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	<title>Umbaukultur-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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	<title>Umbaukultur-Archiv - Baukunst</title>
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		<title>Umbaukultur in Graz: Wenn Bauhof und Restfläche zum Materiallager werden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jun 2026 16:00:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Bestand und Wiederverwendung]]></category>
		<category><![CDATA[Steiermark / Graz]]></category>
		<category><![CDATA[Umbaukultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Haus der Architektur Graz wird der Bestand zum Programm: asphalt und circa. zeigen, wie Bauhöfe, Restflächen und Wiederverwendung die Bauwende tragen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/umbaukultur-in-graz-wenn-bauhof-und-restflaeche-zum-materiallager-werden/">Umbaukultur in Graz: Wenn Bauhof und Restfläche zum Materiallager werden</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art </strong>  |   Unterwegs   |   Ausgabe Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bleibt, wenn nichts mehr neu gebaut wird? Ein Grazer Labor sucht Antworten</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Umbaukultur bezeichnet eine Planungspraxis, die den Bestand als Ressource versteht und Erhaltung, Reparatur sowie Wiederverwendung systematisch über den Neubau stellt. Genau dieses Verständnis rückt das Haus der Architektur (HDA) in Graz zwischen 30. Mai und 31. Juli 2026 in den Mittelpunkt. Unter dem Titel „Stadtabdrücke – Landabläufe“ verwandeln die Architekturkollektive asphalt und circa. den Ausstellungsraum an der Mariahilferstraße in ein offenes Labor, das den Umgang mit dem Vorhandenen zum Programm erhebt. Statt einer fertigen Schau zeigt das HDA einen Diskurs im Entstehen, der über Wochen wächst und sich aus Feldrecherchen, studentischen Arbeiten und einem dichten Begleitprogramm speist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum richtet ein Architekturlabor den Blick auf Bauhöfe und Restflächen?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Kollektiv asphalt untersucht kommunale Bauhöfe und Abfallsammelstellen im ländlichen Raum der Steiermark. Diese niederschwelligen, öffentlich zugänglichen Infrastrukturen gelten selten als architektonisch bedeutsam, doch sie organisieren die Materialflüsse einer ganzen Region. Im Labor entstehen kartografische Mappings, die räumliche Strukturen vergleichbar machen und als eigene Typologie lesbar werden lassen. Multimediale Porträts halten fest, was sich zwischen Lagerhalle, Containerreihe und Sortierfläche an Routinen verdichtet. Aufbauend auf dem Projekt „Umbauhof“, zu dem Ende Mai 2026 ein Band im Birkhäuser Verlag erscheint, treten die atmosphärischen Eigenheiten dieser Orte hervor: das Improvisierte, das Roh-Baustellenhafte und zugleich hochgradig Organisierte. Sichtbar wird so eine Praxis der Wiederverwendung, die Bauteile nicht entsorgt, sondern für den nächsten Bauzyklus bereithält.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Kollektiv circa. wendet sich den oft übersehenen Räumen der Stadt zu, jenen Übergängen, Restflächen und Orten des Selbstverständlichen, die es als „infraordinär“ beschreibt. Beobachtung, Analyse und Darstellung dieser Strukturen versteht circa. als Akt der Anerkennung, als Grundlage für Pflege und Weiterbau. Aus Workshops an ausgewählten Grazer Orten, getragen vom Institut für Architekturtechnologie und vom Institut für Gebäudelehre der Technischen Universität Graz, entsteht ein fortlaufender Atlas der Erinnerungen und transformierten Strukturen. Plan, Text, Zeichnung, Fotografie sowie Sieb- und Prägedruck dienen dabei als Mittel