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	<title>Verkehrswende-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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	<title>Verkehrswende-Archiv - Baukunst</title>
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		<title>Münchens Ludwigstraße wird klimagerechter Saalplatz: Pariser Büro gewinnt Realisierungswettbewerb</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 May 2026 07:18:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>München wagt den Umbau einer der bedeutendsten Prachtstraßen Europas: Aus sechs Fahrspuren werden zwei, aus einer Transitachse ein klimagerechter Saalplatz mit Baumhainen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/muenchens-ludwigstrasse-wird-klimagerechter-saalplatz-pariser-buero-gewinnt-realisierungswettbewerb/">Münchens Ludwigstraße wird klimagerechter Saalplatz: Pariser Büro gewinnt Realisierungswettbewerb</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>baukunst.art </strong> /  Regionales / Mai 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Verkehrswende auf Königsachse: München baut Ludwigstraße radikal um</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Von Stuart Stadler, Architekt VFA, Herausgeber baukunst.art</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">München, 5. Mai 2026</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ludwigstraße in München, eine der vier städtebaulich bedeutendsten Prachtstraßen der bayerischen Landeshauptstadt, wird zum begrünten Saalplatz mit Baumhainen umgebaut. Den freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb mit Ideenteil nach RPW 2013 hat das Pariser Büro MDP Michel Desvigne Paysagiste mit PCA-STREAM gewonnen, wie das Baureferat der Landeshauptstadt am 4. Mai 2026 mitteilte. Aus sechs Fahrspuren zwischen Brienner Straße und Oskar-von-Miller-Ring werden zwei. Aus einer Transitachse soll ein Aufenthaltsraum von welthistorischem Rang werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Preisgericht unter Vorsitz der Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer (BAK), tagte zweistufig: nach erster Sichtung am 13. Februar 2026 und einer Überarbeitungsrunde am 28. April 2026. Am Verfahren beteiligten sich zwölf nationale und internationale Büros. Den zweiten Preis erhielt TOPOTEK 1, Berlin (Martin Rein-Cano), den dritten ImI Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, Berlin. Anerkennungen gingen an studioB Landschaftsarchitektur, München, sowie an raum + zeit Landschaftsarchitektur Stadtplanung, Landshut.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Auftakt nahm der Wettbewerb mit einem Stadtratsbeschluss, der das Baureferat (Gartenbau) federführend mit der Auslobung beauftragte. Vorbereitet wurde das Verfahren gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und weiteren Fachreferaten der Landeshauptstadt. In Beteiligungsterminen wurden Ministerien und Bauämter des Freistaats, Anwohnerinnen und Anwohner, Gewerbetreibende, der Verband der Automobilindustrie, das Kreisverwaltungsreferat sowie der Festring München e. V. eingebunden. Die Auslobung verlangte explizit eine klimaverantwortliche Gestaltung bei gleichzeitiger Wahrung des denkmalgeschützten Erscheinungsbildes des Klenze-Gärtner-Ensembles.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie reagiert ein königliches Ensemble auf den Klimawandel?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ludwigstraße ist ein Gesamtkunstwerk des 19. Jahrhunderts. Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner planten die Achse zwischen Odeonsplatz und Siegestor von 1816 bis 1852 für Kronprinz, später König Ludwig I. Der eigens entwickelte Rundbogenstil, italienische Neurenaissance im Süden, Neuromanik im Norden, prägt die Straße bis heute. Sie steht unter Ensembleschutz nach Art. 1 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 6 des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes (BayDSchG); die Einzelbauten sind Baudenkmäler nach Art. 1 Abs. 2 BayDSchG.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau dieser Schutzstatus macht die Aufgabe heikel. Eingriffe in das geschützte Erscheinungsbild bedürfen der Erlaubnis der Denkmalschutzbehörde nach Art. 6 BayDSchG. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege war daher von Beginn an in die Wettbewerbsvorbereitung eingebunden. Grundlage der Entwürfe war eine vom Stadtrat beschlossene und mit dem Denkmalschutz abgestimmte Musterlösung zur Neuaufteilung der Verkehrsflächen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort des Pariser Siegerteams um Michel Desvigne und Philippe Chiambaretta liegt in einer scheinbar zurückhaltenden Geste. Die Verfasserinnen und Verfasser begreifen den Raum zwischen Klenzes und Gärtners Bauten nicht als zu möblierende Straße, sondern als großen städtischen „Saalplatz“ mit weitgehend durchgängigem Belag. Trittsteinartig verteilte, artenreiche Baumhaine setzen Akzente, ohne die axiale Wirkung des Ensembles zu zerschneiden. Die Jury hebt hervor, dass diese Hain-Inseln „inselartige, schattige und überwiegend unversiegelte Aufenthaltsbereiche“ schaffen, ohne die Lesbarkeit des historischen Stadtraums zu kompromittieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der zweitprämierte Entwurf von TOPOTEK 1 setzte demgegenüber auf eine stärker rhythmische Gliederung mit linear geführten Pflanzstreifen, die das Straßenbild taktweise unterteilen. Der Berliner Beitrag von ImI Levin Monsigny entwickelte einen eher gartenkünstlerischen Ansatz mit klar abgegrenzten Vegetationsfeldern. Beide Konzepte wurden von der Jury für ihre Schärfe gewürdigt, blieben aber im Vergleich zur trittsteinartigen Logik des Pariser Beitrags hinter dessen Balance aus städtebaulicher Großzügigkeit und mikroklimatischer Detailaufmerksamkeit zurück.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Signalwirkung hat das Verfahren für andere Städte?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Münchner Schritt ist mehr als eine lokale Verkehrsumplanung. Er ist ein Modellfall für die Frage, wie Deutschland mit dem Konflikt zwischen Denkmalschutz und Klimaanpassung umgeht. Die Vorgaben des Bundes-Klimaanpassungsgesetzes (KAnG) vom Juli 2024 und die Empfehlungen der DIN EN 17210 für barrierefreie und klimaresiliente öffentliche Räume verlangen genau jene Entsiegelung und Beschattung, die in steingeprägten Innenstadträumen am schwersten umzusetzen ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt der bauklimatische Druck. Der Deutsche Wetterdienst dokumentiert für süddeutsche Großstädte einen Anstieg der mittleren Jahrestemperatur seit Ende des 19. Jahrhunderts um etwa zwei Grad. Die Münchner Innenstadt zwischen Stachus und Odeonsplatz zählt nach Erhebungen des Referats für Klima- und Umweltschutz zu den am stärksten von Hitzeinseln betroffenen Bereichen Bayerns. Eine sechsspurige, weitgehend versiegelte Asphaltachse mitten im historischen Ensemble verstärkt diesen Effekt; jeder zusätzliche Quadratmeter Beschattung und Entsiegelung wirkt mikroklimatisch unmittelbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die institutionelle Choreographie des Verfahrens. Beteiligt waren das Baureferat (Gartenbau), das Referat für Stadtplanung und Bauordnung, das Kreisverwaltungsreferat, das Referat für Arbeit und Wirtschaft, das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, der Freistaat Bayern als Eigentümer mehrerer Liegenschaften sowie der Festring München e. V. wegen des Trachten- und Schützenzugs zum Oktoberfest. Die Verzahnung mit dem Umbau des Sperrengeschosses am U-Bahnhof Odeonsplatz durch SWM und MVG erlaubt zudem, Baulogistik und Oberflächenwiederherstellung in einem Zug zu denken, statt zweimal aufzureißen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Andrea Gebhard nennt im Jurykommentar einen „mutigen Schritt“, ein Ensemble von Weltrang so umzugestalten. Dieses Lob ist zugleich Benchmarkbildung. Wenn München es schafft, einen königlichen Repräsentationsraum vom Auto zurückzuerobern, sinkt die Hemmschwelle für Stuttgart, Dresden, Wiesbaden oder Leipzig, ähnliche Verfahren auf eigenen Achsen anzustoßen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritisch bleibt die Realisierungsphase. Die Reduktion von sechs auf zwei Fahrspuren ist nur möglich, weil seit 2025 der motorisierte Verkehr von Norden über den Oskar-von-Miller-Ring den Altstadtring direkt erreichen kann. Solche Vorbedingungen sind in anderen Städten nicht selbstverständlich gegeben. Im neu geordneten Querschnitt müssen Busverkehr, Radverkehr in Form des Radschnellwegs München-Garching, Anlieferung und Behindertenstellplätze koexistieren, ohne den Aufenthaltscharakter zu kannibalisieren. Hinzu kommt die offene Finanzierungsfrage: Konkrete Kostenangaben fehlen bislang, der Stadtrat soll erst auf Grundlage des Wettbewerbsergebnisses über das weitere Vorgehen entscheiden. Die HOAI 2021 (§§ 39 ff. für Freianlagen) liefert den Honorarrahmen, die Bauleistungen werden über die VOB/A in mehreren Losen ausgeschrieben werden müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die zweistufige Ausstellung der Wettbewerbsbeiträge, vom 26. Mai bis 7. Juni im Oskar-von-Miller-Forum und vom 9. bis 19. Juni in der Halle des Technischen Rathauses, signalisiert, dass das Verfahren nicht abgeschlossen, sondern eröffnet ist. Die eigentliche Probe steht bevor: die denkmalrechtliche Erlaubnis im Detail, die Verträglichkeit mit dem laufenden Trachten- und Schützenzug, die langfristige Pflege der neuen Baumhaine in einem klimatisch zunehmend mediterranen München.