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	<title>Nachhaltigkeit | Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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	<title>Nachhaltigkeit | Baukunst</title>
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		<title>Mit maximaler Transparenz: Helsinki plant das neue Museum für Architektur und Design</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Mar 2026 11:50:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturwettbewerb]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Hafen, eine Entscheidung, ein Versprechen: Helsinki gibt seiner Baukultur ein neues Zuhause, und die Stadt macht dabei alles öffentlich.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Recycelter Backstein, öffentliche Terrassen, 900.000 Objekte: Helsinkis Museumsversprechen</h1>
<p style="font-weight: 400;">Das neue Museum für Architektur und Design Finnlands (Museum of Architecture and Design, kurz: AD Museum) ist ein kulturpolitisches Projekt, das zeigt, wie eine Gesellschaft mit öffentlichen Geldern, urbanem Erbe und architektonischer Verantwortung umgehen kann.</p>
<p style="font-weight: 400;">Im September 2025 gab die Jury unter Vorsitz des früheren Leiters des Stadtplanungsamtes Helsinki, Mikko Aho, den Sieger eines der bemerkenswertesten Architekturwettbewerbe der jüngeren europäischen Geschichte bekannt: Das <strong><a href="https://jkmm.fi/work/architecture-and-design-museum-of-finland/" target="_blank" rel="noopener">Büro JKMM Architects aus Helsinki</a> </strong>gewann mit seinem Entwurf &#8222;Kumma&#8220; den offenen, zweistufigen, anonymen internationalen Wettbewerb für das neue Museum für Architektur und Design an Helsinkis Südhafen. 624 Teams aus aller Welt hatten eingereicht, darunter starke Beiträge aus Italien, den USA, Frankreich und dem Vereinigten Königreich.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Was macht diesen Wettbewerb zum Vorbild für städtische Baukultur?</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Die Antwort liegt weniger im Entwurf selbst als im Prozess. Der Wettbewerb wurde von der Immobiliengesellschaft AD Museum, einem Gemeinschaftsunternehmen der Stadt Helsinki und des finnischen Staates, gemeinsam mit der Stiftung für das finnische Museum für Architektur und Design und dem finnischen Architektenverband SAFA (Suomen Arkkitehtiliitto) organisiert. Schon diese Trägerstruktur signalisiert: Hier handelt nicht ein privater Investor, sondern ein kollektiv verantwortetes Gemeinwesen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Noch ungewöhnlicher war die demokratische Einbindung der Öffentlichkeit. Alle fünf Shortlist-Entwürfe wurden anonym veröffentlicht, und bis Ende Januar 2025 war jede und jeder eingeladen, die Projekte online zu kommentieren. Ergänzend dazu führte KONE Finland für sämtliche 624 Beiträge eine People Flow Analysis durch, öffentliche Workshops mit Nutzerinnen und Nutzern flossen in die Bewertung ein. Transparenz als Planungsprinzip, nicht als PR-Massnahme.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Warum ist der Standort am Südhafen so bedeutsam?</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Das neue Museum entsteht auf einem brachliegenden Dockareal direkt am Marktplatz (Kauppatori), in unmittelbarer Nachbarschaft zu Alvar Aaltos &#8222;Zuckerwürfel&#8220; (dem Enso-Gutzeit-Gebäude von 1962), der lutherischen und der orthodoxen Kathedrale sowie dem Esplanade-Park. Der Standort liegt zudem innerhalb der UNESCO-Pufferzone der Seefestung Suomenlinna (Weltkulturerbe). Prominenter geht es kaum.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Entscheidung für diesen Ort ist eine stadtplanerische Aussage: Das Hafenareal soll vom Transitraum zum kulturellen Herzstück werden. Das AD Museum ist Initialzündung für eine umfassendere Regenerationsstrategie, die den Südhafen als fussgängerfreundliches, maritimes Stadtquartier neu denkt. Entstanden ist das Projekt aus der Zusammenführung zweier historisch bedeutender Institutionen: des 1952 gegründeten Museums für Finnische Architektur und des 1873 gegründeten Designmuseums Helsinki. Beide waren bislang in Altbauten untergebracht, die für zeitgemässe Museumszwecke nur bedingt geeignet waren.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Was unterscheidet den Siegerentwurf von anderen Projekten?</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">JKMM Architects setzen auf recycelten Backstein als primäres Fassadenmaterial, eine skulpturale Setzung mit einer starken urbanen Terrasse sowie eine Gebäudekubatur, die Öffentlichkeit buchstäblich einlädt: Freie Zugangsterrassen, eine Designbibliothek, flexible Ausstellungsgalerien und barrierefreie Begegnungsräume machen das Museum zu einem Ort, der zwischen Monumentalität und Annäherung vermittelt. Die Gesamtnutzfläche beträgt 10.050 Quadratmeter.</p>
<p style="font-weight: 400;">Samuli Miettinen, Gründungspartner und leitender Entwerfer bei JKMM Architects, formulierte den Anspruch klar: Die Realisierung des Museums solle zeigen, wie Neues verantwortungsbewusst und handwerklich solid gebaut werden kann. Architektur und Design seien tief menschlich, geboren aus Träumen und Sehnsüchten, und bekämen ihren Sinn in Orten gemeinschaftlichen Erlebens.</p>
<p style="font-weight: 400;">Zweiten Preis erhielten Cossement Cardoso (Portugal/Belgien) für &#8222;City, Sea and Sky&#8220;, den dritten Preis das Schweizer Büro Lopes Brenna für &#8222;Moby&#8220;. Auch ein finnisches Architektenkollektiv sowie das französische Büro Atelier Orda wurden ausgezeichnet.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei diesem Vorhaben?</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Nachhaltigkeit war keine nachträgliche Anforderung, sondern zentraler Bestandteil des Wettbewerbsprogramms. Die Stadt Helsinki hat sich verpflichtet, bis 2030 klimaneutral zu sein, in dasselbe Jahr, das für die Eröffnung des Museums geplant ist. JKMM Architects wurden ausdrücklich für ihre klimaintelligenzen Lösungen und ökologisch-soziale Responsivität gelobt. Die Verwendung von Recyclingmaterialien, insbesondere des wiederverwendeten Backsteins, ist dabei nicht bloss gestalterische Haltung, sondern ressourcenpolitisches Bekenntnis.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die ökologische Ambition spiegelt eine breitere skandinavische Planungskultur wider, die Nachhaltigkeit nicht als Einschränkung, sondern als kreative Bedingung versteht. Das AD Museum soll laut Jury zum Massstab für künftige Museumsarchitektur in Europa werden, sowohl in Fragen der Resilienz als auch der sozialen Inklusion.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Was kann die deutschsprachige Architekturszene daraus lernen?</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Der Vergleich ist provokant, aber berechtigt: In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind Verfahren dieser Grössenordnung häufig durch Intransparenz, eingeschränkte Teilnahmebedingungen oder mangelnde Öffentlichkeitsbeteiligung geprägt. Die Vergabe von Wettbewerben für kulturelle Infrastrukturbauten bleibt oft kleinen Zirkeln aus gelisteten Büros vorbehalten. Helsinki hat mit 624 anonymen Einreichungen aus aller Welt das Gegenteil demonstriert.</p>
<p style="font-weight: 400;">Besonders bemerkenswert ist die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung: nicht als Alibi-Konsultation am Ende des Verfahrens, sondern als strukturelle Komponente der Entwurfsbewertung. Das entspricht dem, was die Bundesarchitektenkammer (BAK) in ihren Empfehlungen zur Qualitätssicherung im Wettbewerbswesen seit Jahren fordert, ohne dass es flächendeckend umgesetzt wird.</p>
<p style="font-weight: 400;">Das AD Museum wird ab 2027 gebaut und soll Ende 2030 eröffnen. Es wird über 900.000 Artefakte aus Architektur und Design beherbergen, von Arbeiten der Aaltos bis zu zeitgenössischen Positionen. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass dieser Wettbewerb nicht nur ein Bauwerk erzeugt, sondern eine Verfahrenskultur, die exportfähig ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Weniger Stahl, weniger CO2 bessere Brücken: Algorithmen neu denken den Ingenieurbau</title>
		<link>https://baukunst.art/weniger-stahl-weniger-co2-bessere-bruecken-algorithmen-neu-denken-den-ingenieurbau/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 16:18:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Embodied Carbon]]></category>
		<category><![CDATA[Hybridbau]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Strukturoptimierung]]></category>
		<category><![CDATA[Topology Optimization]]></category>
		<category><![CDATA[Tragwerksplanung]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Algorithmus aus dem MIT kann Brücken und Hochbauten mit bis zu 20 Prozent weniger gebundenem CO₂ entwerfen, ohne Abstriche bei Tragfähigkeit oder Ausführbarkeit.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art | Kategorie: Innovation</strong></p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Weniger ist mehr: Warum smarte Algorithmen das Bauen grüner machen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Discrete Topology Optimization (DTO) ist ein computergestütztes Verfahren, das Tragstrukturen simultan nach Tragfähigkeit, Ausführbarkeit und gebundenem CO₂ optimiert. An diesem Schnittpunkt arbeitet Zane Schemmer, Doktorand am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Fellow der MIT Morningside Academy for Design (MAD): Seine Algorithmen schreiben keine Geometrie fest, sondern fragen, welche Geometrie in einer gegebenen Aufgabe die materialeffizienteste und klimaschonendste Lösung ergibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektur- und Ingenieurwelt diskutiert seit Jahren über graue Energie und grauen Kohlenstoff, den sogenannten Embodied Carbon. Doch die meisten Optimierungsansätze der letzten Jahrzehnte führen zu Formen, die sich schlicht nicht bauen lassen, weil sie strukturell elegante, aber handwerklich unrealisierbare Geometrien erzeugen. Schemmer und seine Betreuerin Josephine V. Carstensen, Gilbert W. Winslow Career Development Associate Professor am Department of Civil and Environmental Engineering des MIT, setzen dem entgegen, was sie als ausführbarkeitsorientierte Optimierung beschreiben: Die Algorithmen erhalten von Beginn an Randbedingungen, die realen Bauprozessen entsprechen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie kann ein Algorithmus den CO₂-Fußabdruck einer Brücke um 20 Prozent senken?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf dem IASS-Symposium 2024 in Zürich präsentierten Schemmer und Carstensen Ergebnisse, nach denen ihr DTO-Ansatz den Embodied Carbon von Brücken und anderen Tragwerken um bis zu 20 Prozent gegenüber konventionellen Entwurfslösungen verringert. Die entscheidende Neuerung liegt nicht in einer einzelnen Material- oder Formentscheidung, sondern in der gleichzeitigen Betrachtung mehrerer Variablen: Welches Material ist lokal verfügbar? Wie weit muss es transportiert werden? Welche CO₂-Intensität hat seine Herstellung? Und wie viel Material ist minimal nötig, um alle Lasten sicher abzutragen?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das klingt nach einer einfachen Checkliste. Es ist in Wirklichkeit ein hochdimensionales Optimierungsproblem. Stahl beispielsweise hat gegenüber Beton oder Holz den Vorteil hoher Festigkeit bei geringem Eigengewicht. Was den Stahl teuer macht (in CO₂-Einheiten), ist seine energieintensive Herstellung und, je nach Beschaffungskette, sein langer Transportweg. Schemmers Algorithmus ersetzt in solchen Fällen Teile der Stahlstruktur durch Holzelemente oder optimiert die Dimensionierung einzelner Stahlbauteile nach unten, sodass eine Hybridkonstruktion entsteht, die funktional gleichwertig ist, aber deutlich weniger gebundenen Kohlenstoff aufweist. &#8222;Dasselbe Stahlprofil in zwei verschiedenen Teilen der Welt kann zu zwei völlig unterschiedlichen optimierten Entwürfen führen&#8220;, erklärt Schemmer. Kein Einheitsrezept, sondern ortsspezifische Effizienz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als konkretes Anwendungsbeispiel untersuchte Schemmer eine historische Stahl-Holz-Fachwerkbrücke aus dem späten 19. Jahrhundert über den Big Cypress Bayou in Osttexas. Der Algorithmus optimierte das Tragwerk im Hinblick auf heutige Anforderungen und derzeitige Materialbeschaffungsbedingungen. Das Ergebnis: eine überarbeitete Hybridkonstruktion, die die Grundform des originalen Fachwerks bewahrt, aber materialreduziert und CO₂-effizienter ist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet Topology Optimization für die Praxis von Architekten und Tragwerksplanern?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Tragwerksplaner und Architektinnen, die im deutschen Planungsrecht mit DIN 276, DIN EN 1990 (Eurocodes) und dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) arbeiten, stellt sich die Frage nach der Praxistauglichkeit solcher Forschungsergebnisse zu Recht. Schemmers Antwort liegt im Konzept der &#8222;user-specified force flow&#8220;: Die Planenden geben dem Algorithmus vor, wie die Kräfte im Tragwerk verlaufen sollen, und der Algorithmus sucht innerhalb dieses Rahmens die materialeffizienteste Lösung. Das Ergebnis ist kein abstraktes Computerkonstrukt, sondern ein durch Normen prüfbares, nach Werkstückgeometrien fertigbares Tragwerk.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schemmer selbst benennt den blinden Fleck klassischer Optimierungsforschung klar: Bisherige Ansätze hätten zwar mathematisch elegante Lösungen erzeugt, aber kaum Rücksicht auf Fertigungsrealitäten genommen. Sein Ziel ist ausdrücklich, die Brücke zwischen computergestütztem Idealentwurf und handwerklicher Bauwirklichkeit zu schlagen. Das ist kein akademisches Nebenprodukt, sondern der eigentliche Kern seiner Forschungsagenda.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Alte Trennung, neue Synthese: Wo Architektur und Ingenieurwesen wieder zusammenwachsen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schemmer formuliert einen Gedanken, den Architekturgeschichte und Baukritik schon länger diskutieren: Vor hundert Jahren war die Trennung zwischen Architektur und Tragwerkslehre weit weniger scharf. Brückenbauer wie Gustave Eiffel oder John Augustus Roebling, der Konstrukteur der Brooklyn Bridge, dachten Form und Kraft als Einheit. Die institutionelle Trennung im 20. Jahrhundert hat Spezialisierungsgewinne erbracht, aber auch eine kognitive Barriere errichtet: Architekten entwerfen, Ingenieure rechnen nach. Schemmers Ansatz, der Designentscheidungen durch iterative Optimierungsschleifen in den Ingenieursrechenprozess integriert, weist zurück auf diese früheren, integrierteren Denkweisen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die MIT Morningside Academy for Design (MAD), in deren Rahmen Schemmer als Design Fellow arbeitet, versteht sich explizit als interdisziplinäre Brückeninstanz: Graduierte aus Ingenieurwissenschaften, Stadtplanung, Medienkunst und Architektur tauschen Perspektiven aus. Für Schemmer bedeutete das die Begegnung mit künstlerisch-intuitiven Entwurfsprozessen, die seine algorithmische Denkweise um eine explorative Dimension erweitern. Iteratives Design, so beschreibt er es, öffnet den Blick für Lösungen, die man aus einer einzigen Fachperspektive nie in Betracht gezogen hätte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die deutschsprachige Architekturdebatte, in der Begriffe wie Lebenszyklusanalyse, Kreislaufwirtschaft und klimagerechtes Bauen derzeit intensiv diskutiert werden, liegt hier ein konkreter methodischer Beitrag: Strukturoptimierung nicht als Nachkontrolle eines fertigen Entwurfs, sondern als integraler Bestandteil des Entwurfsprozesses selbst. Das Potenzial ist erheblich. Wenn allein die Wahl zwischen einer reinen Stahlkonstruktion und einer Stahl-Holz-Hybridlösung den Embodied Carbon um bis zu 20 Prozent senken kann, und das bei gleichzeitiger Erhöhung der Fertigungseffizienz, dann ist diese Forschung kein fernliegendes Hochschulergebnis, sondern eine unmittelbar planungsrelevante Innovation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Golden Gate Bridge, Schemmers frühkindliche Inspiration, entstand ohne jedes digitale Werkzeug. Alle Berechnungen von Hand, aller Kraftfluss im Kopf. Dass ein Algorithmus heute diese intuitive Meisterleistung analysieren, neu denken und in klimagünstigere Varianten überführen kann, ist keine Demontage des Ingenieurshandwerks. Es ist seine Weiterentwicklung in eine Zeit, in der Bauwerke nicht nur halten, sondern auch ihrer planetaren Verantwortung gerecht werden müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>UM BAUEN! Die IBA&#8217;27 als gesellschaftliches Experiment</title>
		<link>https://baukunst.art/um-bauen-die-iba27-als-gesellschaftliches-experiment/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 15:45:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[IBA'27]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipative Planung]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungspolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[In gut einem Jahr öffnet die IBA'27 ihre Tore. Was als regionales Stadtentwicklungsprojekt begann, ist zum bundesweit beachteten Labor für Baukultur, Wohnungspolitik und demokratische Planung geworden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">baukunst.art | Gesellschaft &amp; Urbanismus</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wohnen, Bauen, Zusammenleben: Wie die IBA&#8217;27 Stuttgart eine Antwort auf die Wohnungskrise sucht</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die <strong><a href="https://www.iba27.de/#!" target="_blank" rel="noopener">Internationale Bauausstellung 2027</a></strong> StadtRegion Stuttgart (IBA&#8217;27) ist kein Architekturspektakel, sondern ein auf zehn Jahre angelegtes gesellschaftliches Experiment: Sie untersucht, wie eine ganze Region durch partizipative Prozesse, nachhaltiges Bauen und soziale Innovation neu gedacht werden kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn im April 2027 das Ausstellungsjahr beginnt, wird Stuttgart nicht einfach Modellgebäude zeigen, sondern das Ergebnis eines langen kollektiven Lernprozesses. Seit 2017 hat die IBA&#8217;27 GmbH, deren Gesellschafter die Landeshauptstadt Stuttgart, der Verband Region Stuttgart, die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, die Architektenkammer Baden-Württemberg und die Universität Stuttgart sind, Kommunen, Initiativen, Investorinnen und Planungsbüros zusammengebracht. Das Resultat: inzwischen 37 offizielle IBA&#8217;27-Projekte, verteilt über die gesamte StadtRegion.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Unter dem Motto &#8222;UM BAUEN!&#8220; findet die Ausstellung vom 24. April bis 30. Oktober 2027 statt. Der Doppelsinn ist programmatisch: Es geht ums Umbauen im technischen Sinn, und es geht um ein Umdenken, um eine Baukultur, die ökologische, soziale und ökonomische Kriterien nicht gegeneinander ausspielt, sondern integriert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was macht die IBA&#8217;27 zu mehr als einer Architekturausstellung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort liegt in ihrer räumlichen und sozialen Reichweite. Während klassische Ausstellungen Objekte in Museen zeigen, macht die IBA&#8217;27 die gesamte Region zur Ausstellungsfläche. An rund 40 Standorten in Stuttgart und Umgebung sind Projekte zu erleben, von Einzelgebäuden bis zu ganzen Quartieren. Viele befinden sich 2027 noch im Bau oder in der Entwicklung, was den Besucherinnen und Besuchern ermöglicht, Stadtentwicklung als Prozess zu verstehen, nicht nur als fertiges Produkt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zentraler Ausstellungsort in der Innenstadt wird das ehemalige Galeria-Kaufhof-Gebäude in der Eberhardstrasse, das die Landeshauptstadt Stuttgart 2023 erworben hat. Die beiden Erdgeschosse werden zur Hauptausstellungsfläche umgenutzt. Welche Nachnutzung das Gebäude langfristig erhält, ist noch offen: Im Gespräch sind ein Haus der Kulturen oder städtische Büroflächen. Diese Offenheit ist selbst eine programmatische Aussage über den Umgang mit leerstehendem Bestand in Innenstadtlagen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Einen Vorgeschmack auf die Ausstellung bot bereits die Lange Nacht der Museen am 21. März 2026: Mit einer Licht- und Soundinstallation der Künstler Roland Batroff und Clemens Schneider wurde das Kaufhof-Gebäude erstmals als IBA&#8217;27-Schauplatz erlebbar gemacht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie verändert partizipative Planung das soziale Gefüge einer Stadt?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die IBA&#8217;27 liefert auf diese Frage konkrete Antworten, keine abstrakten Bekenntnisse. Im Quartier Böckinger Strasse in Stuttgart-Rot entstehen rund 400 Wohneinheiten, davon 290 im sozial geförderten Wohnungsbau. Das Projekt der städtischen Wohnbaugesellschaft SWSG zeigt, dass kommunale Träger auch unter schwierigen Marktbedingungen Massstäbe für soziale Durchmischung setzen können. Im Quartier am Rotweg sollen bis zur Bauausstellung 210 Wohneinheiten fertiggestellt sein, ebenfalls mit einem Drittel sozial gefördertem Wohnungsbau.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist auch das IBA&#8217;27-Projekt &#8222;Aquabox&#8220;: Ein mobiles Hallenbad in Holzmodulbauweise, das am Kelterplatz in Stuttgart-Zuffenhausen ab Herbst 2026 als Interimslösung während des Hallenbadneubaus dient und danach an weitere Standorte versetzt werden kann. Das Projekt, am 24. März 2026 als offizielles IBA&#8217;27-Vorhaben aufgenommen, steht exemplarisch für einen neuen Typ kommunaler Infrastruktur: flexibel, zirkulär, übertragbar. IBA&#8217;27-Intendant Andreas Hofer bringt es auf den Punkt: Viele Kommunen stehen vor der Aufgabe, marode Schwimmbäder aus den 1960er- und 1970er-Jahren zu ersetzen. Die Aquabox zeigt, wie sich diese Aufgabe als mobiles System intelligent lösen lässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Holzgebäude nutzt Wärmepumpen, eine hocheffiziente Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und eine Photovoltaikanlage. Realisiert wurde es in einer branchenübergreifenden Zusammenarbeit von POOL out of the BOX GmbH, 4a Architekten und Blumer Lehmann. Planungs- und Bauprozess sind also selbst modellhaft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sichtbar im Stadtraum sind die IBA&#8217;27-Projekte seit März 2026 durch leuchtend gelbe Stahlskulpturen der Stuttgarter Designagentur Haus Otto. Bis zu vier Meter hohe Projektmarker in vier modularen Varianten, von der Sitzbank bis zur &#8222;Himmelstreppe&#8220;, stehen an 22 Projektstandorten. Sie funktionieren als Einladung, sich bereits jetzt mit den Orten der IBA auseinanderzusetzen, und sollen nach 2027 als dauerhaftes Stadtmöbel bleiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Weissenhof, wo 1927 die Avantgarde des europäischen Wohnungsbaus ihre radikalen Ideen baute, entsteht das neue Besucher- und Informationszentrum Weissenhof.Forum nach Entwurf von Barkow Leibinger. Mit Dauerausstellung, Vortragsräumen und Café schafft das Forum die seit langem fehlende Infrastruktur für eine der meistbesuchten Architektursiedlungen Deutschlands. Die Brenzkirche in unmittelbarer Nachbarschaft wird behutsam umgebaut und erhält ihre identitätsstiftenden Elemente zurück.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Bopp benennt die übergeordnete Ambition ohne Umschweife: Bauen sei der grösste Kohlendioxid-Treiber weltweit. Die IBA&#8217;27 soll zeigen, dass ein struktureller Wandel in der Bauwirtschaft nicht nur notwendig, sondern möglich ist. Das Ausstellungsjahr verstehe sich deshalb nicht als Abschluss, sondern als Ausgangspunkt: Die IBA&#8217;27 GmbH wird bis 2030 weitergeführt, um Erfahrungen zu dokumentieren, Projekte zu begleiten und Netzwerke zu sichern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was die IBA&#8217;27 von vielen Bauausstellungen unterscheidet, ist dieser explizit gesellschaftliche Anspruch. Architektur wird hier nicht als autonome Kunstform verstanden, sondern als Werkzeug für soziale Transformation. Thematische Routen zu Neues Wohnen, Produktive Stadt, Einfaches Bauen, Bautechnik und Stadt am Fluss sollen 2027 unterschiedliche Zielgruppen ansprechen und die Projekte in nachvollziehbare Erzählungen einbetten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage, die IBA&#8217;27-Intendant Andreas Hofer an den Weissenhof stellt, gilt für die gesamte Ausstellung: Was können wir vom Wohnungsbau der Moderne lernen, und was müssen wir für die nächsten hundert Jahre fordern? Die Antworten darauf werden nicht in Stuttgart allein geschrieben. Aber Stuttgart liefert gerade ein lesenswertes erstes Kapitel.</p>