der Übersetzung urbaner Situationen. Architekturstudentinnen und Architekturstudenten errichten Mockups aus geernteten Materialien und bauen erste Exponate, sodass Forschung, Lehre und öffentliche Vermittlung im selben Raum sichtbar werden. Zwischen Abdruck, Archiv und Ausstellung entsteht ein Raum, in dem Stadt gelesen und weitergedacht wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Beide Zugänge ergänzen sich: asphalt liest das Land, circa. die Stadt. Gemeinsam zeichnen sie ein vielschichtiges Bild einer gelebten Umbau- und Reparaturkultur, in der das Bestehende nicht als Mangel, sondern als Ausgangspunkt erscheint. Dass keine abgeschlossene Ausstellung gezeigt wird, sondern ein wachsendes Labor, ist dabei Methode und nicht Verlegenheit; das Format spiegelt eine Praxis, die mit dem rechnet, was schon da ist. So entsteht aus Beobachtung Haltung und aus Haltung ein übertragbares Modell.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche rechtlichen Hürden stehen der Wiederverwendung im Weg?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer Bauteile wiederverwenden möchte, stößt in Österreich rasch auf das Abfallrecht. Sobald ein Bauteil ausgebaut wird, gilt es nach dem Abfallwirtschaftsgesetz 2002 (AWG 2002) zunächst als Abfall; erst mit Erreichen des Abfallendes darf es wieder als Produkt in Verkehr gebracht werden. Die Recycling-Baustoffverordnung (BGBl. II Nr. 181/2015) regelt für mineralische Baustoffe die Bedingungen zulässiger Wiederverwertung und schreibt vor Abbrucharbeiten eine verpflichtende Schad- und Störstofferkundung vor. Für die Praxis heißt das: Wiederverwendung ist kein Selbstläufer, sondern verlangt Nachweise, Dokumentation und ein frühzeitiges Rückbaukonzept, das den späteren Materialweg schon bei der Planung mitdenkt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt die Frage der Bauprodukte. Die neue EU-Bauproduktenverordnung (Verordnung (EU) 2024/3110) nimmt erstmals wiederverwendete Produkte ausdrücklich in den Blick und schafft einen Rahmen für deren Bewertung und Kennzeichnung. Auf Landesebene bleibt das Steiermärkische Baugesetz (Stmk. BauG) maßgeblich, sobald ein Bestand umgebaut statt abgerissen wird; Standsicherheit, Brandschutz und Barrierefreiheit, etwa nach ÖNORM B 1600, sind auch beim Weiterbauen einzuhalten. Steht ein Objekt unter dem Schutz des Denkmalschutzgesetzes (DMSG), tritt die Bewilligung des Bundesdenkmalamtes hinzu. Das Grazer Labor macht diese Regelungsschichten sichtbar, ohne sie zu verklären oder zu vereinfachen. Für planende Büros verschiebt sich damit der Aufwand nach vorn: Wer Wiederverwendung will, dokumentiert früher und genauer.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Spürbar wird hier eine Lücke zwischen Anspruch und Vollzug. Die europäische Kreislaufwirtschaft, vom Neuen Europäischen Bauhaus bis zum Circular Economy Action Plan, fordert Wiederverwendung; das nationale Ordnungsrecht behandelt ausgebaute Bauteile aber weiterhin überwiegend als Abfall. Wer die graue Energie eines Tragwerks erhält, statt es zu entsorgen, spart Emissionen, die kein Neubau je zurückgewinnt. Pre-Demolition-Audits und digitale Materialkataster könnten die Lücke schließen, doch sie sind weder flächendeckend etabliert noch durchgängig vorgeschrieben. Wer wie asphalt Bauhöfe als Knotenpunkte der Wiederverwendung porträtiert, benennt damit auch einen regulatorischen Handlungsbedarf, den die Davos-Erklärung zur Baukultur seit 2018 anmahnt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das Labor für die Planungskultur in der Steiermark?