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	<title>Unterwegs-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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	<title>Unterwegs-Archiv - Baukunst</title>
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	<item>
		<title>Olivenhaine in Ostösterreich: Klimaanpassung oder Spinnerei?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jun 2026 16:24:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaanpassung]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturlandschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Olivenanbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Olivenhaine im Marchfeld und Burgenland: Der Verein Agro Rebels macht aus dem Klimawandel ein Anbauprogramm. Spinnerei oder ernsthafte Antwort? Ein Blick auf Recht und Landschaft.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/olivenhaine-in-ostoesterreich-klimaanpassung-oder-spinnerei/">Olivenhaine in Ostösterreich: Klimaanpassung oder Spinnerei?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art </strong>  |   Innovation   |   Ausgabe Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Grosses Experiment im Osten: Wie Österreich zum Olivenland werden könnte</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Klimaadaptive Landnutzung bezeichnet den planmäßigen Umbau landwirtschaftlicher Anbausysteme an veränderte Temperatur- und Niederschlagsregime. Genau dieses Prinzip verfolgt der Verein Agro Rebels, der seit 2019 den Anbau von Olivenbäumen in Österreich vorantreibt. Was zunächst nach südländischer Folklore im Marchfeld klingt, berührt handfeste Fragen der Raumordnung, des Bodenschutzes und des Sortenrechts. Die Olive ist hier weniger ein kulinarisches Versprechen als ein Testfall dafür, wie sich Kulturlandschaft unter dem Druck der Erwärmung neu ordnet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mitgegründet von Daniel Rössler und dem Physiker Markus Fink, versteht sich der Verein ausdrücklich als Reaktion auf den Klimawandel; auf der eigenen Website firmiert das Projekt unter dem Motto „powered by climate change“. Seit der ersten Pflanzung 2019/20 wurden nach Vereinsangaben rund 3.000 Bäume ausgesetzt, getestet wurden 25 Sorten aus fünf Ländern. Die Schwerpunkte liegen im Osten: im Marchfeld, im Burgenland, im niederösterreichischen Umland von Wien und im steirischen Vulkanland. Rund 30 Partnerbetriebe arbeiten mit, jährlich kommen etwa zehn hinzu.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Verein ist dabei nicht allein. Genossenschaftliche Strukturen wie die pannonische Olivenöl-Genossenschaft Pannolio wollen Anbau, Qualität und Vermarktung bündeln. Pioniere wie der Betrieb Olivenbuam im Seewinkel oder ein Quereinsteigerpaar im Südburgenland, das 2023 auf knapp einem Hektar rund 350 Bäume setzte, zeigen, dass die Idee über den Verein hinaus Anhängerinnen und Anhänger findet. Was als Forschungsprojekt begann, hat sich zu einer kleinen Bewegung verdichtet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum verschiebt der Klimawandel die Anbaugrenzen nach Mitteleuropa?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Grundlage des Projekts ist eine Verschiebung der Klimazonen. Prognosen, auf die sich Agro Rebels stützt, erwarten für Teile Österreichs bereits um 2030 Temperaturverhältnisse, wie sie heute in Südeuropa herrschen. Besonders betroffen sind Niederösterreich, Wien und das Burgenland, die schon jetzt die geringsten Niederschlagsmengen des Landes verzeichnen. Wo Getreide unter Trockenheit und Hitze an Ertrag verliert, soll die Olive eine Lücke füllen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Botanisch ist der Ansatz weniger abwegig, als er klingt. Die getesteten Sorten weisen eine Frosthärte von etwa minus zwölf bis minus fünfzehn Grad auf und überstehen damit milde Lagen im Osten. Die späte Blüte schützt vor Spätfrösten, der geringe Wasserbedarf passt zu trockenen Sommern, und karge Böden, auf denen klassische Kulturen kaum noch tragen, genügen dem Baum. Gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) kreuzt der Verein frostresistente mit ertragreichen Sorten, um einen heimischen Typ zu züchten. Bis Bäume nennenswert tragen, vergehen allerdings sieben bis neun Jahre; das erste rein österreichische Öl wird erst in kleinen Mengen erwartet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der wirtschaftliche Reiz ist beträchtlich. Österreich importiert nahezu sein gesamtes Olivenöl; der Pro-Kopf-Verbrauch lag 2018 bei rund 1,2 Litern und dürfte mit dem Trend zu pflanzlichen Fetten weiter steigen. Wer einen Teil dieser Nachfrage regional bedient, erschließt einen Markt, der bislang vollständig südeuropäischen Erzeugerinnen und Erzeugern gehört. Genau diese Importsubstitution ist das ökonomische Versprechen hinter dem Projekt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet der Olivenanbau für Raumordnung und Bodenschutz?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier beginnt die eigentlich planungsrelevante Dimension. Der Anbau selbst ist raumordnungsrechtlich unkompliziert: Olivenhaine bleiben landwirtschaftliche Nutzung und sind auf als Grünland gewidmeten Flächen zulässig, ohne dass eine Umwidmung nötig wäre. Das Burgenländische Raumplanungsgesetz 2019 (Bgld. RPG 2019) ordnet in § 15 die landwirtschaftlich genutzten Flächen dem Grünland zu; ein Wechsel der Feldfrucht verändert die Widmung nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heikler wird es bei den Bauten, die eine Wertschöpfungskette braucht. Ölmühlen, Press- und Lagergebäude sind im Grünland nur als privilegierte landwirtschaftliche Bauten zulässig, sofern sie einem konkreten Betrieb dienen und in Funktion sowie Dimension dem landwirtschaftlichen Zweck entsprechen. Sobald aus der Olivenproduktion ein verarbeitender oder touristischer Betrieb wird, etwa mit Verkostung und Direktvermarktung, verlässt das Vorhaben rasch den geschützten Rahmen und benötigt eine entsprechende Widmung. Wer in der Fläche dauerhaft baut, trifft auf dieselben Schranken wie jeder andere Betrieb.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die bodenpolitische Schlagseite des Projekts. Viele Haine entstehen auf Brachflächen, also auf Land, das zuvor nicht mehr ertragreich bewirtschaftet wurde. Das stellt die Olive in einen produktiven Gegensatz zur Bodenversiegelung, die das eigentliche Problem der österreichischen Raumordnung bleibt. Die Bodenstrategie für Österreich der Österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK, 2023) nennt als Zielwert eine Reduktion der Flächeninanspruchnahme auf 2,5 Hektar pro Tag. Eine Nutzung, die Brachen reaktiviert, statt Boden zu verbrauchen, fügt sich in dieses Ziel besser ein als manches Gewerbegebiet auf der grünen Wiese.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ungelöst ist die sortenrechtliche Frage. Bevor ein „österreichischer Olivenbaum“ kommerziell vertrieben werden darf, muss er in die Sortenliste eingetragen werden, die in Österreich die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) führt; auf Unionsebene regelt die Verordnung (EG) Nr. 2100/94 den gemeinschaftlichen Sortenschutz. Der Verein peilt die Eintragung vor Ende des Jahrzehnts an. Eine geschützte Ursprungsbezeichnung nach der Verordnung (EU) Nr. 1151/2012, wie sie etwa toskanisches Öl trägt, wäre der nächste, weit entfernte Schritt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ist der heimische Olivenhain Spinnerei oder belastbare Klimaanpassung?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die ehrliche Antwort lautet: noch keines von beidem abschließend. Für die Ernsthaftigkeit sprechen die wissenschaftliche Begleitung durch die BOKU, die regionale Streuung der Versuche und die schlichte Logik, dass sich Anbaugrenzen messbar nordwärts verschieben. Olivenhaine binden Kohlenstoff, brauchen kaum Bewässerung und bleiben über Jahrzehnte produktiv; als zusätzliches Standbein auf sonst unrentablen Lagen ergeben sie betriebswirtschaftlich Sinn.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zur Vorsicht mahnt zugleich mehreres. Die langen Vorlaufzeiten binden Kapital, ohne kurzfristigen Ertrag; ein einzelner harter Winter kann Bestände vernichten, wie ein früher Totalausfall in Kärnten zeigte. Dass Beratung durch den Verein und der Verkauf der Bäume über ein angeschlossenes Unternehmen laufen, verleiht dem Optimismus einen kommerziellen Beiklang. Und die Landwirtschaftskammer Oberösterreich warnte zuletzt, das öffentliche Bild mediterraner Kulturen verstelle den Blick auf die eigentliche Aufgabe: die Anpassung der bewährten Ackerkulturen an Hitze und Dürre. Eine Olive ersetzt keine Ackerbaustrategie.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Baukultur ist die Pointe weniger der Geschmack des Öls als die Veränderung des Landschaftsbildes. Wo silbrig-graue Haine die pannonische Ebene überziehen, verschiebt sich ein über Jahrhunderte gewachsenes Bild. Die Erklärung von Davos zur Baukultur (2018) zählt ausdrücklich auch die Landschaft zur gebauten Umwelt; nach diesem Verständnis ist ein neuer Olivengürtel ebenso ein baukulturelles Ereignis wie ein Stadtquartier. Kulturlandschaft ist gebaute Umwelt, und ihr Wandel verdient dieselbe planerische Aufmerksamkeit wie jeder Hochbau. Ob die Olive zur Folklore oder zur Infrastruktur der Klimaanpassung wird, entscheidet sich nicht an der Begeisterung einzelner Pionierinnen und Pioniere, sondern daran, ob Sortenrecht, Raumordnung und Marktnachfrage zusammenfinden. Spinnerei ist das Projekt jedenfalls nicht. Es ist ein Realexperiment mit offenem Ausgang, und gerade als solches gehört es ernst genommen.</p>
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		<title>Die Parzelle erinnert sich. Shakespeares Londoner Haus entdeckt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2026 16:04:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit dem 18. Jahrhundert rätselte die Forschung über Shakespeares Londoner Wohnsitz. Ein wiederentdeckter Grundriss beendet die Suche und stellt zugleich die Frage, wie Städte sich erinnern.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Unterwegs <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Wo wohnte der Dichter? Eine Entdeckung verschiebt das Bild vom städtischen Shakespeare</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Palimpsest ist eine mehrfach beschriebene Fläche, auf der die älteren Schichten unter den jüngeren weiterleben; das Gedächtnis europäischer Innenstädte funktioniert nach genau diesem Prinzip. Im April 2026 erhielt dieser Befund einen prominenten Beleg. Professorin Lucy Munro, Shakespeare-Forscherin am King’s College London, identifizierte in den Beständen von The London Archives (City of London Corporation) einen bislang unbekannten Grundriss aus dem Jahr 1668 und lokalisierte damit das einzige Londoner Wohnhaus von William Shakespeare. Die Ergebnisse erschienen am 17. April 2026 im Times Literary Supplement.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Haus stand im Stadtviertel Blackfriars, im Torhaus eines Dominikanerklosters aus dem 13. Jahrhundert. Shakespeare erwarb das Anwesen am 10. März 1613. Der Grundriss, gezeichnet zwei Jahre nach dem Großen Brand von London (1666), zeigt Lage und Größe des Gebäudes und belegt, dass es bis 1645 in zwei Wohneinheiten geteilt worden war. Zwei weitere Dokumente aus den Beständen von The National Archives betreffen den Verkauf des Besitzes durch Shakespeares Enkelin im Jahr 1665, kurz bevor das Feuer das Gebäude zerstörte. Heute liegt die Parzelle unter den Adressen 5 St Andrew’s Hill, dem östlichen Ende von Ireland Yard und dem unteren Teil der Burgon Street. Eine 2013 angebrachte Gedenktafel der City of London markiert den Ort; der neue Fund bestätigt, dass sie nicht „in der Nähe“, sondern exakt auf der Stelle steht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum erzählt ein verschwundenes Haus mehr über die Stadt als ein erhaltenes?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Weil die Stadt ihre Substanz fortwährend austauscht, ihre Geometrie aber bewahrt. Das Gebäude selbst ist seit 1666 verschwunden, die Parzelle jedoch hat alle Nutzungen überdauert. Auf demselben Grundstück folgten im vergangenen Jahrhundert eine Druckerei, ein Hersteller von Druckfarben, ein Teppichgroßhandel und schließlich der Umbau zu Eigentumswohnungen. Die Stadtmorphologie, also die Lehre von der Gestalt der Stadt, beschreibt dieses Phänomen seit den Arbeiten des Geographen M. R. G. Conzen präzise: Straßen und Parzellengrenzen sind die langlebigsten Elemente des Stadtgrundrisses, beständiger als jedes einzelne Bauwerk. Wer in München unter der Fußgängerzone die Spuren der mittelalterlichen Bebauung sucht oder in Berlin die Vorkriegskataster mit dem heutigen Stadtplan vergleicht, stößt auf dieselbe Logik. Ein Haus ist eine Episode, die Parzelle eine Konstante. Der Londoner Fund liest sich deshalb wie ein Lehrstück über urbane Schichtung: Kloster, Dichterwohnung, Manufaktur, Wohnungseigentum; vier soziale Ordnungen auf einem einzigen Stück Boden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wer entscheidet, woran eine Stadt sich erinnert?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Erinnerung im öffentlichen Raum ist niemals neutral, sondern Ergebnis von Auswahl. Das Dominikanerkloster, das dem Stadtteil seinen Namen gab, verschwand mit der Reformation und der Auflösung der Klöster nahezu spurlos aus dem kollektiven Gedächtnis, während eine Wohnadresse Shakespeares Jahrhunderte später zur markierungswürdigen Stätte aufstieg. Über solche Hierarchien entscheiden Institutionen: Die City of London Corporation vergibt ihre Gedenktafeln, English Heritage betreibt das bekannte Blue-Plaque-Programm, und Archive wie The London Archives bewahren die Dokumente, ohne die keine Markierung möglich wäre. Der Unterschied zwischen „in der Nähe“ und „genau hier“ mag akademisch wirken, doch er entscheidet darüber, welchen Pflastersteinen Besucherinnen und Besucher Bedeutung zuschreiben. Stadtgeschichte wird dort konkret, wo eine Tafel sie verortet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wem nützt die Erinnerung an die Stadt?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Erinnerung ist eine ökonomische Ressource, deren Verteilung soziale Folgen hat. Der Philosoph Henri Lefebvre beschrieb die Stadt 1968 als kollektives Werk, als oeuvre, das allen gehört, die sie bewohnen, und nicht allein jenen, die sie vermarkten. Eine prominente Verortung steigert den Symbolwert eines Quartiers, und Symbolwert übersetzt sich in Bodenpreise; dass auf der einstigen Shakespeare-Parzelle heute Eigentumswohnungen stehen, ist insofern kein Zufall. Wo Gedenktafeln Touristinnen und Touristen anziehen, geraten gewachsene Nachbarschaften unter Druck, denn steigende Mieten verdrängen jene, die das Quartier zuvor prägten. Ein Gegengewicht bilden die öffentlichen Archive: The London Archives stehen allen Bürgerinnen und Bürgern offen und halten das Gedächtnis der Stadt als Allmende bereit, nicht als Privatbesitz. Erinnerung wird damit zur Frage der Teilhabe und letztlich zum Bestandteil dessen, was Lefebvre das Recht auf Stadt nannte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet der Fund für den Umgang mit dem gebauten Erbe?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Er verschiebt ein populäres Narrativ und schärft eine planerische Lehre. Lange galt Shakespeare als Mann, der sich nach den Londoner Jahren ins ländliche Stratford-upon-Avon zurückzog; der Hauskauf von 1613 zeigt ihn dagegen als städtischen Eigentümer in unmittelbarer Nähe des Blackfriars-Theaters, an dem er arbeitete. Aus dem vermeintlichen Rückzügler wird ein Akteur, der beide Pole besaß. Für die Tourismusökonomie ist das nicht folgenlos: Während der Shakespeare Birthplace Trust in Stratford jährlich Hunderttausende empfängt, blieb das Londoner Kapitel bislang unsichtbar. Die deutschsprachige Denkmalpflege kennt diese Mechanik. Das Bayerische Denkmalschutzgesetz (BayDSchG) und die Denkmalschutzgesetze der übrigen Länder schützen nicht nur stehende Bauten, sondern auch Bodendenkmäler, also die im Untergrund erhaltenen Spuren früherer Bebauung. Auch das Baugesetzbuch verlangt in § 1 Absatz 6 Nummer 5 BauGB, die Belange des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege bei der Bauleitplanung zu berücksichtigen. Der Londoner Fall führt vor Augen, dass zum Erbe einer Stadt nicht allein ihre Mauern gehören, sondern ebenso ihre Archive und Parzellenpläne.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das verschwundene Haus in Blackfriars bleibt damit lesbar, obwohl kein Stein von ihm übrig ist. Die Stadt schreibt sich fortlaufend selbst um, doch sie löscht selten vollständig; was die Oberfläche verbirgt, halten Karten, Kataster und Gerichtsakten fest. Wer das Erbe einer Stadt sichern will, muss daher ihre Karten ebenso pflegen wie ihre Fassaden. Für die Planung der Gegenwart liegt darin eine nüchterne Aufforderung: Wer Quartiere entwickelt, verwaltet nicht nur Quadratmeter, sondern auch Schichten. Die Parzelle erinnert sich länger als der Mensch, und manchmal genügt ein Grundriss von 1668, um vier Jahrhunderte wieder lesbar zu machen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/die-parzelle-erinnert-sich-shakespeares-londoner-haus-entdeckt/">Die Parzelle erinnert sich. Shakespeares Londoner Haus entdeckt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Fliegender Bau über der Seine: Was JRs Pont-Neuf-Höhle über temporäres Bauen verrät</title>
		<link>https://baukunst.art/fliegender-bau-ueber-der-seine-was-jrs-pont-neuf-hoehle-ueber-temporaeres-bauen-verraet/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 May 2026 13:41:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Premium]]></category>
		<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst im öffentlichen Raum]]></category>
		<category><![CDATA[Temporäre Architektur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vom 6. bis 28. Juni 2026 stülpt der Künstler JR dem Pariser Pont Neuf eine begehbare, aufblasbare Felshöhle über, 120 Meter lang und bis zu 18 Meter hoch. Das Werk feiert 40 Jahre nach Christo und Jeanne-Claude deren legendäre Verhüllung von 1985. Was als Kunstereignis gilt, ist baurechtlich eine Bauaufgabe: In Deutschland fiele die Konstruktion unter die Fliegenden Bauten und bräuchte Ausführungsgenehmigung, Standsicherheitsnachweis und Sondernutzungserlaubnis. Lehrstück für die DACH-Region. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/fliegender-bau-ueber-der-seine-was-jrs-pont-neuf-hoehle-ueber-temporaeres-bauen-verraet/">Fliegender Bau über der Seine: Was JRs Pont-Neuf-Höhle über temporäres Bauen verrät</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>baukunst.art</strong><br />
