<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Südwest | Baukunst</title>
	<atom:link href="https://baukunst.art/category/regional/suedwest/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://baukunst.art</link>
	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
	<lastBuildDate>Fri, 27 Mar 2026 10:40:55 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://baukunst.art/wp-content/uploads/2023/04/cropped-favicon-1-32x32.png</url>
	<title>Südwest | Baukunst</title>
	<link>https://baukunst.art</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Ein Vermächtnis aus Stahl und Klang: Das Doshi Retreat auf dem Vitra Campus</title>
		<link>https://baukunst.art/ein-vermaechtnis-aus-stahl-und-klang-das-doshi-retreat-auf-dem-vitra-campus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 10:40:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Balkrishna Doshi]]></category>
		<category><![CDATA[itra Campus]]></category>
		<category><![CDATA[Kontemplationsarchitektur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15633</guid>

					<description><![CDATA[Ein spiralförmiger Pfad aus verwittertem Stahl taucht in den Boden des Vitra Campus ab und führt Besucherinnen und Besucher in einen Raum, den man nicht betritt, sondern erst langsam erreicht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gegen den Lärm: Ein Ort zum Zuhörenlernen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das <strong><a href="https://www.vitra.com/de-de/campus/news/details/doshi-retreat?srsltid=AfmBOor6SkfHS5HJvXp6YY5Nz_O8BqH55UL3TV7_PmaTr59AksAm9USn" target="_blank" rel="noopener">Doshi Retreat</a></strong> ist ein in Weil am Rhein vollendetes Kontemplationsbauwerk, das indische Spiritualität, materialgebundene Architektur und akustische Raumgestaltung zu einer einzigartigen sinnlichen Erfahrung verdichtet. Entstanden auf dem Vitra Campus unmittelbar neben dem Konferenzpavillon von Tadao Ando, eröffnet es eine neue Dimension in der Entwicklung dieses außergewöhnlichen Industrieparks zur öffentlichen Kulturstätte. Am 25. Oktober 2025 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, ist es zugleich das erste Gebäude des Pritzker-Preisträgers Balkrishna Doshi (1927 bis 2023) außerhalb Indiens und das letzte, das er vor seinem Tod konzipierte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Geschichte des Projekts beginnt mit einem Besuch. Rolf Fehlbaum, Ehrenpräsident von Vitra und jahrzehntelanger Weggefährte Doshis, reiste nach Indien und besichtigte den Modhera Sonnentempel in Gujarat. Ein Foto eines kleinen Schreins auf dem Tempelgelände zeigte er Doshi mit der Bitte, auf dem Campus einen Ort der Stille zu schaffen. Aus diesem Dialog entstand zunächst eine Skizze und dann, über Jahre der Zusammenarbeit, ein Bauwerk. Doshi, der unter Le Corbusier in Chandigarh und Louis Kahn in Ahmedabad ausgebildet wurde, hatte die Architektur stets als Reise begriffen, nicht als Destination. Dieser Gedanke durchzieht das Doshi Retreat in jeder Einzelheit.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie entsteht Architektur aus einem Traum?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den konzeptuellen Ausgangspunkt bildete ein Traum, den Doshi seiner Enkelin Khushnu Panthaki Hoof schilderte: zwei ineinander verschlungene Kobras. Diese Vision lieferte das geometrische Prinzip, das das Retreat bis in seine Materialisierung prägt. Zwei geschwungene Pfade winden sich spiralförmig ineinander, steigen sanft unter das Gelände ab und kreuzen sich, bevor sie in einer zentralen Halle enden. Das strukturgebende Bild verweist auf das Konzept der Kundalini, jene im Sanskrit als gerollt oder spiralförmig bezeichnete latente Energie an der Basis der Wirbelsäule, deren Aufstieg durch die Chakren in Yoga- und Tantra-Tradition als spirituelle Transformation gilt. Die Architektur wird zum Medium dieser Erfahrung; der Weg durch das Retreat wird zur körperlichen und geistigen Reise.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ausgeführt wurde das Projekt durch Studio Sangath in Ahmedabad, das Khushnu Panthaki Hoof gemeinsam mit ihrem Partner Sönke Hoof leitet. Nachdem Doshi 2023 verstarb, führte das Studio die Ausführungsplanung in engem Dialog mit seiner ursprünglichen Vision fort. Die Tragwerksplanung übernahm das Ingenieurbüro Bollinger und Grohmann (Jan Knippers), die Lichtkonzeption das Studio Licht kunst Licht, die Akustikberatung das niederländische The Works Research Institute B.V. Auftraggeber ist Rolf Fehlbaum persönlich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Hüllflächen des Retreats bestehen aus X-Carb-Stahl von ArcelorMittal, einem rezyklierten Werkstoff, der mit erneuerbaren Energien produziert wird. Die Wahl dieses Materials ist programmatisch: Der sich mit fortschreitender Bewitterung tieforange färbende Stahl verbindet das Bauwerk mit dem Erdreich, in das es sich eingräbt, und verleiht ihm eine zeitliche Dimension. Das Doshi Retreat altert sichtbar und wird dadurch Teil der Landschaft. Diese materialbasierte Ehrlichkeit korrespondiert mit dem Erbe des brutalistischen Diskurses, dem Doshi in seiner frühen Schaffensphase angehörte, ohne sich jemals darauf zu beschränken.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was leistet Klang als architektonisches Element?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Doshi Retreat ist Klang keine atmosphärische Beigabe, sondern tragendes Entwurfselement. In den Boden eingelassene Lautsprecher senden wechselnde Sequenzen von Gong- und Keramikflötenklägen entlang der Wegeführung. Die Klänge werden nicht laut abgespielt, sondern vibrieren durch den Beton und den Stahl in den Körper der Begehenden. Khushnu Panthaki Hoof beschreibt diesen Effekt präzise: Es ist der Klang, der durch den Körper resoniert und die Grenze zwischen dem Selbst und der Struktur aufhebt. Diese Formulierung ist keine poetische Metapher, sondern eine räumlich erfahrbare Qualität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Ende beider Pfade öffnet sich ein kreisförmiger Kontemplationsraum. Zwei halbrunde Steinbänke laden zum Verweilen ein. Ein Gong steht frei im Raum. Die Decke trägt ein handgetriebenes Mandala aus Messing, das in Indien gefertigt wurde und durch eine Öffnung im Scheitel natürliches Licht empfängt. Dieses Licht wird in schimmernde Goldreflexe gebrochen und erfüllt den Raum mit einer stillen, wandelnden Leuchtkraft. Ein schmaler Ring aus Regenwasser am Boden der Kammer vervollständigt den sensorischen Kreislauf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Vitra Campus ist ein einzigartiges Feld architektonischer Einzelleistungen im deutschen Südwesten, unmittelbar an der Grenze zu Basel. Frank Gehry, Zaha Hadid, Herzog und de Meuron, Álvaro Siza und Tadao Ando haben hier gebaut; das Werksgelände des Möbelunternehmens ist zur öffentlich zugänglichen Lektion in zeitgenössischer Architekturgeschichte geworden. Das Doshi Retreat fügt dieser Kollektion eine Stimme hinzu, die fundamental anders klingt. Während die genannten Bauwerke ihre Präsenz durch Volumen, Geste und formale Spannung behaupten, versenkt sich das Retreat in den Boden und entfaltet sein Gewicht im Inneren. Es ist ein Bauwerk, das nicht angeschaut, sondern erlebt werden will.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Doshi Retreat ist auch in geografischer Hinsicht ein besonderes Ereignis für die Region. Weil am Rhein liegt in der Trinationalen Metropolregion Oberrhein, einem der dichtesten Kulturräume Mitteleuropas, in dem schweizerische, französische und deutsche Planungskulturen aufeinandertreffen. Der Vitra Campus profitiert von dieser Lage und zieht ein internationales Publikum an. Das Retreat schließt auf dem Campus eine inhaltliche Lücke: Es gibt erstmals einem nicht-westlichen architektonischen Denken Raum, ohne dieses zu exotisieren. Doshis Arbeit war stets dem sozialen Wohnungsbau in Indien verpflichtet; seine fürsorgliche Haltung gegenüber dem Körper und dem Bewusstsein der Nutzenden findet im Retreat ihre vielleicht reinste Formulierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Doshi Retreat ist kein Denkmal. Es ist kein Museum und keine Gedenkstätte. Es ist ein aktiver Raum, der seine Besucherinnen und Besucher einlädt, langsamer zu werden. In einer Baukultur, die zunehmend von Effizienzlogiken und bildschirmtauglichen Außenansichten bestimmt wird, ist das eine bemerkenswerte Aussage. Balkrishna Doshi hat sie, mit Unterstützung seiner Familie und seines Studios, in ein Stück Land im südlichen Baden-Württemberg eingeschrieben. Das Vermächtnis ist offen für alle, die bereit sind, den Weg zu gehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wenn Wirtschaftlichkeit den Denkmalschutz schlägt: Das Wittwerhaus in Stuttgart</title>
		<link>https://baukunst.art/wenn-wirtschaftlichkeit-den-denkmalschutz-schlaegt-das-wittwerhaus-in-stuttgart/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 10:17:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Ein Stuttgarter Kaufhaus verschwindet]]></category>
		<category><![CDATA[weil Sanierung sich nicht rechnet. Was das über Planungskultur und Stadtrecht verrät.]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15630</guid>

					<description><![CDATA[Ein Stuttgarter Kaufhaus verschwindet, weil Sanierung sich nicht rechnet. Was das über Planungskultur und Stadtrecht verrät.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Abriss an der Königstraße: Wer schützt Stuttgarts Stadtbild, wenn der Denkmalschutz schweigt?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Abriss eines stadtbildprägenden Gebäudes ist immer auch eine Entscheidung über das kollektive Gedächtnis einer Stadt. An der Königstraße 30/32 in Stuttgart trifft genau das gerade ein: Das Wittwerhaus, seit Jahrzehnten ein vertrauter Fixpunkt der Stuttgarter Fußgängerzone mit Mietern wie der Buchhandlung Thalia und dem Lokal Ochs&#8217;n Willi, soll bis Ende 2027 vollständig abgerissen werden. Die Eigentümerin Dinkelacker AG hat dies offiziell im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik des Gemeinderats bekannt gegeben. Eine Machbarkeitsstudie kam zu dem Ergebnis, dass zu viele bauliche Mängel vorliegen und eine Sanierung aus technischen wie wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage kommt. Unter anderem läuft die Brandschutzgenehmigung 2026 aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Damit steht Stuttgart vor einer Frage, die sich in vielen Großstädten des deutschsprachigen Raums stellt: Was passiert, wenn ein Gebäude aus den 1960er oder 1970er Jahren das Ende seines wirtschaftlichen Lebenszyklus erreicht, aber keinen Denkmalschutzstatus genießt?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum greift der Denkmalschutz hier nicht?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Wittwerhaus steht nicht unter Denkmalschutz. Damit entfällt die wichtigste rechtliche Handhabe, die einer Stadt zur Verfügung steht, um privateigene Gebäude vor dem Abriss zu bewahren. Das Denkmalschutzgesetz Baden-Württemberg (DSchG BW) schützt ausschließlich Kulturdenkmale im Sinne des § 2 DSchG BW, also Objekte, an deren Erhaltung ein öffentliches Interesse aus wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen besteht. Ein Kaufhausbau der Wirtschaftswunderzeit, der vor allem durch seine Nutzung und seine Lage bekannt ist, nicht aber durch architektonische Ausnahmequalität, fällt typischerweise nicht unter diese Definition.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau hier liegt ein strukturelles Problem der deutschen Baurechtsordnung: Die Landesbauordnung Baden-Württemberg (LBO BW) regelt in erster Linie die Sicherheit und Nutzbarkeit von Gebäuden, nicht deren städtebauliche Kontinuität. Solange ein Eigentümer den Nachweis erbringt, dass eine wirtschaftliche Nutzung des Bestands nicht möglich ist, und ein Neubauvorhaben dem Bebauungsplan entspricht, stehen der zuständigen Gemeinde kaum Mittel zur Verfügung, den Abriss zu verhindern. Der § 34 Baugesetzbuch (BauGB), der die Zulässigkeit von Vorhaben im unbeplanten Innenbereich regelt, gibt der Gemeinde ebenfalls keinen Hebel in die Hand, solange sich ein Neubau in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Brandschutzrecht wirkt hier wie ein stiller Beschleuniger: Wenn eine Genehmigung ausläuft und die Nachrüstung unwirtschaftlich erscheint, bricht die rechtliche Grundlage für den Weiterbetrieb weg. Das Gebäude wird zur Haftungsfrage, der Abriss zur betriebswirtschaftlich naheliegenden Lösung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Instrumente hat die Stuttgarter Stadtplanung tatsächlich?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stuttgart verfügt, wie andere Großstädte in Baden-Württemberg, über einen Gestaltungsbeirat, der bei städtebaulich bedeutsamen Vorhaben beratend tätig wird. Dieser kann Empfehlungen aussprechen, hat aber keine bindende Wirkung auf private Eigentümer außerhalb von Satzungsgebieten oder besonderen Erhaltungsverordnungen. Eine städtebauliche Erhaltungssatzung nach § 172 BauGB ermöglicht es Gemeinden immerhin, Abrisse genehmigungspflichtig zu machen und abzulehnen, wenn die städtebauliche Eigenart eines Gebiets gefährdet ist. Ob eine solche Satzung für den Bereich der Königstraße besteht oder gezielt erlassen werden könnte, wäre die entscheidende politische Frage.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Realität in vielen deutschen Innenstädten sieht jedoch anders aus: Erhaltungssatzungen werden häufig erst dann diskutiert, wenn der Abriss bereits beschlossen ist. Das ist kein Stuttgarter Sonderfall, sondern ein systemisches Muster, das sich von Düsseldorf bis Graz beobachten lässt. Planungsrecht ist reaktiv konzipiert, nicht präventiv.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt die Förderlandschaft: Das Landessanierungsprogramm Baden-Württemberg sowie Mittel aus der Städtebauförderung des Bundes (nach §§ 136 ff. BauGB) stehen grundsätzlich für die Erneuerung innerstädtischer Gebäude zur Verfügung. Allerdings setzt deren Aktivierung voraus, dass ein förmliches Sanierungsgebiet ausgewiesen ist oder der Eigentümer selbst Interesse an einer geförderten Sanierung zeigt. Beides ist im Fall des Wittwerhauses offenbar nicht gegeben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Stadtgestalt als kollektives Gut ohne rechtliche Verankerung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Wittwerhaus ist kein Einzelfall, sondern symptomatisch für eine Gründerzeit des Wirtschaftswunders, die nun in die Jahre kommt. Zahlreiche Kaufhäuser, Verwaltungsgebäude und Infrastrukturbauten der 1960er und frühen 1970er Jahre stehen vor ähnlichen Fragen: sanierungsbedürftig, nicht denkmalgeschützt, in wirtschaftlich attraktiven Lagen. Die Eigentümerinnen und Eigentümer verfügen über das Recht, diese Gebäude durch ertragreichere Neubauten zu ersetzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was dabei verloren geht, ist schwer zu beziffern, aber real: die räumliche Identität eines Stadtquartiers, die Kontinuität urbaner Biographien, das kollektive Gedächtnis von Passantinnen und Passanten, die einen Ort über Jahrzehnte mit Bedeutung aufgeladen haben. Die Planungstheoretikerin Jane Jacobs hat dieses Phänomen in ihrem Werk bereits in den 1960er Jahren beschrieben: Städte brauchen Gebäude unterschiedlichen Alters, weil nur alte Gebäude die wirtschaftliche Voraussetzung für Nutzungen schaffen, die sich hohe Mieten nicht leisten können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stuttgart steht mit dem Wittwerhaus vor einer Frage, die das Baurecht allein nicht beantworten kann. Sie lautet: Wie viel Kontinuität will eine Stadt ihrer Innenstadt zumuten? Und welche rechtlichen Instrumente ist sie bereit, dafür zu schärfen?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort wird sich nicht im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik entscheiden, sondern in der politischen Bereitschaft, Planungsrecht proaktiv einzusetzen, bevor das nächste Gebäude zur Wirtschaftlichkeitsfrage wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Aufstocken statt Abreißen: Wie Baden-Württemberg mit der neuen LBO den Wohnungsbau revolutioniert</title>
		<link>https://baukunst.art/aufstocken-statt-abreissen-wie-baden-wuerttemberg-mit-der-neuen-lbo-den-wohnungsbau-revolutioniert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 14:27:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Aufstockung Wohnungsbau]]></category>
		<category><![CDATA[Landesbauordnung]]></category>
		<category><![CDATA[Nachverdichtung Baden-Württemberg]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15330</guid>

					<description><![CDATA[Baden-Württemberg erleichtert Dachaufstockungen radikal. Was das für den Wohnungsbau bedeutet und wo die Reform noch zu kurz greift. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Aufstocken als Ausweg: Baden-Württembergs Baurechtsreform im Praxistest</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Oben drauf: Der Bestand als Bauland</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Wohnungsmangel in deutschen Städten ist seit Jahren ein Dauerthema, doch die Lösungen bleiben rar. Baden-Württemberg versucht seit 2019 einen anderen Weg: statt neue Flächen zu versiegeln, setzt das Land auf die Luft über bestehenden Gebäuden. Mit der jüngsten Novelle der Landesbauordnung (LBO), die am 28. März 2025 im Gesetzblatt veröffentlicht wurde und Mitte Juni 2025 in Kraft trat, hat das Südwestland inzwischen die vierte Reformrunde dieser Legislaturperiode abgeschlossen. Das Ergebnis ist ein Regelwerk, das Aufstockungen erheblich einfacher macht, aber auch zeigt, wie viel Reformstau sich über Jahrzehnte aufgebaut hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als Paradebeispiel dient die Esslinger Wohnungsbau GmbH (EWB). Im Stadtteil Pliensauvorstadt entstanden durch eine Aufstockung zweier Mehrfamilienhäuser vier neue Wohnungen mit insgesamt 242 Quadratmetern. Kosten: 3,3 Millionen Euro, inklusive energetischer Sanierung, Balkonen für die Bestandswohnungen und einem neuen Aufzugsturm. Gebaut wurde im laufenden Betrieb, die Bauzeit betrug 15 Monate. Die Gesellschaft, die zur Hälfte der Stadt Esslingen gehört und zur anderen Hälfte Unternehmen wie der Mercedes-Benz Group, EnBW, Eberspächer und der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, plant künftig jedes Jahr ein solches Projekt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vier Novellen, vier Schritte nach vorn</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was sich nach entschlossenem Handeln anhört, ist in Wirklichkeit das schrittweise Abtragen eines jahrzehntelang gewachsenen Normendschungels. Der Weg zur heutigen Regelung begann 2019, als das Land die Pflicht abschaffte, bei Aufstockungen zusätzliche Stellplätze nachzuweisen. Ein Stellplatz in einer Tiefgarage kann, wie der Esslinger Architekt Till Heller von LP&amp;H-Architekten bestätigt, bis zu 50.000 Euro kosten. Gleichzeitig entfiel die Verpflichtung zur Barrierefreiheit in den neuen Wohnungen, die barrierefreie Ausführung macht Wohnungen erfahrungsgemäß fünf bis zehn Prozent größer. Im Jahr 2023 kam die Abschaffung der Aufzugspflicht hinzu: Eine Aufstockung um bis zu zwei Geschosse an Gebäuden, deren Baugenehmigung mindestens fünf Jahre zurückliegt, muss seither keinen neuen Aufzug nach sich ziehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die jüngste Novelle bringt den vielleicht bedeutsamsten Schritt: Wechselt ein Gebäude durch die Aufstockung in eine höhere Gebäudeklasse, so gelten dafür keine zusätzlichen Brandschutzanforderungen mehr. Gebäudeklassen sind das bauordnungsrechtliche Rückgrat des Brandschutzes, eingeteilt in fünf Kategorien nach Höhe, Fläche und Nutzung. Je höher die Klasse, desto strenger die Anforderungen an Feuerwiderstand und Rettungswege. Die neue Regelung koppelt den Klassenwechsel durch Aufstockung von den entsprechenden Mehrkosten ab, was Heller als sehr große Erleichterung bezeichnet. Zusätzlich entfällt die Pflicht zum Bau von Abstellräumen, wenn kein Keller vorhanden ist. Die geschätzte Kosteneinsparung beträgt rund 4.500 Euro je Quadratmeter Untergeschossfläche.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Normendschungel mit 4.000 Einträgen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Fabian Viehrig, Leiter Bauen und Technik beim Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW, setzt die Esslinger Erfahrungen in einen breiteren Kontext. Im deutschen Bauwesen existieren nach seiner Schätzung rund 3.900 bis 4.000 DIN-Normen, die zum erheblichen Teil den Wohnungsbau betreffen, dazu kommen weitere technische Regelwerke. Normen seien grundsätzlich sinnvoll, weil sie Abläufe vereinfachten, Sicherheit schüfen und technische Kompatibilität gewährleisteten. Schwierig werde es durch die schiere Menge und wachsende Komplexität. Bauen war nie trivial, aber heute ist es durch detaillierte Normenwerke und deren Auslegung oft übermäßig kompliziert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der GdW fordert daher eine weitere Durchforstung der Landesbauordnungen. Normen und technische Standards müssten entschlackt und praxistauglicher gestaltet werden. Gesetzliche Anforderungen sollten stärker auf Zielerreichung als auf Detailvorgaben ausgerichtet sein. Viehrig mahnt an, die Prozesse von der Genehmigung über die Vergabe bis zur Ausführung zu vereinfachen und zu beschleunigen. Die Hoffnung dahinter ist einfach: Weniger Vorgaben bedeuten geringere Kosten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Modell mit Reichweite und Grenzen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baden-Württemberg ist mit seinem Reformkurs nicht allein. Auch Bayern und Schleswig-Holstein haben zuletzt Erleichterungen bei Aufstockungen eingeführt. Auf Bundesebene trat am 30. Oktober 2025 der sogenannte BauTurbo gemäß Paragraf 264e BauGB in Kraft, der die Schaffung von Wohnraum durch Abweichung vom geltenden Planungsrecht ermöglicht. Die Entwicklung zeigt: Was lange als bürokratische Selbstverständlichkeit galt, gerät unter Druck, wenn der Wohnungsbau kollabiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dennoch lohnt ein kritischer Blick. Die Reformen erleichtern das Aufstocken erheblich, setzen aber voraus, dass das statische Potenzial im Bestand überhaupt vorhanden ist. Nicht jedes Nachkriegsgebäude verträgt zwei zusätzliche Geschosse. Architektinnen und Architekten tragen durch die vereinfachten Genehmigungsverfahren zunehmend allein die Verantwortung für die Einhaltung öffentlich-rechtlicher Vorschriften, da die Baurechtsbehörden diese im Kenntnisgabeverfahren nicht mehr prüfen. Mit der Abschaffung des Widerspruchsverfahrens entfällt für Nachbarinnen und Nachbarn zudem ein niedrigschwelliges Rechtsschutzinstrument; der Weg zum Verwaltungsgericht bleibt als einzige Abhilfe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">EWB-Geschäftsführer Hagen Schröter sieht die Lage pragmatisch: Die Möglichkeiten und Potenziale, die sich aus der Reform ergeben, sollten Wohnungsunternehmen jetzt entschieden und zügig nutzen, besonders im Bestand. Das klingt nach einem Aufruf, der in vielen Kommunen noch nicht gehört wurde. Denn ob ein Wohnungsunternehmen jährliche Aufstockungen plant, hängt nicht nur von der Bauordnung ab, sondern auch von Finanzierungsbedingungen, kommunalem Willen und dem Mut zur Investition in einen schwierigen Markt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachverdichtung als Prinzip, nicht als Notlösung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Esslinger Projekt zeigt, was möglich ist, wenn Bauordnung, kommunale Wohnungsgesellschaft und engagierte Planungsbüros an einem Strang ziehen. Vier neue Wohnungen auf einem Bestandsgrundbuch, ohne Flächenverbrauch, ohne Abriss, ohne Neuerschließung. Aus nachhaltiger Sicht ist das vorbildlich: Graufeldreserven in der Stadt nutzen, Graue Energie der bestehenden Konstruktion erhalten, Infrastruktur nicht neu ausbauen müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Übertragbarkeit des Modells auf andere Bundesländer ist gegeben, der politische Wille entscheidet. Baden-Württemberg hat gezeigt, dass eine konsequente Reformpolitik über mehrere Legislaturperioden die Rahmenbedingungen tatsächlich verändern kann. Was bleibt, ist die Frage nach den Grenzen der Deregulierung: Brandschutz, Barrierefreiheit und nachbarschaftliche Rechte sind nicht beliebig disponibel. Die Kunst liegt darin, die Stellschrauben richtig zu justieren, also Bürokratie abzubauen, ohne Schutzniveaus zu erodieren. Ob Baden-Württemberg diesen Balanceakt langfristig gelingt, wird die Praxis zeigen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mainzer Mediathek am Gutenbergplatz: Wie Haushaltszwang ein Kulturhaus neu erfindet</title>
		<link>https://baukunst.art/mainzer-mediathek-am-gutenbergplatz-wie-haushaltszwang-ein-kulturhaus-neu-erfindet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 14:16:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtbibliothek]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung Mainz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15326</guid>

