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	<title>Stadtentwicklung | Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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	<title>Stadtentwicklung | Baukunst</title>
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		<title>Das ungebaute Hamburg: Eine alternative Stadtentwicklungsgeschichte in der Freien Akademie der Künste</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2026 15:39:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
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		<category><![CDATA[Architekturausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Inhaltliche Tags: Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[Hamburgs Parallelwelt: 32 geplante, aber nie gebaute Projekte zeigen, wie die Hansestadt sich ebenso durch Verwerfungen wie durch Bauten geformt hat.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art </strong> |  REGIONALES | <strong>Hamburg</strong> | April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Was Hamburg sich erspart hat: Schau in der Freien Akademie der Künste</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Hamburgische Architektenkammer und Freie Akademie der Künste zeigen 32 nie realisierte Projekte seit 1960, kuratiert von Ullrich Schwarz</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„Das ungebaute Hamburg“ ist eine gemeinsame Ausstellung der Hamburgischen Architektenkammer (HAK) und der Freien Akademie der Künste in Hamburg, die vom 18. April bis 31. Mai 2026 in der Freien Akademie am Klosterwall 23 rund 32 geplante, aber nie realisierte Hamburger Bauprojekte seit 1960 dokumentiert. Die Schau entsteht im Rahmen des Hamburger Architektursommers 2026 und fußt auf dem 2025 im Dölling und Galitz Verlag erschienenen Band von Ullrich Schwarz und der Hamburgischen Architektenkammer, der als Band 44 in der Schriftenreihe des Hamburgischen Architekturarchivs veröffentlicht wurde (608 Seiten, ISBN 978-3-96060-705-2).</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, 17. April 2026 um 18 Uhr. Es sprechen Michael Propfe (Präsident der Freien Akademie der Künste), Karin Loosen (Präsidentin der Hamburgischen Architektenkammer), Oberbaudirektor Franz Josef Höing und Kurator Ullrich Schwarz. Die Öffnungszeiten reichen von Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bereits 1991 hatte die Hamburgische Architektenkammer mit Band 4 ihrer Schriftenreihe (herausgegeben von Ulrich Höhns) unter dem Titel „Das ungebaute Hamburg. Visionen einer anderen Stadt in architektonischen Entwürfen der letzten hundertfünfzig Jahre“ einen ersten, inzwischen legendären Überblick über verworfene Entwürfe vorgelegt. Der neue Band beschränkt sich auf die Zeit seit 1960, greift dabei aber auf denselben Titel zurück: Die Fortsetzung versteht sich als Bestandsaufnahme einer Stadt, die in ihrer jüngeren Geschichte mehr verworfen als realisiert hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum legt die Architektenkammer nach 35 Jahren einen neuen Band über ungebaute Projekte vor?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort liegt in der Eigenlogik der Stadtentwicklung. Hamburgs bauliche Gestalt ist nicht nur Ergebnis dessen, was gebaut wurde, sondern mindestens ebenso stark Resultat dessen, was unterblieb. Seit dem Vorgängerband von 1991 hat die Hansestadt zentrale Transformationen durchlaufen: die HafenCity, das Bekenntnis zum Klimaschutz, der Umbau der Innenstadt, die Debatten um Olympia 2012 und 2024. Jede dieser Phasen hat eigene Entwürfe hervorgebracht, die nie über Wettbewerbsergebnisse, Konzeptstudien oder Modelle hinauskamen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kurator Ullrich Schwarz, langjähriger Beobachter der Hamburger Baukultur, und die Hamburgische Architektenkammer unter Präsidentin Karin Loosen haben 32 Vorhaben ausgewählt, die „stellvertretend für den jeweiligen Geist ihrer Zeit“ stehen. Die Bandbreite reicht vom städtebaulichen Großeingriff bis zur punktuellen Intervention. Dazu zählen der Totalabriss von St. Pauli und Ottensen, die Stadtautobahn durch die innere Stadt, die Sportanlagen für Olympia, die Verlagerung der Universität in den Hafen, das Hochhausprojekt in der HafenCity, der Transrapid, die Seilbahn über die Elbe sowie das Parkhaus unter der Binnenalster. Ergänzt werden diese Großthemen durch Einzelentwürfe wie die „Living Bridge“ über die Norderelbe von Hadi Teherani Architects, eine Gleisüberdachung des Hauptbahnhofs von Reichwald Schultz und Partner oder die zahlreichen, teils skurrilen Vorschläge für den Spielbudenplatz auf St. Pauli (etwa die Entwürfe von Blauraum Architekten und Architekten Venus aus dem Jahr 2004).</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein eigenes Gewicht erhält die Ausstellung durch das großformatige Modell des legendären St. Georg-Projekts der Neuen Heimat von 1966. Es galt damals als Musterbeispiel einer flächenhaften Sanierung nach den Leitbildern der autogerechten Stadt und steht heute als Mahnmal für eine Haltung, die mit der Novelle des Bundesbaugesetzes 1971 (später § 136 ff. BauGB, Besonderes Städtebaurecht) und dem sich wandelnden Denkmalverständnis unter den Landesdenkmalschutzgesetzen an ihr Ende kam. In Hamburg regelt dies heute das Denkmalschutzgesetz Hamburg (DSchG HH) in seiner Fassung vom 5. April 2013.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was erzählen die 32 Projekte über Hamburgs Planungskultur?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Auswahl zeigt zwei Bewegungen, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirken. Zum einen waren viele der nicht realisierten Vorhaben politisch gewollt und professionell ausgearbeitet; sie scheiterten nicht an fehlender Planung, sondern an gesellschaftlichen Widerständen, Volksbegehren, Haushaltsrestriktionen oder Regierungswechseln. Die gescheiterten Olympiabewerbungen und die Elbseilbahn sind Paradebeispiele. Zum anderen dokumentiert die Auswahl, wie sich das Verständnis dessen, was als städtebaulich angemessen gilt, innerhalb weniger Jahrzehnte grundlegend verschoben hat. Pläne, die in den 1960er Jahren als fortschrittlich galten, etwa der Flächenabriss ganzer Viertel, wären heute nach § 172 BauGB (Erhaltungssatzung) und den Vorgaben der Baunutzungsverordnung (BauNVO) in dieser Form nicht mehr genehmigungsfähig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Damit wird der Band zu einer alternativen Stadtentwicklungsgeschichte Hamburgs. Er macht sichtbar, dass Planungskultur nicht nur Ja-Sagen, sondern ebenso Nein-Sagen bedeutet. Oberbaudirektor Franz Josef Höing, der bei der Eröffnung spricht, hatte bereits mehrfach betont, dass Stadtentwicklung ohne die Bereitschaft zur Verwerfung keine Qualität erreicht. In diesem Sinne versteht sich die Ausstellung nicht als Katalog vertaner Chancen, sondern als Plädoyer für eine diskursive Planungskultur, wie sie das Baugesetzbuch mit den Beteiligungsverfahren nach §§ 3 und 4 BauGB formal vorsieht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Besucherinnen und Besucher ergibt sich daraus ein doppelter Reiz. Einerseits die Faszination dessen, was hätte sein können: Der 250 Meter hohe Gauhochhaus-Entwurf von Konstanty Gutschow für Altona aus der NS-Zeit, das bei der Langen Nacht der Museen 2026 eigens thematisiert wird, markiert eine Vision totalitärer Stadtfigur, die man heute nur mit Schaudern betrachten kann. Andererseits der nüchterne Blick auf Vorhaben, deren Nichtrealisierung sich als Glücksfall erwiesen hat. „Nicht zu bauen kann eine Tugend sein“, heißt es dazu in der Ankündigung der Freien Akademie der Künste.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kooperation der beiden Trägerinstitutionen ist dabei mehr als eine organisatorische Konstellation. Die Hamburgische Architektenkammer verantwortet über ihr Architekturarchiv die fachliche Aufarbeitung, die Freie Akademie der Künste bringt die kulturelle Einbettung in den Hamburger Kunstdiskurs. Parallel zur Ausstellung läuft dort die Reihe „Weiterbauen. Nachnutzungskonzepte denkmalgeschützter Bauten“, eine Vor-Ort-Veranstaltungsreihe gemeinsam mit dem BDA Hamburg und dem Denkmalschutzamt Hamburg. Beide Formate ergänzen sich: Das Ungebaute und das Weiterzubauende bilden zwei Seiten derselben Frage nach der Substanz einer Stadt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die überregionale Leserschaft lohnt sich der Blick nach Hamburg vor allem dort, wo sich die Parallelen zu anderen DACH-Metropolen auftun. München, Berlin und Wien verfügen über vergleichbar dichte Archive ungebauter Projekte, doch nur selten werden sie systematisch ausgewertet. Die Hamburgische Architektenkammer setzt mit dem Band 44 ihrer Schriftenreihe einen Standard, an dem sich andere Landesarchitektenkammern orientieren können. Die Publikation ist, so formuliert es das Hamburger Abendblatt, mehr als ein Album spektakulärer Entwürfe: Sie beleuchtet die wirtschaftlichen und zeitgeistigen Rahmenbedingungen jener Projekte, die manche verhinderten und andere ermöglichten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt, ist ein klares Bild: Hamburgs Stadtgestalt hat sich durch Verwerfungen ebenso sehr geformt wie durch Bauten. Wer nach dem 31. Mai 2026 durch die Hansestadt geht, sieht nicht nur, was steht, sondern auch, was hätte stehen können.</p>
<hr />
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eckdaten der Ausstellung</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Titel </strong>Das ungebaute Hamburg. Visionen einer anderen Stadt. Entwürfe von 1960 bis heute</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Träger </strong>Hamburgische Architektenkammer (HAK) und Freie Akademie der Künste in Hamburg</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kurator </strong>Ullrich Schwarz</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ort </strong>Freie Akademie der Künste, Klosterwall 23, 20095 Hamburg</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eröffnung </strong>Freitag, 17. April 2026, 18 Uhr</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Laufzeit </strong>18. April bis 31. Mai 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Öffnungszeiten </strong>Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Rahmen </strong>Hamburger Architektursommer 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Klinkerkleid als Stadtversprechen: The Box Hannover von Herzog &#038; de Meuron</title>
		<link>https://baukunst.art/das-klinkerkleid-als-stadtversprechen-the-box-hannover-von-herzog-de-meuron/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 15:45:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein leerstehender Kaufhausklopper, ein Wettbewerb mit sechs Bueros, ein einstimmiges Jury-Votum: Hannover bekommt von Herzog &#038; de Meuron ein neues Stadtgesicht aus Backstein.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong>   |   Regionales</p>
<p style="font-weight: 400;">
<h1>Kaufhausruine wird Lernort: Wie Hannover seinen Leerstand in Bildungsinfrastruktur verwandelt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Kaufhaussterben der Gegenwart ist kein örtliches Phänomen, sondern ein strukturelles: Rund 14.000 Quadratmeter Verkaufsfläche stehen in deutschen Innenstadtlagen durchschnittlich leer, wenn ein grosses Haus schliesst (laut Handelsverband Deutschland, HDE-Jahresbericht 2025). Hannover demonstriert nun, was aus solchen Volumen werden kann, wenn Eigentümerinitiative, Stadtplanung und ein erfahrenes Architekturbüro zusammenfinden: Das ehemalige Galeria-Kaufhof-Gebäude an der Schmiedestraße wird zu The Box, einem Mixed-Use-Komplex mit Bildung, Handel, Gastronomie und Wohnen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch 2023 hatte die insolvente Signa-Gruppe Abrisspläne für das Horten-Gebäude aus den 1970er Jahren verfolgt. Sein Nachfolger als Eigentümer, der Hannoveraner Investor Oliver Blume und seine THE BOX Projektentwicklungsgesellschaft, setzten dagegen auf Bestand und Umbau. Als Vorbereitung half eine Zwischennutzung unter dem Namen &#8222;Auhof&#8220;, von der Stadt und der Hochschule Hannover gemeinsam organisiert: ein urbaner Testballon, der das Potenzial des Hauses demonstrierte, bevor der Architekturwettbewerb gestartet wurde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sechs eingeladene Büros reichten Entwürfe ein. Das Gremium unter Vorsitz von Tatjana Sabljo empfahl einstimmig, den Erstplatzierten umzusetzen: Herzog &amp; de Meuron Basel (Berlin/München). Am 23. Februar 2026 wurde das Ergebnis öffentlich vorgestellt. Die Planungsverträge wurden noch am selben Tag unterzeichnet. Fertigstellung: Ende 2027.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was macht das Konzept von Herzog &amp; de Meuron stadtbaulich so überlegen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Schlüssel liegt im Fassadenkonzept und im programmatischen Denken. Die bekannte Horten-Vorhangfassade von Egon Eiermann, hermetisch und massstabssprengend, wird durch ein zweischichtiges System ersetzt: Innen eine transparente Glashulle als thermische Hülle, aussen eine selbsttragende, vertikal strukturierte Klinkerfassade aus rötlichen, teils glasierten Riemchen. Dieser Ansatz verbindet technische Pragmatik mit stadtbaulicher Intelligenz. Die Klinkerfassade nimmt Bezug auf die Backsteinarchitektur Hannovers, etwa auf Marktkirche, Altes Rathaus oder die grossen Bürobauten der Gründerzeit, ohne historistisch zu werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Entscheidend ist die Positionierung im Stadtraum. Das Gebäude liegt an der Schnittstelle zwischen der großmaßstäblichen City und der kleinteiligen, historisch geprägte Altstadt. Herzog &amp; de Meuron behalten die bestehende Kubatur und die markante Dachzone bei, überführen aber die Zweiteilung zwischen Hortenfassade und Ziegelwalmdach in eine kohärente Gesamtform. Plastische Akzente loesen die Blockhaftigkeit auf. Ein Innenhof bringt Tageslicht bis ins Erdgeschoss, grosse Fassadenöffnungen und flexible Elemente vermitteln zwischen innen und aussen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Fassadenkonzept reagiert damit auf Anforderungen, die aus dem niedersächsischen Denkmalschutzrecht resultieren: § 3 NDSchG (Niedersächsisches Denkmalschutzgesetz) verpflichtet zur Rücksichtnahme auf schutzwürdige Umgebung, auch wenn das Gebäude selbst nicht denkmalgeschützt ist. Die Marktkirche und die erhaltenen Altstadtstraßen westlich der Schmiedestraße definieren einen sensiblen Kontext. Die Klinkerfassade beantwortet diesen Kontext materialgerecht und ohne Mimikry.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Signalwirkung hat das Projekt für die niedersächsische Stadtentwicklung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">The Box Hannover ist kein Einzelfall, aber ein besonders gut beobachtbarer. Niedersachsen steht vor denselben Herausforderungen wie alle westdeutschen Flächenländer: rückläufige Einzelhandelsumsätze, Leerstandsdruck in B-Lagen, Flächenkonkurrenz zwischen Handel, Bildung und Wohnen. Das Landesentwicklungsprogramm Niedersachsen (LROP 2022) betont ausdrücklich die Innenentwicklung vor Außenentwicklung und die Stärkung zentraler Versorgungsbereiche gemäß § 2 Abs. 2 Nr. 4 ROG (Raumordnungsgesetz). The Box ist ein Lehrbeispiel, wie dieser politische Wille architektonisch eingelöst werden kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Raumprogramm des Umbaus ist konsequent durchdacht. Die Berufsbildenden Schule der Stadt Hannover erhält im Gebäude ihren Hauptmieter-Status; für die Schulräume in den tiefen Grundrissen sichert die innere Glashulle maximalen Tageslichteintrag. Ein eigener Eingang und eine Stadtloggia im ersten Obergeschoss schaffen eine eigene Adresse für die Schule innerhalb des Mixed-Use-Volumens. Auf dem Dach entstehen rund 100 Kleinapartments und Penthäuser, eine Sporthalle und ein öffentlich zugänglicher Garten. Der Turm an der Osterstraße wird zur digitalen Leinwand fuer Kunst und Kultur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Investitionsvolumen für den Umbau liegt laut Immobilien Zeitung bei knapp 100 Millionen Euro. Das ist, bezogen auf Flächenleistung und programmatische Vielfalt, ein kompaktes Budget. Es zeigt auch, dass Bestandssanierung in Größendimensionen wirtschaftlich darstellbar ist, wenn Förderkulissen stimmen: Das Land Niedersachsen stellt ueber die NBank-Förderprogramme Mittel für den sozialen Wohnungsbau und die energetische Sanierung bereit, die bei einem Projekt dieser Art kombinierbar waeren. Die Energieeffizienzanforderungen gemäß GEG (Gebäude-Energie-Gesetz) 2024 duerften bei einem Bestandsumbau dieser Größenordnung eine zentrale Planungsrolle spielen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert im Kontext der Wettbewerbsauswertung: Keiner der sechs eingeladenen Entwürfe lieferte eine Idee für die rund 10.000 Horten-Kacheln, die beim Rückbau der Eiermann-Vorhangfassade anfallen. Laut NDR stehen Gespräche ueber eine Weiterverarbeitung zu Möbelstücken im Raum. Ob diese Lesart der Kacheln als identitätsstiftendes Material der Nachnutzung tatsächlich verfolgt wird, bleibt offen. Aus denkmalpflegerischer Perspektive waere es das konsequenteste Signal: Transformation statt Entsorgung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hannover zeigt mit The Box einen Weg, der übertragbar ist: Bestandserhalt als erste Pflicht, programmatische Mischung als Qualitätsanforderung, Fassade als stadtbauliches Argument. Das ist keine Nostalgie. Das ist Stadtentwicklung im Zeitalter der Ressourcenknappheit.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>UM BAUEN! Die IBA&#8217;27 als gesellschaftliches Experiment</title>
		<link>https://baukunst.art/um-bauen-die-iba27-als-gesellschaftliches-experiment/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 15:45:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[IBA'27]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipative Planung]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungspolitik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15654</guid>

					<description><![CDATA[In gut einem Jahr öffnet die IBA'27 ihre Tore. Was als regionales Stadtentwicklungsprojekt begann, ist zum bundesweit beachteten Labor für Baukultur, Wohnungspolitik und demokratische Planung geworden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">baukunst.art | Gesellschaft &amp; Urbanismus</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wohnen, Bauen, Zusammenleben: Wie die IBA&#8217;27 Stuttgart eine Antwort auf die Wohnungskrise sucht</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die <strong><a href="https://www.iba27.de/#!" target="_blank" rel="noopener">Internationale Bauausstellung 2027</a></strong> StadtRegion Stuttgart (IBA&#8217;27) ist kein Architekturspektakel, sondern ein auf zehn Jahre angelegtes gesellschaftliches Experiment: Sie untersucht, wie eine ganze Region durch partizipative Prozesse, nachhaltiges Bauen und soziale Innovation neu gedacht werden kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn im April 2027 das Ausstellungsjahr beginnt, wird Stuttgart nicht einfach Modellgebäude zeigen, sondern das Ergebnis eines langen kollektiven Lernprozesses. Seit 2017 hat die IBA&#8217;27 GmbH, deren Gesellschafter die Landeshauptstadt Stuttgart, der Verband Region Stuttgart, die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, die Architektenkammer Baden-Württemberg und die Universität Stuttgart sind, Kommunen, Initiativen, Investorinnen und Planungsbüros zusammengebracht. Das Resultat: inzwischen 37 offizielle IBA&#8217;27-Projekte, verteilt über die gesamte StadtRegion.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Unter dem Motto &#8222;UM BAUEN!&#8220; findet die Ausstellung vom 24. April bis 30. Oktober 2027 statt. Der Doppelsinn ist programmatisch: Es geht ums Umbauen im technischen Sinn, und es geht um ein Umdenken, um eine Baukultur, die ökologische, soziale und ökonomische Kriterien nicht gegeneinander ausspielt, sondern integriert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was macht die IBA&#8217;27 zu mehr als einer Architekturausstellung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort liegt in ihrer räumlichen und sozialen Reichweite. Während klassische Ausstellungen Objekte in Museen zeigen, macht die IBA&#8217;27 die gesamte Region zur Ausstellungsfläche. An rund 40 Standorten in Stuttgart und Umgebung sind Projekte zu erleben, von Einzelgebäuden bis zu ganzen Quartieren. Viele befinden sich 2027 noch im Bau oder in der Entwicklung, was den Besucherinnen und Besuchern ermöglicht, Stadtentwicklung als Prozess zu verstehen, nicht nur als fertiges Produkt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zentraler Ausstellungsort in der Innenstadt wird das ehemalige Galeria-Kaufhof-Gebäude in der Eberhardstrasse, das die Landeshauptstadt Stuttgart 2023 erworben hat. Die beiden Erdgeschosse werden zur Hauptausstellungsfläche umgenutzt. Welche Nachnutzung das Gebäude langfristig erhält, ist noch offen: Im Gespräch sind ein Haus der Kulturen oder städtische Büroflächen. Diese Offenheit ist selbst eine programmatische Aussage über den Umgang mit leerstehendem Bestand in Innenstadtlagen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Einen Vorgeschmack auf die Ausstellung bot bereits die Lange Nacht der Museen am 21. März 2026: Mit einer Licht- und Soundinstallation der Künstler Roland Batroff und Clemens Schneider wurde das Kaufhof-Gebäude erstmals als IBA&#8217;27-Schauplatz erlebbar gemacht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie verändert partizipative Planung das soziale Gefüge einer Stadt?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die IBA&#8217;27 liefert auf diese Frage konkrete Antworten, keine abstrakten Bekenntnisse. Im Quartier Böckinger Strasse in Stuttgart-Rot entstehen rund 400 Wohneinheiten, davon 290 im sozial geförderten Wohnungsbau. Das Projekt der städtischen Wohnbaugesellschaft SWSG zeigt, dass kommunale Träger auch unter schwierigen Marktbedingungen Massstäbe für soziale Durchmischung setzen können. Im Quartier am Rotweg sollen bis zur Bauausstellung 210 Wohneinheiten fertiggestellt sein, ebenfalls mit einem Drittel sozial gefördertem Wohnungsbau.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist auch das IBA&#8217;27-Projekt &#8222;Aquabox&#8220;: Ein mobiles Hallenbad in Holzmodulbauweise, das am Kelterplatz in Stuttgart-Zuffenhausen ab Herbst 2026 als Interimslösung während des Hallenbadneubaus dient und danach an weitere Standorte versetzt werden kann. Das Projekt, am 24. März 2026 als offizielles IBA&#8217;27-Vorhaben aufgenommen, steht exemplarisch für einen neuen Typ kommunaler Infrastruktur: flexibel, zirkulär, übertragbar. IBA&#8217;27-Intendant Andreas Hofer bringt es auf den Punkt: Viele Kommunen stehen vor der Aufgabe, marode Schwimmbäder aus den 1960er- und 1970er-Jahren zu ersetzen. Die Aquabox zeigt, wie sich diese Aufgabe als mobiles System intelligent lösen lässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Holzgebäude nutzt Wärmepumpen, eine hocheffiziente Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und eine Photovoltaikanlage. Realisiert wurde es in einer branchenübergreifenden Zusammenarbeit von POOL out of the BOX GmbH, 4a Architekten und Blumer Lehmann. Planungs- und Bauprozess sind also selbst modellhaft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sichtbar im Stadtraum sind die IBA&#8217;27-Projekte seit März 2026 durch leuchtend gelbe Stahlskulpturen der Stuttgarter Designagentur Haus Otto. Bis zu vier Meter hohe Projektmarker in vier modularen Varianten, von der Sitzbank bis zur &#8222;Himmelstreppe&#8220;, stehen an 22 Projektstandorten. Sie funktionieren als Einladung, sich bereits jetzt mit den Orten der IBA auseinanderzusetzen, und sollen nach 2027 als dauerhaftes Stadtmöbel bleiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Weissenhof, wo 1927 die Avantgarde des europäischen Wohnungsbaus ihre radikalen Ideen baute, entsteht das neue Besucher- und Informationszentrum Weissenhof.Forum nach Entwurf von Barkow Leibinger. Mit Dauerausstellung, Vortragsräumen und Café schafft das Forum die seit langem fehlende Infrastruktur für eine der meistbesuchten Architektursiedlungen Deutschlands. Die Brenzkirche in unmittelbarer Nachbarschaft wird behutsam umgebaut und erhält ihre identitätsstiftenden Elemente zurück.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Bopp benennt die übergeordnete Ambition ohne Umschweife: Bauen sei der grösste Kohlendioxid-Treiber weltweit. Die IBA&#8217;27 soll zeigen, dass ein struktureller Wandel in der Bauwirtschaft nicht nur notwendig, sondern möglich ist. Das Ausstellungsjahr verstehe sich deshalb nicht als Abschluss, sondern als Ausgangspunkt: Die IBA&#8217;27 GmbH wird bis 2030 weitergeführt, um Erfahrungen zu dokumentieren, Projekte zu begleiten und Netzwerke zu sichern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was die IBA&#8217;27 von vielen Bauausstellungen unterscheidet, ist dieser explizit gesellschaftliche Anspruch. Architektur wird hier nicht als autonome Kunstform verstanden, sondern als Werkzeug für soziale Transformation. Thematische Routen zu Neues Wohnen, Produktive Stadt, Einfaches Bauen, Bautechnik und Stadt am Fluss sollen 2027 unterschiedliche Zielgruppen ansprechen und die Projekte in nachvollziehbare Erzählungen einbetten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage, die IBA&#8217;27-Intendant Andreas Hofer an den Weissenhof stellt, gilt für die gesamte Ausstellung: Was können wir vom Wohnungsbau der Moderne lernen, und was müssen wir für die nächsten hundert Jahre fordern? Die Antworten darauf werden nicht in Stuttgart allein geschrieben. Aber Stuttgart liefert gerade ein lesenswertes erstes Kapitel.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das House of Jazz Berlin: Ein Denkmal wird zur Bühne</title>
