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	<title>Baupolitik-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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	<title>Baupolitik-Archiv - Baukunst</title>
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		<title>Zurück in die Zukunft: Die Wiederbelebung der EH55 Förderung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Dec 2025 15:31:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
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		<category><![CDATA[Baupolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Wohnungsbauförderung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit 800 Millionen Euro will die Bundesregierung den Bauüberhang aktivieren. Die Rückkehr zum EH55 Standard spaltet die Fachwelt zwischen Pragmatismus und Klimaschutzbedenken.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/zurueck-in-die-zukunft-die-wiederbelebung-der-eh55-foerderung/">Zurück in die Zukunft: Die Wiederbelebung der EH55 Förderung</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Ende der Schubladenprojekte</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Fast drei Jahre nach dem abrupten Förderstopp für den Effizienzhaus 55 Standard kehrt die Bundesregierung zu einer Förderpraxis zurück, die sie selbst einst als überholt bezeichnete. Ab dem 16. Dezember 2025 können Bauherrinnen und Bauherren wieder zinsverbilligte KfW Kredite für Neubauten im EH55 Standard beantragen. Das Fördervolumen beträgt zunächst 800 Millionen Euro, die Kredithöhe bis zu 100.000 Euro pro Wohneinheit. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat die Mittel im Rahmen der Bereinigungssitzung am 14. November 2025 bewilligt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Initiative von Bundesbauministerin Verena Hubertz zielt auf ein konkretes Problem: den sogenannten Bauüberhang. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren zum Jahresende 2024 rund 759.700 Wohnungen zwar genehmigt, aber noch nicht fertiggestellt. Davon befanden sich lediglich 330.000 bereits im Bau. Die restlichen Projekte liegen in den Schubladen der Bauherren, blockiert durch gestiegene Zinsen, explodierende Baukosten und veränderte Förderbedingungen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Vorgeschichte: Warum EH55 verschwand</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Januar 2022 zog die damalige Ampelregierung die Notbremse bei der KfW Förderung. Ein regelrechter Ansturm auf die EH55 Mittel hatte die Fördertöpfe innerhalb weniger Wochen geleert. Über 20 Milliarden Euro waren beantragt worden. Das Bundeswirtschaftsministerium argumentierte seinerzeit, der EH55 Standard habe sich längst auf dem Markt durchgesetzt und benötige keine zusätzliche staatliche Unterstützung mehr. Fortan sollte nur noch der strengere und teurere EH40 Standard gefördert werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Konsequenzen dieser Entscheidung zeigten sich schnell. Viele Investorinnen und Investoren, die ihre Projekte unter den alten Rahmenbedingungen kalkuliert hatten, legten ihre Pläne auf Eis. Der ohnehin angespannte Wohnungsmarkt verschärfte sich weiter. Die Zahl der Baugenehmigungen sank drei Jahre in Folge und erreichte 2024 mit 215.900 genehmigten Wohnungen den niedrigsten Stand seit 2010.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Euphorie bei der Baulobby</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Reaktionen aus der Bauwirtschaft fallen erwartungsgemäß positiv aus. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, sieht in dem Programm eine wichtige Ergänzung zum Bau Turbo der Bundesregierung. Die Förderung könne den Bau von über 120.000 Wohnungen wieder in greifbare Nähe rücken, so Pakleppa. Der Verband schätzt, dass zahlreiche bereits geplante Projekte nun endlich realisiert werden können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft GdW, spricht von einem herausragenden Signal für alle, die dringend Wohnungen schaffen wollen. Allein die Mitglieder seines Verbandes könnten kurzfristig bis zu 90.000 Wohnungen auf den Weg bringen. Die Förderung sei genau der richtige Weg, um dringend benötigte Wohnungen zügig zu realisieren und die Fördermittel sinnvoll auf die Straße zu bringen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">CDU Baupolitiker Jan Marco Luczak bezeichnet die Maßnahme als wuchtiges Signal in die Bauwirtschaft hinein. Viele baureife, aber aktuell brachliegende Projekte könnten nun realisiert werden und Zehntausende neue Wohnungen entstehen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritik von den Grünen: Teures Strohfeuer</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Deutlich kritischer bewerten die Grünen das Vorhaben. Lisa Paus, Mitglied im Haushaltsausschuss, und Hanna Steinmüller, Obfrau im Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen, bezeichnen die Rückkehr zur EH55 Förderung als teures Strohfeuer von Schwarz Rot. Mit der EH55 Förderung werde ein Programm aus der Mottenkiste geholt, das die Ampelkoalition zu Recht 2022 gestoppt habe, weil es innerhalb von nur wenigen Wochen Milliarden verbrannt habe und nicht auf die Klimaziele eingezahlt habe, so Paus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Steinmüller ergänzt eine differenzierte Analyse der Problemlage. Der Bauüberhang sei 2019 fast genauso hoch gewesen wie heute, und das weit vor der starken Erhöhung der Bauzinsen und der Baupreise oder dem Ende der EH55 Förderung. Wer wirklich an den Bauüberhang wolle, solle sich der Spekulation mit Grundstücken widmen und den Kommunen ermöglichen, Baugebote zu verhängen. Die Politikerin spricht von klimaschädlichen Geschenken für die Baulobby.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der grüne Kompromiss: Erneuerbare Wärme als Bedingung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein näherer Blick auf die Förderkonditionen zeigt allerdings, dass die schwarz rote Koalition durchaus klimapolitische Leitplanken eingezogen hat. Förderfähig sind nur Neubauten, deren Wärmeerzeugung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien erfolgt. Wärmepumpen, Biogas oder Fernwärme sind zulässig, Öl oder Gasheizungen hingegen ausgeschlossen. Für die Versorgung über Wärmenetze gibt es keine Einschränkungen bezüglich der Energieträger.