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	<title>Thüringen-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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	<title>Thüringen-Archiv - Baukunst</title>
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		<title>Warum Thüringen zeigt, wie Föderalismus Kindern schadet</title>
		<link>https://baukunst.art/warum-thueringen-zeigt-wie-foederalismus-kindern-schadet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 14:03:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Infrastrukturinvestitionen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Thüringens Schulen verfallen – und die Politik verspricht Abhilfe mit einer Milliarde Euro. Doch der Streit über den richtigen Weg offenbart tiefere Fragen über regionale Infrastrukturpolitik.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/warum-thueringen-zeigt-wie-foederalismus-kindern-schadet/">Warum Thüringen zeigt, wie Föderalismus Kindern schadet</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">THÜRINGER INFRASTRUKTUR-DILEMMA</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zwischen Ambition und Machbarkeit</strong></em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Millionenprogramm offenbart die Grenzen regionaler Gestaltungskraft</strong></em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Thüringens Kommunen ersticken in ihren eigenen Sanierungsrückständen. Mit einer Milliarde Euro verspricht die Landesregierung Abhilfe – doch während die einen von historischer Investitionschance sprechen, warnen die anderen vor versteckten Schuldenfallen. Ein Blick auf die Realität zwischen politischem Anspruch und architektonischer Verantwortung.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">MAGNITUDE DES PROBLEMS</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Sanierungsstau ist keine akademische Debatte in Thüringen – es ist eine Krise mit Klassenraum-Ausmaßen. Nach der jüngsten Bestandsaufnahme des Landesrechnungshofs haben sich die notwendigen Sanierungsinvestitionen auf 3,3 Milliarden Euro aufgetürmt. Das ist nicht die übliche politische Übertreibung, sondern das Ergebnis einer systematischen Analyse von 28 Schulgebäuden und Sporthallen landesweit. Die Bilanz fällt verheerend aus: Etwa die Hälfte der besichtigten Schulen erfüllt nicht einmal die elementaren Anforderungen für zeitgemäße Lernumgebungen. Barrierefreiheit? Für viele ein unerfüllter Traum. Digitale Infrastruktur? Oft nicht vorgesehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Traurige daran ist nicht nur die materielle Vernachlässigung, sondern was sie symbolisiert. Wenn Schülerinnen und Schüler in Gebäuden lernen, die ihre Möglichkeiten obsolet machen, bevor sie überhaupt entstehen können, dann verfallen nicht nur Schulbauten – es verfallen Zukunftschancen. Regional ist dies ein Phänomen mit überregionalen Implikationen: Während wohlhabendere Bundesländer längst modernisiert haben, spielen Thüringens Kommunen noch Rückwärtsrolle.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">MILLIARDENSVERSPRECHEN MIT KLEINEM DRUCK DAHINTER</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Finanzministerin Katja Wolf von der BSW hat mit ihrem neu aufgelegten Kommunalen Investitionsprogramm ein ambitioniertes Ziel ausgerufen. Eine Milliarde Euro für die kommenden vier Jahre – 250 Millionen jährlich – soll den Kommunen zu einem neuen Investments-Schub verhelfen. Das Programm ist tatsächlich das größte seiner Art seit 1990. Klingt nach echtem Aufbruch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nur: Der Mechanismus ist trickreicher als die Schlagzeilen vermuten lassen. Die Gelder fließen nicht als klassische Zuweisungen, sondern als Kredite über die Thüringer Aufbaubank. Das bedeutet in der Praxis: Das Land übernimmt Zins und Tilgung. Für Kommunen mit stabilen Haushalten eine interessante Lösung, für andere ein Gewinn. Kommunalminister Georg Maier (SPD) betont daher zu Recht, dass Investitionen mehr als Bauprojekte sind: „Gute Demokratie zeigt sich nicht nur in Gesetzen, sondern auch im Alltag.