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	<title>NRW-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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	<title>NRW-Archiv - Baukunst</title>
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		<title>Thomas Morus in Leverkusen: Wie wird eine denkmalgeschützte Kirche zum Zuhause für ehemals wohnungslose Menschen?</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Jul 2026 16:25:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
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		<category><![CDATA[Bauen im Bestand]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hinter erhaltenen Backsteinwänden entsteht Wohnraum: Wie die profanierte Kirche Thomas Morus in Leverkusen zur sozialen Wohneinrichtung wurde, und was das Denkmalrecht dabei ermöglichte.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/thomas-morus-in-leverkusen-wie-wird-eine-denkmalgeschuetzte-kirche-zum-zuhause-fuer-ehemals-wohnungslose-menschen/">Thomas Morus in Leverkusen: Wie wird eine denkmalgeschützte Kirche zum Zuhause für ehemals wohnungslose Menschen?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Regionales  NRW</strong> | Juli 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom Altar zum Innenhof: Ein Denkmal findet eine neue Bestimmung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Umnutzung der ehemaligen katholischen Kirche St. Thomas Morus in Leverkusen-Schlebusch ist ein Bestandsumbau, der ein denkmalgeschütztes Sakralgebäude in eine soziale Wohneinrichtung mit 15 barrierefreien Appartements überführt, ohne seine äußere Gestalt preiszugeben. Hinter den erhaltenen Backsteinwänden und dem Turm des kleeblattförmigen Baus, den der Architekt Erwin Schiffer 1962 errichtete, ist ein dreigeschossiger Neubau entstanden. Bauherr und Träger ist der Caritasverband Leverkusen; beim Tag der Architektur 2026 zeigte die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen (AKNW) das Projekt als eines der markantesten Beispiele für das Bauen im Bestand.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Weg dorthin begann mit einem Schaden. Anfang 2016 brach während eines Gottesdienstes ein tragender Balken der Dachkonstruktion, die Kirche musste stillgelegt werden. Das Erzbistum Köln stellte keine Mittel für die Instandsetzung bereit, die Gemeinde wurde aufgelöst, das 1996 unter Denkmalschutz gestellte Gebäude profaniert. Profanierung ist ein kirchenrechtlicher Akt, der die liturgische Nutzung beendet, den Denkmalstatus jedoch unberührt lässt. Der Backsteinbau der Nachkriegsmoderne galt seit seiner Unterschutzstellung als erhaltenswertes Zeugnis des Kirchbaus jener Jahre, was jeden Eingriff von Beginn an unter denkmalrechtlichen Vorbehalt stellte. In Erbpacht ging das Bauwerk an den Caritasverband, der rund 5,2 Millionen Euro investierte, gefördert von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum durfte die denkmalgeschützte Kirche so tiefgreifend umgebaut werden?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer ein Baudenkmal verändern, beseitigen oder dessen bisherige Nutzung ändern will, bedarf nach § 9 Absatz 1 Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen (DSchG NRW) der Erlaubnis der Unteren Denkmalbehörde. Der Abbruch des Daches und der Einbau dreier Geschosse sind Eingriffe von erheblicher Tiefe; ohne diese Erlaubnis wären sie unzulässig. Ausschlaggebend ist § 9 Absatz 3 DSchG NRW: Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn Belange des Denkmalschutzes nicht entgegenstehen, wobei die seit dem 1. Juni 2022 geltende Fassung ausdrücklich die Belange des Wohnungsbaus, des Klimas und der Barrierefreiheit in die Abwägung einbezieht. Genau diese Klausel eröffnete den Spielraum, ein erhaltenswertes Äußeres mit einer zeitgemäßen Innennutzung zu verbinden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Konzept von Kollbach Bansi Architekten übersetzt die Abwägung in Bauform. Außenwände und Turm bleiben Zeugnis des Schiffer-Baus, das Dach wurde entfernt, der frühere Chor- und Altarbereich als offener, nahezu runder Innenhof ausgespart. Um diesen Lichthof legen sich 15 Appartements von 20 bis 25 Quadratmetern auf drei Etagen, erschlossen über Flure, die der Wölbung der historischen Mauer folgen. Der neue Baukörper trägt sich selbst und ist von den historischen Mauern ablesbar entkoppelt; Holz, Beton und Stahl treten bewusst neben den Backstein, statt ihn zu imitieren. Auf rund 1.200 Quadratmetern entstehen Einzelwohnungen mit gemeinschaftlichen Etagenküchen, ergänzt um einen Aufzug und barrierefreie Zugänge. Die Barrierefreiheit orientiert sich an der DIN 18040-2 für Wohnungen und zählt zugleich zu den Belangen, die § 9 Absatz 3 DSchG NRW benennt. Bauordnungsrechtlich ist der Wechsel von einer Versammlungsstätte zu einer Wohnnutzung eine genehmigungspflichtige Nutzungsänderung nach der Landesbauordnung Nordrhein-Westfalen (BauO NRW).</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Substanzfrage bleibt heikel, denn ein Denkmal lebt von seiner Authentizität. Die Lösung mildert den Konflikt, indem sie die denkmalprägende Hülle als selbsttragendes Zeugnis behandelt und den Neubau davon ablesbar absetzt. Christof Rose, Pressesprecher der AKNW, beschreibt das Ergebnis als Verbindung von Bestand und Neubau und als Umnutzung im Geiste des ursprünglichen Zwecks des Bauwerks. Dass die liturgische Ausstattung an eine Gemeinde in Polen ging und die Glocken weiter in Schlebusch läuten, unterstreicht diese Kontinuität: Der Ort wechselt die Funktion, nicht seine Bedeutung im Quartier.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das Modell für andere Gemeinden und die Wohnungslosenhilfe?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall verbindet zwei Problemlagen, die andernorts getrennt verhandelt werden. Sinkende Mitgliederzahlen zwingen die Kirchen, Sakralbauten aufzugeben; zugleich fehlt es an Wohnraum für Menschen in besonderen Lebenslagen. Die Wohnungslosenhilfe stützt sich sozialrechtlich auf die Leistungen zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten nach § 67 Sozialgesetzbuch Zwölftes Buch (SGB XII), baulich braucht sie Orte, die Betreuung und Eigenständigkeit zugleich ermöglichen. Städtebaulich liegt das Grundstück im unbeplanten Innenbereich, sodass sich das Vorhaben nach § 34 Baugesetzbuch (BauGB) in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen muss; durch den Erhalt der Kubatur ist das ohnehin gewährleistet. Das Erbpachtmodell hält das Eigentum beim Erzbistum, überträgt Nutzung und Verantwortung aber an einen sozialen Träger, ohne die Gemeinde finanziell zu überfordern. Übertragbar ist weniger der konkrete Grundriss als das Prinzip: Ein Denkmal bleibt sichtbar erhalten und gewinnt eine Nutzung, die dem ursprünglichen karitativen Auftrag des Ortes nahesteht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass der Bedarf real ist, betonen die Beteiligten unmissverständlich. In Leverkusen fehle es an Angeboten für wohnungslose Menschen, so die Caritas, die im Umbau die Chance auf ein würdiges, eigenständiges Leben sieht; im ehemaligen Pfarrsaal entsteht zusätzlich ein Quartierstreff als Ort der Begegnung. Das Modell steht nicht allein: Im Bistum Münster werden aufgegebene Kirchen in Hospize, Kindertagesstätten oder andere Nutzungen überführt. Solche Beispiele zeigen, dass für profanierte Sakralbauten fast immer eine angemessene Weiterverwendung zu finden ist, wenn Eigentümer, Kommune und Denkmalpflege früh zusammenarbeiten. Entscheidend ist, dass Denkmalwert und Gemeinwohl nicht als Gegensatz gedacht werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen ordnet das Vorhaben in eine grundsätzliche Debatte ein. Ihr Vorstand bezog im Dezember 2025 unter dem Leitsatz „Vorrang für den Bestandserhalt“ Position und fordert unter anderem eine Genehmigungspflicht für Abrisse. Bauen im Bestand spart im Vergleich zu Abriss und Neubau erhebliche Mengen grauer Energie; der Erhalt eines Denkmals ist damit auch Ressourcenschutz. Thomas Morus zeigt, dass ökologische, soziale und baukulturelle Ziele in einem Projekt zusammenfallen können, sofern der rechtliche Rahmen die Abwägung zulässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau dieser Rahmen steht jedoch zur Disposition. Die Landesregierung legte Anfang 2026 einen Gesetzentwurf vor, der Änderungen an der Landesbauordnung und am Denkmalschutzgesetz vorsieht; die Landschaftsverbände als Denkmalfachämter kritisieren, dass bislang mögliche Abweichungen im Denkmalbereich gestrichen und fachliche Spielräume beschnitten würden. Für Vorhaben wie Thomas Morus ist die Abwägungsklausel des § 9 Absatz 3 DSchG NRW kein Detail, sondern die Voraussetzung. Wer den Bestandserhalt ernst nimmt, sollte die Belange des Wohnungsbaus und der Barrierefreiheit im Denkmalrecht nicht schwächen, sondern die Behörden personell in die Lage versetzen, jeden Einzelfall so sorgfältig abzuwägen, wie es dieser Umbau verlangt hat. Die profanierte Kirche in Schlebusch belegt, dass aus einem Ort des Gottesdienstes ein Ort des Dienstes am Nächsten werden kann, ohne dass das Denkmal dabei verschwindet.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Köln-Sülz: Kölns Justizhochhaus zwischen Abriss und Bestandserhalt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Jul 2026 16:06:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bestandserhalt]]></category>
		<category><![CDATA[Graue Energie]]></category>
		<category><![CDATA[Justizzentrum Köln]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am Inneren Grüngürtel soll Kölns größtes Gerichtszentrum weichen. Architekten und Naturschützer fordern Sanierung statt Neubau und stellen den Siegerentwurf infrage.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/koeln-suelz-koelns-justizhochhaus-zwischen-abriss-und-bestandserhalt/">Köln-Sülz: Kölns Justizhochhaus zwischen Abriss und Bestandserhalt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Regionales / NRW</strong> | Juli 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Grösster Gerichtsbau des Landes: Köln ringt um Abriss oder Erhalt</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Streit um das Kölner Justizzentrum an der Luxemburger Straße ist ein Lehrstück darüber, wie schwer sich die öffentliche Hand mit dem Vorrang des Bestandserhalts tut, obwohl Klimaschutz, Ressourcenschonung und graue Energie längst gegen den Abriss sprechen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Rand des Inneren Grüngürtels steht seit rund vier Jahrzehnten der 23-geschossige Justizturm, entworfen und bis 1980 errichtet vom Kölner Architekten Henrik Busch, von dem auch das Colonia-Hochhaus stammt; den zweiten Bauabschnitt übernahm später HPP. Mit rund 1.800 Bediensteten bildet der Komplex aus Landgericht, Amtsgericht und Staatsanwaltschaft das größte Gerichtszentrum des Landes. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb Nordrhein-Westfalen (BLB NRW) hält das Areal für sanierungsbedürftig und funktional überholt: gestiegener Flächenbedarf, veraltete Technik sowie verschärfte Anforderungen an Barrierefreiheit und Brandschutz nach der Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen (BauO NRW 2018). Bereits 2012 war eine Generalsanierung mit rund 150 Millionen Euro veranschlagt; wenig später fiel die Vorentscheidung für Abriss und Neubau.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein städtebaulicher Wettbewerb nach der Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW 2013) brachte Ende 2022 den Siegerentwurf von HPP Architekten aus Düsseldorf, den ein hochbaulich-freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb 2023 bestätigte. Bemerkenswert ist die Grundhaltung des Entwurfs: HPP verzichtet vollständig auf ein Hochhaus und ersetzt den Turm durch fünf bis sechs Geschosse hohe, zueinander versetzte Baukörper an einem neuen Platz der Justiz. Planungsrechtlich abgesichert wird das Vorhaben über einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan nach § 12 Absatz 2 Baugesetzbuch (BauGB), dessen Aufstellung der Stadtentwicklungsausschuss der Stadt Köln beschlossen hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein rechtlicher Schutz, der den Abriss erschweren würde, besteht nicht: Der Komplex ist nicht in die Denkmalliste nach dem Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen (DSchG NRW) eingetragen. Damit fehlt der Nachkriegsmoderne der 1980er Jahre in Köln jener formale Rückhalt, den ältere Bauten genießen, obwohl ihr baukultureller Wert in der Fachdebatte zunehmend anerkannt wird. Ob ein Bauwerk erhalten bleibt, hängt so weniger an seiner Qualität als an der Frage, wer die Beweislast für die Sanierungsfähigkeit trägt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum stellen Fachleute den Siegerentwurf infrage?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Widerstand richtet sich nicht gegen die architektonische Qualität des Neubaus, sondern gegen die Prämisse des Abrisses. Schon im Wettbewerb hatten allein die Kölner Verfasser Johannes Schaller und Stefan Schmitz den Altbau erhalten wollen, aus Gründen des Energie- und Materialerhalts und weil sie die Ensemblewirkung gegenüber dem benachbarten Wohnturm Uni-Center durch flachere Neubauten gefährdet sahen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Köln trägt den Konflikt seit 2023 in die Öffentlichkeit. Sein Vorstandsmitglied Helmut Röscheisen klagt vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf auf Einsicht in die Voruntersuchungen des BLB, gestützt auf das Umweltinformationsgesetz; die Behörde verweigert die Herausgabe mit Verweis auf die Vertraulichkeit des laufenden Verfahrens.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der BLB begründet den Abriss vor allem funktional: Als Sonderbau nach § 50 BauO NRW muss ein Gerichtszentrum hohe Anforderungen an Sicherheit, an die Trennung von Besucher- und Bedienstetenwegen sowie an die Saalkapazitäten erfüllen, die sich in vier Jahrzehnten deutlich verschärft haben. Fachleute halten dem entgegen, dass gerade ein robuster Stahlbeton-Skelettbau solche Umbauten zulasse. Der Architekt und ehemalige Aachener Hochschullehrer Thomas Scheidler hält den Bestand auch bei stark verändertem Raumprogramm für sanierungsgeeignet und verweist auf vergleichbare Umbauten wie das frühere Lufthansa-Hochhaus in Köln-Deutz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Kernargument lautet graue Energie: die Energiemenge, die für Herstellung, Transport und Einbau der Baustoffe bereits aufgewendet wurde und bei einem Abbruch verloren geht. Als Faustregel gilt, dass die Errichtung eines Gebäudes etwa so viele Emissionen verursacht wie fünfzig Jahre Betrieb. Die Deutsche Umwelthilfe führt das Justizzentrum auf ihrer Liste der fragwürdigsten Gebäudeabrisse; auch das Fachportal BauNetz nennt es als Negativbeispiel öffentlicher Baupolitik, weil hier ausgerechnet ein staatlicher Bauherr gegen den fachlichen Konsens des Bauens im Bestand handelt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet der Fall für das öffentliche Bauen?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall wiegt schwer, weil öffentliche Bauherrinnen und Bauherren eine Vorbildfunktion tragen. Auf den Gebäudesektor entfallen nach Angaben des Umweltbundesamtes etwa 30 bis 35 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen; rund die Hälfte der Rohstoffgewinnung und ein Großteil des Abfallaufkommens gehen auf das Bauwesen zurück. Vor diesem Hintergrund fordert das Umweltbundesamt neben Verkehrs- und Energiewende ausdrücklich eine Bauwende, die Umbau und Umnutzung des Bestands ins Zentrum rückt. Die Davos-Erklärung zur Baukultur von 2018 und das Neue Europäische Bauhaus formulieren denselben Anspruch: Qualität entsteht nicht durch Neubau, sondern durch den sorgsamen Umgang mit dem Vorhandenen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Pikant ist die eigene Aktenlage des Landes. Nach einem Austausch der Ministerien für Justiz und für Wirtschaft mit dem BUND ließ die Landesregierung die Entscheidung erneut prüfen. Das Ergebnis: In der Betrachtung von grauer Energie und Nachhaltigkeit schneidet die Sanierung des Bestandsgebäudes besser ab als der Neubau. Vorteilhafter sei der Neubau nur in der Gesamtschau, begründet mit funktionalen Ansprüchen und einer kürzeren Realisierungsdauer; den quantitativen Beleg blieb das Land bislang schuldig. Genau diese Intransparenz nährt den Verdacht, ein ergebnisoffener Vergleich habe nie ernsthaft stattgefunden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ökobilanzielle Bewertungen nach DIN EN 15978 und das Gebäudeenergiegesetz (GEG) erfassen bislang vor allem den Betrieb, nicht die Herstellung. Solange der gesamte Lebenszyklus rechtlich nicht verbindlich einzupreisen ist, bleibt der Verweis auf bessere energetische Standards im Neubau ein Zirkelschluss, der die verlorene graue Energie ausblendet. Der Zeithorizont verschärft die Lage zusätzlich: Der Umzug in ein Interim soll Anfang 2027 beginnen, der Abriss frühestens 2034, die Fertigstellung des Neubaus rund sechs Jahre später. Bis dahin dürfte die Bauwende die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen erheblich verschoben haben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für andere Bundesländer hat der Kölner Fall Signalwirkung. Vergleichbare Bestandsfragen stellen sich bei landeseigenen Verwaltungshochhäusern der 1970er und 1980er Jahre bundesweit, von Gerichtsbauten bis zu Finanzämtern. Wo Landesbetriebe wie der BLB NRW über den Umgang mit dem eigenen Bestand entscheiden, entscheidet sich auch, ob die vielbeschworene Bauwende im öffentlichen Sektor mehr ist als ein Bekenntnis auf Hochglanzbroschüren. Ein transparenter, nachvollziehbarer Variantenvergleich, der graue Energie und Lebenszykluskosten gleichrangig gewichtet, wäre dabei das methodische Minimum jeder landeseigenen Bauentscheidung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was in Köln verhandelt wird, ist deshalb mehr als ein regionaler Standortkonflikt. Es geht um die Glaubwürdigkeit eines Landes, das seine eigene Nachhaltigkeitsrhetorik einlösen müsste, statt das größte Gerichtszentrum Nordrhein-Westfalens abzureißen, obwohl die eigene Wirtschaftlichkeitsbetrachtung den Erhalt favorisiert. Ein vorläufiger Abrissstopp und eine öffentliche, ergebnisoffene Prüfung der Sanierungsfähigkeit, die graue Energie und Lebenszykluskosten gleichrangig bewertet, wären das Mindeste, was die Vorbildrolle des öffentlichen Bauens gebietet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<item>
		<title>Düsseldorf stoppt das „Opernhaus der Zukunft“: Wenn der Kommunalhaushalt die Baukultur überholt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jun 2026 19:59:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bauen im Bestand]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Oper am Rhein]]></category>
		<category><![CDATA[Opernhaus Düsseldorf]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Statt Milliardenneubau am Wehrhahn setzt Düsseldorf auf die Sanierung des alten Opernhauses. Warum der Spardruck ein preisgekröntes Projekt kippt und was das für den Bestand bedeutet.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Regionales<em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong"> |</strong></em> Nordrhein Westfalen / Düsseldorf <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Düsseldorf stoppt Opernneubau und setzt auf Sanierung des Bestands</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das „Opernhaus der Zukunft“ war ein geplanter Kulturneubau am Düsseldorfer Wehrhahn, der die Deutsche Oper am Rhein, die Clara-Schumann-Musikschule und die Musikbibliothek unter einem Dach vereinen sollte. Am 5. Juni 2026 beendete die Landeshauptstadt diese Planung. Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) begründete den Stopp mit einem wachsenden Defizit im städtischen Haushalt und sprach zugleich von einem Herzensprojekt. An die Stelle des Neubaus tritt nun die Sanierung des bestehenden Hauses an der Heinrich-Heine-Allee, damit der Spielbetrieb gesichert bleibt; die Arbeiten sollen voraussichtlich im dritten Quartal 2027 beginnen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung kehrt einen jahrelangen Prozess um. Bereits Ende 2021 hatte der Stadtrat einen Neubau beschlossen, damals mit mindestens 716 Millionen Euro veranschlagt, nachdem eine aufwendige Sanierung des Nachkriegsbaus zunächst verworfen worden war. Ein städtebaulicher Ideenwettbewerb prüfte 2022 und 2023 die Standorte Heinrich-Heine-Allee 16a und Am Wehrhahn 1. Erst das Insolvenzverfahren der vorherigen Eigentümer machte die Grundstücke Am Wehrhahn 1 und Oststraße 15 verfügbar. Mit den Ratsbeschlüssen RAT/243/2024 und RAT/244/2024 vom 27. Juni 2024 beschloss der Rat den Ankauf dieser Flächen sowie einen Realisierungswettbewerb. Der ausgelobte Dreiklang aus Oper, Musikschule und Musikbibliothek sollte dem Haus eine besondere Stellung in der Kulturlandschaft sichern. Das Ergebnis lag im Herbst 2025 vor: Das norwegische Büro Snøhetta Oslo AS gewann vor HPP Architekten aus Köln und Düsseldorf, vor kister scheithauer gross mit Studio Gang Architects aus Köln und Chicago sowie wulf architekten aus Stuttgart. Ein Ratsbeschluss zur Beauftragung des Generalplaners war für 2026 vorgesehen, der Ausführungs- und Finanzierungsbeschluss für 2028.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum scheitert ein Kulturneubau am Kommunalhaushalt?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Stopp ist keine baurechtliche, sondern eine haushaltsrechtliche Entscheidung. Maßgeblich ist die Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen (GO NRW). Nach § 75 GO NRW ist die Haushaltswirtschaft so zu führen, dass die dauernde Leistungsfähigkeit der Gemeinde gesichert bleibt. Gerät der Haushalt strukturell in Schieflage, greift § 76 GO NRW mit der Pflicht zu einem Haushaltssicherungskonzept, das die Kommunalaufsicht genehmigen muss; freiwillige Selbstverwaltungsaufgaben geraten dann zuerst unter Druck. Ein Opernhaus zählt baurechtlich zu den anspruchsvollsten Sonderbauten, kulturpolitisch jedoch zu den freiwilligen Leistungen, anders als Schulen oder Brücken, die zu den kommunalen Pflichtaufgaben gehören. Die Kommunalaufsicht beim Land achtet darauf, dass Investitionen die dauerhafte Tragfähigkeit nicht überfordern; ein Vorhaben dieser Größenordnung steht dabei unter besonderer Beobachtung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau hier setzte die Kostenfrage an. Zwar galt für den Neubau ein Kostendeckel von einer Milliarde Euro, doch über eine Finanzierungsdauer von fünfzig Jahren rechnete die Verwaltung mit rund 1,8 Milliarden Euro. Der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen nannte das Vorhaben „nicht darstellbar“. Im Stadtrat hatte Die Linke bereits im Mai 2026 ein Moratorium und einen Ausgabenstopp beantragt; auch die AfD-Fraktion sah sich in ihrer früheren Ablehnung bestätigt. Für eine Stadt, die parallel in Schulbau und Brückeninfrastruktur investieren muss, wird ein kulturelles Großprojekt damit zur ersten Streichposition. Die Mechanik ist auf andere Regionen übertragbar: Wo Pflichtaufgaben und freiwillige Leistungen um dieselben Mittel konkurrieren, entscheidet am Ende die Kassenlage, nicht die Qualität des Entwurfs. Kulturausgaben sind rechtlich verzichtbar, sobald die Haushaltslage es erzwingt; genau diese Verzichtbarkeit macht sie in der Krise angreifbar.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet die Kehrtwende für Bestand und Wettbewerb?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für das bestehende Opernhaus rückt das Bauen im Bestand in den Mittelpunkt. Das Haus geht auf das 1875 eröffnete Stadttheater von Ernst Giese zurück, wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und Mitte der 1950er Jahre wieder aufgebaut. Eine Sanierung im laufenden Betrieb berührt sämtliche sicherheitsrelevanten Anforderungen der Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen (BauO NRW 2018), insbesondere den Brandschutz für Versammlungsstätten und die Barrierefreiheit nach DIN 18040-1. Der Bestandsschutz deckt den genehmigten Altzustand, endet aber dort, wo wesentliche Eingriffe eine bauaufsichtliche Neubewertung auslösen. Offen bleibt, ob der Nachkriegsbau dem Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen (DSchG NRW) unterliegt; eine Unterschutzstellung würde Spielräume und Kosten der Ertüchtigung erheblich verändern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schwerer wiegt der Verlust des Wettbewerbs. Verfahren dieser Art folgen der Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW 2013) und führen über die Vergabeverordnung (VgV) zur Beauftragung eines Generalplaners; die Honorierung richtet sich nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI 2021). Grundstücksankauf, Preisgelder und Planungsleistungen sind bereits geflossen. Die FDP-Fraktion verweist auf Millionenbeträge an Steuergeld, die in Erwerb und Wettbewerb gebunden seien, und nennt die Bestandssanierung zugleich ein finanzielles Fass ohne Boden. Der prämierte Snøhetta-Entwurf, gedacht als städtebauliche Setzung am Wehrhahn, bleibt damit Papier. Aus vergaberechtlicher Sicht entfallen die ohnehin nur eingeleiteten Verhandlungen mit den vier Preisträgern, die das wirtschaftlichste Angebot ermitteln sollten. Mit dem Neubau entfällt zugleich die räumliche Bündelung von Oper, Musikschule und Bibliothek; die drei Nutzerinstitutionen bleiben getrennt untergebracht. Die ursprünglich nur als Übergang gedachte Ertüchtigung des Altbaus wird damit zur Dauerlösung, eine doppelte Mittelvergabe für Interim und Neubau entfällt. So verschiebt sich auch das Risiko: Statt kalkulierbarer Neubaukosten trägt die Stadt nun die schwerer prognostizierbaren Aufwendungen einer Sanierung im laufenden Betrieb.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die ökologische Pointe der Kehrtwende. Der Erhalt eines bestehenden Hauses bindet keine neue graue Energie und entspricht jener Logik des Weiterbauens, die in der Fachdebatte längst als Königsweg gilt. Was als Sparzwang begann, könnte sich planungskulturell als zeitgemäße Entscheidung erweisen, sofern die Ertüchtigung mehr leistet als das Nötigste. Zugleich bleibt der Spielbetrieb anspruchsvoll: Für die kommende Saison kalkuliert die Oper an beiden Standorten mit Aufwendungen von 67,3 Millionen Euro, davon 38 Millionen Euro Zuschuss der Stadt. Die geschäftsführende Direktorin Alexandra Stampler-Brown sprach von einem Schock für die Belegschaft. Ungeklärt bleibt, wie teuer die Sanierung wird und wie der Betrieb über die 2030er Jahre hinaus gesichert werden soll. Der Verzicht auf Abriss und Neubau vermeidet erhebliche Mengen grauer Energie und CO2, in Zeiten verschärfter Klimaziele mehr als nur ein finanzielles Argument. Andere Kommunen im DACH-Raum, von Köln bis Wien, verhandeln vergleichbare Kulturgroßprojekte unter ähnlichem Spardruck; der Düsseldorfer Fall dürfte ihnen als Referenz dienen. Düsseldorf liefert ein Lehrstück: In angespannten Kommunalhaushalten überholt die Haushaltssatzung die Baukultur, und der Bestand wird vom Kompromiss zur Chance.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/duesseldorf-stoppt-das-opernhaus-der-zukunft-wenn-der-kommunalhaushalt-die-baukultur-ueberholt/">Düsseldorf stoppt das „Opernhaus der Zukunft“: Wenn der Kommunalhaushalt die Baukultur überholt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Der architektonische Blick: Kölns Werkschau zwischen Domvierung und Drohnenrecht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jun 2026 19:43:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturfotografie]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur Rheinland]]></category>