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Programm wird in das bestehende KfW Programm Klimafreundlicher Neubau integriert und bildet dort eine dritte Förderstufe neben den bestehenden EH40 LCA und EH40 QNG Varianten. Die Kreditlaufzeit beträgt maximal 35 Jahre bei einer Zinsbindung von bis zu zehn Jahren. Kommunale Gebietskörperschaften können alternativ zum Kredit einen Zuschuss von fünf Prozent direkt bei der KfW beantragen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Strukturelle Probleme bleiben</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Stimmen finden sich auch in Teilen der Fachwelt, die grundsätzlich Fördermaßnahmen befürworten. Daniel Föst vom Zentralverband SHK hält die Entscheidung im Kern für nachvollziehbar, moniert aber die begrenzten Mittel. Die 800 Millionen Euro seien angesichts der Dimension der Baukrise ein Tropfen auf den heißen Stein. Die eigentlichen Bremsklötze lägen nicht im Bereich der Förderung allein, sondern bei massiv gestiegenen Baukosten, hohen Zinsen und unsicheren Rahmenbedingungen. Die temporäre Rückkehr zu EH55 helfe nicht über die strukturellen Probleme hinweg.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Branchenkenner warnen zudem, dass bei nur 800 Millionen Euro Volumen der Fördertopf innerhalb weniger Wochen erschöpft sein könnte. Die Erfahrungen von 2022, als die Mittel in kürzester Zeit aufgebraucht wurden, mahnen zur Eile. Die KfW veröffentlicht die genauen Zinskonditionen erst am Starttag, was die Planungssicherheit für Bauherren einschränkt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein pragmatischer Kompromiss</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wiedereinführung der EH55 Förderung offenbart einen Kurswechsel in der deutschen Baupolitik: Pragmatismus statt Vision. Deutschland versucht nicht, neue Märkte zu erschließen, sondern den bestehenden Genehmigungsstau abzubauen. Die EH55 Förderung ist ein Rettungsanker für bereits genehmigte Projekte, kein Anreiz für ambitioniertere Energiestandards.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten bedeutet dies konkret: Wer Bauherren mit genehmigten, aber auf Eis gelegten EH55 Projekten betreut, sollte jetzt aktiv werden. Die Antragsunterlagen müssen vorbereitet werden, die Bestätigung zum Antrag vom Energieeffizienz Experten kann ab dem 10. Dezember 2025 erstellt werden. Bei begrenztem Budget entscheiden oft Minuten über Erfolg oder Misserfolg.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage, ob 800 Millionen Euro ausreichen, um den Wohnungsbau nachhaltig zu beleben, oder ob es sich tatsächlich um ein teures Strohfeuer handelt, wird erst die Zukunft beantworten. Fest steht: Die deutsche Baupolitik navigiert zwischen Wohnungsnot und Klimazielen, zwischen kurzfristiger Aktivierung und langfristiger Transformation. Die EH55 Förderung ist dabei ein Symptom, keine Lösung der grundlegenden Herausforderungen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/zurueck-in-die-zukunft-die-wiederbelebung-der-eh55-foerderung/">Zurück in die Zukunft: Die Wiederbelebung der EH55 Förderung</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Statistik-Trick: Warum der Baugenehmigungsboom keiner ist</title>
		<link>https://baukunst.art/statistik-trick-warum-der-baugenehmigungsboom-keiner-ist/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2025 16:58:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Baugenehmigungen]]></category>
		<category><![CDATA[Baupolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Plus 60 Prozent bei Baugenehmigungen im September klingt nach Trendwende. Doch die Zahlen täuschen: Der Wohnungsbau steckt weiter im Tal.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/statistik-trick-warum-der-baugenehmigungsboom-keiner-ist/">Statistik-Trick: Warum der Baugenehmigungsboom keiner ist</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1>Scheinriesen: Warum der Baugenehmigungssprung die Wohnungskrise nicht löst</h1>
<p style="font-weight: 400;">Im September 2025 wurden in Deutschland 24.400 Wohnungen genehmigt, fast 60 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. <strong><a href="https://www.bmwsb.bund.de/DE/home/home_node.html" target="_blank" rel="noopener">Was auf den ersten Blick wie eine Sensation wirkt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als statistische Luftnummer.</a></strong> Das Statistische Bundesamt liefert die Erklärung gleich mit: Im September 2024 waren mit 15.300 Genehmigungen so wenige Wohnungen bewilligt worden wie seit Januar 2012 nicht mehr. Der vermeintliche Aufschwung ist also zunächst ein Sprung von einem historischen Tiefpunkt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Neun-Monats-Bilanz von Januar bis September 2025 zeigt ein differenzierteres Bild: 175.600 genehmigte Wohnungen bedeuten ein Plus von 11,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bei Einfamilienhäusern stiegen die Genehmigungen um 17,4 Prozent auf 33.300 Einheiten, bei Mehrfamilienhäusern um 13 Prozent auf 93.100 Neubauwohnungen. Lediglich das Segment der Zweifamilienhäuser verzeichnete einen Rückgang um 2,8 Prozent auf 9.500 genehmigte Wohnungen. Doch selbst diese positiven Tendenzen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Wohnungsbau weit von einer nachhaltigen Erholung entfernt ist.</p>
<h2>Die Stimmung trübt sich wieder ein</h2>
<p style="font-weight: 400;">Klaus Wohlrabe, Leiter der Konjunkturumfragen beim Münchner ifo Institut, bringt die Lage auf den Punkt: „Der Weg aus dem Tal ist noch lang.” Nach einem kurzen Stimmungshoch im September sank das Geschäftsklima im Wohnungsbau im Oktober erneut, von minus 22 auf minus 23 Punkte. Die Unternehmen blicken skeptischer auf die kommenden Monate, fehlende Aufträge bleiben das zentrale Problem der Branche.</p>