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		<title>Das Wahre, Schöne und Gute: Hat die Architektur ihre Seele verkauft?</title>
		<link>https://baukunst.art/das-wahre-schoene-und-gute-hat-die-architektur-ihre-seele-verkauft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Mar 2026 17:36:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Ästhetik]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenszykluskosten]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Wahre, Schöne und Gute hat die Architektur nicht verloren, es wurde aus den Planungsprozessen herausgekürzt. Eine Rückholung ist möglich und nötig.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []" />
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber Baukunst.art</strong></p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Schön, wahr, gut: Wie die Architektur ihre drei wichtigsten Werte verlor und warum sie sie jetzt zurückbraucht</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Trias des Wahren, Schönen und Guten ist in der Architektur nicht tot, sie wurde nur systematisch aus den Planungsprozessen herausgekürzt, durch Kostenkennwerte ersetzt und als romantischer Anachronismus abgeschrieben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bernd Eilert hat im Januar 2026 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine brillante Inventur dieser drei platonischen Ideale vorgelegt und mit entwaffnender Präzision festgestellt, dass das Schöne den steilsten Absturz in der Werteskala erfahren hat. Für die Architektur gilt das in besonderem Maß. Kein Bereich der Gegenwartskultur hat das Schöne so systematisch verabschiedet wie das Bauen. Und kein Bereich zahlt dafür einen so konkreten, messbaren Preis.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum ist das Schöne aus der Architektur verschwunden?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die ehrliche Antwort lautet: Es wurde nie offiziell abgeschafft. Es hat sich still verdrückt, während die Planungsparameter enger wurden. In vier Jahrzehnten Berufspraxis lässt sich diese Erosion präzise datieren. In den 1980er Jahren sprachen Bauherren noch selbstverständlich von Haltung, von Wirkung, von Würde eines Gebäudes. Heute liefert die erste Projektbesprechung Abschreibungszeiträume und Nutzungskostenprognosen. Was sich rechnen lässt, wird berechnet. Was sich nicht rechnen lässt, findet keinen Platz in der Tabellenkalkulation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Tragische daran: Das Schöne lässt sich rechnen, nur eben nicht im Monatsbericht. Schöne Gebäude werden länger genutzt. Sie erzeugen Identifikation, reduzieren Vandalismus, erhöhen die Bereitschaft zur Pflege. Eine Studie aus dem Vereinigten Königreich, auf die das Fachmagazin Dezeen in seiner Recherche „How long should a building last?&#8220; (Dezember 2025) hinweist, belegt, was Architektinnen und Architekten längst wissen: Gebäude, die als schön empfunden werden, haben eine signifikant längere Nutzungsdauer als ihre optimierten, aber gleichgültigen Pendants. Der erste Träger des britischen Stirling Prize, das Centenary Building der Universität Salford, wurde 2025 zum Abriss freigegeben: 30 Jahre nach Fertigstellung. Ein preisgekröntes Gebäude, das niemand behalten wollte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eilert zitiert den belgischen Maler Michaël Borremans mit dem Satz, Schönheit sei heute Tabu, romantisch und nicht mehr en vogue. In der zeitgenössischen bildenden Kunst mag das als ästhetisches Programm noch funktionieren. Ein Gemälde kann provozieren, irritieren, verstören und trotzdem seinen Platz im Museum behaupten. Ein Wohngebäude, das irritiert und verstört, ist schlicht unbewohnbar.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hat die Moderne die Architektur um ihre Wahrheit gebracht?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Wahre in der Architektur war einmal die Ehrlichkeit der Konstruktion, die Sichtbarkeit des Tragwerks, die Lesbarkeit des Materials. Mies van der Rohe nannte es Tektonik. John Ruskin sprach von der Wahrheit des Handwerks. Beide meinten dasselbe: Ein Gebäude soll zeigen, was es ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was zeigen unsere Gebäude heute? In den meisten Fällen: so wenig wie möglich. Fassaden sind Verkleidungen geworden, Hüllen ohne Beziehung zur Konstruktion dahinter. Das Tragwerk verschwindet hinter Abhangdecken und Doppelböden. Die Haustechnik übernimmt die Raumgeometrie. Das Ergebnis sind Gebäude, die man nicht lesen kann, weil sie nichts erzählen wollen außer ihrer eigenen Beliebigkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nietzsche, den Eilert zitiert, formulierte den Widerspruch radikal: Die Wahrheit sei hässlich, die Kunst existiere, damit wir nicht an ihr zugrunde gehen. Für die Gegenwartsarchitektur trifft das in einer bitteren Umkehrung zu: Die Architektur hat die Wahrheit der Konstruktion aufgegeben, nicht um schöner zu werden, sondern um billiger zu bauen. Das Ergebnis ist weder wahr noch schön.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Gute als verlorene Haltung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am schwersten wiegt der Verlust des Dritten im Bunde. Das Gute in der Architektur meint nicht Moral im engen Sinn, sondern Haltung, Verantwortung gegenüber dem öffentlichen Raum, die Verpflichtung, mit dem Bauen die Welt ein wenig bewohnbarer zu hinterlassen. Schiller sah das Theater als moralische Anstalt dem Wahren, Schönen, Guten verpflichtet. Für die Stadt der Neuzeit war das Gebäude diese moralische Anstalt: es definierte den Straßenraum, es orientierte, es gab Maßstab.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heute bestimmt der gewerbliche Investor in Abschreibungszyklen von 15 bis 20 Jahren. Was danach kommt, ist planungstechnisch irrelevant. Das Gebäude als Finanzprodukt hat das Gebäude als baukulturellen Ort längst verdrängt. Wer billiger baut und früher abreißt, gewinnt die Ausschreibung. Wer teurer baut, aber 150 Jahre lang nicht abreißen muss, verliert sie. Eilerts Beobachtung, die Bourgeoisie quassle in einem fort vom Schönen, Guten, Wahren und knicke doch nur vor dem Goldenen Kalb ein, trifft die Baubranche mit chirurgischer Genauigkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Paradox der Situation liegt darin, dass ausgerechnet die Klimakrise jetzt das leistet, was Jahrzehnte Baukulturdiskussion nicht vermochten: Sie zwingt die Branche zur Langfristigkeit. Der Begriff „embodied carbon&#8220;, der im Baumaterial gebundene Kohlenstoff, hat eine neue Qualitätsdiskussion ausgelöst, nicht aus ästhetischen, sondern aus ökologischen Gründen. Wer ein Gebäude nach 30 Jahren abreißt, hat den enormen CO2-Aufwand seiner Herstellung nie amortisiert. Die Lebensdauer eines Gebäudes ist kein romantisches Thema mehr. Sie ist eine Klimafrage. Und damit, auf Umwegen, wieder eine Frage des Guten.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt von der Trias?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eilert endet seinen brillanten Essay mit der Beobachtung, dass die Sehnsucht nach dem Schönen geblieben ist, auch wenn das Schöne als Ideal verlorengegangen schien. Taylor-Swift-Fans strömen ins Hessische Landesmuseum Wiesbaden, um ein Gemälde zu betrachten, das sie ungeschützt schön nennen würden. Die Sehnsucht ist nicht verschwunden. Sie hat nur keinen institutionellen Ort mehr.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In der Architektur gibt es diesen Ort noch, er wird nur selten genutzt. Jedes Mal, wenn ein Gebäude entsteht, das den öffentlichen Raum bereichert statt beschädigt, wenn ein Haus gebaut wird, das seine Bewohnerinnen und Bewohner nicht gleichgültig lässt, wenn eine Konstruktion ehrlich zeigt, was sie ist, ist das Wahre, Schöne und Gute noch anwesend. Nicht als Programm. Nicht als Inschrift im Dreiecksgiebel. Als Haltung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zu retten ist die Trias nicht als abstrakte Formel. Aber als Maßstab für eine Architektur, die mehr will als Rendite und Restnutzungsdauer: jederzeit.</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
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		<title>Bauen für die Ewigkeit? Über die Halbwertszeit des Architektonischen</title>
		<link>https://baukunst.art/bauen-fuer-die-ewigkeit-ueber-die-halbwertszeit-des-architektonischen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Mar 2026 17:22:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Embodied Carbon]]></category>
		<category><![CDATA[Gebäudelebensdauer]]></category>
		<category><![CDATA[GEG]]></category>
		<category><![CDATA[Kreislaufwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Abriss nach einer Generation, Holzpavillons als Brennstoff, Stirling-Prize-Bauten im Abbruchcontainer: Die Kürze des Bauens ist längst kein Randphänomen mehr. Ein Kommentar.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"> Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber Baukunst.art</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Gebaut und schon veraltet: Der kurze Atem der Gegenwartsarchitektur</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bauwerke sind keine Wegwerfprodukte. Diese Aussage klingt so selbstverständlich, dass man sie kaum aussprechen müsste, und doch beschreibt sie einen Widerspruch, der den gegenwärtigen Architekturdiskurs zunehmend bestimmt: Gebäude werden kürzer genutzt, früher abgerissen und schneller ersetzt als je zuvor in der Nachkriegsgeschichte des Bauens.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das britische Fachmagazin Dezeen hat im Dezember 2025 eine längere Recherche unter dem Titel „How long should a building last?&#8220; veröffentlicht, die diesen Widerspruch auf den Punkt bringt. Die Fakten sind ernüchternd: Die meisten Gewerbebauten werden mit einer kalkulierten Nutzungsdauer von 50 bis 60 Jahren entworfen, in der Praxis halten viele nicht einmal halb so lange. Als symptomatisches Beispiel nennt der Artikel den ersten Träger des britischen Stirling Prize, das Centenary Building der Universität Salford: Noch in diesem Jahr wurde der Abriss genehmigt, gerade einmal 30 Jahre nach der Fertigstellung. Ein Preis für Architektur, die drei Jahrzehnte später nicht mehr gebraucht wird. Das ist keine Randnotiz, das ist ein Systemversagen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum werden Gebäude so früh aufgegeben?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort ist vielschichtig. In vier Jahrzehnten Berufspraxis habe ich erlebt, wie sich das Verhältnis zwischen Bauinvestition und Nutzungshorizont verschoben hat. In den 1980er Jahren sprachen Bauherrinnen und Bauherren noch selbstverständlich von Generationenprojekten. Heute denkt der gewerbliche Investor in Abschreibungszyklen von 15 bis 20 Jahren. Was danach kommt, ist planungstechnisch irrelevant, weil es wirtschaftlich nicht mehr interessiert. Das Gebäude als Finanzprodukt hat das Gebäude als baukulturelles Erbe längst überholt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt eine strukturelle Schwäche der Moderne: die Monofunktionalität. Städtische Stadien für Olympia und Fußball-Weltmeisterschaften werden heute bewusst als temporäre Strukturen geplant, was für diesen Sonderfall auch vertretbar ist. Problematisch wird es, wenn diese Denkweise auf das Alltagsbauen übertragen wird. Bürogebäude, die auf einen einzigen Nutzertyp zugeschnitten sind, Einzelhandelsbauten, deren Geometrie keine Umnutzung erlaubt, Schulen ohne Flexibilitätsreserven: All das produziert Gebäude mit vorgezogenem Verfallsdatum. Das Gegenteil von baulicher Weisheit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht zufällig haben die großen Bauwerke der Geschichte überlebt, weil sie strukturell großzügig dimensioniert waren: massive Mauern, hohe Räume, neutrale Grundrisse. Der gotische Sakralbau lässt sich vom Gotteshaus zum Konzerthall umnutzen, weil seine Geometrie Spielraum lässt. Das durchoptimierte Bürogebäude der Jahrtausendwende hingegen ist nach 20 Jahren Technologiegeschichte buchstäblich überholt, weil seine Grundrissraster, seine Haustechnikschächte und seine Installationsebenen auf eine bestimmte Arbeitsorganisation zugeschnitten wurden, die es nicht mehr gibt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet verkörperter Kohlenstoff für die Lebensdauerdebatte?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das wachsende Bewusstsein für die enormen Umweltkosten von Bauen und Abriss verstärkt den Druck, zu einer langlebigeren Architektur zurückzukehren. Der Begriff „embodied carbon&#8220;, auf Deutsch: der im Gebäude gebundene Kohlenstoff, ist in der Fachwelt angekommen, hat aber die Planungspraxis noch nicht grundlegend verändert. Dabei liegt die Rechnung auf der Hand: Wenn ein Gebäude in 30 Jahren abgerissen wird, amortisiert sich der erhebliche CO2-Aufwand seiner Herstellung nie. Das graue Energie-Budget ist schlicht verbraucht, ohne dass ein adäquater Nutzen dagegen steht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Expo-Beispiel aus Osaka, das Dezeen ebenfalls beleuchtet, zeigt die Grenzen gut gemeinter Intentionen. Der Grand Ring, das weltgrößte Holzgebäude, war als demontierbare Konstruktion konzipiert. Soweit, so nachhaltig. Doch nach Informationen des Dezeen-Autors soll das Gros der verwendeten 27.000 Kubikmeter Holz schlicht verbrannt werden, als Brennstoff, was der Architekt selbst als „das Schlimmste&#8220; bezeichnet, was man damit tun könnte. Der Kreislauf bleibt offen, das Material wird vernichtet. Die schöne Idee der Kreislaufwirtschaft scheitert an der logistischen Realität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Planungspraxis folgt daraus ein unbequemer Auftrag: Nicht jedes Material eignet sich für jeden Zweck, nicht jede Bauform ist gleich klimaverträglich. Wer ernsthaft über Nachhaltigkeit spricht, muss auch ernsthaft über Dauerhaftigkeit sprechen. Die Lebensdauer eines Gebäudes ist kein ästhetisches Thema, sie ist ein ökologisches.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Für die Ewigkeit bauen, ohne an die Ewigkeit zu glauben</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">John Ruskin, der viktorianische Architekturkritiker, schrieb bekanntlich: „When we build, let us think that we build forever.&#8220; Dieser Satz klingt heute fast utopisch. Aber er enthält eine operative Wahrheit, die keine Romantik ist, sondern Handlungsanweisung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine der befragten Architektinnen formuliert es pragmatisch: Es gehe darum zu wissen, „wann man mit Tinte zeichnet und wann mit Bleistift&#8220;. Das trifft den Kern. Nicht alles muss für die Ewigkeit gebaut sein. Ein Ausstellungspavillon, ein temporäres Bürogebäude für eine Projektphase, ein Notfallbau: Hier ist Vergänglichkeit systemimmanent und legitim. Die moralische Frage stellt sich bei Wohngebäuden, Schulen, Krankenhäusern, Verwaltungsbauten. Bei der Infrastruktur des öffentlichen Lebens.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau hier aber regiert seit Jahrzehnten die Kostenkalkulation auf Basis des Tagespreises, nicht der Lebenszykluskosten. Wer billiger baut und früher abreißt, gewinnt die Ausschreibung. Wer teurer baut, aber 150 Jahre lang nicht abreißen muss, verliert sie. Das ist kein Marktversagen, das ist Politikversagen. Die öffentliche Hand, die bei Beschaffung und Förderprogrammen nicht konsequent auf Lebenszyklusbetrachtungen umstellt, trägt eine Mitverantwortung für die strukturelle Kurzlebigkeit des Baubestands.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gute Architektur ist keine Frage des Stils, sie ist eine Frage der Haltung. Und zur Haltung gehört, nicht nur die Eröffnung zu denken, sondern das Ende. Ein Gebäude, das nach einer Generation nichts mehr wert ist, war von Anfang an zu wenig gedacht. Dass sich diese Einsicht ausgerechnet über die Klimakrise in die Planungsdebatte zurückarbeitet, ist eine der wenigen produktiven Nebenwirkungen des ökologischen Drucks.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vielleicht ist das der eigentliche Fortschritt: nicht das immer Neue, sondern das entschlossen Bleibende.</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
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			</item>
		<item>
		<title>Das Dazwischen gestalten: Hessens Architekturpreis sucht die Räume des Übergangs</title>
		<link>https://baukunst.art/das-dazwischen-gestalten-hessens-architekturpreis-sucht-die-raeume-des-uebergangs/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Jan 2026 14:41:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturpreis Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Zwischenraum]]></category>
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					<description><![CDATA[Der traditionsreichste Architekturpreis Deutschlands widmet sich 2026 dem Zwischenraum. Hessen sucht Projekte, die Stadt und Land verbinden und den Übergang als Chance begreifen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Auszeichnung vorbildlicher Bauten Hessen 2026: Staatspreis sucht Zwischenräume und Übergangsprojekte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit sieben Jahrzehnten zeichnet das Land Hessen vorbildliche Bauten aus. Was 1954 als regionaler Qualitätswettbewerb begann, hat sich zum renommiertesten Landesarchitekturpreis der Bundesrepublik entwickelt. Die Auslobung 2026 unter dem Motto „Zwischen-Raum-Stadt-Land – Planungen und Projekte des Übergangs“ markiert eine bemerkenswerte Verschiebung: Erstmals rückt das vermeintlich Unbedeutende, das räumliche Dazwischen, ins Zentrum der Aufmerksamkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen und das Hessische Finanzministerium laden bis zum 1. April 2026 Architektinnen und Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitektinnen sowie Stadtplaner ein, ihre Projekte des Übergangs einzureichen. Gesucht werden keine spektakulären Solitäre, sondern Bauten und Räume, die zwischen den Polen vermitteln: zwischen Stadt und Land, zwischen privat und öffentlich, zwischen Nutzung und Möglichkeit.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architekturtheorie als Kompass</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Auszeichnungsverfahren greift auf ein reiches theoretisches Fundament zurück. Die Auslobung nennt drei Schlüsselbegriffe, die im architektonischen Diskurs längst kanonischen Status besitzen: den „Zwischenraum“ nach Aldo van Eyck, die „Raumstadt“ nach Walter Schwagenscheidt und Friedrich Kiesler sowie die „Zwischenstadt“ nach Thomas Sieverts.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Van Eycks Konzept des „space in between“, entwickelt seit den 1950er Jahren im Kontext von Team 10, beschreibt den Schwellenraum als architektonische Kategorie eigenen Rechts. Die Türschwelle, die Eingangssituation, der Übergang vom Haus zur Straße: Diese scheinbar trivialen Momente bestimmen wesentlich, wie Menschen Architektur erleben und sich Räume aneignen. Van Eycks über 700 Spielplätze in Amsterdam demonstrierten, dass gerade die undefinierten Orte zwischen den Häusern enorme soziale Bedeutung entfalten können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sieverts&#8216; Begriff der Zwischenstadt wiederum erweitert den Blick auf die regionale Maßstabsebene. Sein 1997 erschienenes Buch „Zwischenstadt – zwischen Ort und Welt, Raum und Zeit, Stadt und Land“ analysierte jene verstädterten Landschaften und verlandschafteten Städte, die weder der klassischen europäischen Stadt noch dem ländlichen Raum entsprechen. Der ehemalige IBA Emscher Park-Direktor plädierte dafür, diese oft geschmähten Strukturen nicht als Planungsversagen abzutun, sondern als eigenständige Lebensräume mit spezifischen Qualitäten zu begreifen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hessische Übersetzungsarbeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Jury aus internationalen Fachleuten, darunter Architektinnen und Architekten aus Wien, München, Berlin, Dresden und Prag, wird Projekte in drei Kategorien bewerten: Architektur und Innenarchitektur, Freiraum- und Landschaftsplanung sowie Quartiersplanung und Stadtentwicklung. Das zweistufige Verfahren sieht zunächst eine Shortlist vor, deren nominierte Projekte anschließend vor Ort besichtigt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Auslobung konkretisiert das theoretische Programm durch einen bemerkenswert breiten Katalog möglicher Einreichungen. Im Bereich Architektur können das hybride Gebäude multikodierter Nutzung sein, Schwellenräume wie Loggien und Laubengänge, Mobilitäts-Hubs oder temporäre Pop-Up-Installationen. Die Landschaftsarchitektur soll Parks mit hybrider Nutzung, vernetzte Freiräume oder Projekte der produktiven Landschaft beisteuern. Für die Stadtplanung werden Quartierskonzepte der 15-Minuten-Stadt, Nachverdichtungsstrategien oder Stadt-Land-Verknüpfungen gesucht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit als Staatsziel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die thematische Ausrichtung fügt sich nahtlos in die hessische Nachhaltigkeitsstrategie ein. Seit 2018 ist Nachhaltigkeit als Staatsziel in der Landesverfassung verankert, bis 2045 will Hessen klimaneutral werden. Die Bewältigung dieser Transformation erfordert, so die Auslober, „integrierte Lösungen, sektorenübergreifendes Denken und Handeln sowie neue Formen des Zusammenwirkens“.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei zeigt sich eine interessante Verschiebung gegenüber früheren Auslobungen. 2023 suchte der Staatspreis unter dem Motto „Gesellschaft, Stadt und Land vernetzen“ nach Infrastrukturprojekten. 2020 stand Nachhaltigkeit im engeren Sinne im Fokus. Die aktuelle Auslobung abstrahiert stärker: Es geht nicht mehr primär um technische Lösungen für Klimaschutz oder Kreislaufwirtschaft, sondern um räumliche Qualitäten, die erst mittelbar nachhaltige Lebensweisen ermöglichen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Grenzen des Programms</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die theoretische Ambition der Auslobung verdient Respekt, wirft aber auch Fragen auf. Die Berufung auf Aldo van Eyck und Thomas Sieverts suggeriert eine konzeptuelle Stringenz, die sich in der Breite der zugelassenen Projekttypen kaum wiederfindet. Wenn alles vom Pop-Up-Store bis zur regionalen Siedlungsachse als Zwischenraum gelten kann, droht der Begriff seine analytische Schärfe zu verlieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zudem bleibt unklar, wie die Jury jene schwer fassbaren Qualitäten des Zwischenräumlichen bewerten will. Van Eycks Theorie zielte auf subtile phänomenologische Erfahrungen, Sieverts&#8216; Analyse auf regional-morphologische Strukturen. Beide Perspektiven in einem Bewertungsverfahren zusammenzuführen, das auch noch konventionelle Kategorien wie Innenarchitektur und Landschaftsplanung bedienen muss, erscheint als erhebliche kuratorische Herausforderung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Eine hessische Eigenart</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dennoch markiert die Auslobung einen bemerkenswerten Schritt. Während die bundesdeutsche Architekturdebatte sich häufig an spektakulären Einzelbauten oder technischen Innovationen orientiert, lenkt Hessen den Blick auf das Unspektakuläre: die Lücke, den Übergang, das Dazwischen. Das entspricht durchaus einer regionalen Tradition. Hessen verfügt mit seinen Mittelgebirgslandschaften, den polyzentrischen Siedlungsstrukturen des Rhein-Main-Gebiets und den ländlich geprägten Peripherien über jene hybriden Raumtypen, die Sieverts als Zwischenstadt beschrieben hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Preisverleihung im Oktober 2026 wird zeigen, ob die theoretisch anspruchsvolle Auslobung auch überzeugende gebaute Beispiele findet. Die bisherigen Preisträger des Staatspreises lassen hoffen: Von der Mensa in Darmstadt bis zur Obdachlosenübernachtungsstätte in Frankfurt hat Hessen in den vergangenen Jahren bewiesen, dass baukulturelle Qualität und soziale Verantwortung keine Gegensätze sein müssen. Das Dazwischen zu gestalten könnte der nächste logische Schritt sein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Planen ohne Netz: Wie Österreichs Architektinnen und Architekten um ihre Existenz kämpfen</title>