Europa | Paris | Mai 2026 | Lesezeit 8 Minuten</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vierzig Jahre nach Christo: JR und die Kunst des temporären Bauens</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Fliegender Bau ist nach der Musterbauordnung eine bauliche Anlage, die dafür bestimmt ist, an wechselnden Orten wiederholt aufgestellt und zerlegt zu werden. Nach dieser Definition wäre die begehbare Stoffhöhle, die der französische Künstler JR seit dem 21. Mai 2026 über den Pariser Pont Neuf spannt, in Deutschland kein Werk jenseits des Baurechts, sondern ein genehmigungspflichtiger Fliegender Bau. Genau an dieser Stelle wird ein spektakuläres Kunstprojekt zur Bauaufgabe, und damit interessant für jede Region, die über temporäre Architektur im öffentlichen Raum nachdenkt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„La Caverne du Pont Neuf“ verwandelt die älteste Brücke von Paris vom 6. bis 28. Juni 2026 in eine aufblasbare Felslandschaft, 120 Meter lang, 20 Meter breit und bis zu 18 Meter hoch. In der Nacht zum 21. Mai nahm die Konstruktion ihre endgültige Form an, als Gebläse rund 20.000 Kubikmeter Luft in 19.000 Quadratmeter bedruckten Stoff pressten. Rund 800 Beteiligte arbeiten an dem Projekt, gefertigt wurde die Hülle von der Manufaktur Air Toiles Concept im bretonischen Plougoumelen. Eine Tonebene des früheren Daft-Punk-Musikers Thomas Bangalter und eine Augmented-Reality-Schicht des AR Studio Paris von Snap Inc. legen sich über das physische Bauwerk; das Innere ist als Sinnesreise angelegt, die Orientierung bewusst erschwert. Die Höhle bleibt rund um die Uhr und kostenfrei zugänglich, lesbar von den Seine-Ufern, von Nachbarbrücken, vom Wasser aus und sogar aus der Ferne. Öffentliche Mittel fließen keine, finanziert wird die Installation über den Verkauf von Werken JRs und private Förderer, darunter Snap Inc., Bloomberg Philanthropies und die Pariser Flughäfen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Anlass ist ein Jubiläum. Vor gut vier Jahrzehnten, 1985, verhüllten Christo und Jeanne-Claude denselben Pont Neuf mit goldfarbenem Stoff und zogen rund drei Millionen Besucherinnen und Besucher an. Die Idee zur Hommage kam von der Christo and Jeanne-Claude Foundation, die JR ansprach; als Projektleiter fungiert Vladimir Yavachev, ein Neffe Christos.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was unterscheidet JRs Höhle von Christos Verhüllung?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Beide Projekte arbeiten mit Stoff und mit derselben Brücke, doch ihre baukünstlerische Logik ist gegensätzlich. Christo und Jeanne-Claude verhüllten 1985, sie entzogen dem Bauwerk seine Form und machten es als reines Volumen neu lesbar. Der Gedanke reichte bis 1975 zurück und musste gegen erhebliche Widerstände durchgesetzt werden, unter anderem gegen den damaligen Pariser Bürgermeister Jacques Chirac. JR dagegen addiert. Statt zu verhüllen, stülpt er der Brücke eine begehbare Höhle über, deren bedruckte Haut aus der Ferne wie zerklüftetes Gestein wirkt. Inspiriert ist das Motiv vom lutetischen Kalkstein, dem „Pariser Stein“, aus dem die 1607 eröffnete Brücke selbst besteht. Wo Christo das Vertraute verbarg, legt JR einen geologischen Ursprung frei und stellt das Rohe, Wilde bewusst gegen die geschliffene Eleganz der Pariser Bauten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Höhle ist kein Einzelstück, sondern der Abschluss eines Werkzyklus, mit dem JR seit 2020 Lücken in vertraute Monumente schneidet, vom Trompe-l&#8217;oeil am Louvre über Arbeiten in Florenz, Rom und Mailand bis zur Fassade der Opéra Garnier 2023, die er später mit 153 Tänzerinnen und Tänzern bespielte. Eine Gemeinsamkeit mit dem Vorbild bleibt allerdings zentral, die Methode der maßstäblichen Erprobung. Christo baute Prototypen, JR ließ seine Konstruktion in voller Höhe in einem Hangar des Flughafens Orly testen, bevor sie über die Seine kam. Auch das Finanzierungsmodell ist geerbt. Wie schon 1985 trägt kein öffentlicher Haushalt das Werk, sondern privates Mäzenatentum, hier gebündelt in einem eigens dafür errichteten Stiftungsfonds.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie würde ein solches Projekt in Deutschland genehmigt?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Paris ebnete eine Partnerschaft mit dem Stiftungsfonds L&#8217;Amicale des Ponts de Paris sowie die Unterstützung der Stadt unter Bürgermeister Emmanuel Grégoire den Weg, begleitet von umfangreichen technischen Gutachten. In Deutschland verliefe die Genehmigung über ein dichtes Geflecht von Regelwerken. Eine pneumatische Konstruktion dieser Art fiele unter die Fliegenden Bauten nach Paragraf 76 Musterbauordnung (MBO) und den entsprechenden Vorschriften der Landesbauordnungen, etwa der Bayerischen Bauordnung (BayBO). Erforderlich wäre eine Ausführungsgenehmigung der Bauaufsichtsbehörde, dokumentiert in einem Prüfbuch und befristet auf höchstens fünf Jahre, bei jedem Aufstellen kontrolliert ein Sachverständiger die Standsicherheit erneut. Schon dieser erste Schritt verschiebt das Projekt von der Kunst- in die Bauakte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu käme der Standsicherheitsnachweis. Ein bis zu 18 Meter hohes, luftgetragenes Volumen muss Windlasten nach DIN EN 1991-1-4 (Eurocode 1) standhalten, was bei einer großflächigen, exponierten Membran über fließendem Wasser anspruchsvoll ist. Die Nutzung einer öffentlichen Brücke für einen anderen Zweck als den Verkehr verlangt eine Sondernutzungserlaubnis nach den Straßen- und Wegegesetzen der Länder, in Bayern etwa nach Artikel 18 Bayerisches Straßen- und Wegegesetz (BayStrWG). Steht das Bauwerk unter Denkmalschutz, was beim Pont Neuf der Fall ist, träte zusätzlich das jeweilige Denkmalschutzgesetz (DSchG) hinzu, das Eingriffe an einem geschützten Denkmal erlaubnispflichtig macht. Brandschutz und die Sicherheit großer Menschenmengen runden den Katalog ab.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass dieser Aufwand kein theoretisches Hindernis ist, zeigt der bekannteste deutsche Präzedenzfall. Als Christo und Jeanne-Claude 1995 den Berliner Reichstag verhüllten, ging dem ein Beschluss des Deutschen Bundestages voraus, und die Realisierung folgte denselben ingenieurtechnischen und sicherheitsrechtlichen Maßstäben wie ein dauerhafter Bau. Aus dem zwei Wochen kurzen Werk wurde damals ein wochenlanges Ereignis mit Millionen Gästen. Temporär heißt im Baurecht also nicht ungeregelt, und kurzlebig heißt nicht folgenlos.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die DACH-Region liegt der Mehrwert weniger im Spektakel als im Modell. Erstens belegt das Pariser Beispiel, dass aufwendige Kunst im öffentlichen Raum ohne öffentliche Gelder möglich ist, wenn ein Stiftungsfonds und private Förderer die Trägerschaft übernehmen. Zweitens verschiebt es den Blick auf temporäres Bauen als eigene Disziplin mit eigenem Regelwerk, die weder Architektinnen und Architekten noch die Bauämter unterschätzen sollten. Und drittens erinnert es daran, dass die Debatte, die ein solches Projekt auslöst, oft ebenso wertvoll ist wie das fertige Werk, ein Gedanke, den JR selbst zum Kern seiner Arbeit erklärt. Eine begehbare Höhle über der Seine ist insofern auch eine Einladung an Kommunen zwischen Hamburg und Innsbruck, das eigene Verständnis von öffentlichem Raum für vier Wochen neu zu vermessen.</p>
<h3><strong>Leserinformation</strong></h3>
<table style="font-weight: 400;" width="624">
<tbody>
<tr>
<td width="153"><strong>Was</strong></td>
<td width="471">„La Caverne du Pont Neuf“, begehbare, immersive Installation von JR, Hommage an Christo und Jeanne-Claude</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Wo</strong></td>
<td width="471">Pont Neuf, zwischen Quai de la Mégisserie und Place du Pont-Neuf-Christo-et-Jeanne-Claude, 75001 Paris (Île de la Cité)</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Wann</strong></td>
<td width="471">6. bis 28. Juni 2026, rund um die Uhr, sieben Tage die Woche</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Eintritt</strong></td>
<td width="471">kostenfrei, keine Reservierung zum Durchqueren nötig</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Anfahrt</strong></td>
<td width="471">Métro Pont Neuf (Linie 7), Ausgänge 2 und 3 vom 6. bis 28. Juni geschlossen</p>
<p>alternativ Cité (Linie 4), Louvre-Rivoli (Linie 1), Châtelet, Saint-Michel Notre-Dame (RER B und C)</p>
<p>Buslinien 27, 58 und 70 am Boulevard du Palais bis 13. Juli 2026 umgeleitet; die Brücke bleibt bis 13. Juli 2026 für den Verkehr gesperrt</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Perspektiven</strong></td>
<td width="471">vom Ufer, von Nachbarbrücken, per Rad und vom Wasser aus (Bateaux-mouches und Flusskreuzfahrten; Anleger der Vedettes du Pont Neuf am Square du Vert-Galant)</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Augmented Reality</strong></td>
<td width="471">kostenlose AR-Erfahrung von JR und Snap; Sessions mit Spectacles-Brillen nur zu festen Zeiten und mit Buchung, Schließfächer vor Ort nicht vorhanden</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Barrierefreiheit</strong></td>
<td width="471">ebenerdige Querung auf Brückenniveau; detaillierte Angaben zur stufenfreien Zugänglichkeit über den Veranstalter (DIN 18040-1 gilt als DACH-Referenznorm, ist in Frankreich aber nicht maßgeblich)</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Information</strong></td>
<td width="471">jr-art.net, paris.fr; Träger: Stiftungsfonds L’Amicale des Ponts de Paris</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="font-weight: 400;">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/fliegender-bau-ueber-der-seine-was-jrs-pont-neuf-hoehle-ueber-temporaeres-bauen-verraet/">Fliegender Bau über der Seine: Was JRs Pont-Neuf-Höhle über temporäres Bauen verrät</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Reparatur als Triumph: Wie Brüssel und Gent Europas Architekturpreis 2026 gewinnen</title>
		<link>https://baukunst.art/die-reparatur-als-triumph-wie-bruessel-und-gent-europas-architekturpreis-2026-gewinnen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2026 08:35:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Adaptive Wiederverwendung]]></category>
		<category><![CDATA[Bauen im Bestand]]></category>
		<category><![CDATA[EUmies Awards 2026]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15999</guid>

					<description><![CDATA[<p>In Oulu wurden die EUmies Awards 2026 vergeben. Der Hauptpreis geht nach Charleroi, an ein Projekt, das nicht ersetzt, sondern repariert.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/die-reparatur-als-triumph-wie-bruessel-und-gent-europas-architekturpreis-2026-gewinnen/">Die Reparatur als Triumph: Wie Brüssel und Gent Europas Architekturpreis 2026 gewinnen</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art </strong> /  Unterwegs  / Mai 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Charleroi statt Spektakel</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">EUmies Awards 2026 in Oulu: Reparatur, Reaktivierung und ein Signal an die deutsche Bauwende</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die EUmies Awards 2026 zeichnen mit dem Charleroi Palais des Expositions ein Gebäude aus, das nicht abgerissen, sondern repariert, geöffnet und neu interpretiert wurde. Der mit 60.000 Euro dotierte Hauptpreis des Europäischen Union Preises für zeitgenössische Architektur, vergeben von der Europäischen Kommission und der Fundació Mies van der Rohe, ging am 16. April 2026 an das Brüsseler Büro AgwA und architecten jan de vylder inge vinck aus Gent. Der Emerging Architecture Prize über 30.000 Euro wurde Vidic Grohar Arhitekti aus Ljubljana für ihre temporären Spielstätten des Slowenischen Nationaltheaters zugesprochen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Verkündet wurden die beiden Sieger im Aalto-Siilo in Oulu, einem 1931 von Alvar und Aino Aalto entworfenen Industriebauwerk in der finnischen Europäischen Kulturhauptstadt 2026. Schauplatz und Botschaft fielen dabei in eins: Eine Auszeichnung, die das Bauen im Bestand zum Leitmotiv erhebt, wird in einer ehemaligen Zellulose-Lagerhalle verliehen, die selbst nur durch sorgfältige Umnutzung dem Verfall entgangen ist. Die Jury unter Vorsitz des chilenischen Architekten Smiljan Radić Clarke beschreibt diesen Befund als Architektur, die mit dem Bestehenden arbeitet und Beschränkungen in Chancen verwandelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus 410 Nominierungen aus 40 Ländern und 143 Regionen, eingereicht von unabhängigen Expertinnen und Experten sowie nationalen Architektenverbänden, hatte die siebenköpfige Jury zunächst eine Shortlist von 40 Werken und sieben Finalisten gebildet. Vier dieser sieben Finalisten waren Umbauten, kein einziger ein klassischer Solitär-Neubau auf der grünen Wiese. Fünf der sechs Mitglieder neben dem Vorsitz, Carl Bäckstrand, Chris Briffa, Zaiga Gaile, Tina Gregorič, Nikolaus Hirsch und Rosa Rull Bertrán, kommen aus Büros, die seit Jahren Bestandsarbeit als Kerndisziplin verstehen. Die Auswahl ist also keine Überraschung, sondern eine Verdichtung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet die Auszeichnung für die deutsche Umbaukultur?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für den deutschsprachigen Architekturdiskurs ist der Befund von Oulu mehr als ein belgisch-slowenisches Doppel. Er knüpft direkt an die EUmies-Auszeichnung von 2024 an, als der Studierendenpavillon der TU Braunschweig von Gustav Düsing und Max Hacke den Hauptpreis erhielt, ein Gebäude, das nach dem Prinzip Design for Disassembly konzipiert ist und sich vollständig demontieren lässt. 2024 wurde damit das zerlegbare Neue gefeiert, 2026 das wiederverwendete Alte. Beide Preisträger formulieren denselben Satz mit verschiedenen Werkzeugen: Architektur muss aufhören, sich an Verbrauch und Spektakel zu messen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau dieser Punkt ist für die deutsche Debatte heikel. Die Förderkulisse des Bundes belohnt seit Jahrzehnten den energetisch optimierten Neubau, während der Bestand mit komplizierten Auflagen aus Gebäudeenergiegesetz (GEG), Denkmalschutzgesetzen der Länder und nicht zuletzt aus den Landesbauordnungen belegt wird. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) hat in ihrem Positionspapier zur Bauwende 2024 mehrfach gefordert, die graue Energie des Bestands in der Ökobilanz und im Förderrecht systematisch anzuerkennen, etwa über die DIN EN 15978 zur Bewertung der Umweltqualität von Gebäuden. Charleroi liefert nun einen sichtbaren Beleg, dass diese Haltung nicht nur ethisch, sondern ästhetisch tragfähig ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ausgezeichnete Umbauprojekt im belgischen Wallonien arbeitet mit knappem Budget, schlägt die Äußenwände des ursprünglich geschlossenen Messezentrums auf, schafft überdachte, klimatisch differenzierte Außenräume und ergibt im Rechnen mit dem Bestand eine faktische Nullenergie-Bilanz. Das ist keine Sanierung im konventionellen Sinn, sondern eine Reparatur, die das Bauwerk als lebendes Artefakt begreift. Genau dieser Begriff wirkt anschlussfähig für eine Generation deutscher Planerinnen und Planer, die Bestand nicht als Altlast, sondern als Ressource verstehen will.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie passt das Charleroi-Modell zur deutschen Baurechtsreform?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Zeitpunkt der Verleihung trifft auf eine bewegte deutsche Baurechtslandschaft. Mit dem 2024 in mehreren Ländern eingeführten Gebäudetyp E nach § 86 Absatz 2 Musterbauordnung (MBO) und seinen landesspezifischen Umsetzungen, etwa in Artikel 84 BayBO, sollen Vereinbarungen zwischen fachkundigen Bauherren und Planenden erleichtert werden, die von technischen Regelwerken kontrolliert abweichen. Parallel diskutieren die Architektenkammern unter dem Stichwort Umbauordnung eine eigenständige Genehmigungssystematik für das Bauen im Bestand, die nicht den Neubau-Logiken der LBOs folgt, sondern eigene Maßstäbe für Brandschutz, Statik und Schallschutz im umgewidmeten Bauwerk anlegt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Charleroi-Projekt zeigt exemplarisch, was eine solche Umbauordnung ermöglichen könnte. Eine Halle aus den 1950er Jahren, die nach heutigem GEG-Standard kaum genehmigungsfähig wäre, wird nicht in einen energetischen Vollausbau gezwungen, sondern in ein hybrides Raumsystem aus geschlossenen, halboffenen und völlig offenen Bereichen überführt. Das setzt eine Genehmigungspraxis voraus, die zwischen Innenraumklima und Außenraumklima differenziert, was deutsche Bauordnungen bislang nur in Sonderbauten zulassen. Die HOAI in der Fassung 2021 sieht in den Leistungsphasen 1 bis 3 zwar bereits eine Bestandsaufnahme vor (§ 34 HOAI mit Anlage 10), die kostenseitig nach DIN 276 zu strukturieren ist, doch das honorartechnische Risiko unbekannter Bestandseigenschaften liegt nach wie vor weitgehend beim Planungsbüro.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das EUmies-Signal aus Oulu sollte deshalb in Berlin und in den Länderministerien gelesen werden, nicht nur in den Architekturredaktionen. Wenn die Europäische Kommission das Charleroi-Projekt im Rahmen des Programms Creative Europe als Verkörperung der Werte des Neuen Europäischen Bauhauses und des Europäischen Green Deal präsentiert, ist das eine politische Setzung. Sie verbindet die Kültur-Agenda mit der ökologischen Bauwende und entzieht dem Argument, Bestandsarbeit sei eine Nische für engagierte Einzelbüros, die Grundlage.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das slowenische Pendant verdient an dieser Stelle eine eigene Erwähnung. Vidic Grohar Arhitekti haben das Nationaltheater Drama für die Dauer der Sanierung des Stammhauses in einen aufgegebenen Industriekomplex am Stadtrand Ljubljanas verlegt und dort mit minimalen, reversiblen Eingriffen Spielstätten, Foyers und Werkstätten geschaffen. Was als Provisorium gedacht war, wirkt nun wie ein Manifest. Die Jury würdigt ausdrücklich, dass aus einer temporären Bedingung eine bleibende architektonische Aussage geworden ist. Für deutsche und österreichische Kommunen, die mit Interimsspielstätten für ihre Stadttheater ringen, etwa in Hannover, München oder Linz, wäre dieses Modell ein lehrreiches Argument gegen die reflexhafte Containerarchitektur der üblichen Auslagerungslösungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die DACH-Region bleibt eine Beobachtung hinzuzufügen, die in der internationalen Berichterstattung untergeht. Die deutschen Beiträge der Edition 2026, vorgeschlagen vom Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) und vom Deutschen Architekturmuseum (DAM), kamen nicht in die Endrunde der sieben Finalisten. Österreich und die Schweiz schafften es ebenfalls nicht auf die Shortlist. Das ist kein Zufall, sondern ein Hinweis. Wo in Belgien, Slowenien, Spanien und Frankreich Umbau längst zur selbstverständlichen Disziplin geworden ist, bleibt der DACH-Raum auch 2026 geprägt von einer Förderkulisse, die Neubau und Effizienzhaus-Standard über alles stellt. Die Preisverleihung am 11. und 12. Mai 2026 im Mies-van-der-Rohe-Pavillon in Barcelona, eingebettet in das Programm der Welthauptstadt der Architektur, wäre ein guter Anlass, diese Schieflage zu adressieren.</p>
<p><strong>WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN FÜR LESERINNEN UND LESER</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Offizielle Quellen, Projektdokumentation und Hintergrundmaterial für die vertiefte Recherche.</p>
<table style="font-weight: 400;" width="624">
<tbody>
<tr>
<td width="153"><strong>EUmies Awards 2026, offizielle Sieger-Seite</strong></td>
<td width="471"><a href="https://eumiesawards.com/architecture-emerging/the-winners/" target="_blank" rel="noopener">https://eumiesawards.com/architecture-emerging/the-winners/</a></td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Charleroi Palais des Expositions, Projektseite mit Plänen und Bauteam</strong></td>
<td width="471"><a href="https://eumiesawards.com/heritageobject/charleroi-palais-des-expositions/" target="_blank" rel="noopener">https://eumiesawards.com/heritageobject/charleroi-palais-des-expositions/</a></td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>EUmies Awards, Hauptseite und Archiv (6.509 Projekte seit 1988)</strong></td>
<td width="471"><a href="https://eumiesawards.com/" target="_blank" rel="noopener">https://eumiesawards.com/</a></td>
</tr>
<tr>
<td width="153"></td>
<td width="471"></td>
</tr>
<tr>
<td width="153"></td>
<td width="471"></td>
</tr>
<tr>
<td width="153"></td>
<td width="471"></td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Oulu 2026, Europäische Kulturhauptstadt</strong></td>
<td width="471"><a href="https://www.oulu2026.eu/" target="_blank" rel="noopener">https://www.oulu2026.eu/</a></td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>EUmies Awards Days, 11. und 12. Mai 2026 in Barcelona</strong></td>
<td width="471"><a href="https://eumiesawards.com/architecture-emerging/eumies-awards-days-2026/" target="_blank" rel="noopener">https://eumiesawards.com/architecture-emerging/eumies-awards-days-2026/</a></td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>AgwA, Architekturbüro Brüssel</strong></td>
