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	<title>NRW | Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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		<title>Bonner Bühnen: Abriss oder Zukunft?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 16:14:10 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Das Bonner Opernhaus feierte 2025 seinen 60. Geburtstag. Jetzt droht der Abriss. Fünf Planungsvarianten, ein Kostenrahmen von bis zu 734 Millionen Euro und eine ungeklärte Frage: Was kommt danach?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">REGIONALES | Nordrhein-Westfalen</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bonner Oper vor dem Abriss: Eine Stadt ringt um ihre Kulturseele</h1>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Fünf Varianten, eine Milliarde im Raum und eine Stadt am Scheideweg</em></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zukunft der Bonner Bühnen ist eine stadtplanerische Gretchenfrage: Sanieren oder abreißen, und wenn abreißen, was dann?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das am Rheinufer gelegene Bonner Opernhaus feierte im vergangenen Jahr sein sechzigjähriges Bestehen. Erbaut von den Stuttgarter Architekten Klaus Gessler und Wilfried Beck-Erlang und 1965 eingeweiht, hat das Haus Generationen von Zuschauerinnen und Zuschauern begeistert. Zuletzt 1992/93 umfassend saniert, gilt es heute als dringend sanierungsbedürftig. Der Spielbetrieb sei nach Angaben der Stadtverwaltung nur noch für höchstens fünf Jahre gesichert. Jedes Jahr Verzug schlage mit mindestens zehn Millionen Euro zu Buche. Die Zeit drängt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bonner Stadtgesellschaft steht nun vor einer der kostspieligsten Kulturentscheidungen in der Geschichte der ehemaligen Bundeshauptstadt. Fünf Planungsvarianten liegen vor, ausgearbeitet von einer eigens gegründeten Stabsstelle und einer Arbeitsgemeinschaft zweier Planungsbüros. Ihr Ergebnis: ein Kostenrahmen von 426 bis 734 Millionen Euro. Auch das sanierungsbedürftige Schauspielhaus in Bad Godesberg, der erste Theaterneubau Deutschlands in der Nachkriegszeit, ist Teil dieser Entscheidung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was unterscheidet die fünf Planungsvarianten voneinander?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bandbreite der Varianten ist erheblich. Variante A sieht die vollständige Sanierung beider Häuser vor und kommt inklusive eines erforderlichen Interimsbaus auf geschätzte 665 Millionen Euro. Variante B, der Neubau der Oper am bestehenden Standort bei gleichzeitiger Sanierung des Schauspiels, ist mit 734 Millionen Euro die teuerste Option. Ein Neubau der Oper am alten Ort in Modulbauweise (Variante C) würde 464 Millionen Euro kosten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Varianten D und E verzichten auf eine kostspielige Interimslösung. Variante D sieht einen Neubau in Modulbauweise auf dem Areal einer ehemaligen Jutespinnerei an der Siegburger Strasse im rechtsrheinischen Stadtbezirk Beuel vor, dazu die Sanierung des Schauspiels. Kostenpunkt: 445 Millionen Euro. Variante E kombiniert diesen Standort mit einem Zweispartenhaus für Oper und Schauspiel in einem einzigen Neubau. Mit 426 Millionen Euro ist das die günstigste Option. Und sie allein erfüllt das Sparziel des Stadtkämmerers: 5,6 Millionen Euro jährlich sollen bei Betrieb, Logistik und Instandhaltung eingespart werden können. Der Kämmerer strebt eine Reduktion des Kulturetats um fünf Millionen Euro im Jahr an. Bei den übrigen Varianten liegt das Einsparpotenzial nicht einmal halb so hoch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bonns neuer Oberbürgermeister Guido Déus (CDU) hat sich bereits für den Abriss des Opernhauses ausgesprochen. Das denkmalgeschützte Schauspielhaus in Bad Godesberg hingegen soll erhalten und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Aus der freien Theaterszene soll es bereits Interessenten geben, die das Haus bespielen möchten. Vom Interesse zum ausgearbeiteten Nutzungskonzept ist es allerdings ein weiter Weg.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet der Verlust des Opernhauses für Bonn als Baukulturstadt?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gedanke, das 1965 eingeweihte Bonner Opernhaus abzureissen, ist aus baukultureller Sicht nicht ohne Brisanz. Das Gebäude gehört zur Architekturgeschichte der Nachkriegsmoderne und trägt im Zuschauerraum und im Parkettfoyer Lichtinstallationen des Zero-Künstlers Otto Piene. Deren Verlust wäre unwiederbringlich. Der Denkmalschutz schützt das Opernhaus offenbar nicht in dem Masse, wie er das Schauspielhaus in Bad Godesberg absichert. Und so rückt die Frage der Abwägung in den Vordergrund: Wie viel Geschichte ist einer Stadt die Erhaltung ihrer Kulturbauten wert, wenn die Kosten existenziell werden?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Grundstück an der Kennedybrücke, wo das Opernhaus an die Stelle der Kriegsruine des barocken Boeselager Hofes trat, ist städtebaulich ausserordentlich wertvoll. Eine kommerzielle Verwertung durch Investoren möchte die Stadtpolitik ausschliessen. Oberbürgermeister Déus kündigte an, dort müsse, in seinen Worten, etwas im Sinne der Bürgerinnen und Bürger entstehen. Was das konkret bedeutet, bleibt vorerst offen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei ist die Geschichte der Bonner Kulturbauten von einem bemerkenswerten Déjà-vu geprägt. Die ebenfalls am linksrheinischen Ufer gelegene Beethovenhalle, nur neun Gehminuten vom Opernhaus entfernt und 1959 eingeweiht, wurde nach knapp zehnjähriger Sanierung erst im Dezember 2025 wiedereröffnet. Auch sie stand einmal zur Disposition, sollte abgerissen und durch ein Festspielhaus ersetzt werden. Das Muster des Zögerns, Verschiebens und schliesslichen Sanierens kennt Bonn gut. Ob es sich diesmal wiederholt, oder ob der Abriss tatsächlich vollzogen wird, entscheiden die zuständigen Ausschüsse auf Grundlage der Beschlussvorlage, die nun vorliegt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Modulbau als Antwort auf Haushaltszwang</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass gleich drei der fünf Varianten auf Modulbauweise setzen, ist kein Zufall. Die Kommunen stehen unter fiskalischem Druck, und die Modulbauweise verspricht Kostendisziplin bei gleichzeitiger architektonischer Flexibilität. Für ein Haus der darstellenden Künste mit seinen komplexen bühnentechnischen Anforderungen, der notwendigen Akustik und den Anforderungen an Barrierefreiheit nach DIN 18040 ist Modulbau jedoch kein Selbstläufer. Ob Variante E, das Zweispartenhaus in Beuel, tatsächlich für 426 Millionen Euro realisiert werden kann und dabei eine künstlerisch überzeugende Spielstätte entsteht, wird von der Qualität des zukünftigen Wettbewerbsverfahrens abhängen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Standort in Beuel, auf dem Areal der ehemaligen Jutespinnerei an der Siegburger Strasse, liegt rechtsrheinisch und damit deutlich weiter vom historischen Stadtkern entfernt als die heutige Oper. Das ist kein Detail. Die städtebauliche Integration eines Kulturhauses in das Stadtgefüge prägt dessen Nutzung, seine Erreichbarkeit und seine symbolische Bedeutung für die städtische Identität. Eine Verlegung ist immer auch ein Signal an die Stadtgesellschaft darüber, welchen Stellenwert sie der Hochkultur im urbanen Raum beimisst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung, die Bonn nun treffen muss, hat überregionale Signalwirkung. Theatersanierungen sind ein bundesweites Problem. Ob Köln, Hamburg oder Frankfurt: Überall stellen sich Kommunen der Frage, wie viel ihre historisch gewachsenen Kulturinstitutionen im 21. Jahrhundert kosten dürfen. Bonns Lösung, welche auch immer sie wählt, wird als Referenz zitiert werden. Kulturdezernentin Birgit Schneider-Bönninger strebt eine Entscheidung noch vor der Sommerpause an. Ob das gelingt, bleibt fraglich. Denn die Sprengkraft des Themas, 426 bis 734 Millionen Euro in einer Stadt mit angespanntem Haushalt, lässt eine ruhige, schnelle Einigung unwahrscheinlich erscheinen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Betonparabeln und Kirchturmfragen: Was Kölns moderner Sakralbau der Gegenwart zu sagen hat</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 16:01:42 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Eine neue Publikation zeigt Kölns einzigartiges Erbe an modernen Sakralbauten: 100 Jahre Kirchenbaukunst zwischen Zitronenpresse und Leerstand, und was daraus werden soll.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art &#8211; </strong>Architektur | Stadtkultur | Baukultur | DACH</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Eine Publikation des Verlags der Buchhandlung Walther König dokumentiert 100 Jahre Sakralbaukunst in Köln und stellt die Frage, was aus diesem architektonischen Erbe wird.</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Köln als Laboratorium der Kirchenmoderne: Ein Inventar zwischen Erinnerung und Entscheidung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kein anderes Stadtgebiet in Deutschland vereint eine so ungewöhnliche Dichte an Sakralbauten der klassischen Moderne wie Köln: mehr als 200 Gebäude aus rund hundert Jahren, darunter Schlüsselwerke des europäischen Kirchenbaus, die heute zwischen Denkmalschutzpflege und Leerstand ihre Zukunft suchen. Der Sammelband &#8222;Moderner Sakralbau in Köln&#8220;, herausgegeben von der Kunsthistorikerin und ehemaligen Stadtkonservatorin Prof. Dr. Hiltrud Kier und dem Erzdiözesanbaumeister des Erzbistums Köln, Martin Struck, bietet die erste umfassende Bestandsaufnahme dieses Erbes: 480 Seiten, mehr als 200 Objekte, geordnet nach Stadtgebieten, erschienen 2025 im Verlag der Buchhandlung Walther König.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Buch ist kein Nostalgieprojekt. Es ist eine architekturhistorische Zustandsaufnahme in einem Moment, in dem die Frage nach der Zukunft dieser Bauten keine theoretische mehr ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie wurde Köln zur Laborbühne der Kirchenmoderne?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Ausgangspunkt liegt im frühen 20. Jahrhundert. Bei den Deutschen Werkbundausstellungen 1914 und 1928 entstanden in Köln Bauten, die bis heute als Marksteine gelten: Bruno Tauts Glashaus von 1914 und Otto Bartnings Stahlkirche von 1928 formulierten eine neue Materialsprache, die Funktion, Form und Licht radikal neu dachte. Es war kein Zufall, dass diese Experimente in Köln stattfanden: Die Stadt besaß eine aktive Reformbewegung innerhalb der katholischen Kirche, die nach neuen liturgischen Raumkonzepten suchte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus diesem Milieu heraus begründete Dominikus Böhm in den 1920er-Jahren eine Architektendynastie, deren Wirkung bis heute andauert. Sein bekanntestes Werk in Köln, St. Engelbert in Riehl (1930 bis 1932), war ein Zentralbau auf kreisrundem Grundriss, dessen acht parabelförmige Schildwände dem Volksmund den Spitznamen &#8222;Zitronenpresse&#8220; einbrachten. Das Kölner Generalvikariat sah in dem Entwurf zunächst etwas Fremdartiges, eher Orientalisches als Abendländisches, und bat um eine Milderung des Neuartigen. Böhm antwortete mit einem Verweis auf mittelalterliche Zentralbauten und baute. Heute gilt St. Engelbert als eines der bedeutendsten Kirchengebäude der Moderne in Deutschland überhaupt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was Böhm dort in Bimsbeton goss, beeinflusste die Architekturlandschaft bis nach Amerika. Sein Sohn Gottfried setzte die Familientradition fort und erhielt 1986 als erster und bis heute einziger deutscher Architekt den Pritzker-Preis. Peter und Paul Böhm, die Enkelsöhne, arbeiten bis heute in Köln. Der Sammelband belegt anhand dieser Genealogie, was nur in wenigen Städten so konzentriert beobachtbar ist: die Entwicklung einer lokalen Architekturkultur über vier Generationen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Neben der Familie Böhm prägten Rudolf Schwarz, Fritz Schaller, Joachim und Margot Schürmann sowie Emil Steffann das Kölner Kirchenbaugeschehen. Der Zweite Weltkrieg hatte die Stadt schwer beschädigt. Im Wiederaufbau entstanden Sakralbauten, die ein breites Panorama der Nachkriegsmoderne spiegeln: Experimentierfreude und Strenge, Expressionismus und Reduktion, Materialehrlichkeit und symbolische Aufladung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das Erbe für den Umgang mit dem Bestand heute?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Frage ist der eigentliche Subtext des Bandes. Die Herausgeber benennen ihn in ihrem Vorwort mit sachlicher Deutlichkeit: Viele dieser Bauten stehen vor einer ungewissen Zukunft. Manche haben ihre bauliche Lebensdauer überschritten, anderen ist ihre Zweckbestimmung abhandengekommen. Baukultur NRW schätzt, dass zwischen 30 und 50 Prozent der Kirchengebäude in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten leerstehen werden. Auf Nordrhein-Westfalen heruntergerechnet bedeutet das: von rund 6.000 Kirchengebäuden könnten bis zu 3.000 aus der Nutzung fallen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für das Erzbistum Köln ist die Lage besonders komplex. Von den 915 Kirchen im Erzbistum stehen 630 als Baudenkmal unter dem Schutz des Denkmalschutzgesetzes Nordrhein-Westfalen (DSchG NRW). Das bedeutet: Jeder bauliche Eingriff, jede Umnutzung, jeder Abriss erfordert eine denkmalbehördliche Abstimmung mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) als zuständiger unterer Denkmalschutzbehörde. Das Erzbistum hat dafür 2024 eine eigene Arbeitshilfe &#8222;Kirchen (um-)nutzen&#8220; herausgegeben, die drei Modelle einer neuen oder erweiterten Nutzung beschreibt und die Profanierung als Ultima Ratio definiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Konversion des Sakralbaus in einen multifunktionalen Ort ist planerisch anspruchsvoller als jede konventionelle Umnutzungsaufgabe. Der Grundriss ist auf eine Raumhierarchie hin entworfen, die nichts von modernen Flächeneffizienzkalkülen weiß. Das Schiff ist kein Büro. Der Chorraum ist kein Veranstaltungssaal. Und doch funktioniert es manchmal. Die ehemalige Albertus-Magnus-Kirche in Köln-Lindenthal, 1961 bis 1962 erbaut und 2019 profaniert, dient heute als Hörsaal der Universität zu Köln. Die Kulturkirche Ost, ein Bau von Georg Rasch und Winfried Wolsky aus dem Jahr 1968, wurde durch schultearchitekten 2012 denkmalgerecht saniert und in einen Kulturort umgewandelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Publikation dokumentiert diese Ambivalenz, ohne sie aufzulösen. Das ist ihre Stärke. Sie liefert keine Masterplanlösung, sondern eine Grundlage: Wer weiß, was er hat, kann entscheiden, was er damit tut. Der Katalog erfüllt damit genau jene Funktion, die eine Inventarisation leisten soll: Sie schafft Bewusstsein, bevor Substanz verloren geht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Köln ist in einer privilegierten Lage. Die lokale Baukulturinitiative, das Engagement von Baukultur NRW, die Arbeit des LVR-Landesamts für Denkmalpflege im Rheinland, und die institutionelle Begleitung durch den Erzdiözesanbaumeister schaffen ein Netzwerk, das in vielen anderen Bistümern fehlt. Das macht den Kölner Fall zu mehr als einer regionalen Geschichte: Er ist ein Modell, dessen Ausgabe jede Stadt mit einem vergleichbaren Bestand in der Hand haben sollte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gedanke, den die Rezensentin im Magazin chrismon formuliert, verdient es, hier wiederholt zu werden: Die Zukunft der Sakralbauten ist kein Spezialproblem für Kirchenleute, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Eine Stadt, die ihre Böhm-Kirchen, ihre Schwarz-Bauten und ihre Schürmann-Kapellen abreisst, verliert nicht nur Architektur. Sie verliert räumliches Gedächtnis.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hiltrud Kier und Martin Struck haben mit diesem Band einen Dienst an der Baukultur geleistet, der weit über Köln hinausweist. Bleibt zu wünschen, dass vergleichbare Inventarisationen auch für andere Grossstädte im DACH-Raum folgen, bevor die Frage nach der Zukunft dieser Bauten obsolet wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Bibliografischer Hinweis</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Hiltrud Kier, Martin Struck (Hg.): Moderner Sakralbau in Köln. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2025. 480 Seiten, 18 Euro. ISBN 978-3-7533-0841-8.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>NRW Bauordnung 2026: Gebäudetyp E, Digital First und genehmigungsfreie Militärbauten &#8211; Was die Novelle wirklich bedeutet</title>
		<link>https://baukunst.art/nrw-bauordnung-2026-gebaeudetyp-e-digital-first-und-genehmigungsfreie-militaerbauten-was-die-novelle-wirklich-bedeutet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 16:25:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[andesbauordnung NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Digitaler Bauantrag]]></category>
		<category><![CDATA[Gebäudetyp E]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15348</guid>

					<description><![CDATA[NRW reformiert sein Baurecht radikal: Gebäudetyp E, Umbauordnung, digitaler Bauantrag und genehmigungsfreie Militärbauten. Was steckt dahinter? ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Gebäudetyp E und &#8222;Digital First&#8220;: NRW will Bauordnung radikal umbauen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Radikal klingt gut &#8211; aber was heißt das genau?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es war ein Auftritt mit Ankündigungscharakter. Beim Neujahrsempfang der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf ließ Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung, keinen Zweifel an ihrem Reformwillen: &#8222;Wir wollen die Landesbauordnung zum Teil radikal ändern.&#8220; Vor rund 200 Gästen aus Politik, Bauwirtschaft und Verbänden skizzierte die CDU-Politikerin am 29. Januar 2026 den wohl ambitioniertesten Umbau des nordrhein-westfälischen Baurechts seit seiner grundlegenden Neugestaltung im Jahr 2018. Am selben Tag wurde der Novellierungsentwurf (Drs. 18/17474) bereits in erster Lesung im Düsseldorfer Landtag beraten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Ziel ist ein Gesetz der dritten Novellierung &#8211; nach den Änderungen vom 1. Januar 2024 und 1. Januar 2025 &#8211; nun mit Inkrafttreten zum 1. Juli 2026. Was sich nach bürokratischer Routine anhört, enthält im Kern eine fundamentale Neuausrichtung: Nicht mehr die Norm soll das Bauen strukturieren, sondern das Sicherheitsrecht. Das ist der Schlüssel zum vieldiskutierten Gebäudetyp E.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gebäudetyp E: Weniger Normen, mehr Verantwortung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gebäudetyp E &#8211; das &#8222;E&#8220; steht für &#8222;einfach&#8220; &#8211; ist seit Jahren ein Reformprojekt der Bundeskammern, das Architektinnen und Architekten mehr Gestaltungsspielraum geben soll, ohne dabei Sicherheitsstandards zu gefährden. Der Grundgedanke: Viele der derzeit einzuhaltenden Normen gehen über das Mindestmaß hinaus, das für sichere Gebäude tatsächlich erforderlich wäre. Wer heute baut, erfüllt oft keine zwingenden Mindestanforderungen, sondern das Komfortniveau eines durchschnittlichen Neubauprojekts der letzten Jahrzehnte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kammerpräsident Ernst Uhing sah darin seinen eigenen Kurs bestätigt: &#8222;Die Architektenkammern haben mit dem Gebäudetyp E genau diesen Weg beschrieben&#8220;, sagte er bei dem Empfang. Künftig sollen also nur noch die Anforderungen des Sicherheitsrechts zwingend erfüllt werden müssen &#8211; alles Darüber hinausgehende wird zum verhandelbaren Qualitätsstandard. Das klingt nach Befreiung. Für Architektinnen und Planer, die jahrelang gegen den Normendschungel angebaut haben, ist es das auch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kehrseite liegt auf der Hand: Wenn die Norm nicht mehr automatisch das Ergebnis determiniert, liegt die Verantwortung verstärkt beim Entwerfenden. Das erhöht den fachlichen Anspruch &#8211; und mögliche haftungsrechtliche Risiken. Wie das Privatrecht mit der neuen Freiheit umgehen wird, bleibt offen. Die Bauordnung selbst ist privatrechtlich ohnehin nicht anwendbar.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Von der Bauordnung zur Umbauordnung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch weitreichender ist der zweite Reformstrang: die Transformation der Bauordnung in eine sogenannte &#8222;Umbauordnung&#8220;. Scharrenbach kündigte an, die Genehmigungsfreistellung auf alle Gebäudeklassen auszuweiten &#8211; bisher gilt diese Regelung in NRW nur für Vorhaben bis Gebäudeklasse 4 im Bebauungsplangebiet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dieser Schritt folgt einer Erkenntnis, die sich im Bundesgebiet langsam durchsetzt: Deutschland baut zu wenig im Bestand, weil der bürokratische Aufwand für Umbauten unverhältnismäßig groß ist im Vergleich zu Neubauvorhaben. Dabei ist die ökologische Bilanz des Weiterbauens fast immer besser als die des Abbruchs und Neubaus. Die &#8222;Umbauordnung&#8220; ist also kein bloßes Verwaltungsvereinfachungsprojekt &#8211; sie ist eine klimapolitische Weichenstellung, auch wenn sie in diesem Zusammenhang selten so benannt wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf ausdrücklichen Wunsch der Architektenkammer NRW bleibt dabei die Möglichkeit erhalten, eine Genehmigung explizit zu beantragen. Eine &#8222;Oldtimer-Regelung&#8220; für Bestandsgebäude, wie Uhing es nannte, gibt es damit auch für jene Fälle, in denen Sicherheit durch ein formales Verfahren geschaffen werden soll &#8211; etwa bei komplexen Umbauten denkmalgeschützter Substanz.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Digital First: Der lange Weg zum Pflichtstandard</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Weniger spektakulär, aber in der Praxis mindestens ebenso bedeutsam: Der digitale Bauantrag soll mit Inkrafttreten der Novelle am 1. Juli 2026 zum Standard werden. &#8222;Digital first&#8220; lautet das Prinzip &#8211; eine Formulierung, die in anderen Branchen seit Jahren gilt, im öffentlichen Bauverwaltungsrecht von NRW aber erstmals rechtsverbindlich verankert werden soll.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Weg dahin war steinig. Noch mit der Novelle von 2024 wurde lediglich die Schriftformerfordernis zugunsten der Textform aufgegeben &#8211; Bauanträge durften fortan per E-Mail eingereicht werden. Das war ein Schritt, den andere Länder längst vollzogen hatten. Nun soll der vollständig digitale Bauantrag zur Pflicht werden. Ob die Unteren Bauaufsichtsbehörden tatsächlich flächendeckend so weit sind, bleibt eine andere Frage. NRW ist ein großes Bundesland mit sehr heterogener Verwaltungsinfrastruktur.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Militärbauten ohne Genehmigungsverfahren: Schnelligkeit oder Kontrollverlust?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das politisch heikelste Element der Novelle findet sich im dritten Reformstrang: der Beschleunigung von Infrastrukturvorhaben im Bereich Sicherheit und Verteidigung. Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU) brachte es auf den Punkt: &#8222;Für militärische Bauten in unserem Land muss künftig kein Baugenehmigungsverfahren mehr angestrengt werden.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hintergrund ist das Moratorium für Konversionsprojekte, das Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im Spätherbst 2025 verkündete &#8211; ein Signal, dass die Bundeswehr Liegenschaften zurückbenötigt, die in den Jahren nach der Wiedervereinigung abgegeben worden waren. Die NRW-Landesregierung will diese Linie unterstützen, indem sie bauordnungsrechtliche Hindernisse beseitigt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Scharrenbach begründete dies mit staatlicher Handlungsfähigkeit: &#8222;Dies ist kein Selbstzweck, sondern eine notwendige Voraussetzung dafür, dass der Staat handlungsfähig bleibt und seinen Schutzauftrag erfüllen kann.&#8220; Das klingt schlüssig &#8211; und wirft dennoch Fragen auf. Baugenehmigungsverfahren erfüllen nicht nur eine bürokratische Funktion. Sie sind Orte demokratischer Kontrolle, der Beteiligung von Nachbarinnen und Nachbarn sowie der Prüfung öffentlicher Belange. Wenn diese Verfahren bei Militärbauten entfallen, entfällt damit auch ein wesentlicher Teil des rechtsstaatlichen Rahmens.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Denkmalschutz im Omnibus: Mitfahren unerwünscht</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders brisant ist, was das sogenannte &#8222;Omnibusverfahren&#8220; in der Novelle mit sich führt: Neben der Änderung der Bauordnung wird gleichzeitig das Denkmalschutzgesetz NRW novelliert. Das Denkmalschutzbündnis NRW, dem auch die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte angehört, arbeitet aktiv daran, diese Änderungen zu verhindern. Wenn die Obere Denkmalbehörde einer geplanten Maßnahme nicht innerhalb eines Monats widerspricht, gilt diese als genehmigt &#8211; eine sogenannte Genehmigungsfiktion.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritikerinnen und Kritiker sehen darin eine systematische Schwächung des Denkmalschutzes. Die Formulierungen im Gesetzentwurf sind so weit gefasst, dass sie der Ministerin künftig das Recht geben könnten, ohne Widerspruchsmöglichkeit Dritter über Schutz oder Abriss von Denkmalen zu entscheiden. Ende November 2025 überzeugten Vertreterinnen und Vertreter des Bündnisses eine Gruppe von Landtagsabgeordneten: Das Gesetz dürfe so nicht verabschiedet werden. Der parlamentarische Prozess &#8211; Überweisung an den Ausschuss für Bauen, Wohnen und Digitalisierung &#8211; läuft.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">NRW als Modellfall &#8211; mit Vorbehalten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands. Was in Düsseldorf beschlossen wird, hat Signalwirkung. Die Reform enthält echte Fortschritte: Der Gebäudetyp E schafft Spielraum für innovatives und kostengünstiges Bauen. Die Umbauordnung stärkt das Bauen im Bestand und damit den Klimaschutz. Der digitale Bauantrag als Pflichtstandard ist überfällig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig zeigt die Novelle, wie Reformpakete funktionieren: Legitime Modernisierungen schaffen das politische Klima, in dem weniger offen diskutierte Änderungen mitverabschiedet werden können. Die Genehmigungsfreiheit für Militärbauten und die Schwächung des Denkmalschutzes sind keine Randnotizen &#8211; sie greifen in fundamentale Prinzipien des öffentlichen Baurechts ein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kammerpräsident Uhing nutzte die Bühne des Neujahrsempfangs auch, um auf ein anderes strukturelles Problem hinzuweisen: Die geplante Schließung von Architekturstudiengängen an der Bergischen Universität Wuppertal sei ein &#8222;fatales Signal&#8220;. Für die Umsetzung der politisch formulierten Ziele &#8211; mehr Umbau, mehr Digitalisierung, mehr Gebäudetyp E &#8211; brauche es sehr gut ausgebildete Planerinnen und Planer. Gesetze allein bauen keine Häuser.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Grund und Boden im K21 Düsseldorf: Ausstellung über Bodenrecht, Wohnen und globale Ressourcengerechtigkeit bis April 2026</title>