					<description><![CDATA[Mainz gibt seinen Kulturhaus-Traum auf. Statt Kleinkunst und Kino zieht nun die Stadtbücherei ins neue Zentrumsgebäude. Warum das klüger sein könnte, als es klingt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn die Kasse klingt, schweigen die Musen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mainz ändert seine Kulturpläne: Aus dem ambitionierten Kulturhaus wird eine Mediathek. Das ist weniger schlecht, als es klingt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Ende eines großen Plans</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mainz hatte Großes vor. Im Herzen der Altstadt, auf dem ehemaligen Karstadt-Areal an der Ludwigsstraße, sollte ein neues Kulturhaus entstehen, das der Stadt endlich das geben würde, was sie seit Jahren vermisste: einen zentralen Ort für Kleinkunst, Kino und städtisches Leben unter einem Dach. Die Kleinkunstbühne Unterhaus und das Studiokino Ciné Mayence waren gesetzt, die Kosten veranschlagt, die Begeisterung groß. Dann platzte Ende 2024 der Mainzer Haushalt, und mit ihm der Traum vom großen Kulturhaus. Rund 48 Millionen Euro, die Bürgermeister Günter Beck für das Vorhaben vorgesehen hatte, mussten gestrichen werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was blieb, war ein Rohbau an der Ecke Fuststraße und Gutenbergplatz, entworfen vom Mainzer Büro Faerber Architekten, der nun nach einer neuen Bestimmung suchte. Diese Bestimmung hat die Stadt im Dezember 2025 gefunden: Die Anna-Seghers-Bücherei, seit gut 40 Jahren in einem Anbau der Bonifaziustürme am Hauptbahnhof untergebracht, soll ins Zentrum der Gutenbergstadt umziehen. Aus dem Kulturhaus wird eine Mediathek. Oder, wie Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) schwärmte: ein Ort, der Medienbildung dorthin bringt, wo sie hingehört.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisches Erbe und neue Nutzung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bau selbst ist bereits fertig und kann für sich sprechen. Faerber Architekten haben an der Ecke Fuststraße und Gutenbergplatz einen Neubau geschaffen, der bewusst Maßstab und Charakter der Mainzer Altstadt aufnimmt, ohne in historisierendem Kleinmut zu versinken. Die Jury des vorangegangenen Wettbewerbs lobte die skulpturale Ausarbeitung der Fassaden mit ihren schrägen Elementen als neues Merkmal, das sich gut in die städtebauliche Umgebung einfüge. Das Gebäude bietet Raum für Wohnungen im Obergeschoss, Einzelhandel im Erdgeschoss sowie die künftigen Kulturnutzungen in den Mitteletagen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau diese Mischung aus Wohnen, Handel und öffentlicher Nutzung entspricht zeitgemäßen Vorstellungen von urbanem Leben. Dass das Philharmonische Staatsorchester Mainz ebenfalls einzieht, mit neuen Proberäumen und einem Kammermusiksaal gegenüber dem Staatstheater, verleiht dem Gebäude eine institutionelle Tiefe, die über die bloße Bibliotheksnutzung hinausgeht. Hier entsteht kein monofunktionaler Kulturbunker, sondern ein gemischter Stadtbaustein, der verschiedene Nutzergruppen und Rhythmen zusammenführt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bibliotheken als demokratische Räume</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer die Entscheidung für eine Mediathek nur als Rückzug aus dem Kulturvorhaben wertet, unterschätzt, was öffentliche Bibliotheken leisten. Sie gehören zu den meistbesuchten kulturellen Einrichtungen in Deutschland, und das nicht zufällig: frei zugänglich, frei von Konsumzwang, für alle Altersgruppen und sozialen Schichten offen. Die bisherige Anna-Seghers-Bücherei an den Bonifaziustürmen zählt täglich rund 750 Besucherinnen und Besucher und organisiert jährlich etwa 400 Veranstaltungen, ein Pensum, das viele selbstbewusste Kulturhäuser vor Neid erblassen ließe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am neuen Standort soll die Bibliothek über 1000 Quadratmeter mehr Fläche verfügen. Eine Kinder- und Jugendmediathek, gemütliche Leseecken, moderne Arbeitsplätze, ein Maker Space für digitale und interaktive Formate sowie ein Saal für Lesungen und Workshops sind geplant. Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD) betonte, es entstehe ein neuer &#8222;dritter Ort&#8220;, ein Begriff aus der Stadtsoziologie für jene Räume, die weder Wohnung noch Arbeitsplatz sind, aber das Rückgrat sozialer Begegnung bilden. Wenn das gelingt, wäre die Mediathek am Gutenbergplatz mehr als ein Ersatz für das gescheiterte Kulturhaus: Sie wäre ein eigenständiges Stadtangebot, das Mainz langfristig stärker prägen könnte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Finanzen: Teuer, aber kalkuliert</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ganz billig kommt der Verzicht auf das ursprüngliche Kulturhaus nicht. Der Kauf von Teilen des Erbbaurechts am Gebäude Fuststraße 2 von der Gemünden-Molitor-Gruppe kostet rund 20,75 Millionen Euro, hinzu kommen 2,47 Millionen Euro für Büroflächen im zweiten Obergeschoss sowie bis zu 3 Millionen Euro für die Innenausstattung. Zusammen nähert sich das Vorhaben der 30-Millionen-Euro-Marke. Finanziert werden soll es aus dem Sondervermögen &#8222;Rheinland-Pfalz-Plan für Bildung, Klima und Infrastruktur&#8220;, das Bund und Land mit insgesamt 167 Millionen Euro gefüllt haben. Die jährliche Haushaltbelastung für die Stadt steigt von rund 562.000 Euro auf rund 872.000 Euro, getilgt über 30 Jahre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vor 2027 dürften in dieser Angelegenheit keine nennenswerten Zahlungen fällig werden, der Innenausbau soll bereits in der ersten Jahreshälfte 2026 beginnen. Stadtrat und die zuständigen Fachausschüsse haben dem Vorhaben bereits im Dezember 2025 zugestimmt. Was fehlt, ist ein verbindlicher Eröffnungstermin, der über die Jahreszahl 2027 hinausgeht. Bauvorhaben dieser Komplexität haben eine ausgeprägte Neigung, ihren eigenen Zeitplan zu torpedieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was von der ursprünglichen Vision bleibt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die eigentlichen Verliererinnen und Verlierer dieser Geschichte sind das Unterhaus und das Ciné Mayence. Beide Institutionen hatten auf einen zentralen Neubau gehofft und müssen nun weiter in ihren angestammten, räumlich beengten Verhältnissen operieren. Dass die angespannte Haushaltslage der Stadt diesen Institutionen auf absehbare Zeit keine Alternative bieten wird, ist die stille Schattenseite des Dezemberbeschlusses.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Architektur des Vorhabens stellt sich eine andere Frage: Hat Faerber Architekten einen Bau entworfen, der sich für eine Mediathek so gut eignet, wie er ursprünglich für ein Kulturhaus gedacht war? Die Grundrisse mit Unter-, Erd- und Obergeschoss sowie Büroflächen im zweiten Stock lassen sich für eine Bibliothek mit Verwaltungseinheit gut nutzen, Flexibilität war offensichtlich Teil des Entwurfsgedankens. Der Rohbau steht, die Nutzung hat sich geändert, und der Umbauaufwand hält sich in Grenzen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Modell für andere Kommunen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mainz steht mit diesem Dilemma nicht allein. Überall in Deutschland stehen Stadtentwicklungsprojekte im Zeichen angespannter Haushalte, geschrumpfter Ambition und notwendiger Pragmatik. Die Antwort, die Mainz gefunden hat, ist keine heroische, aber eine solide: Ein öffentliches, niederschwelliges Kulturangebot im Zentrum, das architektonisch eingebettet ist in einen gemischten Stadtbaustein, ohne maximalen Aufwand zu betreiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was das Mainzer Beispiel überregional interessant macht, ist die Frage nach dem Verhältnis zwischen programmatischem Anspruch und baulicher Realität. Ein Kulturhaus, das nie gebaut wird, hilft niemandem. Eine Mediathek, die täglich 750 Menschen anzieht und einem neuen Gebäude im Herzen der Stadt Würde verleiht, ist besser als ein leerer Rohbau, der auf bessere Haushaltszeiten wartet. Manchmal ist die zweite Wahl die klügere.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Archistories in der Karlsruher Kunsthalle: Wenn Architektur zur Kunst wird und Gebäude Geschichten erzählen</title>
		<link>https://baukunst.art/archistories-in-der-karlsruher-kunsthalle-wenn-architektur-zur-kunst-wird-und-gebaeude-geschichten-erzaehlen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 Jan 2026 15:18:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Archistories]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Kunsthalle Karlsruhe]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14861</guid>

					<description><![CDATA[Die Kunsthalle Karlsruhe eröffnet mit Archistories eine Ausstellung, die 500 Jahre Architekturdarstellung vereint. Von Piranesis Kerkern bis zu zeitgenössischen Videoinstallationen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1>Die gebauten Träume der Menschheit</h1>
<p style="font-weight: 400;"><em>Wie die Karlsruher Kunsthalle mit Archistories einen Dialog zwischen Kunst und Architektur inszeniert</em></p>
<p style="font-weight: 400;">Architektur formt nicht nur unsere Städte, sondern auch unser Bewusstsein. Sie definiert, wie wir uns bewegen, wie wir sehen, wie wir fühlen. Diese tiefgreifende Erkenntnis bildet den Kern der Ausstellung Archistories, die seit Ende November 2025 in der frisch sanierten Orangerie der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zu sehen ist. Rund 100 Werke von etwa 70 Künstlerinnen und Künstlern aus fünf Jahrhunderten treten hier in einen Dialog, der weit über die bloße Darstellung von Gebäuden hinausgeht.</p>
<h2>Ein historisches Gewächshaus als Schauplatz</h2>
<p style="font-weight: 400;">Die Wahl der Orangerie als Ausstellungsort ist kein Zufall. Das von Heinrich Hübsch Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Gebäude, dessen Lehrer Friedrich Weinbrenner einst das klassizistische Gesicht Karlsruhes prägte, stand selbst jahrelang leer und wurde aufwendig saniert. Die gläserne Kuppel der Rotunde, im Zweiten Weltkrieg zerstört und lange Zeit provisorisch geflickt, erstrahlt nun wieder in vollem Glanz. In einer Stadt, die zunehmend unter Hitzewellen leidet, gewinnt dieses lichtdurchflutete Bauwerk eine neue, fast ironische Bedeutung: als Architekturdenkmal und ökologisches Sinnbild zugleich.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Orangerie dient nun als zentraler Sonderausstellungsort, während das Hauptgebäude der Kunsthalle voraussichtlich bis 2029 saniert wird. Die Kuratorin PD Dr. Kirsten Claudia Voigt, die seit 1999 am Karlsruher Institut für Technologie lehrt, hat mit Archistories eine Schau konzipiert, die Lesbarkeit vor Überwältigung stellt.</p>
<h2>Vom Kerker zur Videoinstallation</h2>
<p style="font-weight: 400;">Der Parcours beginnt mit dem Haus als Grundmotiv, jenem alltäglichen Bauwerk, das zwischen Schutz und Ausschluss, zwischen Intimität und Instabilität oszilliert. Giovanni Battista Piranesis berühmte Carceri d&#8217;Invenzione, jene erfundenen Kerkerdarstellungen aus dem 18. Jahrhundert, eröffnen den gedanklichen Raum. Die Kunsthalle besitzt Federzeichnungen des Meisters sowie Vorlagen aus seiner Werkstatt, die einst im Besitz Friedrich Weinbrenners waren. Diese historische Verbindung zwischen dem Klassizisten Karlsruhes und dem visionären Italiener schlägt eine Brücke, die die gesamte Ausstellung trägt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Unmittelbar konfrontiert die Künstlerin Julia Oschatz die Besuchenden mit einer großangelegten Videoinstallation. Auf der einen Hälfte einer Wand erscheint ein geometrisches Raumraster, auf der anderen läuft ein Video im Loop. Die maskierte Künstlerin selbst bemalt in sisyphosartiger Arbeit Wände und steigt unentwegt von einem Raumgehäuse ins nächste. Gegenüber lehnen drei mit schwarzem Eisenpulver bestäubte Magnetplatten von Nicolas Daubanes, die ein reliefartiges Geflecht zeigen und an gotische Kerker im Stile Piranesis erinnern.</p>
<h2>Brücken als verbindende und trennende Elemente</h2>
<p style="font-weight: 400;">Von den Raumgehäusen führt der Weg in transitorische Welten. Brücken von Albert Marquet bis Lyonel Feininger erscheinen sanft in Stadtlandschaften eingelassen oder als kühne Eisenkonstruktionen. Wilhelm Trübners Londoner Stadtszenerie zeigt winterlich gekleidete Passantinnen im Vordergrund und rauchende Schlote im Hintergrund. Die gusseiserne Brücke wurde später abgerissen, doch der Eiffelturm überdauerte. Laurent Goldring dokumentiert ihn in einem im Gegenlicht gefilmten Video, das emsige Menschen zeigt, die wie Schatten die eisernen Treppen scheinbar endlos hinauf und hinunterhasten.</p>
<p style="font-weight: 400;">Robert Delaunays kubistischer Eiffelturm von 1909 bis 1911 verdeutlicht, wie unterschiedlich Künstlerinnen und Künstler dasselbe Bauwerk interpretieren können. Sean Scullys erdiges Werk, inspiriert von den Pyramiden von Chichén Itzá, kontrastiert mit Fritz Klemms gespachteltem Relief, das auf seine Atelierwände aus Sichtbeton zurückgreift. Der Bildhauer Werner Pokorny platziert ein Häuschen mit Satteldach auf übereinandergetürmten wuchtigen Gefäßformen, verwundbar und eigenwillig zugleich.</p>
<h2>Ruinen als Zonen der Transformation</h2>
<p style="font-weight: 400;">Den Abschluss bilden Darstellungen von Ruinen und Fragmenten. Sie erscheinen nicht als melancholische Endpunkte, sondern als Zonen der Transformation. Isa Melsheimer aquarelliert brutalistische Bauwerke vor bestirntem Firmament, die so betrachtet durchaus liebenswert wirken. Erwin Spulers großformatiges Ölbild einer von oben betrachteten zerbombten Stadt von 1945 erschüttert hingegen zutiefst. Laurent Goldring dokumentiert in rhythmischen Sequenzen die Niederwalzung eines von Sinti und Roma angelegten Hüttendorfs bei Paris. Noch die ärmlichste Hütte dient als bergende Behausung.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Ausstellung verzichtet bewusst auf fertige Antworten. Sie öffnet Denkräume und stellt Fragen, die in den Stadtraum zurückwirken: Wie leben wir zusammen? Welche Bilder von Ordnung, Freiheit und Fürsorge prägen unsere Gebäude? Architektur, so die zentrale These, bildet die Grundlage für das menschliche Zusammenleben. Archistories belegt dies eindrucksvoll.</p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Archistories. Architektur in der Kunst</em>. Orangerie der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, bis 12. April 2026. Der Katalog kostet 48 Euro.</p>
<p style="font-weight: 400;">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>BW verdoppelt Schulbauförderung: 450 Millionen Euro für marode Klassenzimmer</title>
		<link>https://baukunst.art/bw-verdoppelt-schulbaufoerderung-450-millionen-euro-fuer-marode-klassenzimmer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Jan 2026 14:46:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Baden Württemberg]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunale Investitionen]]></category>
		<category><![CDATA[Schulbau]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14835</guid>

					<description><![CDATA[Baden Württemberg verdoppelt seine Schulbauförderung auf 450 Millionen Euro. Eine längst überfällige Reaktion auf explodierende Baukosten und einen bundesweiten Sanierungsstau von 68 Milliarden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Verdoppelung mit Verspätung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Baden Württembergs neue Schulbauförderung zwischen Aufbruchsignal und Tropfen auf den heissen Stein</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen klingen zunächst imposant: 468 Millionen Euro hat Baden Württemberg im Jahr 2025 für kommunale Schulbauprojekte ausgegeben. Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) verkündete Mitte Dezember stolz, dass künftig mehr als 450 Millionen Euro jährlich aus dem Kommunalen Investitionsfonds (KIF) bereitstehen werden. Eine Verdoppelung gegenüber den bisherigen 200 Millionen. Doch wer glaubt, damit sei das Problem maroder Schulgebäude gelöst, unterschätzt die Dimension der Herausforderung gewaltig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neue Verwaltungsvorschrift Schulbauförderung, die rückwirkend zum 1. Januar 2025 in Kraft trat, soll laut Ministerium die Förderungen im Einzelfall substanziell verbessern und die Verfahren erheblich vereinfachen. Von den diesjährigen Mitteln flossen 282,5 Millionen Euro in Neubauprojekte, 160 Millionen in Sanierungen und 25,8 Millionen in Ganztagsprojekte. Eine Verteilung, die Prioritäten erkennen lässt: Der Neubau dominiert, während die Sanierung des Bestands im Schatten bleibt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Sanierungsstau von historischem Ausmass</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die bundesweite Perspektive relativiert die baden württembergische Offensive erheblich. Das KfW Kommunalpanel 2025 beziffert den Investitionsrückstand bei deutschen Schulgebäuden auf 67,8 Milliarden Euro. Das entspricht 31 Prozent des gesamten kommunalen Investitionsstaus von 215,7 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Würde man diese Summe in 100 Euro Scheinen aneinanderreihen, käme man auf eine Strecke von 99.000 Kilometern, also zweieinhalb Mal um die Erde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders alarmierend: Der Anteil der Kommunen, denen der Unterhalt ihrer Schulen nur in geringem Umfang oder gar nicht mehr gelingt, ist 2024 sprunghaft angestiegen. Nach Jahren relativer Stabilität bei etwa elf Prozent kletterte dieser Wert auf 17 Prozent. Knapp jede fünfte Kommune kann ihre Schulen kaum noch instandhalten. Das Risiko teurer Notmassnahmen steigt damit erheblich.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Süddeutsche Privilegien und strukturelle Ungleichheiten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baden Württemberg profitiert von seiner wirtschaftlichen Stärke. Kommunen in Süddeutschland haben laut KfW Kommunalpanel deutlich seltener einen gravierenden Investitionsrückstand als jene in Nordrhein Westfalen, Hessen, Rheinland Pfalz oder dem Saarland. Doch diese relative Privilegierung sollte nicht über die strukturellen Probleme hinwegtäuschen: Auch im Südwesten stehen Städte und Gemeinden vor enormen Herausforderungen, wie Ministerin Schopper selbst einräumt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Korrelation zwischen Kommunengrösse und Sanierungsstau ist dabei eindeutig. Während etwa die Hälfte der Gemeinden mit 2.000 bis 5.000 Einwohnerinnen und Einwohnern nennenswerte Rückstände verzeichnet, steigt dieser Anteil bei Städten über 50.000 Einwohner auf fast 90 Prozent. Die Grossstädte, in denen die meisten Schülerinnen und Schüler lernen, sind am stärksten betroffen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Ganztag als Treiber und Brandbeschleuniger</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ab dem Schuljahr 2026/2027 greift der bundesweite Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Erstklässlerinnen und Erstklässler. Bis 2029/2030 wird er auf alle Grundschulkinder ausgeweitet. Acht Stunden an fünf Werktagen, inklusive Ferienbetreuung: Das bedeutet nicht nur Personal, sondern vor allem Räume. Mensen, Aufenthaltsbereiche, Bewegungsflächen müssen geschaffen werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die baden württembergische Erhöhung der Ganztagsbauförderung auf 25,8 Millionen Euro wirkt vor diesem Hintergrund bescheiden. Denn die baulichen Anforderungen für einen qualitätsvollen Ganztag übersteigen die Möglichkeiten vieler Schulträger bei weitem. Der bisherige Planungswert von zwei Quadratmetern pro Schülerin oder Schüler ist angesichts neuer pädagogischer Konzepte längst überholt. Teamorientiertes Lernen, Differenzierungsräume, Rückzugszonen: Die Schulbauten der Babyboomer Generation sind dafür nicht konzipiert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Schwimmbäder als Novum</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine bemerkenswerte Neuerung der überarbeiteten Verwaltungsvorschrift betrifft die Schwimmbadförderung. Erstmals können Sanierungsmassnahmen an Lehrschwimmbecken und kommunalen Schwimmbädern, die für den Schulunterricht genutzt werden, gefördert werden. Im Ausnahmefall ist sogar ein Ersatzneubau möglich, sofern dieser wirtschaftlicher ist als die Sanierung. Angesichts des bundesweiten Bädersterbens und der zunehmenden Schwimmdefizite bei Kindern ein überfälliger Schritt, der die Verknüpfung von Bildungs und Sportinfrastruktur anerkennt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Planungssicherheit und Realitätsferne</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Verdoppelung der Fördermittel reagiert auf drastisch gestiegene Baukosten, die viele geplante Projekte verteuert oder verzögert haben. Ministerin Schopper betont die gewonnene Planungssicherheit für Schulträgerinnen und Schulträger. Doch selbst mit erhöhten Mitteln bleibt die Frage, ob die Kommunen diese überhaupt abrufen können. Personalmangel in den Bauämtern, langwierige Genehmigungsverfahren und Kapazitätsengpässe in der Bauwirtschaft führen dazu, dass 2024 bundesweit 17 Milliarden Euro weniger investiert wurden als geplant.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das im März 2025 beschlossene Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur und Klimaneutralität mit einem Volumen von 500 Milliarden Euro könnte hier Abhilfe schaffen. Knapp 100 Milliarden sollen an Länder und Kommunen fliessen. Wie viel davon tatsächlich den Schulen zugutekommt, ist jedoch noch offen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Notwendig, aber nicht hinreichend</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baden Württembergs Verdoppelung der Schulbauförderung ist ein richtiges Signal zur richtigen Zeit. Sie zeigt, dass das Land seine kommunalen Partner nicht allein lässt, wie Schopper betont. Doch gemessen am tatsächlichen Bedarf bleibt sie ein Tropfen auf den heissen Stein. Der Sanierungsstau erfordert nicht nur mehr Geld, sondern auch schnellere Verfahren, mehr Planungskapazitäten und eine ehrliche Bestandsaufnahme dessen, was moderne Schulen heute leisten müssen. Die Klassenzimmer der Nachkriegszeit sind mit neuen Fenstern allein nicht zukunftsfähig zu machen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur 2025: Wie die Mehrzweckhalle Ingerkingen das Weiterbauen revolutioniert</title>
		<link>https://baukunst.art/deutscher-nachhaltigkeitspreis-architektur-2025-wie-die-mehrzweckhalle-ingerkingen-das-weiterbauen-revolutioniert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Dec 2025 09:39:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Bestandssanierung]]></category>
		<category><![CDATA[Holzbauweise]]></category>
		<category><![CDATA[nachhaltiges Bauen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14610</guid>

