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	<title>Partizipative Planung-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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	<title>Partizipative Planung-Archiv - Baukunst</title>
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		<title>UM BAUEN! Die IBA&#8217;27 als gesellschaftliches Experiment</title>
		<link>https://baukunst.art/um-bauen-die-iba27-als-gesellschaftliches-experiment/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 15:45:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[IBA'27]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipative Planung]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungspolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In gut einem Jahr öffnet die IBA'27 ihre Tore. Was als regionales Stadtentwicklungsprojekt begann, ist zum bundesweit beachteten Labor für Baukultur, Wohnungspolitik und demokratische Planung geworden.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/um-bauen-die-iba27-als-gesellschaftliches-experiment/">UM BAUEN! Die IBA&#8217;27 als gesellschaftliches Experiment</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">baukunst.art | Gesellschaft &amp; Urbanismus</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wohnen, Bauen, Zusammenleben: Wie die IBA&#8217;27 Stuttgart eine Antwort auf die Wohnungskrise sucht</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die <strong><a href="https://www.iba27.de/#!" target="_blank" rel="noopener">Internationale Bauausstellung 2027</a></strong> StadtRegion Stuttgart (IBA&#8217;27) ist kein Architekturspektakel, sondern ein auf zehn Jahre angelegtes gesellschaftliches Experiment: Sie untersucht, wie eine ganze Region durch partizipative Prozesse, nachhaltiges Bauen und soziale Innovation neu gedacht werden kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn im April 2027 das Ausstellungsjahr beginnt, wird Stuttgart nicht einfach Modellgebäude zeigen, sondern das Ergebnis eines langen kollektiven Lernprozesses. Seit 2017 hat die IBA&#8217;27 GmbH, deren Gesellschafter die Landeshauptstadt Stuttgart, der Verband Region Stuttgart, die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, die Architektenkammer Baden-Württemberg und die Universität Stuttgart sind, Kommunen, Initiativen, Investorinnen und Planungsbüros zusammengebracht. Das Resultat: inzwischen 37 offizielle IBA&#8217;27-Projekte, verteilt über die gesamte StadtRegion.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Unter dem Motto &#8222;UM BAUEN!&#8220; findet die Ausstellung vom 24. April bis 30. Oktober 2027 statt. Der Doppelsinn ist programmatisch: Es geht ums Umbauen im technischen Sinn, und es geht um ein Umdenken, um eine Baukultur, die ökologische, soziale und ökonomische Kriterien nicht gegeneinander ausspielt, sondern integriert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was macht die IBA&#8217;27 zu mehr als einer Architekturausstellung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort liegt in ihrer räumlichen und sozialen Reichweite. Während klassische Ausstellungen Objekte in Museen zeigen, macht die IBA&#8217;27 die gesamte Region zur Ausstellungsfläche. An rund 40 Standorten in Stuttgart und Umgebung sind Projekte zu erleben, von Einzelgebäuden bis zu ganzen Quartieren. Viele befinden sich 2027 noch im Bau oder in der Entwicklung, was den Besucherinnen und Besuchern ermöglicht, Stadtentwicklung als Prozess zu verstehen, nicht nur als fertiges Produkt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zentraler Ausstellungsort in der Innenstadt wird das ehemalige Galeria-Kaufhof-Gebäude in der Eberhardstrasse, das die Landeshauptstadt Stuttgart 2023 erworben hat. Die beiden Erdgeschosse werden zur Hauptausstellungsfläche umgenutzt. Welche Nachnutzung das Gebäude langfristig erhält, ist noch offen: Im Gespräch sind ein Haus der Kulturen oder städtische Büroflächen. Diese Offenheit ist selbst eine programmatische Aussage über den Umgang mit leerstehendem Bestand in Innenstadtlagen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Einen Vorgeschmack auf die Ausstellung bot bereits die Lange Nacht der Museen am 21. März 2026: Mit einer Licht- und Soundinstallation der Künstler Roland Batroff und Clemens Schneider wurde das Kaufhof-Gebäude erstmals als IBA&#8217;27-Schauplatz erlebbar gemacht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie verändert partizipative Planung das soziale Gefüge einer Stadt?