&#8220; Das ist der richtige Gedanke – wenn die Umsetzung folgt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Problem bleibt dennoch: Die Minderheitsregierung aus Brombeerkoa­lition braucht für das Programm die Zustimmung der Opposition. Sowohl AfD als auch Die Linken haben bereits Bedenken angemeldet.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">DAS OPPOSITION-PARADOXON</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritik ist legitim, und in diesem Fall auch nachvollziehbar. Sascha Bilay, kommunalpolitischer Sprecher der Thüringer Linken, rechnet vor: Bei Rückzahlungen ab 2030 inklusive Zinsen könnte aus der einen Milliarde leicht anderthalb Milliarden werden. Das sind keine abstrakten Zahlen – das sind Fesseln an zukünftige Haushalte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Alternative, die Bilay vorschlägt, hat Charme: Würden Bundesmittel direkt an die Kommunen fließen – etwa 100 Millionen Euro jährlich über zwölf Jahre – ergäbe das insgesamt 1,2 Milliarden Euro. Vor allem aber: Die Kommunen hätten die dreifache Zeit, ihre Planungen zu bewerkstelligen. Das ist nicht kleinlich gemäkelt, das ist strategisches Denken. Denn jeder erfahrene Architekt weiß, dass gute Sanierungen nicht in vier Jahren geplant und gebaut werden – sie entstehen in iterativen Prozessen mit viel Bedacht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier offenbaren sich die regionalen Besonderheiten Thüringens in voller Schärfe. Ein strukturell schwaches Bundesland mit knappen Mitteln muss zwischen zwei strategischen Logiken wählen: schnelle Sichtbarkeit politischer Erfolge oder nachhaltige, durchdachte Infrastrukturpolitik. Nicht selten sind das antagonistische Ziele.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">REGIONALE REALITÄTEN</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Planungsausschreibungen im Thüringer Schulbau haben in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen – ein positives Signal. Es bedeutet, dass Kommunen überhaupt wieder zu investieren wagen. Doch vor dem Hintergrund sinkender Schülerzahlen stellt sich eine unbequeme Frage, die der Rechnungshof zu Recht aufwirft: Welche Gebäude braucht man überhaupt noch?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine stadtentwicklerische und architektonische Frage. In vielen Thüringer Regionen verzeichnet man Bevölkerungsrückgänge – besonders im ländlichen Raum. Gigantische Schulneubauten wären ökologisch, ökonomisch und sozial unverantwortlich. Stattdessen bedarf es intelligenter Nachnutzungskonzepte, der Umwandlung und behutsamen Ergänzung bestehender Strukturen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wolf hat angekündigt, die Kommunalordnung zu ändern – unter anderem, um auch Städten und Gemeinden in Haushaltssicherung Zugang zu Krediten zu geben. Das ist eine gute Botschaft für strukturschwache Regionen. Doch die Details fehlen, und bei Kommunalfinanzen sind die Details alles.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">ZWISCHEN KRISE UND CHANCE</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was Thüringen derzeit durchlebt, ist nicht spezifisch für dieses Bundesland – es ist ein bundesweites Phänomen, das sich regional unterschiedlich manifestiert. Der Westen Deutschlands vergab in den Jahrzehnten nach der Wiedervereinigung massiv in Schulbauten. Der Nordosten, Thüringen miteingeschlossen, musste strukturelle Transformation bewältigen und investierte oft defensiv. Jetzt schlägt die Stunde der Rechnungen – im wahrsten Sinne des Wortes.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten eröffnet sich dadurch ein Handlungsfeld großen Ausmaßes. Nicht Luxussanierungen stehen an, sondern intelligente, pragmatische Lösungen. Das ist demütigend für den ästhetischen Anspruch, aber es ist auch befreiend: Gute Architektur ist nicht teuer – sie ist klug.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">AUSBLICK</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die Opposition dem Programm zustimmt. Denn trotz aller politischen Gegensätze: Niemand profitiert davon, dass Schülerinnen und Schüler in Ruinen lernen. Die eigentliche Debatte ist eine zwischen zwei legitimen Logiken – Geschwindigkeit versus Bedachtheit. Ideal wäre ein Mittelweg: schnell genug, um Sichtbarkeit zu schaffen, bedacht genug, um nachhaltige Strukturen aufzubauen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Milliardenversprechen Thüringens ist daher weder die Rettung noch die Katastrophe – es ist, was regionale Infrastrukturpolitik immer ist: ein Versuch, unter Druck das Richtige zu tun. Ob das gelingt, werden nicht die Zahlen entscheiden, sondern die Projekte, die daraus entstehen.</p>
