus Schwarzstahl und perforierten Flächen. Die Grundakustik des Saals, die schon vor der Sanierung einen guten Ruf genoss, blieb dabei erhalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die akustische Planung folgte einer Doppelstrategie: Erhalt der bewährten Nachhallzeit für das klassische Repertoire bei gleichzeitiger Verbesserung der gegenseitigen Wahrnehmung des Ensembles auf der Bühne. Die terrassierte Weinberggeometrie, die den Raum seit 1965 prägt, bleibt unangetastet. Die LED-Hinterleuchtung der Corian-Paneele greift die ursprüngliche Idee des leuchtenden Saalkörpers auf, ohne die optische Zurückhaltung der sechziger Jahre zu verletzen. Für Kammermusik, Sinfoniekonzert, Chor, Theater und Unterhaltungsformate ergeben sich damit einstellbare Akustikzustände, die den Saal vom reinen Klassikhaus zum flexiblen Mehrzwecksaal weiterentwickeln, ohne seinen Charakter als ernsthaften Konzertraum zu verlieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet die Wiedereröffnung für Kiel und Schleswig-Holstein?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landeshauptstadt Kiel hatte das denkmalgeschützte Schlossensemble 2018 erworben und damit eine kommunale Verantwortung übernommen, die ohne ein geordnetes Fördergerüst finanziell kaum tragbar gewesen wäre. Die vorläufige Gesamtkalkulation von rund 47 Millionen Euro deckten knapp zur Hälfte öffentliche Hände und Private ab. Rund 11 Millionen Euro steuerte der Bund bei, rund 10 Millionen Euro das Land Schleswig-Holstein, rund 2 Millionen Euro sammelte der Förderverein Konzertsaal am Kieler Schloss e. V. aus privaten Spenden, den Rest trägt die Stadt. Damit bestätigt sich ein Modell, das in der kulturellen Bauaufgabe der DACH-Region zunehmend Standard ist: kommunale Trägerschaft, kombiniert mit Bundes- und Landesförderung sowie bürgerschaftlichem Engagement über einen Förderverein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Gebäude verfügt nun über rund 7.100 Quadratmeter Nettonutzfläche. Die zuvor vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) genutzten 1.200 Quadratmeter, die 2019 frei wurden, flossen in die Neuplanung ein und erlauben eine durchgängige Bespielung. Betreiber ist das Theater Kiel; Konzerthausdirektor Tobias Scharfenberger versteht das Haus als offenes Kulturzentrum, das vom Philharmonischen Orchester über das NDR Elbphilharmonie Orchester bis zu Samy Deluxe mit dem Mikis Takeover! Ensemble eine programmatische Bandbreite abbildet, die eine Stadt dieser Größenordnung braucht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall Kiel zeigt exemplarisch, wo die Nachkriegsmoderne in Schleswig-Holstein denkmalpflegerisch angekommen ist. Das DSchG SH in der Fassung von 2015, das konstitutive Unterschutzstellung durch Eintragung in die Denkmalliste vorsieht, hat die Grundlage gelegt. Das Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein hatte die Unterschutzstellung 2005 vollzogen und die Sanierung fachlich begleitet. Die technische Erneuerung unter Anwendung von GEG und den Vorgaben der Landesbauordnung Schleswig-Holstein (LBO SH) zur Barrierefreiheit nach § 52 LBO SH zeigt, dass sich denkmalpflegerischer Anspruch und zeitgemäße Gebäudetechnik nicht ausschließen. Der Aufzug im Foyer, die durchgängig barrierefreien Zugänge und die neu geordneten Garderoben belegen das. Für andere Landeshauptstädte mit vergleichbaren Saalbauten der sechziger Jahre, von Saarbrücken bis Wiesbaden, ist das Kieler Beispiel eine präzise Referenz, wie sich ein solches Vorhaben planerisch und finanziell aufziehen lässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bleibt der Prüfstein des Betriebs. Ob das Haus den Anspruch eines kulturellen Wohnzimmers für Kiel und die Region einlöst, wird sich nicht an den 1.400 Sitzplätzen oder den zwölf Akustiksegeln messen lassen, sondern an der Auslastung jenseits der Eröffnungseuphorie. Das internationale Tournee- und Vermietungsgeschäft arbeitet mit zwei Jahren Vorlauf, für das erste Halbjahr 2026 war diese Frist bei der noch offenen Eröffnung nicht einzuhalten. Der bereits ausverkaufte Saal am 11. Januar 2026 lässt dennoch vermuten, dass die Kielerinnen und Kieler ihrem Konzerthaus über die vier Jahre Baustelle hinweg gewogen geblieben sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Altes Finanzamt Saarbrücken: Warum die Konzeptvergabe an ihre Grenzen stößt</title>
		<link>https://baukunst.art/altes-finanzamt-saarbruecken-warum-die-konzeptvergabe-an-ihre-grenzen-stoesst/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2026 15:01:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Konzeptvergabe]]></category>
		<category><![CDATA[Nachkriegsmoderne]]></category>
		<category><![CDATA[Saarbrücken]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15915</guid>

					<description><![CDATA[Saarbrückens Altes Finanzamt bleibt stehen. Wandel Lorch Götze Wach sanieren den Bau von 1952. Die Architektenkammer begrüßt das Ergebnis und kritisiert den Weg dorthin.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  |  REGIONALES | <strong>Saarbrücken</strong> | April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Saarbrücken rettet sein altes Finanzamt, beinahe zufällig</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Konzeptvergabe bezeichnet ein Verkaufsverfahren, bei dem öffentliche Grundstückseigentümer eine Immobilie nicht nach Höchstgebot, sondern nach der Qualität des eingereichten Nutzungskonzepts an einen Investor vergeben. Im Januar 2026 hat das Finanzministerium des Saarlandes auf diesem Weg über die Zukunft des Alten Finanzamts in der Saarbrücker Innenstadt entschieden: Den Zuschlag erhielt das Konzept „Le 52“ der Peter Gross Bau GmbH gemeinsam mit der Creva GmbH, Wandel Lorch Götze Wach Architekten und dem Landschaftsarchitekturbüro HDK Dutt &amp; Kist. Der Entwurf sieht die denkmalgerechte Sanierung des 1952 errichteten Gebäudes vor, dessen Baujahr den Namen des Konzepts erklärt. Die Architektenkammer des Saarlandes begrüßt das Ergebnis, kritisiert aber in ihrer Pressemitteilung vom 5. Februar 2026 das gewählte Verfahren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Alte Finanzamt steht in zentraler Lage, unweit des Saarbrücker Schlosses, und soll künftig einen Nutzungsmix aus Büroflächen, Gastronomie und Dienstleistungen aufnehmen. Oberbürgermeister Uwe Conradt hob im Saarländischen Rundfunk die geplante Terrasse mit Blick über die Saar zum Schloss hervor, die den rückwärtigen Gebäudebereich beleben und begrünen soll. Finanzminister Jakob von Weizsäcker wertet das Projekt als Stärkung des Wirtschaftsstandorts Saarbrücken. Simon Matzerath, Leiter des Landesdenkmalamtes, bezeichnete die Entscheidung als Erfolg im Sinne des Allgemeinwohls. Die Jury sprach sich einstimmig für „Le 52“ aus. Im Bieterverfahren unterlag unter anderem die Victor’s Gruppe, deren Konzept den Abriss des Bestandsgebäudes und einen Hotelneubau vorsah.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass überhaupt Sanierungskonzepte möglich waren, verdankt sich einer Korrektur der zweiten Ausschreibung. Die erste Konzeptvergabe 2024/2025 war gescheitert, weil der einzige verbliebene Bieter aus wirtschaftlichen Gründen absprang. Die CDU-Fraktion des Saarländischen Landtags kommentierte dies durch ihre stellvertretende Vorsitzende Jutta Schmitt-Lang mit der Anmerkung, der nun eingeschlagene offene Weg mit angemessener Berücksichtigung des Denkmalschutzes hätte von Anfang an gewählt werden können. Die Saar-Grünen begrüßten die Entscheidung, mahnten aber Nachholbedarf bei der Beteiligung der Öffentlichkeit an.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Gebäude selbst ist ein charakteristischer Vertreter der bundesdeutschen Nachkriegsverwaltungsbauten der frühen fünfziger Jahre. Die äußere Gestalt mit ihrer zurückhaltenden Rasterfassade soll nach dem Entwurf weitgehend erhalten und behutsam modernisiert werden. Die stadträumliche Lage zwischen Altstadt und Saar verleiht dem Bauwerk eine Funktion, die über den reinen Nutzwert hinausreicht: Das Gebäude hält eine Blockkante und markiert den Übergang zum Flussraum. Ein Abriss hätte nicht nur den Verlust eines Zeitzeugen bedeutet, sondern eine Zäsur in der gewachsenen Stadtstruktur. Diese Abwägung gehört in ein Verfahren, in dem sie transparent erfolgen kann, nicht in die Angebotskalkulation eines Einzelinvestors.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was unterscheidet eine Konzeptvergabe vom Ideenwettbewerb?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenkammer des Saarlandes hat wiederholt einen interdisziplinären Ideenwettbewerb mit nachgeschalteter Konzeptvergabe gefordert. Dahinter steht eine klare rechtliche und fachliche Differenzierung. Planungswettbewerbe sind in den Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW 2013) der Bundesarchitektenkammer geregelt und folgen bei öffentlichen Auftraggebern zusätzlich den §§ 78 ff. der Verordnung über die Vergabe öffentlicher Aufträge (VgV). Sie erzeugen Konkurrenz auf der Ebene der Idee, unter gleichen Rahmenbedingungen für alle Teilnehmenden und mit anonymer Beurteilung durch ein fachkompetent besetztes Preisgericht. Der Auftrag zur Weiterbearbeitung folgt auf Grundlage der HOAI.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Konzeptvergabe hingegen ist ein grundstücksbezogenes Verkaufsverfahren der öffentlichen Hand, rechtlich eingebettet in Haushalts- und Liegenschaftsrecht, nicht in Vergaberecht im engeren Sinne. Sie richtet sich primär an Investorinnen und Investoren, die jeweils eigene Planungsbüros beauftragen. Der Entwurfswettbewerb findet, wenn überhaupt, zwischen den Angeboten unterschiedlicher Investorenteams statt, nicht zwischen Entwürfen gleichberechtigt eingeladener Büros. Jens Stahnke, Präsident der Architektenkammer des Saarlandes, argumentiert, dass dieses Verfahren die Kreativität und Freiheit eines Ideenwettbewerbs nicht entfalten könne. Er verweist darauf, dass gerade die erste gescheiterte Konzeptvergabe den oft zitierten Zeitgewinn widerlegt: Statt einer Beschleunigung ergab sich eine Verzögerung um beinahe ein Jahr.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Kritik ist nicht neu. Die Bundesarchitektenkammer und die Bundesstiftung Baukultur weisen seit Jahren darauf hin, dass die methodische Trennung von Ideenfindung und Investorenauswahl überlegene Ergebnisse liefert. Der Baukulturbericht 2020/21 „Öffentliche Räume“ hatte bereits die Zurückhaltung öffentlicher Auftraggeber bei Planungswettbewerben als strukturelles Problem der deutschen Verfahrenskultur benannt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Folgen hat das Verfahren für die Baukultur?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall des Alten Finanzamts zeigt die Risiken exemplarisch. Die erste Konzeptvergabe hatte Abriss und Neubau nicht ausgeschlossen. Erst in der zweiten Runde wurde der Erhalt als gleichwertige Option ausgeschrieben. Mit anderen Worten: Hätte sich in der ersten Runde ein Investor mit einem Abrisskonzept durchgesetzt, wäre ein bauzeitlich bedeutender Solitär der Saarbrücker Nachkriegsmoderne im Stadtkern verloren gegangen. Dass dies nicht geschah, ist kein Verdienst des Verfahrens, sondern Folge der gescheiterten Bieterlage.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stahnke formuliert die strukturelle Kritik klar: Ein geeigneter Investor und sein interdisziplinäres Team seien zur Stelle gewesen, der Ausgang könne sich als glückliche Fügung erweisen, auf sein Glück könne man sich jedoch nicht immer verlassen. Hinter dieser Formulierung steht ein grundsätzliches Argument: Baukulturelle Qualität entsteht in Verfahren, die sie methodisch absichern. Der Planungswettbewerb nach RPW 2013 ist ein solches Verfahren. Die Konzeptvergabe ohne vorgeschaltete Ideenfindung ist es nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch das Saarländische Denkmalschutzgesetz (SDSchG) spielt hier eine Rolle. Das Gebäude ist als Einzeldenkmal in der Denkmalliste des Saarlandes geführt. Der Bestandsschutz war formal gegeben, praktisch jedoch im ersten Verfahren zur Disposition gestellt. Eine denkmalpflegerisch konsistente Praxis würde den Denkmalwert als Ausgangspunkt fixieren und die Planung daran ausrichten. Genau dies leistet ein Ideenwettbewerb unter Beteiligung der Unteren Denkmalschutzbehörde und des Landesdenkmalamtes.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Saarbrücker Fall steht nicht isoliert. Vergleichbare Debatten um Konzeptvergaben zeichnen sich auch in anderen Bundesländern ab, etwa bei innerstädtischen Nachnutzungen in Hamburg, Köln oder Leipzig. Die SAGA-Liegenschaften in Hamburg oder die Entwicklung ehemaliger Postareale in mehreren Großstädten haben gezeigt, dass reine Investorenverfahren in Lagen mit hohem stadträumlichem Anspruch an Grenzen stoßen. Die Initiative HouseEurope!, die 2025 auch im Saarland Resonanz fand, fordert darüber hinaus eine europaweite Stärkung des Weiterbauens gegenüber dem Abriss. Vor diesem Hintergrund ist die Haltung der Architektenkammer des Saarlandes weniger ein regionaler Einwand als ein Beitrag zu einer bundesweiten Diskussion über die Methodik öffentlicher Vergabeverfahren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Projektbeteiligten beginnt nun die Umsetzungsphase. Wandel Lorch Götze Wach Architekten bringen Erfahrung aus mehreren anspruchsvollen Konversionen mit, HDK Dutt &amp; Kist verantworten die Freiraumplanung einschließlich der Saarterrasse. Die Architektenkammer wünscht dem Projekt eine erfolgreiche Umsetzung und betrachtet das Ergebnis als Bereicherung für die Saarbrücker Innenstadt. Die übergeordnete Frage bleibt: Sollen Konzeptvergaben ohne vorgeschalteten Wettbewerb zum Regelverfahren kommunaler und staatlicher Projektentwicklung werden? Das Saarland hat mit dem Fall „Le 52“ unfreiwillig eine Antwort geliefert: Zweimal ausschreiben, einmal nachjustieren, einmal Glück haben. Ein belastbares Verfahren sieht anders aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Energiepläne bis 2040: Mainz setzt auf Fernwärme und Wärmepumpen</title>
		<link>https://baukunst.art/energieplaene-bis-2040-mainz-setzt-auf-fernwaerme-und-waermepumpen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2026 14:42:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[BauGB]]></category>
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		<category><![CDATA[GEG]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunale Wärmeplanung]]></category>
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		<category><![CDATA[Mainzer Stadtwerke]]></category>
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					<description><![CDATA[Mainz übersetzt die Wärmewende in eine Karte: Fernwärme-Vorranggebiete in der Innenstadt, Wärmepumpen in Ortsrandlagen. Der Entwurf liegt seit März 2026 zur Diskussion aus.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  |  REGIONALES | <strong>Mainz</strong> | April 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Mainz zeigt, wie die Wärmewende in der Praxis aussehen kann</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die kommunale Wärmeplanung der Landeshauptstadt Mainz definiert einen Zweiklang aus ausgebautem Fernwärmenetz und elektrischen Wärmepumpen als Grundgerüst der Wärmeversorgung bis 2040. Der Entwurf des Wärmeplans wurde am 11. März 2026 im zweiten Bürgerforum in der Rheingoldhalle vorgestellt und lag bis zum 27. März 2026 öffentlich zur Stellungnahme aus. Rechtsgrundlage ist das bundesweite Wärmeplanungsgesetz (WPG), das seit dem 1. Januar 2024 in Kraft ist und den 30. Juni 2026 als spätesten Abgabetermin für Großstädte festlegt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausgangslage beschreibt die Bestandsanalyse der Stadt mit bemerkenswerter Klarheit. Auf das Erdgas entfallen 75 Prozent des Endenergieverbrauchs im Wärmesektor, auf das Heizöl drei Prozent. Nah- und Fernwärme erreichen einen Anteil von 20 Prozent, Biomasse und Wärmepumpen jeweils rund ein Prozent. Der Wohnsektor verantwortet 62 Prozent des städtischen Wärmeverbrauchs, Gewerbe und Industrie zusammen 28 Prozent, öffentliche Gebäude elf Prozent. Von den mehr als 40 000 Gebäuden im Stadtgebiet sind aktuell rund 3 000 an die Fernwärme angeschlossen. Mehrere zehntausend Haushalte beheizen ihre Wohnungen und Betriebe weiterhin mit Erdgas oder Heizöl. Die Transformation dieser Bestandsstruktur ist die eigentliche Aufgabe der Wärmewende.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wo soll in Mainz künftig mit Fernwärme geheizt werden?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die räumliche Differenzierung folgt dem Wärmemasterplan 2.0, den die GEF Ingenieur AG im Juli 2023 im Auftrag der Mainzer Stadtwerke AG und der Stadt Mainz erstellt hat. Das Stadtgebiet wurde in 35 Einzelgebiete und fünf Versorgungskategorien gegliedert, von Fernwärme-Vorranggebieten über Fernwärme-Eignungsgebiete bis hin zu Arealen der ausschließlich dezentralen Versorgung. Sieben Fernwärme-Vorranggebiete bilden das Rückgrat der künftigen Wärmeversorgung, darunter die Altstadt, die Neustadt, Teile der Oberstadt und der Universitätscampus. Hier sprechen hohe Wärmedichten, dichte Blockbebauung und der ohnehin anstehende Erneuerungsbedarf des Gasnetzes für einen flächendeckenden Anschluss. Das vorhandene Netz der Mainzer Fernwärme GmbH verfügt bereits über mehr als 100 Kilometer Länge und versorgt rund 1 000 größere Liegenschaften, unter ihnen der Mainzer Dom, die Johannes Gutenberg-Universität, die Universitätsmedizin, das Stadion des 1. FSV Mainz 05 und mehrere Landesministerien. Das gewachsene Netz ist kein Laborexperiment, sondern eine belastbare Infrastruktur mit ausbaufähigem Rückgrat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Anteil erneuerbarer Energien in der Mainzer Fernwärme liegt aktuell bei rund 30 Prozent und erfüllt damit bereits heute die Quote, die das Wärmeplanungsgesetz erst ab 2030 verbindlich vorschreibt. Bis 2045 muss der Anteil auf 100 Prozent steigen. Für das Zwischenjahr 2040 fordert das Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) eine Minderung der Treibhausgasemissionen um 88 Prozent gegenüber 1990. Als neue Wärmequellen prüfen die Stadtwerke die Abwärme der Kläranlage, die Abwärme der Müllverbrennungsanlage und Flusswasser aus dem Rhein. Industrieabwärme und Rechenzentren könnten künftig über Großwärmepumpen in das Netz einspeisen. In den Vorranggebieten erwägt die Stadt einen Anschluss- und Benutzungszwang nach § 109 der rheinland-pfälzischen Gemeindeordnung, der Eigentümerinnen und Eigentümern eine konkrete Anschlussverpflichtung auferlegen würde.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Rolle übernehmen Wärmepumpen außerhalb der Vorranggebiete?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Ein- und Zweifamilienhausgebiete an der Peripherie, etwa in Laubenheim, Hechtsheim, Drais oder Marienborn, empfehlen die Gutachter den Einsatz elektrischer Wärmepumpen, ergänzt durch dezentrale Photovoltaikanlagen und Wärmespeicher. Luftwärmepumpen rangieren im Gesamtranking der GEF Ingenieur AG direkt hinter der Fernwärme, gefolgt von Erdwärmepumpen, Holzpelletkesseln und H2-ready Gaskesseln. Reine Erdgaskessel und Ölheizungen erfüllen die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) bei einem Heizungstausch nicht mehr. Aktuell sind im Stadtgebiet mehr als 700 Wärmepumpen installiert. Die Mainzer Netze GmbH rechnet mittelfristig mit mehreren zehntausend zusätzlichen Anlagen und orientiert ihren Stromnetzausbau bereits am Wärmemasterplan 2.0. Zusätzliche Trafostationen werden vorrangig in den dezentral zu versorgenden Gebieten errichtet, da der Leistungsausbau im 110-kV-Netz fünf bis zehn Jahre Vorlauf benötigt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die rechtliche Situation bleibt vielschichtig. Die Anschlusspflicht der Mainzer Netze GmbH für Wärmepumpen gilt zunächst auch innerhalb der Fernwärme-Vorranggebiete, solange die kommunale Wärmeplanung keine abweichende Regelung trifft. Das GEG verpflichtet Eigentümerinnen und Eigentümer bei einem Heizungstausch zur Deckung von mindestens 65 Prozent des Wärmebedarfs aus erneuerbaren Energien. Bauherren in den Fernwärme-Eignungsgebieten stehen damit vor einer Entscheidung, die der Wärmeplan vorstrukturiert, aber nicht erzwingt. Der Plan ist nach § 3 WPG ein strategisches Instrument, kein Umsetzungsbefehl. Für Gebäudeeigentümer entstehen aus der Einstufung eines Gebiets keine unmittelbaren Verpflichtungen. Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) betont, die Zuordnung lasse Ausnahmen zu und sei nicht straßenscharf gedacht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kosten der Transformation sind beträchtlich. Die Erstellung des Wärmeplans selbst kostet die Stadt rund 500 000 Euro, je zur Hälfte für die eigentliche Planung und für begleitende Maßnahmen wie Machbarkeitsstudien für Nahwärmenetze, Öffentlichkeitsbeteiligung und Fachveranstaltungen. Die eigentlichen Investitionen für Netzausbau, Erzeugung und Gebäudesanierung werden nach Einschätzung der Mainzer Stadtwerke AG mehrere hundert Millionen Euro erreichen. Vorstandsmitglied Kerstin Stumpf verweist auf den zusätzlichen Personalbedarf im Handwerk und in der Versorgungswirtschaft und mahnt sozialverträgliche Umsetzungspfade an, für die politische Flankierung nötig sei. Vorstandsvorsitzender Daniel Gahr konkretisiert die Wärmestrategie parallel zur kommunalen Wärmeplanung, einschließlich des Fernwärmeausbaus und des Stromnetzausbaus für den erwarteten Zubau an Wärmepumpen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Beteiligung der Öffentlichkeit ist bewusst breit angelegt. Ortsbeiratsveranstaltungen im September und November 2025 bereiteten das Terrain, ein erstes Bürgerforum fand am 2. Oktober 2025 statt, das zweite Bürgerforum mit Vorstellung des Entwurfs am 11. März 2026 in der Rheingoldhalle. Vom 2. bis zum 27. März 2026 konnten Bürgerinnen und Bürger den Entwurf des Wärmeplans im Umweltladen in der Steingasse einsehen und über die digitale Plattform Senf Stellungnahmen einbringen. Diese Verfahrensarchitektur unterscheidet sich von dem, was das WPG mindestens vorschreibt, und ist eher eine bewusste planungskulturelle Entscheidung. Sie erhöht die Akzeptanz und liefert gleichzeitig lokalspezifische Informationen, etwa zu Sanierungsvorhaben oder zur Bereitschaft einzelner Eigentümergemeinschaften für einen Fernwärmeanschluss.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mainz nutzt die Wärmeplanung als Scharnier zwischen Bundesrecht und örtlicher Planungskultur. Der Masterplan 100 % Klimaschutz (Stadtratsbeschluss 1423/2022) bindet die Wärmewende an das übergeordnete Ziel einer Klimaneutralität bis spätestens 2050, idealerweise bereits 2035. Die Szenarien des Wärmeplans adressieren genau diesen Zielkorridor mit Zwischenjahren 2030 und 2040. Ob das ambitionierte Zieljahr 2035 erreichbar bleibt, hängt weniger am Plan selbst als an der Geschwindigkeit des Netzausbaus, an der künftigen Rolle der Mainzer Netze GmbH beim Weiterbetrieb der Gasleitungen und an der Frage, wie viele Eigentümerinnen und Eigentümer den empfohlenen Technologiepfad tatsächlich einschlagen. Hinzu kommt der Faktor der Bauleitplanung: Über § 9 BauGB lassen sich in neuen Bebauungsplänen Festsetzungen zugunsten klimafreundlicher Wärmeversorgung treffen, vom Anschluss an ein Wärmenetz bis zur Solarpflicht. Für andere Kommunen im Rhein-Main-Gebiet liefert die Landeshauptstadt Mainz damit einen Referenzfall mit belastbaren Zahlen, einer räumlich präzisen Strategie und einer öffentlichen Beteiligung, die sich nicht auf die Pflichtformate des WPG beschränkt.</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Abramović im Gropius Bau: Wie ein Neorenaissance-Palast die Performancekunst erdet</title>