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die IBA&#8217;27 liefert auf diese Frage konkrete Antworten, keine abstrakten Bekenntnisse. Im Quartier Böckinger Strasse in Stuttgart-Rot entstehen rund 400 Wohneinheiten, davon 290 im sozial geförderten Wohnungsbau. Das Projekt der städtischen Wohnbaugesellschaft SWSG zeigt, dass kommunale Träger auch unter schwierigen Marktbedingungen Massstäbe für soziale Durchmischung setzen können. Im Quartier am Rotweg sollen bis zur Bauausstellung 210 Wohneinheiten fertiggestellt sein, ebenfalls mit einem Drittel sozial gefördertem Wohnungsbau.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist auch das IBA&#8217;27-Projekt &#8222;Aquabox&#8220;: Ein mobiles Hallenbad in Holzmodulbauweise, das am Kelterplatz in Stuttgart-Zuffenhausen ab Herbst 2026 als Interimslösung während des Hallenbadneubaus dient und danach an weitere Standorte versetzt werden kann. Das Projekt, am 24. März 2026 als offizielles IBA&#8217;27-Vorhaben aufgenommen, steht exemplarisch für einen neuen Typ kommunaler Infrastruktur: flexibel, zirkulär, übertragbar. IBA&#8217;27-Intendant Andreas Hofer bringt es auf den Punkt: Viele Kommunen stehen vor der Aufgabe, marode Schwimmbäder aus den 1960er- und 1970er-Jahren zu ersetzen. Die Aquabox zeigt, wie sich diese Aufgabe als mobiles System intelligent lösen lässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Holzgebäude nutzt Wärmepumpen, eine hocheffiziente Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und eine Photovoltaikanlage. Realisiert wurde es in einer branchenübergreifenden Zusammenarbeit von POOL out of the BOX GmbH, 4a Architekten und Blumer Lehmann. Planungs- und Bauprozess sind also selbst modellhaft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sichtbar im Stadtraum sind die IBA&#8217;27-Projekte seit März 2026 durch leuchtend gelbe Stahlskulpturen der Stuttgarter Designagentur Haus Otto. Bis zu vier Meter hohe Projektmarker in vier modularen Varianten, von der Sitzbank bis zur &#8222;Himmelstreppe&#8220;, stehen an 22 Projektstandorten. Sie funktionieren als Einladung, sich bereits jetzt mit den Orten der IBA auseinanderzusetzen, und sollen nach 2027 als dauerhaftes Stadtmöbel bleiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Weissenhof, wo 1927 die Avantgarde des europäischen Wohnungsbaus ihre radikalen Ideen baute, entsteht das neue Besucher- und Informationszentrum Weissenhof.Forum nach Entwurf von Barkow Leibinger. Mit Dauerausstellung, Vortragsräumen und Café schafft das Forum die seit langem fehlende Infrastruktur für eine der meistbesuchten Architektursiedlungen Deutschlands. Die Brenzkirche in unmittelbarer Nachbarschaft wird behutsam umgebaut und erhält ihre identitätsstiftenden Elemente zurück.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Bopp benennt die übergeordnete Ambition ohne Umschweife: Bauen sei der grösste Kohlendioxid-Treiber weltweit. Die IBA&#8217;27 soll zeigen, dass ein struktureller Wandel in der Bauwirtschaft nicht nur notwendig, sondern möglich ist. Das Ausstellungsjahr verstehe sich deshalb nicht als Abschluss, sondern als Ausgangspunkt: Die IBA&#8217;27 GmbH wird bis 2030 weitergeführt, um Erfahrungen zu dokumentieren, Projekte zu begleiten und Netzwerke zu sichern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was die IBA&#8217;27 von vielen Bauausstellungen unterscheidet, ist dieser explizit gesellschaftliche Anspruch. Architektur wird hier nicht als autonome Kunstform verstanden, sondern als Werkzeug für soziale Transformation. Thematische Routen zu Neues Wohnen, Produktive Stadt, Einfaches Bauen, Bautechnik und Stadt am Fluss sollen 2027 unterschiedliche Zielgruppen ansprechen und die Projekte in nachvollziehbare Erzählungen einbetten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage, die IBA&#8217;27-Intendant Andreas Hofer an den Weissenhof stellt, gilt für die gesamte Ausstellung: Was können wir vom Wohnungsbau der Moderne lernen, und was müssen wir für die nächsten hundert Jahre fordern? Die Antworten darauf werden nicht in Stuttgart allein geschrieben. Aber Stuttgart liefert gerade ein lesenswertes erstes Kapitel.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Gaza nach dem Krieg: Wie die Zerstörung kultureller Stätten die Gesellschaft spaltet</title>