		<link>https://baukunst.art/grund-und-boden-im-k21-duesseldorf-ausstellung-ueber-bodenrecht-wohnen-und-globale-ressourcengerechtigkeit-bis-april-2026/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 16:12:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bodenrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwartskunst Düsseldorf]]></category>
		<category><![CDATA[Kunstsammlung NRW]]></category>
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					<description><![CDATA[Im ehemaligen Parlamentsgebäude Düsseldorfs fragt die Ausstellung "Grund und Boden", wem die Erde gehört und wie gerechtes Zusammenleben möglich ist. Ein Besuch lohnt sich.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Boden unter den Füßen: Wie das K21 Düsseldorf die große Ressourcenfrage stellt</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"></h2>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wer besitzt die Erde?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wem gehört der Boden? Diese scheinbar simple Frage entpuppt sich als eine der komplexesten und drängendsten der Gegenwart, sobald man das K21 in Düsseldorf betritt. Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zeigt dort noch bis zum 19. April 2026 die Ausstellung &#8222;Grund und Boden. Wie wir miteinander leben&#8220; und macht dabei deutlich, dass Bodenrecht, Ressourcenverteilung und soziale Gerechtigkeit keine abstrakten Konzepte sind, sondern handfeste politische Realitäten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kurator Kolja Reichert hat 34 internationale Künstlerinnen und Künstler sowie Kollektive versammelt, die das Thema aus so unterschiedlichen Perspektiven beleuchten, dass das gesamte Haus vom Keller bis zur ikonischen Glaskuppel davon durchdrungen ist. Zusätzlich greift die Ausstellung auf den angrenzenden Ständehauspark über. Erde, Kohle, Lotusseide, Schokolade: Die Materialien allein erzählen Geschichten von Ausbeutung, Transformation und Eigentum.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Ort mit Parlamentsgedächtnis</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Veranstaltungsort ist dabei kein beliebig gewählter Kunstcontainer. Das ehemalige Ständehaus am Kaiserteich war das erste gebaute Parlamentsgebäude im Rheinland. Julius Raschdorff, der spätere Berliner Dombaumeister, errichtete es zwischen 1876 und 1880 als preußischen Provinziallandtag. Von 1949 bis 1988 tagte hier der nordrhein-westfälische Landtag, bevor das Haus 2002 nach Grundsanierung als Museum für internationale Gegenwartskunst neu eröffnete.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Parlamentsvergangenheit ist keine Fußnote, sondern konzeptueller Kern der Schau. In einem Gebäude, in dem einst über Eigentumsrechte, Bodenpolitik und regionale Ressourcenverteilung verhandelt wurde, stellen heute Künstlerinnen und Künstler exakt dieselben Fragen, allerdings mit den Mitteln der Kunst. Das ist keine Symbolik um ihrer selbst willen, sondern eine ehrliche Kontextualisierung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom Rheinland in den Kongo und zurück</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung denkt lokal und agiert global. Mehrere Werke beschäftigen sich mit der Geschichte des Kohlebergbaus im Rheinland als Fundament des industriellen Wohlstands der Region. Dieser Wohlstand war nie selbstverständlich und schon gar nicht kostenlos zu haben: Er ruhte auf Arbeit, auf Landverbrauch, auf Umweltzerstörung. Das spürt Asche Lützerathi in einer abschließenden Performance nach, die am letzten Ausstellungstag, dem 19. April 2026, mit einer Busreise nach Hambach führt, zum größten Braunkohletagebau Europas.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den stärksten Gegenpol zu diesem rheinländischen Industrie-Erbe bildet das Cercle d&#8217;Art des Travailleurs de Plantation Congolaise (CATPC), der Künstlerbund Kongolesischer Plantagenarbeiterinnen und -arbeiter. Auf einer ehemaligen Palmölplantage des Unilever-Konzerns im Kongo haben diese Autodidaktinnen und Autodidakten eine bemerkenswerte Praxis entwickelt: Sie verarbeiten koloniales Erbe in Lehmfiguren, scannen diese in 3D und gießen sie in Schokolade um. Der Erlös aus dem Kunstmarktverkauf ermöglichte bislang die Renaturierung von 20 Hektar Land sowie den Bau eines lokalen Museums. 2024 bespielte CATPC den niederländischen Pavillon auf der Kunstbiennale Venedig. Die Figur eines belgischen Offiziers, 1931 im Zusammenhang mit einem Aufstand gegen belgische Kolonialgewalt entstanden und aus dem Kunstmuseum Richmond ausgeliehen, ist ebenfalls in der Schau zu sehen. Nachhaltigkeit und Restitution werden hier nicht bloß beschworen, sondern praktiziert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Selbstverwaltung als Utopie und Realität</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Zentrum der Ausstellung steht die Frage der Selbstverwaltung. Vor 500 Jahren, zu Beginn des Buchdrucks und des Finanzkapitalismus, lehnten sich deutsche Bauern gegen Privatisierung und undurchsichtige Abgaben auf. Alex Wissel verbindet in Wandzeichnungen die Bauernproteste von damals mit zeitgenössischen Demonstrationen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Blockchain-Technologie erscheint in mehreren Werken als modernes Instrument kollektiven Eigentums, scheitert aber immer wieder an der Realität staatlicher Strukturen. terra0, ein Berliner Künstlerduo, verwaltet ein Waldbiotop in Brandenburg via Blockchain und deutschem Vereinsrecht, musste dafür aber Pionierarbeit mit dem Finanzamt leisten. Johannes Büttner besucht mit der Kamera Liberland, jenen selbsterklärten Kryptostaat zwischen Serbien und Kroatien, der für 10.000 US-Dollar in Bitcoin Pass und Landzertifikat verkauft. Was dort als Freiheit verkauft wird, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als libertäre Vereinnahmung eines Begriffs, den die Gegenwart dringend braucht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Maria Thereza Alves zeigt in einer Videoinstallation, wie indigene Agroforst-Agentinnen und -Agenten ohne staatliche Unterstützung ein Waldgebiet in Amazonien von der Größe Brandenburgs verwalten, indem sie die Synergien der Natur nutzen. Das Modell ist älter als jede Blockchain und funktioniert besser als die meisten staatlichen Naturschutzprogramme.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Düsseldorf als regionaler Ankerpunkt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für das Rheinland besonders relevant sind die Arbeiten von Chris Reinecke und Lutz Mommartz, die 1971 den Gustaf-Gründgens-Platz vor dem Düsseldorfer Schauspielhaus besetzten und gegen politisch tolerierten Mietwucher demonstrierten. Mommartz&#8216; Film &#8222;Mietersolidarität&#8220; zeigt Reineckes Ansprache gegen Spekulation mit Grund und Boden, ergänzt durch satirische Entwürfe für selbstgebaute Siedlungen und Beete im Hofgarten. Das klingt wie ein zeitgenössisches Wohnpolitikdossier, ist aber über 50 Jahre alt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Havîn Al-Sîndy baut im Ständehauspark den Raum eines Lehmhauses aus dem irakischen Kurdistan auf, in dem sie aufwuchs. Lehmhäuser, buchstäblich aus dem Boden gebaut, auf dem sie stehen, sind eine der ältesten und meistverbreiteten Bauweisen weltweit. Der Kontrast zur Neo-Renaissance-Architektur des Ständehauses könnte kaum größer und produktiver sein.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritischer Befund</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Grund und Boden&#8220; ist eine der politisch ambitioniertesten Ausstellungen, die das K21 seit seiner Eröffnung gezeigt hat. Das Konzept, den historischen Ort als Argument zu nutzen, überzeugt. Die kuratorische Entscheidung, Blockchain-Kunst nicht zu feiern, sondern zu bilanzieren und zu hinterfragen, verdient Respekt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichwohl stellt sich die Frage, ob ein Kunstmuseum der richtige Ort ist, um Bodenpolitik zu verhandeln. Die Antwort lautet: Ja, solange es nicht bei Kunst bleibt. Das Begleitprogramm mit drei kostenlosen Aktionstagen zu den Themen Handeln, Wohnen und Pflanzen, lokalen Vereinen, offenen Workshops und Stadtführungen zeigt, dass die Ausstellung tatsächlich in die Stadt hineinwirken will. Ob die Besucherinnen und Besucher danach mit anderen Augen auf die Mietpreisexplosion in Düsseldorf blicken, bleibt offen. Daran muss sich das Projekt messen lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung &#8222;Grund und Boden. Wie wir miteinander leben&#8220; ist bis 19. April 2026 im K21 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Ständehausstraße 1, Düsseldorf, zu sehen. Eintritt frei jeden Freitag von 15 bis 18 Uhr, ermöglicht durch die Deutsche Postcode Lotterie.</p>
<hr />
<p><strong>Besucherinformation</strong></p>
<p><strong>Ausstellung</strong> Grund und Boden. Wie wir miteinander leben 29. November 2025 bis 19. April 2026</p>
<p><strong>Ort</strong> K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Ständehausstraße 1, 40217 Düsseldorf</p>
<p><strong>Öffnungszeiten</strong> Dienstag bis Sonntag sowie Feiertags: 11 bis 18 Uhr Montag: geschlossen Jeden ersten Mittwoch im Monat: bis 22 Uhr (KPMG-Kunstabend, Eintritt ab 18 Uhr frei)</p>
<p><strong>Eintritt</strong> 14 Euro / ermäßigt 12 Euro / 5 Euro Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre: frei Jeden Freitag von 15 bis 18 Uhr: freier Eintritt (ermöglicht durch die Deutsche Postcode Lotterie)</p>
<p><strong>Führungen</strong> Sonn- und feiertags 15 bis 16 Uhr: 5 Euro zuzüglich Eintritt, Anmeldung erforderlich</p>
<p><strong>Kontakt</strong> Tel. +49 (0)211 8381-204 service@kunstsammlung.de www.kunstsammlung.de</p>
<hr />
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Wiedergeburt der Bonner Beethovenhalle: Triumph des Denkmalschutzes oder teures Lehrstück?</title>
		<link>https://baukunst.art/die-wiedergeburt-der-bonner-beethovenhalle-triumph-des-denkmalschutzes-oder-teures-lehrstueck/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Jan 2026 09:28:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Premium]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Beethovenhalle]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Nachkriegsmoderne]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14856</guid>

					<description><![CDATA[Neun Jahre Bauzeit, 221 Millionen Euro Kosten, vier Bundespräsidentenwahlen in ihren Mauern: Die Bonner Beethovenhalle ist mehr als ein Konzertsaal. Als Ikone der Nachkriegsmoderne stand sie kurz vor dem Abriss, bevor Bürgerproteste und Denkmalschutz sie retteten. Nun feiert die ehemalige Bundeshauptstadt die Wiedereröffnung des Wolske-Baus. Doch hinter der festlichen Fassade verbirgt sich ein Lehrstück über deutsche Planungskultur, das Erbe der jungen Bundesrepublik und die Frage, was uns Baukultur wert sein darf.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Musikzimmer der alten Republik erwacht</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 16. Dezember 2025, dem Tauftag Ludwig van Beethovens, öffnete die Bonner Beethovenhalle nach neunjähriger Sanierung ihre Türen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte den Bau als einen der wichtigsten kulturellen Orte der Demokratiegeschichte, in dem viermal die Bundesversammlung tagte. Nordrhein-Westfalens Kulturministerin Ina Brandes sprach von der Wiederkehr eines Lebensgefühls. Doch welches Gefühl genau soll hier zurückkehren?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen erzählen zunächst eine Geschichte der Kostensteigerung, wie sie bei deutschen Großprojekten fast schon zum Standard gehört. Die ursprüngliche Kalkulation von 61 Millionen Euro wuchs auf 221 Millionen an, manche Quellen nennen sogar 260 Millionen. Aus drei Jahren Bauzeit wurden neun. Das Beethovenjubiläum 2020, für das die Halle eigentlich fertig sein sollte, kam und ging ohne den prestigeträchtigen Veranstaltungsort.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Vorgeschichte: Zwischen Festspielhaus und Bestandserhalt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sanierungsentscheidung selbst war das Ergebnis eines jahrelangen Ringens um die Zukunft des Hauses. 2007 beschloss der Stadtrat den Neubau eines Festspielhauses, finanziert durch drei in Bonn ansässige Dax-Unternehmen: Deutsche Telekom, Deutsche Post und Postbank. Ein Architektenwettbewerb 2009 brachte Entwürfe von internationalen Größen wie Zaha Hadid, Arata Isozaki und Richard Meier hervor, die allesamt den Abriss des Bestandsgebäudes vorsahen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Widerstand formierte sich in Bürgergesellschaft und Denkmalpflege. Die Beethovenhalle, seit 1990 unter Denkmalschutz, galt als eines der bedeutendsten Bauwerke der Nachkriegsmoderne. Als die Investoren 2015 zurücktraten und die Deutsche Post das Scheitern des Schulterschlusses beklagte, entschied sich Bonn für die Sanierung. Das spanische Büro Nieto Sobejano Arquitectos erhielt den Auftrag zur denkmalgerechten Instandsetzung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Organisches Bauen als demokratische Architektur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Siegfried Wolske, 1925 in Berlin geboren, war gerade 29 Jahre alt, als er 1954 den Wettbewerb für die neue Beethovenhalle gewann. Sein Entwurf setzte sich gegen 108 Mitbewerber durch, prämiert von einer Jury unter Vorsitz von Paul Bonatz und Otto Bartning. Wolske, ein Schüler Hans Scharouns an der TU Berlin, übertrug dessen Konzept des organischen Bauens auf die provisorische Bundeshauptstadt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die asymmetrische Raumfolge vom trichterförmigen Eingang über die sich öffnenden Foyers bis zum Kuppelsaal mit seinen 1.700 Plätzen steht für eine demokratische Architektur, die den Bruch mit der nationalsozialistischen Monumentalität suchte. Elegant, aber nicht protzig, feierlich, aber nicht auftrumpfend, so beschreibt die zeitgenössische Kritik den Bau. Die Baumaterialien verkörperten den internationalen Anspruch der jungen Bundesrepublik: Granit aus Schweden, Marmor aus Italien, Edelhölzer aus Afrika und Japan, verarbeitet von regionalen Handwerksbetrieben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Dilemma des Denkmalschutzes</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sanierung stellte die Beteiligten vor erhebliche Herausforderungen. Die historischen Röhrenheizkörper mussten von einer der nur zwei Firmen in Europa restauriert werden, die solche Arbeiten überhaupt durchführen. Das 400 Quadratmeter große Glasmosaik an der Rheinfassade mit einer Million blauer Glassteine wurde Stein für Stein aufgearbeitet. Die Konzertorgel der Bonner Firma Klais mit ihren 5.300 Pfeifen erhielt eine vollständige Restaurierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier zeigt sich das grundsätzliche Spannungsfeld zwischen Denkmalschutz und wirtschaftlicher Vernunft. Die strengen Vorgaben zur Wiederherstellung des historischen Zustands trieben die Kosten in die Höhe und verlängerten die Bauzeit erheblich. Manche Stimmen im Projektbeirat fragten, ob nicht weniger strikte Auslegungen der Denkmalschutzvorgaben Zeit und Geld gespart hätten. Diese Debatte berührt ein Grundsatzproblem kommunaler Baupolitik: Wie viel darf die Bewahrung des baukulturellen Erbes kosten?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Baukultur zwischen Anspruch und Wirklichkeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nordrhein-Westfalen, das bevölkerungsreichste Bundesland, ringt seit Jahren mit der Sanierung seiner Kulturbauten. Die Kölner Oper, das Düsseldorfer Schauspielhaus, nun die Bonner Beethovenhalle: Die Liste der Projekte mit massiven Kostensteigerungen und Bauzeitverlängerungen wächst. Der Bund der Steuerzahler dokumentiert diese Entwicklungen regelmäßig und kritisch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Beethovenhalle ist dabei auch ein Beispiel für das Engagement lokaler Bürgerinnen und Bürger. Bereits 1956 brachten die Bonnerinnen und Bonner eine Million D-Mark für den Bau auf, eine in der Nachkriegszeit bemerkenswerte Summe. Der Bürgerverein Pro Beethovenhalle kämpfte jahrelang gegen Abrisspläne. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Sparkasse KölnBonn unterstützten die Wiederherstellung der Außenanlagen mit 250.000 Euro.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Nostalgie und Zukunftsfähigkeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Generalmusikdirektor Dirk Kaftan, der das Eröffnungskonzert mit Mahlers Auferstehungssymphonie dirigierte, betonte die gesellschaftliche Verantwortung von Kultureinrichtungen. Investitionen der öffentlichen Hand in die Hochkultur entspringen einer Selbstverpflichtung des Gemeinwesens, die nicht allen Steuerzahlenden unmittelbar zugute kommt. Es sei Aufgabe des Staates, Möglichkeiten zu eröffnen, nicht den Willen des Einzelnen zu diktieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die modernisierte Beethovenhalle verfügt nun über neueste Haus- und Veranstaltungstechnik bei gleichzeitiger Bewahrung der historischen Substanz. Das Studio wurde zum Kammermusiksaal mit 500 Plätzen ausgebaut, ein neuer Beethovenpark mit 12.000 Quadratmetern ersetzt den früheren Parkplatz. Die BonnCC Management GmbH betreibt das Haus künftig für Konzerte, Kongresse und kulturelle Veranstaltungen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Ein Lehrstück mit offenem Ausgang</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wiedereröffnung der Beethovenhalle ist ein Sieg des Denkmalschutzes und der Bürgergesellschaft über die Verlockungen des spektakulären Neubaus. Gleichzeitig mahnt sie zur kritischen Reflexion über Planungsprozesse, Kostenentwicklung und Bauzeiten bei kommunalen Großprojekten. Die alte Bonner Republik wird zur Projektionsfläche. Vielleicht taugt gerade deshalb die Beethovenhalle mit ihrer bescheidenen Eleganz heute mehr denn je als Symbol für den zukunftsgläubigen Eigensinn der frühen Bundesrepublik.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In zwei Jahren wird hier Beethovens 200. Todestag begangen. Bis dahin muss sich zeigen, ob das Versprechen des Generalmusikdirektors eingelöst wird, dass Bonn mit seiner Beethovenhalle ein Juwel besitzt, das ganz oben in der Liga deutscher Konzerthäuser mitspielt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vergabekammern NRW Zusammenlegung 2027: Was die Reform für Architekten und öffentliche Aufträge bedeutet</title>
		<link>https://baukunst.art/vergabekammern-nrw-zusammenlegung-2027-was-die-reform-fuer-architekten-und-oeffentliche-auftraege-bedeutet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Jan 2026 09:10:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Nordrhein-Westfalen]]></category>
		<category><![CDATA[Vergaberecht]]></category>
		<category><![CDATA[Verwaltungsreform]]></category>
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					<description><![CDATA[Nordrhein Westfalen fusioniert seine beiden Vergabekammern zu einer zentralen Instanz in Münster. Die Reform verspricht schnellere Verfahren, doch Kritiker bezweifeln die Wirksamkeit ohne zusätzliches Personal.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">NRW bündelt Vergabekammern: Entbürokratisierung oder Symbolpolitik?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus zwei mach eins: Das Land Nordrhein Westfalen schickt sich an, seine beiden Vergabekammern Westfalen und Rheinland zu einer landesweit zuständigen Institution zusammenzulegen. Ab Anfang 2027 soll die neue Vergabekammer Nordrhein Westfalen bei der Bezirksregierung Münster ihre Arbeit aufnehmen. Die Landesregierung feiert den Schritt als Meilenstein der Verwaltungsmodernisierung. Doch bei genauerem Hinsehen offenbaren sich Fragen, die das schöne Narrativ von weniger Bürokratie und schnelleren Entscheidungen erheblich trüben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Ausgangslage: Unterschiedliche Geschwindigkeiten</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Während die Vergabekammer Westfalen Nachprüfungsverfahren im Durchschnitt in 3,89 Wochen abschließt, benötigt die Kammer Rheinland für vergleichbare Fälle 8,5 Wochen. Diese Diskrepanz hatte bereits im Sommer 2025 die FDP Fraktion auf den Plan gerufen. Die Abgeordneten Dirk Wedel und Dietmar Brockes reichten eine Kleine Anfrage ein, in der sie die Landesregierung mit den Worten konfrontierten, dass die Verfahrenslaufzeiten dem Vernehmen nach derzeit unverhältnismäßig lang seien.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort der Landesregierung fiel diplomatisch aus. Wirtschaftsministerin Mona Neubaur verwies auf die zunehmende Komplexität von Ausschreibungen und betonte, die Bündelung von Kompetenzen sei ein richtiger Schritt. Innenminister Herbert Reul sekundierte mit dem Hinweis auf die wichtige Rolle der Bezirksregierungen als Rückgrat der Landesverwaltung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die eigentliche Ursache bleibt ungelöst</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei aller Reformrhetorik fällt auf, was die Verlautbarungen verschweigen: Beide Kammern arbeiten seit Jahren an der Belastungsgrenze. Insgesamt 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bearbeiten die Nachprüfungsverfahren für das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands. Die öffentlichen Aufträge in Nordrhein Westfalen bewegen sich jährlich im Milliardenbereich. Allein die Kommunen und das Land beschaffen kontinuierlich Waren und Dienstleistungen in erheblichem Umfang.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zusammenlegung allein löst das Personalproblem nicht. Ob 16 Menschen in Münster effizienter arbeiten als verteilt auf Köln und Münster, darf bezweifelt werden. Zwar deuten zahlreiche Stellenausschreibungen darauf hin, dass die neue Kammer personell besser ausgestattet werden soll. Doch konkrete Zusagen zur künftigen Personalstärke enthält weder das Schreiben der Ministerin noch die offizielle Pressemitteilung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Historische Parallelen mahnen zur Vorsicht</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es wäre nicht das erste Mal, dass Nordrhein Westfalen seine Vergabestrukturen reorganisiert. Bereits zum 1. Januar 2015 erfolgte eine Zusammenlegung der damals fünf Vergabekammern auf zwei Standorte. Die Vergabekammer Westfalen übernahm die Regierungsbezirke Münster, Detmold und Arnsberg, während die Vergabekammer Rheinland für Düsseldorf und Köln zuständig wurde. Zehn Jahre später steht die nächste Strukturreform an.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage drängt sich auf: Warum wurde die Zweierstruktur nicht nachhaltig leistungsfähig? Die Antwort liegt möglicherweise weniger in organisatorischen Defiziten als in der chronischen Unterfinanzierung der Mittelbehörden. Wer Verfahren beschleunigen will, braucht qualifiziertes Personal. Organisatorische Umstrukturierungen können fehlende Ressourcen nicht ersetzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Implikationen für die Planungsbranche</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten sowie Ingenieurinnen und Ingenieure hat die Reform durchaus praktische Konsequenzen. Die Vergabe von Planungsleistungen durch öffentliche Auftraggeber unterliegt einem komplexen Regelwerk aus Vergabeverordnung, Unterschwellenvergabeordnung und der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure. Nachprüfungsverfahren gehören zum beruflichen Alltag, wenn Auftraggeber oder unterlegene Bieter Entscheidungen anfechten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die gesetzliche Regelfrist für Nachprüfungsverfahren beträgt fünf Wochen. Dass selbst die schnellere Vergabekammer Westfalen diese Vorgabe nur knapp unterschreitet, illustriert den Reformbedarf. Längere Verfahrensdauern verzögern Bauprojekte und verursachen Mehrkosten, die letztlich die öffentliche Hand und damit die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler tragen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der Zeitplan: Ambitioniert, aber machbar</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Umstellung erfolgt in drei Stufen. Ab dem 1. Januar 2026 übernimmt die Vergabekammer Westfalen zunächst die Zuständigkeit für den Regierungsbezirk Düsseldorf. Ein halbes Jahr später, zum 1. Juli 2026, folgt der Regierungsbezirk Köln. Die Vergabekammer Rheinland bleibt währenddessen für bereits anhängige Verfahren zuständig. Zum 1. Januar 2027 soll die neue Vergabekammer Nordrhein Westfalen dann offiziell ihre Arbeit aufnehmen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die rechtliche Grundlage bildet die Verordnung zur Neuorganisation der Vergabekammern vom 18. November 2025. Der schrittweise Übergang soll verhindern, dass laufende Verfahren durch die Umstrukturierung beeinträchtigt werden. Ein pragmatischer Ansatz, der allerdings auch bedeutet, dass Parallelstrukturen über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die politische Dimension</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Reform trägt die Handschrift einer schwarz grünen Landesregierung, die sich Entbürokratisierung auf die Fahnen geschrieben hat. Wirtschaftsministerin Neubaur von den Grünen und Innenminister Reul von der CDU präsentieren die Maßnahme gemeinsam als Beweis für pragmatische Zusammenarbeit über ideologische Grenzen hinweg. Die Betonung der Bezirksregierungen als Standort signalisiert zudem ein Bekenntnis zur Mittelinstanz, deren Existenzberechtigung in Zeiten digitaler Verwaltung immer wieder infrage gestellt wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Regierungspräsident Andreas Bothe aus Münster zeigte sich entsprechend erfreut, künftig zentral für ganz Nordrhein Westfalen zuständig zu sein. Sein Kölner Kollege Thomas Wilk betonte seinerseits das Ziel, Verfahren zu vereinfachen, zu beschleunigen und rechtssicherer zu gestalten. Die Wirtschaft brauche klare, verlässliche Rahmenbedingungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit: Notwendiger Schritt mit ungewissem Ausgang</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zusammenlegung der Vergabekammern ist weder Wunderwaffe noch Symbolpolitik. Sie beseitigt Doppelstrukturen und schafft die organisatorischen Voraussetzungen für eine einheitliche Spruchpraxis. Ob die Reform tatsächlich zu schnelleren Verfahren führt, hängt entscheidend von der Personalausstattung ab. Die Landesregierung wäre gut beraten, hier konkrete Zusagen zu machen, statt sich hinter allgemeinen Formulierungen von Synergien und Effizienzgewinnen zu verstecken.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Planungsbranche bleibt die Entwicklung aufmerksam zu beobachten. Eine funktionierende Vergabekontrolle ist essenziell für faire Wettbewerbsbedingungen bei öffentlichen Aufträgen. Die Konzentration in Münster darf nicht dazu führen, dass der Rechtsschutz für Bieterinnen und Bieter im Rheinland faktisch erschwert wird. Der Weg nach Münster ist von Köln oder Düsseldorf aus deutlich weiter als der zur bisherigen Kammer vor Ort.</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Charlotte Perriand in Krefeld: Wenn französische Moderne auf Mies van der Rohe trifft</title>