<td width="471"><a href="https://agwa.be/" target="_blank" rel="noopener">https://agwa.be/</a></td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>architecten jan de vylder inge vinck, Gent</strong></td>
<td width="471"><a href="https://architectenjandevylderingevinck.be/" target="_blank" rel="noopener">https://architectenjandevylderingevinck.be/</a></td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Vidic Grohar Arhitekti, Ljubljana, Emerging-Preisträger</strong></td>
<td width="471"><a href="https://vidicgrohar.com/" target="_blank" rel="noopener">https://vidicgrohar.com/</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="font-weight: 400;"><em>Hinweis: Die offizielle Preisverleihung der EUmies Awards 2026 findet am 11. und 12. Mai 2026 im Mies-van-der-Rohe-Pavillon und im Palau Victòria Eugènia in Barcelona statt, im Rahmen des Programms Barcelona World Capital of Architecture 2026.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/die-reparatur-als-triumph-wie-bruessel-und-gent-europas-architekturpreis-2026-gewinnen/">Die Reparatur als Triumph: Wie Brüssel und Gent Europas Architekturpreis 2026 gewinnen</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wie sich Tropenwälder schneller erholen, als die Forschung dachte</title>
		<link>https://baukunst.art/wie-sich-tropenwaelder-schneller-erholen-als-die-forschung-dachte/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Apr 2026 10:52:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Kohlenstoffspeicher]]></category>
		<category><![CDATA[Sekundärwald]]></category>
		<category><![CDATA[Tropenholz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15970</guid>

					<description><![CDATA[<p>Eine Nature-Studie zeigt: Tropische Sekundärwälder erholen sich schneller als gedacht. Das verändert die Debatte um Holzbeschaffung, EUDR und CO2-Bilanzen im Bauwesen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wie-sich-tropenwaelder-schneller-erholen-als-die-forschung-dachte/">Wie sich Tropenwälder schneller erholen, als die Forschung dachte</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art </strong> /  Innovation / Mai 2026</p>
<h2>Gerodete Regenwälder überraschen mit schneller Regeneration</h2>
<p>Tropische Sekundärwälder, also auf gerodeten Flächen ohne aktive Bepflanzung nachwachsende Bestände, erreichen Bodenfunktion und Waldstruktur deutlich schneller als bisher angenommen, vollständige Biodiversität allerdings erst nach Jahrzehnten. Eine im Oktober 2024 in Nature veröffentlichte Studie eines internationalen Teams um Brooke A. Williams (Williams et al., Nature 636, 131 bis 137, 2024) beziffert das globale Potenzial natürlicher Regeneration in entwaldeten Tropenregionen auf 215 Millionen Hektar, eine Fläche grösser als Mexiko, mit einem oberirdischen Kohlenstoffspeicherpotenzial von 23,4 Gigatonnen Kohlenstoff über 30 Jahre. Diese Zahlen verändern die Debatte um nachhaltiges Bauen, Holzbeschaffung und Klimabilanzen in der Architektur, und zwar weniger durch das ökologische Phänomen selbst als durch dessen neue Messbarkeit.</p>
<p><strong>Was zeigen die neuen Daten zur Regeneration?</strong></p>
<p>Eine 2021 in Science publizierte Metastudie analysierte rund 2.200 Sekundärwaldflächen in Lateinamerika und Westafrika. Bodenfruchtbarkeit kehrte im Durchschnitt nach zehn Jahren zurück, Struktur und Funktion des Waldes nach etwa 25 Jahren, vollständige Biodiversität dagegen erst nach rund 120 Jahren. Ein im April 2026 in Nature erschienener Aufsatz zur Resilienz tropischer Regenwälder ergänzt das Bild: Artenzahl und individuelle Häufigkeit erreichen innerhalb von 30 Jahren mehr als 90 Prozent der Werte alter Primärwälder, die Artenzusammensetzung etwa 75 Prozent. Mobile Tierarten, also Bestäuber und Samenverteiler, erholen sich schneller als die Bäume selbst und beschleunigen damit die Wiederbewaldung.</p>
<p>Bemerkenswert ist eine zweite, im Mai 2025 in Nature Ecology and Evolution veröffentlichte Studie der Universitäten Cambridge und Sheffield (Bousfield und Edwards). Pantropisch existieren demnach rund 51 Millionen Hektar nachwachsender feuchter Tropenwälder. Mehr als die Hälfte davon ist jünger als fünf Jahre und steht unter hohem Rodungsdruck, lediglich sechs Prozent (3 Millionen Hektar) sind älter als 20 Jahre. Schnelle Regeneration bedeutet also keineswegs dauerhafter Bestand.</p>
<p><strong>Welche Rolle spielen Satelliten und KI in der Waldbeobachtung?</strong></p>
<p>Die genannten Studien sind ohne Fernerkundung und maschinelles Lernen nicht denkbar. Williams und Kollegen kartierten Tropenwälder mit einer räumlichen Auflösung von 30 Metern, basierend auf Daten der Climate Change Initiative der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Am 29. April 2025 startete die ESA-Mission BIOMASS, die mit dem ersten weltraumtauglichen P-Band-Radar (Wellenlänge rund 70 Zentimeter) die oberirdische Holzbiomasse globaler Wälder direkt vermisst, auch unter dichtem Blätterdach. Die Inbetriebnahmephase wurde im Januar 2026 abgeschlossen, seither ist der Datenstrom öffentlich verfügbar. Algorithmen aus dem Bereich des maschinellen Lernens kombinieren diese Satellitendaten mit Bodenmessungen und prognostizieren Kohlenstoffspeicherung, Regenerationsgeschwindigkeit und Bestandsalter.</p>
<p>Für die Architektur ist diese Entwicklung doppelt relevant. Erstens entstehen damit belastbare, prüfbare Datengrundlagen für CO2-Bilanzen und Lebenszyklusbetrachtungen nach DIN EN 15978 (Bewertung der umweltbezogenen Qualität von Gebäuden). Zweitens lässt sich die Herkunft von Holzprodukten künftig satellitengestützt nachweisen, was die seit Juni 2023 in Kraft getretene EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten (Verordnung (EU) 2023/1115, EUDR) operativ erst praktikabel macht. Bauherrinnen und Bauherren, Holzhandel und Architekten müssen den Anbauort jeder Holzcharge geographisch eindeutig nachweisen.</p>
<p><strong>Was bedeutet das für die Bauwirtschaft?</strong></p>
<p>Sekundärwald ist keine Lizenz zur Rodung. Eine auf ESA-Satellitendaten basierende Studie aus dem Jahr 2023 zeigt, dass nachwachsende Tropenwälder gegenwärtig nur etwa ein Viertel der durch Rodung freigesetzten Emissionen wieder binden. Das natürliche Regenerationspotenzial ist real, realisiert wird es nur dort, wo Flächen ungestört bleiben.</p>
<p>Daraus folgen drei konkrete Verschiebungen. Erstens wird die Differenzierung zwischen Primär- und Sekundärwald zur zentralen Beschaffungsfrage. Das Label des Forest Stewardship Council (FSC) unterscheidet bislang nur eingeschränkt zwischen Holz aus Urwäldern und Holz aus regenerationsfähigen Beständen, derzeit sind weltweit etwa 18 Millionen Hektar tropischer und subtropischer Regenwald FSC-zertifiziert. Zweitens entstehen neue Märkte für Kohlenstoffzertifikate aus natürlicher Regeneration, die deutlich kostengünstiger sind als technische CO2-Speicher und die Ökobilanz von Holzbauten beeinflussen. Drittens verändert sich die Rolle von Tropenholz im Bauwesen: Der pauschale Verzicht weicht einer differenzierten Betrachtung von zertifiziertem Holz aus belegbar regenerationsfähigen Beständen, ergänzt durch heimische Hölzer wie Eiche, Lärche oder thermisch modifizierte Esche.</p>
<p><strong>Wo liegen die Grenzen der Euphorie?</strong></p>
<p>Drei Einschränkungen sind zu beachten. Die Geschwindigkeit der Erholung gilt für strukturelle Funktionen, nicht für Artenvielfalt; ein 25-jähriger Sekundärwald speichert Kohlenstoff, ersetzt aber keinen über Jahrhunderte gewachsenen Primärwald. Die Studienergebnisse beziehen sich auf nur leicht degradierte Flächen in der Nähe natürlicher Vegetation, stark degradierte Böden, Brandflächen oder grossflächig gerodete Plantagen regenerieren langsamer oder gar nicht. Und ein Grossteil der schnell wachsenden jungen Wälder steht unter unmittelbarer Rodungsgefahr, ihre langfristige Sicherung erfordert politische Schutzkonzepte, nicht nur ökologische Zuversicht.</p>
<p><strong>Welche Innovationen entstehen daraus für die Architektur?</strong></p>
<p>Drei Forschungsfelder gewinnen an Dynamik. Erstens die digitale Materialpassgrundlage: Building-Information-Modeling-Systeme integrieren Herkunfts- und Regenerationsdaten von Bauholz direkt in das Modell und automatisieren damit die Erfüllung von EUDR und DIN EN 15804 (Umweltproduktdeklarationen). Zweitens die KI-basierte Lebenszyklusanalyse: Algorithmen prognostizieren auf Grundlage satellitengestützter Bestandsdaten, wie sich der Klimafussabdruck eines Holzbaus über 50 oder 100 Jahre entwickelt. Drittens experimentelle Materialien aus schnell wachsenden Sekundärwaldarten, etwa Balsa, Bambus oder schnellwüchsige Akazien, die sich in Kombination mit Holz-Hybrid-Systemen für mehrgeschossige Bauten eignen.</p>
<p>Die Botschaft der aktuellen Forschung ist also doppelbödig. Tropische Wälder können sich erholen, schneller als gedacht, doch nur, wenn der Mensch die Hände lange genug stillhält. Für das Bauwesen heisst das: Holz bleibt der zentrale nachwachsende Baustoff des 21. Jahrhunderts, seine Klimawirkung entscheidet sich aber nicht im Sägewerk, sondern auf dem Satellitenbild.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Wenn Bomben auf Welterbe fallen</title>
		<link>https://baukunst.art/wenn-bomben-auf-welterbe-fallen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Apr 2026 09:39:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Haager Konvention 1954]]></category>
		<category><![CDATA[Iran]]></category>
		<category><![CDATA[Kriegsfolgen]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturgutschutz]]></category>
		<category><![CDATA[UNESCO]]></category>
		<category><![CDATA[Welterbe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bomben auf Teheran und Isfahan: Der Irankrieg 2026 trifft UNESCO-Welterbe. Was das Völkerrecht fordert und warum es versagt</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art / INTERNATIONAL / BAUKULTUR</strong></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Irans Welterbe unter Beschuss: Wie der Krieg Jahrtausende alte Baukultur zerstört</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Der Irankrieg 2026 und die Zerstörung des gebauten Gedächtnisses</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Schutz von Kulturgut in bewaffneten Konflikten ist kein Appell, sondern geltendes Völkerrecht. Die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten vom 14. Mai 1954, von 135 Staaten ratifiziert und von der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1967 unterzeichnet, verpflichtet alle Vertragsparteien zur „Sicherung und Respektierung“ von beweglichem und unbeweglichem Gut, „das für das kulturelle Erbe aller Völker von großer Bedeutung ist“. Dazu zählen ausdrücklich Bau- und Kunstdenkmale, archäologische Stätten, Museen und Bibliotheken.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit dem 28. Februar 2026 wird dieses Völkerrecht täglich verletzt. Der von den Vereinigten Staaten und Israel geführte Krieg gegen Iran hat innerhalb weniger Wochen ein kulturelles Ausmaß angenommen, das Fachleute und Institutionen weltweit alarmiert. Iranische Regierungsstellen meldeten bis Ende März 2026 Schäden an mehr als 120 Museen und historischen Stätten. Darunter befinden sich 19 Objekte allein in der Hauptstadt Teheran, mehrere davon in der UNESCO-Welterbeliste eingetragen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was schützt die Haager Konvention von 1954, und warum greift sie im Irankrieg nicht?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Haager Konvention entstand aus dem Bewusstsein, dass der Zweite Weltkrieg ein kulturelles Erbe von unschätzbarem Wert vernichtet hatte. Ihr Kern ist eindeutig: Kulturgut darf weder angegriffen noch als Instrument der Kriegsführung benutzt werden. Das Zweite Protokoll von 1999, das Deutschland im Jahr 2009 ratifizierte, erweiterte den Schutz auf nicht-internationale Konflikte und führte die Kategorie des „verstärkten Schutzes“ ein. Erstmals wurden Verstöße gegen die Konvention national justiziierbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das blauweiße Schutzzeichen, das sogenannte Blue Shield, das Kultureinrichtungen als geschützt markiert, wurde an zahlreichen iranischen Stätten angebracht. Blue Shield International koordinierte die Übermittlung der genauen geografischen Koordinaten an die beteiligten Streitkräfte. Die UNESCO meldete ihrerseits die Lage der unter Welterbestatus stehenden Stätten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es half nur bedingt. Am 8. März 2026 traf ein US-amerikanisch-israelischer Luftangriff den Rand der Falak-ol-Aflak-Burg in Khorramabad, einem sasanidischen Bauwerk aus dem 3. Jahrhundert. Das Kulturerbedepartement der Provinz Lorestan wurde dabei vollständig zerstört, die archäologischen und anthropologischen Museen des Komplexes schwer beschädigt. Ata Hassanpour, Leiter des Kulturdenkmalamtes der Provinz, dokumentierte den Einschlag auf Video. Das Blue-Shield-Emblem hatte den Angriff nicht verhindert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Haager Konvention enthält zwar das Gebot der Respektierung, kennt aber bei schwieriger Beweislage und fehlender politischer Bereitschaft der beteiligten Staaten kein durchsetzungsfähiges Sofortinstrument. Der Internationale Strafgerichtshof kann erst tätig werden, wenn ein Staat nicht willens oder in der Lage ist, selbst zu verfolgen. Im laufenden Krieg ist das eine theoretische Konstruktion.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Bauwerke Irans sind beschädigt, und was bedeutet das für das Welterbe der Menschheit?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Iran verfügt über 29 UNESCO-Welterbestattten, darunter Meisterwerke der Weltarchitektur, die Jahrtausende überdauert haben. Einige davon tragen seit März 2026 Kriegsschäden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Golestan-Palast in Teheran, einzige Welterbestatätte der iranischen Hauptstadt und großteils während der Qajar-Dynastie (1789 bis 1925) errichtet, wurde am 2. März 2026 durch einen nahen Einschlag auf dem Arg-Platz beschädigt. Spiegeldecken zerbarsten, Fensterfronten platzten heraus, verziertes Zierwerk lag auf den Böden. Die UNESCO gab eine Erklärung des Bedauerns heraus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Isfahan, der ehemaligen Hauptstadt der Safawiden-Dynastie (1501 bis 1736) und einem der bedeutendsten Orte islamischer Architektur, wurde der Chehel-Sotoun-Palast getroffen. Das Palais aus dem 17. Jahrhundert, bekannt für seine monumentalen Wandgemälde persischer Mythologie und historischer Schlachten, liegt unmittelbar neben dem Regierungssitz der Provinz. Fenster und Beschläge wurden stark beschädigt, der Innenraum mit Trümmern übersät. Der Chehel-Sotoun ist Bestandteil der UNESCO-Welterbestattte der Persischen Gärten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ebenfalls beschädigt wurden das Ali-Qapu-Palais am Naqsch-e-Dschahan-Platz, einem der geometrisch und städtebaulich bemerkenswertesten Ensembles der Architekturgeschichte, sowie die Masjed-e-Dschame in Isfahan, eine der ältesten Freitagsmoscheen des Landes mit Bauschichten aus zehn Jahrhunderten islamischer Bautradition. Die Falak-ol-Aflak-Burg in Khorramabad, erst 2025 als Irans jüngste UNESCO-Welterbestattte eingetragen und ein Zeugnis menschlicher Besiedlung seit mehr als 63.000 Jahren, wurde am 8. März 2026 teilweise zerstört.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der iranische Kulturminister Reza Salehi Amiri bezeichnete die Zerstörungen in einem Interview am 1. April 2026 als „absichtlichen und bewussten Angriff“ auf die iranische Identität. Ob diese Einschätzung zutrifft oder militärische Kollateralschäden vorliegen, ist im laufenden Krieg kaum zu beurteilen. Die Schadensstatistik legt zumindest nahe, dass die Koordinaten bekannter Kulturstätten keinen hinreichenden Schutz boten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht nur Iran ist betroffen. In Tel Aviv wurden am 28. Februar 2026 durch iranische Raketenangriffe zwei Bauhaus-Bauten der Weißen Stadt beschädigt, einer UNESCO-Welterbestattte, die das bedeutendste Ensemble der Klassischen Moderne in Israel verkörpert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Muster ist nicht neu. In der Ukraine zerstörten russische Angriffe Kirchen, Museen und historische Stadtzentren. In Gaza verlor die Menschheit nach UNESCO-Erhebungen fast 200 Kulturstätten. Der Syrienkrieg tilgte antike Städte, die seit 4.000 Jahren standen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektur speichert kollektives Gedächtnis. Ein Palast des 17. Jahrhunderts ist kein Museum für Touristen, er ist der physische Beweis einer Zivilisation. Seine Zerstörung löscht nicht nur Steine, sie löscht Orientierung. In einer Debatte, die oft nur Militärziele und Opferzahlen kennt, braucht es den Blick der Baukultur: Was gebaut wurde, um zu überdauern, darf nicht zur Kulisse des Krieges werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Der Arc de Trump: Wenn Architektur zum Herrschaftssymbol wird</title>
		<link>https://baukunst.art/der-arc-de-trump-wenn-architektur-zum-herrschaftssymbol-wird/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Apr 2026 09:27:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur USA]]></category>
		<category><![CDATA[Commission of Fine Arts]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalpflege]]></category>
		<category><![CDATA[Harrison Design]]></category>
		<category><![CDATA[Herrschaftsarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Sichtachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Staatliche Gutachtergremien]]></category>