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was München mit Klenze, Gärtner und nun Desvigne wagt, ist die Übersetzung historischer Stadtbaukunst ins 21. Jahrhundert. Das denkmalgeschützte Ensemble bleibt Hauptdarsteller, der Raum davor wird vom Verkehrsapparat zur klimaresilienten Bühne der Stadtgesellschaft. Berlin hat mit der gescheiterten Verkehrsberuhigung der Friedrichstraße jüngst gezeigt, wie verfehlt eine schlecht koordinierte Umgestaltung wirken kann. München setzt dem ein dialogisch vorbereitetes, zweistufiges RPW-Verfahren mit eingebundenem Denkmalfachamt entgegen. Sollte die Realisierung gelingen, dürfte die Ludwigstraße zur Referenz für vergleichbare Projekte in der gesamten DACH-Region werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Wie die reichste Stadt der Schweiz den Autoverkehr vor die Tür setzt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Sep 2025 12:46:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Städtebau]]></category>
		<category><![CDATA[Verkehrswende]]></category>
		<category><![CDATA[Zürich HB]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zürich plant die Befreiung seines Hauptbahnhofs vom Autoverkehr. Das Weissbuch 2050 zeigt eine grüne Vision – doch der politische Widerstand formiert sich bereits.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Zürichs Jahrhundertchance am Hauptbahnhof</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach fünfundfünfzig Jahren Dominanz des motorisierten Verkehrs wagt die Stadt Zürich den Befreiungsschlag. Mit dem Weissbuch «Stadtraum Hauptbahnhof 2050» zeigt die Stadt auf, wie das Zentrum von Zürich für die künftigen Anforderungen vorbereitet werden soll. Ein Dokument zwischen Euphorie und Realismus, zwischen grüner Vision und verkehrspolitischem Minenfeld.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der lange Weg zur Visitenkarte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer heute über den Bahnhofplatz hastet, zwischen Tramgleisen, Bussen und eiligen Passantinnen navigiert, kann sich kaum vorstellen, dass dieser Ort einmal ein repräsentativer Platz war. Seit dem 1. Oktober 1970 ist der Bahnhofplatz fussverkehrfrei – seit fünfundfünfzig Jahren! Die Eröffnung des Shop-Ville verbannte die Fussgängerinnen und Fussgänger in den Untergrund. Während andere Schweizer Städte längst umgedacht haben – Genf machte 2004 den Anfang, Bern folgte 2008 – blieb Zürich in seiner automobilen Zeitkapsel gefangen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Weissbuch ist das Ergebnis eines fünfjährigen Planungsprozesses, ausgelöst durch die Motion GR Nr. 2014/308. Unter der Federführung des Tiefbauamts entstand in Zusammenarbeit mit den SBB, den Verkehrsbetrieben Zürich und weiteren städtischen Dienstabteilungen eine Vision, die mehr ist als nur ein städtebauliches Konzept. Es ist eine Kampfansage an den Status quo.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ordnungsprinzipien für das Chaos</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entwicklungsvorstellung für den Stadtraum Hauptbahnhof bis ins Jahr 2050 basiert auf den stadträumlichen Ordnungsprinzipien «Tore» und «Grüne Spitze». Was abstrakt klingt, bedeutet konkret: Die Stadt will aus dem heutigen Verkehrschaos einen strukturierten, lesbaren Stadtraum formen. Die «Grüne Spitze» – eine durchgängige Parklandschaft von der Sihl über den Platzspitz bis zum Papierwerd-Areal – soll die aussergewöhnliche Lage zwischen zwei Flüssen endlich zur Geltung bringen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders radikal ist die geplante Transformation des Central. Der Central soll zu einem grosszügigen Platz sowie zu einem Tor ins Hochschulquartier und ins Niederdorf werden. Wer den heutigen Zustand kennt – ein chaotischer Verkehrsknoten, den selbst Einheimische meiden – ahnt die Dimension des Vorhabens.