		<link>https://baukunst.art/das-house-of-jazz-berlin-ein-denkmal-wird-zur-buehne/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 08:45:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[House of Jazz]]></category>
		<category><![CDATA[Jazz]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[kulturzentrum]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein leerstehendes Kino aus den Fünfzigerjahren, ein Trompeter mit Weitblick und der politische Wille zweier Ebenen: Das House of Jazz Berlin rückt näher.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Vom Luftwaffen-Kino zum Jazzpalast: Berlin plant ein Kulturwunder</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das House of Jazz Berlin: Ein Denkmal wird zur Bühne</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das House of Jazz Berlin ist ein geplantes nationales Zentrum für Jazz und improvisierte Musik, das seit über einem Jahrzehnt zwischen politischem Willen, Haushaltszwängen und der Suche nach einem geeigneten Ort pendelt. Seit Ende 2025 zeichnet sich ab, dass beides zusammengekommen sein könnte: ein konkreter Standort und ein stabiler politischer Rückhalt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Idee geht auf Till Brönner zurück, Jazztrompeter von internationalem Rang mit Wohnsitz in Potsdam und Los Angeles. In seinem 2010 erschienenen Buch &#8218;Talking Jazz&#8216; skizzierte er ein düsteres Zukunftsbild für den Jazz in Deutschland: abgewickelte Rundfunk-Bigbands, jazzfreies Fernsehen, ein öffentlich-rechtliches Radio, das selbst die kleinen Sendeplätze aufgibt. Seiner Dystopie stellte er eine konkrete Forderung entgegen. Er schlug die Gründung einer Jazz-Akademie vor, nicht ganz wie das Lincoln Center in New York, aber doch in dessen Geiste. Und er bestand darauf: Diese Einrichtung müsse in Berlin entstehen, weil die Hauptstadt, wenn sie keine Kulturmetropole sei, überhaupt keine Metropole sei.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welchen Standort bekommt das House of Jazz?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seitdem ist viel Zeit vergangen. Ein erster Anlauf scheiterte: Die Alte Münze in Berlin-Mitte wurde schließlich nicht für das Jazz-Zentrum genutzt, sondern für zwei Jahrzehnte an das privatwirtschaftliche Event- und Clubunternehmen &#8218;Spreewerkstätten&#8216; vermietet, obwohl bereits 12,5 Millionen Euro Investivmittel im Bundeshaushalt 2016 dafür eingestellt worden waren. Das Projekt wurde zwar nicht zu den Akten gelegt, aber es verlor an Fahrt. Erst ab 2020 setzte eine kontinuierliche institutionelle Förderung ein: Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien stellt seither jährlich 250.000 Euro bereit, seit 2022 kommt vom Land Berlin eine weitere Förderung von 300.000 Euro hinzu. Im Haushaltsbeschluss des Landes für 2026/2027 sind diese Mittel bereits ungekürzt eingeplant.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der neue Standort, der nun politisch diskutiert wird, ist die Kino- und Theateranlage L&#8217;Aiglon am Kurt-Schumacher-Damm 121 im Berliner Bezirk Reinickendorf. Das Ensemble gehörte einst zum Luftwaffen-Kasernengelände und wurde nach 1945 als &#8218;Quartier Napoleon&#8216; zum Hauptquartier der französischen Streitkräfte in Berlin umfunktioniert. Anfang der 1950er-Jahre entwarf der Architekt Hans Wolff-Grohmann das Kulturhaus als Teil eines Ensembles aus Kino, niedrigem Querbau mit ehemaligem Restaurant und einem viergeschossigen Hotel. Das Ergebnis ist eine markante Architektur jener Zeit: großflächig verglastes Foyer mit wellenförmig geschwungener Fassade und Neon-Leuchtschrift, ein großzügiger Zuschauerraum mit Orchestergraben, eine ausschwingende Treppe zur Empore. Seit 1994 steht das Kino leer, seit 2023 ist die Liegenschaft im Besitz des Landes Berlin.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was macht das L&#8217;Aiglon zum richtigen Ort für ein Jazzhaus?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Theatersaal mit Orchestergraben fasst 350 Besucherinnen und Besucher. Das Ensemble bietet darüber hinaus Räumlichkeiten für Verwaltung, Ton- und Lichtregie, Kellerräume sowie das angrenzende Hotel als Gästeunterkunft. Die ehemalige Kommandanten-Villa könnte als interdisziplinäres Residenzhaus genutzt werden. Auf einem Areal von rund 3.000 Quadratmetern wären zudem Anbauten für Proberäume und Gastronomie möglich. Die Deutsche Jazzunion und die IG Jazz Berlin, die das Projekt unter dem Namen &#8218;Zentrum für Jazz und Improvisierte Musik&#8216; vorantreiben, sehen in dem Ensemble eine funktionale wie symbolische Entsprechung dessen, was ein Jazzhaus leisten soll: Bühne, Archiv, Begegnungsraum, Residenz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Vergleich zur Alten Münze erscheint die Realisierung am Kurt-Schumacher-Damm einfacher, kostengünstiger und zeitlich früher möglich. Das politische Plazet scheint zu wachsen. Brönner hat in seinen sozialen Netzwerken über Treffen mit Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer berichtet, ohne den Inhalt der Gespräche im Einzelnen zu kommentieren. Der Ton wirkte zuversichtlich.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie schneidet Deutschland im europäischen Vergleich ab?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Blick über die Grenzen ist ernüchternd. Frankreich fördert seine Jazzszene über die Musikergewerkschaft und die Association Jazzé Croisé, unterstützt vom Kulturministerium. Norwegen betreibt fünf regionale Jazzzentren sowie die Victoria, Nasjional Jazzscene Oslo als überregionale Spielstätte. Dänemark verfügt mit JazzDanmark über eine nationale Förderorganisation. Das Budapest Music Center fungiert als staatlich gefördertes Zentrum für klassische Musik und Jazz gleichberechtigt, mit eigenem Jazzclub, Bibliothek, Archiv und internationalem Residenzprogramm.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Deutschland dagegen verfügt über eine breite, aber fragile Infrastruktur: den Stadtgarten in Köln, den Jazzkeller in Frankfurt, das Jazzinstitut Darmstadt als eines der bedeutendsten Jazzarchive weltweit, ein flächendeckendes Netz aus Clubs und Festivals. München hat sich mit den Labels ECM und ACT Music einen internationalen Ruf erarbeitet. Aber ein nationales Zentrum fehlt. Die Bundeskonferenz Jazz hat 2024 in einem Bericht die Marginalisierung des Jazz in den Medien und die ökonomischen Schwierigkeiten von Jazzmusikern und Jazzmusikerinnen dokumentiert, ein Befund, der seit Brönners Dystopie von 2010 nicht besser geworden ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob ein solches Zentrum dem föderalen System widerspricht, ist eine Frage, die immer wieder gestellt wird. Die Antwort liegt nahe: Einrichtungen mit Exzellenzcharakter wirken nicht als Konkurrenz zu regionalen Institutionen, sondern als Impulsgeber. Das zeigt das Jazz at Lincoln Center in New York, das Berklee College of Music in Boston, und, als regionales Beispiel aus der Klassik, die Kronberg Academy.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das House of Jazz wird gebraucht. Nicht weil der Jazz in Deutschland tot wäre, sondern weil er ein sichtbares Zentrum verdient. Das L&#8217;Aiglon, ein vergessenes Stück Berliner Stadtgeschichte, könnte dieser Ort sein, wenn die politischen Entscheidungen jetzt getroffen werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Stadtumbau Hanau: Vom Parkplatz zur lebendigen Mitte – Wie eine hessische Kommune den zweiten Wiederaufbau meisterte</title>
		<link>https://baukunst.art/stadtumbau-hanau-vom-parkplatz-zur-lebendigen-mitte-wie-eine-hessische-kommune-den-zweiten-wiederaufbau-meisterte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2025 14:59:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Innenstadttransformation]]></category>
		<category><![CDATA[Konversion]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[Hanaus Innenstadt stand vor 20 Jahren vor dem Niedergang]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie eine hessische Mittelstadt zum bundesweiten Vorbild für Stadtumbau wurde</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer heute durch Hanaus Innenstadt schlendert, erlebt einen urbanen Raum, der vor zwei Jahrzehnten noch in weiten Teilen als Parkplatz diente. Das Forum Hanau, das Kulturforum, der neugestaltete Freiheitsplatz und seit März 2025 der Stadthof im ehemaligen Kaufhof bilden eine bemerkenswerte Kette von Transformationsprojekten, die weit über Hessen hinaus Beachtung finden. Die Geschichte dieses Wandels ist zugleich eine Lektion darüber, wie Kommunen Stadtentwicklung selbst in die Hand nehmen können, wenn der politische Wille und die nötige Beharrlichkeit vorhanden sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Martin Bieberle, Leiter des Fachbereichs Planen, Bauen und Umwelt, hat diesen Prozess von Beginn an begleitet. Seine Bilanz nach zehn Jahren Forum Hanau fällt nüchtern positiv aus: Man habe mehr richtig als falsch gemacht, andernfalls wäre die Innenstadt heute „totes Fleisch&#8220;. Diese unverblümte Einschätzung verdeutlicht, wie dramatisch die Ausgangslage war. Die Fußgängerzonen waren zwar belebt, doch ein attraktiver Einkaufsstandort sah schon damals anders aus. Das Sporthaus Barthel am Freiheitsplatz schloss, andere Geschäfte folgten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Perspektivwechsel als Schlüssel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der entscheidende Wendepunkt kam mit einem methodischen Umdenken. Statt sich in den Details einzelner Probleme zu verlieren, entwickelten die Stadtentwicklerinnen und Stadtentwickler gemeinsam mit der Politik unter Oberbürgermeister Claus Kaminsky eine Gesamtstrategie aus größerer „Flughöhe&#8220;. Inspirationen holte man sich unter anderem in Maastricht, wo man sich über Projekte zum urbanen Wandel informierte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dieser Perspektivwechsel war mutig, denn er erforderte die Zusammenarbeit mit privaten Investoren auf einem damals noch ungewohnten Niveau. Der 2008 beschlossene „Wettbewerbliche Dialog&#8220; war europaweit einmalig und führte 2010 zur Partnerschaft mit der Hanseatischen Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft. Die Abstimmung erfolgte mit klarer Mehrheit, nur die Linke stimmte dagegen. Ihre Warnungen vor Gentrifizierung und ihre grundsätzliche Kritik an der Kooperation mit Investoren verhallten nicht ungehört, setzten sich aber nicht durch.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Doppelte Herausforderung: Stadtumbau und Konversion</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Parallel zum Innenstadtumbau stand Hanau vor einer zweiten gewaltigen Aufgabe. Die US Army, einst mit rund 30.000 Soldatinnen, Soldaten, Angestellten und Familienangehörigen der größte amerikanische Militärstandort in Europa, kündigte ihren Abzug an. In einem „lapidaren Vierzeiler&#8220; aus dem Pentagon, wie Bieberle es beschreibt, wurde das Ende einer Ära verkündet. Am 22. November 2008 wurde auf der Pioneer Kaserne die letzte amerikanische Flagge eingeholt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Konversion von 340 Hektar ehemaliger Militärliegenschaften bot Chancen, die Hanau konsequent nutzte. Mehr als 1000 Wohneinheiten entstanden, auf dem Gelände der Pioneer Kaserne entsteht mit dem Pioneer Park ein neues Stadtquartier für 5000 Menschen. Dass die Stadt bei diesem größten Konversionsprojekt erstmals selbst als Käufer der Gesamtfläche auftrat und gemeinsam mit der DSK BIG Gruppe die LEG Hessen Hanau gründete, zeugt von einem bemerkenswerten Gestaltungswillen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Forum, Kulturforum und die Kunst der Mischnutzung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das 2015 eröffnete Forum Hanau mit seinen 22.500 Quadratmetern Mietfläche ist mehr als ein konventionelles Einkaufszentrum. Die Integration des Kulturforums mit Stadtbibliothek, Stadtarchiv und Geschichtsverein in die Handelsimmobilie war ein bewusster Bruch mit der Monofunktionalität klassischer Shopping Malls. Die offene Bauweise sollte das Forum in die städtische Struktur einbinden, statt es wie einen Fremdkörper in die City zu implantieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Stadtbibliothek als Herzstück des Kulturforums hat sich zu dem entwickelt, was Stadtsoziologinnen und Stadtforscher einen „dritten Ort&#8220; nennen: ein nicht kommerzieller Treffpunkt neben Wohnung und Arbeitsplatz, an dem die Themen der Stadtgesellschaft diskutiert werden. Rund 2,1 Millionen Euro zahlt die Stadt jährlich an Miete für diese öffentliche Nutzung, eine Investition, die sich in der Frequentierung des gesamten Quartiers auszahlt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom Kaufhof zum Stadthof: Aktive Gestaltung statt Leerstand</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die jüngste und vielleicht mutigste Facette des Hanauer Stadtumbaus ist die Transformation des ehemaligen Kaufhof Gebäudes zum Stadthof. Als der Galeria Konzern im März 2023 die Schließung der Filiale bekanntgab, erklärte Kaminsky noch am selben Tag, die Stadt werde das Gebäude übernehmen. Für 25 Millionen Euro erwarb die Kommune die 16.000 Quadratmeter große Immobilie, weitere 40 Millionen Euro fließen in Sanierung und Umbau.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Stadtverordnetenversammlung votierte einstimmig dafür. Der prägnante Satz des Oberbürgermeisters, Hanau könne es sich nicht leisten, den Kaufhof nicht zu kaufen, fasst die Dringlichkeit zusammen. Exakt zwei Jahre nach der Hiobsbotschaft eröffnete im März 2025 das Erdgeschoss mit einem innovativen Mix aus Pop up Stores, der Agora als konsumfreiem Begegnungsraum und der Brüder Grimm Berufsakademie im dritten Obergeschoss.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Würdigung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei aller berechtigten Anerkennung bleiben kritische Fragen. Die rund 600 Millionen Euro, die insgesamt in den Innenstadtumbau flossen, kamen überwiegend von privaten Investoren. Allein HBB investierte 160 Millionen Euro in das Forum. Diese Abhängigkeit von privatem Kapital birgt Risiken, auch wenn Hanau betont, die eigenen Ziele im Dialog mit den Investoren verwirklicht zu haben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die ursprünglichen Bedenken der politischen Linken zur Gentrifizierung sind nicht vollständig entkräftet. Das „Westcarré&#8220; an der Wallonisch Niederländischen Kirche, dessen marode Bausubstanz der 1950er Jahre durch moderne Wohnbebauung ersetzt wurde, verdeutlicht den Wandel. Für langjährige Mieterinnen und Mieter, darunter ehemalige Trümmerfrauen, war der Umzug ein schmerzhafter Einschnitt, auch wenn die Hanauer Baugesellschaft ihr Versprechen einlöste, allen eine neue Wohnung anzubieten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch kleine Rückschläge gehören zur Realität: Die am Freiheitsplatz gepflanzten Tulpenbäume haben die Hitzejahre nicht überstanden, die meisten gehen ein. Ein Detail, das an die Grenzen stadtplanerischer Vorhersehbarkeit erinnert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Modellcharakter mit regionaler Prägung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hanaus Erfolg basiert auf mehreren Faktoren, die sich nicht beliebig auf andere Kommunen übertragen lassen: eine entschlossene politische Führung, die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit privaten Partnern, das Glück des historischen Zeitpunkts mit zeitgleicher Konversion und nicht zuletzt die Lage im prosperierenden Rhein Main Gebiet. Dennoch bietet das Modell Hanau wertvolle Lehren für andere Städte, die mit dem Strukturwandel im Einzelhandel und dem Niedergang klassischer Innenstädte kämpfen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Stadtumbau in Hanau ist nicht abgeschlossen. Die Umgestaltung hat inzwischen die Altstadt erreicht, der Schlossplatz steht vor seinem Umbau, auf den Industrieflächen zwischen Hauptbahnhof und City soll ein neues Quartier entstehen. Die Frage, wie man eine Innenstadt am Leben hält, ist zur Daueraufgabe geworden. Hanau hat darauf keine endgültige Antwort gefunden, aber einen Weg, der anderen Kommunen Mut machen kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Geschäft mit der Utopie: Wie Tech-Milliardäre eine totalitäre Vision von Städten durchsetzen</title>
		<link>https://baukunst.art/das-geschaeft-mit-der-utopie-wie-tech-milliardaere-eine-totalitaere-vision-von-staedten-durchsetzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Nov 2025 13:12:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[California Forever]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaftskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Idealstadtplanung]]></category>
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		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
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		<category><![CDATA[Tech-Milliardäre]]></category>
		<category><![CDATA[Urbanismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Von Gaza bis Kalifornien: Tech-Unternehmer entwerfen perfekte Städte ohne Menschen. Sie versprechen Wohlstand und Ordnung, schaffen aber Ausschluss und Kontrolle. Was offenbaren diese Projekte über unsere Gesellschaft?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Traumstädte statt Lebenswelten: Warum die Idealstadte der Tech-Milliardäre an der Realität scheitern</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Renderings sehen betörend aus. Begrünte Plätze unter alten Bäumen, mediterrane Architektur, autofrei und nachhaltig. Die Website von &#8222;California Forever&#8220; zeigt genau jenes Greenwich Village für alle, von dem Millionen träumen: erschwingliche Häuser, gut bezahlte Jobs, Fussgängerfreundlichkeit. Der tschechischstämmige Unternehmer Jan Sramek, der mit den Mitteln von Silicon-Valley-Investoren wie Marc Andreessen und Reid Hoffman operiert, hat sich 20.000 Hektar Ackerland im Solano County gekauft. Seine Versprechen sind verlockend. Doch wie immer bei solchen Projekten offenbart sich bei genauerer Betrachtung ein anderes Muster: Die schöne neue Stadt ist für ganz bestimmte Menschen gemacht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das zeigt sich deutlich, wenn man die Genealogie dieser Idealstädte nachzeichnet. <a href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/architektur/wie-tech-milliardaere-und-trump-sich-die-staedte-von-morgen-ausdenken-110617817.html" target="_blank" rel="noopener">Der Artikel von Niklas Maak in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung</a> liess sich eine bestechende These entlocken: Tech-Milliardäre und ihre Planer sind nicht ursprünglich an funktionierenden Städten interessiert. Sie entwerfen Laboratorien zur Kontrolle von Menschen. Stadte werden zu Experimentierfeldern, in denen Datenoptimierung und Effizienzmaximierung vor Selbstbestimmung und Freiheit rangieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Planung zur Propaganda wird</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schauen wir auf Neom in Saudi-Arabien. Die Bandstadt &#8222;The Line&#8220; sollte 170 Kilometer lang und 500 Meter hoch werden. Neun Millionen Menschen sollten in dieser vertikalen Metropole wohnen, autofrei und vollständig von erneuerbarer Energie versorgt. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman präsentierte das Projekt 2017 als Symbol seines Reformprogramms &#8222;Vision 2030&#8220;.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch im Oktober 2025 stoppte der saudische Staatsfonds die Arbeiten. Nach mehrjährigen Bauarbeiten mit über 140.000 Arbeitern sind die Kosten explodiert, von geschätzten 500 Milliarden US-Dollar auf mögliche 1,5 Billionen. Statt der geplanten 170 Kilometer sind nur noch 2,4 Kilometer realisierbar. Statt neun Millionen Einwohner sollen es maximal 300.000 sein. Die Machbarkeit ist in Frage gestellt, die Finanzierung zusammengebrochen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aber schlimmer als die oekonomische Realitaet ist das menschliche Drama, das hinter dieser &#8222;Zukunftsvision&#8220; lauert. Hunderttausende Menschen wurden von ihren Laendern vertrieben. Angehoerige des Huwaitat-Stammes, die seit Generationen in der Region lebten, wurden gewaltsam umsiedelt. Der Aktivist Abdulrahim al-Howeiti protestierte oeffentlich gegen diese Enteignungen und wurde 2020 von Sicherheitskraeften erschossen. Sechs weitere Stammesmitglieder wurden 2023 wegen &#8222;Terrorismus&#8220; verurteilt, drei davon zum Tode. Ihre &#8222;Schuld&#8220;: Widerstand gegen die Raeumung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Tech-Elite entwerft ihre utopischen Stadte auf den Leichen von Menschen, die dort lebten, bevor die Finanziers ihre Träume hatten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Gaza-Szenario: Wenn Satire zur Realität wird</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Februar 2025 postete Donald Trump auf X einen Satire-Film. Der in Los Angeles lebende Filmemacher Solo Avital hatte eine Dystopie imaginiert: Eine &#8222;Gaza Riviera&#8220; mit Casinos, Yachten und einer goldenen Trump-Statue, entstanden nach der &#8222;vollkommenen Zerstörung&#8220; Gazas und der &#8222;Vertreibung aller Palästinenser&#8220;. Es war als scharfsinnige Kritik gemeint.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trump machte es zum Selbstportrait. Noch schlimmer: Das Institut des früheren britischen Premierministers Tony Blair verfasste kurze Zeit später tatsächlich eine &#8222;Gaza Economic Blueprint&#8220;. Beamte der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) planten ernst zu nehmend die Umsiedlung von 500.000 Palästinensern. Jeder sollte 5.000 US-Dollar erhalten, vier Jahre Mietzuschuss und Lebensmittelsubventionen. Die Berechnung: Eine Umsiedlung ausserhalb Gazas wäre pro Person 23.000 Dollar billiger als der Wiederaufbau.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">So wurde das Schicksal von Menschen zu einem &#8222;kühlen Rechenexempel&#8220;, wie Maak schrieb. Was folgt, ist die Logik der Venture-Capital-Mentalitaet: Maximale Rentabilitaet durch Minimierung menschlicher Faktoren. Gaza sollte zur &#8222;Riviera&#8220; werden, überwacht von privaten Sicherheitsdiensten, betrieben nach den Regeln eines Tech-Plattformen-Kapitalismus.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Überwachungsutopien statt Selbstbestimmung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der gemeinsame Nenner dieser Projekte ist die Idee der Kontrolle. Die geplanten Idealstadte versprechen Sicherheit und Komfort, doch das, was sie wirklich liefern, ist die Abschaffung von Privatsphaere, Autonomie und demokratischer Teilhabe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Google-Tochter Alphabet versuchte mit &#8222;Sidewalk Labs&#8220; in Toronto eine solche &#8222;Smart City&#8220; zu bauen. Der Widerstand der Bevölkerung war heftig. Bewohner erkannten, dass Alphabet die ganze Stadt als Testgelände für datengetriebenen Städtebau nutzen wollte. Klassische Aufgaben des Staates wie Gesundheitsvorsorge, Bildung und Sicherheit sollten durch private Apps und Services ersetzt werden. Man fürchtete einen &#8222;gläsernen Bürger&#8220;, der sich günstige Wohnungen und Versicherungen mit der Preisgabe seiner Daten erkaufen müsse.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In diesen &#8222;optimierten&#8220; Städten hätten es Nonkonformisten schwer. Individualisten und Rebellen passen nicht in die Effizienzlogik von zentral gesteuerten Planungsfantasien. Die kulturelle Reichhaltigkeit traditioneller Städte, die auf der &#8222;Austarierung zahlloser konkurrierender individueller Pläne&#8220; basiert, ist hier nicht vorgesehen. Stattdessen sollen Menschen sich optimal in Datenflüsse einfügen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Lehrstück Próspera</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wie solche privaten Idealstadte funktionieren sollen, zeigt Próspera auf der karibischen Insel Roatán vor Honduras. Es ist ein von Patri Friedman gegründeter Privatstaat, der von amerikanischen Unternehmern wie eine Kommerzielles Unternehmen gemanagt wird. Finanziert von Peter Thiel und Marc Andreessen, haben die Gesetze Honduras&#8216; hier keine Gültigkeit. Polizeiaufgaben und Bildung werden an private Firmen delegiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kommunisten und Islamisten werden nicht als Einwohner akzeptiert. Der Steuersatz liegt bei fünf Prozent. Der deutsche Architekt Patrik Schumacher, tätig für Zaha Hadid Architects, entwirft die Gebäude. Er ist bekannt für sozialdarwinistische Positionen: Man soll in London lieber keine Wohnungen für sozial Schwache bauen, denn die Stadt sei für sie zu teuer. Die schöne neue Welt der Idealstadte wird nicht für alle da sein.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">California Forever: Das unvollendete Versprechen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jan Sramek zeigt sich optimistisch. 2025 soll ein &#8222;Jahr des Bauens&#8220; sein, sagt er. Im Oktober 2025 kündigte er neben der ursprünglichen Stadt auch ein riesiges Schiffsbauwerk (&#8222;Solano Shipyard&#8220;) und eine 2.100 Hektar grosse &#8222;Solano Foundry&#8220; an, Amerikas grösste Fertigungsanlage.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Widerstand wächst. Die Koalition &#8222;Solano Together&#8220; bekämpft das Projekt. Umweltschützer weisen auf extreme Wasserknappheit hin. Die Stadt Suisun City, bewohnt von nur 29.600 Menschen, soll nun zur &#8222;Extension&#8220; eines 400.000-Personen-Projekts werden. Lokale Demokratie wird schlicht überfahren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Versprechensmodell ist stets identisch: Gute Plätze, erschwingliche Wohnungen, Jobs. Aber diese Vorteile sind an Bedingungen gekoppelt. Wer nicht in die digitale Infrastruktur passt, wer zu alt, zu arm oder zu &#8222;unbotmässig&#8220; ist, kann leicht ausgeschlossen werden. Die Kontrolle ist der Preis fuer vermeintliche Effizienz.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die alternative Frage stellen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gegen diesen Trend der privatisierten Idealstadte sollte eine andere Frage gestellt werden: Wer gestaltet die Zukunft unserer Stadte?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht Tech-Milliardäre, deren Verständnis von Städten als &#8222;Datenquellen&#8220; und &#8222;Experimentierfelder&#8220; grundsätzlich technokratisch ist. Nicht autoritäre Regime wie Saudi-Arabien, die ihre Machtvisionen in spiegelnde Fassaden giessen. Nicht Unternehmensberater, die menschliche Schicksale in Kalkulationen auflösen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Renaissance traditioneller Städte, mit all ihren Mängeln und Reichtümern, mit ihrer chaotischen Vielfalt und widerspenstigen Eigenlogik, ist das Gegengift zu dieser Visionen. Echte Transformation beginnt nicht mit radikalen Neuentwürfen, sondern mit der Respektierung von gewachsenen Strukturen, lokalen Wissensbeständen und demokratischer Mitbestimmung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Traum von Neom ist geplatzt. California Forever bewegt sich in mürbigen Bahnen. Próspera bleibt eine Marginalalie. Das ist nicht tragisch. Es ist eine Chance, unsere Stadte nicht als Labore technologischer Optimierung zu verstehen, sondern als Räume der Freiheit, der Unordnung und der Selbstbestimmung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Alternative zu &#8222;perfect cities&#8220; sind Cities of Imperfection. Städte für Menschen, nicht für Daten.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Geheime Kasernenrückkehr: Wie das Verteidigungsministerium die Wohnungskrise ignoriert</title>