		<link>https://baukunst.art/planen-ohne-netz-wie-oesterreichs-architektinnen-und-architekten-um-ihre-existenz-kaempfen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Nov 2025 10:11:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Architektenkammer]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Gebäuderichtlinie]]></category>
		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Stellplatzverordnung]]></category>
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					<description><![CDATA[Wiener Stellplatzdebatte und EU-Vorgaben: Wie die Architekturpolitik zwischen Klimazielen, Bürokratieabbau und Honorarfragen laviert – und wer dabei auf der Strecke bleibt]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Berufspolitische Weichenstellungen: Zwischen Stellplatzstreit, EU-Richtlinien und Honorarunsicherheit</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wien, November 2025</strong> – Die berufspolitische Landschaft für Architektinnen und Architekten in Österreich ist derzeit von drei zentralen Spannungsfeldern geprägt: der Reform der Stellplatzverpflichtung in Wien, der Umsetzung ambitionierter EU-Klimavorgaben und der anhaltenden Unsicherheit um Honorarregelungen. Während die Wiener Bauordnungsnovelle 2023 Bauträgern Erleichterungen bei der Stellplatzpflicht verspricht, um bezahlbaren Wohnraum zu fördern, warnen Expertinnen und Experten vor den Folgen für Verkehrswende und Stadtqualität. Gleichzeitig zwingt die neue EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) die Branche zu radikalen Sanierungszielen – doch die Umsetzung stockt. Und während in Deutschland die HOAI-Novelle 2025 auf Nachhaltigkeit und Digitalisierung setzt, fehlt in Österreich ein vergleichbares verbindliches Regelwerk. Die Frage lautet: Wie kann die Architekturpolitik diese Herausforderungen meistern, ohne die Planungsqualität zu opfern?</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">1. Wiener Stellplatzdebatte: Weniger Parkplätze, mehr Konflikte</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die jüngste Novelle der Wiener Bauordnung reduziert die Verpflichtung zur Schaffung von Kfz-Stellplätzen bei Neubauten. Statt wie bisher pro 100 m² Wohnnutzfläche einen Stellplatz vorzusehen, gilt nun ein flexibleres Zonenmodell, das sich an der Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln orientiert. Bauträger begrüßen die Entlastung, da Stellplätze bis zu 30.000 Euro pro Einheit kosten und die Baukosten treiben. Doch die Architektenkammer und Verkehrsexpertinnen kritisieren, dass die Lockerung ohne flankierende Maßnahmen zur Verkehrswende kommt. „Weniger Stellplätze allein führen nicht automatisch zu weniger Autos“, gibt Robert Jansche vom Österreichischen Institut für Bautechnik (OIB) zu bedenken. Die Gefahr: Statt klimafreundlicher Mobilität droht eine Zunahme des Parkdrucks im öffentlichen Raum – auf Kosten von Grünflächen und Aufenthaltsqualität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kritikpunkte:</strong></p>
<ul class="ak-ul" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="bulletList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fehlende Alternativen:</strong> Ohne massiven Ausbau von Radinfrastruktur und ÖV-Anbindungen könnte die Reform zu mehr Wildparkern führen.</p>
</li>
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Soziale Ungleichheit:</strong> Geringverdienerinnen und Geringverdiener in Randbezirken sind auf das Auto angewiesen, während Innenstadtbewohnerinnen und -bewohner von der Regelung profitieren.</p>
</li>
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Planungsunsicherheit:</strong> Kommunen und Planerinnen fordern klare Vorgaben, wie frei werdende Flächen sinnvoll genutzt werden können – etwa für Gemeinschaftsgärten oder Sozialwohnungen.</p>
</li>
</ul>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wiener Architektenkammer pocht darauf, die Stellplatzreduktion mit verbindlichen Mobilitätskonzepten zu verknüpfen. Bisher fehlt jedoch ein entsprechender Rechtsrahmen.</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">2. EU-Gebäuderichtlinie: Sanierungszwang ohne Plan</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ab 2026 müssen alle EU-Mitgliedsstaaten die verschärfte Gebäuderichtlinie (EPBD) umsetzen. Für Österreich bedeutet das: Bis 2030 müssen 3 % des Gebäudebestands jährlich saniert werden, um die Klimaziele zu erreichen. Die OIB-Richtlinien werden derzeit überarbeitet, doch die Branche warnt vor überstürzten Lösungen. „Die Ziele sind ehrgeizig, aber ohne ausreichende Förderung und Fachkräfte wird die Umsetzung scheitern“, betont Peter Maydl von der Kammer der Ziviltechnikerinnen und Ziviltechniker. Besonders problematisch: Die Richtlinie sieht vor, dass ab 2025 alle Energieausweise auf einer harmonisierten Skala (A bis G) beruhen müssen – doch viele Bundesländer hinken bei der Umsetzung hinterher.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Herausforderungen:</strong></p>
<ul class="ak-ul" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="bulletList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fachkräftemangel:</strong> Bereits jetzt fehlen qualifizierte Planerinnen und Handwerker für die anstehende Sanierungswelle.</p>
</li>
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kostenexplosion:</strong> Ohne staatliche Subventionen sind viele Eigentümerinnen und Eigentümer überfordert.</p>
</li>
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Bürokratie:</strong> Die neuen Vorgaben erfordern komplexe Nachweise, die kleine Büros überlasten.</p>
</li>
</ul>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundesarchitektenkammer Deutschland zeigt in einem Positionspapier, wie Sanierungen sozialverträglich gestaltet werden können – etwa durch gestaffelte Fristen und niedrigschwellige Beratungsangebote. In Österreich sucht man vergleichbare Konzepte bisher vergeblich.</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">3. Honorarordnung: Freier Fall ohne Netz</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während in Deutschland die HOAI 2025 aktuell novelliert wird, um Nachhaltigkeit und Digitalisierung (BIM) stärker zu verankern, gibt es in Österreich keine verbindlichen Honorarregeln mehr. Die Folge: Ein Preiswettbewerb, der vor allem kleine Büros unter Druck setzt. „Ohne Mindesthonorare droht eine Abwärtsspirale bei der Planungsqualität“, warnt eine Sprecherin des Ausschusses der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten (AHO). In Deutschland sollen die neuen Leistungsbilder der HOAI 2025 zumindest als Orientierungshilfe dienen – in Österreich fehlt selbst das. Hier setzen viele Büros auf freiwillige Leitfäden, doch diese bieten keine Rechtssicherheit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Forderungen der Branche:</strong></p>
<ul class="ak-ul" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="bulletList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Verbindliche Honorarempfehlungen</strong> für öffentliche Aufträge, um Dumpingpreise zu verhindern.</p>
</li>
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Anpassung der Leistungsphasen</strong> an die Anforderungen von BIM und Kreislaufwirtschaft.</p>
</li>
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Mehr Planungssicherheit</strong> durch klare Vergütungsregeln für Umbauten und Sanierungen.</p>
</li>
</ul>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">4. Lobbyarbeit und Kammerpolitik: Wer spricht für die Architekturschaffenden?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die berufspolitische Interessenvertretung steht vor einem Dilemma: Einerseits muss sie die Belange der Mitglieder – von Einzelkämpferinnen bis zu Großbüros – unter einen Hut bringen. Andererseits gilt es, in Brüssel und Wien Gehör zu finden. Die Bayerische Architektenkammer zeigt, wie es gehen kann: Mit gezielten Positionspapieren und Bündnissen mit Ingenieurverbänden gelingt es, Einfluss auf die EU-Gesetzgebung zu nehmen. In Österreich agieren die Kammern dagegen oft isoliert. „Hier braucht es mehr Zusammenarbeit, um gemeinsam Standards zu setzen“, fordert Stefan Wagmeister von Austrian Standards.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Erfolgsbeispiele aus Deutschland:</strong></p>
<ul class="ak-ul" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="bulletList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Gebäudetyp E:</strong> Ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren für standardisierte Neubauten, das Bürokratie abbauen soll.</p>
</li>
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Digitalisierungsoffensive:</strong> Die BAK hat eine Taskforce eingerichtet, um BIM in der Lehre und Praxis zu verankern.</p>
</li>
</ul>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die aktuellen Entwicklungen zeigen: Die Architekturpolitik steht an einem Scheideweg. Einerseits bieten die Stellplatzreform und die EU-Richtlinien Chancen für mehr Klimaschutz und bezahlbares Wohnen. Andererseits drohen ohne klare Regulierung und ausreichende Ressourcen Qualitätsverluste und soziale Verwerfungen. Die Kammern sind gefordert, ihre Rolle als Mittler zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu stärken – und endlich gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. Sonst bleibt die Branche zwischen Klimazielen, Kostendruck und Bürokratie auf der Strecke.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Gratwanderung der Seele</title>
		<link>https://baukunst.art/die-gratwanderung-der-seele/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Oct 2025 17:17:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Editorial]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturethik]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing-Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Transformation]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13789</guid>

					<description><![CDATA[Ein Editorial über die Balance zwischen künstlerischem Anspruch und ethischer Verantwortung in der zeitgenössischen Architektur]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Gratwanderung der Seele: Über Eitelkeit, Verantwortung und wahre Baukunst</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Liebe Kollegin, lieber Kollege,</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">es gibt in unserem Beruf einen Moment der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wahrheit</strong>, den ich immer wieder erlebe: wenn die Zeichnungen fertig sind, die Modelle glänzen und alle <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kompromisse</strong> hinter uns liegen – dann zeigt sich, wer wir wirklich sind. Nicht als Künstler, nicht als Unternehmer, sondern als Menschen, die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Verantwortung</strong> für die Gestaltung von Raum tragen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Editorial dieser Ausgabe wirft diese Frage auf mit einer Klarheit, die sich nur aus jahrzehntelanger Praxis ergibt: Sind wir unserer eigenen Anschauung verpflichtet – oder sind wir es einer Vielzahl von Dingen, darunter auch unserem Ego?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Spannung zwischen Kunst und Kommerz wird oft missverstanden. Sie ist nicht das Problem. Das Problem beginnt, wenn wir diese Spannung nicht mehr als Spannung anerkennen, sondern sie durch narrative Beschönigung aufzulösen versuchen. Wenn wir behaupten, dass ein <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Instagram</strong>-Denkmal in den Bergen gleichzeitig respektvolle Landschaftsinterpretation sei. Wenn wir mit einem <a href="https://baukunst.art/die-arc-de-trump-und-die-erosion-demokratischer-architekturkultur/" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">goldenen Triumphbogen in Washington</strong></a> behaupten, wir würden Freiheit feiern, während wir in <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wahrheit</strong> Macht materialisieren. Wenn wir <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Spektakel</strong> mit Innovation verwechseln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die sechs Artikel dieser Ausgabe erzählen diese Geschichte in präziser Form: Auf der einen Seite stehen die Projekte, die sich selbst in den Mittelpunkt stellen. Das <a href="https://baukunst.art/das-instagram-denkmal-in-den-bergen-wenn-architektur-zur-reklame-wird/" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">»Hub of Huts«, die Vertical Chalets,</strong></a> der geplante Ballsaal im Weißen Haus – sie alle legitimieren sich durch Visionen, die bei näherer Betrachtung wenig mit dem zu tun haben, was sie behaupten. Sie sind nicht skandalös, weil sie existieren. Sie sind skandalös, weil die architektonische Kritik – unsere Kritik – so zahm geworden ist, dass sie die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Hybris</strong> nicht mehr benennt, wenn sie ihr ins Gesicht schaut.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein besonders prägnantes Beispiel ist das Savarin-Projekt in Prag von Thomas <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Heatherwick</strong>. Der britische Star-Designer, der sich mit dem Manifest »<strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Humanize</strong>« gegen seelenlose Architektur stark macht, liefert genau das: Eine glitzernde Shopping-Mall mit geschwungenen Balkonen und Pflanzenarrangements, die wie die generische Lobby eines Flughafenhotels wirkt. Die obsessive Wiederholung des Treppen-Motivs – jenes Konzept, das bereits beim gescheiterten »Vessel« in New York zu mehreren Suiziden führte – wird hier recycelt und zerschnitten wie architektonische Landminen über den Prager Stadtblock verteilt. Die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Marketing-Rhetorik</strong> von »Humanisierung« prallte hier auf die bittere Realität: Was als menschenfreundliche Geste intendiert ist, wird zur Karikatur seiner selbst. Die historische Schönheit Prags wird durch einen architektonischen Eindringling kontaminiert, der mit seiner <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eitelkeit</strong> nicht rechnen kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist nicht <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Demut</strong>. Das ist die Perversion von <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Demut</strong>. Das ist <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Heatherwick</strong>, der sich selbst widerspricht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf der anderen Seite stehen ganz andere Arbeiten.<a href="https://baukunst.art/mit-leiser-hand-die-frick-collection-als-lehrstueck-moderner-denkmalpflege/" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link"> <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Frick Collection,</strong></a> saniert mit leiser Hand von Annabelle Selldorf, die es verstand, die Zeit weiterzuschreiben, ohne die Geschichte zu zerstören. <a href="https://baukunst.art/goldener-loewe-fuer-amerikanische-visionaere-architektur-als-umweltexperiment/" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das Canal Café von Diller Scofidio + Renfro</strong></a><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">,</strong> das Ricardo Scofidios Vermächtnis krönt – ein Projekt, das nicht nur schön ist, sondern das sagt: Architektur kann Teil der Lösung sein. Es kann Wasser reinigen, es kann Bewusstsein wecken, es kann Hoffnung vermitteln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Und dann ist da das Papier-Museum in Dänemark von der Bjarke Ingels Group: Ein ehemaliger Aldi-Supermarkt wird transformiert in ein führendes <a href="https://baukunst.art/die-papier-revolution-wie-ein-discounter-zum-kunsttempel-wird/" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Museum für Papierkunst Skandinaviens.</strong></a> Das Genie des Projekts liegt in seiner Einfachheit: »Ein einzelnes Blatt Papier, das sich über den Bestand legt« – so beschreibt BIG-Partner David Zahle das Konzept. Keine <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Marketing-Rhetorik</strong>, keine obsessiven Wiederholungen, keine <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eitelkeit</strong>. Nur eine vereinende Geste. Die Dachkonstruktion ist inspiriert von der Origami-Kunst, die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachhaltigkeit</strong> wird ernst genommen (DGNB-Gold oder Platin angestrebt), und der Raum wird für echte Kultur genutzt. Das ist <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Transformation</strong> durch <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Reduktion</strong>. Das ist echte Architektur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Unterschied liegt nicht in der Größe der Projekte. Der Unterschied liegt in der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Haltung</strong> – und der Ehrlichkeit dieser <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Haltung</strong>.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ich kenne diese <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Alleskönner</strong>, die das Spagat vollbringen. Sie sind in deutschen Büros tätig, in österreichischen, in der Schweiz, in Dänemark. Sie navigieren zwischen künstlerischem Anspruch und wirtschaftlicher Realität, zwischen <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachhaltigkeit</strong> und Gestaltung, zwischen ihrem Ego und ihrer Ethik. Sie tun dies, indem sie eine fundamentale Entscheidung treffen: Sie akzeptieren, dass nicht sie im Zentrum stehen, sondern die Aufgabe. Der Mensch, der Raum, die Gesellschaft, in die das Gebäude eingebettet ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es gibt aber auch Kolleginnen und Kollegen, die diesen Kampf verloren haben oder nie führen wollten. Sie haben sich einer bestechenden Einfachheit ergeben: dem Design von Bildern statt von Räumen. Der Erzeugung von Aufmerksamkeit statt von Qualität. Sie sind nicht böse. Sie sind nur verzweifelt danach, gehört zu werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Macht der Architektur ist größer als je zuvor – doch mit dieser Macht wächst auch die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Verantwortung</strong>. Wenn ein Triumphbogen nichts anderes ist als ein Ego-Monument, wird er zum Symbol einer Zivilisation, die ihre <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">ethisch</strong>en Grundlagen verloren hat. Wenn die Alpen zu <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Instagram</strong>-Inszenierungen werden, wird Schönheit zur Ware. Wenn <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachhaltigkeit</strong>sversprechen nur Greenwashing sind, wenn <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Marketing-Rhetorik</strong> sich als Philosophie tarnt, dann betrügen wir nicht nur die Umwelt, sondern auch uns selbst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was ist dann zu tun? Zuerst: Wir müssen wieder lernen, <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kompromisse</strong> zu benennen. Nicht zu beschönigen. Eine Wärmepumpe auf dem Dach eines Hotels, das eine Berglandschaft zerstört, ist nicht nachhaltig – es ist <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">grüngewaschen</strong>. Ein Triumphbogen, der »Unabhängigkeit« feiert, während seine Finanzierung durch nicht-transparente Spender erfolgt, ist nicht demokratische Architektur – es ist <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">autoritäre Ästhetik</strong>. Geschwungene Treppen und Pflanzkübel in Prag sind nicht »Humanisierung« – sie sind Marketing. Wir, die Architektinnen und Architekten, müssen diese Unterschiede wieder sehen lernen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zweitens: Wir müssen die Projekte stärken, die die andere Richtung einschlagen. Nicht sie preisen, als ob sie spektakulär wären – sondern sie anerkennen als das, was sie sind: schwieriger, komplexer, demütiger. Die Frick Collection wird keine Meinungsartikel füllen. Das Canal Café wird nicht auf jeder Architekturreise landen. Das Papier-Museum wird nicht von <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Instagram</strong>-Influencern überrannt. Aber sie werden richtig wirken, und diese Wirkung hält länger als Likes und Renderings.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drittens – und das ist für mich persönlich das Wichtigste – müssen wir unseren jungen Kolleginnen und Kollegen zeigen, dass es einen anderen Weg gibt. Dass man Architektin oder Architekt sein kann und nicht täglich wählen muss zwischen <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Integrität</strong> und Erfolg. Dass die echten <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Alleskönner</strong> genau diejenigen sind, die diesen Dualismus überwindet – nicht durch Narrative, nicht durch <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Marketing-Rhetorik</strong>, sondern durch authentische <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Haltung</strong>.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Gratwanderung</strong> ist real. Aber die Ansicht, dass es eine Mittellinie gibt zwischen Wahrem und Falschem, zwischen <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eitelkeit</strong> und <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Demut</strong> – diese Ansicht ist eine Illusion. Man kann nicht ein bisschen <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">moralisch</strong> sein. Man kann nicht behaupten, Architektur zu »humanisieren«, während man eine Stadt kolonisiert. Entweder man akzeptiert, dass Architektur eine gesellschaftliche <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Verantwortung</strong> hat, oder man tut es nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In einer Zeit, da die Welt umgestellt werden muss auf <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachhaltigkeit</strong>, da die Klimakrise nicht mehr abstrakt ist, da die Polarisierung der Gesellschaft auch in unseren Gebäuden sich abbildet – in dieser Zeit brauchen wir nicht mehr spektakuläre Architektur. Wir brauchen <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">wahre Architektur</strong>. Architektur, die nicht prahlt, sondern dient. Die nicht trennt, sondern verbindet. Die nicht dominiert, sondern integriert. Architektur, die einen alten Supermarkt mit der gleichen Würde behandelt wie einen historischen Stadtkern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ich wähle diesen Weg. Und ich hoffe, dass viele von uns das tun.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Herzlichst Ihr</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stuart Stadler</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Graue Energie statt Abrissbirne – Warum Sanierung die bessere Revolution ist</title>