<p style="font-weight: 400;">Immerhin sank der Anteil der Firmen, die über zu geringe Auftragsbestände klagen, von 46,7 auf 44,4 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit rund zwei Jahren, doch von einem Trendwechsel mag das ifo Institut nicht sprechen. Die Stornierungsquote verharrt bei acht Prozent auf hohem Niveau, und Wohlrabe betont den erheblichen Nachholbedarf bei den Baugenehmigungen. Erst wenn mehr Projekte tatsächlich realisiert würden, könne sich die Auftragslage nachhaltig entspannen.</p>
<h2>Das 400.000-Wohnungen-Ziel bleibt Illusion</h2>
<p style="font-weight: 400;">Die Bundesregierung hatte einst das ambitionierte Ziel verkündet, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu schaffen. Dieses Versprechen erweist sich zunehmend als unerreichbar. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) prognostiziert für 2025 lediglich rund 235.000 Fertigstellungen, nach knapp 252.000 im Vorjahr. Für 2026 rechnen die Expertinnen und Experten sogar nur mit etwa 215.000 neuen Wohnungen.</p>
<p style="font-weight: 400;">IW-Experte Ralph Henger erklärt den unvermeidlichen Rückgang mit dem Genehmigungseinbruch der Vorjahre: „Nur was damals genehmigt wurde, kann heute und in nächster Zeit baulich vollendet werden.” Hinzu kommt, dass die Zeitspanne von der Baugenehmigung bis zur Fertigstellung immer länger wird. Bei Geschosswohnungen vergehen mittlerweile durchschnittlich 34 Monate, bei anderen Gebäudetypen sind es 26 Monate. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe verweist zudem darauf, dass viele erteilte Genehmigungen gar nicht genutzt würden, weil die gestiegenen Baukosten eine rentable Realisierung unmöglich machten.</p>
<h2>Strukturelle Hemmnisse ersticken den Aufschwung</h2>
<p style="font-weight: 400;">Die Liste der Problemfelder liest sich wie ein Kompendium gescheiterter Wohnungsbaupolitik. Hohe Zinsen und explodierende Baukosten halten Investorinnen und Investoren zurück. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie spricht von einem Zangengriff, der den Markt lähmt. Besonders in den Ballungsgebieten spitzt sich der Wohnungsmangel dramatisch zu.</p>
<p style="font-weight: 400;">Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer der Bauindustrie, verweist auf ein weiteres fundamentales Problem: den Baulandmangel. In den sieben größten deutschen Städten wurden 2011 noch 5,85 Millionen Quadratmeter Bauland verkauft, 2024 waren es mit 1,63 Millionen nur noch ein Viertel davon. Ohne ausreichend verfügbares und bezahlbares Bauland lasse sich die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt kaum entspannen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Bürokratie, schleppende Genehmigungsverfahren und ein unübersichtliches Dickicht aus Vorschriften fesseln nicht nur die Baubranche, sondern auch jene, die auf bezahlbare Wohnungen angewiesen sind. Der angekündigte „Bau-Turbo” der Bundesregierung zur Beschleunigung der Verfahren zeigt bislang wenig Wirkung. Die Immobilienwirtschaft fordert bereits einen „Bau-Turbo 2” mit abgesenkten Baustandards, besseren Förderkonditionen und steuerlichen Anreizen.</p>
<h2>Lichtblick Gebäudetyp E?</h2>
<p style="font-weight: 400;">Inmitten der Krise gibt es einen konkreten Hoffnungsschimmer: Der Gebäudetyp E, wobei das E für „Einfach” oder „Experimentell” steht, könnte die größte Innovation im sozialen Wohnungsbau seit Jahrzehnten werden. Das Konzept setzt auf den Verzicht teurer Komfortstandards, solange Sicherheit und Statik gewährleistet bleiben. Die Bundesregierung und die Architektenkammern forcieren diesen Standard, um Baukosten radikal zu senken.</p>
<p style="font-weight: 400;">Doch auch hier zeigt sich das typische Muster deutscher Baupolitik: Gute Ideen verlieren sich im Klein-Klein der Umsetzung. Was nicht noch 2025 angestoßen werde, habe für den Wohnungsbaumarkt kaum noch einen Effekt in dieser Legislaturperiode, warnt Müller. Die Zeit drängt, während in den Städten die Wohnungsnot wächst und die sozialen Spannungen zunehmen.</p>
<h2>Ein Blick nach Wien</h2>
<p style="font-weight: 400;">Dass es auch anders geht, zeigt der Blick nach Wien. Die österreichische Hauptstadt treibt mit ihrer „Wohnbau-Offensive 2024+” Projekte voran, die trotz Krise fertiggestellt werden. Der Unterschied zu Deutschland: Wien verfügt über einen massiv dotierten Wohnbauförderungstopf und setzt konsequent auf städtischen Grundbesitz. Das entkoppelt Projekte von den volatilen Bodenpreisen des freien Marktes und schafft die nötige Planungssicherheit.</p>
<p style="font-weight: 400;">In Deutschland hingegen blockiert die politische Unsicherheit dringend benötigte Investitionen. Die Fördermittel für den klimafreundlichen Neubau waren wegen enormer Nachfrage schnell aufgebraucht, und es bleibt unklar, wann neue Mittel fließen werden. Der Bundeshaushalt 2026 sieht für die energetische Sanierung sogar deutliche Kürzungen vor: Statt 15,3 Milliarden Euro wie 2025 sind nur noch 11,9 Milliarden Euro eingeplant. Das sei kein gutes Signal für die notwendige Modernisierung des Gebäudebestands, kritisiert Müller.</p>
<h2>Fazit: Zahlen täuschen, Strukturen versagen</h2>
<p style="font-weight: 400;">Die September-Zahlen mögen sich gut in Pressemitteilungen lesen, doch sie ändern nichts an der fundamentalen Krise des deutschen Wohnungsbaus. Der sprunghafte Anstieg der Baugenehmigungen ist vor allem dem desaströsen Vorjahreswert geschuldet. Die strukturellen Probleme bleiben ungelöst: zu hohe Kosten, zu wenig Bauland, zu viel Bürokratie, zu wenig politische Verlässlichkeit.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der Wohnungsbau braucht keine statistischen Erfolgsmeldungen, sondern einen umfassenden Maßnahmenmix aus Bürokratieabbau, verlässlicher Förderung und vereinfachter Planung. Ob die Politik den nötigen Mut aufbringt, bleibt abzuwarten. Für die Menschen, die in den Ballungsräumen vergeblich nach bezahlbarem Wohnraum suchen, tickt derweil die Uhr.</p>