		<category><![CDATA[MAKK Köln]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von der Domvierung bis Neviges: Eine Kölner Werkschau macht Architektur zur Ikone und wirft die Frage auf, wann Drohnenbilder geschützter Bauten überhaupt veröffentlicht werden dürfen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-architektonische-blick-koelns-werkschau-zwischen-domvierung-und-drohnenrecht/">Der architektonische Blick: Kölns Werkschau zwischen Domvierung und Drohnenrecht</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Regionales<em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong"> |</strong></em> Nordrhein Westfalen <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Schöner wohnen aus der Luft? Warum Drohnenbilder von Baukunst plötzlich Geld kosten</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architekturfotografie bezeichnet die fachgerechte bildliche Erfassung gebauter Werke, die ein Bauwerk nicht nur dokumentiert, sondern als kulturelles Zeichen lesbar macht. Genau diese Verschiebung vom Protokoll zum Bild rückt das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) vom 11. Juni bis zum 27. September 2026 in den Mittelpunkt. Die Werkschau „Der architektonische Blick. epochal, global“ widmet sich dem 1964 in Neuwied geborenen und heute in Hennef ansässigen Fotografen Hans Georg Esch, der seit rund 40 Jahren zwischen Auftragsarbeit und freier Kunst pendelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kuratiert hat die Schau Raimund Stecker. Sie ist nach den Stationen zu Pompeji (2024) und zum Werk Gottfried Böhms (2025) Eschs bislang umfassendste museale Präsentation; der Eintritt kostet 6 Euro, ermäßigt 3 Euro. Gezeigt werden großformatige Einzelbilder, serielle Bildstrecken, analoge Polaroids und aktuelle Drohnenaufnahmen. Der dialogische Aufbau führt den Kölner Dom mit dem New Yorker Chrysler Building zusammen, die Lehmtürme von Shibam im Jemen mit den Wohnhochhäusern chinesischer Millionenstädte, das antike Pompeji mit dem noch unfertigen Bahnhofsprojekt Stuttgart 21. Das MAKK selbst, ein Haus mit Sammlungen aus 800 Jahren Kunsthandwerk und Design unweit des Doms, bildet dafür einen stimmigen Rahmen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eschs Verfahren ist dabei so konsequent wie eigenwillig. Er arbeitet mit langen Belichtungen, fein abgestimmten Lichtsituationen und einer strengen Geometrie, die das Bauwerk aus seinem Alltag herauslöst. Menschen erscheinen selten, und wenn, dann als Maßstab. Diese Strenge unterscheidet ihn von der reinen Werbefotografie ebenso wie vom dokumentarischen Bauarchiv. Der „architektonische Blick“, den der Titel beschwört, meint kein neutrales Festhalten, sondern eine Deutung: Esch entscheidet, welcher Ausschnitt, welche Tageszeit und welche Distanz ein Gebäude zur Ikone werden lassen. Wer seine Serien betrachtet, erkennt rasch eine Handschrift, die sich über Kontinente hinweg durchhält und gerade dadurch die Eigenart jedes Ortes umso deutlicher hervortreten lässt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was zeigt die Werkschau über die Baukultur des Rheinlands?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Rheinland und das Bergische Land bilden den heimlichen Schwerpunkt der Ausstellung. Esch fotografiert den Vierungsturm der Hohen Domkirche zu Köln, mehrere Bauten von Oswald Mathias Ungers, darunter das Johannishaus in Köln (2007), und die Wallfahrtskirche in Velbert-Neviges, jenes betongraue Faltwerk, das Gottfried Böhm 1968 vollendete und das zu den Hauptwerken zählt, für die er 1986 den Pritzker-Preis erhielt. Diese Auswahl ist kein Zufall: Das MAKK feiert 2026 zugleich den 100. Geburtstag von Ungers (1926 bis 2007) mit einer eigenen Ausstellung, und Böhms expressive Sakralbauten gelten als Signatur einer rheinischen Nachkriegsmoderne, die anderswo in Deutschland kaum eine Entsprechung findet. Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen zählt zu den mitgliederstärksten Kammern des Landes, und die rheinische Debatte um den Umgang mit dieser Moderne wird entsprechend lebhaft geführt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Kölner Dom steht seit 1996 auf der Liste des UNESCO-Welterbes und unterliegt dem Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen (DSchG NRW). Wer ihn fotografiert, bewegt sich in einem dicht regulierten Raum, in dem Bildrechte, Welterbe-Pufferzonen und kommunale Gestaltungssatzungen ineinandergreifen. Eschs Bilder machen sichtbar, was Bauordnungen sonst nur verwalten: die Maßstäblichkeit eines Stadtraums, die Materialität einer Fassade, das Verhältnis von Turm und Traufe. Für Architektinnen und Architekten liegt darin der eigentliche Reiz der Schau, denn sie übersetzt abstrakte Begriffe der Landesbauordnung in anschauliche Bilder.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wann dürfen Drohnenfotos von Baukunst veröffentlicht werden?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">An diesem Punkt wird die Ausstellung unfreiwillig zum Lehrstück des Urheberrechts. Werke der Baukunst sind nach § 2 Absatz 1 Nummer 4 Urheberrechtsgesetz (UrhG) geschützt, und zwar bis 70 Jahre nach dem Tod der Urheberin oder des Urhebers (§ 64 UrhG). Für Ungers, gestorben 2007, läuft dieser Schutz bis 2077, für Böhm, gestorben 2021, bis 2091. Wer solche Bauten vom öffentlichen Straßenraum aus aufnimmt, ist durch die Panoramafreiheit nach § 59 UrhG gedeckt; diese Schranke erlaubt es, dauerhaft an öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen befindliche Werke ohne Lizenz zu vervielfältigen und zu verbreiten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Drohnenaufnahmen gilt das jedoch nicht mehr. Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied am 23. Oktober 2024 (Aktenzeichen I ZR 67/23), dass Luftbilder aus der Drohnenperspektive nicht von der Panoramafreiheit erfasst sind, weil sich dieser Blickwinkel den Augen eines Menschen vom öffentlichen Weg aus nicht bietet. Bemerkenswert für die regionale Einordnung ist die Herkunft des Falls: Vorinstanz war das Oberlandesgericht Hamm (Urteil vom 27. April 2023, Aktenzeichen 4 U 247/21), und verhandelt wurden Drohnenbilder von Kunstinstallationen auf Bergehalden im Ruhrgebiet. Der Gerichtshof stützte sich auf den unionsrechtlichen Drei-Stufen-Test und gewichtete das Verwertungsinteresse der Urheberschaft höher als das Freihalteinteresse der Nutzenden. Das maßgebliche Präjudiz zur Drohnenfotografie stammt damit aus Nordrhein-Westfalen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für eine Schau, die ausdrücklich mit Drohnenaufnahmen wirbt, ist das mehr als eine juristische Fußnote. Drohnenbilder geschützter Bauten von Ungers oder Böhm bedürfen nach dieser Rechtsprechung einer Lizenz der Rechteinhaber, die in der Regel die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst wahrnimmt. Bodenaufnahmen bleiben frei, Luftaufnahmen werden kostenpflichtig. Für Architekturbüros, die Drohnenbilder ihrer eigenen Projekte vermarkten, bleibt die Lage einfach, weil sie als Urheber selbst über die Verwertung entscheiden; für Verlage, Magazine und Fotografen wie Esch verschiebt das Urteil dagegen die Beweislast. Wo genau Esch diese Grenze zieht, verrät die Ausstellung nicht; die Frage gehört aber zu den lehrreichsten, die eine Architekturfotografie im Jahr 2026 aufwerfen kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch jenseits des Rechts trägt die Werkschau eine regionale Botschaft. Mit dem Bahnhof Stuttgart 21 und dem 2025 eröffneten Flughafen Abu Dhabi dokumentiert Esch zwei Großprojekte, deren ökologische Bilanz umstritten bleibt, und stellt ihnen die graue Energie historischer Bestandsbauten gegenüber. Die Wallfahrtskirche Neviges steht seit fast sechs Jahrzehnten und belegt, dass dauerhafte Baukultur die nachhaltigste Form des Bauens sein kann. Der fotografische Blick wird so zum Argument in der Debatte um Abriss und Erhalt, die Nordrhein-Westfalen seit der Novelle der Landesbauordnung (BauO NRW 2018) und mit Blick auf den klimagerechten Umbau des Bestands mit besonderer Schärfe führt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eschs Bilder bestätigen die alte These der Pop Art, dass erst die Fotografie unser Bild eines Objekts prägt. Im MAKK lässt sich studieren, wie aus dem Vierungsturm der Hohen Domkirche, aus einem Ungers-Kubus und aus Böhms Betonfaltwerk ikonische Motive werden, ablösbar von Ort und Funktion. Wer die Schau besucht, sieht nicht allein Architektur. Er sieht, wie Bilder Architektur erst zu dem machen, was später als Baukultur erinnert wird. Damit rückt die Ausstellung einen Gedanken in den Vordergrund, der die Landesplanung in Nordrhein-Westfalen zunehmend bestimmt: dass der Bestand selbst die wertvollste Ressource ist. Für ein Magazin wie baukunst.art, das Baukultur als gesellschaftliche Aufgabe versteht, liegt gerade in dieser Doppelrolle des Bildes der eigentliche Gewinn der Schau.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2>Leserinformation</h2>
<p>Ausstellung: „Hans Georg Esch. Der architektonische Blick. epochal, global&#8220;, kuratiert von Raimund Stecker.</p>
<p>Laufzeit: 11. Juni bis 27. September 2026.</p>
<p>Ort: Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK), An der Rechtschule 7, 50667 Köln.</p>
<p>Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen außer an Feiertagen, jeder erste Donnerstag im Monat 10 bis 22 Uhr außer an Feiertagen.</p>
<p>Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 3 Euro.</p>
<p>Barrierefreiheit: Das MAKK ist ein öffentlich zugängliches Gebäude im Sinne der DIN 18040-1. Aktuelle Angaben zu stufenlosem Zugang, Aufzug, behindertengerechten Sanitärräumen und Leihrollstühlen stellt das Museum über seine Seite zur Barrierefreiheit bereit; eine Voranfrage zu konkreten Bedarfen empfiehlt sich.</p>
<p>Anfahrt: Innenstadtlage nahe dem Kölner Dom, fußläufig vom Hauptbahnhof; Anbindung über den öffentlichen Nahverkehr.</p>
<p>Hinweis: Angaben ohne Gewähr, Stand Juni 2026. Verbindliche Informationen unter makk.de.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Polka Dots im Sheddach: Wenn Kusamas Kunst die Architektur von Busmann + Haberer befragt</title>
		<link>https://baukunst.art/polka-dots-im-sheddach-wenn-kusamas-kunst-die-architektur-von-busmann-haberer-befragt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 15:08:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Busmann + Haberer]]></category>
		<category><![CDATA[Museum Ludwig]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Yayoi Kusama]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Über 300 Werke füllen das Museum Ludwig. Die spannendste Begegnung der Schau ist die zwischen Polka Dots und Sheddach von 1986.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art</strong> |  Regionales | NRW |  Mai 2026<br />
Lesezeit 6 Minuten</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Punkte gegen Backstein: Kusama macht sichtbar, was Busmann + Haberer wollten</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong><a href="https://www.museum-ludwig.de/de/ausstellungen/yayoi-kusama" target="_blank" rel="noopener">Die Yayoi-Kusama-Retrospektive im Museum Ludwig in Köln</a></strong>, vom 14. März bis 2. August 2026 zu sehen, macht die Architektur des Hauses von Peter Busmann und Godfrid Haberer zum aktiven Mitspieler einer Ausstellung, in der Wiederholung, Raster und Unendlichkeit selbst zum Thema werden. Über 300 Arbeiten der 1929 in Matsumoto geborenen Künstlerin füllen die gesamte Wechselausstellungsfläche, dazu Dachterrasse und Treppenhäuser. Anlass ist das 50-jährige Bestehen des Museum Ludwig, das 1976 mit dem Schenkungsvertrag zwischen dem Ehepaar Peter und Irene Ludwig und der Stadt Köln gegründet und 1986 in seinem Neubau eröffnet wurde. Die Schau entsteht in Kooperation mit der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel und dem Stedelijk Museum Amsterdam.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer das Museum Ludwig betritt, betritt zugleich einen Bau, der in der jüngeren deutschen Architekturgeschichte eine Sonderstellung einnimmt. Peter Busmann und Godfrid Haberer hatten 1975 in einem offenen Ideenwettbewerb gegen Entwürfe von James Stirling, Oswald Mathias Ungers und Gottfried Böhm den Zuschlag erhalten, allerdings erst über einen zweiten Anlauf. Der damalige Dombaumeister Arnold Wolff wies mit einem Periskop am Modell nach, dass die eigentlich unzulässige Traufhöhe acht Meter über der Höhe des Hotel Mondial den Domblick von der Stadtebene nicht verstellte. Der Entwurf wurde einstimmig zurückgeholt und mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Was 1986 entstand, ist eine fein gegliederte Anlage aus zinkverkleideten Sheddächern, Backsteinfassaden und einem Rastermaß von 10,80 Metern, das im Duodezimalsystem in Einheiten von 90 Zentimetern aufgelöst ist und bis ins Detail die gesamte Architektur durchzieht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie reagiert das Rastermaß von 10,80 Metern auf Kusamas Wiederholungslogik?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau hier liegt die ungewöhnliche Spannung der Schau. Kusamas Werk lebt von der seriellen Setzung des immer gleichen Elements (Punkt, Netz, Spiegelung). Ihre Polka Dots überziehen Skulpturen, Räume, Körper. Sie nennt das Verfahren „Selbstauslöschung“, ein Begriff, der bei genauer Betrachtung auch auf die architektonische Wiederholung passt. Das 90-Zentimeter-Modul von Busmann und Haberer, ein Bruchteil des 10,80-Meter-Hauptrasters, organisiert Türen, Fenster, Wandflächen und Bodenfugen. Wenn Kusamas Punkte auf diese gerasterte Architektur treffen, entsteht keine Konkurrenz zweier Ordnungen, sondern ein Dialog. Die strenge Geometrie des Hauses gibt der Wiederholung der Künstlerin den Resonanzraum, den sie braucht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eigens für Köln wurde ein neuer Infinity Mirror Room mit dem Titel „The Hope of the Polka Dots Buried in Infinity Will Eternally Cover the Universe“ konzipiert, der den größten Saal des Hauses füllt. Dass dieser Raum im Sheddach-Universum von Busmann und Haberer funktioniert, hat einen handfesten Grund. Die Sheddächer liefern nordseitig diffuses Tageslicht, das die Kuratorinnen und Kuratoren bei Kusamas farbintensiven Lichtarbeiten gezielt abdunkeln und steuern. Auch die Installation „I’m Here but Nothing“ (2000/2026), ein in Schwarzlicht getauchter Wohnraum mit fluoreszierenden Klebepunkten, und die erste raumgreifende Arbeit „Aggregation: One Thousand Boats Show“ von 1963 setzen voraus, dass die Architektur sich zurücknehmen kann, ohne neutral zu werden. Das gelingt, weil Backstein und Titanzink eine handfeste, materielle Textur einbringen, die Kusamas Reizmustern standhält.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was sagt die Bespielung der Dachterrasse über Museumsarchitektur heute?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf der Dachterrasse mit Blick auf den Kölner Dom installiert das Museum Ludwig die bemalten Bronze-Blumen „Flowers That Speak All about My Heart Given to the Sky“. Die Geste ist programmatisch. Sie verschiebt die Schau aus der Black Box heraus in den öffentlichen Stadtraum. Busmann und Haberer hatten ihren Bau ausdrücklich nicht als isoliertes Haus, sondern als „Stück Stadt“ konzipiert, mit Plätzen, Wegen und Treppen, die vom Hauptbahnhof zum Rhein führen. Der Heinrich-Böll-Platz, unter dem der Konzertsaal der Kölner Philharmonie als Amphitheater 260.000 Kubikmeter Raum tief in den Domhügel verlegt, ist Dach und Stadtboden zugleich. Wenn nun Kusamas Bronze-Blumen auf der Museumsdachterrasse mit dem Dom in eine direkte Sichtbeziehung treten, wird die ursprüngliche städtebauliche Idee der Architekten in einem neuen Licht lesbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Damit rückt eine Frage in den Vordergrund, die weit über Köln hinausreicht. Wie verhalten sich Museumsbauten der 1980er Jahre zu den raumgreifenden, immersiven Praktiken der Gegenwartskunst? In Nordrhein-Westfalen ist diese Frage besonders virulent. Häuser wie das Museum Folkwang in Essen mit dem Neubau von David Chipperfield Architects (2010), das Lehmbruck-Museum in Duisburg oder das K20 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf stehen vor ähnlichen Aufgaben. Die Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen (BauO NRW 2018) und das Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler im Lande Nordrhein-Westfalen (DSchG NRW) setzen den Rahmen, innerhalb dessen Häuser angepasst und neu bespielt werden können. Das Museum Ludwig steht zwar bislang nicht unter Denkmalschutz, gilt aber seit Jahren als architekturgeschichtlich erhaltenswert. Eine Eintragung nach § 3 DSchG NRW wäre grundsätzlich möglich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt die Frage der Barrierefreiheit. Kusamas Infinity Rooms erfordern getaktete Einlässe, die Dachterrasse ist über Aufzüge erschlossen, die Anforderungen nach DIN 18040-1 für öffentlich zugängliche Gebäude müssen mit den konservatorischen Vorgaben der Wechselausstellung in Einklang gebracht werden. Wer das Museum in den vergangenen Jahren besucht hat, weiß, dass die Eingangs- und Foyerumgestaltung 2004/2005 durch die Arbeitsgemeinschaft Busmann + Haberer mit dem Office for Metropolitan Architecture (OMA, Rem Koolhaas) das Haus bereits an neue Anforderungen angepasst hat. Die Kusama-Schau zeigt nun, wo die Grenzen dieser Anpassung verlaufen und wo der Bau aus eigener Kraft wirkt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Architektenschaft im Rheinland und darüber hinaus liegt in diesem Zusammenspiel von Kunst und Bau eine seltene Lehrstunde. Es geht nicht um die Frage, ob Häuser der 1980er Jahre noch zeitgemäß sind, sondern darum, wie ihre Eigenheiten produktiv gemacht werden können. Das Rastermaß, das Sheddach, die Backsteinfassade, der Domblick. Alles, was Busmann und Haberer 1975 in den Wettbewerbsentwurf eingebracht haben, wird in dieser Ausstellung neu verhandelt. Kusamas Kunst macht das, was die Architektur immer schon war, einen Moment lang sichtbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Retrospektive läuft bis zum 2. August 2026. Wer früh kommt, hat die besseren Karten. Das Museum empfiehlt ausdrücklich Tickets mit Zeitfenster aus dem Onlineshop.</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/polka-dots-im-sheddach-wenn-kusamas-kunst-die-architektur-von-busmann-haberer-befragt/">Polka Dots im Sheddach: Wenn Kusamas Kunst die Architektur von Busmann + Haberer befragt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Anish Kapoor im Lehmbruck-Museum: Wenn Skulptur die Nachkriegsmoderne befragt</title>
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		<pubDate>Mon, 18 May 2026 14:54:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Anish Kapoor]]></category>
		<category><![CDATA[Lehmbruck-Museum Duisburg]]></category>
		<category><![CDATA[Manfred Lehmbruck]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>baukunst.art &#124; Regionales &#124; NRW &#124; Mai 2026 Anish Kapoor in Duisburg: Wenn der Spiegel auf Beton trifft Das Lehmbruck Museum in Duisburg zeigt vom 24. April bis zum 30. August 2026 die umfangreichste Anish-Kapoor-Ausstellung in Deutschland seit über einem Jahrzehnt. Sie ist zugleich die wohl präziseste Begegnung zwischen zeitgenössischer Bildhauerei und der Architektur der westdeutschen Nachkriegsmoderne, die das Ruhrgebiet&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/anish-kapoor-im-lehmbruck-museum-wenn-skulptur-die-nachkriegsmoderne-befragt/">Anish Kapoor im Lehmbruck-Museum: Wenn Skulptur die Nachkriegsmoderne befragt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art | </strong>Regionales | NRW | Mai 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Anish Kapoor in Duisburg: Wenn der Spiegel auf Beton trifft</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Lehmbruck Museum in Duisburg zeigt vom 24. April bis zum 30. August 2026 die umfangreichste <strong><a href="https://lehmbruckmuseum.de/ausstellungen/ausstellungen-aktuell/anishkapoor/" target="_blank" rel="noopener">Anish-Kapoor-Ausstellung</a></strong> in Deutschland seit über einem Jahrzehnt. Sie ist zugleich die wohl präziseste Begegnung zwischen zeitgenössischer Bildhauerei und der Architektur der westdeutschen Nachkriegsmoderne, die das Ruhrgebiet derzeit zu bieten hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung würdigt den 1954 in Mumbai geborenen, in London lebenden Bildhauer als Träger des Wilhelm-Lehmbruck-Preises 2025 der Stadt Duisburg und des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). Die Auszeichnung gehört seit 1966 zu den international renommiertesten Bildhauerpreisen, wird alle fünf Jahre vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Frühere Preisträgerinnen und Preisträger waren Eduardo Chillida (1966), Jean Tinguely (1976), Claes Oldenburg (1981), Joseph Beuys (1986), Richard Serra (1991), Richard Long (1996), Nam June Paik (2001), Reiner Ruthenbeck (2006), Rebecca Horn (2017) sowie zuletzt Janet Cardiff und George Bures Miller (2020). Joseph Beuys nahm den Preis 1986 nur elf Tage vor seinem Tod entgegen und nannte Wilhelm Lehmbruck seinen Lehrer. Kapoor reiht sich damit in eine Linie ein, die das Lehmbruck Museum konsequent als Diskursort der internationalen Bildhauerei positioniert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was passiert, wenn Kapoors Spiegel auf Manfred Lehmbrucks Sichtbeton treffen?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die räumliche Konstellation dieser Ausstellung ist Programm. Der Museumsbau, entworfen von Manfred Lehmbruck (1913 bis 1992), dem Sohn des Namensgebers Wilhelm Lehmbruck, gilt als eines der Schlüsselwerke der bundesrepublikanischen Museumsarchitektur. Errichtet zwischen 1956 und 1964, ergänzt zwischen 1985 und 1987 durch einen weiteren Bauabschnitt in Kooperation mit dem Dortmunder Architekten Klaus Hänsch, verbindet das Ensemble zwei gegensätzliche Raumkonzepte. Der eingegrabene Lehmbruck-Flügel mit seinen geschwungenen Sichtbetonwänden, dem zentralen Atrium und den versetzten Galerieebenen formuliert eine introvertierte, fast sakrale Atmosphäre. Die transparente Glashalle daneben, eine stützenfreie Stahl-Glas-Konstruktion mit flexiblem Stellwandsystem, öffnet sich vollständig zum umliegenden Kantpark.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bereits 1968 nahm das Museum of Modern Art den Bau in seine Ausstellung „Architecture of Museums“ auf, 2019 wurde das Ensemble von der Bauhaus Kooperation in die Liste der „100 Orte der Moderne“ aufgenommen. Die Materialpalette aus Sichtbeton, Basalt, weißem Kiesel und brauner Klinkerziegelung wurde im Zuge einer Rehabilitierungsmaßnahme 2010 freigelegt, nach Bauschäden musste das Haus zeitweise schließen. Heute steht das Ensemble als denkmalgeschütztes Zeugnis seiner Epoche da, geschützt nach dem Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen (DSchG NRW).</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kapoor hat seine Werkauswahl explizit auf diese Architektur abgestimmt. Die Begegnung von monochromen Pigmentarbeiten, spiegelnden Edelstahlskulpturen und monumentalen Installationen mit den lichtdurchfluteten Hallen und den geschwungenen Betonschalen wird vom Museum als Resonanzraum beschrieben. Die Fragen nach Wahrnehmung, Körper und Raum, die Kapoors Werk durchziehen, finden in der Lehmbruck-Architektur einen kongenialen Verstärker. Hier zeigt sich, was selten gelingt: eine Ausstellungsarchitektur, die nicht neutraler Container für die Kunst ist, sondern als gleichberechtigte Stimme im Dialog mit ihr steht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bereits seit dem Jahr 2000 gehört Kapoors Skulptur „White Dark V“ zur Sammlung des Hauses. Die aktuelle Schau überführt diesen Einzelimpuls in ein vollständiges Werkpanorama, kuratiert in enger Abstimmung mit dem Künstler. Zu sehen sind frühe Pigmentarbeiten, in denen Kapoor mit gepuderten Oberflächen aus Ultramarin, Rot und Schwarz die Grenze zwischen Skulptur und Malerei auflöst, daneben spiegelnde Edelstahlobjekte wie die ikonischen S-Kurven, die den Betrachterraum vollständig in sich aufnehmen und verzerren, und monumentale Werke, die ganze Galerieebenen besetzen. Wer Kapoors international bekannteste Arbeit „Cloud Gate“ aus dem Chicagoer Millennium Park im Kopf hat, erlebt in Duisburg nicht die Architektur einer Stadt als Reflexionsfläche, sondern eine im Sichtbeton verankerte, deutlich konzentriertere Räumlichkeit. Genau diese Verschiebung macht die Ausstellung architekturhistorisch interessant.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Rolle spielt das Ruhrgebiet in der internationalen Skulpturenlandschaft?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung ist mehr als ein Ausstellungsereignis, sie ist ein kulturpolitisches Statement. Das Lehmbruck Museum positioniert sich seit Jahrzehnten als Zentrum Internationaler Skulptur und behauptet diese Rolle gegen den oft beschworenen kulturellen Schwerpunkt der Rheinschiene zwischen Köln und Düsseldorf. Die Förderstruktur der Ausstellung verdeutlicht das regionale Selbstverständnis: Träger sind neben der Stadt Duisburg der Landschaftsverband Rheinland (LVR), das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, die duisport-Duisburger Hafen AG, die Sparkasse Duisburg sowie die Sparkassen Kulturstiftung Rheinland.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Verbindung von kommunaler, landschaftsverbandlicher und industrieller Förderung folgt einem Muster, das im Ruhrgebiet historisch verankert ist. Wo andernorts private Stiftungen oder Bundesmittel dominieren, tragen hier die Strukturen der Industrieregion mit. Der Wilhelm-Lehmbruck-Preis selbst, seit 2020 mit voller LVR-Finanzierung ausgestattet, bestätigt diese Praxis. Aus städtebaulicher und denkmalpflegerischer Sicht stellt sich damit eine grundsätzliche Frage: Wie können Industrieregionen ihre kulturellen Infrastrukturen über Konjunkturen hinweg stabil halten? Das Duisburger Modell, in dem Hafen, Sparkasse, LVR und Land kooperieren, könnte als Referenz dienen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch die Architekturgeschichte argumentiert für eine stärkere überregionale Wahrnehmung. Der Lehmbruck-Bau steht exemplarisch für eine Phase der westdeutschen Nachkriegsmoderne, in der Museumsarchitektur als sensible Raumkunst und nicht als architektonisches Ausrufezeichen verstanden wurde. Im Vergleich zu späteren Museumsbauten der Bilbao-Generation wirkt das Haus heute fast bescheiden, gerade darin liegt seine bleibende Qualität. Manfred Lehmbruck formulierte zur Eröffnung 1964 das Ziel, im Zentrum einer Großstadt einen Ort der Ruhe und Besinnung in enger Verbindung von Natur und Kunst zu schaffen, ein Anspruch, der heute angesichts überkuratierter Museumsbauten ungewohnt aktuell klingt. Die Auseinandersetzung mit Kapoors raumgreifendem Werk macht diese Qualität sichtbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt der sieben Hektar große Skulpturenpark im umgebenden Immanuel-Kant-Park mit über vierzig Großskulpturen internationaler Bildhauerinnen und Bildhauer, darunter Henry Moore, Eduardo Chillida und Dani Karavan. Die Verzahnung von Innen- und Außenraum, von kuratierter Ausstellungssituation und frei zugänglicher Public-Art-Landschaft, ist im Ruhrgebiet einzigartig dicht. Das Lehmbruck Museum hat diesen Ansatz seit den 1990er Jahren systematisch in den Stadtraum erweitert, von der Brunnenmeile Königstraße bis zu Lutz Fritschs Rheinorange an der Rhein-Ruhr-Mündung. Wer die Ausstellung besucht, lernt damit eine integrale Auffassung kommunaler Bildhauerei kennen, die weit über die Museumsmauern hinausreicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Architekturkultur der Region ist die Ausstellung damit doppelt bedeutsam. Sie würdigt einen der wichtigsten Bildhauer der Gegenwart und stellt zugleich eines der bedeutendsten Architekturensembles der Bundesrepublik in den Mittelpunkt. Wer nach Duisburg fährt, erlebt zwei Werke in ihrer wechselseitigen Verstärkung: eine über sechzig Jahre alte Architektur, die in der Begegnung mit Kapoors Skulpturen neu lesbar wird, und ein zeitgenössisches Werk, das in dieser konkreten räumlichen Konstellation Dimensionen entfaltet, die im neutralen White Cube unmöglich wären. Die Schau läuft bis zum 30. August 2026, Medienpartner ist das Magazin Monopol.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Leserinformation</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ausstellung: Anish Kapoor. Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger der Stadt Duisburg und des Landschaftsverbandes Rheinland</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ort: Lehmbruck Museum, Friedrich-Wilhelm-Straße 40, 47051 Duisburg</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Laufzeit: 24. April bis 30. August 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Anreise: ÖPNV ab Hauptbahnhof Duisburg fußläufig in zehn Minuten, Parkhäuser in Innenstadtnähe</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Barrierefreiheit: nach DIN 18040-1 weitgehend erschlossen, Aufzüge und barrierearme Wege vorhanden</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eintritt: 9 Euro, ermäßigt 5 Euro, Kinder bis 14 Jahren frei</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Internet: <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://lehmbruckmuseum.de/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://lehmbruckmuseum.de</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/anish-kapoor-im-lehmbruck-museum-wenn-skulptur-die-nachkriegsmoderne-befragt/">Anish Kapoor im Lehmbruck-Museum: Wenn Skulptur die Nachkriegsmoderne befragt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Zwölf Kirchen, 106 Stimmen: Manifesta 16 Ruhr macht den Kirchenbau der Nachkriegszeit zur Bühne</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2026 16:07:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[§ 48 BauO NRW]]></category>