		<link>https://baukunst.art/charlotte-perriand-in-krefeld-wenn-franzoesische-moderne-auf-mies-van-der-rohe-trifft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2025 17:49:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Charlotte Perriand]]></category>
		<category><![CDATA[Kunstmuseen Krefeld]]></category>
		<category><![CDATA[Mies van der Rohe]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Kunstmuseen Krefeld zeigen Charlotte Perriands Lebenswerk in Mies van der Rohes Villen. Ein Dialog zweier Moderne-Ikonen am Niederrhein.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Krefelder Retrospektive verbindet französische Gestalterin mit deutschem Bauhaus-Erbe</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es gibt Ausstellungen, die funktionieren trotz ihrer Räume. Und es gibt solche, die erst durch ihre Räume zu dem werden, was sie sein können. Die Retrospektive Charlotte Perriand. L&#8217;Art d&#8217;habiter / Die Kunst des Wohnens in den Kunstmuseen Krefeld gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Wenn die Entwürfe einer französischen Gestalterin, die das moderne Wohnen neu definierte, in den Villen eines deutschen Architekten gezeigt werden, der ebenfalls das moderne Wohnen neu definierte, dann ist das mehr als kuratorischer Zufall. Es ist ein Dialog über Jahrzehnte hinweg.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwei Visionen, ein Anliegen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Charlotte Perriand (1903 bis 1999) und Ludwig Mies van der Rohe (1886 bis 1969) kannten sich vermutlich, bewegten sich in denselben Kreisen der europäischen Avantgarde. Beide arbeiteten in den späten zwanziger Jahren an der Frage, wie zeitgemäßes Wohnen aussehen könnte. Während Mies 1927 bis 1930 für die Krefelder Seidenfabrikanten Hermann Lange und Josef Esters zwei benachbarte Villen entwarf, entwickelte Perriand im Atelier von Le Corbusier jene Stahlrohrmöbel, die heute zu den Ikonen des 20. Jahrhunderts zählen. Die Chaise Longue Basculante, der Fauteuil Grand Confort, das Bücherregal Mexique: Entwürfe, die den Menschen ins Zentrum stellten, nicht die Form.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass diese Möbel nun in den Räumen von Haus Lange und Haus Esters stehen, erschließt eine Dimension, die keine noch so aufwendige Museumspräsentation erreichen könnte. Museumsdirektorin Katia Baudin, die die Ausstellung gemeinsam mit Waleria Dorogova kuratiert hat, spricht von einem Contrepoint zum Bauhaus. Das ist bescheiden formuliert. Es ist vielmehr eine Begegnung auf Augenhöhe zweier Protagonistinnen und Protagonisten der Moderne, die unterschiedliche Wege gingen, aber dasselbe Ziel verfolgten: Gestaltung als Mittel zur Verbesserung des Alltags.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Ort macht den Unterschied</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Haus Lange und Haus Esters sind keine neutralen White Cubes. Die von Mies van der Rohe mit seiner Partnerin Lilly Reich bis ins Detail gestalteten Backsteinvillen verkörpern selbst eine Haltung zum Wohnen. Die fließenden Raumübergänge, die bodentiefen Fenster, die im Haus Lange sogar komplett in den Keller versenkt werden können, die durchkomponierten Sichtachsen vom Eingang bis in den Garten: All das macht diese Häuser seit 1955 beziehungsweise 1981 zu anspruchsvollen, aber auch zu inspirierenden Orten für zeitgenössische Kunst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung nutzt diese Qualität konsequent. Im Kaiser Wilhelm Museum am Joseph Beuys Platz entfaltet sich die chronologische Werkschau über zwei Etagen. Höhepunkt ist die maßstabsgetreue Rekonstruktion des Salon d&#8217;Automne von 1929, jener Rauminstallation, die Perriand gemeinsam mit Le Corbusier und Pierre Jeanneret für die Pariser Herbstausstellung schuf. Der Möbelhersteller Cassina, der die Entwürfe bis heute produziert, hat diese Rekonstruktion ermöglicht. Besucherinnen und Besucher können hier tatsächlich auf den Möbeln Platz nehmen, was mehr über Perriands Gestaltungsphilosophie vermittelt als jeder erklärende Wandtext.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Synthese der Künste in historischen Wohnräumen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Haus Lange widmet sich die Präsentation Perriands Leitmotiv der Synthèse des Arts, der Verbindung von Architektur, Design und bildender Kunst. Ihre prägenden Aufenthalte in Japan, Indochina und Brasilien werden hier ebenso beleuchtet wie die Zusammenarbeit mit Künstlerpersönlichkeiten wie Fernand Léger und Isamu Noguchi. Die ehemaligen Wohnräume der Familie Lange, das Damenzimmer, der Essbereich, die repräsentative Halle, werden dabei zu Kulissen, die Perriands Möbel in einen authentischen Kontext setzen. Ein Nuage-Regal mit Aluminiumelementen trennt hier den Essbereich vom Wohnraum, ein Petit bureau en forme libre verwandelt das Damenzimmer in ein elegantes Homeoffice.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders berührend ist ein Einzelstück aus dem Centre Pompidou: der Tisch Forme libre six pans von 1938, den Perriand für ihre Dachgeschosswohnung im Montparnasse anfertigen ließ. Asymmetrisch, aus wiederverwertetem Nadelholz der Weltausstellung 1937, platzsparend für sechs Personen: Dieser Tisch hat, wie Katia Baudin betont, Manifest-Charakter. Er verabschiedet sich von den Dogmen der frühen Moderne, vom Primat des Stahls und der industriellen Fertigung, und weist voraus auf jene Nachhaltigkeit, die heute wieder im Zentrum architektonischer Debatten steht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Aktualität einer Gestaltungshaltung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Charlotte Perriand stellte zeitlebens den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Ihre Minimalbehausungen der Zwischenkriegszeit, ihre modularen Aufbewahrungssysteme der Nachkriegsjahre, ihr Gesamtkunstwerk Les Arcs in den französischen Alpen, an dem sie über zwanzig Jahre arbeitete: Immer ging es um die Frage, wie Gestaltung den Alltag verbessern kann. Diese Haltung verbindet sie mit Mies van der Rohe, der in Krefeld ebenfalls keine reinen Kunstobjekte schuf, sondern Häuser, in denen Menschen leben sollten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung läuft noch bis zum 15. März 2026 und wandert anschließend nach Salzburg und Barcelona. Für Krefeld ist sie mehr als eine prestigeträchtige Schau. Sie ist ein Statement dafür, dass die Stadt am Niederrhein mit ihrem Mies van der Rohe-Erbe, den Villen und den erhaltenen Verseidag-Fabrikgebäuden, zu den bedeutenden Orten der europäischen Architekturmoderne gehört. Dass diese Bedeutung nun durch den Dialog mit einer französischen Gestalterin unterstrichen wird, ist eine kluge kuratorische Entscheidung. Charlotte Perriand hätte sie vermutlich gefallen.</p>
<hr />
<p><strong>BESUCHERINFORMATIONEN</strong></p>
<p><strong>Ausstellung:</strong> Charlotte Perriand. L&#8217;Art d&#8217;habiter / Die Kunst des Wohnens</p>
<p><strong>Laufzeit:</strong> 2. November 2025 bis 15. März 2026</p>
<p><strong>Ausstellungsorte:</strong></p>
<p><strong>Kaiser Wilhelm Museum</strong> Joseph-Beuys-Platz 1 47798 Krefeld</p>
<p><strong>Haus Lange und Haus Esters</strong> Wilhelmshofallee 91–97 47800 Krefeld</p>
<p><strong>Öffnungszeiten:</strong> Dienstag bis Sonntag: 11:00 bis 17:00 Uhr Montags geschlossen Geschlossen am 24., 25. und 31. Dezember</p>
<p><strong>Kontakt:</strong> Telefon: +49 2151 975580 E-Mail: servicekunstmuseen@krefeld.de Web: www.kunstmuseenkrefeld.de</p>
<p><strong>Besondere Angebote:</strong></p>
<ul>
<li>Museums-App mit Media-Guide, Quiz und Spiel</li>
<li>Virtual-Reality-Anwendung zum &#8222;Refuge Tonneau&#8220;</li>
<li>WohnLab im Studio 2: Interaktives Design-Labor</li>
<li>Führungen und Workshops (4 Euro zzgl. Eintritt)</li>
</ul>
<p><strong>Katalog:</strong> Charlotte Perriand. The Art of Living Hrsg. Katia Baudin, Waleria Dorogova 256 Seiten, 200 Farbabbildungen Museumsausgabe: 44 Euro (erscheint Februar 2026)</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Haus der Geschichte: Wenn Demokratie zum Erlebnispark wird</title>
		<link>https://baukunst.art/haus-der-geschichte-wenn-demokratie-zum-erlebnispark-wird/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2025 17:31:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Nordrhein-Westfalen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14593</guid>

					<description><![CDATA[Bonns Haus der Geschichte präsentiert seine neue Dauerausstellung. Das Konzept setzt auf Erlebnis statt Erkenntnis. Reicht Nostalgie als demokratisches Bildungsangebot?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neue Dauerausstellung in Bonn zwischen partizipativer Inszenierung und historischer Oberflächlichkeit</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 9. Dezember 2025 öffnete das Haus der Geschichte in Bonn seine Pforten für die erste grundlegende Neukonzeption seit der Eröffnung 1994. Was Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bei der Eröffnung als Ort beschrieb, an dem die deutsche Geschichte Körperlichkeit und Seele bekomme, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ambivalentes Unterfangen zwischen demokratischem Bildungsauftrag und nostalgischer Erlebnisarchitektur.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Museum sucht seine Identität</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das von Ingeborg und Hartmut Rüdiger entworfene Gebäude an der Bonner Museumsmeile galt bei seiner Fertigstellung als gelungener Ausdruck republikanischer Bescheidenheit. Die klare Linienführung aus Granit, Sichtbeton und Betonstein, die über Rampen verbundenen Ausstellungsebenen und das zentrale Foyer als kommunikatives Herzstück verkörperten jenen nüchternen Geist der Bonner Republik, den das Haus inhaltlich dokumentieren sollte. Metall und Glas, die konsequente Tageslichtführung und die zurückhaltende Materialität unterschieden das Museum bewusst von monumentalen Kultstätten wie der benachbarten Bundeskunsthalle.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dreißig Jahre später steht das Haus vor einer grundlegend veränderten Herausforderung. Mehr als 14 Millionen Besucherinnen und Besucher haben die alte Ausstellung durchschritten, doch die chronologische Gewichtung war zunehmend aus dem Gleichgewicht geraten. Die 35 Jahre nach 1990 beanspruchten zuletzt kaum mehr Raum als die vier Jahre unmittelbarer Nachkriegszeit. Die Neukonzeption verspricht Abhilfe: Der Zeitraum von 1990 bis 2025 erhält nun ebenso viel Fläche wie die gesamte Ära der deutschen Teilung.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Erlebnis verdrängt Erkenntnis</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Unter dem programmatischen Titel Du bist Teil der Geschichte setzt die neue Dauerausstellung auf maximale Partizipation. Besucherinnen und Besucher können ihre Silhouette auf historische Bilder projizieren, ihr Geburtsjahr eingeben, um Fotografien der entsprechenden Dekade aufleuchten zu sehen, oder herausfinden, wie häufig der eigene Name in Deutschland vorkommt. Ein riesiges rundes Kino inszeniert den 9. November 1989 als emotionalen Höhepunkt, den Ausstellungsdirektor Thorsten Smidt unbefangen als Gänsehautmoment bezeichnet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was auf den ersten Blick zeitgemäß und zugänglich wirkt, offenbart bei näherer Betrachtung eine problematische Schlagseite. Die Zahl der Objekte wurde um die Hälfte reduziert, von über 7.000 auf etwa 3.850 Exponate. Noch gravierender wiegt die Zurücknahme vertiefender Angebote: Während die alte Ausstellung an nahezu jeder Station Videos und ausfahrbare Schautafeln zur Verfügung stellte, müssen sich Interessierte nun meist mit knappen Übersichtstafeln in betont einfacher Sprache begnügen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektur des Ausweichens</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders auffällig ist das, was fehlt. Die rund 90 Einzelschicksale einfacher Leute, die zur Identifikation einladen sollen, stehen in merkwürdigem Kontrast zur nahezu vollständigen Abwesenheit prägender Politikerinnen und Politiker. Konrad Adenauer ist außer durch seinen Mercedes 300 aus der Ausstellung praktisch verschwunden. Der Regierungswechsel von 1982 wird nicht einmal erwähnt. Angela Merkels Vitrine verzichtet auf Wir schaffen das und Merkel muss weg zugunsten von Deutschland-Kette und Rautenhänden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Entpolitisierung der Politikgeschichte setzt sich in der Darstellung jüngerer Entwicklungen fort. Der Ost-West-Gegensatz scheint mit einem Schaukasten zur Treuhand überwunden. Die Flüchtlingskrise wird auf die Formel reduziert, dass Probleme bei Unterbringung und Integration die Stimmung hätten kippen lassen. PEGIDA und andere Proteste von rechts kommen überhaupt nicht vor. Die AfD, seit Jahren Gesprächsthema Nummer eins im politischen Deutschland, ist gerade einmal mit drei Flyern vertreten.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nordrhein-Westfalen und die Last der Repräsentation</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als bundespolitisches Museum in Nordrhein-Westfalen trägt das Haus der Geschichte eine besondere Verantwortung. Es repräsentiert nicht nur die Geschichte der alten Bundeshauptstadt, sondern auch das demokratische Selbstverständnis eines Bundeslandes, das sich seiner Rolle als bevölkerungsreichster Flächenstaat bewusst ist. Die nordrhein-westfälische Tradition kritischer Geschichtsarbeit, wie sie etwa das Haus der Geschichte NRW in Düsseldorf verkörpert, findet in der neuen Bonner Dauerausstellung allerdings kaum Widerhall.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei wäre gerade die rheinische Planungskultur prädestiniert, den Zusammenhang von Alltag und Politik differenziert darzustellen. Die sozialliberalen Gesellschaftsreformen, die Protestbewegungen gegen den NATO-Doppelbeschluss, die strukturpolitischen Verwerfungen des Ruhrgebiets: All dies sind Themen, die im neuen Ausstellungskonzept zu Modephänomenen verblassen oder gänzlich verschwinden.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Lagerfeuer und Bildungsauftrag</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die konzeptionelle Grundentscheidung, Kontroversen weitgehend zu meiden und den Alltag als kleinsten gemeinsamen Nenner zu präsentieren, mag aus vermittlungspraktischer Perspektive nachvollziehbar erscheinen. Doch erfüllt ein republikanisches Museum seinen Auftrag, wenn es das, was die Gesellschaft tatsächlich spaltet, ausblendet? Lernen Besucherinnen und Besucher demokratischen Streit und persönliche Meinungsbildung, wenn sie lediglich durch nostalgische Schaufensterlandschaften der Siebziger spazieren und das eigene Kinderzimmer der Neunziger wiederentdecken?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Staatsminister Weimer sprach in seiner Eröffnungsrede davon, dem Faustisch-Ewigen an uns Deutschen werde hier Genüge getan. Die Wortwahl irritiert. Wer in dieser Ausstellung die bundesdeutsche Seele sucht, wird vermutlich vor allem eine Geschichte der Konsensfähigkeit finden, die gerade dort schweigt, wo Konsens am nötigsten wäre.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Fazit mit Vorbehalten</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die architektonische Hülle des Hauses der Geschichte, dieser einladende, vielschichtige Bau, der demokratische Vielfalt und transparentes Denken reflektieren sollte, wirkt angesichts der inhaltlichen Neuausrichtung fast zu selbstbewusst. Die kluge Raumkonzeption der Architekten Rüdiger verdiente eine Ausstellung, die sich der Komplexität deutscher Zeitgeschichte ebenso stellt wie die Architektur selbst. Was bleibt, ist ein professionell inszeniertes Erlebnisangebot, das seine 3.850 Objekte ansprechend präsentiert, aber die Zumutung historischer Bildung scheut. Ob das den 850.000 jährlichen Besucherinnen und Besuchern gerecht wird, die mehr erwarten dürften als kuratierte Nostalgie, sei dahingestellt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Warum die Abwicklung des Wuppertaler Architekturstudiengangs ein Menetekel für die Bildungsrepublik ist</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Nov 2025 09:40:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
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		<category><![CDATA[Architekturausbildung]]></category>
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		<category><![CDATA[Kreislaufwirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[NRW plant Millionenkürzungen an Hochschulen. Ausgerechnet Wuppertals Architekturstudiengang steht vor dem Aus. Dabei ist er Vorreiter beim klimagerechten Bauen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Architekturausbildung am Abgrund: Wuppertal als Symptom einer verfehlten Bildungspolitik</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bergischen Universität Wuppertal droht ein beispielloser Kahlschlag: Die schwarz-grüne Landesregierung plant ab 2026 Kürzungen von rund 5,7 Millionen Euro jährlich bei der Grundfinanzierung der Hochschule. Das Rektorat reagiert mit einer Entscheidung, die der Dekan der Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen, Christoph Grafe, als ungeheuerlich bezeichnet: Der traditionsreiche Architekturstudiengang soll bis 2033 auslaufen. Die derzeit rund 500 eingeschriebenen Studierenden könnten zwar noch ihren Abschluss machen, doch die acht von elf Professorenstellen, die in den kommenden Jahren frei werden, sollen nicht mehr nachbesetzt werden. Die verbleibenden drei Lehrstühle würden mit dem Bauingenieurwesen unter dem Oberbegriff Bauwissenschaften zusammengelegt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was auf den ersten Blick wie ein nüchternes Rechenexempel erscheint, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als fatales Signal für die Baukultur in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus. Denn der Wuppertaler Studiengang gehört zu den bestbewerteten Architekturausbildungen in Deutschland, rangiert im CHE-Hochschulranking seit Jahren weit oben und genießt insbesondere beim Thema Recycling und Umbaukultur internationales Renommee.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Rasenmäher versus Strategie</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kürzungen treffen alle Hochschulen in NRW. Insgesamt sollen nach aktuellem Stand etwa 120 Millionen Euro bei der Grundfinanzierung eingespart werden, was rund 2,3 Prozent des gesamten Hochschulbudgets von über fünf Milliarden Euro entspricht. Während andere Hochschulen das sogenannte Rasenmäherprinzip anwenden und die Einsparungen gleichmäßig auf alle Bereiche verteilen, wählt das Wuppertaler Rektorat einen anderen Weg. Die Universität lehnt dieses Vorgehen explizit ab und begründet die Aufgabe eines ganzen Fachbereichs mit dem Ziel, die Handlungs- und Zukunftsfähigkeit der Bergischen Universität bestmöglich zu erhalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus betriebswirtschaftlicher Sicht mag diese Rechnung aufgehen: Mit zuletzt 65 Absolventinnen und Absolventen pro Jahrgang ist der Architekturstudiengang zahlenmäßig kleiner als andere Fakultäten, und die eingeworbenen Drittmittel für Forschungsvorhaben fallen überschaubar aus. Doch wer so kalkuliert, verkennt die strategische Bedeutung des Standorts und macht einen Fehler, den sich Deutschland im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte und Innovationen schlicht nicht leisten kann.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wuppertal als Reallabor der Bauwende</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bergische Universität hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Leuchtturm für klimagerechtes Bauen und zirkuläre Architektur entwickelt. Als erste deutsche Hochschule richtete sie 2022 den Solar Decathlon Europe aus, bei dem internationale Studierendenteams Konzepte für klimaneutrale Gebäude im urbanen Bestand entwickeln und als begehbare Demonstratoren im Maßstab 1:1 aufbauen. Über 115.000 Besucherinnen und Besucher strömten damals auf das Wettbewerbsgelände im Mirker Stadtquartier. Acht der 16 Wettbewerbsbauten verblieben als Living Lab NRW an der Nordbahntrasse und dienen seither als Forschungs- und Anschauungsobjekte für nachhaltiges Bauen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die enge Zusammenarbeit mit dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie sowie die Einbindung in die Initiative Circular Valley machen den Standort einzigartig. Circular Valley, gegründet 2021, will die Rhein-Ruhr-Region zum Hotspot für Kreislaufwirtschaft entwickeln und hat bereits über 100 Startups aus aller Welt gefördert. Die Landesregierung selbst unterstützt diese Initiative als Schirmherrin. Wirtschaftsministerin Mona Neubaur lobte noch im vergangenen Jahr die Bewegung als Beleg dafür, was passiere, wenn Unternehmen mit der Natur statt gegen sie wachsen wollen. Es mutet geradezu grotesk an, dass dieselbe Landesregierung nun einen Architekturstudiengang abwickeln will, der genau diese Transformation wissenschaftlich fundiert und praktisch umsetzt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Kammer schlägt Alarm</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Präsident der Architektenkammer NRW, Ernst Uhing, findet deutliche Worte. Die vollständige Schließung des traditionsreichen Studiengangs wäre angesichts der drängenden Herausforderungen ein dramatischer Verlust. Er verweist auf die Sanierung des Gebäudebestandes, das klimaangepasste Weiterbauen der Städte und die Ausrichtung des gesamten Planens und Bauens auf nachhaltige Strukturen. In einem Schreiben an das Rektorat appelliert Uhing, auf behutsame Maßnahmen zurückzugreifen, und macht deutlich, dass NRW mit seiner hohen Bevölkerungszahl und baulichen Dichte ausreichend Architektur-Studienplätze und qualifizierten Nachwuchs benötige.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Vertreterversammlung der Architektenkammer mit 201 Delegierten verabschiedete einstimmig eine Resolution gegen die Schließung. Auch der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten sowie die Initiative Architects for Future haben sich mit offenen Briefen an das Rektorat gewandt. Die Forderung ist eindeutig: Es dürfe keine Einsparungen zulasten der Baukultur und der Nachhaltigkeit in der Architekturausbildung geben.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Systemrelevanz statt Sparpotenzial</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen auf dem Arbeitsmarkt sprechen eine klare Sprache: Allein im September wurden auf der Online-Jobbörse der Architektenkammer NRW 125 Stellenangebote für Architektinnen und Architekten veröffentlicht. Der Fachkräftemangel ist real, und er trifft eine Branche, die für die Bewältigung der Klimakrise unverzichtbar ist. Der Gebäudesektor verantwortet rund 40 Prozent des globalen Energieverbrauchs und etwa ein Drittel der CO2-Emissionen. Wer die Klimaziele erreichen will, kommt am Bauen und Sanieren nicht vorbei. Dafür braucht es Architektinnen und Architekten, die nicht nur ästhetisch überzeugende Entwürfe liefern, sondern auch Kreislaufwirtschaft, Ressourceneffizienz und Lebenszyklusbetrachtungen von Grund auf verstehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten bringt es auf den Punkt: Architektinnen und Architekten mit fundierten Kompetenzen im klima- und ressourcenschonenden Bauen sind heute kein nice-to-have, sondern systemrelevant. Genau diese Kompetenzen vermittelt der Wuppertaler Studiengang wie kaum ein anderer Standort in Deutschland.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein fatales Signal</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung des Wuppertaler Rektorats ist symptomatisch für eine kurzfristig gedachte Bildungspolitik, die Hochschulen als Verfügungsmasse für Haushaltskonsolidierungen betrachtet. Dabei hatte die Hochschulvereinbarung NRW 2021 noch festgelegt, dass die Zuschüsse an die Hochschulen bis einschließlich 2026 von haushaltswirtschaftlichen Einsparungen ausgenommen werden sollten. Diese Zusage ist offenkundig weniger wert als das Papier, auf dem sie steht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während der Kulturhaushalt in NRW die geplanten Kürzungen vollständig zurücknehmen konnte und sogar mehr Mittel erhält, müssen die Hochschulen bluten. Diese Prioritätensetzung ist ein Armutszeugnis für ein Bundesland, das sich gerne als Innovationsstandort präsentiert. Denn ohne exzellente Hochschulausbildung gibt es keine Innovation, ohne Nachwuchsarchitektinnen und -architekten keine Bauwende, ohne Investitionen in Bildung keine Zukunft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Schließung des Wuppertaler Architekturstudiengangs wäre mehr als der Verlust eines traditionsreichen Studiengangs. Es wäre die Selbstverstümmelung eines Standorts, der gerade dabei war, zum internationalen Vorreiter des klimagerechten Bauens zu werden. Manchmal spart man sich arm.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"></h1>