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		<title>Gegen den Abrisswahn: Wie Weimar sein DDR-Erbe rettet</title>
		<link>https://baukunst.art/gegen-den-abrisswahn-wie-weimar-sein-ddr-erbe-rettet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Jun 2025 07:38:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[DDR-Moderne]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Thüringen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Thüringens jüngstes Denkmal schwebt wieder zwischen Weimars Baumkronen. Die sanierte Mensa zeigt vorbildlich, wie DDR-Architektur für die Zukunft bewahrt werden kann.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/gegen-den-abrisswahn-wie-weimar-sein-ddr-erbe-rettet/">Gegen den Abrisswahn: Wie Weimar sein DDR-Erbe rettet</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Die Rettung der Ostmoderne: Wie Thüringens jüngstes Denkmal zum Vorbild wird</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen den Baumkronen des Ilmparks schwebt seit 2022 wieder ein Stück gerettete DDR-Geschichte. Die Mensa am Park der Bauhaus-Universität Weimar hat eine bemerkenswerte Wandlung durchlaufen: vom Abriss-Kandidaten zum denkmalgeschützten Zeugnis der Ostmoderne. Die Sanierung durch Thoma Architekten aus dem thüringischen Zeulenroda-Triebes zeigt exemplarisch, wie im Freistaat mit der baulichen Hinterlassenschaft der DDR umgegangen werden kann.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Thüringens jüngstes Denkmal</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die 1982 in Betrieb genommene Mensa steht seit 2011 unter Denkmalschutz und ist damit das jüngste denkmalgeschützte Gebäude Thüringens. Diese Entscheidung war keineswegs selbstverständlich. Als 2009 der Abriss zugunsten eines Bauhaus-Museums diskutiert wurde, formierte sich Widerstand aus der Hochschule selbst. Studierende und Architektinnen erkannten den besonderen Wert dieses Bauwerks, das exemplarisch für die späte DDR-Moderne steht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Gebäude war nicht nur das soziale Zentrum der Hochschule, sondern auch architekturgeschichtlich bedeutend: Es ist zwar mit industriellem Anspruch, aber individuell und mit viel Sorgfalt für Städtebau, Material und Detail geplant worden. Die Initiative &#8222;Mensadebatte&#8220; samt eines Seminars an der Bauhaus-Universität brachte schließlich die Behörden dazu, das Bauwerk zu erhalten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Baukultur der 1980er Jahre</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Weimarer Mensa ist eine der letzten Mensen der späten Ost-Moderne und die einzige individuell geplante und noch existierende Mensa der DDR-Moderne. Geplant und mitgebaut wurde sie von Professoren, Mitarbeitern und Studierenden der damaligen Hochschule für Architektur und Bauwesen. Diese partizipative Herangehensweise war typisch für die Baukultur der späten DDR-Zeit, in der trotz normierter Industriebauteile individuelle Lösungen entwickelt wurden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Konstruktion des rechteckigen Gebäudes basiert auf einem mit Mauerwerk ausgefachten Stahlskelettbau mit Betonrippendecken. Besonders prägnant ist die Südwestfassade: Die auskragende Südwestfassade vor Foyer und Speisesaal springt in vier Stufen sägezahnförmig zurück, um einem historischen Gärtnerhaus im Park zu entsprechen. Diese städtebauliche Rücksichtnahme zeigt die Sensibilität der DDR-Planer für den historischen Kontext Weimars.