		<category><![CDATA[§ 9 DSchG NRW.]]></category>
		<category><![CDATA[DSchG NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Inhaltliche Tags: Manifesta 16 Ruhr]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchenumnutzung. Regelwerke: BauO NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Nachkriegsmoderne]]></category>
		<category><![CDATA[SBauVO NRW]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zwölf leerstehende Kirchen, 106 Teilnehmende, 64 neue Auftragsarbeiten: Die Manifesta 16 Ruhr macht die Nachkriegsmoderne zur Bühne und das Ruhrgebiet zum Labor für Baukultur. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/zwoelf-kirchen-106-stimmen-manifesta-16-ruhr-macht-den-kirchenbau-der-nachkriegszeit-zur-buehne/">Zwölf Kirchen, 106 Stimmen: Manifesta 16 Ruhr macht den Kirchenbau der Nachkriegszeit zur Bühne</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art </strong> |  REGIONALES | <strong>Ruhr</strong> | April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gottesdienst ohne Gott: Wie die Manifesta 16 Ruhr die Kirchen des Ruhrgebiets besetzt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Am 25. März hat die Manifesta 16 Ruhr die vollständige Teilnehmendenliste bekanntgegeben. Der Parcours durch zwölf ehemalige Nachkriegskirchen in Bochum, Duisburg, Essen und Gelsenkirchen rückt ein oft vergessenes Kapitel der Ruhrgebietsmoderne ins Zentrum.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Manifesta 16 Ruhr ist die 16. Ausgabe der europäischen Wanderbiennale für zeitgenössische Kunst und findet vom 21. Juni bis 4. Oktober 2026 in Bochum, Duisburg, Essen und Gelsenkirchen statt. Am 25. März 2026 hat das Team der Biennale in der St. Josef Kirche in Gelsenkirchen-Ückendorf die vollständige Liste der Teilnehmenden bekanntgegeben: 106 Künstlerinnen, Künstler und Kollektive aus 30 Ländern, darunter 64 neue Auftragsarbeiten, die eigens für zwölf ausgewählte Nachkriegskirchen im Ruhrgebiet entwickelt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Motto „This is not a Church“ formuliert dabei weniger eine künstlerische Pose als eine bauliche Ausgangsfrage. Unter der Leitung des katalanischen Architekten und Stadtplaners Josep Bohigas und der Manifesta-Direktorin Hedwig Fijen hat ein siebenköpfiges Kuratorinnen- und Kuratorenteam nach zweijähriger Recherche und dem Besuch von rund 200 Kirchen zwölf Veranstaltungsorte festgelegt, die gemeinsam den Parcours der Biennale bilden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Auswahl trifft einen Nerv der bundesdeutschen Baukultur. Nach Einschätzung der International Foundation Manifesta (IFM) werden in den kommenden zehn Jahren rund die Hälfte aller Kirchengebäude in Deutschland ihre sakrale Nutzung verlieren. Für ein Ruhrgebiet, dessen Nachkriegsmoderne bislang vor allem über Zechen, Hochöfen und Siedlungen erzählt wird, verschiebt die Manifesta 16 den Fokus auf ein bisher eher marginal behandeltes Kapitel: den protestantischen und katholischen Kirchenbau zwischen 1950 und 1975.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Kirchen werden bespielt und wer hat sie entworfen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die zwölf Veranstaltungsorte verteilen sich auf vier Städte und decken ein bemerkenswert breites architektonisches Spektrum ab. In Duisburg bildet die katholische Kulturkirche Liebfrauen (1958 bis 1971, Entwurf Toni Hermanns) den Ankerpunkt, eine der bedeutendsten Kirchen der Nachkriegsmoderne in der Rhein-Ruhr-Region mit einer zweigeschossigen, kubischen Struktur und einer Faltwand aus glasfaserverstärktem Plexiglas im Innenraum. In Essen stehen St. Marien in Frohnhausen (1961 bis 1963, Hans Schilling), die Markuskirche, Heilig Geist, Heilig Kreuz und St. Gertrud auf dem Programm.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gelsenkirchen bringt mit St. Josef (1894 bis 1896, Lambert von Fisenne, Sakristei 1912 von Josef Franke), St. Bonifatius (1963, Ernst von Rudloff), St. Anna Schalke-Nord (1970, Paul Günther) und der kristallin geformten Thomaskirche in Erle eine Mischung aus neogotischen und dezidiert modernen Bauten ein. Bochum schließlich vertritt mit Gethsemane (einer protestantischen Notkirche der Nachkriegszeit), Christ-König (ursprünglich für das Franziskanerkloster errichtet), St. Ludgerus in Langendreer mit seiner markanten dreieckigen Grundform und St. Anna die Bandbreite zwischen Notbau, Ordenskirche und skulpturaler Moderne.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass die meisten dieser Bauten unter Denkmalschutz nach dem Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen (DSchG NRW) stehen oder als erhaltenswerte Bausubstanz eingestuft sind, ist planungsrechtlich keine Nebensache. Jede temporäre Umnutzung als Ausstellungsort muss sich mit § 9 DSchG NRW auseinandersetzen, der für Veränderungen eine Erlaubnis der Unteren Denkmalbehörde verlangt. Auch baurechtlich sind die Konstellationen anspruchsvoll: Die Biennale bewegt sich in der Schnittmenge aus § 48 BauO NRW (Versammlungsstätten) und der Sonderbauverordnung (SBauVO NRW), ohne die zwölf Häuser dauerhaft in Versammlungsstätten umzuwidmen. Für 100 Tage Publikumsverkehr sind Flucht- und Rettungswege, Brandschutznachweise und Einbauten nach Versammlungsstättenrecht so zu konzipieren, dass sie reversibel bleiben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was sagt die Teilnehmendenliste über den Standort Ruhrgebiet?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zusammensetzung der 106 Teilnehmenden ist aus regionaler Sicht aufschlussreich. 25 Prozent der Beteiligten kommen aus Deutschland, 21 Prozent aus der Türkei und 9 Prozent aus Polen. Diese Gewichtung, so die Manifesta, spiegele die Einwanderungsgeschichte des Reviers und spanne einen Bogen von Gastarbeitergenerationen bis zu jüngeren deutsch-türkischen Positionen. Prominente Namen wie Katharina Fritsch, Alicja Kwade, Luc Tuymans, Wilhelm Sasnal, Nil Yalter, Mirosław Bałka, Judith Hopf und Pedro Cabrita Reis stehen neben Kollektiven wie SUPERFLEX, Bureau Baubotanik oder Constructlab. Gerade die Präsenz architektonisch argumentierender Gruppen wie Bureau Baubotanik und Constructlab lässt erwarten, dass ein Teil der Interventionen dezidiert baulich und räumlich gedacht ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die kuratorische Struktur folgt einem Tandem-Modell, das Hedwig Fijen anlässlich des 30. Jubiläums der Manifesta seit der ersten Ausgabe 1996 in Rotterdam eingeführt hat. Drei generationsübergreifende Paare teilen sich die Städte: Anda Rottenberg mit Krzysztof Kościuczuk in Bochum, René Block mit Leonie Herweg in Essen und Henry Meyric Hughes mit Michael Kurtz in Duisburg. Gürsoy Doğtaş verantwortet das öffentliche Programm, Josep Bohigas die städtebauliche Rahmung. Flankiert wird das Programm von „Manifesta 16+“, bei dem 16 regionale Initiativen und Projekte aus Dortmund, Herne, Mülheim an der Ruhr, Marl, Bottrop, Oberhausen sowie den vier Kernstädten eingebunden sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Getragen wird die Biennale vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, vom Regionalverband Ruhr (RVR) und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Förderpartner sind die RAG-Stiftung, die E.ON Stiftung, die Kunststiftung NRW, die Brost-Stiftung, die Stiftung Mercator und die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Die offizielle Eröffnung findet am 20. Juni 2026 auf dem Gelände der UNESCO-Welterbestätte Zeche Zollverein in Essen statt, der Besuch der Ausstellungen ist während der gesamten Laufzeit ticketfrei. Nach der Manifesta 4, die 2002 in Frankfurt am Main gastierte, ist dies erst die zweite deutsche Ausgabe der Biennale.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisch interessant ist, was nach dem 4. Oktober 2026 bleibt. Die Manifesta versteht sich ausdrücklich nicht als Blockbuster-Ausstellung, sondern als Inkubator. In Gelsenkirchen-Ückendorf hat das Projekt mit der Öffnung von St. Josef bereits vor Biennale-Beginn ein Nachbarschaftsprogramm etabliert, St. Bonifatius wurde über Urbane Künste Ruhr schon länger als Kulturort erprobt, die Kulturkirche Liebfrauen in Duisburg fungiert seit Jahren als Bürgerprojekt. Die Frage, die in allen zwölf Häusern mitläuft, ist damit weniger kuratorisch als baukulturell: Welche Nutzungsmodelle tragen eine denkmalgeschützte Nachkriegskirche dauerhaft, wenn die Sakramentalnutzung entfällt?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Baukultur in Nordrhein-Westfalen liegt genau hier der eigentliche Testfall. Die gängigen Umnutzungstypologien, Kolumbarium, Kulturzentrum, Wohnen im Kirchenschiff, sind seit zwei Jahrzehnten durchdekliniert, doch eine belastbare Systematik für die Nachnutzung protestantischer Notkirchen oder kleiner katholischer Stadtteilkirchen existiert kaum. Dass die Manifesta 16 Ruhr zwölf unterschiedliche Typologien parallel bespielt, erlaubt erstmals einen vergleichenden Blick unter realen Nutzungsbedingungen. Für die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, die beteiligten Kommunen und die Landeskirchen dürfte sich die eigentliche Diskussion daher erst am 5. Oktober 2026 beginnen, dem Tag nach der Finissage.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt ein Aspekt, der in der öffentlichen Debatte um Kirchenumnutzungen selten auftaucht: die energetische Ertüchtigung. Alle zwölf Häuser unterliegen dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) in der seit dem 1. Januar 2024 geltenden Fassung, und ihre oft einschaligen Wandkonstruktionen, großflächigen Betonglasfenster und ungedämmten Dachschalen stellen Planerinnen und Planer vor erhebliche Abwägungsfragen mit dem Denkmalrecht. Die Manifesta liefert für diese Fragen keine Antworten, aber sie schafft für 100 Tage eine öffentliche Sichtbarkeit der Bauaufgabe, die über den Kreis der Fachleute hinausreicht und damit politische Relevanz erzeugt. Mehr kann eine Kunstbiennale für die gebaute Umwelt kaum leisten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"> <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">LESERSERVICE  |  baukunst.art</strong></p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Manifesta 16 Ruhr: Besuch, Programm und Hintergrund</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Die wichtigsten Eckdaten für den Besuch, das architektonische Rahmenprogramm und weiterführende Informationen für Planerinnen und Planer.</em></p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Besuch und Öffnungszeiten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Laufzeit </strong>21. Juni bis 4. Oktober 2026 (100 Tage)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eröffnung </strong>20. Juni 2026, Zeche Zollverein Essen, UNESCO-Welterbestätte</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Standorte </strong>Zwölf ehemalige Kirchen in Bochum, Duisburg, Essen und Gelsenkirchen</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Öffnungszeiten </strong>Dienstag bis Donnerstag und Sonntag 11 bis 18 Uhr, Freitag und Samstag 11 bis 19 Uhr, Montag geschlossen (Ausnahme 22. Juni: 11 bis 18 Uhr)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eintritt </strong>Kostenfrei an allen zwölf Standorten, ebenso das vollständige Bildungs- und Vermittlungsangebot</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Veranstalter </strong>Manifesta 16 Ruhr gGmbH, Regionalverband Ruhr (RVR), Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Information <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://manifesta16.org/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://manifesta16.org</a></span></span></strong> (Newsletter, Parcours-Karte, Hintergrundtexte zu Bauten und Teilnehmenden)</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/zwoelf-kirchen-106-stimmen-manifesta-16-ruhr-macht-den-kirchenbau-der-nachkriegszeit-zur-buehne/">Zwölf Kirchen, 106 Stimmen: Manifesta 16 Ruhr macht den Kirchenbau der Nachkriegszeit zur Bühne</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Snøhetta gewinnt Generalplanungswettbewerb für das Düsseldorfer Opernhaus</title>
		<link>https://baukunst.art/snohetta-gewinnt-generalplanungswettbewerb-fuer-das-duesseldorfer-opernhaus/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2026 15:52:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Düsseldorf]]></category>
		<category><![CDATA[Opernhaus der Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[snohetta]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das norwegische Büro Snøhetta setzt sich im Generalplanungswettbewerb für das neue Düsseldorfer Opernhaus am Wehrhahn durch. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/snohetta-gewinnt-generalplanungswettbewerb-fuer-das-duesseldorfer-opernhaus/">Snøhetta gewinnt Generalplanungswettbewerb für das Düsseldorfer Opernhaus</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art </strong> |  REGIONALES | <strong>Düsseldorf</strong> | April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kultur, Musikschule, Bibliothek: Warum Düsseldorfs neue Oper mehr sein soll als ein Theater</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das norwegische Büro Snøhetta Oslo AS hat am 13. November 2025 den zweiphasigen Generalplanungswettbewerb für den Neubau des Düsseldorfer Opernhauses, geführt unter dem Titel „Opernhaus der Zukunft“, für sich entschieden. Der Entwurf sieht einen dreigeteilten Baukörper am Standort Am Wehrhahn 1/Oststraße 15 vor, der neben der Deutschen Oper am Rhein auch die Clara-Schumann-Musikschule und die Musikbibliothek der Stadtbüchereien Düsseldorf aufnimmt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das 25-köpfige Preisgericht unter Vorsitz des Architekten und Stadtplaners Heiner Farwick tagte am 12. und 13. November 2025 in Düsseldorf. Aus 27 Einreichungen der ersten Phase gelangten acht Arbeiten in die finale Runde. Ausgelobt hatte den Wettbewerb die städtische Immobilien Projekt Management Düsseldorf GmbH (IPM), begleitet vom Berliner Büro phase eins. Verfahrensrechtlich folgte die Ausschreibung den Vorgaben der Vergabeverordnung (VgV) sowie der Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW 2013).</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Siegerentwurf gliedert den Baukörper in drei Segmente und reagiert damit auf den dreieckigen Zuschnitt des Innenstadtblocks. Im Erdgeschoss ist ein großzügiges Forum vorgesehen, das den Neubau tagsüber als offenen Aufenthaltsort mit der Stadtgesellschaft verbinden soll. Auf rund 38.000 Quadratmetern Programmfläche entstehen ein Opernsaal mit etwa 1.300 Plätzen, Räume für die beiden Kulturinstitutionen, Flächen für allgemeine Bildungsangebote und Gastronomie. Neben Snøhetta prämierte das Preisgericht drei weitere Arbeiten: HPP Architekten GmbH aus Köln und Düsseldorf auf Platz zwei, die Arbeitsgemeinschaft aus kister scheithauer gross architekten (Köln) und STUDIO GANG ARCHITECTS, Ltd. (Chicago) auf Platz drei sowie wulf architekten aus Stuttgart auf Platz vier.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Snøhetta ist international vor allem durch das Opernhaus in Oslo (2008) und die Bibliotheca Alexandrina (2001) bekannt geworden; die Düsseldorfer Jury honorierte am Osloer Entwurf weniger eine signalhafte Geste als die sensible Verankerung im innerstädtischen Kontext. Die Pressemitteilung von Snøhetta beschreibt das Foyer als organischen, offenen Raum, der eine neue kulturelle Arena der Stadt schaffen soll. Innenräumlich dominieren geschwungene Linien und warme Farbtöne, bei deren Materialität sich in der weiteren Planung zeigen muss, wie konsequent Kreislauffähigkeit nach dem Grundsatz des Cradle-to-Cradle-Prinzips und die Anforderungen einer Zertifizierung nach der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) umgesetzt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche städtebauliche Aufgabe stellt der Standort Am Wehrhahn?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Ratsbeschluss vom 27. Juni 2024 hatte den Standort von der Heinrich-Heine-Allee an den Wehrhahn verlagert. Zugrunde lag die Insolvenz der Signa-Gruppe Ende 2023, in deren Folge die seit 2020 geschlossene Kaufhof-Filiale am Wehrhahn 1 als Grundstück verfügbar wurde. Planungsrechtlich liegt die Fläche in einem Kerngebiet nach § 7 Baunutzungsverordnung (BauNVO); die bauordnungsrechtliche Grundlage bildet § 34 Baugesetzbuch (BauGB) im Zusammenspiel mit der Landesbauordnung Nordrhein-Westfalen (BauO NRW 2018). Als Versammlungsstätte folgt das Vorhaben zusätzlich den Vorgaben der Sonderbauverordnung Nordrhein-Westfalen (SBauVO NRW), die Barrierefreiheit richtet sich nach § 49 BauO NRW.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Städtebaulich übernimmt das Projekt eine Bindegliedfunktion zwischen der Einkaufsachse Schadowstraße und dem bislang heterogenen Quartier am Wehrhahn. Der dreigeteilte Baukörper öffnet sich über das Forum zum Straßenraum und bündelt mehrere öffentliche Nutzungen unter einem Dach. Damit greift die Landeshauptstadt das Konzept des Dritten Ortes auf, das kulturelle, bildungsbezogene und gastronomische Programme überlagert. Kritische Stimmen, insbesondere aus der Linksfraktion im Düsseldorfer Stadtrat, beanstanden den geringen Begrünungsanteil und die Verschattungswirkung des kompakten Volumens. Gebäudetechnisch werden die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) und die Düsseldorfer Vorgaben zur Klimaanpassung die weitere Planung prägen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Standort profitiert von der direkten Anbindung an die 2016 eröffnete Wehrhahn-Linie der Rheinbahn, deren sechs unterirdische Haltepunkte den Stadtraum zwischen Bilk und Pempelfort neu gefasst haben. Zugleich liegt das Grundstück in unmittelbarer Nähe zu weiteren Kulturorten der Innenstadt, darunter das Schauspielhaus von Bernhard Pfau aus dem Jahr 1970. Diese Kontextualisierung unterstützt das Argument, den Neubau nicht isoliert, sondern als Bestandteil eines innerstädtischen Kulturbands zu lesen. Ob die von Snøhetta vorgeschlagene Fassadenbehandlung dem Maßstab der umgebenden Blockrandbebauung standhält, wird sich erst in der Ausarbeitungsphase zeigen; das Preisgericht hat hier ausdrücklich Hinweise zur weiteren Qualifizierung formuliert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das Vorhaben für die Planungskultur in Nordrhein-Westfalen?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Kostenziel der Landeshauptstadt liegt bei einer Milliarde Euro. Die Linksfraktion im Rat rechnet unter Einbeziehung von Grundstückskauf und Kreditfinanzierung mit rund 1,56 Milliarden Euro und fordert seit März 2025 einen Bürgerentscheid. Der Düsseldorfer Haupt- und Finanzausschuss hatte bereits im November 2024 eine Kreditaufnahme von 140,7 Millionen Euro für den Grundstückskauf beschlossen. Der Ratsbeschluss zur Beauftragung des Generalplaners ist für 2026 vorgesehen, der Ausführungs- und Finanzierungsbeschluss für 2028. Zuvor führt die IPM Vergabeverhandlungen mit allen vier ausgezeichneten Teams, um das wirtschaftlichste Angebot zu ermitteln. Die weiteren Leistungsphasen werden nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI 2021) vergeben, wobei die Komplexität des Sonderbaus eine Einstufung in die oberen Honorarzonen erwarten lässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Architekturlandschaft in Nordrhein-Westfalen ist der Wettbewerbsausgang doppelt aufschlussreich. Zum einen setzt sich ein internationales Büro gegen die rheinische und nordrhein-westfälische Konkurrenz durch, vertreten durch HPP Architekten und kister scheithauer gross. Zum anderen zeigt das Verfahren, wie stark die öffentliche Auseinandersetzung heute vom Zusammenspiel aus Baukultur, Haushaltslage und Beteiligungsansprüchen geprägt ist. Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen (AKNW) betont regelmäßig den Wert offener, zweiphasiger Wettbewerbe nach RPW 2013 als Instrument der Qualitätssicherung; das Düsseldorfer Verfahren bestätigt diesen Ansatz programmatisch. Im Vergleich mit jüngeren nordrhein-westfälischen Kulturbauten, etwa dem Dortmunder Haus der Vielfalt oder der Sanierung der Kölner Oper, bewegt sich Düsseldorf in einer Liga, die das Bundesland selten erreicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Offen bleibt die Zukunft des Altbaus an der Heinrich-Heine-Allee, eines Nachkriegsbaus aus dem Jahr 1956 nach Plänen von Julius Schulte-Frohlinde. Seine baukulturelle Bedeutung und mögliche Umnutzung stehen erst am Anfang der Debatte; denkmalrechtliche Fragen nach dem Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen (DSchG NRW) sind noch nicht verbindlich geklärt. Die Ausstellung aller 27 Wettbewerbsarbeiten im 34OST an der Oststraße 34 hat die öffentliche Diskussion bis zum 7. Dezember 2025 breiter verankert, als dies bei Projekten dieser Größenordnung sonst üblich ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob das von Stadt und Deutscher Oper am Rhein reklamierte Versprechen einer „Oper für alle“ in Budget, Programm und Architektur tatsächlich einlösbar sein wird, entscheidet sich in den kommenden Planungsphasen. Mit dem Siegerentwurf liegt zumindest eine städtebaulich präzise formulierte Antwort auf einen schwierig geschnittenen Innenstadtblock vor, deren dreifache Segmentierung dem Anspruch an Offenheit und Teilhabe baukörperlich begegnet. Das Forum als tagsüber zugängliche Arena der Stadt bleibt dabei die architektonisch riskanteste und programmatisch wichtigste Setzung des Entwurfs. Die nächsten zwölf Monate, in denen der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf über die Beauftragung des Generalplaners befindet, werden darüber entscheiden, ob aus dem Wettbewerbsergebnis ein tatsächlich errichtetes Kulturhaus wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Bonner Bühnen: Abriss oder Zukunft?</title>
		<link>https://baukunst.art/bonner-buehnen-abriss-oder-zukunft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 16:14:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[BauGB]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Bonner Bühnen]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz NRW]]></category>
		<category><![CDATA[DIN 18040]]></category>
		<category><![CDATA[DSchG NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunale Kulturpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Modulbau Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Nachkriegsmoderne]]></category>
		<category><![CDATA[Opernhaus Bonn]]></category>
		<category><![CDATA[Stadttheater Sanierung]]></category>
		<category><![CDATA[Zero-Kunst Otto Piene]]></category>
		<category><![CDATA[Zweispartenhaus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Bonner Opernhaus feierte 2025 seinen 60. Geburtstag. Jetzt droht der Abriss. Fünf Planungsvarianten, ein Kostenrahmen von bis zu 734 Millionen Euro und eine ungeklärte Frage: Was kommt danach?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/bonner-buehnen-abriss-oder-zukunft/">Bonner Bühnen: Abriss oder Zukunft?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">REGIONALES | Nordrhein-Westfalen</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bonner Oper vor dem Abriss: Eine Stadt ringt um ihre Kulturseele</h1>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Fünf Varianten, eine Milliarde im Raum und eine Stadt am Scheideweg</em></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zukunft der Bonner Bühnen ist eine stadtplanerische Gretchenfrage: Sanieren oder abreißen, und wenn abreißen, was dann?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das am Rheinufer gelegene Bonner Opernhaus feierte im vergangenen Jahr sein sechzigjähriges Bestehen. Erbaut von den Stuttgarter Architekten Klaus Gessler und Wilfried Beck-Erlang und 1965 eingeweiht, hat das Haus Generationen von Zuschauerinnen und Zuschauern begeistert. Zuletzt 1992/93 umfassend saniert, gilt es heute als dringend sanierungsbedürftig. Der Spielbetrieb sei nach Angaben der Stadtverwaltung nur noch für höchstens fünf Jahre gesichert. Jedes Jahr Verzug schlage mit mindestens zehn Millionen Euro zu Buche. Die Zeit drängt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bonner Stadtgesellschaft steht nun vor einer der kostspieligsten Kulturentscheidungen in der Geschichte der ehemaligen Bundeshauptstadt. Fünf Planungsvarianten liegen vor, ausgearbeitet von einer eigens gegründeten Stabsstelle und einer Arbeitsgemeinschaft zweier Planungsbüros. Ihr Ergebnis: ein Kostenrahmen von 426 bis 734 Millionen Euro. Auch das sanierungsbedürftige Schauspielhaus in Bad Godesberg, der erste Theaterneubau Deutschlands in der Nachkriegszeit, ist Teil dieser Entscheidung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was unterscheidet die fünf Planungsvarianten voneinander?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bandbreite der Varianten ist erheblich. Variante A sieht die vollständige Sanierung beider Häuser vor und kommt inklusive eines erforderlichen Interimsbaus auf geschätzte 665 Millionen Euro. Variante B, der Neubau der Oper am bestehenden Standort bei gleichzeitiger Sanierung des Schauspiels, ist mit 734 Millionen Euro die teuerste Option. Ein Neubau der Oper am alten Ort in Modulbauweise (Variante C) würde 464 Millionen Euro kosten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Varianten D und E verzichten auf eine kostspielige Interimslösung. Variante D sieht einen Neubau in Modulbauweise auf dem Areal einer ehemaligen Jutespinnerei an der Siegburger Strasse im rechtsrheinischen Stadtbezirk Beuel vor, dazu die Sanierung des Schauspiels. Kostenpunkt: 445 Millionen Euro. Variante E kombiniert diesen Standort mit einem Zweispartenhaus für Oper und Schauspiel in einem einzigen Neubau. Mit 426 Millionen Euro ist das die günstigste Option. Und sie allein erfüllt das Sparziel des Stadtkämmerers: 5,6 Millionen Euro jährlich sollen bei Betrieb, Logistik und Instandhaltung eingespart werden können. Der Kämmerer strebt eine Reduktion des Kulturetats um fünf Millionen Euro im Jahr an. Bei den übrigen Varianten liegt das Einsparpotenzial nicht einmal halb so hoch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bonns neuer Oberbürgermeister Guido Déus (CDU) hat sich bereits für den Abriss des Opernhauses ausgesprochen. Das denkmalgeschützte Schauspielhaus in Bad Godesberg hingegen soll erhalten und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Aus der freien Theaterszene soll es bereits Interessenten geben, die das Haus bespielen möchten. Vom Interesse zum ausgearbeiteten Nutzungskonzept ist es allerdings ein weiter Weg.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet der Verlust des Opernhauses für Bonn als Baukulturstadt?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gedanke, das 1965 eingeweihte Bonner Opernhaus abzureissen, ist aus baukultureller Sicht nicht ohne Brisanz. Das Gebäude gehört zur Architekturgeschichte der Nachkriegsmoderne und trägt im Zuschauerraum und im Parkettfoyer Lichtinstallationen des Zero-Künstlers Otto Piene. Deren Verlust wäre unwiederbringlich. Der Denkmalschutz schützt das Opernhaus offenbar nicht in dem Masse, wie er das Schauspielhaus in Bad Godesberg absichert. Und so rückt die Frage der Abwägung in den Vordergrund: Wie viel Geschichte ist einer Stadt die Erhaltung ihrer Kulturbauten wert, wenn die Kosten existenziell werden?