<p style="font-weight: 400;">
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			</item>
		<item>
		<title>Peinlich! Hamburg versenkt 2 Millionen in Klo</title>
		<link>https://baukunst.art/peinlich-hamburg-versenkt-2-millionen-in-klo/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 14:31:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Baupolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regionale Planungskultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine teure unterirdische Toilette in Hamburg schließt nach drei Monaten. Eine Parabel über Planungsfehler, regionale Herausforderungen und wie StandardlösungenMilliarden kosten.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/peinlich-hamburg-versenkt-2-millionen-in-klo/">Peinlich! Hamburg versenkt 2 Millionen in Klo</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">HAMBURG: DIE MILLIONEN-LEKTION IM UNTERGRUND</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Wie eine öffentliche Toilette zur Parabel für Planungsfehler wurde</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hamburg investierte über zwei Millionen Euro in ein unterirdisches „Ort der Stille&#8220;, das nach nur drei Monaten schloss – und nun verfüllt wird. Die Katastrophe offenbart strukturelle Probleme in der regionalen Planungskultur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Ort der fehlgeschlagenen Eleganz</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Gerhart-Hauptmann-Platz in Hamburgs Innenstadt sollte ein Ort der Erleichterung entstehen. Ein unterirdisches Bauwerk, barrierefreie Zugänge, ein Aufzug, moderne Ausstattung – die „Toilette für alle&#8220; war als Leuchtturmprojekt gedacht. Doch im Oktober 2023, drei Monate nach feierlicher Eröffnung, wurde das Edel-WC bereits dichtgemacht. Heute wird es verfüllt. Die Schlagzeile ist nicht nur für Hamburg beschämend; sie ist eine Mahnung für regionale Planungskultur in ganz Deutschland.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Genese des Scheiterns beginnt nicht bei den 2,1 Millionen Euro Kosten – diese Summe war für ein solches Projekt nachvollziehbar. Schließlich arbeitete die Stadt mit einem fast 100 Jahre alten Gebäude, dessen unterirdische Strukturen denkmalschutzgerecht erhalten bleiben mussten. Hier zeigt sich bereits eine klassische Herausforderung regionaler Stadtentwicklung: Hamburg muss seine Innenstadt kontinuierlich modernisieren, darf sie aber nicht zerstören. Ein klassisches Spannungsfeld zwischen Bestand und Fortschritt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Planung nach Plan – ein Scheitern nach Plan</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die tragische Ironie liegt in der Genese der Planung. Wie Stadtreinigungssprecher Kay Goetze offenbarte, waren „Planung und Ausführung der ursprünglichen Sanierung nicht fachgerecht&#8220;. Das ist eine diplomatische Formulierung für ein fundamentales Problem: Die ausführende Baufirma vergaß – oder ignorierte – eine wasserdichte Wanne einzubauen. Ein Konstruktionsfehler von solcher Elementarität, dass er in Lehrbüchern stehen könnte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch wie konnte ein solcher Fehler überhaupt passieren? Die Ausschreibung erfolgte „standardisiert&#8220; für öffentliche Unternehmen. Goetze konnte nicht einmal aussagen, ob das Bauunternehmen vergleichbare Projekte realisiert hatte. Dies ist exemplarisch für eine weit verbreitete Schwachstelle in regionalen Vergabeverfahren: Billig statt kompetent, Standard statt Spezialisierung. Die Hamburger Stadtreinigung vertraut auf ein System, das Fachkompetenz nicht ausreichend gewichtet – ein Problem, das in ähnlicher Form in vielen deutschen Gemeinden anzutreffen ist.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn die Statik lügt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach dem Wasserschaden musste die gesamte Anlage geleert werden. Dann zeigte sich das zweite Desaster: Die Statik des fast Jahrhundert alten Gebäudes hatte sich verändert. Ein Wiederaufbau wäre „nur mit erschwerten Bedingungen möglich&#8220; gewesen. Das bedeutet im Klartext: neue Sicherungsmaßnahmen, zusätzliche Kosten, lange Sperrungen in der belebten Hamburger Innenstadt, Beeinträchtigungen für Anwohner und Gewerbetreibende. Der Geduldsfaden war gerissen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier wird eine weitere regionale Spezifität sichtbar: Hamburg verfügt über ein dicht gebautes Zentrum mit historischen Strukturen, die ständig neue Überraschungen bieten. Klimaänderungen, Bodenabsenkungen, nicht dokumentierte ältere Einbauten – dies sind ständige Herausforderungen für die Hamburger Stadtentwicklung, nicht Besonderheiten. Sie hätten in der Risikoabschätzung eine prominentere Rolle spielen können und müssen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die unbequeme Wahrheit</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Obwohl die Stadt und die Stadtreinigung nun versuchen, die Verantwortung dem Bauunternehmen zuzuweisen – eine laufende Klärung -, bleibt ein systemisches Versagen offensichtlich. Die Hamburger Umweltbehörde stellte Mittel bereit und entschied nach „enger Beratung&#8220;, welche Projekte realisiert werden. Doch wer beaufsichtigt die Beaufsichtiger? Wer prüft die Fachgerechtigkeit, wenn „standardisierte Ausschreibungen&#8220; zum Einsatz kommen?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für andere Bundesländer und Kommunen ist dies eine ernstzunehmende Warnung. Regionale Besonderheiten – historische Bauten, klimatische Bedingungen, Bodenbeschaffenheiten – erfordern spezialisierten Sachverstand, nicht Standardlösungen. Der Wunsch, Kosten zu sparen, führt zu noch höheren Kosten, wenn Projekte scheitern.