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	<title>Pritzker-Preis-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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	<title>Pritzker-Preis-Archiv - Baukunst</title>
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		<title>Tom Pritzkers Rücktritt und die Frage, ob der bedeutendste Architekturpreis der Welt noch glaubwürdig ist.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Feb 2026 14:57:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Premium]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Epstein-Skandal]]></category>
		<category><![CDATA[Pritzker-Preis]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Pritzker Architecture Prize gilt als der Nobelpreis der Baukunst. Er steht für Humanismus, gesellschaftliche Verantwortung und das zivilisatorische Ideal der Architektur. Doch seit Tom Pritzker, Sohn der Preisstifter und jahrzehntelanger Repräsentant dieser Auszeichnung, wegen seiner Verbindungen zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein als Hyatt-Vorstandsvorsitzender zurückgetreten ist, stellt sich eine unbequeme Frage: Was ist ein Preis noch wert, wenn sein Name zum Problem wird?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/tom-pritzkers-ruecktritt-und-die-frage-ob-der-bedeutendste-architekturpreis-der-welt-noch-glaubwuerdig-ist/">Tom Pritzkers Rücktritt und die Frage, ob der bedeutendste Architekturpreis der Welt noch glaubwürdig ist.</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Preis, drei Grundwerte und ein erschüttertes Fundament</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf der Rückseite der Pritzker-Medaille sind Vitruvs drei Grundbegriffe der Baukunst eingraviert: Festigkeit, Zweckmäßigkeit und Venustas, die Schönheit. Seit 1979 verleiht die Hyatt Foundation diesen Preis jährlich an Architektinnen und Architekten, die das zivilisatorische Ideal der Baukunst verkörpern. Am 16. Februar 2026 traten alle drei Tugenden gleichzeitig in Frage: Thomas J. Pritzker, 75, Sohn der Preisstifter Jay und Cindy Pritzker und seit mehr als zwei Jahrzehnten Vorstandsvorsitzender der Hyatt Hotels Corporation, gab seinen sofortigen Rücktritt bekannt. Auslöser war die Veröffentlichung von über drei Millionen Seiten interner Dokumente des US-Justizministeriums im Rahmen des sogenannten Epstein Files Transparency Act, den Präsident Donald Trump unterzeichnet hatte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In einem Brief an den Hyatt-Vorstand räumte Pritzker ein, er habe &#8222;ein schreckliches Urteilsvermögen bewiesen&#8220; und bedauere, sich nicht früher von Jeffrey Epstein distanziert zu haben. Die Freundschaft zwischen Pritzker und dem 2019 in Untersuchungshaft gestorbenen Sexualstraftäter Epstein überdauerte demnach sogar dessen Verurteilung im Jahr 2008. Jetzt droht der Schatten dieser Verbindung auf die nobelste Auszeichnung der Architektenwelt zu fallen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn der Preis seinen Namen trägt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Pritzker Architecture Prize ist keine neutrale Institution. Er ist eng mit einer Familie verbunden, deren Namen er trägt, und mit einer Stiftung, die von eben jener Familie finanziert und repräsentiert wird. Jahrelang war Tom Pritzker das öffentliche Gesicht dieses Preises. Er überreichte die Auszeichnung in feierlichen Zeremonien und stand Architektinnen und Architekten als Repräsentant eines humanistischen Ideals gegenüber. Nun belegen Dokumente des US-Justizministeriums, dass Pritzker und Epstein auch Mails über Einladungen zu Pritzker-Preis-Veranstaltungen austauschten, darunter zur Zeremonie 2012 in Peking für Preisträger Wang Shu.