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		<title>Das Osthaus Museum und die Reklamation von Kunstdemokratie</title>
		<link>https://baukunst.art/das-osthaus-museum-und-die-reklamation-von-kunstdemokratie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Nov 2025 09:35:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Industriekultur]]></category>
		<category><![CDATA[Regionalentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[Hagen bewährt die Idee der Kunstdemokratie: Das Osthaus Museum zeigt, wie regionale Initiative und Gestaltungswille Industriestädte zu Kulturleuchttürmen werden - gestern wie heute.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Industriekultur in die Zukunft: Das Osthaus Museum Hagen und die regionale Baukultur des Ruhrgebiets</strong> Wie regionale Initiative und Gestaltungswille ein Industriemuseum zum Leuchtfeuer der westfälischen Kunstszene machen</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Museum als Pionier der modernen Kunstidee</strong> Das Ruhrgebiet hat der Kunstwelt einiges zu verdanken. Dass sich gerade in einer Industriestadt wie Hagen eines der progressivsten Museen seiner Zeit etablierte, war keine Selbstverständlichkeit. Karl Ernst Osthaus, ein Bankierssohn mit seltener Weitsicht, schuf 1902 mit seinem Folkwang-Museum ein Haus, das sich selbst als Kunstwerk verstand und als erstes Museum weltweit zeitgenössische Kunst ausstellte. Diese regionalen Besonderheiten – die Verbindung von Unternehmertum, Kunstsinn und Verantwortung für die Gemeinschaft – prägen den westfälischen Kulturraum bis heute.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Regionale Industriekultur als kulturelle Gestaltungsaufgabe</strong> Osthaus war nicht nur Sammler, er war Gestalter einer Region. Sein Ziel war es, seinen kunstverlassenen Industriebezirk an der Ruhr für das moderne Kunstschaffen zu gewinnen und das Leben der Menschen durch Kunst, gutes Design und Kunsthandwerk zu verschönern. Diese philanthropische Orientierung unterscheidet sich grundlegend von reiner Kunstspekulation. In Hagen entstand ein Modell, bei dem die Vermittlung von Schönheit als stadtentwicklungspolitisches Programm verankert wurde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Folkwang-Idee: Sammlungskonzept mit globalem Blick</strong> Mit der Unterstützung des Designers Henry van de Velde transformierte Osthaus sein ursprüngliches Konzept eines naturkundlich-antikenorientierten Museums grundlegend. Der Innenausbau wurde van de Velde anvertraut, und aus dieser Zusammenarbeit entstand eine der epochemachendsten Sammlungen europäischer Moderne. Van Gogh, Matisse, Cézanne, Gauguin, Klimt und Schiele – die Sammlung war im europäischen Maßstab bedeutend, behielt aber auch den Blick auf außereuropäische Kulturen. Das Hagener Folkwang-Museum war das erste seiner Art, das Kunstobjekte aus Afrika ausstellte. Diese regionale Initiative hatte internationale Strahlkraft und begründete einen Bedeutungsüberschuss, der Hagen über Jahrzehnte prägte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Verluste und Wiederaufbau: Regionalgeschichte im 20. Jahrhundert</strong> Der regionale Kontext wird in der Katastrophengeschichte besonders deutlich. Nach Osthaus’ frühem Tod 1921 wurde die grandiose Sammlung nach Essen verkauft – ein Verlust, der bis heute nachwirkt. Die zweite Zäsur erfolgte 1937, als die Nationalsozialisten deutsche Museen plünderten. In Hagen beschlagnahmten sie zahlreiche Werke als „entartete Kunst“, darunter über vierhundert Arbeiten des Moderne-Künstlers Christian Rohlfs, über den ein Malverbot verhängt wurde. Bei Kriegsende stand Hagen weitgehend mit leeren Händen da – ein Schicksal, das für viele regionale Kulturinstitutionen charakteristisch ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Museale Wiederaufbaukultur und zielgerichtete Ankaufspolitik</strong> Die Wiederaufbaugeschichte Hagens ist ein Beispiel für regionale Handlungsfähigkeit. Bereits im Dezember 1945 eröffnete Museumsdirektorin Herta Hesse-Frielinghaus das Haus für erste Ausstellungen. Über drei Jahrzehnte entwickelte sie eine überaus zielsichere Ankaufspolitik nach dem Motto: die besten Künstler zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Dieses Prinzip setzte lokale Marktkenntnis und strategisches Denken voraus. Viele dieser Ankäuf<strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">e</strong> wurden nur wenig später unerschwinglich. So legte Hesse-Frielinghaus den Grundstock zu einem Bestand, der die doppelten Verluste von 1922 und 1930 beinahe in Vergessenheit geraten ließ. Dies ist nicht bloße Regionalgeschichte, sondern ein Lehrstück über kuratorische Exzellenz unter schwersten Bedingungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Regionale Architektur- und Gestaltungskultur heute</strong> Osthaus hinterließ Hagen neben der erweiterten Museumsanlage noch weitere prägende Projekte. Die Privatvilla Haus Hohenhof sollte als Nukleus einer Künstlerkolonie Hohenhagen dienen – ein Gedanke, der sich nur in Ansätzen verwirklichte, aber die städtebaulichen Ambitionen der Region belegt. 2009 gesellte sich das Emil-Schumacher-Museum hinzu, das moderner regionaler Kunstförderung verpflichtet ist. Die jüngste Ausstellung <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Von Renoir bis Warhol</em> zeigt: Hagen besinnt sich nach Jahren der Abweichung wieder auf seine eigenen Bestände und seine wechselvolle Geschichte. Dies ist unter den gegenwärtigen Herausforderungen – demografischer Wandel, Strukturwandel im Ruhrgebiet – eine bewusste kulturelle Selbstvergewisserung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Modellcharakter für andere Regionen</strong> Hagener Museumspraxis hat Modellcharakter. Sie zeigt, wie regionale Kulturinstitutionen in Transformationsprozessen nicht allein Orte des Bewahrens sind, sondern aktive Gestalter regionaler Identität. Die Ankaufspolitik Hesse-Frielinghaus’ ist Ausdruck einer dezentralisierten Kunstförderung, wie sie heute unter Druck gerät. Die aktuelle Ausstellung, kuratiert von Rainer Stamm – einem Osthaus-Biografen – ist somit auch eine Aussage über regionale Verantwortung: Nach der Phase klandestiner Künstler wie Sylvester Stallone oder Dieter Nuhreine Rückbesinnung auf Qualität und Geschichte. Der doppelte Kurswechsel – erst weg von den eigenen Beständen, nun zurück – dokumentiert das Ringen einer Region um ihre kulturelle Orientierung in unsicheren Zeiten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ausblick: Industriekultur als Aufgabe der Gestaltungsbeiräte</strong> Für Gestaltungsbeiräte und lokale Baukulturgremien im Ruhrgebiet und darüber hinaus bietet Hagen ein instruktives Beispiel: Wie baut man kulturelle Kontinuität in einer Region, deren Grundlagen sich grundlegend wandeln? Die Antwort liegt nicht in nostalgischer Bewahrung, sondern in kreativer Neudeutung. Das Osthaus Museum zeigt Kunstwerke von Renoir bis Warhol – ein Bogen von traditioneller Malerei zur Pop-Art. Dies ist kein Kunsthistoriker-Kitsch, sondern Zeichen einer Region, die ihre Offenheit für Modernes bewahrt hat. In Zeiten, da viele Regionen mit Leerständen und Identitätskrisen ringen, ist dies ein stilles und doch eloquentes Argument für den Wert von Gestaltung, regionaler Initiative und institutioneller Kontinuität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Calatravas Glasturm-Drama: Wie Düsseldorf eine Weltarchitektur-Sensation verpasste</title>
		<link>https://baukunst.art/calatravas-glasturm-drama-wie-duesseldorf-eine-weltarchitektur-sensation-verpasste/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Oct 2025 08:15:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Düsseldorf]]></category>
		<category><![CDATA[Hochhausbeirat]]></category>
		<category><![CDATA[Innenstadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[Düsseldorf ringt um die Zukunft seiner Innenstadt: Die Tuchtinsel-Saga zeigt, wie Hochhausbeiräte, Bauordnungen und Partizipationskulturen regionale Architekturpolitik in NRW prägen – und wie wenig spektakuläre Lösungen manchmal die weisere sind.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Tuchtinsel-Saga als Spiegel regionaler Planungskulturen in Nordrhein-Westfalen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was führt dazu, dass ein prominentes Innenstadtgrundstück einer bedeutenden deutschen Metropole jahrelang brach liegt? In Düsseldorf erzählt die Tuchtinsel diese Geschichte. Das Areal, eine sogenannte städtebaulich prägnante Lücke in der Düsseldorfer City, ist zum Testfall für die Spannungen zwischen Architekturambitionen, regulativen Zwängen und regionalpolitischen Realitäten in Nordrhein-Westfalen geworden. Der Fall offenbart tiefgreifende Fragen über Gestaltungsbeiräte, Länderbauordnungen und die Macht von Hochhausbeiräten in der deutschen Planungskultur.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Historische Identität und gegenwärtige Verwicklungen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Tuchtinsel – benannt nach der alteingesessenen Kaufmannsfamilie Tucht, die dort bis 1969 ein Fotogeschäft betrieb – ist mehr als nur drei zusammenhängende Grundstücke in zentraler Lage an der Schadowstraße. Sie ist ein Symbol für die Frage, wie zeitgenössische Stadtentwicklung mit historischer Kontinuität umgehen soll. Das Areal liegt wie eine Insel, von der Berliner Allee umschlossen, an einer prominenten Stelle der Düsseldorfer Innenstadt. Dass gerade dieser Ort so lange brachliegend ist, kann nicht als zufällig betrachtet werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die komplizierte Eigentumsstruktur – mehrere Grundstücke in unterschiedlichem Besitz – hat die Entwicklung lange Zeit erschwert. Dies ist eine regionale Besonderheit Deutschlands, die sich fundamental auf Stadtplanung auswirkt. Während Kommunen in anderen Ländern land- oder stadtweit grundsätzlich größere Planungshoheit besitzen, scheitert deutsche Stadtentwicklung regelmäßig an fragmentierten Eigentumsstrukturen. Die Tuchtinsel ist ein Klassiker dieses Problems. Erst als der Entwickler Midstad ein weiteres Grundstück kaufte, kamen Bewegungen in die Sache.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Calatravas Glasturm: Der Wunsch nach ikonischer Architektur</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vor etwa fünf Jahren stellte der Projektentwickler Centrum einen ambitionierten Plan vor: ein 100 Meter hoher Glasturm des weltbekannten spanischen Star-Architekten Santiago Calatrava sollte auf der Tuchtinsel entstehen. Der Entwurf war elegant, technisch brillant und ikonisch – genau die Art von architektonischem Statement, das sich Städte wie Düsseldorf für ihre Innenstädte vorstellen. Ein Calatrava an der Düssel – das hätte der Stadt Wiedererkennungswert in einem globalisierten Architektur-Diskurs gegeben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aber es kam anders. Der Düsseldorfer Hochhausbeirat lehnte das Projekt ab. Das Gremium befand die Dimensionen des geplanten Gebäudes für unpassend – zu hoch, zu monumental für diesen Ort, zu wenig auf den städtebaulichen Kontext bezogen. Diese Entscheidung ist regional außerordentlich bedeutsam, denn sie zeigt: In Nordrhein-Westfalen und speziell in Düsseldorf hat nicht der Star-Architekt das letzte Wort, sondern ein lokales Beratungsgremium mit gestalterischen Befugnissen. Dies ist ein bemerkenswert defensives Planungsmodell.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Stadtrat folgte der Empfehlung des Hochhausbeirats und beschloss Ende 2020: Maximal 60 Meter dürfe ein Gebäude an diesem Standort werden. Damit war Calatravas 100-Meter-Turm endgültig vom Tisch. Dies ist nicht einfach eine Regulierung – es ist eine kulturelle Aussage. Düsseldorf sagt: Wir wollen nicht die Architektur des Spektakels, sondern Maß und Proportion. Dies kann man als weitsichtig bewerten oder als Ausdruck von fehlendem Mut.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hochhausbeiräte: Macht und Begrenztheit von Gestaltung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall Tuchtinsel-Calatrava eröffnet einen ungewöhnlichen Blick auf die Rolle von Hochhausbeiräten in der deutschen Planungskultur. Diese Gremien – typischerweise mit Architekten, Stadtplanern, manchmal Bürgermeistern besetzt – sind in ihrer Macht durchaus beeindruckend. Sie können Projekte von Weltarchitekten zu Fall bringen. Das ist einerseits bewunderungswürdig: Es zeigt, dass Qualität und Maßstäblichkeit nicht automatisch dem Investorenwillen oder dem Stardiskurs untergeordnet werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Andererseits offenbaren sich hier auch Begrenztheit und Probleme. Der Hochhausbeirat als Institution ist nicht demokratisch legitimiert – seine Mitglieder werden berufen, nicht gewählt. Seine Entscheidungskriterien sind zwar fachlich fundiert, aber letztlich auch subjektiv. Was ist das richtige Maß für einen Ort? Die Antwort mag 60 Meter oder 100 Meter sein – sie ist kein objektiv messbarer Wert. In Düsseldorf hat sich eine Kultur etabliert, in der diese Gremien außerordentlich mächtig sind. Das mag für die Bewahrung einer städtebaulichen Qualität hilfreich sein, kann aber auch Lähmung bedeuten.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">NRW-Bauordnung: Regelwerk und Auslegung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bauordnung Nordrhein-Westfalens ist ein komplexes Regelwerk, das Regional- und Lokalkultur miteinander verflicht. Anders als in Ländern mit einheitlicher Baugesetzgebung sind in Nordrhein-Westfalen grundsätzlich die Städte und Gemeinden für viele Entscheidungen zuständig – unter Einhaltung landespolitischer Vorgaben. Dies führt zu heterogenen Planungskulturen zwischen dem Ruhrgebiet, Köln, Düsseldorf und ländlichen Räumen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Fall der Tuchtinsel spielt auch die Frage der innerstädtischen Verdichtung eine Rolle. NRW versucht, sein Flächenverbrauchsproblem durch verstärkte Innenentwicklung zu adressieren. Das klingt progressiv – tatsächlich bedeutet dies: Innenstädte sollen intensiver genutzt werden, dichter bebaut. Die Tuchtinsel ist genau ein solcher Ort, der intensivere Nutzung erlaubt. Nur: Wie intensiv? 60 Meter oder 100 Meter – diese Differenz ist nicht marginal, sie hat erhebliche Auswirkungen auf Schattenwurf, Windeffekte, die Wahrnehmung des städtischen Raums.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Wettbewerb als Neuanfang: Partizipation und kooperative Verfahren</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Entwickler Midstad kündigte an, die Tuchtinsel nun über einen städtebaulichen Wettbewerb zu entwickeln – geplant als einstufiges kooperatives Verfahren. Diesem Wettbewerb soll eine &#8222;Phase Null&#8220; vorgelagert werden, die Bürgerbeteiligung sowie den Einbezug verschiedener Fachplanender umfasst. Dies ist regional interessant, denn es signalisiert: Die reine Investorenlogik wird nicht ausreichen. Stadtentwicklung in Düsseldorf ist heute – anders vielleicht als in den 1980ern – ein partizipatives Verfahren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die &#8222;Phase Null&#8220; ist dabei ein wichtiges Konzept, das sich bundesweit immer mehr durchsetzt. Sie bedeutet: Bevor ein konkreter Entwurf entsteht, wird mit Anwohnerinnen und Fachleuten geklärt, was überhaupt erwünscht ist. Dies ist langwieriger als klassische Top-down-Planung, kann aber zu besseren Ergebnissen führen – und legitimiert die späteren Entscheidungen stärker.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Nachbarschaft: Kö-Bogen und städtebauliche Zusammenhänge</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessanterweise war die Tuchtinsel auch in früheren Planungen präsent. Beim internationalen Wettbewerb Kö-Bogen II – einem anderen großen Düsseldorfer Innenstadtprojekt – sah der Siegerentwurf des Architekturbüros Molestina auch Neubauten auf der Tuchtinsel vor. Diese Idee wurde von der Stadt schließlich verworfen. Auch der Name des Architekten Christoph Ingenhoven fällt im Zusammenhang mit der Tuchtinsel immer wieder – Ingenhoven ist einer der prominentesten deutschen Architekten und hat in Düsseldorf mehrere bedeutende Projekte realisiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dies zeigt: Die Tuchtinsel ist nicht isoliert zu betrachten, sondern als Teil eines größeren städtebaulichen Gefüges. Die Schadowstraße ist eine Einkaufsstraße, der Kö-Bogen ist ein neues Mixed-Use-Quartier, ringsum sind Büro- und Wohngebäude. Wie die Tuchtinsel sich in diesen Kontext einfügt, ist fundamental für die Qualität des Stadtzentrums.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Ökonomie der Lücke: Investorenwillen und städtische Regulierung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass ein Grundstück dieser Größe und an dieser Lage so lange brach liegen bleibt, ist auch eine ökonomische Frage. Der Investor Centrum ist mit seinem 100-Meter-Turm gescheitert. Für Midstad ist die Situation anders: Die neue Höhenbeschränkung auf 60 Meter ändert die ökonomische Kalkulation erheblich. Ein 60-Meter-Gebäude hat weniger Nutzfläche, weniger Mieterträge – aber ist es noch rentabel? Hier berührt sich regionale Architekturpolitik mit Immobilienökonomie.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Strategie Midstads, über einen Wettbewerb vorzugehen, könnte auch damit zusammenhängen, dass die Renditevorgaben mit einem konventionellen Projekt nicht zu erreichen sind – ein Wettbewerb bietet die Möglichkeit, verborgene Kreativität zu mobilisieren, innovative Nutzungsmischungen zu entdecken, die Lücke nicht primär als Hochhausstandort zu denken.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wider den Architektur-Determinismus: Was Düsseldorf lernen kann</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Tuchtinsel-Saga ist lehrreich, weil sie zeigt, dass nicht immer die spektakulärste Architektur die beste ist. Ein Calatrava-Turm auf der Tuchtinsel hätte Düsseldorf möglicherweise in einem globalen Architektur-Ranking weitergebracht – und gleichzeitig eine städtebauliche Dissonanz erzeugt. Die Entscheidung des Hochhausbeirats, das Projekt zu kritisieren, war nicht bloß konservativ, sondern auch nachvollziehbar: Eine elegante, aber in diesem Kontext übergroße Geste.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zugleich muss die Frage erlaubt sein: War es richtig, die Sache so lange liegen zu lassen? Die brachgefallenen Jahre sind auch ökonomisch und gesellschaftlich ein Verlust. Düsseldorf ist nicht wie Bremen oder andere Hafenstädte – es ist eine wohlhabende Handels- und Messestadt, die sich schnelle Lösungen leisten könnte. Dass sie stattdessen in einen längeren Diskurs über Maßstäbe verfällt, ist einerseits kultiviert, andererseits auch ein Luxusproblem.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Der kommende Wettbewerb und die Zukunft der Innenstadt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit Midstads angekündigtem Wettbewerb könnte die Tuchtinsel endlich bewegt werden. Ein einstufiges kooperatives Verfahren mit vorgelagerter Partizipation ist ein moderner Ansatz. Es erlaubt, von den Fehlern der Vergangenheit zu lernen: nicht mit einem Entwurf eines Stararchitekten zu beginnen, sondern mit der Frage: Was wollen wir hier wirklich?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was die Tuchtinsel letztlich zeigt, ist, dass regionale Architekturkultur nicht nur von Stilen, Materialien und Formensprachen gehandelt wird, sondern von den institutionellen Strukturen, die Architektur ermöglichen oder hemmen. Hochhausbeiräte, Länderbauordnungen, Partizipationskulturen, Investorenziele – all diese Faktoren wirken zusammen. Düsseldorf hat sich dafür entschieden, auf Qualität und Maßstab zu pochen. Ob das gut ausgeht, werden die kommenden Jahre zeigen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Milliarden, Macht und Moor: Wie RWE und NRW das Rheinische Revier neu zuschneiden</title>
		<link>https://baukunst.art/milliarden-macht-und-moor-wie-rwe-und-nrw-das-rheinische-revier-neu-zuschneiden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 14:50:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Braunkohle]]></category>
		<category><![CDATA[Rheinisches Revier]]></category>
		<category><![CDATA[Strukturwandel]]></category>
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					<description><![CDATA[Kohle raus, Zukunft rein: Das Rheinische Revier ordnet Landschaft, Arbeit und Wasser neu. Was die Pionierflächen leisten und wo Risiken liegen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Rheinisches Revier im Umbau: Vom Tagebau zur Zukunftsregion</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Strukturwandel, Wasserwende und Planungskultur in Nordrhein-Westfalen</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wo Schaufelradbagger jahrzehntelang den Takt vorgaben, verhandeln heute Planungen Zukunft: Das Rheinische Revier wandelt 300 km² Braunkohlelager zu Arbeitsorten, Seenlandschaften und Dörfern mit neuer</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Region und Ausgangslage</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Aachen, Mönchengladbach und Köln liegt das Rheinische Revier – Europas größtes Braunkohlerevier. In Nordrhein‑Westfalen wurden allein für den Abbau rund 300 Quadratkilometer in Anspruch genommen; aktiv sind die Tagebaue Garzweiler, Hambach und Inden. Bis 2030 endet der Abbau, kurz darauf die Verstromung – eine Zäsur mit gewaltigem planerischem Hebel.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Politische Rahmung und Eigentumslage</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Flächen gehören der RWE‑Tochter RWE Power. Mit der grün‑schwarzen Landesregierung einigte sich der Konzern auf ein vorgezogenes Ende bis 2030; im Gegenzug steht eine Entschädigung in Milliardenhöhe im Raum. Der Umbau wird von Bund und Land mit knapp 15 Milliarden Euro flankiert – laut Zukunftsagentur Rheinisches Revier fehlt weniger Geld als vielmehr Zeit und personelle Kapazität für die Planung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Governance: PSW als Taktgeber</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Koordination wurde die Gesellschaft Perspektive Strukturwandel (PSW) gegründet – ein Joint Venture von Land und RWE. PSW unterstützt insbesondere kleinere Gemeinden bei Bauleitplanung, Gutachten und Verfahren und bündelt Projekte an ehemaligen Kraftwerks‑ und Tagebaustandorten. Das Ziel ist doppelt: neue Wertschöpfung und die Vermeidung zusätzlicher Flächenversiegelung durch vorrangige Konversion.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Projektfelder: Von Neurath bis Hambach</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Neurath liegt ein rund 180 Hektar großes Kraftwerksareal auf dem Tisch. Gemeinsam mit dem Kölner Büro Astoc entstand 2024 ein Strukturkonzept, das eine industrielle und gewerbliche Nachnutzung vorsieht; die Kommunen Grevenbroich und Rommerskirchen müssen die Planungen konkretisieren. Die Kraftwerksstilllegung ist für 2033 vorgesehen. Parallel entsteht am Tagebau Hambach auf einer »Pionierfläche« ein Zukunftsareal von etwa 120 Hektar: Die Gemeinde Niederzier übernimmt die Bauleitplanung, RWE bringt Flächen ein und beauftragt Fachplanungen. Angestrebt sind frühzeitige, vor‑2030 verfügbare Industrie‑ und Gewerbeflächen mit guter Anbindung an die Autobahnen A4/A44 und die RWE‑Werksbahn.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Standortfaktoren und Marktlogik</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Nähe zur künftigen Seelandschaft, die bestehende Infrastruktur und der Anspruch an energieintensive Nutzerinnen und Nutzer (Produktion, Logistik, Dienstleistungen) schaffen einen eigenständigen Standorttypus: leistungsfähige Netze plus Landschaftsqualität. Erste Ansiedlungen sind ab 2027 ins Auge gefasst – ein ehrgeiziger, aber marktkompatibler Zeithorizont, sofern Bauleitplanung, Erschließung und artenschutzrechtliche Verfahren im Takt bleiben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Wasserfrage: Vom Restloch zum See</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach dem Abschalten der Sümpfungsanlagen füllen sich die Gruben durch Grundwasser und Niederschlag – allerdings über Jahrhunderte. Um nutzbare Uferzonen und stabile Böschungen früher zu erreichen, sollen die Restlöcher künstlich befüllt werden: Wasser aus dem Rhein für Garzweiler und Hambach, aus der Rur für Inden. Hambach wäre mit bis zu 350 Metern Tiefe und etwa drei Milliarden Kubikmetern Volumen das tiefste Gewässer Deutschlands; die Befüllung ab 2030 ist auf etwa 40 Jahre angelegt. Umweltverbände warnen vor ökologischen Risiken der Wasserentnahme und fordern eine Aufbereitung des Rheinwassers; aufsichtsrechtliche Entscheidungen stehen aus.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Dörfer mit Zukunft: Erkelenz und die fünf Orte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Durch das frühere Aus des Tagebaus bleiben Berverath, Keyenberg, Kuckum sowie Ober‑ und Unterwestrich erhalten. PSW und die Stadt Erkelenz treiben eine Revitalisierung voran: Bestandsaufnahme, Reparatur, maßvolle Nachverdichtung. Leitlinien sind klimaschonendes Bauen, flächensparende Entwicklung und ein Gemeinschaftsleben, das die Nähe zum künftigen Garzweiler‑See als Qualität begreift.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Weitere Konversionsbausteine</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch am Kraftwerk Niederaußem und an der Brikettfabrik Wachtberg in Frechen laufen Prozesse. Übergreifend kombiniert die Region raumordnerische Strategien – von Klimaanpassung und Mobilität bis zum Tourismus – mit einem »Gigawattpakt« mehrerer Kommunen zur beschleunigten Erzeugung erneuerbarer Energien.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Planungskultur und Verfahren</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Verfahren verlangen robuste Bauleitplanung, frühzeitige Umweltprüfungen und eine Kommunikation, die Bewohnerinnen und Bewohner beteiligt, ohne falsche Versprechungen. Für die Praxis zählt ein Dreiklang: belastbare Zeitschienen, abgestufte Erschließung (Pionierflächen zuerst) und adaptive Masterpläne, die Raum für unbekannte Nutzerprofile lassen. Wo früher Schaufelradbagger im Takt liefen, zählt nun die Synchronisierung von Fachgutachten, Förderlogik und Markttaktung – eine andere, aber nicht minder anspruchsvolle Choreografie.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vergabe und Kapazitäten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die anstehenden Leistungen treffen auf einen angespannten Planungsmarkt. Nordrhein‑Westfalen reformiert ab 2026 die kommunale Vergabe für kleinere Aufträge – ein Baustein, um Prozesse zu beschleunigen und die lokale Wirtschaft einzubinden. Gleichzeitig bleibt die Bündelung von Aufträgen über PSW sinnvoll, wenn Gemeinden personell unterbesetzt sind.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Chancen, Risiken, Transfer</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Rheinische Revier besitzt Modellcharakter: großmaßstäbliche Konversion, Wasser‑ und Energieinfrastrukturen als Entwicklungshebel, Revitalisierung ländlicher Siedlungen und eine neue Industrie‑Landschafts‑Symbiose. Risiken liegen in langen Zeithorizonten (Seebefüllung), ökologischen Zielkonflikten (Gewässerökologie) und Kapazitätsengpässen. Werden Lernschleifen konsequent genutzt, dürfte die Region zeigen, dass Strukturwandel mehr ist als ein Förderprogramm – nämlich eine Gestaltungsschule.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Betonleichen sprengen statt Umnutzen – Duisburgs klimafeindlicher Kahlschlag</title>