		<link>https://baukunst.art/geheime-kasernenrueckkehr-wie-das-verteidigungsministerium-die-wohnungskrise-ignoriert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2025 10:18:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Konversion]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungspolitik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14288</guid>

					<description><![CDATA[Mit dem Moratorium für militärische Konversionsflächen offenbart sich ein zentrales Dilemma zeitgenössischer Stadtentwicklung: Die Sicherheitslogik verdrängt die Lösung einer der drängendsten sozialen Herausforderungen unserer Zeit.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">SICHERHEIT STATT STADTENTWICKLUNG: Der Umwandlungsstopp und die verlorenen Chancen für urbanes Wohnen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Geschichte der Kasernenumwandlung in Deutschland ist eine Geschichte von Hoffnung und pragmatischem Umdenken. Nach dem Fall der Berliner Mauer und besonders nach der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 begannen Hunderte von Städten und Gemeinden, die frei werdenden Militärareale für zivile Zwecke neu zu denken. Diese Konversionsflächen waren wertvoll: oft innenstadtnah, von erheblicher Größe und mit bereits vorhandener infrastruktureller Erschließung. Gütersloh, Bielefeld, Kiel, Münster und unzählige weitere Kommunen entwickelten detaillierte Pläne zur Umgestaltung dieser Gelände in moderne Stadtquartiere, Wohngebiete und Arbeitsplatzcluster.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Mansergh-Kaserne in Gütersloh verkörpert diesen Wandel exemplarisch: Über 30 Hektar innenstadtnah gelegene Fläche, die von verschiedenen Einheiten der britischen Streitkräfte bis 2019 genutzt wurde. Der Rat der Stadt beschloss bereits im Sommer ein Vorkaufsrecht für dieses Gelände. Planungsabteilungen skizzierten Visionen eines gemischten Quartiers mit Wohnungen, Büros und öffentlichen Grünräumen. Investoren wurden gesucht, Gespräche mit Entwicklern geführt. Die Hoffnung war greifbar, die Verwirklichung schien nah.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dann kam der Umbruch. Ende Oktober 2025 verkündete das Bundesministerium der Verteidigung die Entscheidung: Moratorium. Der Prozess der Konversion, begonnen in den frühen 1990ern, wird angehalten. Nicht vorübergehend, sondern auf unbestimmte Zeit.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen und die Betroffenen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">200 Liegenschaften stehen nun unter neuem Vorbehalt: 187 bereits aufgegebene Konversionsflächen im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und 13 noch betriebene Standorte. In Nordrhein-Westfalen allein betrifft dies 38 Flächen. Die Größenordnung des Umbruchs wird deutlich, wenn man sich die konkreten Auswirkungen vor Augen führt: Bielefeld wollte auf der Rochdale-Kaserne, erst 2020 von den Briten aufgegeben, rund 650 Wohnungen errichten. Paderborn rechnete mit neuen Stadtquartieren auf dem Gelände der Dempsey-Kaserne. Kiel verabschiedete Bebauungspläne für Konversionsflächen, die einen Anteil von Sozialwohnungen deutlich über dem städtischen Standard vorsahen. Münster hatte seit 2018 auf den Oxford- und York-Kasernen bereits 3.100 Wohnungen realisiert, davon etwa 640 Sozialwohnungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Christian Schuchardt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, bringt die Herausforderung auf den Punkt: &#8222;Der Umwandlungsstopp ist für betroffene Kommunen eine riesige Herausforderung. In vielen Städten sind die Planungen schon weit fortgeschritten und es sind Kosten angefallen und Verträge unterschrieben für die zivile Nutzung.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die finanzielle Belastung ist erheblich. Städte haben bereits Mittel investiert, Planungsprozesse durchlaufen, Stadtentwicklungskonzepte mit Bürgerbeteiligung erarbeitet. Verträge wurden unterzeichnet. Jetzt liegen diese Pläne auf Eis. Nicht definitiv verworfen, aber auch nicht realisierbar. Ein lähmender Zustand.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Geopolitik gegen Wohnraum: Die Logik der Zeitenwende</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinter der Entscheidung steht die sogenannte Zeitenwende. Der Kriegsausbruch in der Ukraine, die Neubewertung der Sicherheitslage, der Aufwuchs der Bundeswehr zur &#8222;stärksten Armee Europas&#8220; (so die Ankündigung von Bundeskanzler Friedrich Merz). Der Operationsplan Deutschland sieht große Verlegungen von NATO-Truppen von West nach Ost vor. Nordrhein-Westfalen spielt dabei eine zentrale Rolle, seine geografische Position im Herzen Europas macht es strategisch relevant. Logistikzentren sind notwendig. Kasernenflächen sind erforderlich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Verteidigungsministerium argumentiert nachvollziehbar: Eine verkleinerte Bundeswehr, die kaum noch Infrastruktur benötigte, ist ein Relikt einer anderen Ära. In der aktuellen Bedrohungslage können sich die Streitkräfte diese Luxusposition nicht leisten. Aus der realpolitischen Perspektive ist die Entscheidung rational.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Und dennoch: Sie verdrängt eine andere, ebenso dringende Realität. Deutschland hat ein massives Wohnungsproblem. Die Zahlen sind bekannt, fast schon abgedroschen in ihrer Wiederholung: Ein gigantisches Defizit an bezahlbarem Wohnraum. Besonders dramatisch ist die Situation in mittleren Großstädten wie Gütersloh, Bielefeld oder Kiel, wo die Flächenknappheit ein zentales Planungsproblem darstellt. Generationen von Arbeitern und Angestellten können sich in ihren eigenen Städten kein Haus mehr leisten.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die partizipative Dimension und das Vertrauen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch ein zweiter Aspekt verdient Aufmerksamkeit: der partizipative. Viele dieser Konversionsprojekte waren nicht Top-down durchgesetzt worden. Bürgerbeteiligungsprozesse waren in Kiel durchgeführt worden, wo das &#8222;Bündnis für bezahlbaren Wohnraum&#8220; eine zentrale Rolle spielte. Stadtplanerrinnen und Stadtplaner hatten mit Nachbarschaften geklärt, welche Nutzungen gewünscht sind. Die Demokratie wurde gelebt. Jetzt wird diese Mitsprache schlicht umgangen durch eine zentralstaatliche Entscheidung ohne vorherige Kommunikation mit den betroffenen Städten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Deutscher Städtetag beklagt, dass viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister erst durch Medienberichte von der Entscheidung erfuhren. Gerd Landsberg, Ehrengeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindetags, formuliert das Kernproblem: &#8222;Viele Kommunen sind in die Entscheidung offenbar nicht frühzeitig genug einbezogen worden.&#8220; Er weist auch auf das Vertrauensdefizit hin: &#8222;Die Städte und Gemeinden waren und sind verlässliche Partner der Bundeswehr. Dieses gewachsene Vertrauensverhältnis sollte auch jetzt Bestand haben.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Verlässlichkeit und Transparenz sind Fundamente guter Governance. Sie sind gefährdet.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Konversionen, die funktioniert haben: Dortmund als Gegenbeispiel</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Um die Verluste besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf erfolgreiche Konversionsprojekte. Dortmund zeigt, was möglich ist. Dort wurden Kasernengebäude an der Bundesstraße 1 abgerissen, um das Quartier &#8222;Stadtkrone Ost&#8220; zu errichten. Neue Gebäude entstanden, die Reihenhäuser, ursprünglich für britische Offiziere gebaut, wurden saniert und an deutsche Familien verkauft. Ein funktionierendes Modell der Umnutzung, der Sanierung, der Wiederbelebung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Solche Projekte sind nicht nur immobilienpolitisch relevant. Sie sind urbane Texte, die von Transformation erzählen, von der Fähigkeit einer Gesellschaft, ihre Räume neu zu interpretieren. Sie vermögen Geschichte zu bewahren, während sie gleichzeitig gegenwärtigen Bedürfnissen entsprechen. Die Konversion ist nicht bloß ein ökonomisches oder administratives Phänomen. Sie ist ein Statement über Werte: über die Fähigkeit, den Aufbau zu priorisieren gegenüber dem Wehrhaften.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Dialog oder Deadlock?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bundesverteidigungsministerium versucht, Besänftigung anzudeuten. Staatssekretär Nils Hilmer betont: &#8222;Wo immer dies möglich ist, werden wir versuchen, auch bestehende zivile Planungen zu berücksichtigen.&#8220; Es werden Dialoge angekündigt, Lösungen versprochen, die Sicherheit und kommunale Interessen vereinbaren sollen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Skepsis ist berechtigt. Was sollen gemeinsame Lösungen bedeuten, wenn die Voraussetzung bereits getroffen ist? Welcher Handlungsspielraum bleibt, wenn die Bundeswehr die Flächen unter Vorbehalt gestellt hat? Wie können Partizipationsprozesse verlaufen, wenn das Ergebnis schon weitgehend determiniert ist?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Risiko ist real: Aus Dialog wird Kosmetik. Aus Partizipation wird Beschämung. Schon melden sich verschiedene Stimmen zu Wort: Strukturschwache Regionen, wo Wohnraumprobleme weniger akut sind, signalisieren Verständnis oder sogar Erleichterung. Denn die Bundeswehr bringt auch Wohlstand: Bauaufträge, Beschäftigung, Wirtschaftstätigkeit. Für diese Städte ist die Rückkehr des Militärs womöglich willkommen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Andere, wie Kiel, sind verzweifelt. Dort wurde bereits protestiert. Das &#8222;Bündnis für bezahlbaren Wohnraum&#8220; mobilisierte 200 Menschen zu einer Demonstration. Die Botschaft war klar: &#8222;Wir brauchen dringend eine Zeitenwende für bezahlbaren Wohnraum!&#8220;</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Umdenken, nicht Resignation</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektur und Stadtplanung steht an einem Kreuzweg. Die klassische Modernisierungserzählung der Stadtentwicklung basierte auf der Hoffnung, dass öffentliche Investitionen und längerfristige Planung zu lebenswerten urbanen Räumen führen. Der Umwandlungsstopp stellt diesen Anspruch in Frage. Nicht wegen schlechter Architektur oder schlechter Planung, sondern wegen einer Neupriorisierung: Sicherheit vor Wohnen. Militär vor Stadt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob diese Hierarchie gerechtfertigt ist, lässt sich rational diskutieren. Was indes kritisch zu bewerten ist, ist die Art, in der sie durchgesetzt wird: undemokratisch, intransparent und mit minimaler Vorwarnung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Weg aus diesem Dilemma ist nicht Resignation. Er liegt in einer differenzierten Betrachtung: Welche dieser 200 Liegenschaften sind wirklich strategisch essentiell? Welche könnten, mit technischen oder organisatorischen Kompromissen, für zivile Nutzung frei werden? Welche Modelle hybride Nutzungen ermöglichen (Wohnungen für Militärangestellte, zivile Nutzungen neben militärischen)?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Dialog muss äecht sein, nicht Theateraufführung. Die Kommunen müssen zeitnah wissen, welche Flächen endgültig reserviert sind und welche mit Zeit wieder verfügbar werden könnten. Transparenz, Plan und Vertrauen statt Lähmung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Konversion als Instrument der Stadtentwicklung ist nicht gescheitert. Sie wurde pausiert. Das ist eine politische Entscheidung. Auch politische Entscheidungen können revidiert oder differenziert werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>In Zeiten der Mobilmachung &#8211; Was ist eigentlich mit den alten Bunkern?</title>
		<link>https://baukunst.art/in-zeiten-der-mobilmachung-was-ist-eigentlich-mit-den-alten-bunkern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Nov 2025 11:05:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur]]></category>
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		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14216</guid>

					<description><![CDATA[Deutschland hat ein Problem, das weniger sichtbar ist als früher, aber nicht weniger drängend: Die meterdicken Betonwände der Hochbunker stehen nach 80 Jahren immer noch da, rätselhaft, monumental, obsolet. Zuerst zweckentfremdet als Proberäume für Rockbands und Lofts für wohlhabende Investoren, nun plötzlich wieder interessant für einen Staat, der sich zum Krisenfall mobilisiert.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Zeit der Luxus-Umnutzung ist vorbei</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es war eine elegante Lösung, die zwei Jahrzehnte lang Architekten, Investoren und Politiker gleichermaßen zufriedenstellte. Historische Bausubstanz bewahren, gleichzeitig dem Wohnungsmarkt entlasten, Kultur finanzieren. Der Bilker Bunker in Düsseldorf mit seinen Ausstellungsräumen und Eigentumswohnungen wirkte beinahe wie ein modernes Märchen: Geschichte und Gegenwart in perfekter Synthese. Der Lofthouse-Bunker in Oberhausen mit seinen bodentifen Fenstern, den Designeradaptionen und einer Millionen-Euro-Preisschrift schien den Beweis zu führen, dass auch massivste Kriegsrelikte zu glänzenden Objekten der Spätmoderne umgebaut werden können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch diese Erzählung war ein bequemer Traum. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat gemerkt, dass dieser Traum in einer neuen Wirklichkeit angesichts von Ukraine-Krieg und Drohnenschwärmen nicht mehr haltbar ist. Der Verkauf von Hochbunkern an private Investoren wurde ausgesetzt. Ein Paradigmenwechsel, der nicht nur Immobilienmarkt und Stadtentwicklung tangiert, sondern auch und vor allem die Frage nach unserer zivilschutztechnischen Realität neu stellt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zahlen, die schmerzen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Fakten sind unbarmherzig: Im Jahr 2007 gab die Bundesregierung das Schutzraumkonzept auf. Niemand wollte in Friedenszeiten für Bunker bezahlen. Die Finanzierung der restlichen Schutzräume wurde eingestellt, die Rückabwicklung begann. Circa 477.000 Schutzplätze sind heute auf dem Papier noch vorhanden. In der Realität: Keine einzige öffentliche Schutzstelle ist funktionsfähig. Das erklärte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben freimütig auf Anfrage. Nach fast zwei Dekaden der Entkernung und Umgestaltung stehen die Bunker jetzt als Geister da: Architektonisch transformiert zu Luxuswohnungen, aber zivilschutztechnisch völlig unbrauchbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kosten einer Reaktivierung? Martin Voss, Professor für Krisen- und Katastrophenforschung an der Freien Universität Berlin, gibt die ehrliche Antwort: mehr als 500 Milliarden Euro. Das wäre eine Summe, die alle aktuellen Sonderhaushalte in den Schatten stellt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Gretchenfrage der Effektivität</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch noch vor der ökonomischen Frage stellt sich eine militärstrategische: Was nützen die Bunker überhaupt noch? Dies ist die zentrale Frage, die die öffentliche Debatte zu häufig umschiffer. Moderne Drohnenschwärme mit Kurzzeitwarnzeiten würden die meisten Bürger ohnehin nicht in die unterirdischen Schutzräume bringen. Ein Bunker, in dem sich mehrere hundert bis tausend Menschen dicht gedrängt in die Dunkelheit flüchten, könnte unter den Bedingungen moderner Kriegführung schnell selbst zum Ziel werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Anders ausgedrückt: Die alte Bunker-Logik funktioniert im Zeitalter vernetzter Drohnen und Hyperschallwaffen nicht mehr. Das ist eine unbequeme Wahrheit, zu der sich Planerinnen und Planer und politische Verantwortliche jedoch durchringen müssen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was hätte sein können: Das Resilienzzentrum</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Martin Voss hat einen provozierenden Vorschlag: Statt die Bunker entweder vollständig zu privatisieren oder in ein kostspieliges Schutzraumkonzept zu investieren, könnte man ein Resilienzzentrum schaffen. Eine institutionelle Drehscheibe, die bestehende Bunker in multiplen Krisenszenarios neu rahmt. Sie könnten Orte sein, an denen Menschen in Stromausfällen Informationen bekommen, wo sie Kurbelradios finden, wo sie Trinkwasser tanken können. Nicht als Luftschutzräume wie 1944, sondern als kulturelle und soziale Anlaufstellen für Extremfälle.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein solches Konzept benötigte Koordination zwischen Bund und Ländern, zwischen Zivilschutz und Katastrophenschutz. Genau diese Koordination fehlt heute völlig. Ein Resilienzzentrum, schätzt Voss, würde zwischen 20 und 30 Millionen Euro kosten. Das sind Mittel, die durchaus aufgebracht werden könnten, wenn der politische Wille da wäre.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was die Nordländer richtig machen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Finnland und Schweden werden oft genannt, wenn es um Zivilschutz geht. Sie haben eines gemeinsam: Diese Länder haben ihre Bunker nicht privatisiert. Sie haben ihre Bevölkerung niemals in den trügerischen Traum von permanentem Frieden versetzt. In Helsinki hat sogar die U-Bahn-Infrastruktur eine Wasserversorgung für den Ernstfall. Das ist keine Paranoia, das ist Realismus angesichts von 1.300 Kilometern geteilter Grenze mit Russland.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Deutschland hat diesen Realismus aufgegeben. Stattdessen wurde zwischen 2007 und 2022 eine gigantische Immobilien-Konversionsmaschine gebaut, die Kriegsreliquien in Penthäuser verwandelt hat. Das war architektonisch interessant. Strategisch war es fahrlässig.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die unbequeme Wahrheit</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die unbequeme Wahrheit ist: Wir als Architekten und Architektinnen, wir als Planende, wir als städtische Gemeinschaft haben es geschafft, eines unserer größten baulichen Vermächtnisse des 20. Jahrhunderts zu ruinieren. Nicht physisch zerstört, sondern funktional delegitimiert. Die Bunker stehen zwar noch, aber sie sind Ruinen einer anderen Epoche.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hätte die Bundesregierung 2007 anders entschieden, hätte sie die Bunker in einem veränderten Ansatz bewahrt und gepflegt statt privatisiert und transformiert, wäre die heutige Situation eine ganz andere. Das ist nicht mehr zu ändern.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Umdefinition statt Rückkehr</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was wir brauchen, ist keine Rückkehr zur Bunker-Logik der 1950er Jahre. Was wir brauchen, ist eine intelligente Neudefinition. Einzelne Bunker könnten, wie in Oberhausen und Hamburg bewiesen, durchaus als hybride Orte weiterbestand haben, wenn sie mit einer neuen Funktion ausgestattet würden: als kulturelle Zentren und Krisenlokationen zugleich. Der sogenannte Musikbunker in Frankfurt zeigt, dass dies möglich ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Allerdings nur mit kommunalen Strukturen, die heute nicht existieren. Florian Ritter von der Branddirektion Frankfurt hat recht: Letzten Endes kommt man immer zu dem Punkt, dass jeder selbst vorsorgen muss. Das ist keine tröstliche Aussicht. Aber es ist ehrlich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Bunker stehen noch. Aber ihre Zeit ist vorbei.</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Millionen-Einkaufszentrum statt Park! Bozen ärgert sich über Chipperfields Koloss</title>
		<link>https://baukunst.art/millionen-einkaufszentrum-statt-park-bozen-aergert-sich-ueber-chipperfields-koloss/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Oct 2025 16:27:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Orte]]></category>
		<category><![CDATA[Bozen]]></category>