		<category><![CDATA[Triumphbogen Washington]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Trump plant den größten Triumphbogen der Welt. Was der Entwurf von Harrison Design über Macht, Ästhetik und die Demontage staatlicher Institutionen verrät.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art / INTERNATIONAL / BAUKULTUR</strong></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Stein und Eitelkeit: Was Trumps Triumphbogen über Amerika erzählt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Triumphbogen ist kein neutrales Bauwerk. Er ist eine Aussage über Macht, Kontinuität und den Anspruch eines Auftraggebers, Geschichte zu formen. Die Trump-Administration hat am 10. April 2026 offizielle Entwürfe für einen 76 Meter hohen Triumphbogen in Washington D.C. vorgelegt, entworfen vom Büro Harrison Design mit Sitz in der US-Hauptstadt. Das Bauwerk soll im Memorial Circle stehen, auf dem Ufer des Potomac gegenüber dem Lincoln Memorial und in direkter Sichtachse zum Arlington National Cemetery. Die Commission of Fine Arts (CFA) befasst sich am 16. April 2026 mit dem Vorhaben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entwurfszeichnungen zeigen eine weiße Torstruktur mit vergoldeter Engelsfigur an der Spitze, vier goldenen Löwen an der Basis und den Inschriften &#8222;One Nation Under God&#8220; sowie &#8222;Liberty and Justice for All&#8220;. Die Höhe von 250 Fuß (rund 76 Meter) ist symbolisch gewählt: Sie verweist auf das Semiquincentennial, das 250-jährige Bestehen der Vereinigten Staaten, das im Sommer 2026 gefeiert wird. Das Bauwerk würde den Pariser Arc de Triomphe um mehr als 25 Meter übertreffen und auch den Triumphbogen in Pjöngjang (60 Meter) deutlich hinter sich lassen. Nach den vorliegenden Planunterlagen sollen Treppen und Aufzüge zu einer Aussichtsplattform führen. Für das Projekt sind laut Haushaltsdokumenten des National Endowment for the Humanities 15 Millionen Dollar aus öffentlichen Mitteln vorgesehen (2 Millionen als Direktmittel, 13 Millionen als Matching-Fonds), weitere private Beiträge sind geplant.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was verrät ein Triumphbogen über das politische Selbstverständnis seines Auftraggebers?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bauform des Triumphbogens hat eine klare Genealogie. Der Titusbogen in Rom (81 n. Chr.), der Arc de Triomphe in Paris (1836), das Brandenburger Tor in Berlin: Alle wurden errichtet, um militärische Siege zu feiern, imperiale Gesten festzuschreiben oder Staatsideologien im Stadtraum zu verankern. Kein demokratisches Staatswesen der Gegenwart baut mehr Triumphbögen, weil die Form selbst eine Botschaft trägt, die sich mit den Grundlagen liberaler politischer Kultur schlecht verträgt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Entwurf von Harrison Design greift tief in die Bilderwelt des amerikanischen Eklektizismus und verbindet klassizistische Torarchitektur mit barocker Statuarik und nationalsymbolischer Ikonografie. Das Ergebnis ist ästhetisch weit entfernt von der zurückhaltenden Noblesse des Lincoln Memorial oder der abstrakten Strenge des Vietnam Veterans Memorial. Es ist, in der Terminologie der Architekturkritik, Herrschaftsarchitektur: Baukunst nicht als öffentlicher Raum, sondern als Machtdemonstration.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass Trump auf die Frage, wen das Bauwerk ehren solle, mit dem Wort &#8222;Mich&#8220; antwortete, ist insofern keine Überraschung, sondern die offene Artikulation dessen, was die Formsprache bereits nahelegt. Ein Triumphbogen, der Höhenrekorde anstrebt, vergoldete Statuen trägt und in einer für den Stadtverkehr relevanten Achse platziert wird, ist kein Mahnmal. Er ist ein Monument des Egos.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Parallelen zur europäischen Geschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sind unübersehbar. Autoritäre Regime haben stets versucht, durch monumentale Architektur politische Legitimität herzustellen. Albert Speers nie realisierter Triumphbogen für das nationalsozialistische Berlin hätte 120 Meter gemessen. Mussolinis römische Stadtplanungen waren auf Sichtachsen und Monumentalbauten ausgerichtet. Das ergibt eine unbequeme ikonografische Nachbarschaft für ein Bauwerk, das sich als Feier amerikanischer Freiheit versteht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Konsequenzen hat die Instrumentalisierung staatlicher Gutachtergremien für die Baukultur?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baukultur braucht unabhängige Institutionen. Die Commission of Fine Arts ist eine solche: Sie prüft seit 1910 Bauvorhaben im Bundesgebiet der US-Hauptstadt auf architektonische und ästhetische Qualität. Ihre Unabhängigkeit setzt voraus, dass ihre Mitglieder ohne politische Rücksicht urteilen können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Oktober 2025 entließ Trump sechs der sieben amtierenden CFA-Mitglieder und ersetzte sie durch eigene Kandidatinnen und Kandidaten. Zum Zeitpunkt der Vorlage der Triumphbogenpläne setzt sich die Kommission ausschließlich aus Trump-Ernannten zusammen. Die Frage, ob die CFA den Entwurf unabhängig beurteilen kann, ist damit rhetorischer Natur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist kein rein amerikanisches Problem. In Deutschland kennt man ähnliche Strukturen: Gestaltungsbeiräte und Baukommissionen sind auf kommunaler Ebene oft politisch zusammengesetzt, und ihre Empfehlungen werden nicht immer als bindend betrachtet. Der Unterschied liegt im Grad der institutionellen Demontage. Dass ein Regierungschef kurz vor dem Einreichen eigener Baupläne die zuständige Prüfbehörde personell kontrollierbar macht, ist in demokratischen Systemen ohne Präzedenz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die National Capital Planning Commission (NCPC), die Bundesbehörde für Stadtplanung im Hauptstadtgebiet, soll ebenfalls befasst werden. Eine Gruppe von Vietnamveteranen und ein Historiker haben Klage eingereicht, um den Bau zu verhindern: Das Bauwerk würde die historischen Sichtachsen zwischen Lincoln Memorial und Arlington National Cemetery irreversibel zerstören. Ein Bundesrichter hatte im März 2026 bereits eine Umbaumaßnahme am Weißen Haus vorläufig gestoppt, weil keine gesetzliche Grundlage vorlag.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die internationale Architekturkritik stellt der Arc de Trump eine Zuspitzung einer Frage dar, die sich auch in Europa stellt: Wer entscheidet, welche Architektur im öffentlichen Raum steht? Welche Formen trägt die Demokratie, und welche trägt sie nicht? Die Antwort entscheidet sich nicht am Reißbrett, sondern in den Institutionen, die über das Reißbrett befinden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Triumphbogen, der mit öffentlichen Mitteln gebaut wird, auf öffentlichem Grund steht und die Sichtachsen eines nationalen Gedenkorts verändert, ist eine öffentliche Angelegenheit. Dass er ohne parlamentarische Ermächtigung und mit einer ad hoc restrukturierten Genehmigungsbehörde vorangetrieben wird, sagt mehr über den Zustand demokratischer Baukultur in den Vereinigten Staaten aus als jede Fassade aus Kalkstein und Gold.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-arc-de-trump-wenn-architektur-zum-herrschaftssymbol-wird/">Der Arc de Trump: Wenn Architektur zum Herrschaftssymbol wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Kostensteigerung und Kontrollversagen: Was der Rechnungshof-Bericht zur Schafbergbahn über öffentliches Bauen verrät</title>
		<link>https://baukunst.art/kostensteigerung-und-kontrollversagen-was-der-rechnungshof-bericht-zur-schafbergbahn-ueber-oeffentliches-bauen-verraet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2026 09:55:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Bauaufsicht]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentliches Bauen]]></category>
		<category><![CDATA[Projektmanagement]]></category>
		<category><![CDATA[Rechnungshof Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Schafbergbahn]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15728</guid>

					<description><![CDATA[<p>Öffentliche Bauvorhaben scheitern selten an der Technik, häufig aber an Planung, Kontrolle und Kostentransparenz. Der Fall Schafbergbahn ist ein Lehrstück.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/kostensteigerung-und-kontrollversagen-was-der-rechnungshof-bericht-zur-schafbergbahn-ueber-oeffentliches-bauen-verraet/">Kostensteigerung und Kontrollversagen: Was der Rechnungshof-Bericht zur Schafbergbahn über öffentliches Bauen verrät</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  |  Kategorie: REGIONALES</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">31 Prozent teurer! So scheiterte Östereichs berühmteste Zahnradbahn am eigenen Umbau</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Schafbergbahn ist kein gewöhnliches Infrastrukturprojekt: Die 1893 eröffnete Zahnradbahn verbindet Sankt Wolfgang im Salzkammergut mit dem 1.783 Meter hohen Schafberg, überwindet dabei Steigungen von bis zu 26 Prozent und gehört zu den ikonischsten Touristenbahnen Österreichs. Als die Salzburg AG Tourismus GmbH, eine hundertprozentige Tochter des Salzburger Landesenergieversorgers, eine umfassende Streckensanierung und den Neubau der Talstation in Angriff nahm, war der Bedarf unbestritten: Teile der Infrastruktur waren über 100 Jahre alt. Was folgte, ist laut dem im November 2025 veröffentlichten Bericht des Bundesrechnungshofes (Oberösterreich 2025/8, Salzburg 2025/4) ein Paradebeispiel für mangelhafte Projektsteuerung bei einem öffentlich mitfinanzierten Bauvorhaben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was kostet die Sanierung eines Salzkammergut-Klassikers wirklich?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Sanierungsprogramm für die Schafbergbahn umfasste ursprünglich ein genehmigtes Budget von 18 Millionen Euro, ergänzt durch sechs Millionen Euro Neubaukosten für die Talstation. Die Länder Oberösterreich und Salzburg steuerten jeweils sechs Millionen Euro Fördergelder bei. Das Ergebnis nach fünf Jahren Bauzeit (März 2018 bis April 2023): Gesamtausgaben von 31,36 Millionen Euro, was einer Kostensteigerung von 31 Prozent gegenüber dem ursprünglichen Plan von 24 Millionen Euro entspricht. Allein der Neubau der Talstation verteuerte sich von angesetzten sechs auf über elf Millionen Euro.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Gründe, die die Salzburg AG anführt, klingen zunächst nachvollziehbar: Baupreissteigerungen infolge der COVID-19-Pandemie und des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hätten die Kalkulation durcheinandergebracht. Der Bundesrechnungshof hält dem entgegen, dass aussagekräftige Risikovorsorgen für genau solche Szenarien im genehmigten Budget schlicht fehlten. Gemäß der einschlägigen ÖNORM- und ÖGG-Richtlinien hätten technische, rechtliche und wirtschaftliche Risikoreserven von Anfang an einzuplanen gewesen. Stattdessen wurden am Ende nicht einmal alle geplanten Leistungen erbracht: Der barrierefreie Zugang zum Gipfel wurde gestrichen, die letzten 211 Meter der Strecke blieben unsaniert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wo versagte die Bauaufsicht, und was hat das mit dem Vier-Augen-Prinzip zu tun?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kritik des Bundesrechnungshofes richtet sich nicht allein gegen die Zahlen, sondern gegen die strukturelle Organisation des Projekts. Besonders schwer wiegt der Befund zur Örtlichen Bauaufsicht (ÖBA): Bei der Streckensanierung übernahm ein und dieselbe Person sowohl die Projektleitung als auch die ÖBA. Das Vier-Augen-Prinzip, im österreichischen Vergabe- und Baurecht verankert, war damit faktisch ausgehebelt. Es fehlt an der für öffentliche Projekte unabdingbaren gegenseitigen Kontrolle, die dazu da ist, Fehler aufzudecken, bevor sie teuer werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Beim Gewerk Baumeisterarbeiten Talstation stellten die Prüferinnen und Prüfer weitere Schwachstellen fest: Leistungen im Wert von 203.000 Euro wurden vergütet, ohne dass eine förmliche Beauftragung vorlag. Bei Mehrkostenforderungen leiteten die Salzburg AG und die Tourismus GmbH neue Einheitspreise nicht vertragskonform her; laut Rechnungshof wären Einsparungen von bis zu 65.000 Euro möglich gewesen. Ein systematischer Soll-Ist-Vergleich bei der Abrechnung fehlte, die Abrechnungsprüfung war unzureichend. Die Qualitätssicherung der Ausschreibungsunterlagen war ebenfalls mangelhaft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch beim Brandschutz gab es Beanstandungen: Im Technikraum der neuen Talstation gelagerte Materialien hätten im Brandfall die Brandlast erhöht, ein Fluchtweg war eingeschränkt passierbar, ein Feuerlöscher nicht zugänglich. Die Brandschutzordnung enthielt widersprüchliche und unklare Angaben. Die Salzburg AG Tourismus GmbH betont, dass sie auf diese Kritikpunkte noch während der laufenden Rechnungshof-Prüfung reagiert und Mängel behoben habe. Ein Sprecher der Salzburg AG erklärte gegenüber der APA, man nehme die Empfehlungen des Rechnungshofes sehr ernst und habe diese zum Teil bereits umgesetzt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was lässt sich aus dem Fall für andere öffentliche Bauvorhaben lernen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Schafbergbahn-Bericht des Bundesrechnungshofes ist kein Einzelfall, sondern steht für ein systemisches Problem bei öffentlich (mit-)finanzierten Bauvorhaben im deutschsprachigen Raum: Die Planung beginnt mit zu optimistischen Zahlen, Risikovorsorge wird als Kostentreiber empfunden und deshalb kleingehalten, und die interne Projektkontrolle bleibt in Personalunion stecken. Für Architektinnen und Architekten, die in der Rolle der örtlichen Bauaufsicht oder Projektsteuerung tätig sind, ist dies eine klare Botschaft: Das Vier-Augen-Prinzip ist kein bürokratisches Relikt, sondern elementarer Bestandteil einer funktionierenden Qualitätssicherung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass ausgerechnet ein Kulturdenkmal der österreichischen Verkehrsgeschichte in diese Kritik geraten ist, verleiht dem Bericht eine gewisse Ironie. Die Schafbergbahn wurde für die Nachwelt erhalten. Die Frage, wie öffentliche Mittel dabei eingesetzt wurden, wird nun ebenfalls der Nachwelt überliefert. Österreichisches Vergaberecht, die einschlägigen ÖNORM-Normen sowie die Richtlinien der Österreichischen Gesellschaft für Geotechnik (ÖGG) bieten den Rahmen, der bei diesem Projekt nicht konsequent angewandt wurde. Das gilt als Lehre für künftige Projekte dieser Größenordnung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob die Sanierung das einzigartige Erbe dieser historischen Zahnradbahn langfristig sichert, darf man optimistisch beurteilen. Dass sie ein Beispiel für gelingendes öffentliches Bauprojektmanagement ist, leider nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/kostensteigerung-und-kontrollversagen-was-der-rechnungshof-bericht-zur-schafbergbahn-ueber-oeffentliches-bauen-verraet/">Kostensteigerung und Kontrollversagen: Was der Rechnungshof-Bericht zur Schafbergbahn über öffentliches Bauen verrät</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Mit maximaler Transparenz: Helsinki plant das neue Museum für Architektur und Design</title>
		<link>https://baukunst.art/mit-maximaler-transparenz-helsinki-plant-das-neue-museum-fuer-architektur-und-design/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Mar 2026 11:50:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturwettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Finnland]]></category>
		<category><![CDATA[Helsinki]]></category>
		<category><![CDATA[JKMM Architects]]></category>
		<category><![CDATA[Museum für Architektur und Design]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsbau]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[SAFA]]></category>
		<category><![CDATA[Südhafen Helsinki]]></category>
		<category><![CDATA[UNESCO-Pufferzone]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Hafen, eine Entscheidung, ein Versprechen: Helsinki gibt seiner Baukultur ein neues Zuhause, und die Stadt macht dabei alles öffentlich.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/mit-maximaler-transparenz-helsinki-plant-das-neue-museum-fuer-architektur-und-design/">Mit maximaler Transparenz: Helsinki plant das neue Museum für Architektur und Design</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Recycelter Backstein, öffentliche Terrassen, 900.000 Objekte: Helsinkis Museumsversprechen</h1>
<p style="font-weight: 400;">Das neue Museum für Architektur und Design Finnlands (Museum of Architecture and Design, kurz: AD Museum) ist ein kulturpolitisches Projekt, das zeigt, wie eine Gesellschaft mit öffentlichen Geldern, urbanem Erbe und architektonischer Verantwortung umgehen kann.</p>
<p style="font-weight: 400;">Im September 2025 gab die Jury unter Vorsitz des früheren Leiters des Stadtplanungsamtes Helsinki, Mikko Aho, den Sieger eines der bemerkenswertesten Architekturwettbewerbe der jüngeren europäischen Geschichte bekannt: Das <strong><a href="https://jkmm.fi/work/architecture-and-design-museum-of-finland/" target="_blank" rel="noopener">Büro JKMM Architects aus Helsinki</a> </strong>gewann mit seinem Entwurf &#8222;Kumma&#8220; den offenen, zweistufigen, anonymen internationalen Wettbewerb für das neue Museum für Architektur und Design an Helsinkis Südhafen. 624 Teams aus aller Welt hatten eingereicht, darunter starke Beiträge aus Italien, den USA, Frankreich und dem Vereinigten Königreich.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Was macht diesen Wettbewerb zum Vorbild für städtische Baukultur?</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Die Antwort liegt weniger im Entwurf selbst als im Prozess. Der Wettbewerb wurde von der Immobiliengesellschaft AD Museum, einem Gemeinschaftsunternehmen der Stadt Helsinki und des finnischen Staates, gemeinsam mit der Stiftung für das finnische Museum für Architektur und Design und dem finnischen Architektenverband SAFA (Suomen Arkkitehtiliitto) organisiert. Schon diese Trägerstruktur signalisiert: Hier handelt nicht ein privater Investor, sondern ein kollektiv verantwortetes Gemeinwesen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Noch ungewöhnlicher war die demokratische Einbindung der Öffentlichkeit. Alle fünf Shortlist-Entwürfe wurden anonym veröffentlicht, und bis Ende Januar 2025 war jede und jeder eingeladen, die Projekte online zu kommentieren. Ergänzend dazu führte KONE Finland für sämtliche 624 Beiträge eine People Flow Analysis durch, öffentliche Workshops mit Nutzerinnen und Nutzern flossen in die Bewertung ein. Transparenz als Planungsprinzip, nicht als PR-Massnahme.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Warum ist der Standort am Südhafen so bedeutsam?</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Das neue Museum entsteht auf einem brachliegenden Dockareal direkt am Marktplatz (Kauppatori), in unmittelbarer Nachbarschaft zu Alvar Aaltos &#8222;Zuckerwürfel&#8220; (dem Enso-Gutzeit-Gebäude von 1962), der lutherischen und der orthodoxen Kathedrale sowie dem Esplanade-Park. Der Standort liegt zudem innerhalb der UNESCO-Pufferzone der Seefestung Suomenlinna (Weltkulturerbe). Prominenter geht es kaum.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Entscheidung für diesen Ort ist eine stadtplanerische Aussage: Das Hafenareal soll vom Transitraum zum kulturellen Herzstück werden. Das AD Museum ist Initialzündung für eine umfassendere Regenerationsstrategie, die den Südhafen als fussgängerfreundliches, maritimes Stadtquartier neu denkt. Entstanden ist das Projekt aus der Zusammenführung zweier historisch bedeutender Institutionen: des 1952 gegründeten Museums für Finnische Architektur und des 1873 gegründeten Designmuseums Helsinki. Beide waren bislang in Altbauten untergebracht, die für zeitgemässe Museumszwecke nur bedingt geeignet waren.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Was unterscheidet den Siegerentwurf von anderen Projekten?</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">JKMM Architects setzen auf recycelten Backstein als primäres Fassadenmaterial, eine skulpturale Setzung mit einer starken urbanen Terrasse sowie eine Gebäudekubatur, die Öffentlichkeit buchstäblich einlädt: Freie Zugangsterrassen, eine Designbibliothek, flexible Ausstellungsgalerien und barrierefreie Begegnungsräume machen das Museum zu einem Ort, der zwischen Monumentalität und Annäherung vermittelt. Die Gesamtnutzfläche beträgt 10.050 Quadratmeter.</p>
<p style="font-weight: 400;">Samuli Miettinen, Gründungspartner und leitender Entwerfer bei JKMM Architects, formulierte den Anspruch klar: Die Realisierung des Museums solle zeigen, wie Neues verantwortungsbewusst und handwerklich solid gebaut werden kann. Architektur und Design seien tief menschlich, geboren aus Träumen und Sehnsüchten, und bekämen ihren Sinn in Orten gemeinschaftlichen Erlebens.</p>
<p style="font-weight: 400;">Zweiten Preis erhielten Cossement Cardoso (Portugal/Belgien) für &#8222;City, Sea and Sky&#8220;, den dritten Preis das Schweizer Büro Lopes Brenna für &#8222;Moby&#8220;. Auch ein finnisches Architektenkollektiv sowie das französische Büro Atelier Orda wurden ausgezeichnet.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei diesem Vorhaben?</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Nachhaltigkeit war keine nachträgliche Anforderung, sondern zentraler Bestandteil des Wettbewerbsprogramms. Die Stadt Helsinki hat sich verpflichtet, bis 2030 klimaneutral zu sein, in dasselbe Jahr, das für die Eröffnung des Museums geplant ist. JKMM Architects wurden ausdrücklich für ihre klimaintelligenzen Lösungen und ökologisch-soziale Responsivität gelobt. Die Verwendung von Recyclingmaterialien, insbesondere des wiederverwendeten Backsteins, ist dabei nicht bloss gestalterische Haltung, sondern ressourcenpolitisches Bekenntnis.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die ökologische Ambition spiegelt eine breitere skandinavische Planungskultur wider, die Nachhaltigkeit nicht als Einschränkung, sondern als kreative Bedingung versteht. Das AD Museum soll laut Jury zum Massstab für künftige Museumsarchitektur in Europa werden, sowohl in Fragen der Resilienz als auch der sozialen Inklusion.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Was kann die deutschsprachige Architekturszene daraus lernen?</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Der Vergleich ist provokant, aber berechtigt: In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind Verfahren dieser Grössenordnung häufig durch Intransparenz, eingeschränkte Teilnahmebedingungen oder mangelnde Öffentlichkeitsbeteiligung geprägt. Die Vergabe von Wettbewerben für kulturelle Infrastrukturbauten bleibt oft kleinen Zirkeln aus gelisteten Büros vorbehalten. Helsinki hat mit 624 anonymen Einreichungen aus aller Welt das Gegenteil demonstriert.</p>