		<link>https://baukunst.art/betonleichen-sprengen-statt-umnutzen-duisburgs-klimafeindlicher-kahlschlag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Sep 2025 12:12:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Großwohnsiedlung]]></category>
		<category><![CDATA[Ruhrgebiet]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[In Duisburg fiel der dritte „Weiße Riese" – 63 Meter Beton-Geschichte verschwanden in Sekunden. Das Ende einer städtebaulichen Utopie wirft Fragen zu Wohnungsbau und Nachhaltigkeit auf.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Das Ende der Weißen Riesen: Ein Koloss fällt – und mit ihm eine Epoche</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Sonntagmorgen um 10:02 Uhr verschwanden 63 Meter Betongeschichte binnen zehn Sekunden in einer gewaltigen Staubwolke. Die Sprengung des dritten „Weißen Riesen&#8220; in Duisburg-Hochheide markiert nicht nur das Ende eines Gebäudes, sondern den Schlusspunkt einer städtebaulichen Vision, die einst als Lösung der Wohnungsnot gefeiert wurde. 170 Kilogramm Sprengstoff genügten, um das 1972 errichtete Hochhaus mit seinen 160 Wohnungen kontrolliert in sich zusammenfallen zu lassen – ein präziser technischer Akt, der eine jahrzehntelange soziale Erosion besiegelte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom Vorzeigemodell zum Problemfall</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die „Weißen Riesen&#8220; verkörperten den Optimismus der frühen 1970er Jahre im Ruhrgebiet. Als moderne Antwort auf die Wohnungsnot der Nachkriegszeit konzipiert, sollten sie bezahlbaren Wohnraum für Arbeiterinnen und Arbeiter der umliegenden Industrien bieten. Die Landesbauordnung Nordrhein-Westfalens ermöglichte damals Hochhäuser dieser Dimension mit reduzierten Brandschutzauflagen – ein Umstand, der heute undenkbar wäre. Die weißen Fassaden, die den Gebäuden ihren Namen gaben, symbolisierten Sauberkeit und Modernität, einen Kontrast zum rußgeschwärzten Image der Montanregion.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch bereits in den 1980er Jahren begann der schleichende Niedergang. Der Strukturwandel des Ruhrgebiets, der Wegzug der Mittelschicht und fehlende Investitionen verwandelten die einst begehrten Wohnungen in soziale Brennpunkte. Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft GEBAG, die die Komplexe verwaltete, kämpfte jahrzehntelang gegen Leerstand, Verwahrlosung und soziale Segregation. Ein Teufelskreis aus sinkenden Mieteinnahmen und steigendem Sanierungsbedarf machte eine wirtschaftliche Bewirtschaftung unmöglich.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Besonderheiten der Ruhrgebietsarchitektur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Geschichte der Weißen Riesen ist untrennbar mit der spezifischen Entwicklung des Ruhrgebiets verbunden. Anders als in München oder Hamburg, wo Hochhaussiedlungen oft am Stadtrand entstanden, wurden sie in Duisburg direkt in gewachsene Arbeiterquartiere implantiert. Die räumliche Nähe zu Thyssen-Krupp und anderen Industriebetrieben war gewollt – kurze Wege zur Schicht galten als sozialer Fortschritt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die nordrhein-westfälische Landesbauordnung der 1970er Jahre spiegelte den damaligen Planungsoptimismus wider: Geschosszahlen bis zu 20 Etagen waren mit vereinfachten Genehmigungsverfahren möglich, die Abstandsflächen wurden zugunsten verdichteter Bebauung minimiert. Diese regulatorischen Rahmenbedingungen, gepaart mit massiven Förderungen des sozialen Wohnungsbaus durch das Land NRW, schufen die Voraussetzungen für Großprojekte wie die Weißen Riesen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der lange Weg zur Sprengung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung zum Abriss fiel nicht leicht. Jahrelang diskutierten Stadtplanerinnen und Stadtplaner, Sozialarbeiter und Politikerinnen über Alternativen. Sanierungskonzepte scheiterten an den enormen Kosten – allein die energetische Ertüchtigung hätte pro Gebäude über 20 Millionen Euro verschlungen. Die Duisburger Baudezernentin verwies auf die veränderten Wohnansprüche: Familien suchen heute individuellere Grundrisse, barrierefreie Zugänge und private Freiräume. Die Weißen Riesen mit ihren standardisierten 65-Quadratmeter-Wohnungen konnten diese Bedürfnisse nicht mehr erfüllen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Gutachten der Architektenkammer NRW attestierte den Gebäuden 2019 „keine erhaltenswerte Bausubstanz&#8220;. Der Denkmalschutz, der in anderen Bundesländern durchaus Großwohnsiedlungen der 1970er Jahre unter Schutz stellt, sah in den Duisburger Hochhäusern keine schützenswerte Architektur. Im Gegensatz zu den Grindelhochhäusern in Hamburg oder dem Märkischen Viertel in Berlin fehlte den Weißen Riesen die architektonische Qualität und städtebauliche Einbindung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit versus Neubeginn</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sprengung wirft Fragen zur Nachhaltigkeit auf. Kritische Stimmen aus der regionalen Architekturfakultät der Universität Duisburg-Essen bemängeln die Verschwendung grauer Energie. Professor Martin Schmitz vom Lehrstuhl für Städtebau betont: „Jeder Abriss ist klimapolitisch problematisch. Die verbauten 45.000 Tonnen Beton hätten theoretisch recycelt werden können.&#8220; Andererseits argumentiert die Stadt mit der sozialen Nachhaltigkeit des Projekts. Die Beseitigung der Problemimmobilien ermögliche eine grundlegende Neuordnung des Quartiers.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Schutt wird tatsächlich zu 90 Prozent recycelt – als Unterbau für Straßen und Parkplätze. Ein schwacher Trost für Verfechterinnen und Verfechter der Umbaukultur, die in anderen Regionen erfolgreich Plattenbauten zu attraktivem Wohnraum transformieren. Das sächsische Modell der behutsamen Plattenbausanierung, gefördert durch spezielle Landesprogramme, kam für NRW nie ernsthaft in Betracht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zukunftsperspektiven für Hochheide</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf dem 10 Hektar großen Areal soll bis 2030 ein durchmischtes Quartier entstehen. Die Planungen sehen 400 Wohneinheiten vor – deutlich weniger als die ursprünglichen 800 Wohnungen der drei Hochhäuser. Reihenhäuser, Stadtvillen und maximal viergeschossige Mehrfamilienhäuser sollen unterschiedliche Einkommensgruppen ansprechen. Die GEBAG verpflichtet sich, 30 Prozent als geförderten Wohnraum zu realisieren – ein Kompromiss zwischen sozialer Verantwortung und wirtschaftlicher Tragfähigkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neue Landesbauordnung NRW von 2024 mit ihren verschärften Anforderungen an Barrierefreiheit und Klimaschutz prägt die Neuplanungen. Photovoltaikanlagen werden verpflichtend, Gründächer sollen das Mikroklima verbessern. Ein Mobilitätskonzept reduziert den Stellplatzschlüssel zugunsten von Fahrradinfrastruktur – undenkbar in den autogerechten 1970er Jahren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lehren für andere Regionen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Duisburger Erfahrung strahlt über das Ruhrgebiet hinaus. In Mannheim, Offenbach und selbst im reichen Stuttgart stehen ähnliche Entscheidungen an. Die Weißen Riesen mahnen zu differenzierter Betrachtung: Nicht jede Großwohnsiedlung ist per se gescheitert, nicht jeder Abriss alternativlos. Entscheidend sind lokale Faktoren wie Arbeitsmarkt, Bevölkerungsentwicklung und kommunale Finanzkraft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Blick in andere Bundesländer zeigt Alternativen: Während Bayern mit millionenschweren Sonderprogrammen Großwohnsiedlungen stabilisiert, setzt Brandenburg auf kleinteilige Rückbaukonzepte. Die unterschiedlichen Länderbauordnungen und Förderpolitiken führen zu divergierenden Entwicklungen – ein föderaler Flickenteppich, der Vergleiche erschwert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall Duisburg demonstriert eindringlich: Architektur ist nie nur gebaute Form, sondern immer auch sozialer Prozess. Die Weißen Riesen scheiterten nicht an statischen Mängeln, sondern an gesellschaftlichen Verwerfungen. Ihr Ende markiert das Eingeständnis, dass manche städtebaulichen Experimente nicht reparabel sind. Gleichzeitig eröffnet der Abriss Chancen für einen Neuanfang – kleinteiliger, durchmischter, nachhaltiger. Ob das gelingt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Die Staubwolke vom Sonntagmorgen ist verweht, die Herausforderung bleibt bestehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Ende einer Illusion: Warum Kölns Flügelauto mehr ist als nur Kunst</title>
		<link>https://baukunst.art/das-ende-einer-illusion-warum-koelns-fluegelauto-mehr-ist-als-nur-kunst/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Sep 2025 09:04:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturpolitik NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst im öffentlichen Raum]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung Köln]]></category>
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					<description><![CDATA[Kölns "Flügelauto" muss vom Zeughaus weichen. Der Künstler scheiterte mit Eilantrag. Ein Konflikt, der grundsätzliche Fragen zu Kunst im öffentlichen Raum und städtischer Identität aufwirft.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Das Flügelauto muss weichen: Köln zwischen Kunstfreiheit und städtebaulicher Neuordnung</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Eilantrag scheitert – die Debatte geht weiter</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das markante &#8222;Flügelauto&#8220; am Kölner Zeughaus steht vor seinem unfreiwilligen Umzug. Was als juristisches Rückzugsgefecht des Künstlers begann, entwickelt sich zu einer grundsätzlichen Diskussion über den Stellenwert von Kunst im öffentlichen Raum der Domstadt. Der gescheiterte Eilantrag wirft ein Schlaglicht auf die komplexe Gemengelage zwischen künstlerischer Freiheit, städtebaulichen Entwicklungsinteressen und der spezifisch rheinischen Planungskultur.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Tradition und Transformation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das historische Zeughaus, einst Waffenarsenal der Stadt Köln, verkörpert wie kaum ein anderes Gebäude den Wandel städtischer Nutzungskonzepte. Die Installation des Flügelautos hatte diesem Ort eine zusätzliche Bedeutungsebene verliehen – eine spielerische Irritation im historischen Stadtgefüge, die für viele Kölnerinnen und Kölner längst zur identitätsstiftenden Landmarke geworden war.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung zur Entfernung folgt einem für nordrhein-westfälische Großstädte typischen Muster: Historische Bausubstanz trifft auf zeitgenössische Nutzungsansprüche, künstlerische Interventionen kollidieren mit verwaltungsrechtlichen Realitäten. Dabei zeigt sich die Kölner Planungskultur in ihrer ganzen Ambivalenz – einerseits stolz auf die lebendige Kunstszene, andererseits gebunden an rechtliche Rahmenbedingungen und politische Kompromisse.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kunst als Verhandlungsmasse</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall des Flügelautos offenbart ein strukturelles Problem der rheinischen Metropole: Während sich Köln gerne als liberale Kunststadt inszeniert, fehlt es an verbindlichen Konzepten für den dauerhaften Erhalt von Kunst im öffentlichen Raum. Anders als etwa in München mit seinem dezidierten Kunstparcours oder Hamburg mit seiner Kunst-im-öffentlichen-Raum-Strategie, agiert Köln hier weitgehend ohne übergeordnetes Konzept.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die lokale Künstlerschaft und Kulturszene reagierte erwartungsgemäß empört auf die Entscheidung. &#8222;Es ist symptomatisch für den Umgang mit zeitgenössischer Kunst in dieser Stadt&#8220;, kritisiert eine Sprecherin der Kölner Künstlervereinigung. Die Stadtplanerin Dr. Maria Hoffmann vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung NRW sieht das differenzierter: &#8222;Köln steht exemplarisch für den Konflikt zwischen gewachsenen Strukturen und notwendiger städtebaulicher Weiterentwicklung.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Rechtliche Grauzonen und lokale Besonderheiten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landesbauordnung Nordrhein-Westfalen bietet durchaus Spielräume für künstlerische Interventionen im Stadtraum. Paragraph 86 ermöglicht explizit &#8222;Anlagen der Außenwerbung und Kunst&#8220;, wobei die Grenzziehung zwischen beiden oft schwerfällt. Das Flügelauto bewegte sich genau in dieser Grauzone – ist es Kunst, Werbung oder schlicht eine nicht genehmigungsfähige bauliche Anlage?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der gescheiterte Eilantrag des Künstlers zeigt die Grenzen individueller Rechtsansprüche auf. Das Verwaltungsgericht Köln folgte der Argumentation der Stadt, wonach keine akute Gefährdung künstlerischer Freiheit vorliege, da alternative Standorte geprüft würden. Diese juristische Einschätzung mag formal korrekt sein, verkennt aber die ortsspezifische Dimension des Kunstwerks.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Förderlandschaft im Wandel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessanterweise fällt die Entscheidung in eine Zeit, in der das Land NRW seine Förderung für Kunst im öffentlichen Raum neu strukturiert. Das aktuelle Förderprogramm &#8222;Dritte Orte&#8220; des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft setzt verstärkt auf temporäre Interventionen statt auf dauerhafte Installationen. Diese Verschiebung spiegelt sich auch in der kommunalen Praxis wider: Flexibilität vor Dauerhaftigkeit lautet die neue Devise.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kölner Kulturförderung, traditionell geprägt von einer starken Vereinslandschaft und dem rheinischen Karneval, tut sich schwer mit der Integration zeitgenössischer Kunstformen in den Stadtraum. Während Düsseldorf mit der Kunstakademie und deren Absolventinnen und Absolventen einen selbstverständlicheren Umgang pflegt, ringt Köln noch um seine Position zwischen Tradition und Avantgarde.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Städtebauliche Neuordnung als Chance?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die geplante Umgestaltung des Zeughausareals folgt den Leitlinien des neuen Stadtentwicklungskonzepts &#8222;Köln 2030+&#8220;. Verdichtung, Nutzungsmischung und die Schaffung &#8222;lebendiger Quartiere&#8220; stehen im Fokus. Ob in diesem Konzept noch Platz für irritierende Kunstinterventionen bleibt, wird sich zeigen. Die Erfahrungen aus anderen NRW-Städten stimmen skeptisch: In Essen verschwanden im Zuge der Kulturhauptstadt 2010 zahlreiche gewachsene Kunstorte zugunsten repräsentativer Neubauten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bürgerschaftliches Engagement formiert sich</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die breite zivilgesellschaftliche Mobilisierung für den Erhalt des Flügelautos. Eine Online-Petition sammelte binnen weniger Tage über 15.000 Unterschriften – für Kölner Verhältnisse ein beachtlicher Wert. Die Initiative &#8222;Kunst bleibt!&#8220; organisiert Mahnwachen und Diskussionsveranstaltungen. Dieser Protest geht über den konkreten Fall hinaus und thematisiert grundsätzliche Fragen städtischer Identität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kölner Architektenkammer hält sich in der Debatte auffällig zurück. Während Kollegen aus Bayern oder Baden-Württemberg sich regelmäßig in Fragen der Baukultur positionieren, vermeidet die nordrhein-westfälische Kammer klare Stellungnahmen. Dies mag der komplexen Mitgliederstruktur geschuldet sein, schwächt aber die Position der Baukultur im öffentlichen Diskurs.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Modellfall für andere Städte?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Kölner Fall könnte Signalwirkung für andere Kommunen in NRW haben. Wenn selbst etablierte Kunstwerke dem Verwertungsdruck weichen müssen, welche Zukunft haben dann experimentelle Kunstprojekte im öffentlichen Raum? Die Antwort wird auch davon abhängen, ob es gelingt, neue Allianzen zwischen Künstlerinnen, Stadtplanern und Bürgerschaft zu schmieden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landesregierung plant eine Novellierung der Bauordnung NRW für 2025. Es wäre eine Chance, verbindlichere Regelungen für Kunst im öffentlichen Raum zu verankern. Ob der politische Wille dazu vorhanden ist, bleibt abzuwarten. Der Fall des Kölner Flügelautos könnte zum Präzedenzfall werden – im positiven wie im negativen Sinne.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schattenökonomie: Wie Bonns neue Ausstellung zum Umdenken in der Lichtplanung anregt</title>
		<link>https://baukunst.art/schattenoekonomie-wie-bonns-neue-ausstellung-zum-umdenken-in-der-lichtplanung-anregt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Aug 2025 16:23:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Lichtkunst]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Schattenästhetik]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Kunstmuseum Bonn macht Schatten zum Star: »From Dawn Till Dusk« zeigt, wie das Ephemere zur Kunst wird – eine Lehrstunde für alle, die mit Licht und Raum arbeiten.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Architektur und Kunst im Dialog das Ephemere feiern</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Kunstmuseum Bonn wagt mit »From Dawn Till Dusk« einen bemerkenswerten Schritt: Die aktuelle Ausstellung macht den Schatten – jenes flüchtige Phänomen, das Architektinnen und Architekten seit jeher beschäftigt – zum Protagonisten einer vielschichtigen Kunstschau. Was auf den ersten Blick als rein künstlerische Auseinandersetzung erscheint, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als tiefgreifende Reflexion über die Grundbedingungen räumlicher Wahrnehmung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bonner Museumsarchitektur als Bühne</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die 1992 nach Plänen von Axel Schultes fertiggestellte Museumsarchitektur bietet für diese Thematik den idealen Rahmen. Die charakteristischen Oberlichter und die durchdachte Lichtführung des Gebäudes werden selbst zum Teil der Inszenierung. Hier zeigt sich eindrucksvoll, wie die rheinische Museumslandschaft – geprägt durch Häuser wie das Museum Ludwig in Köln oder die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf – eigene Wege in der Verbindung von Architektur und Kunstpräsentation geht. Die Kuratorinnen und Kuratoren nutzen geschickt die architektonischen Gegebenheiten: Schultes&#8216; zurückhaltende, aber präzise Raumfolgen verwandeln sich in Laboratorien der Wahrnehmung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Schatten als architektonisches Element</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was Architekturbüros heute mühsam in Renderings simulieren, wird hier zur lebendigen Erfahrung: Der Schatten als gestaltgebendes Element. Die Ausstellung führt vor Augen, was Peter Zumthor in seinen Therme Vals oder Tadao Ando in der Kirche des Lichts längst begriffen haben – dass der Schatten nicht die Abwesenheit von Licht ist, sondern dessen notwendiger Partner. In Zeiten, in denen die nordrhein-westfälische Bauordnung zunehmend Verschattungsstudien für Neubauten fordert, gewinnt diese künstlerische Auseinandersetzung zusätzliche Relevanz.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Bezüge und internationale Perspektiven</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bonner Schau reiht sich ein in eine bemerkenswerte Tradition rheinischer Institutionen, die sich mit Licht und Raum auseinandersetzen. Man denkt unweigerlich an die Lichtinstallationen im Gasometer Oberhausen oder an die subtilen Interventionen im Kolumba Museum von Peter Zumthor in Köln. Doch während diese Orte Licht als mystisches oder spirituelles Element inszenieren, wählt Bonn einen analytischeren, fast wissenschaftlichen Zugang. Die gezeigten „Rätselwerke&#8220; – so die treffende Charakterisierung der Ausstellungsmacher – fordern Besucherinnen und Besucher heraus, gewohnte Sehgewohnheiten zu hinterfragen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Kunst und Baukultur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der „intelligente Humor&#8220;, den die Ausstellung verspricht, manifestiert sich in überraschenden Perspektivwechseln. Hier werden Schattenwürfe zu eigenständigen Kunstwerken, dort entstehen räumliche Illusionen, die an die Trompe-l&#8217;œil-Tradition barocker Deckenmalerei erinnern – ein geschickter Verweis auf die reiche Kunstgeschichte der Region. Diese spielerische Herangehensweise steht in wohltuendem Kontrast zur oft todernsten Diskussion um Belichtung und Besonnung in der zeitgenössischen Architekturpraxis.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit durch Bewusstsein</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Zeiten, in denen Planungsbüros mit komplexen Simulationsprogrammen arbeiten, um optimale Tageslichtausbeute bei minimalem Energieverbrauch zu erreichen, erinnert die Ausstellung an die poetische Dimension dieser Berechnungen. Die Sensibilisierung für Licht und Schatten, die hier künstlerisch vermittelt wird, könnte durchaus zu einem bewussteren Umgang mit natürlichen Ressourcen in der Architektur beitragen. Gerade in Nordrhein-Westfalen, wo die Landesbauordnung verstärkt auf energieeffizientes Bauen setzt, gewinnt diese Perspektive an Bedeutung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Didaktik ohne Zeigefinger</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders gelungen erscheint der didaktische Ansatz der Ausstellung. Ohne den erhobenen Zeigefinger akademischer Belehrung führt sie durch die Komplexität des Themas. Studentinnen und Studenten der nahen Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter oder der Fachhochschule Köln finden hier Anschauungsmaterial, das weit über die üblichen Lehrbuchbeispiele hinausgeht. Die Ausstellung schlägt Brücken zwischen den Disziplinen – ein Ansatz, der in der stark spezialisierten deutschen Hochschullandschaft noch immer zu selten praktiziert wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Anmerkungen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei aller Begeisterung für das kuratorische Konzept bleibt die Frage, ob die Ausstellung nicht eine Chance verpasst hat, expliziter auf die architektonischen Dimensionen des Themas einzugehen. Ein Dialog mit lokalen Architekturbüros oder Lichtplanern hätte zusätzliche Perspektiven eröffnen können. Auch die Einbindung zeitgenössischer Positionen aus der Region – etwa der Düsseldorfer Lichtkünstler oder der Kölner Medienkunstszene – hätte der Schau zusätzliche Aktualität verleihen können.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Ein Muss für Raumgestalter</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">»From Dawn Till Dusk« ist mehr als eine Kunstausstellung – es ist eine Schule des Sehens für alle, die sich professionell mit Raum beschäftigen. Das Kunstmuseum Bonn beweist einmal mehr seine Relevanz als kultureller Leuchtturm in der Bundesstadt und darüber hinaus. Die Ausstellung vermittelt auf subtile Weise, was Juhani Pallasmaa in seinen Schriften zur Phänomenologie der Architektur theoretisch formuliert: dass Architektur nicht nur aus Materie, sondern ebenso aus Licht, Schatten und der Zeit dazwischen besteht.</p>
<hr />
<h3><strong>Laufzeit</strong></h3>
<p><strong>3. Juli bis 2. November 2025</strong></p>
<h3><strong>Öffnungszeiten</strong></h3>
<ul>
<li>Dienstag bis Sonntag: 11–18 Uhr</li>
<li>Mittwoch: 11–19 Uhr (verlängerte Öffnungszeit)</li>
<li>Montags geschlossen</li>
</ul>
<h3><strong>Eintrittspreise</strong></h3>
<ul>
<li>Regulär: 10,00 €</li>
<li>Ermäßigt: 5,00 €</li>
<li>Gruppen ab 10 Personen: 8,00 € pro Person (ermäßigt 4,00 €)</li>
<li><strong>Freier Eintritt</strong>: Kinder und Jugendliche bis einschließlich 18 Jahre</li>
<li><strong>Verbundkarte</strong> (Kunstmuseum Bonn + Bundeskunsthalle): 20,00 € / 10,00 € ermäßigt</li>
</ul>
<h3><strong>Adresse und Anfahrt</strong></h3>
<p><strong>Kunstmuseum Bonn</strong> Helmut-Kohl-Allee 2 53113 Bonn Tel.: +49 (0)228 / 776260</p>
<p><strong>Öffentliche Verkehrsmittel:</strong></p>
<ul>
<li>U-Bahn: Linien 16, 63, 66, 67, 68 – Haltestelle: Heussallee/Museumsmeile</li>
<li>Bus: Linien 610, 611, 634 – Haltestelle: Heussallee/Museumsmeile</li>
<li>Regionalbahn: RE 5, RB 26, 30, 48 – Haltestelle: Bonn UN Campus (wenige Gehminuten)</li>