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine erfolgreiche Bauwende entscheidet sich nicht allein an neuen Technologien, sondern am Umgang mit dem Vorhandenen, an bestehenden Infrastrukturen, Routinen und materiellen Kreisläufen. „Stadtabdrücke – Landabläufe“ liest Stadt und Land als Archive und als Ressourcen, aus denen eine Architektur des Weiterbauens schöpfen kann. Gerade im ländlichen Raum, wo demografischer Wandel und Leerstand zusammentreffen, gewinnt diese Haltung an Gewicht: Der kommunale Bauhof wird zum stillen Akteur einer regionalen Ressourcenwirtschaft. Ein Begleitprogramm aus Studierendenworkshops, offenen Werkstätten ohne Voranmeldung sowie Werkstattgesprächen und einer Buchvorstellung am 19. Juni 2026 überführt die Haltung in konkrete Praxis. Auch Landesentwicklung und örtliche Raumordnung profitieren, wenn Kommunen ihre Materialbestände kennen und gezielt steuern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass die Kammer der Ziviltechnikerinnen und Ziviltechniker für Steiermark und Kärnten, das Land Steiermark und die Technische Universität Graz das Format mittragen, verweist auf eine regionale Allianz, die Umbaukultur nicht als Nische, sondern als Kern künftiger Planung begreift. Hervorgegangen ist das Projekt aus dem HDA-Open-Call 2025, also aus einem offenen Auswahlverfahren statt aus einer Auftragsvergabe. Übertragbar ist der Ansatz allemal: Bauhöfe und Restflächen gibt es in jeder Region, ihre Potenziale bleiben meist ungenutzt. Wer sie als Materiallager und als Wissensspeicher begreift, gewinnt für die Bauwende mehr, als jede Neubauförderung verspricht. Die Steiermark könnte so zum Referenzfall werden, wie Regionen ihre eigene Substanz produktiv halten.</p>
<h2 style="font-weight: 400;"><strong>Leserinformation</strong></h2>
<p style="font-weight: 400;"><em>Haus der Architektur Graz, Labor und Ausstellung</em></p>
<table style="font-weight: 400;" width="624">
<tbody>
<tr>
<td width="153"><strong>Ausstellung</strong></td>
<td width="471">„Stadtabdrücke – Landabläufe“, Labor und Ausstellung der Architekturkollektive asphalt und circa.</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Laufzeit</strong></td>
<td width="471">30. Mai bis 31. Juli 2026</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Eröffnung / Kick-off</strong></td>
<td width="471">Samstag, 30. Mai 2026, 19 Uhr, im Rahmen des HDA-Sommerfests (Architekturtagefest)</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Ort</strong></td>
<td width="471">HDA, Haus der Architektur, Mariahilferstraße 2, 8020 Graz, Österreich</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Öffnungszeiten</strong></td>
<td width="471">Ausstellung: Dienstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr</p>
<p>Büro: Montag bis Freitag, 11 bis 17 Uhr</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Begleitprogramm</strong></td>
<td width="471">Feldrecherche Alltagsinfrastrukturen: 16. bis 17. April 2026</p>
<p>Aufbau der Ausstellung mit Studierenden der TU Graz: 2. bis 3. Juni 2026</p>
<p>Studierendenworkshops: 8. bis 9. Juni und 15. bis 16. Juni 2026</p>
<p>Open Workshops (keine Voranmeldung): 10. bis 11. Juni und 17. bis 18. Juni 2026</p>
<p>Werkstattgespräche, Midissage und Buchvorstellung: 19. Juni 2026, 18 Uhr</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Eintritt</strong></td>
<td width="471">Zu den Eintrittskonditionen macht das HDA auf der Programmseite keine Angaben; aktuelle Tarife bitte vorab erfragen. Der Kulturpass „Hunger auf Kunst &amp; Kultur Steiermark“ wird als Partner geführt.</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Barrierefreiheit</strong></td>
<td width="471">Zur barrierefreien Zugänglichkeit liegen keine ausdrücklichen Angaben vor. Ob die Räume stufenlos und gemäß ÖNORM B 1600 erschlossen sind, sollte vor dem Besuch direkt beim Haus geprüft werden.</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Anreise</strong></td>