					<description><![CDATA[Die Mehrzweckhalle Ingerkingen gewinnt den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur 2025. Das Projekt zeigt, wie Bestandserhalt und Innovation zusammenfinden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Weiterbauen statt Abreißen: Deutscher Nachhaltigkeitspreis geht nach Oberschwaben</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 27. November 2025 wurde in der Bundeskunsthalle Bonn eine Entscheidung verkündet, die weit über die üblichen Preiswürdigungen hinausweist. Der 13. Deutsche Nachhaltigkeitspreis Architektur ging an ein Projekt, das auf den ersten Blick unspektakulär erscheint: die sanierte und erweiterte Mehrzweckhalle im oberschwäbischen Ingerkingen, einem Ortsteil der Gemeinde Schemmerhofen südwestlich von Ulm. Doch gerade diese vermeintliche Unscheinbarkeit macht den eigentlichen Reiz und die Tragweite dieser Auszeichnung aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Stuttgarter Architekturbüro Atelier Kaiser Shen hat hier demonstriert, was nachhaltiges Bauen im besten Sinne bedeuten kann: nicht das Ersetzen durch Neues, sondern das intelligente Weiterschreiben einer baulichen Geschichte. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) und die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis würdigten das Projekt als herausragendes Beispiel für ökologisch wie architektonisch überzeugendes Weiterbauen im Sinne des Gemeinwohls.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Dorf und seine Halle</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die ursprüngliche Mehrzweckhalle wurde 1964 nach Plänen der Architekten Pfalzer und Schenk als Schulsporthalle errichtet. Über sechs Jahrzehnte hinweg diente sie als sozialer Mittelpunkt der Gemeinde, wurde mehrfach umgebaut und erweitert. In direkter Nachbarschaft zu Grundschule, Musikerheim und Feuerwehr bildet sie das Herz des Dorflebens. Neben dem Schulsport dient sie Vereinen als Treffpunkt, Veranstaltungs und Trainingsort.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als 2020 der Wettbewerb ausgeschrieben wurde, ließ die Gemeinde bewusst offen, ob die sanierungsbedürftige Halle erhalten oder einem Neubau weichen sollte. Für Kilian Juraschitz, der seit September 2025 gemeinsam mit Florian Kaiser das Büro leitet und als Kind selbst in dieser Halle am Sportunterricht teilgenommen hatte, war die Entscheidung klar. Das Team entschied sich für eine behutsame Transformation, geleitet vom Bild einer zerbrochenen chinesischen Porzellanschüssel, die nach der Reparatur erst ihre eigentliche Poesie entfaltet.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Konstruktive Innovation als Schlüssel</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bestandserhalt konnte nur durch ein innovatives Tragwerk realisiert werden. Gemeinsam mit dem Stuttgarter Tragwerksplanungsbüro str.ucture unter der Leitung von Julian Lienhard entwickelte das Team eine Lösung, die technisch und ästhetisch überzeugt. Um den Anforderungen einer zeitgenössischen Einfeldsporthalle zu genügen, wurde die Halle im südlichen und östlichen Bereich rückgebaut und vergrößert. Dabei blieben Fundamente und Bodenplatte, Decken, die massiven Wände im nördlichen Teil sowie der straßenseitige Bühnentrakt erhalten. Insgesamt konnten rund 60 Prozent der Baumasse bewahrt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das eigentlich Innovative ist ein einhüftiger Zweigelenkrahmen aus Brettschichtholz, der auf dem Achsraster der bestehenden Stahlbetonstützen ausgerichtet ist. Durch die Trägergeometrie und die biegesteife Rahmenecke werden etwa 60 Prozent der Vertikal und alle Horizontallasten in die neuen Fundamente im Süden eingeleitet. Die Hallenrahmen geben lediglich 40 Prozent der Vertikallasten und keine Horizontallasten an den Bestand ab. Die geschwungene Form der Binder zeichnet den Momentenverlauf nach und verleiht dem Innenraum eine spielerische Leichtigkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Julian Lienhard beschreibt das Zusammenspiel von Alt und Neu als Win Win Win Situation: Der Überstand des Daches entlastet durch sein Eigengewicht das Feld, ermöglicht eine Querschnittsoptimierung und fungiert gleichzeitig als konstruktiver Holzschutz. Die Auskragung nach Süden schafft zudem eine wettergeschützte Terrasse, die bei gutem Wetter direkt mit der Halle verbunden werden kann.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Materialität und Kreislaufdenken</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architekten wählten Materialien und Fügungen so, dass ein Großteil der Baustoffe bei einem möglichen Rückbau sortenrein trennbar und in die Kreislaufwirtschaft zurückgeführt werden können. Der Bestand wurde gedämmt und verputzt, während die Aufstockung und Erweiterung eine hinterlüftete Holzfassade aus unbehandelter Fichte erhielten. Der Versatz von rund zwölf Zentimetern zwischen dem dünneren Holzrahmenbau und dem alten Mauerwerk schärft die Plastizität des Bauwerks und macht Alt und Neu ablesbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Beweis der Vorzüge trennbarer Konstruktionen lieferten die Nutzerinnen und Nutzer selbst. Um Kosten zu sparen, wurde die alte Halle vorab von örtlichen Vereinen ehrenamtlich entkernt. Ausgebaute Sanitärobjekte und die Kücheneinrichtung wurden weiterverkauft, die Leistenschalung der ehemaligen Holzbekleidung fand als Fassade einer nahegelegenen Waldhütte eine zweite Nutzung. Ein eindrucksvolles Beispiel gelebter Kreislaufwirtschaft auf kommunaler Ebene.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gemeinwohl als architektonische Kategorie</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">DGNB Vizepräsident Martin Haas betonte in seiner Laudatio den identitätsstiftenden Charakter des Projekts. Die Jury beschreibt das Gebäude als Haus ohne Rückseite, das sich nach allen Seiten einladend zur Gemeinde öffnet. Zusammen mit der benachbarten Schule, dem vorgelagerten Festplatz und dem Feuerwehrhaus bildet die Halle das Zentrum des Ortes.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">DGNB Präsident Amandus Samsøe Sattler würdigte das Projekt als Beispiel dafür, dass Architektur nicht laut sein muss, um wirksam zu sein. Die Mehrzweckhalle verbinde technologische Innovation mit gesellschaftlicher Relevanz und schaffe einen Ort, der Menschen stärke und Ressourcen schütze. Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, ergänzte, dass es dem Architekturbüro gelinge, dem Konzept des Weiterbauens ein überzeugendes Gesicht zu geben.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein posthumer Erfolg</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Preis hat auch eine melancholische Dimension. Guobin Shen, Mitgründer des Büros und maßgeblich am Projekt beteiligt, verstarb im Mai 2024 im Alter von nur 40 Jahren bei einem Kletterunfall. Der 1984 in Zhejiang geborene Architekt hatte 2017 gemeinsam mit seinem Studienfreund Florian Kaiser das Atelier Kaiser Shen gegründet. Ihre Philosophie des Weiterbauens, des Schaffens unfertiger Häuser, die von den Nutzenden weitergeschrieben werden können, prägte auch dieses Projekt. Die Auszeichnung in Bonn ist somit auch eine posthume Würdigung seines Schaffens.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vorbild für eine Transformation</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Deutschland verfügt über Tausende ähnlicher Mehrzweckhallen aus den Nachkriegsjahrzehnten, die vor vergleichbaren Entscheidungen stehen. Die Mehrzweckhalle Ingerkingen zeigt, dass Sanierung und Erweiterung nicht nur ökologisch sinnvoller, sondern auch wirtschaftlich günstiger sein können als ein Neubau. Die Jury hob hervor, dass das Projekt zu einem Vorbild für ähnliche Sanierungsaufgaben in ganz Deutschland werden könnte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass der Preis erstmals im Rahmen des neuen Forums Nachhaltige Architektur verliehen wurde, unterstreicht den programmatischen Anspruch. Die DGNB und die Architektenkammer Nordrhein Westfalen wollen mit diesem Format gezielt Planende erreichen, die Nachhaltigkeit und Klimaschutz konsequent umsetzen möchten. Das Siegerprojekt aus dem oberschwäbischen Ingerkingen liefert dafür die beste Blaupause: unaufgeregt, präzise und zutiefst menschlich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Milliardengrab Stuttgart 21: Die neue Chefin wusste genau, wann sie reden muss</title>
		<link>https://baukunst.art/milliardengrab-stuttgart-21-die-neue-chefin-wusste-genau-wann-sie-reden-muss/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2025 15:26:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Bahn]]></category>
		<category><![CDATA[Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Stuttgart 21]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14573</guid>

					<description><![CDATA[Das 13 Milliarden Euro teure Jahrhundertprojekt Stuttgart 21 versinkt im Chaos: Die neue Bahnchefin nennt keinen Eröffnungstermin mehr. Kluges Timing oder echte Kapitulation?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Pallas Befreiungsschlag: Wie die neue Bahnchefin mit der Altlast Stuttgart 21 aufräumt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Fünfzehn Jahre Bauzeit, acht Jahre Verzögerung, eine Kostenexplosion von 4,5 auf über 11 Milliarden Euro: Stuttgart 21 hat sich vom Leuchtturmprojekt deutscher Ingenieurskunst zur Dauerbaustelle entwickelt, die das Vertrauen in öffentliche Großprojekte erschüttert. Als die Deutsche Bahn am 19. November 2025 mitteilte, dass auch der für Dezember 2026 geplante Eröffnungstermin nicht zu halten sei, verzichtete sie gleich ganz auf einen neuen Termin. Terminrisiken in bisher nicht vorhersehbarer Dimension wurde als Begründung genannt. Die Kapitulation vor der eigenen Komplexität kam dabei zu einem bemerkenswert günstigen Zeitpunkt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Schlechte Nachrichten zum richtigen Zeitpunkt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neue Bahnchefin Evelyn Palla hatte erst im Oktober 2025 das Ruder von ihrem Vorgänger Richard Lutz übernommen, der wegen schlechter Pünktlichkeitswerte in der Kritik gestanden hatte. Keine sechs Wochen später verkündete sie die bittere Wahrheit über Stuttgart 21. Wer Management studiert hat, kennt dieses Muster: Schlechte Nachrichten verkündet man am besten unmittelbar nach dem Amtsantritt. Was schiefgelaufen ist, lässt sich dem Vorgänger zuschreiben. Die neue Führung kann sich als Aufklärerin positionieren, die endlich reinen Tisch macht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es ist ein klassischer Schachzug aus dem Werkzeugkasten erfahrener Managerinnen und Manager. Die Erwartungen werden radikal nach unten korrigiert, um später positive Überraschungen liefern zu können. Palla sprach davon, den Konzern vom Kopf auf die Beine stellen zu wollen. Dass sie dabei gleich mehrere Führungswechsel im Management durchsetzte und den Posten des Infrastrukturvorstandes komplett strich, passt ins Bild einer Neuausrichtung, die mit der Vergangenheit bricht. Ob die Terminprobleme tatsächlich in bisher nicht vorhersehbarer Dimension neu aufgetreten sind oder schlicht verschwiegen wurden, wird sich zeigen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektonische Ambition trifft technisches Scheitern</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was architektonisch als Meisterleistung begann, erstickt im technischen Detail. Der Entwurf von Christoph Ingenhoven, 1997 unter 126 Wettbewerbsbeiträgen einstimmig ausgewählt, versprach eine neue Ära des Bahnhofsdesigns. Die 28 Kelchstützen aus weißem Sichtbeton, jede einzelne 1.000 Tonnen schwer und mit einem Durchmesser von 32 Metern, sollten Tageslicht durch die sogenannten Lichtaugen in die unterirdische Bahnsteighalle bringen. Eine Konstruktion, die in dieser Form noch nie gebaut wurde, entwickelt in Zusammenarbeit mit Frei Otto anhand von Seifenhautmodellen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Jury lobte seinerzeit, der Entwurf schreibe sich als großes städtebauliches Zeichen in den Stadtgrundriss ein, ohne jegliche Monumentalität und ohne dem historischen Bonatzbau Konkurrenz zu machen. Ingenhoven sprach von poetisch lichtdurchfluteten Räumen und gotischen Kathedralen, die weder Heizung noch Kühlung benötigen würden. Während der Rohbau der Bahnsteighalle weitgehend fertiggestellt ist und alle 28 Kelchstützen betoniert wurden, scheitert das Projekt nun an seiner digitalen Infrastruktur.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Digitale Knoten als Achillesferse</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Digitale Knoten Stuttgart (DKS) sollte den Bahnhof zum ersten vollständig digitalisierten Verkehrsknoten Deutschlands machen. Klassische Lichtsignale werden nicht verbaut, stattdessen setzt man ausschließlich auf das europäische Zugsicherungssystem ETCS. Ein Pilotprojekt mit Ausnahmecharakter, das die Leit und Sicherungstechnik im gesamten Großraum Stuttgart digitalisieren soll. Rund 3.500 Feldelemente wie Weichen, Signale und Balisen müssen zertifiziert werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Probleme mit dem japanischen Konzern Hitachi, einem zentralen Projektpartner für die digitale Technik, reichen weit zurück. Nach der Übernahme des ursprünglich beauftragten Unternehmens Thales/GTS gestaltete sich die Fusion schwierig. Bereits die Inbetriebnahme eines digitalen Stellwerks Ende 2023 und einer ETCS ausgerüsteten Teilstrecke Anfang 2024 waren gescheitert. Auch in Köln kommt es nach dem Einbau digitaler Stellwerkstechnik von Hitachi immer wieder zu Schwierigkeiten mit Zügen von Siemens.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Frustration und verlorenes Vertrauen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Verkehrsminister Winfried Hermann bezeichnete die erneute Verschiebung als fatale Nachricht. Die Fahrgäste ächzten seit Jahren unter den Folgen der Großbaustelle, ein Ende des angeblich bestgeplanten Bauprojekts sei nicht absehbar. Das letzte bisschen Vertrauen in die Bahn werde mit dieser Ankündigung verspielt. Besonders brisant: Noch einen Monat zuvor hatte die Bahn den Eröffnungstermin auf Rückfragen hin bestätigt. Wir fühlen uns getäuscht, so der Grüne Politiker. Hermann fordert nun einen Sonderlenkungskreis und echte Transparenz statt neuer Termine ohne Substanz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage, ob die neuen Terminrisiken tatsächlich erst nach Pallas Amtsantritt erkennbar wurden oder ob das alte Management die Probleme bewusst verschleiert hatte, bleibt offen. Analysen der DB Projekt Stuttgart Ulm GmbH sowie des Beratungsunternehmens PwC hatten laut Berichten bereits im Sommer erhebliche Risiken für den geplanten Eröffnungstermin aufgezeigt. Detlef Neuß vom Fahrgastverband Pro Bahn nannte die Entwicklung eine Riesenblamage.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die städtebauliche Dimension</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Über die technischen Probleme hinaus berührt Stuttgart 21 fundamentale Fragen der Stadtentwicklung. Die freiwerdenden Gleisflächen von 109 Hektar, für 459 Millionen Euro bereits 2001 von der Stadt erworben, sollten ein neues Stadtquartier ermöglichen. Ingenhoven träumte von der Vision einer Stadt im Garten mit zurückgebauten Straßen und Vorfahrt für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Radfahrende. Stattdessen prägen seit 2010 Baustellen die Wege, Lärm den Alltag und Zäune das Stadtbild.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Bürgerbegehren gegen die Bebauung der Gleisflächen scheiterte im November 2025. Die Erschließung des neuen Rosenstein Quartiers wird nach Angaben der Stadt im Milliardenbereich kosten. Kritikerinnen und Kritiker des Projekts verweisen zudem auf grundlegende Konstruktionsmängel: Die Gleisneigung übersteige auf 400 Metern Länge das erlaubte Maß, die Halbierung der Gleisanzahl von 16 auf 8 reduziere die Fahrgastkapazität erheblich.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lehren für die Baukultur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stuttgart 21 steht exemplarisch für die Schwierigkeiten deutscher Großprojekte. Die Geschichte des Bahnhofs liest sich wie ein Lehrbuch für Projektmanagement Versagen, kommentierte die Fachpresse. Während andere Länder ihre Infrastruktur konsequent modernisieren, verheddern sich hiesige Vorhaben in bürokratischen Zulassungsverfahren und technischen Problemen. Dass ausgerechnet die Digitalisierung zum Stolperstein wird, offenbart die Misere deutscher Infrastrukturpolitik.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der architektonisch ambitionierte Entwurf von Ingenhoven verdient Anerkennung, doch Architektur allein schafft keine funktionierenden Verkehrsknoten. Die 28 Kelchstützen mögen architektonische Meisterwerke sein. Ob sie jemals Züge im digitalen Takt empfangen werden, bleibt ungewiss. Für die neue Bahnchefin Palla könnte sich der Zeitpunkt der Wahrheit dennoch als klug erweisen: Gelingt eine Eröffnung in ihrer Amtszeit, wird sie als diejenige gelten, die das Chaos beendet hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Museum Wiesbaden: Warum ein Wiener Büro deutsche Kulturbaupolitik beschämt</title>
		<link>https://baukunst.art/museum-wiesbaden-warum-ein-wiener-buero-deutsche-kulturbaupolitik-beschaemt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Nov 2025 15:23:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturwettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsbau]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14394</guid>

					<description><![CDATA[Wiener Büro gewinnt Wettbewerb für Museumserweiterung in Wiesbaden. Der Siegerentwurf verbindet Respekt vor Theodor Fischers Erbe mit zeitgenössischer Klarheit.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Wiener Eleganz im hessischen Südhof</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Der Wettbewerb für den Erweiterungsbau des Museums Wiesbaden setzt Maßstäbe für den respektvollen Umgang mit denkmalgeschützten Ensembles</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Museum Wiesbaden feiert 2025 seinen 200. Geburtstag. Im Jahr der Jubiläumsfeierlichkeiten verkündete das Land Hessen die Entscheidung eines Architekturwettbewerbs, der die räumliche Zukunft des Landesmuseums für Kunst und Natur besiegeln soll. Das Wiener Büro Schenker Salvi Weber setzte sich gegen 18 Mitbewerber durch und präsentiert einen Entwurf, der die heikle Balance zwischen historischer Substanz und zeitgenössischem Anspruch meisterhaft auslotet.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Denkmal verlangt nach Erweiterung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bestandsbau an der Friedrich Ebert Allee, zwischen 1912 und 1920 nach Plänen des renommierten Museumsarchitekten Theodor Fischer errichtet, gehört zu den bedeutendsten Kulturbauten der Landeshauptstadt. Fischer, dessen Hessisches Landesmuseum in Kassel und das Kunstgebäude am Stuttgarter Schlossplatz zeitgleich entstanden, schuf in Wiesbaden ein dreiflügeliges Ensemble, das den bildungsbürgerlichen Geist des frühen 20. Jahrhunderts atmet. Vor dem Haupteingang plante Fischer einst ein Goethe Denkmal, was angesichts der Rolle Johann Wolfgang von Goethes bei der Museumsgründung 1825 durchaus programmatischen Charakter besaß.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heute verfügt das Haus über rund 7.400 Quadratmeter Ausstellungsfläche, die Kunstsammlungen von den Alten Meistern über die Klassische Moderne bis zur Gegenwartskunst sowie die Naturhistorischen Sammlungen beherbergen. Doch der Raum genügt längst nicht mehr. Museumsdirektor Dr. Andreas Henning bringt die Situation auf den Punkt: Der Erweiterungsbau sei grundlegend für jegliche Weiterentwicklung des Landesmuseums. Erstmals erhalte man konkurrenzfähige Sonderausstellungsflächen, adäquate Depotflächen und Räume für Gegenwartskunst.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Wettbewerbsverfahren</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Land Hessen, vertreten durch das Finanzministerium, lobte den nichtoffenen Realisierungswettbewerb nach RPW aus. Der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen übernahm die Betreuung, die Düsseldorfer FALTIN+SATTLER FSW GmbH fungierte als Wettbewerbsbetreuerin. Aus über 120 Bewerbungen wurden 20 Architekturbüros zur Teilnahme eingeladen. Das hochkarätig besetzte Preisgericht unter Vorsitz von Professorin Gesine Weinmiller vereinte Fachpreisrichterinnen und Fachpreisrichter der Architektur mit Vertreterinnen und Vertretern des Wissenschafts, des Finanzministeriums, des Landesbetriebs, des Museums, der Stadt Wiesbaden und des Landesamts für Denkmalpflege.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Verfahren verlief in zwei Phasen. Im Juli 2025 entschied die Jury, zwei Konzepte auf einem geteilten zweiten Rang zu platzieren und beide Büros in eine Überarbeitungsphase zu schicken. Im November 2025 beurteilte das Preisgericht die präzisierten Arbeiten erneut und votierte schließlich einstimmig für den Siegerentwurf von Schenker Salvi Weber. Den zweiten Platz belegte Wandel Lorch Götze Wach aus Frankfurt am Main. Unter den weiteren Platzierten fanden sich renommierte Büros wie Degelo Architekten, gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner, Faerber Architekten und Staab Architekten.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die städtebauliche Herausforderung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entwurfsaufgabe konzentrierte sich auf ein Baufeld im Südhof des Bestandsgebäudes, eine Entscheidung, die nach intensiven Voruntersuchungen und Abstimmungen mit allen Beteiligten getroffen wurde. Die kompakte Baufläche, die denkmalschutzrechtlichen Restriktionen und die Notwendigkeit einer sensiblen Integration in Fischers Ensemble machten die Aufgabe zu einer der anspruchsvollsten im aktuellen hessischen Kulturbauprogramm. Gefordert waren rund 3.000 Quadratmeter zusätzliche Nutzfläche für Sonder und Dauerausstellungen, Depoträume sowie Büro und Technikflächen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die planerische Leitlinie sah eine deutliche gestalterische Trennung von Alt und Neubau vor. Die historische Struktur des Fischer Ensembles sollte respektiert, zugleich aber eine zeitgemäße Erweiterung geschaffen werden. Kein leichtes Unterfangen, denn allzu viele Erweiterungsbauten der vergangenen Jahrzehnte scheiterten an genau dieser Gratwanderung zwischen Anpassung und Eigenständigkeit.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Siegerentwurf: Klarheit und Respekt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Wiener<strong> <a href="https://www.schenkersalviweber.com/erweiterung-museum-wiesbaden/" target="_blank" rel="noopener">Büro Schenker Salvi Weber</a>,</strong> 2009 von Andres Schenker, Michael Salvi und Thomas Weber gegründet, bringt einschlägige Erfahrung im Museumsbau mit. Das KinderKunstLabor in St. Pölten, mit dem Bauherrinnen und Bauherrenpreis 2024 ausgezeichnet, das Museum Belvedere Salzburg, derzeit im Bau, sowie die Nominierung für den Mies van der Rohe Award 2018 belegen die Kompetenz des mittlerweile rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählenden Teams.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Juryvorsitzende Gesine Weinmiller begründete die Entscheidung: Der Entwurf überzeuge durch eine klare städtebauliche Haltung, respektvollen Umgang mit dem Bestand und eine eigenständige architektonische Identität. Die funktionale Organisation mit zentralem Atrium und durchdachter Erschließung biete hohe räumliche Qualität. Insgesamt handele es sich um eine überzeugende, weiterentwickelte Lösung mit großem Entwicklungspotenzial.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit als Planungsprämisse</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der geplante Erweiterungsbau soll nach den Maßstäben des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen realisiert werden und mindestens den Silber Standard erreichen. Ziel ist es, den Neubau mit einem geringen CO2 Fußabdruck zu errichten und im Betrieb klimaneutral zu betreiben. Passive Strategien zur Energieeinsparung, klimaresiliente Bauweisen und der Einsatz regenerativer Energien werden Teil der weiteren Planung sein. Damit reiht sich das Projekt in die ambitionierte Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Hessen ein.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Politische Dimension und Ausblick</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kunst und Kulturminister Timon Gremmels betonte, der Entwurf verbinde architektonische Qualität, funktionale Klarheit und eine sensible Einbindung in den historischen Bestand. Das Bauvorhaben stehe beispielhaft für den Anspruch Hessens, Kultur, Architektur und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen. Finanzminister Professor Dr. R. Alexander Lorz verwies auf die beharrlich wachsende Sammlung, die den Anbau notwendig mache.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Museumsdirektor Henning formulierte einen bemerkenswerten Wunsch: Den herausragenden Siegerentwurf zu realisieren, wäre das schönste Geschenk, das die Landesregierung dem Museum zu seinem 200jährigen Jubiläum machen könnte. Ob und wann dieses Geschenk überreicht wird, bleibt abzuwarten. Der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen wird nun ein Verhandlungsverfahren mit den Preisträgerinnen und Preisträgern durchführen. Erst nach dessen Abschluss werden Kosten und Zeitrahmen konkretisiert.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Würdigung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Wettbewerb demonstriert, wie anspruchsvolle Planungskultur funktionieren kann. Die Zweiphasigkeit des Verfahrens, die hochkarätige Jurybesetzung, die Einbeziehung der Denkmalpflege von Beginn an: All dies zeugt von professionellem Vorgehen. Die Entscheidung für ein internationales Büro mit deutschsprachigem Hintergrund erscheint nachvollziehbar, brachte Schenker Salvi Weber doch sowohl Schweizer Präzision als auch österreichische Kulturbaukompetenz mit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob der Erweiterungsbau tatsächlich realisiert wird, hängt letztlich von politischen Prioritäten und Haushaltsentscheidungen ab. In Zeiten knapper öffentlicher Kassen steht die Kulturbaupolitik unter besonderem Rechtfertigungsdruck. Doch gerade das 200jährige Jubiläum bietet einen symbolischen Anlass, in die Zukunft des Hauses zu investieren. Das Museum Wiesbaden, dessen Ursprünge auf bürgerschaftliches Engagement und Goethes Weitblick zurückgehen, verdient eine bauliche Fortsetzung seiner beeindruckenden Geschichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ulmer Orgelpfeifen für den Widerstand</title>
		<link>https://baukunst.art/ulmer-orgelpfeifen-fuer-den-widerstand/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Nov 2025 15:16:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Brunner/Ritz]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Weiße Rose]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14391</guid>