		<link>https://baukunst.art/abramovic-im-gropius-bau-wie-ein-neorenaissance-palast-die-performancekunst-erdet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 15:08:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Festspiele]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalpflege]]></category>
		<category><![CDATA[DIN 18040-1]]></category>
		<category><![CDATA[DSchG Bln]]></category>
		<category><![CDATA[GEG]]></category>
		<category><![CDATA[Gropius Bau]]></category>
		<category><![CDATA[Marina Abramović]]></category>
		<category><![CDATA[Neorenaissance]]></category>
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					<description><![CDATA[Abramović bespielt bis August den Gropius Bau. Der Neorenaissance-Bau von 1881 ist dabei mehr als Kulisse: Er ist Mitspieler. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  |  REGIONALES | Berlin | April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Schmerz, Schönheit, Bauakademie: Abramović testet den Gropius Bau</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gropius Bau in Berlin-Kreuzberg, 1877 bis 1881 von Martin Gropius und Heino Schmieden als Königliches Kunstgewerbemuseum im Stil der italienischen Neorenaissance errichtet, ist seit dem 15. April 2026 Schauplatz der ersten grossen Berliner Einzelausstellung Marina Abramović seit den neunziger Jahren. „Balkan Erotic Epic. The Exhibition“ verbindet filmische und skulpturale Installationen mit Live-Performances und eröffnet eine produktive Reibung zwischen zeitgenössischer Performancekunst und historischer Museumsarchitektur, wie sie so nur in Berlin entstehen kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mehr als vierhundert Meter lang reichte die Warteschlange vom Haupteingang an der Niederkirchnerstrasse bis zum S-Bahnhof Anhalter Bahnhof, als Abramović am Dienstagabend, dem 14. April, die Ausstellung anlässlich ihres 75-jährigen Jubiläums eröffnete. Die Berliner Festspiele kuratieren die Schau, die noch bis zum 23. August 2026 läuft, als zweiteiliges Projekt gemeinsam mit Agnes Gryczkowska und Jenny Schlenzka, der seit September 2023 amtierenden Direktorin des Hauses. Im Oktober folgt im Haus der Berliner Festspiele die mehrstündige Bühnenfassung „Balkan Erotic Epic. The Stage Version“.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Abramović verhandelt in den Räumen Themen wie Rituale, Erotik, Tod und den Körper als Ort politischen Widerstands. Dass ausgerechnet ein Bauwerk von 1881, ursprünglich für die Vorbildsammlung des Deutschen Gewerbemuseums entworfen, heute ein solches Programm trägt, ist kein Zufall. Das Haus hat in seiner nunmehr 145-jährigen Geschichte mehrfach die Funktion gewechselt, den Krieg als Ruine überdauert und ist heute eine der gefragtesten Ausstellungsadressen Europas.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist dabei, dass die Berliner Festspiele keine Neutralisierung der historischen Substanz anstreben. Der Bau wird mitgedacht, nicht weggeblendet. Inhaltshinweise zur Ausstellung warnen vor Kriegsereignissen, rassistischer Gewalt, Selbstverletzung und sexuell expliziten Handlungen. Dass solche Themen in einem Haus verhandelt werden, das selbst eine Versehrtheits-Biografie mitbringt, lässt sich als kuratorische Setzung lesen. Architektur und Kunst spiegeln einander, ohne sich zu erklären.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie prägt ein Neorenaissance-Bau die Wahrnehmung zeitgenössischer Performancekunst?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der palastartige viergeschossige Kubus mit nahezu quadratischem Grundriss ordnet sich um einen Lichthof von rund 40 mal 30 Metern Seitenlänge und etwa 26 Metern Höhe. Die dreizonige Fassadengliederung, die strenge Kubatur und die Ausformung der Fenster zeigen Einflüsse der Schinkelschen Bauakademie sowie Ideen Gottfried Sempers. Architektur, Bauplastik und Malerei bildeten hier von Anfang an ein Gesamtkunstwerk, das über Terrakottareliefs, Goldmosaike und Majoliken auf die ursprüngliche Nutzung als Kunstgewerbemuseum verwies.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Performancekunst ist diese Raumfolge ein ambivalentes Geschenk. Der Lichthof mit seinem Glasdach bietet eine kathedralenhafte Kulisse, die Körperhandlungen monumentalisiert. Die ornamentale Dichte der Wandflächen steht zugleich in Spannung zur reduzierten Ästhetik des Performancegenres. Abramović hat in früheren Arbeiten stets mit solchen Spannungen gearbeitet; im Gropius Bau wird die Reibung zwischen balkanischer Folklore und preussischer Repräsentationsarchitektur zum eigentlichen Ausstellungsthema.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die kunsthistorische Bedeutung des Hauses ist durch das Berliner Denkmalschutzgesetz (DSchG Bln) abgesichert. Seit 1966 steht der Bau unter Denkmalschutz; die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung führt ihn als einen der bedeutendsten Museumsbauten Deutschlands aus dem 19. Jahrhundert. Diese Einstufung verpflichtet jede Kuratorin und jeden Kurator, Eingriffe in Raumbild und Substanz mit dem Landesdenkmalamt Berlin abzustimmen, auch bei temporären Installationen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Lichthof wurde 2018 unter der damaligen Direktorin Stephanie Rosenthal von den Sonnenschutzfolien befreit, die zuvor das Tageslicht an den vertikalen Glasflächen gedämpft hatten. Seither ist er wieder in jener atmosphärischen Helligkeit zu erleben, die Gropius und Schmieden für den zentralen Raum vorgesehen hatten. Für Abramović, deren Bildsprache stark mit Licht und Körperpräsenz arbeitet, ist das eine substanzielle Voraussetzung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was leistet der Wiederaufbau von 1978 bis 1981 für die heutige Nutzung?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei den Luftangriffen 1945 verlor der Bau sein Dach, die Nordfassade und die Obergeschosse nahezu vollständig. Bis in die sechziger Jahre blieb die Ruine dem Verfall preisgegeben. Der geplante Abriss wurde durch Walter Gropius, Grossneffe des Erbauers und Bauhaus-Gründer, verhindert. Seine öffentliche Intervention führte 1966 zur Unterschutzstellung unter dem heutigen Namen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektin Ute Weström und der Architekt Winnetou Kampmann leiteten von 1978 an den Wiederaufbau, der 1981 abgeschlossen wurde. Ihre Haltung war bemerkenswert: Sie rekonstruierten anhand historischer Fotografien wesentliche Mosaike, Reliefs und Majoliken, liessen aber bewusst Leerstellen stehen, die von der Zerstörung zeugen. Diese Strategie des „geordneten Fragments“ gilt heute als frühes Beispiel einer Denkmalpflege, die historische Brüche nicht kaschiert, sondern als Teil der Aussage sichtbar lässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wegen der Sektorengrenze der Berliner Mauer, die unmittelbar an der Nordseite verlief, musste der Haupteingang an die Südseite verlegt werden. Erst 1998 bis 1999 stellte das Büro Hilmer &amp; Sattler den nördlichen Haupteingang wieder her und baute das Haus technisch aus. Zwischen 2010 und 2012 folgte im Rahmen des Konjunkturpakets II des Bundes eine umfassende Modernisierung durch das Berliner Büro Pitz &amp; Hoh Werkstatt für Architektur und Denkmalpflege: Klimatisierung der Ausstellungsräume im zweiten Obergeschoss, Fassadensanierung, zusätzlicher Personenaufzug für barrierefreie Zugänglichkeit gemäss DIN 18040-1 und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Damit genügt der Bau heute den energetischen Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) an Bestandsbauten mit Denkmalstatus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese gestaffelte Sanierungsgeschichte, die sich über drei Jahrzehnte erstreckt, ist selten ausreichend gewürdigt. Sie zeigt, dass ein Ausstellungshaus des 19. Jahrhunderts nicht einmalig modernisiert, sondern in Etappen zukunftsfähig gehalten werden muss. Jede Generation von Architekten und Architektinnen hat hier eine Schicht hinzugefügt, ohne den Grundcharakter zu überschreiben. Das Ergebnis ist ein Haus, das zugleich historisch lesbar und betriebstauglich ist, eine Qualität, die für Museumsbauten des späten 19. Jahrhunderts längst nicht selbstverständlich bleibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit 2001 betreiben die Berliner Festspiele das Haus im Auftrag der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Die programmatische Öffnung in Richtung zeitgenössischer Kunst und Performance ist jüngeren Datums und verdankt sich wesentlich der Direktorin Jenny Schlenzka, die zuvor das MoMA PS1 in New York geprägt hatte. Ihre Entscheidung, Abramović als Antrittsgeste einer neuen Programmära in der Stadt zu präsentieren, ist architektonisch lesbar als Bekenntnis zu einem Haus, das Repräsentation und Subversion seit jeher nebeneinander denkt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Architekturdebatte bietet „Balkan Erotic Epic“ mehr als ein kuratorisches Ereignis. Die Schau macht sichtbar, wie sehr die Qualität zeitgenössischer Kunsterfahrung vom baukulturellen Gerüst abhängt, das sie trägt. Weder ein neutraler White Cube noch eine Museumsarchitektur im Zustand musealer Entrückung hätte diese Performances gleichermassen aufnehmen können. Der Gropius Bau, mit seiner Biografie aus Pracht, Zerstörung, Rettung und behutsamer Weiterführung, liefert einen Resonanzraum, den neue Bauten erst mühsam erarbeiten müssten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Haus in der Niederkirchnerstrasse 7, direkt an der ehemaligen Sektorengrenze gelegen, erinnert daran, dass Baukultur in Berlin immer auch eine politische Geschichte erzählt. Dass ausgerechnet an diesem Ort heute eine Künstlerin mit serbisch-montenegrinischer Biografie über den Balkan spricht, ist eine Pointe, die der Bau selbst mitschreibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>Gott zieht aus</title>
		<link>https://baukunst.art/gott-zieht-aus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 14:55:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[AMD Akademie Mode & Design]]></category>
		<category><![CDATA[August Menken]]></category>
		<category><![CDATA[BauGB § 34]]></category>
		<category><![CDATA[BauNVO § 4]]></category>
		<category><![CDATA[BauO Bln]]></category>
		<category><![CDATA[Codex Iuris Canonici]]></category>
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		<category><![CDATA[Erzbistum Berlin]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Erzbistum Berlin verkauft den denkmalgeschützten Klosterkomplex Katharinenstift an eine private Modeakademie. Ein Berliner Strukturwandel in Stein.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  |  REGIONALES | BERLIN | April 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das Ende eines Klosters in Prenzlauer Berg</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Profanierung bezeichnet im katholischen Kirchenrecht die Rückführung eines geweihten Gebäudes in den weltlichen Gebrauch (can. 1222 § 2 Codex Iuris Canonici). Am 12. Februar 2026 vollzog das Erzbistum Berlin genau diesen Akt an der Kirche Mater Dolorosa im Katharinenstift, Greifswalder Straße 17-19. Mit der Profanierung endet ein 130 Jahre altes Kapitel Berliner Kirchengeschichte. Zugleich beginnt ein neues, in dem das Ensemble nicht mehr Ordensschwestern, Schülerinnen und Schülern oder einer portugiesischsprachigen Gemeinde dient, sondern angehenden Designerinnen und Designern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Klosterkomplex wurde 1895/96 nach Plänen des Regierungsbaumeisters August Menken (1859-1903) errichtet, der in Berlin unter anderem die neuromanische Sankt-Johannes-Basilika in Neukölln verantwortete. Gegründet hatten das Haus 1893 die Arenberger Dominikanerinnen, Schwestern der heiligen Katharina von Siena, die hier über Generationen Waisenkinder aufnahmen und bis 2005 karitativ wirkten. Der Backsteinbau mit Klinkerbänderung, hölzernem Spitztonnengewölbe und drei originalen Bleiglasfenstern der Mayer’schen Hofkunstanstalt in München liegt im Hinterhof und ist als Baudenkmal in der Berliner Denkmalliste geführt (Obj.-Dok.-Nr. 09050098).</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Angekündigt wurde der Verkauf im März 2025. Das Erzbistum begründete die Entscheidung mit einem hohen Sanierungsbedarf in allen Bereichen der Liegenschaft sowie mit seinem Immobilienentwicklungsplan, der eine spürbare Reduzierung kirchlicher Flächen vorsieht. Das Katholische Schulzentrum Edith Stein, das hier seit 1995 Erzieherinnen und Erzieher sowie Sozialassistentinnen und Sozialassistenten ausbildete, ist zum Schuljahr 2025/26 auf den Campus der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin nach Karlshorst umgezogen. Die Herz-Jesu-Priester, die seit 2013 in Prenzlauer Berg lebten, und die portugiesischsprachige Gemeinde suchen nach neuen Orten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum gibt das Erzbistum ein denkmalgeschütztes Kloster auf?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort ist bauwirtschaftlich so nüchtern wie gesellschaftlich vielsagend. Laut Erzbistum Berlin zwingt der Zustand der Gebäude zu Investitionen, die aus dem laufenden Haushalt nicht mehr zu leisten sind. Die 2024 veröffentlichte Immobilienstrategie formuliert das Ziel offen: Der Einsatz von Kirchensteuermitteln für Betrieb und Erhaltung eigener Liegenschaften soll auf deutlich weniger Flächen konzentriert werden. Hinter dieser Rechnung steht ein demografischer Befund. Die Zahl der Katholikinnen und Katholiken im Erzbistum, das Berlin, weite Teile Brandenburgs und Vorpommern umfasst, ist seit Jahren rückläufig, und mit ihr die Kirchensteuereinnahmen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Verkauf folgt damit einem Muster, das auch andere Bistümer kennen. In Köln, Essen und Aachen werden Kirchen profaniert, umgenutzt, in Einzelfällen abgerissen. Was den Berliner Fall heraushebt, ist die Nachnutzung. Sie ist weder sakral, wie bei Verkäufen an orthodoxe oder freikirchliche Gemeinden, noch sozial, wie bei Umwandlungen in Kolumbarien oder Pflegeeinrichtungen. Das Ensemble geht an eine private Bildungseinrichtung, deren Gegenstand die sichtbarste Oberfläche der Gegenwart ist: die Mode.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was plant die AMD mit dem ehemaligen Klosterensemble?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Käufer ist die AMD Akademie Mode &amp; Design GmbH, deren Studienprogramme akademisch über die private Hochschule Fresenius verantwortet werden. Unter dem Projektnamen kloster.berlin sollen auf dem rund 6.000 Quadratmeter großen Grundstück Hörsäle, Ateliers und Werkstätten entstehen. Herzstück bleibt die profanierte Kirche, die als Eventfläche für Shows, Präsentationen, Ausstellungen und Konzerte dienen soll. Die Gesellschafter Olaf und Ramona Atanda-Wulf sprechen von einer Öffnung des Hinterhof-Ensembles für den Kiez. Im Kaufvertrag wurde, so die offizielle Mitteilung des Erzbistums, eine würdige Nachnutzung festgeschrieben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus denkmalrechtlicher Sicht ist der Vorgang anspruchsvoll. Das Katharinenstift unterliegt dem Denkmalschutzgesetz Berlin (DSchG Bln) vom 24. April 1995. Nach § 11 DSchG Bln bedürfen Veränderungen, Instandsetzungen und Nutzungsänderungen eines Baudenkmals der Genehmigung durch das Landesdenkmalamt Berlin und die untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks Pankow. Die Eingriffstiefe entscheidet über die Genehmigungsfähigkeit. Eine Modeakademie bringt andere Anforderungen mit sich als ein Kloster. Rettungswege nach Bauordnung Berlin (BauO Bln) in der Fassung vom 29. September 2005, Brandschutzkonzepte, Lüftung, Akustik und Barrierefreiheit nach § 50 BauO Bln treffen auf Spitztonnengewölbe, Holzempore und originale Glasmalerei.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Energetisch wird das Ensemble an den Bestandsregelungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) vom 8. August 2020 gemessen. Für Baudenkmäler greifen die Ausnahmen des § 105 GEG, soweit eine Anpassung die Substanz oder das Erscheinungsbild beeinträchtigen würde. Die planungsrechtliche Einordnung läuft, da ein qualifizierter Bebauungsplan fehlt, voraussichtlich über § 34 Baugesetzbuch (BauGB). Eine Hochschule im Sinne einer Anlage für kulturelle und soziale Zwecke nach § 4 Absatz 2 Nummer 3 BauNVO fügt sich in das Mischgebiet der Greifswalder Straße städtebaulich ein, löst aber Fragen zur Stellplatzpflicht und zum Immissionsschutz aus, insbesondere bei Abendveranstaltungen in der ehemaligen Kirche.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Städtebaulich ist das Projekt ein Gewinn, wenn es ernst genommen wird. Der Hinterhof an der Greifswalder Straße war jahrzehntelang ein halböffentlicher Ort, den Ortskundige kannten und andere nie betraten. Eine Hochschule mit Öffnung zum Kiez könnte diese Schwelle senken. Gleichzeitig stellt die Umnutzung einer Kirche zur Modebühne Fragen, die nicht allein durch Kaufvertragsklauseln zu beantworten sind. Was bedeutet es, wenn ein Raum, der über 130 Jahre Gebet, Gottesdienst und Trauer getragen hat, zum Laufsteg wird? Die Antwort darauf geben nicht Investoren, sondern die künftigen Nutzerinnen und Nutzer im täglichen Umgang mit dem Haus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vergleiche mit anderen deutschen Städten sind aufschlussreich. In Mönchengladbach wurde die Herz-Jesu-Kirche zum Kolumbarium umgewidmet, in Aachen die Pfarrkirche Sankt Josef zum sozialen Treffpunkt, in Essen die Kirche Sankt Barbara zu Wohnungen. Überall gilt die gleiche Faustregel der Denkmalpflege: Je näher die neue Nutzung an der kontemplativen Grundstimmung des Kirchenraums bleibt, desto geringer sind die baulichen Eingriffe. Eine Modeakademie entfernt sich von dieser Grundstimmung weiter als die meisten Alternativen. Das ist nicht zwingend ein Ausschlusskriterium, erhöht aber den Begründungsdruck gegenüber den Denkmalbehörden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall Katharinenstift ist damit mehr als eine lokale Immobilientransaktion. Er steht exemplarisch für einen doppelten Strukturwandel: den Rückzug der Kirchen aus ihrem gebauten Erbe und die Ausweitung privater Bildungsanbieter in stadträumlich privilegierte Lagen. Ob das Ergebnis den Ort trägt, wird sich an Details zeigen. An der Frage, ob die drei Bleiglasfenster der Mayer’schen Hofkunstanstalt weiterhin Licht in den Kirchenraum lassen. An der Frage, ob Holzempore und Spitztonnengewölbe erhalten bleiben oder einer Catwalk-Logik weichen. An der Frage, ob der Hof tatsächlich öffentlich wird oder nur für PR-Zwecke geöffnet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bis Mitte 2026 soll die Übergabe abgeschlossen sein. Die Profanierung im Februar war der erste sichtbare Schritt. Der zweite, entscheidende, liegt in der Hand der Architektinnen und Architekten, die die Umnutzung planen werden. Ihnen fällt die Aufgabe zu, ein Denkmal so zu öffnen, dass es seine Geschichte nicht verliert. Gott zieht aus. Was kommt, wird sich daran messen lassen müssen, ob es dem Ort gerecht wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>Fünf Jahre Sanierung, dann Tudor-Gotik: Bad Homburg öffnet das Gotische Haus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 11:47:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
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		<category><![CDATA[Energetische Sanierung]]></category>
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		<category><![CDATA[Museumsbau]]></category>
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					<description><![CDATA[Fünf Jahre Sanierung, 14 Erdsonden, 40.000 Objekte: Bad Homburgs Gotisches Haus kehrt als klimatisiertes Museum zurück.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Baukunst.art</strong> / Regionales / April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Geothermie hinter Tudor-Fassade: Bad Homburgs denkmalgerechte Kernsanierung</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Gotische Haus in Bad Homburg ist ein 1823 errichtetes Jagdschlösschen im Stil der Tudor-Gotik und das einzige erhaltene Gebäude dieser Formensprache auf dem europäischen Festland. Nach fünfjähriger Kernsanierung ist es am 28. September 2025 als Museum Gotisches Haus an der Gotischen Allee 1 wiedereröffnet worden. Die Stadt Bad Homburg hat damit ein Bauwerk zurückgewonnen, dessen Geschichte ebenso ungewöhnlich ist wie seine Fassade: Landgräfin Elizabeth, geborene Prinzessin von Großbritannien, ließ es nach ihrer Hochzeit für ihren Ehemann, Landgraf Friedrich VI. Joseph, errichten. Schon sechs Jahre später starb dieser, das Haus wurde nie als Jagdschloss genutzt. Ein Brand in den 1980er Jahren zerstörte das Innere vollständig; 1985 zog das 1916 gegründete Städtische historische Museum ein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die nun abgeschlossene Sanierung war keine kosmetische Auffrischung, sondern ein Eingriff an Substanz, Statik und Haustechnik zugleich. Nach einer Machbarkeitsstudie 2014 und einem europaweiten Planungsverfahren begannen Ende 2020 die Vorbereitungen, Anfang 2021 die Entkernung, im Januar 2022 die eigentlichen Bauarbeiten. Ziel war die Rückführung auf das ursprüngliche Erscheinungsbild der Landgräfin: kleinere gotische Fenster, wieder harmonischere Fassadenproportionen, Eingang an der Südseite. Im Inneren wurde die nach dem Brand der 1980er Jahre eingefügte, teils unkoordinierte Betonstruktur so weit wie möglich zurückgenommen. Decken wurden partiell entfernt, nichttragende und in Teilen auch tragende Wände abgebrochen und durch neues Mauerwerk ersetzt. Im Café ist die ursprüngliche Raumhöhe des einst eingeschossigen Baus wieder erfahrbar.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum brauchte ein Landgrafen-Jagdschlösschen fünf Jahre Sanierung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort liegt weniger in der Fassade als in den Zahlen des Museumsbetriebs. Die Sammlung umfasst rund 40.000 Objekte, darunter 5.000 empfindliche Grafiken sowie historische Textilien, Möbel und Skulpturen. Für deren dauerhafte Bewahrung sind konservatorische Mindeststandards zwingend: eine Raumtemperatur zwischen 18 und 23 Grad Celsius und eine relative Luftfeuchte zwischen 30 und 55 Prozent, Referenzwerte, wie sie in DIN EN ISO 11799 für Archiv- und Bibliotheksmaterialien beschrieben sind. Weder der Altbestand des Gotischen Hauses noch das als Interimsdepot genutzte Horex Museum konnten diese Werte dauerhaft halten. Hinzu kam eine brandschutzrechtliche Lücke: Die nach dem Brand 1980 eingebauten Strukturen waren nicht auf einen regulären Museumsbetrieb ausgelegt, ein zweiter baulicher Rettungsweg fehlte. 2018 musste deshalb ein Ausstellungsraum gesperrt werden. Nach § 14 der Hessischen Bauordnung (HBO) gelten für Sonderbauten wie Museen erhöhte Anforderungen an Brandschutz und Rettungswege; die Musterversammlungsstättenverordnung in ihrer hessischen Umsetzung präzisiert dies für öffentlich zugängliche Räume.