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hamburg macht&#8217;s nächstes Mal anders – hoffentlich</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Immerhin: Aus der Niederlage lernt die Stadt. Die Stadtreinigung prüft nun eine oberirdische Lösung in Containerform. Mit Genehmigungen und Standortsuche rechnet man mit etwa vier Monaten. Dies ist pragmatisch und ehrlich. Gleichzeitig betont Goetze mit Nachdruck: Die Angebotsvielfalt für öffentliche Toiletten in der Hamburger Innenstadt sei „grundsätzlich nicht schlecht&#8220; – es gibt Alternativen am Rathaus, im Hauptbahnhof, bei Karstadt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch dies ist auch das Problem: Hamburgs Innenstadt braucht solche vielen Einzellösungen, weil es an einer umfassenden, strategischen Planung fehlt. Die Verfüllung der Toilette kostet zusätzlich im „unteren sechsstelligen Bereich&#8220; – mehr Geld, das vorher hätte vermieden werden können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Lektion für Hamburg und für alle regionalen Bauherren ist deutlich: Nicht jeder Zentner Gewinn liegt darin, auf Billigangebote einzugehen. Fachkompetenz, regionale Kenntnis und ehrliche Risikobewertung sind nicht Luxus, sondern Notwendigkeit. Die zwei Millionen Euro sind ein teurer Unterricht in dieser Wahrheit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/peinlich-hamburg-versenkt-2-millionen-in-klo/">Peinlich! Hamburg versenkt 2 Millionen in Klo</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Ein Bau-Turbo macht noch keine sinnvolle Baupolitik</title>
		<link>https://baukunst.art/ein-bau-turbo-macht-noch-keine-sinnvolle-baupolitik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 May 2025 14:09:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Baupolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Berufsrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Verbandsarbeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12388</guid>

					<description><![CDATA[<p>Baupolitik braucht mehr als Geschwindigkeit – sie verlangt Weitsicht, Ausgewogenheit und nachhaltige Lösungen</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Schneller bauen, aber zu welchem Preis?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit der Einführung von § 246e BauGB als „Bau-Turbo“ will die Bundesregierung ein zentrales Versprechen einlösen: die Beschleunigung des Wohnungsbaus in Deutschland. Die neue Bundesbauministerin Verena Hubertz spricht von der „Brechstange, die wir brauchen“, um dem dramatischen Wohnungsmangel zu begegnen und genehmigungsfreie Neubauviertel auf den Weg zu bringen. Doch so ambitioniert das Ziel erscheint, so groß sind die Zweifel an der tatsächlichen Wirksamkeit und Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme – insbesondere aus berufspolitischer Sicht.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fachliche Kritik: Ursachen werden nicht adressiert</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Rückgang beim Wohnungsneubau ist ein komplexes Phänomen, das sich nicht allein durch zu langwierige Planungsverfahren erklären lässt. Fachverbände und Architektinnen sowie Architekten betonen: Hauptursachen sind steigende Baukosten, der Mangel an Fachkräften und ein beachtlicher Bauüberhang von fast 900.000 genehmigten, aber nicht realisierten Wohneinheiten. Der „Bau-Turbo“ setzt an den falschen Stellschrauben an – ein überholtes Ventil statt einer grundlegenden Revision der Antriebswelle .</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Demokratieabbau durch beschleunigte Verfahren</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">§ 246e BauGB erlaubt es, unter dem Deckmantel der Planungsbeschleunigung, zentrale Beteiligungsrechte von Bürgerinnen und Bürgern, Kommunen und Fachbehörden weitgehend auszuhebeln. Was als pragmatische Lösung verkauft wird, bedeutet aus Sicht vieler Standesvertreterinnen und Standesvertreter eine „Entdemokratisierung der Planungskultur“. Der Preis für Geschwindigkeit ist ein Abbau partizipativer Stadtentwicklung und das Risiko, dass soziale und ökologische Belange auf der Strecke bleiben .</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Soziale Steuerung und Nachhaltigkeit: Fehlanzeige</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Statt klare Vorgaben für bezahlbaren oder sozial geförderten Wohnraum zu machen, öffnet der Bau-Turbo spekulativen Interessen Tür und Tor. Die neue Regelung verpflichtet weder zu sozialen Mindeststandards noch zum ressourcenschonenden Bauen. Der Fokus auf Geschwindigkeit kann den Flächenverbrauch erhöhen, Zersiedelung fördern und zu städtebaulichen Fehlentwicklungen führen – ein Rückschritt für nachhaltige Stadtplanung .</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Gefahren für Umwelt und Klima</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der unkontrollierte Zugriff auf bislang unbebaute Flächen widerspricht erklärten Zielen des Umwelt- und Klimaschutzes. Fachleute warnen vor negativen Auswirkungen auf Ökosysteme und einer langfristigen Belastung kommunaler Infrastruktur. Die Baugesetznovelle sieht zwar die Stärkung von Klimaschutzaspekten vor, doch die faktische Umsetzung bleibt ungewiss, wenn zentrale Steuerungsinstrumente geschwächt werden .</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Rechtliche Unsicherheit und politische Sprunghaftigkeit</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Einführung weitreichender Ausnahmeregelungen bringt Unsicherheit für die Praxis. Zweifel an der Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz und potenzielle Konflikte mit EU-Recht könnten zu langwierigen Rechtsstreitigkeiten führen. Zudem ist die Novelle bislang nicht abschließend verabschiedet – was die Planungs- und Investitionssicherheit weiter schmälert .</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Verbandspositionen und kollektive Kritik</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine breite Allianz aus Architektenkammern, Umwelt- und Sozialverbänden lehnt den Bau-Turbo in seiner jetzigen Form ab. Sie fordern eine Rückbesinnung auf nachhaltige, demokratisch legitimierte und sozial ausbalancierte Baupolitik. Einzelne Stimmen loben zwar die vereinfachte Nachverdichtung und Digitalisierung von Verfahren – doch als Allheilmittel taugt der Paragraph nicht. Er droht vielmehr, Vertrauen in die Berufs- und Verbandspolitik zu verspielen .</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Konstruktive Alternativen: Qualität vor Tempo</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Statt an der Geschwindigkeitsschraube zu drehen, schlagen Fachkreise differenzierte Maßnahmen vor:</p>
