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	<title>Deutscher Pavillon-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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	<title>Deutscher Pavillon-Archiv - Baukunst</title>
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		<title>„Ruin&#8220;: Der Deutsche Pavillon als Echoraum deutscher Geschichte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 09:01:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inspiration]]></category>
		<category><![CDATA[Deutscher Pavillon]]></category>
		<category><![CDATA[Henrike Naumann]]></category>
		<category><![CDATA[Venedig-Biennale 2026]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit „Ruin" verwandeln Henrike Naumann und Sung Tieu den Deutschen Pavillon in einen Echoraum deutscher Geschichte. Eine letzte Arbeit, eine Plattenbaufassade und die Schatten eines Faschistenbaus.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/ruin-der-deutsche-pavillon-als-echoraum-deutscher-geschichte/">„Ruin&#8220;: Der Deutsche Pavillon als Echoraum deutscher Geschichte</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>baukunst.art</strong> | Inspiration | Biennale 2026 | Mai 2026<br />
Lesezeit: ca. 7 Minute</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Schichtungen statt Repräsentation: Der Deutsche Pavillon der 61. Biennale</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer im Mai 2026 die Giardini betritt und sich dem Deutschen Pavillon nähert, blickt nicht auf den vertrauten Travertin, nicht auf das schwere, neoklassizistische Eingangsportal. Sung Tieu hat den monumentalen Bau in eine Plattenbaufassade gehüllt: jenes graue Raster aus Beton, das im Berliner Bezirk Lichtenberg, in der Gehrenseestraße, gerade abgerissen wird. Was dort als Vertragsarbeiterheim der DDR errichtet wurde und später eines der größten Wohnheime für vietnamesische, mosambikanische und angolanische Migrantinnen und Migranten war, kehrt in Venedig als großformatiges Mosaik zurück. Eine Geste von präziser Härte.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Titel mit doppeltem Boden</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Pavillon trägt einen Titel, der seine Wirkung aus der Reibung zweier Sprachen bezieht. „Ruin&#8220; meint im Englischen das architektonische Fragment, den Überrest, das Pittoreske der Vergänglichkeit. Im Deutschen klingt anderes mit: ökonomischer Zusammenbruch, gesellschaftlicher Verfall, moralischer Bankrott. Die Typografie des Schriftzugs entstammt einem Graffito, das den letzten DDR-Pavillon der Biennale 1990 markierte. Ein schwarz-rot-goldenes „D.D.R.&#8220;, von Dan Solbach in das grafische Konzept übernommen als Echo jenes Moments, in dem ein Staat öffentlich zu existieren aufhörte. Die Doppeldeutigkeit ist programmatisch. Wo das Englische trauert, klagt das Deutsche an.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Henrike Naumanns letzte Arbeit</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Inneren empfängt die Besucherinnen und Besucher eine Welt aus Polstermöbeln, Gardinen und Wandfarben jener Übergangszeit, die im Westen kaum jemand sah und im Osten alle erlebten. Henrike Naumann hat Räume gebaut, die zwischen Wohnzimmer und Tatort changieren. Die Sofas sind echt, die Holzfurniere stimmen, die Farben treffen den richtigen Stich Ocker. Gerade darin liegt das Beunruhigende. Ihre Arbeit, sie nannte sie eine „archäologische Vorgeschichte der Gegenwart&#8220;, verbindet DDR-Alltag, Nachwendezeit und die sogenannten „Baseballschlägerjahre&#8220; zu einer Topografie rechter Gewalt. Möbel werden zu Zeugnissen, Vorhänge zu Stilfragen einer ungeklärten Vergangenheit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenige Wochen vor der Eröffnung ist Henrike Naumann gestorben. Sie hat ihren Beitrag noch fertigstellen können; ihr Studioteam setzt nun gemeinsam mit dem Pavillon-Team die Vision der Künstlerin um. Es ist eine seltsame Verschiebung: Eine Künstlerin, die in ihrem Werk so beharrlich Räume des Übergangs untersuchte, hinterlässt selbst einen unauflösbaren Übergang. Die Professur an der HFBK Hamburg, die sie ab Herbst 2026 übernehmen sollte, wird unbesetzt bleiben. Was bleibt, ist eine Installation, die ihre Stimme trägt, ohne sie zu beruhigen.