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Brandschutz wurde daher mit einem zusätzlichen Treppenhaus grundlegend ertüchtigt. Heizung, Lüftung, Sanitär, Elektro, Einbruch und Videoüberwachung, Gebäudeautomation: all dies wurde komplett erneuert. Das neue Sicherheitskonzept eröffnet der Stadt darüber hinaus museumsstrategisches Neuland, denn es ermöglicht künftig Leihgaben aus anderen Häusern, was die Programmplanung über Wechselausstellungen erst belastbar macht. Für Denkmalschutz und Planungskultur in Hessen ist das Vorhaben überdies ein Referenzfall: Das Denkmalrecht nach § 16 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes (HDSchG) verlangt bei Maßnahmen an einem Kulturdenkmal eine Genehmigung der Denkmalschutzbehörde, und in der Abwägung zwischen originaler Substanz, Klimahülle und Brandschutz lag eine der zentralen planerischen Herausforderungen dieses Projekts. Planerisch begleitet wurde die Maßnahme vom Hochbauamt der Stadt Bad Homburg, konservatorisch von der Museumsleitung unter Dr. Ursula Grzechca-Mohr, und bauaufsichtlich durch den Hochtaunuskreis als untere Bauaufsicht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie schafft ein denkmalgeschütztes Haus die Energiewende?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort der Planung ist ein ambitionierter Technikstapel unter historischer Hülle. Versorgt wird das Gebäude über 14 Erdsonden mit jeweils 150 Metern Tiefe, die oberflächennahe Geothermie nutzbar machen; Erdwärmebohrungen in dieser Tiefenklasse sind nach § 127 des Bundesberggesetzes (BBergG) anzeigepflichtig und bedürfen zugleich einer wasserrechtlichen Erlaubnis nach § 8 des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG). Ergänzend wurden die Dachflächen gedämmt und begrünt. Die energetische Sanierung orientiert sich am Gebäudeenergiegesetz (GEG) in seiner aktuellen Fassung, auch wenn denkmalrechtliche Schutzgüter die Anwendung mancher Vorgaben nach § 105 GEG einschränken. Für die energetischen Maßnahmen wurden Bundes- und BAFA-Mittel in Höhe von 580.000 Euro bewilligt. Museumsleiterin Dr. Ursula Grzechca-Mohr formulierte die konservatorische Logik nüchtern: Erst wenn sich Temperatur und Luftfeuchte stabil einpendelten und der Baugeruch verflogen sei, könnten die Objekte zurückgeführt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau diese Rückführung ist seit Frühjahr 2025 erfolgt, koordiniert durch das auf Kunstlogistik spezialisierte Unternehmen Art Handling. Besonders anspruchsvoll war der Transport eines historischen Fensters aus einer englischen Kirche, ein Objekt, dessen fragile Glasstruktur eigene Schutzmaßnahmen verlangte. Im klimatisierten Depot des ersten Obergeschosses wird die Sammlung künftig bewahrt, während das Erdgeschoss Wechselausstellungen aufnimmt. Die Eröffnungsausstellung verbindet Bauwerk und Kunst in bewusster Offenheit: Unter dem Titel „Protections“ zeigt das Museum Skulpturen des Bildhauers Rainer Hunold in der Mittelhalle, Holzarbeiten mit tausenden eingeschlagenen Kupfernägeln, die eine metallene zweite Haut bilden. Für den nördlichen Ausstellungssaal ist mittelfristig die Sammlung Leonhardt als Leihgabe vorgesehen, eine der renommiertesten europäischen Privatsammlungen zur Landgrafenzeit und beginnenden Industrialisierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Über den lokalen Anlass hinaus lässt sich das Projekt als Lehrstück lesen. Museumssanierungen im Bestand sind in Hessen und darüber hinaus aktuell ein Engpassthema: steigende Anforderungen an Klima, Brandschutz und Barrierefreiheit treffen auf eine Baukultur, die konservatorisch und denkmalrechtlich kompromisslos verhandelt werden muss. Bad Homburg hat diesen Knoten gelöst, indem Nachhaltigkeit nicht als Zusatz, sondern als Tragwerk der gesamten Sanierungsstrategie verstanden wurde: Geothermie statt Gaskessel, Dachdämmung statt Fassadenverkleidung, Rückbau der Eingriffe der 1980er Jahre statt erneuter Überformung. Gleichzeitig markiert der Fall die ökonomischen Grenzen solcher Vorhaben. Die Projektdauer von der Machbarkeitsstudie 2014 bis zur Wiedereröffnung 2025 dokumentiert, dass ehrgeizige Bestandserneuerung in kommunaler Hand einen langen Atem verlangt, sowohl im Haushalt als auch in der politischen Begleitung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Region bedeutet die Wiedereröffnung mehr als einen Museumstermin. Das Gotische Haus war in seiner Tudor-Gotik immer ein Solitär im Landschaftspark am Großen Tannenwald, verwandt mit den englisch inspirierten Gartenbauten in Puschkin, Puławy oder Dessau-Wörlitz, aber anders als diese kein Zitat, sondern ein Bauwerk eigenen Rechts. Mit der Rückführung zur ursprünglichen Formensprache und zugleich der Ausstattung mit zeitgemäßer Museumstechnik gelingt etwas, das in der DACH-Museumslandschaft selten ist: Die historische Schicht und die technische Schicht sind nicht mehr im Widerspruch, sondern stützen sich. Für Bad Homburg ist das ein baukulturelles Signal, das über die Kurstadt hinauswirken dürfte, zumal das Haus im Herbst 2025 Gastgeber der ersten hessischen Fachtagung zur Digitalisierung in Museen war und damit die Ebene von Baukultur, Klimatechnik und Sammlungsarbeit programmatisch verknüpft. Im Zusammenspiel mit der Sammlung Leonhardt und einer perspektivisch wachsenden Kooperation mit anderen Häusern wird aus einem regionalen Jagdschlösschen ein museologisches Modellprojekt, an dem sich künftig messen lassen dürfte, wie sich Bestandsbauten unter Denkmalschutz, Klimazielen und öffentlicher Kulturverpflichtung zugleich tragfähig entwickeln lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>Das Ende einer Setzung: DASMAXIMUM in Traunreut schließt nach vierzehn Jahren</title>
		<link>https://baukunst.art/das-ende-einer-setzung-dasmaximum-in-traunreut-schliesst-nach-vierzehn-jahren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 11:33:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[DASMAXIMUM Traunreut]]></category>
		<category><![CDATA[Heiner Friedrich]]></category>
		<category><![CDATA[Privatmuseum]]></category>
		<category><![CDATA[Stiftungsrecht (§§ 80 ff. BGB)]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15874</guid>

					<description><![CDATA[Nach vierzehn Jahren schließt DASMAXIMUM in Traunreut. Einordnung zur Stiftung Heiner Friedrichs, zu privaten Museen in Deutschland und zur Frage, ob damit ein Kunst-Ort an Gewicht verliert.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>Baukunst.art</strong> / Regionales / April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ende einer Setzung: Warum Heiner Friedrichs Privatmuseum in Traunreut schließt</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Privatmuseum ist eine aus privaten Mitteln errichtete, dauerhaft öffentlich zugängliche Sammlung, deren Fortbestand vom Willen und den Ressourcen einer einzelnen Person oder Familie abhängt. Dieser Satz erklärt, warum in Oberbayern ein Kapitel zu Ende geht: Nach vierzehn Jahren schließt das Museum DASMAXIMUM. KunstGegenwart in Traunreut seine Türen. Das 2010 von Heiner Friedrich errichtete Stiftungshaus, eines der stillsten und zugleich radikalsten Ausstellungsprojekte der Bundesrepublik, beendet den Museumsbetrieb. Die Stiftung richtet sich nach eigenen Angaben konzeptionell neu aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Friedrich, Sohn des Alzmetall-Gründers Harald Friedrich und einer der prägenden Galeristen und Mäzene der zweiten Jahrhunderthälfte, hatte zwischen 2010 und 2011 die ehemaligen Werkshallen des elterlichen Unternehmens, die einst der Produktion des Kleinwagens „Spatz“ gedient hatten, zu einem Ausstellungsort umbauen lassen. Im Juli 2011 öffnete DASMAXIMUM auf rund 4.300 Quadratmetern. Zur Anlage gehörte auch das Altenmarkter Schulhaus aus der Nachkriegszeit, der sogenannte Holzstadel, der wegen seiner kleinen Fenster und seiner Waldlage die vollständige Installation der Lichtarbeit „European Couples“ von Dan Flavin bei Tageslicht erlaubte. Die Sammlung zeigte dauerhaft eingerichtete Werkgruppen von Dan Flavin, Walter De Maria, Andy Warhol, John Chamberlain, Imi Knoebel, Georg Baselitz, Blinky Palermo, Uwe Lausen und Maria Zerres.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum war DASMAXIMUM mehr als ein oberbayerisches Provinzmuseum?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Haus verfolgte ein kuratorisches Prinzip, das in der deutschen Museumslandschaft selten ist. Werkgruppen dauerhaft und unverändert in eigens konzipierten Räumen, ohne wechselnde Sonderausstellungen, ohne rotierende Hängung, ohne Kunstlicht. Die Philosophie, das Kunstwerk ohne jede Interpretation selbst sprechen zu lassen, kehrte damit aus dem amerikanischen Kontext nach Deutschland zurück. Friedrich hatte sie ab 1974 mit der Dia Art Foundation in New York institutionalisiert, mit Räumen, die ausschließlich einem Werk oder einem Künstler gewidmet sind. Architektonisch bedeutete das in Traunreut: keine White-Cube-Neutralität, sondern Hallen, deren industrielle Herkunft ablesbar blieb, mit schlanken Tragwerken, sichtbarem Dachstuhl und Tageslicht als primärer Lichtquelle. Die Traunreuter Setzung stand in einer Reihe mit der Dia Beacon im Hudson Valley, dem „Lightning Field“ Walter De Marias in New Mexico, der Kunstinsel Naoshima in Japan und, näher, dem „Vertikalen Erdkilometer“ Walter De Marias am Friedrichsplatz in Kassel.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vor diesem Hintergrund war die oberbayerische Kleinstadt Traunreut, ein Produkt der Nachkriegsplanung mit rund 21.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, nur scheinbar ein ungewöhnlicher Ort. Friedrich knüpfte an die Biografie seiner Familie und an das industriekulturelle Erbe seines Vaters an. Die Kooperation mit der Pinakothek der Moderne im Rahmen des „American Summer“ 2011, die Nachbarschaft zum Dream House Polling (La Monte Young und Marian Zazeela, Stiftung Klang-Licht-Raum) und die Zusammenarbeit mit Hubert Burda Media zur Ausstellung „Zentrum der Reaktion“ im Jahr 2024 um das Künstlerpaar Uwe Lausen und Heide Stolz zeigten, dass der Ort in ein internationales Netzwerk eingebunden war. Langjährige Vorständin und kuratorische Wegbegleiterin Friedrichs war Dr. Corinna Thierolf, die in der Abschiedserklärung der Stiftung ausdrücklich gewürdigt wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rechtlich und institutionell lag das Museum in einer typischen Konstellation. Träger war die Stiftung DASMAXIMUM, eine rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts nach den §§ 80 ff. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) und dem Bayerischen Stiftungsgesetz (BayStG). Für die in der Sammlung enthaltenen Werke gilt wie für jede bedeutende Privatsammlung das Kulturgutschutzgesetz (KGSG) vom 31. Juli 2016, das die Ausfuhr national wertvollen Kulturguts beschränkt und die Verzeichnung in öffentlichen Listen vorsieht. Beide Rahmen werden bei der Neuausrichtung der Stiftung und bei jeder möglichen Überführung von Werkgruppen eine Rolle spielen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ist die Schließung ein Zeichen für den Niedergang Deutschlands als Kunst-Ort?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage liegt auf der Hand, sie trägt aber zu dick auf. Richtig ist, dass die Schließung ein Verlust ist. Ein Ort, der ohne Eventbetrieb und ohne Ticketmaschine ausgekommen ist, fehlt. Richtig ist auch, dass private Museen in Deutschland strukturell schwächer verankert sind als in Frankreich, wo die Fondation Louis Vuitton, die Bourse de Commerce (Pinault Collection) und die Fondation Cartier in den vergangenen Jahren ganze Stadtviertel neu justiert haben. Das liegt weniger an mangelndem Sammlerwillen als an steuerrechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen, die Mäzenatentum in Frankreich seit der Loi Aillagon von 2003 in einer Weise fördern, die in der Bundesrepublik nicht vergleichbar ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Von einem Niedergang zu sprechen wäre dennoch falsch. Die Sammlung Goetz in München, das Museum Brandhorst, die Sammlung Boros in Berlin, die Feuerle Collection, das Schauwerk Sindelfingen, die Langen Foundation in Neuss, die Sammlung Hurrle in Durbach und die Kunsthalle Weishaupt in Ulm beweisen, dass private Häuser weiterhin getragen werden. Zugleich zeigt der Fall der Sammlung Gerlinger am Buchheim Museum, ebenso wie der Rückzug der Sammlung Essl in Klosterneuburg von 1999 bis 2016, dass die Überführung privater Sammlungen in die nächste Generation die eigentliche Schwachstelle ist. Die Schließung in Traunreut steht in dieser Tradition, nicht in einer Niedergangserzählung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Markus Blume hat öffentlich Hoffnungen auf eine Zukunft der Sammlung geäußert. Die Museumsoffensive der Kulturagenda Bayern, die das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (StMWK) zusammen mit den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen unter der interimistischen Leitung von Anton Biebl betreibt, kennt Formate für die Einbindung privater Bestände. Denkbar wären Dauerleihgaben an die Pinakothek der Moderne, eine Überführung einzelner Werkgruppen in die Sammlung Brandhorst oder eine Kooperation mit der Hamburger Kunsthalle und den Häusern K20 und K21 in Düsseldorf. Ebenso denkbar ist eine Lösung vor Ort, die das ensemblehafte Prinzip der bestehenden Hängung bewahrt, und sei es in reduzierter Form als Außenstelle einer staatlichen Sammlung. Entscheidungen dieser Größenordnung sind jedoch Angelegenheit der Stiftung und ihres Kuratoriums, nicht der staatlichen Hand.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt, ist eine architektonische und kulturgeschichtliche Lehre. Die umgenutzten Werkshallen in Traunreut, das sanierte Altenmarkter Schulhaus und die Einbettung in den bestehenden Stadtraum waren ein Modellfall für Konversion als Kulturproduktion, mit durchgängig natürlicher Belichtung als leitendes Entwurfsprinzip. Dass ein solcher Ort sich nicht automatisch in die dritte Dekade trägt, liegt nicht an der Qualität der Architektur oder der Sammlung, sondern an der strukturellen Abhängigkeit vom Stifter und am Fehlen eines öffentlich-rechtlichen Ankers. Wer Privatmuseen als Teil der öffentlichen Kultur denken will, muss die Frage der Generationenübergabe beantworten, bevor sie sich stellt. Traunreut ist damit kein Beleg für den Niedergang Deutschlands als Kunst-Ort, sondern ein Hinweis auf die nächste kulturpolitische Baustelle.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Chamberlain-Haus in Bayreuth: Vom Dokumentationszentrum zum Erinnerungshub</title>
		<link>https://baukunst.art/chamberlain-haus-in-bayreuth-vom-dokumentationszentrum-zum-erinnerungshub/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 11:13:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bayreuth]]></category>
		<category><![CDATA[Chamberlain-Haus]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[NS-Dokumentationszentrum]]></category>
		<category><![CDATA[Oberfranken]]></category>
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					<description><![CDATA[Statt eines Dokumentationszentrums zur NS-Ideologiegeschichte beschließt Bayreuth einen abgespeckten Erinnerungshub im Chamberlain-Haus. Die BKM-Millionen stehen auf der Kippe.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">baukunst.art | <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">OBERFRANKEN</strong> | April 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das Haus des Rassentheoretikers: Bayreuth ringt um seine dunkelste Adresse</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein NS-Dokumentationszentrum von nationaler Strahlkraft wird in Bayreuth vorerst nicht entstehen. Der Kulturausschuss der Stadt hat am 13. April 2026 mit zehn zu sieben Stimmen eine deutlich abgespeckte Variante empfohlen. Statt einer Dauerausstellung an zwei authentischen Täterorten soll nun lediglich das Gebäude Wahnfriedstraße 1, das sogenannte Chamberlain-Haus, saniert und im Dachgeschoss um einen kleinen Vermittlungsraum ergänzt werden. Die ursprünglich eingeplanten elf Komma fünf Millionen Euro Bundesförderung aus dem Programm KulturInvest stehen damit voraussichtlich nicht mehr zur Verfügung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall Bayreuth ist in doppelter Hinsicht bemerkenswert. Zum einen, weil die Stadt als einer der symbolisch am stärksten belasteten Orte des Nationalsozialismus in Deutschland gilt. Zum anderen, weil sich hier die Widersprüche zwischen kulturpolitischem Anspruch, kommunaler Finanzlage und denkmalpflegerischer Verantwortung auf engstem Raum verdichten. Das Chamberlain-Haus, benannt nach dem Rassentheoretiker und Wagner-Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain, liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Villa Wahnfried und beherbergt bislang das Jean-Paul-Museum. Das zweite ursprünglich vorgesehene Gebäude, das Geburtshaus des NSDAP-Gauleiters Hans Schemm in der Brautgasse 2, entfällt in der nun bevorzugten Option.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum scheitert das vollständige Dokumentationszentrum an der Kasse?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Grundlage der Entscheidung war eine im Januar 2025 beauftragte Studie der Erinnerungskultur-Expertin Henrike Claussen. Fünf Varianten standen zur Auswahl. Die ambitionierteste hätte einschließlich der Sanierung beider Standorte mit rund 18,76 Millionen Euro Baukosten und 725.000 Euro jährlichem Betriebsaufwand zu Buche geschlagen. Die beschlossene Option 3 kommt auf 5,6 Millionen Euro Baukosten und 226.940 Euro Betrieb pro Jahr. Der Unterschied liegt weniger im Sanierungsaufwand als in der inhaltlichen Tiefe. Nur die beiden großen Varianten erfüllten die Voraussetzungen, die der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) an eine Förderung knüpft, nämlich eine Themensetzung von nationaler Strahlkraft und eine Dauerausstellung über mindestens 25 Jahre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bereits 2022 hatte die Stadt ein Finanzierungskonzept skizziert, das eine Förderquote von 88 Prozent vorsah: 50 Prozent vom Bund, 20 Prozent von der Oberfrankenstiftung, ergänzt durch Mittel aus der Städtebauförderung der Regierung von Oberfranken. Diese Konstruktion bleibt an den BKM-Antrag gebunden, der bis zum 31. Dezember 2027 prüffähig vorliegen muss. Die Abstimmung im Kulturausschuss fiel dennoch knapp zugunsten der kleinen Lösung aus. Thomas Bauske (SPD) verwies auf konkurrierende Investitionen in Kindertagesstätten, Schulen und Sportanlagen, Luisa Funke-Barjak (FDP) sprach von Bauchschmerzen bei den laufenden Betriebskosten. Oberbürgermeister Thomas Ebersberger warnte dagegen, dass sich das Fördergeld nicht mehr abrufen lasse, wenn die Stadt jetzt zurückrudere.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Unabhängig von der gewählten Variante gilt eine bauliche Realität: Das Chamberlain-Haus muss ohnehin saniert werden. Teile des Dachs sind derzeit notdürftig mit Planen abgedeckt. Als Baudenkmal unterliegt das Gebäude dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz (BayDSchG) mit den bekannten Erlaubnispflichten nach Artikel 6. Für Eingriffe in die Gebäudehülle greifen zusätzlich die energetischen Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG), wobei § 105 GEG Denkmalen Spielräume einräumt. Die Bayerische Bauordnung (BayBO) regelt die baulichen Mindestanforderungen, etwa an Fluchtwege und Barrierefreiheit, die bei einer musealen Nutzung anders zu bewerten sind als beim jetzigen Bestand als Jean-Paul-Museum.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet die Entscheidung fuer die Erinnerungskultur in Oberfranken?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die inhaltliche Debatte verlief quer zu den Fraktionsgrenzen. Stefan Schlags (Grüne) plädierte für digitale und vernetzte Formate statt einer klassischen Ausstellung und kritisierte die Verengung auf die NS-Ideologiegeschichte. Christoph Rabenstein (SPD) sah mit der Formel „Täter im Mittelpunkt, Opfer außen vor“ eine problematische Schwerpunktsetzung. Claussen hielt dagegen, dass der Fokus auf Ideologiegeschichte lokale Ereignisse nicht ausblende, sondern das völkische Denken des 19. Jahrhunderts mit seinen Wirkungen bis in die Gegenwart greifbar mache. Stefan Specht (CSU) sprach sich für die größere Option 2 aus und mahnte, neben den ideologischen Wurzeln auch den Widerstand in Bayreuth sichtbar zu machen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit der beschlossenen Option wandelt sich die Bauaufgabe grundlegend. Gefragt ist nicht mehr ein Dokumentationszentrum mit Dauerausstellung, sondern ein Erinnerungshub: Sanierung des Bestands, ein flexibler Vermittlungsraum im Dachgeschoss, Koordinationsfunktion für bestehende Initiativen und Pop-up-Formate im Stadtraum. Die architektonische Aufgabe verlagert sich damit von musealer Ausstellungsinszenierung hin zu einer behutsamen Instandsetzung mit geringem zusätzlichen Einbau. Für die Denkmalpflege ist das grundsätzlich die schonendere Lösung. Aus kuratorischer Sicht droht jedoch die Fragmentierung: Ein Ort ohne Dauerausstellung erreicht ein anderes Publikum und verliert die Voraussetzungen für eine institutionelle Trägerschaft, wie sie die Richard-Wagner-Stiftung mit Beschluss des Stiftungsrats vom 30. November 2023 übernommen hätte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Blick in andere Städte schärft das Profil der Bayreuther Entscheidung. Das NS-Dokumentationszentrum München am Königsplatz, 2015 nach Entwurf von Georg Scheel Wetzel Architekten eröffnet, setzt auf einen markanten Neubau an historisch aufgeladener Stelle. Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg arbeitet mit dem Bestand der NS-Kongresshalle und wird derzeit nach Plänen von Petzinka Pink Architekten neu aufgestellt. Das NS-Dokumentationszentrum Köln nutzt das ehemalige Gestapo-Hauptquartier im EL-DE-Haus als authentischen Ort. Allen gemeinsam ist das inhaltliche Fundament einer langfristig angelegten Dauerausstellung, verbunden mit wissenschaftlicher Begleitung. Die Bayreuther Variante ohne Dauerausstellung bleibt in dieser Reihe ein Sonderfall. Sie entspricht eher einem dezentralen Bildungsträger als einer nationalen Gedenkstätte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bauaufgabe im engeren Sinne ist eine Denkmalsanierung mit kulturpädagogischem Nutzen. Das Chamberlain-Haus, erbaut in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als bürgerliche Villa, verlangt eine vollständige Dachüberarbeitung, vermutlich ergänzt um haustechnische Ertüchtigung, Brandschutzkonzept nach Artikel 12 BayBO sowie eine abgestimmte energetische Sanierung innerhalb der Denkmalgrenzen. Der Ausbau des Dachgeschosses für Vermittlungsarbeit wirft Fragen nach Rettungswegen, Raumakustik und Barrierefreiheit nach DIN 18040-1 auf, die im Bestand selten trivial zu lösen sind. Hinzu kommt die Einbindung der Außenflächen. Eine honorarrechtlich saubere Abwicklung wird sich nach HOAI 2021 mit Leistungen der Objektplanung Gebäude nach § 34, flankiert von Tragwerksplanung und Fachplanung TGA, bewegen. Wer diese Leistungen ausschreibt, wird sich an den verbliebenen Förderkulissen orientieren müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die regionale Planungskultur in Oberfranken hat der Vorgang Signalwirkung. Kommunen mit schwieriger Haushaltslage stehen immer häufiger vor der Frage, ob sie Bundes- und Landesförderungen abrufen oder freiwillige Ausgaben dauerhaft reduzieren wollen. Bayreuths Entscheidung zeigt, dass selbst eine Förderquote jenseits der 80 Prozent keine automatische Zustimmung zu Projekten von überregionaler Bedeutung sichert, sobald die verbleibenden Betriebskosten den kommunalen Spielraum übersteigen. Der Kulturausschuss hat zusätzlich empfohlen, eine Strategie zur Professionalisierung der Erinnerungsarbeit in Bayreuth zu beauftragen. Damit könnte die kleinteilige Trägerschaft, die bislang auf Vereine, die Universität Bayreuth und einzelne Projekte verteilt ist, konsolidiert werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die endgültige Entscheidung trifft der Stadtrat. Offen bleibt, ob Option 3 sich am Ende tatsächlich günstiger erweist als der ursprünglich kalkulierte große Wurf. Ohne BKM-Beteiligung entfällt die 50-Prozent-Basisförderung, und auch die Mittel der Oberfrankenstiftung waren an die größere Themensetzung gebunden. Für die Sanierung allein müssen neue Fördertöpfe erschlossen werden, etwa über die Städtebauförderung oder denkmalpflegerische Programme des Freistaats Bayern. Die Substanz des Chamberlain-Hauses drängt. Und die symbolische Frage, wie Bayreuth mit seinen braunen Kapiteln umgeht, bleibt unabhängig vom Bauvolumen bestehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Streit um das Erbbaurecht in Niedersachsen</title>