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Grundstück an der Kennedybrücke, wo das Opernhaus an die Stelle der Kriegsruine des barocken Boeselager Hofes trat, ist städtebaulich ausserordentlich wertvoll. Eine kommerzielle Verwertung durch Investoren möchte die Stadtpolitik ausschliessen. Oberbürgermeister Déus kündigte an, dort müsse, in seinen Worten, etwas im Sinne der Bürgerinnen und Bürger entstehen. Was das konkret bedeutet, bleibt vorerst offen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei ist die Geschichte der Bonner Kulturbauten von einem bemerkenswerten Déjà-vu geprägt. Die ebenfalls am linksrheinischen Ufer gelegene Beethovenhalle, nur neun Gehminuten vom Opernhaus entfernt und 1959 eingeweiht, wurde nach knapp zehnjähriger Sanierung erst im Dezember 2025 wiedereröffnet. Auch sie stand einmal zur Disposition, sollte abgerissen und durch ein Festspielhaus ersetzt werden. Das Muster des Zögerns, Verschiebens und schliesslichen Sanierens kennt Bonn gut. Ob es sich diesmal wiederholt, oder ob der Abriss tatsächlich vollzogen wird, entscheiden die zuständigen Ausschüsse auf Grundlage der Beschlussvorlage, die nun vorliegt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Modulbau als Antwort auf Haushaltszwang</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass gleich drei der fünf Varianten auf Modulbauweise setzen, ist kein Zufall. Die Kommunen stehen unter fiskalischem Druck, und die Modulbauweise verspricht Kostendisziplin bei gleichzeitiger architektonischer Flexibilität. Für ein Haus der darstellenden Künste mit seinen komplexen bühnentechnischen Anforderungen, der notwendigen Akustik und den Anforderungen an Barrierefreiheit nach DIN 18040 ist Modulbau jedoch kein Selbstläufer. Ob Variante E, das Zweispartenhaus in Beuel, tatsächlich für 426 Millionen Euro realisiert werden kann und dabei eine künstlerisch überzeugende Spielstätte entsteht, wird von der Qualität des zukünftigen Wettbewerbsverfahrens abhängen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Standort in Beuel, auf dem Areal der ehemaligen Jutespinnerei an der Siegburger Strasse, liegt rechtsrheinisch und damit deutlich weiter vom historischen Stadtkern entfernt als die heutige Oper. Das ist kein Detail. Die städtebauliche Integration eines Kulturhauses in das Stadtgefüge prägt dessen Nutzung, seine Erreichbarkeit und seine symbolische Bedeutung für die städtische Identität. Eine Verlegung ist immer auch ein Signal an die Stadtgesellschaft darüber, welchen Stellenwert sie der Hochkultur im urbanen Raum beimisst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung, die Bonn nun treffen muss, hat überregionale Signalwirkung. Theatersanierungen sind ein bundesweites Problem. Ob Köln, Hamburg oder Frankfurt: Überall stellen sich Kommunen der Frage, wie viel ihre historisch gewachsenen Kulturinstitutionen im 21. Jahrhundert kosten dürfen. Bonns Lösung, welche auch immer sie wählt, wird als Referenz zitiert werden. Kulturdezernentin Birgit Schneider-Bönninger strebt eine Entscheidung noch vor der Sommerpause an. Ob das gelingt, bleibt fraglich. Denn die Sprengkraft des Themas, 426 bis 734 Millionen Euro in einer Stadt mit angespanntem Haushalt, lässt eine ruhige, schnelle Einigung unwahrscheinlich erscheinen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Betonparabeln und Kirchturmfragen: Was Kölns moderner Sakralbau der Gegenwart zu sagen hat</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 16:01:42 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Eine neue Publikation zeigt Kölns einzigartiges Erbe an modernen Sakralbauten: 100 Jahre Kirchenbaukunst zwischen Zitronenpresse und Leerstand, und was daraus werden soll.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art &#8211; </strong>Architektur | Stadtkultur | Baukultur | DACH</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Eine Publikation des Verlags der Buchhandlung Walther König dokumentiert 100 Jahre Sakralbaukunst in Köln und stellt die Frage, was aus diesem architektonischen Erbe wird.</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Köln als Laboratorium der Kirchenmoderne: Ein Inventar zwischen Erinnerung und Entscheidung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kein anderes Stadtgebiet in Deutschland vereint eine so ungewöhnliche Dichte an Sakralbauten der klassischen Moderne wie Köln: mehr als 200 Gebäude aus rund hundert Jahren, darunter Schlüsselwerke des europäischen Kirchenbaus, die heute zwischen Denkmalschutzpflege und Leerstand ihre Zukunft suchen. Der Sammelband &#8222;Moderner Sakralbau in Köln&#8220;, herausgegeben von der Kunsthistorikerin und ehemaligen Stadtkonservatorin Prof. Dr. Hiltrud Kier und dem Erzdiözesanbaumeister des Erzbistums Köln, Martin Struck, bietet die erste umfassende Bestandsaufnahme dieses Erbes: 480 Seiten, mehr als 200 Objekte, geordnet nach Stadtgebieten, erschienen 2025 im Verlag der Buchhandlung Walther König.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Buch ist kein Nostalgieprojekt. Es ist eine architekturhistorische Zustandsaufnahme in einem Moment, in dem die Frage nach der Zukunft dieser Bauten keine theoretische mehr ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie wurde Köln zur Laborbühne der Kirchenmoderne?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Ausgangspunkt liegt im frühen 20. Jahrhundert. Bei den Deutschen Werkbundausstellungen 1914 und 1928 entstanden in Köln Bauten, die bis heute als Marksteine gelten: Bruno Tauts Glashaus von 1914 und Otto Bartnings Stahlkirche von 1928 formulierten eine neue Materialsprache, die Funktion, Form und Licht radikal neu dachte. Es war kein Zufall, dass diese Experimente in Köln stattfanden: Die Stadt besaß eine aktive Reformbewegung innerhalb der katholischen Kirche, die nach neuen liturgischen Raumkonzepten suchte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus diesem Milieu heraus begründete Dominikus Böhm in den 1920er-Jahren eine Architektendynastie, deren Wirkung bis heute andauert. Sein bekanntestes Werk in Köln, St. Engelbert in Riehl (1930 bis 1932), war ein Zentralbau auf kreisrundem Grundriss, dessen acht parabelförmige Schildwände dem Volksmund den Spitznamen &#8222;Zitronenpresse&#8220; einbrachten. Das Kölner Generalvikariat sah in dem Entwurf zunächst etwas Fremdartiges, eher Orientalisches als Abendländisches, und bat um eine Milderung des Neuartigen. Böhm antwortete mit einem Verweis auf mittelalterliche Zentralbauten und baute. Heute gilt St. Engelbert als eines der bedeutendsten Kirchengebäude der Moderne in Deutschland überhaupt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was Böhm dort in Bimsbeton goss, beeinflusste die Architekturlandschaft bis nach Amerika. Sein Sohn Gottfried setzte die Familientradition fort und erhielt 1986 als erster und bis heute einziger deutscher Architekt den Pritzker-Preis. Peter und Paul Böhm, die Enkelsöhne, arbeiten bis heute in Köln. Der Sammelband belegt anhand dieser Genealogie, was nur in wenigen Städten so konzentriert beobachtbar ist: die Entwicklung einer lokalen Architekturkultur über vier Generationen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Neben der Familie Böhm prägten Rudolf Schwarz, Fritz Schaller, Joachim und Margot Schürmann sowie Emil Steffann das Kölner Kirchenbaugeschehen. Der Zweite Weltkrieg hatte die Stadt schwer beschädigt. Im Wiederaufbau entstanden Sakralbauten, die ein breites Panorama der Nachkriegsmoderne spiegeln: Experimentierfreude und Strenge, Expressionismus und Reduktion, Materialehrlichkeit und symbolische Aufladung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das Erbe für den Umgang mit dem Bestand heute?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Frage ist der eigentliche Subtext des Bandes. Die Herausgeber benennen ihn in ihrem Vorwort mit sachlicher Deutlichkeit: Viele dieser Bauten stehen vor einer ungewissen Zukunft. Manche haben ihre bauliche Lebensdauer überschritten, anderen ist ihre Zweckbestimmung abhandengekommen. Baukultur NRW schätzt, dass zwischen 30 und 50 Prozent der Kirchengebäude in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten leerstehen werden. Auf Nordrhein-Westfalen heruntergerechnet bedeutet das: von rund 6.000 Kirchengebäuden könnten bis zu 3.000 aus der Nutzung fallen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für das Erzbistum Köln ist die Lage besonders komplex. Von den 915 Kirchen im Erzbistum stehen 630 als Baudenkmal unter dem Schutz des Denkmalschutzgesetzes Nordrhein-Westfalen (DSchG NRW). Das bedeutet: Jeder bauliche Eingriff, jede Umnutzung, jeder Abriss erfordert eine denkmalbehördliche Abstimmung mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) als zuständiger unterer Denkmalschutzbehörde. Das Erzbistum hat dafür 2024 eine eigene Arbeitshilfe &#8222;Kirchen (um-)nutzen&#8220; herausgegeben, die drei Modelle einer neuen oder erweiterten Nutzung beschreibt und die Profanierung als Ultima Ratio definiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Konversion des Sakralbaus in einen multifunktionalen Ort ist planerisch anspruchsvoller als jede konventionelle Umnutzungsaufgabe. Der Grundriss ist auf eine Raumhierarchie hin entworfen, die nichts von modernen Flächeneffizienzkalkülen weiß. Das Schiff ist kein Büro. Der Chorraum ist kein Veranstaltungssaal. Und doch funktioniert es manchmal. Die ehemalige Albertus-Magnus-Kirche in Köln-Lindenthal, 1961 bis 1962 erbaut und 2019 profaniert, dient heute als Hörsaal der Universität zu Köln. Die Kulturkirche Ost, ein Bau von Georg Rasch und Winfried Wolsky aus dem Jahr 1968, wurde durch schultearchitekten 2012 denkmalgerecht saniert und in einen Kulturort umgewandelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Publikation dokumentiert diese Ambivalenz, ohne sie aufzulösen. Das ist ihre Stärke. Sie liefert keine Masterplanlösung, sondern eine Grundlage: Wer weiß, was er hat, kann entscheiden, was er damit tut. Der Katalog erfüllt damit genau jene Funktion, die eine Inventarisation leisten soll: Sie schafft Bewusstsein, bevor Substanz verloren geht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Köln ist in einer privilegierten Lage. Die lokale Baukulturinitiative, das Engagement von Baukultur NRW, die Arbeit des LVR-Landesamts für Denkmalpflege im Rheinland, und die institutionelle Begleitung durch den Erzdiözesanbaumeister schaffen ein Netzwerk, das in vielen anderen Bistümern fehlt. Das macht den Kölner Fall zu mehr als einer regionalen Geschichte: Er ist ein Modell, dessen Ausgabe jede Stadt mit einem vergleichbaren Bestand in der Hand haben sollte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gedanke, den die Rezensentin im Magazin chrismon formuliert, verdient es, hier wiederholt zu werden: Die Zukunft der Sakralbauten ist kein Spezialproblem für Kirchenleute, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Eine Stadt, die ihre Böhm-Kirchen, ihre Schwarz-Bauten und ihre Schürmann-Kapellen abreisst, verliert nicht nur Architektur. Sie verliert räumliches Gedächtnis.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hiltrud Kier und Martin Struck haben mit diesem Band einen Dienst an der Baukultur geleistet, der weit über Köln hinausweist. Bleibt zu wünschen, dass vergleichbare Inventarisationen auch für andere Grossstädte im DACH-Raum folgen, bevor die Frage nach der Zukunft dieser Bauten obsolet wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Bibliografischer Hinweis</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Hiltrud Kier, Martin Struck (Hg.): Moderner Sakralbau in Köln. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2025. 480 Seiten, 18 Euro. ISBN 978-3-7533-0841-8.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>NRW Bauordnung 2026: Gebäudetyp E, Digital First und genehmigungsfreie Militärbauten &#8211; Was die Novelle wirklich bedeutet</title>
		<link>https://baukunst.art/nrw-bauordnung-2026-gebaeudetyp-e-digital-first-und-genehmigungsfreie-militaerbauten-was-die-novelle-wirklich-bedeutet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 16:25:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>NRW reformiert sein Baurecht radikal: Gebäudetyp E, Umbauordnung, digitaler Bauantrag und genehmigungsfreie Militärbauten. Was steckt dahinter? </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Gebäudetyp E und &#8222;Digital First&#8220;: NRW will Bauordnung radikal umbauen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Radikal klingt gut &#8211; aber was heißt das genau?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es war ein Auftritt mit Ankündigungscharakter. Beim Neujahrsempfang der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf ließ Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung, keinen Zweifel an ihrem Reformwillen: &#8222;Wir wollen die Landesbauordnung zum Teil radikal ändern.&#8220; Vor rund 200 Gästen aus Politik, Bauwirtschaft und Verbänden skizzierte die CDU-Politikerin am 29. Januar 2026 den wohl ambitioniertesten Umbau des nordrhein-westfälischen Baurechts seit seiner grundlegenden Neugestaltung im Jahr 2018. Am selben Tag wurde der Novellierungsentwurf (Drs. 18/17474) bereits in erster Lesung im Düsseldorfer Landtag beraten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Ziel ist ein Gesetz der dritten Novellierung &#8211; nach den Änderungen vom 1. Januar 2024 und 1. Januar 2025 &#8211; nun mit Inkrafttreten zum 1. Juli 2026. Was sich nach bürokratischer Routine anhört, enthält im Kern eine fundamentale Neuausrichtung: Nicht mehr die Norm soll das Bauen strukturieren, sondern das Sicherheitsrecht. Das ist der Schlüssel zum vieldiskutierten Gebäudetyp E.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gebäudetyp E: Weniger Normen, mehr Verantwortung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gebäudetyp E &#8211; das &#8222;E&#8220; steht für &#8222;einfach&#8220; &#8211; ist seit Jahren ein Reformprojekt der Bundeskammern, das Architektinnen und Architekten mehr Gestaltungsspielraum geben soll, ohne dabei Sicherheitsstandards zu gefährden. Der Grundgedanke: Viele der derzeit einzuhaltenden Normen gehen über das Mindestmaß hinaus, das für sichere Gebäude tatsächlich erforderlich wäre. Wer heute baut, erfüllt oft keine zwingenden Mindestanforderungen, sondern das Komfortniveau eines durchschnittlichen Neubauprojekts der letzten Jahrzehnte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kammerpräsident Ernst Uhing sah darin seinen eigenen Kurs bestätigt: &#8222;Die Architektenkammern haben mit dem Gebäudetyp E genau diesen Weg beschrieben&#8220;, sagte er bei dem Empfang. Künftig sollen also nur noch die Anforderungen des Sicherheitsrechts zwingend erfüllt werden müssen &#8211; alles Darüber hinausgehende wird zum verhandelbaren Qualitätsstandard. Das klingt nach Befreiung. Für Architektinnen und Planer, die jahrelang gegen den Normendschungel angebaut haben, ist es das auch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kehrseite liegt auf der Hand: Wenn die Norm nicht mehr automatisch das Ergebnis determiniert, liegt die Verantwortung verstärkt beim Entwerfenden. Das erhöht den fachlichen Anspruch &#8211; und mögliche haftungsrechtliche Risiken. Wie das Privatrecht mit der neuen Freiheit umgehen wird, bleibt offen. Die Bauordnung selbst ist privatrechtlich ohnehin nicht anwendbar.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Von der Bauordnung zur Umbauordnung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch weitreichender ist der zweite Reformstrang: die Transformation der Bauordnung in eine sogenannte &#8222;Umbauordnung&#8220;. Scharrenbach kündigte an, die Genehmigungsfreistellung auf alle Gebäudeklassen auszuweiten &#8211; bisher gilt diese Regelung in NRW nur für Vorhaben bis Gebäudeklasse 4 im Bebauungsplangebiet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dieser Schritt folgt einer Erkenntnis, die sich im Bundesgebiet langsam durchsetzt: Deutschland baut zu wenig im Bestand, weil der bürokratische Aufwand für Umbauten unverhältnismäßig groß ist im Vergleich zu Neubauvorhaben. Dabei ist die ökologische Bilanz des Weiterbauens fast immer besser als die des Abbruchs und Neubaus. Die &#8222;Umbauordnung&#8220; ist also kein bloßes Verwaltungsvereinfachungsprojekt &#8211; sie ist eine klimapolitische Weichenstellung, auch wenn sie in diesem Zusammenhang selten so benannt wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf ausdrücklichen Wunsch der Architektenkammer NRW bleibt dabei die Möglichkeit erhalten, eine Genehmigung explizit zu beantragen. Eine &#8222;Oldtimer-Regelung&#8220; für Bestandsgebäude, wie Uhing es nannte, gibt es damit auch für jene Fälle, in denen Sicherheit durch ein formales Verfahren geschaffen werden soll &#8211; etwa bei komplexen Umbauten denkmalgeschützter Substanz.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Digital First: Der lange Weg zum Pflichtstandard</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Weniger spektakulär, aber in der Praxis mindestens ebenso bedeutsam: Der digitale Bauantrag soll mit Inkrafttreten der Novelle am 1. Juli 2026 zum Standard werden. &#8222;Digital first&#8220; lautet das Prinzip &#8211; eine Formulierung, die in anderen Branchen seit Jahren gilt, im öffentlichen Bauverwaltungsrecht von NRW aber erstmals rechtsverbindlich verankert werden soll.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Weg dahin war steinig. Noch mit der Novelle von 2024 wurde lediglich die Schriftformerfordernis zugunsten der Textform aufgegeben &#8211; Bauanträge durften fortan per E-Mail eingereicht werden. Das war ein Schritt, den andere Länder längst vollzogen hatten. Nun soll der vollständig digitale Bauantrag zur Pflicht werden. Ob die Unteren Bauaufsichtsbehörden tatsächlich flächendeckend so weit sind, bleibt eine andere Frage. NRW ist ein großes Bundesland mit sehr heterogener Verwaltungsinfrastruktur.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Militärbauten ohne Genehmigungsverfahren: Schnelligkeit oder Kontrollverlust?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das politisch heikelste Element der Novelle findet sich im dritten Reformstrang: der Beschleunigung von Infrastrukturvorhaben im Bereich Sicherheit und Verteidigung. Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU) brachte es auf den Punkt: &#8222;Für militärische Bauten in unserem Land muss künftig kein Baugenehmigungsverfahren mehr angestrengt werden.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hintergrund ist das Moratorium für Konversionsprojekte, das Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im Spätherbst 2025 verkündete &#8211; ein Signal, dass die Bundeswehr Liegenschaften zurückbenötigt, die in den Jahren nach der Wiedervereinigung abgegeben worden waren. Die NRW-Landesregierung will diese Linie unterstützen, indem sie bauordnungsrechtliche Hindernisse beseitigt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Scharrenbach begründete dies mit staatlicher Handlungsfähigkeit: &#8222;Dies ist kein Selbstzweck, sondern eine notwendige Voraussetzung dafür, dass der Staat handlungsfähig bleibt und seinen Schutzauftrag erfüllen kann.&#8220; Das klingt schlüssig &#8211; und wirft dennoch Fragen auf. Baugenehmigungsverfahren erfüllen nicht nur eine bürokratische Funktion. Sie sind Orte demokratischer Kontrolle, der Beteiligung von Nachbarinnen und Nachbarn sowie der Prüfung öffentlicher Belange. Wenn diese Verfahren bei Militärbauten entfallen, entfällt damit auch ein wesentlicher Teil des rechtsstaatlichen Rahmens.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Denkmalschutz im Omnibus: Mitfahren unerwünscht</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders brisant ist, was das sogenannte &#8222;Omnibusverfahren&#8220; in der Novelle mit sich führt: Neben der Änderung der Bauordnung wird gleichzeitig das Denkmalschutzgesetz NRW novelliert. Das Denkmalschutzbündnis NRW, dem auch die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte angehört, arbeitet aktiv daran, diese Änderungen zu verhindern. Wenn die Obere Denkmalbehörde einer geplanten Maßnahme nicht innerhalb eines Monats widerspricht, gilt diese als genehmigt &#8211; eine sogenannte Genehmigungsfiktion.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritikerinnen und Kritiker sehen darin eine systematische Schwächung des Denkmalschutzes. Die Formulierungen im Gesetzentwurf sind so weit gefasst, dass sie der Ministerin künftig das Recht geben könnten, ohne Widerspruchsmöglichkeit Dritter über Schutz oder Abriss von Denkmalen zu entscheiden. Ende November 2025 überzeugten Vertreterinnen und Vertreter des Bündnisses eine Gruppe von Landtagsabgeordneten: Das Gesetz dürfe so nicht verabschiedet werden. Der parlamentarische Prozess &#8211; Überweisung an den Ausschuss für Bauen, Wohnen und Digitalisierung &#8211; läuft.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">NRW als Modellfall &#8211; mit Vorbehalten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands. Was in Düsseldorf beschlossen wird, hat Signalwirkung. Die Reform enthält echte Fortschritte: Der Gebäudetyp E schafft Spielraum für innovatives und kostengünstiges Bauen. Die Umbauordnung stärkt das Bauen im Bestand und damit den Klimaschutz. Der digitale Bauantrag als Pflichtstandard ist überfällig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig zeigt die Novelle, wie Reformpakete funktionieren: Legitime Modernisierungen schaffen das politische Klima, in dem weniger offen diskutierte Änderungen mitverabschiedet werden können. Die Genehmigungsfreiheit für Militärbauten und die Schwächung des Denkmalschutzes sind keine Randnotizen &#8211; sie greifen in fundamentale Prinzipien des öffentlichen Baurechts ein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kammerpräsident Uhing nutzte die Bühne des Neujahrsempfangs auch, um auf ein anderes strukturelles Problem hinzuweisen: Die geplante Schließung von Architekturstudiengängen an der Bergischen Universität Wuppertal sei ein &#8222;fatales Signal&#8220;. Für die Umsetzung der politisch formulierten Ziele &#8211; mehr Umbau, mehr Digitalisierung, mehr Gebäudetyp E &#8211; brauche es sehr gut ausgebildete Planerinnen und Planer. Gesetze allein bauen keine Häuser.</p>
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		<title>Grund und Boden im K21 Düsseldorf: Ausstellung über Bodenrecht, Wohnen und globale Ressourcengerechtigkeit bis April 2026</title>
		<link>https://baukunst.art/grund-und-boden-im-k21-duesseldorf-ausstellung-ueber-bodenrecht-wohnen-und-globale-ressourcengerechtigkeit-bis-april-2026/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 16:12:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bodenrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwartskunst Düsseldorf]]></category>
		<category><![CDATA[Kunstsammlung NRW]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im ehemaligen Parlamentsgebäude Düsseldorfs fragt die Ausstellung "Grund und Boden", wem die Erde gehört und wie gerechtes Zusammenleben möglich ist. Ein Besuch lohnt sich.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Boden unter den Füßen: Wie das K21 Düsseldorf die große Ressourcenfrage stellt</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"></h2>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wer besitzt die Erde?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wem gehört der Boden? Diese scheinbar simple Frage entpuppt sich als eine der komplexesten und drängendsten der Gegenwart, sobald man das K21 in Düsseldorf betritt. Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zeigt dort noch bis zum 19. April 2026 die Ausstellung &#8222;Grund und Boden. Wie wir miteinander leben&#8220; und macht dabei deutlich, dass Bodenrecht, Ressourcenverteilung und soziale Gerechtigkeit keine abstrakten Konzepte sind, sondern handfeste politische Realitäten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kurator Kolja Reichert hat 34 internationale Künstlerinnen und Künstler sowie Kollektive versammelt, die das Thema aus so unterschiedlichen Perspektiven beleuchten, dass das gesamte Haus vom Keller bis zur ikonischen Glaskuppel davon durchdrungen ist. Zusätzlich greift die Ausstellung auf den angrenzenden Ständehauspark über. Erde, Kohle, Lotusseide, Schokolade: Die Materialien allein erzählen Geschichten von Ausbeutung, Transformation und Eigentum.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Ort mit Parlamentsgedächtnis</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Veranstaltungsort ist dabei kein beliebig gewählter Kunstcontainer. Das ehemalige Ständehaus am Kaiserteich war das erste gebaute Parlamentsgebäude im Rheinland. Julius Raschdorff, der spätere Berliner Dombaumeister, errichtete es zwischen 1876 und 1880 als preußischen Provinziallandtag. Von 1949 bis 1988 tagte hier der nordrhein-westfälische Landtag, bevor das Haus 2002 nach Grundsanierung als Museum für internationale Gegenwartskunst neu eröffnete.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Parlamentsvergangenheit ist keine Fußnote, sondern konzeptueller Kern der Schau. In einem Gebäude, in dem einst über Eigentumsrechte, Bodenpolitik und regionale Ressourcenverteilung verhandelt wurde, stellen heute Künstlerinnen und Künstler exakt dieselben Fragen, allerdings mit den Mitteln der Kunst. Das ist keine Symbolik um ihrer selbst willen, sondern eine ehrliche Kontextualisierung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom Rheinland in den Kongo und zurück</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung denkt lokal und agiert global. Mehrere Werke beschäftigen sich mit der Geschichte des Kohlebergbaus im Rheinland als Fundament des industriellen Wohlstands der Region. Dieser Wohlstand war nie selbstverständlich und schon gar nicht kostenlos zu haben: Er ruhte auf Arbeit, auf Landverbrauch, auf Umweltzerstörung. Das spürt Asche Lützerathi in einer abschließenden Performance nach, die am letzten Ausstellungstag, dem 19. April 2026, mit einer Busreise nach Hambach führt, zum größten Braunkohletagebau Europas.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den stärksten Gegenpol zu diesem rheinländischen Industrie-Erbe bildet das Cercle d&#8217;Art des Travailleurs de Plantation Congolaise (CATPC), der Künstlerbund Kongolesischer Plantagenarbeiterinnen und -arbeiter. Auf einer ehemaligen Palmölplantage des Unilever-Konzerns im Kongo haben diese Autodidaktinnen und Autodidakten eine bemerkenswerte Praxis entwickelt: Sie verarbeiten koloniales Erbe in Lehmfiguren, scannen diese in 3D und gießen sie in Schokolade um. Der Erlös aus dem Kunstmarktverkauf ermöglichte bislang die Renaturierung von 20 Hektar Land sowie den Bau eines lokalen Museums. 2024 bespielte CATPC den niederländischen Pavillon auf der Kunstbiennale Venedig. Die Figur eines belgischen Offiziers, 1931 im Zusammenhang mit einem Aufstand gegen belgische Kolonialgewalt entstanden und aus dem Kunstmuseum Richmond ausgeliehen, ist ebenfalls in der Schau zu sehen. Nachhaltigkeit und Restitution werden hier nicht bloß beschworen, sondern praktiziert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Selbstverwaltung als Utopie und Realität</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Zentrum der Ausstellung steht die Frage der Selbstverwaltung. Vor 500 Jahren, zu Beginn des Buchdrucks und des Finanzkapitalismus, lehnten sich deutsche Bauern gegen Privatisierung und undurchsichtige Abgaben auf. Alex Wissel verbindet in Wandzeichnungen die Bauernproteste von damals mit zeitgenössischen Demonstrationen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Blockchain-Technologie erscheint in mehreren Werken als modernes Instrument kollektiven Eigentums, scheitert aber immer wieder an der Realität staatlicher Strukturen. terra0, ein Berliner Künstlerduo, verwaltet ein Waldbiotop in Brandenburg via Blockchain und deutschem Vereinsrecht, musste dafür aber Pionierarbeit mit dem Finanzamt leisten. Johannes Büttner besucht mit der Kamera Liberland, jenen selbsterklärten Kryptostaat zwischen Serbien und Kroatien, der für 10.000 US-Dollar in Bitcoin Pass und Landzertifikat verkauft. Was dort als Freiheit verkauft wird, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als libertäre Vereinnahmung eines Begriffs, den die Gegenwart dringend braucht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Maria Thereza Alves zeigt in einer Videoinstallation, wie indigene Agroforst-Agentinnen und -Agenten ohne staatliche Unterstützung ein Waldgebiet in Amazonien von der Größe Brandenburgs verwalten, indem sie die Synergien der Natur nutzen. Das Modell ist älter als jede Blockchain und funktioniert besser als die meisten staatlichen Naturschutzprogramme.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Düsseldorf als regionaler Ankerpunkt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für das Rheinland besonders relevant sind die Arbeiten von Chris Reinecke und Lutz Mommartz, die 1971 den Gustaf-Gründgens-Platz vor dem Düsseldorfer Schauspielhaus besetzten und gegen politisch tolerierten Mietwucher demonstrierten. Mommartz&#8216; Film &#8222;Mietersolidarität&#8220; zeigt Reineckes Ansprache gegen Spekulation mit Grund und Boden, ergänzt durch satirische Entwürfe für selbstgebaute Siedlungen und Beete im Hofgarten. Das klingt wie ein zeitgenössisches Wohnpolitikdossier, ist aber über 50 Jahre alt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Havîn Al-Sîndy baut im Ständehauspark den Raum eines Lehmhauses aus dem irakischen Kurdistan auf, in dem sie aufwuchs. Lehmhäuser, buchstäblich aus dem Boden gebaut, auf dem sie stehen, sind eine der ältesten und meistverbreiteten Bauweisen weltweit. Der Kontrast zur Neo-Renaissance-Architektur des Ständehauses könnte kaum größer und produktiver sein.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritischer Befund</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Grund und Boden&#8220; ist eine der politisch ambitioniertesten Ausstellungen, die das K21 seit seiner Eröffnung gezeigt hat. Das Konzept, den historischen Ort als Argument zu nutzen, überzeugt. Die kuratorische Entscheidung, Blockchain-Kunst nicht zu feiern, sondern zu bilanzieren und zu hinterfragen, verdient Respekt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichwohl stellt sich die Frage, ob ein Kunstmuseum der richtige Ort ist, um Bodenpolitik zu verhandeln. Die Antwort lautet: Ja, solange es nicht bei Kunst bleibt. Das Begleitprogramm mit drei kostenlosen Aktionstagen zu den Themen Handeln, Wohnen und Pflanzen, lokalen Vereinen, offenen Workshops und Stadtführungen zeigt, dass die Ausstellung tatsächlich in die Stadt hineinwirken will. Ob die Besucherinnen und Besucher danach mit anderen Augen auf die Mietpreisexplosion in Düsseldorf blicken, bleibt offen. Daran muss sich das Projekt messen lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung &#8222;Grund und Boden. Wie wir miteinander leben&#8220; ist bis 19. April 2026 im K21 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Ständehausstraße 1, Düsseldorf, zu sehen. Eintritt frei jeden Freitag von 15 bis 18 Uhr, ermöglicht durch die Deutsche Postcode Lotterie.</p>