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sung Tieus Fassade aus der Gehrenseestraße</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sung Tieu, die wie Naumann an der HFBK Hamburg als Vertretungsprofessorin tätig war, arbeitet mit jenem ostdeutschen Erbe, das selten erzählt wird. Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter lebten in den Plattenbauten der späten DDR hinter Türen, die sich nach 1990 oft schnell schlossen. Die Fassade aus der Gehrenseestraße verlegt Tieu nun an die zentrale Adresse europäischer Kunstaufmerksamkeit. Themen, die die Künstlerin in früheren Arbeiten mit Akten, Klangskulpturen und Architekturzitaten verhandelt hat, Migration, Überwachung, Verdrängung, treffen hier auf einen Bau, dessen eigene Geschichte alles andere als neutral ist. Die Plattenfassade wirkt von Weitem fast ornamental. Aus der Nähe wird sie zum dokumentarischen Befund.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schichten im Palimpsest</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Pavillon, errichtet 1909 nach Plänen von Daniele Donghi, erhielt 1938 unter Ernst Haiger seine bis heute prägende Gestalt. Die nationalsozialistische Überarbeitung verlieh ihm jene monumentale Strenge, jenes neoklassizistische Pathos, das nachfolgende Generationen von Künstlerinnen und Künstlern an diesem Ort entweder zu überwinden oder zu konfrontieren suchten. Hans Hollein verstellte 1978 die Fassade, Hans Haacke schlug 1993 den Boden auf, Anne Imhof bevölkerte 2017 die Innenräume mit verschobenen Körpern. „Ruin&#8220; stellt sich in diese Reihe, ohne mit ihr zu konkurrieren. Statt den Bau zu zerstören oder zu zitieren, überschreibt Sung Tieu ihn mit einer anderen Architektur deutscher Geschichte. Die DDR-Platte verdeckt das Faschistische, ohne es zu löschen. Eine Schichtung, kein Austausch. Die Innenräume Franz Rufs, der den Pavillon 1964 modernisierte, werden zur Bühne einer dritten Schicht: jener häuslichen Übergänge, die Naumann sammelt wie andere Käfer.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kathleen Reinhardts kuratorische Setzung</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kathleen Reinhardt, seit Dezember 2022 Direktorin des Georg Kolbe Museums in Berlin, hat mit dieser Werkkonstellation eine bewusste Engführung gewagt. Beide Künstlerinnen arbeiten mit dem materiellen Nachhall deutscher Transformationen. Beide misstrauen der heroischen Geste. Beide wissen, dass Erinnerung an Oberflächen klebt, an Tapeten, Plattenstößen, Polsterstoffen. Das ifa, Institut für Auslandsbeziehungen, das den deutschen Beitrag seit fünfzig Jahren als Kommissar verantwortet, hat mit dieser Auswahl einen Pavillon ermöglicht, der nicht repräsentiert, sondern verhandelt. Eine umfangreiche Publikation begleitet die Ausstellung; Stadtführungen zu Erinnerungsorten der venezianischen Geschichte ergänzen das Programm.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„Ruin&#8220; entsteht im Schatten zweier Tode: jenem der ursprünglichen Biennale-Kuratorin Koyo Kouoh, deren Konzept „In Minor Keys&#8220; die gesamte 61. Ausgabe posthum prägt, und jenem Henrike Naumanns. Beide Verluste hinterlassen Texturen, die sich nicht glätten lassen. Vom 9. Mai bis zum 22. November 2026 zeigt der Pavillon kein Land, das sich präsentiert, sondern ein Land, das seine eigenen Brüche freilegt: zwischen Ost und West, zwischen Erinnerung und Verdrängung, zwischen monumentaler Architektur und der prosaischen Beharrlichkeit einer abgerissenen Plattenbausiedlung. Der Pavillon, könnte man sagen, kommt endlich bei sich selbst an. Nicht als Bekenntnis, sondern als Schichtung. Nicht als Ruine, sondern als Ruin.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>LESERINFORMATION</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ausstellung: „Ruin&#8220; Künstlerinnen: Henrike Naumann, Sung Tieu Kuratorin: Kathleen Reinhardt (Direktorin Georg Kolbe Museum, Berlin) Kommissar: ifa, Institut für Auslandsbeziehungen Grafisches Konzept: Dan Solbach Ort: Deutscher Pavillon, Giardini della Biennale, Venedig Architektur: Daniele Donghi (1909), Umbau Ernst Haiger (1938), Modernisierung Franz Ruf (1964) Laufzeit: 9. Mai bis 22. November 2026 Rahmenprogramm: Publikation, Stadtführungen zu Erinnerungsorten Tickets und Anreise: über die Website der Biennale di Venezia Übergeordnetes Biennale-Thema: „In Minor Keys&#8220;, kuratiert von Koyo Kouoh (posthum)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Mehr als schöner Schein: Wie der Deutsche Pavillon in Venedig gesellschaftlichen Wandel abbildet</title>