		<category><![CDATA[David Chipperfield]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[WaltherPark]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Kaufhaus als Tarngewand: Nach zehn Jahren öffnet Chipperfields WaltherPark seine Türen – eine architektonische Meisterleistung für ein Projekt, das die Wiedersprüche von Stararchitektur und Stadtentwicklung offenlegt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein ambitionierter Kompromiss</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Eröffnung des WaltherPark im Oktober 2025 markiert das Ende einer europaweit ungewöhnlichen Baugeschichte. Ein Megaprojekt, das erst unter René Benko Gestalt annahm, dann durch die Signa-Pleite kollabierte und schließlich von der deutschen Schoeller Group zu Ende gebracht wurde. Stararchitekt David Chipperfield, dessen Name mit dem Projekt untrennbar verbunden ist, stand vor einer klassischen Aufgabe: Wie verhält man sich zu einem Bauwerk, das geschäftlich unvermeidlich ist, architektonisch aber schwer zu verteidigen?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort lautet: Man verlegt das Problem nach außen. Statt sich mit der kommerziellen Realität auseinanderzusetzen – 50.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, 80 internationale Marken, ein Starbucks statt eines Parks – konzentrierte sich Chipperfield auf das, was sichtbar ist: die Fassade. Das Resultat ist im besten Sinne elegant, im kritischen Sinne aber auch genau das, was das Marketing verspricht – eine Tarnung. Cremefarbene, kantellierte Säulen im 4,20-Meter-Rhythmus, messinggoldene Rahmen, viel Luft dazwischen. Eine italienische Leichtigkeit, die an die 1950er-Jahre erinnert. Alles spielt hier Stadt. Nur die Stadt fehlt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Verschwinden des öffentlichen Raums</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bozen stand vor zehnjähriger Planungszeit vor einer echten urbanen Aufgabe: Ein ehemaliger Busbahnhof im Zentrum sollte revitalisiert werden. Das Areal lag tatsächlich brach, die Situation war unbefriedigend. Doch die Lösung, die sich durchsetzte, folgte einer fatalen Logik: Investoren mit Kapital gegen lokale Planungskompetenz auszutauschen. Wie aus stadtsoziologischer Perspektive mehrfach dokumentiert wurde, war dies weniger das Ergebnis einer strategischen städtebaulichen Auseinandersetzung, sondern eher die Folge jahrzehntelangen Stillstands der städtischen Planung selbst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Preis dieser Abkürzung ist erheblich. Der alte Bahnhofspark – ein öffentlicher Freiraum – wurde teilweise von der Shopping-Mall einverleibt. Ein Dachgarten auf der dritten Etage ersetzt ihn formal, nicht aber funktional. Die Bushaltestellte wurde vom Bahnhofsvorplatz an die andere Seite der Mall verlegt. Und der unterirdische Zufahrtstunnel zur Tiefgarage führt zu mehr Autoverkehr, nicht weniger – eine paradoxe Situation bei ausdrücklich formulierten Nachhaltigkeitszielen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das politische Theater der Referendalität</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">2016 führte die Stadt Bozen ein Referendum durch. Rund zwei Drittel der Bevölkerung stimmten für das Projekt – ein Resultat, das seitdem von Befürwortenden als Legitimation angeführt wird. Eine naive Lesart dieser Abstimmung übersieht jedoch eine zentrale Tatsache: Die Frage war nicht ob ein Projekt, sondern dieses Projekt. Alternative Szenarien wurden nicht zur Abstimmung gestellt. Die Argumentation folgte einem klassischen Muster – Bozen ohne WaltherPark ist provinziell, Bozen mit WaltherPark ist europäisch. Ein rhetorisches Spiel, das die Bevölkerung in eine Dichotomie presst, die keine echte Wahl darstellt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage der regionalen Identität</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein bis heute ungelöstes Problem betrifft die Frage der regionalen Identität Südtirols. Der WaltherPark war einmal mit der Hoffnung verbunden, dass hier ein regional verwurzelter Ort entstünde – ein Quartier, das Südtirols Besonderheit widerspiegelt. Stattdessen zeigt sich: Esselunga im Untergeschoss, Peek &amp; Cloppenburg, Virgin Active, die üblichen internationalen Ketten. Ein austauschbares Einkaufszentrum, das genauso gut in Rom oder Mailand stehen könnte. Das ist nicht die Schuld Chipperfields, sondern die der Betreiber und der Politik, die es zuließ.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architekten wie Thomas Huck haben schon früh vor einer Fehlentwicklung gewarnt: Eine Shopping-Mall zieht Kaufkraft vom Zentrum ab und führt zur Öde der Ortskerne in der Umgebung. Die Bozner Architektinnen und Architekten hätten gerne einen polyzentrischen Ansatz mit lebendigen Quartieren gesehen. Stattdessen wurde auf ein monolithisches Objekt gesetzt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektur und ihre Grenzen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was Chipperfield geleistet hat, verdient Anerkennung – aber nicht Unkritikalität. Er hat eine Shopping-Mall entworfen, die nicht wie eine Shopping-Mall aussieht. Das ist schwieriger als es klingt. Die Säulenordnung, die Fassadenrhythmik, die Proportionen – alles funktioniert. Es ist zeitgenössische Architektur von hohem Standard. Doch auch der beste Architekt kann nicht einer Nutzung entkommen, die seinem urbanen Denken grundsätzlich widerspricht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Chipperfield selbst hat gesagt: »WaltherPark gibt der Stadt etwas zurück.« Das ist die Formel, die alle Projektbefürworter verwenden. Doch geben ist hier ein metaphorisches Wort. Faktisch wurde privater Raum dort installiert, wo vorher öffentlicher Raum war. Die Fassade funktioniert als Besänftigungsrhetorik – als architektonische Kompensation für eine urbane Fehlentwicklung.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Blick in die Zukunft</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die eigentliche Frage wird sich erst langfristig zeigen: Wird der WaltherPark zu einem belebten Quartiersanker oder zu einer Altlast? In Wien und Innsbruck haben ähnliche Signa-Projekte gezeigt, dass Investorenstädte langfristig auch zu Investorenstädten bleiben – mit allen Konsequenzen. Die Sorgen um die Austrocknung des innerstädtischen Einzelhandels sind nicht grundlos. Und die Verkehrssituation wird sich verschärfen, nicht entspannen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt, ist ein beeindruckendes Gebäude in einer fragwürdigen Situation. Und ein Lehrstück darüber, was passiert, wenn architektonische Ambition auf städtebauliche Konzeptlosigkeit trifft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Geheimplan oder Geschäftstätigkeit? Wie ein Investor Münchens Kultstätten aufkauft</title>
		<link>https://baukunst.art/geheimplan-oder-geschaeftstaetigkeit-wie-ein-investor-muenchens-kultstaetten-aufkauft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 08:34:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[#Münchner Innenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Immobilienentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[München erlebt einen ungewöhnlichen Immobilien-Moment: Ein Investor kauft Kultstätten der Innenstadt mit überraschender Geschwindigkeit auf. Die Architekturszene rätselt über die Strategie – und das Potenzial für eine Stadtentwicklung im Wandel.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Phantom mit klarem Plan: Wie Erich Schwaiger Münchens Innenstadt umgestaltet</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Münchner Innenstadt erlebt derzeit ein ungewöhnliches Phänomen: Ein Investor kauft mit bemerkenswerter Geschwindigkeit Immobilien in bester Lage auf. Erich Schwaiger, bekannt aus dem Südpark-Projekt Obersendling, bricht Anfang Oktober 2025 auf zum Einkauftour durch die Fußgängerzone. Hirmer, Sport Schuster, Kaut-Bullinger – Marken, die für Generationen Münchnerinnen und Münchner über Jahrzehnte prägten. Für Immobilienmaklerin und -makler ist es ein rätselhaftes Muster. Für die Stadt ein Moment der Neuausrichtung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was zunächst wirkt wie die Sammelleidenschaft eines wohlhabenden Investors, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als strategisches Immobilien-Mosaik. Schwaiger, der bereits Erfahrungen mit großflächigen Entwicklungen hat, konzentriert sich nicht auf periphere Lagen oder Lückenbauplätze. Er zielt auf die traditionsreiche Kernzone ab – dort, wo die großen Namen des Münchner Einzelhandels ihre Wurzeln haben.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Strategie dahinter</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Rapidität der Transaktionen überraschte Immobilienexperten. Innerhalb weniger Tage realisiert Schwaiger mehrere Käufe von Leuchtturm-Immobilien. Das ist kein Zufall, sondern deutet auf eine vorbereitete Akquisitionsstrategie hin. Die Branche munkelt: Was plant ein Investor mit diesen Kultorten? Eine klassische Neunutzung unter bestehender Fassade? Ein radikales Nutzungskonzept?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Alte Akademie in der Fußgängerzone rückt dabei in besonderes Augenmerk. Diese Ruine – hinterlassen von René Benkos Signa-Imperiums – ist längst ein urbaner Wundpunkt geworden. Oberbürgermeister Dieter Reiter spricht vom „Schandfleck mitten im Herzen der Fußgängerzone&#8220;. Hier konkurriert Schwaiger mit etablierten Playern wie der Heinz Hermann Thiele Familienstiftung und der Hammer AG. Ein ehemaliger CSU-Oberbürgermeister-Kandidat tritt ebenfalls in Erscheinung – die Alte Akademie ist offenbar ein Preis-Objekt geworden, um das mehrere Konzepte ringen.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das regional-planerische Rätsel</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bei dieser Entwicklung aus architektonischer Perspektive besonders interessiert: Folgt Schwaiger einem übergreifenden Leitbild? Oder sind es Opportunitätskäufe im Kontext einer generellen Neubewertung innerstädtischer Flächen?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern und München speziell erleben ein urbanes Umdenken. Die klassischen Einzelhandelsflächen, jahrzehntelang Garant für funktionsfähige Fußgängerzonen, verlieren ihre Exklusivität. Onlinehandel, veränderte Konsumgewohnheiten, nachlassende Frequenzen in urbanen Zentren – die Symptome sind diagnosziziert. Die Therapie aber bleibt unklar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schwaiger könnte Vorbote einer neuen Epoche sein. Nicht die Tertiarisierung alter Einzelhandelsflächen (wie in vielen deutschen Innenstädten üblich), sondern deren Transformation in flexible, multifunktionale Areale. Mixed-Use-Konzepte mit Büro, Wohnen, experimentelle Kultur- und Kreativräume – München hätte durchaus Kapazität für solche Experimente.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Baurechtliche und kulturelle Komplexitäten</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Allerdings: München ist nicht beliebig. Die Landeshauptstadt Bayerns unterliegt – wie alle bayerischen Gemeinden – spezifischen Vorgaben der Bayerischen Bauordnung (BayBO). Neue Nutzungen in der historischen Altstadt erfordern Abwägung mit Denkmalschutzinteressen, Gestaltungsbeiräten, und städtebaulichen Qualitätsstandards. Die Stadt verfügt über einen renommierten Gestaltungsbeirat. Architektonisch versiertheit ist eine Voraussetzung, nicht eine Option.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was Schwaiger vorhätte – und hier liegt die Kernfrage der Branche – muss sich nicht nur planungsrechtlich, sondern auch kulturell mit Münchens Selbstverständnis auseinandersetzen. Die Innenstadt ist nicht Spielfeld für beliebige Kapitalverwertung, sondern historisch gewachsener Raum mit eigenem Charakter. Die Alte Akademie etwa – wann immer sie reaktiviert wird – wird an ihrer Geschichte gemessen: Ein Ort von kulturellem Gewicht, einstmals Sitz der Kunstakademie, später Münchner kulturelle Institution.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Freistaat in der Verantwortung</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessanterweise droht Schwaiger im Kontext der Alten Akademie mit rechtlichen Schritten gegen den Freistaat Bayern. Das ist ein signaler Moment: Ein privater Investor, der einen öffentlichen Träger in die juristische Defensive treibt. Hier vermischt sich Privateigentum mit öffentlichem Anspruch. Bayern – als Freistaat – muss sich Fragen gefallen lassen: Wie lange lässt man Kulturgüter unbespielt? Welche Verantwortung trägt der öffentliche Sektor?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist keine rein architektonische, sondern auch eine politische Frage. Und sie deutet auf eine generelle Neubewertung hin: Der Privatsektor könnte künftig auch in Münchens Zentrum stärker gestaltend eingreifen.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick und Chancen</h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eines ist klar: Schwaiger ist kein anonymer Finanzinvestor. Er hat Ortskenntnis, baut Erfahrung mit komplexen Projekten. Das Südpark-Projekt in Obersendling – ein ehemaliges Industrie-Areal – zeigt: Der Mann kann überzeugend umdenken. Urbane Transformation ist sein Metier.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Schwaiger also die klassischen Einzelhandelsflächen Münchens umgestaltet, könnte das die Innenstadt in eine andere Zukunft führen – weniger Konsum-orientiert, möglicherweise experimenteller, offener für neue urbane Mischformen. Oder aber es werden am Ende klassisch Luxus-Wohnungen daraus – die Variante ohne städtebauliche Innovation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Münchner Stadtplanerin und der Stadtplaner sollten genauer hinschauen. Wir alle sollten es. Denn was hier entsteht, könnte exemplarisch sein: Für die Frage, wie Innenstädte überhaupt noch funktionieren können. Und wer die Verantwortung dafür trägt.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Betonleichen sprengen statt Umnutzen – Duisburgs klimafeindlicher Kahlschlag</title>
		<link>https://baukunst.art/betonleichen-sprengen-statt-umnutzen-duisburgs-klimafeindlicher-kahlschlag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Sep 2025 12:12:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Großwohnsiedlung]]></category>
		<category><![CDATA[Ruhrgebiet]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13487</guid>

					<description><![CDATA[In Duisburg fiel der dritte „Weiße Riese" – 63 Meter Beton-Geschichte verschwanden in Sekunden. Das Ende einer städtebaulichen Utopie wirft Fragen zu Wohnungsbau und Nachhaltigkeit auf.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Das Ende der Weißen Riesen: Ein Koloss fällt – und mit ihm eine Epoche</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Sonntagmorgen um 10:02 Uhr verschwanden 63 Meter Betongeschichte binnen zehn Sekunden in einer gewaltigen Staubwolke. Die Sprengung des dritten „Weißen Riesen&#8220; in Duisburg-Hochheide markiert nicht nur das Ende eines Gebäudes, sondern den Schlusspunkt einer städtebaulichen Vision, die einst als Lösung der Wohnungsnot gefeiert wurde. 170 Kilogramm Sprengstoff genügten, um das 1972 errichtete Hochhaus mit seinen 160 Wohnungen kontrolliert in sich zusammenfallen zu lassen – ein präziser technischer Akt, der eine jahrzehntelange soziale Erosion besiegelte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom Vorzeigemodell zum Problemfall</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die „Weißen Riesen&#8220; verkörperten den Optimismus der frühen 1970er Jahre im Ruhrgebiet. Als moderne Antwort auf die Wohnungsnot der Nachkriegszeit konzipiert, sollten sie bezahlbaren Wohnraum für Arbeiterinnen und Arbeiter der umliegenden Industrien bieten. Die Landesbauordnung Nordrhein-Westfalens ermöglichte damals Hochhäuser dieser Dimension mit reduzierten Brandschutzauflagen – ein Umstand, der heute undenkbar wäre. Die weißen Fassaden, die den Gebäuden ihren Namen gaben, symbolisierten Sauberkeit und Modernität, einen Kontrast zum rußgeschwärzten Image der Montanregion.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch bereits in den 1980er Jahren begann der schleichende Niedergang. Der Strukturwandel des Ruhrgebiets, der Wegzug der Mittelschicht und fehlende Investitionen verwandelten die einst begehrten Wohnungen in soziale Brennpunkte. Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft GEBAG, die die Komplexe verwaltete, kämpfte jahrzehntelang gegen Leerstand, Verwahrlosung und soziale Segregation. Ein Teufelskreis aus sinkenden Mieteinnahmen und steigendem Sanierungsbedarf machte eine wirtschaftliche Bewirtschaftung unmöglich.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Besonderheiten der Ruhrgebietsarchitektur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Geschichte der Weißen Riesen ist untrennbar mit der spezifischen Entwicklung des Ruhrgebiets verbunden. Anders als in München oder Hamburg, wo Hochhaussiedlungen oft am Stadtrand entstanden, wurden sie in Duisburg direkt in gewachsene Arbeiterquartiere implantiert. Die räumliche Nähe zu Thyssen-Krupp und anderen Industriebetrieben war gewollt – kurze Wege zur Schicht galten als sozialer Fortschritt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die nordrhein-westfälische Landesbauordnung der 1970er Jahre spiegelte den damaligen Planungsoptimismus wider: Geschosszahlen bis zu 20 Etagen waren mit vereinfachten Genehmigungsverfahren möglich, die Abstandsflächen wurden zugunsten verdichteter Bebauung minimiert. Diese regulatorischen Rahmenbedingungen, gepaart mit massiven Förderungen des sozialen Wohnungsbaus durch das Land NRW, schufen die Voraussetzungen für Großprojekte wie die Weißen Riesen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der lange Weg zur Sprengung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung zum Abriss fiel nicht leicht. Jahrelang diskutierten Stadtplanerinnen und Stadtplaner, Sozialarbeiter und Politikerinnen über Alternativen. Sanierungskonzepte scheiterten an den enormen Kosten – allein die energetische Ertüchtigung hätte pro Gebäude über 20 Millionen Euro verschlungen. Die Duisburger Baudezernentin verwies auf die veränderten Wohnansprüche: Familien suchen heute individuellere Grundrisse, barrierefreie Zugänge und private Freiräume. Die Weißen Riesen mit ihren standardisierten 65-Quadratmeter-Wohnungen konnten diese Bedürfnisse nicht mehr erfüllen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Gutachten der Architektenkammer NRW attestierte den Gebäuden 2019 „keine erhaltenswerte Bausubstanz&#8220;. Der Denkmalschutz, der in anderen Bundesländern durchaus Großwohnsiedlungen der 1970er Jahre unter Schutz stellt, sah in den Duisburger Hochhäusern keine schützenswerte Architektur. Im Gegensatz zu den Grindelhochhäusern in Hamburg oder dem Märkischen Viertel in Berlin fehlte den Weißen Riesen die architektonische Qualität und städtebauliche Einbindung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit versus Neubeginn</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sprengung wirft Fragen zur Nachhaltigkeit auf. Kritische Stimmen aus der regionalen Architekturfakultät der Universität Duisburg-Essen bemängeln die Verschwendung grauer Energie. Professor Martin Schmitz vom Lehrstuhl für Städtebau betont: „Jeder Abriss ist klimapolitisch problematisch. Die verbauten 45.000 Tonnen Beton hätten theoretisch recycelt werden können.&#8220; Andererseits argumentiert die Stadt mit der sozialen Nachhaltigkeit des Projekts. Die Beseitigung der Problemimmobilien ermögliche eine grundlegende Neuordnung des Quartiers.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Schutt wird tatsächlich zu 90 Prozent recycelt – als Unterbau für Straßen und Parkplätze. Ein schwacher Trost für Verfechterinnen und Verfechter der Umbaukultur, die in anderen Regionen erfolgreich Plattenbauten zu attraktivem Wohnraum transformieren. Das sächsische Modell der behutsamen Plattenbausanierung, gefördert durch spezielle Landesprogramme, kam für NRW nie ernsthaft in Betracht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zukunftsperspektiven für Hochheide</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf dem 10 Hektar großen Areal soll bis 2030 ein durchmischtes Quartier entstehen. Die Planungen sehen 400 Wohneinheiten vor – deutlich weniger als die ursprünglichen 800 Wohnungen der drei Hochhäuser. Reihenhäuser, Stadtvillen und maximal viergeschossige Mehrfamilienhäuser sollen unterschiedliche Einkommensgruppen ansprechen. Die GEBAG verpflichtet sich, 30 Prozent als geförderten Wohnraum zu realisieren – ein Kompromiss zwischen sozialer Verantwortung und wirtschaftlicher Tragfähigkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neue Landesbauordnung NRW von 2024 mit ihren verschärften Anforderungen an Barrierefreiheit und Klimaschutz prägt die Neuplanungen. Photovoltaikanlagen werden verpflichtend, Gründächer sollen das Mikroklima verbessern. Ein Mobilitätskonzept reduziert den Stellplatzschlüssel zugunsten von Fahrradinfrastruktur – undenkbar in den autogerechten 1970er Jahren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lehren für andere Regionen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Duisburger Erfahrung strahlt über das Ruhrgebiet hinaus. In Mannheim, Offenbach und selbst im reichen Stuttgart stehen ähnliche Entscheidungen an. Die Weißen Riesen mahnen zu differenzierter Betrachtung: Nicht jede Großwohnsiedlung ist per se gescheitert, nicht jeder Abriss alternativlos. Entscheidend sind lokale Faktoren wie Arbeitsmarkt, Bevölkerungsentwicklung und kommunale Finanzkraft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Blick in andere Bundesländer zeigt Alternativen: Während Bayern mit millionenschweren Sonderprogrammen Großwohnsiedlungen stabilisiert, setzt Brandenburg auf kleinteilige Rückbaukonzepte. Die unterschiedlichen Länderbauordnungen und Förderpolitiken führen zu divergierenden Entwicklungen – ein föderaler Flickenteppich, der Vergleiche erschwert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall Duisburg demonstriert eindringlich: Architektur ist nie nur gebaute Form, sondern immer auch sozialer Prozess. Die Weißen Riesen scheiterten nicht an statischen Mängeln, sondern an gesellschaftlichen Verwerfungen. Ihr Ende markiert das Eingeständnis, dass manche städtebaulichen Experimente nicht reparabel sind. Gleichzeitig eröffnet der Abriss Chancen für einen Neuanfang – kleinteiliger, durchmischter, nachhaltiger. Ob das gelingt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Die Staubwolke vom Sonntagmorgen ist verweht, die Herausforderung bleibt bestehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ihme-Zentrum Hannover: Zwischen Vision und Wirklichkeit</title>
		<link>https://baukunst.art/ihme-zentrum-hannover-zwischen-vision-und-wirklichkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Sep 2025 08:50:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[#Architekturmoderne]]></category>
		<category><![CDATA[Ihme-Zentrum]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[Als städtebauliche Utopie der Siebziger gefeiert, ist das Ihme-Zentrum heute ein Symbol für die Kluft zwischen Planungsvision und urbaner Realität.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Utopie aus Beton</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In den frühen 1970er-Jahren war Hannover Schauplatz eines der ambitioniertesten Stadtentwicklungsprojekte der Bundesrepublik. Das Ihme-Zentrum sollte nicht weniger sein als ein Zukunftslabor urbanen Lebens: Wohnen, Arbeiten, Einkaufen – alles unter einem Dach, auf mehreren Ebenen, getrennt nach Funktionen und verkehrsfrei im Inneren. Ein autarkes, klimatisch reguliertes Stadtstück. Was in Städten wie Marseille (Unité d’Habitation) oder Berlin (Steglitzer Kreisel) angedacht wurde, fand an der Ihme seinen baulichen Ausdruck – konkret, massiv, fast trotzig. Architekt Karl-Heinz Möller entwarf eine visionäre Großstruktur, die als gestapelte Stadt funktionieren sollte. Vier Wohnhochhäuser mit über 800 Wohnungen, ein weitläufiges Sockelgeschoss mit Büros und Läden, Parkplätze auf Plateaus, Erschließung über Brücken und Rampen – eine vertikale Stadtlandschaft. Damals galt das als Ausdruck moderner, funktionalistischer Architektur – heute wirkt es wie ein Mahnmal verpasster Chancen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der große Fall: Vom Zentrum zur Brache</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was in den siebziger Jahren als Modellfall städtischer Verdichtung galt, wurde wenige Jahrzehnte später zum Sinnbild des urbanen Scheiterns. Nach der Übernahme durch wechselnde Investoren, zuletzt den skandalumwitterten Investor Windhorst, verkam das Zentrum zusehends. Die oberen Wohnungen sind nach wie vor bewohnt, doch das gewerbliche Sockelgeschoss steht weitgehend leer, verfällt, wurde zeitweise sogar von der Feuerwehr als Gefahrenzone deklariert. Die Eigentumsstruktur des Ihme-Zentrums – eine Mischung aus Wohnungseigentümerinnen und -eigentümern, privaten Investoren, Gesellschaften und der Stadt selbst – verhindert seit Jahren koordinierte Sanierung und Entwicklung. Die Bewohnerinnen und Bewohner zahlen indes hohe Umlagen für Instandhaltung und Verwaltung – für Räume, die sie nicht betreten können und für Infrastruktur, die längst versagt hat.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stadt in der Zuschauerrolle</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landeshauptstadt Hannover hält sich weitgehend heraus. Obwohl sie Flächen im Zentrum besitzt und ein städtebauliches Interesse bestehen müsste, agiert die Verwaltung zögerlich. „Das Ihme-Zentrum ist ein privates Eigentumsprojekt“, heißt es regelmäßig aus dem Rathaus. Eine Haltung, die in der lokalen Planungskultur zunehmend kritisiert wird. Gerade in einem Modellfall wie diesem wird deutlich: Ohne kommunale Verantwortung kann urbane Transformation nicht gelingen. Der niedersächsische Städtebau kennt ähnliche Fälle, wenngleich in kleinerem Maßstab. Doch das Ihme-Zentrum ist einzigartig – nicht nur wegen seiner Größe, sondern weil es in zentraler Lage als visuelle Konstante das Bild der Stadt prägt und ihre Planungskultur widerspiegelt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eigentum ohne Einfluss: Die Ohnmacht der Bewohnerinnen und Bewohner</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wohnungseigentümerinnen und -eigentümer des Ihme-Zentrums sehen sich in einer bizarren Lage: Ihre Immobilie verliert stetig an Wert, sie zahlen hohe Nebenkosten und haben kaum Einfluss auf die Zukunft des Gesamtkomplexes. Das Miteigentum am maroden Sockelgeschoss zwingt sie zur Mitfinanzierung eines Leerstands, dessen Verwaltung sie kaum kontrollieren können. „Wir haben ein modernes Gefängnis mit Fernwärme und Balkon gekauft“, kommentierte ein Eigentümer sarkastisch in einer Lokalzeitung. Tatsächlich gleicht die Stimmung in vielen Eigentümerversammlungen eher juristischen Auseinandersetzungen als gemeinschaftlicher Stadtentwicklung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zwischen Abriss und Hoffnung</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ideen für die Zukunft des Ihme-Zentrums reichen vom Abriss über die Umnutzung zum Kulturzentrum bis hin zur kleinteiligen Sanierung in Etappen. Einzelne Initiativen wie die „Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum“ oder Zwischennutzungen von Künstlerinnen und Architekturbüros zeigen, dass das Potenzial erkannt wird – zumindest in der Zivilgesellschaft. Die Politik bleibt vorsichtig. In einer Stadt mit Wohnraummangel und klimapolitischen Zielen wäre eine Sanierung des Ihme-Zentrums durchaus plausibel. Der Bestand ist dicht, infrastrukturell gut angebunden und ressourcenschonender als ein Neubau. Doch die politische Realität spiegelt nicht die architektonische Vernunft.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bleibt: Eine Mahnung aus Stahlbeton</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Ihme-Zentrum ist kein Einzelfall – es steht exemplarisch für ein Phänomen, das in vielen Regionen zu beobachten ist: Großprojekte der Nachkriegsmoderne, die mit hehren Zielen begannen und an Besitzverhältnissen, Pflegeaufwand und politischer Passivität scheitern. Ähnliche Strukturen finden sich etwa in Ludwigshafen, Offenbach oder Halle-Neustadt. Doch es geht um mehr als bauliche Hüllen – es geht um die Frage, wie Stadt mit ihrer eigenen Vergangenheit umgeht. Die Vision des Ihme-Zentrums war eine ernsthafte – heute wirkt sie wie eine Karikatur. Und trotzdem bleibt Hoffnung: Wenn es gelingt, diese Struktur als Ressource zu begreifen, kann sie zum Vorbild für andere Regionen werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Spielen für alle? Wie Legos Academy soziale Gräben überbrücken will</title>