		<link>https://baukunst.art/streit-um-das-erbbaurecht-in-niedersachsen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 10:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Erbbaurecht]]></category>
		<category><![CDATA[Klosterkammer Hannover]]></category>
		<category><![CDATA[Niedersachsen]]></category>
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					<description><![CDATA[Sprünge bis zum 45-Fachen: Der Streit um das Erbbaurecht spaltet Niedersachsen, stellt die Klosterkammer Hannover in die Kritik und zwingt den Landtag zur wohnungspolitischen Grundsatzdebatte.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong> | Regionales | April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die unsichtbare Enteignung: Wie ein Paragraph das Eigenheim verschwinden lässt</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Erbbaurecht, ein dingliches Nutzungsrecht nach dem Erbbaurechtsgesetz (ErbbauRG) von 1919, verwandelt sich in Niedersachsen vom sozialpolitischen Wohninstrument zur finanziellen Drohkulisse für zehntausende Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer. Rund fünf bis zehn Prozent der niedersächsischen Bevölkerung lebt auf Erbbaurechtsgrundstücken, die weitaus meisten Verträge wurden in den fünfziger und sechziger Jahren für Laufzeiten von achtzig Jahren geschlossen. Nun laufen die ersten Verträge aus, und die Neuverhandlungen bringen Pachtsteigerungen zutage, die in Einzelfällen das 45-Fache oder gar 5000 Prozent des alten Zinses erreichen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders betroffen sind die Stadtregionen Hannover, Lüneburg, Osnabrück, Hildesheim und Göttingen. Dort haben sich seit dem Sommer 2025 Bürgerinitiativen gegründet, die unter dem Dach der Landesarbeitsgemeinschaft Bezahlbares Wohnen im Erbbau Niedersachsen (LAG) zusammenarbeiten. Demonstrationen vor dem Landtag, eine Kleine Anfrage der CDU-Abgeordneten Verena Kämmerling und Marco Mohrmann, ein rot-grüner Entschließungsantrag und schließlich Klagedrohungen gegen einzelne Landeskirchengemeinden haben aus einer regionalen Debatte eine landespolitische Grundsatzfrage gemacht. Im Mittelpunkt steht die Klosterkammer Hannover, eine Sonderbehörde im Geschäftsbereich des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (MWK), die rund 17.000 Erbbaurechte verwaltet und damit die größte Erbbaurechtsausgeberin Deutschlands ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum führt § 64 LHO zu Zinssprüngen bis zum Fünfundvierzigfachen?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort liegt in der Niedersächsischen Landeshaushaltsordnung (LHO). Ziffer 4.1 der Anlage 3 zur Verwaltungsvorschrift Nr. 2.3.2 zu § 64 LHO schreibt vor, dass bei der Bestellung eines Erbbaurechts ein wiederkehrendes Entgelt zu vereinbaren ist, das einem festen Prozentsatz des Bodenwerts zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses entspricht. Für Wohnbebauung beträgt dieser Prozentsatz pauschal fünf. Da sich der Bodenwert am Bodenrichtwert der örtlichen Gutachterausschüsse orientiert und dieser sich in den Ballungsräumen seit 2010 teilweise verzwanzigfacht hat, koppeln sich die Erbbauzinsen bei Vertragsablauf mechanisch an die spekulative Bodenwertentwicklung. § 63 Absatz 3 LHO schreibt zudem vor, dass Vermögensgegenstände nur zu ihrem vollen Wert genutzt werden dürfen. Über § 105 Absatz 1 Nummer 2 LHO gelten die Paragraphen 1 bis 87 LHO auch für die von der Klosterkammer verwalteten Stiftungen; die Kammer ist damit als Landesbehörde an dieses Wirtschaftlichkeitsgebot vollumfänglich gebunden, anders als Kommunen wie Lübeck, Bremen oder Hamburg, die ihre Erbbauzinsen aus eigener Kassenhoheit senken und über andere Gebühren quersubventionieren konnten. Ein Erlass des Niedersächsischen Finanzministeriums vom 15. November 2012 ließ lediglich für vorzeitige Vertragsverlängerungen mit Restlaufzeiten zwischen fünf und vierzig Jahren einen reduzierten Satz von vier Prozent auf den Netto-Bodenwert zu; rund 2.000 Verträge wurden auf dieser Grundlage bereits verlängert. Wer bis zum regulären Vertragsende wartet, fällt automatisch in die Fünf-Prozent-Regel zurück.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Folgen sind drastisch. In Hannover muss ein Rentnerehepaar nach Berichten des Norddeutschen Rundfunks künftig statt 28 Euro monatlich rund 1.600 Euro zahlen. Eine andere Rentnerin mit einem 430 Quadratmeter großen Grundstück soll den Jahreszins von rund 980 Euro auf 15.600 Euro anheben, also auf das Sechzehnfache. In Lüneburg steht ein 790 Quadratmeter großes Grundstück mit aktuell 570 Euro Jahreszins bei Neuvergabe rechnerisch bei über 12.000 Euro. Kann der Vertrag nicht verlängert werden, läuft er aus, und das Gebäudeeigentum fällt an die Grundstückseigentümerin zurück. Die Klosterkammer entschädigt inzwischen bis zu 100 Prozent des Verkehrswerts, wie die Drucksache 19/8184 des Niedersächsischen Landtags ausweist. Für Betroffene bleibt das trotzdem der Verlust des Eigenheims.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Klosterkammerpräsidentin Thela Wernstedt verteidigt die Praxis mit dem Hinweis, dass die Behörde vier öffentlich-rechtliche Stiftungen verwaltet, darunter den Allgemeinen Hannoverschen Klosterfonds (AHK) mit einer Bilanzsumme von rund 750 Millionen Euro. Aus den Erbbauzinsen erhält die Kammer Mittel, die im Jahresbericht 2024 mit rund 3,5 Millionen Euro für soziale, kirchliche und Bildungsprojekte ausgewiesen sind. Der Erhalt von mehr als 700 Baudenkmalen in Niedersachsen ist ohne diese Erträge nach Angaben der Kammer nicht darstellbar. Die Schaffung bezahlbaren Wohnraums, so Wernstedt, sei nicht Aufgabe der Vermögensverwaltung, sondern des Gesetzgebers.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet der Streit für die künftige Bodenpolitik im Norden?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Landtag haben SPD und Grüne mit Drucksache 19/8949 vom 11. November 2025 einen Entschließungsantrag eingebracht, der vier Stellschrauben nennt. Erstens soll geprüft werden, ob die Verwaltungsvorschriften zur LHO reformiert werden müssen. Zweitens soll ein Gremium eingerichtet werden, das der Klosterkammer bei neuen Verträgen eine angemessene Vertragsgestaltung empfiehlt. Drittens soll als Bemessungsgrundlage nicht der aktuelle Bodenrichtwert dienen, sondern ein gleitender Zehn-Jahres-Median der Richtwerte aus den örtlichen Gutachterausschüssen, um spekulative Ausschläge zu glätten. Viertens soll in Gebieten mit angespannten Wohnungsmärkten nach § 1 der Niedersächsischen Mieterschutzverordnung ein Verzicht auf bis zu drei Viertel des Erbbauzinses möglich werden, was einem effektiven Satz von 1,25 Prozent entspricht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der CDU-Abgeordnete Christian Frölich kritisierte den Antrag in der ersten Lesung am 20. November 2025 als teilweise verfassungswidrig. Die Idee eines beratenden Gremiums neben der Rechtsaufsicht des MWK wertete er als Delegationstrick. Die Ablösung des aktuellen Bodenrichtwerts durch einen Zehn-Jahres-Median verstoße gegen § 63 Absatz 3 LHO. Frank Henning (SPD) und Heiko Sachtleben (Grüne) hielten dagegen, die Maßnahmen seien Ergebnis monatelanger Gespräche mit der Klosterkammer selbst und ließen sich ohne Änderung der LHO über neue Verwaltungsvorschriften des Finanzministeriums umsetzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Parallel hat die Klosterkammer selbst nachjustiert. Im Dezember 2025 stellte Liegenschaftsleiterin Friederike Bock ein neues Vertragsmodell vor, das den Prozentsatz nicht mehr pauschal bei fünf belässt, sondern am Referenzzinssatz zehnjähriger Bundesanleihen orientiert, der Anfang 2026 bei 2,69 Prozent lag. Zusätzlich wird ein Netto-Bodenwert zugrunde gelegt, bei dem die Erschließungskosten abgezogen werden, und in angespannten Wohnlagen gibt es einen zusätzlichen Abschlag von einem Drittel. Für das Lüneburger Beispielgrundstück sinkt der rechnerische Jahreszins dadurch von rund 12.260 auf 5.619 Euro. Das MWK hat das Modell genehmigt; die LAG hält es dennoch für unzureichend und behält sich Musterklagen vor.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisch und planerisch geht es um mehr als Paragraphen. Das Erbbaurecht war seit der Erbbaurechtsverordnung von 1919 ein Instrument, um Bodenspekulation zu begrenzen und Eigentumsbildung für mittlere Einkommen zu ermöglichen. Wenn es heute in seiner Anwendung genau jene Spekulation weiterträgt, die es einst eindämmen sollte, gerät auch die Stadtentwicklung unter Druck: Eigentümerwechsel durch Unbezahlbarkeit, Zwangsmietverhältnisse in eigenen Häusern und Bestandsverluste in gewachsenen Wohnquartieren sind die Folge. Gerade in gründerzeitlichen und nachkriegszeitlichen Vorstadtlagen, die architekturhistorisch oft unter Erhaltungssatzungen nach § 172 Baugesetzbuch (BauGB) stehen, drohen Eigentümerinnen unter dem Zinsdruck zum Notverkauf; die städtebauliche Kontinuität, die diese Quartiere prägt, ist damit mittelbar gefährdet. Allein bei der Klosterkammer laufen bis 2048 rund 2.600 Verträge aus, weitere Zehntausende liegen bei Landeskirchen, der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, den kommunalen Wohnungsgesellschaften und privaten Stiftungen. Die Entscheidungen, die in Hannover nun getroffen werden, wirken über Niedersachsen hinaus. Sie prägen den Umgang mit dem ErbbauRG in allen Bundesländern, in denen die öffentliche Hand, Kirchen und kommunale Wohnungsunternehmen ähnliche Vertragswellen vor sich haben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>Land der Quartiere: Bremen startet eine IBA ohne frisches Geld</title>
		<link>https://baukunst.art/land-der-quartiere-bremen-startet-eine-iba-ohne-frisches-geld/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 09:45:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[BauGB]]></category>
		<category><![CDATA[BremLBO]]></category>
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		<category><![CDATA[Quartiersentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtumbau]]></category>
		<category><![CDATA[Werftquartier Bremerhaven]]></category>
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					<description><![CDATA[Zehn Jahre, zwei Städte, kein frisches Geld: Bremens Bausenatorin Özlem Ünsal hat die erste IBA-Werkstatt eröffnet und das Leitbild „Land der Quartiere" in die Umsetzung überführt.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong> | Regionales | April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Bremens teure Wette: Wie eine IBA ohne neues Geld die Quartiere retten soll</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Internationale Bauausstellung Bremen ist ein zehnjähriges Sonderformat der Stadtentwicklung, mit dem die Freie Hansestadt den Umbau ihrer Quartiere zu sozial stabilen, klimagerechten und zukunftsfesten Orten organisieren will. Am 8. April 2026 hat Bausenatorin Özlem Ünsal im Bremer Zentrum für Baukultur (bzb) die erste IBA-Werkstatt eröffnet und damit einen Beschluss der Bremischen Bürgerschaft vom 8. Oktober 2025 in die Umsetzung überführt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Leitbild lautet „Bremen, Land der Quartiere&#8220;. Die Idee dahinter ist programmatisch: Die großen Zukunftsaufgaben, also sozialer Zusammenhalt, Bestandsentwicklung und Klimaanpassung, sollen dort bearbeitet werden, wo Menschen tatsächlich leben und arbeiten. Drei Begriffe geben der Phase ihre Richtung. Sozial, weil Quartiere gemeinwohlorientiert entstehen sollen. Robust, weil sie auf gesellschaftliche, wirtschaftliche und klimatische Erschütterungen vorbereitet sein müssen. Und zirkulär, weil Bauen und Bestandsentwicklung als Kreislauf zu denken sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Initiiert wurde die Bewerbung von der SPD-Bürgerschaftsfraktion, die bereits im September 2023 einen Antrag unter dem Arbeitstitel „Alte Quartiere zu neuem Glanz&#8220; eingebracht hatte. Zwei Jahre später beauftragte die rot-grün-rote Koalition den Senat mit der Erarbeitung eines Konzepts. Seither arbeitet das Senatsressort für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung an inhaltlichen und strukturellen Grundlagen. Aus dem aktuellen Werkstattbericht soll im Laufe des Jahres ein Memorandum entstehen, das die Grundzüge für eine IBA im Land Bremen verbindlich zusammenfasst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Quartiere rücken in den Fokus?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Spektrum der möglichen Interventionsräume ist groß und macht die Bremer Initiative bundesweit zum einzigen Zwei-Städte-Projekt dieser Art. Im Blickfeld stehen ehemalige Arbeiterstadtteile, denen die sanfte Transformation nicht gelungen ist. In Hemelingen eröffnet das Coca-Cola- und Könecke-Gelände Spielräume für produktives Gewerbe und Wohnen. Im Vorderen Woltmershausen reift das bereits prominent besetzte Tabakquartier. Die Überseeinsel gilt mit ihrem eigenständigen Energiekonzept als Referenz für quartiersbezogene Wärmewende. In Blumenthal wird ein denkmalgeschütztes Rathaus zum Quartiershaus umgebaut, das künftig Ortsamt, Polizei und Jugendgesundheitsdienst zusammenführt; daneben steht das Kämmerei-Quartier als großflächiges Entwicklungsareal im Raum.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf der Bremerhavener Seite bildet das Werftquartier den baulich ehrgeizigsten Baustein. Auf rund 140 Hektar im Bereich des nördlichen Fischereihafens soll auf dem Areal der ehemaligen Seebeck-Werft Wohnraum für rund 6.000 Menschen und etwa 5.000 Arbeitsplätze entstehen, mit dem Ziel der vollständigen CO2-Neutralität bis 2045. Der städtebauliche Rahmenplan geht auf einen Realisierungswettbewerb zurück, den das dänische Büro COBE 2020 gewonnen hat. Ergänzend bringen die Antragsteller das Gestra-Gelände in Findorff, das Goethe-Viertel sowie mit dem Hohentorshafen und dem Hemelinger Hafen weitere Potenzialorte entlang der Weser ins Gespräch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gemeinsamer Nenner ist nicht ein einzelner Gebäudetyp, sondern eine Diagnose. Immer mehr Nutzungsklassen fallen aus, vom Warenhaus über die Tankstelle bis zur Kirche, während Flächenverbrauch minimiert und Verkehrslasten reduziert werden sollen. Das Bauordnungsrecht nach §§ 50 ff. Bremische Landesbauordnung (BremLBO), die Klimaanforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) und die städtebaulichen Instrumente der §§ 136 ff. und §§ 171a ff. Baugesetzbuch (BauGB, Sanierungs- und Stadtumbaugebiete) treffen in diesen Quartieren auf eine Eigentümerstruktur, die sich mit klassischer Angebotsplanung kaum bewegen lässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Prozesskultur, die die IBA einführen will, unterscheidet sich bewusst vom klassischen Architekturwettbewerb. Regisseurin Lilli Thalgott hat für den Werkstattbericht fünf Filmporträts von Quartiersmachern produziert, moderiert hat die Eröffnungsveranstaltung Frauke Burgdorff aus Aachen. Lars-Christian Uhlig vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat das Vorhaben fachlich eingeordnet. Erkennbar wird ein Format, das nicht vorrangig Baukörper produzieren, sondern Koordination, Beteiligung und Wissenstransfer erlebbar machen soll. Für ein Architekturmagazin ist das zunächst die unbequemere Nachricht: Die IBA will weniger Architektur zeigen und mehr Prozess.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie wird eine IBA ohne frisches Geld finanziert?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die zentrale Schwachstelle der Bremer Initiative hat die Senatorin selbst benannt. Für die IBA stehen keine erheblichen neuen öffentlichen Mittel bereit. Der Bauindustrieverband Niedersachsen-Bremen unterstützt das Vorhaben, formuliert aber den Prüfstein präzise. Hauptgeschäftsführer Jörn P. Makko hat die Perspektive in drei Fragen übersetzt: Wird das Bauordnungsrecht vereinfacht? Werden Genehmigungen schneller? Kommen Grundstücke zu Konditionen auf den Tisch, mit denen sich rechnen lässt? Solange diese drei Antworten ausstehen, bleibt die IBA, um es mit Makko zu sagen, zunächst ein Rahmen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Senatorin setzt genau an diesem Punkt auf die Katalysatorwirkung des Formats. Eine IBA soll lokale Akteure einbinden, unterschiedliche Quartiersbedarfe stärken und neue Finanzierungswege durch Bündelung und Bundesförderung erschließen. Der Verweis auf Referenzen liegt nahe. Die IBA Hamburg hat zwischen 2006 und 2013 unter dem Motto „Sprung über die Elbe&#8220; 63 bauliche Projekte angestoßen und rund 1.200 Wohnungen geschaffen. Die IBA Emscher-Park hat den Strukturwandel des Ruhrgebiets gestaltet. Beide Formate haben gezeigt, dass eine IBA nicht primär eigenes Budget verteilt, sondern Drittmittel mobilisiert, Genehmigungsbehörden synchronisiert und private Investitionen in Areale lenkt, die sonst im Portfolio hinten liegen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Fachlich eingeordnet wird die Bremer Perspektive unter anderem vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Auch die Handelskammer Bremen und die Aufbaugemeinschaft haben sich positioniert. Entscheidend wird sein, wie der Senat die organisatorische Durchführung strukturiert. Der Bürgerschaftsbeschluss lässt bewusst mehrere Optionen offen, von einer interdisziplinären Steuerung innerhalb der Verwaltung über eine eigenständige kuratorische Leitung bis hin zu einer eigenen Projektgesellschaft mit operativer Entwicklungskapazität. Senatsbaudirektor Arend Bewernitz, seit Februar 2026 Nachfolger von Iris Reuther, dürfte die Weichenstellung maßgeblich mitprägen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als Stützpfeiler dieser These dient Bremen die eigene Bilanz. Das Tabakquartier in Woltmershausen verbindet Wohnen, Kultur, Arbeit und Freizeit auf einem industriell geprägten Areal, die Überseeinsel testet ein eigenständiges Quartiersenergiekonzept, und die langjährige Stadterneuerung im Schweizer Viertel hat gezeigt, dass Bestandsumbau ohne Abriss tragfähig ist. Diese Projekte sind keine IBA-Vorhaben, belegen aber, dass die Stadt Quartiersentwicklung operativ beherrscht. Die IBA soll diese Praxis skalieren und methodisch in die nächste Ebene heben. Gleichzeitig stehen offene Fragen an, etwa zur Zukunft der Lloyd-Passage in Bremerhaven, deren Erhalt oder Abbruch gerade verhandelt wird und die exemplarisch zeigt, wie schnell IBA-Themen in politische Entscheidungen überführt werden müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Präsentation der IBA selbst wird erst in den 2030er Jahren erwartet; die Website <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://land-der-quartiere.de/" data-inline-card="" data-card-data="">http://land-der-quartiere.de</a></span></span> begleitet den Prozess. Für die Fachöffentlichkeit in der DACH-Region liegt der eigentliche Test jedoch nicht im Präsentationsjahr, sondern in der Zwischenzeit. Sichtbar werden muss, ob der Zwei-Städte-Staat seine enge Verzahnung von Landes- und kommunaler Ebene tatsächlich als Beschleuniger nutzt oder ob das bundesweite Alleinstellungsmerkmal an der Kassenlage scheitert. Eine IBA ohne Budget ist keine Absage an Ambition, sie ist eine Wette auf Handwerk: auf schnellere Genehmigungen, mobilisierbare Grundstücke und ein Bauordnungsrecht, das Umbau vor Abriss und Bestand vor Neubau honoriert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Kostensprung beim Zukunftszentrum Halle</title>
		<link>https://baukunst.art/kostensprung-beim-zukunftszentrum-halle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 09:34:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[BauGB]]></category>