		<link>https://baukunst.art/mehr-als-schoener-schein-wie-der-deutsche-pavillon-in-venedig-gesellschaftlichen-wandel-abbildet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Feb 2025 09:30:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[ZukunftArchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbiennale]]></category>
		<category><![CDATA[Deutscher Pavillon]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltige Architektur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Deutsche Pavillon in Venedig spiegelt seit Jahrzehnten architektonische Paradigmenwechsel und gesellschaftliche Debatten wider – von der Postmoderne bis zur Kreislaufwirtschaft.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Die Geschichte des Deutschen Pavillons auf der Biennale von Venedig – Mehr als eine Architekturausstellung, sondern auch Bühne für gesellschaftliche Debatten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Deutsche Pavillon auf der Architekturbiennale in Venedig ist weit mehr als ein bloßer Ausstellungsort für deutsche Baukunst. Er ist ein architektonisches <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zeitzeugnis</strong>, ein <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Reflexionsraum</strong> und ein <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Gradmesser</strong> für gesellschaftliche und architektonische Entwicklungen. Seit seiner Errichtung 1909 als bayerischer Pavillon und seiner umstrittenen Umgestaltung 1938 während der NS-Zeit hat sich der Pavillon zu einer bedeutenden <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Projektionsfläche</strong> für architektonische Diskurse entwickelt. Die Auseinandersetzung mit seiner belasteten Geschichte wurde dabei oft selbst zum Thema der Ausstellungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Geschichte des Deutschen Pavillons ist eng verknüpft mit der Geschichte der Architekturbiennale selbst, die erst 1980 als eigenständige Sektion der seit 1895 bestehenden Kunstbiennale etabliert wurde. Unter der Leitung von Paolo Portoghesi begann damals ein spannendes Kapitel der internationalen Architekturgeschichte, das bis heute fortgeschrieben wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Thematische Schwerpunkte im Wandel der Zeit</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die 1980er Jahre standen im Zeichen der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Postmoderne</strong> und der kritischen Auseinandersetzung mit dem Erbe der Moderne. Der Deutsche Pavillon spiegelte diese Debatten um Rekonstruktion und Dekonstruktion deutlich wider. Die 1990er Jahre waren geprägt von der deutschen Wiedervereinigung und der damit verbundenen <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Identitätssuche</strong> in der Architektur. Wie geht man mit dem baulichen Erbe von Ost und West um? Welche neuen Perspektiven ergeben sich für die Stadtentwicklung im wiedervereinigten Deutschland?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit der Jahrtausendwende rückten Themen wie <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Globalisierung</strong> und <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachhaltigkeit</strong> in den Fokus. Der Architekt Muck Petzet setzte 2012 mit seiner Ausstellung &#8222;Reduce, Reuse, Recycle. Ressource Architektur&#8220; einen wegweisenden Impuls für die Debatte über nachhaltiges Bauen und den Umgang mit bestehender Bausubstanz. Angesichts demografischer Veränderungen und ökologischer Herausforderungen plädierte er für einen ressourcenschonenden Umgang mit Architektur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Der Abriss eines Gebäudes verschlingt nicht nur Energie, sondern verursacht auch Bauschutt, der 23 % des deutschen Müllaufkommens ausmacht&#8220;, argumentierte Petzet damals und stellte 16 exemplarische Projekte vor, die den Bestand als wertvolle <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ressource</strong> behandelten. Die Ausstellungsarchitektur von Konstantin Grcic verzichtete bewusst auf spektakuläre Inszenierungen und setzte stattdessen auf hochwertige Fotografien von Erica Overmeer, die bestehende Gebäude in ihrer natürlichen Umgebung zeigten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Vom