<hr />
<p><strong>Besucherinformation</strong></p>
<p><strong>Ausstellung</strong> Grund und Boden. Wie wir miteinander leben 29. November 2025 bis 19. April 2026</p>
<p><strong>Ort</strong> K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Ständehausstraße 1, 40217 Düsseldorf</p>
<p><strong>Öffnungszeiten</strong> Dienstag bis Sonntag sowie Feiertags: 11 bis 18 Uhr Montag: geschlossen Jeden ersten Mittwoch im Monat: bis 22 Uhr (KPMG-Kunstabend, Eintritt ab 18 Uhr frei)</p>
<p><strong>Eintritt</strong> 14 Euro / ermäßigt 12 Euro / 5 Euro Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre: frei Jeden Freitag von 15 bis 18 Uhr: freier Eintritt (ermöglicht durch die Deutsche Postcode Lotterie)</p>
<p><strong>Führungen</strong> Sonn- und feiertags 15 bis 16 Uhr: 5 Euro zuzüglich Eintritt, Anmeldung erforderlich</p>
<p><strong>Kontakt</strong> Tel. +49 (0)211 8381-204 service@kunstsammlung.de www.kunstsammlung.de</p>
<hr />
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Die Wiedergeburt der Bonner Beethovenhalle: Triumph des Denkmalschutzes oder teures Lehrstück?</title>
		<link>https://baukunst.art/die-wiedergeburt-der-bonner-beethovenhalle-triumph-des-denkmalschutzes-oder-teures-lehrstueck/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Jan 2026 09:28:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Premium]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Beethovenhalle]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Nachkriegsmoderne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Neun Jahre Bauzeit, 221 Millionen Euro Kosten, vier Bundespräsidentenwahlen in ihren Mauern: Die Bonner Beethovenhalle ist mehr als ein Konzertsaal. Als Ikone der Nachkriegsmoderne stand sie kurz vor dem Abriss, bevor Bürgerproteste und Denkmalschutz sie retteten. Nun feiert die ehemalige Bundeshauptstadt die Wiedereröffnung des Wolske-Baus. Doch hinter der festlichen Fassade verbirgt sich ein Lehrstück über deutsche Planungskultur, das Erbe der jungen Bundesrepublik und die Frage, was uns Baukultur wert sein darf.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Musikzimmer der alten Republik erwacht</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 16. Dezember 2025, dem Tauftag Ludwig van Beethovens, öffnete die Bonner Beethovenhalle nach neunjähriger Sanierung ihre Türen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte den Bau als einen der wichtigsten kulturellen Orte der Demokratiegeschichte, in dem viermal die Bundesversammlung tagte. Nordrhein-Westfalens Kulturministerin Ina Brandes sprach von der Wiederkehr eines Lebensgefühls. Doch welches Gefühl genau soll hier zurückkehren?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen erzählen zunächst eine Geschichte der Kostensteigerung, wie sie bei deutschen Großprojekten fast schon zum Standard gehört. Die ursprüngliche Kalkulation von 61 Millionen Euro wuchs auf 221 Millionen an, manche Quellen nennen sogar 260 Millionen. Aus drei Jahren Bauzeit wurden neun. Das Beethovenjubiläum 2020, für das die Halle eigentlich fertig sein sollte, kam und ging ohne den prestigeträchtigen Veranstaltungsort.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Vorgeschichte: Zwischen Festspielhaus und Bestandserhalt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sanierungsentscheidung selbst war das Ergebnis eines jahrelangen Ringens um die Zukunft des Hauses. 2007 beschloss der Stadtrat den Neubau eines Festspielhauses, finanziert durch drei in Bonn ansässige Dax-Unternehmen: Deutsche Telekom, Deutsche Post und Postbank. Ein Architektenwettbewerb 2009 brachte Entwürfe von internationalen Größen wie Zaha Hadid, Arata Isozaki und Richard Meier hervor, die allesamt den Abriss des Bestandsgebäudes vorsahen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Widerstand formierte sich in Bürgergesellschaft und Denkmalpflege. Die Beethovenhalle, seit 1990 unter Denkmalschutz, galt als eines der bedeutendsten Bauwerke der Nachkriegsmoderne. Als die Investoren 2015 zurücktraten und die Deutsche Post das Scheitern des Schulterschlusses beklagte, entschied sich Bonn für die Sanierung. Das spanische Büro Nieto Sobejano Arquitectos erhielt den Auftrag zur denkmalgerechten Instandsetzung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Organisches Bauen als demokratische Architektur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Siegfried Wolske, 1925 in Berlin geboren, war gerade 29 Jahre alt, als er 1954 den Wettbewerb für die neue Beethovenhalle gewann. Sein Entwurf setzte sich gegen 108 Mitbewerber durch, prämiert von einer Jury unter Vorsitz von Paul Bonatz und Otto Bartning. Wolske, ein Schüler Hans Scharouns an der TU Berlin, übertrug dessen Konzept des organischen Bauens auf die provisorische Bundeshauptstadt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die asymmetrische Raumfolge vom trichterförmigen Eingang über die sich öffnenden Foyers bis zum Kuppelsaal mit seinen 1.700 Plätzen steht für eine demokratische Architektur, die den Bruch mit der nationalsozialistischen Monumentalität suchte. Elegant, aber nicht protzig, feierlich, aber nicht auftrumpfend, so beschreibt die zeitgenössische Kritik den Bau. Die Baumaterialien verkörperten den internationalen Anspruch der jungen Bundesrepublik: Granit aus Schweden, Marmor aus Italien, Edelhölzer aus Afrika und Japan, verarbeitet von regionalen Handwerksbetrieben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Dilemma des Denkmalschutzes</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sanierung stellte die Beteiligten vor erhebliche Herausforderungen. Die historischen Röhrenheizkörper mussten von einer der nur zwei Firmen in Europa restauriert werden, die solche Arbeiten überhaupt durchführen. Das 400 Quadratmeter große Glasmosaik an der Rheinfassade mit einer Million blauer Glassteine wurde Stein für Stein aufgearbeitet. Die Konzertorgel der Bonner Firma Klais mit ihren 5.300 Pfeifen erhielt eine vollständige Restaurierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier zeigt sich das grundsätzliche Spannungsfeld zwischen Denkmalschutz und wirtschaftlicher Vernunft. Die strengen Vorgaben zur Wiederherstellung des historischen Zustands trieben die Kosten in die Höhe und verlängerten die Bauzeit erheblich. Manche Stimmen im Projektbeirat fragten, ob nicht weniger strikte Auslegungen der Denkmalschutzvorgaben Zeit und Geld gespart hätten. Diese Debatte berührt ein Grundsatzproblem kommunaler Baupolitik: Wie viel darf die Bewahrung des baukulturellen Erbes kosten?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Baukultur zwischen Anspruch und Wirklichkeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nordrhein-Westfalen, das bevölkerungsreichste Bundesland, ringt seit Jahren mit der Sanierung seiner Kulturbauten. Die Kölner Oper, das Düsseldorfer Schauspielhaus, nun die Bonner Beethovenhalle: Die Liste der Projekte mit massiven Kostensteigerungen und Bauzeitverlängerungen wächst. Der Bund der Steuerzahler dokumentiert diese Entwicklungen regelmäßig und kritisch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Beethovenhalle ist dabei auch ein Beispiel für das Engagement lokaler Bürgerinnen und Bürger. Bereits 1956 brachten die Bonnerinnen und Bonner eine Million D-Mark für den Bau auf, eine in der Nachkriegszeit bemerkenswerte Summe. Der Bürgerverein Pro Beethovenhalle kämpfte jahrelang gegen Abrisspläne. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Sparkasse KölnBonn unterstützten die Wiederherstellung der Außenanlagen mit 250.000 Euro.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Nostalgie und Zukunftsfähigkeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Generalmusikdirektor Dirk Kaftan, der das Eröffnungskonzert mit Mahlers Auferstehungssymphonie dirigierte, betonte die gesellschaftliche Verantwortung von Kultureinrichtungen. Investitionen der öffentlichen Hand in die Hochkultur entspringen einer Selbstverpflichtung des Gemeinwesens, die nicht allen Steuerzahlenden unmittelbar zugute kommt. Es sei Aufgabe des Staates, Möglichkeiten zu eröffnen, nicht den Willen des Einzelnen zu diktieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die modernisierte Beethovenhalle verfügt nun über neueste Haus- und Veranstaltungstechnik bei gleichzeitiger Bewahrung der historischen Substanz. Das Studio wurde zum Kammermusiksaal mit 500 Plätzen ausgebaut, ein neuer Beethovenpark mit 12.000 Quadratmetern ersetzt den früheren Parkplatz. Die BonnCC Management GmbH betreibt das Haus künftig für Konzerte, Kongresse und kulturelle Veranstaltungen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Ein Lehrstück mit offenem Ausgang</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wiedereröffnung der Beethovenhalle ist ein Sieg des Denkmalschutzes und der Bürgergesellschaft über die Verlockungen des spektakulären Neubaus. Gleichzeitig mahnt sie zur kritischen Reflexion über Planungsprozesse, Kostenentwicklung und Bauzeiten bei kommunalen Großprojekten. Die alte Bonner Republik wird zur Projektionsfläche. Vielleicht taugt gerade deshalb die Beethovenhalle mit ihrer bescheidenen Eleganz heute mehr denn je als Symbol für den zukunftsgläubigen Eigensinn der frühen Bundesrepublik.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In zwei Jahren wird hier Beethovens 200. Todestag begangen. Bis dahin muss sich zeigen, ob das Versprechen des Generalmusikdirektors eingelöst wird, dass Bonn mit seiner Beethovenhalle ein Juwel besitzt, das ganz oben in der Liga deutscher Konzerthäuser mitspielt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Vergabekammern NRW Zusammenlegung 2027: Was die Reform für Architekten und öffentliche Aufträge bedeutet</title>
		<link>https://baukunst.art/vergabekammern-nrw-zusammenlegung-2027-was-die-reform-fuer-architekten-und-oeffentliche-auftraege-bedeutet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Jan 2026 09:10:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Nordrhein-Westfalen]]></category>
		<category><![CDATA[Vergaberecht]]></category>
		<category><![CDATA[Verwaltungsreform]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14852</guid>

					<description><![CDATA[<p>Nordrhein Westfalen fusioniert seine beiden Vergabekammern zu einer zentralen Instanz in Münster. Die Reform verspricht schnellere Verfahren, doch Kritiker bezweifeln die Wirksamkeit ohne zusätzliches Personal.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">NRW bündelt Vergabekammern: Entbürokratisierung oder Symbolpolitik?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus zwei mach eins: Das Land Nordrhein Westfalen schickt sich an, seine beiden Vergabekammern Westfalen und Rheinland zu einer landesweit zuständigen Institution zusammenzulegen. Ab Anfang 2027 soll die neue Vergabekammer Nordrhein Westfalen bei der Bezirksregierung Münster ihre Arbeit aufnehmen. Die Landesregierung feiert den Schritt als Meilenstein der Verwaltungsmodernisierung. Doch bei genauerem Hinsehen offenbaren sich Fragen, die das schöne Narrativ von weniger Bürokratie und schnelleren Entscheidungen erheblich trüben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Ausgangslage: Unterschiedliche Geschwindigkeiten</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Während die Vergabekammer Westfalen Nachprüfungsverfahren im Durchschnitt in 3,89 Wochen abschließt, benötigt die Kammer Rheinland für vergleichbare Fälle 8,5 Wochen. Diese Diskrepanz hatte bereits im Sommer 2025 die FDP Fraktion auf den Plan gerufen. Die Abgeordneten Dirk Wedel und Dietmar Brockes reichten eine Kleine Anfrage ein, in der sie die Landesregierung mit den Worten konfrontierten, dass die Verfahrenslaufzeiten dem Vernehmen nach derzeit unverhältnismäßig lang seien.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort der Landesregierung fiel diplomatisch aus. Wirtschaftsministerin Mona Neubaur verwies auf die zunehmende Komplexität von Ausschreibungen und betonte, die Bündelung von Kompetenzen sei ein richtiger Schritt. Innenminister Herbert Reul sekundierte mit dem Hinweis auf die wichtige Rolle der Bezirksregierungen als Rückgrat der Landesverwaltung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die eigentliche Ursache bleibt ungelöst</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei aller Reformrhetorik fällt auf, was die Verlautbarungen verschweigen: Beide Kammern arbeiten seit Jahren an der Belastungsgrenze. Insgesamt 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bearbeiten die Nachprüfungsverfahren für das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands. Die öffentlichen Aufträge in Nordrhein Westfalen bewegen sich jährlich im Milliardenbereich. Allein die Kommunen und das Land beschaffen kontinuierlich Waren und Dienstleistungen in erheblichem Umfang.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zusammenlegung allein löst das Personalproblem nicht. Ob 16 Menschen in Münster effizienter arbeiten als verteilt auf Köln und Münster, darf bezweifelt werden. Zwar deuten zahlreiche Stellenausschreibungen darauf hin, dass die neue Kammer personell besser ausgestattet werden soll. Doch konkrete Zusagen zur künftigen Personalstärke enthält weder das Schreiben der Ministerin noch die offizielle Pressemitteilung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Historische Parallelen mahnen zur Vorsicht</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es wäre nicht das erste Mal, dass Nordrhein Westfalen seine Vergabestrukturen reorganisiert. Bereits zum 1. Januar 2015 erfolgte eine Zusammenlegung der damals fünf Vergabekammern auf zwei Standorte. Die Vergabekammer Westfalen übernahm die Regierungsbezirke Münster, Detmold und Arnsberg, während die Vergabekammer Rheinland für Düsseldorf und Köln zuständig wurde. Zehn Jahre später steht die nächste Strukturreform an.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage drängt sich auf: Warum wurde die Zweierstruktur nicht nachhaltig leistungsfähig? Die Antwort liegt möglicherweise weniger in organisatorischen Defiziten als in der chronischen Unterfinanzierung der Mittelbehörden. Wer Verfahren beschleunigen will, braucht qualifiziertes Personal. Organisatorische Umstrukturierungen können fehlende Ressourcen nicht ersetzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Implikationen für die Planungsbranche</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten sowie Ingenieurinnen und Ingenieure hat die Reform durchaus praktische Konsequenzen. Die Vergabe von Planungsleistungen durch öffentliche Auftraggeber unterliegt einem komplexen Regelwerk aus Vergabeverordnung, Unterschwellenvergabeordnung und der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure. Nachprüfungsverfahren gehören zum beruflichen Alltag, wenn Auftraggeber oder unterlegene Bieter Entscheidungen anfechten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die gesetzliche Regelfrist für Nachprüfungsverfahren beträgt fünf Wochen. Dass selbst die schnellere Vergabekammer Westfalen diese Vorgabe nur knapp unterschreitet, illustriert den Reformbedarf. Längere Verfahrensdauern verzögern Bauprojekte und verursachen Mehrkosten, die letztlich die öffentliche Hand und damit die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler tragen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der Zeitplan: Ambitioniert, aber machbar</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Umstellung erfolgt in drei Stufen. Ab dem 1. Januar 2026 übernimmt die Vergabekammer Westfalen zunächst die Zuständigkeit für den Regierungsbezirk Düsseldorf. Ein halbes Jahr später, zum 1. Juli 2026, folgt der Regierungsbezirk Köln. Die Vergabekammer Rheinland bleibt währenddessen für bereits anhängige Verfahren zuständig. Zum 1. Januar 2027 soll die neue Vergabekammer Nordrhein Westfalen dann offiziell ihre Arbeit aufnehmen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die rechtliche Grundlage bildet die Verordnung zur Neuorganisation der Vergabekammern vom 18. November 2025. Der schrittweise Übergang soll verhindern, dass laufende Verfahren durch die Umstrukturierung beeinträchtigt werden. Ein pragmatischer Ansatz, der allerdings auch bedeutet, dass Parallelstrukturen über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die politische Dimension</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Reform trägt die Handschrift einer schwarz grünen Landesregierung, die sich Entbürokratisierung auf die Fahnen geschrieben hat. Wirtschaftsministerin Neubaur von den Grünen und Innenminister Reul von der CDU präsentieren die Maßnahme gemeinsam als Beweis für pragmatische Zusammenarbeit über ideologische Grenzen hinweg. Die Betonung der Bezirksregierungen als Standort signalisiert zudem ein Bekenntnis zur Mittelinstanz, deren Existenzberechtigung in Zeiten digitaler Verwaltung immer wieder infrage gestellt wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Regierungspräsident Andreas Bothe aus Münster zeigte sich entsprechend erfreut, künftig zentral für ganz Nordrhein Westfalen zuständig zu sein. Sein Kölner Kollege Thomas Wilk betonte seinerseits das Ziel, Verfahren zu vereinfachen, zu beschleunigen und rechtssicherer zu gestalten. Die Wirtschaft brauche klare, verlässliche Rahmenbedingungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit: Notwendiger Schritt mit ungewissem Ausgang</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zusammenlegung der Vergabekammern ist weder Wunderwaffe noch Symbolpolitik. Sie beseitigt Doppelstrukturen und schafft die organisatorischen Voraussetzungen für eine einheitliche Spruchpraxis. Ob die Reform tatsächlich zu schnelleren Verfahren führt, hängt entscheidend von der Personalausstattung ab. Die Landesregierung wäre gut beraten, hier konkrete Zusagen zu machen, statt sich hinter allgemeinen Formulierungen von Synergien und Effizienzgewinnen zu verstecken.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Planungsbranche bleibt die Entwicklung aufmerksam zu beobachten. Eine funktionierende Vergabekontrolle ist essenziell für faire Wettbewerbsbedingungen bei öffentlichen Aufträgen. Die Konzentration in Münster darf nicht dazu führen, dass der Rechtsschutz für Bieterinnen und Bieter im Rheinland faktisch erschwert wird. Der Weg nach Münster ist von Köln oder Düsseldorf aus deutlich weiter als der zur bisherigen Kammer vor Ort.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/vergabekammern-nrw-zusammenlegung-2027-was-die-reform-fuer-architekten-und-oeffentliche-auftraege-bedeutet/">Vergabekammern NRW Zusammenlegung 2027: Was die Reform für Architekten und öffentliche Aufträge bedeutet</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Charlotte Perriand in Krefeld: Wenn französische Moderne auf Mies van der Rohe trifft</title>
		<link>https://baukunst.art/charlotte-perriand-in-krefeld-wenn-franzoesische-moderne-auf-mies-van-der-rohe-trifft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2025 17:49:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Charlotte Perriand]]></category>
		<category><![CDATA[Kunstmuseen Krefeld]]></category>
		<category><![CDATA[Mies van der Rohe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Kunstmuseen Krefeld zeigen Charlotte Perriands Lebenswerk in Mies van der Rohes Villen. Ein Dialog zweier Moderne-Ikonen am Niederrhein.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Krefelder Retrospektive verbindet französische Gestalterin mit deutschem Bauhaus-Erbe</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es gibt Ausstellungen, die funktionieren trotz ihrer Räume. Und es gibt solche, die erst durch ihre Räume zu dem werden, was sie sein können. Die Retrospektive Charlotte Perriand. L&#8217;Art d&#8217;habiter / Die Kunst des Wohnens in den Kunstmuseen Krefeld gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Wenn die Entwürfe einer französischen Gestalterin, die das moderne Wohnen neu definierte, in den Villen eines deutschen Architekten gezeigt werden, der ebenfalls das moderne Wohnen neu definierte, dann ist das mehr als kuratorischer Zufall. Es ist ein Dialog über Jahrzehnte hinweg.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwei Visionen, ein Anliegen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Charlotte Perriand (1903 bis 1999) und Ludwig Mies van der Rohe (1886 bis 1969) kannten sich vermutlich, bewegten sich in denselben Kreisen der europäischen Avantgarde. Beide arbeiteten in den späten zwanziger Jahren an der Frage, wie zeitgemäßes Wohnen aussehen könnte. Während Mies 1927 bis 1930 für die Krefelder Seidenfabrikanten Hermann Lange und Josef Esters zwei benachbarte Villen entwarf, entwickelte Perriand im Atelier von Le Corbusier jene Stahlrohrmöbel, die heute zu den Ikonen des 20. Jahrhunderts zählen. Die Chaise Longue Basculante, der Fauteuil Grand Confort, das Bücherregal Mexique: Entwürfe, die den Menschen ins Zentrum stellten, nicht die Form.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass diese Möbel nun in den Räumen von Haus Lange und Haus Esters stehen, erschließt eine Dimension, die keine noch so aufwendige Museumspräsentation erreichen könnte. Museumsdirektorin Katia Baudin, die die Ausstellung gemeinsam mit Waleria Dorogova kuratiert hat, spricht von einem Contrepoint zum Bauhaus. Das ist bescheiden formuliert. Es ist vielmehr eine Begegnung auf Augenhöhe zweier Protagonistinnen und Protagonisten der Moderne, die unterschiedliche Wege gingen, aber dasselbe Ziel verfolgten: Gestaltung als Mittel zur Verbesserung des Alltags.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Ort macht den Unterschied</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Haus Lange und Haus Esters sind keine neutralen White Cubes. Die von Mies van der Rohe mit seiner Partnerin Lilly Reich bis ins Detail gestalteten Backsteinvillen verkörpern selbst eine Haltung zum Wohnen. Die fließenden Raumübergänge, die bodentiefen Fenster, die im Haus Lange sogar komplett in den Keller versenkt werden können, die durchkomponierten Sichtachsen vom Eingang bis in den Garten: All das macht diese Häuser seit 1955 beziehungsweise 1981 zu anspruchsvollen, aber auch zu inspirierenden Orten für zeitgenössische Kunst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung nutzt diese Qualität konsequent. Im Kaiser Wilhelm Museum am Joseph Beuys Platz entfaltet sich die chronologische Werkschau über zwei Etagen. Höhepunkt ist die maßstabsgetreue Rekonstruktion des Salon d&#8217;Automne von 1929, jener Rauminstallation, die Perriand gemeinsam mit Le Corbusier und Pierre Jeanneret für die Pariser Herbstausstellung schuf. Der Möbelhersteller Cassina, der die Entwürfe bis heute produziert, hat diese Rekonstruktion ermöglicht. Besucherinnen und Besucher können hier tatsächlich auf den Möbeln Platz nehmen, was mehr über Perriands Gestaltungsphilosophie vermittelt als jeder erklärende Wandtext.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Synthese der Künste in historischen Wohnräumen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Haus Lange widmet sich die Präsentation Perriands Leitmotiv der Synthèse des Arts, der Verbindung von Architektur, Design und bildender Kunst. Ihre prägenden Aufenthalte in Japan, Indochina und Brasilien werden hier ebenso beleuchtet wie die Zusammenarbeit mit Künstlerpersönlichkeiten wie Fernand Léger und Isamu Noguchi. Die ehemaligen Wohnräume der Familie Lange, das Damenzimmer, der Essbereich, die repräsentative Halle, werden dabei zu Kulissen, die Perriands Möbel in einen authentischen Kontext setzen. Ein Nuage-Regal mit Aluminiumelementen trennt hier den Essbereich vom Wohnraum, ein Petit bureau en forme libre verwandelt das Damenzimmer in ein elegantes Homeoffice.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders berührend ist ein Einzelstück aus dem Centre Pompidou: der Tisch Forme libre six pans von 1938, den Perriand für ihre Dachgeschosswohnung im Montparnasse anfertigen ließ. Asymmetrisch, aus wiederverwertetem Nadelholz der Weltausstellung 1937, platzsparend für sechs Personen: Dieser Tisch hat, wie Katia Baudin betont, Manifest-Charakter. Er verabschiedet sich von den Dogmen der frühen Moderne, vom Primat des Stahls und der industriellen Fertigung, und weist voraus auf jene Nachhaltigkeit, die heute wieder im Zentrum architektonischer Debatten steht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Aktualität einer Gestaltungshaltung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Charlotte Perriand stellte zeitlebens den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Ihre Minimalbehausungen der Zwischenkriegszeit, ihre modularen Aufbewahrungssysteme der Nachkriegsjahre, ihr Gesamtkunstwerk Les Arcs in den französischen Alpen, an dem sie über zwanzig Jahre arbeitete: Immer ging es um die Frage, wie Gestaltung den Alltag verbessern kann. Diese Haltung verbindet sie mit Mies van der Rohe, der in Krefeld ebenfalls keine reinen Kunstobjekte schuf, sondern Häuser, in denen Menschen leben sollten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung läuft noch bis zum 15. März 2026 und wandert anschließend nach Salzburg und Barcelona. Für Krefeld ist sie mehr als eine prestigeträchtige Schau. Sie ist ein Statement dafür, dass die Stadt am Niederrhein mit ihrem Mies van der Rohe-Erbe, den Villen und den erhaltenen Verseidag-Fabrikgebäuden, zu den bedeutenden Orten der europäischen Architekturmoderne gehört. Dass diese Bedeutung nun durch den Dialog mit einer französischen Gestalterin unterstrichen wird, ist eine kluge kuratorische Entscheidung. Charlotte Perriand hätte sie vermutlich gefallen.</p>