<p style="font-weight: 400;">Besonders bemerkenswert ist die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung: nicht als Alibi-Konsultation am Ende des Verfahrens, sondern als strukturelle Komponente der Entwurfsbewertung. Das entspricht dem, was die Bundesarchitektenkammer (BAK) in ihren Empfehlungen zur Qualitätssicherung im Wettbewerbswesen seit Jahren fordert, ohne dass es flächendeckend umgesetzt wird.</p>
<p style="font-weight: 400;">Das AD Museum wird ab 2027 gebaut und soll Ende 2030 eröffnen. Es wird über 900.000 Artefakte aus Architektur und Design beherbergen, von Arbeiten der Aaltos bis zu zeitgenössischen Positionen. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass dieser Wettbewerb nicht nur ein Bauwerk erzeugt, sondern eine Verfahrenskultur, die exportfähig ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Kiss Point an der Bowery: Das New Museum in New York öffnet mit OMA-Erweiterung</title>
		<link>https://baukunst.art/kiss-point-an-der-bowery-das-new-museum-in-new-york-oeffnet-mit-oma-erweiterung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Mar 2026 17:52:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsbau]]></category>
		<category><![CDATA[New York]]></category>
		<category><![CDATA[OMA]]></category>
		<category><![CDATA[Rem Koolhaas]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rem Koolhaas' Büro OMA hat das New Museum in New York um einen kristallinen Neubau erweitert. Zwei Jahre Bauzeit, eine neue Debatte über Architektur als öffentlichen Raum.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []" />
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber Baukunst.art</strong></p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Museum als öffentlicher Raum: Was der New-Museum-Neubau in New York uns lehren kann</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das New Museum in New York, eines der wichtigsten Häuser für zeitgenössische Kunst weltweit, hat nach zwei Jahren Bauzeit seinen lang erwarteten Erweiterungsbau eröffnet. Das Büro <a href="http://oma.com/" target="_blank" rel="noopener">OMA (Office for Metropolitan Architecture) von Rem Koolhaas</a> hat dabei nicht einfach ein Gebäude angebaut, sondern eine architektonische Beziehung gestiftet, die zeigt, was städtisches Weiterbauen im 21. Jahrhundert bedeuten kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Begriff „Kiss Point&#8220; stammt von den Mitarbeitenden des Museums selbst: jener Punkt im obersten Stockwerk, wo eine gläserne Fußgängerbrücke den sechsstöckigen Neubau mit dem bestehenden SANAA-Bau verbindet. Von dort aus schaut man hinunter auf die Stahlgewebefassade des Altbaus rechts und die neue Glasfassade links, während geradeaus die Prince Street in Lower Manhattan liegt. Ein Moment städtebaulicher Komposition, der in seiner Schlichtheit mehr erzählt als viele architektonische Gesten.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was leistet der OMA-Neubau städtebaulich?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Neubau verdoppelt die Fläche des Hauses auf mehr als 11.000 Quadratmeter. Koolhaas sprach beim Presserundgang per Videobotschaft vom neuen Gebäude als „Ergänzung, einem Gegenstück&#8220;. Sein für das Projekt verantwortlicher Partner Shohei Shigematsu präzisierte das Konzept mit dem Bild eines Paars: ähnlich, aber unterschiedlich. Neben den versetzt gestapelten Quadern des SANAA-Baus, der seit 2007 das Stadtbild der Bowery mitgeprägt hat, ragt nun eine kristallin anmutende, gebrochene Form mit schrägen Rücksprüngen auf. Nicht Fortschreibung, sondern Dialog.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist aus städtebaulicher Sicht bemerkenswert, weil es eine Frage beantwortet, die in europäischen Städten genauso relevant ist wie in New York: Wie verhält sich ein Neubau zu einem Bestand, der selbst noch keine zwei Jahrzehnte alt ist, aber bereits architektonisches Eigengewicht besitzt? Das SANAA-Gebäude von Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa gilt seit seiner Eröffnung als Referenzwerk zeitgenössischer japanischer Architektur auf amerikanischem Boden. OMA hat diesen Kontext ernstgenommen, ohne sich ihm zu unterwerfen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neue Fassade ist in ihrer gläsernen Kristallform ein Gegenentwurf zur matten Anonymität des SANAA-Baus. Beide stehen nebeneinander, ohne sich aufzuheben. Das ist eine architektonische Aussage, die in ihrer Konsequenz nicht selbstverständlich ist: Koolhaas, der Autor des Stadtmanifests „Delirious New York&#8220; (Erstausgabe 1978), kennt die Bowery als städtisches Labor seit Jahrzehnten. Der Neubau ist eine späte, aber präzise Antwort.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das für die Debatte über Museumserweiterungen in Europa?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Diskussion über Museumserweiterungen ist in Europa, besonders im deutschsprachigen Raum, häufig von zwei Polen bestimmt: Auf der einen Seite steht der Wunsch nach maximaler Selbstbehauptung des Neubaus, auf der anderen Seite eine konservative Zurückhaltung, die jeden starken Auftritt als Zumutung empfindet. Das New-Museum-Projekt liegt interessanterweise außerhalb dieser Koordinaten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht jede Erweiterung eines Kulturgebäudes kann oder soll Alleinstellungsanspruch erheben. Was Shigematsu mit dem Paar-Konzept beschreibt, entspricht eher einem Konversationsmodell: Zwei eigenständige Gebäude sprechen miteinander, keines überwältigt das andere. Die Fußgängerbrücke als „Kiss Point&#8220; ist dabei nicht nur eine verbindende Erschließungsebene, sondern ein räumliches Zitat dieser Haltung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritiker haben allerdings auch unbequeme Fragen gestellt. Hrag Vartanian vom Magazin Hyperallergic bezeichnete die Ästhetik des Neubaus als kommerziell und von einem Neokolonialismus geprägt, der auf Wachstum und Einverleibung von Kreativität ziele statt auf echtes Engagement mit dem lokalen Umfeld. Diese Kritik ist nicht ohne Substanz: Das New Museum liegt unmittelbar neben der Bowery Mission, einem Obdachlosenheim mit über 150 Jahren Geschichte. Der Kontrast zwischen dem aufpolierten Museumsneubau und der sozialen Realität seiner direkten Nachbarschaft ist unübersehbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Rezension der New York Times fiel positiv aus: ehrgeizig der Bau, die Eröffnungsausstellung „erwachsen&#8220; und ernst. Das Gewicht liegt hier auf dem Wort „ehrgeizig&#8220;, und in der Tat ist der Anspruch der Eröffnungsschau bemerkenswert. Unter dem Titel „New Humans: Memories of the Future&#8220; versammelt das Haus mehr als 700 Objekte, die den Beitrag der Kunst zur Bestimmung des Menschlichen erkunden: von Prothesen aus dem Ersten Weltkrieg bis zu Roboterfiguren, von endoskopischen Fotografien Lennart Nilssons aus den 1960er Jahren bis zu Hito Steyerls Videoarbeit „Mechanical Kurds&#8220; (2025), die Flüchtlinge zeigt, die für KI-Unternehmen Bilder klassifizieren. Das Programm nimmt die Architektur des Hauses ernst: Ein Gebäude, das Begegnung und Diskussion einladen will, braucht eine Ausstellung, die dasselbe tut.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektur als öffentlicher Raum: ein europäischer Vergleich</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Shigematsu hat in seiner Konzeptbeschreibung einen Satz formuliert, der über das Einzelprojekt hinausweist: Museen gehörten zu den letzten echten öffentlichen Räumen in der Stadt. Diese Einschätzung ist in New York noch dringlicher als in europäischen Städten mit ihrer dichten Infrastruktur an Plätzen, Parks und Fußgängerzonen. Dennoch trifft sie einen Nerv auch diesseits des Atlantiks.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die großen deutschen Museumsbauten der vergangenen zwei Jahrzehnte, von der Erweiterung der Neuen Galerie Kassel über den Erweiterungsbau des Städel in Frankfurt bis zum Humboldt Forum in Berlin, haben alle mit dieser Frage gerungen: Wie viel Öffentlichkeit verträgt ein Kulturbau, und wie erzeugt Architektur Zugänglichkeit jenseits des symbolischen Aufwands? Das New Museum beantwortet diese Frage mit einer imposanten Treppe, von der aus man auf die Bowery und die umliegenden Häuser blickt. Der Blick nach außen als architektonisches Programm, nicht der Blick auf sich selbst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das 1977 von Marcia Tucker als alternativer Ausstellungsraum in Tribeca gegründete Museum hat in seiner Geschichte immer wieder Reibung gesucht: mit dem Kunstbetrieb, mit dem Stadtraum, mit den eigenen Prämissen. Direktoren Lisa Phillips, die demnächst in den Ruhestand tritt, beschrieb das Selbstverständnis des Hauses treffend: Das Museum sammele keine Kunst, weil seine Aufgabe darin bestehe, nah an der zeitgenössischen Szene zu sein. Diese institutionelle Bescheidenheit ist programmatisch, und der neue Bau spiegelt sie wider: Er fügt sich ein, ohne sich aufzuopfern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten, die in europäischen Städten mit ähnlichen Erweiterungsaufgaben konfrontiert sind, liefert das New Museum ein lehrreiches Beispiel: Nicht die Lautstärke des Neubaus entscheidet über die Qualität des Ergebnisses, sondern die Präzision der Frage, wie zwei Gebäude gemeinsam mehr sein können als jedes für sich allein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/kiss-point-an-der-bowery-das-new-museum-in-new-york-oeffnet-mit-oma-erweiterung/">Kiss Point an der Bowery: Das New Museum in New York öffnet mit OMA-Erweiterung</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Erdschwarzbox in Tasmanien: Wenn Werbung Weltuntergang spielt</title>
		<link>https://baukunst.art/erdschwarzbox-in-tasmanien-wenn-werbung-weltuntergang-spielt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Feb 2026 16:11:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Earth’s Black Box]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Klimakommunikation]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15282</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ein Stahlmonolith auf Tasmanien soll die Fehler der Menschheit für künftige Zivilisationen archivieren. Gute Idee oder teures Marketing-Kunstprojekt?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/erdschwarzbox-in-tasmanien-wenn-werbung-weltuntergang-spielt/">Erdschwarzbox in Tasmanien: Wenn Werbung Weltuntergang spielt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Schwarzbox für den Weltuntergang: Gesellschaftskritik aus Stahl und Silizium</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stellen Sie sich vor, eine Werbeagentur baut ein Mahnmal für das Ende der Welt, und niemand wundert sich sonderlich darüber. Genau das geschieht in Australien, wo das Projekt Earth’s Black Box seit 2021 angekündigt wird, mehrfach verschoben wurde und noch immer nicht fertiggestellt ist. Dass ausgerechnet die Kommunikationsfirma Clemenger BBDO aus Melbourne das Konsortium anführt, sagt vermutlich mehr über unsere Gegenwart aus als jede Klimadatenreihe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Vorhaben klingt nach Science-Fiction: Ein 10 Meter langer, 4 Meter breiter Monolith aus 7,5 Zentimeter dickem Stahl soll in der wilden Westküste Tasmaniens errichtet werden, gespeist von Solarzellen, vernetzt mit dem Internet, und darauf ausgelegt, Jahrtausende zu überdauern. Sein Auftrag: die vollständige Chronik des menschlichen Versagens im Angesicht der Klimakatastrophe zu speichern. Für die nächste Zivilisation, versteht sich.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Tasmanien als Bühne für globale Verantwortung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wahl des Standorts ist kein Zufall. Tasmanien gilt als einer der geopolitisch und geologisch stabilsten Orte der Erde. Kandidaten wie Malta, Norwegen und Katar standen auf der Vorschlagliste, bevor das Team aus Forscherinnen und Forschern der University of Tasmania, der Künstlergruppe The Glue Society und der Werbeagentur Clemenger BBDO die südlichste australische Insel vorzog. Die Region ist vulkanisch ruhig, politisch befriedet und weit genug vom globalen Krisengürtel entfernt, um eine gewisse Überlebensperspektive zu bieten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Geosoziale Überlegungen spielen dabei eine entscheidende Rolle: Wo soll das kollektive Gedächtnis der Menschheit aufbewahrt werden, wenn die Zentren der Macht und des Kapitals selbst Teil des Problems sind? In dieser Frage steckt ein subversiver Kern. Tasmanien, am Rand des globalen Bewusstseins, wird zur Bühne für eine Botschaft, die die Metropolen der Welt nicht ernst nehmen wollen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was gespeichert wird, und was das bedeutet</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Blackbox soll zwei Kategorien von Daten erfassen. Erstens: Klimamesswerte wie CO₂-Ausstoß, Ozeanversauerung, Luft- und Meerestemperaturen, Artensterben, Landnutzungsveränderungen, Bevölkerungswachstum und Militärausgaben. Zweitens: das digitale Protokoll des politischen Diskurses, Presseberichte, Social-Media-Posts und Transkripte von Politikerreden, algorithmisch gefiltert und archiviert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Zweiteilung ist bemerkenswert. Sie erkennt an, was die Klimawissenschaft seit Jahrzehnten betont: Das Problem ist kein technisches, sondern ein gesellschaftliches. Nicht fehlende Daten, sondern fehlender politischer Wille blockiert den Wandel. Indem die Blackbox explizit Politikerreden und Tweets archiviert, setzt sie einen impliziten Anspruch: Rechenschaft. Wer hat was gesagt, und wann? Wer hat gehandelt, wer hat gezögert? Die Inschrift auf der Projektwebsite ist unmissverständlich: „Your actions, inactions, and interactions are now being recorded.“</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektur als gesellschaftlicher Kommentar</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus architektonischer Sicht ist Earth’s Black Box ein faszinierendes Paradox: ein Bauwerk, das für den Misserfolg gebaut wird. Während die große Mehrheit der gebauten Welt menschliche Schaffenskraft, Fortschritt oder Erinnerung feiert, ist dieser Monolith das erste Monument, das explizit für das Scheitern errichtet wird. Nicht als Trauerdenkmal für Vergangenes, sondern als präventive Dokumentation von etwas, das noch vermieden werden könnte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Form ist reduziert bis zur Brutalität: ein Keil aus Cortenstahl, schräg in der tasmanischen Wildnis liegend, der an Stanley Kubricks schwarzen Monolithen in „2001: Odyssee im Weltraum“ erinnert. Kein Ornament, keine Versöhnlichkeit, keine Einladung. Das Gebäude verweigert den Dialog, es empfängt nur und sendet nicht. Diese kommunikative Einseitigkeit ist programmatisch: Die nächsten Generationen hören zu, die aktuelle Generation redet weiter wie bisher.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jim Curtis, Creative Director bei Clemenger BBDO, beschreibt das Gebäude schlicht als „Werkzeug“. Doch ein Werkzeug, das kein einziges Problem löst, sondern lediglich dokumentiert, ist politisch, ob es will oder nicht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Marketing, Kunst oder Aktivismus? Die schwierige Verortung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die führende Rolle einer Werbeagentur wirft berechtigte Fragen auf. Kritikerinnen und Kritiker wie der amerikanische Klimaforscher Noah Diffenbaugh haben frühzeitig darauf hingewiesen, dass man die Frage des Klimawandels als existenzielle Bedrohung nicht mit der Frage des zivilisatorischen Zusammenbruchs vermengen sollte. Das Projekt bedient eine apokalyptische Ästhetik, die zwar emotional wirksam ist, wissenschaftlich aber vereinfacht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Tatsächlich halten die meisten Klimawissenschaftlerinnen und Klimawissenschaftler das vollständige Aussterben der Menschheit durch den Klimawandel selbst in Hochemissionsszenarien für unwahrscheinlich. Was droht, ist etwas anderes: massenhafte Vertreibung, der Zusammenbruch von Nahrungssystemen, gewaltsame Konflikte um Ressourcen, das Ende bestimmter Lebensweisen und das Verschwinden ganzer Küstenregionen und Inselstaaten. Dieser realistische Horror wird durch apokalyptische Symbolik paradoxerweise verharmlost.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dennoch hat die Blackbox etwas geleistet, was fünf Jahrzehnte Klimakommunikation nicht schafften. Sie produziert eine intuitiv verständliche Metapher für kollektive Rechenschaftspflicht. Jeder Mensch weiß, was eine Blackbox tut. Niemand braucht einen Hochschulabschluss in Klimawissenschaft, um zu verstehen, dass ein Planet, der eine Blackbox benötigt, in ernsthafter Gefahr ist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Dauerverschiebung als ungewollte Selbstironie</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Fertigstellung 2021 angekündigt. Dann 2023. Mitte 2024 hieß es erneut, man erwarte den Abschluss noch in diesem Jahr. Stand August 2025: gebaut wurde immer noch nicht. Dabei werden die Daten längst gesammelt, die Festplatten laufen, das Archiv wächst. Nur der Monolith fehlt. Diese Verzögerung hat eine unfreiwillige Komik: Das Mahnmal für menschliches Versagen scheitert einstweilen am menschlichen Versagen, rechtzeitig fertiggestellt zu werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das 1,5-Grad-Ziel ist 2023 und 2024 zum ersten Mal jährlich verfehlt worden. El Granado mass am 29. Juni 2025 mit 46 Grad die heißeste Junitemperatur der spanischen Geschichte. In der chinesischen Provinz Xinjiang wurden im selben Monat erstmals 47 Grad registriert. Die Blackbox hätte viel zu schreiben, wenn sie denn stehen würde.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Urbane Gesellschaften im Archiv der Zukunft</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet dieses Projekt für das urbane Leben des 21. Jahrhunderts? Die Blackbox archiviert nicht nur Temperaturkurven, sondern auch den sozialen Diskurs, der in Städten stattfindet: Proteste, Debatten in Parlamenten, Reaktionen auf Extremwetterereignisse, politische Programme und deren Scheitern. Städte sind die großen Schauplätze sowohl des Problems als auch der Lösung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hitzewellen, Extremniederschläge, steigende Meeresspiegel, der Verlust urbaner Freiraume, Hitzeinseleffekte in dichten Stadtquartieren: Die Blackbox wird eines Tages bezeugen, ob und wie Städte auf diese Herausforderungen geantwortet haben. Ob Kommunen in München, Wien oder Zürich auf Begrünung, Klimaanpassung und partizipative Stadtentwicklung gesetzt haben oder ob Partikularinteressen und Immobiliendruck dominierten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In dieser Perspektive ist die tasmanische Blackbox kein fernes Kunstprojekt. Sie ist ein Spiegel, den eine Werbeagentur der planenden und bauenden Zunft vorhält. Die Frage, die er zurückwirft, ist unbequem: Was würde eine ehrliche Chronik des eigenen Handelns ergeben?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<item>
		<title>Kirchlicher Immobilienverkauf: Wer übernimmt die sozialen Räume und ist die Kirchensteuer noch zeitgemäß?</title>