<ul class="ak-ul" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="bulletList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachverdichtung und Umnutzung</strong> bestehender Bauten</p>
</li>
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Aktivierung von Leerstand</strong></p>
</li>
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Gezielte baurechtliche Anpassungen</strong> und Förderung nachhaltiger Bauweisen</p>
</li>
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Digitalisierung</strong> zur Vereinfachung, nicht zur Abschaffung, von Planungsverfahren</p>
</li>
</ul>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Solche Ansätze setzen auf eine bessere Nutzung vorhandener Ressourcen und intelligente Rahmenbedingungen, anstatt demokratische Standards und Umweltziele zugunsten einer vermeintlichen Beschleunigung zu opfern .</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit: Baupolitik braucht Substanz</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Bau-Turbo ist kein Ersatz für fundierte, vorausschauende Baupolitik. Echte Lösungen setzen auf nachhaltige Stadtentwicklung, soziale Steuerung und die konsequente Einbindung aller Beteiligten. Die Berufspolitik muss sich für Qualität, Transparenz und Innovation starkmachen – und darf sich nicht zur Getriebenen einer reinen Beschleunigungslogik machen lassen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wohnbau in Österreich: Zwischen Krisenbewältigung und Strukturversagen</title>
		<link>https://baukunst.art/wohnbau-in-oesterreich-zwischen-krisenbewaeltigung-und-strukturversagen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Feb 2025 08:15:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Baupolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Immobilien]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>2025 könnte für die österreichische Baupolitik zum Schicksalsjahr werden: Wohnbauoffensive, gelockerte Kreditvergaben und milliardenschwere Förderungen sollen den stagnierenden Markt beleben. Doch reicht das?</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Ein stagnierender Markt in der Krise</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bauwirtschaft in Österreich stand in den letzten Jahren unter enormem Druck. Strenge Kreditvergaberichtlinien, steigende Materialkosten und eine allgemein zögerliche Investitionsbereitschaft führten zu einem dramatischen Rückgang im Wohnungsbau. Die Konsequenz: ein drohender Wohnungsmangel, steigende Mieten und Unsicherheit für Bauherren und Investoren.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Wohnbaupaket als Rettungsanker?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">2025 sollen massive staatliche Investitionen, insbesondere die Wohnbaumilliarde, den Markt wiederbeleben. Die Mittelvergabe gestaltet sich jedoch kompliziert: Die Länder müssen ihre Eigeninvestitionen aufrechterhalten, um die Gelder zu erhalten. Ein System, das einige Bundesländer wie Oberösterreich vor erhebliche Herausforderungen stellt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lockerung der Kreditvergaberichtlinien: Ein Wendepunkt?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Lichtblick scheint die geplante Lockerung der Kreditvergaberichtlinien Mitte 2025 zu sein. Lange gefordert, soll diese Maßnahme Baufinanzierungen erleichtern. Doch Experten warnen: Die finanziellen Engpässe der Bauträger sind vielschichtig, und eine verzögerte Umsetzung könnte das Problem weiter verschärfen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Unterschiede und strukturelle Hürden</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wohnbaupolitik der einzelnen Bundesländer zeigt erhebliche Unterschiede: Während einige Regionen wie die Steiermark eigene Wohnbauoffensiven starten, kämpfen andere mit den Vorgaben des Bundes. In Wien beispielsweise wird eine Anpassung der Neubauverordnung diskutiert, um das Eigenheimsegment besser zu unterstützen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das für die Zukunft?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bleibt die Frage: Führen die aktuellen Maßnahmen zu einer nachhaltigen Entspannung des Wohnungsmarkts oder ist es nur ein kurzfristiges Aufbäumen? Sicher ist, dass 2025 entscheidend sein wird, um die Weichen für die kommenden Jahrzehnte zu stellen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wahlversprechen im Bauwesen: Was hilft den planenden Berufen wirklich?</title>
		<link>https://baukunst.art/wahlversprechen-im-bauwesen-was-hilft-den-planenden-berufen-wirklich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Feb 2025 09:35:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Premium]]></category>
		<category><![CDATA[Baupolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=11750</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wohnungsnot, steigende Baukosten, Nachhaltigkeit – die Bauwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Die Parteien versprechen viel: Bürokratieabbau, neue Fördermodelle und eine Bauwende. Doch welche Maßnahmen bringen Architektinnen, Ingenieuren und Stadtplanerinnen echte Vorteile? Ein Blick auf die Wahlprogramme zeigt, welche Reformen den planenden Berufen helfen – und welche eher leere Versprechen bleiben.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wahlversprechen-im-bauwesen-was-hilft-den-planenden-berufen-wirklich/">Wahlversprechen im Bauwesen: Was hilft den planenden Berufen wirklich?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3 class="p1">Stadtplanung, Architektur, Wohnbau: Welche Partei formt die Zukunft?</h3>