<td width="471">Das HDA liegt zentral am linken Murufer nahe dem Kunsthaus Graz. Die Anreise ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln der Graz Linien möglich; Haltestelle und Tarife bitte tagesaktuell prüfen.</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Kontakt</strong></td>
<td width="471">Telefon: +43 316 323 500</p>
<p>E-Mail: <a href="mailto:office@hda-graz.at" target="_blank" rel="noopener">office@hda-graz.at</a></td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Web und Newsletter</strong></td>
<td width="471">hda-graz.at; die Newsletter-Anmeldung erfolgt über das HDA.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="font-weight: 400;"><em>Alle Angaben nach dem HDA, Stand der Programmseite. Änderungen vorbehalten.</em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Tag der Umbaukultur: Zwischen Tradition und Moderne</title>
		<link>https://baukunst.art/tag-der-umbaukultur-zwischen-tradition-und-moderne/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Sep 2025 13:29:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Umbaukultur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13384</guid>

					<description><![CDATA[<p>Am 8. November ruft die Bundesstiftung Baukultur zum Tag der Umbaukultur auf – ein Aktionstag, der die sozialen und kulturellen Dimensionen des Bauens im Bestand in den Mittelpunkt rückt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/tag-der-umbaukultur-zwischen-tradition-und-moderne/">Tag der Umbaukultur: Zwischen Tradition und Moderne</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die goldene Energie des Bestands: Warum Umbaukultur eine soziale Revolution ist</h2>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Mehr als nur Steine und Mörtel</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der 8. November markiert seit 2022 einen bedeutsamen Wendepunkt in der deutschen Architekturgeschichte. An diesem Tag stellte die Bundesstiftung Baukultur ihren wegweisenden Bericht „Neue Umbaukultur&#8220; vor und etablierte damit einen jährlichen Aktionstag, der weit mehr als nur technische Aspekte des Bauens thematisiert. Er wirft fundamentale Fragen zur gesellschaftlichen Verantwortung, sozialen Gerechtigkeit und demokratischen Teilhabe in der Stadtentwicklung auf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In deutschen Städten manifestiert sich derzeit ein Paradoxon: Während die Klimakrise und explodierende Baukosten nach intelligenten Lösungen verlangen, weisen Kommunen weiterhin neues Bauland aus. Der reflexhafte Griff zur Abrissbirne dominiert noch immer gegenüber durchdachten Umbaukonzepten. Diese Praxis ignoriert nicht nur ökologische Notwendigkeiten, sondern auch tiefgreifende soziale Realitäten.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Soziale Verwerfungen im Schatten der Neubauten</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die gesellschaftlichen Folgen des Abriss-Neubau-Paradigmas sind verheerend. In Berlin-Kreuzberg, München-Giesing oder Hamburg-St. Pauli beobachten Sozialwissenschaftlerinnen und Stadtplaner identische Muster: Gewachsene Nachbarschaften werden zerrissen, soziale Netzwerke zerstört, bezahlbarer Wohnraum vernichtet. Eine 78-jährige Rentnerin aus Frankfurt-Bockenheim brachte es auf den Punkt: „Mit dem Abriss meines Hauses verschwand meine ganze Lebensgeschichte.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese persönlichen Schicksale sind keine Einzelfälle, sondern systematische Konsequenzen einer fehlgeleiteten Stadtentwicklung. Studien der Humboldt-Universität zeigen: Bei Abriss und Neubau kehren nur 15 Prozent der ursprünglichen Bewohnerinnen und Bewohner zurück. Die Mieten steigen durchschnittlich um 180 Prozent. Die Folge: eine schleichende soziale Entmischung, die unsere Städte in Wohlstandsinseln und Peripheriezonen spaltet.