<hr />
<p><strong>BESUCHERINFORMATIONEN</strong></p>
<p><strong>Ausstellung:</strong> Charlotte Perriand. L&#8217;Art d&#8217;habiter / Die Kunst des Wohnens</p>
<p><strong>Laufzeit:</strong> 2. November 2025 bis 15. März 2026</p>
<p><strong>Ausstellungsorte:</strong></p>
<p><strong>Kaiser Wilhelm Museum</strong> Joseph-Beuys-Platz 1 47798 Krefeld</p>
<p><strong>Haus Lange und Haus Esters</strong> Wilhelmshofallee 91–97 47800 Krefeld</p>
<p><strong>Öffnungszeiten:</strong> Dienstag bis Sonntag: 11:00 bis 17:00 Uhr Montags geschlossen Geschlossen am 24., 25. und 31. Dezember</p>
<p><strong>Kontakt:</strong> Telefon: +49 2151 975580 E-Mail: servicekunstmuseen@krefeld.de Web: www.kunstmuseenkrefeld.de</p>
<p><strong>Besondere Angebote:</strong></p>
<ul>
<li>Museums-App mit Media-Guide, Quiz und Spiel</li>
<li>Virtual-Reality-Anwendung zum &#8222;Refuge Tonneau&#8220;</li>
<li>WohnLab im Studio 2: Interaktives Design-Labor</li>
<li>Führungen und Workshops (4 Euro zzgl. Eintritt)</li>
</ul>
<p><strong>Katalog:</strong> Charlotte Perriand. The Art of Living Hrsg. Katia Baudin, Waleria Dorogova 256 Seiten, 200 Farbabbildungen Museumsausgabe: 44 Euro (erscheint Februar 2026)</p>
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		<title>Haus der Geschichte: Wenn Demokratie zum Erlebnispark wird</title>
		<link>https://baukunst.art/haus-der-geschichte-wenn-demokratie-zum-erlebnispark-wird/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2025 17:31:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Nordrhein-Westfalen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bonns Haus der Geschichte präsentiert seine neue Dauerausstellung. Das Konzept setzt auf Erlebnis statt Erkenntnis. Reicht Nostalgie als demokratisches Bildungsangebot?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/haus-der-geschichte-wenn-demokratie-zum-erlebnispark-wird/">Haus der Geschichte: Wenn Demokratie zum Erlebnispark wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neue Dauerausstellung in Bonn zwischen partizipativer Inszenierung und historischer Oberflächlichkeit</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 9. Dezember 2025 öffnete das Haus der Geschichte in Bonn seine Pforten für die erste grundlegende Neukonzeption seit der Eröffnung 1994. Was Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bei der Eröffnung als Ort beschrieb, an dem die deutsche Geschichte Körperlichkeit und Seele bekomme, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ambivalentes Unterfangen zwischen demokratischem Bildungsauftrag und nostalgischer Erlebnisarchitektur.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Museum sucht seine Identität</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das von Ingeborg und Hartmut Rüdiger entworfene Gebäude an der Bonner Museumsmeile galt bei seiner Fertigstellung als gelungener Ausdruck republikanischer Bescheidenheit. Die klare Linienführung aus Granit, Sichtbeton und Betonstein, die über Rampen verbundenen Ausstellungsebenen und das zentrale Foyer als kommunikatives Herzstück verkörperten jenen nüchternen Geist der Bonner Republik, den das Haus inhaltlich dokumentieren sollte. Metall und Glas, die konsequente Tageslichtführung und die zurückhaltende Materialität unterschieden das Museum bewusst von monumentalen Kultstätten wie der benachbarten Bundeskunsthalle.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dreißig Jahre später steht das Haus vor einer grundlegend veränderten Herausforderung. Mehr als 14 Millionen Besucherinnen und Besucher haben die alte Ausstellung durchschritten, doch die chronologische Gewichtung war zunehmend aus dem Gleichgewicht geraten. Die 35 Jahre nach 1990 beanspruchten zuletzt kaum mehr Raum als die vier Jahre unmittelbarer Nachkriegszeit. Die Neukonzeption verspricht Abhilfe: Der Zeitraum von 1990 bis 2025 erhält nun ebenso viel Fläche wie die gesamte Ära der deutschen Teilung.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Erlebnis verdrängt Erkenntnis</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Unter dem programmatischen Titel Du bist Teil der Geschichte setzt die neue Dauerausstellung auf maximale Partizipation. Besucherinnen und Besucher können ihre Silhouette auf historische Bilder projizieren, ihr Geburtsjahr eingeben, um Fotografien der entsprechenden Dekade aufleuchten zu sehen, oder herausfinden, wie häufig der eigene Name in Deutschland vorkommt. Ein riesiges rundes Kino inszeniert den 9. November 1989 als emotionalen Höhepunkt, den Ausstellungsdirektor Thorsten Smidt unbefangen als Gänsehautmoment bezeichnet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was auf den ersten Blick zeitgemäß und zugänglich wirkt, offenbart bei näherer Betrachtung eine problematische Schlagseite. Die Zahl der Objekte wurde um die Hälfte reduziert, von über 7.000 auf etwa 3.850 Exponate. Noch gravierender wiegt die Zurücknahme vertiefender Angebote: Während die alte Ausstellung an nahezu jeder Station Videos und ausfahrbare Schautafeln zur Verfügung stellte, müssen sich Interessierte nun meist mit knappen Übersichtstafeln in betont einfacher Sprache begnügen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektur des Ausweichens</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders auffällig ist das, was fehlt. Die rund 90 Einzelschicksale einfacher Leute, die zur Identifikation einladen sollen, stehen in merkwürdigem Kontrast zur nahezu vollständigen Abwesenheit prägender Politikerinnen und Politiker. Konrad Adenauer ist außer durch seinen Mercedes 300 aus der Ausstellung praktisch verschwunden. Der Regierungswechsel von 1982 wird nicht einmal erwähnt. Angela Merkels Vitrine verzichtet auf Wir schaffen das und Merkel muss weg zugunsten von Deutschland-Kette und Rautenhänden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Entpolitisierung der Politikgeschichte setzt sich in der Darstellung jüngerer Entwicklungen fort. Der Ost-West-Gegensatz scheint mit einem Schaukasten zur Treuhand überwunden. Die Flüchtlingskrise wird auf die Formel reduziert, dass Probleme bei Unterbringung und Integration die Stimmung hätten kippen lassen. PEGIDA und andere Proteste von rechts kommen überhaupt nicht vor. Die AfD, seit Jahren Gesprächsthema Nummer eins im politischen Deutschland, ist gerade einmal mit drei Flyern vertreten.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nordrhein-Westfalen und die Last der Repräsentation</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als bundespolitisches Museum in Nordrhein-Westfalen trägt das Haus der Geschichte eine besondere Verantwortung. Es repräsentiert nicht nur die Geschichte der alten Bundeshauptstadt, sondern auch das demokratische Selbstverständnis eines Bundeslandes, das sich seiner Rolle als bevölkerungsreichster Flächenstaat bewusst ist. Die nordrhein-westfälische Tradition kritischer Geschichtsarbeit, wie sie etwa das Haus der Geschichte NRW in Düsseldorf verkörpert, findet in der neuen Bonner Dauerausstellung allerdings kaum Widerhall.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei wäre gerade die rheinische Planungskultur prädestiniert, den Zusammenhang von Alltag und Politik differenziert darzustellen. Die sozialliberalen Gesellschaftsreformen, die Protestbewegungen gegen den NATO-Doppelbeschluss, die strukturpolitischen Verwerfungen des Ruhrgebiets: All dies sind Themen, die im neuen Ausstellungskonzept zu Modephänomenen verblassen oder gänzlich verschwinden.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Lagerfeuer und Bildungsauftrag</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die konzeptionelle Grundentscheidung, Kontroversen weitgehend zu meiden und den Alltag als kleinsten gemeinsamen Nenner zu präsentieren, mag aus vermittlungspraktischer Perspektive nachvollziehbar erscheinen. Doch erfüllt ein republikanisches Museum seinen Auftrag, wenn es das, was die Gesellschaft tatsächlich spaltet, ausblendet? Lernen Besucherinnen und Besucher demokratischen Streit und persönliche Meinungsbildung, wenn sie lediglich durch nostalgische Schaufensterlandschaften der Siebziger spazieren und das eigene Kinderzimmer der Neunziger wiederentdecken?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Staatsminister Weimer sprach in seiner Eröffnungsrede davon, dem Faustisch-Ewigen an uns Deutschen werde hier Genüge getan. Die Wortwahl irritiert. Wer in dieser Ausstellung die bundesdeutsche Seele sucht, wird vermutlich vor allem eine Geschichte der Konsensfähigkeit finden, die gerade dort schweigt, wo Konsens am nötigsten wäre.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Fazit mit Vorbehalten</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die architektonische Hülle des Hauses der Geschichte, dieser einladende, vielschichtige Bau, der demokratische Vielfalt und transparentes Denken reflektieren sollte, wirkt angesichts der inhaltlichen Neuausrichtung fast zu selbstbewusst. Die kluge Raumkonzeption der Architekten Rüdiger verdiente eine Ausstellung, die sich der Komplexität deutscher Zeitgeschichte ebenso stellt wie die Architektur selbst. Was bleibt, ist ein professionell inszeniertes Erlebnisangebot, das seine 3.850 Objekte ansprechend präsentiert, aber die Zumutung historischer Bildung scheut. Ob das den 850.000 jährlichen Besucherinnen und Besuchern gerecht wird, die mehr erwarten dürften als kuratierte Nostalgie, sei dahingestellt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/haus-der-geschichte-wenn-demokratie-zum-erlebnispark-wird/">Haus der Geschichte: Wenn Demokratie zum Erlebnispark wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Warum die Abwicklung des Wuppertaler Architekturstudiengangs ein Menetekel für die Bildungsrepublik ist</title>
		<link>https://baukunst.art/vom-leuchtturm-zum-wrack-warum-die-abwicklung-des-wuppertaler-architekturstudiengangs-ein-menetekel-fuer-die-bildungsrepublik-ist/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Nov 2025 09:40:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschulkürzungen NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Kreislaufwirtschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14420</guid>

					<description><![CDATA[<p>NRW plant Millionenkürzungen an Hochschulen. Ausgerechnet Wuppertals Architekturstudiengang steht vor dem Aus. Dabei ist er Vorreiter beim klimagerechten Bauen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/vom-leuchtturm-zum-wrack-warum-die-abwicklung-des-wuppertaler-architekturstudiengangs-ein-menetekel-fuer-die-bildungsrepublik-ist/">Warum die Abwicklung des Wuppertaler Architekturstudiengangs ein Menetekel für die Bildungsrepublik ist</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Architekturausbildung am Abgrund: Wuppertal als Symptom einer verfehlten Bildungspolitik</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bergischen Universität Wuppertal droht ein beispielloser Kahlschlag: Die schwarz-grüne Landesregierung plant ab 2026 Kürzungen von rund 5,7 Millionen Euro jährlich bei der Grundfinanzierung der Hochschule. Das Rektorat reagiert mit einer Entscheidung, die der Dekan der Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen, Christoph Grafe, als ungeheuerlich bezeichnet: Der traditionsreiche Architekturstudiengang soll bis 2033 auslaufen. Die derzeit rund 500 eingeschriebenen Studierenden könnten zwar noch ihren Abschluss machen, doch die acht von elf Professorenstellen, die in den kommenden Jahren frei werden, sollen nicht mehr nachbesetzt werden. Die verbleibenden drei Lehrstühle würden mit dem Bauingenieurwesen unter dem Oberbegriff Bauwissenschaften zusammengelegt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was auf den ersten Blick wie ein nüchternes Rechenexempel erscheint, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als fatales Signal für die Baukultur in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus. Denn der Wuppertaler Studiengang gehört zu den bestbewerteten Architekturausbildungen in Deutschland, rangiert im CHE-Hochschulranking seit Jahren weit oben und genießt insbesondere beim Thema Recycling und Umbaukultur internationales Renommee.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Rasenmäher versus Strategie</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kürzungen treffen alle Hochschulen in NRW. Insgesamt sollen nach aktuellem Stand etwa 120 Millionen Euro bei der Grundfinanzierung eingespart werden, was rund 2,3 Prozent des gesamten Hochschulbudgets von über fünf Milliarden Euro entspricht. Während andere Hochschulen das sogenannte Rasenmäherprinzip anwenden und die Einsparungen gleichmäßig auf alle Bereiche verteilen, wählt das Wuppertaler Rektorat einen anderen Weg. Die Universität lehnt dieses Vorgehen explizit ab und begründet die Aufgabe eines ganzen Fachbereichs mit dem Ziel, die Handlungs- und Zukunftsfähigkeit der Bergischen Universität bestmöglich zu erhalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus betriebswirtschaftlicher Sicht mag diese Rechnung aufgehen: Mit zuletzt 65 Absolventinnen und Absolventen pro Jahrgang ist der Architekturstudiengang zahlenmäßig kleiner als andere Fakultäten, und die eingeworbenen Drittmittel für Forschungsvorhaben fallen überschaubar aus. Doch wer so kalkuliert, verkennt die strategische Bedeutung des Standorts und macht einen Fehler, den sich Deutschland im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte und Innovationen schlicht nicht leisten kann.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wuppertal als Reallabor der Bauwende</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bergische Universität hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Leuchtturm für klimagerechtes Bauen und zirkuläre Architektur entwickelt. Als erste deutsche Hochschule richtete sie 2022 den Solar Decathlon Europe aus, bei dem internationale Studierendenteams Konzepte für klimaneutrale Gebäude im urbanen Bestand entwickeln und als begehbare Demonstratoren im Maßstab 1:1 aufbauen. Über 115.000 Besucherinnen und Besucher strömten damals auf das Wettbewerbsgelände im Mirker Stadtquartier. Acht der 16 Wettbewerbsbauten verblieben als Living Lab NRW an der Nordbahntrasse und dienen seither als Forschungs- und Anschauungsobjekte für nachhaltiges Bauen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die enge Zusammenarbeit mit dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie sowie die Einbindung in die Initiative Circular Valley machen den Standort einzigartig. Circular Valley, gegründet 2021, will die Rhein-Ruhr-Region zum Hotspot für Kreislaufwirtschaft entwickeln und hat bereits über 100 Startups aus aller Welt gefördert. Die Landesregierung selbst unterstützt diese Initiative als Schirmherrin. Wirtschaftsministerin Mona Neubaur lobte noch im vergangenen Jahr die Bewegung als Beleg dafür, was passiere, wenn Unternehmen mit der Natur statt gegen sie wachsen wollen. Es mutet geradezu grotesk an, dass dieselbe Landesregierung nun einen Architekturstudiengang abwickeln will, der genau diese Transformation wissenschaftlich fundiert und praktisch umsetzt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Kammer schlägt Alarm</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Präsident der Architektenkammer NRW, Ernst Uhing, findet deutliche Worte. Die vollständige Schließung des traditionsreichen Studiengangs wäre angesichts der drängenden Herausforderungen ein dramatischer Verlust. Er verweist auf die Sanierung des Gebäudebestandes, das klimaangepasste Weiterbauen der Städte und die Ausrichtung des gesamten Planens und Bauens auf nachhaltige Strukturen. In einem Schreiben an das Rektorat appelliert Uhing, auf behutsame Maßnahmen zurückzugreifen, und macht deutlich, dass NRW mit seiner hohen Bevölkerungszahl und baulichen Dichte ausreichend Architektur-Studienplätze und qualifizierten Nachwuchs benötige.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Vertreterversammlung der Architektenkammer mit 201 Delegierten verabschiedete einstimmig eine Resolution gegen die Schließung. Auch der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten sowie die Initiative Architects for Future haben sich mit offenen Briefen an das Rektorat gewandt. Die Forderung ist eindeutig: Es dürfe keine Einsparungen zulasten der Baukultur und der Nachhaltigkeit in der Architekturausbildung geben.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Systemrelevanz statt Sparpotenzial</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen auf dem Arbeitsmarkt sprechen eine klare Sprache: Allein im September wurden auf der Online-Jobbörse der Architektenkammer NRW 125 Stellenangebote für Architektinnen und Architekten veröffentlicht. Der Fachkräftemangel ist real, und er trifft eine Branche, die für die Bewältigung der Klimakrise unverzichtbar ist. Der Gebäudesektor verantwortet rund 40 Prozent des globalen Energieverbrauchs und etwa ein Drittel der CO2-Emissionen. Wer die Klimaziele erreichen will, kommt am Bauen und Sanieren nicht vorbei. Dafür braucht es Architektinnen und Architekten, die nicht nur ästhetisch überzeugende Entwürfe liefern, sondern auch Kreislaufwirtschaft, Ressourceneffizienz und Lebenszyklusbetrachtungen von Grund auf verstehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten bringt es auf den Punkt: Architektinnen und Architekten mit fundierten Kompetenzen im klima- und ressourcenschonenden Bauen sind heute kein nice-to-have, sondern systemrelevant. Genau diese Kompetenzen vermittelt der Wuppertaler Studiengang wie kaum ein anderer Standort in Deutschland.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein fatales Signal</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung des Wuppertaler Rektorats ist symptomatisch für eine kurzfristig gedachte Bildungspolitik, die Hochschulen als Verfügungsmasse für Haushaltskonsolidierungen betrachtet. Dabei hatte die Hochschulvereinbarung NRW 2021 noch festgelegt, dass die Zuschüsse an die Hochschulen bis einschließlich 2026 von haushaltswirtschaftlichen Einsparungen ausgenommen werden sollten. Diese Zusage ist offenkundig weniger wert als das Papier, auf dem sie steht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während der Kulturhaushalt in NRW die geplanten Kürzungen vollständig zurücknehmen konnte und sogar mehr Mittel erhält, müssen die Hochschulen bluten. Diese Prioritätensetzung ist ein Armutszeugnis für ein Bundesland, das sich gerne als Innovationsstandort präsentiert. Denn ohne exzellente Hochschulausbildung gibt es keine Innovation, ohne Nachwuchsarchitektinnen und -architekten keine Bauwende, ohne Investitionen in Bildung keine Zukunft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Schließung des Wuppertaler Architekturstudiengangs wäre mehr als der Verlust eines traditionsreichen Studiengangs. Es wäre die Selbstverstümmelung eines Standorts, der gerade dabei war, zum internationalen Vorreiter des klimagerechten Bauens zu werden. Manchmal spart man sich arm.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"></h1>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/vom-leuchtturm-zum-wrack-warum-die-abwicklung-des-wuppertaler-architekturstudiengangs-ein-menetekel-fuer-die-bildungsrepublik-ist/">Warum die Abwicklung des Wuppertaler Architekturstudiengangs ein Menetekel für die Bildungsrepublik ist</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Das Osthaus Museum und die Reklamation von Kunstdemokratie</title>
		<link>https://baukunst.art/das-osthaus-museum-und-die-reklamation-von-kunstdemokratie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Nov 2025 09:35:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Industriekultur]]></category>
		<category><![CDATA[Regionalentwicklung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14417</guid>

					<description><![CDATA[<p>Hagen bewährt die Idee der Kunstdemokratie: Das Osthaus Museum zeigt, wie regionale Initiative und Gestaltungswille Industriestädte zu Kulturleuchttürmen werden - gestern wie heute.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-osthaus-museum-und-die-reklamation-von-kunstdemokratie/">Das Osthaus Museum und die Reklamation von Kunstdemokratie</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Industriekultur in die Zukunft: Das Osthaus Museum Hagen und die regionale Baukultur des Ruhrgebiets</strong> Wie regionale Initiative und Gestaltungswille ein Industriemuseum zum Leuchtfeuer der westfälischen Kunstszene machen</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Museum als Pionier der modernen Kunstidee</strong> Das Ruhrgebiet hat der Kunstwelt einiges zu verdanken. Dass sich gerade in einer Industriestadt wie Hagen eines der progressivsten Museen seiner Zeit etablierte, war keine Selbstverständlichkeit. Karl Ernst Osthaus, ein Bankierssohn mit seltener Weitsicht, schuf 1902 mit seinem Folkwang-Museum ein Haus, das sich selbst als Kunstwerk verstand und als erstes Museum weltweit zeitgenössische Kunst ausstellte. Diese regionalen Besonderheiten – die Verbindung von Unternehmertum, Kunstsinn und Verantwortung für die Gemeinschaft – prägen den westfälischen Kulturraum bis heute.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Regionale Industriekultur als kulturelle Gestaltungsaufgabe</strong> Osthaus war nicht nur Sammler, er war Gestalter einer Region. Sein Ziel war es, seinen kunstverlassenen Industriebezirk an der Ruhr für das moderne Kunstschaffen zu gewinnen und das Leben der Menschen durch Kunst, gutes Design und Kunsthandwerk zu verschönern. Diese philanthropische Orientierung unterscheidet sich grundlegend von reiner Kunstspekulation. In Hagen entstand ein Modell, bei dem die Vermittlung von Schönheit als stadtentwicklungspolitisches Programm verankert wurde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Folkwang-Idee: Sammlungskonzept mit globalem Blick</strong> Mit der Unterstützung des Designers Henry van de Velde transformierte Osthaus sein ursprüngliches Konzept eines naturkundlich-antikenorientierten Museums grundlegend. Der Innenausbau wurde van de Velde anvertraut, und aus dieser Zusammenarbeit entstand eine der epochemachendsten Sammlungen europäischer Moderne. Van Gogh, Matisse, Cézanne, Gauguin, Klimt und Schiele – die Sammlung war im europäischen Maßstab bedeutend, behielt aber auch den Blick auf außereuropäische Kulturen. Das Hagener Folkwang-Museum war das erste seiner Art, das Kunstobjekte aus Afrika ausstellte. Diese regionale Initiative hatte internationale Strahlkraft und begründete einen Bedeutungsüberschuss, der Hagen über Jahrzehnte prägte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Verluste und Wiederaufbau: Regionalgeschichte im 20. Jahrhundert</strong> Der regionale Kontext wird in der Katastrophengeschichte besonders deutlich. Nach Osthaus’ frühem Tod 1921 wurde die grandiose Sammlung nach Essen verkauft – ein Verlust, der bis heute nachwirkt. Die zweite Zäsur erfolgte 1937, als die Nationalsozialisten deutsche Museen plünderten. In Hagen beschlagnahmten sie zahlreiche Werke als „entartete Kunst“, darunter über vierhundert Arbeiten des Moderne-Künstlers Christian Rohlfs, über den ein Malverbot verhängt wurde. Bei Kriegsende stand Hagen weitgehend mit leeren Händen da – ein Schicksal, das für viele regionale Kulturinstitutionen charakteristisch ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Museale Wiederaufbaukultur und zielgerichtete Ankaufspolitik</strong> Die Wiederaufbaugeschichte Hagens ist ein Beispiel für regionale Handlungsfähigkeit. Bereits im Dezember 1945 eröffnete Museumsdirektorin Herta Hesse-Frielinghaus das Haus für erste Ausstellungen. Über drei Jahrzehnte entwickelte sie eine überaus zielsichere Ankaufspolitik nach dem Motto: die besten Künstler zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Dieses Prinzip setzte lokale Marktkenntnis und strategisches Denken voraus. Viele dieser Ankäuf<strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">e</strong> wurden nur wenig später unerschwinglich. So legte Hesse-Frielinghaus den Grundstock zu einem Bestand, der die doppelten Verluste von 1922 und 1930 beinahe in Vergessenheit geraten ließ. Dies ist nicht bloße Regionalgeschichte, sondern ein Lehrstück über kuratorische Exzellenz unter schwersten Bedingungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Regionale Architektur- und Gestaltungskultur heute</strong> Osthaus hinterließ Hagen neben der erweiterten Museumsanlage noch weitere prägende Projekte. Die Privatvilla Haus Hohenhof sollte als Nukleus einer Künstlerkolonie Hohenhagen dienen – ein Gedanke, der sich nur in Ansätzen verwirklichte, aber die städtebaulichen Ambitionen der Region belegt. 2009 gesellte sich das Emil-Schumacher-Museum hinzu, das moderner regionaler Kunstförderung verpflichtet ist. Die jüngste Ausstellung <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Von Renoir bis Warhol</em> zeigt: Hagen besinnt sich nach Jahren der Abweichung wieder auf seine eigenen Bestände und seine wechselvolle Geschichte. Dies ist unter den gegenwärtigen Herausforderungen – demografischer Wandel, Strukturwandel im Ruhrgebiet – eine bewusste kulturelle Selbstvergewisserung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Modellcharakter für andere Regionen</strong> Hagener Museumspraxis hat Modellcharakter. Sie zeigt, wie regionale Kulturinstitutionen in Transformationsprozessen nicht allein Orte des Bewahrens sind, sondern aktive Gestalter regionaler Identität. Die Ankaufspolitik Hesse-Frielinghaus’ ist Ausdruck einer dezentralisierten Kunstförderung, wie sie heute unter Druck gerät. Die aktuelle Ausstellung, kuratiert von Rainer Stamm – einem Osthaus-Biografen – ist somit auch eine Aussage über regionale Verantwortung: Nach der Phase klandestiner Künstler wie Sylvester Stallone oder Dieter Nuhreine Rückbesinnung auf Qualität und Geschichte. Der doppelte Kurswechsel – erst weg von den eigenen Beständen, nun zurück – dokumentiert das Ringen einer Region um ihre kulturelle Orientierung in unsicheren Zeiten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ausblick: Industriekultur als Aufgabe der Gestaltungsbeiräte</strong> Für Gestaltungsbeiräte und lokale Baukulturgremien im Ruhrgebiet und darüber hinaus bietet Hagen ein instruktives Beispiel: Wie baut man kulturelle Kontinuität in einer Region, deren Grundlagen sich grundlegend wandeln? Die Antwort liegt nicht in nostalgischer Bewahrung, sondern in kreativer Neudeutung. Das Osthaus Museum zeigt Kunstwerke von Renoir bis Warhol – ein Bogen von traditioneller Malerei zur Pop-Art. Dies ist kein Kunsthistoriker-Kitsch, sondern Zeichen einer Region, die ihre Offenheit für Modernes bewahrt hat. In Zeiten, da viele Regionen mit Leerständen und Identitätskrisen ringen, ist dies ein stilles und doch eloquentes Argument für den Wert von Gestaltung, regionaler Initiative und institutioneller Kontinuität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Calatravas Glasturm-Drama: Wie Düsseldorf eine Weltarchitektur-Sensation verpasste</title>
		<link>https://baukunst.art/calatravas-glasturm-drama-wie-duesseldorf-eine-weltarchitektur-sensation-verpasste/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Oct 2025 08:15:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Düsseldorf]]></category>
		<category><![CDATA[Hochhausbeirat]]></category>