					<description><![CDATA[Ulm erhält einen skulpturalen Gedenkort für die Weiße Rose. Der Entwurf des Künstlerduos Brunner/Ritz verbindet Orgelarchitektur mit NS-Widerstandsgeschichte.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ulms neuer Lernort Weiße Rose verbindet Erinnerungskultur mit skulpturaler Architektur</strong></em></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">An der Martin-Luther-Kirche in der Ulmer Weststadt wächst ein Rundbau aus dem Boden, der historische Symbolik mit zeitgenössischer Installationskunst verschmelzt. Die Stadt hat den Entwurf des Münchner Künstlerduos Brunner/Ritz für den neuen Lernort Weiße Rose bewilligt, einen elfmetrigen Zylinder aus rund 600 symbolischen Orgelpfeifen. Der Bauausschuss votierte einstimmig für das Projekt, das bis 2027 fertiggestellt werden soll.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein authentischer Ort findet seine Fortsetzung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Orgelstube der Martin-Luther-Kirche birgt eines der letzten authentischen Zeugnisse des studentischen Widerstands gegen das NS-Regime. Im Januar 1943 versteckten Hans und Susanne Hirzel gemeinsam mit Franz Josef Müller etwa 2000 Exemplare des fünften Flugblatts der Weißen Rose hinter dem Orgelprospekt der großen Walcker-Orgel. Die Geschwister Scholl hatten die Schriften von München nach Ulm gebracht, wo ihr enger Freundeskreis die gefährliche Arbeit des Kuvertierens und Verteilens übernahm.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch dieser historisch bedeutsame Raum ist für die Öffentlichkeit kaum zugänglich. Feuerpolizeiliche Auflagen und die beengte Raumsituation im Kirchturm machen reguläre Besichtigungen unmöglich. Die bestehende Ausstellung im Treppenhaus, einst von Schülerinnen und Schülern gestaltet, entspricht längst nicht mehr heutigen museumsdidaktischen Standards. Der Ulmer Stadtarchivar Michael Wettengel bezeichnet die Orgelstube als den wahrscheinlich einzigen authentisch erhaltenen Ort des Jugendwiderstands gegen die NS-Herrschaft und unterstreicht damit die Dringlichkeit einer angemessenen Präsentation.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Brunner/Ritz: Künstler mit Ulm-Erfahrung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wahl des Künstlerduos Brunner/Ritz überrascht nicht. Johannes Brunner und Raimund Ritz haben mit dem <a href="https://www.brunner-ritz.de/" target="_blank" rel="noopener">Berblingerturm</a> bereits 2020 bewiesen, dass sie ortsspezifische Kunst auf höchstem Niveau zu realisieren vermögen. Der um zehn Grad geneigte Stahlturm an der Adlerbastei, der an den legendären Flugversuch des Schneiders von Ulm erinnert, entwickelte sich binnen kurzer Zeit zum neuen Wahrzeichen der Stadt. Über 200.000 Besucherinnen und Besucher erklommen in den ersten Monaten die 71 Stufen zur Aussichtsplattform.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die beiden Münchner Künstler arbeiten seit 1990 an der Schnittstelle zwischen Bildhauerei und Musik, zwischen Installation und Performance. Brunner, Professor für Bildhauerei an der Alanus Hochschule in Alfter, und Ritz, Komponist und Klangkünstler, verstehen es meisterhaft, Orte durch multisensorische Elemente neu erfahrbar zu machen. Ihre Arbeiten für die Technische Universität München, die Stadtwerke München oder das Forum Duisburg zeugen von einer konsequenten Auseinandersetzung mit architektonischen Situationen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektur des Erinnerns</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Entwurf für den Lernort Weiße Rose überzeugt durch seine stringente Symbolik. Die Außenhülle aus rund 600 Rohrelementen in Form von Orgelpfeifen nimmt direkten Bezug auf das historische Versteck hinter dem Orgelprospekt. Gleichzeitig visualisiert die Fassade die Idee der gehefteten Flugblätter, jene Schriften, die einst so gefährlich waren, dass ihre Verteilung mit dem Tod bestraft wurde. Im Inneren des etwa elf Meter hohen Rundbaus findet eine Schulklasse oder Besuchergruppe von bis zu 30 Personen Platz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Konzeption nimmt, wie der Ulmer Dekan Torsten Krannich treffend formuliert, die Enge und Abgeschiedenheit der Orgelkammer auf und stellt gleichzeitig überzeugend öffentlich dar, was damals ganz im Geheimen geschehen musste. Hier liegt die eigentliche Stärke des Entwurfs: Er transformiert das Verborgene ins Sichtbare, ohne die historische Spannung zwischen Heimlichkeit und öffentlichem Bekenntnis aufzulösen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Würdigung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die multimediale Ausstellung im Inneren sollen Fachhistorikerinnen und Fachhistoriker der Ludwig-Maximilians-Universität München erarbeiten. Hier zeigt sich ein kluger Schachzug: Die LMU, deren Lichthof als wichtigster Gedenkort der Weißen Rose gilt, bringt ihre wissenschaftliche Expertise in das Ulmer Projekt ein. Die inhaltliche Verknüpfung der beiden Standorte verspricht eine differenzierte Darstellung des Widerstands, die München und Ulm gleichermaßen würdigt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichwohl wirft das Projekt Fragen auf. Mit 1,5 Millionen Euro Bundesförderung, die der Biberacher Bundestagsabgeordnete Martin Gerster im Haushaltsausschuss durchsetzte, ist die Finanzierung zwar gesichert. Doch reicht dieses Budget für einen Bau, der sowohl architektonisch ambitioniert als auch technisch anspruchsvoll sein muss? Die Integration multimedialer Installationen, die langfristige Wartung der Klang- und Lichttechnik sowie die barrierefreie Erschließung werden die Kosten treiben. Ob die geplante Fertigstellung bis 2027 oder spätestens zur Landesgartenschau 2030 realistisch ist, bleibt abzuwarten.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Erinnerungskultur im Wandel</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Lernort Weiße Rose fügt sich in eine bemerkenswerte Entwicklung der Ulmer Erinnerungskultur ein. Das Einstein-Familienmuseum, das Denkzeichen für die Opfer von NS-Zwangssterilisation am Landgericht, die kritische Aufarbeitung der NS-Vergangenheit des Universitätsgründungsrektors Ludwig Heilmeyer und nun das geplante Einstein Discovery Center nach Entwürfen von Daniel Libeskind zeigen eine Stadt, die sich ihrer Geschichte aktiv stellt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir, Vorsitzender des Fördervereins Lernort Weiße Rose, betont die Aktualität der Botschaft: Die Aufforderung in dem Flugblatt, den Mantel der Gleichgültigkeit zu zerreißen, und der Satz, dass Deutschland nur in einem föderalen Europa eine Zukunft hat, beeindrucken mich bis heute. In Zeiten wachsender Demokratieskepsis und europäischer Krisen gewinnt diese Mahnung neue Dringlichkeit.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Modell für andere Regionen?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Ulmer Projekt demonstriert, wie kleinere Städte authentische Gedenkorte zeitgemäß weiterentwickeln können. Die Kombination aus skulpturaler Architektur, wissenschaftlich fundierter Vermittlung und digitaler Erweiterung setzt Maßstäbe. Für andere Kommunen mit vergleichbaren historischen Stätten könnte der Lernort Weiße Rose als Referenzprojekt dienen, freilich unter Berücksichtigung der jeweiligen lokalen Besonderheiten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Entscheidend wird sein, ob der Ort junge Menschen wirklich erreicht. Die Instagram-Kampagne @‌ichbinsophiescholl von SWR und BR hat gezeigt, welches Potenzial in zeitgemäßen Vermittlungsformaten steckt. Der neue Lernort muss diesen digitalen Ansatz konsequent weiterdenken, ohne in oberflächliche Gamification abzugleiten. Die Geschichte der Weißen Rose verdient mehr als ein interaktives Erlebnis. Sie verlangt nach echter Auseinandersetzung mit Mut, Gewissen und den Grenzen des Gehorsams.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wie ein Dorf im Nahetal Deutschlands Baugeschichte für die Zukunft bewahrt</title>
		<link>https://baukunst.art/wie-ein-dorf-im-nahetal-deutschlands-baugeschichte-fuer-die-zukunft-bewahrt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 09:59:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalpflege Rheinland-Pfalz]]></category>
		<category><![CDATA[Handwerkliche Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[regionale Baukultur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13688</guid>

					<description><![CDATA[Bad Sobernheim zeigt, wie regionale Baukultur durch konsequente Denkmalpflege lebendig bleibt. Das Freilichtmuseum und die Klosterruinen bilden ein Architektur-Lehrbuch der Nahe-Region – vorindustrielle Handwerkstradition trifft auf mittelalterliche Klosterarchitektur.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektur der Erinnerung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Nahetal bei Bad Sobernheim hat sich eine Region bewahrt, in der architektonische Zeugnisse mehrerer Jahrhunderte nebeneinander bestehen – nicht als museale Kuriosa, sondern als aktive Schauplätze einer gelebten Baukultur. Das Freilichtmuseum Rheinland-Pfalz und der Disibodenberg verkörpern zwei Facetten dieser Strategie: Während das Museum Bausubstanz konserviert, die sonst verloren wäre, versucht die Klosterstiftung, historische Räume für zeitgenössische Nutzungen zu erschließen. In beiden Fällen geht es um mehr als Denkmalpflege – es geht um die Frage, wie Gesellschaften ihre architektonische DNA bewahren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Handwerk im Freilichtmuseum: Fachwerkbau als regionaler Standard</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das vor 50 Jahren gegründete Freilichtmuseum auf 35 Hektar versammelt etwa 40 Bauernhöfe und Handwerksbetriebe – ein Querschnitt durch die vorindustrielle Architektur der Region. Diese Gebäude, gerettet vor Abriss oder Verfall, stammen aus Eifel, Westerwald, Hunsrück, Pfalz und Rheinhessen. Was fasziniert an diesen Strukturen architektonisch?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Fachwerkbauten erzählen von einer Ökonomie der Materialien. Der charakteristische Holzrahmen mit gefachtem Leichtlehm war nicht ästhetisch gemeint, sondern praktisch: Er nutzte das verfügbare Material (Holz aus lokalen Wäldern) optimal aus und ermöglichte schnelle, kostengünstige Erstellung. Die Architekturform folgt funktionaler Notwendigkeit. Dennoch entstanden dabei proportional ausgewogene, in ihrer Bescheidenheit elegante Bauten. Das Satteldach mit Ziegeln, die charakteristische Ausrichtung der Fenster zur Südseite – jedes Detail rationales Ergebnis eines handwerklichen Wissens, das sich über Generationen sedimentierte. Im Museum werden diese Bauten vornehmlich zu besonderen Anlässen „belebt&#8220;, wenn Backen, Weben oder Schmieden vorgeführt werden. Das ist aus konservatorischer Sicht kritisch zu sehen: Die Gebäude sind dann weniger lebender Handwerksraum, mehr Schauplatz. Doch praktisch gibt es oft keine Alternative, wenn moderne Nutzungen fehlen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Disibodenberg: Klosterarchitektur zwischen Ruine und Restauration</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine andere architektonische Herausforderung stellt der benachbarte Disibodenberg dar. Das Kloster, gegründet im 7. Jahrhundert, erlebte seine bauliche Blüte zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert. Die Hauptsubstanz – Basilika, Kreuzgang, Kapitelsaal, Klausur – stammte von Zisterzienser-Baumeistern, die nach strikten funktionalen Prinzipien arbeiteten. Nach Säkularisation und Verkauf zur Abbruchreife blieb von dieser mächtigen Anlage nur fragmentarisch Substanz erhalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit 1989 versucht die Scivias-Stiftung das Vermächtnis wiederherzustellen – eine Strategie der Ruinen-Archäologie im 21. Jahrhundert. Das augenfälligste Rekonstruktionsprojekt war die Wiedererrichtung des 40 Meter langen Gästehauses (Hospiz). Doch hier offenbaren sich die Grenzen: Klausur, Basilika und Kreuzgang wurden „in Grundzügen aufgemauert und begrünt&#8220;, wie es beschönigend heißt. Steine und Bäume wirken „wie miteinander verwachsen&#8220;. Das ist historische Romantisierung – wobei nicht kritisiert werden soll, dass der Klosterruine neue Konturen gegeben wurden. Vielmehr zeigt sich hier eine architektonische Schizophrenie: Ist das Ziel die akkurate Rekonstruktion historischer Bauformen, oder die Schaffung einer „entrückten Welt&#8220; für gegenwärtiges Erleben? Diese Frage wird nicht klar beantwortet, weshalb die Maßnahmen zwischen Denkmalpflege und Szenografie schweben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Heilarchitektur: Emanuel Felke und die Lehrmanwendungen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine regionale Besonderheit Bad Sobernheims ist die Tradition der Heilarchitektur, geprägt durch Pastor Emanuel Felke. Der 1915 angekommene Heiler entwickelte die „Lehrmanwendungen&#8220; – Methoden der ganzheitlichen Heilkunde, die enge Verflechtung zwischen Körper, Raum und Natur vorsahen. Das manifeste Zeugnis ist der 1992 angelegte Barfußpfad an der Nahe – der erste seiner Art in Deutschland, 3,5 Kilometer lang.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisch ist der Barfußpfad eine innovative Typus-Erfindung: ein lineares Bewegungsobjekt, das Natur und Heilwirkung durch räumliche Sequenzierung verbindet. Die Abfolge verschiedener Naturmaterialien (Kies, Gras, Schotter, Holz) erzeugt körperliche Stimulation – architektur als sensorische Erfahrung. Mit modernem Verständnis: Ein therapeutischer Raum, der Fußboden als programmatischer Erlebnisraum. Die Hängebrücke und Seilfähre des Pfads stellen zusätzliche räumliche Erlebnisse bereit. Damit wurde in Bad Sobernheim früher ein konzept entwickelt, das heute unter „Healing Environments&#8220; und Biophilic Design Karriere macht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Barock und Schlichtheit: Die religiöse Architektur der Stadt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Staudernheim, dem benachbarten Ort, steht ein „kaum verändertes Barockensemble&#8220; aus Johanneskirche und Pfarrhaus. Dies ist ein Beispiel für die regionale Kirchenarchitektur des 18. Jahrhunderts. Die Barockkirche in dieser Region folgte – anders als die südlichen Barockzonen – einer Ästhetik der Schlichtheit: klare Fassaden, einfache geometrische Proportionen, Verzicht auf Ornamentik. Das ist konfessionell bedingt (protestantische Barockarchitektur) und zeigt die regionale Eigenständigkeit gegenüber den südlichen Barock-Zentren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Baukultur zwischen Konservierung und Krise</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bad Sobernheim demonstriert strukturelle Herausforderungen der Denkmalpflege in peripheren Regionen. Die Finanzierung der Freilichtmuseum und der Klosterruinen läuft nicht durch staatliche Politik, sondern durch Stiftungsarbeit und Engagement von Ehrenamtlichen. Das ist honorierend, aber fragil. Solche Strukturen sind anfällig für personelle Diskontinuität und finanzielle Volatilität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zugleich zeigt die Region ein innovatives Modell: Lokale Winzer betreiben einen Weinberg mit Reben aus allen Anbaugebieten des Landes. Das ist Baukultur im erweiterten Sinn – es nutzt die architektonische Infrastruktur (das Museum, die Nahe-Landschaft) für gegenwärtige wirtschaftliche und kulturelle Zwecke. Dadurch wird die Region nicht zum musealen Schrumpfraum, sondern bleibt produktiv.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Architektur als regionales Gedächtnis</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bad Sobernheim zeigt, dass regionale Architekturgeschichte nicht antiquarisch sein muss. Das Freilichtmuseum bewahrt handwerkliche Techniken und Proportionen, die zeitgenössischem Bauen als Lernbeispiel dienen könnten. Der Disibodenberg verhandelt die Frage, wie Ruinen bewohnt werden können. Der Barfußpfad ist ein Konzept für therapeutische Architektur, das aktuell ist. Und die schlichte Barockkirche in Staudernheim zeigt, dass regionale Eigenständigkeit ein architektonisches Merkmal ist, das zu würdigen sich lohnt. Was fehlt, ist eine stärkere Vernetzung dieser architektonischen Stränge zu einer regional schlüssigen Erzählung – nicht als nostalgia, sondern als Gegenwarts-Ressource.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Wunder von Mannheim: So sieht nachhaltiges Wohnen der Zukunft aus</title>
		<link>https://baukunst.art/das-wunder-von-mannheim-so-sieht-nachhaltiges-wohnen-der-zukunft-aus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 09:49:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Holzbau]]></category>
		<category><![CDATA[Nachverdichtung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnqualität]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13685</guid>