<li>Vom Hauptbahnhof Bonn: U-Bahn in Richtung Bad Godesberg/Königswinter, 5 Stationen</li>
</ul>
<p><strong>Parken:</strong></p>
<ul>
<li>Parkhaus Museumsmeile: Emil-Nolde-Straße 11 (535 Stellplätze, täglich geöffnet)</li>
<li>Behindertenparkplätze: Direkt vor dem Museum an der Helmut-Kohl-Allee 2-4</li>
</ul>
<h3><strong>Barrierefreiheit</strong></h3>
<ul>
<li>Das Museum ist vollständig barrierefrei zugänglich</li>
<li>Leihrollstühle an der Garderobe verfügbar</li>
<li>Führungen für Blinde/Sehbehinderte und in Leichter Sprache auf Anfrage</li>
<li>Assistenzhunde sind erlaubt</li>
</ul>
<h3><strong>Begleitprogramm</strong></h3>
<ul>
<li>Regelmäßige Führungen</li>
<li>Workshops für verschiedene Altersgruppen</li>
<li>Spezielle Lehrerfortbildungen</li>
<li>Schattentheater-Aufführungen im Rahmen der Ausstellung</li>
</ul>
<h3><strong>Katalog</strong></h3>
<p>Zur Ausstellung ist im Hirmer Verlag ein umfangreicher Katalog erschienen:</p>
<ul>
<li>Titel: &#8222;From Dawn Till Dusk – Der Schatten in der Kunst der Gegenwart&#8220;</li>
<li>Herausgeber: Prof. Dr. Stephan Berg</li>
<li>Sprachen: Deutsch/Englisch</li>
<li>ISBN: 978-3-7774-4544-1</li>
<li>Preis: 50,00 €</li>
</ul>
<h3><strong>Sonderveranstaltungen</strong></h3>
<ul>
<li><strong>Eröffnung</strong>: Mittwoch, 2. Juli 2025, 19:30 Uhr (Eintritt frei)</li>
<li><strong>Finissage</strong>: 2. November 2025 (Eintritt frei)</li>
</ul>
<h3><strong>Wichtige Hinweise</strong></h3>
<ul>
<li>Taschen und Rucksäcke müssen an der kostenlosen Garderobe abgegeben werden</li>
<li>Kleine Handtaschen für persönliche Gegenstände sind erlaubt</li>
<li>Die Kasse schließt 30 Minuten vor Ende der Öffnungszeiten</li>
</ul>
<h3><strong>Kontakt für Führungen und Bildungsprogramm</strong></h3>
<p>Tel.: 0228-776230 E-Mail: bildung.vermittlung@bonn.de</p>
<p>Die Ausstellung wird gefördert durch die Art Mentor Foundation Lucerne, die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>NRW reformiert die kommunale Vergabe: Was Büros jetzt wissen müssen</title>
		<link>https://baukunst.art/nrw-reformiert-die-kommunale-vergabe-was-bueros-jetzt-wissen-muessen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Aug 2025 08:39:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunalreform]]></category>
		<category><![CDATA[NRW-Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Vergaberecht]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13001</guid>

					<description><![CDATA[NRW krempelt die Vergaberegeln um: Ab 2026 bestimmen Kommunen selbst, wie sie Aufträge vergeben. Chance für regionale Büros – wenn sie digital fit sind und die neuen Spielregeln verstehen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Zwischen Subsidiarität und Rechtssicherheit: NRWs gewagter Vergabespagat</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Paradigmenwechsel mit Ansage</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die nordrhein-westfälische Vergabelandschaft steht vor ihrer größten Umwälzung seit Jahren. Mit dem am 9. Juli 2025 verabschiedeten Gesetz zur Modernisierung der kommunalen Auftragsvergabe vollzieht das bevölkerungsreichste Bundesland einen bemerkenswerten Kurswechsel. Ab dem 1. Januar 2026 erhalten die 396 Kommunen zwischen Rhein und Weser deutlich mehr Spielraum bei der Vergabe öffentlicher Aufträge unterhalb der EU-Schwellenwerte. Für Architektinnen und Planer bedeutet dies: Die vertrauten Vergabemuster werden aufgebrochen, neue Chancen entstehen – aber auch neue Herausforderungen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Dezentralisierung als Leitmotiv</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Kern der Reform liegt in der konsequenten Dezentralisierung. Während bislang landesweit einheitliche Vergaberegeln galten, können Städte und Gemeinden künftig eigene Vergabeordnungen erlassen. Köln kann andere Schwerpunkte setzen als Paderborn, Düsseldorf andere Kriterien definieren als Siegen. Diese kommunale Autonomie betrifft Planungsleistungen bis zu einem Auftragswert von 215.000 Euro – also den Großteil der alltäglichen Vergaben im kommunalen Hochbau.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landesregierung reagiert damit auf jahrelange Kritik aus den Rathäusern. Zu starr, zu bürokratisch, zu wenig an lokalen Gegebenheiten orientiert – so lauteten die Vorwürfe gegen das bisherige System. Besonders kleinere Kommunen im ländlichen Raum beklagten, dass die standardisierten Verfahren ihre spezifischen Bedürfnisse ignorierten. Ein Bürgermeister aus dem Sauerland brachte es auf den Punkt: „Wir kennen unsere regionalen Büros, ihre Stärken und Schwächen. Warum sollten wir bei jedem Kindergartenumbau ein europaweites Verfahren durchführen?&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Flexibilität trifft auf Verantwortung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neuen Freiheiten sind allerdings kein Freibrief für Willkür. Das Gesetz definiert klare Mindeststandards: Transparenz, Gleichbehandlung und Wirtschaftlichkeit bleiben oberste Gebote. Jede Kommune muss ihre Vergabekriterien öffentlich dokumentieren und begründen. Ein digitales Landesregister soll ab März 2026 alle kommunalen Vergabeordnungen zentral erfassen – ein wichtiges Instrument für Planungsbüros, die überregional tätig sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessant wird die Ausgestaltung der Qualitätskriterien. Während manche Kommunen weiterhin primär auf den Preis schauen dürften, kündigen progressive Städte wie Münster oder Wuppertal bereits an, verstärkt auf Nachhaltigkeitsaspekte, regionale Wertschöpfung und innovative Planungsansätze zu setzen. Die Stadt Aachen plant sogar, bei kleineren Projekten verstärkt auf Konzeptwettbewerbe zu setzen – eine Chance besonders für junge Büros, sich zu profilieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionalität als Trumpfkarte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein zentraler Aspekt der Reform ist die explizite Stärkung regionaler Strukturen. Kommunen dürfen künftig bei der Vergabe „angemessene regionale Bezüge&#8220; berücksichtigen – eine Formulierung, die bewusst Interpretationsspielraum lässt. Für lokale Architekturbüros eröffnet dies neue Perspektiven. Ortskenntnis, etablierte Netzwerke mit regionalen Handwerksbetrieben und kurze Wege können zu echten Wettbewerbsvorteilen werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Allerdings warnt die Architektenkammer NRW vor überzogenen Erwartungen. Kammerpräsidentin Ernst-Böhm betont: „Regionalität darf kein Deckmantel für Protektionismus werden. Die EU-rechtlichen Grundsätze gelten weiterhin.&#8220; Tatsächlich bewegt sich die Reform in einem schmalen rechtlichen Korridor. Zu offensive Bevorzugung lokaler Anbieter könnte schnell zu Klagen führen – ein Risiko, das viele Kommunen scheuen dürften.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Digitalisierung als Beschleuniger</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist der Digitalisierungsschub, den die Reform mit sich bringt. Alle Kommunen müssen bis 2027 digitale Vergabeplattformen einrichten. Kleinere Gemeinden können sich dabei zu Vergabeverbünden zusammenschließen und gemeinsame Plattformen nutzen. Das Land stellt hierfür 45 Millionen Euro Fördermittel bereit – ein Signal, dass die Digitalisierung ernst gemeint ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Planungsbüros bedeutet dies: Die Zeiten handschriftlicher Angebotsabgaben sind endgültig vorbei. Wer nicht digital aufgestellt ist, wird künftig keine öffentlichen Aufträge mehr akquirieren können. Gleichzeitig vereinfacht die Digitalisierung die Teilnahme an Vergabeverfahren erheblich. Lange Anfahrtswege zur Angebotsabgabe entfallen, die Dokumentation wird transparenter, Rückfragen können schneller geklärt werden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Qualifikation und Nachwuchs im Fokus</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein innovativer Baustein der Reform sind die sogenannten „Nachwuchsquoten&#8220;. Kommunen können festlegen, dass bei bestimmten Projekten ein definierter Anteil der Planungsleistungen durch Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger erbracht werden muss. Düsseldorf will diese Option nutzen, um gezielt junge Talente zu fördern. Etablierte Büros müssen sich darauf einstellen, verstärkt in Arbeitsgemeinschaften mit Newcomern zu agieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Regelung adressiert ein drängendes Problem der Branche: den Fachkräftemangel. Viele Kommunen beklagen, dass bei Ausschreibungen immer dieselben Büros zum Zuge kommen, während qualifizierter Nachwuchs keine Chance erhält, Referenzen aufzubauen. Die Reform könnte hier einen wichtigen Impuls setzen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Herausforderungen für mittelständische Büros</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht alle Aspekte der Reform sind unumstritten. Besonders mittelständische Büros befürchten einen erhöhten Akquisitionsaufwand. Statt sich mit einer landesweiten Vergabeordnung auseinanderzusetzen, müssen sie künftig potentially 396 verschiedene Regelwerke im Blick behalten. Der administrative Aufwand könnte gerade für Büros mit 10 bis 30 Mitarbeitenden zur Belastung werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch die Gefahr einer Zersplitterung der Vergabelandschaft ist real. Wenn jede Kommune eigene Präqualifikationssysteme entwickelt, eigene Nachweispflichten definiert und eigene Bewertungsmatrizen erstellt, droht ein bürokratischer Flickenteppich. Das Land hat zwar Mustervorlagen angekündigt, deren Nutzung bleibt aber freiwillig.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Evolution statt Revolution</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei aller Euphorie über neue Freiheiten – die Reform wird keine Revolution über Nacht auslösen. Die meisten Kommunen werden zunächst vorsichtig agieren, bestehende Vergabepraxis nur behutsam modifizieren. Erst mittelfristig, wenn erste Erfahrungen vorliegen und sich Best-Practice-Modelle herauskristallisieren, dürfte das volle Potenzial der Reform sichtbar werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architekturbüros gilt: Wer die Chancen der Reform nutzen will, muss sich jetzt vorbereiten. Das bedeutet: Digitale Infrastruktur ausbauen, regionale Netzwerke stärken, Kooperationen mit jungen Büros ausloten und vor allem – die lokalen Entwicklungen genau beobachten. Die Vergabelandschaft in NRW wird bunter, vielfältiger, aber auch anspruchsvoller. Eine Entwicklung, die der Baukultur im Land durchaus guttun könnte.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der atmende Raum – Warum ein Algenbaum in Bonn mehr ist als grüne Symbolpolitik</title>
		<link>https://baukunst.art/der-atmende-raum-warum-ein-algenbaum-in-bonn-mehr-ist-als-gruene-symbolpolitik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Jul 2025 13:24:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Biobasierte Baustoffe]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaneutralität]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltige Architektur]]></category>
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					<description><![CDATA[In der Bundeskunsthalle Bonn wächst ein Baum aus Mikroalgen. TreeONE von EcoLogicStudio zeigt, wie Architektur lebendig wird und CO₂ in Biomaterial verwandelt – ein Blick in die Zukunft des Bauens.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein synthetischer Baum als Symbol der ökologischen Transformation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Besucherinnen und Besucher der Bundeskunsthalle Bonn bleiben unweigerlich stehen. Im Foyer des Gustav-Peichl-Baus reckt sich eine monumentale Installation gen Decke – TreeONE, ein synthetischer Baum, der die Grenzen zwischen Natur, Technologie und Kunst aufhebt. Geschaffen vom Londoner Designstudio EcoLogicStudio, markiert diese lebende Skulptur einen Wendepunkt im architektonischen Denken des 21. Jahrhunderts.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Mikroalgen als Baumeister der Zukunft</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">TreeONE ist mehr als eine ästhetische Intervention. Die Installation von Claudia Pasquero und Marco Poletto funktioniert als biologischer Reaktor, der aktiv CO₂ aus der Atmosphäre filtert und in Biomaterial umwandelt. Mikroalgen – jene mikroskopisch kleinen Organismen, die bereits vor 3,5 Milliarden Jahren die Erdatmosphäre mit Sauerstoff anreicherten – werden hier zu Protagonisten einer neuen Baukultur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die technische Raffinesse liegt im Detail: Ein ausgeklügeltes System aus Bioreaktoren, transparenten Röhren und Nährstofflösungen ermöglicht es den Algen, unter kontrollierten Bedingungen zu wachsen. Das entstehende Biomaterial kann später als Grundstoff für biobasierte Baustoffe dienen – ein perfekter Kreislauf, der die Prinzipien der Circular Economy in die Architektur überträgt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bonns Vorreiterrolle in der nachhaltigen Transformation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Präsentation von TreeONE ist kein Zufall. Als UN-Stadt und Sitz von 27 internationalen Organisationen hat sich Bonn der Agenda 2030 verschrieben. Die Bundeskunsthalle selbst verfolgt das ambitionierte Ziel, bis 2035 klimaneutral zu werden. TreeONE fungiert dabei als lebendiges Manifest dieser Transformation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Installation ist eingebettet in die Ausstellung &#8222;WEtransFORM – Zur Zukunft des Bauens&#8220;, die noch bis Januar 2026 zu sehen ist. Als Teil eines internationalen Netzwerkprojekts in Kooperation mit dem New European Bauhaus der EU-Kommission zeigt die Schau 80 wegweisende Projekte aus ganz Europa. Von Anna Heringers Stampflehmbauten über MVRDV&#8217;s Konzepte für den Umgang mit steigenden Meeresspiegeln bis zu Avanto Architects&#8216; innovativen Holzkonstruktionen – die Bandbreite nachhaltiger Architekturansätze ist beeindruckend.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Verankerung, globale Ausstrahlung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">TreeONE verkörpert exemplarisch die Stärken des Bonner Nachhaltigkeitsclusters. Die Region Bonn/Rhein-Sieg hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Hotspot für grüne Architektur entwickelt. Lokale Büros wie greenUP Architektur &amp; Bauberatung oder die Keystone Design Planungsgesellschaft setzen bereits heute Maßstäbe im klimaneutralen Bauen. Das HZI Bonn begleitet zahlreiche Projekte auf dem Weg zur DGNB-Zertifizierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese regionale Expertise trifft in der Bundeskunsthalle auf internationale Innovationen. TreeONE demonstriert, wie biologische Systeme in urbane Strukturen integriert werden können – ein Ansatz, der angesichts der Klimakrise und des dramatischen Biodiversitätsverlusts dringlicher denn je erscheint.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Utopie und Umsetzbarkeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Stimmen mögen einwenden, dass Installationen wie TreeONE eher symbolischen Charakter haben. Tatsächlich liegt die jährliche CO₂-Absorptionskapazität der Installation im Bereich weniger Tonnen – verglichen mit dem CO₂-Fußabdruck des Bausektors ein Tropfen auf den heißen Stein. Doch diese Betrachtung greift zu kurz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">TreeONE funktioniert als Prototyp und Denkanstoß. Die Installation zeigt, dass Architektur nicht länger als statisches, totes Material gedacht werden muss. Gebäude der Zukunft könnten zu lebenden Organismen werden, die aktiv zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen. Bereits heute experimentieren Architekturbüros weltweit mit algenbeschichteten Fassaden, die nicht nur CO₂ binden, sondern auch als natürliche Klimaanlagen fungieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die ästhetische Dimension der Nachhaltigkeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein oft vernachlässigter Aspekt nachhaltiger Architektur ist ihre sinnliche Qualität. TreeONE beweist, dass ökologisches Bauen nicht mit ästhetischem Verzicht einhergehen muss. Die organischen Formen, das Spiel von Licht und Schatten in den mit Algen gefüllten Röhren, die subtile Bewegung der Mikroorganismen – all dies schafft eine fast meditative Atmosphäre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Verschmelzung von Schönheit, Funktionalität und ökologischer Verantwortung entspricht exakt den Prinzipien des New European Bauhaus, das Umweltschutz, Gemeinschaft und Ästhetik als gleichwertige Ziele definiert. TreeONE wird so zum Sinnbild einer neuen Architektursprache, die technische Innovation mit poetischer Kraft verbindet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Impulse für die Bauwirtschaft</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die nordrhein-westfälische Landesbauordnung sieht bereits heute vor, dass öffentliche Gebäude Vorbildcharakter in Sachen Nachhaltigkeit haben sollen. Projekte wie TreeONE könnten diese Vorgaben revolutionieren. Statt Nachhaltigkeit als zusätzliche Bürde zu begreifen, zeigt die Installation Wege auf, wie biologische Prozesse integral in Planungsprozesse einbezogen werden können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die regionale Bauwirtschaft ergeben sich daraus neue Geschäftsfelder. Die Kultivierung von Mikroalgen, die Entwicklung biobasierter Baustoffe, die Integration lebender Systeme in Gebäudehüllen – all dies erfordert interdisziplinäre Kompetenzen und schafft Arbeitsplätze an der Schnittstelle von Biotechnologie, Architektur und Ingenieurwesen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Blick in die Zukunft</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">TreeONE ist mehr als eine temporäre Installation. Das Projekt markiert einen Paradigmenwechsel im Verständnis von Architektur und Stadtentwicklung. In einer Zeit, in der der Bausektor für etwa 40 Prozent der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich ist, weist TreeONE den Weg in eine regenerative Zukunft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundeskunsthalle positioniert sich mit dieser mutigen Präsentation als Diskursplattform für die drängenden Fragen unserer Zeit. Hier wird nicht nur über Nachhaltigkeit gesprochen – sie wird erlebbar gemacht. TreeONE lädt dazu ein, unsere gebaute Umwelt neu zu denken: nicht als Gegensatz zur Natur, sondern als Teil eines größeren, lebendigen Systems.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Bonn und die Region bedeutet dies eine Chance, sich als Innovationsstandort für nachhaltige Architektur zu profilieren. Die Verbindung von internationalem Know-how, lokaler Expertise und politischem Willen schafft ideale Voraussetzungen, um Modellprojekte zu entwickeln, die weit über die Stadtgrenzen hinaus Strahlkraft entfalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">TreeONE steht symbolisch für diese Ambitionen – ein synthetischer Baum, der natürliche Prozesse nutzt, um eine lebenswerte Zukunft zu gestalten. In der Bundeskunsthalle wird so sichtbar, was nachhaltige Architektur im 21. Jahrhundert bedeuten kann: die intelligente Verschränkung von Natur und Technik im Dienste des Gemeinwohls.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<item>
		<title>Demokratisierung oder Vetternwirtschaft? NRWs Vergabe-Revolution spaltet die Fachwelt</title>
		<link>https://baukunst.art/demokratisierung-oder-vetternwirtschaft-nrws-vergabe-revolution-spaltet-die-fachwelt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Jul 2025 12:50:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunale Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[NRW-Reform]]></category>
		<category><![CDATA[Vergaberecht]]></category>
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					<description><![CDATA[Nordrhein-Westfalen revolutioniert die kommunale Auftragsvergabe. Ab 2026 fallen starre Regeln – Qualität und persönliche Kontakte werden zum Schlüssel für Planungsbüros.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">NRW-Vergabereform 2026: Freie Fahrt für kommunale Baukultur</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 9. Juli 2025 läutete der Landtag Nordrhein-Westfalen eine neue Ära der kommunalen Auftragsvergabe ein. Mit der beschlossenen Gesetzesreform, die am 1. Januar 2026 in Kraft tritt, verabschiedet sich das bevölkerungsreichste Bundesland von jahrzehntelangen bürokratischen Fesseln. Für Architektinnen und Planer bedeutet dies nicht weniger als eine Revolution ihrer Akquisemöglichkeiten bei öffentlichen Aufträgen unterhalb der EU-Schwellenwerte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der große Befreiungsschlag</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Abschaffung des § 26 der Kommunalhaushaltsverordnung NRW markiert einen Paradigmenwechsel. Bisher zwangen VOB/A und UVgO auch bei kleineren kommunalen Projekten zu aufwendigen Vergabeprozeduren. Diese bundeseinheitlichen Regelwerke gehören im Unterschwellenbereich nun der Vergangenheit an. Stattdessen tritt der neue § 75a der Gemeindeordnung NRW in Kraft – ein schlanker Paragraf, der Kommunen ermächtigt, eigene Spielregeln zu definieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Reform folgt der lange geforderten Entbürokratisierung des Unterschwellenbereichs. Ziel ist es, den Aufwand für kleinere Aufträge zu reduzieren und den Kommunen mehr Handlungsfreiheit zu geben. Die kompletten vergaberechtlichen Bindungen entfallen – Kommunen können künftig im Unterschwellenbereich direkt Aufträge erteilen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Schweizer Vorbild: Qualität vor Preis</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Reform orientiert sich am helvetischen Modell, wo nicht automatisch das billigste Angebot den Zuschlag erhält. Das wirtschaftlichste Konzept macht das Rennen – ein fundamentaler Unterschied, der gerade für qualitätsorientierte Büros neue Perspektiven eröffnet. Nachhaltigkeit, Lebenszykluskosten, gestalterische Exzellenz: All diese Kriterien dürfen künftig stärker gewichtet werden als der reine Angebotspreis.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Schwellenwerte bleiben unverändert: Bei Bauleistungen liegt die Grenze bei 5.538.000 Euro, bei Planungsleistungen als Dienstleistungen bei 221.000 Euro netto. Darunter herrscht ab 2026 kommunale Gestaltungsfreiheit.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Persönliche Akquise wird zur Schlüsselkompetenz</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die klare Empfehlung aus Fachkreisen lautet: Direkter Kontakt zu kommunalen Entscheidungsträgern wird essenziell. Diese bewährte Vertriebsstrategie erlebt eine Renaissance. Persönliche Vorstellung bei Baudezernentinnen und Amtsleitern, direkte Präsentation der Bürostärken, informelle Gespräche über anstehende Projekte – all das wird nicht nur möglich, sondern notwendig für den Erfolg.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Planungsbüros sollten in den aktiven Vertriebsmodus wechseln und den Auftraggebern ihre Stärken direkt vermitteln. Eine gut vorbereitete Präsentation, der persönliche Besuch vor Ort und die direkte Vorstellung der eigenen Kompetenzen werden zu entscheidenden Erfolgsfaktoren. Gerade kleine und mittlere Büros, die bisher im formalisierten Vergabedschungel oft untergingen, wittern ihre Chance.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Flickenteppich statt Einheitsbrei</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch die neue Freiheit hat ihren Preis: Jede der 396 Kommunen in NRW kann künftig eigene Vergabesatzungen erlassen. Was in Düsseldorf gilt, muss in Dortmund noch lange nicht Standard sein. Dieser regulatorische Flickenteppich erfordert von Planungsbüros erhöhte Aufmerksamkeit und Flexibilität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Verunsicherung auf kommunaler Seite ist spürbar. Jahrzehntelang gewohnt, nach starren Regeln zu vergeben, müssen Verwaltungen nun eigene Wege finden. Die Sorge vor Kontrollverlust, wenn Fachbereiche ohne zentrale Vergabestelle agieren, ist berechtigt. Gleichzeitig wächst das Risiko von Intransparenz und – im schlimmsten Fall – Korruption.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Compliance wird zur Chefsache</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Experten warnen eindringlich: Wenn persönliche Nähe wieder zum entscheidenden Faktor wird, entsteht das Risiko von Intransparenz und unlauteren Absprachen. Die Lösung liegt in robusten internen Compliance-Strukturen. Kommunen werden Mechanismen entwickeln müssen, die faire Vergaben sicherstellen: Rotation bei Beauftragungen, transparente Eignungsdokumentation, nachvollziehbare Entscheidungsprozesse.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es ist zu erwarten, dass Kommunen interne Vorgaben im Sinne von Compliance und Prävention erlassen werden – etwa die Regel, nicht immer denselben Planer zu beauftragen, Inhalte zu variieren und die Eignung sorgfältig zu dokumentieren. Auch ohne formales Vergaberecht bestehen gewisse Vorgaben, insbesondere zur wirtschaftlichen und wettbewerblichen Fairness.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">NRW als Magnet für Planungsbüros</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Reform positioniert Nordrhein-Westfalen als Vorreiter der Vergabemodernisierung. Fachleute prognostizieren eine Verlagerung von Vergabevolumina ins bevölkerungsreichste Bundesland. Gezielte Förderprogramme, erhebliche Sondervermögen für Infrastruktur und die schiere Anzahl der Kommunen machen NRW zum Hotspot öffentlicher Bauinvestitionen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei müssen interessierte Büros keineswegs eine Niederlassung zwischen Rhein und Ruhr gründen. Überregionale Partnerschaften bleiben ausdrücklich möglich. Sollten einzelne Kommunen lokale Präsenz fordern, genügt die Kooperation mit einem ortsansässigen Partner.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Stimmen aus den Kammern</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenkammer NRW und die Ingenieurkammer-Bau NRW begrüßen grundsätzlich den Bürokratieabbau. Ihre Sorge gilt jedoch dem möglichen Preisdumping bei Planungsleistungen. Der Grundsatz „Wer billig plant, baut teuer&#8220; droht in der neuen Vergabefreiheit unterzugehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Befürchtung ist nicht unbegründet. Gerade finanzschwache Kommunen könnten versucht sein, bei knappen Budgets doch wieder primär auf den Preis zu schauen. Hier sind die Berufsverbände gefordert, Aufklärungsarbeit zu leisten und die Bedeutung qualitätvoller Planung für nachhaltige Baukultur zu betonen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Chancen für mutige Büros</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die NRW-Vergabereform öffnet ein Fenster für innovative Planungsansätze. Wer bisher an starren Ausschreibungskriterien scheiterte, erhält eine zweite Chance. Experimentelle Nachhaltigkeitskonzepte, unkonventionelle Partizipationsmodelle oder radikal nutzerorientierte Entwürfe finden möglicherweise eher Gehör, wenn sie direkt präsentiert werden können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig wächst die Verantwortung der Planenden. Ohne formalisierte Verfahren als Schutzschild müssen Büros ihre Professionalität durch eigene Standards unter Beweis stellen. Transparente Honorarkalkulationen, nachvollziehbare Planungsprozesse und belastbare Qualitätssicherung werden zu Wettbewerbsvorteilen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Evolution statt Revolution</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Reform ist kein Freibrief für Wildwest-Methoden im Vergabewesen. Vielmehr markiert sie den Beginn einer Evolution hin zu partnerschaftlicheren, flexibleren Formen der Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Planenden. Der Erfolg wird davon abhängen, ob beide Seiten die neue Freiheit verantwortungsvoll nutzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Planer gilt: Die Zeit des passiven Wartens auf Ausschreibungen endet. Aktive Marktbearbeitung, regionale Vernetzung und überzeugende Qualitätsargumentation werden zu Schlüsselkompetenzen. Wer diese Herausforderung annimmt, dem eröffnen sich in Nordrhein-Westfalen ab 2026 völlig neue Perspektiven.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schöner Wohnen im Industrieerbe – Wie NRW seine Vergangenheit neu erfindet</title>