		<category><![CDATA[Innenstadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Düsseldorf ringt um die Zukunft seiner Innenstadt: Die Tuchtinsel-Saga zeigt, wie Hochhausbeiräte, Bauordnungen und Partizipationskulturen regionale Architekturpolitik in NRW prägen – und wie wenig spektakuläre Lösungen manchmal die weisere sind.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/calatravas-glasturm-drama-wie-duesseldorf-eine-weltarchitektur-sensation-verpasste/">Calatravas Glasturm-Drama: Wie Düsseldorf eine Weltarchitektur-Sensation verpasste</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Tuchtinsel-Saga als Spiegel regionaler Planungskulturen in Nordrhein-Westfalen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was führt dazu, dass ein prominentes Innenstadtgrundstück einer bedeutenden deutschen Metropole jahrelang brach liegt? In Düsseldorf erzählt die Tuchtinsel diese Geschichte. Das Areal, eine sogenannte städtebaulich prägnante Lücke in der Düsseldorfer City, ist zum Testfall für die Spannungen zwischen Architekturambitionen, regulativen Zwängen und regionalpolitischen Realitäten in Nordrhein-Westfalen geworden. Der Fall offenbart tiefgreifende Fragen über Gestaltungsbeiräte, Länderbauordnungen und die Macht von Hochhausbeiräten in der deutschen Planungskultur.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Historische Identität und gegenwärtige Verwicklungen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Tuchtinsel – benannt nach der alteingesessenen Kaufmannsfamilie Tucht, die dort bis 1969 ein Fotogeschäft betrieb – ist mehr als nur drei zusammenhängende Grundstücke in zentraler Lage an der Schadowstraße. Sie ist ein Symbol für die Frage, wie zeitgenössische Stadtentwicklung mit historischer Kontinuität umgehen soll. Das Areal liegt wie eine Insel, von der Berliner Allee umschlossen, an einer prominenten Stelle der Düsseldorfer Innenstadt. Dass gerade dieser Ort so lange brachliegend ist, kann nicht als zufällig betrachtet werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die komplizierte Eigentumsstruktur – mehrere Grundstücke in unterschiedlichem Besitz – hat die Entwicklung lange Zeit erschwert. Dies ist eine regionale Besonderheit Deutschlands, die sich fundamental auf Stadtplanung auswirkt. Während Kommunen in anderen Ländern land- oder stadtweit grundsätzlich größere Planungshoheit besitzen, scheitert deutsche Stadtentwicklung regelmäßig an fragmentierten Eigentumsstrukturen. Die Tuchtinsel ist ein Klassiker dieses Problems. Erst als der Entwickler Midstad ein weiteres Grundstück kaufte, kamen Bewegungen in die Sache.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Calatravas Glasturm: Der Wunsch nach ikonischer Architektur</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vor etwa fünf Jahren stellte der Projektentwickler Centrum einen ambitionierten Plan vor: ein 100 Meter hoher Glasturm des weltbekannten spanischen Star-Architekten Santiago Calatrava sollte auf der Tuchtinsel entstehen. Der Entwurf war elegant, technisch brillant und ikonisch – genau die Art von architektonischem Statement, das sich Städte wie Düsseldorf für ihre Innenstädte vorstellen. Ein Calatrava an der Düssel – das hätte der Stadt Wiedererkennungswert in einem globalisierten Architektur-Diskurs gegeben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aber es kam anders. Der Düsseldorfer Hochhausbeirat lehnte das Projekt ab. Das Gremium befand die Dimensionen des geplanten Gebäudes für unpassend – zu hoch, zu monumental für diesen Ort, zu wenig auf den städtebaulichen Kontext bezogen. Diese Entscheidung ist regional außerordentlich bedeutsam, denn sie zeigt: In Nordrhein-Westfalen und speziell in Düsseldorf hat nicht der Star-Architekt das letzte Wort, sondern ein lokales Beratungsgremium mit gestalterischen Befugnissen. Dies ist ein bemerkenswert defensives Planungsmodell.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Stadtrat folgte der Empfehlung des Hochhausbeirats und beschloss Ende 2020: Maximal 60 Meter dürfe ein Gebäude an diesem Standort werden. Damit war Calatravas 100-Meter-Turm endgültig vom Tisch. Dies ist nicht einfach eine Regulierung – es ist eine kulturelle Aussage. Düsseldorf sagt: Wir wollen nicht die Architektur des Spektakels, sondern Maß und Proportion. Dies kann man als weitsichtig bewerten oder als Ausdruck von fehlendem Mut.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hochhausbeiräte: Macht und Begrenztheit von Gestaltung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall Tuchtinsel-Calatrava eröffnet einen ungewöhnlichen Blick auf die Rolle von Hochhausbeiräten in der deutschen Planungskultur. Diese Gremien – typischerweise mit Architekten, Stadtplanern, manchmal Bürgermeistern besetzt – sind in ihrer Macht durchaus beeindruckend. Sie können Projekte von Weltarchitekten zu Fall bringen. Das ist einerseits bewunderungswürdig: Es zeigt, dass Qualität und Maßstäblichkeit nicht automatisch dem Investorenwillen oder dem Stardiskurs untergeordnet werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Andererseits offenbaren sich hier auch Begrenztheit und Probleme. Der Hochhausbeirat als Institution ist nicht demokratisch legitimiert – seine Mitglieder werden berufen, nicht gewählt. Seine Entscheidungskriterien sind zwar fachlich fundiert, aber letztlich auch subjektiv. Was ist das richtige Maß für einen Ort? Die Antwort mag 60 Meter oder 100 Meter sein – sie ist kein objektiv messbarer Wert. In Düsseldorf hat sich eine Kultur etabliert, in der diese Gremien außerordentlich mächtig sind. Das mag für die Bewahrung einer städtebaulichen Qualität hilfreich sein, kann aber auch Lähmung bedeuten.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">NRW-Bauordnung: Regelwerk und Auslegung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bauordnung Nordrhein-Westfalens ist ein komplexes Regelwerk, das Regional- und Lokalkultur miteinander verflicht. Anders als in Ländern mit einheitlicher Baugesetzgebung sind in Nordrhein-Westfalen grundsätzlich die Städte und Gemeinden für viele Entscheidungen zuständig – unter Einhaltung landespolitischer Vorgaben. Dies führt zu heterogenen Planungskulturen zwischen dem Ruhrgebiet, Köln, Düsseldorf und ländlichen Räumen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Fall der Tuchtinsel spielt auch die Frage der innerstädtischen Verdichtung eine Rolle. NRW versucht, sein Flächenverbrauchsproblem durch verstärkte Innenentwicklung zu adressieren. Das klingt progressiv – tatsächlich bedeutet dies: Innenstädte sollen intensiver genutzt werden, dichter bebaut. Die Tuchtinsel ist genau ein solcher Ort, der intensivere Nutzung erlaubt. Nur: Wie intensiv? 60 Meter oder 100 Meter – diese Differenz ist nicht marginal, sie hat erhebliche Auswirkungen auf Schattenwurf, Windeffekte, die Wahrnehmung des städtischen Raums.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Wettbewerb als Neuanfang: Partizipation und kooperative Verfahren</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Entwickler Midstad kündigte an, die Tuchtinsel nun über einen städtebaulichen Wettbewerb zu entwickeln – geplant als einstufiges kooperatives Verfahren. Diesem Wettbewerb soll eine &#8222;Phase Null&#8220; vorgelagert werden, die Bürgerbeteiligung sowie den Einbezug verschiedener Fachplanender umfasst. Dies ist regional interessant, denn es signalisiert: Die reine Investorenlogik wird nicht ausreichen. Stadtentwicklung in Düsseldorf ist heute – anders vielleicht als in den 1980ern – ein partizipatives Verfahren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die &#8222;Phase Null&#8220; ist dabei ein wichtiges Konzept, das sich bundesweit immer mehr durchsetzt. Sie bedeutet: Bevor ein konkreter Entwurf entsteht, wird mit Anwohnerinnen und Fachleuten geklärt, was überhaupt erwünscht ist. Dies ist langwieriger als klassische Top-down-Planung, kann aber zu besseren Ergebnissen führen – und legitimiert die späteren Entscheidungen stärker.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Nachbarschaft: Kö-Bogen und städtebauliche Zusammenhänge</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessanterweise war die Tuchtinsel auch in früheren Planungen präsent. Beim internationalen Wettbewerb Kö-Bogen II – einem anderen großen Düsseldorfer Innenstadtprojekt – sah der Siegerentwurf des Architekturbüros Molestina auch Neubauten auf der Tuchtinsel vor. Diese Idee wurde von der Stadt schließlich verworfen. Auch der Name des Architekten Christoph Ingenhoven fällt im Zusammenhang mit der Tuchtinsel immer wieder – Ingenhoven ist einer der prominentesten deutschen Architekten und hat in Düsseldorf mehrere bedeutende Projekte realisiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dies zeigt: Die Tuchtinsel ist nicht isoliert zu betrachten, sondern als Teil eines größeren städtebaulichen Gefüges. Die Schadowstraße ist eine Einkaufsstraße, der Kö-Bogen ist ein neues Mixed-Use-Quartier, ringsum sind Büro- und Wohngebäude. Wie die Tuchtinsel sich in diesen Kontext einfügt, ist fundamental für die Qualität des Stadtzentrums.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Ökonomie der Lücke: Investorenwillen und städtische Regulierung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass ein Grundstück dieser Größe und an dieser Lage so lange brach liegen bleibt, ist auch eine ökonomische Frage. Der Investor Centrum ist mit seinem 100-Meter-Turm gescheitert. Für Midstad ist die Situation anders: Die neue Höhenbeschränkung auf 60 Meter ändert die ökonomische Kalkulation erheblich. Ein 60-Meter-Gebäude hat weniger Nutzfläche, weniger Mieterträge – aber ist es noch rentabel? Hier berührt sich regionale Architekturpolitik mit Immobilienökonomie.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Strategie Midstads, über einen Wettbewerb vorzugehen, könnte auch damit zusammenhängen, dass die Renditevorgaben mit einem konventionellen Projekt nicht zu erreichen sind – ein Wettbewerb bietet die Möglichkeit, verborgene Kreativität zu mobilisieren, innovative Nutzungsmischungen zu entdecken, die Lücke nicht primär als Hochhausstandort zu denken.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wider den Architektur-Determinismus: Was Düsseldorf lernen kann</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Tuchtinsel-Saga ist lehrreich, weil sie zeigt, dass nicht immer die spektakulärste Architektur die beste ist. Ein Calatrava-Turm auf der Tuchtinsel hätte Düsseldorf möglicherweise in einem globalen Architektur-Ranking weitergebracht – und gleichzeitig eine städtebauliche Dissonanz erzeugt. Die Entscheidung des Hochhausbeirats, das Projekt zu kritisieren, war nicht bloß konservativ, sondern auch nachvollziehbar: Eine elegante, aber in diesem Kontext übergroße Geste.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zugleich muss die Frage erlaubt sein: War es richtig, die Sache so lange liegen zu lassen? Die brachgefallenen Jahre sind auch ökonomisch und gesellschaftlich ein Verlust. Düsseldorf ist nicht wie Bremen oder andere Hafenstädte – es ist eine wohlhabende Handels- und Messestadt, die sich schnelle Lösungen leisten könnte. Dass sie stattdessen in einen längeren Diskurs über Maßstäbe verfällt, ist einerseits kultiviert, andererseits auch ein Luxusproblem.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Der kommende Wettbewerb und die Zukunft der Innenstadt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit Midstads angekündigtem Wettbewerb könnte die Tuchtinsel endlich bewegt werden. Ein einstufiges kooperatives Verfahren mit vorgelagerter Partizipation ist ein moderner Ansatz. Es erlaubt, von den Fehlern der Vergangenheit zu lernen: nicht mit einem Entwurf eines Stararchitekten zu beginnen, sondern mit der Frage: Was wollen wir hier wirklich?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was die Tuchtinsel letztlich zeigt, ist, dass regionale Architekturkultur nicht nur von Stilen, Materialien und Formensprachen gehandelt wird, sondern von den institutionellen Strukturen, die Architektur ermöglichen oder hemmen. Hochhausbeiräte, Länderbauordnungen, Partizipationskulturen, Investorenziele – all diese Faktoren wirken zusammen. Düsseldorf hat sich dafür entschieden, auf Qualität und Maßstab zu pochen. Ob das gut ausgeht, werden die kommenden Jahre zeigen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/calatravas-glasturm-drama-wie-duesseldorf-eine-weltarchitektur-sensation-verpasste/">Calatravas Glasturm-Drama: Wie Düsseldorf eine Weltarchitektur-Sensation verpasste</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Milliarden, Macht und Moor: Wie RWE und NRW das Rheinische Revier neu zuschneiden</title>
		<link>https://baukunst.art/milliarden-macht-und-moor-wie-rwe-und-nrw-das-rheinische-revier-neu-zuschneiden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 14:50:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Braunkohle]]></category>
		<category><![CDATA[Rheinisches Revier]]></category>
		<category><![CDATA[Strukturwandel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kohle raus, Zukunft rein: Das Rheinische Revier ordnet Landschaft, Arbeit und Wasser neu. Was die Pionierflächen leisten und wo Risiken liegen</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/milliarden-macht-und-moor-wie-rwe-und-nrw-das-rheinische-revier-neu-zuschneiden/">Milliarden, Macht und Moor: Wie RWE und NRW das Rheinische Revier neu zuschneiden</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Rheinisches Revier im Umbau: Vom Tagebau zur Zukunftsregion</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Strukturwandel, Wasserwende und Planungskultur in Nordrhein-Westfalen</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wo Schaufelradbagger jahrzehntelang den Takt vorgaben, verhandeln heute Planungen Zukunft: Das Rheinische Revier wandelt 300 km² Braunkohlelager zu Arbeitsorten, Seenlandschaften und Dörfern mit neuer</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Region und Ausgangslage</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Aachen, Mönchengladbach und Köln liegt das Rheinische Revier – Europas größtes Braunkohlerevier. In Nordrhein‑Westfalen wurden allein für den Abbau rund 300 Quadratkilometer in Anspruch genommen; aktiv sind die Tagebaue Garzweiler, Hambach und Inden. Bis 2030 endet der Abbau, kurz darauf die Verstromung – eine Zäsur mit gewaltigem planerischem Hebel.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Politische Rahmung und Eigentumslage</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Flächen gehören der RWE‑Tochter RWE Power. Mit der grün‑schwarzen Landesregierung einigte sich der Konzern auf ein vorgezogenes Ende bis 2030; im Gegenzug steht eine Entschädigung in Milliardenhöhe im Raum. Der Umbau wird von Bund und Land mit knapp 15 Milliarden Euro flankiert – laut Zukunftsagentur Rheinisches Revier fehlt weniger Geld als vielmehr Zeit und personelle Kapazität für die Planung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Governance: PSW als Taktgeber</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Koordination wurde die Gesellschaft Perspektive Strukturwandel (PSW) gegründet – ein Joint Venture von Land und RWE. PSW unterstützt insbesondere kleinere Gemeinden bei Bauleitplanung, Gutachten und Verfahren und bündelt Projekte an ehemaligen Kraftwerks‑ und Tagebaustandorten. Das Ziel ist doppelt: neue Wertschöpfung und die Vermeidung zusätzlicher Flächenversiegelung durch vorrangige Konversion.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Projektfelder: Von Neurath bis Hambach</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Neurath liegt ein rund 180 Hektar großes Kraftwerksareal auf dem Tisch. Gemeinsam mit dem Kölner Büro Astoc entstand 2024 ein Strukturkonzept, das eine industrielle und gewerbliche Nachnutzung vorsieht; die Kommunen Grevenbroich und Rommerskirchen müssen die Planungen konkretisieren. Die Kraftwerksstilllegung ist für 2033 vorgesehen. Parallel entsteht am Tagebau Hambach auf einer »Pionierfläche« ein Zukunftsareal von etwa 120 Hektar: Die Gemeinde Niederzier übernimmt die Bauleitplanung, RWE bringt Flächen ein und beauftragt Fachplanungen. Angestrebt sind frühzeitige, vor‑2030 verfügbare Industrie‑ und Gewerbeflächen mit guter Anbindung an die Autobahnen A4/A44 und die RWE‑Werksbahn.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Standortfaktoren und Marktlogik</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Nähe zur künftigen Seelandschaft, die bestehende Infrastruktur und der Anspruch an energieintensive Nutzerinnen und Nutzer (Produktion, Logistik, Dienstleistungen) schaffen einen eigenständigen Standorttypus: leistungsfähige Netze plus Landschaftsqualität. Erste Ansiedlungen sind ab 2027 ins Auge gefasst – ein ehrgeiziger, aber marktkompatibler Zeithorizont, sofern Bauleitplanung, Erschließung und artenschutzrechtliche Verfahren im Takt bleiben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Wasserfrage: Vom Restloch zum See</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach dem Abschalten der Sümpfungsanlagen füllen sich die Gruben durch Grundwasser und Niederschlag – allerdings über Jahrhunderte. Um nutzbare Uferzonen und stabile Böschungen früher zu erreichen, sollen die Restlöcher künstlich befüllt werden: Wasser aus dem Rhein für Garzweiler und Hambach, aus der Rur für Inden. Hambach wäre mit bis zu 350 Metern Tiefe und etwa drei Milliarden Kubikmetern Volumen das tiefste Gewässer Deutschlands; die Befüllung ab 2030 ist auf etwa 40 Jahre angelegt. Umweltverbände warnen vor ökologischen Risiken der Wasserentnahme und fordern eine Aufbereitung des Rheinwassers; aufsichtsrechtliche Entscheidungen stehen aus.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Dörfer mit Zukunft: Erkelenz und die fünf Orte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Durch das frühere Aus des Tagebaus bleiben Berverath, Keyenberg, Kuckum sowie Ober‑ und Unterwestrich erhalten. PSW und die Stadt Erkelenz treiben eine Revitalisierung voran: Bestandsaufnahme, Reparatur, maßvolle Nachverdichtung. Leitlinien sind klimaschonendes Bauen, flächensparende Entwicklung und ein Gemeinschaftsleben, das die Nähe zum künftigen Garzweiler‑See als Qualität begreift.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Weitere Konversionsbausteine</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch am Kraftwerk Niederaußem und an der Brikettfabrik Wachtberg in Frechen laufen Prozesse. Übergreifend kombiniert die Region raumordnerische Strategien – von Klimaanpassung und Mobilität bis zum Tourismus – mit einem »Gigawattpakt« mehrerer Kommunen zur beschleunigten Erzeugung erneuerbarer Energien.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Planungskultur und Verfahren</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Verfahren verlangen robuste Bauleitplanung, frühzeitige Umweltprüfungen und eine Kommunikation, die Bewohnerinnen und Bewohner beteiligt, ohne falsche Versprechungen. Für die Praxis zählt ein Dreiklang: belastbare Zeitschienen, abgestufte Erschließung (Pionierflächen zuerst) und adaptive Masterpläne, die Raum für unbekannte Nutzerprofile lassen. Wo früher Schaufelradbagger im Takt liefen, zählt nun die Synchronisierung von Fachgutachten, Förderlogik und Markttaktung – eine andere, aber nicht minder anspruchsvolle Choreografie.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vergabe und Kapazitäten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die anstehenden Leistungen treffen auf einen angespannten Planungsmarkt. Nordrhein‑Westfalen reformiert ab 2026 die kommunale Vergabe für kleinere Aufträge – ein Baustein, um Prozesse zu beschleunigen und die lokale Wirtschaft einzubinden. Gleichzeitig bleibt die Bündelung von Aufträgen über PSW sinnvoll, wenn Gemeinden personell unterbesetzt sind.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Chancen, Risiken, Transfer</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Rheinische Revier besitzt Modellcharakter: großmaßstäbliche Konversion, Wasser‑ und Energieinfrastrukturen als Entwicklungshebel, Revitalisierung ländlicher Siedlungen und eine neue Industrie‑Landschafts‑Symbiose. Risiken liegen in langen Zeithorizonten (Seebefüllung), ökologischen Zielkonflikten (Gewässerökologie) und Kapazitätsengpässen. Werden Lernschleifen konsequent genutzt, dürfte die Region zeigen, dass Strukturwandel mehr ist als ein Förderprogramm – nämlich eine Gestaltungsschule.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/milliarden-macht-und-moor-wie-rwe-und-nrw-das-rheinische-revier-neu-zuschneiden/">Milliarden, Macht und Moor: Wie RWE und NRW das Rheinische Revier neu zuschneiden</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Betonleichen sprengen statt Umnutzen – Duisburgs klimafeindlicher Kahlschlag</title>
		<link>https://baukunst.art/betonleichen-sprengen-statt-umnutzen-duisburgs-klimafeindlicher-kahlschlag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Sep 2025 12:12:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Großwohnsiedlung]]></category>
		<category><![CDATA[Ruhrgebiet]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Duisburg fiel der dritte „Weiße Riese" – 63 Meter Beton-Geschichte verschwanden in Sekunden. Das Ende einer städtebaulichen Utopie wirft Fragen zu Wohnungsbau und Nachhaltigkeit auf.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/betonleichen-sprengen-statt-umnutzen-duisburgs-klimafeindlicher-kahlschlag/">Betonleichen sprengen statt Umnutzen – Duisburgs klimafeindlicher Kahlschlag</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Das Ende der Weißen Riesen: Ein Koloss fällt – und mit ihm eine Epoche</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Sonntagmorgen um 10:02 Uhr verschwanden 63 Meter Betongeschichte binnen zehn Sekunden in einer gewaltigen Staubwolke. Die Sprengung des dritten „Weißen Riesen&#8220; in Duisburg-Hochheide markiert nicht nur das Ende eines Gebäudes, sondern den Schlusspunkt einer städtebaulichen Vision, die einst als Lösung der Wohnungsnot gefeiert wurde. 170 Kilogramm Sprengstoff genügten, um das 1972 errichtete Hochhaus mit seinen 160 Wohnungen kontrolliert in sich zusammenfallen zu lassen – ein präziser technischer Akt, der eine jahrzehntelange soziale Erosion besiegelte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom Vorzeigemodell zum Problemfall</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die „Weißen Riesen&#8220; verkörperten den Optimismus der frühen 1970er Jahre im Ruhrgebiet. Als moderne Antwort auf die Wohnungsnot der Nachkriegszeit konzipiert, sollten sie bezahlbaren Wohnraum für Arbeiterinnen und Arbeiter der umliegenden Industrien bieten. Die Landesbauordnung Nordrhein-Westfalens ermöglichte damals Hochhäuser dieser Dimension mit reduzierten Brandschutzauflagen – ein Umstand, der heute undenkbar wäre. Die weißen Fassaden, die den Gebäuden ihren Namen gaben, symbolisierten Sauberkeit und Modernität, einen Kontrast zum rußgeschwärzten Image der Montanregion.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch bereits in den 1980er Jahren begann der schleichende Niedergang. Der Strukturwandel des Ruhrgebiets, der Wegzug der Mittelschicht und fehlende Investitionen verwandelten die einst begehrten Wohnungen in soziale Brennpunkte. Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft GEBAG, die die Komplexe verwaltete, kämpfte jahrzehntelang gegen Leerstand, Verwahrlosung und soziale Segregation. Ein Teufelskreis aus sinkenden Mieteinnahmen und steigendem Sanierungsbedarf machte eine wirtschaftliche Bewirtschaftung unmöglich.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Besonderheiten der Ruhrgebietsarchitektur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Geschichte der Weißen Riesen ist untrennbar mit der spezifischen Entwicklung des Ruhrgebiets verbunden. Anders als in München oder Hamburg, wo Hochhaussiedlungen oft am Stadtrand entstanden, wurden sie in Duisburg direkt in gewachsene Arbeiterquartiere implantiert. Die räumliche Nähe zu Thyssen-Krupp und anderen Industriebetrieben war gewollt – kurze Wege zur Schicht galten als sozialer Fortschritt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die nordrhein-westfälische Landesbauordnung der 1970er Jahre spiegelte den damaligen Planungsoptimismus wider: Geschosszahlen bis zu 20 Etagen waren mit vereinfachten Genehmigungsverfahren möglich, die Abstandsflächen wurden zugunsten verdichteter Bebauung minimiert. Diese regulatorischen Rahmenbedingungen, gepaart mit massiven Förderungen des sozialen Wohnungsbaus durch das Land NRW, schufen die Voraussetzungen für Großprojekte wie die Weißen Riesen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der lange Weg zur Sprengung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung zum Abriss fiel nicht leicht. Jahrelang diskutierten Stadtplanerinnen und Stadtplaner, Sozialarbeiter und Politikerinnen über Alternativen. Sanierungskonzepte scheiterten an den enormen Kosten – allein die energetische Ertüchtigung hätte pro Gebäude über 20 Millionen Euro verschlungen. Die Duisburger Baudezernentin verwies auf die veränderten Wohnansprüche: Familien suchen heute individuellere Grundrisse, barrierefreie Zugänge und private Freiräume. Die Weißen Riesen mit ihren standardisierten 65-Quadratmeter-Wohnungen konnten diese Bedürfnisse nicht mehr erfüllen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Gutachten der Architektenkammer NRW attestierte den Gebäuden 2019 „keine erhaltenswerte Bausubstanz&#8220;. Der Denkmalschutz, der in anderen Bundesländern durchaus Großwohnsiedlungen der 1970er Jahre unter Schutz stellt, sah in den Duisburger Hochhäusern keine schützenswerte Architektur. Im Gegensatz zu den Grindelhochhäusern in Hamburg oder dem Märkischen Viertel in Berlin fehlte den Weißen Riesen die architektonische Qualität und städtebauliche Einbindung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit versus Neubeginn</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sprengung wirft Fragen zur Nachhaltigkeit auf. Kritische Stimmen aus der regionalen Architekturfakultät der Universität Duisburg-Essen bemängeln die Verschwendung grauer Energie. Professor Martin Schmitz vom Lehrstuhl für Städtebau betont: „Jeder Abriss ist klimapolitisch problematisch. Die verbauten 45.000 Tonnen Beton hätten theoretisch recycelt werden können.&#8220; Andererseits argumentiert die Stadt mit der sozialen Nachhaltigkeit des Projekts. Die Beseitigung der Problemimmobilien ermögliche eine grundlegende Neuordnung des Quartiers.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Schutt wird tatsächlich zu 90 Prozent recycelt – als Unterbau für Straßen und Parkplätze. Ein schwacher Trost für Verfechterinnen und Verfechter der Umbaukultur, die in anderen Regionen erfolgreich Plattenbauten zu attraktivem Wohnraum transformieren. Das sächsische Modell der behutsamen Plattenbausanierung, gefördert durch spezielle Landesprogramme, kam für NRW nie ernsthaft in Betracht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zukunftsperspektiven für Hochheide</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf dem 10 Hektar großen Areal soll bis 2030 ein durchmischtes Quartier entstehen. Die Planungen sehen 400 Wohneinheiten vor – deutlich weniger als die ursprünglichen 800 Wohnungen der drei Hochhäuser. Reihenhäuser, Stadtvillen und maximal viergeschossige Mehrfamilienhäuser sollen unterschiedliche Einkommensgruppen ansprechen. Die GEBAG verpflichtet sich, 30 Prozent als geförderten Wohnraum zu realisieren – ein Kompromiss zwischen sozialer Verantwortung und wirtschaftlicher Tragfähigkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neue Landesbauordnung NRW von 2024 mit ihren verschärften Anforderungen an Barrierefreiheit und Klimaschutz prägt die Neuplanungen. Photovoltaikanlagen werden verpflichtend, Gründächer sollen das Mikroklima verbessern. Ein Mobilitätskonzept reduziert den Stellplatzschlüssel zugunsten von Fahrradinfrastruktur – undenkbar in den autogerechten 1970er Jahren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lehren für andere Regionen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Duisburger Erfahrung strahlt über das Ruhrgebiet hinaus. In Mannheim, Offenbach und selbst im reichen Stuttgart stehen ähnliche Entscheidungen an. Die Weißen Riesen mahnen zu differenzierter Betrachtung: Nicht jede Großwohnsiedlung ist per se gescheitert, nicht jeder Abriss alternativlos. Entscheidend sind lokale Faktoren wie Arbeitsmarkt, Bevölkerungsentwicklung und kommunale Finanzkraft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Blick in andere Bundesländer zeigt Alternativen: Während Bayern mit millionenschweren Sonderprogrammen Großwohnsiedlungen stabilisiert, setzt Brandenburg auf kleinteilige Rückbaukonzepte. Die unterschiedlichen Länderbauordnungen und Förderpolitiken führen zu divergierenden Entwicklungen – ein föderaler Flickenteppich, der Vergleiche erschwert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall Duisburg demonstriert eindringlich: Architektur ist nie nur gebaute Form, sondern immer auch sozialer Prozess. Die Weißen Riesen scheiterten nicht an statischen Mängeln, sondern an gesellschaftlichen Verwerfungen. Ihr Ende markiert das Eingeständnis, dass manche städtebaulichen Experimente nicht reparabel sind. Gleichzeitig eröffnet der Abriss Chancen für einen Neuanfang – kleinteiliger, durchmischter, nachhaltiger. Ob das gelingt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Die Staubwolke vom Sonntagmorgen ist verweht, die Herausforderung bleibt bestehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/betonleichen-sprengen-statt-umnutzen-duisburgs-klimafeindlicher-kahlschlag/">Betonleichen sprengen statt Umnutzen – Duisburgs klimafeindlicher Kahlschlag</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<item>