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Tramrevolution auf der Bahnhofbrücke</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die vielleicht kontroverseste Idee: Die Haltestelle «Central» soll gemäss Planung auf die Gerade der Bahnhofbrücke verschoben werden, wodurch ein durchgehend hindernisfreier Ein- und Ausstieg zu Tram und Bus möglich würde. Im Gegenzug entfällt langfristig die Haltestelle Löwenplatz. Die Löwenstrasse würde zur reinen Flanier- und Einkaufsmeile – eine Vision, die bei Detailhändlerinnen und Detailhändlern gemischte Gefühle auslöst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Neuorganisation des öffentlichen Verkehrs folgt einer klaren Hierarchie: Der motorisierte Individualverkehr wird auf der Achse Walchebrücke, Bahnhofquai (im Tunnel) und Mühlegasse gebündelt. Das Prinzip ist eindeutig: Mit dem Auto in die Stadt hinein, ja. Durch die Stadt hindurch, lieber nicht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zahlenspiele und Realitäten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Heute bewegen sich in dem Gebiet täglich rund 700&#8217;000 Fussgängerinnen und Fussgänger. Bis 2050 dürften es gemäss Weissbuch 900&#8217;000 werden. Diese Prognose basiert auf der wachsenden Bevölkerung und dem Ausbau des Hochschulgebiets. Allein diese Zahlen zeigen: Ein Weiter-wie-bisher ist keine Option.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die klimapolitischen Vorgaben verschärfen den Handlungsdruck zusätzlich. Die Stimmbevölkerung hat das Netto-Null-Ziel bis 2040 beschlossen. Wir müssen den motorisierten Individualverkehr bis 2040 um 30 Prozent reduzieren. Stadträtin Simone Brander lässt keinen Zweifel: Diese Ziele sind nicht verhandelbar.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Testplanung als Demokratieübung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist der Entstehungsprozess des Weissbuchs. Die Stadt hat mittels Testplanung in einem Konkurrenzverfahren von interdisziplinären Fachteams unterschiedliche Lösungsansätze ausgetestet. Nach der ersten Stufe mit vier Teams vertieften zwei ihre Beiträge. Das Siegerteam um Studio Vulkan überzeugte mit einer Vision, die vorhandene Qualitäten herausschält und stärkt, statt alles neu zu erfinden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Echogruppe bezog Quartier- und Gewerbevereine, die City Vereinigung und Verkehrsverbände kontinuierlich ein. Diese partizipative Herangehensweise unterscheidet sich wohltuend von Top-down-Planungen vergangener Jahrzehnte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der politische Gegenwind</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Erwartungsgemäss formiert sich Widerstand. Die SVP lehnt die Vision «Stadtraum Hauptbahnhof 2050» dezidiert ab und spricht von einer «autofeindlichen Litanei» aus der «links-grünen Stadtzürcher Politblase». Die Partei sieht die individuelle Mobilität bedroht und fordert stattdessen eine Begrenzung der Zuwanderung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Opposition zeigt das Grunddilemma Schweizer Verkehrspolitik: Während die einen von einer lebenswerten, grünen Stadt träumen, pochen die anderen auf freie Fahrt für freie Bürgerinnen und Bürger. Der Kanton Zürich, der bei Staatsstrassen das letzte Wort hat, könnte zum Zünglein an der Waage werden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Erste Schritte sind getan</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotz aller Widerstände: Die Transformation hat begonnen. Mit der Eröffnung des Stadttunnels wurde ein wichtiger Meilenstein für die Veloverbindungen bereits erreicht und mit der Postterrasse beim Europaplatz entsteht ein Aufenthaltsort ohne Konsumzwang direkt an der Sihl. Diese ersten Massnahmen zeigen: Die Vision ist mehr als Papier.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die etappenweise Umsetzung über mehrere Jahrzehnte ist dabei Fluch und Segen zugleich. Einerseits erlaubt sie Anpassungen und Korrekturen, andererseits droht die Vision im politischen Hickhack zu verwässern. Stadträtin Brander gibt sich kämpferisch: &#8222;Es braucht jetzt detailliertere Planungen. Daran arbeiten wir.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Strahlkraft</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Schweiz ist das Zürcher Weissbuch mehr als eine lokale Angelegenheit. Als grösster Bahnhof des Landes mit werktags über 460&#8217;000 Besuchern – fünfmal mehr als der Flughafen Zürich zu seinen besten Zeiten – setzt Zürich Standards. Gelingt die Transformation, könnte sie zum Modell für andere Schweizer Städte werden, die mit ähnlichen Herausforderungen kämpfen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die föderalistische Struktur der Schweiz zeigt sich auch hier: Stadt, Kanton und Bund müssen zusammenspielen. Die SBB als Eigentümerin des Bahnhofs, die städtischen Verkehrsbetriebe, kantonale Strassenbehörden – alle müssen an einem Strang ziehen. Ein typisch schweizerischer Kompromissmarathon steht bevor.