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders schwer wiegt die eidesstattliche Aussage von Virginia Roberts Giuffre, die 2025 im Alter von 41 Jahren starb. In einer Zeugenaussage aus dem Jahr 2016 im Rahmen einer Zivilklage gegen Ghislaine Maxwell benannte sie Pritzker als einen der Männer, an die sie als Minderjährige von Epstein vermittelt worden sei. Pritzker bestreitet das ausdrücklich. Er wurde bisher weder angeklagt noch ist er Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen. Die Unschuldsvermutung gilt. Dennoch lastet der Anfangsverdacht schwer auf einem Preis, dessen Satzung den absoluten Wert des Einzelnen und der Menschheit beschwört.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenschaft schweigt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums, kommt zu einem klaren Urteil: Der Preis sei &#8222;definitiv beschädigt&#8220;. Damit steht er weitgehend allein. Das American Institute of Architects schwieg auf Anfragen. Jury-Vorsitzender Alejandro Aravena (Pritzker-Preisträger 2016) schwieg. Anne Lacaton (Preisträgerin 2021) schwieg. Herzog und de Meuron (Preisträger 2001) ließen mitteilen, zu Anfragen dieser Art keine Stellung zu nehmen. Die Architektenwelt, die sich gern ihrer gesellschaftlichen Verantwortung rühmt, demonstriert in einer der bedeutendsten Krisen ihres wichtigsten Preises kollektives Schweigen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Einer weicht davon ab: Wolf Prix, Design Principal von Coop Himmelb(l)au. Das Preisgeld würde er noch akzeptieren, den Preis nicht. Immerhin. Wenn allerdings ein Berufsstand, der architektonische Verantwortung für gesellschaftliche Räume und soziale Infrastrukturen für sich beansprucht, in einem solchen Moment nur eine Stimme findet, wirft das grundlegende Fragen über Ethos und Haltung auf.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Strukturelle Verächtlichkeit: Der Preis und seine Kritik</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Pritzker-Preis ist nicht erst seit dem Epstein-Skandal umstritten. Kazys Varnelis von der Columbia-Universität beschreibt ihn als &#8222;elitäre, undemokratische Institution&#8220;, die von altem Geld und patriarchalischen Strukturen dominiert wird. Tatsächlich wurden unter 47 Preisträgern bisher nur sechs Frauen ausgezeichnet, trotz jahrzehntelanger Kritik an dieser Schieflage. Dass der erste Preisträger überhaupt, Philip Johnson, bekannt für seinen Ausspruch, er sei &#8222;eine Hure&#8220; und würde für jeden Auftraggeber bauen, diesen Preis 1979 erhielt, sagt einiges über den institutionellen Charakter der Auszeichnung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage der gesellschaftlichen Verantwortung ist in der Architektur selten so scharf gestellt worden wie jetzt. Architektur behauptet, Räume für das gute Leben zu schaffen, soziale Gerechtigkeit zu befördern, Gemeinschaft zu stärken. Ein Preis, der diesen Anspruch krönt, muss sich entsprechend verhalten. Die Stiftung hat bisher keine Antwort auf die dringende Frage gegeben, wie die Verleihung des Preises für 2026 weitergehen soll. Der Preisträger oder die Preisträgerin sollte eigentlich im März bekanntgegeben werden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was nun? Vier Szenarien für den Pritzker-Preis</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenwelt steht vor einer Entscheidung, die sie bisher vermeidet: Entweder wird der Preis in seiner bestehenden Form fortgeführt, das Schweigen als Normalzustand zementiert und das dröhnende Schweigen als Antwort akzeptiert. Oder der Berufsstand greift aktiv ein und fordert institutionelle Reformen: eine unabhängige, nichtkommerzielle Stiftung ohne Familienbindung, eine transparente Jury ohne Interessenkonflikte, ein Auswahlverfahren, das ökonomische Macht und architektonische Qualität trennt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein dritter Weg wäre die bewusste Abwertung des Pritzker-Preises durch die Branche selbst, indem künftige Preisträgerinnen und Preisträger die Auszeichnung ablehnen oder kommentieren, bis eine Reform erfolgt. Das erfordert Mut und ökonomische Unabhängigkeit, die nicht allen zur Verfügung stehen. Das vierte Szenario, die vollständige Einstellung des Preises, erscheint angesichts seiner globalen Sichtbarkeit unrealistisch, aber Varnelis&#8216; Forderung &#8222;It&#8217;s time to shut the Pritzker down&#8220; gewinnt an Resonanz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Was bleibt, ist eine Branche, die beim Blick in den Spiegel entscheiden muss, ob sie das Schweigen als Komplizenschaft versteht oder als professionelle Neutralität. Beides hat Konsequenzen. Venustas, die Schönheit, benötigt ein sauberes Fundament.