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					<description><![CDATA[Es soll ein Ort für Forschung, Dialog und Begegnung werden: das Zukunftszentrum am Riebeckplatz in Halle. Nun werfen neue Berechnungen der Projektkosten Fragen auf.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong> | Regionales | April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Einheit mit Aufschlag: Warum das Zukunftszentrum in Halle teurer wird</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Es soll ein Ort für Forschung, Dialog und Begegnung werden: das Zukunftszentrum am Riebeckplatz in Halle. Nun werfen neue Berechnungen der Projektkosten Fragen auf.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation ist ein vom Bund initiierter Kultur- und Forschungsneubau am Riebeckplatz in Halle (Saale), dessen veranschlagte Baukosten laut dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) von rund 208 auf über 277 Millionen Euro angewachsen sind. Ein Kostensprung von etwa einem Drittel, begründet mit Anforderungen im Tiefbau, der technischen Gebäudeausrüstung eines Hochhauses und erwarteten Baupreissteigerungen bis zur geplanten Fertigstellung 2030.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Standort war lange umkämpft. Im Februar 2023 entschied sich die Bundesjury im Rahmen des vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) und dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) ausgelobten Standortwettbewerbs für Halle, nachdem sich zuvor acht ostdeutsche Kommunen beworben hatten. Halle setzte sich in der Endrunde gegen Eisenach, Frankfurt (Oder), Jena und Leipzig durch. Der Riebeckplatz, einst repräsentativer Stadteingang und später einer der verkehrsreichsten Knoten der DDR, soll zum architektonischen Symbol der Transformation werden. Das Raumprogramm umfasst rund 14.000 Quadratmeter Nutzfläche für Forschung, Ausstellung und Bürgerdialog.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den zweiphasigen Realisierungswettbewerb mit 126 eingereichten Beiträgen gewann im Frühjahr 2025 das Berliner Büro Richter Musikowski Architekten PartGmbB zusammen mit ST raum a. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH. Der Entwurf von Christoph Richter und Jan Musikowski setzt auf eine zeltartige, organisch geschwungene Vorhangfassade, die sich zum Platz hin öffnet und nach oben auf rund 60 Meter ansteigt. Als Tragwerk sind Holz und naturnahe Baustoffe vorgesehen, ergänzt durch einen Stadtpark, der sich räumlich in Richtung des benachbarten RAW-Areals fortsetzt. Für den Hochbau ist der Gold-Standard des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB) vorgegeben, für die Außenanlagen (BNB_AA) mindestens Silber. Das Votum der Jury lobte ausdrücklich die städtebauliche Geste: Die zeltartige Hülle greift die Höhen der Umgebung auf, ohne sie zu wiederholen, und inszeniert den Platz als Bühne. Zugleich reagiert der Bau auf die bauhistorischen Referenzen der Moderne in Halle, von den Wohnhochhäusern der 1970er Jahre bis zur Landesoberfinanzdirektion, ohne sich diesen formal zu unterwerfen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Woher stammt der plötzliche Kostensprung?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Neurechnung des BMWSB stützt sich auf den nun vorliegenden Architektenentwurf, also auf die erste belastbare Grundlage nach Abschluss des Wettbewerbs. Erst mit der Entwurfsplanung nach Leistungsphase 3 der HOAI lassen sich Kosten nachvollziehbar auf Ebene der Kostengruppen gemäß DIN 276 abbilden. Die ursprünglich vom Bund kommunizierten 208 Millionen Euro, die sich aus einem Wettbewerbsrahmen von etwa 103 Millionen Euro für die Kostengruppen 300 bis 500 entwickelten, hatten Preisstand 2022 und waren eine frühe Orientierungsmarke.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drei Treiber führt das Ministerium an. Erstens der Tiefbau: Lage und geotechnische Beschaffenheit des Grundstücks am Riebeckplatz, einem innerstädtischen Knoten mit erheblicher Verkehrs- und Leitungsinfrastruktur, erhöhen die Kostengruppe 200 deutlich. Zweitens die technische Gebäudeausrüstung im Hochhaus, also Kostengruppe 400 nach DIN 276, die mit Gebäudehöhe überproportional wächst, insbesondere bei Brandschutzanforderungen, Entrauchung und Aufzugstechnik nach der Bauordnung des Landes Sachsen-Anhalt (BauO LSA). Drittens die Baupreissteigerungen bis zur Fertigstellung 2030, die nach dem Baupreisindex des Statistischen Bundesamtes zuletzt zweistellig ausgefallen sind. Hinzu kommen ambitionierte Standards beim sommerlichen Wärmeschutz und bei der Photovoltaiksubstruktur, die nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) für Bundesneubauten heute weit über die Mindestanforderungen hinausreichen müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus Sicht des Bundesbaus ist die Entwicklung nicht ungewöhnlich. Die Richtlinien für die Durchführung von Bauaufgaben des Bundes (RBBau) sehen zwei formale Kostenbestätigungen vor: die ES-Bau (Entscheidungsunterlage Bau) vor Planungsbeginn und die EW-Bau (Ausführungsunterlage Bau) nach abgeschlossener Entwurfsplanung. Abweichungen zwischen beiden Stufen werden dem Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages vorgelegt. Genau dieser Ablauf läuft aktuell. Bis zur parlamentarischen Klärung bleibt die 277-Millionen-Schätzung vorläufig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Folgen hat der Kostensprung für Halle und die Region?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Zeitplan bis 2030 will das Bundesbauministerium festhalten. Fertigstellung pünktlich zum 40. Jahrestag der Wiedervereinigung ist politisch gesetzt, entsprechend gering dürfte die Bereitschaft ausfallen, das Projekt inhaltlich oder räumlich zu reduzieren. Eine Streichung oder Stauchung des Hochhauses würde zudem das symbolische Gerüst des Entwurfs zerlegen: Das Gebäude nimmt die Höhen der sozialistischen Platzbebauung am Riebeckplatz bewusst auf und verwandelt sie in ein Zeichen des Wandels.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Halle ist der Bau mehr als eine Bundesbaustelle. Er markiert den Auftakt eines städtebaulichen Umbaus, der weit über das Zentrumsgrundstück hinausreicht. Auf dem angrenzenden RAW-Gelände plant die städtische Entwicklungs- und Verwaltungsgesellschaft Halle-Saalkreis bis 2038 ein Cyber-Quartier mit Forschungs-, Arbeits- und Wohnnutzungen, das baulich und funktional auf das Zukunftszentrum reagieren soll. Daneben stehen Hotelneubau, Platzumbau und die Aufwertung der Mansfelder Straße. Die Investitionskaskade ist für eine Stadt dieser Größenordnung beträchtlich, zugleich eng mit dem Strukturwandel im mitteldeutschen Revier und der Nachnutzung der Braunkohleregion verknüpft. Planungsrechtlich liegt der Riebeckplatz im zusammenhängend bebauten Ortsteil und wird nach § 34 des Baugesetzbuches (BauGB) beurteilt; ein vorhabenbezogener Bebauungsplan begleitet die Bauleitplanung. Flankiert wird dies durch Landesförderung aus Mitteln des Investitionsgesetzes Kohleregionen (InvKG), die dem Strukturwandel in den vom Ausstieg betroffenen Ländern zugewiesen sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die regionale Baukultur beobachtet das Vorhaben mit Interesse. Sachsen-Anhalt hat über den Landesbetrieb Bau- und Liegenschaftsmanagement (BLSA), der die Baudurchführung verantwortet, und die Architektenkammer Sachsen-Anhalt frühzeitig Wert auf Holzbau, ressourcenschonende Materialwahl und Orientierung am Gebäudeenergiegesetz (GEG) gelegt. Als Bundesbau gilt zudem das BNB-System verpflichtend, dessen Gold-Kriterien Lebenszykluskosten, Umweltwirkung und Komfort gleichgewichtig bewerten. Die Kostenerhöhung könnte Spielräume bei Qualität und Ausstattung verengen, auch wenn das Ministerium diese Frage noch offen lässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Planungs- und haushaltsseitig steht nun die Parlamentsbefassung im Fokus. Der Haushaltsausschuss hat mit vergleichbaren Bundesbauten, etwa dem Humboldt Forum oder der Sanierung des Pergamonmuseums, Erfahrung in der Nachjustierung großer Projekte. Ein Abbruch ist politisch kaum zu erwarten, eine Streckung oder eine Neujustierung der Ausstattungsstandards jedoch denkbar. Der Bund hat die Errichtung des Zentrums mehrfach bestätigt; bundesweit, aber insbesondere in den ostdeutschen Ländern, ist die symbolische Verbindlichkeit hoch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Zukunftszentrum wird damit zum Testfall für die Kostensteuerung im Bundesbau. Ob ein architektonisch anspruchsvoller Solitär, gebaut nach BNB-Gold, in konjunkturell angespannter Lage im vorgesehenen Rahmen realisierbar bleibt, ist weniger eine Frage von Halle als eine Frage des deutschen Bundesbaus insgesamt. Für den Riebeckplatz hingegen ist die Richtung klar: Ein verkehrstechnischer Unort der deutschen Teilung wird zur Adresse einer Einrichtung, die sich der Transformation im weitesten Sinne widmet. Dass dieser Weg Geld kostet, überrascht niemanden, der mit öffentlichen Großprojekten vertraut ist. Dass er nun sichtbar teurer wird, zwingt zur Debatte über Prioritäten, Qualität und den ehrlichen Umgang mit frühen Preisangaben. Für die regionale Baukultur in Sachsen-Anhalt bleibt der Bau trotz aller Kostendynamik eine der seltenen Gelegenheiten, Bundesarchitektur im Osten von Rang zu realisieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
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		<title>Kyritz baut seine Klosterruine zum Kulturquartier um</title>
		<link>https://baukunst.art/kyritz-baut-seine-klosterruine-zum-kulturquartier-um/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 09:18:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15854</guid>

					<description><![CDATA[Im denkmalgeschützten Klausurflügel des Kyritzer Franziskanerklosters entsteht ein hybrider Kulturort. Wie Sanierungsrecht, Denkmalschutz und Städtebauförderung ineinandergreifen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>baukunst.art</strong> | Regionales | April 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kultur statt Vitrine: Kyritz macht aus seinem Kloster ein Stadtlabor</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Franziskanerkloster Kyritz ist ein denkmalgeschütztes Ensemble in der Altstadt der brandenburgischen Kleinstadt Kyritz (Landkreis Ostprignitz-Ruppin), das seit 2016 schrittweise zum Kultur|Kloster|Kyritz umgebaut wird, einem Quartier aus Stadtbibliothek, stadtgeschichtlichem Museum, Touristinformation und Veranstaltungsort. Von der mittelalterlichen Anlage sind nur Fragmente überliefert: die nördliche Längswand der Klosterkirche, der barock überformte Klausurflügel, das Pfortenhaus, Teile von Stadt- und Klostermauer sowie der Gartenpavillon.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Franziskaner gründeten den Konvent um 1275, erstmals urkundlich erwähnt wurde er 1303. Er gehörte zur Kustodie Brandenburg der Sächsischen Franziskanerprovinz (Saxonia) und lag im Bistum Havelberg. Im Spätmittelalter gewann das Haus überregionale Bedeutung: Förderer waren markgräfliche Amtsträger ebenso wie die Tuchmachergilde und wohlhabende Bürgerinnen und Bürger, mehrere Adelsfamilien hatten ihre Grablege in der Klosterkirche. Pilger auf dem Weg von Berlin zum „Wunderblut“ nach Bad Wilsnack rasteten im 15. und 16. Jahrhundert regelmäßig in Kyritz. Die überlieferten Gewölberippen und das Rundbogenfenster lassen die frühgotische Hallenkirche noch erkennen, die erhaltene Bausubstanz wird der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zugeschrieben. Mit der Reformation brach diese Ordensschicht weg: 1539 erreichte die neue Lehre die Stadt, 1552 wurde der Konvent aufgelöst. Die Klosterkirche diente danach als Stadt- und Garnisonkirche, 1781 wurde sie zum Abbruch versteigert. Nur wenige Gebäudeteile blieben stehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach jahrhundertelanger Unternutzung steht das Areal seit der Jahrtausendwende im Fokus der Stadtsanierung. 2013 und 2014 wurden die Nordwand, das Pfortenhaus, die Stadt- und Klostermauer sowie der Gartenpavillon gesichert. 2016 begannen die umfangreichen Bau- und Sanierungsmaßnahmen, seitdem entwickelt die Stadt das Klosterviertel als Schwerpunktgebiet ihrer integrierten Stadtentwicklung. Die planungsrechtliche Grundlage bildet ein förmlich festgelegtes Sanierungsgebiet nach §§ 136 ff. Baugesetzbuch (BauGB). Eigentümerinnen und Eigentümer benötigen dort für Vorhaben, Nutzungsänderungen und Veräußerungen eine sanierungsrechtliche Genehmigung nach § 144 BauGB; parallel greift die denkmalrechtliche Erlaubnis nach § 9 des Brandenburgischen Denkmalschutzgesetzes (BbgDSchG).</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie trägt das Förder- und Planungsrecht ein solches Projekt?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Finanziert wird die Transformation über das Städtebauförderungsprogramm „Lebendige Zentren“, das 2020 die früheren Programme „Aktive Stadtzentren“ und „Städtebaulicher Denkmalschutz“ zusammenführte. Rechtsgrundlage auf Landesebene ist die Städtebauförderungsrichtlinie Brandenburg (StBauFR 2021 vom 20. September 2021); Voraussetzung ist ein aus dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (INSEK) abgeleitetes Zielkonzept. Der Bund gibt seine Finanzhilfen über die Verwaltungsvereinbarung Städtebauförderung an die Länder weiter, das Land ergänzt sie, die Kommune trägt den Eigenanteil. Kyritz hat seit 1991 nach Angaben des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung (MIL Brandenburg) rund 47 Millionen Euro Städtebaufördermittel eingeworben, bis Ende 2022 flossen rund 29 Millionen Euro in die Altstadtsanierung. Einzelne Bausteine wurden zusätzlich kofinanziert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg (MWFK), die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Sparkasse Ostprignitz-Ruppin. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) führt das Kultur|Kloster|Kyritz inzwischen als Praxisbeispiel im Programm „Lebendige Zentren“.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisch konzentriert sich das Vorhaben auf drei Bausteine. Der barocke Klausurflügel mit seinen mittelalterlichen Kernen wird behutsam restauriert und nimmt bis zur geplanten Fertigstellung 2027 das „junge museum“ auf, ein stadtgeschichtliches Haus mit museumspädagogischem Schwerpunkt. Das Baudenkmal selbst wird dort, so die Projektsprache, als begehbares Exponat verstanden. Die ehemalige Brennerei in der Johann-Sebastian-Bach-Straße 2, zuletzt als Wäscherei genutzt, wird zur Stadtbibliothek umgebaut. Die Nachbargebäude Johann-Sebastian-Bach-Straße 4 und 6 sind saniert und beherbergen Wohnnutzung, einen Kostümfundus der Kyritzer Knattermimen sowie die Heimatstube des Historischen Heimatvereins für Kyritz und die Ostprignitz. Im Außenraum verknüpfen der Kirch- und Klostergarten, die Open-Air-Bühne mit rund 300 Plätzen sowie die sanierte Nordwand der Klosterkirche Denkmalsubstanz und aktuelle Kulturnutzung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die inhaltliche Arbeit läuft parallel zur Baustelle. Die Kuratorin des „jungen museums“ hält eine wöchentliche Sprechstunde, das „museumslabor“ in der Johann-Sebastian-Bach-Straße 8, in der Kyritzerinnen und Kyritzer Objekte, Fotografien und Erinnerungen einbringen. Eine ehrenamtliche AG Museum Klosterviertel entwickelt Themen, Ausstellungen und Vermittlungsformate mit. Hörspaziergänge, Workshops und geführte Rundgänge zeigen bereits jetzt, wie das Haus nach der Fertigstellung auftreten soll: dialogisch statt abgeschlossen, lokal verankert statt touristisch geglättet. Das Feinkonzept zur Bau- und Nutzungsgeschichte kostete 40.000 Euro und wurde zu 60 Prozent vom MWFK sowie anteilig von Stadt, Ostdeutscher Sparkassenstiftung und Sparkasse Ostprignitz-Ruppin getragen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ergänzt wird das Ensemble durch die sogenannten Budenhäuser in der Weberstraße 99 bis 107, ein Kleinsthaus-Ensemble des 18. und 19. Jahrhunderts. Die eingeschossigen Häuser mit Grundflächen zwischen gut 20 und 40 Quadratmetern sind mit rund 800.000 Euro Städtebaufördermitteln saniert worden und dienen heute als Unterkünfte. 2019 wurde die Maßnahme mit dem Brandenburgischen Baukulturpreis ausgezeichnet; die Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes Brandenburg nahm die Häuser zudem als „Denkmal des Monats“ in ihren Bestand auf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was lässt sich aus dem Kyritzer Modell für andere Kleinstädte ableiten?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kyritz zeigt, dass Baukultur im ländlichen Raum nicht an einem einzelnen Großprojekt hängt, sondern an der Verzahnung mehrerer Instrumente. Das Sanierungsgebiet nach BauGB sichert planerisch die Gesamtkulisse, das Denkmalrecht nach BbgDSchG die Substanz, die Städtebauförderung die Finanzierung, das INSEK die inhaltliche Richtung. Hinzu kommen ergänzende Bausteine: der städtische Verfügungsfonds für stadtbildprägende Maßnahmen (seit 2023, bis zu 10.000 Euro Zuschuss je Grundstück), die Kooperation im Städtenetzwerk „Kleeblattregion“ gemeinsam mit dem Amt Neustadt und den Gemeinden Gumtow, Wusterhausen und Breddin sowie die Einbindung lokaler Akteurinnen und Akteure wie der AG Museum Klosterviertel. Die Brandenburgische Architektenkammer würdigte Kyritz in ihrer Reihe „Baukultur vor Ort“ als Beispielfall für die Verbindung von Denkmalpflege und Stadtentwicklung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zugleich wird das Bild einer reinen Vitrinen-Museumsstadt vermieden. Der Klausurflügel soll nach Fertigstellung nicht das zentrale Schaugehäuse sein, sondern Teil eines Nutzungsmixes aus Bildung, Tourismus, Alltagskultur und Erinnerungsort. Dieser Ansatz entspricht der aktuellen Förderlogik des Programms „Lebendige Zentren“, das Nutzungsvielfalt, Innenstadtstabilisierung und städtebaulichen Denkmalschutz bündelt. Für Kleinstädte in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt oder Niedersachsen, die vor ähnlichen Fragen stehen, liefert Kyritz ein Modell mit belastbaren Kennzahlen: langer Zeithorizont (mehr als zehn Jahre), Mischfinanzierung, planungsrechtliche Klammer durch ein förmliches Sanierungsgebiet, inhaltliche Steuerung durch ein INSEK mit klar benanntem Zielkonzept.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass der endgültige Fertigstellungstermin mehrfach verschoben wurde, zuletzt von 2025 auf 2027, gehört zur Wahrheit. Denkmalbauten im ländlichen Raum bleiben komplexe Baustellen, in denen Kostensicherheit, Substanzsorgfalt und Fördermittelfristen regelmäßig aneinandergeraten. Die Erfahrungen aus Kyritz sprechen dennoch dafür, dass eine geduldige, rechtlich und finanziell sauber aufgesetzte Strategie die tragfähigste Antwort ist. Am Ende steht kein rekonstruiertes Kloster, sondern ein hybrider Ort: Ruine, Garten, Bühne, Bibliothek, Museum. Genau in dieser Unvollständigkeit, die historische Schichten sichtbar belässt und zeitgenössische Nutzungen zulässt, liegt die baukulturelle Qualität des Projekts. Für die Fachdebatte um kleinstädtisches Bauen in Ostdeutschland ist Kyritz damit mehr als ein lokaler Einzelfall.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>„Aufbruch, Salzkammergut!“: Modellregion der neuen Ländlichkeit</title>
		<link>https://baukunst.art/aufbruch-salzkammergut-modellregion-der-neuen-laendlichkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Apr 2026 09:26:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturhauptstadt]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Salzkammergut will Modellregion ländlicher Zukunft werden. „Aufbruch, Salzkammergut!“ führt die Kulturhauptstadt 2024 fort, 2027 startet die Triennale.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">baukunst.art · Kategorie Österreich</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Salzkammergut: Vom Titeljahr zur Dauerbewegung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em>Nach dem Titeljahr 2024 organisiert sich das Salzkammergut strukturell neu. Die Nachfolgeorganisation „Aufbruch, Salzkammergut!“ will die 23 Kulturhauptstadt-Gemeinden in Oberösterreich und der Steiermark als Modellregion für das ländliche Europa positionieren. Im Herbst 2027 ist erstmals eine Salzkammergut-Triennale geplant. Für die Baukultur ist die Nachnutzung baulicher Infrastrukturen aus dem Titeljahr zentral.</em></p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was ist „Aufbruch, Salzkammergut!“?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Initiative ist die oberösterreichische Nachfolgeorganisation der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024. Projektträger ist die Otelo eGen mit Sitz in Vorchdorf. Das Team arbeitet in der Kulturvilla Vorchdorf, Bahnhofstraße 13, und betreibt freitags ein offenes Büro im Otelo Bad Ischl in der Pfarrgasse 11. Geleitet wird das Projekt von Christina Jaritsch, Obmann der Otelo eGen ist Martin Hollinetz. In der Steiermark besteht mit dem Kulturbüro Ausseerland Salzkammergut eine zweite Nachfolgestruktur. Beide fungieren künftig als regionale Drehscheiben für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft. Die Zusammenarbeit ist nicht mehr an die 23 Kulturhauptstadt-Gemeinden gebunden, sondern öffnet sich gezielt in Richtung Salzburg und darüber hinaus.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie erfolgreich war die Kulturhauptstadt Bad Ischl 2024?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Endbilanz vom 27. März 2025 in der Bad Ischler Trinkhalle nennt 824.518 Besuche, 314 realisierte Projekte und 2.800 Beteiligte aus 73 Ländern. Die Ausgaben lagen bei rund 31 Millionen Euro. Eine im Dezember 2025 veröffentlichte Studie des Zentrums für Nonprofit-Organisationen und Social Impact an der Wirtschaftsuniversität Wien berechnet den Social Return on Investment: Jeder investierte Euro erzeugte einen monetarisierten Gegenwert von 4,28 Euro. Bad Ischl war die erste inneralpine, ländlich geprägte Kulturhauptstadt in der Geschichte des EU-Titels.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet „neue Ländlichkeit“ konkret?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Nachfolgeorganisation versteht den ländlichen Raum nicht als Defizitzone, sondern als Zukunftsraum. Projektleiterin Christina Jaritsch beschreibt das Ziel als Verbindung von Tradition und zeitgenössischer Kultur, ohne Bräuche gegen Innovation auszuspielen. Thematisch geht es um Abwanderung junger Menschen, Daseinsvorsorge, Beteiligungsformate und internationale Vernetzung. Der programmatische Leitsatz der Initiative lautet: nicht für die Region, sondern mit der Region. Im europäischen Kontext positioniert sich das Salzkammergut damit als Modellraum für Regionen, die nach einem Kulturhauptstadtjahr Strukturen verstetigen wollen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Baukultur-Projekte werden weitergeführt?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus dem Kulturhauptstadtjahr reichen mehrere bauliche Ankerprojekte in die Nachnutzung. Das Sudhaus in Bad Ischl wird als Kulturhaus revitalisiert. Das Lehár-Theater wird seit 2025 generalsaniert, die Wiedereröffnung ist für 2027 vorgesehen. Das Museum der Stadt Bad Ischl wurde neu gestaltet, das Schriftmuseum Bartlhaus und das Literaturmuseum Altaussee arbeiten weiter. In Gmunden ist mit dem KunstQuartier ein neuer Ankerpunkt für zeitgenössische Kunst entstanden. ÖBB-Bahnhöfe wurden zwischenzeitlich mit Kunst bespielt. Die Baukultur- und Handwerksformate interventa Hallstatt, Zimmer mit Aussicht und SCALA Salzkammergut Craft Art Lab bleiben in der Region aktiv. Die strukturelle Weiternutzung dieser Orte ist für die Glaubwürdigkeit der Modellregion entscheidend.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wann findet die Salzkammergut-Triennale 2027 statt?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die erste Ausgabe der Salzkammergut-Triennale ist für Herbst 2027 angekündigt. Sie soll einen dreijährigen Rhythmus für eine regionale Großveranstaltung etablieren und den Impuls des Titeljahres verstetigen. Ein detailliertes Programmgerüst ist öffentlich noch nicht kommuniziert. Parallel läuft die Generalsanierung des Lehár-Theaters, dessen Wiedereröffnung mit der Triennale zusammenfällt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie ist „Aufbruch, Salzkammergut!“ finanziert?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit Landtagsbeschluss vom 29. Jänner 2026 wurde die Basisfinanzierung bis 2028 mit 380.000 Euro abgesichert. Dazu kommen private Sponsoren, Bundesmittel über das zuständige Ministerium sowie eine EU-Kofinanzierung. Die Trägerorganisation Otelo eGen verantwortet die operative Steuerung. Bürgermeisterin Ines Schiller (SPÖ) und Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) stellen die Initiative politisch breit auf.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Einordnung für die Baukultur</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Salzkammergut wird zum Testfall für die These, dass ein Kulturhauptstadtjahr nicht im Abschlussfest endet, sondern in eine regionale Infrastruktur übersetzt werden kann. Für Architektur und Baukultur entscheidet sich der Erfolg an konkreten Objekten: Lehár-Theater, Sudhaus, KunstQuartier Gmunden. Gelingt die Nachnutzung, bekommt der Begriff „neue Ländlichkeit“ ein belastbares Fundament. Gelingt sie nicht, bleibt er Rhetorik.</p>
<hr />
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Die Eckdaten:</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">824.518 Besuche im Titeljahr, 314 Projekte, 2.800 Beteiligte aus 73 Ländern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">WU-Wien-SROI-Studie (Dezember 2025): 4,28 Euro Gegenwert pro investiertem Euro.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Landtagsbeschluss OÖ (29.1.2026): 380.000 Euro Basisfinanzierung bis 2028.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Erste Salzkammergut-Triennale: Herbst 2027.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Baukultur relevant sind die Generalsanierung des Lehár-Theaters bis 2027, die Revitalisierung des Sudhauses als Kulturhaus und das neue KunstQuartier Gmunden. Die Formate interventa Hallstatt und SCALA Craft Art Lab bleiben aktiv.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Leitformel der Initiative: nicht für die Region, sondern mit der Region.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Bauen im Hochgebirge: Die ZV Tirol hebt Hochgurgl zum Forum der Alpenarchitektur</title>