		<link>https://baukunst.art/gaza-nach-dem-krieg-wie-die-zerstoerung-kultureller-staetten-die-gesellschaft-spaltet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Oct 2025 10:23:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gaza]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaftliche Resilienz]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturelle Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturelles Gedächtnis]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltige Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipative Planung]]></category>
		<category><![CDATA[Urbaner Wiederaufbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Beim Wiederaufbau zerstörter Stadtlandschaften offenbaren sich gesellschaftliche Prioritäten im Mikrokosmos. Die Frage nach kulturellem Erbe ist keine romantische, sondern eine zutiefst politische – und im Gaza-Streifen zeigt sich, wie gesellschaftliche Resilienz an der Bewahrung kollektiver Erinnerung hängt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Lücke zwischen Trümmern und Wiederaufbau</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gaza-Streifen ist ein Lehrbuch urbaner Verdichtung und gleichzeitig ein Mahnmal für die Infragilität zivilisatorischer Errungenschaften. Mit einer Fläche etwa halb so groß wie Hamburg und einer Bevölkerung von 2,2 Millionen Menschen ist es eine der am dichtesten besiedelten Regionen der Welt. Diese räumliche Enge wird zur zentralen Problematik, wenn Wiederaufbau auf die Agenda rückt: Der Platz für Häuser, Schulen und Krankenhäuser kollidiert unvermeidlich mit dem Schutz archäologischer Stätten und historischer Gebäude.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Etwa 80 Prozent der Gebäude im Gaza-Streifen wurden beschädigt oder zerstört. Neben den unmittelbaren humanitären Notwendigkeiten wurden zwischen 226 und 316 kulturelle und historische Stätten durch direkte Bombardierung, Bulldozer-Abrisse oder Panzereinfahrten beschädigt – rund 55 bis 69 Prozent davon stark zerstört oder vernichtet. Dies ist kein Kollateralschaden, sondern folgt einem dokumentierten Muster: Die Zerstörung von Kulturstätten erschwert künftigen Generationen den Zugang zu ihrer Identität und ihrem Selbstverständnis als Gesellschaft.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Archäologie als Instrument sozialer Kontinuität</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Archäologen und Kulturarbeitende – darunter spezialisierte Fachleute wie die Archäologin Leena Majed Yassin – verstehen ihre Arbeit längst nicht mehr als akademisches Hobby, sondern als Dienst an der gesellschaftlichen Zusammenhangskonstruktion. Wenn Yassin etwa erklärt, dass Wiederaufbau nicht nur &#8218;Stein und Zement&#8216; bedeutet, sondern vor allem &#8218;den Menschen wieder aufbauen&#8216;, artikuliert sie einen zentralen urbanistischen Grundsatz: Städte sind mehr als Bauwerke – sie sind Träger von Bedeutung und Gedächtnis.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gaza-Streifen zeugt von etwa 12.000 Jahren kontinuierlicher menschlicher Besiedlung, von der Jungsteinzeit bis zur Gegenwart. Diese Schicht-Geschichte ist keine exotische Kuriosität, sondern Material für die lokale Selbstverständigung. Ein Kloster aus dem vierten Jahrhundert (das Hilarion-Kloster), ägyptische Verwaltungszentren aus der Bronzezeit, byzantinische Befestigungen – sie alle sind räumliche Manifestationen des Wissens, dass Territorium und Kultur unlösbar verflochten sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders instruktiv ist die Umwandlung restaurierter historischer Bauten in soziale Infrastrukturen: Die UNESCO und Schweden restaurierten zwischen 2012 und 2023 insgesamt 75 kulturelle Stätten in Palästina, darunter zahlreiche im Gaza-Streifen. Das Al Khader Monastery etwa wurde in eine Kinder- und Jugendbibliothek umgewandelt – eine architektonische Antwort auf die Frage, wie Kontinuität mit gegenwärtigen Bedürfnissen versöhnt wird. Solche Projekte zeigen, dass kulturelle Bewahrung keine Luxusfunktion ist, sondern essenzielle soziale Dienste erbringen kann.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Ökonomie des Wiederaufbaus: Wer bezahlt für Erinnerung?