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/tom-pritzkers-ruecktritt-und-die-frage-ob-der-bedeutendste-architekturpreis-der-welt-noch-glaubwuerdig-ist/">Tom Pritzkers Rücktritt und die Frage, ob der bedeutendste Architekturpreis der Welt noch glaubwürdig ist.</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Nobelpreis für Architektur: Wer hätte ihn verdient?</title>
		<link>https://baukunst.art/architektur-nobelpreis-warum-alfred-nobel-die-baukunst-vergass/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Dec 2025 17:01:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltige Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Nobelpreis]]></category>
		<category><![CDATA[Pritzker-Preis]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Nobelpreise 2024 sind vergeben, Stockholm und Oslo haben gefeiert. Doch eine Disziplin bleibt seit 1901 außen vor: die Architektur. Wer käme in Frage?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/architektur-nobelpreis-warum-alfred-nobel-die-baukunst-vergass/">Nobelpreis für Architektur: Wer hätte ihn verdient?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1>Ein Testament und seine Lücken</h1>
<p style="font-weight: 400;">Als Alfred Nobel am 27. November 1895 in Paris sein Testament unterzeichnete, definierte er fünf Bereiche, in denen die Menschheit durch außergewöhnliche Leistungen vorangebracht werden könne: Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Frieden. Die Architektur fand keine Erwähnung. Ob dies eine bewusste Entscheidung war oder schlicht dem Zeitgeist geschuldet, bleibt Gegenstand akademischer Debatten. Nobel selbst war Ingenieur und Chemiker, ein Pragmatiker, der Dynamit erfand und damit unbeabsichtigt sowohl die Bauindustrie revolutionierte als auch die Kriegsführung veränderte.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Ironie entgeht niemandem: Ohne Sprengstoff wären viele architektonische Großprojekte des 20. Jahrhunderts undenkbar gewesen, vom Panamakanal bis zu den Tunneln der Alpentransversalen. Doch die Disziplin, die diese Ingenieursleistungen in bewohnbare Räume übersetzt, blieb von der höchsten akademischen Auszeichnung ausgeschlossen.</p>
<h1>Der Pritzker als Ersatzhandlung</h1>
<p style="font-weight: 400;">Seit 1979 springt der Pritzker-Preis in diese Bresche. Von der Hyatt-Stiftung ins Leben gerufen, wird er regelmäßig als „Nobelpreis der Architektur“ bezeichnet, eine Formulierung, die gleichermaßen schmeichelhaft wie irreführend ist. Die 100.000 Dollar Preisgeld verblassen vor den elf Millionen schwedischen Kronen des echten Nobelpreises. Wichtiger noch: Während Nobel auf wissenschaftliche Durchbrüche zielte, würdigt der Pritzker ein Lebenswerk, das sich in gebauter Umwelt manifestiert.</p>
<p style="font-weight: 400;">2024 ging der Pritzker an den Japaner Riken Yamamoto, einen 78-jährigen Architekten, dessen Werk sich durch die Auflösung der Grenzen zwischen öffentlichem und privatem Raum auszeichnet. Seine Wohnbauprojekte fördern nachbarschaftliche Begegnungen, seine öffentlichen Gebäude laden zum Verweilen ein. Japan stellt damit zum neunten Mal den Preisträger, mehr als jedes andere Land.</p>
<h1>Kandidatinnen und Kandidaten für eine Gedankenübung</h1>