		<link>https://baukunst.art/graue-energie-statt-abrissbirne-warum-sanierung-die-bessere-revolution-ist/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Jul 2025 12:36:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalsanierung]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Universitätsbau]]></category>
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					<description><![CDATA[Hannovers Marstall wurde zum Uni-Lesesaal: Ein Meisterstück nachhaltiger Denkmalsanierung, das zeigt, wie historische Räume modern genutzt werden können.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Wenn Pferde zu Büchern werden: Die Transformation des Marstalls der Leibniz Universität Hannover</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Hannovers Nordstadt, wo einst die Pferde der Welfenkönige ihre Hufe auf das Kopfsteinpflaster setzten, blättern heute Studierende in jahrhundertealten Folianten. Die denkmalgerechte Sanierung des Marstallgebäudes der Leibniz Universität Hannover zeigt exemplarisch, wie historische Bausubstanz mit zeitgemäßer Nutzung in Einklang gebracht werden kann – ohne die Seele des Ortes zu verlieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom königlichen Marstall zum akademischen Refugium</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das 1867 errichtete Marstallgebäude am Welfengarten gehört zu jenen Bauten, die Hannovers bewegte Geschichte zwischen Königreich und Moderne verkörpern. Als Teil des ehemaligen Welfenschlosses – heute Hauptgebäude der Leibniz Universität – diente der langgestreckte Backsteinbau über ein Jahrhundert der Unterbringung königlicher und später universitärer Pferde. Die klassizistische Fassade mit ihren charakteristischen Rundbogenfenstern und der rhythmischen Gliederung prägt bis heute das Ensemble am Welfengarten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Transformation vom Pferdestall zum Lesesaal markiert nicht nur einen Funktionswandel, sondern auch einen Paradigmenwechsel im Umgang mit historischer Bausubstanz in Niedersachsen. Während vergleichbare Projekte in anderen Bundesländern oft zu Gunsten maximaler Flächenausnutzung auf historische Raumstrukturen verzichten, zeigt das hannoversche Beispiel einen sensibleren Weg.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Denkmalschutz trifft digitale Moderne</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Herausforderung bei der Sanierung lag in der Quadratur des Kreises: Wie lässt sich ein Gebäude des 19. Jahrhunderts in einen modernen Universitätslesesaal verwandeln, ohne seine denkmalgeschützte Substanz zu kompromittieren? Das Planungsteam um die hannoverschen Architekten entwickelte ein Konzept, das auf drei Säulen ruht: Reversibilität, Sichtbarkeit und Funktionalität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die originale Raumstruktur mit ihren charakteristischen Kreuzgratgewölben blieb vollständig erhalten. Neue Einbauten wurden als erkennbar zeitgenössische Elemente konzipiert, die sich reversibel in den Bestand einfügen. Stahlkonstruktionen in anthrazitgrauer Pulverbeschichtung nehmen die Bücherregale und Arbeitstische auf, ohne die historischen Wände zu berühren. Diese &#8222;Möblierung im Großmaßstab&#8220; ermöglicht es, den Raum bei Bedarf wieder in seinen Ursprungszustand zurückzuversetzen – ein Ansatz, der in der niedersächsischen Denkmalpflege zunehmend Schule macht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Technische Innovation im historischen Gewand</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Integration moderner Haustechnik stellte die Planerinnen und Planer vor besondere Herausforderungen. Die niedersächsische Denkmalschutzbehörde forderte zu Recht minimale Eingriffe in die historische Substanz. Die Lösung: Ein innovatives Klimakonzept, das die thermische Masse des Mauerwerks nutzt und mit einer Bauteilaktivierung kombiniert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Über reversible Bodenkanäle wird die Frischluft zugeführt, während die Abluft über die historischen Fensteröffnungen abgeführt wird – ein System, das ohne sichtbare Lüftungskanäle auskommt. Die LED-Beleuchtung wurde in die neuen Stahlkonstruktionen integriert und ergänzt das natürliche Licht, das durch die sorgfältig restaurierten Fenster fällt. Diese technische Zurückhaltung entspricht dem Geist des Ortes: Die Technik dient, dominiert aber nicht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Raumgestaltung zwischen Tradition und Moderne</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Innenraumgestaltung folgt einem klaren Konzept: Die historische Hülle bildet den ruhigen Hintergrund für die moderne Nutzung. Die Farbpalette beschränkt sich auf die natürlichen Töne des Backsteins, das Anthrazit der Stahlkonstruktionen und das warme Holz der Arbeitsflächen. Diese Reduktion schafft eine kontemplative Atmosphäre, die dem Studium förderlich ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders gelungen ist die Zonierung des langgestreckten Raums. Durch die geschickte Platzierung der Regale entstehen intimere Arbeitsbereiche, ohne die Großzügigkeit des Raums zu zerstören. Die historischen Pferdeboxen wurden teilweise erhalten und dienen nun als abgeschirmte Einzelarbeitsplätze – eine charmante Reminiszenz an die ursprüngliche Nutzung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit als Leitmotiv</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sanierung des Marstalls steht exemplarisch für einen Paradigmenwechsel in der niedersächsischen Baupolitik. Während das Land lange auf Neubau setzte, rückt zunehmend die Ertüchtigung des Bestands in den Fokus. Die graue Energie, die in den massiven Backsteinmauern gespeichert ist, rechtfertigt jeden Aufwand zur Erhaltung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt zeigt, dass Denkmalschutz und Energieeffizienz keine Gegensätze sein müssen. Durch die sorgfältige Innendämmung, die Ertüchtigung der historischen Fenster und das intelligente Haustechnikkonzept erreicht das Gebäude moderne Energiestandards. Die Photovoltaikanlage auf dem Flachdach des rückwärtigen Anbaus – vom Welfengarten aus nicht sichtbar – trägt zur positiven Energiebilanz bei.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Strahlkraft und Modellcharakter</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt hat über Hannover hinaus Beachtung gefunden. Die Architektenkammer Niedersachsen würdigte die Sanierung als beispielhaft für den Umgang mit denkmalgeschützter Bausubstanz. Besonders in Zeiten knapper öffentlicher Kassen zeigt das Projekt, dass qualitätvolle Sanierung nicht teurer sein muss als Abriss und Neubau – wenn sie intelligent geplant wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Region Hannover, die sich als Wissenschaftsstandort positioniert, ist der neue Lesesaal mehr als nur ein funktionaler Raum. Er verkörpert das Selbstverständnis einer Universität, die ihre Geschichte achtet und gleichzeitig in die Zukunft blickt. Die gelungene Verbindung von Denkmalschutz und moderner Nutzung könnte Vorbild für ähnliche Projekte in anderen niedersächsischen Hochschulstädten werden – etwa in Göttingen, Braunschweig oder Oldenburg, wo vergleichbare Herausforderungen warten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lehren für die Zukunft</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Transformation des Marstalls lehrt uns, dass nachhaltige Architektur nicht bei der Energiebilanz endet. Sie umfasst auch den respektvollen Umgang mit baukulturellen Werten und die Fähigkeit, Geschichte weiterzuerzählen. In Zeiten, in denen die Bauwirtschaft für 40 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich ist, wird die Ertüchtigung des Bestands zur moralischen Verpflichtung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das hannoversche Beispiel zeigt: Wenn Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger, Architektinnen und Architekten sowie Bauherren an einem Strang ziehen, entstehen Räume, die mehr sind als die Summe ihrer Teile. Sie werden zu Orten, an denen sich Vergangenheit und Zukunft begegnen – und wo aus Pferdeställen Kathedralen des Wissens werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wenn Architekten träumen: Eine Reise durch Bayerns innovativste Bauten</title>
		<link>https://baukunst.art/wenn-architekten-traeumen-eine-reise-durch-bayerns-innovativste-bauten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Jun 2025 07:57:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Architektouren]]></category>
		<category><![CDATA[bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12695</guid>

					<description><![CDATA[Ende Juni öffnen 197 bayerische Bauprojekte ihre Türen. Die Architektouren 2025 zeigen unter dem Motto "Vielfalt bauen" Rekordwerte bei der Klimakompetenz.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Vielfalt bauen: Bayerns Architektouren 2025 zwischen regionaler Tradition und Klimakompetenz</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ende Juni öffnen sich wieder bayernweit die Türen zu 197 bemerkenswerten Bauwerken. Die Architektouren 2025 der Bayerischen Architektenkammer setzen dabei ein deutliches Zeichen: Unter dem Motto &#8222;Vielfalt bauen&#8220; präsentiert sich am 28. und 29. Juni nicht nur die gestalterische Bandbreite zeitgenössischer Architektur im Freistaat, sondern auch deren klimabewusste Transformation.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Rekordverdächtige Klimakompetenz im Süden</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die diesjährige Bilanz ist bemerkenswert: 120 Prädikate für KlimaKulturKompetenz wurden an 88 Projekte vergeben – ein neuer Höchststand. Diese Zahlen spiegeln eine tiefgreifende Entwicklung wider, die über modische Nachhaltigkeit hinausgeht. Die fünf Bewertungskriterien – Energieeffizienz, Klimaanpassung, Flächensparen, Barrierefreiheit und weitere Nachhaltigkeitsaspekte – haben sich als praktikable Messlatte für zukunftsfähiges Bauen etabliert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Nachhaltigkeit ist zuallererst eine Frage der Haltung&#8220;, betont Ministerpräsident Markus Söder in seinem Grußwort zu den Architektouren. Diese Haltung manifestiert sich in den ausgewählten Projekten auf beeindruckende Weise: Von der kreislaufgerechten Ortskernentwicklung in Niederwerrn bis zum genossenschaftlichen Wohnquartier wagnisWEST in München-Freiham.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Vielfalt jenseits der Metropolen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die geografische Verteilung der 197 Projekte zeichnet ein differenziertes Bild der bayerischen Baukultur. Während München und Nürnberg erwartungsgemäß stark vertreten sind, überrascht die Dichte qualitätvoller Projekte in den ländlichen Regionen. Besonders Oberfranken und Schwaben stechen durch innovative Ansätze im Umgang mit demografischem Wandel hervor.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Naturkinderhaus Binawiese in Bodenkirchen etwa zeigt exemplarisch, wie sich regionale Holzbautraditionen mit zeitgemäßen pädagogischen Konzepten verbinden lassen. Die Freianlagen von Klaus + Salzberger Landschaftsarchitekten schaffen dabei bewusst einen Bezug zur oberbayerischen Kulturlandschaft, ohne in Heimattümelei zu verfallen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bayerische Bauordnung als Innovationstreiber</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein nicht zu unterschätzender Faktor für die hohe Projektqualität liegt in den Besonderheiten der Bayerischen Bauordnung. Die 2021 novellierte BayBO ermöglicht gerade bei kleineren Vorhaben deutlich mehr Gestaltungsspielraum als vergleichbare Landesbauordnungen. Architekt Stefan Schlicht vom Büro Schlicht Lamprecht Kern, der mit dem Niederwerrner Ortskernprojekt bei den Architektouren vertreten ist, bestätigt: &#8222;Die pragmatische Auslegung der Abstandsregeln hat uns ermöglicht, eine echte Verdichtung ohne Verlust an Wohnqualität zu erreichen.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Flexibilität zeigt sich besonders bei Projekten im ländlichen Raum, wo traditionelle Hofstrukturen behutsam weiterentwickelt werden. Die bayerische Planungskultur profitiert dabei von einem gewachsenen Verständnis für regionale Bauweisen, das sich in den vergangenen Jahren zunehmend von nostalgischer Verklärung löst.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Tradition und Transformation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die ausgewählten Projekte demonstrieren eindrucksvoll, wie sich regionale Identität und zeitgemäße Anforderungen verbinden lassen. Das zeigt sich besonders deutlich bei Sanierungsvorhaben, die mittlerweile fast die Hälfte aller eingereichten Projekte ausmachen. Von der behutsamen Modernisierung oberbayerischer Bauernhöfe bis zur radikalen Transformation ehemaliger Industriebauten – die Bandbreite nachhaltiger Bestandsentwicklung wird bayernweit sichtbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei entstehen durchaus regionale Unterschiede in der Herangehensweise: Während in Oberbayern oft die Integration in gewachsene Strukturen im Vordergrund steht, setzen fränkische Projekte verstärkt auf mutige Kontrastierungen. Diese Vielfalt der Ansätze macht die Architektouren zu einem lebendigen Diskussionsforum über angemessene Planungsstrategien.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Klimaanpassung als regionale Herausforderung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die verschiedenen Klimazonen Bayerns spiegeln sich deutlich in den prämierten Projekten wider. Während alpine Projekte zunehmend auf extreme Wetterereignisse reagieren müssen, stehen in den Flusstälern der Donau und des Mains Hochwasserschutz und Überhitzung im Fokus. Das wagnisWEST-Projekt in München-Freiham etwa entwickelt innovative Lösungen für urbane Hitzeinseln, die sich auf andere Ballungsräume übertragen lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders bemerkenswert ist die wachsende Sensibilität für regionale Materialkreisläufe. Immer mehr Projekte setzen auf lokale Rohstoffe und kurze Transportwege. Der bayerische Wald liefert dabei nicht nur Holz für traditionelle Blockbauweise, sondern auch innovative Holzverbundstoffe für urbane Hochbauprojekte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Neue Planungskultur zwischen Stadt und Land</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Qualität der diesjährigen Projekte zeigt, dass sich in Bayern eine neue Planungskultur etabliert hat, die weder romantische Verklärung noch gedankenlose Modernisierung betreibt. Stattdessen entstehen Lösungen, die regionalen Eigenarten ernst nehmen, ohne dabei zeitgemäße Anforderungen zu vernachlässigen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Entwicklung wird auch durch die verstärkte Zusammenarbeit zwischen den bayerischen Hochschulen und der Praxis gefördert. Die TU München, die Hochschule Coburg und die OTH Regensburg haben ihre Forschungsschwerpunkte zunehmend auf regionale Herausforderungen ausgerichtet. Das zeigt sich in praxisnahen Projekten, die oft den Grundstein für spätere Baurealisierungen legen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gesellschaftlicher Dialog auf Augenhöhe</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Fragen des Planens und Bauens gehören in die Mitte der Gesellschaft&#8220;, formuliert Präsidentin Prof. Lydia Haack das Selbstverständnis der Bayerischen Architektenkammer. Die Architektouren sind mehr als eine Leistungsschau – sie sind Gelegenheit zum direkten Austausch zwischen Planenden, Bauherren und Nutzern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dieser Dialog findet auf Augenhöhe statt, fernab von Expertenjargon und Fachsimpelei. Die teilnehmenden Architektinnen und Architekten verstehen sich als Vermittler zwischen technischen Möglichkeiten und gesellschaftlichen Bedürfnissen. Dabei entstehen oft überraschende Erkenntnisse über die Akzeptanz und Nutzung innovativer Baukonzepte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zukunftsperspektiven regionaler Baukultur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die hohe Qualität der diesjährigen Architektouren-Projekte macht deutlich: Bayern hat sich als Labor für nachhaltiges Bauen etabliert, ohne dabei seine regionalen Wurzeln zu verleugnen. Die Kombination aus pragmatischer Planungskultur, innovativen Förderprogrammen und aufgeschlossener Bauherrschaft schafft ideale Bedingungen für zukunftsfähige Architektur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig zeigen die Projekte, dass die oft beschworene Dichotomie zwischen Stadt und Land zunehmend an Relevanz verliert. Innovative Ansätze entstehen mittlerweile gleichermaßen in Metropolregionen und in der Provinz – oft sogar mit erstaunlichen Synergien zwischen beiden Welten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><a href="https://www.byak.de/planen-und-bauen/architektur-baukultur/architektouren.html" target="_blank" rel="noopener">Die Architektouren 2025</a> dokumentieren so nicht nur den aktuellen Stand bayerischer Baukultur, sondern auch deren Entwicklungspotenzial. &#8222;Vielfalt bauen&#8220; meint eben nicht beliebige Gestaltung, sondern die bewusste Auseinandersetzung mit regionalen Besonderheiten bei gleichzeitig globalem Verantwortungsbewusstsein. Diese Balance zu halten, ist die eigentliche Kunst zeitgenössischer Architektur – und sie gelingt in Bayern zunehmend überzeugend.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Geheimakte Galeria: Wie Hessen aus Kaufhaus-Ruinen Goldgruben macht</title>
		<link>https://baukunst.art/geheimakte-galeria-wie-hessen-aus-kaufhaus-ruinen-goldgruben-macht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Jun 2025 09:11:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[umnutzung]]></category>
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					<description><![CDATA[Hessen verwandelt leerstehende Kaufhäuser in lebendige Stadtquartiere. Erfolgsrezept: regionale Kompetenz, Landesförderung und innovative Mischnutzungskonzepte als Blaupause.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Von der Kaufhalle zum Kaiserforum: Hessens clevere Umnutzungsstrategien zwischen Tradition und Transformation</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zeiten, in denen leerstehende Kaufhäuser das Stadtbild prägen, gehören in Hessen zunehmend der Vergangenheit an. Was einst schmerzliche Wunden im urbanen Gefüge hinterließ, entwickelt sich zur Chance für innovative Stadtentwicklung. Das Land zwischen Rhein und Weser wird zum Versuchslabor für durchdachte Umnutzungskonzepte, die weit über einfache Renovierungen hinausgehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Frankfurt am Main nimmt das Thema bereits konkrete Formen an: Der ehemalige Galeria Kaufhof wird zu einem multifunktionalen &#8222;Third Place&#8220; umgestaltet – einem Ort, der Arbeiten, Wohnen und soziale Begegnungen vereint. Rund 25 Millionen Euro fließen in dieses Vorzeigeprojekt, das 16 Vollgeschosse auf etwa 10.500 Quadratmetern Verkaufsfläche umfasst. Der Clou: Das Konzept setzt nicht auf vollständigen Abriss, sondern auf intelligente Transformation bestehender Strukturen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Friedberg: Vom Kaufhaus zur Stadtmitte der Zukunft</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders anschaulich wird die hessische Umnutzungsphilosophie in Friedberg. Das seit acht Jahren leerstehende Kaufhaus Joh am Elvis-Presley-Platz erlebt gerade seine Wiedergeburt als &#8222;Kaiserforum&#8220;. Die Werkmann-Gruppe aus Dietzenbach investiert 23 Millionen Euro in eine Neugestaltung, die zeigt, wie regionale Akteure und lokale Expertise zusammenwirken können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Wir hoffen auf ein kurzes Verfahren&#8220;, erklärt Geschäftsführer Uwe Werkmann das ehrgeizige Zeitfenster. Der Bebauungsplan des Friedberger Architekturbüros BFLP sieht eine radikale Öffnung des massigen Gebäudes vor: Zwei Innenhöfe mit Bänken und Begrünung durchbrechen die geschlossene Struktur. Im Untergeschoss entstehen 42 Tiefgaragenstellplätze plus acht oberirdische Parkplätze – eine pragmatische Antwort auf die Mobilitätsbedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Erdgeschoss bleibt öffentlich zugänglich und bietet 1200 Quadratmeter für einen Lebensmittelmarkt. In den oberen Stockwerken entstehen Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen, gekrönt von einem Dachcafé mit Blick auf Stadtkirche und Vogelsberg. Diese Mischung aus Nahversorgung, Wohnen und Gastronomie entspricht exakt den Anforderungen moderner Stadtentwicklung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hessische Förderkultur: Vom Land bis zur Kommune</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die erfolgreichen Umnutzungsprojekte in Hessen sind kein Zufall, sondern Ergebnis einer durchdachten Förderstrategie. Das Landesprogramm &#8222;Zukunft Innenstadt&#8220; stellt allein für von Galeria-Schließungen betroffene Städte drei Millionen Euro bereit. Frankfurt, Offenbach, Wiesbaden, Darmstadt und Hanau können damit individuelle Konzepte für ihre raumprägenden Immobilien entwickeln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Darüber hinaus unterstützt das Land mit der kommunalen Klimarichtlinie gezielt nachhaltige Umnutzungen. Mitgliedskommunen des Bündnisses &#8222;Hessen aktiv: Die Klima-Kommunen&#8220; erhalten dabei Förderquoten von bis zu 90 Prozent für investive Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen. Für andere Kommunen liegt der Fördersatz bei 70 Prozent, mit maximalen Förderbeträgen von 250.000 Euro für Kommunen und 200.000 Euro für kommunale Unternehmen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Baurecht als Innovationstreiber und Hemmschuh</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Hessische Bauordnung (HBO) erweist sich bei Umnutzungen als zweischneidiges Schwert. Während sie durch das vereinfachte Baugenehmigungsverfahren nach § 65 HBO Planungssicherheit schafft, können komplexe Genehmigungsverfahren innovative Konzepte auch ausbremsen. Besonders bei Nutzungsänderungen von Gewerbe zu Wohnen entstehen oft unerwartete Hürden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Frankfurt zeigt die Bauaufsicht pragmatische Lösungsansätze: Unter bestimmten Voraussetzungen ermöglicht eine Genehmigungsfreistellung nach § 64 HBO schnelle Umsetzungen ohne zusätzliche Gebühren. Bauherrinnen und Bauherren können mit dem Bau beginnen, wenn sie innerhalb eines Monats keine gegenteilige Erklärung erhalten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Denkmalschutz und Energieeffizienz</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hessens Umnutzungsprojekte müssen oft den Spagat zwischen historischer Bausubstanz und modernen Energiestandards meistern. Die regionalen Förderprogramme unterstützen dabei gezielt die Verbindung von Denkmalschutz und Klimaschutz. Besonders die Städtebauförderprogramme &#8222;Stadtumbau in Hessen&#8220; und &#8222;Städtebaulicher Denkmalschutz&#8220; ermöglichen es, historische Gebäude behutsam zu transformieren, ohne ihre Identität zu verlieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die TU Darmstadt hat in einer Studie die Wohnraumpotentiale bei Büro- und Geschäftshäusern untersucht und dabei auch hessische Beispiele aus Kassel und Frankfurt analysiert. Die Erkenntnisse zeigen: In der Vermeidung zusätzlicher Flächenversiegelung und der Nutzung vorhandener Infrastruktur liegen erhebliche Potentiale für nachhaltige Stadtentwicklung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Netzwerke als Erfolgsfaktor</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was die hessischen Umnutzungsprojekte besonders auszeichnet, ist die enge Verzahnung regionaler Akteure. Die Werkmann-Gruppe in Friedberg etwa ist bereits mit anderen Projekten in der Stadt präsent und kennt die lokalen Gegebenheiten. Das Architekturbüro BFLP stammt ebenfalls aus Friedberg – ein Beispiel für die Wertschöpfung vor Ort.