		<link>https://baukunst.art/spielen-fuer-alle-wie-legos-academy-soziale-graeben-ueberbruecken-will/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Sep 2025 12:30:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Dänemark]]></category>
		<category><![CDATA[Kreativwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13420</guid>

					<description><![CDATA[ In Billund revolutioniert Lego mit seiner neuen Masters Academy nicht nur das Spielen, sondern transformiert eine 8000-Seelen-Gemeinde zum internationalen Pilgerziel kreativer Köpfe.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die demokratische Dimension des Bauens</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Billund, einst ein vergessener Winkel Dänemarks mit gerade mal acht Bauernhöfen im 19. Jahrhundert, verkörpert heute eine bemerkenswerte urbanistische Erfolgsgeschichte. Die neue Masters Academy im Lego House, die diese Woche ihre Pforten öffnet, markiert dabei mehr als nur eine weitere Touristenattraktion. Sie steht symbolisch für eine Rückkehr zu den demokratischen Wurzeln des Spielens – und damit zu einer Form der Teilhabe, die in unserer durchdigitalisierten Gesellschaft zunehmend verloren geht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was Ole Kirk Christiansen 1932 in diesem abgelegenen Ort begann, war nicht weniger als eine stille Revolution der Kinderzimmer. Seine Idee, dass aus simplen Bausteinen unendliche Möglichkeiten entstehen können, demokratisierte das kreative Spielen. Heute, wo Lego-Sets oft zu hochpreisigen Puzzles mit Aufklebern verkommen sind, will die Masters Academy bewusst gegensteuern. Hier dürfen Kinder und Erwachsene wieder frei bauen, angeleitet von professionellen Master-Buildern, aber nicht eingeschränkt durch vorgefertigte Bauanleitungen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Stadtentwicklung durch Spielsteine</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Transformation Billunds von der dänischen Provinz zur internationalen Destination wirft fundamentale Fragen der Stadtentwicklung auf. Mit nicht einmal 8000 Einwohnerinnen und Einwohnern beherbergt der Ort heute eine der meistbesuchten Touristenattraktionen Skandinaviens. Das 12.000 Quadratmeter große Lego House, entworfen vom Stararchitekten Bjarke Ingels, wurde binnen acht Jahren zu einem urbanen Magneten, der die soziale Infrastruktur einer ganzen Region prägt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die gestapelten Kuben des Gebäudes, die an überdimensionale Lego-Steine erinnern, fügen sich dabei erstaunlich organisch in die geduckten Dächer der Kleinstadt ein. Diese architektonische Symbiose zwischen globaler Markenidentität und lokaler Baukultur zeigt, wie partizipative Stadtplanung aussehen kann, wenn sie nicht von oben diktiert, sondern aus der Geschichte eines Ortes heraus entwickelt wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Soziale Durchmischung im Miniaturformat</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders aufschlussreich für die gesellschaftliche Dimension des Projekts ist die Miniaturwelt im Lego House. Diese dreidimensionale Wimmelbild-Installation, bestehend aus zigtausenden Steinen, bildet nicht nur asiatische Megalopolen oder tropische Inseln ab. Sie schafft eine Utopie der sozialen Durchmischung: Skispringer landen unter Palmen, Geschäftsleute eilen neben Straßenkünstlern durch die Gassen, Tag und Nacht wechseln sich ab wie in einer echten Metropole.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese spielerische Vermischung verschiedener Welten und Kulturen transportiert eine wichtige Botschaft: In der Lego-Welt gibt es keine sozialen Barrieren, keine Gentrifizierung, keine Verdrängung. Jede Figur, ob Bauarbeiterin oder Bankdirektor, besteht aus denselben Grundbausteinen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Generationenübergreifende Partizipation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Masters Academy erweitert dieses Konzept um eine entscheidende Dimension: die generationenübergreifende Teilhabe. Während Spielzeug traditionell als Kinderdomäne gilt, öffnet sich hier ein Raum für erwachsene Profibauer und ambitionierte Amateurinnen. Diese bewusste Inklusion verschiedener Altersgruppen spiegelt einen größeren gesellschaftlichen Trend wider: die Auflösung starrer Generationengrenzen in kreativen Prozessen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Workshops, die an Fernsehstudios erinnern, entstehen neue Formen der Gemeinschaftsbildung. Menschen verschiedenen Alters arbeiten gemeinsam an Projekten, tauschen Techniken aus, lernen voneinander. Das ist besonders bemerkenswert in einer Zeit, in der digitale Medien Generationen oft eher trennen als verbinden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ökonomische Teilhabe versus elitärer Konsum</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritisch zu hinterfragen bleibt allerdings die ökonomische Schwelle zur Partizipation. Mit ihren &#8222;happigen&#8220; Preisen, wie es im Fachjargon heißt, sind Lego-Produkte längst zum Statussymbol geworden. Die Masters Academy mag zwar kreative Freiheit predigen, doch der Zugang zu dieser Freiheit bleibt eine Frage des Geldbeutels.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessanterweise unterscheidet sich hier das Lego House fundamental vom benachbarten Legoland. Während im Vergnügungspark die selbstgebauten Ferrari-Modelle nach dem obligatorischen Foto wieder &#8222;zerbröselt&#8220; werden, dürfen Besucherinnen und Besucher der Masters Academy ihre Kreationen mit nach Hause nehmen. Diese scheinbar kleine Geste hat große symbolische Bedeutung: Sie anerkennt den Wert individueller Kreativität und macht aus Konsumenten wieder Produzentinnen und Produzenten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Billund als Modell nachhaltiger Urbanisierung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entwicklung Billunds wirft die Frage auf, ob hier ein Modell für nachhaltige Stadtentwicklung entstanden ist. Ein Weltkonzern, der seine Wurzeln nicht vergisst, sondern den Ursprungsort zum globalen Zentrum macht – das widerspricht allen Logiken der Globalisierung. Während Lego Fabriken in Ungarn, Tschechien, Mexiko und China betreibt, bleibt das kreative Herz in der dänischen Provinz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit 730 Millionen produzierten Miniaturrädern jährlich mag Lego zwar der größte Reifenhersteller der Welt sein, doch die eigentliche Produktion findet woanders statt. Billund produziert Ideen, Erlebnisse, Erinnerungen. Diese immaterielle Wertschöpfung könnte ein Zukunftsmodell für postindustrielle Kleinstädte sein.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Baustein einer neuen Gesellschaft?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Masters Academy in Billund ist mehr als eine Touristenattraktion. Sie verkörpert eine Vision von Gesellschaft, in der Kreativität demokratisiert, Generationen verbunden und lokale Identitäten global relevant werden. Ob sich ein Besuch lohnt? Für alle, die verstehen wollen, wie aus 20 Stecksteinen nicht nur ein Haus, ein Storch oder ein Schiff entstehen kann, sondern möglicherweise auch eine neue Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens, ist die Antwort eindeutig ja.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><strong>Kontakt</strong></h3>
<p><strong>Lego House</strong> Ole Kirks Plads 1 7190 Billund, Dänemark Tel: +45 8282 0400 Email: guestservices@legohouse.com</p>
<h3><strong>Öffnungszeiten</strong></h3>
<p><strong>Lego House:</strong></p>
<ul>
<li>Täglich 10:00-18:00 Uhr (Hauptsaison bis 20:00)</li>
<li>Letzter Einlass 1 Stunde vor Schließung</li>
<li>24.-26. Dezember geschlossen</li>
</ul>
<p><strong>Masters Academy:</strong></p>
<ul>
<li>Workshop-Zeiten variieren (Voranmeldung erforderlich)</li>
<li>Sessions: 90-180 Minuten je nach Programm</li>
<li>Altersgruppen: 6-12 Jahre, 13+, Erwachsene</li>
</ul>
<h3><strong>Eintrittspreise</strong></h3>
<p><strong>Lego House:</strong></p>
<ul>
<li>Erwachsene: 299 DKK (ca. 40 €)</li>
<li>Kinder (3-12): 299 DKK</li>
<li>Unter 3 Jahre: Gratis</li>
<li>Familienticket (2+2): 999 DKK (ca. 134 €)</li>
<li>Öffentlicher Bereich (Square): Kostenlos</li>
</ul>
<p><strong>Masters Academy Workshops:</strong></p>
<ul>
<li>Basis-Workshop: ab 199 DKK (ca. 27 €) zusätzlich</li>
<li>Premium-Sessions: 399-599 DKK (ca. 54-80 €)</li>
<li>Inklusive: Alle gebauten Modelle zum Mitnehmen</li>
</ul>
<p><strong>Buchung:</strong></p>
<ul>
<li>Online-Tickets empfohlen (10% Rabatt)</li>
<li>Masters Academy: Vorab-Buchung essentiell</li>
<li>www.legohouse.com</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Tag der Umbaukultur: Zwischen Tradition und Moderne</title>
		<link>https://baukunst.art/tag-der-umbaukultur-zwischen-tradition-und-moderne/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Sep 2025 13:29:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Umbaukultur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13384</guid>

					<description><![CDATA[Am 8. November ruft die Bundesstiftung Baukultur zum Tag der Umbaukultur auf – ein Aktionstag, der die sozialen und kulturellen Dimensionen des Bauens im Bestand in den Mittelpunkt rückt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die goldene Energie des Bestands: Warum Umbaukultur eine soziale Revolution ist</h2>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Mehr als nur Steine und Mörtel</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der 8. November markiert seit 2022 einen bedeutsamen Wendepunkt in der deutschen Architekturgeschichte. An diesem Tag stellte die Bundesstiftung Baukultur ihren wegweisenden Bericht „Neue Umbaukultur&#8220; vor und etablierte damit einen jährlichen Aktionstag, der weit mehr als nur technische Aspekte des Bauens thematisiert. Er wirft fundamentale Fragen zur gesellschaftlichen Verantwortung, sozialen Gerechtigkeit und demokratischen Teilhabe in der Stadtentwicklung auf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In deutschen Städten manifestiert sich derzeit ein Paradoxon: Während die Klimakrise und explodierende Baukosten nach intelligenten Lösungen verlangen, weisen Kommunen weiterhin neues Bauland aus. Der reflexhafte Griff zur Abrissbirne dominiert noch immer gegenüber durchdachten Umbaukonzepten. Diese Praxis ignoriert nicht nur ökologische Notwendigkeiten, sondern auch tiefgreifende soziale Realitäten.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Soziale Verwerfungen im Schatten der Neubauten</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die gesellschaftlichen Folgen des Abriss-Neubau-Paradigmas sind verheerend. In Berlin-Kreuzberg, München-Giesing oder Hamburg-St. Pauli beobachten Sozialwissenschaftlerinnen und Stadtplaner identische Muster: Gewachsene Nachbarschaften werden zerrissen, soziale Netzwerke zerstört, bezahlbarer Wohnraum vernichtet. Eine 78-jährige Rentnerin aus Frankfurt-Bockenheim brachte es auf den Punkt: „Mit dem Abriss meines Hauses verschwand meine ganze Lebensgeschichte.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese persönlichen Schicksale sind keine Einzelfälle, sondern systematische Konsequenzen einer fehlgeleiteten Stadtentwicklung. Studien der Humboldt-Universität zeigen: Bei Abriss und Neubau kehren nur 15 Prozent der ursprünglichen Bewohnerinnen und Bewohner zurück. Die Mieten steigen durchschnittlich um 180 Prozent. Die Folge: eine schleichende soziale Entmischung, die unsere Städte in Wohlstandsinseln und Peripheriezonen spaltet.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Umbaukultur als demokratischer Prozess</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Tag der Umbaukultur propagiert einen radikal anderen Ansatz. Umbau bedeutet Dialog – zwischen Architektinnen und Nutzern, zwischen Geschichte und Zukunft, zwischen verschiedenen sozialen Gruppen. In Wuppertal transformierte eine Bürgerinitiative gemeinsam mit lokalen Architekten eine verlassene Textilfabrik in ein lebendiges Kulturzentrum. 300 Anwohnerinnen und Anwohner beteiligten sich an Planungsworkshops, brachten Ideen ein, packten beim Umbau mit an.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Solche partizipativen Prozesse erzeugen mehr als nur Gebäude – sie schaffen soziales Kapital. Menschen identifizieren sich mit ihrem Quartier, übernehmen Verantwortung, bilden Gemeinschaften. Die Soziologin Prof. Martina Löw bezeichnet dies als „räumliche Demokratisierung&#8220;: Der Raum wird zum Medium gesellschaftlicher Aushandlung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Interkulturelle Brücken durch Bestandserhalt</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In deutschen Großstädten leben Menschen aus über 190 Nationen. Ihre Bedürfnisse, Wohnkulturen und sozialen Praktiken unterscheiden sich fundamental. Der Erhalt und sensible Umbau bestehender Strukturen ermöglicht diese Vielfalt. Ein Plattenbau in Leipzig-Grünau wurde durch minimale Eingriffe zum interkulturellen Wohnprojekt: Gemeinschaftsküchen für Großfamilien, flexible Raumaufteilungen für unterschiedliche Wohnkonzepte, Gebetsräume neben Ateliers.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Neubauten folgen dagegen oft standardisierten Grundrissen, die primär mittelständische Kleinfamilien adressieren. Sie exkludieren systematisch alternative Lebensformen, Mehrgenerationenhaushalte oder gemeinschaftliche Wohnmodelle. Die Architektursoziologin Dr. Sandra Huning warnt: „Homogene Neubauviertel produzieren soziale Blindheit.&#8220;</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Generationengerechtigkeit und demographischer Wandel</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Deutschland altert rapide. Bis 2040 wird jeder dritte Bewohner über 65 Jahre alt sein. Diese demographische Revolution erfordert radikales Umdenken in der Stadtplanung. Der sensible Umbau bestehender Quartiere ermöglicht altersgerechte Anpassungen bei Erhalt sozialer Strukturen. Eine 82-jährige Münchnerin muss nicht ihr vertrautes Viertel verlassen, wenn ihre Altbauwohnung barrierefrei umgebaut wird. Der Bäcker kennt sie, die Nachbarin hilft beim Einkaufen, der Hausarzt ist um die Ecke.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Junge Architektinnen und Stadtplaner entwickeln innovative Konzepte: In Heidelberg entstand durch Umbau ein Mehrgenerationenhaus, in dem Studierende günstig wohnen und dafür Seniorinnen und Senioren unterstützen. Solche Modelle funktionieren nur im Bestand, wo gewachsene Strukturen unterschiedliche Generationen organisch zusammenführen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bezahlbarkeit als soziale Frage</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen sind alarmierend: Neubauwohnungen kosten durchschnittlich 4.500 Euro pro Quadratmeter. Umbauten im Bestand: 1.800 Euro. Diese Differenz entscheidet über gesellschaftliche Teilhabe. Eine Krankenpflegerin, ein Busfahrer, eine Lehrerin – sie alle finden in Neubauvierteln keinen Platz mehr. Die Stadt wird zur Gated Community für Besserverdienende.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Umbaukultur durchbricht diese Logik. In Hamburg-Wilhelmsburg verwandelte eine Genossenschaft alte Speichergebäude in bezahlbaren Wohnraum. Die Miete liegt bei 7,50 Euro pro Quadratmeter – möglich durch intelligente Bestandsnutzung und solidarische Finanzierungsmodelle. 40 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner haben Migrationshintergrund, 30 Prozent sind alleinerziehend, 25 Prozent über 60 Jahre alt. Diese soziale Mischung ist kein Zufall, sondern Programm.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Identität und kollektives Gedächtnis</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gebäude sind Speicher kollektiver Erinnerung. Die Frankfurter Großmarkthalle, heute Teil der Europäischen Zentralbank, erzählt von Deportationen im Nationalsozialismus. Ihr Erhalt und ihre Transformation mahnen, informieren, schaffen Bewusstsein. Ein Abriss hätte diese Geschichte ausgelöscht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Tag der Umbaukultur erinnert daran: In jedem Bestandsgebäude steckt „goldene Energie&#8220; – nicht nur materiell, sondern vor allem immateriell. Geschichten von Arbeitskämpfen in alten Fabriken, von Liebesgeschichten in Altbauwohnungen, von Gemeinschaft in Siedlungen der Nachkriegszeit. Diese narrative Dimension macht Städte lebenswert, schafft Zugehörigkeit, stiftet Identität.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Eine Bewegung formiert sich</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der 8. November 2025 könnte zum Kristallisationspunkt einer breiten gesellschaftlichen Bewegung werden. Bürgerinitiativen, Architektinnen, Handwerker und Politikerinnen – sie alle sind aufgerufen, die Umbaukultur sichtbar zu machen. Mit dem Hashtag #TagDerUmbaukultur entstehen digitale Netzwerke, die lokale Initiativen bundesweit verknüpfen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Forderungen sind klar: Umbaurecht statt Abrissbirnen-Mentalität, Partizipation statt Top-Down-Planung, soziale Durchmischung statt Gentrifizierung. Der Innenarchitektur-Summit vom 7. bis 9. November in Berlin wird diese Themen vertiefen. Doch entscheidend bleibt die Basis: Menschen, die ihre Städte nicht den Investoren überlassen, sondern aktiv gestalten. Der Tag der Umbaukultur ist ihr Manifest.</p>
<h3><strong>Faktsheet: Veranstaltungen zum Tag der Umbaukultur 2025</strong></h3>
<h3><strong>Zentrale Veranstaltung: </strong><strong>Innenarchitektur-Summit 2025</strong></h3>
<ul>
<li><strong>Titel:</strong> „Bestand transformieren, Räume neu denken!&#8220;</li>
<li><strong>Datum:</strong> 7.-9. November 2025</li>
<li><strong>Ort:</strong> Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin</li>
<li><strong>Veranstalter:</strong> BDIA (Bund Deutscher Innenarchitekten) in Kooperation mit der Bundesstiftung Baukultur</li>
<li><strong>Schwerpunkte:</strong>
<ul>
<li>Transformation bestehender Gebäudestrukturen</li>
<li>Soziale Aspekte der Innenraumgestaltung</li>
<li>Partizipative Planungsprozesse</li>
<li>Best-Practice-Beispiele aus der Umbaupraxis</li>
</ul>
</li>
</ul>
<h3><strong>Aktionsformat: </strong><strong>Social Media Kampagne #TagDerUmbaukultur</strong></h3>
<ul>
<li><strong>Datum:</strong> 8. November 2025</li>
<li><strong>Plattformen:</strong> Instagram, LinkedIn, X (Twitter)</li>
<li><strong>Aufruf:</strong> Teilen von Umbau-Projektbeispielen</li>
<li><strong>Ziel:</strong> Bundesweite Sichtbarkeit für gelungene Umbauprojekte</li>
<li><strong>Koordination:</strong> Bundesstiftung Baukultur</li>
</ul>
<h3><strong>Hintergrund:</strong></h3>
<ul>
<li><strong>Initiierung:</strong> 8. November 2022 mit Vorstellung des Baukulturberichts „Neue Umbaukultur&#8220;</li>
<li><strong>Jährliche Durchführung:</strong> Seit 2022 als fester Aktionstag etabliert</li>
<li><strong>Kernbotschaft:</strong> Bestand birgt nicht nur graue, sondern „goldene Energie&#8220;</li>
<li><strong>Fokus 2025:</strong> Besondere Betonung der sozialen und gesellschaftlichen Dimensionen</li>
</ul>
<h3><strong>Teilnahme-Möglichkeiten:</strong></h3>
<ol>
<li><strong>Für Architekturbüros:</strong> Präsentation realisierter Umbauprojekte via Social Media</li>
<li><strong>Für Kommunen:</strong> Organisation lokaler Führungen durch Umbauprojekte</li>
<li><strong>Für Bürgerinitiativen:</strong> Dokumentation partizipativer Planungsprozesse</li>
<li><strong>Für Bildungseinrichtungen:</strong> Workshops und Diskussionsrunden zum Thema</li>
<li><strong>Für Handwerksbetriebe:</strong> Einblicke in traditionelle Umbautechniken</li>
</ol>
<h3><strong>Vernetzung:</strong></h3>
<ul>
<li><strong>Website:</strong> www.bundesstiftung-baukultur.de</li>
<li><strong>Instagram:</strong> @bundesstiftungbaukultur</li>
<li><strong>LinkedIn:</strong> Bundesstiftung Baukultur</li>
<li><strong>Hashtags:</strong> #TagDerUmbaukultur #NeueUmbaukultur #GoldeneEnergie</li>
</ul>
<h3><strong>Kontakt für Rückfragen:</strong></h3>
<p>Bundesstiftung Baukultur<br />
Schiffbauergasse 3<br />
14467 Potsdam<br />
Tel: 0331 / 20 12 59-0<br />
E-Mail: mail@bundesstiftung-baukultur.de</p>
<p><strong>Hinweis:</strong> Weitere lokale Veranstaltungen werden laufend auf der Website der Bundesstiftung Baukultur ergänzt. Eine Anmeldung eigener Aktionen ist erwünscht und kann über die genannten Kontaktdaten erfolgen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wels schreibt Geschichte: Österreichs größtes Entsiegelungsprojekt als pragmatischer Paradigmenwechsel</title>
		<link>https://baukunst.art/wels-schreibt-geschichte-oesterreichs-groesstes-entsiegelungsprojekt-als-pragmatischer-paradigmenwechsel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Aug 2025 11:01:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Entsiegelung]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaanpassung]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13110</guid>

					<description><![CDATA[Wels verwandelt 40.000 m² Beton in Österreichs größten Stadtpark. Ein FPÖ-Bürgermeister setzt um, wovon andere nur reden. Die Geschichte eines pragmatischen Paradigmenwechsels.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Wenn Betonwüsten zu Parklandschaften werden</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es braucht schon etwas Fantasie, wenn Andreas Rabl durch die düsteren Messehallen führt und von Seerosen spricht. Der FPÖ-Bürgermeister von Wels deutet auf grauen Beton, wo bald Wasser glitzern soll, zeigt auf Palettenstapel, wo künftig Kinder spielen werden. Die mit Graffiti bemalten Wände, der allgegenwärtige Geruch von Motoröl und die kilometerlangen Parkplatzflächen – all das wird in wenigen Monaten Geschichte sein. Ab 28. April beginnt der Abriss von 13 Messehallen, und damit startet ein Projekt, das in seiner Dimension einzigartig in Österreich ist: 40.000 Quadratmeter versiegelte Fläche werden zu einem zehn Hektar großen Stadtpark.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die oberösterreichische Statutarstadt mit ihren 63.000 Einwohnerinnen und Einwohnern wagt, was andere Kommunen seit Jahren diskutieren, aber selten umsetzen: radikale Entsiegelung im großen Stil. Während bundesweit täglich etwa elf Hektar Boden neu versiegelt werden und die Debatte über Flächenfraß meist folgenlos bleibt, macht Wels ernst. Der Bundesrechnungshof bezeichnet das Vorhaben bereits als &#8222;Vorbild für andere Städte&#8220; und würdigt es als &#8222;wichtige Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel&#8220;.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Pragmatismus statt Ideologie: Eine ungewöhnliche Allianz</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was das Welser Projekt besonders macht, ist nicht nur seine schiere Größe, sondern auch die politische Konstellation dahinter. Ein freiheitlicher Bürgermeister, der sich ungern als Klimaschützer bezeichnen lässt, setzt gemeinsam mit SPÖ-Stadtrat Stefan Ganzert und einem breiten politischen Konsens ein Jahrhundertprojekt um. &#8222;Uns ging es primär um Lebensqualität&#8220;, betont Rabl fast trotzig, als müsse er sich gegen den Verdacht wehren, heimlich doch ein Grüner zu sein. Diese pragmatische Herangehensweise, die Klimaschutz als willkommenen Nebeneffekt behandelt statt als ideologisches Hauptmotiv, könnte paradoxerweise der Schlüssel zum Erfolg sein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Finanzierung zeigt ähnlichen Pragmatismus: Von den 65 Millionen Euro Gesamtkosten entfallen 20 Millionen auf die Parkerweiterung, 34 Millionen auf den Messehallenbau und 13,7 Millionen auf die Landesgartenschau 2027. Die Stadt greift tief in ihre Rücklagen – etwa die Hälfte der Ersparnisse fließt in das Projekt. Kritische Stimmen merken an, dass diese Rücklagen aus dem Verkauf der Sparkassen-Anteile nach der FPÖ-Machtübernahme stammen. Doch selbst der grüne Umwelt-Landesrat Stefan Kaineder zeigt sich begeistert und stellt die maximale Landesförderung von 80.000 Euro zur Verfügung – ein symbolischer, aber wichtiger überparteilicher Schulterschluss.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Mikroklima und Makroplanung: Die technischen Dimensionen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 500 neue Bäume aus 40 verschiedenen, klimaresilienten Arten werden gepflanzt. Die Auswahl erfolgte nach strengen Kriterien: Klimabeständigkeit, ökologischer Wert und gestalterische Aspekte mussten in Einklang gebracht werden. Die sogenannten &#8222;Zukunftsbäume&#8220; – Arten, die mit höheren Temperaturen und längeren Trockenperioden zurechtkommen – dominieren die Pflanzliste. Gleichzeitig bleiben alle Bestandsbäume erhalten, ein wichtiges Signal an Naturschützerinnen und Naturschützer.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die hydrologischen Effekte sind beachtlich: Wo heute Regenwasser ungenutzt in die Kanalisation rauscht, werden künftig 40.000 Quadratmeter Boden das Wasser aufnehmen, speichern und langsam wieder abgeben. Dies reduziert nicht nur die Hochwassergefahr bei Starkregenereignissen, sondern schafft auch ein ausgeglicheneres Mikroklima. Messungen in vergleichbaren Projekten zeigen Temperaturreduktionen von bis zu vier Grad Celsius an Hitzetagen – für eine Stadt im oberösterreichischen Zentralraum keine Kleinigkeit.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Märchenwald und Skaterpark: Sozialräumliche Vielfalt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der neue Volksgarten wird mehr als eine grüne Lunge. Die Planungen sehen eine kleinteilige Zonierung vor, die unterschiedlichste Nutzergruppen ansprechen soll: Ein Märchenwald für Kinder hier, Chill-out-Zonen für Jugendliche dort. Am Traunufer entstehen Gastronomiebetriebe, ein Amphitheater soll kulturelle Veranstaltungen ermöglichen. Diese Vielfalt ist kein Zufall, sondern Ergebnis intensiver Bürgerbeteiligung und sozialräumlicher Analyse.