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Umbaukultur als demokratischer Prozess</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Tag der Umbaukultur propagiert einen radikal anderen Ansatz. Umbau bedeutet Dialog – zwischen Architektinnen und Nutzern, zwischen Geschichte und Zukunft, zwischen verschiedenen sozialen Gruppen. In Wuppertal transformierte eine Bürgerinitiative gemeinsam mit lokalen Architekten eine verlassene Textilfabrik in ein lebendiges Kulturzentrum. 300 Anwohnerinnen und Anwohner beteiligten sich an Planungsworkshops, brachten Ideen ein, packten beim Umbau mit an.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Solche partizipativen Prozesse erzeugen mehr als nur Gebäude – sie schaffen soziales Kapital. Menschen identifizieren sich mit ihrem Quartier, übernehmen Verantwortung, bilden Gemeinschaften. Die Soziologin Prof. Martina Löw bezeichnet dies als „räumliche Demokratisierung&#8220;: Der Raum wird zum Medium gesellschaftlicher Aushandlung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Interkulturelle Brücken durch Bestandserhalt</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In deutschen Großstädten leben Menschen aus über 190 Nationen. Ihre Bedürfnisse, Wohnkulturen und sozialen Praktiken unterscheiden sich fundamental. Der Erhalt und sensible Umbau bestehender Strukturen ermöglicht diese Vielfalt. Ein Plattenbau in Leipzig-Grünau wurde durch minimale Eingriffe zum interkulturellen Wohnprojekt: Gemeinschaftsküchen für Großfamilien, flexible Raumaufteilungen für unterschiedliche Wohnkonzepte, Gebetsräume neben Ateliers.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Neubauten folgen dagegen oft standardisierten Grundrissen, die primär mittelständische Kleinfamilien adressieren. Sie exkludieren systematisch alternative Lebensformen, Mehrgenerationenhaushalte oder gemeinschaftliche Wohnmodelle. Die Architektursoziologin Dr. Sandra Huning warnt: „Homogene Neubauviertel produzieren soziale Blindheit.&#8220;</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Generationengerechtigkeit und demographischer Wandel</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Deutschland altert rapide. Bis 2040 wird jeder dritte Bewohner über 65 Jahre alt sein. Diese demographische Revolution erfordert radikales Umdenken in der Stadtplanung. Der sensible Umbau bestehender Quartiere ermöglicht altersgerechte Anpassungen bei Erhalt sozialer Strukturen. Eine 82-jährige Münchnerin muss nicht ihr vertrautes Viertel verlassen, wenn ihre Altbauwohnung barrierefrei umgebaut wird. Der Bäcker kennt sie, die Nachbarin hilft beim Einkaufen, der Hausarzt ist um die Ecke.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Junge Architektinnen und Stadtplaner entwickeln innovative Konzepte: In Heidelberg entstand durch Umbau ein Mehrgenerationenhaus, in dem Studierende günstig wohnen und dafür Seniorinnen und Senioren unterstützen. Solche Modelle funktionieren nur im Bestand, wo gewachsene Strukturen unterschiedliche Generationen organisch zusammenführen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bezahlbarkeit als soziale Frage</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen sind alarmierend: Neubauwohnungen kosten durchschnittlich 4.500 Euro pro Quadratmeter. Umbauten im Bestand: 1.800 Euro. Diese Differenz entscheidet über gesellschaftliche Teilhabe. Eine Krankenpflegerin, ein Busfahrer, eine Lehrerin – sie alle finden in Neubauvierteln keinen Platz mehr. Die Stadt wird zur Gated Community für Besserverdienende.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Umbaukultur durchbricht diese Logik. In Hamburg-Wilhelmsburg verwandelte eine Genossenschaft alte Speichergebäude in bezahlbaren Wohnraum. Die Miete liegt bei 7,50 Euro pro Quadratmeter – möglich durch intelligente Bestandsnutzung und solidarische Finanzierungsmodelle. 