<p style="font-weight: 400;">Würde es einen Nobelpreis für Architektur geben, wer käme in Betracht? Die Kriterien Nobels, wonach die Auszeichnung jenen gebührt, die der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben, bieten einen interessanten Maßstab. Anders als bei Physik oder Chemie lässt sich architektonischer Nutzen nicht in Formeln fassen. Er manifestiert sich in Lebensqualität, in sozialer Gerechtigkeit, in ökologischer Verantwortung.</p>
<p style="font-weight: 400;">Nach vierzig Jahren Berufserfahrung wage ich eine persönliche Einschätzung:</p>
<h2>Francis Kéré: Architektur als soziale Transformation</h2>
<p style="font-weight: 400;">Der Pritzker-Preisträger von 2022, Diébédo Francis Kéré, geboren in Burkina Faso und in Berlin ansässig, verkörpert vielleicht am deutlichsten, was Nobel mit „Nutzen für die Menschheit“ gemeint haben könnte. Seine Schulen und Gesundheitszentren in Westafrika entstehen unter aktiver Beteiligung der lokalen Gemeinschaften, aus regionalen Materialien, mit bioklimatischen Konzepten, die ohne Klimaanlagen auskommen. „Es ist nicht so, dass man arm ist und deshalb keine Qualität haben kann“, sagt Kéré. Diese Haltung transformiert nicht nur Dörfer, sondern stellt grundsätzliche Annahmen westlicher Architekturpraxis in Frage.</p>
<h2>Norman Foster: Technologie im Dienst der Gesellschaft</h2>
<p style="font-weight: 400;">Der mittlerweile 90-jährige britische Architekt Sir Norman Foster hat mit seinem Büro Foster + Partners die globale Architekturpraxis geprägt wie kaum ein anderer. Vom Reichstag in Berlin über den Apple Park in Cupertino bis zur geplanten Null-Emissions-Stadt Masdar in Abu Dhabi demonstrieren seine Projekte, dass High-Tech-Architektur und Nachhaltigkeit keine Gegensätze sein müssen. Kritiker werfen ihm vor, zu sehr im Dienst des Großkapitals zu stehen. Doch wer die demokratische Transparenz der Berliner Parlamentskuppel erlebt hat, versteht, dass große Bauaufgaben auch gesellschaftliche Impulse setzen können.</p>
<h2>Renzo Piano: Der Humanist unter den Stararchitekten</h2>
<p style="font-weight: 400;">Der Italiener Renzo Piano, 1998 mit dem Pritzker ausgezeichnet, hat mit dem Centre Pompidou in Paris Architekturgeschichte geschrieben und sich seither konsequent der Humanisierung des Bauens gewidmet. Seine Museen, Konzerthallen und öffentlichen Räume zeichnen sich durch eine Sensibilität für Licht, Material und menschlichen Maßstab aus, die in der Welt der Stararchitektur selten geworden ist. Mit 87 Jahren arbeitet er unermüdlich weiter, aktuell an einem neuen Bahnhof für Mailand.</p>
<h2>Ken Yeang: Der Visionär des bioklimatischen Hochhauses</h2>
<p style="font-weight: 400;">Der malaysische Architekt Ken Yeang hat mit seinem Konzept des „bioklimatischen Wolkenkratzers“ einen Paradigmenwechsel eingeleitet. Statt Hochhäuser als energiefressende Glasboxen zu konzipieren, integriert er Vegetation, natürliche Belüftung und passive Kühlung in vertikale Strukturen. Seine Idee der „Öko-Mimikry“, des Nachahmens natürlicher Systeme in der Architektur, gewinnt angesichts der Klimakrise täglich an Relevanz.</p>
<h2>Diller Scofidio + Renfro: Die Grenzgänger zwischen Kunst und Architektur</h2>
<p style="font-weight: 400;">Das New Yorker Studio Diller Scofidio + Renfro hat die Grenzen dessen, was Architektur sein kann, konsequent erweitert. Mit der High Line verwandelten Elizabeth Diller und Ricardo Scofidio eine stillgelegte Hochbahntrasse in einen der meistbesuchten öffentlichen Räume der Welt. The Shed, The Broad in Los Angeles und die jüngst eröffnete V&amp;A East Storehouse in London zeigen ihre Fähigkeit, Kulturbauten zu schaffen, die Institution und Stadt neu vernetzen. Nach dem Tod Ricardo Scofidios im März 2025 führt Elizabeth Diller das Büro weiter. Bei der Architekturbiennale Venedig 2025 wurde DS+R mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Ihr interdisziplinärer Ansatz, der Architektur, bildende Kunst und Performance verschmilzt, stellt die traditionellen Grenzen der Disziplin infrage.</p>
<h2>Herzog &amp; de Meuron: Die Alchemisten der Fassade</h2>