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Durchhaltevermögen gefragt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Weissbuch «Stadtraum Hauptbahnhof 2050» ist mehr als eine städtebauliche Vision. Es ist ein Gesellschaftsentwurf, der zeigt, wie Zürich mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts umgehen will: Klimawandel, Bevölkerungswachstum, Mobilitätswende. Die Vision einer grünen Halbinsel zwischen Limmat und Sihl, eines autoarmen Zentrums mit hoher Aufenthaltsqualität, ist verlockend.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob aus der Vision Realität wird, hängt vom politischen Willen ab – und vom Durchhaltevermögen aller Beteiligten. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob Zürich den Mut hat, seine Visitenkarte neu zu gestalten. Nach fünfundfünfzig Jahren Stillstand wäre es an der Zeit.</p>
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<div class="grid-cols-1 grid gap-2.5 [&amp;_&gt;_*]:min-w-0 !gap-3.5">
<h2 class="text-xl font-bold text-text-100 mt-1 -mb-0.5">Weiterführende Informationen</h2>
<h3 class="text-lg font-bold text-text-100 mt-1 -mb-1.5">Das Weissbuch im Detail</h3>
<p class="whitespace-normal break-words">Das vollständige <strong>Weissbuch «Stadtraum Hauptbahnhof 2050»</strong> ist öffentlich zugänglich unter: <a class="underline" href="https://www.stadt-zuerich.ch/de/aktuell/publikationen/2025/weissbuch-stadtraum-hauptbahnhof-2050.html" target="_blank" rel="noopener">www.stadt-zuerich.ch/weissbuch-hb-2050</a></p>
<h3 class="text-lg font-bold text-text-100 mt-1 -mb-1.5">Visualisierungen und Pläne</h3>
<p class="whitespace-normal break-words">Die <strong>Visualisierungen des Siegerteams Studio Vulkan</strong> <strong>&amp; Atelier Corso</strong> mit detaillierten Ansichten der geplanten Transformation finden Sie unter:</p>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words"><a class="underline" href="https://www.studiovulkan.ch/project/testplanung-masterplan-hb-central/" target="_blank" rel="noopener">Studio Vulkan &#8211; Projektseite</a></li>
<li><a href="https://ateliercorso.ch/de/projects/weissbuch-stadtraum-zuerich-hb" target="_blank" rel="noopener">Atelier Corso &#8211; Projektseite</a></li>
<li class="whitespace-normal break-words"><a class="underline" href="https://www.stadt-zuerich.ch/de/planen-und-bauen/projekte-und-ausschreibungen/gebiete-areale/stadtraum-hb.html" target="_blank" rel="noopener">Online-Ausstellung der Stadt Zürich</a> mit allen Testplanungsunterlagen</li>
</ul>
<h3 class="text-lg font-bold text-text-100 mt-1 -mb-1.5">Zeitplan und Etappen</h3>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>2014</strong>: Motion im Gemeinderat eingereicht</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>2019-2024</strong>: Fünfjähriger Planungsprozess mit zweistufiger Testplanung</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>September 2025</strong>: Verabschiedung des Weissbuchs durch den Stadtrat</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>2025-2030</strong>: Erste Umsetzungsetappen (bereits begonnen mit Stadttunnel und Postterrasse)</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>2030-2040</strong>: Hauptphase der Transformation</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Ab 2050</strong>: Finale Umsetzung (u.a. Umwandlung Löwenstrasse zur Flaniermeile)</li>
</ul>
<h3 class="text-lg font-bold text-text-100 mt-1 -mb-1.5">Schlüsselzahlen</h3>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>700&#8217;000</strong> Fussgängerinnen und Fussgänger täglich heute</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>900&#8217;000</strong> erwartete Nutzerinnen und Nutzer 2050</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>30%</strong> Reduktion des motorisierten Individualverkehrs bis 2040 (städtisches Ziel)</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>460&#8217;000</strong> Besucherinnen und Besucher werktäglich am HB</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>5 Jahre</strong> Planungsprozess für das Weissbuch</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>55 Jahre</strong> seit der Eröffnung des Shop-Ville und der Verbannung der Fussgänger vom Bahnhofplatz</li>
</ul>
<h3 class="text-lg font-bold text-text-100 mt-1 -mb-1.5">Beteiligte Institutionen</h3>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Federführung</strong>: Tiefbauamt der Stadt Zürich</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Partner</strong>: SBB, Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), Amt für Städtebau</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Siegerteams Testplanung</strong>:</li>
<li class="whitespace-normal break-words">Studio Vulkan (Landschaftsarchitektur), Hosoya Schaefer Architects, IBV Hüsler AG, B&amp;S Ingenieure, Brigit Wehrli-Schindler, Drees &amp; Sommer, Atelier Brunecky (Visualisierungen)</li>