<p>Wohnen, Klimaschutz, Stadtentwicklung: Was versprechen die Parteien der Bauwirtschaft? Eine Analyse zeigt, welche Maßnahmen Architektinnen, Ingenieuren und Stadtplanerinnen tatsächlich nützen.</p>
<ol class="ak-ol" start="1">
<li><strong>Die Parteien im Bau-Faktencheck</strong></li>
</ol>
<p>Die Bundestagswahl 2025 rückt näher, und mit ihr steigen die Erwartungen an eine neue Baupolitik. Der Wohnraummangel, steigende Baukosten und neue Anforderungen an Nachhaltigkeit fordern von allen Parteien Antworten. Doch was genau versprechen CDU, SPD, FDP, die Grünen und andere – und welche Maßnahmen helfen tatsächlich den planenden Berufen? Ein Blick auf die Programme offenbart deutliche Unterschiede.</p>
<ol class="ak-ol" start="2">
<li><strong>CDU/CSU: Weniger Vorschriften, mehr Verdichtung</strong></li>
</ol>
<p>Die CDU/CSU setzt auf die Aktivierung von Bauland durch <strong>Innenverdichtung</strong> und die Nutzung von <strong>Brachflächen </strong>Ziel ist es, Bauen günstiger zu machen – ein <strong>Baukostenmoratorium</strong> soll neue Standards verhindern, die Kosten verursachen, aber keinen „nennenswerten Mehrwert“ bringen. Zudem plant die Union, den <strong>kostengünstigen Gebäudetyp E</strong> weiter zu fördern und den <strong>EH-55-Standard</strong> für Neubauten beizubehalten</p>
<p>Was bedeutet das für planende Berufe? Weniger Bauvorschriften können zwar <strong>Prozesse beschleunigen</strong>, doch die starke Fokussierung auf Kostenreduktion birgt die Gefahr, dass <strong>Qualität und Baukultur leiden</strong>. Gerade Architektinnen und Ingenieure sehen hierin eine Herausforderung.</p>
<ol class="ak-ol" start="3">
<li><strong>SPD: Starker Staat und mehr sozialer Wohnungsbau</strong></li>
</ol>
<p>Die SPD verfolgt einen <strong>staatlich gelenkten Ansatz</strong>: Eine <strong>bundeseigene Wohnungsgesellschaft</strong> soll den sozialen Wohnungsbau ankurbeln.  Zudem setzt die Partei auf eine <strong>Beschleunigung von Genehmigungsverfahren</strong> und einen <strong>Bürokratieabbau</strong>, um Bauen einfacher und günstiger zu machen</p>
<p>Für Architektinnen, Stadtplaner und Ingenieure bedeutet dies mehr <strong>öffentliche Aufträge</strong>, aber auch eine stärkere Regulierung. Die Vergabe von Projekten könnte <strong>stärker zentralisiert werden</strong>, was für kleinere Büros Nachteile haben könnte.</p>
<ol class="ak-ol" start="4">
<li><strong>FDP: Liberalisierung und Deregulierung</strong></li>
</ol>
<p>Die FDP verfolgt eine <strong>marktfreundliche Strategie</strong>: Sie will <strong>Bürokratie abbauen</strong>, Bauauflagen auf <strong>Mindeststandards</strong>reduzieren und schnellere Genehmigungen ermöglichen. Geht es nach den Freien Demokraten, soll die Behörde <strong>bei Fristüberschreitung</strong> automatisch eine Genehmigung erteilen.</p>
<p>Für planende Berufe bedeutet dies <strong>mehr unternehmerische Freiheit</strong>, aber auch mehr Wettbewerb. Die Frage bleibt, ob die Qualität von Architektur und Stadtentwicklung bei stark beschleunigten Verfahren ausreichend gewährleistet wird.</p>
<ol class="ak-ol" start="5">
<li><strong>Bündnis 90/Die Grünen: Nachhaltiges Bauen im Fokus</strong></li>
</ol>
<p>Die Grünen sehen die Bauwirtschaft als entscheidenden Hebel für den <strong>Klimaschutz</strong>. Ihr Ziel: <strong>1,6 Millionen klimafreundliche Wohnungen bis 2030</strong>. Sie setzen auf <strong>modulares und serielles Bauen</strong>, eine stärkere Nutzung bestehender Gebäude sowie die Förderung von <strong>Gebäudeaufstockungen und Umwandlungen</strong>.</p>
<p>Für Architektinnen und Planerinnen ergeben sich hier interessante Chancen: <strong>Nachhaltige Baukonzepte</strong>, die Berücksichtigung des <strong>Lebenszyklus von Gebäuden</strong> und neue Anforderungen an <strong>Kreislaufwirtschaft</strong> stärken die Rolle planender Berufe.</p>
<ol class="ak-ol" start="6">
<li><strong>AfD: Rückbau von Standards und Privatisierung</strong></li>
</ol>
<p>Die AfD lehnt staatliche Regulierungen ab und fordert eine Reduzierung von <strong>Bauauflagen</strong> auf ein „notwendiges Mindestmaß“. Klimaschutzmaßnahmen im Bauwesen hält sie für überflüssig, sie will sogar bestehende Vorgaben zur Energieeffizienz abschaffen.</p>
<p>Für Architekten und Ingenieure bedeutet dies vor allem eines: <strong>Unsicherheit</strong>. Während einige Vorschriften für Planungsbüros tatsächlich hinderlich sein können, droht bei einem <strong>vollständigen Abbau von Standards</strong> ein <strong>Rückschritt in der Bauqualität</strong>.</p>
<ol class="ak-ol" start="7">
<li><strong>Die Linke: Enteignung und gemeinnütziges Bauen</strong></li>
</ol>
<p>Die Linke verfolgt einen radikal anderen Ansatz: Sie fordert <strong>Enteignungen großer Wohnungsunternehmen</strong> und will <strong>20 Milliarden Euro jährlich in sozialen Wohnungsbau investieren</strong>. Zudem soll eine <strong>Leerstandsabgabe eingeführt</strong> werden, um ungenutzte Immobilien in den Wohnmarkt zu bringen.</p>
<p>Für die planenden Berufe bedeutet dies einerseits <strong>mehr öffentliche Bauprojekte</strong>, andererseits eine starke staatliche Einflussnahme. Die geplanten Maßnahmen sind ambitioniert, doch bleibt unklar, ob sie tatsächlich umsetzbar sind.</p>
<ol class="ak-ol" start="8">
<li><strong>Fazit: Zwischen Markt und Staat – welche Maßnahmen helfen wirklich?</strong></li>
</ol>
<p>Die Programme der Parteien zeigen, dass die Bauwirtschaft ein zentrales Wahlkampfthema ist – mit <strong>sehr unterschiedlichen Ansätzen</strong>. Während CDU und FDP auf <strong>Deregulierung und Kostensenkung</strong> setzen, favorisieren SPD und Grüne <strong>staatliche Steuerung und nachhaltige Konzepte</strong>. Die AfD plädiert für einen fast <strong>völligen Rückbau von Vorschriften</strong>, während die Linke einen <strong>starken Eingriff in den Wohnungsmarkt</strong> fordert.</p>
<p>Doch welche Maßnahmen helfen tatsächlich den planenden Berufen?</p>
<p><strong>Positiv für Architekten, Ingenieure und Stadtplaner:</strong></p>
