Von BauKunst inspiriert

Durch die Kombination von KI und der eigenen Kreativität kann eine Fusion aus Kunst, Architektur und urbaner Raumforschung zu neuen Ideen beflügeln und ein Umdenken in der Konzeption für neue Denkansätze schaffen, die bisher undenkbar oder zu schwierig in der Umsetzbarkeit waren.

Baukunst - Von BauKunst inspiriert
© metofa.com

Mit dem experimentell künstlerischen Umgang von KI generiertem Bildmaterial und der darauf basierenden Weiterentwicklung befasst sich Multimedia-Künstler Christopher Noelle seit Anfang 2022. Durch autodidaktisch erlernte Fähigkeiten im Umgang mit KI für Bildgenerierung und Animationen liefert ihm KI nicht nur beeindruckende Ergebnisse, sie inspiriert ihn auch bei der Entwicklung neuer Forschungsansätze.

Wir haben uns das „Projekt B“ angeschaut,

an dem Noelle mit seinem Kollegen Stefan Mittlböck-Jungwirth-Fohringer forscht und eine interessante genreüberschreitende Arbeit  entdeckt, die komplexer und zeitgemäßer nicht sein könnte.Das Überthema der beiden Künstler basiert auf Neugestaltung urbaner Räume durch die Kombination von parametrischem Design, Betondruck mittels Robotik, Landschaftsgestaltung, KI, Bienenwaben und Moos.

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© metofa.com – Abgeleitet von der Struktur der Bienenwabe ergeben sich hexagonale Varianten von 3D Druck aus Beton zur Kultivierung von Moos

Das hört sich erstmal sehr abstrakt und unzusammenhängend an, bei dem Projekt der beiden Künstler tritt jedoch jeder dieser Bausteine mit den anderen in eine reziproke Beziehung und im finalen Ergebnis entsteht daraus eine Symbiose aus Natur, Kunst und architektonischer Formfindung.

Für Baukunst gibt Noelle einen Einblick in den digital-analogen Workflow

„Vor gut einem Jahr entdeckte ich beim Bildgenerieren in Midjourney die Kombination aus Brutalismus Architektur, Betonguss und Moosbegrünung.

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© metofa.com – Abstrakte Adaption der Bienenwabenstruktur für die Mooskultivierung eines Brunnens

Diese Bildwelten inspirierten mich zu tiefergehender Recherche über die Kultivierung von Moos in Kombination mit Beton. Durch meinen Atelierpartner kam ich zeitgleich zum Betonguss und arbeitete an neuen Gussformen für Prototypen aus 3D gedruckten Renderings, die in Kombination mit den hexagonalen Formen von Bienenwaben zu Prototypen von modularen Wandsystemen und typografischen Skulpturen wurden. In diesem Schaffungsprozess kamen unterschiedliche Betonarten zum Einsatz und durch meine Moos-Recherche fing ich damit an, mit verschiedenen Moosarten indoor und outdoor zu experimentieren, um eine Schnittstelle zu Beton zu finden, die eine dauerhafte Kultivierung von Moos auf Beton ermöglicht.“

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© metofa.com – Adaption der Bienenwabenstruktur für schallabsorbierende modulare Wandelemente, z.B. als Schallschutz an Autobahnen

Da Moos in der Aufzucht nur langsam wächst und gut drei Monate braucht, um überhaupt Wurzeln zu schlagen, ist das Experimentieren ein zeitaufwendiger Ansatz, der nicht immer gleich von Erfolg gekrönt ist. Die Zerlegung von verschiedenen Moosarten in ihre Bestandteile wurden im Mix mit Buttermilch und Wasser  zu Prototyp-Tinkturen verarbeitet, die sich in ihrer flüssigen Form zum Einen auftragen lassen und zum Anderen auch als flüssiges Substrat zum Beton Rohstoff zugemischt werden können.

Für den Prototyp der Aufzucht wurde daher eine Hohlkehle aus Beton gegossen, um sowohl den horizontalen, als auch den vertikalen Moos-Wuchs testen zu können. In der Langzeitstudie kamen so ganz verschiedene Mixturen zum Einsatz.Die besonderen Fähigkeiten von Moos – welches auf der Erde in mehr als 16.000 Varianten zu einem der ältesten Gewächse überhaupt zählt – in den Kontext zu Kunst im öffentlichen Raum zu bringen, wurde durch dieses Forschungsprojekt zu einer Passion der beiden Künstler, bei der Moos als Luft-Katalysator, als Biosphäre für Lebewesen und zugleich auch als Schallabsorbierer genutzt werden kann.

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© metofa.com – Einschnitte in die Oberfläche bieten Halt für Mooskultivierung

Inspiriert durch die imaginären Bildwelten der KI entwickelten das Linzer Duo einen digital-analogen Transformations-Prozess, bei dem der experimentelle künstlerische Ansatz gänzlich neue Ideen hervorbrachte. In weiteren Verlauf entstand daraus auch die Zusammenarbeit mit Forschungsinstitutionen bezüglich der Optimierung innerstädtischen Schallreduktion und Oberflächen-Struktur-Forschung, um zukünftig geräuscharme dreidimensionale Fassadenelemente und optisch ansprechende Baukunst entwickeln zu können, die den Lärmpegel senkt und zugleich auch als Katalysator für Luftverbesserung und besseres Klima fungiert.

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© metofa.com -Industrieroboter ermöglichen Betondruckverfahren mit speziell angesetzten Rohstoffen und optimierte Formgebungen nach 3D Vorlagen

Aus diesem komplexen Zusammenspiel entwickelte sich ein spannendes Forschungsfeld, bei dem die KI gepaart mit Kunst, Wissenschaft und Technik tatsächlich zu Ergebnissen führen kann, die die Welt zukünftig etwas besser machen.

Kontakt: metofa.com

 

 

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