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese regionale Verankerung zeigt sich auch in der Zwischennutzung: Während das Kaiserforum-Projekt voranschreitet, ermöglicht die Werkmann-Gruppe lokalen Vereinen, Künstlern und Institutionen die temporäre Gestaltung der Schaufensterfront. &#8222;Wir geben Friedberger Einrichtungen die Möglichkeit, sich in zentraler Lage zu präsentieren&#8220;, erklärt Uwe Werkmann das Konzept.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Herausforderungen bei komplexen Eigentumsverhältnissen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht alle Umnutzungsprojekte verlaufen so reibungslos wie in Friedberg. Die Geschichte des Kaufhauses Joh zeigt exemplarisch die Komplexität solcher Vorhaben: Nach der Schließung 2013 wechselte das Gebäude mehrmals den Besitzer. Die Edinburgh House-Gruppe und später die 3V Invest aus München konnten trotz verschiedener Konzepte keine nachhaltige Lösung entwickeln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Erst der Verkauf an die regionale Werkmann-Gruppe brachte den Durchbruch – ein Indiz dafür, dass ortsansässige Entwickler oft bessere Lösungen finden als überregionale Investoren. &#8222;Ich könnte Erdgeschoss und ersten Stock 50 Mal vermieten&#8220;, berichtet ein Projektverantwortlicher über das Interesse potentieller Mieter.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Klimaanpassung als Gestaltungschance</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neuen Umnutzungskonzepte in Hessen integrieren systematisch Aspekte der Klimaanpassung. Die geplanten Innenhöfe im Friedberger Kaiserforum mit Begrünung und Sitzgelegenheiten sind mehr als nur architektonische Gesten – sie schaffen Mikroklimata und Aufenthaltsqualität in verdichteten Stadtstrukturen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Land Hessen fördert solche Maßnahmen gezielt über Programme zur Haus- und Hofbegrünung. Kommunen können Zuschüsse für Dach- und Fassadenbegrünung sowie Entsiegelung beantragen, besonders in Stadtteilen mit mikroklimatischer Belastung. Die Förderung erfolgt über kommunale Programme, die auf Rahmenvorgaben des Landes basieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zukunftsperspektiven: Vom Einzelprojekt zum Systemwandel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die erfolgreichen Umnutzungen in Frankfurt und Friedberg sind mehr als Einzelprojekte – sie markieren den Beginn eines systematischen Wandels in der hessischen Stadtentwicklung. Das neue Denken setzt auf Bestandserhaltung statt Abriss, auf Mischnutzung statt Monostrukturen, auf regionale Kompetenz statt überregionale Spekulation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für andere Bundesländer können die hessischen Ansätze als Blaupause dienen: Die Kombination aus gezielter Landesförderung, pragmatischen Genehmigungsverfahren und der Einbindung regionaler Akteure schafft ein Umfeld, in dem innovative Umnutzungskonzepte gedeihen können. Entscheidend ist dabei die Erkenntnis, dass jedes Projekt maßgeschneiderte Lösungen erfordert – Patentrezepte gibt es nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Transformation von Kaufhäusern zu lebendigen Stadtquartieren zeigt: Hessen macht aus der Not eine Tugend und verwandelt strukturelle Herausforderungen in Chancen für zukunftsfähige Stadtentwicklung. Der Weg von der Kaufhalle zum Kaiserforum ist mehr als nur ein Namenswechsel – er symbolisiert den Übergang in eine neue Ära des städtischen Lebens.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Zwischen Diplom und Bachelor: Die Architekturausbildung sucht ihren Weg</title>
		<link>https://baukunst.art/zwischen-diplom-und-bachelor-die-architekturausbildung-sucht-ihren-weg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Jun 2025 12:51:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Architekturausbildung im Wandel: Bachelor-Anerkennung, Nachhaltigkeit und Digitalisierung revolutionieren die Lehre im deutschsprachigen Raum.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Architekturausbildung im Wandel &#8211; Zwischen Tradition und Transformation</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architekturausbildung im deutschsprachigen Raum durchlebt gegenwärtig eine ihrer intensivsten Diskussionsphasen seit der Bologna-Reform. Von der Anerkennung des Bachelor-Abschlusses über die Integration von Nachhaltigkeit bis hin zur Digitalisierung – die Zukunft der Ausbildung wird neu verhandelt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Bachelor-Master-Dilemma: Ein Abschluss zwischen den Stühlen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das wohl kontroverseste Thema der aktuellen Debatte bleibt die Anerkennung des Bachelor-Abschlusses. Während die Architektenkammern in Deutschland und Österreich den Bachelorabschluss oft nicht als berufsqualifizierend anerkennen, sind Absolventen meist gezwungen, ein Masterstudium anzuschließen, um als „Architekt&#8220; arbeiten und sich in die Architektenliste eintragen lassen zu können. Diese Praxis wird zunehmend als strukturelles Problem diskutiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Gretchenfrage der Kammerfähigkeit</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Eintragung in eine Architektenkammer sind mindestens 240 ECTS-Punkte erforderlich, während Bachelor-Studiengänge typischerweise nur 180 ECTS umfassen. Diese Diskrepanz führt nicht nur zu verlängerten Studienzeiten, sondern auch zu grundsätzlichen Fragen über die Qualität und Struktur der Ausbildung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein besonders illustratives Beispiel für diese Problematik liefert der Fall der IU Internationale Hochschule. Nach anfänglichen Problemen mit der Akkreditierung ihres dualen Architektur-Studiengangs musste die IU ein ergänzendes „Bachelor Architektur Plus&#8220;-Programm entwickeln, um Defizite auszugleichen und die Kammerfähigkeit ihrer Absolventen zu gewährleisten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Rückkehr zum Diplom als Lösungsansatz?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Einige Hochschulen reagieren auf diese Herausforderungen mit einer Rückkehr zu bewährten Strukturen. Mehrere Institutionen bieten wieder Diplomstudiengänge an, um die Qualität und internationale Vergleichbarkeit zu sichern. Diese Entwicklung wirft grundsätzliche Fragen zur Zukunft des Bologna-Systems in der Architekturausbildung auf.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit: Vom Wahlfach zum Ausbildungsrückgrat</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Integration von Nachhaltigkeit in die Curricula entwickelt sich von einer netten Ergänzung zu einer existenziellen Notwendigkeit. Nachhaltige Entscheidungen beginnen schon viel früher im Entwurf als nur bei der Wahl einer grünen Fassade – sie müssen von Anfang an mitgedacht werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Strukturelle Veränderungen in der Lehre</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Innovative Studiengänge wie „Architektur – Green Building&#8220; an der FH Campus Wien oder nachhaltigkeitsorientierte Programme an der HFT Stuttgart zeigen, wie Nachhaltigkeit bereits heute systematisch in die Ausbildung integriert wird. Diese Programme verbinden technische Kompetenz mit ökologischer Verantwortung und bereiten Studierende auf die Anforderungen einer klimabewussten Baupraxis vor.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Master „Ressourceneffizientes und Nachhaltiges Bauen&#8220; an der TUM exemplifiziert dabei den interdisziplinären Ansatz, der für nachhaltige Architekturausbildung erforderlich ist – von Bauphysik über Gebäudetechnik bis zur Lebenszyklusanalyse.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Neue Kompetenzfelder entstehen</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausbildung soll verstärkt auf die Vermittlung von Erdsystemwissenschaften, sozial-ökologischem Denken und Reflexionsfähigkeit ausgerichtet werden, um den gesellschaftlichen und ökologischen Transformationsherausforderungen gerecht zu werden. Diese Erweiterung des Kompetenzprofils geht weit über traditionelle Architekturlehre hinaus.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Digitalisierung: BIM als neuer Standard</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Digitalisierung der Baubranche revolutioniert auch die Ausbildung. Mit der bundesweiten Einführung von BIM als Standard ab 2025 bei öffentlichen Bauvorhaben steigt der Druck auf die Hochschulen, digitale Planungsmethoden von Beginn an in die Curricula zu integrieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Strukturelle Anpassungen erforderlich</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der neue Leitfaden „Digitale Planung in der Hochschulausbildung&#8220; der Bundesarchitektenkammer adressiert notwendige Voraussetzungen für die Modernisierung der Curricula und unterbreitet konkrete Lösungsvorschläge für die Architekturstudiengänge. Diese Initiative zeigt den ernst genommenen Handlungsbedarf der Profession.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Herausforderung liegt dabei nicht nur in der technischen Vermittlung, sondern in der grundlegenden Veränderung der Entwurfs- und Planungskultur. BIM bezeichnet eine kooperative Arbeitsmethodik, bei der auf der Grundlage digitaler Modelle alle für den Lebenszyklus relevanten Informationen konsistent erfasst und transparent kommuniziert werden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gesellschaftliche Verantwortung: Neue Rollenbilder für Architekten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Diskussion um die gesellschaftliche Verantwortung der Architektur gewinnt an Schärfe. Zentrale Fragen wie „Wie, was und für wen bauen wir?&#8220; und „Sollen wir überhaupt bauen?&#8220; prägen zunehmend die Ausbildungsdebatte. Diese fundamentalen Überlegungen erfordern eine Erweiterung des traditionellen Architekturverständnisses.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Schlüssel</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Moderne Architekturstudiengänge setzen verstärkt auf interdisziplinäre Projekte, bei denen Studierende mit benachbarten Disziplinen zusammenarbeiten und so ein realistisches Bild der späteren Berufspraxis erhalten. Diese Herangehensweise bereitet auf die komplexen Herausforderungen einer vernetzten Planungskultur vor.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Herausforderungen und Perspektiven</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die aktuellen Diskussionen in der Architekturausbildung spiegeln tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen wider. Viele Absolventen empfinden die Branche als wenig attraktiv, was zu Diskussionen über die Ausrichtung und Inhalte der Ausbildung führt. Diese Entwicklung erfordert nicht nur curriculare Anpassungen, sondern auch eine grundsätzliche Neubewertung des Berufsbildes.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Innovation in der Lehrmethodik</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Innovative Lehrmodelle wie die „Integrierten Projekte&#8220; an der HFT Stuttgart zeigen, wie theoretische Inhalte direkt in Entwurfsprojekte einfließen können – ein Ansatz, der nachweislich bessere Lernergebnisse erzielt. Solche methodischen Innovationen könnten Vorbildcharakter für die gesamte Architekturausbildung entwickeln.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Transformation als Chance</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architekturausbildung im deutschsprachigen Raum steht vor ihrer größten Transformation seit Jahrzehnten. Die kontrovers diskutierten Themen – von der Bachelor-Anerkennung über Nachhaltigkeit bis zur Digitalisierung – werden die zukünftige Ausgestaltung der Architektenausbildung maßgeblich beeinflussen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Herausforderungen bieten jedoch auch die Chance, die Architekturausbildung zukunftsfähig zu gestalten und auf die drängenden gesellschaftlichen Aufgaben vorzubereiten. Der Erfolg wird davon abhängen, wie gut es gelingt, traditionelle Qualitäten mit innovativen Ansätzen zu verbinden und eine neue Generation von Architekten und Architektinnen auszubilden, die sowohl gestalterisch kompetent als auch gesellschaftlich verantwortlich agiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Diskussionen der nächsten Jahre werden zeigen, welche Richtung die Architekturausbildung einschlägt – ob sie den Mut zur grundlegenden Reform aufbringt oder sich in Kompromissen verliert. Die Weichen werden jetzt gestellt.</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>Goldener Löwe für amerikanische Visionäre: Architektur als Umweltexperiment</title>
		<link>https://baukunst.art/goldener-loewe-fuer-amerikanische-visionaere-architektur-als-umweltexperiment/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Jun 2025 06:46:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inspiration]]></category>
		<category><![CDATA[Diller Scofidio Renfro]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Venedig Biennale 2025]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12629</guid>

					<description><![CDATA[Zwei Monate nach Ricardo Scofidios Tod gewinnt sein Studio den Goldenen Löwen mit einem Café, das Kanalwasser zu Espresso verwandelt – ein poetisches Vermächtnis.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Canal Café © Marco Zorzanello ; Courtesy :La Biennale di Venezia</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein letzter Triumph für Ricardo Scofidio: Diller Scofidio + Renfro gewinnt Goldenen Löwen in Venedig</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zwei Monate nach dem Tod des Firmengründers Ricardo Scofidio erhält das New Yorker Studio die höchste Auszeichnung der Architektur Biennale für ein Projekt, das Kanalwasser zu Espresso verwandelt.</strong></p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein poetisches Vermächtnis am Arsenale</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 10. Mai 2025 wurde Diller Scofidio + Renfro mit dem Goldenen Löwen für die beste Teilnahme an der internationalen Ausstellung der Architektur Biennale Venedig ausgezeichnet. Ihr Projekt &#8222;Canal Café&#8220; verwandelt verschmutztes Kanalwasser aus der Arsenale-Lagune in einen perfekten italienischen Espresso. Es ist ein bittersüßer Moment der Anerkennung, der nur zwei Monate nach dem Tod von Ricardo Scofidio erfolgt, dem visionären Mitbegründer des Studios, der am 6. März 2025 im Alter von 89 Jahren verstarb.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Canal Café verkörpert auf geradezu poetische Weise jene Philosophie, die Scofidio zeit seines Lebens verfolgte: die Grenzen zwischen Kunst und Architektur zu verwischen und alltägliche Handlungen in Momente der Reflexion zu verwandeln. &#8222;Wir greifen mit diesem Rohr in den Kanal hinein&#8220;, erklärte Elizabeth Diller, Scofidios Lebens- und Arbeitspartnerin, bei der Eröffnung des Projekts. &#8222;Wir pumpen das Wasser hoch und reinigen es vor Ihren Augen.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Alchemie der Transformation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Installation am Rande des Arsenale-Komplexes ist mehr als nur ein architektonisches Experiment – sie ist eine Meditation über Venedigs existenzielle Herausforderungen. Das Projekt kombiniert einen ausgeklügelten Reinigungsprozess, der die natürlichen Kläreffekte von Gezeitenfeuchtgebieten nachahmt, mit einem System aus Biofilterung und UV-Behandlung. Das Ergebnis ist nicht nur trinkbares Wasser, sondern ein Manifest für nachhaltiges Leben auf dem Wasser.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Michelin-Stern-Koch Davide Oldani hat die perfekte Kaffeeröstung ausgewählt, während die Ingenieursfirmen Natural Systems Utilities und SODAI die technischen Komponenten entwickelten. Die Jury würdigte das Projekt als &#8222;Demonstration dafür, wie die Stadt Venedig als Labor dienen kann, um zu spekulieren, wie man auf dem Wasser leben kann, während es gleichzeitig einen Beitrag zum öffentlichen Raum Venedigs leistet.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Verlust eines Visionärs</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ricardo Scofidio verstarb am 6. März 2025 friedlich im Kreise seiner Familie, umgeben von seiner Partnerin Elizabeth Diller. Sein Tod markiert das Ende einer Ära für die amerikanische Architektur. Geboren 1935 in New York als Sohn eines schwarzen Jazzmusikers, der sich als Italiener ausgab, um Rassismus zu entgehen, prägte Scofidio eine Generation von Architekten mit seinem interdisziplinären Ansatz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gemeinsam mit Diller erhielt er 1999 als erster Architekt überhaupt ein MacArthur Fellowship, das sogenannte &#8222;Genie-Stipendium&#8220;. Ihre frühen Arbeiten – von der Verkehrskegel-Installation &#8222;Traffic&#8220; am Columbus Circle 1981 bis zum nebelverhüllten &#8222;Blur Building&#8220; in der Schweiz 2002 – revolutionierten das Verständnis davon, was Architektur sein kann.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Von der Avantgarde zum Mainstream</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Studio, das 1981 in einem schäbigen Apartment in der East Village begann, entwickelte sich zu einem der einflussreichsten Architekturbüros der Welt. Die High Line, jener 2009 eröffnete lineare Park auf einer stillgelegten Güterzugstrecke in Manhattan, katapultierte Diller und Scofidio endgültig ins internationale Bewusstsein. Das Projekt löste nicht nur eine globale Begeisterung für erhöhte Gehwege aus, sondern transformierte auch Manhattan&#8217;s West Side nachhaltig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Charles Renfro, der 1997 zum Studio stieß und 2004 Partner wurde, sowie Benjamin Gilmartin, der 2015 Partner wurde, führten das Erbe fort. Heute beschäftigt Diller Scofidio + Renfro über 100 Mitarbeiter und realisiert Projekte von der Erweiterung des Museum of Modern Art bis hin zu The Shed in Hudson Yards.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektur als Lebensexperiment</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Canal Café verkörpert jene experimentelle Haltung, die Scofidio zeit seines Lebens antrieb. Ursprünglich war das Projekt bereits für die Biennale 2008 geplant, konnte aber damals aufgrund fehlender Genehmigungen nicht realisiert werden. Erst verbesserte Filtertechnologie und veränderte Vorschriften machten es möglich, 17 Jahre später Kanalwasser zu servieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ironie ist bemerkenswert: Während Venedig mit dem MOSE-Projekt ein hochmodernes Hochwasserschutzsystem installiert hat, das die Lagune möglicherweise dauerhaft von der Adria abschotten könnte, demonstriert DS+R mit seinem Café, wie Technologie das kostbarste Gut der Erde – Wasser – reinigen und zugänglich machen kann.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Geschmack der Erinnerung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jeder Espresso, der im Canal Café serviert wird, trägt den mineralischen Geschmack der venezianischen Geschichte in sich – von den Jahrhunderten des Handels über die Jahre der Verschmutzung bis hin zur Hoffnung auf eine nachhaltige Zukunft. Es ist ein flüssiges Monument für Scofidios Vision einer Architektur, die nicht nur Räume schafft, sondern Bewusstsein für unsere Beziehung zur Umwelt weckt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Auszeichnung mit dem Goldenen Löwen ehrt nicht nur ein herausragendes Projekt, sondern auch das Vermächtnis eines Mannes, der Architektur als Kunstform und gesellschaftliches Experiment verstand. In einer Zeit, in der Klimawandel und Urbanisierung neue Antworten fordern, zeigt das Canal Café, dass die radikalsten Lösungen oft in den einfachsten Gesten liegen – einem perfekten Espresso, gebraut aus den Wassern einer schwimmenden Stadt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">_</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wie Serbien die Architektur zu Grabe trägt</title>
		<link>https://baukunst.art/wie-serbien-die-architektur-zu-grabe-traegt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Jun 2025 07:46:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Premium]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbiennale]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Vergänglichkeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12605</guid>