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die World Bank schätzt die Wiederaufbaukosten auf etwa 192 Millionen US-Dollar, für kulturelle Stätten allein werden 304 Millionen Euro für acht Jahre Rekonstruktion veranschlagt. Das ist eine erhebliche Summe, die in Relation zur weltweiten Entwicklungshilfe deutlich macht: Kulturelle Infrastruktur konkurriert mit Gesundheitsversorgung und Wohnungsbau um Ressourcen, die ohnehin knapp sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Konkurrenz ist nicht abstrakt, sondern alltäglich. In einer Situation, in der Menschen in Zelten leben und Schulen Ruinen sind, wirkt Denkmalschutz wie ein Luxus. Und doch: Archäologe Wolfgang Zwickel betont zu Recht, dass der Gaza-Streifen lange Zeit nicht nur um Nahrung, sondern auch um Identität ringt. Die Identitätsfrage ist nicht sekundär zur Überlebensfrage – sie ist integral damit verflochten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Problem liegt in der Finanzierungslogik. Internationale Organisationen (ALIPH, World Monuments Fund, UNESCO, British Council) engagieren sich, aber der politische Wille zur Finanzierung ist fragil. Mahmoud Balawi vom Iwan Center für Cultural Heritage warnt: &#8218;Kultur kann nicht warten.&#8216; Und doch warten kulturelle Projekte regelmäßig auf Finanzierungszusagen, die von politischen Launen abhängen. Die Pläne existieren, die Fachkompetenz ist vorhanden – es fehlt die institutionelle Kontinuität und der finanzielle Wille.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Partizipation statt Dekoration: Ein anderes Modell urbanen Wiederaufbaus</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein konstruktiver Ausblick ergibt sich aus der Frage: Wer entscheidet über Wiederaufbau? Die bisherige Wiederaufbauleistung im Gaza-Streifen basierte zu oft auf oberflächlichen, wenn nicht paternalistischen Ansätzen. Ein partizipatives Modell würde hingegen lokale Architektinnen, Handwerker und Gemeindemitglieder in den Kern der Planung stellen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vorbilder existieren: Die französisch-britische Zusammenarbeit bei archäologischen Surveys, die Kooperation zwischen RIWAQ (Riwaq Centre for Architectural Conservation) und internationalen Partnern – diese zeigen, dass Wissenstransfer funktionieren kann. Was jedoch fehlt, ist der strukturelle Raum für lokale Führungsschaft. Wenn Wiederaufbau als Chance für gesellschaftliche Selbstbestimmung verstanden wird, müssen Entscheidungsprozesse radikal demokratisiert werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die 24-jährige Archäologin Yassin verkörpert diese Möglichkeit: Sie bleibt in Gaza, dokumentiert die Verluste, plant Wiederherstellung. Sie repräsentiert eine Generation von Fachleuten und Kulturschaffenden, die Wiederaufbau nicht als Gnade von außen verstehen, sondern als Recht auf Selbstgestaltung. Eine solche Partizipation könnte Wiederaufbau von der Wohltätigkeit zur Selbstermächtigung transformieren.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Schlussfolgerung: Nachhaltigkeit jenseits von Nachhaltigkeit</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wiederaufbau ohne kulturelle Kontinuität ist Wiederaufbau ohne Hoffnung. Das ist die zentrale Erkenntnis, die sich aus der Gaza-Situation ergibt. Nachhaltige Stadtentwicklung bedeutet nicht nur grüne Bauten und effiziente Infrastruktur – es bedeutet die Wahrung von Narrativen, die Pflege von Gedächtnisräumen, die Stärkung lokaler Identität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Planerinnen, Architektinnen und Stadtentwicklerinnen weltweit stellt sich die Frage schärfer: Wie integrieren wir kulturelle Belange in die städtebauliche Praxis? Wie schützen wir historische Substanz, während wir Wohnraum schaffen? Diese Fragen sind nicht neu, aber Gaza macht ihre existenzielle Dimension sichtbar. Eine Gesellschaft, der ihr kulturelles Gedächtnis genommen wird, kann sich nicht nachhaltig selbst tragen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gaza-Streifen verdient nicht nur Mittel zur physischen Rekonstruktion, sondern eine grundlegende Anerkennung, dass kulturelle Infrastruktur essenzielle Infrastruktur ist – gleichberechtigt mit Wasser, Strom und Schulen. Dies ist kein romantisches Bekenntnis zur Kultur, sondern ein urbaner Imperativ: Städte ohne Gedächtnis sind nicht lebenswert.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/gaza-nach-dem-krieg-wie-die-zerstoerung-kultureller-staetten-die-gesellschaft-spaltet/">Gaza nach dem Krieg: Wie die Zerstörung kultureller Stätten die Gesellschaft spaltet</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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