		<link>https://baukunst.art/kirchlicher-immobilienverkauf-wer-uebernimmt-die-sozialen-raeume-und-ist-die-kirchensteuer-noch-zeitgemaess/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Feb 2026 14:15:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchenimmobilien]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchensteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Infrastruktur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Beide großen Kirchen verkaufen massenhaft Immobilien. Doch wer kümmert sich danach um die Schwachen? Und zahlen wir eigentlich noch die richtige Steuer?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gottes Grundstücke zu Marktpreisen: Was der kirchliche Immobilienabverkauf für die Gesellschaft bedeutet</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die kleinen Kleider der großen Kirche</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es gibt Sätze, die klingen nach Selbsteinsicht und entpuppen sich bei näherer Betrachtung als Eingeständnis eines strukturellen Versagens. Tobias Blum, Pressesprecher des Bistums Mainz, sagte es vor wenigen Monaten öffentlich: 201EEs ist in allen katholischen Diözesen und auch den evangelischen Landeskirchen so, dass man merkt, dass uns die Kleider zu groß sind.201C Damit hatte er natürlich recht. Nur: Wessen Kleider sind das eigentlich? Und wer trägt die Folgen, wenn diese Kleider nun zum Ausverkauf kommen?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hintergrund ist ein dramatischer Umstrukturierungsprozess, der in seiner Tragweite für die gebaute Stadtstruktur Deutschlands kaum zu überschätzen ist. Eine 2023 gemeinsam von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und dem Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) in Auftrag gegebene Studie prognostiziert, dass sich beide Kirchen bis zum Jahr 2060 von rund 40.000 Immobilien trennen müssen. Das entspricht etwa einem Drittel des gesamten kirchlichen Gebäudebestandes. Die evangelische Kirche verwaltet derzeit rund 75.000 Gebäude, darunter allein 21.000 Kirchengebäude, 17.000 Pfarrhäuser, 13.000 Gemeindezentren und 14.000 Betriebsgebäude. Der Immobilienbestand der katholischen Kirche umfasst nach älteren Schätzungen rund 130.000 Wohnungen. Der monetäre Wert dieser Bestände ist enorm, ihr Unterhalt aber ebenso. Schon im Jahr 2005 betrugen die Gebäudelasten der evangelischen Kirche rund eine Milliarde Euro jährlich.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bistum um Bistum: Der Rückzug ist längst in vollem Gang</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was abstrakt klingt, ist längst operative Realität. Das Erzbistum Hamburg hat alle rund 800 Immobilien auf den Prüfstand gestellt und dabei zwischen sogenannten Primär- und Sekundärimmobilien unterschieden. Letztere, voraussichtlich rund 350 bis 400 Objekte also etwa die Hälfte des Bestandes, sollen bis 2030 entwickelt, verpachtet oder veräußert werden. Das Bistum Mainz plant, rund die Hälfte seiner 1.700 Immobilien abzugeben, in erster Linie Pfarrhäuser und Gemeindezentren. Gleichzeitig werden die bisher rund 300 pastoralen Einheiten des Bistums zu nur noch 46 zusammengelegt. Das Erzbistum Berlin hat im Mai 2024 einen umfassenden Beratungsprozess mit einem externen Immobiliendienstleister gestartet, der bis 2030 abgeschlossen sein soll. Finanziell erzwingt das der Druck von unten: Das Bistum Mainz muss bis 2030 mindestens 50 Millionen Euro pro Jahr einsparen, was 25 Prozent seiner Gesamtausgaben entspricht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Grund für diesen Rückzug ist nüchtern betrachtet demografischer und finanzieller Natur: Die Zahl der Kirchenmitglieder in Deutschland ist von 57,4 Prozent der Bevölkerung im Jahr 2014 auf 45,2 Prozent gesunken. Bis 2060 soll die Zahl der Kirchensteuerpflichtigen um weitere 49 Prozent abnehmen, prognostizieren Forscher der Universität Freiburg. Weniger Mitglieder bedeuten weniger Kirchensteuereinnahmen, und das bedeutet weniger Geld für Gebäudeunterhalt. Die Logik ist simpel, ihr architektonisches Erbe aber komplex.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Denkmalschutz trifft Marktlogik: Ein ungleiches Duell</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als Architekt betrachte ich diesen Prozess mit großer Sorge. Unter den rund 40.000 freizusetzenden Immobilien befinden sich tausende denkmalgeschützte Gebäude, darunter Kirchensäle mit aufwendigen Bleiglasfenstern und historischen Ausstattungen, für die sich keine wirtschaftlich tragfähige Nachnutzung finden lässt. Kirchen sind keine Lagerhallen. Sie sind Raumkunstwerke, die über Jahrhunderte das städtische Bild geprägt haben und deren Qualitäten sich nicht einfach durch eine Nutzungsänderung erhalten lassen. In den Niederlanden hat man bereits vorgemacht, was passieren kann: Kirchen werden zu Supermärkten, Bowlingbahnen oder Kletterparks umgewidmet. Manches davon gelingt kreativ, vieles davon geht auf Kosten der Raumwirkung. Dennoch: Auch Kirchengebäude sollen nach Bistumsplan nur im Ausnahmefall aufgegeben werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das eigentliche architektonische Problem liegt freilich nicht in den Kirchenschiffen selbst, sondern in den Gemeindezentren, den Pfarrhäusern und sozialen Räumen, die seit den 1950er und 1970er Jahren in großer Zahl als schlichte Zweckbauten errichtet wurden. Diese Gebäude stehen nun buchstäblich zur Disposition. Und mit ihnen ihre Funktion.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was geschieht mit dem sozialen Gefüge?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier liegt die eigentliche gesellschaftliche Sprengkraft des Prozesses. In kirchlichen Gemeindehäusern finden Selbsthilfegruppen statt, Seniorennachmittage, Jugendtreffs, Notunterkünfte, Beratungsangebote und Sprachkurse. Diese Räume kosten wenig Miete oder keine. Wer übernimmt sie, wenn die Kirche nicht mehr Eigentümerin ist? Ein privater Käufer wird sie marktgerecht vermieten oder abreißen. Eine Kommune, die selbst unter Haushaltsdruck steht, kann und wird nicht in jedem Fall einspringen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Wohlfahrtsverband Caritas beschäftigt rund 740.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und gilt als größter privatrechtlicher Arbeitgeber Deutschlands. Die Diakonie betreibt ein Einrichtungsvolumen von rund 50 Milliarden Euro jährlich. Beide Organisationen sind jedoch rechtlich eigenständig und weitgehend staatlich finanziert. Lediglich 1,8 bis 6 Prozent der Betriebskosten bei Caritas und Diakonie stammen aus Kirchenmitteln. Bei der Diakonie konkret sind es nur 3,8 Prozent, während staatliche Zuschüsse 82 Prozent ausmachen. Diese Zahlen wurden 2023 auch von einer Beraterin der Deutschen Bischofskonferenz bestätigt. Das bedeutet: Die großen kirchlichen Sozialwerke werden durch den Immobilienverkauf kaum erschüttert. Sie sind de facto schon heute staatlich finanzierte Dienstleister unter christlichem Dach.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was fehlen wird, sind die kleineren, informellen Räume, die dezentralen Treffpunkte in Stadtvierteln und ländlichen Gemeinden, die nicht buchhalterisch erfasst werden, aber Gemeinschaft ermöglichen. Ihr Verlust ist schwer zu quantifizieren, aber real.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Kirchensteuer: Ein Modell von gestern?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">An diesem Punkt drängt sich eine Frage auf, die lange als tabuverdächtig galt: Ist die Kirchensteuer noch zeitgemäß? Das Instrument, das den deutschen Staat zum Steuereinzüger der Konfessionen macht, wird laut Umfragen von rund 67 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger abgelehnt. Für das Jahr 2027 prognostiziert das Institut der deutschen Wirtschaft Einnahmen von 14,4 Milliarden Euro. Unter Berücksichtigung der Inflation entspricht das jedoch faktisch einem Minus von rund einer Milliarde Euro gegenüber dem bisherigen Höchststand. Der Trend zeigt unmissverständlich nach unten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei sind die Kirchensteuereinnahmen nicht der einzige finanzielle Zufluss: Die Länder zahlen den Kirchen zusätzlich staatliche Leistungen, die sogenannten Staatsleistungen, deren historischer Ursprung in der Säkularisation des Jahres 1803 liegt und die seither nie abgelöst wurden. Im Jahr 2025 belaufen sich diese Zahlungen auf über 657 Millionen Euro. Das Grundgesetz schreibt in Artikel 140 ausdrücklich die Ablösung dieser Leistungen vor. Sie ist bis heute nicht erfolgt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Man könnte das alles als kircheninterne Finanzierungsfrage abtun. Aber das wäre zu kurz gedacht. Die Kirchen sind nicht zuletzt deshalb so prägend in der deutschen Stadtstruktur verankert, weil sie über Jahrhunderte steuerliche Privilegien genossen und staatliche Unterstützung erhielten. Wenn sie nun Immobilien in großem Stil veräußern, wird der durch staatliche Mittel mitfinanzierte Substanzwert in private Hände übertragen. Das ist eine sozialpolitische Entscheidung von erheblicher Reichweite, die einer breiten öffentlichen Debatte bedarf.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was jetzt zu tun wäre: Ein Plädoyer für Transparenz und Gemeinwohl</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als jemand, der  Gebäude plant, nutzt und analysiert, möchte ich Klarheit einfordern: Die Kirchen sollten ihre Immobilien nicht einfach dem freien Markt überlassen. Stattdessen braucht es transparente Verfahren, bei denen soziale Träger, Kommunen und zivilgesellschaftliche Organisationen Vorkaufsrechte erhalten. Erbbaurechtsmodelle, wie sie einzelne Bistümer bereits erproben, sind ein richtiger Ansatz: Das Eigentumsrecht bleibt in kirchlicher Hand, die Nutzung wird sozialen Zwecken sichergestellt. Das Erzbistum Hamburg schreibt in seinen Verkaufsrichtlinien ausdrücklich aus, dass Nutzungen als Nachtlokale, Spielhallen oder durch nichtchristliche Religionsgemeinschaften ausgeschlossen sind. Das ist ein legitimer Vorbehalt, aber er schafft allein noch keine Gemeinwohlorientierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig sollte der Staat die Gelegenheit nutzen, das jahrhundertealte Konstrukt der Kirchensteuer und der Staatsleistungen kritisch zu überdenken. Wenn die Kirchen selbst einräumen, dass ihnen die Kleider zu groß sind, dann muss auch die Frage erlaubt sein, ob das Kleid der finanziellen Sonderprivilegien noch passt. Eine ehrliche gesellschaftliche Debatte über die Neujustierung des Verhältnisses von Staat und Kirche ist überfällig. Sie ist kein Angriff auf die Religion, sondern ein Gebot der Fairness gegenüber allen Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<item>
		<title>Olympia 2026 in Mailand: Warum die Eishockey Arena zum Symbol für Italiens Baustellen Chaos wird</title>
		<link>https://baukunst.art/olympia-2026-in-mailand-warum-die-eishockey-arena-zum-symbol-fuer-italiens-baustellen-chaos-wird/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Jan 2026 11:50:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[David Chipperfield]]></category>
		<category><![CDATA[Olympia 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Sportarchitektur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14761</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Olympia Arena in Mailand ist noch nicht fertig. Ein Blick auf Chipperfields Entwurf, explodierende Kosten und Italiens Großprojekt Probleme.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/olympia-2026-in-mailand-warum-die-eishockey-arena-zum-symbol-fuer-italiens-baustellen-chaos-wird/">Olympia 2026 in Mailand: Warum die Eishockey Arena zum Symbol für Italiens Baustellen Chaos wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Mailands olympische Sorgenkind Baustelle</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Die Milano Santa Giulia Ice Hockey Arena steht exemplarisch für die Widersprüche italienischer Großprojekte: ambitionierte Architektur trifft auf chronische Verzögerungen</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenige Wochen vor Beginn der Olympischen Winterspiele 2026 gleicht der Stadtteil Santa Giulia im Südosten Mailands einer Großbaustelle. Während in der übrigen Stadt Plakate mit dem Slogan &#8222;Milano, arrivano i giochi!&#8220; für das sportliche Großereignis werben, arbeiten auf dem Gelände der künftig größten Indoor Arena Italiens hunderte Bauarbeiter im Akkord. Die Eishockey Arena, entworfen vom renommierten Büro David Chipperfield Architects in Zusammenarbeit mit Arup, sollte eigentlich längst fertiggestellt sein. Stattdessen fehlen noch Sitze in den Tribünen, die Kabinen sind provisorisch, und selbst die Zufahrtswege für Fußgängerinnen und Radfahrer sind weder geplant noch gebaut.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">David Chipperfields Vision trifft auf italienische Realität</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das architektonische Konzept der Arena ist durchaus bemerkenswert. Der britische Pritzker Preisträger David Chipperfield und sein Berliner Büro haben einen Entwurf vorgelegt, der sich bewusst auf die historische Baukultur Mailands bezieht. Die elliptische Grundform zitiert das ehemalige römische Amphitheater der Stadt und übersetzt diesen Archetyp in eine zeitgenössische Formensprache. Drei ineinander verschachtelte Ringe aus schimmerndem Aluminium umhüllen das Gebäude, verbunden durch transparente Glasstreifen. Tagsüber reflektieren die metallischen Oberflächen das Licht, nachts verwandeln LED Streifen die Fassade in eine leuchtende Skulptur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Arena erhebt sich auf einem mineralischen Podium, das nahezu das gesamte Grundstück einnimmt. Eine großzügige Freitreppe verbindet das Gebäude mit dem umliegenden Platz, der mit über 10.000 Quadratmetern auch für Freiluftveranstaltungen genutzt werden soll. Das Konzept folgt dem Nachhaltigkeitsanspruch der Olympischen Agenda 2020: Photovoltaik Paneele auf dem Dach sollen einen Großteil des Energiebedarfs decken, modulare Bauteile ermöglichen künftige Umbauten oder sogar den Rückbau einzelner Elemente.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Prestigeprojekt gerät ins Schleudern</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch zwischen architektonischer Vision und baulicher Realität klafft eine beträchtliche Lücke. Ursprünglich für 22.000 Zuschauerinnen und Zuschauer geplant, wurde die Kapazität auf 16.000 reduziert. Die für Dezember 2025 angekündigte Fertigstellung verschob sich mehrfach. Als Anfang Januar 2026 die ersten Testspiele im Rahmen der italienischen Meisterschaft stattfanden, präsentierte sich die Arena als Provisorium: Gerüste versperrten Sichtachsen, Baufahrzeuge rollten um das Eisfeld, und ein Loch im Eis erzwang die Unterbrechung eines Spiels.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Verantwortlichen üben sich dennoch in demonstrativer Gelassenheit. &#8222;Alles wird sich zum Guten wenden&#8220;, versicherte Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala bei einem Pressetermin. Christophe Dubi, Exekutivdirektor der Olympischen Spiele, bemühte einen kulinarischen Vergleich: Es sei wie bei einem Abendessen für Freunde um 20 Uhr, man stehe eben um 19.58 Uhr noch am Herd. Der Internationale Eishockeyverband IIHF zeigte sich nach den Tests zufrieden mit der Eisqualität, auch wenn die Spielfläche kleiner ausfällt als in der nordamerikanischen NHL üblich, was bei den erwarteten NHL Stars für Irritationen sorgen dürfte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kostenexplosion und Korruptionsermittlungen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bauverzögerungen sind nur ein Symptom tieferliegender Probleme. Die Gesamtkosten aller Bauvorhaben für Milano Cortina 2026 haben sich laut Berichten auf über fünf Milliarden Euro summiert und damit alle ursprünglichen Prognosen gesprengt. Die Stadt Mailand musste zusätzliche 51 Millionen Euro bereitstellen, um das Projekt des privaten Bauinvestors CTS Eventim rechtzeitig abzuschließen. Einen alternativen Austragungsort gibt es nicht, wie Andrea Francisi, der operative Leiter der Spiele, einräumte: &#8222;Es gibt keinen Plan B.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Parallel zu den Bauarbeiten laufen Korruptionsermittlungen gegen die Fondazione Milano Cortina 2026. Im Mai 2024 durchsuchte die Finanzpolizei die Büros der Stiftung, im Juli 2025 leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen mutmaßlicher Korruption beim olympischen Dorf ein. Das von der Regierung Meloni erlassene &#8222;Olympia Rettungsdekret&#8220;, das die Stiftung als private Einrichtung einstufte und damit vor bestimmten Ermittlungen schützen sollte, liegt inzwischen beim Verfassungsgericht. Die Frage, ob die Fondazione als öffentlich rechtliche oder private Institution zu behandeln ist, hat erhebliche strafrechtliche Konsequenzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit nur auf dem Papier</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Olympischen Winterspiele von Mailand und Cortina sollten ein Vorzeigebeispiel für nachhaltige Großveranstaltungen werden. Die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA und italienische Umweltverbände zeichnen ein anderes Bild. Die vorgesehene strategische Umweltverträglichkeitsprüfung für alle olympiabezogenen Bauprojekte wurde ausgesetzt, Genehmigungsverfahren beschleunigt. Die nationalen Umweltverbände verließen den Gesprächstisch mit der Stiftung bereits 2023.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders kritisch betrachten Expertinnen und Experten die neue Bobbahn in Cortina. Mit Kosten von mindestens 80 Millionen Euro, Tendenz steigend, entstand hier ein Prestigeprojekt des Infrastrukturministers Matteo Salvini, obwohl die nahegelegene Bahn in Innsbruck Igls eine kostengünstigere und ökologisch sinnvollere Alternative geboten hätte. Die Erfahrung vergangener Winterspiele in den Alpen, zuletzt Turin 2006, hat gezeigt, dass solche Anlagen nach wenigen Nutzungstagen zu Ruinen verkommen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die &#8222;Olimpiadi diffuse&#8220; als logistische Herausforderung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die italienischen Medien sprechen von &#8222;Olimpiadi diffuse&#8220;, den verstreuten Olympischen Spielen. Über 22.000 Quadratkilometer erstrecken sich die Austragungsorte von Mailand über Cortina bis ins Veltlin. Weder in der Provinz Belluno noch in der Region um Bormio und Livigno sind die geplanten Straßenbauten fertiggestellt. Die Pünktlichkeit der Busse des Staatskonzerns Trenitalia wird ebenso zum Prüfstein wie die Erreichbarkeit der vier über die Stadt verteilten Mailänder Hallen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Immerhin: Einiges war schon da. Der Arco della Pace, der Friedensbogen am Stadtpark Sempione, wartet seit 180 Jahren darauf, dass ihm das olympische Feuer aufgesetzt wird. Das San Siro für die Eröffnungsfeier steht seit Jahrzehnten. Die Ankündigung, dass Mariah Carey zur Eröffnung auftritt, hat die Stadtpresse elektrisiert. Und der 29 Meter hohe Weihnachtsbaum auf dem Domplatz trug in diesem Jahr bereits Olympiaschmuck, bevor er nachhaltig in einer Gefängnistischlerei zu Möbeln verarbeitet werden soll. Es wäre bezeichnend, wenn der Christbaum zum Esstisch würde, noch bevor die Eishockey Arena fertig ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lehren für künftige Großprojekte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Milano Cortina 2026 wirft grundsätzliche Fragen auf, die weit über Italien hinausreichen. Wie lassen sich ambitionierte Architekturentwürfe mit realistischen Zeitplänen vereinbaren? Welche Rolle sollten private Investoren bei öffentlichen Großprojekten spielen? Und wie ernst ist das Nachhaltigkeitsversprechen olympischer Veranstaltungen zu nehmen?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">David Chipperfields Entwurf für die Santa Giulia Arena ist architektonisch überzeugend. Die Verbindung aus historischem Bezug und zeitgenössischer Materialität, aus urbanem Platzraum und multifunktionaler Halle könnte tatsächlich ein bleibendes Vermächtnis für die Stadt werden, wie es der Architekt selbst formulierte. Doch die Entstehungsgeschichte des Baus illustriert einmal mehr die Kluft zwischen Planungsanspruch und Baustellenrealität. Dass in Italien selbst Pritzker Preisträger gegen chronische Verzögerungen, bürokratische Hürden und undurchsichtige Finanzierungsstrukturen kämpfen müssen, sollte Bauherrinnen und Bauherren in ganz Europa zu denken geben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 6. Februar 2026 soll die Eröffnungsfeier im San Siro stattfinden. Einen Tag zuvor treffen in der Santa Giulia Arena die Eishockey Nationalteams Italiens und Frankreichs aufeinander. Ob dann tatsächlich alles fertig sein wird? Die Mailänderinnen und Mailänder haben dafür ein Wort: vediamo. Schauen wir mal.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/olympia-2026-in-mailand-warum-die-eishockey-arena-zum-symbol-fuer-italiens-baustellen-chaos-wird/">Olympia 2026 in Mailand: Warum die Eishockey Arena zum Symbol für Italiens Baustellen Chaos wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Roms Metro C: Wie Archäologie und Ingenieurskunst unter dem Kolosseum zur Symbiose finden</title>