		<link>https://baukunst.art/schoener-wohnen-im-industrieerbe-wie-nrw-seine-vergangenheit-neu-erfindet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Jun 2025 13:01:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[regionale Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Strukturwandel NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Tag der Architektur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12714</guid>

					<description><![CDATA[NRWs Tag der Architektur zeigt am 28./29. Juni 2025 unter dem Motto „Vielfalt bauen" 155 Projekte, die regionale Baukultur zwischen Industrieerbe und nachhaltiger Zukunft verkörpern.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Vielfalt zwischen Tradition und Transformation</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Tag der Architektur 2025 in NRW zeigt die Bandbreite regionaler Baukultur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 28. und 29. Juni 2025 öffnen in Nordrhein-Westfalen 155 Architekturen ihre Türen unter dem bundesweiten Motto „Vielfalt bauen&#8220;. Was auf den ersten Blick nach einer weiteren Architekturveranstaltung klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als facettenreiche Bestandsaufnahme der spezifischen Herausforderungen und Lösungsansätze eines Bundeslandes, das wie kein anderes die Spannungen zwischen industrieller Vergangenheit und nachhaltiger Zukunft verkörpert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die regionale Ausprägung des Tags der Architektur in NRW spiegelt die einzigartige Siedlungsstruktur wider: Von der Metropolregion Rhein-Ruhr, einem der 30 größten Ballungsräume der Welt, bis zu den Schlosslandschaften des Münsterlandes oder den Fachwerkstrukturen Ostwestfalens. Diese polyzentrische Struktur prägt nicht nur die Bauaufgaben, sondern auch die unterschiedlichen Planungskulturen innerhalb des Landes.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Bautraditionen im Dialog mit der Gegenwart</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die territoriale und konfessionelle Zersplitterung Nordrhein-Westfalens führte historisch zu einer Vielzahl unterschiedlicher Kulturräume mit entsprechend verschiedenen Siedlungs- und Bauformen. Diese Heterogenität erweist sich heute als Stärke: Während im Rheinland klassische Ziegelbauweise und städtische Verdichtung dominieren, zeigt das Münsterland eher ländlich geprägte Ansätze mit starkem Bezug zur Landschaftsarchitektur. Ostwestfalen-Lippe wiederum punktet mit innovativen Holzbaukonzepten, die an regionale Handwerkstraditionen anknüpfen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenkammer NRW nutzt diese Vielfalt geschickt als Vermittlungsinstrument. Mit dem jährlichen Tag der Architektur vermitteln Architektinnen und Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten sowie Stadtplanerinnen und Stadtplaner in ganz NRW einen Eindruck von der Architektur-Vielfalt, die NRW in all seinen Regionen zu bieten hat. Dabei geht es nicht um oberflächliche Regionalromantik, sondern um die Übertragbarkeit gelungener Ansätze zwischen den Teilräumen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Strukturwandel als Planungsaufgabe</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders deutlich wird die regionale Spezifik beim Umgang mit dem industriellen Erbe. Kaum eine andere Region Europas bietet so viele herausragende Industriebauwerke wie Nordrhein-Westfalen. Die Transformation dieser Strukturen – von der Zeche Zollverein bis zu ehemaligen Produktionsstandorten – erfordert maßgeschneiderte Lösungen, die beim Tag der Architektur exemplarisch gezeigt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wie beispielsweise neuer Wohnraum in ehemaligen Gewerbebauten realisiert werden kann, zeigt die gelungene „Metamorphose alter Fabrikgebäude in attraktiven Wohnraum&#8220; in Langenfeld oder die „Umnutzung einer Scheune zu Wohnungen und Ladenlokal&#8220; in Erkelenz. Diese Projekte dokumentieren nicht nur architektonische Qualität, sondern auch regionale Expertise im Umgang mit der gebauten Vergangenheit.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Klimaschutz mit regionaler Ausprägung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das grundlegende Thema „Klimaschutz&#8220; ist zum zentralen Fokus beim Planen und Bauen geworden, wie die zahlreichen Projekte zur Um- und Weiternutzung des Gebäudebestandes sowie zur energetischen Sanierung zeigen. Dabei entwickeln sich durchaus regionale Schwerpunkte: Während im dicht besiedelten Ruhrgebiet Nachverdichtungsstrategien und urbane Klimaanpassung im Vordergrund stehen, beschäftigen sich ländlichere Gebiete verstärkt mit dezentralen Energiekonzepten und ressourcenschonenden Bauweisen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bandbreite reicht von experimentellen Ansätzen wie den „:modellhäuser :metabolon&#8220; in Lindlar, die ressourcenintelligente und flächensparende Bauweisen erproben, bis zum „Living Lab NRW&#8220; in Wuppertal, mit dem klimaneutrales und nachhaltiges Bauen in der Stadt erforscht wird. Diese Pilotprojekte zeigen, wie sich übergeordnete Nachhaltigkeitsziele regional spezifisch umsetzen lassen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Baukulturvermittlung als regionale Aufgabe</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rund 13.000 Interessierte wollten am zurückliegenden Wochenende in Nordrhein-Westfalen wieder Architektur live vor Ort erleben. Diese beeindruckende Resonanz verdeutlicht das spezifische Interesse an regionaler Baukultur. Das jährliche Architekturfestival zeichnet aus, dass Besucherinnen und Besucher dabei ein Wochenende lang „hinter die Kulissen&#8220; der Objektplanung und -realisierung blicken und im Gespräch mit Architektur-schaffenden sowie Hausbesitzerinnen und Nutzerinnen viel erfahren können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die regionale Vernetzung funktioniert dabei auf mehreren Ebenen: Neben der landesweiten Koordination durch die Architektenkammer NRW entwickeln sich spezifische Kooperationen zwischen Teilräumen. So entstehen Synergien zwischen den unterschiedlichen Planungskulturen, ohne dass regionale Eigenarten nivelliert werden.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Herausforderungen der polyzentrischen Struktur</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die polyzentrische Struktur Nordrhein-Westfalens bringt jedoch auch spezifische Planungsherausforderungen mit sich. Interkommunale Abstimmung zwischen 396 Gemeinden erfordert andere Koordinationsmechanismen als in flächenmäßig kleineren Bundesländern. Interkommunale Zusammenarbeit als Erfolgsrezept: Die Landesregierung setzt die seit der Jahrtausendwende bereits in acht Landesteilen umgesetzte Strukturförderung REGIONALE in den Jahren 2022 und 2025 fort.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Tag der Architektur fungiert hier als wichtiges Kommunikationsinstrument zwischen den Planungsebenen. Gelungene Projekte aus einer Region können andere Teilräume inspirieren, ohne dass eine Top-down-Vereinheitlichung stattfindet. Diese horizontale Vernetzung erweist sich als besonders wertvoll bei der Bewältigung ähnlicher Herausforderungen in verschiedenen Landesteilen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Baukultur als Standortfaktor</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Durch die Präsentation unterschiedlichster Projekte wird nicht nur deren gestalterische Qualität verdeutlicht, sondern auch die Aspekte der Nachhaltigkeit, der Ressourcenschonung und der Kreislaufwirtschaft. Diese thematische Breite spiegelt die Erkenntnis wider, dass Baukultur längst zu einem weichen Standortfaktor geworden ist – gerade in einem Bundesland, das sich vom Industrie- zum Technologie- und Dienstleistungsstandort wandelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die regionale Ausprägung des Tags der Architektur in NRW zeigt exemplarisch, wie sich bundesweite Themen territorial spezifisch übersetzen lassen. Von der Nachnutzung industrieller Brachen im Ruhrgebiet über klimaangepasste Quartiersentwicklung im Rheinland bis zu nachhaltigen Dorfkernsanierungen in ländlichen Gebieten – die Bandbreite der gezeigten Lösungsansätze dokumentiert die planungskulturelle Kompetenz eines Bundeslandes, das Transformation als Gestaltungsaufgabe begreift. <a href="https://www.aknw.de/baukultur/projekte/tag-der-architektur" target="_blank" rel="noopener">mehr&#8230;</a></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Aachens riskante Wette: 121 Millionen für ein leeres Kaufhaus</title>
		<link>https://baukunst.art/aachens-riskante-wette-121-millionen-fuer-ein-leeres-kaufhaus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Jun 2025 07:16:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunalfinanzen]]></category>
		<category><![CDATA[Nachnutzung]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[Aachen wagt den 121-Millionen-Euro-Sprung: Das leerstehende Horten-Kaufhaus wird zum „Haus der Neugier" – kommunale Vision oder teurer Irrweg?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Vom Horten-Denkmal zum Bildungspalast</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn die Nachnutzung einer Immobilie zur kommunalen Herkulesaufgabe wird</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das „Haus der Neugier&#8220; am Aachener Komphausbadstraße wird zur teuersten Wette der Stadtgeschichte: 21,5 Millionen Euro Kaufpreis plus 100 Millionen Euro Umbaukosten für ein leeres Kaufhaus aus den 1970ern.</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ehemalige Horten-Kaufhaus in Aachen steht stellvertretend für ein Phänomen, das Kommunen bundesweit vor immense Herausforderungen stellt: Wie geht man mit den architektonischen Relikten des Konsumzeitalters um, wenn der Einzelhandel längst abgewandert ist? Die Antwort der Aachener Stadtverwaltung lautet: mit maximalem finanziellen Einsatz und noch größerem politischen Mut.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Denkmal des Wirtschaftswunders wird zum Problemfall</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die charakteristischen Hortenkacheln an der Komphausbadstraße erzählen eine typische deutsche Nachkriegsgeschichte. 1998 aufwendig renoviert, beherbergte das Gebäude nach dem Ende der Horten-Ära das Warenhaus „Lust for Life&#8220; – ein durchaus programmatischer Name für einen Ort, der mittlerweile seit Jahren leersteht. Seit 2017 gähnt hier ein architektonisches Vakuum im Herzen der ostrheinischen Universitätsstadt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die systematische Verwahrlosung solcher Handelsbauten ist kein Einzelfall, sondern Symptom eines strukturellen Wandels. Während die einen von „Bausünden&#8220; sprechen, sehen andere durchaus Potenzial in den robusten Bauvolumen der 1970er Jahre. Die großzügigen Grundflächen und die flexible Raumaufteilung können durchaus als Vorteil für alternative Nutzungskonzepte verstanden werden – vorausgesetzt, man ist bereit, entsprechend zu investieren.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Besonderheiten in Nordrhein-Westfalen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausgangslage in Aachen ist exemplarisch für viele Kommunen in Nordrhein-Westfalen, wo ähnliche Immobilien-Leerstände die Innenstädte prägen. Die Landesbauordnung NRW bietet zwar theoretisch Flexibilität bei Nutzungsänderungen, doch die praktische Umsetzung gestaltet sich oft kompliziert. Besonders bei denkmalgeschützten oder stadtbildprägenden Gebäuden wie dem Horten-Bau entstehen Zielkonflikte zwischen Erhaltung und zeitgemäßer Anpassung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„Das Gebäude ist nach erster Einschätzung von den vorhandenen Flächen her geeignet, um Volkshochschule und Bibliothek unter einem Dach zusammenzuführen&#8220;, analysiert die städtische Verwaltung nüchtern. Diese pragmatische Herangehensweise zeigt, wie Kommunen zunehmend dazu übergehen, leerstehende Handelsimmobilien für öffentliche Zwecke zu aktivieren – ein Trend, der sich in ganz NRW beobachten lässt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Millionenpoker um die Aachener Stadtentwicklung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus finanzieller Sicht gerät das Projekt zu einem regelrechten Vabanquespiel. 21,5 Millionen Euro soll die Stadt an die Landmarken AG zahlen – vier Millionen Euro über dem ursprünglich ermittelten Maximalpreis. Hinzu kommen Umbaukosten von geschätzten 100 Millionen Euro und jährliche Folgekosten von 7,7 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der gesamte Kulturhaushalt vieler Großstädte bewegt sich in ähnlichen Dimensionen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die politische Debatte offenbart die Spannungen zwischen Zukunftsvision und Haushaltsdisziplin. Während Bürgermeisterin Sibylle Keupen das Projekt als „den ganz großen Wurf&#8220; bezeichnet, warnen kritische Stimmen vor einem „Wolkenkuckucksheim&#8220;. Die grün-rote Ratsmehrheit setzt bewusst auf eine risikoreiche Strategie: Der Verkauf des Bushof-Gebäudes und des bisherigen Bibliotheksstandorts soll die Finanzierung stabilisieren.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Bildungsauftrag und Immobilienspekulation</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das geplante „Haus der Neugier&#8220; soll mehr werden als nur die Zusammenlegung von Volkshochschule und Stadtbibliothek. Als „Dritter Ort&#8220; konzipiert, verkörpert es einen Ansatz, der in der modernen Stadtentwicklung zunehmend an Bedeutung gewinnt: öffentliche Räume, die weder Arbeitsplatz noch Zuhause sind, sondern Orte der ungezwungenen Begegnung und des lebenslangen Lernens.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritiker monieren jedoch, dass die Stadt sich dabei in eine gefährliche Abhängigkeit begibt. Die Landmarken AG sitzt am längeren Hebel, da Aachen kaum Alternativen für die Unterbringung seiner Bildungseinrichtungen hat. Der Bushof, als zweite Option diskutiert, weist erheblichen Sanierungsbedarf auf. Ein Neubau würde noch mehr kosten und Jahre länger dauern.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Vorbilder und Warnsignale</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Andere Städte in NRW haben ähnliche Projekte bereits umgesetzt – mit gemischten Erfahrungen. In Hamm wurde das dortige Horten-Gebäude bereits 2007 abgerissen und durch das Heinrich-von-Kleist-Forum ersetzt, allerdings zu deutlich geringeren Kosten. In Braunschweig wird noch immer über die Zukunft des dortigen Horten-Baus diskutiert, während in Bremen die städtische Entwicklungsgesellschaft Brestadt das dortige Galeria-Kaufhof-Gebäude erworben hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Vergleiche zeigen: Es gibt keinen Königsweg für die Nachnutzung solcher Immobilien. Jede Kommune muss ihre eigene Balance zwischen finanzieller Vorsicht und städtebaulicher Vision finden. Dabei spielen regionale Besonderheiten wie Bevölkerungsentwicklung, Wirtschaftskraft und politische Mehrheitsverhältnisse eine entscheidende Rolle.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Risiko und Chance für die Innenstadtentwicklung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Aachener Experiment wird weit über die Stadtgrenzen hinaus beobachtet. Gelingt es, das verwaiste Konsumtempel in einen lebendigen Bildungsort zu verwandeln, könnte dies Modellcharakter für andere Kommunen entwickeln. Scheitert das Projekt jedoch, dürfte es als Warnung vor überambitionierten Immobilienprojekten in die Stadtentwicklungsgeschichte eingehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die demografischen Trends sprechen durchaus für das Konzept: Eine alternde Gesellschaft braucht mehr Orte des lebenslangen Lernens. Gleichzeitig steigt in Hochschulstädten wie Aachen die Nachfrage nach öffentlichen Arbeits- und Begegnungsräumen. Das „Haus der Neugier&#8220; könnte diese Bedürfnisse bedienen – wenn die Finanzierung stimmt und das Nutzungskonzept aufgeht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Entscheidend wird sein, ob es gelingt, das Gebäude nicht nur zu renovieren, sondern zu beleben. Die derzeitige Zwischennutzung unter dem Titel „Lust auf Life&#8220; zeigt bereits, dass durchaus Interesse an dem Standort besteht. Ob daraus eine dauerhafte Erfolgsgeschichte wird, entscheidet sich in den kommenden Jahren.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Kommunaler Mut oder kostspieliger Irrweg?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entwicklung des Aachener Horten-Gebäudes zeigt exemplarisch, wie schwierig sich die Transformation alter Handelsimmobilien gestaltet. Während private Investoren längst das Weite gesucht haben, sehen sich Kommunen in der Pflicht, städtebauliche Problemfälle zu lösen – oft um jeden Preis.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das „Haus der Neugier&#8220; wird zum Testfall für eine neue Generation kommunaler Großprojekte, die mehr sein wollen als reine Problemlösung. Es soll Impulsgeber für die gesamte Innenstadtentwicklung werden und dabei gesellschaftlichen Mehrwert schaffen. Ob dies gelingt, wird nicht nur die Aachener Stadtentwicklung prägen, sondern auch anderen Kommunen in ähnlichen Situationen als Blaupause oder Warnung dienen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Pianos Weltstadthaus: Wie Köln einen gescheiterten Konsumtempel retten will</title>
		<link>https://baukunst.art/pianos-weltstadthaus-wie-koeln-einen-gescheiterten-konsumtempel-retten-will/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 25 May 2025 13:51:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Innenstadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Köln]]></category>
		<category><![CDATA[Renzo Piano]]></category>
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					<description><![CDATA[Renzo Pianos Weltstadthaus bekommt 20 Jahre nach der Eröffnung eine zweite Chance: Multi-Use statt Mono-Handel - ein Modell für deutsche Innenstädte?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Kölner Weltstadthaus: Renaissance eines Walfischs</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"></h2>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Walfisch lernt schwimmen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zwanzig Jahre nach seiner umstrittenen Geburt erhält Kölns gläserner Walfisch eine zweite Chance. Das Weltstadthaus von Renzo Piano, jenes organisch geschwungene Gebilde aus Glas und sibirischer Lärche, das seit 2005 die Schildergasse prägt, steht vor seiner größten Transformation. Was einst als reines Kaufhaus konzipiert wurde, soll nun zum Multi-Use-Komplex werden – ein Paradigmenwechsel, der weit über die Rheinmetropole hinaus Beachtung verdient.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der italienische Stararchitekt, mittlerweile 85 Jahre alt, übernimmt erneut das Ruder. Sein Renzo Piano Building Workshop plant eine behutsame Erweiterung entlang der Antonsgasse, die das ursprüngliche Konzept nicht verrät, sondern weiterentwickelt. Ein architektonisches Déjà-vu mit Mehrwert, könnte man spöttisch anmerken – doch die Umstände haben sich grundlegend gewandelt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nordrhein-Westfalens Planungskultur im Wandel</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt spiegelt exemplarisch die veränderte Planungskultur in Nordrhein-Westfalen wider. Während die Bauordnung des bevölkerungsreichsten Bundeslandes traditionell eher restriktiv agiert, zeigt sich bei innenstadtrelevanten Projekten zunehmend Flexibilität. Der Kölner Stadtentwicklungsausschuss leitete bereits im Februar das Bebauungsplanverfahren ein – ein Tempo, das in anderen Bundesländern undenkbar wäre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Mit dem beschleunigten Verfahren nach § 13a BauGB setzen wir bewusst auf Pragmatismus&#8220;, erklärt ein Vertreter der Stadtplanung. Diese Haltung entspricht dem rheinischen Motto: &#8222;Et hätt noch immer joot jejange&#8220; – es ist noch immer gut gegangen. Doch diesmal geht es um mehr als rheinische Gelassenheit.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Transformation als Überlebensstrategie</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ursprüngliche Weltstadthaus verkörperte den Höhepunkt einer Ära, in der Peek &amp; Cloppenburg mit Stararchitekten wie Piano, Richard Meier und Josef Paul Kleihues monumentale Handelstempel errichtete. 14.400 Quadratmeter Verkaufsfläche, verpackt in 6.800 Glasscheiben und 66 Holzleimbinder – ein technisches Meisterwerk, das 2006 mit dem MIPIM-Award ausgezeichnet wurde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heute wirkt diese Konzeption wie ein Fossil aus der Zeit vor dem digitalen Handelswandel. Die Corona-Pandemie, explodierende Energiekosten und veränderte Konsumgewohnheiten haben dem stationären Modehandel zugesetzt. Was einst als &#8222;Architektur auf höchstem internationalem Niveau&#8220; galt, droht zum kostspieligen Denkmal einer vergangenen Epoche zu werden.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Multi-Use als Rettungsanker</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Projektentwickler Midstad verspricht Abhilfe durch radikale Nutzungsdiversifizierung. Büroflächen, Hotel, Gastronomie und Veranstaltungsräume sollen das Gebäude zu einem &#8222;vielseitigen und lebendigen Zentrum&#8220; transformieren. Besonders verlockend: die geplante Öffnung des bisher unzugänglichen Kuppelsaals und eine neue Dachterrasse mit Gastronomie.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dr. Kevin Meyer, Geschäfsführer von Midstad, betont den nachhaltigen Anspruch: &#8222;Das Projekt kombiniert innovative Architektur mit nachhaltiger Stadtentwicklung.&#8220; Eine Modernisierung der Haustechnik soll Energieverbrauch und CO₂-Emissionen senken – ein überfälliger Schritt bei einem Gebäude, dessen Glasfassade thermisch alles andere als optimal ist.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektonische Diplomatie</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Pianos Entwurf für die dreigeschossige Erweiterung entlang der Antonsgasse zeugt von architektonischer Diplomatie. Die Höhenbeschränkung unter 40 Meter respektiert die Sichtbeziehungen zum Dom, jenen steinernen Konkurrenten, der seit Jahrhunderten die Kölner Skyline dominiert. Hier zeigt sich die besondere Sensibilität rheinischer Planungskultur für historische Kontexte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Nachbarschaft zur romanischen Antoniterkirche war schon beim ursprünglichen Entwurf eine heikle Angelegenheit. Dass Piano nun erneut diese städtebauliche Quadratur des Kreises versucht, zeugt von Respekt vor dem genius loci – oder von der Erkenntnis, dass radikale Gesten in Köln selten dauerhaft überleben.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Signalwirkung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Weltstadthaus-Projekt könnte Modellcharakter für andere nordrhein-westfälische Städte entwickeln. Düsseldorf, Essen oder Dortmund kämpfen mit ähnlichen Herausforderungen: übergroße Einzelhandelsimmobilien, die ihre ursprüngliche Bestimmung überlebt haben. Die flexible Umnutzung bestehender Strukturen entspricht sowohl klimapolitischen Zielen als auch den knappen Kommunalhaushalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob Pianos zweiter Anlauf gelingt, hängt von mehr ab als nur architektonischer Brillanz. Die Akzeptanz der Kölner Bevölkerung, die schon den ursprünglichen &#8222;Walfisch&#8220; skeptisch beäugte, muss erst gewonnen werden. Die Öffentlichkeitsbeteiligung bis Mai 2025 wird zeigen, ob die Rheinländer dem transformierten Meeressäuger eine zweite Chance geben.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zukunftsfähige Architektur oder teure Kosmetik?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Stimmen fragen zu Recht, ob die geplante Transformation mehr ist als teure Kosmetik an einem grundsätzlich problematischen Konzept. Ein Gebäude, das ursprünglich für 15.000 Menschen täglich konzipiert wurde, lässt sich nicht beliebig umprogrammieren. Die thermischen Eigenschaften der Glasfassade bleiben problematisch, unabhängig davon, ob dahinter Mode verkauft oder Meetings abgehalten werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dennoch verdient der Mut zur radikalen Umnutzung Respekt. In Zeiten knapper Ressourcen und klimapolitischer Dringlichkeit ist die Weiterentwicklung bestehender Bausubstanz der richtige Weg. Das Weltstadthaus könnte zum Testfall werden für eine neue Generation adaptiver Architektur – Gebäude, die sich wandelnden Nutzungsanforderungen flexibel anpassen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lehrstück rheinischer Pragmatik</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Ende bleibt das Weltstadthaus ein Lehrstück rheinischer Pragmatik: Wenn etwas nicht funktioniert, wird es eben anders gemacht. Diese unaufgeregte Haltung könnte anderen Regionen als Vorbild dienen. Statt in nostalgischer Verklärung der Vergangenheit nachzutrauern oder in visionärer Überheblichkeit Tabula rasa zu machen, wählt Köln den Mittelweg der behutsamen Evolution.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob aus dem gestrandeten Walfisch ein schwimmfähiger Organismus wird, entscheidet sich in den kommenden Jahren. Renzo Piano jedenfalls scheint gewillt, seinem Kölner Kind eine zweite Chance zu geben. Für die deutsche Innenstadtentwicklung könnte das Weltstadthaus zum wichtigen Präzedenzfall werden – oder zur teuren Lektion in den Grenzen architektonischer Transformation.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das grüne Wunder von Düsseldorf</title>