		<link>https://baukunst.art/bauen-im-hochgebirge-die-zv-tirol-hebt-hochgurgl-zum-forum-der-alpenarchitektur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Apr 2026 18:14:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Alpenkonvention]]></category>
		<category><![CDATA[Alpenraum]]></category>
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		<category><![CDATA[TBO 2022]]></category>
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		<category><![CDATA[ZVplus]]></category>
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					<description><![CDATA[Die ZV Tirol lädt zum Auftakt eines neuen Symposiumsformats nach Hochgurgl: „Bauen im Hochgebirge“ versammelt am 19. Juni 2026 internationale Architekturbüros auf 2.000 Metern Seehöhe.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong> / Regionales</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Jenseits der Waldgrenze: Wer plant die Zukunft der Alpen?</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bauen im Hochgebirge bezeichnet das Planen und Errichten baulicher Anlagen unter extremen topografischen, klimatischen und ökologischen Bedingungen des alpinen Raums, in der Regel oberhalb von 1.500 Metern Seehöhe. In Tirol regeln die Tiroler Bauordnung 2022 (TBO 2022) und das Tiroler Raumordnungsgesetz 2022 (TROG 2022) diese anspruchsvolle Bauaufgabe. Mit dem neuen Symposiumsformat „ZVplus“ hebt die Zentralvereinigung der Architekt:innen Österreichs (ZV) genau dieses Thema in den Mittelpunkt ihres Auftaktes 2026. Am 19. Juni 2026 empfängt der Hangar des Heliports Hochgurgl, auf über 2.000 Metern Seehöhe im hinteren Ötztal gelegen, führende Architekturbüros, Ingenieurgesellschaften und Vertreter aus Bauwirtschaft, Politik und Verwaltung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Symposium, organisiert von der ZV Tirol unter dem Vorstandsduo Rainer Noldin und Alexander Topf, steht in Kooperation mit der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino. Diese grenzüberschreitende Einbindung ist kein Dekor, sondern Programm. Die Herausforderungen des alpinen Bauens enden nicht am Brenner oder am Reschenpass, und die Antworten auf Klima, Lawinen, Hangwasser und Freizeitwirtschaft sind in Innervillgraten ähnlich wie in Rasen-Antholz oder im Fleimstal zu finden. Die Liste der Vortragenden spiegelt diesen Anspruch: Snøhetta, Herzog &amp; de Meuron, MoDus Architects, Stifter + Bachmann, dreiplus Architekten, ao-architekten, Merz Kley Partner und Schnetzer Puskas Ingenieure gehören zu den einschlägigen Häusern des alpinen und urbanen Planens. Ergänzt werden sie durch Doris Hallama und Armin Neurauter aus der Tiroler Szene sowie Heli Austria als operativer Stimme der Hochgebirgslogistik. Harald Pechlaner von der EURAC Bozen vertritt die tourismusgeografische Perspektive.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum braucht der Alpenraum ein eigenes Symposiumsformat?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Hochgebirge ist in bauplanerischer Hinsicht ein Sonderraum. Schneelasten nach ÖNORM B 1991-1-3 erreichen in exponierten Lagen Werte, die die Tragwerksplanung in jeder Dimension dominieren. Die Temperaturgradienten zwischen winterlichen Tiefstwerten und sommerlicher UV-Belastung setzen Hüllkonstruktionen und Materialien unter Dauerbeanspruchung. Wasser ist zugleich knapp und gefährlich: Schmelzwasserführung, Murgänge und Lawinen prägen den Bauplatz. § 3 Abs. 2 TBO 2022 verlangt deshalb, dass auf Grundstücken mit Gefährdung durch Lawinen, Hochwasser, Wildbäche, Steinschlag oder Erdrutsch ein ausreichender Schutz gewährleistet sein muss, häufig über Sicherheitskonzepte und aktuelle Gefahrenzonenpläne. Zugleich ist der alpine Raum ökologisch sensibler als jedes städtische Biotop. Vegetation, die auf 2.000 Metern durch ein Fundament gestört wird, erholt sich nicht in einer Bauzeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommen die Strukturen der Tiroler Raumordnung. Mit der Novelle LGBl. Nr. 62/2022 wurde das Vorgehen gegen Freizeitwohnsitze, Chaletdörfer und Beherbergungsgroßbetriebe verschärft. Die Diskussion, was ein Hochgebirge noch verträgt und wer in ihm wohnen darf, wird dadurch nicht leiser. Bergbauernhaus, Bergstation, Schutzhaus, Schihütte, Hotel, Spital, Kapelle, Kraftwerksbau: Kaum eine andere Region in Europa versammelt auf so kleinem Raum eine solche Bandbreite typologischer Antworten. Dass die Zentralvereinigung, die älteste Vereinigung architekturschaffender Personen in Österreich, diesen Fragen ein eigenes Symposium widmet, ist folgerichtig. Die ZV wurde 1907 gegründet und zählt heute über 700 Mitglieder. Sie vergibt seit 1967 den österreichischen Bauherr:innenpreis und ist Gründungsmitglied der Architekturstiftung Österreich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Rahmen gelten oberhalb der Waldgrenze?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Oberhalb der Waldgrenze greifen mehrere Regelungsebenen ineinander. Auf Landesebene regeln die Tiroler Bauordnung 2022 und das Tiroler Raumordnungsgesetz 2022 die Zulässigkeit von Bauvorhaben. Technisch einschlägig sind die Richtlinien des Österreichischen Instituts für Bautechnik, die OIB-Richtlinien 1 bis 6, die die Anforderungen an Tragfähigkeit, Brandschutz, Hygiene, Nutzungssicherheit, Schallschutz und Energieeinsparung bundesweit harmonisieren. Für den Energienachweis gilt die OIB-Richtlinie 6 in der aktuellen Fassung, die auch für Hochlagengebäude einzuhalten ist, obwohl die heizgradspezifischen Randbedingungen auf 2.000 Metern ganz andere sind als in Innsbruck-Pradl. Überlagert wird die bauliche Ebene durch die Alpenkonvention und ihr Protokoll „Raumplanung und nachhaltige Entwicklung“, das für die Vertragsstaaten verbindlich ist und als Referenzrahmen jeder regionalen Planung dient.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Südtirol kommen das Landesgesetz für Raum und Landschaft (Lg 9/2018) und die entsprechenden Durchführungsverordnungen hinzu, im Trentino die Provinzialbauvorschriften. Die Euregio Tirol-Südtirol-Trentino ist deshalb mehr als eine symbolische Klammer. Grenzüberschreitende Projekte wie Schutzhütten oder Versorgungsinfrastrukturen sind in der Praxis mit unterschiedlichen, teils widersprüchlichen Rechtslagen konfrontiert. Genau hier setzt das Symposium an. Der Dialog zwischen Architekturbüros mit internationalem Auftritt, regionaler Bautradition und ingenieurseitiger Expertise soll Kriterien schärfen, die sich weder in Förderlinien noch in Normenpaketen allein abbilden lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass die Veranstaltung im Hangar eines Heliports stattfindet, ist eine bewusste Setzung. Der Hubschrauber ist im Hochgebirge nicht Luxus, sondern Grundlage jedes ernsthaften Bauprozesses: Materialtransport, Rettung, Medizin, Schutzbauten. Wer auf 2.000 Metern plant, plant von der Luftlogistik her. Die Einbindung der Heli Austria verankert die Diskussion in der operativen Realität. Dass Snøhetta, deren hochgelegenes Restaurant „Under“ ebenso wie ihre Schutzhüttenprojekte international Maßstäbe gesetzt haben, in einer Reihe mit Herzog &amp; de Meuron auftritt, ist programmatisch. Beide Büros stehen für eine Architektur, die sich der Topografie nicht unterwirft, sondern mit ihr verhandelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ebenso aufschlussreich ist die Präsenz der Ingenieurbüros. Schnetzer Puskas aus Basel und Merz Kley Partner aus Dornbirn repräsentieren eine Tragwerkskultur, die den modernen Holzbau in den Alpen wesentlich mitgeprägt hat. Der Holzhybridbau ist hier keine Modeerscheinung, sondern bauphysikalische Notwendigkeit: kurze Transportwege, hohe Vorfertigungstiefe, geringe Eigenlasten. Stifter + Bachmann aus Brixen und MoDus Architects aus Bozen bringen die südtirolerische Perspektive ein, dreiplus Architekten und ao-architekten die Tiroler Bauten entlang der Talachsen. Über das Architekturforum aut in Innsbruck und die Kammer Arch+Ing Tirol und Vorarlberg ist die Runde berufsständisch rückgekoppelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass mit Merz Kley Partner ein Dornbirner Büro in der Runde sitzt, rückt eine zweite Traditionslinie in den Fokus, die als Gegenpol zur Tiroler Entwicklung nicht unterschätzt werden darf: die Vorarlberger Baukünstler. Seit den 1960er Jahren haben Roland Gnaiger, Hans Purin, später Hermann Kaufmann, Dietmar Eberle und Wolfgang Ritsch im Rheintal eine Schule des strengen, handwerklich fundierten und materialehrlichen Bauens etabliert, die international Schule gemacht hat. Sie stützt sich auf eine kleinteilige Genossenschafts- und Gemeindekultur, auf flächendeckend eingesetzte Gestaltungsbeiräte und auf die ZV Vorarlberg unter Wolfgang Ritsch und Ursula Ender, die mit dem Projekt „Architektur in Vorarlberg“ bis 2026 eine eigene englischsprachige Fassung beim Verlag Edition DETAIL vorlegt. Tirol hingegen hat seine Baukultur über Jahrzehnte stärker entlang der Tourismusachse Kitzbühel-Sölden-Ischgl entwickelt, mit hoher Volumina- und Freizeitwohnsitzproblematik, die erst die Novelle LGBl. Nr. 62/2022 zum Thema Chaletdörfer und Beherbergungsgroßbetriebe systematisch angeht. Wenn in Hochgurgl beide Linien aufeinandertreffen, wird das Symposium vom Fachdialog zur überfälligen Konfrontation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, Übernachtung vor Ort möglich, Tickets in Kürze über <strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://kupfticket.com/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://kupfticket.com</a></span></span></strong> . Die Kuratierung liegt bei der ZV selbst, was eine fachlich unabhängige Gesprächsführung ohne unmittelbare Sponsoreninteressen verspricht. Für die Tiroler Baukultur, die zwischen Massentourismus, demografischen Schieflagen und hoher architektonischer Ambition oszilliert, ist ein solches Forum überfällig. Parallel laufende Initiativen wie die Auszeichnung des Landes Tirol für Neues Bauen 2026, deren Einreichfrist mit dem 19. Juni 2026 zusammenfällt, schärfen den Blick zusätzlich. Ob das Format tragfähig genug ist, sich als jährliches Observatorium des alpinen Planens zu etablieren, wird sich am 20. Juni 2026 entscheiden, wenn die Teilnehmer den Rückflug ins Tal antreten. Der Auftakt aber liegt hoch und richtig platziert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>Der Opernturm und das Phantom: Was der größte Bürodeal seit Jahren über Frankfurts Immobilienmarkt verrät</title>
		<link>https://baukunst.art/der-opernturm-und-das-phantom-was-der-groesste-buerodeal-seit-jahren-ueber-frankfurts-immobilienmarkt-verraet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Apr 2026 11:55:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[BauGB]]></category>
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		<category><![CDATA[Stadtentwicklung Frankfurt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15773</guid>

					<description><![CDATA[Der Opernturm in Frankfurt könnte für 850 Millionen Euro den Eigentümer wechseln. Warum dieser Deal weit mehr als ein Immobiliengeschäft ist.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">baukunst.art | Regionales | April 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Liechtenstein-Stiftungen, Signa-Schreckgespenst: Wer kauft Frankfurts Opernturm?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em>Der Frankfurter Opernturm steht vor dem Verkauf für rund 850 Mio. Euro. Was das für die Stadtentwicklung und Transparenz im Immobilienmarkt bedeutet.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Frankfurter Opernturm ist ein Solitär: 170 Meter hoch, 42 oberirdische Geschosse, 72.500 Quadratmeter Mietfläche und 580 Tiefgaragenplätze direkt am Opernplatz neben der Alten Oper. Wer dieses Gebäude kauft, erbt nicht nur Stahl, Glas und Beton, sondern eine der prägnantesten Adressen der deutschen Büroimmobilienwelt. Gerade darin liegt die besondere Brisanz des Vorgangs, der die Branche seit Wochen in Atem hält: Der Turm steht offenbar vor dem Verkauf, und der aussichtsreichste Interessent kommt nicht aus dem Lager internationaler Immobilienfonds, sondern aus München.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Erich Schwaiger, 1968 in München geboren, Wirtschaftsanwalt und Immobilienunternehmer, gilt laut Branchenkreisen als derjenige, der sich in der Endrunde um den Opernturm befindet. Die kolportierte Kaufsumme beläuft sich auf rund 850 Millionen Euro. Das wäre der größte Büroimmobiliendeal in Deutschland seit vier Jahren. Die beteiligten Maklerkäuser und Schwaiger selbst haben sich auf Anfrage nicht geäußert. Dennoch beschäftigt der Vorgang weit mehr als nur Investoren und Makler: Er wirft grundlegende Fragen zur Transparenz im deutschen Gewerbeimmobilienmarkt auf, besonders wenn es um städtebaulich prägende Objekte in zentralen urbanen Lagen geht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was macht den Opernturm zu einem städtebaulichen Sonderfall?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Opernturm wurde 2009 nach Plänen des Frankfurter Büros Christoph Mäckler Architekten fertiggestellt. Er fügt sich mit seiner gegliederten Glasfassade in die Hochhauskulisse des Bankenviertels ein, bildet aber gleichzeitig einen räumlichen Abschluss für den Opernplatz, dessen Bedeutung weit über die der Alten Oper hinausgeht. Der Platz ist nicht nur ein kultUrbürgerlicher Versammlungsort, sondern funktioniert als wichtiger Fußverkehrsknoten zwischen Innenstadt und Westend und ist mit den U-Bahnlinien U6 und U7 sowie zahlreichen Straßenbahnlinien des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) eng in den öffentlichen Nahverkehr eingebunden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In der Frankfurter Stadtentwicklungspolitik spielt der Opernplatz eine zentrale Rolle. Die Stadt Frankfurt am Main verfolgt mit ihrem Stadtentwicklungsplan Wohnen 2030 das Ziel, städtebauliche Dichte und Nutzungsmischung zu erhalten. Für Gebäude wie den Opernturm, die in einem sogenannten Kerngebiet nach § 7 der Baunutzungsverordnung (BauNVO) stehen, gelten besondere Anforderungen an die Nutzungsvielfalt. Ein Eigentümerwechsel bei einem Objekt dieser Größenordnung ist damit immer auch ein stadtplanerisch relevanter Vorgang.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schwaigers Aufstieg zum prägenden Akteur auf dem Münchener Premiumimmobilienmarkt verlief rasch und mit erheblicher Kapitalintensität. Seit Mitte 2025 erwarb er über die neu gegründete CR Mitte 2 GmbH und Co. KG im Zuge der Insolvenz der Signa Holding von René Benko mehrere innerstädtische Filetstücke: das Sporthaus Schuster, das Kaut-Bullinger-Stammhaus, im November 2025 das Hirmer-Stammhaus und im Dezember 2025 die Oberpollinger-Immobilie. Laut Branchenschätzungen hat er dafür mehr als 700 Millionen Euro aufgewendet. Ein kaum bekannter Unternehmer hatte damit binnen weniger Monate mehr Premiumfläche in Münchens Innenstadt erworben als manch internationaler Fonds in einem Jahrzehnt. Nun soll der nächste große Schritt nach Frankfurt führen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Transparenzanforderungen gelten für Käufende städtischer Schlüsselliegenschaften?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau diese Frage bewegt inzwischen nicht nur Stadtpolitikerinnen und Stadtpolitiker, sondern auch Fachverbände. Der Maklerverband IVD Süd hat Schwaigers Einkaufstour wiederholt mit öffentlicher Kritik begleitet. Verbandssprecher Stephan Kippes erklärte gegenüber dem Handelsblatt, dass Transparenz notwendig und angebracht sei und auch im Interesse des Investors sowie der hinter ihm stehenden Kapitalgeber liegen sollte. Das Unbehagen hat einen konkreten Hintergrund: Im Firmengeflecht Schwaigers tauchen laut Handelsregisterauszügen sogenannte hinterlegte Stiftungen mit Sitz in Liechtenstein als Teilhaberinnen auf. Nach liechtensteinischem Recht handelt es sich dabei um besonders intransparente Konstrukte, bei denen örtliche Behörden nicht einmal die Eintragung bestätigen. Wer die Stiftung gegründet hat und wer die Nutznieferßenden sind, bleibt vollständig im Dunkeln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schwaiger ließ im Oktober 2025 mitteilen, er finanziere die Ankäufe über &#8218;übliche Fremdfinanzierungen&#8216;, wobei weder Gelder aus dem arabischen Raum noch aus von der Europäischen Union sanktionierten Staaten im Spiel seien. Konkreter wurde die Aussage nicht. &#8218;Herr Schwaiger wird sich zu seinen wirtschaftlichen Aktivitäten weiterhin nicht persönlich äußern&#8216;, heißt es in derselben Erklärung. Das mag aus unternehmerisch-taktischer Sicht nachvollziehbar sein. Aus stadtentwicklungspolitischer Sicht ist es problematisch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Insolvenz der Signa-Gruppe von René Benko hat die Immobilienbranche nachhaltig sensibilisiert. Kommunen und Verkäufer schauen seither genauer hin, wie krisenfest Käufende städtischer Schlüsselliegenschaften wirklich sind. Das gilt besonders dann, wenn es sich um Objekte handelt, die nicht nur wirtschaftliche, sondern auch städtebauliche und kulturelle Funktionen erfüllen. Ein Hochhaus am Opernplatz fällt in diese Kategorie. Das Bundesrecht stellt in § 1 Abs. 5 des Baugesetzbuchs (BauGB) die städtebauliche Entwicklung und Ordnung ausdrücklich als öffentliche Aufgabe heraus. Die privatrechtliche Eigentümerfrage ist zwar davon zu trennen. Sie ist aber auch nicht vollständig davon zu lösen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was der mögliche Verkauf des Opernturms darüber hinaus zeigt: Der deutsche Büroimmobilienmarkt zieht nach einer Phase erheblicher Verunsicherung wieder großvolumige Transaktionen an. Ein Deal von rund 850 Millionen Euro wäre ein Signal für die Finanzmetropole Frankfurt am Main, das weit über den Opernplatz hinaus wirken würde. Ob es ein gutes Signal ist, hängt nicht zuletzt davon ab, ob die beteiligten Akteure bereit sind, jene Transparenz herzustellen, die städtische Gemeinwesen zu Recht einfordern können. Prachtadressen verpflichten eben nicht nur im architektonischen Sinne.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
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		<title>Steuergeld für Luxusberg: Wie öffentliche Tourismusförderung zum Investorengeschäft wird</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2026 10:12:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Alpine Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Buy-to-let]]></category>
		<category><![CDATA[Hinterstoder]]></category>
		<category><![CDATA[Investorenmodell]]></category>
		<category><![CDATA[Oö. ROG 1994]]></category>
		<category><![CDATA[Raumordnung]]></category>
		<category><![CDATA[Tourismusförderung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungspolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Luxusresort in den oberösterreichischen Alpen, knapp zwei Millionen Euro Steuergelder, über 60 private Kapitalanleger im Grundbuch, eine Insolvenz nach 18 Monaten. Der Fall Triforêt ist ein Lehrstück in Sachen Förderpolitik.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Baukunst.art</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kategorie: Gesellschaft &amp; Urbanismus</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hinterstoder: Warum öffentliche Förderung ein Investorenprojekt in den Alpen finanzierte</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Öffentliche Tourismusförderung ist ein Instrument der Raumordnungspolitik, das wirtschaftliche Entwicklung in strukturschwachen Regionen anstoßen und breit wirksame Wertschöpfung erzeugen soll. Das Triforêt Alpin Resort in Hinterstoder, Oberösterreich, führt exemplarisch vor, was geschieht, wenn dieses Instrument Projekte finanziert, die einem gänzlich anderen Kalkül folgen: dem privaten Kapitalanlagegeschäft auf Kosten des Gemeinwesens.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das 2023 auf den Hutterer Böden in 1.410 Metern Seehöhe eröffnete Resort umfasst 41 Appartements in einem umgebauten Berghotel sowie 20 Chalets mit markanten Giebeldächern. Finanziert wurde die Errichtung unter anderem mit knapp zwei Millionen Euro Tourismusförderung des Landes Oberösterreich, beschlossen am 30. Mai 2023 von der Landesregierung. Schon eineinhalb Jahre nach der Eröffnung meldete die Betreibergesellschaft Alpin Family GmbH Insolvenz an. Die Schulden beliefen sich auf 1,7 Millionen Euro, 115 Gläubigerinnen und Gläubiger sowie 44 Beschäftigte waren betroffen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was macht ein Tourismusprojekt zum Investorenmodell?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Blick ins Grundbuch offenbart die eigentliche Struktur des Projekts: Mehr als 60 Einträge belegen, dass sowohl Appartements als auch Chalets einzeln an private Anlegerinnen und Anleger verkauft wurden. Beworben wurde der Kauf als Kapitalanlage mit überdurchschnittlichen Renditen, nicht als klassische Hotelbeteiligung. Das Geschäftsmodell entspricht dem international bekannten Buy-to-let-Prinzip: Immobilien werden als Renditeobjekte erworben, die Nutzung als Hotelbetrieb dient der Legitimation gegenüber dem Fördergeber.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stefan Kaineder, Umwelt- und Klima-Landesrat der Grünen in Oberösterreich, hatte bereits in der Landesregierung als einziger gegen die Förderung gestimmt und warnte vor einer Zweckentfremdung. Die Insolvenz gab diesen Bedenken nachträglich Gewicht. In einer Pressekonferenz im Sommer 2025 stellten die Grünen fest, dass Gesellschafter und Geschäftsführer der Errichtungsgesellschaft Limestone GmbH ausgerechnet jener Alois Aigner ist, der im Mai 2023 die Fördervereinbarung mit Landesrat Achleitner (ÖVP) unterzeichnet hatte und der später Geschäftsführer der Landesimmobiliengesellschaft wurde. Hinweise auf gesellschaftsrechtliche Verbindungen nach Dubai und Moskau wurden ebenfalls in parlamentarische Anfragen aufgenommen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wirtschafts- und Tourismuslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) wies alle Vorwürfe zurück und betonte, die Förderung beziehe sich ausschließlich auf die Renovierung des Hauptgebäudes, stehe mit dem Insolvenzverfahren des Betreibers in keinem Zusammenhang und sei an eine touristische Betriebspflicht gebunden. Eine solche Betriebspflicht ist in der Fördervereinbarung tatsächlich verankert, allerdings lediglich für zehn Jahre, mit Ablauf 2033. Geflossen seien laut der Besitzgesellschaft bisher 650.000 Euro der zugesagten knapp zwei Millionen Euro.