					<description><![CDATA[In Venedig geschieht Beispielloses: Der serbische Pavillon löst sich während der Biennale vollständig auf. 140 gestrickte Stoffteile verschwinden solarbetrieben Millimeter für Millimeter. Diese radikale Geste stellt die Grundfesten der Architektur infrage – ihre Obsession mit Permanenz. Ist eine Disziplin, die sich selbst abschafft, am Ende ehrlicher als eine, die Ewigkeit verspricht und Vergänglichkeit liefert?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Mut zur Selbstverleugnung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach vier Jahrzehnten in der Architekturpraxis habe ich vieles gesehen. Spektakuläre Bauten, die das Stadtbild prägten, bescheidene Interventionen, die Leben veränderten, und pompöse Gesten, die nur dem Ego der Architektinnen und Architekten dienten. Doch was derzeit im serbischen Pavillon der Architekturbiennale geschieht, ist beispiellos: Eine Disziplin schafft sich selbst ab – und das ist möglicherweise das Beste, was ihr passieren konnte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Unraveling: New Spaces&#8220; trägt seinen Namen zu Recht. 140 maschinell und händisch gestrickte Stoffteile hängen von der Decke, 400 Quadratmeter textile Poesie, die sich dank solarbetriebener Spindeln Millimeter für Millimeter auflöst. Bis zum Ende der Biennale wird nichts mehr von dieser Installation übrig sein. Es ist eine radikale Absage an die Permanenz – jenes Grundversprechen, auf dem die Architektur seit Jahrtausenden fußt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Ironie des Vergänglichen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Paradoxie ist offensichtlich: Ausgerechnet in einem Pavillon, der noch immer die Inschrift &#8222;Jugoslawien&#8220; trägt – Zeugnis einer verschwundenen Nation –, wird das Konzept der Dauerhaftigkeit demontiert. Die jugoslawische Architektur war geprägt von monumentaler Geste, von Beton-Brutalismus, der Ewigkeit suggerieren sollte. Heute steht der Pavillon leer von seinen ursprünglichen Bedeutungen, während sich über ihm textile Vergänglichkeit entfaltet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Geste ist mehr als kunstvolles Handwerk. Sie ist eine schonungslose Kritik an einer Profession, die sich hartnäckig weigert, ihre eigene Endlichkeit zu akzeptieren. Während Klimakrise und Ressourcenknappheit längst eine Abkehr vom permanenten Bauen fordern, klammern sich Planerinnen und Planer an überholte Paradigmen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Carlo Rattis Mega-Thema und seine Grenzen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kurator Carlo Ratti hat der diesjährigen Biennale das Motto &#8222;Intelligens. Natural. Artificial. Collective&#8220; verpasst – ein Titel, der alles und damit nichts umfasst. Dieser begriffliche Rundumschlag illustriert das Dilemma zeitgenössischer Architekturausstellungen: Die Angst vor klaren Positionen wird durch thematische Beliebigkeit kompensiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der serbische Beitrag durchbricht diese Unverbindlichkeit mit chirurgischer Präzision. Statt sich in Rattis Allgemeinplätzen zu verlieren, formuliert er eine konkrete These: Architektur muss lernen zu verschwinden. Das ist unbequem, weil es die Daseinsberechtigung einer ganzen Zunft hinterfragt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Handwerk als Gegenmodell</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kuratorinnen Marija Mojasevic und Luka Cakic haben bewusst auf textile Techniken gesetzt, die teilweise mit &#8222;mütterlicher Hilfe&#8220; entstanden sind. Diese Formulierung mag paternalistisch klingen, trifft aber den Kern einer vergessenen Baukultur: Architektur war einst Gemeinschaftswerk, entstanden aus kollektivem Wissen und lokalen Fertigkeiten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heute dominieren Planungsbüros mit hunderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die standardisierte Lösungen für globale Märkte entwickeln. Individualität wird durch Effizienz ersetzt, Handwerk durch Digitalisierung. Der serbische Pavillon erinnert daran, was verloren gegangen ist – ohne jedoch romantische Nostalgie zu betreiben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Ökonomie des Verschwindens</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus wirtschaftlicher Sicht ist eine sich auflösende Architektur ein Albtraum. Keine Bauherrin würde Millionen für ein Gebäude investieren, das nach sechs Monaten verschwunden ist. Doch genau diese Unmöglichkeit macht den serbischen Beitrag so wertvoll: Er zeigt die Grenzen unseres Systems auf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bauwirtschaft lebt von der Illusion der Permanenz. Investoren kalkulieren mit Nutzungsdauern von 50, 80, 100 Jahren. Dabei wissen alle Beteiligten, dass viele Gebäude schon nach wenigen Jahrzehnten abgerissen werden – aus funktionalen, ästhetischen oder wirtschaftlichen Gründen. Wäre es nicht ehrlicher, Vergänglichkeit von vornherein mitzudenken?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Kunst und Architektur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritiker werden einwenden, dass es sich bei &#8222;Unraveling: New Spaces&#8220; um eine Kunstinstallation handelt, nicht um Architektur. Doch diese Unterscheidung greift zu kurz. Die besten architektonischen Ideen entstehen oft jenseits der konventionellen Baupraxis – in temporären Interventionen, experimentellen Strukturen, utopischen Entwürfen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der serbische Pavillon ist Architektur in ihrer reinsten Form: Er schafft Raum, beeinflusst Wahrnehmung und provoziert Diskussionen. Dass er dabei die eigenen Grundlagen hinterfragt, macht ihn nicht weniger architektonisch – im Gegenteil.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zukunftsperspektiven einer sterbenden Disziplin</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektur befindet sich in einer existenziellen Krise. Klimawandel, Digitalisierung und gesellschaftlicher Wandel stellen ihre Grundprinzipien infrage. Neue Planungsmethoden entstehen, die auf Algorithmen statt auf menschlicher Intuition basieren. Modulare Bausysteme ermöglichen Strukturen, die sich permanent wandeln können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der serbische Pavillon antizipiert diese Entwicklung. Er zeigt eine Architektur, die ihre eigene Vergänglichkeit akzeptiert und daraus neue Qualitäten entwickelt. Das ist schmerzhaft für eine Profession, die sich über Jahrhunderte als Hüterin der Ewigkeit verstanden hat.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Schönheit des Loslassens</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach 40 Jahren im Beruf frage ich mich: Was wäre, wenn wir das Ideal der permanenten Architektur aufgeben würden? Wenn wir Gebäude entwerfen, die bewusst vergänglich sind, die sich wandeln, anpassen, verschwinden können? Der serbische Pavillon gibt eine mögliche Antwort: Es entstünde eine Architektur der Schönheit, der Poesie, der Nachdenklichkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Unraveling: New Spaces&#8220; ist mehr als eine gelungene Biennale-Installation. Es ist ein Manifest für eine Architektur, die den Mut hat, sich selbst zu hinterfragen. In einer Zeit, in der die Baubranche noch immer von Wachstumsphantasien träumt, zeigt der serbische Beitrag einen anderen Weg: Die Eleganz des Verschwindens als neue Form des Bauens.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">© La Biennale di Venezia,</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Maritime Moderne &#8211; Wie Bremerhaven seine Hafenidentität neu definiert</title>
		<link>https://baukunst.art/maritime-moderne-wie-bremerhaven-seine-hafenidentitaet-neu-definiert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 25 May 2025 16:06:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bremerhaven]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsbau]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Bremerhavener Klimacampus vereint das neue AWI-Technikum funktionale Exzellenz mit regionaler Identität – ein Forschungsbau für Extrembedingungen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Zwischen Eis und Innovation &#8211; Das neue AWI-Technikum in Bremerhaven setzt architektonische Maßstäbe für Forschungsbauten</h1>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hafenarchitektur mit wissenschaftlichem Anspruch</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die markante Silhouette des AWI-Technikums prägt seit Oktober 2023 die Skyline des Bremerhavener Klimacampus. Der 18,5 Millionen Euro teure Neubau des Alfred-Wegener-Instituts verkörpert mehr als nur ein weiteres Forschungsgebäude – er steht exemplarisch für die architektonische Transformation einer ganzen Region.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kölner Architekten von kister scheithauer gross verstanden es meisterhaft, die spezifischen Anforderungen der Polar- und Meeresforschung in eine überzeugende bauliche Gestalt zu überführen. Der 60 Meter lange und 44 Meter breite Baukörper fügt sich mit seiner langgestreckten, gefalteten Fassade selbstverständlich in die maritime Kulisse zwischen Kanal und Yachthafen ein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders gelungen ist die Materialwahl: Die dunkelbraunen Ziegelverkleidungen der geschlossenen Fassadenteile nehmen direkten Bezug zur historischen Hafenarchitektur Bremerhavens. Gleichzeitig schaffen großzügige Glasflächen im Erdgeschoss jene Transparenz, die das Institut als &#8222;offene Werkstatt&#8220; erlebbar macht. Diese Dualität zwischen Offenheit und Geschlossenheit spiegelt treffend die Arbeitsweise des AWI wider: nach außen kommunikativ, nach innen hochkonzentriert auf extreme Forschungsbedingungen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Technikum als architektonische Herausforderung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die funktionalen Anforderungen des Gebäudes stellten die Planenden vor ungewöhnliche Aufgaben. Wo sonst muss ein Forschungsbau gleichzeitig Temperaturen von minus 80 Grad Celsius in Kältekammern und die Simulation von Tiefseedrücken in Testbecken verkraften? Das Rasmus-Willumsen-Haus – benannt nach dem letzten Weggefährten Alfred Wegeners – beherbergt auf kompakter Grundfläche ein 19 Meter hohes Testlabor für Bohrgeräte, spezialisierte Werkstätten und ein hochmodernes Elektroniklabor.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die architektonische Lösung überzeugt durch ihre schlichte Eleganz: Anstatt die komplexe Haustechnik zu verstecken, macht sie die Fassadengliederung zum eigenständigen Gestaltungselement. Die verschiedenen Funktionsbereiche artikulieren sich als ablesbare Volumen, die zu einer skulpturalen Einheit zusammenwachsen. Professor Johannes Kister formulierte es treffend: &#8222;Das AWI hat ein Zeichen gesetzt. Ein bauliches Signal an einem wichtigen Ort mit Strahlkraft.&#8220;</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit als regionale Verpflichtung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit der BNB-Silber-Zertifizierung setzt das Technikum neue Maßstäbe für nachhaltiges Bauen in der Region. Gerade in Bremerhaven, wo sich die Folgen des Klimawandels besonders drastisch zeigen, erhält nachhaltiges Bauen eine zusätzliche Dimension. Das Gebäude demonstriert, wie sich höchste technische Anforderungen mit ökologischer Verantwortung verbinden lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Energiekonzeption berücksichtigt die extremen Betriebsbedingungen: Während in den Kältekammern arktische Verhältnisse simuliert werden, nutzt das Gebäude gleichzeitig regenerative Energien für seinen Grundbetrieb. Diese scheinbare Paradoxie lösen die Ingenieure durch ausgeklügelte Wärmerückgewinnungssysteme und hocheffiziente Dämmkonzepte.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Impulsgeber für das Werftquartier</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das AWI-Technikum fungiert als Katalysator für die Transformation des gesamten Werftquartiers. Als eines der ersten realisierten Projekte in diesem nachhaltigen Stadtentwicklungsvorhaben zeigt es exemplarisch, wie sich wissenschaftliche Exzellenz mit städtebaulicher Qualität verbinden lässt. Die Positionierung zwischen Hauptkanal und Handelshafen macht das Gebäude zum sichtbaren Auftakt einer neuen Forschungsmeile.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei gelingt es dem Entwurf, die industrielle Vergangenheit des Standorts zu würdigen, ohne in nostalgische Verklärung zu verfallen. Die klaren Raumkanten und die robuste Materialität nehmen Bezug auf die Werftarchitektur, während die präzise Detaillierung zeitgenössische Ansprüche erfüllt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Baukultur neu definiert</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie sich regionale Baukultur weiterentwickeln kann. Anstatt die typischen Klinkerfassaden norddeutscher Prägung lediglich zu kopieren, interpretieren die Architekten sie zeitgemäß neu. Die gefaltete Fassadengeometrie verleiht dem traditionellen Material eine unerwartete Dynamik.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders bemerkenswert ist die Einbindung lokaler Kompetenz: Die ausführenden Unternehmen stammen größtenteils aus der Region und brachten ihre spezifische Expertise im Umgang mit der rauen Nordseewitterung ein. Diese Verwurzelung in regionalen Handwerkstraditionen bei gleichzeitiger technologischer Innovation kennzeichnet das Projekt als authentisch bremerhavenerisch.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Funktionale Exzellenz als Gestaltungsprinzip</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die 40 Arbeitsplätze des Technikums sind nicht gleichmäßig verteilt, sondern folgen den spezifischen Anforderungen der verschiedenen Forschungsbereiche. Diese funktionale Logik prägt auch die architektonische Erscheinung: Wo hohe Räume für Testtürme benötigt werden, artikuliert sich dies in der Fassade. Wo Labore absolute Ruhe erfordern, werden sie ins Gebäudeinnere gelegt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Ehrlichkeit im Umgang mit der Funktion verleiht dem Bau seine überzeugende Ausstrahlung. Es entsteht keine beliebige Hülle, sondern ein Gebäude, das seine Bestimmung selbstbewusst zur Schau trägt. Die Expeditionsvorbereitungen für Arktis und Antarktis werden damit selbst zu einem architektonischen Ereignis.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Leuchtturm der maritimen Forschung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit dem Technikum festigt Bremerhaven seine Position als deutsches Zentrum der Meeresforschung. Die räumliche Nähe zu etablierten Instituten wie dem Thünen-Institut verstärkt die Synergieeffekte. Gleichzeitig symbolisiert der Neubau den Aufbruch in eine neue Phase der Polarforschung, in der autonome Systeme und digitale Technologien eine zentrale Rolle spielen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die architektonische Qualität des Gebäudes unterstreicht dabei den wissenschaftlichen Anspruch: Nur wer seine Instrumente unter extremsten Bedingungen testet, kann in Arktis und Antarktis bestehen. Das Technikum macht diese Notwendigkeit räumlich erfahrbar und schafft damit eine neue Typologie des Forschungsbaus.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick auf die Hafenstadt von morgen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das AWI-Technikum markiert einen Wendepunkt in der Bremerhavener Stadtentwicklung. Es zeigt, wie sich eine traditionelle Hafenstadt durch wissenschaftliche Exzellenz neu erfinden kann, ohne ihre maritime Identität zu verlieren. Die gelungene Balance zwischen regionaler Verankerung und globaler Ausstrahlung könnte wegweisend für weitere Projekte werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die vierjährige Bauzeit bis zur Einweihung im Oktober 2023 dokumentiert dabei auch die Effizienz regionaler Planungs- und Bauabläufe. Trotz der komplexen technischen Anforderungen gelang es, Termine und Budget einzuhalten – ein Qualitätsmerkmal, das weit über Bremerhaven hinaus Beachtung verdient.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Berliner Festival dekonstruiert Planungspraxis</title>
		<link>https://baukunst.art/berliner-festival-dekonstruiert-planungspraxis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 25 May 2025 09:28:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Interdisziplinarität]]></category>
		<category><![CDATA[Materialwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Berlins Wissenschaftslandschaft bekommt ein neues Gesicht: Das ＿matter Festival zeigt an zwölf Standorten, wie aktive Materialien unsere Zukunft gestalten.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1>Berlins neue Materialkultur erobert die Hauptstadt</h1>
<h2>Das ＿matter Festival 2025 stellt passive Materialvorstellungen radikal in Frage</h2>
<p>Vom 10. April bis 12. Oktober 2025 verwandelt sich die deutsche Hauptstadt in ein Experimentierfeld für die Materialkultur von morgen. Das ＿matter Festival, kuratiert vom Exzellenzcluster &#8222;Matters of Activity&#8220; der Humboldt-Universität zu Berlin, stellt fundamental in Frage, was Forschende und Planende bislang über Materialien zu wissen glaubten.</p>
<h3>Wenn Materialien eigene Geschichten erzählen</h3>
<p>Die zentrale Provokation des Festivals liegt in einer scheinbar simplen Erkenntnis: Materialien sind nicht passiv. Sie agieren, haben ein Gedächtnis und verbinden menschliche mit nicht-menschlichen Akteuren über Zeiten und Orte hinweg. Diese Perspektive revolutioniert nicht nur die Materialwissenschaft, sondern eröffnet auch der Architektur völlig neue Gestaltungsräume.</p>
<p>Professor Wolfgang Schäffner, Sprecher des Clusters, bringt die Vision auf den Punkt: Der interdisziplinäre Ansatz verbindet über 200 Jahre Humboldt-Tradition mit 100 Jahren Bauhaus-Erbe. Mehr als 200 Forschende aus über 40 Disziplinen arbeiten daran, Designstrategien für Materialien zu entwickeln, die sich aktiv an ihre Umgebung anpassen.</p>
<h3>Regionale Vernetzung als Berliner Markenzeichen</h3>
<p>Die Verteilung des Festivals über zwölf Berliner Standorte spiegelt eine typisch regionale Besonderheit wider: die außergewöhnlich dichte Vernetzung von Wissenschafts- und Kulturinstitutionen in der Hauptstadt. Von der Charité über das Kunstgewerbemuseum bis hin zu innovativen Projekträumen wie dem BHROX bauhaus reuse entsteht ein Netzwerk, das andernorts seinesgleichen sucht.</p>
<p>Diese institutionelle Vielfalt ermöglicht es, komplexe wissenschaftliche Erkenntnisse in unterschiedlichen Kontexten zu präsentieren. Die Ausstellung &#8222;Gefäße – Infrastrukturen des Lebens&#8220; im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité verknüpft aktuelle Gefäßforschung zwischen Menschen, Pflanzen und Tieren mit der Geschichte der Berliner Kanalisation, die mit Rudolf Virchow begann.</p>
<h3>Käferholz wird zu Baukultur</h3>
<p>Besonders bemerkenswert erscheint die Ausstellung &#8222;Symbiotic Wood&#8220; im Kunstgewerbemuseum. Klimawandel und Monokulturen haben zu verstärktem Käferbefall in deutschen Wäldern geführt. Das anschließend von Pilzen besiedelte Holz gilt traditionell als unbrauchbar für den Bau. Die Ausstellung demonstriert den kulturellen und praktischen Wert dieses vermeintlichen Abfalls – ein Ansatz, der gerade in Zeiten knapper Ressourcen und steigender Baukosten höchste Relevanz besitzt.</p>
<h3>Wissenschaft trifft Stadtentwicklung</h3>
<p>Die Intervention &#8222;Swamp Things!&#8220; im BHROX-Pavillon am Ernst-Reuter-Platz zeigt exemplarisch, wie Berliner Forschungsansätze direkt in die Stadtentwicklung einfließen. Das Projekt erkundet neue Wege zur Rekultivierung von Sümpfen, die einst der Stadtentwicklung weichen mussten. Solche Ansätze könnten wegweisend für die Klimaanpassung deutscher Großstädte werden.</p>
<h3>Fermentierte Textilien und mikrobielle Kollaborationen</h3>
<p>Die Ausstellung &#8222;Fermenting Textiles&#8220; im Art Laboratory Berlin verbindet traditionelles Handwerk mit modernster Mikrobiologie. Kunsthandwerkerinnen, Anthropologen, Wissenschaftler und Künstlerinnen erforschen gemeinsam die Fermentation von Textilien in Schlamm und Pflanzenmaterial. Diese multi-spezies Kollaborationen spiegeln die im Schlammfärbeprozess integral angelegten Partnerschaften wider.</p>
<h3>Digitale Zwillinge für die Medizin der Zukunft</h3>
<p>Weniger sichtbar, aber nicht minder revolutionär arbeiten Forscherinnen des Clusters an &#8222;Adaptive Digital Twins&#8220; für das Zentralnervensystem. Diese digitalen Abbilder gesunder Probanden ermöglichen es, anatomische Veränderungen durch Tumorwachstum oder chirurgische Eingriffe zu modellieren. Die Neurochirurgie der Charité erprobt und entwickelt diese Methoden zur präoperativen Planung kontinuierlich weiter.</p>
<h3>Neue Planungskultur durch aktive Materialien</h3>
<p>Für Architekten und Planerinnen eröffnet das Festival völlig neue Denkräume. Wenn Materialien nicht mehr statisch und passiv sind, sondern sich aktiv an Aufgaben und Umgebungen anpassen, verändert sich die gesamte Entwurfspraxis. Traditionelle Prozesse wie Filtern, Weben und Schneiden werden im digitalen Zeitalter zu Generatoren dynamischer und aktiver Materialitäten.</p>
<p>Die Ausstellung &#8222;Entangled – Architectural Yarns and Structural Textiles&#8220; zeigt, wie textilbasierte Strukturen völlig neue architektonische Möglichkeiten schaffen. Statt starrer Konstruktionen entstehen adaptive Gebäudehüllen, die auf Umweltbedingungen reagieren können.</p>
<h3>Klimakrise als Gestaltungsaufgabe</h3>
<p>Das Festival versteht die menschengemachte Klimakrise explizit als Gestaltungsherausforderung. Indem es die inhärente Aktivität von Materialien nutzt statt zu unterdrücken, entstehen nachhaltige Alternativen zu energieintensiven und ressourcenausbeutenden Technologien. Diese Perspektive könnte fundamental verändern, wie deutsche Kommunen ihre Bauordnungen und Klimaanpassungsstrategien entwickeln.</p>
<h3>Interdisziplinarität als regionale Stärke</h3>
<p>Die Berliner Wissenschaftslandschaft bietet ideale Voraussetzungen für solch transdisziplinäre Ansätze. Die räumliche Nähe von Humboldt-Universität, Charité, Freier Universität, HTW und zahlreichen Max-Planck-Instituten ermöglicht Kooperationen, die andernorts logistisch kaum realisierbar wären. Hinzu kommen die Staatlichen Museen mit ihrer einzigartigen Sammlung und die Weißensee Kunsthochschule als wichtige Partnerin für Gestaltungsfragen.</p>
<h3>Gesellschaftlicher Dialog im Humboldt Forum</h3>
<p>Die Forschungsergebnisse des Clusters erhalten durch das offene Humboldt-Labor im Humboldt Forum eine gesellschaftliche Bühne. Diese Verbindung von Spitzenforschung und öffentlicher Vermittlung stärkt Berlins Position als Wissenschaftsstandort und schafft neue Formen des Dialogs zwischen Forschung und Gesellschaft.</p>
<h3>Ausblick: Material als politische Kategorie</h3>
<p>Das ＿matter Festival macht deutlich, dass Materialien politische Kategorien sind. Sie tragen Geschichten von Ausbeutung und Widerstand in sich, verbinden globale Lieferketten mit lokalen Praktiken und prägen unsere Vorstellungen von Nachhaltigkeit. Für die deutsche Baukultur könnte diese Erkenntnis wegweisend werden: Statt Materialien als neutrale Ressourcen zu betrachten, entstehen neue Formen des Planens, die deren inhärente Aktivität produktiv nutzen.</p>
<p>Die zwölf Ausstellungen des Festivals zeigen, dass eine neue Kultur des Materialen bereits im Entstehen begriffen ist. Sie könnte nicht nur die Wissenschaft, sondern auch Architektur, Stadtplanung und Baukultur fundamental verändern. Berlin positioniert sich damit erneut als Labor für gesellschaftliche Transformation – diesmal mit Materialien als aktivem Gestaltungspartner.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>La Biennale 2025 &#8222;Die Natur als Lehrmeisterin&#8220;</title>
		<link>https://baukunst.art/la-biennale-2025-die-natur-als-lehrmeisterin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 May 2025 15:07:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inspiration]]></category>
		<category><![CDATA[Biomimikry]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Naturmaterialien]]></category>