<li>
<div dir="ltr" role="presentation">Atelier Corso (Städtebau, Lead), Uniola (Landschaftsarchitektur), Basler &amp; Hofmann (Verkehr), Albprojekte (Sozialraum), Dome Visuals (Visualisierungen).</div>
</li>
</ul>
<h3 class="text-lg font-bold text-text-100 mt-1 -mb-1.5">Newsletter und Updates</h3>
<p class="whitespace-normal break-words">Für regelmässige Informationen zur Entwicklung des Stadtraums Hauptbahnhof können Interessierte den <strong>Newsletter der Stadt Zürich</strong> abonnieren unter: <a class="underline" href="https://www.stadt-zuerich.ch/de/planen-und-bauen/projekte-und-ausschreibungen/gebiete-areale/stadtraum-hb.html" target="_blank" rel="noopener">www.stadt-zuerich.ch/stadtraum-hb</a></p>
<h3 class="text-lg font-bold text-text-100 mt-1 -mb-1.5">Kontakt für Rückfragen</h3>
<p class="whitespace-normal break-words">Tiefbauamt der Stadt Zürich Projektleitung Masterplan HB/Central <a class="underline" href="mailto:stadtraum-hb@zuerich.ch" target="_blank" rel="noopener">stadtraum-hb@zuerich.ch</a></p>
</div>
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<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wie-die-reichste-stadt-der-schweiz-den-autoverkehr-vor-die-tuer-setzt/">Wie die reichste Stadt der Schweiz den Autoverkehr vor die Tür setzt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Wohnbaunovelle und Verkehrswende: Salzburg als Sozialexperiment</title>
		<link>https://baukunst.art/wohnbaunovelle-und-verkehrswende-salzburg-als-sozialexperiment/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Jun 2025 14:42:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Orte]]></category>
		<category><![CDATA[Salzburg]]></category>
		<category><![CDATA[Verkehrswende]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnbauförderung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12737</guid>

					<description><![CDATA[<p>Salzburg wagt die große Transformation: Verkehrswende und Wohnbaunovelle sollen die Mozartstadt klimafit machen. Ein regionaler Modellfall zwischen Tradition und Innovation.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wohnbaunovelle-und-verkehrswende-salzburg-als-sozialexperiment/">Wohnbaunovelle und Verkehrswende: Salzburg als Sozialexperiment</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Salzburg im Wandel: Zwischen Verkehrswende und Wohnbaunovelle</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Stadt Mozart wird radikal neu gedacht. Was nach dem gescheiterten S-Link-Projekt wie ein planungspolitischer Offenbarungseid aussah, entpuppt sich als Chance für eine umfassende Transformation. Salzburg wagt den großen Wurf: eine Verkehrswende, die den Autoverkehr auf 20 Prozent reduzieren soll, gepaart mit einer völlig neu konzipierten Wohnbauförderung. Ein Laboratorium für postfossile Stadtentwicklung – oder doch nur salzburgerische Selbstüberschätzung?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die große Verkehrswende: Modal Split als Identitätsfrage</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach dem Aus des S-Links, der unterirdischen Durchbindung der Salzburger Lokalbahn bis nach Hallein, erarbeitet die Stadt einen neuen langfristigen Mobilitätsplan 2040. Das Ziel ist es, bis dahin den Modal Split zu 80 Prozent auf den Umweltverbund, also Öffis, Fahrräder und Zufußgehen, zu verlagern. Nur noch 20 Prozent der Menschen sollen dann mit dem eigenen Auto unterwegs sein. Eine bemerkenswerte Zielsetzung für eine Stadt, die ihre Identität über Jahrhunderte aus der Spannung zwischen Weltoffenheit und kleinbürgerlicher Gemütlichkeit bezog.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Neutor, der Einfahrtstunnel in die Salzburger Altstadt, wird auch nach Ende der Festspielbaustelle für den Durchzugsverkehr gesperrt bleiben. Die Verkehrsberuhigung für die Innenstadt hat die rot-rot-grüne Stadtregierung am Donnerstag mit einer Mehrheit im Planungsausschuss beschlossen. Was zunächst als temporäre Baustellenmaßnahme begann, wird zur dauerhaften Neuordnung des städtischen Raums. Der Herbert-von-Karajan-Platz mutiert zur Begegnungszone – eine symbolische Geste, die zeigt, wie sich Salzburg von seiner automobilen Vergangenheit verabschiedet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Zwischen 2012 und 2022 sank der Anteil des motorisierten Individualverkehrs von 44 Prozent auf 37 Prozent. Sieben Prozentpunkte in einem Jahrzehnt – das klingt nach einem kontinuierlichen Wandel. Doch der große Sprung auf 20 Prozent bis 2040 bedeutet eine Halbierung des verbleibenden Autoverkehrs. Eine