<p style="font-weight: 400;">Jacques Herzog und Pierre de Meuron, beide 1950 in Basel geboren, haben mit ihrem Büro Herzog &amp; de Meuron die Materialität der Architektur neu definiert. Seit dem Pritzker-Preis 2001 gilt das Schweizer Duo als Maßstab für architektonische Innovation. Die Tate Modern in London, das Olympiastadion „Vogelnest“ in Peking und die Elbphilharmonie in Hamburg zeigen ihre Fähigkeit, ikonische Bauten zu schaffen, die dennoch tief in ihrem Kontext verwurzelt sind. Mit rund 600 Mitarbeitenden weltweit zählt das Büro zu den einflussreichsten der Welt. Was Herzog &amp; de Meuron auszeichnet, ist ihr obsessives Interesse an der Gebäudehülle: Kupferbänder, bedruckte Glasfassaden, Gabionenwände. In einer Zeit der digitalen Beliebigkeit beharren sie auf der sinnlichen Erfahrung des Materials.</p>
<h2>Peter Zumthor: Der Meister der Atmosphäre</h2>
<p style="font-weight: 400;">Der Schweizer Peter Zumthor, Pritzker-Preisträger 2009, repräsentiert das genaue Gegenteil globaler Architekturpraxis. Mit einem Team von etwa fünfzehn Mitarbeitern arbeitet er seit Jahrzehnten im abgelegenen Haldenstein in Graubünden und lehnt mehr Aufträge ab, als er annimmt. Seine Therme Vals, das Kolumba Museum in Köln und die Bruder Klaus Feldkapelle gehören zu den am meisten verehrten Bauten der Gegenwart. „Architektur ist nicht Vehikel oder Symbol für Dinge, die nicht zu ihrem Wesen gehören“, schreibt Zumthor in seinem Buch „Architektur Denken“. In einer Gesellschaft, die das Unwesentliche feiert, könne Architektur Widerstand leisten. Zumthors Bauten beweisen diese These: Sie sind keine Spektakel, sondern Räume von fast sakraler Stille, in denen Licht, Material und menschlicher Körper in Dialog treten.</p>
<h1>Die eigentliche Frage</h1>
<p style="font-weight: 400;">Vielleicht ist das Fehlen eines Architektur-Nobelpreises jedoch kein Versäumnis, sondern eine heilsame Beschränkung. Die Naturwissenschaften streben nach objektiv überprüfbaren Erkenntnissen. Architektur hingegen verhandelt zwischen ästhetischen, sozialen, ökonomischen und ökologischen Ansprüchen, die sich nicht auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen. Ein Schulbau in Burkina Faso und ein Museum in New York erfüllen derart unterschiedliche Funktionen, dass ein Vergleich fast unstatthaft erscheint.</p>
<p style="font-weight: 400;">Was die genannten Architektinnen und Architekten verbindet, ist weniger ein stilistisches Programm als eine ethische Haltung: die Überzeugung, dass Architektur mehr sein kann als gebaute Spekulation oder skulpturales Ego. Dass sie im besten Fall das Leben der Menschen verbessert, die sie nutzen, und nicht nur das Portfolio derjenigen, die sie finanzieren.</p>
<p style="font-weight: 400;">Alfred Nobel wollte diejenigen ehren, die der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben. In einer Zeit, in der der Bausektor für etwa 40 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich ist und in der eine Milliarde Menschen in informellen Siedlungen leben, wäre ein Nobelpreis für Architektur vielleicht tatsächlich überfällig. Nicht als Krönung individueller Genialität, sondern als Anerkennung einer Disziplin, die über die Zukunft unserer Städte und damit über unser aller Lebensqualität entscheidet.</p>
<p style="font-weight: 400;">Bis dahin bleibt der Pritzker. Und die stille Gewissheit, dass die besten Gebäude ohnehin keine Preise brauchen, um zu wirken.</p>
<h1>Alternative Überschriften</h1>
<ol>
<li style="font-weight: 400;"><strong> Der Spiegel:</strong> Die vergessene Disziplin: Warum die Architektur keinen Nobelpreis bekommt und wer ihn verdient hätte</li>
<li style="font-weight: 400;"><strong> Bild-Zeitung:</strong> Diese Bau-Genies wären reif für den Nobelpreis!</li>
<li style="font-weight: 400;"><strong> Stern:</strong> Vom Dorf in Burkina Faso nach Stockholm: Die Architekten, die unsere Welt verändern</li>