40 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner haben Migrationshintergrund, 30 Prozent sind alleinerziehend, 25 Prozent über 60 Jahre alt. Diese soziale Mischung ist kein Zufall, sondern Programm.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Identität und kollektives Gedächtnis</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gebäude sind Speicher kollektiver Erinnerung. Die Frankfurter Großmarkthalle, heute Teil der Europäischen Zentralbank, erzählt von Deportationen im Nationalsozialismus. Ihr Erhalt und ihre Transformation mahnen, informieren, schaffen Bewusstsein. Ein Abriss hätte diese Geschichte ausgelöscht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Tag der Umbaukultur erinnert daran: In jedem Bestandsgebäude steckt „goldene Energie&#8220; – nicht nur materiell, sondern vor allem immateriell. Geschichten von Arbeitskämpfen in alten Fabriken, von Liebesgeschichten in Altbauwohnungen, von Gemeinschaft in Siedlungen der Nachkriegszeit. Diese narrative Dimension macht Städte lebenswert, schafft Zugehörigkeit, stiftet Identität.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Eine Bewegung formiert sich</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der 8. November 2025 könnte zum Kristallisationspunkt einer breiten gesellschaftlichen Bewegung werden. Bürgerinitiativen, Architektinnen, Handwerker und Politikerinnen – sie alle sind aufgerufen, die Umbaukultur sichtbar zu machen. Mit dem Hashtag #TagDerUmbaukultur entstehen digitale Netzwerke, die lokale Initiativen bundesweit verknüpfen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Forderungen sind klar: Umbaurecht statt Abrissbirnen-Mentalität, Partizipation statt Top-Down-Planung, soziale Durchmischung statt Gentrifizierung. Der Innenarchitektur-Summit vom 7. bis 9. November in Berlin wird diese Themen vertiefen. Doch entscheidend bleibt die Basis: Menschen, die ihre Städte nicht den Investoren überlassen, sondern aktiv gestalten. Der Tag der Umbaukultur ist ihr Manifest.</p>
<h3><strong>Faktsheet: Veranstaltungen zum Tag der Umbaukultur 2025</strong></h3>
<h3><strong>Zentrale Veranstaltung: </strong><strong>Innenarchitektur-Summit 2025</strong></h3>
<ul>
<li><strong>Titel:</strong> „Bestand transformieren, Räume neu denken!&#8220;</li>
<li><strong>Datum:</strong> 7.-9. November 2025</li>
<li><strong>Ort:</strong> Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin</li>
<li><strong>Veranstalter:</strong> BDIA (Bund Deutscher Innenarchitekten) in Kooperation mit der Bundesstiftung Baukultur</li>
<li><strong>Schwerpunkte:</strong>
<ul>
<li>Transformation bestehender Gebäudestrukturen</li>
<li>Soziale Aspekte der Innenraumgestaltung</li>
<li>Partizipative Planungsprozesse</li>
<li>Best-Practice-Beispiele aus der Umbaupraxis</li>
</ul>
</li>
</ul>
<h3><strong>Aktionsformat: </strong><strong>Social Media Kampagne #TagDerUmbaukultur</strong></h3>
<ul>
<li><strong>Datum:</strong> 8. November 2025</li>
<li><strong>Plattformen:</strong> Instagram, LinkedIn, X (Twitter)</li>
<li><strong>Aufruf:</strong> Teilen von Umbau-Projektbeispielen</li>
<li><strong>Ziel:</strong> Bundesweite Sichtbarkeit für gelungene Umbauprojekte</li>
<li><strong>Koordination:</strong> Bundesstiftung Baukultur</li>
</ul>
<h3><strong>Hintergrund:</strong></h3>
<ul>
<li><strong>Initiierung:</strong> 8. November 2022 mit Vorstellung des Baukulturberichts „Neue Umbaukultur&#8220;</li>
<li><strong>Jährliche Durchführung:</strong> Seit 2022 als fester Aktionstag etabliert</li>
<li><strong>Kernbotschaft:</strong> Bestand birgt nicht nur graue, sondern „goldene Energie&#8220;</li>