Neuschöpfer zum Fortentwickler</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die drei Leitbegriffe – Reduce, Reuse, Recycle – übertrugen die Abfallhierarchie auf die Architektur und forderten einen Paradigmenwechsel: Architekten sollten nicht länger primär als Neuschöpfer, sondern als <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fortentwickler</strong> agieren. Projekte wie die Sanierung des Ostflügels des Museums für Naturkunde Berlin durch Diener &amp; Diener Architekten oder die Umwandlung einer Industrieruine in der Berliner Brunnenstraße durch Brandlhuber + ERA demonstrierten, wie behutsame Eingriffe historische Strukturen für neue Nutzungen öffnen können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotz fachlicher Anerkennung gab es auch kritische Stimmen. Boris Schade-Bünsow bemängelte, dass die Ausstellung keine neuen Lösungen für die energetische Sanierung des riesigen deutschen Wohnungsbestands biete und sich zu sehr auf ästhetische Aspekte konzentriere. Auch die fehlende Erklärung für Laien wurde kritisiert: Ohne den begleitenden Katalog blieben die Zusammenhänge zwischen den gezeigten Projekten und der übergeordneten Nachhaltigkeitsdebatte unklar.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der Deutsche Pavillon im gesellschaftlichen Kontext</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die 2010er Jahre brachten mit der Flüchtlingskrise und fortschreitender Urbanisierung neue Themen wie <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Migration</strong>, <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wohnungsbau</strong> und <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">soziale Verantwortung</strong> auf die Agenda. 2016 wurde der Pavillon sogar leergeräumt und als Ort der Reflexion über die Herausforderungen der Migration genutzt – ein deutliches Statement zur gesellschaftlichen Verantwortung der Architektur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In den 2020er Jahren hat sich der Fokus verstärkt auf die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">digitale Transformation</strong> in der Architektur, <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kreislaufwirtschaft</strong> und alternative Bauweisen verlagert. Der Deutsche Pavillon von 2023 griff unter dem Titel &#8222;Open for Maintenance&#8220; die Ideen von 2012 erneut auf, fokussierte sich jedoch stärker auf soziale Partizipation und die konkrete Wiederverwendung von Biennale-Materialien. Dies unterstreicht die anhaltende Relevanz der von Petzet initiierten Debatte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Geschichte des Deutschen Pavillons zeigt eindrucksvoll, wie Architektur stets im Spannungsfeld zwischen ästhetischen, ökologischen und sozialen Fragen steht. Die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte – sowohl des Pavillons selbst als auch der deutschen Architekturlandschaft – hat immer wieder zu innovativen Ansätzen geführt, die weit über die Grenzen Venedigs hinaus wirkten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ausblick: Architektur als Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Deutsche Pavillon wird auch in Zukunft ein Ort bleiben, an dem architektonische Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit gesucht werden. Die Herausforderungen des Klimawandels, der Ressourcenknappheit und der sozialen Gerechtigkeit erfordern neue Denkansätze und mutige Konzepte. Die Geschichte des Pavillons lehrt uns, dass Architektur immer auch eine politische Dimension hat und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen muss.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage, wie Architektinnen und Architekten vom &#8222;Neuschöpfer&#8220; zum &#8222;Fortentwickler&#8220; werden können, bleibt dabei hochaktuell. Der Deutsche Pavillon auf der Biennale in Venedig wird weiterhin ein wichtiger Ort sein, an dem diese Fragen verhandelt werden – ein Spiegel der architektonischen Zeitenwenden und ein Labor für die Baukultur von morgen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/mehr-als-schoener-schein-wie-der-deutsche-pavillon-in-venedig-gesellschaftlichen-wandel-abbildet/">Mehr als schöner Schein: Wie der Deutsche Pavillon in Venedig gesellschaftlichen Wandel abbildet</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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