<li style="font-weight: 400;"><strong> NZZ:</strong> Alfred Nobels Vermächtnis und die Frage nach architektonischer Exzellenz</li>
<li style="font-weight: 400;"><strong> Die Zeit:</strong> Bauen für die Menschheit: Eine Reflexion über verdiente Ehrungen und institutionelle Leerstellen</li>
<li style="font-weight: 400;"><strong> FAZ:</strong> Architektur zwischen Kunstanspruch und gesellschaftlicher Verantwortung: Wem gebührt die höchste Auszeichnung?</li>
<li style="font-weight: 400;"><strong> Frankfurter Rundschau:</strong> Vergessen von Nobel: Wie Architektur Klimakrise und soziale Ungleichheit bekämpfen könnte</li>
<li style="font-weight: 400;"><strong> TAZ:</strong> Kein Preis für den Beton-Wahnsinn? Warum der fehlende Architektur-Nobel ein Problem ist</li>
</ol>
<p style="font-weight: 400;">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/architektur-nobelpreis-warum-alfred-nobel-die-baukunst-vergass/">Nobelpreis für Architektur: Wer hätte ihn verdient?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Liu Jiakuns Pritzker-Preis: Ein Plädoyer für sozial engagierte Architektur</title>
		<link>https://baukunst.art/liu-jiakuns-pritzker-preis-ein-plaedoyer-fuer-sozial-engagierte-architektur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Mar 2025 18:01:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[ZukunftArchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Liu Jiakun]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Pritzker-Preis]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=11945</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der chinesische Architekt Liu Jiakun erhält den Pritzker-Preis 2025 für seine sozial engagierte und kulturell verankerte Architektur. Was prägt ihn mehr: seine Haltung oder seine Baukunst?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/liu-jiakuns-pritzker-preis-ein-plaedoyer-fuer-sozial-engagierte-architektur/">Liu Jiakuns Pritzker-Preis: Ein Plädoyer für sozial engagierte Architektur</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Haltung oder Architektur – Was macht Liu Jiakun wirklich aus?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Auszeichnung von <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Liu Jiakun</strong> mit dem <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Pritzker-Preis 2025</strong> kam für viele überraschend. In einer Branche, die häufig von spektakulären Formen und prominenten Namen dominiert wird, verkörpert Liu das genaue Gegenteil: Er ist ein Architekt, dessen Wirken vor allem durch seine Haltung geprägt ist. Seine Werke sind Ausdruck einer tiefen kulturellen, sozialen und ökologischen Verantwortung.</p>
<div id="attachment_11949" style="width: 612px" class="wp-caption alignleft"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-11949" class="size-full wp-image-11949" src="https://baukunst.art/wp-content/uploads/2025/03/LIU2.png" alt="Baukunst-Liu Jiakuns Pritzker-Preis: Ein Plädoyer für sozial engagierte Architektur" width="602" height="402" /><p id="caption-attachment-11949" class="wp-caption-text">The Renovation of Tianbao Cave District of Erlang Town © courtesy of Arch-Exist</p></div>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Tradition und Moderne</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Lius Architektur wurzelt tief in der chinesischen Tradition, die er gekonnt in moderne Bauweisen übersetzt. Er nutzt lokale Materialien wie Ziegel und Stein und kombiniert traditionelle Elemente wie asymmetrische Raumaufteilungen und symbolisch aufgeladene Landschaftselemente mit zeitgemäßen Anforderungen. Projekte wie das <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">West Village</strong> in Chengdu illustrieren eindrucksvoll, wie er öffentliche und private Räume harmonisch verschmelzen lässt und zugleich Orte schafft, die Gemeinschaft fördern.