städtebauliche Revolution, die weit über verkehrstechnische Fragen hinausreicht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wohnbauförderung 2025: Salzburger Pragmatismus neu justiert</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Parallel zur Verkehrswende revolutioniert das Land seine Wohnbaupolitik. Das Salzburger Wohnbauförderungsgesetz 2025 wurde in der Landtagssitzung vom 18.12.2024 beschlossen. Aus Bankensicht ist eine entscheidende Neuerung, dass neben dem nicht rückzahlbaren Einmalzuschuss, ein rückzahlbarer unverzinster Annuitätenzuschuss im Ausmaß von max. Euro 500 pro Monat gewährt wird. Eine bemerkenswerte Weiterentwicklung, die zeigt, wie sich regionale Wohnbaupolitik an veränderte Finanzierungsrealitäten anpasst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Einfacheres Fördersystem für den Mietwohnungsbau mit einem fixen Förderbetrag von 2.520 Euro pro Quadratmeter für gemeinnützige Wohnbauträger. Neue Einkommensgrenzen, die mehr Menschen den Zugang zu geförderten Mietwohnungen ermöglichen. Bis zu 80.000 Euro Kaufförderung für den Erwerb von Wohnung oder Haus, je nach Familienkonstellation. Was auf den ersten Blick wie technische Justierungen wirkt, ist tatsächlich ein Paradigmenwechsel: weg von komplexen Punktesystemen, hin zu kalkulierbaren Rahmenbedingungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders bemerkenswert ist die Einführung des „Mietkauf 2.0&#8243;-Modells. Während das ursprüngliche Mietkaufkonzept oft an starren Bestimmungen scheiterte, setzt die neue Salzburger Variante auf Flexibilität. Ein Ansatz, der zeigen könnte, wie regionale Wohnbaupolitik jenseits ideologischer Grabenkämpfe funktionieren kann.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Paradox der geförderten Eigentumswohnung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch nicht alles läuft rund im Salzburger Wohnungslabor. Die insgesamt 120 geförderten Eigentumswohnungen des Projekts &#8222;Gnice&#8220; im Salzburger Stadtteil Gneis drohten zum Ladenhüter zu werden – dabei kosteten sie nur die Hälfte des dort üblichen Quadratmeterpreises. Ein Phänomen, das auf den ersten Blick paradox erscheint: Warum bleiben günstige Wohnungen unverkauft?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort liegt in den Vergabebestimmungen. Wer einmal die Berechtigung für eine geförderte Eigentumswohnung erhalten hat, ist oft jahrelang an strenge Auflagen gebunden. Hauptwohnsitzpflicht, Weiterverkaufsbeschränkungen, bürokratische Hürden – die versteckten Kosten der Förderung können den nominellen Preisvorteil schnell aufzehren. Ein Lehrstück darüber, wie gut gemeinte regionale Politik an der Realität ihrer Zielgruppen vorbeischrammen kann.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Baukultur zwischen Innovation und Tradition</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Fernab der großen politischen Würfe entstehen auch architektonische Perlen. Ein zweites Leben hat in Maishofen in Salzburg nicht nur eine alte Busgarage bekommen, sondern auch diverse Materialien, die beim Umbau wieder zum Einsatz kommen durften, etwa Fliesen und Zirbenholz. Das zum „Best Workspace&#8220; ausgezeichnete Projekt zeigt, wie regionale Baukultur zwischen Recycling-Ethik und alpiner Materialästhetik navigieren kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Solche Projekte sind nicht nur architektonische Statements, sondern auch Antworten auf regionale Herausforderungen. In einem Bundesland, wo Bauland knapp und die Landschaft sensibel ist, gewinnt die Umnutzung bestehender Strukturen strategische Bedeutung. Die Busgarage in Maishofen wird zum Symbol für eine Baukultur, die Ressourcenschonung mit regionaler Identität verknüpft.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Salzburger Bauordnung: Zwischen Welterbe und Modernisierung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bebauungspläne der Aufbaustufe werden nur in Anlassfällen bei Bauvorhaben mit einer Gesamtgeschoßfläche von mehr als 2.000 m² oder einer Baumasse von mehr als 7.000 m³ bzw. im Gewerbegebiet ab einer Baumasse von mehr als 15.000 m³ erstellt – so die nüchterne Sprache der Salzburger Planungspraxis. Doch hinter diesen Paragraphen verbirgt sich ein komplexes Spannungsfeld.