<li><strong>Fokus 2025:</strong> Besondere Betonung der sozialen und gesellschaftlichen Dimensionen</li>
</ul>
<h3><strong>Teilnahme-Möglichkeiten:</strong></h3>
<ol>
<li><strong>Für Architekturbüros:</strong> Präsentation realisierter Umbauprojekte via Social Media</li>
<li><strong>Für Kommunen:</strong> Organisation lokaler Führungen durch Umbauprojekte</li>
<li><strong>Für Bürgerinitiativen:</strong> Dokumentation partizipativer Planungsprozesse</li>
<li><strong>Für Bildungseinrichtungen:</strong> Workshops und Diskussionsrunden zum Thema</li>
<li><strong>Für Handwerksbetriebe:</strong> Einblicke in traditionelle Umbautechniken</li>
</ol>
<h3><strong>Vernetzung:</strong></h3>
<ul>
<li><strong>Website:</strong> www.bundesstiftung-baukultur.de</li>
<li><strong>Instagram:</strong> @bundesstiftungbaukultur</li>
<li><strong>LinkedIn:</strong> Bundesstiftung Baukultur</li>
<li><strong>Hashtags:</strong> #TagDerUmbaukultur #NeueUmbaukultur #GoldeneEnergie</li>
</ul>
<h3><strong>Kontakt für Rückfragen:</strong></h3>
<p>Bundesstiftung Baukultur<br />
Schiffbauergasse 3<br />
14467 Potsdam<br />
Tel: 0331 / 20 12 59-0<br />
E-Mail: mail@bundesstiftung-baukultur.de</p>
<p><strong>Hinweis:</strong> Weitere lokale Veranstaltungen werden laufend auf der Website der Bundesstiftung Baukultur ergänzt. Eine Anmeldung eigener Aktionen ist erwünscht und kann über die genannten Kontaktdaten erfolgen.</p>
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		<title>Eine Stadt und Ihre gelebte Umbaukultur</title>
		<link>https://baukunst.art/eine-stadt-und-ihre-gelebte-umbaukultur/</link>
		
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		<pubDate>Sat, 06 Jan 2024 12:23:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Umbaukultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>München ist eine Stadt, die sich ständig weiterentwickelt und erweitert. In den letzten Jahrzehnten hat die Stadt eine beeindruckende Umbaukultur entwickelt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-pm-slice="0 0 []">München ist eine Stadt, die sich ständig weiterentwickelt und erweitert. In den letzten Jahrzehnten hat die Stadt eine beeindruckende Umbaukultur entwickelt, die es ihr ermöglicht hat, mit den sich ändernden Bedürfnissen ihrer Bewohner Schritt zu halten und gleichzeitig ihre einzigartige Identität zu bewahren. Eine faszinierende Facette dieser Transformation ist die Entstehung neuer Wohnquartiere, die die Lebensqualität in München auf ein neues Level heben.</p>
<p>Die Umbaukultur in München ist geprägt von einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Modernität und Tradition. Die Stadt hat es geschafft, historische Gebäude und Viertel zu bewahren, während sie gleichzeitig Platz für zeitgemäße Architektur und Infrastruktur geschaffen hat. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist der Umbau des Werksviertels im Osten der Stadt. Einst ein Industriegebiet, das von alten Fabrikgebäuden geprägt war, hat sich das Werksviertel zu einem lebendigen urbanen Zentrum entwickelt. Hier finden sich moderne Wohnungen, Büros, Kultureinrichtungen und Freizeitmöglichkeiten, die eine vielfältige Gemeinschaft anziehen.</p>
<p>Die städtische Planungsbehörde hat vor Kurzem eine Auswahl aktueller Umbauprojekte vorgestellt, die sich durch ihre vorrangige Ausrichtung auf Umweltverträglichkeit auszeichnen und das Licht auf die beeindruckende Architekturszene Münchens werfen können. Ein exemplarisches Vorhaben in diesem Zusammenhang ist unter anderem auch die Neugestaltung der Fritz-Schäffer-Straße in Neuperlach. <a href="https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-architektur-graue-energie-1.6299302" target="_blank" rel="noopener">mehr</a></p>
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