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Denkmalschutzauflagen als Planungsherausforderung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sanierung erfolgte unter Denkmalschutzauflagen und erforderte regelmäßige Abstimmungen mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und der Fakultät für Architektur. Thoma Architekten standen vor der komplexen Aufgabe, die bauzeittypische Architektur zu erhalten und gleichzeitig moderne Anforderungen an Energieeffizienz, Brandschutz und Barrierefreiheit zu erfüllen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die größte Herausforderung stellte die Fassade dar. Fehlende Fluchtwege führten vor der Sanierung zu einer provisorischen Stahlgerüsttreppe aus dem Speisesaal ins Freie. Als Fugenfüllung wurde der asbesthaltige Dichtstoff Morinol vorgefunden. Die Sanierung musste daher unter strengen Schadstoffauflagen erfolgen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Materielle Authentizität versus energetische Ertüchtigung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Umgang mit der ursprünglichen Bausubstanz erforderte innovative Lösungen. Die vorgehängten Platten aus Waschbeton und Betonwerkstein waren verwittert, teilweise korrodiert und abgeplatzt. Da sie fest mit dem Gebäude verankert sind, hätte ihre Demontage Schäden und sichtbare Veränderungen verursacht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Platten wurden also am Gebäude hängend, Stück für Stück gesäubert und sandgestrahlt. Auch Risse wurden an der Fassade ausgebessert und verklebt sowie insgesamt zwei Kilometer Fugen von schadstoffbelasteter Dichtmasse befreit. Ein nur vier Zentimeter dünner Dämmputz sichert auf der Wandinnenseite den Wärmeschutz, ohne das Äußere zu verändern.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Innovative Glaslösungen für historische Fenster</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei der Verglasung kamen moderne Technologien zum Einsatz. Die demontierbaren Fensterprofile wurden mit einer thermischen Trennlage zum Stahlrahmen und neuen Glasscheiben nachgerüstet. Für die Verglasung kam das farbneutrale Sonnenschutzglas Cool-Lite SKN 176 auf Basis von Planiclear zur Anwendung. Diese Lösung ermöglicht maximale Transparenz bei verbessertem Wärmeschutz – ein wichtiger Aspekt für die Raumatmosphäre des Speisesaals.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Erhalt der charakteristischen Innenraumgestaltung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders gelungen ist der Umgang mit der ikonischen Beleuchtung. Das gerasterte Flirren der mundgeblasenen Kugelleuchten an koppelbaren Metallelementen – wie sie auch im Palast der Republik zum Einsatz gekommen waren – prägt den Raumeindruck. Den zur Entrauchung nötig gewordenen Oberlichtern im Speisesaal fielen allerdings einige der von Peter Rockel 1976 entworfenen Elemente zum Opfer.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Thoma Architekten hatten mit dem Bauherrn darum gerungen, 50 % der über 500 aufwendig zu reinigenden und damit aus hygienischen Gründen verworfenen Leuchten zu erhalten. Dieser Kompromiss zwischen denkmalpflegerischen Anforderungen und praktischen Notwendigkeiten zeigt die Gratwanderung solcher Projekte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Handwerkskompetenzen und Budgetdisziplin</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Über die finanzielle Seite des Projekts staunt Projektleiter Daniel Geyer von Thoma Architekten noch heute: „Wir haben das Gesamtbudget eingehalten.&#8220; Bei einem Investitionsvolumen von 19 Millionen Euro ist dies bemerkenswert für ein denkmalgeschütztes Sanierungsprojekt dieser Komplexität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zusammenarbeit mit regionalen Partnern erwies sich als Erfolgsfaktor. Neben der ARGE TGA Mensa Weimar aus Jena übernahm das Berliner Milan-Ingenieurbüro die Küchentechnik. Die Glaslieferung erfolgte durch das GK Glaskontor Erfurt – ein Beispiel für die Verzahnung thüringischer und überregionaler Kompetenzen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Neue Standards für DDR-Moderne</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Weimarer Mensa setzt neue Maßstäbe für den Umgang mit der DDR-Architektur in Thüringen. Ab 2020 erhielt die Mensa eine neue Haus- und Küchentechnik sowie eine Heizungsanlage mit Heiz-Kühl-Decken. Die Erschließung wurde überarbeitet und aktuellen Brandschutzauflagen angepasst. Die neue Mensa ist barrierefrei und verfügt über 500 Sitzplätze.