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					<description><![CDATA[Elefantendung wird zu Ziegeln, Algen zu Baumaterial: Die Biennale 2025 zeigt, wie Architektur von der Natur lernt. Zwischen Poesie und Pragmatismus entstehen die schönsten Lösungen für morgen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die poetische Dimension der Biennale</h2>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Kapelle der sanften Riesen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In den Corderie dell&#8217;Arsenale steht ein Bauwerk, das die Jury der Biennale zu einer besonderen Erwähnung bewegte: Boonserm Premthadas &#8222;Elephant Chapel&#8220;. Was auf den ersten Blick wie eine traditionelle Backsteinarchitektur aussieht, offenbart bei näherem Hinsehen eine revolutionäre Materialgeschichte. Die Ziegel bestehen aus Elefantendung – ein Baustoff, der Jahrtausende alte Partnerschaften zwischen Mensch und Tier in neues Licht rückt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;In einer thailändischen Provinz, wo Menschen und Elefanten seit Jahrtausenden Seite an Seite leben, konstruiert Premthada ein Freiluftheiligtum namens Elephant World&#8220;, erklärt die Jury ihre Entscheidung. Das Projekt ehrt nicht nur diese Partnerschaft, sondern verwandelt organischen Abfall in dauerhaften Baustoff. Was zunächst provokant klingt, entpuppt sich als poetische Logik: Elefantendung enthält bereits zerkleinerte Pflanzenfasern, die dem Material natürliche Zugfestigkeit verleihen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bögen der Kapelle schwingen sich elegant über den Raum, getragen von Materialien, die zuvor durch den Verdauungstrakt der größten Landtiere wanderten. Es ist Architektur als Stoffkreislauf, als sichtbare Verbindung zwischen verschiedenen Lebensformen. &#8222;Ihre Kunst steht im Einklang mit der natürlichen Welt&#8220;, würdigt die Jury Premthadas Ansatz.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Stromatoliten als Architekturbuch</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während Premthada mit organischen Abfällen experimentiert, blicken andere Forscherinnen und Forscher noch tiefer in die Erdgeschichte. Das Projekt &#8222;Geological Microbial Formations&#8220; nutzt Stromatoliten als Inspiration – jene geschichteten Kalksteinformationen, die zu den ältesten Zeugnissen des Lebens auf der Erde zählen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Parallelität ist faszinierend: Wie vor Milliarden Jahren Algen Schicht um Schicht Kalk ablagerten, so stapeln heute Roboter Sand, Bakterienkulturen und Minerallösungen zu neuen Architekturen. &#8222;Der Vergleich zu Stromatoliten geht über oberflächliche Ähnlichkeiten hinaus&#8220;, erklären die Entwicklerinnen. &#8222;Wir nutzen ihr langsames, geschichtetes Wachstum als Paradigma für architektonische Zeitlichkeit.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was entsteht, sind Gebäude, die nicht konstruiert, sondern kultiviert werden. Sie wachsen wie Organismen, entwickeln ihre Form durch biologische und mineralische Interaktionen. Die traditionelle Trennung zwischen Natur und Architektur löst sich auf – zurück bleibt eine neue Kategorie des Bauens, die weder rein natürlich noch vollständig artificial ist.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">DNA-kodierte Träume</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch weiter in die molekulare Welt führt das Projekt &#8222;Necto&#8220; – eine riesige Überdachung, geknüpft aus &#8222;DNA-kodiertem Garn&#8220;. Was nach Science Fiction klingt, ist ausgeklügelte Biotechnologie: Genetische Informationen werden in synthetische Fasern eingeschrieben, die sich je nach Umweltbedingungen unterschiedlich verhalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Ergebnis ist eine Architektur, die atmet. Die Überdachung reagiert auf Feuchtigkeit, Temperatur und Licht, verändert ihre Durchlässigkeit und ihr Volumen. Besucherinnen und Besucher müssen sich unter der schwebenden Struktur hindurchbewegen, sich ihr anpassen – eine physische Erfahrung von Anpassung und Flexibilität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Necto&#8220; wurde in wenigen Koffern nach Venedig transportiert – ein Beweis für die Effizienz bio-inspirierter Konstruktionen. Was zusammengefaltet kaum Platz braucht, entfaltet sich zu raumgreifenden Strukturen. Die Natur liefert das Vorbild: Vom gefalteten Farnblatt bis zum sich entfaltenden Schmetterling zeigt sie, wie maximale Wirkung mit minimalem Materialaufwand erreicht wird.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Algen als Architekten der Zukunft</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im &#8222;Blue Garden&#8220; experimentieren Forscherinnen mit dreieckigen Fliesen, die speziell für das Wachstum von Unterwasseralgen entwickelt wurden. Die runzlige Oberfläche bietet optimale Haftbedingungen für Mikroorganismen, die Kohlendioxid binden und Sauerstoff produzieren. Architektur wird zur aktiven Teilnehmerin im globalen Kohlenstoffkreislauf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ästhetik folgt der Funktion: Die Fliesen sehen aus wie vergrößerte Korallen oder versteinerte Schwämme. Ihre organischen Formen sind das Ergebnis algorithmischer Optimierung – Computer simulierten das Wachstum der Algen und entwickelten die ideale Oberfläche. Künstliche Intelligenz imitiert natürliche Intelligenz, um Lebensraum für Mikroorganismen zu schaffen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Wir verwandeln Gebäude in lebende Ökosysteme&#8220;, erklärt das Forschungsteam. Die Vision ist ambitioniert: Fassaden, die wie Korallenriffe funktionieren, Dächer, die wie Wälder atmen, Fundamente, die wie Wurzelsysteme Nährstoffe austauschen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Manifesto der Kreislaufwirtschaft</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinter allen bio-inspirierten Projekten der Biennale steht eine gemeinsame Vision: das Circular Economy Manifesto, das Carlo Ratti am 20. September 2024 mit Unterstützung von Arup und der Ellen MacArthur Foundation vorstellte. &#8222;Wir verpflichten uns, Pavillons und Räume zu schaffen, die nicht nur temporäre Showcases sind, sondern Beispiele für mutiges zirkuläres Denken darstellen und nachhaltige Vermächtnisse schaffen.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die meisten Ausstellungspaneele der Biennale bestehen aus recyceltem Holz und werden nach Ende der Ausstellung zu neuen Materialien geschreddert. Ein konsequenter Kreislauf, der Abfall vermeidet und Ressourcen schont. Die Biennale wird zur Kohlenstoffneutralität nach ISO 14068 verpflichtet – ein Novum in der Kulturwelt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Seegras statt Styropor</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus Griechenland kommt eine besonders elegante Lösung für das Dämmstoffproblem: Das Kollektiv Vessel hat Isolierpaneele aus Seegras entwickelt. Das Material, das an Mittelmeerstränden oft als lästiger Abfall betrachtet wird, erweist sich als hervorragender Wärmedämmer mit extrem niedrigem CO2-Fußabdruck.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Panele sehen aus wie gepresstes Heu, riechen nach Meer und isolieren besser als viele synthetische Materialien. &#8222;Wir nutzen, was die Natur uns vor die Füße spült&#8220;, erklärt das Team. Die Ästhetik ist bewusst rau, ungeschliffen – sie zeigt ihre Herkunft und macht die natürlichen Prozesse sichtbar.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Material Cultures aus Manchester</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während Vessel mit Meeresabfall experimentiert, entwickelt Material Cultures aus Manchester bio-basierte Wohnexperimente. Das britische Forschungskollektiv arbeitet mit Pilzmyzelien, Bakterienzellulosen und anderen lebenden Materialien. Ihre Versuchsbauten wachsen buchstäblich heran, geformt von den Bedürfnissen der Organismen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Unsere Gebäude sind lebende Systeme&#8220;, erklärt Gründerin Sian Russell. &#8222;Sie reagieren auf ihre Umgebung, verändern sich mit der Zeit, sterben und werden zu Kompost.&#8220; Eine radikale Vision, die Architektur als temporäres Phänomen begreift – nicht als Monument für die Ewigkeit, sondern als Teil natürlicher Kreisläufe.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Poesie der Anpassung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was alle diese Projekte verbindet, ist eine neue Ästhetik der Anpassung. Statt starrer Geometrien und unveränderlicher Materialien entstehen flexible, responsive, lebendige Architekturen. Sie sind schön, weil sie funktionieren – und sie funktionieren, weil sie von der Natur lernen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Bio-Architekturen erzählen andere Geschichten als die heroischen Großbauten der Moderne. Sie sprechen von Symbiose statt Eroberung, von Kreisläufen statt linearen Prozessen, von Kollaboration statt Dominierung. Ihre Schönheit liegt nicht in der perfekten Form, sondern in der eleganten Anpassung an sich verändernde Bedingungen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Pragmatismus und Poesie</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Biennale 2025 zeigt: Die Zukunft der Architektur liegt nicht in der Überwindung der Natur, sondern in der Partnerschaft mit ihr. Ob Elefantendung-Ziegel oder DNA-kodierte Fasern, ob Algen-Fassaden oder Pilz-Konstruktionen – überall entstehen neue Allianzen zwischen menschlicher Gestaltung und natürlichen Prozessen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Projekte sind zugleich pragmatisch und poetisch. Sie lösen konkrete Probleme – von der CO2-Bindung bis zur Materialknappheit – und schaffen dabei neue Formen der Schönheit. Sie zeigen, dass Nachhaltigkeit und Ästhetik keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig befruchten können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Natur wird zur Lehrmeisterin einer Architektur, die nicht länger gegen die Umwelt kämpft, sondern mit ihr kooperiert. In dieser Partnerschaft liegt vielleicht der Schlüssel zu einer Baukunst, die sowohl die Klimakrise bewältigt als auch die menschliche Sehnsucht nach Schönheit erfüllt.</p>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Die 19. Internationale Architekturausstellung – La Biennale di Venezia &#8222;Intelligens. Natural. Artificial. Collective.&#8220; läuft noch bis zum 23. November 2025.</strong></p>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Öffnungszeiten:</strong></p>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Mai bis 28. September:</strong> 11:00 &#8211; 19:00 Uhr (Freitag/Samstag im Arsenale bis 20:00 Uhr)</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>29. September bis 23. November:</strong> 10:00 &#8211; 18:00 Uhr</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Geschlossen:</strong> Montags (außer 12. Mai, 2. Juni, 21. Juli, 1. September, 20. Oktober, 17. November)</li>
</ul>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Veranstaltungsorte:</strong> Giardini und Arsenale, Venedig</p>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Eintrittspreise:</strong></p>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Einzelticket:</strong> 25€ (gültig für beide Venues)</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Ermäßigt:</strong> 22€ (Studierende, Senioren 65+, Gruppen ab 10 Personen)</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Familienticket:</strong> Kinder bis 6 Jahre frei</li>
</ul>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Weitere Informationen:</strong> <a class="underline" href="https://www.labiennale.org/en/architecture/2025">www.labiennale.org/en/architecture/2025</a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Olympia in München: Betonträume und Bürgerprotest</title>
		<link>https://baukunst.art/olympia-in-muenchen-betontraeume-und-buergerprotest/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 May 2025 12:11:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Olympia2036]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12381</guid>

					<description><![CDATA[München träumt erneut vom olympischen Glanz – diesmal nachhaltiger, bürgernäher und mit kritischem Blick auf die Vergangenheit. Gelingt 2036 die Neuauflage eines historischen Moments?
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">München und Olympia – wiederholt sich der Traum?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zwischen Nostalgie und Neuanfang</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn München vom olympischen Feuer spricht, lodert unweigerlich das Echo von 1972 auf – jenen Spielen, die sowohl Glanz als auch Tragödie in die Stadt brachten. Fünf Jahrzehnte später wagt München erneut den Blick auf das weltgrößte Sportereignis – mit einem Konzept, das Tradition, Nachhaltigkeit und Beteiligung miteinander verknüpfen will. Doch der Traum von Olympia 2036 steht unter anderen Vorzeichen als damals: Er muss erst die Herzen der Bürgerinnen und Bürger gewinnen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Rückgriff mit Weitblick: Das Konzept</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Besondere an Münchens Bewerbung ist nicht der Gigantismus, sondern seine Zurückhaltung. Rund 90 Prozent der geplanten Sportstätten existieren bereits – ein Novum im oft überbordenden olympischen Kontext. Das ikonische Olympiastadion, der Eiskanal in Augsburg, die Schießanlage in Garching oder die Reitanlage in Riem sollen erneut als Schauplätze dienen. Neu gebaut würde lediglich dort, wo es unumgänglich ist: beispielsweise ein temporäres Schwimmstadion am Münchner Flughafen. Dieses Prinzip der Wiederverwendung ist kein ästhetischer Zufall, sondern Ausdruck eines Paradigmenwechsels. Statt glänzender Architekturutopien steht heute eine olympische Demut im Vordergrund, die nicht zuletzt dem wachsenden Bewusstsein für Nachhaltigkeit geschuldet ist.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Stadt als Bühne: Infrastruktur im Wandel</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Olympia wird zur Projektionsfläche für Münchens infrastrukturelle Zukunft. Die Bewerbung versteht sich auch als Katalysator für lange geplante Großprojekte: die neue U-Bahnlinie U9, die zweite S-Bahn-Stammstrecke und der Nordring für die S-Bahn sollen mit Hilfe des olympischen Rückenwinds endlich Realität werden. Herzstück des Konzepts ist das geplante olympische Dorf im Nordosten der Stadt – in einem Gebiet zwischen Daglfing und Englschalking. Hier sollen 16.000 Athletinnen, Athleten und Offizielle temporär wohnen, ehe die Unterkünfte in reguläre Wohnungen umgewandelt werden. Rund 4000 Wohnungen könnten so entstehen – ein Hoffnungsschimmer im angespannten Münchner Wohnungsmarkt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Chancen, die verpflichten</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Olympische Spiele erzeugen Magnetismus – für Menschen, Kapital und Aufmerksamkeit. München erhofft sich wirtschaftliche Impulse, einen touristischen Schub und die Möglichkeit, sich erneut als internationale Sport- und Kulturmetropole zu positionieren. Ministerpräsident Markus Söder und Oberbürgermeister Dieter Reiter betonen die Stärke Münchens im internationalen Wettbewerb: Erfahrung, Bekanntheit und Effizienz. Gleichzeitig setzt man bewusst auf ein „sympathisches“ Format: ökologisch durchdacht, sozial verankert, transparent gestaltet. In Zeiten von globaler Klimakrise und gesellschaftlicher Polarisierung wäre dies ein bewusster Gegenentwurf zu früheren Spielen – eine Olympia der Besonnenheit.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der Haken im Konzept: Beteiligung und Widerstand</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotz des offenen Charakters bleibt der Weg zur Bewerbung steinig. Ein Bürgerentscheid im Oktober 2025 entscheidet über das Schicksal des Projekts. Die Erinnerung an das Scheitern der Winterspiel-Bewerbung 2022 sitzt tief – damals sagte die Bevölkerung „Nein“, trotz großem politischen Willen. Auch jetzt regt sich Widerstand, vor allem gegen die Bebauung des geplanten Olympia-Dorfes. Die Initiative „Heimatboden“ kritisiert mangelnde Beteiligung und fürchtet um die gewachsene Struktur des Daglfinger Ortskerns. Ihr juristischer Widerstand ist bereits angekündigt. Die Stadt bemüht sich zwar um Kooperation mit Grundeigentümerinnen und Eigentümern, doch die Konfliktlinien sind offensichtlich.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Spiel mit der Geschichte</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht zuletzt steht die Bewerbung auch in einem symbolischen Spannungsfeld. 100 Jahre nach den Spielen in Berlin 1936 und 64 Jahre nach dem Attentat von 1972 will München zeigen, dass Olympische Spiele auch anders gehen – demokratisch legitimiert, respektvoll gegenüber der Geschichte, richtungsweisend für die Zukunft.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit: Ein realistischer Traum?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">München träumt erneut – aber anders. Nicht von Prunk und Protz, sondern von einer nachhaltigen, integrierten und legitimierten Olympiade. Der Weg ist lang, der Ausgang offen. Aber das Konzept ist durchdacht, geerdet und zeitgemäß. Ob sich der Traum erfüllt, liegt diesmal nicht nur in den Händen der Funktionäre – sondern in denen der Stadtgesellschaft.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Machtkampf um das Stadtbild – Wie ein Hochhaus Klagenfurt spaltet</title>
		<link>https://baukunst.art/machtkampf-um-das-stadtbild-wie-ein-hochhaus-klagenfurt-spaltet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Apr 2025 10:18:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Hochhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Hochhausprojekt sorgt in Klagenfurt für hitzige Diskussionen: Zwischen städtebaulichem Fortschritt und Verlust von Grünflächen scheiden sich die Geister.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Balanceakt zwischen Wachstum und Widerstand</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Klagenfurt entbrennt eine emotionale Debatte rund um das geplante <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">elfgeschossige Hochhaus</strong> des Immobilienentwicklers <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Riedergarten</strong>. Das Projekt spiegelt die Herausforderungen moderner Stadtentwicklung wider: Während Investorinnen und Investoren urbane Verdichtung und nachhaltige Bauweise preisen, sorgen sich Bürgerinitiativen und Umweltgruppen um das Stadtbild und die letzten innerstädtischen Grünflächen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Urbane Verdichtung als Chance</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit dem Bauprojekt folgt Riedergarten einem internationalen Trend: Wachstum nach innen statt nach außen. Hochhäuser ermöglichen die Schaffung hochwertigen Wohnraums auf begrenzter Fläche – eine Strategie, die angesichts steigender Bevölkerungszahlen und Bodenknappheit zunehmend an Bedeutung gewinnt. Auch die versprochene Einhaltung ökologischer Standards, wie <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">energieeffizientes Bauen</strong> und innovative Mobilitätskonzepte, soll das Projekt zukunftsweisend machen .</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Verlust von Naturraum: Ein unwiederbringlicher Preis?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch dieser Fortschritt hat seinen Preis. Kritikerinnen und Kritiker, allen voran die Grünen, warnen vor einer irreversiblen Zerstörung wertvoller Naturflächen, etwa am Kreuzbergl, wo der Botanische Garten erweitert werden könnte . Auch das historische Stadtbild gerät unter Druck: Höhere Bebauungsdichten und dominante Baukörper könnten das vertraute Gefüge sensibel verändern.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Politische Interventionen und rechtliche Auseinandersetzungen</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Diskussion gewinnt zusätzlich an Brisanz durch die Enthüllung politischer Interventionen. Interne Schriftstücke zeigen, wie Vertreter von Riedergarten gezielt Änderungswünsche an der Klagenfurter Bebauungsplanverordnung an zwei Gemeinderäte übermittelten . Öffentliche Aussagen wie das “Bauchweh” eines ÖVP-Politikers legen die latente Nervosität innerhalb der Stadtpolitik offen. Die angekündigte Klage Waldners gegen die Stadt Klagenfurt verdeutlicht die verhärteten Fronten .</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachhaltigkeit – Versprechen oder Realität?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während Riedergarten seine Projekte gerne als Musterbeispiele für nachhaltige Stadtentwicklung präsentiert, bleibt Skepsis angebracht. Wie konsequent ökologische Prinzipien bei der tatsächlichen Bauausführung eingehalten werden, zeigt sich erst in der Praxis. Die Erfahrung lehrt: Zwischen grünen PR-Versprechen und realem Baustellenalltag klafft oft eine bemerkenswerte Lücke.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Gesellschaftliche Verantwortung</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Großprojekte wie das Hochhaus am Viktringer Ring tragen eine gesellschaftliche Verantwortung. Sie beeinflussen die Stadt über Generationen hinweg. Gerade deshalb braucht es transparente Verfahren, ernsthafte Bürgerbeteiligung und klare Spielregeln für Investorinnen und Investoren. Nur so kann Stadtentwicklung im besten Sinne gelingen: als integrativer, nachhaltiger Prozess, der sowohl dem Bedarf nach Wohnraum als auch dem Schutz kollektiver Güter gerecht wird.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Aus der Bank wird ein Biotop – Wie ein leerstehendes Gebäude Frankfurt neu beleben soll</title>
		<link>https://baukunst.art/aus-der-bank-wird-ein-biotop-wie-ein-leerstehendes-gebaeude-frankfurt-neu-beleben-soll/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Apr 2025 15:48:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Mixed-Use]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Revitalisierung]]></category>