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Folgen hat das für die Raumordnung in alpinen Regionen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall Triforêt steht nicht für ein lokales Versagen, sondern für ein strukturelles Problem, das in zahlreichen Alpenregionen zu beobachten ist: Die Vermischung von Tourismuswidmung, öffentlicher Förderung und privatem Investitionsgeschäft. Wenn Gemeinden Flächen als Tourismuszone ausweisen und Länder diese mit Steuergeldern fördern, werden damit Planungs- und Finanzierungsvorteile geschaffen, die ursprünglich dem Gemeinwohl dienen sollten. Werden diese Vorteile für ein Buy-to-let-Modell genutzt, entsteht ein Missverhältnis: Das Risiko verbleibt beim Steuerzahler, der Ertrag fließt zu den privaten Anteilseignerinnen und Anteilseignern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Raumordnungsgesetze der österreichischen Bundesländer, darunter das Oö. Raumordnungsgesetz 1994 (Oö. ROG 1994), sehen Tourismuswidmungen grundsätzlich für Flächen vor, die dauerhaft touristisch genutzt werden sollen. Eine Widmung als touristische Nutzfläche schließt in der Regel dauerhaften Privatwohnbau und reine Kapitalanlagestrukturen aus. Ob die konkrete Nutzung im Fall Triforêt mit dem Widmungszweck vereinbar ist, wurde von den Grünen Salzburg und Oberösterreich in entsprechenden Landtagsanfragen thematisiert, eine abschließende Klärung steht aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Grünen verweisen auf mögliche Verstöße gegen das Gewerberecht (illegale Kurzzeitvermietung ohne entsprechende Gewerbeberechtigung) sowie gegen das Steuerrecht (fehlende Abgaben bei privater Eigennutzung der Einheiten). Diese Fragen tangieren ein breiteres Phänomen: In vielen Skigebieten und Tourismusorten werden Immobilien unter dem Deckmantel der touristischen Nutzung an Investorinnen und Investoren verkauft, die die Einheiten zeitweise selbst bewohnen und den Rest der Zeit vermieten. Für die lokale Bevölkerung bedeutet das steigende Bodenpreise, schrumpfendes Angebot an dauerhaftem Wohnraum und eine Entfremdung des Ortsbildes.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ist der Ausverkauf alpiner Lagen aufzuhalten?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Debatte um Hinterstoder ist Teil einer europaweit geführten Diskussion über den Umgang mit touristischen Immobilienentwicklungen in Bergregionen. In Tirol existieren bereits verschärfte Zweitwohnsitzregelungen, in der Schweiz begrenzen die sogenannten Zweitwohnungsgesetze den Anteil an nicht dauerhaft bewohnten Einheiten in Gemeinden mit hohem Tourismusanteil. Österreich verfügt auf Bundesebene über keine vergleichbar stringente Regelung; die Länder sind zuständig, handeln aber unterschiedlich und oft zögerlich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten, die in diesen Planungs- und Realisierungsprozessen tätig sind, stellen sich unmittelbar berufsethische Fragen. Das Leistungsbild nach HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) und die entsprechenden österreichischen Regelwerke definieren Architekturleistungen als Dienst an Bauherrschaft und Allgemeinheit. Wenn Projekte öffentlich gefördert werden, verschiebt sich die Frage der Verantwortung: Sind Planerinnen und Planer lediglich Erfüllungsgehilfen einer Investitionslogik, oder kommt ihnen eine kritische Kontrollfunktion zu?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im November 2025 übernahm die Huemer-Gruppe des oberösterreichischen Unternehmers Friedrich Huemer die Mehrheit an der Besitzgesellschaft. Der Hotelbetrieb soll langfristig fortgeführt werden, ein professioneller Hotelbetreiber wird gesucht. Ob damit der ursprüngliche Förderzweck dauerhaft gesichert ist, bleibt abzuwarten. Die Grünen fordern unverändert die Rückforderung der geflossenen Steuermittel und ein Ende der Förderpraxis für solche Investorenmodelle im Tourismusbereich. NEOS kritisieren eine unklare und unkontrollierte Förderpolitik des zuständigen Landesrates.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall Triforêt zeigt: Öffentliche Förderinstrumente der Raumordnung taugen nur dann für ihren eigentlichen Zweck, wenn Förderbedingungen präzise formuliert, Verwendungsnachweise konsequent eingefordert und Strukturen transparent offengelegt werden. Ein Zehn-Jahres-Betriebsversprechen als einzige Absicherung für eine Millionenförderung ist nicht geeignet, dauerhaft gemeinwohlorientierte Entwicklung zu gewährleisten. Das ist keine Frage der politischen Lagerung, sondern eine des handwerklichen Umgangs mit öffentlichem Geld.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>Fehmarnbelt-Querung: Ein Infrastrukturprojekt ohne ausreichende Raumordnungsstrategie</title>
		<link>https://baukunst.art/fehmarnbelt-querung-ein-infrastrukturprojekt-ohne-ausreichende-raumordnungsstrategie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 17:11:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Fehmarnbeltquerung]]></category>
		<category><![CDATA[Grenzregion Planung]]></category>
		<category><![CDATA[Lolland]]></category>
		<category><![CDATA[Ostholstein]]></category>
		<category><![CDATA[Raumordnung Schleswig-Holstein]]></category>
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					<description><![CDATA[baukunst.art Regionales &#124; Nord  Das größte Infrastrukturprojekt Nordeuropas: Warum die Raumplanung nicht mitkommt Baustart, Kostensteigerungen, grenzüberschreitende Planungskultur: Was die Feste Fehmarnbeltquerung raumordnerisch offen lässt Die Feste Fehmarnbeltquerung ist das größte laufende Infrastrukturprojekt Nordeuropas: ein 18,2 Kilometer langer Absenktunnel unter der Ostsee, der die schleswig-holsteinische Insel Fehmarn mit der dänischen Insel Lolland verbindet und damit eine der letzten großen Lücken im&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Regionales | Nord</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"> Das größte Infrastrukturprojekt Nordeuropas: Warum die Raumplanung nicht mitkommt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Baustart, Kostensteigerungen, grenzüberschreitende Planungskultur: Was die Feste Fehmarnbeltquerung raumordnerisch offen lässt</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Feste Fehmarnbeltquerung ist das größte laufende Infrastrukturprojekt Nordeuropas: ein 18,2 Kilometer langer Absenktunnel unter der Ostsee, der die schleswig-holsteinische Insel Fehmarn mit der dänischen Insel Lolland verbindet und damit eine der letzten großen Lücken im Transeuropäischen Verkehrsnetz (TEN-V) auf der Skandinavisch-Mediterranen Achse schließt. Was in den Medien überwiegend als Ingenieursleistung verhandelt wird, ist aus raumordnerischer und planungskultureller Sicht jedoch mindestens ebenso bemerkenswert: Zwei Länder mit grundlegend unterschiedlichen Planungstraditionen organisieren gemeinsam einen infrastrukturellen Transformationsprozess, dessen Folgen für die Grenzregion bis heute unvollständig antizipiert sind.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wer plant, wer baut, und wer trägt die Folgen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Staatsvertrag zwischen Deutschland und Dänemark vom 3. September 2008 hat die Verantwortlichkeiten klar verteilt: Das Königreich Dänemark ist für Planung, Bau, Finanzierung und Betrieb des Tunnels sowie den Ausbau der dänischen Hinterlandanbindung auf Lolland zuständig. Die Bundesrepublik Deutschland garantiert die landseitige Straßen- und Schienenanbindung auf deutschem Hoheitsgebiet. In der Praxis bedeutet das: Femern A/S, eine staatliche dänische Gesellschaft innerhalb der Sund und Bælt Holding, treibt das Projekt seit Jahren mit erheblicher Entscheidungsgeschwindigkeit voran, während die deutsche Hinterlandanbindung wiederholt Verzögerungen erlebte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Eisenbahn-Bundesamt hat 2025 festgestellt, dass die DB InfraGO die Schienenanbindung Lübeck–Puttgarden nicht bis 2029 realisieren kann. Die neue Einschätzung nennt 2032 als realistischen Eröffnungstermin. Gleichzeitig sind die Kosten für den neuen Fehmarnsundtunnel, der die historische Fehmarnsundbrücke von 1963 ergänzen soll, laut einer Einschätzung des Eisenbahn-Bundesamtes vom Oktober 2025 von ursprünglich 714 Millionen Euro auf rund 2,3 Milliarden Euro gestiegen. Der Fehmarnbelttunnel selbst soll nach aktueller Planung 2031 in Betrieb gehen; das erste Tunnelelement soll im Frühjahr 2026 abgesenkt werden. Was das für die Planungsregion Ostholstein bedeutet, ist eine offene Frage.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Kreis Ostholstein ist in einem besonderen Maß betroffen. Die Entwicklungsgesellschaft Ostholstein mbH (EGOH) koordiniert seit Jahren die wirtschaftliche Begleitung des Projekts auf deutscher Seite. Das Fehmarnbelt-Komitee, ein grenzübergreifendes dänisch-deutsches Koordinierungsgremium mit 34 Mitgliedern aus Politik, Kommunen, Tourismus, Naturschutz, Bildung und Wirtschaft, übernimmt politische Lobbyarbeit und initiiert gemeinsame Projekte. Der Vorsitz wechselt jährlich zwischen dem Landrat des Kreises Ostholstein und dem Bürgermeister der Lolland Kommune. Das ist grenzüberschreitende Planungskultur in ihrer pragmatischsten Form: informell organisiert, aber institutionell verankert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Raumordnungsfolgen bleiben bisher unterbelichtet?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die öffentliche Debatte über die Fehmarnbeltquerung konzentriert sich auf Baufortschritt, Kosten und Reisezeitgewinn. Der Zug von Puttgarden nach Rødbyhavn wird künftig sieben Minuten dauern, das Auto braucht zehn Minuten. Was weniger diskutiert wird: Welche Siedlungsentwicklung, welche Nutzungsdichten und welche Planungskulturen folgen daraus auf beiden Seiten des Belts? Auf lolländischer Seite entstehen rund 300 Hektar neues Land durch Landgewinnung aus dem Meeresbodenaushub. Das ist eine raumplanerische Aufgabe von erheblichem Maßstab, die in Dänemark von der Region Sjælland in enger Abstimmung mit der Lolland Kommune verantwortet wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf deutscher Seite ist die Situation komplexer. Die Bahnstrecke Lübeck–Puttgarden ist seit dem 31. August 2022 für den Personenverkehr eingestellt, um den zweigleisigen Neubau zu ermöglichen. Fehmarn ist damit für Jahre ohne direkten Bahnanschluss. Gleichzeitig laufen die Erdarbeiten für die künftige Autobahn E 47 auf dem Inselabschnitt. Der Landesentwicklungsplan Schleswig-Holstein (LEP SH 2021) enthält zwar Grundsätze zur Raumordnung im Bereich großflächiger Infrastrukturmaßnahmen, eine spezifische raumordnerische Folgenbetrachtung für die Fehmarnbelt-Region auf Ebene der Regionalplanung ist jedoch nicht in vergleichbarer Tiefe dokumentiert wie etwa bei der Öresundquerung zwischen Malmö und Kopenhagen, die dort als Impuls für eine gezielte Stadtentwicklungspolitik auf beiden Seiten genutzt wurde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Dialogforum Feste Fehmarnbeltquerung, das die Landesregierung Schleswig-Holstein 2011 als Beteiligungsformat einberufen hat, leistet wichtige Arbeit bei der Begleitung des Bauprozesses und der Kommunikation mit der Bevölkerung. Es ist jedoch kein Raumordnungsinstrument im Sinne des Raumordnungsgesetzes (ROG 2023) des Bundes, das eine verbindliche Abwägung raumordnerischer Belange ermöglichen würde. Das Raumordnungsverfahren für die Schienenhinterlandanbindung wurde zwar 2010 eingeleitet und 2014 abgeschlossen; eine integrierte grenzüberschreitende Raumordnungsstrategie für die Fehmarnbelt-Region fehlt dagegen bis heute.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das für die Planungskultur in Grenzregionen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Fehmarnbeltquerung ist kein Einzelfall. Im DACH-Raum zeigen Projekte wie der Brennerbasistunnel zwischen Österreich und Italien oder die Magistrale Paris–Budapest ähnliche Muster: Die Infrastruktur wird gebaut, bevor die raumordnerischen Rahmenbedingungen beidseitig konsequent entwickelt sind. Der Unterschied beim Fehmarnbelt liegt in der binationalen Asymmetrie. Dänemark hat das Projekt von Anfang an als eigenständiges nationales Infrastrukturprojekt behandelt, mit einer eigenen Finanzierungslogik über Nutzergebühren. Deutschland hat es als Hinterlandanbindung klassifiziert und entsprechend fragmentiert verantwortet: Bund für die Bahn, DEGES für die B 207, Land Schleswig-Holstein als Planfeststellungsbehörde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese institutionelle Fragmentierung ist kein deutsches Versagen, sondern ein strukturelles Merkmal föderaler Planungssysteme. Sie erklärt, warum Kostenanstiege wie der des Fehmarnsundtunnels von 714 Millionen auf 2,3 Milliarden Euro ohne substanzielle öffentliche Raumordnungsdebatte stattfinden. Es wäre die Aufgabe einer integrierten grenzüberschreitenden Regionalplanung, solche Entwicklungen frühzeitig zu benennen und in eine Gesamtstrategie für die Fehmarnbelt-Region einzubetten. Ansätze dazu gibt es: INTERREG-Projekte, das Fehmarnbelt-Komitee, die EGOH. Was fehlt, ist ein verbindliches raumordnerisches Instrument, das beide Seiten des Belts in ein gemeinsames Leitbild überführt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten, Stadtplanerinnen und Stadtplaner, die in Ostholstein oder auf Lolland tätig sind, bedeutet das: Die normativen Rahmenbedingungen werden sich innerhalb der nächsten zehn Jahre grundlegend verändern. Verkehrsströme, Grundstücksnachfragen, touristische Nutzungsintensitäten und Wohnbaubedarfe werden sich verschieben. Wer jetzt plant, plant ohne abgesicherte Prognosegrundlage. Das ist kein Argument gegen das Projekt, aber ein starkes Argument dafür, die raumordnerische Begleitung endlich auf die Höhe der Baugeschwindigkeit zu bringen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>Neues Bauordnungsrecht im Norden: HBauO Hamburg und LBO Schleswig-Holstein im Vergleich</title>
		<link>https://baukunst.art/neues-bauordnungsrecht-im-norden-hbauo-hamburg-und-lbo-schleswig-holstein-im-vergleich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 16:57:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bauordnungsrecht Nord]]></category>
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		<category><![CDATA[HBauO]]></category>
		<category><![CDATA[Holzbau]]></category>
		<category><![CDATA[LBO Schleswig-Holstein]]></category>
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					<description><![CDATA[HBauO Hamburg und LBO Schleswig-Holstein: Zwei Nordländer reformieren ihr Baurecht gleichzeitig. Was das für Planende, Holzbau und den Wohnungsbau bedeutet.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="font-weight: 400;"><strong>baukunst.art</strong></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Regionales | Nord</em></p>
<h1>Genehmigungsfreistellung, Holzbauöffnung und digitale Baugenehmigung: Zwei Nordländer novellieren ihr Bauordnungsrecht</h1>
<p style="font-weight: 400;">Bauordnungsrecht ist Ländersache – und genau darin liegt das Problem wie auch die Chance: Während der Bund mit dem Baugesetzbuch (BauGB) den planungsrechtlichen Rahmen setzt, entscheiden sechzehn Landesbauordnungen darüber, wie auf dem Grundstück gebaut, verfahrensrechtlich genehmigt und konstruktiv ausgeführt werden darf. Zum Jahresbeginn 2026 hat Hamburg diesen Rahmen neu gezogen. Mit der Neufassung der Hamburgischen Bauordnung (HBauO), in Kraft seit dem 1. Januar 2026, setzt die Hansestadt bundesweit ein Signal – und lässt das benachbarte Schleswig-Holstein vergleichend betrachten.</p>
<h2>Zwei Reformen, ein Ziel: Beschleunigen ohne zu vereinfachen?</h2>
<p style="font-weight: 400;">Hamburgs Neufassung der HBauO ist das Ergebnis eines längeren Abstimmungsprozesses. Der Senat hatte der Neufassung am 29. Oktober 2024 zugestimmt, die Bürgerschaft am 27. November 2024. Die Kernbotschaft: Bauen soll schneller, günstiger und weniger bürokratisch werden. Der wohl weitreichendste Schritt ist die Einführung einer Genehmigungsfreistellung für kleinere Wohngebäude. Einfamilienhäuser, Doppelhäuser, Reihenhäuser und kleinere Mehrfamilienhäuser, die im Bereich eines qualifizierten Bebauungsplans liegen und das Baurecht vollständig einhalten, müssen künftig nur noch angezeigt werden. Einen Monat nach Einreichung der Bauvorlagen darf mit dem Bau begonnen werden. Eine Baugenehmigung im klassischen Sinne entfällt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Das ist architektonisch und rechtsstaatlich ein bedeutsamer Schritt. Die Verantwortung für die Einhaltung öffentlich-rechtlicher Vorschriften verschiebt sich spürbar in Richtung der Bauherrinnen und Bauherren sowie der Entwurfsverfassenden. Wer als Architektin oder Architekt ein Wohngebäude in Hamburg plant, trägt in Zukunft noch mehr Verantwortung als bisher. Die Haftungsfrage bei Abweichungen vom Bebauungsplan, die erst nach Baubeginn erkannt werden, ist eine praxisrelevante Neuerung, die in der Hamburgischen Architektenkammer intern diskutiert wird.</p>
<p style="font-weight: 400;">Parallel dazu hat Schleswig-Holstein am 5. Juli 2024 eine neue Landesbauordnung (LBO S-H) in Kraft gesetzt. Auch hier stand die Beschleunigung im Zentrum: Genehmigungsfiktion nach § 72 Abs. 1a LBO S-H, also die automatische Genehmigung nach Fristablauf von drei Monaten im vereinfachten Genehmigungsverfahren, war eines der politischen Leitprojekte. Das Schriftformerfordernis entfiel, digitale Einreichung wurde ermöglicht. Bestandsschutz und Höchstmaße wurden angepasst, so beträgt die lichte Mindestraumhöhe nach § 47 Abs. 1 LBO S-H nun einheitlich 2,30 m.</p>
<h2>Was ändert sich konkret für den Holzbau in Norddeutschland?</h2>
<p style="font-weight: 400;">Die Frage nach dem Holzbau ist in beiden Ländern eng mit dem Brandschutz verknüpft. Die Muster-Holzbau-Richtlinie (MHolzBauR), die die Bauministerkonferenz (BMK) am 24. Oktober 2024 nach dreijährigen Verhandlungen einstimmig verabschiedet hat, erweitert den Anwendungsbereich auf Standardgebäude der Gebäudeklassen 4 und 5. Größere Mehrfamilienhäuser bis zur Hochhausgrenze dürfen künftig in Holztafelbauweise errichtet werden, wenn die brandschutztechnischen Anforderungen erfüllt sind. Die EU-Kommission muss noch zustimmen; eine Übernahme in das Landesrecht steht in beiden Nordländern damit noch aus.</p>
<p style="font-weight: 400;">Hamburg hat in der neuen HBauO Brandschutzanforderungen für Solaranlagen gelockert und Erleichterungen für den klimaneutralen Holzbau vorbereitet. Schleswig-Holstein hatte bereits in seiner Novelle von 2024 ausdrücklich auf Erleichterungen für den Holzbau hingewiesen, um klimaneutrales Bauen voranzubringen, wie das Innenministerium in Kiel kommunizierte. Beide Länder folgen damit einem norddeutschen Trend, der auf ressourcenschonende Konstruktionsweisen setzt – strukturell aber noch auf die Umsetzung der MHolzBauR in Landesrecht wartet.</p>
<p style="font-weight: 400;">Aus fachlicher Perspektive bleibt ein kritischer Befund: Die Deregulierung der Genehmigungsverfahren ändert nichts an den materiellen Anforderungen. § 3 HBauO und der gleichlautende § 3 LBO S-H verlangen nach wie vor, dass bauliche Anlagen so beschaffen sein müssen, dass die öffentliche Sicherheit und Ordnung, insbesondere Leben, Gesundheit und die natürlichen Lebensgrundlagen, nicht gefährdet werden. Die Verantwortungsverschiebung vom Amt zur Planerschaft ist politisch gewollt; ob sie qualitätssichernd wirkt, wird die Praxis der nächsten Jahre zeigen müssen. Erfahrungen aus Bayern, das die Genehmigungsfreistellung für kleinere Wohngebäude bereits früher eingeführt hat, mahnen zur Vorsicht: Mangelhafte Ausführungen, die erst nach Bezug entdeckt werden, belasten letztlich Eigentümerinnen und Eigentümer sowie die Gemeinden.</p>
<h2>Digitale Baugenehmigung als nordisches Gemeinschaftsprojekt</h2>
<p style="font-weight: 400;">Ein konkreter Fortschritt liegt in der Digitalisierung. Hamburg startete zum 1. Januar 2026 den länderübergreifenden Onlinedienst Digitale Baugenehmigung, der auf einer bundesweit genutzten Plattform basiert. Architektinnen und Architekten, Bauherrinnen und Bauherren sowie Fachplanende können Anträge gemeinsam bearbeiten, Unterlagen digital nachreichen und direkt mit der Bauaufsichtsbehörde kommunizieren. Schleswig-Holstein hatte in seiner LBO-Novelle 2024 das Wegfallen des Schriftformerfordernisses als Grundlage für die digitale Einreichung verankert und Pilotbehörden benannt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die norddeutsche Kooperation im Baurecht, konkret im Rahmen des Bauindustrieverbandes Hamburg Schleswig-Holstein, sieht in dieser Annäherung ein positives Signal. Für bundesweit tätige Büros, die in beiden Ländern Projekte realisieren, bedeutet die steigende Harmonisierung mit der Musterbauordnung (MBO) eine spürbare Arbeitserleichterung.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die entscheidende Frage lautet, ob Deregulierung allein Wohnraum schafft. Hamburg plant weiterhin 10.000 neue Wohnungen jährlich. Die neue HBauO soll dabei Beschleuniger sein. Ob das gelingt, hängt nicht allein vom Bauordnungsrecht ab, sondern auch von Grundstücksverfügbarkeit, Finanzierungskosten und der Kapazität der planenden Büros. Die Bauordnungsnovellen im Norden sind handwerklich solide. Was fehlt, ist ein struktureller Ansatz, der Planungskultur, Förderprogramme und bauliche Qualität gleichermassen adressiert.</p>
<p style="font-weight: 400;">
<p style="font-weight: 400;">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bremen macht architektonisch zu wenig aus der Lage am Wasser</title>
		<link>https://baukunst.art/bremen-macht-architektonisch-zu-wenig-aus-der-lage-am-wasser/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 16:30:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bremen | Stadtentwicklung | Waterfront | Weser | Überseestadt | Hafenrevitalisierung | Wettbewerb | BauGB | BremLBO | BremDSchG | BauNVO]]></category>
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					<description><![CDATA[Bremen hat Wasser im Rücken und wenig Architektur, die es zeigt. Warum die Weser im Stadtbild zu oft Kulisse bleibt. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="font-weight: 400;"><strong>baukunst.art</strong></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Redaktionskategorie: REGIONALES</em></p>
<h1>Eine Hansestadt und ihr Fluss: Bremer Stadtentwicklung zwischen Anspruch und Wirklichkeit</h1>
<p style="font-weight: 400;">Wasserstädte sind kein Privileg, sie sind eine Verpflichtung: Wer an einem Fluss sitzt, muss Antworten geben, die ohne Wasser undenkbar wären. Bremen sitzt an der Weser, einem der baugeschichtlich bedeutsamsten deutschen Ströme, und gibt seit Jahrzehnten Antworten, die diese Lage erstaunlich selten einlösen. Das ist kein Vorwurf an einzelne Akteure, sondern eine strukturelle Beobachtung, die sich aus dem Vergleich mit anderen Wasserstädten, aus dem Blick auf Bremens eigene Planungsgeschichte und aus dem heutigen Zustand der Weserufer ergibt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Fakten sind bekannt: Die Überseestadt, mit rund 300 Hektar eines der größten Hafenrevitalisierungsprojekte Europas, transformiert seit dem Masterplan von 2003 die alten Hafenareale rechts der Weser. Einzelne Projekte setzen architektonische Akzente. Das John &amp; Will Silo-Hotel auf dem ehemaligen Kellogg-Areal, eröffnet 2024, nutzt die seltene Qualität, aus jedem Zimmer auf die Weser zu blicken. Die Überseeinsel wurde 2024 mit dem polis Award in der Kategorie Urbanes Flächenrecycling ausgezeichnet und formuliert den Anspruch eines wirklich urbanen Quartiers am Wasser. Das sind Beispiele, die sich sehen lassen können. Doch sie bleiben Inseln.</p>