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders die Integration der Jugendlichen war den Planerinnen und Planern wichtig. Zu oft werden Parks primär für Familien mit Kleinkindern oder Seniorinnen und Senioren gestaltet, während Teenager sich unerwünschte Nischen suchen müssen. In Wels sollen sie von Anfang an mitgedacht werden – mit eigenen Bereichen, die Rückzug ermöglichen, ohne Konflikte zu provozieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Landesgartenschau als Katalysator</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">2027 wird der neue Park zur Bühne der oberösterreichischen Landesgartenschau. Was manche als geschickten Schachzug zur Förderakquise sehen, hat durchaus tiefere Bedeutung. Gartenschauen haben in Österreich Tradition als Stadtentwicklungsinstrumente. Sie zwingen zu Termintreue, mobilisieren zusätzliche Ressourcen und schaffen öffentliche Aufmerksamkeit. Für Wels bedeutet die Gartenschau eine Deadline, die keine Verzögerungen duldet – ein nicht zu unterschätzender Projektbeschleuniger.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Stimmen und offene Fragen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht alle sind begeistert. Die Verlagerung der Messefunktionen in eine neue, moderne Halle im Westen des Geländes sei nur eine Verschiebung der Versiegelung, monieren Kritikerinnen und Kritiker. Die Verkehrsströme, die der neue Park anziehen wird, könnten die Wohnviertel belasten. Und ob die projektierten Besucherzahlen für die Gastronomie am Traunufer realistisch sind, muss sich erst zeigen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch die Finanzierung wirft Fragen auf. Die Verwendung der städtischen Rücklagen für ein einzelnes Großprojekt sei riskant, warnen Finanzexpertinnen und -experten. Was, wenn unvorhergesehene Kostensteigerungen auftreten? Die Baubranche kennt genug Beispiele für explodierende Budgets. Rabl gibt sich zuversichtlich, verweist auf bereits abgeschlossene Ausschreibungen und fixe Verträge. Die Zeit wird zeigen, ob sein Optimismus gerechtfertigt ist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Modell mit Signalwirkung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Welser Projekt könnte zum Präzedenzfall werden. Nicht weil es perfekt ist, sondern weil es zeigt, dass Entsiegelung im großen Stil machbar ist – politisch, finanziell und technisch. Die Kombination aus pragmatischer Motivation, breitem politischem Konsens und kluger Verknüpfung mit anderen Stadtentwicklungszielen könnte zur Blaupause für andere Kommunen werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders interessant ist die Kommunikationsstrategie: Statt Klimaschutz als moralischen Imperativ zu predigen, argumentiert Rabl mit Lebensqualität, Standortattraktivität und wirtschaftlichen Vorteilen. Diese Botschaft verfängt auch bei jenen, die Klimapolitik skeptisch gegenüberstehen. Es ist eine Lektion in politischer Kommunikation: Manchmal erreicht man mehr, wenn man ideologische Grabenkämpfe umgeht und auf gemeinsame Interessen setzt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Wels 2030</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn 2026 die ersten Welserinnen und Welser durch ihren neuen Park spazieren, wird das mehr sein als ein lokales Ereignis. Es wird ein Signal an andere Städte sein, dass radikale Transformation möglich ist. Die 40.000 Quadratmeter entsiegelte Fläche mögen im Verhältnis zur täglich neu versiegelten Fläche in Österreich klein erscheinen. Doch Symbole haben ihre eigene Kraft. Und manchmal braucht es einen freiheitlichen Bürgermeister, der sich weigert, als Klimaschützer bezeichnet zu werden, um das größte Entsiegelungsprojekt des Landes umzusetzen. Diese Ironie der Geschichte könnte Wels&#8216; größter Beitrag zur Debatte sein: Dass Umweltschutz keine Frage der politischen Couleur sein muss, sondern eine der praktischen Vernunft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der neue Volksgarten wird nicht alle urbanen Probleme von Wels lösen. Er wird die Stadt nicht zur grünen Utopie machen. Aber er wird zeigen, dass Veränderung möglich ist, wenn der politische Wille da ist. Und das, in Zeiten von Politikverdrossenheit und Klimafatalismus, ist vielleicht die wichtigste Botschaft von allen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Plattenbau-Power: Wie Chemnitz seine DDR-Architektur zur Kulturwaffe macht</title>
		<link>https://baukunst.art/plattenbau-power-wie-chemnitz-seine-ddr-architektur-zur-kulturwaffe-macht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Aug 2025 09:34:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Industriearchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturhauptstadt2025]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13079</guid>

					<description><![CDATA[Chemnitz überrascht als Kulturhauptstadt 2025: Statt Glanz setzt die sächsische Stadt auf rauen Industriecharme und macht Plattenbauten zu Kreativorten. Ein architektonischer Neustart.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Gründerzeit und Plattenbau: Chemnitz ist eine Reise wert</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer durch Chemnitz flaniert, begegnet einer Stadt der architektonischen Paradoxe. Hier stehen brutalistische Plattenbauten neben sanierten Gründerzeitvillen, postmoderne Einkaufszentren neben industriellen Backsteinkathedralen. Genau diese scheinbare Unordnung macht Chemnitz zur perfekten Kulturhauptstadt Europas 2025. Die drittgrößte Stadt Sachsens nutzt ihre bauliche Vielschichtigkeit als Chance – und transformiert verlassene Industriehallen zu Kulturorten, Plattenbauten zu Kreativquartieren und brachliegende Flächen zu temporären Kunsträumen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Erbe der Moderne als Chance</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die architektonische DNA von Chemnitz ist untrennbar mit der Industrialisierung verbunden. Als &#8222;Sächsisches Manchester&#8220; prägte die Stadt einst die deutsche Industriearchitektur. Heute, nach Deindustrialisierung und demografischem Wandel, stehen viele dieser Bauwerke leer. Doch statt Abrissbirne wartet die Kulturhauptstadt mit klugen Umnutzungskonzepten auf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ehemalige Straßenbahndepot an der Zwickauer Straße wandelt sich zum zentralen Veranstaltungsort. Die denkmalgeschützte Stahlbetonkonstruktion aus den 1920er Jahren behält ihre industrielle Ästhetik – schwarze Stahlträger, großflächige Verglasung, roher Beton. Architektinnen und Architekten des Büros Knerer und Lang ergänzen behutsam zeitgenössische Einbauten, ohne den Charakter zu zerstören. Ein Lehrstück adaptiver Wiedernutzung, das zeigt: Chemnitz muss seine Vergangenheit nicht verstecken, sondern kann sie produktiv wenden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Plattenbau-Renaissance im Brühl</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders mutig agiert die Stadt im Brühl-Viertel. Der einst als sozialer Brennpunkt stigmatisierte Stadtteil mit seinen Plattenbauten der Serie WBS 70 erfährt eine bemerkenswerte Transformation. Statt kosmetischer Verschönerung setzt das von der Stadt beauftragte Architekturbüro Heilergeiger auf radikale Ehrlichkeit: Die Fassaden bleiben roh, werden aber durch großformatige Kunstwerke lokaler und internationaler Künstlerinnen ergänzt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Erdgeschosszonen, einst tote Sockel, öffnen sich zur Straße. Ateliers, Galerien und Projekträume ziehen ein. Die Sächsische Aufbaubank fördert diese Umnutzungen mit einem speziellen Programm &#8222;Kreativräume Ost&#8220;, das bis zu 80 Prozent der Umbaukosten übernimmt. Ein cleverer Schachzug der Landesregierung, der zeigt: Baukultur in Ostdeutschland braucht andere Ansätze als im Westen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Stefan-Heym-Platz: Neues Herz mit Ecken und Kanten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der neue Stefan-Heym-Platz vor dem Karl-Marx-Monument verkörpert die architektonische Haltung der Kulturhauptstadt exemplarisch. Das Leipziger Büro Topotek 1 gestaltete keine glatte Repräsentationsfläche, sondern einen Ort produktiver Reibung. Unterschiedliche Bodenbeläge – vom groben Kopfsteinpflaster bis zum glatten Beton – zonieren den Raum. Mobile Tribünen aus Cortenstahl können für Veranstaltungen arrangiert werden. Die bewusst raue Materialität korrespondiert mit der brutalistischen Umgebung, ohne in Nostalgie zu verfallen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritisch anzumerken bleibt allerdings die mangelnde Barrierefreiheit einiger Bereiche. Die unterschiedlichen Niveaus und Materialwechsel erschweren Menschen mit Mobilitätseinschränkungen die Nutzung. Hier zeigt sich: Auch ambitionierte Architektur muss inklusiv gedacht werden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Smac und Kunstsammlungen: Museumsbau als Stadtentwicklung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz (smac) im ehemaligen Kaufhaus Schocken demonstriert, wie Denkmalschutz und zeitgenössische Museumsarchitektur harmonieren können. Auer Weber Architekten bewahrten die geschwungene Fassade Erich Mendelsohns und schufen im Inneren eine spektakuläre Raumfolge. Die Kunstsammlungen Chemnitz am Theaterplatz, ein sachlicher Bau der 1990er Jahre von Volker Staab, erhielten zur Kulturhauptstadt eine Erweiterung. Der Anbau aus transluzenten Polycarbonatplatten schafft diffuses Licht für die Ausstellungsräume – energetisch vorbildlich, ästhetisch polarisierend.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit als Leitmotiv</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sächsische Bauordnung wurde 2024 novelliert und ermöglicht nun verstärkt Holzbau und experimentelle Bauweisen. Chemnitz nutzt diese Spielräume: Am Sonnenberg entsteht das erste siebengeschossige Holzhochhaus Sachsens. Das Büro Kaden + Lager setzt dabei auf regionale Fichte aus dem Erzgebirge. Die graue Energie der Bestandsbauten wird konsequent mitgedacht – Abriss ist die Ausnahme, Umnutzung die Regel.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die TU Chemnitz begleitet viele Projekte wissenschaftlich. Professor Martin Pohl vom Institut für Strukturleichtbau untersucht, wie industrielle Altbauten energetisch ertüchtigt werden können, ohne ihre Authentizität zu verlieren. Seine Forschung zeigt: Mit innovativen Dämmsystemen aus nachwachsenden Rohstoffen lassen sich auch Backsteinbauten der Gründerzeit klimaneutral sanieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Partizipation statt Masterplan</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Anders als andere Kulturhauptstädte verzichtet Chemnitz auf einen großen städtebaulichen Masterplan. Stattdessen setzt die Stadt auf kleinteilige, partizipative Prozesse. Das &#8222;Büro für Stadtentwicklung&#8220; koordiniert Bürgerworkshops, in denen Anwohnerinnen und Anwohner selbst entscheiden, wie Brachflächen genutzt werden. Diese Bottom-up-Strategie mag langsamer sein als Top-down-Planung, schafft aber Identifikation und Akzeptanz.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Würdigung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Chemnitz 2025 beweist: Kulturhauptstadt funktioniert auch ohne Stararchitektur und Leuchtturmprojekte. Die Stadt setzt auf das Vorhandene, transformiert behutsam und bezieht die Bevölkerung ein. Diese Strategie hat Modellcharakter für andere ostdeutsche Städte mit ähnlichen Herausforderungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dennoch bleiben Fragen offen: Wie nachhaltig sind die Impulse? Was passiert nach 2025? Die Gefahr der Festivalisierung ist real. Temporäre Kulturnutzungen können dauerhafte Strukturprobleme nicht lösen. Die Stadt muss jetzt Weichen stellen, damit aus der Kulturhauptstadt keine Eintagsfliege wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Chemnitz zeigt: Baukultur im 21. Jahrhundert bedeutet nicht nur spektakuläre Neubauten, sondern vor allem intelligenten Umgang mit dem Bestand. Die Stadt macht aus der Not eine Tugend – und gerade das macht sie zur vielleicht ehrlichsten Kulturhauptstadt, die Europa je hatte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Elon Musks privatisierte Polis – Über das Ende der Stadt als Gemeinwesen</title>
		<link>https://baukunst.art/elon-musks-privatisierte-polis-ueber-das-ende-der-stadt-als-gemeinwesen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Aug 2025 13:31:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Konzernstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Urbanismus]]></category>
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					<description><![CDATA[In Texas entsteht mit Starbase eine Stadt, die SpaceX gehört, von SpaceX-Mitarbeitern bewohnt und von SpaceX regiert wird. Ein urbanistisches Experiment, das Demokratie und Städtebau neu definiert.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Starbase: Wenn Konzerne Städte bauen</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die privatisierte Zukunft des Städtebaus manifestiert sich in Texas</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sonne brennt unbarmherzig auf die sandige Küstenlandschaft im äußersten Süden von Texas. Wo sich einst das verschlafene Fischerdorf Boca Chica Village mit gerade einmal 26 Seelen befand, erheben sich heute die futuristischen Strukturen von SpaceX. Doch seit Mai 2025 ist hier mehr entstanden als nur ein Weltraumbahnhof: Starbase heißt die neueste Stadt der USA, gegründet von einem Privatunternehmen, bewohnt von dessen Angestellten, regiert von dessen Vizepräsident. Ein urbanistisches Experiment, das fundamental in Frage stellt, was eine Stadt im 21. Jahrhundert eigentlich sein soll.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Company Town des Raumfahrtzeitalters</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit 212 zu 6 Stimmen votierten die Wahlberechtigten für die Stadtgründung – eine demokratische Legitimation, die gleichzeitig ihre eigene Perversion darstellt. Denn die überwältigende Mehrheit der etwa 500 Einwohnerinnen und Einwohner sind SpaceX-Angestellte oder deren Familienangehörige. Bobby Peden, der neue Bürgermeister, kandidierte ohne Gegenkandidat. Er ist Vizepräsident bei SpaceX. Die beiden Stadtkommissare haben ebenfalls Verbindungen zum Unternehmen. Was hier entsteht, ist keine organisch gewachsene Kommune, sondern die Neuauflage der amerikanischen Company Town unter den Vorzeichen der Raumfahrtindustrie.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die historischen Parallelen sind unübersehbar. Wie einst die Bergbaugesellschaften des 19. Jahrhunderts oder Henry Fords gescheiterte Utopie Fordlândia im brasilianischen Regenwald, erschafft hier ein Konzern seine eigene urbane Realität. Doch während die Company Towns der Industrialisierung meist nach dem Prinzip der totalen Kontrolle funktionierten – Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, alles in der Hand des Arbeitgebers –, präsentiert sich Starbase als Vision einer techno-libertären Zukunft, in der private Initiative staatliche Strukturen ersetzt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Partizipation als Farce</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Stadtgründung wirft fundamentale Fragen demokratischer Legitimation auf. Kann von echter Bürgerbeteiligung gesprochen werden, wenn 97 Prozent der Wählerschaft wirtschaftlich vom dominierenden Akteur abhängen? Die texanischen Gesetze erlauben Gemeinden unter 5.000 Einwohnern eine Grundsteuer von bis zu 1,5 Prozent zu erheben. Diese Mittel sollen in Infrastruktur und öffentliche Dienstleistungen fließen. Doch wer kontrolliert ihre Verwendung, wenn die Stadtregierung faktisch eine Verlängerung der Unternehmensführung darstellt?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das South Texas Environmental Justice Network organisierte Proteste gegen die Eingemeindung. Ihre Befürchtungen sind nicht unbegründet: Als städtische Entität unterliegt Starbase zwar den texanischen Transparenzgesetzen für öffentliche Sitzungen und Dokumente. Doch die reale Machtkonstellation macht diese formalen Kontrollmechanismen zur Makulatur. Wenn Arbeitgeber, Vermieter und Stadtregierung identisch sind, verschwimmen die Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Interesse bis zur Unkenntlichkeit.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Kampf um den öffentlichen Raum</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nirgendwo zeigt sich der Konflikt zwischen korporativer Vision und gewachsener Gemeinschaft deutlicher als beim Zugang zum Boca Chica Beach. Der Strand, verfassungsrechtlich geschütztes öffentliches Gut in Texas, liegt nur wenige Meter vom Startgelände entfernt. Bei jedem Raketenstart – und SpaceX plant, die Zahl von fünf auf 25 pro Jahr zu erhöhen – muss der Strand für bis zu 15 Stunden evakuiert werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rene Medrano, seit 40 Jahren Landbesitzer in der Region, verkörpert den Widerstand der Alteingesessenen. Mit seinem Klapphandy wirkt der 65-Jährige wie ein Anachronismus inmitten der High-Tech-Ambitionen. „Die Leute wollen zum Mars fliegen? Sollen sie doch&#8220;, sagt er. „Aber es gibt auch Menschen, die einfach nur an den Strand wollen.&#8220; Seine Worte offenbaren den fundamentalen Konflikt: Wem gehört der Raum? Wer definiert seine Nutzung?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Gesetzesvorschlag im texanischen Parlament sollte dem künftigen Bürgermeister von Starbase die Kontrolle über Strandsperrungen an Wochentagen übertragen. Der Vorschlag scheiterte zunächst, wurde dann aber in abgewandelter Form doch noch durchgesetzt. Die Botschaft ist klar: Wirtschaftliche Interessen triumphieren über traditionelle Nutzungsrechte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gentrifizierung im Zeitraffer</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Transformation von Boca Chica zu Starbase vollzog sich mit atemberaubender Geschwindigkeit. SpaceX begann 2012 mit dem Landkauf, 2014 wurde der Standort offiziell ausgewählt. Was folgte, war ein systematischer Aufkauf der bestehenden Immobilien. David Finlay, SpaceX-Finanzdirektor, stellte den verbliebenen Bewohnerinnen und Bewohnern ein Ultimatum: Verkaufen Sie zum gebotenen Preis oder riskieren Sie, dass „alternative Mittel&#8220; zur Anwendung kommen. Die Drohung war kaum verhüllt – wer nicht verkauft, dessen Grundstück würde regelmäßig in Gefahrenzonen fallen, die während der Tests evakuiert werden müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Form der Gentrifizierung unterscheidet sich fundamental von urbanen Verdrängungsprozessen in Metropolen. Hier verdrängt nicht der Markt, sondern ein einzelner Akteur mit quasi-monopolistischer Macht. Die ursprüngliche Bevölkerung – Rentnerinnen und Rentner, die Ruhe am Golf suchten, Familien aus der Arbeiterklasse, oft mit polnischen Wurzeln – wurde durch hochqualifizierte Ingenieure und Technikerinnen ersetzt. Eine soziale Monokultur entstand, die sich in den hastily errichteten „Mitarbeiterwohnungen&#8220; manifestiert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit als Kollateralschaden</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die ökologischen Kosten dieser urbanen Transformation sind erheblich. Das Gebiet liegt in einem sensiblen Küstenökosystem, Heimat bedrohter Arten und wichtiger Feuchtgebiete. Jeder Raketenstart hinterlässt Spuren: Lärm, der Wildtiere vertreibt, Vibrationen, die Nistplätze gefährden, gelegentliche Explosionen, die Trümmer über das Naturschutzgebiet verteilen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Umweltbehörden verhängten bereits Strafen, die Musk als „Unstimmigkeiten über Papierkram&#8220; abtut. Diese Rhetorik offenbart die Grundhaltung: Regulierung wird als lästiges Hindernis auf dem Weg zum Mars betrachtet, nicht als notwendiger Schutz gemeinschaftlicher Ressourcen. Die Stadt Starbase könnte diese Dynamik weiter verschärfen, da lokale Verordnungen nun von einer SpaceX-dominierten Stadtregierung erlassen werden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die demokratische Herausforderung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jared Hockema, Stadtmanager des nahen Port Isabel und Vorsitzender der Demokratischen Partei in Cameron County, bringt das Dilemma auf den Punkt: „Die Frage ist immer: Nutzt man öffentliche Macht für private Interessen?&#8220; Die Antwort in Starbase scheint eindeutig. Hier verschmelzen private und öffentliche Sphäre zu einer neuen Form urbaner Governance, die traditionelle Vorstellungen demokratischer Kontrolle herausfordert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als städtische Entität kann Starbase nun eigene Bauvorschriften erlassen, Infrastrukturprojekte planen, Sicherheitsmaßnahmen definieren. Die Transparenzpflichten mögen formal erfüllt werden, doch wenn alle Entscheidungsträger demselben Unternehmen verpflichtet sind, wird Rechenschaftspflicht zur Farce. Es entsteht ein geschlossenes System, in dem Kritik nicht nur unerwünscht, sondern existenzgefährdend sein kann – wer opponiert, riskiert Job und Wohnung gleichermaßen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Modell oder Warnung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Starbase ist mehr als nur eine texanische Kuriosität. Es ist ein Testfall für die Zukunft urbaner Entwicklung in einer Ära, in der Technologiekonzerne über Ressourcen verfügen, die manche Nationalstaaten übersteigen. Wenn Amazon, Google oder Meta dem Beispiel folgen, könnten weitere Konzernstädte entstehen – optimiert für Innovation, aber blind für soziale Diversität und demokratische Teilhabe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Geschichte lehrt uns, dass Company Towns selten nachhaltige Erfolgsmodelle waren. Sie kollabierten, wenn das Unternehmen scheiterte oder weiterzog, hinterließen Geisterstädte und entwurzelte Gemeinschaften. Starbase mag sich als Tor zu den Sternen inszenieren, doch für die Entwicklung lebenswerter, resilienter Städte auf der Erde bietet es kaum Antworten – eher eine Warnung vor der Privatisierung des Urbanen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Ende bleibt die Frage, die der lokale Fischer am Strand von Boca Chica stellt, während über ihm die nächste Rakete getestet wird: In wessen Stadt wollen wir eigentlich leben? In einer, die von Bürgerinnen und Bürgern gestaltet wird, oder in einer, die ein Konzern nach seinen Bedürfnissen formt? Starbase hat seine Antwort gegeben. Es liegt an uns, zu entscheiden, ob wir sie akzeptieren.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wien: Baukultur zwischen Tradition und Innovation</title>
		<link>https://baukunst.art/wien-baukultur-zwischen-tradition-und-innovation/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Jun 2025 14:54:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Orte]]></category>