					<description><![CDATA[Nachverdichtung mit Leuchtturmcharakter: Das Franklin Village in Mannheim zeigt, wie Holzbau, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Vielfalt auf engstem Raum gelingen – gerade weil die Architekten es verstanden haben.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom Militärareal zur Leuchtturmstadt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Transformation eines ehemaligen Militärareals in der Barockstadt Mannheim erzählt eine Geschichte, die sich in vielen deutschen Städten wiederholt. Brachliegende Flächen, Denkmalschutz und die drängenden Fragen der Gegenwart – wie schafft man bezahlbaren Wohnraum ohne dabei die Qualität zu opfern? Das Franklin Village liefert Antworten, die regional bedeutsam sind und deutschlandweit Aufmerksamkeit verdienen. Mit fünf Neubauten und einem sensibel erweiterten Bestandsgebäude entstand ein Quartier, das städtebaulich nachhaltiges Denken mit architektonischer Haltung verbindet.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachverdichtung mit Gesicht – Das Konzept</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Franklin Village verkörpert ein architektonisches Credo, das sich durch die aktuelle Baden-Württembergische Landesentwicklungsplanung zieht: Innenentwicklung statt Flächen versiegeln. Doch hier bleibt das Projekt nicht im Methodischen stecken. Um einen geschützten, mit einheimischen Bäumen begrünten Innenhof gruppiert sich das Ensemble. Stützenfrei vorgelagerte Laubengänge ermöglichen spontane Nachbarschaftsbegegnungen – eine bauliche Antwort auf die moderne Frage nach nachbarschaftlichem Zusammenleben. Die farbigen Trennwände und Deckenunterseiten kontrastieren zur grau lasierten Holzfassade und verleihen dem Hof eine heitere, unverwechselbare Atmosphäre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders regional bedeutsam ist die konsequente Holzbauweise des Projekts. Im Kontext der Baden-Württembergischen Forstwirtschaft und des lokalen Handwerks symbolisiert dies mehr als technische Materialwahl: Es ist ein Statement für regionale Wertschöpfung und CO2-Effizienz. Wenn der Holzbau von Fachleuten aus dem Land realisiert wird, stärkt dies gleichzeitig die lokale Handwerkskultur. Das Projekt zeigt: nachhaltig bedeutet nicht abstrakt, sondern konkret, lokal und wirtschaftlich sinnvoll.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vielfalt als Grundprinzip</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders unter den gegenwärtigen Bedingungen der Wohnungskrise verdient das Programmatische des Franklin Village Aufmerksamkeit. Single-Apartments, klassische Familienwohnungen und Clusterwohnungen mit gemeinschaftlichen Nutzungsbereichen bilden ein Portfolio, das gesellschaftliche Vielfalt nicht bloß verspricht, sondern lebt. Dies entspricht einer regionalen Notwendigkeit, die in den Oberflächenentwicklungsstudien Baden-Württembergs deutlich wird: Der Bedarf an flexiblen Wohnformen wächst kontinuierlich. Pflegefamilien, Patchwork-Konstellationen, Wohngruppen – das Franklin Village antizipiert diese Realität nicht als exotische Ausnahme, sondern als Normalität des urbanen Zusammenlebens.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Planerinnen und Planer Mannheims und der Region hat das Projekt demnach vorbildhafte Qualität. Es demonstriert, dass Dichte und Grün nicht in Widerspruch stehen, dass Kostengünstigkeit und Gestaltungsanspruch koexistieren können und dass Nachhaltigkeit kein Luxusmerkmal sein muss.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Räumliche Lösungen als Angebot</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Detail offenbart die Sorgfalt des Entwurfs: Die großzügigen Freitreppen in den Innenhof schaffen ein Wegekontinuum, das nicht nur funktional ist, sondern einen räumlichen Rahmen für gelebte Gemeinschaft bietet. <a href="https://www.bbr.bund.de/BBR/DE/Wettbewerbe/DeutscherArchitekturpreis/2025/finalisten/franklin-village-mannheim/projektinformation.html#doc2095862bodyText4" target="_blank" rel="noopener">Die Architekten Sauerbruch Hutton</a> haben verstanden, dass Wohnqualität sich nicht in der Privatwohnung erschöpft. Stattdessen wird Gemeinsinn durch Infrastruktur ermöglicht – durch Orte, die Begegnung erlauben, aber nicht erzwingen. Dies ist insbesondere für Mannheim als Industriestadt mit migrationsprägter Bevölkerung bedeutsam. Das Franklin Village könnte ein Modell für weitere Quartiersentwicklungen werden, in denen soziale Durchmischung geplant wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisch überzeugt das Ensemble durch eine klare, unaufgeregte Sprache. Keine stilistische Überzeichnung, keine postmodernen Schnörkel – stattdessen eine kompromisslose Qualität im Holzbau, die zeigt, dass Nachhaltigkeit und Gestaltung Hand in Hand gehen. Für die regionalen Architektenkammer Baden-Württemberg ist dies ein besonders wertvolles Projekt, weil es beweist, dass Dauerhaftigkeit kein Gegensatz zu Innovation darstellt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausstrahlungskraft und Vorbildfunktion</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob es die Fürther Straße ist oder die Neckarstadt – in Mannheim gibt es zahlreiche Orte, an denen ähnliche Transformationen möglich wären. Das Franklin Village ist weniger ein isoliertes Prestigeprojekt als vielmehr ein Katalysator für Gedankenprozesse. Es zeigt, dass sich der öffentliche Raum nicht von Privatwohnungen trennt, dass Mehrfamilienhaus und Aufenthaltsqualität kein Widerspruch darstellen. Dies ist eine regionalpolitische Botschaft an die Kommunen des Rhein-Neckar-Raums.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Franklin Village ist mehr als ein Wohnbauprojekt. Es ist ein Statement für eine zukunftsfähige Stadtgesellschaft: vielfältig, nachhaltig, schön. Mit der Auszeichnung durch den Deutschen Architekturpreis 2025 hat die Jury erkannt, dass vorbildliches Bauen sich nicht in spektakulären Gesten erschöpft, sondern in der subtilen Integration von Nachhaltigkeit, Funktionalität und Ästhetik besteht. Für Mannheim, für Baden-Württemberg und für alle deutschen Städte mit ähnlichen Herausforderungen ist dies eine wichtige Referenz geworden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><a href="https://bak.de/presse/pressemitteilungen/ausgezeichnete-architektur-deutscher-architekturpreis-2025-fuer-innovatives-wohnquartier-verliehen/?utm_source=&amp;utm_medium=&amp;utm_campaign=" target="_blank" rel="noopener">mehr&#8230;</a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zwischen Bewahrung und Erneuerung: Die Kunst der unsichtbaren Renovation im Brenners Park-Hotel</title>
		<link>https://baukunst.art/zwischen-bewahrung-und-erneuerung-die-kunst-der-unsichtbaren-renovation-im-brenners-park-hotel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Sep 2025 09:49:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Baden-Baden]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Hotelsanierung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13455</guid>

					<description><![CDATA[Wie das Brenners Park-Hotel in Baden-Baden bei laufendem Betrieb komplett saniert wurde – und warum man davon nichts sieht. Ein Lehrstück über sensible Denkmalsanierung im UNESCO-Welterbe.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein architektonisches Kunststück an der Lichtentaler Allee</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die vollständige Grundsanierung eines über hundertjährigen Grandhotels bei laufendem Betrieb gleicht einem chirurgischen Eingriff am offenen Herzen. Das Brenners Park-Hotel &amp; Spa in Baden-Baden hat diese Herkulesaufgabe zwischen Oktober 2023 und 2024 gemeistert – und dabei ein Paradoxon geschaffen: Eine Renovation, die alles verändert und doch nichts sichtbar macht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die DNA des Ortes bewahren</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baden-Baden, seit 2021 Teil des UNESCO-Welterbes der „Great Spa Towns of Europe&#8220;, stellt besondere Anforderungen an bauliche Eingriffe. Die Landesbauordnung Baden-Württembergs in Verbindung mit strengen Denkmalschutzauflagen fordert hier einen Spagat zwischen zeitgemäßer Haustechnik und historischer Substanz. Bergit Gräfin Douglas, die als Innenarchitektin die Neugestaltung verantwortete, löste diese Aufgabe mit bemerkenswerter Sensibilität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wahl monochromer Wandfarben in klassischen Nuancen des 19. Jahrhunderts mag auf den ersten Blick konservativ erscheinen. Tatsächlich handelt es sich um eine raffinierte Strategie: Die historischen Farbpaletten der Kurarchitektur Baden-Badens werden nicht kopiert, sondern zeitgenössisch interpretiert. Diese Herangehensweise respektiert die regionale Bautradition der Bäderarchitektur, ohne in museale Erstarrung zu verfallen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Unsichtbare Modernisierung als Meisterleistung</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der eigentliche architektonische Coup liegt in der technischen Erneuerung. Sieben monumentale Versorgungsschächte wurden in das historische Gebäude integriert, ein separater Personalaufzug eingebaut, komplett neue Sanitär- und Belüftungsanlagen installiert. Diese massiven Eingriffe in die Bausubstanz bleiben für Gäste unsichtbar – ein Triumph der Planungskunst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Herausforderung lag nicht nur in der Statik eines Gebäudes aus der Gründerzeit, sondern auch in der topografischen Lage. Das Hotel schmiegt sich an den sanften Hang zur Oos, eingebettet in die Parklandschaft der Lichtentaler Allee. Diese für Baden-Baden typische Verschmelzung von Architektur und Landschaftsraum durfte durch die Baumaßnahmen nicht gestört werden. Die Lösung: Alle schweren Eingriffe erfolgten von innen heraus, die Fassade blieb während der gesamten Bauzeit intakt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Regionale Handwerkskunst trifft internationale Standards</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein bemerkenswertes Detail der Renovation ist die Rettung historischer Tapeten. Statt diese zu entsorgen, transformierte man sie in individuelle Reisebegleiter – handgefertigte Notizbücher mit Fragmenten der Originaltapeten aus den jeweiligen Zimmern. Diese Geste verkörpert eine spezifisch baden-württembergische Tugend: die Verbindung von Sparsamkeit, Handwerkskunst und Wertschätzung für Geschichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Einbindung regionaler Betriebe zeigt sich auch in der täglichen Hotelpraxis. Die Brötchen stammen von der Bäckerei Böckeler aus Bühl, der Kaffee aus Achern, der Honig vom hauseigenen Imker aus Kuppenheim. Diese Verflechtung mit der Region ist mehr als Marketing – sie ist Ausdruck einer Baukultur, die Architektur nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil eines lebendigen Gefüges versteht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die architektonische Nachbarschaft des Hotels verdeutlicht das kreative Spannungsfeld Baden-Badens: Direkt gegenüber erhebt sich das Museum Frieder Burda, ein puristischer Kubus von Richard Meier aus dem Jahr 2004. Statt eines Konflikts entsteht ein Dialog zwischen historischer Grandhotelarchitektur und zeitgenössischer Museumsarchitektur – ein Sinnbild für die Planungskultur der Kurstadt, die Altes und Neues nicht als Gegensatz, sondern als Bereicherung versteht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Villa Stephanie, die während der Renovierung des Haupthauses als Ausweichquartier diente, zeigt exemplarisch den regionalen Umgang mit historischer Bausubstanz. Das 2015 auf 5000 Quadratmetern eingerichtete Luxus-Spa verbindet historische Villenarchitektur mit modernster Wellness-Technologie – ohne dass die ursprüngliche Raumstruktur aufgegeben wurde.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachhaltigkeit durch Bestand</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Zeiten des Klimawandels gewinnt die Entscheidung zur Bestandssanierung zusätzliche Relevanz. Die graue Energie des historischen Gebäudes bleibt erhalten, während die technische Modernisierung den Energieverbrauch drastisch reduziert. Die neuen Belüftungsanlagen arbeiten mit Wärmerückgewinnung, die Sanitäranlagen entsprechen modernsten Wassersparstandards.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Form der Nachhaltigkeit entspricht der baden-württembergischen Bautradition des „Häusle-Bauens&#8220; – der sorgsame Umgang mit Ressourcen und die Pflege des Bestehenden haben hier kulturelle Wurzeln. Das Brenners verkörpert diese Haltung auf Luxusniveau: Bewahrung ohne Stillstand, Innovation ohne Zerstörung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Modell für sensible Hotelsanierungen</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Renovation des Brenners Park-Hotels könnte Modellcharakter für ähnliche Projekte in anderen deutschen Kurorten entwickeln. Von Wiesbaden über Bad Homburg bis Bad Kissingen stehen historische Grandhotels vor ähnlichen Herausforderungen: Wie lässt sich die Aura des Ortes bewahren und gleichzeitig zeitgemäßer Komfort bieten?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Baden-Badener Lösung zeigt: Es bedarf eines interdisziplinären Teams aus Denkmalpflegern, Architekten und Fachplanern, das die spezifischen Qualitäten des Ortes versteht. Die enge Zusammenarbeit mit lokalen Handwerksbetrieben und die Wertschätzung regionaler Bautraditionen sind dabei keine romantische Folklore, sondern praktische Notwendigkeit. Nur wer die lokalen klimatischen Bedingungen, die historischen Bautechniken und die kulturellen Erwartungen kennt, kann eine Sanierung durchführen, die mehr ist als technische Ertüchtigung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit: Die Zukunft liegt in der Vergangenheit</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Brenners Park-Hotel beweist, dass Denkmalschutz und Luxushotellerie keine Gegensätze sein müssen. Die gelungene Synthese aus Bewahrung und Erneuerung zeigt einen Weg auf, wie historische Bausubstanz für kommende Generationen erhalten werden kann – ohne museale Erstarrung, aber mit Respekt vor der Geschichte. In einer Zeit, in der Abriss und Neubau oft als einfachste Lösung erscheinen, setzt Baden-Baden ein Zeichen für die behutsame Transformation. Das ist nicht nur nachhaltig, sondern auch ökonomisch sinnvoll: Die Authentizität historischer Grandhotels lässt sich nicht nachbauen, nur bewahren.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sozialer Wohnungsbau statt Blechlawinen: Karlsruhes mutiger Schritt</title>
		<link>https://baukunst.art/sozialer-wohnungsbau-statt-blechlawinen-karlsruhes-mutiger-schritt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Sep 2025 09:41:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Baurecht]]></category>
		<category><![CDATA[Nachverdichtung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbau]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13451</guid>

					<description><![CDATA[Karlsruhe baut Wohnungen auf Garagen – genial einfach, doch warum klappt's woanders nicht? Über Baurecht, Beton und föderale Blockaden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Garagendächer als Bauland: </strong><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Leuchtturm mit Schattenseiten</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen den Zeilenbauten des Karlsruher Stadtteils Rintheim hat sich etwas Bemerkenswertes entwickelt. Wo jahrzehntelang nur Betondecken die Autos vor Regen schützten, thronen heute zwölf neue Wohnungen auf drei Garagenkomplexen. Die Volkswohnung Karlsruhe hat geschafft, woran andere Kommunen verzweifeln: Sie hat brachliegende Flächen mitten in der Stadt aktiviert – ohne einen einzigen Quadratmeter Grün zu versiegeln.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Baden-Württemberg prescht vor</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was in Karlsruhe gelungen ist, spiegelt die progressive Planungskultur Baden-Württembergs wider. Die Landesbauordnung wurde bereits 2019 reformiert, um innovative Nachverdichtung zu erleichtern. Während Bayern noch über Lockerungen der Abstandsflächenregelungen diskutiert und Nordrhein-Westfalen mit seiner komplexen Genehmigungspraxis kämpft, zeigt der Südwesten, wie pragmatische Lösungen aussehen können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Karlsruher Architekt Falk Schneemann hat dabei nicht nur ein architektonisches, sondern ein regionales Statement gesetzt: Die Holzfertigbauweise nutzt ausschließlich Materialien aus dem Schwarzwald und der Rheinebene. „Wir wollten zeigen, dass regionale Wertschöpfung und sozialer Wohnungsbau kein Widerspruch sind&#8220;, erklärt der Planer, dessen Büro seit Jahren auf lokale Handwerksbetriebe setzt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ost-West-Gefälle der Möglichkeiten</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Realität sieht andernorts ernüchternd aus. Besonders in den östlichen Bundesländern, wo Garagenhöfe zur DNA der Plattenbausiedlungen gehören, scheitern ähnliche Projekte reihenweise. In Dresden-Prohlis stehen über 2.000 Garagen leer, in Leipzig-Grünau verfallen ganze Komplexe. Die sächsische Bauordnung würde Aufstockungen theoretisch erlauben, doch die maroden DDR-Fertigteilkonstruktionen tragen keine zusätzlichen Lasten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„Sehr dünner Beton mit kleinen Fundamenten&#8220;, charakterisiert Schneemann das Problem. Die westdeutschen Garagen der 1960er und 70er Jahre seien dagegen oft überraschend solide. Ein baukulturelles Erbe, das niemand auf dem Schirm hatte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Föderale Blockaden</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der wahre Hemmschuh liegt jedoch tiefer: im deutschen Baurecht. Während die Niederlande mit ihrer „Crisis- en herstelwet&#8220; temporäre Nutzungsänderungen binnen Wochen genehmigen, dauern Bebauungsplanänderungen hierzulande Jahre. Bayern pocht auf seine restriktiven Abstandsflächenregelungen, Hessen verweist auf den Bestandsschutz alter Bebauungspläne, und in Berlin scheitern Projekte am Milieuschutz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das 2021 beschlossene Baulandmobilisierungsgesetz sollte Abhilfe schaffen. Doch die Bilanz ist ernüchternd: Von den 16 Bundesländern haben nur Baden-Württemberg, Hamburg und Berlin die neuen Spielräume in ihre Landesbauordnungen übernommen. Rheinland-Pfalz diskutiert noch, Sachsen-Anhalt schweigt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Lokale Allianzen als Erfolgsrezept</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wo es funktioniert, zeigt sich ein Muster: In Karlsruhe arbeiteten Volkswohnung, Stadtplanungsamt und lokale Zimmereibetriebe Hand in Hand. Die Stadt Reutlingen, ebenfalls in Baden-Württemberg, ging einen pragmatischeren Weg: Die dortige GWG setzte Fertigmodule von Schwörerhaus auf neue Garagen – von Anfang an statisch eingeplant.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In München hingegen scheiterte ein ähnliches Projekt der Gewofag am Widerstand der Lokalbaukommission. Die bayerische Landeshauptstadt, die mit 1,8 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern und astronomischen Mieten kämpft, hat geschätzte 50.000 Garagen. Ein ungenutztes Potenzial von theoretisch 10.000 Wohnungen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Klimaanpassung trifft Wohnungsnot</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Karlsruher Lösung punktet auch klimatisch: Die Holzbauweise speichert CO₂, die Dächer sind begrünt, Photovoltaik ist vorbereitet. Das Land Baden-Württemberg förderte das Projekt mit 1,2 Millionen Euro aus dem Programm „Wohnungsbau BW – innovativ&#8220;. Andere Bundesländer haben keine vergleichbaren Programme.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei wäre gerade in Hitze-Hotspots wie Frankfurt, Mannheim oder dem Ruhrgebiet die Kombination aus Nachverdichtung und Klimaanpassung essentiell. Doch während Stuttgart seinen Holzbau-Offensive vorantreibt, verharrt Düsseldorf in der Betontradition.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Modell mit Grenzen</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei aller Euphorie: Das Karlsruher Modell ist kein Selbstläufer. Die 4,5 Millionen Euro Gesamtkosten relativieren sich, wenn man bedenkt, dass nur zwölf Wohnungen entstanden. Die Quadratmeterkosten will die Volkswohnung nicht nennen – „experimenteller Ansatz&#8220;, heißt es.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotzdem: Die Mieten von 7,75 bis 9,30 Euro pro Quadratmeter sind in Karlsruhe, wo der Durchschnitt bei 12 Euro liegt, eine soziale Tat. Die Warteliste ist lang, die mediale Aufmerksamkeit groß. Delegationen aus Hamburg, Frankfurt und sogar Wien pilgern nach Rintheim.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ausblick: Revolution von unten</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Lösung wird nicht vom Bund kommen. Zu verfahren ist die Große Koalition der Bedenkenträger aus Bauordnungsrecht, Brandschutzlobby und Nimby-Mentalität. Die Revolution muss von unten kommen: von mutigen kommunalen Wohnungsbaugesellschaften, progressiven Oberbürgermeisterinnen und Landräten, die sich trauen, alte Pläne über Bord zu werfen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nordrhein-Westfalen plant eine „Experimentierklausel&#8220; in der Landesbauordnung. Thüringen prüft ein Sonderprogramm für Garagenaufstockungen. Selbst das traditionsbewusste Bayern denkt um: Ein Pilotprojekt in Augsburg soll 2025 starten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Garagen sind da. Die Wohnungsnot auch. Was fehlt, ist der politische Mut, beides zusammenzubringen. Karlsruhe hat es vorgemacht. Der Rest ist Föderalismus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die neue Sehnsucht nach Gemeinschaft – eine Spurensuche in Mainz</title>
		<link>https://baukunst.art/die-neue-sehnsucht-nach-gemeinschaft-eine-spurensuche-in-mainz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Aug 2025 09:52:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinschaftliches Wohnen]]></category>
		<category><![CDATA[Mainz Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbaugenossenschaften]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13096</guid>

					<description><![CDATA[Mainz revolutioniert das Wohnen: Genossenschaften, Inklusion und Nachhaltigkeit prägen neue Quartiere. Wie die Landeshauptstadt zum Vorreiter gemeinschaftlichen Bauens wird.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Mainz macht&#8217;s vor: Wie gemeinschaftliches Wohnen die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt transformiert</strong></h2>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zwischen Dom und Dichte: Eine Stadt erfindet sich neu</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mainz durchlebt eine bemerkenswerte Metamorphose. Während bundesweit über Wohnungsnot und soziale Isolation debattiert wird, entstehen in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt wegweisende Wohnmodelle, die gemeinschaftliches Leben mit urbanem Flair verbinden. Das Heiligkreuzviertel, einst militärisches Sperrgebiet, avanciert dabei zum Experimentierfeld einer neuen Wohnkultur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Z.WO eG steht exemplarisch für diesen Wandel. 36 barrierefreie Wohneinheiten, durchdacht geplant und konsequent auf Inklusion ausgerichtet, markieren einen Paradigmenwechsel in der regionalen Wohnungsbaupolitik. Clusterwohnungen treffen hier auf Dachgärten, Werkstätten auf Waschsalons – Räume, die Begegnung nicht nur ermöglichen, sondern bewusst inszenieren. Die Genossenschaft organisiert sich nach den Prinzipien der Soziokratie 3.0, einem Governance-Modell, das hierarchische Strukturen durch Kreisorganisation ersetzt. Ein mutiger Schritt, der zeigt: Mainz traut sich was.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Rheinland-pfälzische Bauordnung als Katalysator</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landesbauordnung Rheinland-Pfalz erweist sich als überraschend progressiv. Während andere Bundesländer noch über Stellplatzschlüssel diskutieren, ermöglicht die hiesige Gesetzgebung bereits heute reduzierte Stellplatzzahlen bei Car-Sharing-Konzepten. Die Z.WO eG nutzt diese Spielräume konsequent: Fahrradpools und geteilte Autos ersetzen private PKW-Stellplätze. Ein Modell, das in dieser Form in Bayern oder Baden-Württemberg undenkbar wäre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig profitieren die Projekte von der städtischen Konversionspolitik. Die Transformation ehemaliger Militärflächen – eine rheinland-pfälzische Spezialität angesichts der Historie als Besatzungszone – schafft Raum für experimentelle Wohnformen. Das Fort Heiligkreuz, wo das Projekt TÜR AN TÜR 25 Wohneinheiten realisiert, symbolisiert diesen Wandel von militärischer Abschottung zu sozialem Miteinander.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Mainzer Mischung: Zwischen Tradition und Innovation</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die geografische Lage prägt die Baukultur. Mainz, eingeklemmt zwischen Rhein und Rheinhessen, kämpft mit Flächenknappheit. Diese Enge zwingt zu kreativen Lösungen. Das Wohnprojekt 49°Nord interpretiert urbane Dichte neu: Statt anonymer Hochhauswüsten entstehen vernetzte Nachbarschaften mit aktivem Miteinander. Der Name – eine Referenz auf den Breitengrad – verortet das Projekt selbstbewusst im globalen Kontext, bleibt aber lokal verwurzelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders bemerkenswert: Die Integration unterschiedlicher Zielgruppen gelingt ohne paternalistische Attitüde. Alleinerziehende Mütter und Väter, Seniorinnen und Senioren, Menschen mit Behinderungen – sie alle finden hier nicht nur Wohnraum, sondern Gemeinschaft. Die Wohnbau Mainz, kommunale Wohnungsbaugesellschaft mit Tradition, adaptiert diese Konzepte für den sozialen Wohnungsbau. &#8222;Zuhause in Mainz – miteinander sorgenfrei leben&#8220; mag marketingtechnisch etwas bemüht klingen, trifft aber den Kern: barrierearm, generationenübergreifend, inklusiv.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Finanzierungsmodelle mit regionalem Charakter</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Finanzierungsstrukturen spiegeln rheinland-pfälzische Besonderheiten wider. Die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) fördert gemeinschaftliche Wohnprojekte mit zinsgünstigen Darlehen – allerdings nur bei Einhaltung sozialer Kriterien. Ein Balanceakt zwischen wirtschaftlicher Tragfähigkeit und sozialer Verantwortung, der typisch für die Mainzer Projekte ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Genossenschaftsmodelle profitieren von der regionalen Bankenlandschaft. Sparkasse Mainz und Volksbank Alzey-Worms verstehen die Konzepte, kennen die lokalen Akteurinnen und Akteure. Diese Nähe erleichtert Finanzierungen, die Großbanken als zu komplex ablehnen würden. Ein unterschätzter Standortvorteil, der die Realisierung ermöglicht.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Architektonische Antworten auf klimatische Herausforderungen</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das milde Rheintal-Klima erlaubt architektonische Freiheiten, die im rauen Hunsrück undenkbar wären. Großzügige Balkone, offene Laubengänge, begrünte Innenhöfe – die Mainzer Projekte nutzen diese klimatischen Vorteile konsequent. Photovoltaikanlagen, bei TÜR AN TÜR bereits Standard, profitieren von überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig reagieren die Planungen auf zunehmende Hitzeperioden. Verschattung, Durchlüftung, Begrünung – Strategien gegen urbane Überhitzung werden integral mitgedacht. Die Z.WO eG setzt auf extensive Dachbegrünung, die nicht nur kühlt, sondern auch Regenwasser zurückhält. Eine Antwort auf Starkregenereignisse, die Mainz zunehmend treffen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kritische Reflexion: Grenzen des Modells</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei aller Euphorie bleiben Fragen offen. Die Projekte erreichen primär eine bildungsaffine Mittelschicht. Migrantinnen und Migranten, in Mainz immerhin 30 Prozent der Bevölkerung, sind unterrepräsentiert. Die Soziokratie-Modelle setzen Zeit und Engagement voraus – Luxusgüter für Alleinerziehende im Schichtdienst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch die Skalierbarkeit bleibt fraglich. Die vorgestellten Projekte profitieren von Konversionsflächen, die endlich sind. Wie gemeinschaftliches Wohnen im Bestand funktioniert, bleibt weitgehend unbeantwortet. Die Mainzer Altstadt mit ihrer kleinteiligen Eigentümerstruktur bietet kaum Ansatzpunkte.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ausblick: Mainz als Labor</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotz dieser Einschränkungen: Mainz entwickelt sich zum Reallabor für gemeinschaftliches Wohnen. Die Nähe zu Frankfurt, die Universität als Innovationsmotor, die aufgeschlossene Kommunalpolitik – ideale Rahmenbedingungen für weitere Experimente. Das geplante Projekt SNUG (Selbstbestimmte, nachhaltige, urbane Gemeinschaft) deutet die nächste Evolutionsstufe an: radikal ökologisch, konsequent selbstverwaltet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt beweist: Gemeinschaftliches Wohnen ist keine romantische Utopie, sondern praktikable Alternative. Die Projekte mögen klein sein, ihre Strahlkraft reicht weit über Mainz hinaus. Andere Kommunen, von Trier bis Ludwigshafen, beobachten genau, adaptieren Konzepte, lernen aus Fehlern. Mainz macht&#8217;s vor – mal sehen, wer folgt.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Neustadt macht Tabula rasa: Der Abriss der Hertie-Ruine als städtebaulicher Befreiungsschlag</title>
		<link>https://baukunst.art/neustadt-macht-tabula-rasa-der-abriss-der-hertie-ruine-als-staedtebaulicher-befreiungsschlag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Aug 2025 08:36:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerbeteiligung Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Hertie-Ruine Neustadt]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung Rheinland-Pfalz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12997</guid>