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das 1967 verabschiedete Altstadterhaltungsgesetz und der UNESCO-Welterbestatus von 1996 haben Salzburg zu einem planungsrechtlichen Sonderfall gemacht. Salzburgs Innenstadt ist seit 1967 durch ein Landesgesetz, das Altstadterhaltungsgesetz, geschützt, und seit 1996 UNESCO-Welterbe (Historisches Zentrum der Stadt Salzburg), besonders um seines dominant barocken Stadtbildes willen. Eine architektonische Käseglocke, die gleichzeitig Schutz und Beschränkung bedeutet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">1983 begann, initiiert von Stadtrat Johannes Voggenhuber, eine Architekturreform, hin zu zeitgenössischem Bauen, nachdem Salzburg durch die Wohnungsnot der Nachkriegszeit städteplanerisch unkontrolliert gewachsen war. Diese Reform wirkt bis heute nach. Sie zeigt, wie regionale Baukultur zwischen Denkmalschutz-Orthodoxie und zeitgenössischen Anforderungen navigieren kann, ohne ihre Identität zu verlieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Gestaltungsbeirat: Salzburger Planungskultur im Wandel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dem 1983 ins Leben gerufenen Gestaltungsbeirat der Stadt Salzburg obliegt die Begutachtung von Bebauungsplänen der Aufbaustufe und Großprojekten. Ausgenommen ist nur der Bereich der Altstadtschutzzone. Das unabhängige Expertengremium besteht aus Fachleuten aus den Bereichen Architektur, Stadtplanung und Landschaftsplanung und wird vom Gemeinderat für jeweils 3 Jahre bestellt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch die Salzburger Planungskultur steht vor neuen Herausforderungen. Die aktuell in Salzburg üblichen „Bürgerbeteiligungen sind im Wesentlichen Bürgerinformationen&#8220;, kritisiert die Initiative Um+Bau+Kultur. Ein Befund, der zeigt, wie schwer sich etablierte Planungskulturen mit partizipativen Ansätzen tun – gerade in einer Stadt, die ihre Identität über Jahrhunderte aus der Spannung zwischen Bürgerstolz und obrigkeitlicher Lenkung bezog.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Klimawandel als regionaler Planungsauftrag</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neue Salzburger Wohnbauförderung setzt konsequent auf Nachhaltigkeit. Bei der Förderung von Neubauten wird der Einsatz eines hocheffizienten Energiesystems vorausgesetzt und die definierten Energiekennzahlen (LEKT Wert max. eingehalten werden müssen. Was in anderen Bundesländern noch diskutiert wird, ist in Salzburg bereits Fördervoraussetzung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Verbesserung des baulichen Wärmeschutzes (Dämmung von Außenwände, obersten Geschossdecken, Dachschrägen, Kellerdecken, Fenster) Errichtung oder Erneuerung von Wärmebereitstellungsanlagen (Biomasseheizungen, Fernwärme, Wärmepumpen) Thermische Solaranlagen und Photovoltaikanlagen zur Energiegewinnung werden prioritär gefördert. Ein klares Signal, dass regionale Förderpolitik als Instrument der Klimapolitik begriffen wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionalität als Planungsprinzip</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Salzburger Entwicklungen zeigen exemplarisch, wie regionale Besonderheiten zu innovativen Lösungsansätzen führen können. Die Kompaktheit der Stadt, die Sensibilität der Landschaft, der Tourismusdruck – all diese Faktoren zwingen zu kreativen Antworten. Was als regionale Beschränkung beginnt, wird zur Quelle planerischer Innovation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es wird in der Bauordnung besonderer Wert auf Energieeffizienz und Umweltschutz gelegt. Die Bauordnung enthält Vorschriften, die darauf abzielen, den Energieverbrauch von Gebäuden zu minimieren und die Umweltauswirkungen von Bauprojekten zu reduzieren. Die Salzburger Bauordnung wird damit zum Modellfall für eine Gesetzgebung, die ökologische Nachhaltigkeit nicht als Zusatzanforderung, sondern als Grundprinzip versteht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Salzburg als Modellregion?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Salzburger Experimente sind noch lange nicht abgeschlossen. Die Verkehrswende bis 2040 bleibt ein ambitioniertes Ziel, dessen Umsetzung erst beweisen muss, ob sie mehr ist als planerischer Voluntarismus. Die neue Wohnbauförderung steht vor der Bewährungsprobe der Praxis. Und die Balance zwischen Welterbe-Schutz und zeitgemäßer Stadtentwicklung bleibt eine Daueraufgabe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch eines ist bereits jetzt erkennbar: Salzburg demonstriert, wie regionale Planungskultur auf globale Herausforderungen reagieren kann, ohne ihre Eigenart zu verlieren. Eine Stadt, die sich nicht zwischen Tradition und Innovation entscheiden muss, sondern beide produktiv miteinander verknüpft. Das könnte durchaus Modellcharakter haben – nicht nur für andere Tourismusstädte, sondern für alle Regionen, die vor der Aufgabe stehen, ihre gewachsenen Strukturen klimafit und zukunftstauglich zu machen.</p>
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