		<category><![CDATA[geothermie]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Wien]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie die Donaumetropole mit geologischen Herausforderungen und städtebaulichen Visionen ihre Zukunft gestaltet Fundamentale Herausforderungen im Wiener Untergrund Wer heute durch Wien spaziert, ahnt selten, auf welch schwierigem Terrain die Donaumetropole errichtet wurde. Der Untergrund gliedert sich in quartäre sowie neogene Lockersedimente des Wiener Beckens und in Festgesteine der Flyschzone und der Kalkalpen – eine geologische Konstellation, die Planerinnen und Architekten&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"></h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie die Donaumetropole mit geologischen Herausforderungen und städtebaulichen Visionen ihre Zukunft gestaltet</h2>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fundamentale Herausforderungen im Wiener Untergrund</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer heute durch Wien spaziert, ahnt selten, auf welch schwierigem Terrain die Donaumetropole errichtet wurde. Der Untergrund gliedert sich in quartäre sowie neogene Lockersedimente des Wiener Beckens und in Festgesteine der Flyschzone und der Kalkalpen – eine geologische Konstellation, die Planerinnen und Architekten seit Jahrhunderten vor besondere Aufgaben stellt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Baugeschichte Wiens erzählt von einer Stadt, die buchstäblich auf Holzpfählen steht. Diese Fundierungstechnik, die auch Venedig trägt, resultiert aus den besonderen Bodenverhältnissen der ehemaligen Donauauen. Jahrhundertelang prägten katastrophale Überflutungen das Stadtbild und zwangen die Bauherren zu innovativen Lösungen. Der Kupferstich von Hieronymus Löschenkohl aus dem Jahr 1784 dokumentiert dramatisch, wie Wassermassen sämtliche Vorstädte fluteten und Verkehr nur noch mit Booten möglich war.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese historischen Erfahrungen haben das Wiener Bauwesen nachhaltig geprägt. Moderne Architekten und Ingenieurinnen greifen noch heute auf Jahrhunderte alte Erfahrungen zurück, wenn sie die Fundamente für Hochhäuser und Großprojekte planen. Die geologischen Gegebenheiten erfordern nicht nur fundierungstechnische Finesse, sondern beeinflussen auch die städtebauliche Entwicklung nachhaltig.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Innovative Energielösungen im Wiener Untergrund</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was früher Problem war, wird heute zur Chance: Der Wiener Untergrund dient mittlerweile als gigantischer Energiespeicher. Auf den Aspanggründen im dritten Wiener Bezirk entstehen bis 2027 rund 2000 Wohnungen und 39.000 Quadratmeter Büro- und Gewerbeflächen – eines der größten Stadtentwicklungsgebiete der Bundeshauptstadt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die unscheinbaren schwarzen Schläuche, die bündelweise aus der Erde ragen, markieren eine revolutionäre Herangehensweise an nachhaltige Stadtplanung. Wien speichert hier Sommerhitze im Erdreich, um sie in den Wintermonaten zu nutzen. Rund 500 Bohrungen wurden durchgeführt, um dieses innovative Geothermieprojekt zu realisieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Technologie zeigt exemplarisch, wie Wien geologische Besonderheiten in Chancen verwandelt. Während andere Städte noch über Energiekonzepte diskutieren, setzt die österreichische Hauptstadt bereits auf Saisonalspeicher. Die Aspanggründe werden zum Testlabor für klimaangepasstes Bauen – eine Expertise, die auch für andere Metropolregionen relevant werden könnte.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hochhausentwicklung zwischen Prater und Pragmatismus</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Wiener Prater manifestiert sich Wiens ambitionierte Hochhausstrategie. Direkt vis-a-vis des Happel-Stadions errichtet Entwickler Value One den 90 Meter hohen Wohnturm &#8222;Grünblick&#8220;. Unmittelbar daneben plant Strabag Real Estate den Gewerbeturm &#8222;Weitblick&#8220;, dessen Baugrubenaushub demnächst beginnt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Projekte verdeutlichen Wiens pragmatischen Umgang mit Verdichtung. Während andere Städte Hochhäuser emotional diskutieren, schafft Wien Fakten. Die Standortwahl beim Prater ist dabei kein Zufall: Die Nähe zum Stadion und die gute Verkehrsanbindung machen das Areal zum idealen Labor für urbane Transformation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Projektname &#8222;Weitblick&#8220; erweist sich als programmatisch. Wien entwickelt seine Skyline nicht spektakulär, sondern strategisch klug. Die Türme entstehen dort, wo sie städtebaulich Sinn ergeben und wo die geologischen Voraussetzungen stimmen. Diese nüchterne Herangehensweise unterscheidet Wien von Metropolen, die Hochhäuser als Prestigeobjekte begreifen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Landschaftsarchitektur als Qualitätsmaßstab</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während Wien in die Höhe wächst, vergisst die Stadt nicht die kleinteiligen Qualitäten. Ein Wiener Garten wurde zu einem der schönsten im deutschsprachigen Raum gewählt – eine Auszeichnung, die mehr über die städtische Planungskultur aussagt, als zunächst erkennbar wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der prämierte Garten verzichtet komplett auf Rasenflächen und entwickelt stattdessen sechs verschiedene Ebenen mit unterschiedlichen Funktionen. Diese Gestaltungsphilosophie spiegelt Wiens Umgang mit Flächenknappheit wider: Nicht Größe entscheidet über Qualität, sondern intelligente Mehrfachnutzung und gestalterische Raffinesse.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Auszeichnung beim Wettbewerb &#8222;Gärten des Jahres&#8220; des Verlags Callwey unterstreicht Wiens Position als Zentrum innovativer Landschaftsarchitektur. Während andere Städte noch über Begrünungsstrategien debattieren, entstehen in Wien bereits Referenzprojekte, die internationalen Maßstäben genügen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wiener Baukultur als Modell für Resilienz</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die aktuellen Entwicklungen zeigen Wien als Stadt, die aus ihrer Geschichte lernt. Die jahrhundertealte Erfahrung mit schwierigen Baugrundverhältnissen wird zum Standortvorteil für klimaangepasstes Bauen. Geologische Herausforderungen mutieren zu energietechnischen Innovationen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Transformationsfähigkeit prägt auch die aktuelle Architekturszene. Wiener Planerinnen und Architekten entwickeln Lösungen, die technische Notwendigkeiten mit gestalterischer Qualität verbinden. Sie schaffen Bauwerke, die sowohl funktional als auch ästhetisch überzeugen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kombination aus historischem Bewusstsein und technischer Innovation macht Wien zu einem Laboratorium für zukunftsfähige Stadtentwicklung. Andere Metropolregionen können von dieser Synthese lernen – besonders jene, die ähnliche geologische oder klimatische Herausforderungen bewältigen müssen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Wien als regionales Kompetenzzentrum</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wien positioniert sich zunehmend als Kompetenzzentrum für komplexe Bauaufgaben. Die Expertise im Umgang mit schwierigen Untergründen, die Erfahrung in der Hochhausentwicklung und die Innovationskraft in der Energietechnik bilden ein einzigartiges Profil.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Kombination macht Wien attraktiv für internationale Investoren und Planungsbüros. Gleichzeitig entsteht ein regionaler Wissenstransfer, der über die Stadtgrenzen hinauswirkt. Wiener Erfahrungen fließen in Projekte in anderen österreichischen Städten ein und beeinflussen die Planungskultur des gesamten Alpenraums.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Donaumetropole beweist, dass regionale Besonderheiten nicht Handicap, sondern Chance sein können. Wien verwandelt geologische Herausforderungen in architektonische Innovationen und wird damit zum Vorbild für andere Städte mit ähnlichen Voraussetzungen. Die Stadt zeigt: Authentische Baukultur entsteht dort, wo lokale Gegebenheiten kreativ interpretiert werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Geheimakte Galeria: Wie Hessen aus Kaufhaus-Ruinen Goldgruben macht</title>
		<link>https://baukunst.art/geheimakte-galeria-wie-hessen-aus-kaufhaus-ruinen-goldgruben-macht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Jun 2025 09:11:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[umnutzung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12664</guid>

					<description><![CDATA[Hessen verwandelt leerstehende Kaufhäuser in lebendige Stadtquartiere. Erfolgsrezept: regionale Kompetenz, Landesförderung und innovative Mischnutzungskonzepte als Blaupause.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Von der Kaufhalle zum Kaiserforum: Hessens clevere Umnutzungsstrategien zwischen Tradition und Transformation</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zeiten, in denen leerstehende Kaufhäuser das Stadtbild prägen, gehören in Hessen zunehmend der Vergangenheit an. Was einst schmerzliche Wunden im urbanen Gefüge hinterließ, entwickelt sich zur Chance für innovative Stadtentwicklung. Das Land zwischen Rhein und Weser wird zum Versuchslabor für durchdachte Umnutzungskonzepte, die weit über einfache Renovierungen hinausgehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Frankfurt am Main nimmt das Thema bereits konkrete Formen an: Der ehemalige Galeria Kaufhof wird zu einem multifunktionalen &#8222;Third Place&#8220; umgestaltet – einem Ort, der Arbeiten, Wohnen und soziale Begegnungen vereint. Rund 25 Millionen Euro fließen in dieses Vorzeigeprojekt, das 16 Vollgeschosse auf etwa 10.500 Quadratmetern Verkaufsfläche umfasst. Der Clou: Das Konzept setzt nicht auf vollständigen Abriss, sondern auf intelligente Transformation bestehender Strukturen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Friedberg: Vom Kaufhaus zur Stadtmitte der Zukunft</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders anschaulich wird die hessische Umnutzungsphilosophie in Friedberg. Das seit acht Jahren leerstehende Kaufhaus Joh am Elvis-Presley-Platz erlebt gerade seine Wiedergeburt als &#8222;Kaiserforum&#8220;. Die Werkmann-Gruppe aus Dietzenbach investiert 23 Millionen Euro in eine Neugestaltung, die zeigt, wie regionale Akteure und lokale Expertise zusammenwirken können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Wir hoffen auf ein kurzes Verfahren&#8220;, erklärt Geschäftsführer Uwe Werkmann das ehrgeizige Zeitfenster. Der Bebauungsplan des Friedberger Architekturbüros BFLP sieht eine radikale Öffnung des massigen Gebäudes vor: Zwei Innenhöfe mit Bänken und Begrünung durchbrechen die geschlossene Struktur. Im Untergeschoss entstehen 42 Tiefgaragenstellplätze plus acht oberirdische Parkplätze – eine pragmatische Antwort auf die Mobilitätsbedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Erdgeschoss bleibt öffentlich zugänglich und bietet 1200 Quadratmeter für einen Lebensmittelmarkt. In den oberen Stockwerken entstehen Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen, gekrönt von einem Dachcafé mit Blick auf Stadtkirche und Vogelsberg. Diese Mischung aus Nahversorgung, Wohnen und Gastronomie entspricht exakt den Anforderungen moderner Stadtentwicklung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hessische Förderkultur: Vom Land bis zur Kommune</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die erfolgreichen Umnutzungsprojekte in Hessen sind kein Zufall, sondern Ergebnis einer durchdachten Förderstrategie. Das Landesprogramm &#8222;Zukunft Innenstadt&#8220; stellt allein für von Galeria-Schließungen betroffene Städte drei Millionen Euro bereit. Frankfurt, Offenbach, Wiesbaden, Darmstadt und Hanau können damit individuelle Konzepte für ihre raumprägenden Immobilien entwickeln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Darüber hinaus unterstützt das Land mit der kommunalen Klimarichtlinie gezielt nachhaltige Umnutzungen. Mitgliedskommunen des Bündnisses &#8222;Hessen aktiv: Die Klima-Kommunen&#8220; erhalten dabei Förderquoten von bis zu 90 Prozent für investive Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen. Für andere Kommunen liegt der Fördersatz bei 70 Prozent, mit maximalen Förderbeträgen von 250.000 Euro für Kommunen und 200.000 Euro für kommunale Unternehmen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Baurecht als Innovationstreiber und Hemmschuh</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Hessische Bauordnung (HBO) erweist sich bei Umnutzungen als zweischneidiges Schwert. Während sie durch das vereinfachte Baugenehmigungsverfahren nach § 65 HBO Planungssicherheit schafft, können komplexe Genehmigungsverfahren innovative Konzepte auch ausbremsen. Besonders bei Nutzungsänderungen von Gewerbe zu Wohnen entstehen oft unerwartete Hürden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Frankfurt zeigt die Bauaufsicht pragmatische Lösungsansätze: Unter bestimmten Voraussetzungen ermöglicht eine Genehmigungsfreistellung nach § 64 HBO schnelle Umsetzungen ohne zusätzliche Gebühren. Bauherrinnen und Bauherren können mit dem Bau beginnen, wenn sie innerhalb eines Monats keine gegenteilige Erklärung erhalten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Denkmalschutz und Energieeffizienz</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hessens Umnutzungsprojekte müssen oft den Spagat zwischen historischer Bausubstanz und modernen Energiestandards meistern. Die regionalen Förderprogramme unterstützen dabei gezielt die Verbindung von Denkmalschutz und Klimaschutz. Besonders die Städtebauförderprogramme &#8222;Stadtumbau in Hessen&#8220; und &#8222;Städtebaulicher Denkmalschutz&#8220; ermöglichen es, historische Gebäude behutsam zu transformieren, ohne ihre Identität zu verlieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die TU Darmstadt hat in einer Studie die Wohnraumpotentiale bei Büro- und Geschäftshäusern untersucht und dabei auch hessische Beispiele aus Kassel und Frankfurt analysiert. Die Erkenntnisse zeigen: In der Vermeidung zusätzlicher Flächenversiegelung und der Nutzung vorhandener Infrastruktur liegen erhebliche Potentiale für nachhaltige Stadtentwicklung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Netzwerke als Erfolgsfaktor</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was die hessischen Umnutzungsprojekte besonders auszeichnet, ist die enge Verzahnung regionaler Akteure. Die Werkmann-Gruppe in Friedberg etwa ist bereits mit anderen Projekten in der Stadt präsent und kennt die lokalen Gegebenheiten. Das Architekturbüro BFLP stammt ebenfalls aus Friedberg – ein Beispiel für die Wertschöpfung vor Ort.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese regionale Verankerung zeigt sich auch in der Zwischennutzung: Während das Kaiserforum-Projekt voranschreitet, ermöglicht die Werkmann-Gruppe lokalen Vereinen, Künstlern und Institutionen die temporäre Gestaltung der Schaufensterfront. &#8222;Wir geben Friedberger Einrichtungen die Möglichkeit, sich in zentraler Lage zu präsentieren&#8220;, erklärt Uwe Werkmann das Konzept.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Herausforderungen bei komplexen Eigentumsverhältnissen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht alle Umnutzungsprojekte verlaufen so reibungslos wie in Friedberg. Die Geschichte des Kaufhauses Joh zeigt exemplarisch die Komplexität solcher Vorhaben: Nach der Schließung 2013 wechselte das Gebäude mehrmals den Besitzer. Die Edinburgh House-Gruppe und später die 3V Invest aus München konnten trotz verschiedener Konzepte keine nachhaltige Lösung entwickeln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Erst der Verkauf an die regionale Werkmann-Gruppe brachte den Durchbruch – ein Indiz dafür, dass ortsansässige Entwickler oft bessere Lösungen finden als überregionale Investoren. &#8222;Ich könnte Erdgeschoss und ersten Stock 50 Mal vermieten&#8220;, berichtet ein Projektverantwortlicher über das Interesse potentieller Mieter.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Klimaanpassung als Gestaltungschance</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neuen Umnutzungskonzepte in Hessen integrieren systematisch Aspekte der Klimaanpassung. Die geplanten Innenhöfe im Friedberger Kaiserforum mit Begrünung und Sitzgelegenheiten sind mehr als nur architektonische Gesten – sie schaffen Mikroklimata und Aufenthaltsqualität in verdichteten Stadtstrukturen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Land Hessen fördert solche Maßnahmen gezielt über Programme zur Haus- und Hofbegrünung. Kommunen können Zuschüsse für Dach- und Fassadenbegrünung sowie Entsiegelung beantragen, besonders in Stadtteilen mit mikroklimatischer Belastung. Die Förderung erfolgt über kommunale Programme, die auf Rahmenvorgaben des Landes basieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zukunftsperspektiven: Vom Einzelprojekt zum Systemwandel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die erfolgreichen Umnutzungen in Frankfurt und Friedberg sind mehr als Einzelprojekte – sie markieren den Beginn eines systematischen Wandels in der hessischen Stadtentwicklung. Das neue Denken setzt auf Bestandserhaltung statt Abriss, auf Mischnutzung statt Monostrukturen, auf regionale Kompetenz statt überregionale Spekulation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für andere Bundesländer können die hessischen Ansätze als Blaupause dienen: Die Kombination aus gezielter Landesförderung, pragmatischen Genehmigungsverfahren und der Einbindung regionaler Akteure schafft ein Umfeld, in dem innovative Umnutzungskonzepte gedeihen können. Entscheidend ist dabei die Erkenntnis, dass jedes Projekt maßgeschneiderte Lösungen erfordert – Patentrezepte gibt es nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Transformation von Kaufhäusern zu lebendigen Stadtquartieren zeigt: Hessen macht aus der Not eine Tugend und verwandelt strukturelle Herausforderungen in Chancen für zukunftsfähige Stadtentwicklung. Der Weg von der Kaufhalle zum Kaiserforum ist mehr als nur ein Namenswechsel – er symbolisiert den Übergang in eine neue Ära des städtischen Lebens.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Aachens riskante Wette: 121 Millionen für ein leeres Kaufhaus</title>
		<link>https://baukunst.art/aachens-riskante-wette-121-millionen-fuer-ein-leeres-kaufhaus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Jun 2025 07:16:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunalfinanzen]]></category>
		<category><![CDATA[Nachnutzung]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[Aachen wagt den 121-Millionen-Euro-Sprung: Das leerstehende Horten-Kaufhaus wird zum „Haus der Neugier" – kommunale Vision oder teurer Irrweg?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Vom Horten-Denkmal zum Bildungspalast</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn die Nachnutzung einer Immobilie zur kommunalen Herkulesaufgabe wird</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das „Haus der Neugier&#8220; am Aachener Komphausbadstraße wird zur teuersten Wette der Stadtgeschichte: 21,5 Millionen Euro Kaufpreis plus 100 Millionen Euro Umbaukosten für ein leeres Kaufhaus aus den 1970ern.</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ehemalige Horten-Kaufhaus in Aachen steht stellvertretend für ein Phänomen, das Kommunen bundesweit vor immense Herausforderungen stellt: Wie geht man mit den architektonischen Relikten des Konsumzeitalters um, wenn der Einzelhandel längst abgewandert ist? Die Antwort der Aachener Stadtverwaltung lautet: mit maximalem finanziellen Einsatz und noch größerem politischen Mut.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Denkmal des Wirtschaftswunders wird zum Problemfall</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die charakteristischen Hortenkacheln an der Komphausbadstraße erzählen eine typische deutsche Nachkriegsgeschichte. 1998 aufwendig renoviert, beherbergte das Gebäude nach dem Ende der Horten-Ära das Warenhaus „Lust for Life&#8220; – ein durchaus programmatischer Name für einen Ort, der mittlerweile seit Jahren leersteht. Seit 2017 gähnt hier ein architektonisches Vakuum im Herzen der ostrheinischen Universitätsstadt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die systematische Verwahrlosung solcher Handelsbauten ist kein Einzelfall, sondern Symptom eines strukturellen Wandels. Während die einen von „Bausünden&#8220; sprechen, sehen andere durchaus Potenzial in den robusten Bauvolumen der 1970er Jahre. Die großzügigen Grundflächen und die flexible Raumaufteilung können durchaus als Vorteil für alternative Nutzungskonzepte verstanden werden – vorausgesetzt, man ist bereit, entsprechend zu investieren.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Besonderheiten in Nordrhein-Westfalen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausgangslage in Aachen ist exemplarisch für viele Kommunen in Nordrhein-Westfalen, wo ähnliche Immobilien-Leerstände die Innenstädte prägen. Die Landesbauordnung NRW bietet zwar theoretisch Flexibilität bei Nutzungsänderungen, doch die praktische Umsetzung gestaltet sich oft kompliziert. Besonders bei denkmalgeschützten oder stadtbildprägenden Gebäuden wie dem Horten-Bau entstehen Zielkonflikte zwischen Erhaltung und zeitgemäßer Anpassung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„Das Gebäude ist nach erster Einschätzung von den vorhandenen Flächen her geeignet, um Volkshochschule und Bibliothek unter einem Dach zusammenzuführen&#8220;, analysiert die städtische Verwaltung nüchtern. Diese pragmatische Herangehensweise zeigt, wie Kommunen zunehmend dazu übergehen, leerstehende Handelsimmobilien für öffentliche Zwecke zu aktivieren – ein Trend, der sich in ganz NRW beobachten lässt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Millionenpoker um die Aachener Stadtentwicklung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus finanzieller Sicht gerät das Projekt zu einem regelrechten Vabanquespiel. 21,5 Millionen Euro soll die Stadt an die Landmarken AG zahlen – vier Millionen Euro über dem ursprünglich ermittelten Maximalpreis. Hinzu kommen Umbaukosten von geschätzten 100 Millionen Euro und jährliche Folgekosten von 7,7 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der gesamte Kulturhaushalt vieler Großstädte bewegt sich in ähnlichen Dimensionen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die politische Debatte offenbart die Spannungen zwischen Zukunftsvision und Haushaltsdisziplin. Während Bürgermeisterin Sibylle Keupen das Projekt als „den ganz großen Wurf&#8220; bezeichnet, warnen kritische Stimmen vor einem „Wolkenkuckucksheim&#8220;. Die grün-rote Ratsmehrheit setzt bewusst auf eine risikoreiche Strategie: Der Verkauf des Bushof-Gebäudes und des bisherigen Bibliotheksstandorts soll die Finanzierung stabilisieren.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Bildungsauftrag und Immobilienspekulation</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das geplante „Haus der Neugier&#8220; soll mehr werden als nur die Zusammenlegung von Volkshochschule und Stadtbibliothek. Als „Dritter Ort&#8220; konzipiert, verkörpert es einen Ansatz, der in der modernen Stadtentwicklung zunehmend an Bedeutung gewinnt: öffentliche Räume, die weder Arbeitsplatz noch Zuhause sind, sondern Orte der ungezwungenen Begegnung und des lebenslangen Lernens.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritiker monieren jedoch, dass die Stadt sich dabei in eine gefährliche Abhängigkeit begibt. Die Landmarken AG sitzt am längeren Hebel, da Aachen kaum Alternativen für die Unterbringung seiner Bildungseinrichtungen hat. Der Bushof, als zweite Option diskutiert, weist erheblichen Sanierungsbedarf auf. Ein Neubau würde noch mehr kosten und Jahre länger dauern.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Vorbilder und Warnsignale</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Andere Städte in NRW haben ähnliche Projekte bereits umgesetzt – mit gemischten Erfahrungen. In Hamm wurde das dortige Horten-Gebäude bereits 2007 abgerissen und durch das Heinrich-von-Kleist-Forum ersetzt, allerdings zu deutlich geringeren Kosten. In Braunschweig wird noch immer über die Zukunft des dortigen Horten-Baus diskutiert, während in Bremen die städtische Entwicklungsgesellschaft Brestadt das dortige Galeria-Kaufhof-Gebäude erworben hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Vergleiche zeigen: Es gibt keinen Königsweg für die Nachnutzung solcher Immobilien. Jede Kommune muss ihre eigene Balance zwischen finanzieller Vorsicht und städtebaulicher Vision finden. Dabei spielen regionale Besonderheiten wie Bevölkerungsentwicklung, Wirtschaftskraft und politische Mehrheitsverhältnisse eine entscheidende Rolle.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Risiko und Chance für die Innenstadtentwicklung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Aachener Experiment wird weit über die Stadtgrenzen hinaus beobachtet. Gelingt es, das verwaiste Konsumtempel in einen lebendigen Bildungsort zu verwandeln, könnte dies Modellcharakter für andere Kommunen entwickeln. Scheitert das Projekt jedoch, dürfte es als Warnung vor überambitionierten Immobilienprojekten in die Stadtentwicklungsgeschichte eingehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die demografischen Trends sprechen durchaus für das Konzept: Eine alternde Gesellschaft braucht mehr Orte des lebenslangen Lernens. Gleichzeitig steigt in Hochschulstädten wie Aachen die Nachfrage nach öffentlichen Arbeits- und Begegnungsräumen. Das „Haus der Neugier&#8220; könnte diese Bedürfnisse bedienen – wenn die Finanzierung stimmt und das Nutzungskonzept aufgeht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Entscheidend wird sein, ob es gelingt, das Gebäude nicht nur zu renovieren, sondern zu beleben. Die derzeitige Zwischennutzung unter dem Titel „Lust auf Life&#8220; zeigt bereits, dass durchaus Interesse an dem Standort besteht. Ob daraus eine dauerhafte Erfolgsgeschichte wird, entscheidet sich in den kommenden Jahren.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Kommunaler Mut oder kostspieliger Irrweg?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entwicklung des Aachener Horten-Gebäudes zeigt exemplarisch, wie schwierig sich die Transformation alter Handelsimmobilien gestaltet. Während private Investoren längst das Weite gesucht haben, sehen sich Kommunen in der Pflicht, städtebauliche Problemfälle zu lösen – oft um jeden Preis.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das „Haus der Neugier&#8220; wird zum Testfall für eine neue Generation kommunaler Großprojekte, die mehr sein wollen als reine Problemlösung. Es soll Impulsgeber für die gesamte Innenstadtentwicklung werden und dabei gesellschaftlichen Mehrwert schaffen. Ob dies gelingt, wird nicht nur die Aachener Stadtentwicklung prägen, sondern auch anderen Kommunen in ähnlichen Situationen als Blaupause oder Warnung dienen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Drama um Deutschlands teuerstes Museum</title>
		<link>https://baukunst.art/das-drama-um-deutschlands-teuerstes-museum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Jun 2025 13:40:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kolonialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12599</guid>