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Modell für andere Regionen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es steht zu erwarten, dass in absehbarer Zeit auch die Ästhetik der 1980er-Jahre samt ihrer guten Ideen wieder Wertschätzung erfährt. Die Weimarer Sanierung beweist, dass graue Energie nicht sinnlos drangegeben wurde, dass Material in situ verbleiben konnte und dass die Leistung der DDR-Bauwirtschaft Anerkennung findet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt zeigt exemplarisch, wie Thüringen mit seinem baulichen Erbe umgeht. Die Entscheidung für den Erhalt statt für den Neubau war nicht nur kulturell, sondern auch ökologisch weitsichtig. In Zeiten des Klimawandels und der Ressourcenknappheit wird die Sanierung von Bestandsbauten zur regionalen Schlüsselkompetenz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Mensa ging noch während der Bauarbeiten im Dezember 2021 abschnittsweise in Betrieb. Als letzter Baustein ist seit Mai 2022 auch die Kücheneinrichtung der Cafeteria zu nutzen. Der Blick der Studierenden schweift wieder durch die großen Glasfronten in die Baumkronen des Ilmparks – ein Stück gerettete Geschichte im Herzen Thüringens.</p>
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		<title>Tag der Architektur</title>
		<link>https://baukunst.art/tag-der-architektur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Jun 2024 11:07:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Mecklenburg Vorpommern]]></category>
		<category><![CDATA[Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Sachsen-Anhalt]]></category>
		<category><![CDATA[Thüringen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Tag der Architektur bietet in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern eine Vielzahl von Veranstaltungen und Besichtigungen, die die Baukultur in den Fokus rücken.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/tag-der-architektur/">Tag der Architektur</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-pm-slice="0 0 []">Der Tag der Architektur bietet in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern eine Vielzahl von Veranstaltungen und Besichtigungen, die die Baukultur und aktuelle Architekturprojekte in den Fokus rücken.</p>
<h4>Sachsen</h4>
<p>In Sachsen werden verschiedene Projekte und Gebäude für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Tag der Architektur bietet eine Plattform, um sich über innovative Bauprojekte und nachhaltige Architektur zu informieren. Es gibt Führungen und Diskussionen, die den Austausch zwischen Planern und der Öffentlichkeit fördern. <a href="https://www.tagderarchitektur-sachsen.de/2024/programm/">mehr…</a></p>
<h4>Sachsen-Anhalt</h4>
<p>In Sachsen-Anhalt steht der Tag der Architektur unter dem Motto „PLANEN I BAUEN I LEBEN: Architektur verwandelt“ und findet am letzten Juni-Wochenende statt. Es werden 27 Bauten an 19 Orten präsentiert, die die Baukultur und den Einfluss neuer Architektur auf das Land zeigen <a href="https://www.ak-lsa.de/tag-der-architektur/">mehr…</a></p>
<h4>Thüringen</h4>
<p>Auch in Thüringen werden zahlreiche Projekte vorgestellt, die die Vielfalt und Innovationskraft der regionalen Architektur widerspiegeln. Der Tag der Architektur bietet hier ebenfalls Führungen und Besichtigungen, die Einblicke in aktuelle Bauprojekte und architektonische Entwicklungen geben. <a href="https://architekten-thueringen.de/tda/">mehr…</a></p>
<h4>Mecklenburg-Vorpommern</h4>
<p>In Mecklenburg-Vorpommern öffnen 30 Projekte ihre Türen für die Öffentlichkeit. Der Fokus liegt auf nachhaltiger und umweltfreundlicher Architektur. Es gibt Führungen und Veranstaltungen, die die Bedeutung von Klimaschutz und Ressourcenschonung in der Architektur hervorheben <a href="https://www.architektenkammer-mv.de/de/architektur-baukultur-in-m-v/tag-der-architektur/">mehr…</a></p>
<p>Der Tag der Architektur bietet in diesen Bundesländern eine hervorragende Gelegenheit, sich über aktuelle Trends und Entwicklungen in der Architektur zu informieren und direkt mit den Planern in Kontakt zu treten.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/tag-der-architektur/">Tag der Architektur</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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