<p style="font-weight: 400;">Weser-Bremen ist kein Rhein-Köln und kein Elbe-Hamburg. Das ist keine Entschuldigung, sondern ein Ausgangspunkt. Die Weser ist in Bremen ein anderer Strom: breiter als erwartet, von Deichen eingefasst, auf weiten Strecken durch industrielle Nutzungen vom öffentlichen Raum getrennt. Die Schlachte, Bremens bekannteste Uferpromenade, wurde zwischen 1993 und 2000 im Rahmen des Expo-Projekts &#8218;Stadt am Fluss&#8216; neu gestaltet und hat sich seitdem zur Gastronomie- und Biergartenmeile entwickelt. Was als Aufwertung gemeint war, wirkt heute wie eine Verengung: Statt Wasserbaukultur in ihrer ganzen Tiefe eine bewirtschaftete Flanierzone, deren Architektur den Blick auf die Weser eher behauptet als inszeniert.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Wie wird Wasserlage planerisch definiert, und was hindert Bremen daran, sie auszuschöpfen?</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Die Bremer Bauordnung (BremLBO) kennt keine besondere Kategorie für Wasserlagen. Das Bremische Denkmalschutzgesetz (BremDSchG) schützt zahlreiche Strukturen am Ufer, stellt sie jedoch nicht in den Dienst einer kohärenten wasserbezogenen Stadtbildstrategie. § 34 des Baugesetzbuchs (BauGB) regelt das Einfügen in die nähere Umgebung auch für Wasserlagen, ohne dass dies zu einer stadtweiten Systematik der Freiraumgestaltung an der Weser geführt hätte. Das ist eine planungsrechtliche Lücke, die durch informelle Instrumente wie Masterpläne und Rahmenpläne gefüllt werden soll, aber bisher nur dort wirkt, wo Investorendruck ohnehin vorhanden ist.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der Masterplan Überseestadt von 2003 formuliert das Leitbild eines durchgängigen öffentlichen Ufers: Kajen, Wälle und Promenaden sollen die 300 Hektar zugänglich halten. In der Realität sind große Abschnitte des Weserufers innerhalb der Überseestadt noch immer für die Öffentlichkeit kaum erreichbar, durch Betriebsflächen versperrt oder von der Bebauung abgewendet. Wo gebaut wurde, orientiert sich die Architektur häufig an einer Hafenoptik, die mehr Kulisse als Haltung ist. Fassaden aus Sichtbeton oder Cortenstahl am Wasser zitieren industrielles Erbe, ohne es zu interpretieren.</p>
<p style="font-weight: 400;">Hinzu kommt das Problem der Maßstäblichkeit. Das Institut der Stadtbaukunst hat in einer vergleichenden Analyse der Überseestadt festgestellt, dass die Straßenräume dort im Vergleich zu Hamburg sehr breit wirken und die Bebauung häufig von der Grundstücksgrenze zurücktritt. Das erzeugt Weitläufigkeit, aber keine Dichte, die Urbanität am Wasser erst spürbar macht. Die Verbindung zwischen Überseestadt und den angrenzenden Stadtteilen Walle und Gröpelingen bleibt lückenhaft, was den Wasserraum als zusammenhängendes Erlebnis verhindert.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Warum bleibt das Potenzial der Weserlage baulich so weit hinter den Vergleichsstädten zurück?</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Ein Teil der Antwort liegt in der Wettbewerbskultur. Die Architektenkammer der Freien Hansestadt Bremen (AKHB) fordert seit Jahren regelgebundene Verfahren für exponierte Lagen. In der Praxis fehlen sie häufig. Der Präsident der Architektenkammer, Michael Frenz, hat die Notwendigkeit von Wagemut und planerischen Impulsen betont. Doch Wagemut kostet Zeit und Geld, und beides ist in Bremens angespannter Haushaltssituation knapp. Das Ergebnis sind Gebäude, die korrekt sind, ohne einprägsam zu sein, und Ufer, die benutzbar sind, ohne einzuladen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Hamburg zeigt, was mit konsequenter wasserbezogener Stadtentwicklung erreichbar ist: In der HafenCity, mit 155 Hektar halb so groß wie Bremens Überseestadt, entstand ein zusammenhängendes Ensemble, das Öffentlichkeit, Architektur und Wasserbezug als integrale Einheit begreift. Das Verhältnis zwischen Kajenlänge und öffentlich nutzbarer Promenade ist dort systematisch definiert. In Bremen fehlt eine vergleichbare Kenngröße. Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer Planungskultur, die Wasserlage als Bonus versteht, nicht als Bedingung.</p>
<p style="font-weight: 400;">Bremens Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki hat in einer viel diskutierten Stellungnahme von austauschbarer Architektur und schleichender Stadtzerstörung gesprochen, getrieben von Investoren, die Maximalrenditen erzielten. Ob man diese Zuspitzung teilt oder nicht: Sie trifft einen Nerv. Am Weserufer zeigt sich das besonders deutlich, weil dort die Differenz zwischen dem, was möglich wäre, und dem, was entsteht, am augenfälligsten ist.</p>
<p style="font-weight: 400;">Es gibt Ansätze, die Hoffnung machen. Das Projekt Waller Sand in der Überseestadt, gefördert durch das Bundesprogramm Nationale Projekte des Städtebaus mit rund 3,1 Millionen Euro, schafft einen neuen öffentlichen Freiraum am Wendebecken. Der Kellogg Pier auf der Überseeinsel erhielt 2024 den Sonderpreis für Umbaukultur in der zirkulären Stadt des Deutschen Städtebaupreises. Und die Kellogg-Höfe, ab 2028 geplant, könnten mit Werkturm und gestalteten Freiräumen erstmals ein Ensemble bilden, das der Weser gegenüber eine architektonische Haltung einnimmt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Was fehlt, ist der politische Rahmen, der diese Einzelprojekte zu einer Strategie verbindet. Ein stadtweites Konzept für die öffentliche Zugänglichkeit der Weserufer, verankert in einem Fachplan analog zu norddeutschen Nachbarländern, würde dem Fluss endlich den Status geben, der ihm gebührt. Die Weser ist nicht Kulisse. Sie ist der Grund, warum Bremen hier ist. Wer das baut, verdient die Stadt.</p>
<p style="font-weight: 400;">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bonner Bühnen: Abriss oder Zukunft?</title>
		<link>https://baukunst.art/bonner-buehnen-abriss-oder-zukunft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 16:14:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[BauGB]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Bonner Bühnen]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz NRW]]></category>
		<category><![CDATA[DIN 18040]]></category>
		<category><![CDATA[DSchG NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunale Kulturpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Modulbau Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Nachkriegsmoderne]]></category>
		<category><![CDATA[Opernhaus Bonn]]></category>
		<category><![CDATA[Stadttheater Sanierung]]></category>
		<category><![CDATA[Zero-Kunst Otto Piene]]></category>
		<category><![CDATA[Zweispartenhaus]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Bonner Opernhaus feierte 2025 seinen 60. Geburtstag. Jetzt droht der Abriss. Fünf Planungsvarianten, ein Kostenrahmen von bis zu 734 Millionen Euro und eine ungeklärte Frage: Was kommt danach?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">REGIONALES | Nordrhein-Westfalen</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bonner Oper vor dem Abriss: Eine Stadt ringt um ihre Kulturseele</h1>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Fünf Varianten, eine Milliarde im Raum und eine Stadt am Scheideweg</em></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zukunft der Bonner Bühnen ist eine stadtplanerische Gretchenfrage: Sanieren oder abreißen, und wenn abreißen, was dann?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das am Rheinufer gelegene Bonner Opernhaus feierte im vergangenen Jahr sein sechzigjähriges Bestehen. Erbaut von den Stuttgarter Architekten Klaus Gessler und Wilfried Beck-Erlang und 1965 eingeweiht, hat das Haus Generationen von Zuschauerinnen und Zuschauern begeistert. Zuletzt 1992/93 umfassend saniert, gilt es heute als dringend sanierungsbedürftig. Der Spielbetrieb sei nach Angaben der Stadtverwaltung nur noch für höchstens fünf Jahre gesichert. Jedes Jahr Verzug schlage mit mindestens zehn Millionen Euro zu Buche. Die Zeit drängt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bonner Stadtgesellschaft steht nun vor einer der kostspieligsten Kulturentscheidungen in der Geschichte der ehemaligen Bundeshauptstadt. Fünf Planungsvarianten liegen vor, ausgearbeitet von einer eigens gegründeten Stabsstelle und einer Arbeitsgemeinschaft zweier Planungsbüros. Ihr Ergebnis: ein Kostenrahmen von 426 bis 734 Millionen Euro. Auch das sanierungsbedürftige Schauspielhaus in Bad Godesberg, der erste Theaterneubau Deutschlands in der Nachkriegszeit, ist Teil dieser Entscheidung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was unterscheidet die fünf Planungsvarianten voneinander?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bandbreite der Varianten ist erheblich. Variante A sieht die vollständige Sanierung beider Häuser vor und kommt inklusive eines erforderlichen Interimsbaus auf geschätzte 665 Millionen Euro. Variante B, der Neubau der Oper am bestehenden Standort bei gleichzeitiger Sanierung des Schauspiels, ist mit 734 Millionen Euro die teuerste Option. Ein Neubau der Oper am alten Ort in Modulbauweise (Variante C) würde 464 Millionen Euro kosten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Varianten D und E verzichten auf eine kostspielige Interimslösung. Variante D sieht einen Neubau in Modulbauweise auf dem Areal einer ehemaligen Jutespinnerei an der Siegburger Strasse im rechtsrheinischen Stadtbezirk Beuel vor, dazu die Sanierung des Schauspiels. Kostenpunkt: 445 Millionen Euro. Variante E kombiniert diesen Standort mit einem Zweispartenhaus für Oper und Schauspiel in einem einzigen Neubau. Mit 426 Millionen Euro ist das die günstigste Option. Und sie allein erfüllt das Sparziel des Stadtkämmerers: 5,6 Millionen Euro jährlich sollen bei Betrieb, Logistik und Instandhaltung eingespart werden können. Der Kämmerer strebt eine Reduktion des Kulturetats um fünf Millionen Euro im Jahr an. Bei den übrigen Varianten liegt das Einsparpotenzial nicht einmal halb so hoch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bonns neuer Oberbürgermeister Guido Déus (CDU) hat sich bereits für den Abriss des Opernhauses ausgesprochen. Das denkmalgeschützte Schauspielhaus in Bad Godesberg hingegen soll erhalten und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Aus der freien Theaterszene soll es bereits Interessenten geben, die das Haus bespielen möchten. Vom Interesse zum ausgearbeiteten Nutzungskonzept ist es allerdings ein weiter Weg.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet der Verlust des Opernhauses für Bonn als Baukulturstadt?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gedanke, das 1965 eingeweihte Bonner Opernhaus abzureissen, ist aus baukultureller Sicht nicht ohne Brisanz. Das Gebäude gehört zur Architekturgeschichte der Nachkriegsmoderne und trägt im Zuschauerraum und im Parkettfoyer Lichtinstallationen des Zero-Künstlers Otto Piene. Deren Verlust wäre unwiederbringlich. Der Denkmalschutz schützt das Opernhaus offenbar nicht in dem Masse, wie er das Schauspielhaus in Bad Godesberg absichert. Und so rückt die Frage der Abwägung in den Vordergrund: Wie viel Geschichte ist einer Stadt die Erhaltung ihrer Kulturbauten wert, wenn die Kosten existenziell werden?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Grundstück an der Kennedybrücke, wo das Opernhaus an die Stelle der Kriegsruine des barocken Boeselager Hofes trat, ist städtebaulich ausserordentlich wertvoll. Eine kommerzielle Verwertung durch Investoren möchte die Stadtpolitik ausschliessen. Oberbürgermeister Déus kündigte an, dort müsse, in seinen Worten, etwas im Sinne der Bürgerinnen und Bürger entstehen. Was das konkret bedeutet, bleibt vorerst offen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei ist die Geschichte der Bonner Kulturbauten von einem bemerkenswerten Déjà-vu geprägt. Die ebenfalls am linksrheinischen Ufer gelegene Beethovenhalle, nur neun Gehminuten vom Opernhaus entfernt und 1959 eingeweiht, wurde nach knapp zehnjähriger Sanierung erst im Dezember 2025 wiedereröffnet. Auch sie stand einmal zur Disposition, sollte abgerissen und durch ein Festspielhaus ersetzt werden. Das Muster des Zögerns, Verschiebens und schliesslichen Sanierens kennt Bonn gut. Ob es sich diesmal wiederholt, oder ob der Abriss tatsächlich vollzogen wird, entscheiden die zuständigen Ausschüsse auf Grundlage der Beschlussvorlage, die nun vorliegt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Modulbau als Antwort auf Haushaltszwang</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass gleich drei der fünf Varianten auf Modulbauweise setzen, ist kein Zufall. Die Kommunen stehen unter fiskalischem Druck, und die Modulbauweise verspricht Kostendisziplin bei gleichzeitiger architektonischer Flexibilität. Für ein Haus der darstellenden Künste mit seinen komplexen bühnentechnischen Anforderungen, der notwendigen Akustik und den Anforderungen an Barrierefreiheit nach DIN 18040 ist Modulbau jedoch kein Selbstläufer. Ob Variante E, das Zweispartenhaus in Beuel, tatsächlich für 426 Millionen Euro realisiert werden kann und dabei eine künstlerisch überzeugende Spielstätte entsteht, wird von der Qualität des zukünftigen Wettbewerbsverfahrens abhängen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Standort in Beuel, auf dem Areal der ehemaligen Jutespinnerei an der Siegburger Strasse, liegt rechtsrheinisch und damit deutlich weiter vom historischen Stadtkern entfernt als die heutige Oper. Das ist kein Detail. Die städtebauliche Integration eines Kulturhauses in das Stadtgefüge prägt dessen Nutzung, seine Erreichbarkeit und seine symbolische Bedeutung für die städtische Identität. Eine Verlegung ist immer auch ein Signal an die Stadtgesellschaft darüber, welchen Stellenwert sie der Hochkultur im urbanen Raum beimisst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung, die Bonn nun treffen muss, hat überregionale Signalwirkung. Theatersanierungen sind ein bundesweites Problem. Ob Köln, Hamburg oder Frankfurt: Überall stellen sich Kommunen der Frage, wie viel ihre historisch gewachsenen Kulturinstitutionen im 21. Jahrhundert kosten dürfen. Bonns Lösung, welche auch immer sie wählt, wird als Referenz zitiert werden. Kulturdezernentin Birgit Schneider-Bönninger strebt eine Entscheidung noch vor der Sommerpause an. Ob das gelingt, bleibt fraglich. Denn die Sprengkraft des Themas, 426 bis 734 Millionen Euro in einer Stadt mit angespanntem Haushalt, lässt eine ruhige, schnelle Einigung unwahrscheinlich erscheinen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Betonparabeln und Kirchturmfragen: Was Kölns moderner Sakralbau der Gegenwart zu sagen hat</title>
		<link>https://baukunst.art/betonparabeln-und-kirchturmfragen-was-koelns-moderner-sakralbau-der-gegenwart-zu-sagen-hat/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 16:01:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur Köln]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Dominikus Böhm]]></category>
		<category><![CDATA[DSchG NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Erzbistum Köln]]></category>
		<category><![CDATA[Gottfried Böhm]]></category>
		<category><![CDATA[Hiltrud Kier]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchenbau Nachkriegsmoderne]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchenumnutzung NRW]]></category>
		<category><![CDATA[LVR Denkmalpflege]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Struck]]></category>
		<category><![CDATA[Moderner Kirchenbau]]></category>
		<category><![CDATA[Rudolf Schwarz]]></category>
		<category><![CDATA[Sakralbau Köln]]></category>
		<category><![CDATA[Walther König Verlag]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15701</guid>

					<description><![CDATA[Eine neue Publikation zeigt Kölns einzigartiges Erbe an modernen Sakralbauten: 100 Jahre Kirchenbaukunst zwischen Zitronenpresse und Leerstand, und was daraus werden soll.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art &#8211; </strong>Architektur | Stadtkultur | Baukultur | DACH</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Eine Publikation des Verlags der Buchhandlung Walther König dokumentiert 100 Jahre Sakralbaukunst in Köln und stellt die Frage, was aus diesem architektonischen Erbe wird.</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Köln als Laboratorium der Kirchenmoderne: Ein Inventar zwischen Erinnerung und Entscheidung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kein anderes Stadtgebiet in Deutschland vereint eine so ungewöhnliche Dichte an Sakralbauten der klassischen Moderne wie Köln: mehr als 200 Gebäude aus rund hundert Jahren, darunter Schlüsselwerke des europäischen Kirchenbaus, die heute zwischen Denkmalschutzpflege und Leerstand ihre Zukunft suchen. Der Sammelband &#8222;Moderner Sakralbau in Köln&#8220;, herausgegeben von der Kunsthistorikerin und ehemaligen Stadtkonservatorin Prof. Dr. Hiltrud Kier und dem Erzdiözesanbaumeister des Erzbistums Köln, Martin Struck, bietet die erste umfassende Bestandsaufnahme dieses Erbes: 480 Seiten, mehr als 200 Objekte, geordnet nach Stadtgebieten, erschienen 2025 im Verlag der Buchhandlung Walther König.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Buch ist kein Nostalgieprojekt. Es ist eine architekturhistorische Zustandsaufnahme in einem Moment, in dem die Frage nach der Zukunft dieser Bauten keine theoretische mehr ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie wurde Köln zur Laborbühne der Kirchenmoderne?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Ausgangspunkt liegt im frühen 20. Jahrhundert. Bei den Deutschen Werkbundausstellungen 1914 und 1928 entstanden in Köln Bauten, die bis heute als Marksteine gelten: Bruno Tauts Glashaus von 1914 und Otto Bartnings Stahlkirche von 1928 formulierten eine neue Materialsprache, die Funktion, Form und Licht radikal neu dachte. Es war kein Zufall, dass diese Experimente in Köln stattfanden: Die Stadt besaß eine aktive Reformbewegung innerhalb der katholischen Kirche, die nach neuen liturgischen Raumkonzepten suchte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus diesem Milieu heraus begründete Dominikus Böhm in den 1920er-Jahren eine Architektendynastie, deren Wirkung bis heute andauert. Sein bekanntestes Werk in Köln, St. Engelbert in Riehl (1930 bis 1932), war ein Zentralbau auf kreisrundem Grundriss, dessen acht parabelförmige Schildwände dem Volksmund den Spitznamen &#8222;Zitronenpresse&#8220; einbrachten. Das Kölner Generalvikariat sah in dem Entwurf zunächst etwas Fremdartiges, eher Orientalisches als Abendländisches, und bat um eine Milderung des Neuartigen. Böhm antwortete mit einem Verweis auf mittelalterliche Zentralbauten und baute. Heute gilt St. Engelbert als eines der bedeutendsten Kirchengebäude der Moderne in Deutschland überhaupt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was Böhm dort in Bimsbeton goss, beeinflusste die Architekturlandschaft bis nach Amerika. Sein Sohn Gottfried setzte die Familientradition fort und erhielt 1986 als erster und bis heute einziger deutscher Architekt den Pritzker-Preis. Peter und Paul Böhm, die Enkelsöhne, arbeiten bis heute in Köln. Der Sammelband belegt anhand dieser Genealogie, was nur in wenigen Städten so konzentriert beobachtbar ist: die Entwicklung einer lokalen Architekturkultur über vier Generationen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Neben der Familie Böhm prägten Rudolf Schwarz, Fritz Schaller, Joachim und Margot Schürmann sowie Emil Steffann das Kölner Kirchenbaugeschehen. Der Zweite Weltkrieg hatte die Stadt schwer beschädigt. Im Wiederaufbau entstanden Sakralbauten, die ein breites Panorama der Nachkriegsmoderne spiegeln: Experimentierfreude und Strenge, Expressionismus und Reduktion, Materialehrlichkeit und symbolische Aufladung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das Erbe für den Umgang mit dem Bestand heute?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Frage ist der eigentliche Subtext des Bandes. Die Herausgeber benennen ihn in ihrem Vorwort mit sachlicher Deutlichkeit: Viele dieser Bauten stehen vor einer ungewissen Zukunft. Manche haben ihre bauliche Lebensdauer überschritten, anderen ist ihre Zweckbestimmung abhandengekommen. Baukultur NRW schätzt, dass zwischen 30 und 50 Prozent der Kirchengebäude in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten leerstehen werden. Auf Nordrhein-Westfalen heruntergerechnet bedeutet das: von rund 6.000 Kirchengebäuden könnten bis zu 3.000 aus der Nutzung fallen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für das Erzbistum Köln ist die Lage besonders komplex. Von den 915 Kirchen im Erzbistum stehen 630 als Baudenkmal unter dem Schutz des Denkmalschutzgesetzes Nordrhein-Westfalen (DSchG NRW). Das bedeutet: Jeder bauliche Eingriff, jede Umnutzung, jeder Abriss erfordert eine denkmalbehördliche Abstimmung mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) als zuständiger unterer Denkmalschutzbehörde. Das Erzbistum hat dafür 2024 eine eigene Arbeitshilfe &#8222;Kirchen (um-)nutzen&#8220; herausgegeben, die drei Modelle einer neuen oder erweiterten Nutzung beschreibt und die Profanierung als Ultima Ratio definiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Konversion des Sakralbaus in einen multifunktionalen Ort ist planerisch anspruchsvoller als jede konventionelle Umnutzungsaufgabe. Der Grundriss ist auf eine Raumhierarchie hin entworfen, die nichts von modernen Flächeneffizienzkalkülen weiß. Das Schiff ist kein Büro. Der Chorraum ist kein Veranstaltungssaal. Und doch funktioniert es manchmal. Die ehemalige Albertus-Magnus-Kirche in Köln-Lindenthal, 1961 bis 1962 erbaut und 2019 profaniert, dient heute als Hörsaal der Universität zu Köln. Die Kulturkirche Ost, ein Bau von Georg Rasch und Winfried Wolsky aus dem Jahr 1968, wurde durch schultearchitekten 2012 denkmalgerecht saniert und in einen Kulturort umgewandelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Publikation dokumentiert diese Ambivalenz, ohne sie aufzulösen. Das ist ihre Stärke. Sie liefert keine Masterplanlösung, sondern eine Grundlage: Wer weiß, was er hat, kann entscheiden, was er damit tut. Der Katalog erfüllt damit genau jene Funktion, die eine Inventarisation leisten soll: Sie schafft Bewusstsein, bevor Substanz verloren geht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Köln ist in einer privilegierten Lage. Die lokale Baukulturinitiative, das Engagement von Baukultur NRW, die Arbeit des LVR-Landesamts für Denkmalpflege im Rheinland, und die institutionelle Begleitung durch den Erzdiözesanbaumeister schaffen ein Netzwerk, das in vielen anderen Bistümern fehlt. Das macht den Kölner Fall zu mehr als einer regionalen Geschichte: Er ist ein Modell, dessen Ausgabe jede Stadt mit einem vergleichbaren Bestand in der Hand haben sollte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gedanke, den die Rezensentin im Magazin chrismon formuliert, verdient es, hier wiederholt zu werden: Die Zukunft der Sakralbauten ist kein Spezialproblem für Kirchenleute, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Eine Stadt, die ihre Böhm-Kirchen, ihre Schwarz-Bauten und ihre Schürmann-Kapellen abreisst, verliert nicht nur Architektur. Sie verliert räumliches Gedächtnis.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hiltrud Kier und Martin Struck haben mit diesem Band einen Dienst an der Baukultur geleistet, der weit über Köln hinausweist. Bleibt zu wünschen, dass vergleichbare Inventarisationen auch für andere Grossstädte im DACH-Raum folgen, bevor die Frage nach der Zukunft dieser Bauten obsolet wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Bibliografischer Hinweis</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Hiltrud Kier, Martin Struck (Hg.): Moderner Sakralbau in Köln. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2025. 480 Seiten, 18 Euro. ISBN 978-3-7533-0841-8.</em></p>
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