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					<description><![CDATA[Neustart für die alte Dresdner Bank: Mit einem mutigen Nutzungsmix will der Investor Paref das leerstehende Gebäude am Frankfurter Messegelände in ein urbanes Quartierszentrum verwandeln.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Nutzungsmix als Rettungsanker – Die neue Zukunft der ehemaligen Dresdner Bank</strong></h2>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der Geist der Bank ist ausgezogen</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Einst zählte sie zum festen Bestandteil der Frankfurter Finanzarchitektur: die im Jahr 2002 für die Dresdner Bank errichtete Immobilie an der Theodor-Heuss-Allee. Doch seit dem Rückzug des Geldinstituts steht das markante Gebäude leer – eine Leerstandsruine gegenüber der Frankfurter Messe, gut erschlossen, aber ohne funktionales Leben. Der chinesische Eigentümer Fonsun verzeichnete allein 2023 Verluste in Millionenhöhe. Nun drängt er auf eine umfassende Revitalisierung – und setzt auf einen ungewöhnlich vielseitigen Nutzungsmix.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">NAU! – ein Ausrufezeichen für die Stadt</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„NAU!“ heißt das neue Konzept. Es versteht sich als bewusste Abkehr vom traditionellen Einzelbüro – eine Kampfansage an die Monofunktionalität, wie sie viele Altbauten im Bankenviertel prägt. Entwickelt vom französischen Investor Paref, verspricht es nichts Geringeres als ein „quartiersbildendes Mehrwertgebäude“, das rund um die Uhr belebt ist. Geplant sind Hotel- und Serviced Apartments, Co-Working-Flächen, Einzelhandel, Fitnessbereiche, Gastronomie – und sogar wieder Büros, allerdings in neuer Form und flexibler Organisation.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zwischen Nutzung und Narrativ</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Begriff des „Nutzungsgemenges“ wird hier zum Programm. Der Mix soll nicht nur ökonomisch tragfähig, sondern auch sozial und städtebaulich wirksam sein. Dahinter steht ein Narrativ: das Gebäude als Knotenpunkt urbanen Lebens. Der Investor verspricht klare Strukturen je Nutzungseinheit, aber offene, durchlässige Übergänge zwischen ihnen – ein urbanes Ökosystem im Mikroformat.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachhaltigkeit als Pflicht und Kür</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonderes Augenmerk liegt auf der ökologischen Aufwertung des Bestands. Die Dächer werden begrünt, die Fassade energetisch saniert, Photovoltaikanlagen installiert. Im Innern sollen Strahlungsdecken und mechanische Lüftung für ein behagliches Klima sorgen. Lichtdurchflutete Freiflächen und digitale Infrastruktur nach Wired-Score- und Smart-Score-Standards runden das technische Konzept ab. Ziel sind DGNB-Gold- und BREEAM-Excellent-Zertifizierungen – ambitioniert, aber notwendig in einer Stadt, die sich zunehmend an ESG-Kriterien orientiert.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Stadt als Bühne – und Mitspielerin</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessant ist der soziale und stadtplanerische Anspruch des Projekts. NAU! will kein abgeschlossenes Hochsicherheitsareal sein, sondern ein „offenes Gebäude mit echter Anbindung an das städtische Umfeld“. Damit greift das Konzept ein Bedürfnis auf, das die Pandemie geschärft hat: Räume, die Wohnen, Arbeiten, Konsum und Freizeit ineinander überführen – nicht als Eventfläche, sondern als dauerhafte urbane Qualität.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Risiko mit Potenzial</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch fehlen Angaben zu Kosten und Zeitplan – ein Zeichen der Unsicherheit? Möglich. Sicher ist nur: Der Eigentümer Fonsun hat keine Zeit zu verlieren. Nach Jahren der wirtschaftlichen Stagnation muss aus der Immobilie wieder ein Wertträger werden. Ob die Mischung aus Fitnessstudio und Fine Dining, Hotel und Hot Desk dauerhaft trägt, bleibt offen. Doch der Versuch, durch programmatische Vielfalt den Leerstand zu heilen, ist mehr als ein kurzfristiges Kalkül – es ist ein Statement.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt NAU! könnte ein Referenzfall für die Umnutzung monofunktionaler Altbestände im urbanen Kontext werden. Es zeigt: Zukunftsfähigkeit entsteht dort, wo Architektur, Nutzung und Infrastruktur konsequent zusammengedacht werden. Die ehemalige Dresdner Bank könnte so zum Prototyp eines neuen Immobilientyps avancieren – vorausgesetzt, die Umsetzung hält, was das Konzept verspricht.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schöne neue Welt? Warum die Expo in Osaka ihre Versprechen nicht einlösen kann</title>
		<link>https://baukunst.art/schoene-neue-welt-warum-die-expo-in-osaka-ihre-versprechen-nicht-einloesen-kann/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Apr 2025 19:22:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Expo2025]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Osaka]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Expo 2025 in Osaka zeigt ambitionierte Zukunftsvisionen – und ringt dabei mit der Realität einer fragmentierten Weltordnung.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Expo 2025 in Osaka</strong></h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zwischen Fortschritt und Fiktion</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit einem fliegenden Start hat in Osaka die Expo 2025 eröffnet. Doch das Motto „Designing Future Society for Our Lives“ klingt in Zeiten globaler Krisen wie ein Wunschlied in Moll. 158 Länder präsentieren Ideen für eine bessere Zukunft – visionär, technisch ambitioniert, aber oft losgelöst von den sozialen Spannungen der Gegenwart. Zwischen Mondsteinen, Bioherzen und niedlichen Robotermaskottchen stellt sich die Frage: Wie realistisch ist diese Zukunft?</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Deutschland im Kreislauf</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der deutsche Pavillon inszeniert sich als Vorreiter der Kreislaufwirtschaft. Besucherinnen und Besucher werden vom faustgroßen Maskottchen „Circular“ begrüßt – einem sprechenden Gummiwesen, das wie direkt aus einem Studio-Ghibli-Film gefallen scheint. Es erklärt mit Quietschstimme das Konzept der Nachhaltigkeit, während drinnen Holz, Pilzmaterialien und KI-generierte Stadtvisionen zum Einsatz kommen. Bauministerium trifft Märchenwelt – ein Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und Edutainment. Christopher Hecker, der Verantwortliche für den deutschen Beitrag, betont: „Bei allem, was wir geplant haben, haben wir uns gefragt: Gibt es noch eine nachhaltigere Lösung?“ Der temporäre Holzbau soll zu 90 Prozent wiederverwendbar sein – ein ambitionierter Plan in einem Land, in dem Architektur sonst selten auf Rückbau setzt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Hoffnung unter einem Holzring</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Gelände der Expo ist auf der künstlich aufgeschütteten Insel Yumeshima entstanden. Zusammengehalten wird es vom „Grand Ring“ – einer gigantischen, zwei Kilometer langen Holzstruktur. Ein Symbol für Verbindung in einer Zeit der Spaltung. Dass sowohl Israel als auch Palästina, ebenso wie die Ukraine, mit Pavillons vertreten sind, wird von den Veranstaltern als diplomatischer Erfolg gewertet. Doch dieser Ring täuscht nicht über die Fragilität der Lage hinweg. Russland blieb der Veranstaltung fern, der Ticketverkauf blieb hinter den Erwartungen zurück. Die Bevölkerung zeigt sich wenig begeistert – zu teuer, zu aufwendig, zu unklar der Nutzen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Technik als Trost</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Japan selbst setzt im eigenen Pavillon auf Hightech-Inszenierungen. Gezeigt werden Prototypen fliegender Taxis, ein schlagendes Herz aus Stammzellen, Lichtinstallationen zur Biogasproduktion – alles flankiert von Hello-Kitty-Algen und poetisch belehrenden Avataren. Der ästhetische Spannungsbogen reicht von Hightech bis Kawaii, von Bioökonomie bis Popkultur. Doch der Ernst, mit dem die globale Gemeinschaft Lösungen sucht, wirkt hinter dieser pastellfarbenen Oberfläche merkwürdig weichgezeichnet.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Komik trifft Katastrophenschutz</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei ist der Veranstaltungsort selbst ein Statement. Osaka, Japans selbsternannte Hauptstadt des Humors, begegnet der Zukunft mit einem Lächeln. Die lokale Comedy-Kultur – Manzai genannt – ist lebendig, kritisch, schnell. Vielleicht liegt gerade darin eine verborgene Botschaft der Expo: Nicht nur Technik, auch Humor kann eine Gesellschaft resilienter machen. In einer Stadt, die ihre Besucherinnen und Besucher mit überdimensionalen Oktopussen, animierten Reklametafeln und frittierter Hausmannskost empfängt, bleibt der Mensch stets im Mittelpunkt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Zukunft bleibt ein Versprechen</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Expo in Osaka ist ein Schaufenster globaler Ambitionen – ein Labor für neue Materialien, urbane Visionen und diplomatische Annäherung. Doch das alles geschieht in einem Kontext, der von Unsicherheiten geprägt ist. Kriege, Klimakrise, wirtschaftliche Spannungen: Die Antwort der Expo bleibt – freundlich gesagt – unvollständig. Der große Holzring umspannt zwar das Gelände, aber nicht die Widersprüche der Welt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zukunftsgesellschaft lässt sich eben nicht nur gestalten, sondern muss auch ertragen werden. Vielleicht liegt darin die wahre Lehre dieser Weltausstellung.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bau-Chaos oder Zukunftsmodell: Österreich prüft deutsche &#8222;Gebäudeklasse E&#8220;</title>
		<link>https://baukunst.art/bau-chaos-oder-zukunftsmodell-oesterreich-prueft-deutsche-gebaeudeklasse-e/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Mar 2025 14:31:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Baunormen]]></category>
		<category><![CDATA[Gebäudeklasse E]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12026</guid>

					<description><![CDATA[Die deutsche Idee der Gebäudeklasse E verspricht einfacheres und kostengünstigeres Bauen – Österreich diskutiert nun, ob dieser Ansatz auch hierzulande zukunftsfähig ist.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Einfach bauen, einfach wohnen: Der Gebäudetyp E auf dem Prüfstand</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die deutsche Baubranche steht vor einer simplen wie provokativen Frage: Wie viele Steckdosen braucht eine Wohnung wirklich? Der Versuch, Normen und Richtlinien beim Bauen zu reduzieren, mündete in das Konzept des <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Gebäudetyps E</strong>– einfaches und experimentelles Bauen, bei dem viele freiwillige technische Anforderungen gezielt gestrichen werden. Die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kammer der Architektinnen und Ziviltechniker</strong> in Österreich sieht darin Potenzial für eine dringend notwendige Vereinfachung des Bauens.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Bau-Realität vs. Bau-Idealismus</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer in Österreich oder Deutschland heute baut, kennt die Herausforderung: unzählige Normen müssen berücksichtigt werden, von der Türbreite bis zur exakten Anzahl der Steckdosen. Laut Günter Katherl, Vorsitzender des Ressorts Zukunft-Lebensraum der Kammer der Architektinnen und Ziviltechniker, sind allein für Türbreiten etwa 50 verschiedene Vorschriften maßgebend. Der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Gebäudetyp E</strong>, der ursprünglich aus Bayern stammt, setzt hier an und erlaubt das gezielte Weglassen freiwilliger Normen – allerdings unter der Voraussetzung, dass Sicherheit und Brandschutz gewährleistet bleiben.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Verantwortung und Komfortzone</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine große Herausforderung stellt dabei die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Rechtssicherheit</strong> dar: Die Angst vor möglichen Klagen führt oft dazu, dass Bauunternehmen und Architektinnen freiwillig weit über das gesetzlich erforderliche Maß hinaus planen. Diese Sicherheitsmarge verursacht zusätzliche Kosten, ohne dass Nutzerinnen und Nutzer notwendigerweise davon profitieren. Sophie Ronaghi-Bolldorf, Vorsitzende des Ausschusses Bauordnung, beschreibt treffend die Überdimensionierung heutiger Bauvorhaben und kritisiert zugleich die teilweise übertriebenen Komfortansprüche: „Muss es wirklich möglich sein, im Winter ohne Socken und Pulli in der Wohnung zu sitzen?“</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Normen reduzieren, Ressourcen schonen</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Reduktion von Normen hätte nicht nur finanzielle, sondern auch ökologische Vorteile. Kleinere Heizsysteme und geringerer Materialaufwand könnten erhebliche Einsparungen bringen. Ein konkretes Beispiel ist die Raumtemperatur, deren Absenkung beträchtliche ökologische Potenziale birgt. Ebenso bietet die Reduktion der vorgeschriebenen Stellplätze und der generellen Raumbedarfe pro Person weitere Möglichkeiten zur nachhaltigen Nutzung von Ressourcen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Historischer Kontext und modernes Experimentieren</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gerade im Bestand, etwa bei der Sanierung historischer Gebäude, könnte der Gebäudetyp E neue Wege eröffnen. Ein Beispiel aus Österreich verdeutlicht die Problematik: Eine historische Terrazzostiege in einem 120 Jahre alten Gebäude musste abgetragen werden, weil ihre Stufen laut aktueller Norm zu stark gerundet waren. Der Gebäudetyp E könnte hier historisch wertvolle Substanz erhalten, indem nicht jede Norm buchstabengetreu umgesetzt werden muss.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Grenzen der Vereinfachung</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotz allem fordert Ronaghi-Bolldorf ein gewisses Maß an Weitsicht bei der Planung. Eine zu starke Reduktion etwa im Bereich der Barrierefreiheit könnte sich langfristig rächen, wenn später aufwendige Umbauten nötig werden. Eine sorgfältige Abwägung zwischen notwendiger und überflüssiger Norm bleibt daher essenziell.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit: Balance zwischen Innovation und Sicherheit</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Gebäudetyp E</strong> könnte auch in Österreich einen wichtigen Impuls geben, das Bauen unkomplizierter und nachhaltiger zu gestalten. Die Gratwanderung zwischen Normenabbau und der Erhaltung notwendiger Sicherheitsstandards bleibt dabei die zentrale Herausforderung. Die aktuelle Diskussion zeigt jedoch, dass das Bedürfnis nach einfacheren, ökologischeren und bezahlbaren Wohnformen dringlicher denn je ist.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wetteraukreis 2025: Hessentag in Bad Vilbel und neue Thermen</title>
		<link>https://baukunst.art/wetteraukreis-2025-hessentag-in-bad-vilbel-und-neue-thermen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Mar 2025 14:55:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bad Vilbel]]></category>
		<category><![CDATA[Hessentag 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Hessentag 2025 stellt Bad Vilbel auf die Probe: Kulturelle Vielfalt, ehrgeizige Bauvorhaben und kritische Infrastrukturfragen halten die Wetterau in Atem.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Hessentag in Bad Vilbel – Eine Region unter Anspannung</h2>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kulturrausch trifft Infrastrukturstress</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vom <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">13. bis 22. Juni 2025</strong> verwandelt sich Bad Vilbel in das Zentrum Hessens, wenn der traditionsreiche <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Hessentag</strong>, Deutschlands größtes und ältestes Landesfest, eröffnet wird. Unter dem Motto „Wir bringen Hessen auf die Bühne“ lockt ein vielfältiges Programm aus Kultur, Tradition und moderner Unterhaltung. Stars wie <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kings of Leon, Deichkind, Judas Priest und Howard Carpendale</strong> versprechen, Besucherinnen und Besucher weit über die Grenzen Hessens hinaus anzuziehen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Herausforderungen einer wachstumsorientierten Region</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch hinter den glänzenden Kulissen regt sich Besorgnis: Das Mega-Event stellt Infrastruktur, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Bad Vilbel und der Wetterau auf den Prüfstand. Zwar erwarten Kulturfans unvergessliche Tage in der Stadtwerke-Arena im Quellenpark, doch angesichts der prognostizierten Besucherzahlen werden Verkehrswege und öffentliche Verkehrsmittel unter enormen Druck geraten. Dabei fehlt es gerade im ärmeren Ostkreis der Wetterau ohnehin an effektiven Mobilitätskonzepten, wodurch die Region im Zuge der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Landesgartenschau 2027</strong> auf weitere nachhaltige Infrastrukturprojekte angewiesen ist.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Thermen-Projekte als Fluch und Segen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Parallel zum Hessentag beschäftigt ein Mammutprojekt Bad Vilbel seit Jahren: die geplante <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Riesentherme</strong> des südwestdeutschen Investors Wund. Einst auf 180 Millionen Euro veranschlagt, haben Umplanungen und Inflation die Investitionssumme inzwischen auf beeindruckende 400 Millionen Euro steigen lassen. Das Projekt ist nicht nur finanziell ambitioniert, sondern steht auch symbolisch für die Entwicklungsdynamik der Stadt. Kritische Stimmen in der Bevölkerung und der Kommunalpolitik zeigen sich zunehmend ungeduldig angesichts der anhaltenden Verzögerungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Schatten der großen Schwester plant der kleinste hessische Kurort, Bad Salzhausen, eine <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">klimafreundliche Therme</strong>, die mit nachhaltiger Technik wie Wärmepumpen und Solarenergie betrieben werden soll. Rechtzeitig zur Landesgartenschau 2027 will die Stadt Nidda hier ein Vorzeigeprojekt realisieren, um nachhaltigen Tourismus und regionale Entwicklung zu fördern.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit versus Wirtschaftswachstum</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während Bad Vilbel und Bad Salzhausen um Baugenehmigungen und Fertigstellungstermine kämpfen, sieht sich die Wetterau insgesamt mit kritischen Nachhaltigkeitsfragen konfrontiert. In den Kommunen Echzell und Wölfersheim stehen Großprojekte wie die Logistikzentren von Amazon und Rewe auf dem Prüfstand. Gegen beide Bauvorhaben laufen Klagen des <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Bundes für Umwelt und Naturschutz</strong>. Streitpunkt sind Eingriffe in ökologisch sensible Gebiete, wie etwa ein bedeutendes Vogelschutzgebiet nahe Echzell. Die Gerichtsverfahren ziehen sich hin, während die Bürgermeister und Investoren zunehmend unter Zugzwang geraten.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Chance und Herausforderung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Hessentag 2025 in Bad Vilbel und die bevorstehenden Großprojekte in der Region zeigen deutlich, wie stark kulturelle Highlights und infrastrukturelle Entwicklungen miteinander verbunden sind. Für die Wetterau könnte das Landesfest zum Sprungbrett für langfristige, nachhaltige Veränderungen werden – sofern die damit verbundenen Herausforderungen erkannt und gemeistert werden. Die Balance zwischen ökonomischem Wachstum und ökologischer Verantwortung wird zum entscheidenden Kriterium, das über Erfolg oder Scheitern entscheidet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Bad Vilbel und die Wetterau ist der Hessentag mehr als nur ein Fest: Er ist ein Lackmustest für nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Wider die Wegwerfarchitektur – Stuttgart entdeckt nachhaltige Stadterneuerung</title>
		<link>https://baukunst.art/wider-die-wegwerfarchitektur-stuttgart-entdeckt-nachhaltige-stadterneuerung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 22 Mar 2025 10:54:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturtrend]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Sanierung]]></category>
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					<description><![CDATA[In Stuttgart zeigt die Sanierung von blocher partners, wie historische Bausubstanz mit modernen Konzepten neue Lebensqualität schafft.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Sanierung am Schlossplatz Stuttgart – blocher partners verbinden Historie und Moderne</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach zweieinhalbjähriger umfassender Sanierungs- und Umstrukturierungsarbeit wird das landeseigene <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kunstgebäude am Schlossplatz in Stuttgart</strong> im April 2025 feierlich wiedereröffnet. Das Gebäude, ein architektonisches Wahrzeichen und „Haupt- und Gründungswerk der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stuttgarter Schule</strong>“ (Dehio, 1993), erhält damit erneut eine zeitgemäße Interpretation.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Geschichte trifft Gegenwart</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Errichtet wurde das markante Gebäude ursprünglich nach Plänen von <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Theodor Fischer</strong> in den 1910er Jahren. Die prägnante Arkade wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört, jedoch zwischen 1956 und 1961 unter Leitung von <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Paul Bonatz</strong> und <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Günther Wilhelm</strong> wiederaufgebaut und durch einen damals modernen „White Cube“ ergänzt. 2018 setzte sich schließlich das Architekturbüro <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">blocher partners</strong> in einem europaweiten Wettbewerb zur Sanierung des denkmalgeschützten Ensembles durch.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Modernisierung mit Respekt vor der Historie</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine zentrale Aufgabe war es, das geschichtsträchtige Kunstgebäude behutsam an heutige Anforderungen anzupassen. Neben der Einhaltung aktueller Brandschutzstandards war die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Barrierefreiheit</strong> ein wesentliches Ziel der Sanierung. Durch eine Neustrukturierung gelang es den Architektinnen und Architekten zudem, mehr Licht in das Gebäudeinnere zu bringen und neue Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Haupteingang wurde dabei aus der Mittelachse nach rechts versetzt und wird nun von einem markanten Rahmen aus brünierter Bronze eingefasst, gekrönt von einem schwebenden Ring mit Schriftzug, der zwischen den Säulen angebracht ist.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Innovative Lösungen im historischen Kontext</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zur besseren Erschließung wurde ein neues Treppenhaus samt Aufzug integriert, das den zweigeschossigen Bestand barrierefrei macht. Besonders hervorzuheben ist die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Unterkellerung des Marmorsaals</strong>, wodurch dringend benötigte Flächen für Garderobe und Sanitäranlagen entstanden sind. Der Marmorsaal selbst erhielt eine akustische Aufwertung und kann mittels beweglicher, akustisch wirksamer Lamellenwände flexibel mit dem Nachbarraum verbunden werden. Der Kuppelsaal wurde ebenfalls akustisch optimiert, ohne seine historische Substanz zu beeinträchtigen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Anlehnung an die Originalpläne von Fischer wurde zudem die Decke über dem Restaurantbereich teilweise entfernt, wodurch Sichtachsen zum darüberliegenden Ausstellungssaal entstanden sind – ein harmonischer Dialog zwischen Alt und Neu.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachhaltigkeit und kulturelles Erbe</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Maßnahmen, von <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Vermögen und Bau Stuttgart</strong> beauftragt, summieren sich auf rund 20,5 Millionen Euro für eine Nutzfläche von 3.460 Quadratmetern. Bei den Bauarbeiten ergab sich zudem eine kleine historische Überraschung: Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter stießen auf einen weiteren Grundstein des historischen „Neuen Lusthauses“ der württembergischen Herzöge, der bereits seit 1593 dort lagerte. Ein kurioser und gleichzeitig symbolträchtiger Fund, der an die lange Geschichte des Standorts erinnert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit der Sanierung durch blocher partners erhält Stuttgart nicht nur ein zeitgemäßes Kunstgebäude, sondern auch ein lebendiges Beispiel für nachhaltige Stadtentwicklung und einen achtsamen Umgang mit dem kulturellen Erbe.</p>
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