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit als Prinzip</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein wesentlicher Bestandteil von Lius Philosophie ist die Nachhaltigkeit. Besonders deutlich wird dies an seinen <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">„Rebirth Bricks“</strong>, innovativen Ziegelsteinen, hergestellt aus den Trümmern des verheerenden Erdbebens von Wenchuan im Jahr 2008. Sie sind nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern bewahren auch die Identität der Region. Liu zeigt, wie Architektur sowohl Vergangenheit ehren als auch zukunftsfähig sein kann.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektur als soziale Therapie</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Alejandro Aravena, Vorsitzender der Pritzker-Jury, beschreibt Liu treffend als „Therapeut im Raum“. Architektur ist für Liu nicht Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um urbane und soziale Herausforderungen zu bewältigen. In Zeiten rascher Urbanisierung, insbesondere in China, bieten seine Projekte Antworten auf drängende Probleme wie Platzmangel, Isolation und fehlende Gemeinschaft. Dabei steht nicht die formale Perfektion, sondern die Qualität des Lebens im Vordergrund.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Imperfektion als Stärke</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bewusst verzichtet Liu auf makellose Oberflächen und spektakuläre Formen, die im Rampenlicht glänzen. Vielmehr integriert er bewusst &#8222;imperfekte&#8220; Materialien und Details, die altern und dabei ihren Charme entfalten. Diese Ehrlichkeit in der Materialwahl betont die Vergänglichkeit und Natürlichkeit, Eigenschaften, die Liu in einer technisierten Welt als essenziell begreift.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die stille Kraft der Haltung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Letztlich ist es diese innere Haltung, die Liu Jiakun auszeichnet und seinen Werken ihre Kraft verleiht. Seine Architektur ist subtil politisch, denn sie fordert still, aber entschieden eine Rückbesinnung auf das Wesentliche: Menschlichkeit, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit. Liu vermittelt damit eine Botschaft, die weit über die Grenzen Chinas hinaus relevant ist und möglicherweise gerade deshalb nun mit dem wichtigsten Architekturpreis der Welt gewürdigt wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Jury hat es erkannt: Nicht seine Bauten allein, sondern vor allem seine Haltung macht Liu Jiakun zum bedeutenden Architekten unserer Zeit.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/liu-jiakuns-pritzker-preis-ein-plaedoyer-fuer-sozial-engagierte-architektur/">Liu Jiakuns Pritzker-Preis: Ein Plädoyer für sozial engagierte Architektur</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Balkrishna Doshi</title>
		<link>https://baukunst.art/balkrishna-doshi/</link>
		
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		<pubDate>Wed, 06 Jul 2022 08:51:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Empfehlungen]]></category>
		<category><![CDATA[Balkrishna Doshi]]></category>
		<category><![CDATA[Pritzker-Preis]]></category>
		<category><![CDATA[RIBA]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der inzwischen 94 Jahre alte indische Architekt, der immer noch in seinem partnergeführten Studio Sangath praktiziert, darf eine weitere Ruhmeshalle betreten. mehr&#8230;</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Der inzwischen 94 Jahre alte <strong>indische Architekt</strong>, der immer noch in seinem partnergeführten Studio <strong>Sangath</strong> praktiziert, darf eine weitere Ruhmeshalle betreten. <strong><a href="https://www.designboom.com/architecture/balkrishna-doshi-2022-riba-royal-gold-medal-architecture-06-17-2022/?utm_source=designboom+daily&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=balkrishna+doshi+receives+2022+RIBA+royal+gold+medal+for+architecture" target="_blank" rel="noreferrer noopener">mehr&#8230;</a></strong></p>
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