<p><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/2714.png" alt="✔" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Förderung von <strong>nachhaltigem Bauen</strong> (Grüne)</p>
<p><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/2714.png" alt="✔" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Vereinfachung von <strong>Planungs- und Genehmigungsprozessen</strong> (SPD, FDP)</p>
<p><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/2714.png" alt="✔" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> <strong>Integrierte Stadtentwicklungskonzepte</strong> (SPD, Grüne)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/26a0.png" alt="⚠" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> <strong>Herausforderungen für planende Berufe:</strong></p>
<p><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/2716.png" alt="✖" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Starke <strong>Fokussierung auf Kostensenkung</strong> könnte die Bauqualität gefährden (CDU, FDP)</p>
<p><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/2716.png" alt="✖" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> <strong>Zentrale Steuerung öffentlicher Bauvorhaben</strong> kann kleine Büros benachteiligen (SPD, Linke)</p>
<p><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/2716.png" alt="✖" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> <strong>Rückbau von Standards</strong> könnte langfristig negative Folgen für Baukultur haben (AfD)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Für planende Berufe wird es darauf ankommen, wie diese Wahlversprechen in der Praxis umgesetzt werden. Ob Bürokratieabbau, Nachhaltigkeit oder kostengünstiges Bauen – entscheidend bleibt, <strong>dass Architektur, Ingenieurwesen und Stadtplanung nicht nur kurzfristigen Wahlzielen untergeordnet werden</strong>, sondern langfristig einen Beitrag zur Baukultur leisten können.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wahlversprechen-im-bauwesen-was-hilft-den-planenden-berufen-wirklich/">Wahlversprechen im Bauwesen: Was hilft den planenden Berufen wirklich?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Flächenfrass in Österreich</title>
		<link>https://baukunst.art/flaechenfrass-in-oesterreich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Mar 2024 14:37:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[International]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Baupolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Flächenfrass]]></category>
		<category><![CDATA[Raumplanung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=8765</guid>

					<description><![CDATA[<p>In der aktuellen Debatte um Österreichs Baupolitik stehen zwei konkurrierende Bedürfnisse im Fokus: die Schaffung von neuem Wohnraum und der Erhalt wertvoller Bodenressourcen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-pm-slice="1 1 []">In der aktuellen Debatte um Österreichs Baupolitik stehen zwei konkurrierende Bedürfnisse im Fokus: die Schaffung von neuem Wohnraum und der Erhalt wertvoller Bodenressourcen. Mit einem von der Bundesregierung angekündigten Baupaket in Höhe von einer Milliarde Euro, von denen 780 Millionen Euro in Neubauten und nur 220 Millionen Euro in Sanierungen fließen, entfacht eine heftige Diskussion um den künftigen Umgang mit Österreichs Landschaft.</p>
<p><strong>Hintergrund</strong>:<br />
Die aktuellen Pläne der Regierung und die damit verbundene Gefahr einer zunehmenden Bodenversiegelung haben zu öffentlichen Kontroversen geführt. Experten befürchten, dass dieser Trend den Bodenschutz gefährdet, während gleichzeitig der Bedarf an neuem Wohnraum wächst.</p>
<p><strong>Kritik und Bedenken</strong>:<br />
Verkehrsexperten und Umweltschützer, wie Günter Emberger, Professor an der Technischen Universität Wien, warnen vor den negativen Auswirkungen einer ungebremsten Bebauung. Die Erstellung neuer Wohnungen und Einfamilienhäuser, vor allem in bisher unbebauten Gebieten, zieht nicht nur die Versiegelung von Grünflächen nach sich, sondern führt auch zu erhöhtem Autoverkehr und infrastrukturellen Folgekosten.</p>
<p><strong>Politische Positionen</strong>:<br />
Vizekanzler Werner Kogler fordert eine Reduzierung des täglichen Bodenverbrauchs auf 2,5 Hektar bis 2030, eine Zielsetzung, die bereits von früheren Regierungen verfolgt, aber nie erreicht wurde. Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner betont hingegen die Notwendigkeit, neben dem Bodenschutz auch andere Bürgeranliegen zu berücksichtigen, insbesondere die Schaffung von neuem Wohnraum.</p>
<p><strong>Finanzierung und Förderschwerpunkte</strong>:<br />
Obwohl die Bundesregierung plant, bis 2027 eine Milliarde Euro in den Wohnbau zu investieren, mit dem Ziel, 10.000 neue Eigenheime und Mietwohnungen sowie 5.000 Sanierungen zu fördern, kritisieren Fachleute das Ungleichgewicht in der Verteilung der Mittel. Architekt und Kammerpräsident Daniel Fügenschuh bemängelt, dass die Fokussierung auf Neubauten die Problematik der Bodenversiegelung verschärft.</p>
<p><strong>Empfehlungen für eine nachhaltige Bodennutzung</strong>:<br />
Experten schlagen vor, anstatt auf neue Bebauungen, verstärkt auf die Verdichtung und effizientere Nutzung bestehender bebauter Flächen zu setzen. Dies beinhaltet die Reaktivierung von Leerständen und die stärkere Nachverdichtung in bestehenden urbanen Zentren.</p>
<p>Die aktuelle Debatte um Österreichs Baupolitik spiegelt eine grundlegende Herausforderung wider: Wie kann ein Gleichgewicht zwischen dem Bedarf an neuem Wohnraum und dem Erhalt natürlicher Ressourcen gefunden werden? Es wird deutlich, dass eine ausgewogene, nachhaltige Strategie erforderlich ist, die sowohl ökonomische als auch ökologische Aspekte berücksichtigt.</p>
<p><strong>Die Zukunft der österreichischen Landschaft hängt von einer verantwortungsvollen und durchdachten Raumplanung ab.</strong> <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000209657/fuehrt-das-baupaket-der-regierung-zu-neuem-flaechenfrass"><strong>mehr</strong></a></p>
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