					<description><![CDATA[Nach 15 Jahren Stillstand kauft Neustadt die Hertie-Ruine für 4,5 Mio. Euro. Der radikale Abriss macht den Weg frei für einen Neustart mit Bürgerbeteiligung und städtebaulichem Wettbewerb.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Demokratie baut Stadt: Neustadts mutiger Weg aus der Investorenpleite</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Kapitel schließt sich – endlich</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Fünfzehn Jahre des Stillstands haben in Neustadt an der Weinstraße tiefe Spuren hinterlassen. Die ehemalige Hertie-Filiale am Bachgängel, einst pulsierendes Herz des innerstädtischen Einzelhandels, verkam zur steinernen Mahnung gescheiterter Projektentwicklung. Nun hat die Stadt das Heft des Handelns selbst in die Hand genommen: Mit dem einstimmigen Stadtratsbeschluss vom 29. April 2025, die Immobilie für 4,5 Millionen Euro aus der Insolvenzmasse der Devello AG zu erwerben, beginnt eine neue Zeitrechnung. Der geplante Abriss bis auf die Kellerplatte mag radikal erscheinen – tatsächlich ist er ein überfälliger Befreiungsschlag.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Rheinland-pfälzische Planungskultur im Praxistest</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Geschichte der Hertie-Ruine spiegelt exemplarisch die Herausforderungen mittelgroßer Städte in Rheinland-Pfalz wider. Während Mainz und Ludwigshafen mit Landesförderprogrammen für Innenstadtentwicklung operieren können, kämpfen Städte wie Neustadt oft allein gegen städtebauliche Missstände. Die rheinland-pfälzische Landesbauordnung gibt den Kommunen zwar weitreichende Eingriffsmöglichkeiten bei Schrottimmobilien, doch die finanziellen Mittel für deren Umsetzung fehlen häufig. Neustadt zeigt nun, dass kommunaler Mut sich auszahlen kann: Der Erwerb erfolgt bewusst ohne gesicherte Anschlussnutzung, dafür mit dem klaren Bekenntnis zur Bürgerbeteiligung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Oberbürgermeister Marc Weigel spricht von einem &#8222;städtebaulichen Missstand&#8220;, der endlich beseitigt werden müsse. Diese Formulierung ist juristisch präzise gewählt: Nach § 177 BauGB hätte die Stadt theoretisch schon früher ein Modernisierungs- oder Abbruchgebot erlassen können. Dass man stattdessen den Weg des Erwerbs wählte, zeigt pragmatische Weitsicht. Die Kontrolle über die Entwicklung liegt nun vollständig bei der Kommune – ein Luxus, den sich nicht jede Stadt leisten kann oder will.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Parkplatz und Perspektive</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Interimslösung Parkplatz mag auf den ersten Blick fantasielos wirken. Tatsächlich offenbart sie cleveres Kalkül: Mit geschätzten 1,5 Millionen Euro für Abriss und Oberflächengestaltung entstehen überschaubare Folgekosten, während die Parkgebühren zur Refinanzierung beitragen. Wichtiger noch: Die Stadt gewinnt Zeit für einen qualitätsvollen Planungsprozess. Der angekündigte Wettbewerb soll nicht nur Architektinnen und Architekten, sondern auch die Bürgerschaft einbeziehen – ein Ansatz, der in der Pfalz Schule machen könnte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die regionale Baukultur steht dabei vor besonderen Herausforderungen. Neustadt, als historische Residenzstadt mit barockem Erbe und gründerzeitlicher Prägung, verlangt nach sensibler Einfügung neuer Bausubstanz. Die gescheiterten Versuche der Devello AG, mit einer &#8222;perforierten Aluminiumfassade im Fachwerkstil&#8220; zu operieren, zeigen die Fallstricke oberflächlicher Kontextualisierung. Der kommende Wettbewerb muss diese Fehler vermeiden und stattdessen zeitgemäße Antworten auf die Frage finden, wie moderne Handelsarchitektur in gewachsene Strukturen integriert werden kann.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lehren aus dem Devello-Debakel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Scheitern der Hamburger Devello AG ist mehr als eine unternehmerische Pleite – es ist ein Lehrstück über die Risiken auswärtiger Investoren in regionalen Märkten. Die Firma hatte das Gebäude 2018 übernommen und vollmundig eine Eröffnung für 2020 angekündigt. Was folgte, war eine Kaskade von Verzögerungen, Baufirmen-Wechseln und schließlich die Insolvenz. Christian Zöll, Geschäftsführer der Devello, hatte noch 2023 von &#8222;70 Prozent Vermietungsquote&#8220; gesprochen – eine Zahl, die sich im Nachhinein als Luftschloss erwies.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die lokale Immobilienwirtschaft und regionale Projektentwickler beobachteten das Geschehen mit gemischten Gefühlen. Einerseits bestätigte sich die Skepsis gegenüber ortsfremden Akteuren, andererseits wurde deutlich, dass auch heimische Kräfte keine Lösung parat hatten. Die Tatsache, dass beim finalen Bieterverfahren offenbar keine ernst zu nehmende Konkurrenz zur Stadt auftrat, spricht Bände über die Markteinschätzung der Immobilie.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Netzwerke als Erfolgsfaktor</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Neustadter Weg zeigt, wie wichtig funktionierende regionale Netzwerke sind. Die Zusammenarbeit zwischen Stadt, Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Neustadt und dem Insolvenzverwalter verlief konstruktiv – keine Selbstverständlichkeit in solchen Verfahren. Besonders bemerkenswert: Die ADD signalisierte frühzeitig Unterstützung für den notwendigen Nachtragshaushalt, ohne den der Erwerb nicht möglich gewesen wäre. Diese Art der unbürokratischen Zusammenarbeit zwischen kommunaler und Landesebene könnte Modellcharakter für andere rheinland-pfälzische Städte haben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch die lokale Politik zog an einem Strang. Der einstimmige Stadtratsbeschluss über alle Fraktionsgrenzen hinweg ist in Zeiten polarisierter Kommunalpolitik keine Selbstverständlichkeit. Er zeigt, dass der Leidensdruck groß genug war, um parteipolitische Differenzen hintanzustellen. Diese Einigkeit wird auch für die kommenden Planungsprozesse wichtig sein.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bürgerbeteiligung als Chance und Herausforderung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Wir wollen etwas Tragfähiges und Sinnhaftes entwickeln&#8220;, verspricht Oberbürgermeister Weigel. Die angekündigte breite Bürgerbeteiligung ist dabei mehr als demokratisches Feigenblatt – sie ist notwendige Voraussetzung für die Akzeptanz der künftigen Lösung. Die Neustadter Bürgerinnen und Bürger haben fünfzehn Jahre des Verfalls miterlebt, sie haben ein Recht auf Mitsprache bei der Neugestaltung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch Bürgerbeteiligung in der Stadtentwicklung ist kein Selbstläufer. Die Erfahrungen aus anderen pfälzischen Städten zeigen: Ohne professionelle Moderation und klare Spielregeln verkommen solche Prozesse schnell zu Wunschkonzerten ohne Realisierungschance. Neustadt täte gut daran, sich externe Expertise zu sichern – etwa vom Büro für Bürgerbeteiligung des Landes Rheinland-Pfalz oder von spezialisierten Planungsbüros mit Moderationserfahrung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeitsaspekte im Fokus</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Abriss eines Bestandsgebäudes wirft unweigerlich Fragen der Nachhaltigkeit auf. Die graue Energie, die in der Bausubstanz steckt, wird vernichtet – ein Aspekt, der in Zeiten des Klimawandels nicht ignoriert werden darf. Andererseits zeigen die gescheiterten Sanierungsversuche, dass nicht jede Bausubstanz erhaltenswert ist. Die von Wasserschäden durchzogene Ruine hätte nur mit unverhältnismäßigem Aufwand saniert werden können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Erhalt der Kellerplatte ist ein kluger Kompromiss. Sie kann als Fundament für einen Neubau dienen und spart Ressourcen bei der Gründung. Zudem bleiben unterirdische Leitungen und Anschlüsse erhalten – ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor. Der kommende Wettbewerb sollte explizit nachhaltige Baukonzepte einfordern: Holzhybridbau, Photovoltaik-Integration und Regenwassermanagement könnten Neustadt zum Vorreiter klimagerechten Bauens in der Pfalz machen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Von der Last zur Chance</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Hertie-Ruine war jahrelang das Symbol für Stillstand und verpasste Chancen in Neustadt. Ihr Abriss markiert nun einen Neuanfang – nicht nur städtebaulich, sondern auch mental. Die Stadt beweist Handlungsfähigkeit und Gestaltungswillen, Eigenschaften, die in der interkommunalen Konkurrenz der Metropolregion Rhein-Neckar überlebenswichtig sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der vor uns liegende Prozess wird Jahre dauern. Vom Abriss über Bürgerbeteiligung und Wettbewerb bis zur Realisierung eines neuen Konzepts vergehen erfahrungsgemäß mindestens fünf Jahre. Doch diese Zeit ist gut investiert, wenn am Ende eine Lösung steht, die von der Stadtgesellschaft getragen wird und Neustadt städtebaulich voranbringt. Die Chance, aus dem Schandfleck einen Glanzpunkt zu machen, war nie größer. Es liegt nun an allen Beteiligten, sie zu nutzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Als Stuttgart sich selbst zerstörte &#8211; Eine Stadt lernt aus ihren Fehlern</title>
		<link>https://baukunst.art/als-stuttgart-sich-selbst-zerstoerte-eine-stadt-lernt-aus-ihren-fehlern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Jul 2025 12:57:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Bestandssanierung]]></category>
		<category><![CDATA[Graue Energie]]></category>
		<category><![CDATA[nachhaltiges Bauen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12909</guid>

					<description><![CDATA[Stuttgarts Abrissgeschichte als Mahnung: Neue Ausstellung zeigt, wie wir vom Tabula-Rasa-Denken zum reflektierten Umgang mit Baubestand kommen. Ein Paradigmenwechsel mit Vorbildcharakter.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Abrisskultur im Wandel: Vom Tabula Rasa zum reflektierten Umgang mit Bestand</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Stuttgart als Brennglas einer nationalen Debatte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architekturgalerie am Weißenhof zeigt mit &#8222;Abriss 2.0 – umweltgerecht&#8220; mehr als eine fotografische Dokumentation. Wilfried Dechaus Vorher-Nachher-Gegenüberstellungen sind ein schmerzhafter Spiegel unserer Baukultur. Was 2016 mit &#8222;Stuttgart reißt sich ab&#8220; begann, findet nun seine konsequente Fortsetzung – und offenbart dabei einen fundamentalen Wandel im Umgang mit bestehender Bausubstanz.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Graue Energie als neue Währung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zeiten, in denen Architekten und Architektinnen ihre Entwürfe auf der grünen Wiese oder nach Totalabriss planen konnten, neigen sich dem Ende zu. Der Begriff der grauen Energie hat sich vom Nischenbegriff zum zentralen Planungsparameter entwickelt. In Baden-Württemberg, wo die Landesbauordnung bereits verschärfte Anforderungen an den Ressourcenschutz stellt, zeigt sich dieser Paradigmenwechsel besonders deutlich. Ein durchschnittliches Bürogebäude der 1970er Jahre verkörpert etwa 500 bis 800 Kilogramm CO₂-Äquivalent pro Quadratmeter – Energie, die bei einem Abriss unwiederbringlich verloren geht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Stuttgarter Beispiele aus Dechaus Ausstellung illustrieren dieses Dilemma eindrücklich. Wo einst solide Nachkriegsbauten standen, erheben sich heute Neubauten, die zwar energieeffizienter im Betrieb sein mögen, deren Erstellung jedoch Jahrzehnte an CO₂-Einsparungen zunichtemacht. Die Rechnung ist simpel: Ein Neubau muss 50 bis 80 Jahre betrieben werden, um die bei seiner Errichtung verursachten Emissionen durch verbesserte Energieeffizienz zu kompensieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Besonderheiten prägen die Abrisspraxis</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baden-Württemberg steht exemplarisch für ein Bundesland im Spannungsfeld zwischen Wachstumsdruck und Nachhaltigkeitszielen. Die Landeshauptstadt Stuttgart, eingekesselt in ihrer Tallage, kann nicht in die Fläche wachsen. Der Druck auf den Bestand ist enorm. Gleichzeitig hat das Land mit der Novellierung der Landesbauordnung 2023 die Weichen für eine ressourcenschonendere Bauwirtschaft gestellt. Die verpflichtende Prüfung von Umbau- und Sanierungsalternativen vor jedem Abrissantrag ist mehr als eine bürokratische Hürde – sie manifestiert einen Kulturwandel.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders bemerkenswert sind die regionalen Unterschiede in der Umsetzung. Während Freiburg mit seinem &#8222;Leitfaden Bauen im Bestand&#8220; Vorreiter ist und systematisch Bestandsgebäude auf Transformationspotenziale untersucht, agieren kleinere Kommunen im ländlichen Raum oft noch nach alten Mustern. Die Gründe sind vielschichtig: fehlende Fachkompetenz in den Bauämtern, Investorendruck und nicht zuletzt eine tief verwurzelte Skepsis gegenüber &#8222;alter Bausubstanz&#8220;.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Handwerk und Industrie in der Transformation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Wandel zur Bestandserhaltung fordert das regionale Baugewerbe heraus. Abbruchunternehmen müssen zu Rückbauexperten werden, Handwerkerinnen und Handwerker benötigen Kompetenzen im Umgang mit historischen Baumaterialien und -techniken. In Stuttgart hat sich ein Netzwerk aus spezialisierten Betrieben gebildet, die sich auf die behutsame Demontage und Wiederverwendung von Bauteilen spezialisiert haben. Ein Schreinermeister aus Esslingen berichtet von der Renaissance traditioneller Verbindungstechniken: &#8222;Plötzlich ist das Wissen meines Großvaters wieder gefragt.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Baustoffindustrie reagiert mit innovativen Recyclingkonzepten. In Göppingen entsteht derzeit eine Pilotanlage für die sortenreine Trennung von Abbruchmaterialien. Mittels KI-gestützter Bilderkennnung werden Ziegel, Betonteile und sogar Dämmstoffe so aufbereitet, dass sie als hochwertige Sekundärrohstoffe wieder in den Kreislauf gelangen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Planungskultur im Umbruch</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenkammer Baden-Württemberg hat die Zeichen der Zeit erkannt. Fort- und Weiterbildungen zum Bauen im Bestand sind ausgebucht, junge Kolleginnen und Kollegen spezialisieren sich auf Bestandstransformation. Ein Stuttgarter Büro hat sich sogar auf &#8222;Abrissverhinderung&#8220; spezialisiert – sie entwickeln für Eigentümer Konzepte, wie vermeintlich abbruchreife Gebäude wirtschaftlich saniert werden können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese neue Generation von Planern denkt in Lebenszyklen statt in Einzelprojekten. Sie kalkulieren mit CO₂-Budgets wie frühere Generationen mit Kostenrahmen. Ein junger Architekt aus Tübingen formuliert es so: &#8222;Für uns ist der kreativste Entwurf der, der mit dem Minimum an neuem Material das Maximum an räumlicher Qualität schafft.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Förderkulisse als Steuerungsinstrument</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Land Baden-Württemberg hat seine Förderprogramme konsequent auf Bestandssanierung ausgerichtet. Die &#8222;Kombi-Förderung Wohnen und Klima&#8220; bevorzugt explizit Sanierungsprojekte gegenüber Neubauten. Kommunen erhalten Zuschüsse für Machbarkeitsstudien zur Bestandstransformation. Diese finanzielle Lenkungswirkung zeigt Erfolge: 2024 wurden erstmals mehr Baugenehmigungen für Sanierungen als für Neubauten nach Abriss erteilt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders erfolgreich ist das Modellprojekt &#8222;Graue Energie sichtbar machen&#8220; in Mannheim. Hier müssen Bauherren bei Abrissanträgen eine Ökobilanz vorlegen, die den CO₂-Fußabdruck von Abriss und Neubau dem einer Sanierung gegenüberstellt. Die Transparenz hat zu einem Umdenken geführt – viele Investorinnen und Investoren entscheiden sich nach Kenntnis der Zahlen für den Erhalt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Konflikte und Widerstände</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Paradigmenwechsel verläuft nicht konfliktfrei. Bauträger beklagen höhere Planungskosten und längere Genehmigungsverfahren. Mieterinitiativen fürchten Gentrifizierung durch hochwertige Sanierungen. Denkmalschützerinnen und Klimaaktivisten finden sich in ungewohnten Allianzen wieder, während Wohnungsbaugesellschaften vor den Herausforderungen der energetischen Ertüchtigung von Plattenbauten stehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Beispiel aus Heilbronn illustriert das Dilemma: Ein Wohnblock aus den 1960er Jahren sollte einer verdichteten Neubebauung weichen. Die Bestandsmieter wehrten sich, Klimaschützer rechneten vor, Investoren drohten mit Rückzug. Am Ende stand ein Kompromiss: Teilerhalt mit Aufstockung, energetische Sanierung und sozialverträgliche Mietgestaltung. Der Prozess dauerte drei Jahre – für alle Beteiligten eine Geduldsprobe.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Die lernende Stadt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wilfried Dechaus Ausstellung dokumentiert nicht nur vergangene Fehler, sondern weist den Weg in eine reflektiertere Zukunft. Stuttgart, die Stadt, die sich einst selbst abriss, könnte zur Modellstadt für intelligente Bestandsentwicklung werden. Die Werkzeuge sind vorhanden: digitale Gebäudeanalysen ermöglichen präzise Zustandsbewertungen, Building Information Modeling (BIM) erleichtert die Planung im Bestand, zirkuläre Geschäftsmodelle machen Bauteilwiederverwendung wirtschaftlich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der kulturelle Wandel ist der entscheidende Faktor. Wenn Baukultur nicht mehr nur das spektakuläre Neue feiert, sondern die intelligente Transformation des Bestehenden würdigt, haben wir einen wichtigen Schritt getan. Die nächste Generation von Architektinnen und Bauherren wird hoffentlich nicht mehr fragen: &#8222;Was können wir abreißen?&#8220;, sondern: &#8222;Was können wir bewahren und verbessern?&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung am Weißenhof ist mehr als eine Retrospektive – sie ist ein Weckruf und zugleich ein Hoffnungsschimmer. Wenn wir aus den dokumentierten Verlusten lernen, kann aus &#8222;Stuttgart reißt sich ab&#8220; ein &#8222;Stuttgart baut sich um&#8220; werden. Die Voraussetzungen dafür sind besser denn je.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die 335-Euro-Hakenleiste: Wie das Vitra Museum spirituelle Armut zu Luxus macht</title>
		<link>https://baukunst.art/die-335-euro-hakenleiste-wie-das-vitra-museum-spirituelle-armut-zu-luxus-macht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Jul 2025 12:46:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Grenzüberschreitende Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltige Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Regionalentwicklung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12903</guid>