		<link>https://baukunst.art/roms-metro-c-wie-archaeologie-und-ingenieurskunst-unter-dem-kolosseum-zur-symbiose-finden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Jan 2026 11:18:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Archäologie Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Kolosseum U Bahn]]></category>
		<category><![CDATA[Metro C Rom]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Roms neue U Bahnstationen unter dem Kolosseum verbinden moderne Mobilität mit antiker Geschichte. Ein Modell für den Infrastrukturbau in historischen Stadtkernen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Roms Metro C: Wie Archäologie und Ingenieurskunst unter dem Kolosseum zur Symbiose finden</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 16. Dezember 2025 eröffnete Rom zwei neue Stationen seiner Metrolinie C: Colosseo/Fori Imperiali und Porta Metronia. Was in den meisten Metropolen kaum mehr als eine Randnotiz wert wäre, geriet in der Ewigen Stadt zum Staatsakt mit Bürgermeister Roberto Gualtieri, Verkehrsminister Matteo Salvini und Kulturminister Alessandro Giuli. Die Gründe für diese Aufmerksamkeit liegen buchstäblich unter der Oberfläche.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwölf Jahre für drei Kilometer</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen sprechen für sich: Seit 2013 arbeiteten die Ingenieurinnen und Ingenieure der Baufirma Webuild am jüngsten Abschnitt der Linie C. Ursprünglich waren sieben Jahre veranschlagt, geworden sind es zwölf. Die Pandemie spielte eine Rolle, doch entscheidender waren die archäologischen Funde. Wer in Rom den Boden öffnet, gräbt unweigerlich Geschichte aus. Das gilt umso mehr, je näher man dem antiken Zentrum kommt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Chefingenieur Marco Cervone, seit 2007 mit dem Projekt befasst, bringt es auf den Punkt: In Rom müsse man nicht nur bauen, sondern gleichzeitig bewahren. Die Herausforderung bestehe darin, monumentale Bauten oberirdisch zu schützen und fragile Schätze unterirdisch zu bergen. Diese doppelte Verantwortung unterscheidet den römischen U Bahnbau fundamental von vergleichbaren Projekten in anderen europäischen Metropolen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Archäologischer Top Down Bau als Innovation</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projektteam entwickelte dafür eine spezifische Bautechnik: das sogenannte archäologische Top Down Verfahren. Dabei werden die Geschossdecken von oben nach unten progressiv eingezogen, während parallel die archäologischen Grabungen voranschreiten. Diese Methode gewährleistet strukturelle Stabilität und ermöglicht zugleich systematische wissenschaftliche Untersuchungen. Eine ingenieurstechnische Gratwanderung, die internationale Beachtung verdient.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">An der Station Porta Metronia reichen die archäologischen Schichten etwa 15 Meter tief. Die Grabungen förderten eine römische Kaserne der Prätorianergarde aus der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts nach Christus zutage. Über 30 Räume mit Wandfresken und Mosaikböden, dazu das sogenannte Haus des Kommandanten. Als Simona Morretta, Verantwortliche der Archäologiebehörde, 2016 die Dimension der Funde erkannte, stand das Projekt vor einer Grundsatzentscheidung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Verlagerung einer antiken Kaserne</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Lösung war ebenso aufwändig wie bemerkenswert: Man hob den gesamten archäologischen Komplex aus, lagerte ihn in klimatisierten Containern und setzte ihn nach Abschluss der Bauarbeiten an Ort und Stelle wieder ein. Eine zeitweise Versetzung von fast 2000 Quadratmetern antiker Bausubstanz. Das Museum, das diese Funde präsentieren wird, soll im Februar 2026 eröffnen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Station Colosseo/Fori Imperiali geht noch einen Schritt weiter. 32 Meter unter der Via dei Fori Imperiali, zwischen Kolosseum und Maxentiusbasilika gelegen, präsentiert sie ihre Funde direkt in den Erschließungswegen. 28 Brunnen aus republikanischer Zeit kamen hier zum Vorschein, dazu eine Domus mit Badeanlage aus dem ersten Jahrhundert vor Christus bis zum ersten Jahrhundert nach Christus. Die goldfarbene Täfelung der Rolltreppenschächte evoziert bewusst das Bild eines Abstiegs in verborgene Schichten der Geschichte.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektonische Konzeption als kulturelle Vermittlung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Architekturbüro ABDR, bekannt durch Projekte wie den Bahnhof Roma Tiburtina und das Archäologische Nationalmuseum von Reggio Calabria, zeichnet für die museale Gestaltung der Station Porta Metronia verantwortlich. Der Entwurf folgt dem Leitgedanken, öffentlichen Raum neu zu denken. Ein unterirdischer Platz verbindet Straßenniveau, Museumsetage und Bahnsteigbereich. Von hier aus erschließen sich sowohl die Metrostation als auch die archäologische Ausstellung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die museografische Konzeption der Station Colosseo, erarbeitet vom Parco Archeologico del Colosseo in Zusammenarbeit mit der Universität La Sapienza, gliedert sich in fünf thematische Bereiche. Das Leitmotiv des Brunnens fungiert dabei als Metapher für die Reise in den Untergrund und durch die Geschichte. Dioramen und Videoinstallationen ergänzen die ausgestellten Originale.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Netzwerkeffekt und städtische Mobilität</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit der neuen Strecke wächst das Netz der Linie C auf 24 Stationen. Erstmals sind die östlichen Vororte direkt mit dem archäologischen Zentrum verbunden. Die Station Colosseo ermöglicht zudem den Umstieg zur Linie B, während San Giovanni bereits die Verknüpfung mit Linie A bietet. Für eine Stadt mit 2,7 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern sowie Abermillionen Touristen jährlich, die bislang nur über drei U Bahnlinien verfügt, bedeutet dies einen erheblichen Kapazitätsgewinn.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kosten für den jüngsten Bauabschnitt belaufen sich auf rund 860 Millionen Euro. Vor gut zehn Jahren waren 790 Millionen Euro veranschlagt worden. Eine Überschreitung von neun Prozent erscheint angesichts der Komplexität moderat, auch wenn die verlängerte Bauzeit volkswirtschaftliche Folgekosten verursacht hat, die in dieser Rechnung nicht auftauchen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Piazza Venezia und darüber hinaus</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die nächste Herausforderung heißt Piazza Venezia. Hier rechnet Bauleiter Cervone mit etwa zehn Jahren Bauzeit. Danach soll die Linie C weiter Richtung Westen führen, über Chiesa Nuova und San Pietro bis Clodio/Mazzini. Insgesamt sind sieben weitere Stationen geplant. Die Erfahrungen aus dem jetzt abgeschlossenen Abschnitt dürften dabei helfen, ähnliche Konflikte zwischen Infrastrukturentwicklung und Denkmalschutz zu lösen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Modellcharakter für historische Stadtkerne</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das römische Beispiel für andere europäische Städte? Die Kernlektion lautet: Archäologische Funde müssen Infrastrukturprojekte nicht blockieren, sondern können sie bereichern. Das erfordert allerdings Planungshorizonte, die über kurzfristige Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen hinausgehen, sowie interdisziplinäre Teams, die Ingenieurwesen und Archäologie als komplementäre Disziplinen begreifen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rom zeigt, dass der Bau zeitgenössischer Infrastruktur mit der Bewahrung historischer Schichten vereinbar ist. Die neuen Stationen sind keine reinen Transitpunkte, sondern kulturelle Räume, die Pendlerinnen und Pendlern ebenso wie Touristinnen und Touristen neue Perspektiven auf die Stadt eröffnen. Ob dieses Modell in den engen Budgetrahmen kommunaler Verkehrspolitik passt, bleibt freilich eine offene Frage. Der erste Zug fuhr am 16. Dezember um 16 Uhr, vollbesetzt mit der Erwartung, dass Geschichte und Gegenwart sich nicht gegenseitig im Weg stehen müssen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Deutsche Botschaft Wien: Schulz und Schulz setzen auf Kärntner Marmor und diplomatische Perfektion</title>
		<link>https://baukunst.art/deutsche-botschaft-wien-schulz-und-schulz-setzen-auf-kaerntner-marmor-und-diplomatische-perfektion/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Dec 2025 16:22:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Botschaft Wien]]></category>
		<category><![CDATA[Krastaler Marmor]]></category>
		<category><![CDATA[Schulz und Schulz Architekten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im dritten Wiener Bezirk steht ein Steinkoloss, der bundesdeutsche Perfektion atmet. Die Frage bleibt: Kann ein Gebäude zu perfekt für die Diplomatie sein?</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Steinkoloss im Dienst des Protokolls</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Schulz und Schulz schaffen in Wien einen diplomatischen Neubau zwischen Präzision und Kühle</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Geschichte der deutschen diplomatischen Präsenz in Wien gleicht einer architektonischen Odyssee. 1877 erwarb das Deutsche Reich ein Grundstück am Rennweg, das einst zum Palais des Fürsten Metternich gehörte. Viktor Rumpelmayer entwarf dort ein Botschaftspalais im Stil der italienischen Renaissance mit französischen Anklängen. Der Zweite Weltkrieg zerstörte dieses Gebäude teilweise, und in den 1950er Jahren verschwand es vollständig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Stuttgarter Architekt Rolf Gutbrod, bekannt für seine organische Formensprache und Werke wie die Liederhalle Stuttgart oder den deutschen Pavillon der Expo 67 in Montreal, schuf zwischen 1959 und 1964 einen Nachfolgebau in Stahlbetonskelettbauweise. Dieser Bau, eine Ikone der nüchternen Bonner Moderne, wurde durch den Zuzug der ständigen Vertretung Deutschlands bei der OSZE irgendwann zu klein. Trotz der Listung durch docomomo als schutzwürdig legte das österreichische Bundesdenkmalamt aufgrund zahlreicher Umbauten und Veränderungen am Gutbrod Bau kein Veto gegen den Abriss ein.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Wettbewerb und seine Konsequenzen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">2015 lobte das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung einen Wettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren aus. Die Leipziger Brüder Ansgar und Benedikt Schulz, deren <strong><a href="https://schulz-und-schulz.com/projekte/deutsche-botschaft-in-wien/" target="_blank" rel="noopener">Büro Schulz und Schulz</a></strong> seit 1992 besteht und deren Propsteikirche St. Trinitatis in Leipzig 2016 den Balthasar Neumann Preis erhielt, gewannen 2016 den Zuschlag. Ihr Entwurf versprach ein Ensemble aus Kuben, verkleidet mit hellem Naturstein, gegliedert nach den vielfältigen Anforderungen repräsentativer und privater Bereiche.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach dreijähriger Bauzeit wurde das rund 40 Millionen Euro teure Botschaftsgebäude Ende September 2025 der Presse vorgestellt. Im April 2025 hatte die Botschaft das Gebäude bezogen, im Oktober 2025 weihte Bundespräsident Frank Walter Steinmeier es offiziell ein. Der Garten mit seinen alten Linden, Platanen und Ahornbäumen blieb erhalten, geplant von Därr Landschaftsarchitekten aus Halle an der Saale. Die grobe Komposition zwischen Bebauung und Freiraum wirkt auf den ersten Blick wie ein Zitat dessen, was einst dort stand.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Materialität der Macht</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Von außen präsentiert sich das Gebäude mit dunklen, stark reflektierenden Sicherheitsgläsern, strengen Fensterbändern und einer akribisch orchestrierten Steinfassade. Die Steintafeln aus hellgrauem Krastaler Marmor, einem kristallinen Naturstein aus Kärnten, der bereits von den Römern genutzt wurde und sich durch besondere Verwitterungsbeständigkeit auszeichnet, messen 30 mal 60 Zentimeter. Die Details sind perfekt gelöst, sämtliche Räume und Fassadenaufbauten so konzipiert, dass das gesamte Gebäude ohne einen einzigen Verschnitt auskommt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Schönste für uns Architekten ist, wenn man das, was man gemacht hat, gar nicht erst erklären muss, weil es ohnehin für sich selbst spricht, erklärte Ansgar Schulz bei der Pressekonferenz und nannte Begriffe wie Offenheit, Transparenz und Dialogbereitschaft. In einer Blickrichtung zumindest ist das Konzept aufgegangen: Aus den Innenräumen der repräsentativen Beletage, die in ihrer Raumabfolge von Foyer, Empfangsraum, Bibliothek, Musiksalon und festlichem Speisesaal dem strengen Protokoll eines Botschaftsbetriebs entsprechen, blickt man durch 3,60 Meter hohe Glasscheiben ins Freie, auf die Terrasse und den polygonal eingefassten Garten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die subversive Geste am Zaun</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Offenheit und Dialogbereitschaft sprechen auch aus der Kunst am Bau Arbeit des Düsseldorfer Künstlers Stefan Sous. Sous, Meisterschüler von Tony Cragg und bekannt für seine monumentalen Stahlskulpturen wie jene vor der BND Zentrale in Berlin, schuf unter dem Titel DEFORM eine runde Beule von rund neun Quadratmetern im Sicherheitszaun. Diese Einbuchtung, so groß, dass man darin eine Walzerdrehung vollführen kann, stülpt sich ins Grundstück hinein und erlaubt den Passantinnen und Passanten, ohne Grenzkontrolle deutschen Boden zu betreten. In Anbetracht des derzeit weltweit angespannten diplomatischen Parketts sorgt diese unerwartet großzügige künstlerische Geste für einen Moment der Irritation und Gänsehaut zugleich.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Perfektion und Sinnlichkeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Resultat ist architektonisch überwältigend, gleichzeitig aber irgendwie auch unsinnlich und atmosphärisch unbefriedigend. Die farb und schmucklose Präsentation scheint mit den beiden Vorgängerbauten, dem Renaissance Palais und Gutbrods organischer Moderne, nicht viel gemein zu haben. Als ausgleichende Gerechtigkeit führt eine wunderschöne, superschlank dimensionierte Wendeltreppe hinab in den Garten, ein Zitat der brüstungslosen Treppe in Oscar Niemeyers Itamaraty Palast in Brasília.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wir sind für unsere Perfektion und Konstruktionsaffinität bekannt, und wir haben diesen Detailperfektionismus in den Dienst der Sache gestellt, sagt Ansgar Schulz. Und was die Kritik an der fehlenden Sinnlichkeit betrifft, möchte ich die Frage stellen: Wie viel Gemütlichkeit verträgt denn wirklich die politische, diplomatische Repräsentanz? Eine berechtigte Frage, wenn man bedenkt, dass in Wien 85.000 Deutsche leben und das Konsulat nach der Schweiz zur weltweit zweitgrößten Anlaufstelle für Auslandsdeutsche macht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In den kommenden Monaten wird das Haus nach Plänen von Innenarchitektinnen und Innenarchitekten des Auswärtigen Amts und des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung eingerichtet. Mit Maßmöbeln, deutschem Design und vorzugsweise deutscher Kunst, wie Botschafter Vito Cecere betont. Das Projekt wurde als Pilotvorhaben für BIM (Building Information Modeling) ausgewählt und entspricht dem Leitfaden Nachhaltiges Bauen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Deutsche Botschaft in Wien steht nun als Monument bundesdeutscher Baukultur: technisch brillant, ästhetisch kohärent, emotional zurückhaltend. Sie verkörpert eine Architekturauffassung, die das Protokoll über die Poesie stellt. Ob das der richtige Ansatz für einen Ort der Diplomatie ist, an dem es doch um menschliche Begegnung gehen sollte, bleibt eine offene Frage. Vielleicht braucht es manchmal gerade die Reibung zwischen kühler Perfektion und menschlicher Wärme, um einen echten Dialog zu ermöglichen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/deutsche-botschaft-wien-schulz-und-schulz-setzen-auf-kaerntner-marmor-und-diplomatische-perfektion/">Deutsche Botschaft Wien: Schulz und Schulz setzen auf Kärntner Marmor und diplomatische Perfektion</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Trump Weisses Haus Ballsaal: Architekt McCrery gefeuert</title>
		<link>https://baukunst.art/trump-weisses-haus-ballsaal-architekt-mccrery-gefeuert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Dec 2025 16:42:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur und Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz USA]]></category>