		<link>https://baukunst.art/das-gruene-wunder-von-duesseldorf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 25 May 2025 13:42:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Fassadenbegrünung]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaanpassung]]></category>
		<category><![CDATA[Nordrhein-Westfalen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12478</guid>

					<description><![CDATA[Vier Jahre nach Fertigstellung zeigt sich: Der Kö-Bogen II beweist, wie NRW-Architektur Klimawandel und Urbanität versöhnt.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Nordrhein-Westfalens grünes Architekturexperiment</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Von der Autostadt zur grünen Metropole</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Düsseldorfer Innenstadt erzählt eine Geschichte des Wandels, die exemplarisch für Nordrhein-Westfalens Umgang mit dem architektonischen Erbe der Nachkriegszeit steht. Wo bis 2013 der &#8222;Tausendfüßler&#8220; das Stadtbild dominierte – jene typische Betonhochstraße der autogerechten Stadtplanung –, wächst heute Europas größte Grünfassade in den Himmel. Der Kö-Bogen II von Ingenhoven Architects markiert einen Paradigmenwechsel, der weit über Düsseldorf hinausstrahlt und zeigt, wie das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschland mit den Herausforderungen des Klimawandels umgeht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Christoph Ingenhoven, seit Jahrzehnten mit der Neukonzeption des Düsseldorfer Zentrums befasst, verfolgte bereits 1992 die Vision einer großangelegten Stadtreparatur. Was zunächst als lokales Projekt begann, entwickelte sich zu einem Modellfall für klimaresiliente Architektur in nordrhein-westfälischen Ballungsräumen. Das 600 Millionen Euro teure Ensemble vereint 24.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche, 5.500 Quadratmeter Büros und 450 Tiefgaragenstellplätze mit einer revolutionären Fassadenbegrünung aus über 30.000 Hainbuchen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Klimaherausforderungen im Rheinland</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wahl der Hainbuche als Fassadenbegrünung folgt einer spezifisch regionalen Logik. Professor Karl-Heinz Strauch von der Beuth Hochschule Berlin ermittelte in wissenschaftlichen Testreihen die optimale Pflanzenart für das rheinische Klima. Die heimische Hainbuche erweist sich als besonders resilient gegenüber urbanen Belastungen und benötigt im Winter – anders als immergrüne Arten – kein aktives Bewässerungssystem.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Entscheidung gewinnt angesichts der regionalen Klimadaten zusätzliche Relevanz: Düsseldorfs Jahresmitteltemperatur stieg von 1949 bis 2024 um 1,7 Grad. Die Stadt verzeichnet inzwischen 22 zusätzliche Sommertage und über 380 Sonnenstunden mehr pro Jahr. Bis zum Jahrhundertende könnten die Temperaturen den heutigen Werten von Toulouse entsprechen – Düsseldorfs sogenanntem Klimazwilling.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das nordrhein-westfälische Klimaanpassungskonzept KAKDUS identifizierte bereits 2017 die Notwendigkeit innerstädtischer Kühlung. Dicht bebaute Ballungsräume wie das Rhein-Ruhr-Gebiet heizen sich durch versiegelte Oberflächen, wärmespeichernde Baumaterialien und mangelnde Luftzirkulation besonders stark auf. Der Kö-Bogen II liefert hierauf eine architektonische Antwort: Die acht Kilometer Hainbuchenhecken wirken als natürlicher Kältespeicher und verhindern, dass sich die Fassade bei Sonneneinstrahlung auf bis zu 70 Grad erhitzt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nordrhein-westfälische Planungskultur im Wandel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt verdeutlicht die Transformation der nordrhein-westfälischen Planungskultur seit den 1960er Jahren. Wo einst das Dreischeibenhaus (HPP, 1960) und das Schauspielhaus (Bernhard Pfau, 1969) als Ikonen der Nachkriegsmoderne entstanden, schafft Ingenhovens Ensemble einen bewussten Dialog zwischen verschiedenen Architekturepochen. Die abgeschrägten Grünfassaden lassen das Gebäude zwischen Stadt und Park changieren – eine Gestaltungsphilosophie, die der &#8222;Land Art&#8220; entlehnt ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Cornelia Zuschke, Beigeordnete für Planen, Bauen, Mobilität und Grundstückswesen der Stadt Düsseldorf, betont die städtebauliche Dimension: &#8222;Das Projekt verbindet den Hofgarten mit der Königsallee und schafft eine grüne Achse durch die Innenstadt.&#8220; Diese Vernetzungsstrategie entspricht aktuellen Planungsansätzen in NRW-Metropolen, die verstärkt auf grüne Infrastrukturen setzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Realisierung war jedoch keineswegs konfliktfrei. Noch 2016 blieb unklar, ob das Projekt überhaupt umgesetzt werden könnte. Erst nach zähen Verhandlungen zwischen Stadt, Investoren und Bürgerinitiativen genehmigte der Stadtrat im November 2016 das städtebauliche Vorhaben. Ein Bürgerbegehren gegen den Verkauf des Jan-Wellem-Platzes scheiterte am nötigen Quorum – ein typisches Beispiel für die Herausforderungen groß angelegter Stadtentwicklungsprojekte in NRW.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Technische Innovation und regionale Expertise</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Fassadenkonstruktion vereint nordrhein-westfälische Ingenieurskunst mit ökologischem Anspruch. Werner Sobek aus Stuttgart übernahm die komplette Fassadenplanung, während das Wuppertaler Unternehmen Leonhards die Pflege der 30.000 Pflanzen sicherstellt. Die Hainbuchen wachsen in speziellen Aluminiumtrögen, die auf einer komplexen Stahlkonstruktion befestigt sind und über ein integriertes Bewässerungssystem verfügen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sensoren verhindern sowohl Austrocknung als auch Wasserstau, während Laufstege zwischen den Hecken die Wartung ermöglichen. Das System speist sich primär aus Regenwasser – ein wichtiger Beitrag zum geschlossenen Wasserkreislauf. Drei Mal jährlich erfolgt der Heckenschnitt bewusst als &#8222;Lowtech-Lösung&#8220; per Hand, wobei das Schnittgut über die geneigte Fassade in Auffangrinnen rutscht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Investoren der CENTRUM Gruppe und B&amp;L Gruppe schlossen mit der Stadt einen 99-jährigen Pflegevertrag ab – eine in Deutschland ungewöhnlich langfristige Vereinbarung, die die Nachhaltigkeit des Konzepts unterstreicht. Projektleiter Jürgen Mentzel erklärt: &#8222;Wir tragen Sorge dafür, dass sich Menschen auch bei Klimaveränderungen gern in der Innenstadt aufhalten.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architekturkritik und regionale Rezeption</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die fachliche Bewertung des Projekts fällt durchaus ambivalent aus. Während das internationale Architekturmagazin ArchDaily das Gebäude als vorbildlich für klimaresiliente Stadtentwicklung würdigt, äußern regionale Kollegen Ingenhovens durchaus Kritik. Architekt Walter Brune, Planer der Kö-Galerie und Schadow Arkaden, bezeichnet das Projekt als &#8222;nicht innenstadtgerecht&#8220; und zweifelt am langfristigen Funktionieren der Begrünung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Professor Juan Pablo Molestina kritisiert das Grün als &#8222;Alibi-Funktion&#8220;, die die Baumasse kaschiere. Marc Böhnke von den &#8222;greeen! Architects&#8220; fragt sich, &#8222;ob die Bebauung am Ende nicht eine Spur zu massiv ausfällt&#8220;. Diese Einwände spiegeln eine typisch nordrhein-westfälische Diskurskultur wider, die zwischen pragmatischen Lösungen und architektonischer Ambition navigiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Tatsächlich erfordert die Pflege der vertikalen Gärten erheblichen Aufwand. Viele internationale Projekte dieser Art zeigen bereits nach kurzer Zeit hohen Wartungsbedarf durch welkende Pflanzen, Wind- oder Frostschäden. Das Düsseldorfer Projekt geht diese Herausforderungen mit wissenschaftlich fundierter Planung und langfristigen Wartungsverträgen an – ein Ansatz, der für ähnliche Vorhaben in anderen NRW-Städten modellhaft sein könnte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Übertragbarkeit und Zukunftsperspektiven</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vier Jahre nach der Fertigstellung lässt sich eine erste Bilanz ziehen: Das System funktioniert. Die Hainbuchen haben sich etabliert, zeigen jahreszeitliche Farbwechsel und erfüllen ihre klimatische Funktion. Das Gebäude erhielt die höchstmögliche DGNB-Zertifizierung Platin und wurde mit dem Prix Versailles ausgezeichnet. Die Einzelhandelsflächen sind zu 75 Prozent vermietet, regelmäßige Kulturveranstaltungen beleben den Gustaf-Gründgens-Platz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dennoch bleiben Fragen der Übertragbarkeit. Die Kosten für Fassadenbegrünungen liegen bei 400 bis 1.000 Euro pro Quadratmeter – ein Vielfaches herkömmlicher Fassadensysteme. In Deutschland wurden 2018 lediglich 15.000 Quadratmeter Fassadenfläche neu begrünt, während 7,2 Millionen Quadratmeter Dachflächen begrünt wurden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für kleinere nordrhein-westfälische Kommunen mit begrenzten Budgets erscheint die Düsseldorfer Lösung kaum finanzierbar. Hier zeigt sich ein typisches Problem des Bundeslandes: Die Schere zwischen finanzstarken Oberzentren und strukturschwachen Regionen erschwert die flächendeckende Umsetzung innovativer Klimaanpassungsstrategien.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nordrhein-Westfalen als Versuchslabor</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Kö-Bogen II steht exemplarisch für Nordrhein-Westfalens Rolle als Versuchslabor nachhaltiger Stadtentwicklung. Das Bundesland vereint verschiedene urbane Strukturen – von der Rheinschiene über das Ruhrgebiet bis zu ländlichen Regionen – und bietet damit ideale Voraussetzungen für differenzierte Lösungsansätze.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Christoph Ingenhovens &#8222;supergreen®&#8220;-Philosophie, ein ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept, das sich permanent weiterentwickelt, könnte wegweisend für die Transformation des Gebäudebestands werden. Angesichts der Klimaziele des Landes – bis 2045 klimaneutral – sind innovative Ansätze wie der Düsseldorfer dringend erforderlich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt zeigt aber auch die Grenzen marktorientierter Lösungen auf. Während Prestige-Immobilien wie der Kö-Bogen II internationale Aufmerksamkeit erhalten, bleiben alltägliche Herausforderungen des Wohnungsbaus oder der Sanierung von Nachkriegssiedlungen weitgehend ungelöst. Hier bedarf es ergänzender Strategien, die über spektakuläre Einzelprojekte hinausgehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Düsseldorfer Erfahrungen liefern dennoch wichtige Erkenntnisse für die nordrhein-westfälische Baukultur: Langfristige Planung, wissenschaftliche Fundierung und verbindliche Wartungskonzepte erweisen sich als Schlüsselfaktoren erfolgreicher Fassadenbegrünung. Ob sich daraus eine neue regionale Bautradition entwickelt, wird die Zukunft zeigen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Weitergehende Informationen</h2>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fachpublikationen und Studien</h3>
<ul class="ak-ul" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="bulletList" data-prosemirror-node-block="true">
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<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">KAKDUS – Klimaanpassungskonzept für die Landeshauptstadt Düsseldorf</strong> (2017): Grundlagenstudie zu regionalen Klimaherausforderungen</p>
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<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Klimaanalyse 2020 Düsseldorf</strong>: Detaillierte Untersuchung zu urbanen Hitzeinseln im Rheinland</p>
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<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur</strong>: Dokumentation der Nominierung 2021 mit Fachjury-Bewertung</p>
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<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">DGNB-Zertifizierung Kö-Bogen II</strong>: Vollständige Nachhaltigkeitsbewertung nach deutschen Standards</p>
</li>
</ul>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Monitoring und Evaluation</h3>
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<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zentrum KlimaAnpassung</strong>: Bundesweite Beratungsstelle mit Praxisbeispielen</p>
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<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Climate-KIC Deutschland</strong>: Europäisches Innovationsnetzwerk für Klimatechnologien</p>
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<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wuppertal Institut</strong>: Forschung zu nachhaltiger Stadtentwicklung und Klimaanpassung</p>
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<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften</strong>: Politikberatung zu Klimaanpassungsstrategien</p>
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<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Perspektiven und Diskurse</h3>
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<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Deutsches Architekturmuseum</strong>: Sammlung kritischer Texte zu &#8222;Green Architecture&#8220;</p>
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<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">ARCH+ Zeitschrift</strong>: Theoretische Reflexionen zu Nachhaltigkeit und Architektur</p>
</li>
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<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Bauwelt</strong>: Fachkritik zu aktuellen Großprojekten</p>
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<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Bundesstiftung Baukultur</strong>: Baukulturberichte mit regionalen Schwerpunkten</p>
</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der erneuerte Kunstpalast und die Art Düsseldorf – Eine Stadt entdeckt sich neu</title>
		<link>https://baukunst.art/der-erneuerte-kunstpalast-und-die-art-duesseldorf-eine-stadt-entdeckt-sich-neu/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Apr 2025 16:57:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Düsseldorf]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[japanische Kunst im Inneren: Der Kunstpalast wird zur poetischen Bühne der Art Düsseldorf – mit neuen Impulsen zwischen Ost und West.]]></category>
		<category><![CDATA[Kirschblüten vor den Toren]]></category>
		<category><![CDATA[Kunstmesse]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12122</guid>

					<description><![CDATA[Kirschblüten vor den Toren, japanische Kunst im Inneren: Der Kunstpalast wird zur poetischen Bühne der Art Düsseldorf – mit neuen Impulsen zwischen Ost und West.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der Kunstpalast Düsseldorf als Bühne der Art Düsseldorf 2025</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Architektur mit Haltung: Der Kunstpalast als wandelbares Gefäß</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Kunstpalast Düsseldorf ist vieles – architektonisches Erbe, museale Landmarke, kulturelles Kraftzentrum. Er steht nicht nur für Kontinuität, sondern auch für Wandel. Die jüngste Sanierung durch Sieber Architekten hat diesen Anspruch architektonisch eingelöst: Ein durchgängiger Ausstellungsparcours und eine neue Wendeltreppe transformieren das Haus in ein durchlässiges, modernes Museum. Das Bauwerk bleibt bei aller Anpassung seinem Charakter treu – zwischen klassischer Fassadenornamentik und neutraler, funktionsorientierter Innenarchitektur. Oswald Mathias Ungers’ 2000 vollendeter Entwurf hat sich als robustes Gefäß erwiesen: klar gegliedert, mit großzügigen Skulpturenhöfen unter Glas, architektonisch in der Tradition des rationalen Klassizismus.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Von Rubens bis Rhomberg: Spannungsfelder der Sammlung</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Inhaltlich füllt das Museum sein Gefäß mit beachtlicher Tiefe. Die Sammlung reicht von der Antike bis zur Gegenwart, darunter Glanzstücke wie Rubens, Warhol oder Dalí. Mit über 80.000 grafischen Blättern und der größten Glassammlung Europas gelingt ein Spagat zwischen historischer Tiefe und kunsthistorischer Breite. Neu ist nun ein Werk von Almut Heise aus dem Jahr 1978, erworben im Rahmen der Art Düsseldorf durch den Mäzenatenkreis. Es dokumentiert, wie Sammlungspolitik zunehmend durch Messeaktivitäten ergänzt wird – ein Ausdruck gelebter Nähe zur zeitgenössischen Kunst.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Art Düsseldorf: Kirschblüten, Karton und Kupfer</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die diesjährige Art Düsseldorf, die zum achten Mal im Areal Böhler stattfindet, bezieht die Stadt atmosphärisch und inhaltlich stärker denn je mit ein. Während draußen die Kirschbäume blühen, entfalten sich drinnen japanische Blütenträume: Haruko Maeda, deren Werke aus Staubsaugerbeuteln und Plastikfolien bestehen, bringt düsteren Wiener Humor in die Messehallen – poetisch, ironisch und tief verankert in der Tradition japanischer Ästhetik. Dass Düsseldorf die drittgrößte japanische Community Europas beheimatet, verleiht diesem Schwerpunkt zusätzliche Tiefe. Die Messe antwortet nicht nur auf einen internationalen Trend, sondern verortet sich auch lokal neu – ein selten geglücktes Beispiel kultureller Integration durch kuratorische Entscheidung.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Von Papierträumen und digitalen Dystopien</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Paper“ und „Tales of Transformation“ heißen zwei neue Sektionen, die mit Leichtigkeit und Tiefgang junge Sammlerinnen und Sammler ansprechen. Besonders eindrucksvoll: Alicja Kwades Arbeit, ein DNA-Projekt auf über 259.000 Seiten, von denen nur ein Bruchteil sichtbar ist. Der Rest schlummert in Kupferkästen – ein Sinnbild für das Verhältnis zwischen Kunst und Wissen im digitalen Zeitalter. Auch Ju Young Kims Objekt aus Flugzeugteilen bei Max Goelitz verweist auf neue Wahrnehmungsmodi: Wie durch Glaslinsen verschoben, lassen ihre Werke Vergangenheit und Zukunft kollidieren.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Institutionelle Nähe, künstlerische Offenheit</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die Nähe zwischen Messe und Institution. Der Kunstpalast profitiert von dieser Dynamik – nicht nur durch Erwerbungen, sondern auch durch Präsenz. Die Grenzen zwischen Markt und Museum werden durchlässiger, was durchaus produktiv ist, solange die kuratorische Unabhängigkeit gewahrt bleibt. Dass sich internationale Schwergewichte wie Pace Gallery oder Mennour nun in Düsseldorf zeigen, belegt die wachsende Relevanz des Standorts – ohne dabei die regionale Verwurzelung aus dem Blick zu verlieren.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eine Stadt im Dialog</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Kunstpalast zeigt exemplarisch, wie ein Museum durch Architektur, Sammlung und institutionelle Offenheit zur Plattform wird – und wie eine Kunstmesse, klug kuratiert, mehr sein kann als ein Markt. Zwischen japanischen Kirschblüten, DNA-Kupferkästen und einem Porträt namens „Melanie“ entsteht ein spannungsreicher Dialog: zwischen Ost und West, zwischen Historie und Gegenwart, zwischen Institution und Szene.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Kunst, Kind zu sein – Francis Alÿs im Museum Ludwig</title>
		<link>https://baukunst.art/die-kunst-kind-zu-sein-francis-alys-im-museum-ludwig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Apr 2025 16:45:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Francis Alÿs]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Museum Ludwig]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12120</guid>

					<description><![CDATA[Francis Alÿs zeigt im Museum Ludwig, wie Kinderkunst tiefer berühren kann als jede Theorie – eine Ausstellung, die Kunstvermittlung neu denkt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kunst mit Kinderblick – Francis Alÿs im Museum Ludwig</strong></h2>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zwischen Drachenspiel und Minenstaub</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer derzeit das Museum Ludwig in Köln betritt, wird nicht nur mit Kunst, sondern mit einer tiefgreifenden Perspektive auf die Welt empfangen – durch die Augen von Kindern. In der Ausstellung <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">„Kids Take Over“</em> überlässt der belgische Künstler Francis Alÿs, seit vielen Jahren in Mexiko ansässig, den jüngsten Besucherinnen und Besuchern nicht nur die Betrachtung der Kunst, sondern ihre Auswahl und Präsentation.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Vom Spiel zur Gesellschaftsanalyse</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Zentrum stehen Alÿs’ filmische Beobachtungen aus aller Welt – Afghanistan, Mexiko, Hongkong, Kuba, Frankreich. Seine „Kinderspiele“ dokumentieren, wie Kinder mit minimalen Mitteln – Kronkorken, Reifen, Plastik – eine eigene Welt erschaffen. Die Filmarbeiten entfalten ihre Wirkung in überhöhten Hochformaten und intimen Querformaten gleichermaßen. Ergänzt durch Skizzenbücher, bieten sie Einblick in eine kindlich-poetische Welt, in der Spiel und Realität untrennbar verschmelzen. Die Ernsthaftigkeit, mit der Alÿs diese Spiele dokumentiert, ist mehr als ein ästhetisches Statement. Es ist ein respektvoller Blick auf das Selbstverständnis von Kindern, ihr Bedürfnis nach Sinnstiftung und Selbstwirksamkeit. Das Museum Ludwig zeigt hier nicht nur Kunst – es demonstriert Haltung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kunstvermittlung als Kollaboration</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch Alÿs bleibt nicht Beobachter. Er schafft Raum – konkret die größte Halle des Museums – für eine dialogische Ausstellungsgestaltung. Schülerinnen und Schüler aus der Region wählten aus der Sammlung Werke aus, die sie mit ihren eigenen Assoziationen verbanden. Diese juxtaposieren sie mit Arbeiten des Künstlers – eine kuratorische Geste, die mehr Offenheit vermittelt als mancher akademische Diskurs. So begegnet man neben Alÿs’ <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">La Roue</em>, in dem ein Junge mit einem Autoreifen eine Kobaltmine hinabrollt, Porträts im Stil Gabriele Münters, frei interpretiert von den Kindern selbst. Henri Matisse’ <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Sitzendes Mädchen</em> wird zur Figur im Stubenarrest. Ernsthaft, verspielt, kritisch. Und stets auf Augenhöhe.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Zumutung der Gegenwart</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gegenwartskunst birgt oft Herausforderungen für junge Menschen: zu viel Katastrophe, zu viel Abgrund. Was bei Alÿs jedoch gelingt, ist die Balance – zwischen Tiefe und Zugänglichkeit. Seine Arbeiten verschrecken nicht, sie fordern heraus. Ein Beispiel: Ein Film zeigt ukrainische Kinder, die Sirenengeräusche nachahmen – beklemmend und bewegend zugleich. Ihre Namen werden genannt. Es ist ein Statement gegen die Anonymität des Schreckens. Alÿs gelingt es, nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene in eine Haltung des Innehaltens zu versetzen. Seine Kunst ist kein moralischer Zeigefinger, sondern ein Fenster – weit geöffnet, auf eine Welt, in der kindliches Spiel und gesellschaftliche Realität miteinander ringen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Museum neu gedacht</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung ist ein Plädoyer für ein anderes Museum: eines, das nicht belehrt, sondern erlebt wird. Das nicht erzieht, sondern Resonanz erzeugt. Besonders in einer Zeit, in der viele Kulturinstitutionen bei Kinderprogrammen kürzen und sich auf „Exzellenz“ statt auf Inklusion konzentrieren, setzt das Museum Ludwig einen Kontrapunkt. Hier wird Teilhabe nicht simuliert, sondern ermöglicht. Dabei wird die Frage nach dem Platz von Kindern im Museum nicht nur künstlerisch, sondern auch institutionell verhandelt. Was zählt als bedeutungsvoll? Wessen Perspektiven werden sichtbar gemacht? Die Ausstellung liefert eine klare Antwort.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit: Eine Ausstellung mit Strahlkraft</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Francis Alÿs – Kids Take Over</em> ist nicht nur eine sehenswerte Schau, sondern eine Standortbestimmung für die Zukunft des Museums. Sie zeigt: Kunst kann Kindern zumuten, was sie ohnehin längst erleben – aber sie muss ihnen auch Wege aufzeigen, damit umzugehen. Diese Ausstellung ist ein solcher Weg. Und ein Geschenk für alle, die Kunst nicht als elitäres Sprachspiel, sondern als zutiefst menschliches Ausdrucksmittel begreifen.</p>
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