					<description><![CDATA[Mit 19 Balustradenfiguren wird 2025 die Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses vollendet. Doch das Humboldt Forum bleibt ein gesellschaftlicher Spaltpilz.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Das Humboldt Forum: Zwischen Vollendung und Verantwortung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Fertigstellung des rekonstruierten Stadtschlosses naht – Zeit für eine kritische Bilanz</strong></p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Ein Schloss wird fertig – die Gesellschaft diskutiert weiter</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bis Ende Juni 2025 soll die Fassadenrekonstruktion des Humboldt Forums vollständig abgeschlossen sein. Den letzten baulichen Schritt bildet die Installation von 19 Balustradenfiguren, die an der Nord- und Südfassade angebracht werden. Was als visionäres Kulturprojekt begann, mündet nun in eine der kontroversesten architektonischen Vollendungen der Bundesrepublik. Die Montage der über drei Meter hohen Skulpturen markiert mehr als nur das Ende einer Bauphase – sie symbolisiert den Abschluss eines jahrzehntelangen gesellschaftlichen Ringens um Identität, Erinnerung und kulturelle Repräsentation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt, das 677 Millionen Euro kostete und ursprünglich 595 Millionen Euro veranschlagt war, steht exemplarisch für die Herausforderungen urbaner Erinnerungskultur im 21. Jahrhundert. Während Kulturstaatsminister Wolfram Weimer das Humboldt Forum als „Schatzkistlein unserer Nation&#8220; bezeichnet, formiert sich weiterhin Widerstand gegen das, was Kritikerinnen und Kritiker als anachronistische Machtdemonstration betrachten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die sozialen Sprengkräfte eines Kulturprojekts</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die gesellschaftlichen Dimensionen des Humboldt Forums offenbaren sich besonders in der Finanzierungsstruktur. Die modernen Gebäudeteile wurden mit 572 Millionen Euro überwiegend durch Bundesmittel finanziert, die historischen Gebäudeteile durch über 105 Millionen Euro private Spenden. Diese Zweiteilung spiegelt eine fundamentale gesellschaftliche Frage wider: Wer bestimmt über das kulturelle Gedächtnis einer demokratischen Gesellschaft?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Förderverein Berliner Schloss, der die Spendensammlung organisierte, wurde wiederholt kritisiert. Eine kürzlich veröffentlichte „Gemeinsame Erklärung&#8220; von Jürgen Zimmerer und Philipp Oswalt wirft Fragen nach der Finanzierung der Rekonstruktion und die symbolische Ausrichtung des Projekts auf. Kritik üben Zimmerer und Oswalt an der Finanzierung der Steinskulpturen alttestamentlicher Propheten durch Spendengelder von Rechtsradikalen, sowie an der christlich-völkischen Aufladung der Palastrekonstruktion.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Entwicklung verdeutlicht ein strukturelles Problem partizipativer Stadtentwicklung: Wenn private Akteure über erhebliche finanzielle Ressourcen Einfluss auf öffentliche Kulturinstitutionen nehmen, entstehen demokratische Legitimationsdefizite. Der Deutsche Kulturrat fordert Politik und Verwaltung auf, einer weiteren Einflussnahme des Fördervereins Berliner Schloss in die bauliche Gestaltung und inhaltliche Arbeit des Humboldt Forums entschieden entgegenzutreten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kolonialismus als gesellschaftlicher Lernprozess</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Humboldt Forum fungiert unfreiwillig als Katalysator für überfällige gesellschaftliche Debatten. Kulturstaatsministerin Monika Grütters geht davon aus, dass die Kolonialismusdebatte weiter Fahrt bekommt. „Das Humboldt Forum ist zu einem Katalysator geworden und wird daran gemessen werden, wie es mit diesem Thema umgeht&#8220;, konstatierte sie. Die Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit wird damit von einer akademischen Spezialdebatte zu einer gesellschaftlichen Aufgabe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der Bestand des Ethnologischen Museums Berlin umfasste vor der Kongokonferenz 1884/85 nicht mehr als 3.361 afrikanische Artefakte, zum Ende der Kolonialzeit 1919 hingegen bereits mehr als 50.000 (heute etwa 75.000). Diese dramatische Steigerung in der deutschen Kolonialzeit verdeutlicht die systematische Aneignung kultureller Güter.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy, die bis 2017 dem Expertenteam des Humboldt Forums zum Umgang mit kolonialem Raubgut angehörte und nach Zerwürfnissen austrat, kritisiert die jahrelange Vernachlässigung der Provenienzforschung. Sie kritisiert, dass in den knapp 20 Jahren Planungszeit des Humboldt Forums jahrelang die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit und der Herkunft der Exponate ignoriert wurde, bis der Druck von außen dies nicht weiter zuließ.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Die Herausforderung der Vermittlung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Humboldt Forum steht vor der komplexen Aufgabe, eine Brücke zwischen historischer Aufarbeitung und zeitgemäßer Kulturvermittlung zu schlagen. Generalintendant Hartmut Dorgerloh sieht das Humboldt Forum in der Pflicht. „Die Aufarbeitung des Kolonialismus ist ein klarer Auftrag&#8220;, betont er. Die praktische Umsetzung gestaltet sich jedoch schwieriger als theoretische Bekenntnisse.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein gemeinsames Konzept oder Verständnis, was zu einer gemeinsamen Identität als Humboldt Forum führt, ist nicht zu erkennen, konstatiert der Deutsche Kulturrat. Diese strukturelle Schwäche offenbart ein grundlegendes Problem: Vier Institutionen müssen in einem Haus zusammenarbeiten, in dem keine zuhause ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Besucherzahlen zeigen dennoch großes öffentliches Interesse: Mit 3,3 Millionen Besuchern im Jahr 2024 belegt es den 1. Platz der meistbesuchten Museen Deutschlands und den 16. Platz der meistbesuchten Museen der Welt. Diese Popularität verpflichtet zu einer verantwortungsvollen Darstellung komplexer historischer Zusammenhänge.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Urbane Demokratie und kulturelle Teilhabe</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Humboldt Forum exemplifiziert die Spannungen zwischen repräsentativer Architektur und demokratischer Teilhabe. Wohl kaum ein Neubau wurde in Berlin stärker diskutiert als das Berliner Stadtschloss. Die Rekonstruktion einer preußischen Herrschaftsarchitektur im demokratischen Deutschland wirft grundlegende Fragen zur symbolischen Ordnung auf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Berlins Kultursenator Klaus Lederer bringt das Dilemma auf den Punkt: „Warum eine demokratische Republik im Herzen Europas sich mit den Insignien des Gottesgnadentums auf einer Kulturinstitution von Bund und Ländern schmückt&#8220;, werde hoffentlich weiterhin intensiv diskutiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Debatte berührt essenzielle Fragen urbaner Demokratie: Wie können Bürgerin und Bürger an der Gestaltung ihrer kulturellen Infrastruktur partizipieren? Welche Geschichten sollen im öffentlichen Raum erzählt werden? Das Humboldt Forum zeigt exemplarisch, dass solche Entscheidungen nicht technokratisch, sondern nur durch breite gesellschaftliche Aushandlungsprozesse legitimiert werden können.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gesellschaftliche Transformation durch kulturelle Infrastruktur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Kulturinstitution, die sich den Prozessen der Aufarbeitung des Kolonialismus stellt, die Kolonialität der Gegenwart aktiv verändern will, braucht die Zivilgesellschaft. Und die Zivilgesellschaft braucht Kultureinrichtungen als ein Spiegel für zivilgesellschaftliche Transformationen. Diese Erkenntnis verweist auf das transformative Potenzial kultureller Infrastruktur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Humboldt Forum kann als Labor für postkoloniale Erinnerungsarbeit fungieren – wenn es gelingt, die verschiedenen gesellschaftlichen Akteure einzubinden. Die intensive Zusammenarbeit im Bereich Kultur und kulturelles Erbe eröffne die Chance, „ein gänzlich neues Verhältnis zum globalen Süden zu entwickeln&#8220;, wie es optimistisch heißt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch die Realität bleibt komplex: Auch wenn seitens des Humboldt Forums mittlerweile eine deutlich offenere Haltung gegenüber der Aufarbeitung der Provenienzen, sprich der Herkunft ihrer Sammlungsbestände, vertreten wird, bemängeln einige Kritiker:innen, dass viele Exponate nur intern zu ihrer Herkunft untersucht werden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Programmatische Perspektiven</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Anlässlich der Baufertigstellung ist Ende Juni ein Programm mit Vorträgen, Sonderführungen und Gesprächsrunden geplant. Diese Veranstaltungsreihe &#8222;Fertig!&#8220; bietet die Chance für eine kritische Zwischenbilanz. Das Programm umfasst diverse Formate von der Fête de la Musique bis zu spezialisierten Führungen zur Geschichte des Ortes.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders die geplanten Dialogveranstaltungen könnten Räume für die notwendige gesellschaftliche Aushandlung schaffen. Die Herausforderung liegt darin, nicht nur über sondern mit den betroffenen Communities zu sprechen und deren Perspektiven gleichberechtigt einzubeziehen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Ein Spiegel gesellschaftlicher Transformation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Humboldt Forum in seiner baulichen Vollendung spiegelt die Ambivalenzen einer Gesellschaft im Transformationsprozess wider. Es verkörpert sowohl den Mut zu großen kulturellen Visionen als auch die Schwierigkeiten demokratischer Entscheidungsfindung in komplexen Fragen kultureller Repräsentation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die wahre Bewährungsprobe steht dem Humboldt Forum noch bevor: Kann es von einem umstrittenen Prestigeprojekt zu einem Ort werden, der gesellschaftliche Vielfalt reflektiert und demokratische Teilhabe ermöglicht? Die Antwort hängt davon ab, ob es gelingt, die bauliche Vollendung als Ausgangspunkt für eine inhaltliche Demokratisierung zu nutzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Humboldt Forum bleibt ein gesellschaftliches Experiment – mit offenem Ausgang. Seine Vollendung markiert nicht das Ende der Debatte, sondern deren Transformation in die praktische Kulturarbeit. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob aus dem &#8222;Schloss der Kontroversen&#8220; ein &#8222;Forum der Verständigung&#8220; werden kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinweis: Spezifische Termine und detaillierte Programmpunkte werden zeitnah auf der Website des Humboldt Forums (<a href="http://www.humboldtforum.org/" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link">www.humboldtforum.org</a>) veröffentlicht. Interessierte sollten sich über den Newsletter oder die Programmankündigungen informieren.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Olympia in München: Betonträume und Bürgerprotest</title>
		<link>https://baukunst.art/olympia-in-muenchen-betontraeume-und-buergerprotest/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 May 2025 12:11:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Olympia2036]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[München träumt erneut vom olympischen Glanz – diesmal nachhaltiger, bürgernäher und mit kritischem Blick auf die Vergangenheit. Gelingt 2036 die Neuauflage eines historischen Moments?
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">München und Olympia – wiederholt sich der Traum?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zwischen Nostalgie und Neuanfang</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn München vom olympischen Feuer spricht, lodert unweigerlich das Echo von 1972 auf – jenen Spielen, die sowohl Glanz als auch Tragödie in die Stadt brachten. Fünf Jahrzehnte später wagt München erneut den Blick auf das weltgrößte Sportereignis – mit einem Konzept, das Tradition, Nachhaltigkeit und Beteiligung miteinander verknüpfen will. Doch der Traum von Olympia 2036 steht unter anderen Vorzeichen als damals: Er muss erst die Herzen der Bürgerinnen und Bürger gewinnen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Rückgriff mit Weitblick: Das Konzept</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Besondere an Münchens Bewerbung ist nicht der Gigantismus, sondern seine Zurückhaltung. Rund 90 Prozent der geplanten Sportstätten existieren bereits – ein Novum im oft überbordenden olympischen Kontext. Das ikonische Olympiastadion, der Eiskanal in Augsburg, die Schießanlage in Garching oder die Reitanlage in Riem sollen erneut als Schauplätze dienen. Neu gebaut würde lediglich dort, wo es unumgänglich ist: beispielsweise ein temporäres Schwimmstadion am Münchner Flughafen. Dieses Prinzip der Wiederverwendung ist kein ästhetischer Zufall, sondern Ausdruck eines Paradigmenwechsels. Statt glänzender Architekturutopien steht heute eine olympische Demut im Vordergrund, die nicht zuletzt dem wachsenden Bewusstsein für Nachhaltigkeit geschuldet ist.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Stadt als Bühne: Infrastruktur im Wandel</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Olympia wird zur Projektionsfläche für Münchens infrastrukturelle Zukunft. Die Bewerbung versteht sich auch als Katalysator für lange geplante Großprojekte: die neue U-Bahnlinie U9, die zweite S-Bahn-Stammstrecke und der Nordring für die S-Bahn sollen mit Hilfe des olympischen Rückenwinds endlich Realität werden. Herzstück des Konzepts ist das geplante olympische Dorf im Nordosten der Stadt – in einem Gebiet zwischen Daglfing und Englschalking. Hier sollen 16.000 Athletinnen, Athleten und Offizielle temporär wohnen, ehe die Unterkünfte in reguläre Wohnungen umgewandelt werden. Rund 4000 Wohnungen könnten so entstehen – ein Hoffnungsschimmer im angespannten Münchner Wohnungsmarkt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Chancen, die verpflichten</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Olympische Spiele erzeugen Magnetismus – für Menschen, Kapital und Aufmerksamkeit. München erhofft sich wirtschaftliche Impulse, einen touristischen Schub und die Möglichkeit, sich erneut als internationale Sport- und Kulturmetropole zu positionieren. Ministerpräsident Markus Söder und Oberbürgermeister Dieter Reiter betonen die Stärke Münchens im internationalen Wettbewerb: Erfahrung, Bekanntheit und Effizienz. Gleichzeitig setzt man bewusst auf ein „sympathisches“ Format: ökologisch durchdacht, sozial verankert, transparent gestaltet. In Zeiten von globaler Klimakrise und gesellschaftlicher Polarisierung wäre dies ein bewusster Gegenentwurf zu früheren Spielen – eine Olympia der Besonnenheit.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der Haken im Konzept: Beteiligung und Widerstand</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotz des offenen Charakters bleibt der Weg zur Bewerbung steinig. Ein Bürgerentscheid im Oktober 2025 entscheidet über das Schicksal des Projekts. Die Erinnerung an das Scheitern der Winterspiel-Bewerbung 2022 sitzt tief – damals sagte die Bevölkerung „Nein“, trotz großem politischen Willen. Auch jetzt regt sich Widerstand, vor allem gegen die Bebauung des geplanten Olympia-Dorfes. Die Initiative „Heimatboden“ kritisiert mangelnde Beteiligung und fürchtet um die gewachsene Struktur des Daglfinger Ortskerns. Ihr juristischer Widerstand ist bereits angekündigt. Die Stadt bemüht sich zwar um Kooperation mit Grundeigentümerinnen und Eigentümern, doch die Konfliktlinien sind offensichtlich.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Spiel mit der Geschichte</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht zuletzt steht die Bewerbung auch in einem symbolischen Spannungsfeld. 100 Jahre nach den Spielen in Berlin 1936 und 64 Jahre nach dem Attentat von 1972 will München zeigen, dass Olympische Spiele auch anders gehen – demokratisch legitimiert, respektvoll gegenüber der Geschichte, richtungsweisend für die Zukunft.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit: Ein realistischer Traum?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">München träumt erneut – aber anders. Nicht von Prunk und Protz, sondern von einer nachhaltigen, integrierten und legitimierten Olympiade. Der Weg ist lang, der Ausgang offen. Aber das Konzept ist durchdacht, geerdet und zeitgemäß. Ob sich der Traum erfüllt, liegt diesmal nicht nur in den Händen der Funktionäre – sondern in denen der Stadtgesellschaft.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Machtkampf um das Stadtbild – Wie ein Hochhaus Klagenfurt spaltet</title>
		<link>https://baukunst.art/machtkampf-um-das-stadtbild-wie-ein-hochhaus-klagenfurt-spaltet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Apr 2025 10:18:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Hochhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Hochhausprojekt sorgt in Klagenfurt für hitzige Diskussionen: Zwischen städtebaulichem Fortschritt und Verlust von Grünflächen scheiden sich die Geister.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Balanceakt zwischen Wachstum und Widerstand</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Klagenfurt entbrennt eine emotionale Debatte rund um das geplante <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">elfgeschossige Hochhaus</strong> des Immobilienentwicklers <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Riedergarten</strong>. Das Projekt spiegelt die Herausforderungen moderner Stadtentwicklung wider: Während Investorinnen und Investoren urbane Verdichtung und nachhaltige Bauweise preisen, sorgen sich Bürgerinitiativen und Umweltgruppen um das Stadtbild und die letzten innerstädtischen Grünflächen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Urbane Verdichtung als Chance</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit dem Bauprojekt folgt Riedergarten einem internationalen Trend: Wachstum nach innen statt nach außen. Hochhäuser ermöglichen die Schaffung hochwertigen Wohnraums auf begrenzter Fläche – eine Strategie, die angesichts steigender Bevölkerungszahlen und Bodenknappheit zunehmend an Bedeutung gewinnt. Auch die versprochene Einhaltung ökologischer Standards, wie <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">energieeffizientes Bauen</strong> und innovative Mobilitätskonzepte, soll das Projekt zukunftsweisend machen .</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Verlust von Naturraum: Ein unwiederbringlicher Preis?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch dieser Fortschritt hat seinen Preis. Kritikerinnen und Kritiker, allen voran die Grünen, warnen vor einer irreversiblen Zerstörung wertvoller Naturflächen, etwa am Kreuzbergl, wo der Botanische Garten erweitert werden könnte . Auch das historische Stadtbild gerät unter Druck: Höhere Bebauungsdichten und dominante Baukörper könnten das vertraute Gefüge sensibel verändern.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Politische Interventionen und rechtliche Auseinandersetzungen</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Diskussion gewinnt zusätzlich an Brisanz durch die Enthüllung politischer Interventionen. Interne Schriftstücke zeigen, wie Vertreter von Riedergarten gezielt Änderungswünsche an der Klagenfurter Bebauungsplanverordnung an zwei Gemeinderäte übermittelten . Öffentliche Aussagen wie das “Bauchweh” eines ÖVP-Politikers legen die latente Nervosität innerhalb der Stadtpolitik offen. Die angekündigte Klage Waldners gegen die Stadt Klagenfurt verdeutlicht die verhärteten Fronten .</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachhaltigkeit – Versprechen oder Realität?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während Riedergarten seine Projekte gerne als Musterbeispiele für nachhaltige Stadtentwicklung präsentiert, bleibt Skepsis angebracht. Wie konsequent ökologische Prinzipien bei der tatsächlichen Bauausführung eingehalten werden, zeigt sich erst in der Praxis. Die Erfahrung lehrt: Zwischen grünen PR-Versprechen und realem Baustellenalltag klafft oft eine bemerkenswerte Lücke.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Gesellschaftliche Verantwortung</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Großprojekte wie das Hochhaus am Viktringer Ring tragen eine gesellschaftliche Verantwortung. Sie beeinflussen die Stadt über Generationen hinweg. Gerade deshalb braucht es transparente Verfahren, ernsthafte Bürgerbeteiligung und klare Spielregeln für Investorinnen und Investoren. Nur so kann Stadtentwicklung im besten Sinne gelingen: als integrativer, nachhaltiger Prozess, der sowohl dem Bedarf nach Wohnraum als auch dem Schutz kollektiver Güter gerecht wird.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Beton ist böse: Trump macht Architekturpolitik</title>
		<link>https://baukunst.art/beton-ist-boese-trump-macht-architekturpolitik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Feb 2025 13:59:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Dekret]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=11821</guid>

					<description><![CDATA[Donald Trump bringt seine "schöne" Architekturpolitik zurück. Warum sein Stil-Diktat für öffentliche Bauten fragwürdig ist und welche Konsequenzen es hat.  ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Eine Verordnung zur &#8222;Schönheit&#8220; – Anmaßungen eines US-Präsidenten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Donald Trump setzt seine architektonische Agenda fort: Mit einem erneuten Dekret zur &#8222;Schönheit&#8220; öffentlicher Bauten bringt er seine umstrittene Politik aus seiner ersten Amtszeit zurück. Das Verbot moderner Stilrichtungen wie Brutalismus und Dekonstruktivismus zugunsten klassischer Architektur sorgt für heftige Kontroversen und wirft grundlegende Fragen zur politischen Einflussnahme auf Stadtbilder auf.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektur als politische Bühne</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trump, bekannt für seine Vorliebe für goldene Opulenz und neoklassizistische Prunkbauten, erhebt Architektur zur Staatsdoktrin. Bereits 2020 unterzeichnete er das Dekret &#8222;Promoting Beautiful Federal Civic Architecture&#8220;, das von Joe Biden 2021 rückgängig gemacht wurde. Nun folgt der zweite Anlauf – mit noch schärferen Vorgaben und einer klaren Abwertung moderner Architektur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sein Ansatz ist nicht neu. Schon in früheren autoritären Systemen spielte Architektur eine entscheidende Rolle: Sie sollte Macht, Kontrolle und Ideologie manifestieren. Doch während klassische Architektur eine lange Tradition besitzt, zeigt sich eine demokratische Gesellschaft durch architektonische Vielfalt, Offenheit und die Möglichkeit zur gestalterischen Weiterentwicklung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Klassizismus als Norm?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Verordnung fordert, dass alle neuen Regierungsbauten &#8222;traditionell&#8220; gestaltet werden müssen. Moderne Architektur, insbesondere brutalistische oder dekonstruktivistische Konzepte, sollen nicht mehr verwendet werden. Doch wer entscheidet, was schön ist?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier zeigt sich ein Kernproblem der Verordnung: Die Definitionshoheit über &#8222;Schönheit&#8220; liegt in den Händen der Regierung und nicht bei den Architektinnen und Architekten oder den Bürgerinnen und Bürgern, die mit diesen Gebäuden leben müssen. Zudem geht die Verordnung davon aus, dass klassische Architektur per se ansprechender sei, eine Sichtweise, die weder historisch noch gesellschaftlich unumstritten ist.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Stimmen und historische Parallelen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht nur Architekturverbände wie das American Institute of Architects (AIA) äußerten bereits Widerstand. Sie sehen in dem Erlass eine unzulässige Einmischung in gestalterische Freiheit und einen politischen Missbrauch von Baukunst. Viele Experten und Expertinnen betonen, dass Architektur nicht nur repräsentativ sein, sondern auch funktional, nachhaltig und zeitgemäß sein muss. Ein starres Festhalten an vergangenen Stilen könnte dazu führen, dass Regierungsgebäude zwar ästhetisch uniform wirken, aber wenig Innovationspotenzial bieten.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gesellschaftliche Konsequenzen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die größten Auswirkungen dieser Verordnung zeigen sich im gesellschaftlichen Kontext. Architektur spiegelt die Vielfalt einer Gesellschaft wider, sie steht für Fortschritt und Wandel. Eine staatliche Vorgabe für einen bestimmten Stil schneidet diesen Wandel ab und konserviert ein spezifisches Bild einer vermeintlich glorreichen Vergangenheit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Darüber hinaus beeinflusst eine solche Vorschrift die Ausbildung künftiger Architektinnen und Architekten: Kreative Ansätze könnten eingeschränkt und Innovationen behindert werden. Zudem besteht die Gefahr, dass diese Architekturpolitik als Teil einer größeren ideologischen Strömung gesehen wird, die auf eine nostalgische, selektive Erinnerung an &#8222;goldene Zeiten&#8220; setzt, während sie die Vielfalt und Dynamik moderner Gesellschaften ignoriert.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektur zwischen Politik und Gesellschaft</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Debatte geht über ästhetische Vorlieben hinaus. Architektur reflektiert Gesellschaftsstrukturen und Werte. Statt starre Vorgaben zu machen, sollte eine pluralistische Baukultur gefördert werden. Trumps Erlass ist daher mehr als ein architektonischer Streit – es ist ein politisches Statement mit weitreichenden gesellschaftlichen Konsequenzen.</p>
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