					<description><![CDATA[Das Vitra Design Museum zeigt, wie eine amerikanische Glaubensgemeinschaft des 18. Jahrhunderts moderne Architektur prägt – und was das für die Grenzregion bedeutet.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Weil am Rhein: Wie eine Grenzstadt zum globalen Architektur-Hotspot wurde – und warum die Shaker-Ausstellung im Vitra Design Museum mehr über regionale Baukultur verrät als erwartet</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer von Basel kommend über die Grenze nach Weil am Rhein fährt, erlebt einen bemerkenswerten Übergang: Von der schweizerischen Präzision städtebaulicher Ordnung in eine Region, die sich seit drei Jahrzehnten als experimentelles Laboratorium der Architektur neu erfindet. Das Vitra Design Museum und sein Campus sind dabei mehr als nur touristische Leuchttürme – sie sind Katalysatoren einer regionalen Transformation, die weit über die 31.000-Einwohner-Stadt hinausreicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die aktuelle Ausstellung „Die Shaker – Weltenbauer und Gestalter&#8220; mag auf den ersten Blick wie ein Fremdkörper in dieser Hightech-Architekturlandschaft wirken. Doch gerade in der Gegenüberstellung offenbart sich eine verblüffende Verwandtschaft zwischen der amerikanischen Glaubensgemeinschaft des 18. Jahrhunderts und der regionalen Baukultur am Oberrhein.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Vitra-Effekt: Wie internationale Architektur regionale Identität stiftet</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit Frank Gehry 1989 sein erstes europäisches Gebäude in Weil am Rhein realisierte, hat sich die Stadt zu einem Mekka der Architekturpilger entwickelt. Zaha Hadid, Tadao Ando, Herzog &amp; de Meuron, SANAA – die Liste der Stararchitektinnen und -architekten liest sich wie ein Who&#8217;s who der zeitgenössischen Baukunst. Doch was oft übersehen wird: Diese internationale Strahlkraft hat eine spezifisch regionale Planungskultur befördert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„Die Präsenz des Vitra Campus hat unsere gesamte Herangehensweise an Stadtentwicklung verändert&#8220;, erklärt Diana Stöcker, Oberbürgermeisterin von Weil am Rhein. Die Stadt hat nicht nur eine eigene Gestaltungssatzung entwickelt, die sich an den Qualitätsmaßstäben des Campus orientiert, sondern auch grenzüberschreitende Planungskooperationen mit Basel und Saint-Louis initiiert. Das Dreiländereck wird zunehmend als gemeinsamer Kulturraum begriffen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Shaker-Prinzipien treffen auf alemannische Handwerkstradition</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die von Mea Hoffmann kuratierte Shaker-Ausstellung offenbart überraschende Parallelen zur regionalen Bautradition. Die radikale Einfachheit der Shaker-Möbel, ihre Verbindung von Funktion und spiritueller Bedeutung, findet ein Echo in der alemannischen Fachwerktradition des Schwarzwalds. Beide Kulturen teilen eine Wertschätzung für ehrliches Handwerk, dauerhafte Materialien und eine Ästhetik, die aus der Notwendigkeit erwächst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders augenfällig wird dies im benachbarten Schopfheim, wo das Architekturbüro Lederer Ragnarsdóttir Oei mit dem Neubau der Sparkasse eine zeitgenössische Interpretation regionaler Bautraditionen geschaffen hat. Die verwendeten Materialien – heimischer Sandstein, Lärchenholz aus dem Schwarzwald – und die handwerkliche Präzision der Ausführung hätten auch bei den Shakern Anerkennung gefunden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit als regionales Markenzeichen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Shaker-Philosophie des „Wenn wir etwas Gutes gefunden haben, bleiben wir dabei&#8220; trifft in der Region auf fruchtbaren Boden. Baden-Württemberg hat mit seiner novellierten Landesbauordnung 2023 die Holzbauoffensive verstärkt und fördert gezielt regionale Wertschöpfungsketten. Im benachbarten Freiburg entsteht mit dem Rathaus im Stühlinger Europas größtes öffentliches Gebäude in Holzbauweise – ein Projekt, das ohne die regionale Expertise im nachhaltigen Bauen undenkbar wäre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Verbindung von technologischer Innovation und traditionellem Handwerk, die die Shaker praktizierten, spiegelt sich auch in der regionalen Wirtschaftsstruktur wider. Mittelständische Unternehmen wie Duravit in Hornberg oder Hansgrohe in Schiltach verbinden globale Designambitionen mit lokaler Fertigungskompetenz.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Betrachtung: Zwischen Authentizität und Kommerzialisierung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung thematisiert auch einen Widerspruch, der für die Region symptomatisch ist: Im Vitra-Shop kostet eine simple Shaker-Hakenleiste 335 Euro – ein groteskes Missverhältnis zur asketischen Philosophie der Glaubensgemeinschaft. Diese Kommerzialisierung des Einfachen findet ihre Parallele in der regionalen Entwicklung: Während in Weil am Rhein Architekturikonen entstehen, kämpfen umliegende Gemeinden mit Leerstand und demografischem Wandel.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Gentrifizierung des ländlichen Raums durch urbane Eliten, die das „authentische Leben&#8220; suchen, ist auch im Markgräflerland spürbar. Historische Winzerhäuser werden zu Luxusrefugien umgebaut, während einheimische Familien sich die Mieten nicht mehr leisten können.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Grenzüberschreitende Perspektiven</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein besonderer Aspekt der regionalen Entwicklung ist die trinationale Zusammenarbeit. Die IBA Basel 2020 hat gezeigt, wie grenzüberschreitende Planung funktionieren kann. Projekte wie der Rheinuferweg von Basel nach Weil am Rhein oder die gemeinsame Entwicklung des Gebiets „3Land&#8220; demonstrieren, dass architektonische Qualität keine nationalen Grenzen kennt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landesbauordnung Baden-Württemberg ermöglicht seit 2019 explizit die Anerkennung ausländischer Qualifikationen im Bauwesen – eine direkte Reaktion auf die Realitäten der Grenzregion. Schweizer Architekturbüros planen in Deutschland, deutsche Handwerkerinnen arbeiten auf Baustellen in Basel.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Die Region als Experimentierfeld</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Shaker-Ausstellung endet mit der Frage nach der Zukunft utopischer Gemeinschaften. Für die Region Oberrhein stellt sich eine ähnliche Frage: Kann der Spagat zwischen internationaler Strahlkraft und regionaler Verwurzelung gelingen? Die Anzeichen sind ermutigend. Mit dem geplanten „Campus für Gestaltung&#8220; in Weil am Rhein entsteht eine Ausbildungsstätte, die regionale Handwerkstradition mit internationalem Designanspruch verbinden will.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landesregierung Baden-Württemberg hat zudem ein Förderprogramm für experimentelles Bauen aufgelegt, das explizit regionale Besonderheiten berücksichtigt. Ob Strohballenbau im Schwarzwald oder Lehmbau am Oberrhein – die Vielfalt regionaler Bauweisen wird als Innovationspotenzial begriffen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die letzten beiden Shaker in Maine mögen keine Nachfolger finden. Doch ihre Philosophie des einfachen, sinnvollen und schönen Bauens lebt in der Region Oberrhein auf eigentümliche Weise fort – nicht als museale Bewahrung, sondern als lebendige Transformation. Wenn das kein Grund zum Glauben an die Zukunft ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Geheimsache Leerstand: Wie Südwest-Architekten aus Ruinen Goldgruben machen</title>
		<link>https://baukunst.art/geheimsache-leerstand-wie-suedwest-architekten-aus-ruinen-goldgruben-machen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Jun 2025 07:25:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur regional]]></category>
		<category><![CDATA[Leerstand Baden-Württemberg]]></category>
		<category><![CDATA[Tag der Architektur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12692</guid>

					<description><![CDATA[Baden-Württemberg fokussiert auf Leerstand, Rheinland-Pfalz feiert 30 Jahre Tradition, das Saarland setzt auf Qualität: Drei Länder, drei Strategien für Baukultur.

]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Dreiklang der Baukultur: Tag der Architektur in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Drei Bundesländer, drei Ansätze für nachhaltige Architekturvermittlung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baden-Württemberg setzt mit dem Motto „Leerstand – Lücken – Potenziale!&#8220; strategische Akzente, Rheinland-Pfalz feiert 30 Jahre Tradition mit 69 Projekten und verstärktem Umbaufokus, während das Saarland auf intensive Betreuung und strenge Qualitätskriterien vertraut.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am letzten Juniwochenende 2025 verwandelt sich Deutschland wieder in eine große Ausstellungshalle für zeitgenössische Baukultur. Unter dem bundesweiten Motto „Vielfalt bauen&#8220; öffnen Hunderte von Architekturobjekten ihre Türen. Ein regionaler Vergleich zwischen Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland zeigt: Die drei Länder interpretieren die bundesweite Vorgabe höchst unterschiedlich und entwickeln eigene Strategien für die Baukulturvermittlung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Baden-Württemberg: Strategischer Fokus auf Transformation</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenkammer Baden-Württemberg (AKBW) geht mit dem prägnanten Landesmotto „Leerstand – Lücken – Potenziale!&#8220; strategisch vor. Die Touren stehen dieses Jahr unter dem Motto „Leerstand – Lücken – Potenziale!&#8220; Diese programmatische Zuspitzung verdeutlicht den Wandel in der Bauaufgabe: Nicht mehr das Bauen auf der grünen Wiese steht im Mittelpunkt, sondern die intelligente Transformation vorhandener Strukturen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist der institutionelle Rahmen, den die AKBW für ihre Veranstaltung schafft. In einer Auftaktveranstaltung zum Tag der Architektur am 23. Juni berichten Vertreter von IBA&#8217;27, der Diözese Rottenburg-Stuttgart, des Industrieunternehmens Bosch sowie der Kommune Lauchringen am Hochrhein über Best-Practice-Beispiele. Diese Kooperation zwischen Internationale Bauausstellung, Kirche, Industrie und Kommune zeigt die Vernetzungsqualität der baden-württembergischen Architektenschaft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die regionalen Kammergruppen entwickeln differenzierte Vermittlungsformate: Die Kammergruppen bieten ein buntes Programm an: ob zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Bus, gemeinsam geht es durch die baden-württembergischen Stadt- und Landkreise. Seit 2003 dokumentiert die AKBW systematisch ihre Aktivitäten, was auf eine langfristige Strategieentwicklung hindeutet.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Rheinland-Pfalz: Dreißig Jahre Tradition mit Innovationskraft</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als einer der vier Pioniere von 1995 blickt Rheinland-Pfalz auf eine besonders lange Tradition zurück. 30 Jahre Tag der Architektur in Rheinland-Pfalz: Zu viert ging es 1995 mit Hessen, Thüringen und dem Saarland an den Start. Diese Erfahrung zeigt sich in der strategischen Ausrichtung: Von ursprünglich vier Ländern entwickelte sich eine bundesweite Bewegung, die heute alle Länderarchitektenkammern umfasst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenkammer Rheinland-Pfalz (AKRP) präsentiert 2025 ein umfangreiches Programm mit 69 Objekten und zeigt dabei klare inhaltliche Schwerpunkte. Mehr als die Hälfte der Bauobjekte sind Modernisierungen, Nutzungsänderungen oder eben Umbauten. Leerstände und Plätze wurden mit Leben gefüllt, Schulen, Weingüter und Wohnhäuser erweitert oder modernisiert, Denkmale revitalisiert und in ehemaligen Scheunen wird jetzt gewohnt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders bemerkenswert ist die gesellschaftspolitische Dimension, die Joachim Rind, Präsident der AKRP, formuliert: „Erfreulich, dass fünf beispielhafte Kitas im Programm sind&#8220;, hebt Rind hervor. Kindertagesbetreuung in qualitätsvollen Räumen sei ein wichtiger Bestandteil der sozialen Infrastruktur und Voraussetzung für Chancengleichheit. Die Verbindung zwischen Architekturqualität und sozialer Gerechtigkeit verdeutlicht den Anspruch, Baukultur als gesellschaftlichen Auftrag zu verstehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kooperation mit dem Women in Architecture Festival unterstreicht die Innovationsbereitschaft: Der „Tag der Architektur&#8220; steht 2025 auch unter dem Motto „Vielfalt bauen&#8220;, weil er vom „WIA Women in ArchitectureFestival&#8220; zur Sichtbarmachung von Frauen in Architektur, Stadtplanung, Innen-und Landschaftsachitektur, flankiert wird.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Saarland: Intensive Betreuung und strenge Kriterien</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das kleinste der drei Länder entwickelt einen besonders intensiven Ansatz der Qualitätssicherung. Die teilnehmenden Objekte werden dann anhand der eingereichten Unterlagen von einer Auswahlkommission ausgewählt, die sich durch eine bemerkenswerte Zusammensetzung auszeichnet: Die Auswahlkommission setzt sich aus einem Sitzungsleiter bzw. einer Sitzungsleiterin, jeweils einem Vertreter der kleinen Fachrichtungen (Stadtplanung, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur), den Kreisvertrauensarchitekten sowie zwei Medienvertretern zusammen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bewertungskriterien sind präzise definiert und umfassen sechs Aspekte: Gestaltung/ Entwurfsqualität/ Ästhetik; Städtebauliche Einbindung; Ökonomie; Ökologie/ Nachhaltigkeit; Prozessqualität und soziokultureller Hintergrund. Diese Systematik geht über reine Gestaltungsqualität hinaus und berücksichtigt gesellschaftliche und wirtschaftliche Dimensionen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders bemerkenswert ist die persönliche Betreuung: Einmalig ist zudem: Am „Tag der Architektur&#8220; sind Architekten und/oder Bauherren vor Ort und geben detaillierte Einblicke in die Entstehung und Umsetzung der Projekte. Diese Garantie der persönlichen Anwesenheit von Planern und Bauherren unterscheidet das saarländische Konzept von anderen Ländern, wo dies nicht immer gewährleistet ist.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Unterschiede als Stärke der Baukulturvermittlung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die drei Länder entwickeln unterschiedliche Strategien für dasselbe Ziel: die Vermittlung zeitgenössischer Baukultur an eine breite Öffentlichkeit. Baden-Württemberg nutzt thematische Zuspitzung und institutionelle Vernetzung, Rheinland-Pfalz setzt auf bewährte Quantität mit gesellschaftspolitischen Akzenten, das Saarland auf intensive Qualitätssicherung und persönliche Betreuung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Vielfalt der Ansätze spiegelt die föderale Struktur des deutschen Planungswesens wider. Während die Länderbauordnungen rechtliche Unterschiede schaffen, entwickeln die Architektenkammern eigenständige Strategien der Baukulturvermittlung. Die regionalen Besonderheiten – von der baden-württembergischen Innovationskraft über die rheinland-pfälzische Tradition bis zur saarländischen Intensität – werden zu Stärken, die andere Regionen inspirieren können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Erfolg liegt nicht in der Uniformität, sondern in der regionalen Differenzierung. Jedes Land entwickelt Formate, die zu seiner Architekturlandschaft, seinen institutionellen Strukturen und seiner Planungskultur passen. Diese Vielfalt macht den Tag der Architektur zu einem lebendigen Abbild der deutschen Baukulturlandschaft – föderal organisiert, regional verwurzelt und überregional vernetzt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier finden Sie die Programme zum &#8222;Tag der Architektur&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><a href="https://www.akbw.de/baukultur/tag-der-architektur" target="_blank" rel="noopener">Baden-Württemberg</a></p>
<p><a href="https://aksaarland.de/bauherren/tag-der-architektur/" target="_blank" rel="noopener">Saarland</a></p>
<p><a href="https://www.diearchitekten.org/main-menue/tag-der-architektur/" target="_blank" rel="noopener">Rheinland-Pfalz</a></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Discounter als Bauherr: Wie Aldi die deutsche Wohnungskrise lösen will</title>
		<link>https://baukunst.art/discounter-als-bauherr-wie-aldi-die-deutsche-wohnungskrise-loesen-will/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Jun 2025 07:48:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Mixed-Use-Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Nachverdichtung]]></category>
		<category><![CDATA[Studentenwohnungen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12661</guid>

					<description><![CDATA[Aldi Süd baut über Filialen 550 Wohnungen bis 2025. Baden-Württemberg wird zum Experimentierfeld für Mixed-Use-Konzepte zwischen Einzelhandel und studentischem Wohnen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Discount trifft Dachgeschoss: Wie Aldi Süd Baden-Württembergs Wohnungsnot bekämpft</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Mixed-Use-Konzepte zwischen Kassenbon und Campusleben verändern regionale Planungskultur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In der Universitätsstadt Tübingen nimmt seit Anfang 2025 ein architektonisches Experiment seine finale Form an: Über einer neu errichteten Aldi Süd-Filiale entstehen 28 weitere Appartements für Studierende, nachdem das Unternehmen bereits 2016 am selben Standort 40 Wohnungen für Studentinnen und Studenten realisiert hatte. Was zunächst wie eine pragmatische Lösung für akute Raumprobleme aussieht, entwickelt sich zu einem regionalen Modell mit weitreichenden Konsequenzen für die Planungskultur im Südwesten.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Baden-Württemberg als Experimentierfeld der Nachverdichtung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baden-Württemberg verzeichnet mit 46.660 fehlenden Wohnheimplätzen eine dramatische Unterversorgung im studentischen Wohnsegment. Besonders in den Universitätsstädten zwischen Bodensee und Neckar verschärft sich die Situation kontinuierlich. Aldi Süd nutzt diese regionale Problemlage geschickt für eine bundesweite Expansion seines Mixed-Use-Konzepts: Allein in Baden-Württemberg plant das Unternehmen 450 neue Wohneinheiten über seinen Filialen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die regionalen Rahmenbedingungen erweisen sich dabei als vorteilhaft. Die Landesbauordnung wurde 2025 erneut reformiert und erleichtert das Aufstocken von Bestandsgebäuden erheblich. Seit 2019 lösen Dachaufstockungen keine zusätzlichen Stellplatzanforderungen aus, seit 2023 entfällt auch die Aufzugverpflichtung. Diese schrittweise Deregulierung schafft ideale Voraussetzungen für Aldis Wohnbaustrategie.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Tübingen: Prototyp für intelligente Innenverdichtung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Tübinger Modell zeigt exemplarisch, wie sich regionale Besonderheiten und unternehmerische Interessen erfolgreich verknüpfen lassen. Die neue Filiale in der Wohlboldstraße kombiniert barrierefreie Verkaufsflächen im Erdgeschoss mit 28 Appartements in den Obergeschossen sowie Gemeinschaftsgärten und einer 150-kWp-Photovoltaikanlage auf dem Dach.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Andreas Grupp, Real Estate Director bei Aldi Süd, betont die regionale Anpassungsfähigkeit: &#8222;Wir können hier den städtischen Wunsch nach einer Innenverdichtung sehr gut erfüllen. Ohne zusätzliche Flächenversiegelung entschärfen wir mit dem Neubau die lokale Konkurrenz-Situation um Wohnraum.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wärmepumpentechnik und das Huckepack-Verfahren der Wohnungsintegration demonstrieren, wie sich energetische Standards des Landes mit ökonomischen Zwängen des Einzelhandels verbinden lassen. Bemerkenswert ist die zentrale Lage: Studierende wohnen direkt über ihrer Nahversorgung – ein Konzept, das in baden-württembergischen Universitätsstädten mit historisch gewachsenen, dichten Innenstädten besonders gut funktioniert.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Rheinland-Pfalz folgt dem baden-württembergischen Vorbild</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Übertragbarkeit des Modells zeigt sich bereits in der benachbarten Pfalz. In Landau entstehen über einer neuen Aldi Süd-Filiale in der Annweilerstraße 126 Appartements mit 199 Wohnplätzen – ein Projekt, das in enger Kooperation mit dem Studierendenwerk Vorderpfalz entwickelt wurde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Andreas Schülke, Geschäftsführer des Studierendenwerks, sieht in der Aufstockung eine &#8222;Win-Win-Situation&#8220;: &#8222;In Hochschulstädten mit einem angespannten Wohnungsmarkt für Studierende und in Städten ohne geeignete Bauplätze ist die Aufstockung von Aldi Süd eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.&#8220;</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Mannheim: Der nächste regionale Baustein</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ambitionierteste Projekt startet 2026 in Mannheim am Campus der Dualen Hochschule Baden-Württemberg: Über 150 Wohneinheiten für etwa 200 Studierende entstehen über einer neuen Filiale in nachhaltiger Holzbauweise. Die Fertigstellung ist für Frühjahr 2027 geplant.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Thorsten Koch von Aldi Süd erläutert den regionalen Ansatz: &#8222;Bei der Weiterentwicklung unserer Standorte greifen wir lokale Anforderungen und Rahmenbedingungen auf.&#8220; Dieser standortspezifische Ansatz zeigt sich in der Wahl der Holzbauweise – eine Reaktion auf die Nachhaltigkeitsanforderungen der Region und die Nähe zu innovativen Forschungseinrichtungen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Planungsrechtliche Herausforderungen und Chancen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die regionalen Unterschiede in den Bauordnungen erweisen sich als entscheidender Faktor für den Projekterfolg. Während Baden-Württemberg mit seiner reformierten LBO optimale Rahmenbedingungen schafft, müssen andere Bundesländer noch nachziehen. Die Einführung der Genehmigungsfiktion für das vereinfachte Baugenehmigungsverfahren beschleunigt Projekte erheblich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jan Riemann, Group Director Real Estate bei Aldi Süd, bestätigt die Bedeutung regionaler Partnerschaften: &#8222;Wir arbeiten eng mit Städten und Kommunen zusammen, um gemeinsam Hürden abzubauen und nachhaltige Wohnlösungen zu entwickeln.&#8220;</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Wertschöpfung trifft globale Strategie</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bis Ende 2025 will Aldi Süd bundesweit 550 Wohnungen über Filialen fertigstellen, mittelfristig sollen über 2.000 weitere Wohneinheiten folgen. Die regionale Verteilung zeigt klare Schwerpunkte: 750 Wohnungen in Hessen, 600 in Nordrhein-Westfalen, 450 in Baden-Württemberg, 200 in Bayern und 50 in Rheinland-Pfalz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Zahlen verdeutlichen, wie sich regionale Bedarfe und überregionale Unternehmensstrategien verschränken. Baden-Württemberg profitiert dabei doppelt: von der Lösung akuter Wohnungsprobleme und von seiner Rolle als Vorreiter für innovative Planungsansätze.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Vom regionalen Experiment zur überregionalen Norm</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das baden-württembergische Modell der Supermarkt-Wohnung-Kombination könnte Schule machen. Die erfolgreiche Verknüpfung von Einzelhandel und Wohnen zeigt, wie sich auch ohne zusätzliche Flächenversiegelung dringend benötigter Wohnraum schaffen lässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Entscheidend wird sein, ob andere Bundesländer ähnlich mutige Reformen ihrer Bauordnungen wagen wie Baden-Württemberg. Die regionalen Unterschiede in Genehmigungsverfahren und Standards bestimmen letztlich über Erfolg oder Scheitern solcher Konzepte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Studentinnen und Studenten in Tübingen, Landau und bald auch Mannheim jedenfalls dürften die kurzen Wege zwischen Vorlesung, Wohnung und Einkauf zu schätzen wissen – auch wenn sie dabei über einem Discounter schlafen.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die schwäbische Planungsrevolution</title>
		<link>https://baukunst.art/die-schwaebische-planungsrevolution/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 25 May 2025 09:19:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Gestaltungsbeiräte]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbau]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12450</guid>