		<title>Das Ende einer Illusion: Warum Kölns Flügelauto mehr ist als nur Kunst</title>
		<link>https://baukunst.art/das-ende-einer-illusion-warum-koelns-fluegelauto-mehr-ist-als-nur-kunst/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Sep 2025 09:04:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturpolitik NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst im öffentlichen Raum]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung Köln]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13484</guid>

					<description><![CDATA[<p>Kölns "Flügelauto" muss vom Zeughaus weichen. Der Künstler scheiterte mit Eilantrag. Ein Konflikt, der grundsätzliche Fragen zu Kunst im öffentlichen Raum und städtischer Identität aufwirft.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-ende-einer-illusion-warum-koelns-fluegelauto-mehr-ist-als-nur-kunst/">Das Ende einer Illusion: Warum Kölns Flügelauto mehr ist als nur Kunst</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Das Flügelauto muss weichen: Köln zwischen Kunstfreiheit und städtebaulicher Neuordnung</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Eilantrag scheitert – die Debatte geht weiter</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das markante &#8222;Flügelauto&#8220; am Kölner Zeughaus steht vor seinem unfreiwilligen Umzug. Was als juristisches Rückzugsgefecht des Künstlers begann, entwickelt sich zu einer grundsätzlichen Diskussion über den Stellenwert von Kunst im öffentlichen Raum der Domstadt. Der gescheiterte Eilantrag wirft ein Schlaglicht auf die komplexe Gemengelage zwischen künstlerischer Freiheit, städtebaulichen Entwicklungsinteressen und der spezifisch rheinischen Planungskultur.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Tradition und Transformation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das historische Zeughaus, einst Waffenarsenal der Stadt Köln, verkörpert wie kaum ein anderes Gebäude den Wandel städtischer Nutzungskonzepte. Die Installation des Flügelautos hatte diesem Ort eine zusätzliche Bedeutungsebene verliehen – eine spielerische Irritation im historischen Stadtgefüge, die für viele Kölnerinnen und Kölner längst zur identitätsstiftenden Landmarke geworden war.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung zur Entfernung folgt einem für nordrhein-westfälische Großstädte typischen Muster: Historische Bausubstanz trifft auf zeitgenössische Nutzungsansprüche, künstlerische Interventionen kollidieren mit verwaltungsrechtlichen Realitäten. Dabei zeigt sich die Kölner Planungskultur in ihrer ganzen Ambivalenz – einerseits stolz auf die lebendige Kunstszene, andererseits gebunden an rechtliche Rahmenbedingungen und politische Kompromisse.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kunst als Verhandlungsmasse</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall des Flügelautos offenbart ein strukturelles Problem der rheinischen Metropole: Während sich Köln gerne als liberale Kunststadt inszeniert, fehlt es an verbindlichen Konzepten für den dauerhaften Erhalt von Kunst im öffentlichen Raum. Anders als etwa in München mit seinem dezidierten Kunstparcours oder Hamburg mit seiner Kunst-im-öffentlichen-Raum-Strategie, agiert Köln hier weitgehend ohne übergeordnetes Konzept.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die lokale Künstlerschaft und Kulturszene reagierte erwartungsgemäß empört auf die Entscheidung. &#8222;Es ist symptomatisch für den Umgang mit zeitgenössischer Kunst in dieser Stadt&#8220;, kritisiert eine Sprecherin der Kölner Künstlervereinigung. Die Stadtplanerin Dr. Maria Hoffmann vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung NRW sieht das differenzierter: &#8222;Köln steht exemplarisch für den Konflikt zwischen gewachsenen Strukturen und notwendiger städtebaulicher Weiterentwicklung.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Rechtliche Grauzonen und lokale Besonderheiten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landesbauordnung Nordrhein-Westfalen bietet durchaus Spielräume für künstlerische Interventionen im Stadtraum. Paragraph 86 ermöglicht explizit &#8222;Anlagen der Außenwerbung und Kunst&#8220;, wobei die Grenzziehung zwischen beiden oft schwerfällt. Das Flügelauto bewegte sich genau in dieser Grauzone – ist es Kunst, Werbung oder schlicht eine nicht genehmigungsfähige bauliche Anlage?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der gescheiterte Eilantrag des Künstlers zeigt die Grenzen individueller Rechtsansprüche auf. Das Verwaltungsgericht Köln folgte der Argumentation der Stadt, wonach keine akute Gefährdung künstlerischer Freiheit vorliege, da alternative Standorte geprüft würden. Diese juristische Einschätzung mag formal korrekt sein, verkennt aber die ortsspezifische Dimension des Kunstwerks.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Förderlandschaft im Wandel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessanterweise fällt die Entscheidung in eine Zeit, in der das Land NRW seine Förderung für Kunst im öffentlichen Raum neu strukturiert. Das aktuelle Förderprogramm &#8222;Dritte Orte&#8220; des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft setzt verstärkt auf temporäre Interventionen statt auf dauerhafte Installationen. Diese Verschiebung spiegelt sich auch in der kommunalen Praxis wider: Flexibilität vor Dauerhaftigkeit lautet die neue Devise.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kölner Kulturförderung, traditionell geprägt von einer starken Vereinslandschaft und dem rheinischen Karneval, tut sich schwer mit der Integration zeitgenössischer Kunstformen in den Stadtraum. Während Düsseldorf mit der Kunstakademie und deren Absolventinnen und Absolventen einen selbstverständlicheren Umgang pflegt, ringt Köln noch um seine Position zwischen Tradition und Avantgarde.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Städtebauliche Neuordnung als Chance?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die geplante Umgestaltung des Zeughausareals folgt den Leitlinien des neuen Stadtentwicklungskonzepts &#8222;Köln 2030+&#8220;. Verdichtung, Nutzungsmischung und die Schaffung &#8222;lebendiger Quartiere&#8220; stehen im Fokus. Ob in diesem Konzept noch Platz für irritierende Kunstinterventionen bleibt, wird sich zeigen. Die Erfahrungen aus anderen NRW-Städten stimmen skeptisch: In Essen verschwanden im Zuge der Kulturhauptstadt 2010 zahlreiche gewachsene Kunstorte zugunsten repräsentativer Neubauten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bürgerschaftliches Engagement formiert sich</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die breite zivilgesellschaftliche Mobilisierung für den Erhalt des Flügelautos. Eine Online-Petition sammelte binnen weniger Tage über 15.000 Unterschriften – für Kölner Verhältnisse ein beachtlicher Wert. Die Initiative &#8222;Kunst bleibt!&#8220; organisiert Mahnwachen und Diskussionsveranstaltungen. Dieser Protest geht über den konkreten Fall hinaus und thematisiert grundsätzliche Fragen städtischer Identität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kölner Architektenkammer hält sich in der Debatte auffällig zurück. Während Kollegen aus Bayern oder Baden-Württemberg sich regelmäßig in Fragen der Baukultur positionieren, vermeidet die nordrhein-westfälische Kammer klare Stellungnahmen. Dies mag der komplexen Mitgliederstruktur geschuldet sein, schwächt aber die Position der Baukultur im öffentlichen Diskurs.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Modellfall für andere Städte?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Kölner Fall könnte Signalwirkung für andere Kommunen in NRW haben. Wenn selbst etablierte Kunstwerke dem Verwertungsdruck weichen müssen, welche Zukunft haben dann experimentelle Kunstprojekte im öffentlichen Raum? Die Antwort wird auch davon abhängen, ob es gelingt, neue Allianzen zwischen Künstlerinnen, Stadtplanern und Bürgerschaft zu schmieden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landesregierung plant eine Novellierung der Bauordnung NRW für 2025. Es wäre eine Chance, verbindlichere Regelungen für Kunst im öffentlichen Raum zu verankern. Ob der politische Wille dazu vorhanden ist, bleibt abzuwarten. Der Fall des Kölner Flügelautos könnte zum Präzedenzfall werden – im positiven wie im negativen Sinne.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-ende-einer-illusion-warum-koelns-fluegelauto-mehr-ist-als-nur-kunst/">Das Ende einer Illusion: Warum Kölns Flügelauto mehr ist als nur Kunst</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<item>
		<title>Schattenökonomie: Wie Bonns neue Ausstellung zum Umdenken in der Lichtplanung anregt</title>
		<link>https://baukunst.art/schattenoekonomie-wie-bonns-neue-ausstellung-zum-umdenken-in-der-lichtplanung-anregt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Aug 2025 16:23:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Lichtkunst]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Schattenästhetik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Kunstmuseum Bonn macht Schatten zum Star: »From Dawn Till Dusk« zeigt, wie das Ephemere zur Kunst wird – eine Lehrstunde für alle, die mit Licht und Raum arbeiten.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/schattenoekonomie-wie-bonns-neue-ausstellung-zum-umdenken-in-der-lichtplanung-anregt/">Schattenökonomie: Wie Bonns neue Ausstellung zum Umdenken in der Lichtplanung anregt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Architektur und Kunst im Dialog das Ephemere feiern</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Kunstmuseum Bonn wagt mit »From Dawn Till Dusk« einen bemerkenswerten Schritt: Die aktuelle Ausstellung macht den Schatten – jenes flüchtige Phänomen, das Architektinnen und Architekten seit jeher beschäftigt – zum Protagonisten einer vielschichtigen Kunstschau. Was auf den ersten Blick als rein künstlerische Auseinandersetzung erscheint, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als tiefgreifende Reflexion über die Grundbedingungen räumlicher Wahrnehmung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bonner Museumsarchitektur als Bühne</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die 1992 nach Plänen von Axel Schultes fertiggestellte Museumsarchitektur bietet für diese Thematik den idealen Rahmen. Die charakteristischen Oberlichter und die durchdachte Lichtführung des Gebäudes werden selbst zum Teil der Inszenierung. Hier zeigt sich eindrucksvoll, wie die rheinische Museumslandschaft – geprägt durch Häuser wie das Museum Ludwig in Köln oder die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf – eigene Wege in der Verbindung von Architektur und Kunstpräsentation geht. Die Kuratorinnen und Kuratoren nutzen geschickt die architektonischen Gegebenheiten: Schultes&#8216; zurückhaltende, aber präzise Raumfolgen verwandeln sich in Laboratorien der Wahrnehmung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Schatten als architektonisches Element</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was Architekturbüros heute mühsam in Renderings simulieren, wird hier zur lebendigen Erfahrung: Der Schatten als gestaltgebendes Element. Die Ausstellung führt vor Augen, was Peter Zumthor in seinen Therme Vals oder Tadao Ando in der Kirche des Lichts längst begriffen haben – dass der Schatten nicht die Abwesenheit von Licht ist, sondern dessen notwendiger Partner. In Zeiten, in denen die nordrhein-westfälische Bauordnung zunehmend Verschattungsstudien für Neubauten fordert, gewinnt diese künstlerische Auseinandersetzung zusätzliche Relevanz.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Bezüge und internationale Perspektiven</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bonner Schau reiht sich ein in eine bemerkenswerte Tradition rheinischer Institutionen, die sich mit Licht und Raum auseinandersetzen. Man denkt unweigerlich an die Lichtinstallationen im Gasometer Oberhausen oder an die subtilen Interventionen im Kolumba Museum von Peter Zumthor in Köln. Doch während diese Orte Licht als mystisches oder spirituelles Element inszenieren, wählt Bonn einen analytischeren, fast wissenschaftlichen Zugang. Die gezeigten „Rätselwerke&#8220; – so die treffende Charakterisierung der Ausstellungsmacher – fordern Besucherinnen und Besucher heraus, gewohnte Sehgewohnheiten zu hinterfragen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Kunst und Baukultur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der „intelligente Humor&#8220;, den die Ausstellung verspricht, manifestiert sich in überraschenden Perspektivwechseln. Hier werden Schattenwürfe zu eigenständigen Kunstwerken, dort entstehen räumliche Illusionen, die an die Trompe-l&#8217;œil-Tradition barocker Deckenmalerei erinnern – ein geschickter Verweis auf die reiche Kunstgeschichte der Region. Diese spielerische Herangehensweise steht in wohltuendem Kontrast zur oft todernsten Diskussion um Belichtung und Besonnung in der zeitgenössischen Architekturpraxis.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit durch Bewusstsein</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Zeiten, in denen Planungsbüros mit komplexen Simulationsprogrammen arbeiten, um optimale Tageslichtausbeute bei minimalem Energieverbrauch zu erreichen, erinnert die Ausstellung an die poetische Dimension dieser Berechnungen. Die Sensibilisierung für Licht und Schatten, die hier künstlerisch vermittelt wird, könnte durchaus zu einem bewussteren Umgang mit natürlichen Ressourcen in der Architektur beitragen. Gerade in Nordrhein-Westfalen, wo die Landesbauordnung verstärkt auf energieeffizientes Bauen setzt, gewinnt diese Perspektive an Bedeutung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Didaktik ohne Zeigefinger</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders gelungen erscheint der didaktische Ansatz der Ausstellung. Ohne den erhobenen Zeigefinger akademischer Belehrung führt sie durch die Komplexität des Themas. Studentinnen und Studenten der nahen Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter oder der Fachhochschule Köln finden hier Anschauungsmaterial, das weit über die üblichen Lehrbuchbeispiele hinausgeht. Die Ausstellung schlägt Brücken zwischen den Disziplinen – ein Ansatz, der in der stark spezialisierten deutschen Hochschullandschaft noch immer zu selten praktiziert wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Anmerkungen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei aller Begeisterung für das kuratorische Konzept bleibt die Frage, ob die Ausstellung nicht eine Chance verpasst hat, expliziter auf die architektonischen Dimensionen des Themas einzugehen. Ein Dialog mit lokalen Architekturbüros oder Lichtplanern hätte zusätzliche Perspektiven eröffnen können. Auch die Einbindung zeitgenössischer Positionen aus der Region – etwa der Düsseldorfer Lichtkünstler oder der Kölner Medienkunstszene – hätte der Schau zusätzliche Aktualität verleihen können.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Ein Muss für Raumgestalter</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">»From Dawn Till Dusk« ist mehr als eine Kunstausstellung – es ist eine Schule des Sehens für alle, die sich professionell mit Raum beschäftigen. Das Kunstmuseum Bonn beweist einmal mehr seine Relevanz als kultureller Leuchtturm in der Bundesstadt und darüber hinaus. Die Ausstellung vermittelt auf subtile Weise, was Juhani Pallasmaa in seinen Schriften zur Phänomenologie der Architektur theoretisch formuliert: dass Architektur nicht nur aus Materie, sondern ebenso aus Licht, Schatten und der Zeit dazwischen besteht.</p>
<hr />
<h3><strong>Laufzeit</strong></h3>
<p><strong>3. Juli bis 2. November 2025</strong></p>
<h3><strong>Öffnungszeiten</strong></h3>
<ul>
<li>Dienstag bis Sonntag: 11–18 Uhr</li>
<li>Mittwoch: 11–19 Uhr (verlängerte Öffnungszeit)</li>
<li>Montags geschlossen</li>
</ul>
<h3><strong>Eintrittspreise</strong></h3>
<ul>
<li>Regulär: 10,00 €</li>
<li>Ermäßigt: 5,00 €</li>
<li>Gruppen ab 10 Personen: 8,00 € pro Person (ermäßigt 4,00 €)</li>
<li><strong>Freier Eintritt</strong>: Kinder und Jugendliche bis einschließlich 18 Jahre</li>
<li><strong>Verbundkarte</strong> (Kunstmuseum Bonn + Bundeskunsthalle): 20,00 € / 10,00 € ermäßigt</li>
</ul>
<h3><strong>Adresse und Anfahrt</strong></h3>
<p><strong>Kunstmuseum Bonn</strong> Helmut-Kohl-Allee 2 53113 Bonn Tel.: +49 (0)228 / 776260</p>
<p><strong>Öffentliche Verkehrsmittel:</strong></p>
<ul>
<li>U-Bahn: Linien 16, 63, 66, 67, 68 – Haltestelle: Heussallee/Museumsmeile</li>
<li>Bus: Linien 610, 611, 634 – Haltestelle: Heussallee/Museumsmeile</li>
<li>Regionalbahn: RE 5, RB 26, 30, 48 – Haltestelle: Bonn UN Campus (wenige Gehminuten)</li>
<li>Vom Hauptbahnhof Bonn: U-Bahn in Richtung Bad Godesberg/Königswinter, 5 Stationen</li>
</ul>
<p><strong>Parken:</strong></p>
<ul>
<li>Parkhaus Museumsmeile: Emil-Nolde-Straße 11 (535 Stellplätze, täglich geöffnet)</li>
<li>Behindertenparkplätze: Direkt vor dem Museum an der Helmut-Kohl-Allee 2-4</li>
</ul>
<h3><strong>Barrierefreiheit</strong></h3>
<ul>
<li>Das Museum ist vollständig barrierefrei zugänglich</li>
<li>Leihrollstühle an der Garderobe verfügbar</li>
<li>Führungen für Blinde/Sehbehinderte und in Leichter Sprache auf Anfrage</li>
<li>Assistenzhunde sind erlaubt</li>
</ul>
<h3><strong>Begleitprogramm</strong></h3>
<ul>
<li>Regelmäßige Führungen</li>
<li>Workshops für verschiedene Altersgruppen</li>
<li>Spezielle Lehrerfortbildungen</li>
<li>Schattentheater-Aufführungen im Rahmen der Ausstellung</li>
</ul>
<h3><strong>Katalog</strong></h3>
<p>Zur Ausstellung ist im Hirmer Verlag ein umfangreicher Katalog erschienen:</p>
<ul>
<li>Titel: &#8222;From Dawn Till Dusk – Der Schatten in der Kunst der Gegenwart&#8220;</li>
<li>Herausgeber: Prof. Dr. Stephan Berg</li>
<li>Sprachen: Deutsch/Englisch</li>
<li>ISBN: 978-3-7774-4544-1</li>
<li>Preis: 50,00 €</li>
</ul>
<h3><strong>Sonderveranstaltungen</strong></h3>
<ul>
<li><strong>Eröffnung</strong>: Mittwoch, 2. Juli 2025, 19:30 Uhr (Eintritt frei)</li>
<li><strong>Finissage</strong>: 2. November 2025 (Eintritt frei)</li>
</ul>
<h3><strong>Wichtige Hinweise</strong></h3>
<ul>
<li>Taschen und Rucksäcke müssen an der kostenlosen Garderobe abgegeben werden</li>
<li>Kleine Handtaschen für persönliche Gegenstände sind erlaubt</li>
<li>Die Kasse schließt 30 Minuten vor Ende der Öffnungszeiten</li>
</ul>
<h3><strong>Kontakt für Führungen und Bildungsprogramm</strong></h3>
<p>Tel.: 0228-776230 E-Mail: bildung.vermittlung@bonn.de</p>
<p>Die Ausstellung wird gefördert durch die Art Mentor Foundation Lucerne, die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>NRW reformiert die kommunale Vergabe: Was Büros jetzt wissen müssen</title>
		<link>https://baukunst.art/nrw-reformiert-die-kommunale-vergabe-was-bueros-jetzt-wissen-muessen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Aug 2025 08:39:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunalreform]]></category>
		<category><![CDATA[NRW-Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Vergaberecht]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13001</guid>

					<description><![CDATA[<p>NRW krempelt die Vergaberegeln um: Ab 2026 bestimmen Kommunen selbst, wie sie Aufträge vergeben. Chance für regionale Büros – wenn sie digital fit sind und die neuen Spielregeln verstehen.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Zwischen Subsidiarität und Rechtssicherheit: NRWs gewagter Vergabespagat</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Paradigmenwechsel mit Ansage</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die nordrhein-westfälische Vergabelandschaft steht vor ihrer größten Umwälzung seit Jahren. Mit dem am 9. Juli 2025 verabschiedeten Gesetz zur Modernisierung der kommunalen Auftragsvergabe vollzieht das bevölkerungsreichste Bundesland einen bemerkenswerten Kurswechsel. Ab dem 1. Januar 2026 erhalten die 396 Kommunen zwischen Rhein und Weser deutlich mehr Spielraum bei der Vergabe öffentlicher Aufträge unterhalb der EU-Schwellenwerte. Für Architektinnen und Planer bedeutet dies: Die vertrauten Vergabemuster werden aufgebrochen, neue Chancen entstehen – aber auch neue Herausforderungen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Dezentralisierung als Leitmotiv</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Kern der Reform liegt in der konsequenten Dezentralisierung. Während bislang landesweit einheitliche Vergaberegeln galten, können Städte und Gemeinden künftig eigene Vergabeordnungen erlassen. Köln kann andere Schwerpunkte setzen als Paderborn, Düsseldorf andere Kriterien definieren als Siegen. Diese kommunale Autonomie betrifft Planungsleistungen bis zu einem Auftragswert von 215.000 Euro – also den Großteil der alltäglichen Vergaben im kommunalen Hochbau.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landesregierung reagiert damit auf jahrelange Kritik aus den Rathäusern. Zu starr, zu bürokratisch, zu wenig an lokalen Gegebenheiten orientiert – so lauteten die Vorwürfe gegen das bisherige System. Besonders kleinere Kommunen im ländlichen Raum beklagten, dass die standardisierten Verfahren ihre spezifischen Bedürfnisse ignorierten. Ein Bürgermeister aus dem Sauerland brachte es auf den Punkt: „Wir kennen unsere regionalen Büros, ihre Stärken und Schwächen. Warum sollten wir bei jedem Kindergartenumbau ein europaweites Verfahren durchführen?&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Flexibilität trifft auf Verantwortung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neuen Freiheiten sind allerdings kein Freibrief für Willkür. Das Gesetz definiert klare Mindeststandards: Transparenz, Gleichbehandlung und Wirtschaftlichkeit bleiben oberste Gebote. Jede Kommune muss ihre Vergabekriterien öffentlich dokumentieren und begründen. Ein digitales Landesregister soll ab März 2026 alle kommunalen Vergabeordnungen zentral erfassen – ein wichtiges Instrument für Planungsbüros, die überregional tätig sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessant wird die Ausgestaltung der Qualitätskriterien. Während manche Kommunen weiterhin primär auf den Preis schauen dürften, kündigen progressive Städte wie Münster oder Wuppertal bereits an, verstärkt auf Nachhaltigkeitsaspekte, regionale Wertschöpfung und innovative Planungsansätze zu setzen. Die Stadt Aachen plant sogar, bei kleineren Projekten verstärkt auf Konzeptwettbewerbe zu setzen – eine Chance besonders für junge Büros, sich zu profilieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionalität als Trumpfkarte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein zentraler Aspekt der Reform ist die explizite Stärkung regionaler Strukturen. Kommunen dürfen künftig bei der Vergabe „angemessene regionale Bezüge&#8220; berücksichtigen – eine Formulierung, die bewusst Interpretationsspielraum lässt. Für lokale Architekturbüros eröffnet dies neue Perspektiven. Ortskenntnis, etablierte Netzwerke mit regionalen Handwerksbetrieben und kurze Wege können zu echten Wettbewerbsvorteilen werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Allerdings warnt die Architektenkammer NRW vor überzogenen Erwartungen. Kammerpräsidentin Ernst-Böhm betont: „Regionalität darf kein Deckmantel für Protektionismus werden. Die EU-rechtlichen Grundsätze gelten weiterhin.&#8220; Tatsächlich bewegt sich die Reform in einem schmalen rechtlichen Korridor. Zu offensive Bevorzugung lokaler Anbieter könnte schnell zu Klagen führen – ein Risiko, das viele Kommunen scheuen dürften.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Digitalisierung als Beschleuniger</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist der Digitalisierungsschub, den die Reform mit sich bringt. Alle Kommunen müssen bis 2027 digitale Vergabeplattformen einrichten. Kleinere Gemeinden können sich dabei zu Vergabeverbünden zusammenschließen und gemeinsame Plattformen nutzen. Das Land stellt hierfür 45 Millionen Euro Fördermittel bereit – ein Signal, dass die Digitalisierung ernst gemeint ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Planungsbüros bedeutet dies: Die Zeiten handschriftlicher Angebotsabgaben sind endgültig vorbei. Wer nicht digital aufgestellt ist, wird künftig keine öffentlichen Aufträge mehr akquirieren können. Gleichzeitig vereinfacht die Digitalisierung die Teilnahme an Vergabeverfahren erheblich. Lange Anfahrtswege zur Angebotsabgabe entfallen, die Dokumentation wird transparenter, Rückfragen können schneller geklärt werden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Qualifikation und Nachwuchs im Fokus</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein innovativer Baustein der Reform sind die sogenannten „Nachwuchsquoten&#8220;. Kommunen können festlegen, dass bei bestimmten Projekten ein definierter Anteil der Planungsleistungen durch Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger erbracht werden muss. Düsseldorf will diese Option nutzen, um gezielt junge Talente zu fördern. Etablierte Büros müssen sich darauf einstellen, verstärkt in Arbeitsgemeinschaften mit Newcomern zu agieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Regelung adressiert ein drängendes Problem der Branche: den Fachkräftemangel. Viele Kommunen beklagen, dass bei Ausschreibungen immer dieselben Büros zum Zuge kommen, während qualifizierter Nachwuchs keine Chance erhält, Referenzen aufzubauen. Die Reform könnte hier einen wichtigen Impuls setzen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Herausforderungen für mittelständische Büros</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht alle Aspekte der Reform sind unumstritten. Besonders mittelständische Büros befürchten einen erhöhten Akquisitionsaufwand. Statt sich mit einer landesweiten Vergabeordnung auseinanderzusetzen, müssen sie künftig potentially 396 verschiedene Regelwerke im Blick behalten. Der administrative Aufwand könnte gerade für Büros mit 10 bis 30 Mitarbeitenden zur Belastung werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch die Gefahr einer Zersplitterung der Vergabelandschaft ist real. Wenn jede Kommune eigene Präqualifikationssysteme entwickelt, eigene Nachweispflichten definiert und eigene Bewertungsmatrizen erstellt, droht ein bürokratischer Flickenteppich. Das Land hat zwar Mustervorlagen angekündigt, deren Nutzung bleibt aber freiwillig.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Evolution statt Revolution</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei aller Euphorie über neue Freiheiten – die Reform wird keine Revolution über Nacht auslösen. Die meisten Kommunen werden zunächst vorsichtig agieren, bestehende Vergabepraxis nur behutsam modifizieren. Erst mittelfristig, wenn erste Erfahrungen vorliegen und sich Best-Practice-Modelle herauskristallisieren, dürfte das volle Potenzial der Reform sichtbar werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architekturbüros gilt: Wer die Chancen der Reform nutzen will, muss sich jetzt vorbereiten. Das bedeutet: Digitale Infrastruktur ausbauen, regionale Netzwerke stärken, Kooperationen mit jungen Büros ausloten und vor allem – die lokalen Entwicklungen genau beobachten. Die Vergabelandschaft in NRW wird bunter, vielfältiger, aber auch anspruchsvoller. Eine Entwicklung, die der Baukultur im Land durchaus guttun könnte.</p>
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