					<description><![CDATA[Baden-Württemberg verdichtet exemplarisch die aktuellen Planungsherausforderungen: Zwischen Klimazielen, Wohnraummangel und Qualitätsanspruch entstehen neue Konflikte.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Zwischen Klimazielen und Kostendruck</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Südwesten navigiert durch die Spannungsfelder der Planungsrealität</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baden-Württemberg gleicht derzeit einem Seismographen für die deutschen Planungsherausforderungen. Was sich zwischen Schwarzwald und Bodensee abspielt, verdichtet exemplarisch die Konflikte, mit denen Architektinnen und Stadtplaner bundesweit konfrontiert sind. Drei zentrale Spannungsfelder prägen die aktuelle Debatte.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Klimaschutz als Planungsaufgabe – und politischer Zankapfel</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Klimasachverständigenrat des Landes hat eine ungemütliche Prognose vorgelegt: Baden-Württemberg wird seine Klimaziele bis 2030 um 6,07 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente verfehlen – eine Abweichung von 17 Prozent. Diese Zahl spaltet nicht nur die politischen Lager, sondern wirft grundsätzliche Fragen zur Planungspraxis auf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während die Grünen ein Klimaschutzsofortprogramm fordern, äußert sich die CDU skeptisch gegenüber der Dramatik der Einschätzung. Für praktizierende Architektinnen und Planer bedeutet diese Unsicherheit eine doppelte Herausforderung: Einerseits müssen sie Gebäude entwickeln, die den verschärften Klimaanforderungen genügen. Andererseits bleiben die politischen Rahmenbedingungen volatil.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders deutlich wird dies beim Ausbau erneuerbarer Energien. Landtagsanträge zu &#8222;Versuchen zur Umgehung der Teilregionalpläne Windenergie&#8220; und zur umstrittenen &#8222;Gemeindeöffnungsklausel&#8220; verdeutlichen das Dilemma: Übergeordnete Klimaziele kollidieren mit lokalen Widerständen und planungsrechtlichen Detailfragen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die parallel geführte Debatte um Carbon Capture and Storage (CCS) verschärft das Grundsatzproblem: Soll die Baubranche auf energieintensive Abscheidungsverfahren setzen oder konsequent auf Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft? Diese Weichenstellung beeinflusst Materialwahl, Konstruktionsprinzipien und Lebenszyklusbetrachtungen nachhaltig.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wohnraummangel trifft Qualitätsanspruch</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Südwesten erlebt eine dramatische Verknappung bezahlbaren Wohnraums. Selbst in ländlichen Regionen am Bodensee erreichen die Leerstandsquoten mittlerweile Hamburger Niveau. Diese Situation befeuert intensive politische Debatten über die wirksamsten Förderinstrumente.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während die FDP/DVP-Fraktion &#8222;Steuervorteile statt Mietpreisbremse&#8220; propagiert, diskutiert das Land gleichzeitig über Vereinfachungen im Antragsverfahren der Wohnraumförderung und die Mittelausstattung des Programms &#8222;Junges Wohnen&#8220;. Für Planende entsteht daraus ein komplexes Geflecht aus Förderlogiken, das projektspezifisch zu durchdringen ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisch brisant wird die Frage nach der baukulturellen Qualität unter Kostendruck. Das bundesweite Ziel von 400.000 neuen Wohnungen jährlich kollidiert mit dem traditionell hohen Gestaltungsanspruch baden-württembergischer Planungskultur. Fachkräftemangel und Materialengpässe verschärfen diesen Zielkonflikt zusätzlich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein strukturelles Problem zeigt sich im &#8222;Donut-Effekt&#8220;: Während Ortskerne veröden, wuchern Wohn- und Gewerbebauten ins Umland. Interkommunale Konkurrenz verstärkt diese Entwicklung. Projekte der Innenentwicklung stoßen regelmäßig auf Widerstand – eine typische Konfliktkonstellation zwischen Verdichtungsnotwendigkeit und lokaler Akzeptanz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die ungleiche Verfügung über Grund und Boden erweist sich dabei als strukturelle Konfliktursache. Während manche Kommunen über ausreichende Entwicklungsflächen verfügen, kämpfen andere mit extremer Flächenknappheit. Diese Asymmetrie prägt regionale Planungsstrategien nachhaltig.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gestaltungsbeiräte zwischen Qualitätssicherung und Planungshemmnis</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baden-Württemberg verfügt über ein außergewöhnlich dichtes Netz von Gestaltungsbeiräten – deutlich mehr als andere Bundesländer. Diese sollen Architektur und Stadtgestalt verbessern, doch ihre Empfehlungen führen durchaus zu kontroversen Diskussionen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die fehlende einheitliche Formalisierung der Beiräte spiegelt unterschiedliche lokale Akzeptanz wider. Während manche Kommunen auf deren beratende Kompetenz schwören, sehen andere sie als Planungshemmnis. Diese Flexibilität ist Stärke und Schwäche zugleich: Sie ermöglicht regional angepasste Lösungen, erschwert aber überregionale Vergleichbarkeit und Rechtssicherheit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders unter Zeitdruck geraten die Beiräte in ein Dilemma: Sollen sie Qualitätsstandards auch dann hochhalten, wenn dies Planungsverfahren verzögert? Diese Abwägung zwischen architektonischer Güte und Verfahrenseffizienz prägt zunehmend ihre Arbeit.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ressourcenwende als systemische Herausforderung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kritik an bisherigen Ressourcenschutzmaßnahmen ist deutlich: Kreislaufwirtschaftsgesetz und Effizienzprogramme haben den Ressourcenverbrauch nicht gesenkt. Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie steht vor der Bewährungsprobe zwischen Freiwilligkeit und Verbindlichkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Konkrete Maßnahmen wie eine bundesweit verpflichtende Bioabfalltonne oder Restmüllnachsortierung zeigen, wie kontrovers über den Grad staatlicher Regulierung diskutiert wird. Für die Baubranche bedeutet dies: Der Umgang mit Baumaterialien und Bauschutt wird zunehmend zum planungsrelevanten Faktor.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Baumaterialien gewinnen dadurch neue Bedeutung. Die traditionelle Vielfalt baden-württembergischer Bautraditionen – von Schwarzwälder Holzbau bis zu Kalkstein aus der Schwäbischen Alb – könnte sich als Vorteil erweisen, wenn Transportwege minimiert werden müssen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Navigation durch ungewisse Gewässer</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Südwesten steht exemplarisch für eine Transformation der Planungskultur: Bewährte Qualitätsmaßstäbe müssen unter veränderten Rahmenbedingungen neu justiert werden. Klimaschutz, Wohnraummangel und Ressourcenknappheit fordern eine Planungspraxis, die verschiedene Ziele intelligent miteinander verknüpft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei zeigt sich: Regionale Planungskultur ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Die ausgeprägten Gestaltungsbeiräte, die differenzierten Förderlandschaften und die Vielfalt lokaler Bautraditionen bilden ein Fundament, auf dem innovative Lösungen entstehen können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Entscheidend wird sein, ob es gelingt, diese regionalen Stärken mit den übergeordneten Transformationsanforderungen zu verbinden. Der Südwesten hat beste Voraussetzungen dafür – wenn die politischen und planerischen Akteure ihre Grabenkämpfe überwinden und gemeinsam an zukunftsfähigen Lösungen arbeiten.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Baden-Württembergs Architekten zeigen, wie Nachhaltigkeit funktioniert</title>
		<link>https://baukunst.art/baden-wuerttembergs-architekten-zeigen-wie-nachhaltigkeit-funktioniert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 25 May 2025 09:04:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Archikon 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Baden Württemberg]]></category>
		<category><![CDATA[Ressourcenwende]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12448</guid>

					<description><![CDATA[Das Archikon 2025 macht Stuttgart zum Zentrum der Ressourcenwende im Bauwesen und beweist Baden-Württembergs Vorreiterrolle bei nachhaltiger Architektur.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Ressourcenwende vor der Haustür</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn der Südwesten Maßstäbe setzt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 8. April 2025 verwandelte sich das Internationale Congresszentrum Stuttgart zum Epizentrum der deutschen Architekturszene. Mit über 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern verzeichnete der ARCHIKON einen Besucherrekord – ein Beleg dafür, dass Baden-Württemberg seine Position als Innovationstreiber im nachhaltigen Bauen konsequent ausbaut.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Themenschwerpunkt „RESSOURCENWENDE: Mit neuen Strategien planen!&#8220; traf den Nerv der Zeit. Während andere Bundesländer noch über Klimaneutralität diskutieren, präsentiert der Südwesten bereits konkrete Lösungsansätze. Die Architektenkammer Baden-Württemberg (AKBW) nutzte ihren alle zwei Jahre stattfindenden Landeskongress geschickt als Plattform, um regionale Expertise überregional zu positionieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Stuttgarter Know-how mit bundesweiter Ausstrahlung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Prof. Stephan Birk vom Stuttgarter Büro Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten demonstrierte exemplarisch, wie Baden-Württembergs Planungskultur funktioniert: Seine Forschung zur Werkhalle Diemerstein der RPTU Kaiserslautern zeigt ein Tragwerk aus Baubuche und neuartigen Ringknoten, das dank Verschraubungen komplett rückbaubar ist. Hier manifestiert sich der für die Region typische Pragmatismus – Nachhaltigkeit nicht als ideologisches Programm, sondern als handwerklich-technische Herausforderung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Prof. Dr. Jörn Birkmann von der Universität Stuttgart verkörpert die zweite Säule regionaler Stärke: die enge Verzahnung zwischen Wissenschaft und Praxis. Baden-Württembergs Hochschullandschaft – von Stuttgart über Karlsruhe bis zu den Fachhochschulen in Konstanz und Nürtingen-Geislingen – hat sich längst als Motor für innovative Planungsansätze etabliert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Besonderheiten als Innovationstreiber</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landesbauordnung Baden-Württemberg ermöglicht experimentelle Ansätze, die andernorts an bürokratischen Hürden scheitern würden. Prof. Dirk Hebel vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) nutzte diese Spielräume konsequent für seine Forschung zu kreislauffähigen Baumaterialien. Das KIT als eine der führenden Technischen Universitäten Deutschlands profitiert dabei von der regionalen Clusterbildung zwischen Forschung, mittelständischer Wirtschaft und innovativen Planungsbüros.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dieter Grau vom Architekturbüro Henning Larsen mit Standort in Überlingen zeigt, wie internationale Kompetenz und regionale Verankerung sich gegenseitig befruchten. Am Bodensee, der Schnittstelle zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz, entstehen Planungsansätze, die von grenzüberschreitender Zusammenarbeit profitieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Keynote mit regionaler Erdung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Prof. Dr. Sandra Venghaus von der RWTH Aachen formulierte als Keynote-Speakerin das Motto: „Die Ressourcenwende im Bauwesen gelingt, wenn Akteure kreativ integrierte Visionen verfolgen. Wir müssen Nachhaltigkeit global und als Ganzes denken, aber umgesetzt wird sie lokal.&#8220; Diese Maxime spiegelt die baden-württembergische Planungsphilosophie wider: Weltoffenheit gepaart mit regionaler Verwurzelung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Über 60 Expertinnen und Experten aus Planung, Wirtschaft und Politik verdeutlichten in drei Dialogrunden die Bandbreite regionaler Kompetenz. Von Flächenkreislaufwirtschaft über Biodiversität bis zu Suffizienz, Naturbaustoffen und Materialkreisläufen – der Südwesten präsentierte sich als Vollsortimenter nachhaltiger Planungsansätze.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Landesspezifische Förderlandschaft als Katalysator</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baden-Württembergs differenzierte Förderkultur unterscheidet sich deutlich von anderen Bundesländern. Die Orientierung am Leitfaden Green Event BW für klimaneutrale Veranstaltungen verdeutlicht, wie systematisch das Land nachhaltige Standards durchsetzt. Während Bayern auf Tradition und Nordrhein-Westfalen auf Industriekultur setzen, positioniert sich Baden-Württemberg als Labor für zukunftsfähige Planungsstrategien.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Teilnahmegebühren von 365 Euro, ermäßigt 165 Euro, sowie Gruppenrabatte mit jedem vierten Ticket kostenfrei spiegeln die mittelständische Prägung des Landes wider. Hier dominieren nicht Konzernstrukturen, sondern inhabergeführte Planungsbüros, die auf kontinuierliche Weiterbildung angewiesen sind.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Praxistransfer als regionale DNA</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zwei Seminarblöcke zu Biodiversität in der Stadt, neuen und alten Baumaterialien sowie seriellem Bauen verdeutlichten den regionalen Ansatz: Theorie und Praxis verschmelzen nahtlos. Die neue EU-Taxonomie und Nachhaltigkeitsaspekte bei Wettbewerb und Vergabe wurden nicht als bürokratische Last, sondern als Marktchance diskutiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Florian Nagler, bekannt für seine reduzierten Wohnhäuser, und Anja Rosen mit ihrem Urban-Mining-Konzept für das Korbacher Rathaus zeigten exemplarisch, wie sich baden-württembergische Planungskultur auszeichnet: durch die Verbindung von technischer Innovation und sozialer Verantwortung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Stärken ohne Selbstbeweihräucherung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das straffe Programm von 10:00 bis 18:30 Uhr mit drei Plenumsrunden (IMPULS, DIALOG, FAZIT) und zwei Seminarblöcken spiegelt schwäbische Effizienz wider. Keine endlosen Grundsatzdiskussionen, sondern praxisorientierte Lösungsansätze standen im Mittelpunkt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die regionale Clusterbildung zwischen Universität Stuttgart, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen und dem KIT Karlsruhe schafft Synergien, die andere Bundesländer mühsam imitieren. Prof. Dr. Nicole Pfoser von der HfWU Nürtingen-Geislingen verkörpert diese Vernetzung zwischen angewandter Forschung und regionaler Wirtschaft.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Transferpotenzial für andere Regionen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baden-Württembergs Erfolgsmodell liegt nicht in spektakulären Einzelprojekten, sondern in der systematischen Vernetzung regionaler Akteure. Die AKBW fungiert dabei als Moderatorin zwischen unterschiedlichen Interessen – ein Modell, das andere Länderkammern durchaus übernehmen könnten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit 1.400 Teilnehmenden einen Besucherrekord zu erzielen, gelingt nur durch kontinuierliche Qualitätsarbeit. Der alle zwei Jahre stattfindende Rhythmus ermöglicht es, aktuelle Entwicklungen aufzugreifen, ohne in Aktionismus zu verfallen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Vom Modell zur Bewegung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Archikon 2025 bewies, dass regionale Verankerung und überregionale Ausstrahlung sich nicht widersprechen müssen. Baden-Württembergs Planungskultur – pragmatisch, innovativ und vernetzt – könnte zum Vorbild für andere Regionen werden. Die nächste Auflage 2027 wird zeigen, ob es gelingt, die in Stuttgart entwickelten Visionen in messbare Erfolge umzumünzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ressourcenwende beginnt vor der eigenen Haustür – Baden-Württemberg hat vorgemacht, wie es geht.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ein neuer Name, ein neues Leben – Wie Dibag das Signa-Erbe in Stuttgart weiterbaut</title>
		<link>https://baukunst.art/ein-neuer-name-ein-neues-leben-wie-dibag-das-signa-erbe-in-stuttgart-weiterbaut/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Apr 2025 13:49:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Dibag]]></category>
		<category><![CDATA[Signa]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12102</guid>

					<description><![CDATA[In Stuttgart entsteht Neues auf altem Fundament: Dibag belebt ein gestrandetes Signa-Projekt – aus „Zwei Hoch Fünf“ wird „Patio“. Architektur mit Perspektive.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der Immobilien-Phönix von Stuttgart</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn große Projekte ins Wanken geraten, bleiben oft nicht nur Schulden, sondern auch städtebauliche Lücken zurück. Das Signa-Projekt in der Stuttgarter Innenstadt drohte genau ein solcher Fall zu werden – prominent gelegen, genehmigt, begonnen und durch die Insolvenz von René Benkos Imperium jäh gestoppt. Doch nun bringt das Düsseldorfer Unternehmen Dibag neuen Schwung in die Baustelle – mit klarem architektonischem Fokus und neuer Identität.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Vom Stillstand zur Renaissance</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit dem Jahreswechsel kam die Wende: Dibag, bekannt für Industriebauten, übernimmt die brachliegende Entwicklung und setzt auf Kontinuität mit Substanz. Der Entwurf des Münchner Büros Steidle Architektur bleibt bestehen – und das zu Recht. Der Baukörper mit rund 7000 Quadratmetern Mietfläche ist klar gegliedert, funktional geplant und architektonisch prägnant. 4800 Quadratmeter Büroflächen vom ersten bis zum fünften Obergeschoss ergänzen sich mit rund 2300 Quadratmetern für Einzelhandel – darunter 1500 Quadratmeter für Edeka, das bereits fest zugesagt hat.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Aus „Zwei Hoch Fünf“ wird „Patio“</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit dem Wechsel des Investors kommt auch ein neuer Name: „Patio“. Was zunächst wie ein simpler Marketing-Schachzug klingt, hat architektonisch Substanz. Die namensgebenden Lichthöfe – kaskadenartig angelegt – durchfluten das Gebäude mit natürlichem Licht. Großzügige Glasfronten, kombiniert mit begrünten Dachterrassen, geben dem Baukörper Leichtigkeit. Statt eines hermetisch abgeschlossenen Blocks entsteht ein offenes, urbanes Ensemble – eine kleine, vertikale Stadtlandschaft inmitten der Innenstadt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Stadt atmet auf</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Oberbürgermeister Frank Nopper zeigte sich spürbar erleichtert über die Fortsetzung: „Man habe alles dafür getan, dass in dieser prominenten Lage nicht dauerhaft eine Baulücke bleibt.“ Was zwischen Schlossplatz und Hauptbahnhof klafft, ist eben nicht nur ein Loch im Stadtbild, sondern auch ein Imageschaden für kommunale Entwicklungspolitik. Dass hier nun mit Perspektive weitergebaut wird, ist auch ein Signal an andere Städte mit „geerbten“ Problemprojekten.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Architektur als Verantwortung</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass Dibag an den bestehenden Plänen festhält, spricht für architektonische Qualität – und für Respekt gegenüber einem Projekt, das aus planerischer Sicht nie gescheitert ist. Die Entscheidung gegen einen kompletten Neustart spart nicht nur Ressourcen, sondern zeigt ein Verständnis für Nachhaltigkeit, das über die energetische Optimierung hinausgeht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Integration großflächiger Begrünung und die Betonung von Tageslichtnutzung belegen den Anspruch, zukunftsorientierte Architektur zu realisieren – auch in ökonomisch schwierigen Zeiten. Es geht nicht nur darum, ein Gebäude fertigzustellen. Es geht darum, ein Versprechen einzulösen, das andere nicht halten konnten.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ausblick</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„Patio“ steht exemplarisch für die Möglichkeit, aus dem Schatten gescheiterter Großprojekte Neues entstehen zu lassen – ohne Zynismus, aber mit Weitblick. Der Übergang von Signa zu Dibag ist mehr als ein Eigentümerwechsel. Es ist ein Beweis dafür, dass Architekturentwicklung nicht am Insolvenzgericht endet. Und dass kluge Investoren nicht nur Bauten, sondern auch Vertrauen wiederaufbauen können.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Versteckt im Hügel – Dieses Museum lässt Kelten lebendig werden!</title>
		<link>https://baukunst.art/versteckt-im-huegel-dieses-museum-laesst-kelten-lebendig-werden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Apr 2025 16:45:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Keltenarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[SchwäbischeAlb]]></category>
		<category><![CDATA[Sichtbeton]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12096</guid>

					<description><![CDATA[Ein Besucherzentrum als Hommage an die Kelten: Ott Architekten schaffen mit dem Heidengrabenzentrum in Erkenbrechtsweiler einen sensiblen Dialog zwischen Landschaft, Geschichte und Baukunst.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Architektur, die sich verneigt – Das Heidengrabenzentrum von Ott Architekten</strong></h2>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zwischen Erde und Erinnerung</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wo heute stille Hochebenen und Wacholderheiden das Bild prägen, lebten einst rund 20.000 Menschen: das Oppidum Heidengraben auf der Schwäbischen Alb war eine der größten keltischen Siedlungen Mitteleuropas. Rund 40 Kilometer südlich von Stuttgart gelegen, ist von der ehemaligen Blütezeit heute kaum mehr als ein mythenträchtiger Ort geblieben – mit einigen Grabhügeln und den Resten einer Wallanlage. Doch mit dem neuen Heidengrabenzentrum der Ott Architekten in Erkenbrechtsweiler hat diese Geschichte nun ein architektonisches Echo erhalten, das sich ebenso respektvoll wie prägnant in die Landschaft einschreibt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Archäologie als Bauidee</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Statt auf plakative Monumentalität setzen Ott Architekten auf Zurückhaltung. Der flache Baukörper gräbt sich buchstäblich in die Erde – nur die Nordseite tritt sichtbar aus dem Terrain hervor. Von Süden aus betrachtet erscheint das Besucherzentrum wie ein natürlicher Hügel. Diese subtile Geste hat Tiefe: Der Entwurf folgt dem Topos des Eingrabens, des Verborgenen – als würde man selbst ein Stück archäologischer Arbeit betreiben, wenn man das Gebäude betritt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Zugang erfolgt über eine polygonal gefaltete Sichtbetonwand, deren vertikale Struktur eine rau anmutende Oberfläche erzeugt. Die Assoziation zur Pfostenschlitzmauer, die einst das keltische Oppidum umgab, ist nicht zufällig. Hier wird Geschichte nicht zitiert, sondern tektonisch verhandelt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Konsequent klar im Inneren</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch im Inneren bleibt die Sprache des Materials beherrschend. Sichtbeton, schwarz gehaltene Decken und Leitungen, glatter Estrich – das ist nicht kühl, sondern konzentriert. Den warmen Kontrapunkt setzt das flächig eingesetzte Fichtenschälfurnier, das zugleich akustisch wie funktional überzeugt. Die regelmäßige Lochung erlaubt flexible Nutzungen und verweist auf eine moderne Interpretation traditioneller Handwerkskunst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Foyer mit integriertem Bistro, eine 360 Quadratmeter große Ausstellungsfläche und weitere Nebenräume sind klar gegliedert, jedoch nicht steril. Die Möblierung unterstreicht das Konzept: Holz dominiert, Zunderstahl-Akzente setzen markante Punkte, während schlichte Glühlampen eine fast meditative Atmosphäre schaffen. Es ist ein Raum, der nicht ablenkt, sondern fokussiert.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Geste der Einladung</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass das Gebäude nicht aufdringlich inszeniert, sondern sich wie ein begehbarer Hügel darbietet, ist weit mehr als ein formales Spiel. Es ist ein architektonischer Akt der Demut: gegenüber der Landschaft, der Geschichte und den Besucherinnen und Besuchern. Die Einladung, „in den Hügel einzutauchen“, ist wörtlich zu nehmen – hier beginnt die Zeitreise nicht mit Texttafeln, sondern mit dem Raum selbst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bau steht am Burrenhof, einst Ort eines frühkeltischen Kultplatzes. Dass sich hier nun wieder ein Ort des Austauschs, der Wissensvermittlung und der Kontemplation findet, ist ein leises, aber deutliches Statement. Der Ort wird nicht überformt, sondern geöffnet – sowohl physisch als auch geistig.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Architekturpreis mit Haltung</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Auszeichnung »Beispielhaftes Bauen« kommt nicht überraschend. Das Heidengrabenzentrum ist kein lautes Haus. Es ist ein gebauter Respektbeweis, ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Und es zeigt, dass sich gute Architektur nicht durch Lautstärke, sondern durch Haltung auszeichnet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In einer Zeit, in der Bauten oft um Aufmerksamkeit buhlen, setzt Ott Architekten mit ihrem Werk ein wohltuendes Gegengewicht. Architektur, die sich nicht in den Vordergrund drängt, sondern den Raum für Geschichte öffnet – das ist selten. Und umso wertvoller.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