		<category><![CDATA[Weisses Haus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14542</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wenn selbst der Architekt zu Zurückhaltung mahnt und dafür gefeuert wird, sagt das mehr über den Auftraggeber als über das Projekt. Am Weissen Haus wird Geschichte abgerissen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/trump-weisses-haus-ballsaal-architekt-mccrery-gefeuert/">Trump Weisses Haus Ballsaal: Architekt McCrery gefeuert</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Der Architektenwechsel am Weissen Haus offenbart ein problematisches Verständnis von Baukultur und Denkmalschutz</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">James McCrery II galt als idealer Kandidat für Donald Trumps ambitioniertestes Bauprojekt. Der 60jährige Professor an der Catholic University of America in Washington hat sich einen Namen als Architekt sakraler Räume gemacht. Seine Cathedral of the Most Sacred Heart of Jesus in Knoxville, Tennessee, mit ihrer von Brunelleschi inspirierten Kuppel, steht exemplarisch für einen Architekten, der klassische Formensprache beherrscht und zeitgenössisch interpretiert. Trump selbst hatte McCrery 2019 in die U.S. Commission of Fine Arts berufen, jene Kommission, die ironischerweise über die ästhetische Qualität föderaler Bauprojekte wacht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch Anfang Dezember 2025 kam das abrupte Ende dieser Zusammenarbeit. Der Kirchenarchitekt, der zur Zurückhaltung geraten hatte, wurde durch Shalom Baranes ersetzt, einen Washingtoner Grossbüro Architekten mit über 120 Mitarbeitenden und Erfahrung in der Renovierung des Pentagon nach dem 11. September. Die offizielle Begründung des Weissen Hauses: Man sei bei «Grösse und Umfang» des Projekts «uneins» gewesen. Eine bemerkenswert diplomatische Formulierung für einen Präsidenten, dessen Standardfloskel «You&#8217;re fired» längst Markenzeichen geworden ist.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Von 650 auf 1350 Gäste: Die eskalierende Vision</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen erzählen die Geschichte des Konflikts. Im Sommer 2025 präsentierte das Weisse Haus Pläne für einen Ballsaal mit 650 Plätzen und geschätzten Kosten von 200 Millionen Dollar. Wenige Monate später war von 999 Gästen die Rede, inzwischen sollen es 1350 werden. Die Kosten sind auf 300 Millionen Dollar gestiegen, finanziert angeblich ausschliesslich durch private Spenden. Zu den Geldgebern zählen laut Weissem Haus Amazon, Google, Meta und Lockheed Martin, was Fragen nach potentiellen Interessenkonflikten aufwirft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">McCrery hatte offenbar gewarnt, dass ein derart dimensionierter Neubau das historische Weisse Haus in den Schatten stellen würde. Eine Sorge, die angesichts der Grössenverhältnisse nachvollziehbar erscheint: Der geplante Ballsaal soll rund 8000 Quadratmeter umfassen und wäre damit der grösste Anbau seit dem Oval Office. Das Weisse Haus selbst misst etwa 5100 Quadratmeter. Die Erweiterung würde die Gesamtfläche des Gebäudes nahezu verdoppeln.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Ostflügel: 83 Jahre Geschichte im Abbruchcontainer</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders brisant ist die vollständige Demolierung des Ostflügels, die im Oktober 2025 ohne vorherige öffentliche Ankündigung begann. Dabei hatte Trump noch im Juli versichert, der Neubau werde «nicht mit dem bestehenden Gebäude interferieren» und sei «in seiner Nähe, aber ohne es zu berühren». Die Realität zeigt Satelliten und Drohnenaufnahmen, auf denen Bagger die vertraute weisse Fassade in Schutt verwandeln. Mittlerweile sind nur noch Trümmer vom alten Ostflügel übrig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der 1942 unter Präsident Franklin D. Roosevelt errichtete Ostflügel beherbergte traditionell die Büros der First Lady sowie den Eingangsbereich für offizielle Besuche und öffentliche Führungen. Die Kolonnade an dieser Stelle geht in einer ersten Version sogar auf die Präsidentschaft von Thomas Jefferson zurück. Priya Jain, Vorsitzende des Heritage Preservation Committee der Society of Architectural Historians, bringt das Problem auf den Punkt: «Der Ostflügel ist 83 Jahre alt. Er hat eine eigene historische Bedeutung erlangt. Ich habe nicht viel darüber gesehen, wie das bewertet wurde.»</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Klage eingereicht: Der National Trust zieht vor Gericht</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nun eskaliert der Konflikt auf juristischer Ebene. Der National Trust for Historic Preservation, eine 1949 vom US Kongress gegründete führende Denkmalschutzorganisation, hat am 13. Dezember 2025 vor einem US Bezirksgericht Klage eingereicht und verlangt einen sofortigen Baustopp. Der laufende Bau sei rechtswidrig, argumentiert die Organisation. In der Klage fordert der National Trust, dass die Regierung die gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungsverfahren einschliesslich einer öffentlichen Anhörungsphase abwarten müsse.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">«Das Weisse Haus ist wohl das symbolträchtigste Gebäude unseres Landes und ein weltweit anerkanntes Symbol für unsere starken amerikanischen Ideale», schreibt Carol Quillen, Präsidentin des National Trust for Historic Preservation. Die Klage führt aus, dass Trump den Ostflügel habe abreissen lassen, ohne die Zustimmung des Kongresses einzuholen und ohne eine Überprüfung oder Genehmigung durch die zuständigen Bundeskommissionen zu beantragen. Kein Präsident sei gesetzlich befugt, Teile des Weissen Hauses ohne jegliche Überprüfung abzureissen, weder Präsident Trump noch Präsident Biden noch sonst jemand.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausnahme von der Regel: Denkmalschutz à la carte</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier offenbart sich ein strukturelles Problem: Das Weisse Haus, das Capitol und der Supreme Court sind vom National Historic Preservation Act von 1966 ausgenommen. Diese Regelung sollte die Gewaltenteilung schützen, führt aber dazu, dass ausgerechnet die symbolträchtigsten Gebäude der amerikanischen Demokratie weniger Denkmalschutz geniessen als ein durchschnittliches Postamt. Frühere Präsidenten haben diese Lücke respektiert und freiwillig Konsultationsprozesse mit dem National Park Service durchgeführt. Trump verzichtet darauf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders pikant: Trump hatte die Abrissarbeiten während des sogenannten Shutdowns begonnen, als alle Behörden in Washington lahmgelegt waren. Die National Capital Planning Commission, die eigentlich Bauprojekte im Regierungsviertel genehmigen muss, hat bis heute keine Pläne erhalten. Ihr Vorsitzender, Trumps Stabssekretär Will Scharf, erklärte lakonisch, die Kommission sei nur für «vertikales Bauen» zuständig, nicht für Abrissarbeiten.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Baranes: Der pragmatische Nachfolger</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Shalom Baranes, der neue Chefarchitekt, bringt ein völlig anderes Profil mit. Sein 1981 gegründetes Büro hat über 140 Designpreise gewonnen und Projekte im Wert von mehr als acht Milliarden Dollar realisiert. Spezialisiert auf föderale Bauten, hat Baranes unter anderem das Treasury Building und das Hauptquartier des Department of Homeland Security saniert. Pikant: Er gilt als Verteidiger brutalistischer Architektur, jener Stilrichtung, die Trump öffentlich verabscheut.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wahl von Baranes signalisiert einen Paradigmenwechsel. Während McCrery mit seinem kleinen Büro für sakrale Würde und Zurückhaltung stand, repräsentiert Baranes die Welt der Grossprojekte und pragmatischen Kompromisse. Die Aussage des Weissen Hauses, Baranes werde die Arbeiten «auf die nächste Stufe» heben, lässt ahnen, in welche Richtung sich das Projekt entwickeln wird.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Louis XIV. in Washington: Stil als Statement</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die veröffentlichten Renderings zeigen einen Innenraum im Stil Louis XIV., mit üppigen Kronleuchtern, vergoldetem Stuck und kugelsicheren Panoramafenstern. Die Ähnlichkeit mit dem Ballsaal von Mar a Lago, Trumps privatem Club in Florida, ist frappierend. Architektur wird hier zur autobiografischen Erzählung, das Weisse Haus zum Spiegel seines derzeitigen Bewohners. Der Saal soll den neoklassizistischen Stil des Präsidentensitzes beibehalten und vor Ende von Trumps laufender Amtszeit fertiggestellt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">McCrery, der sich laut New York Times ursprünglich an den grossen Fenstern von Versailles orientiert hatte, scheiterte offenbar an der Differenz zwischen historischem Zitat und zeitgenössischer Adaption. Sein Ansatz, klassische Architektur für amerikanische Kontexte zu transformieren, wie er es bei seinen Kirchenbauten praktiziert, war mit Trumps Vorstellung von Grösse nicht kompatibel.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Eine Frage der Massstäbe</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Architektenwechsel am Weissen Haus ist mehr als eine Personalie. Er wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie viel Transformation verträgt ein historisches Ensemble? Wer entscheidet über die Balance zwischen Nutzen und Respekt vor dem Bestand? Und was bedeutet es, wenn die Mechanismen des Denkmalschutzes bei den wichtigsten Gebäuden einer Nation nicht greifen?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entlassung von James McCrery zeigt, dass fachliche Bedenken in diesem Projekt kein Gehör finden. Sein Rat zur Zurückhaltung, gespeist aus jahrzehntelanger Erfahrung im Umgang mit sakralen und öffentlichen Räumen, wurde als Hindernis wahrgenommen, nicht als Expertise. Die Klage des National Trust for Historic Preservation könnte nun zum Präzedenzfall werden: Erstmals wird gerichtlich geprüft, ob ein Präsident tatsächlich unbegrenzte Verfügungsgewalt über das symbolträchtigste Gebäude der amerikanischen Demokratie besitzt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Randnotiz mit Symbolcharakter: Präsident Trump hatte erklärt, dass seine Ehefrau Melania unter dem Baulärm leide. Die First Lady wäre damit nicht die Einzige, die sich über einen möglichen Stopp der Bauarbeiten freuen könnte.</p>
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		<title>Zensur statt Lösung: Peking versteckt die größte Immobilienkrise der Geschichte</title>
		<link>https://baukunst.art/zensur-statt-loesung-peking-versteckt-die-groesste-immobilienkrise-der-geschichte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Dec 2025 08:37:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Geisterstädte]]></category>
		<category><![CDATA[globale Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Immobilienkrise China]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Chinas Immobilienkollaps erschüttert nicht nur Asien, sondern stellt das globale Modell schuldenfinanzierter Stadtentwicklung in Frage.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/zensur-statt-loesung-peking-versteckt-die-groesste-immobilienkrise-der-geschichte/">Zensur statt Lösung: Peking versteckt die größte Immobilienkrise der Geschichte</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Wenn Betonträume zerplatzen: Chinas Immobilienkrise als globale Warnung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kategorie:</strong> Gesellschaft &amp; Stadtentwicklung | <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Lesezeit:</strong> ca. 8 Minuten</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">65 Millionen leere Wohnungen, 300 Milliarden Dollar Schulden bei einem einzigen Konzern, zerstörte Lebensträume von Millionen Familien: Chinas Immobilienkollaps erschüttert nicht nur Asien, sondern stellt das globale Modell schuldenfinanzierter Stadtentwicklung in Frage.</strong></p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Milliardärssohn und die zerplatzte Blase</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wang Sicong machte kein gutes Geschäft. Vor zehn Jahren erwarb der Sohn des Wanda Gründers ein Luxusapartment in Shanghai für umgerechnet acht Millionen Euro, investierte weitere 2,5 Millionen in die Renovierung. Als er die Wohnung kürzlich verkaufen wollte, kam das böse Erwachen: Erst bei einem Preis von 7,4 Millionen Euro fand sich ein Käufer. Die Immobilienkrise hatte seinen Wertgewinn der Boomjahre zunichtegemacht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wang wird diesen Verlust verkraften. Für Millionen weniger wohlhabende Chinesinnen und Chinesen ist die Krise existenziell. Sie haben ihr Erspartes in Wohnungen investiert, die nie fertiggestellt wurden. Rund 20 Millionen vorverkaufte Apartments stehen als Rohbauten in der Landschaft. Die Familien zahlen Hypotheken für Betonruinen, während ihre Kreditwürdigkeit zerstört wird. Ein Betroffener aus Shenyang brachte es auf den Punkt: „Ich bin sozial bereits tot. Mein Leben ist zerstört.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Dominoeffekt: Von Evergrande zu Vanke</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen der Krise übersteigen jedes Maß. Evergrande, einst der weltweit am höchsten verschuldete Immobilienentwickler, wurde im Januar 2024 zur Liquidation verurteilt. 300 Milliarden Dollar Schulden, 800.000 unvollendete Wohnungen, Gründer Hui Ka Yan in Untersuchungshaft. Country Garden folgte mit einem Rekordverlust von 24 Milliarden Dollar und musste 14 Milliarden Dollar Auslandsschulden restrukturieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der dramatischste Fall spielt sich aktuell bei Vanke ab. Der teilstaatliche Konzern, lange als seriöse Alternative gepriesen, bat im November 2025 erstmals um Zahlungsaufschub für eine Anleihe von 240 Millionen Euro. Die Ratingagentur S&amp;P stufte auf CCC- herab und sprach von einer „Wand von Fälligkeiten&#8220;. Mit 44 Milliarden Euro Schulden weckt Vanke Erinnerungen an Evergrande. Die Stadt Shenzhen, größter Anteilseigner, koordiniert mittlerweile ein Rettungspaket von zwölf Banken.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Geisterstädte als Mahnmale gescheiterter Planung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die berüchtigten Geisterstädte symbolisieren das Versagen einer Urbanisierungsstrategie, die Infrastruktur vor echter Nachfrage setzte. Ordos Kangbashi in der Inneren Mongolei wurde für eine Million Bewohnerinnen und Bewohner geplant, blieb aber weitgehend leer. Der „Manhattan des Ostens&#8220; in Tianjin Yujiapu verzeichnet 75 Prozent Leerstand bei einem 30 Milliarden Dollar Projekt. Evergrandes kulturelle Tourismusstädte, einst als Disney Rivalen konzipiert, werden von Vegetation überwuchert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schätzungen zufolge stehen in China 65 Millionen Wohnungen leer. Die Vermögensvernichtung für chinesische Haushalte ist beispiellos: 70 Prozent des Haushaltsvermögens steckt in Immobilien. Jeder fünfprozentige Preisverfall vernichtet 2,7 Billionen Dollar an Hauswert. Der Shanghaier Wirtschaftsprofessor Zhu Tian bilanziert: „Der wirtschaftliche Abschwung der vergangenen drei, vier Jahre ist fast ausschließlich auf den Zusammenbruch des Immobiliensektors zurückzuführen.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Kritik zur Staatsbedrohung wird</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die chinesische Regierung reagiert mit beispielloser Informationskontrolle. Das Ministerium für Staatssicherheit erklärte wirtschaftliche Kritik zur „nationalen Sicherheitsbedrohung&#8220;. Shanghai löschte in drei Dezemberwochen 2024 über 40.000 Social Media Posts, die den Immobilienmarkt „schlechtredeten&#8220;. Private Datenanbieter erhielten Order, keine monatlichen Verkaufsdaten mehr zu veröffentlichen. Prominente Ökonomen wurden von sozialen Medien verbannt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ironie dieser Strategie formuliert Xiao Qiang von der UC Berkeley prägnant: „Je mehr die Regierung negative Informationen über die Wirtschaft unterdrückt, desto weniger Vertrauen haben die Menschen.&#8220; Die Zensur verschärft das Vertrauensproblem, das sie lösen soll.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Architekturwelt orientiert sich neu</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Internationale Architekturbüros ziehen Konsequenzen. Foster + Partners, einst mit bedeutendem China Portfolio, bezieht mittlerweile 54 Prozent seines Rekordumsatzes von 653 Millionen Pfund aus dem Nahen Osten. Das Büro entwirft nun einen zwei Kilometer hohen Wolkenkratzer in Riad statt Hochhäuser in Shenzhen. Zaha Hadid Architects diversifiziert mit 950 Projekten in 44 Ländern, wobei neue Aufträge verstärkt aus Saudi Arabien, Malaysia und Indien kommen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für chinesische Architektinnen und Architekten ist die Lage dramatisch. Ein US amerikanisches Büro in Shanghai reduzierte die Belegschaft von 100 auf 30. Entwurfshonorare kollabierten auf ein Fünftel bis ein Zehntel früherer Werte. Dennis Lau vom Verband der Architekturpraxen in Hongkong warnt: „Die lokalen Büros befinden sich zweifellos in einer extrem schwierigen Lage, einige stehen bereits am Kipppunkt ihres Überlebenskampfes.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Globale Dominoeffekte: Von Signa bis Sydney</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die europäischen Immobilienmärkte erleben parallele Stresssituationen. Der Signa Kollaps im November 2023 mit 27 Milliarden Euro Vermögenswerten weist verblüffende Parallelen auf: Überhebelung während der Niedrigzinsära, Zusammenbruch bei Refinanzierungsschwierigkeiten. In Deutschland erreichten notleidende Immobilienverkäufe 21 Prozent aller Transaktionen. Chinesische Investitionen in Europa fielen auf 6,8 Milliarden Euro, den niedrigsten Stand seit 2010.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Paradoxerweise profitieren die USA von der chinesischen Kapitalflucht. Chinesische Käuferinnen und Käufer gaben zwischen April 2024 und März 2025 über 13 Milliarden Dollar für US Immobilien aus, ein Anstieg von 83 Prozent. Der durchschnittliche chinesische Käufer zahlte 1,1 Millionen Dollar pro Immobilie, 71 Prozent in bar, um das jährliche Kapitalexportlimit zu umgehen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lehren für eine nachhaltige Stadtentwicklung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die chinesische Krise offenbart fundamentale Konstruktionsfehler eines Entwicklungsmodells, das weltweit Nachahmer fand. Die Abhängigkeit lokaler Regierungen von Grundstücksverkäufen, über 40 Prozent der kommunalen Einnahmen, schuf einen Teufelskreis aus Spekulation und Schulden. Das Hukou System, das 291 Millionen ländliche Migrantinnen und Migranten von städtischen Sozialleistungen ausschließt, verhinderte organisches Stadtwachstum.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Alternative Modelle zeigen, dass es anders geht. Das Wiener Modell beherbergt 50 Prozent der Bevölkerung in kommunalen oder geförderten Wohnungen. Deutsche Wohnungsgenossenschaften mit 2,2 Millionen Wohnungen bieten stabile, bezahlbare Mieten. Finnlands Housing First Ansatz reduzierte Langzeitobdachlosigkeit um 68 Prozent durch ein radikales Prinzip: Wohnung als bedingungsloses Menschenrecht zuerst, dann Adressierung anderer Probleme.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Bauen muss Bedarf folgen, nicht Spekulation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kenneth Rogoff, ehemaliger IWF Chefökonom, prognostiziert eine 30 prozentige Reduktion der chinesischen Immobilienbautätigkeit bis 2035. Die Korrektur wird Jahre dauern, die sozialen Narben Jahrzehnte. Doch die Lehren sind universal: Physische Infrastruktur muss echter Nachfrage folgen, nicht politischen Zielen. Kommunale Finanzen dürfen nicht von Grundstücksspekulation abhängen. Wohnungspolitik muss zwischen Spekulation und Wohnen als Grundbedürfnis unterscheiden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die eigentliche Frage lautet nicht, ob China seine Krise überwindet. Sie lautet, ob andere Märkte, von Berlin bis Brisbane, die teuren Lektionen beherzigen, bevor sie dieselben Fehler wiederholen. Die Betonträume von Ordos und Tianjin sind Mahnmale, die niemand übersehen sollte.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Wie Kushkers Trump-Projekt einen europäischen Rechtsstaat untergrabt</title>
		<link>https://baukunst.art/wie-kushkers-trump-projekt-einen-europaeischen-rechtsstaat-untergrabt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2025 10:27:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Modernität und Investition]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsstaatlichkeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14295</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Debatte um das zerstörte Generalstabsgebäude in Belgrad offenbart ein tiefgreifendes Dilemma: zwischen nationaler Baukultur, internationalen Investitionen und dem Rechtsstaat selbst.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Belgrad im Dilemma: Wenn Denkmalschutz zur Verhandlungsmasse wird</h1>
<p>&nbsp;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Generalstabsgebäude von Nikola Dobrovic in Belgrad steht für eines der wichtigsten Werke der jugoslawischen Nachkriegsmoderne. Errichtet zwischen 1957 und 1965, repräsentiert das monumentale Ensemblewerk nicht nur eine bautechnische Leistung, sondern ein Manifest des sozialistischen Modernismus Europas. Dobrovic, dessen Karriere ihn als Europas bedeutendsten Nachkriegsarchitekten etablierte, entwarf ein Gebäude, das die Sutjeska-Schlucht Bosniens in Stein und Marmor abbildet, eine symbolische Referenz zum Zweiten Weltkrieg und zum Widerstand des jugoslawischen Volkes.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die zwei Baukörper, durchbrochen von der Nemanjina-Strasse, schaffen ein städtebauliches Tor zur Innenstadt Belgrads. Verwendete Materialien &#8211; dunkler Kosjeric-Stein und weisser Marmor der dalmatischen Insel Brac &#8211; erzählen von Regional- und Modernisierungsgedanken eines Staates, der sich selbst neu erfand. Bandfenster im modernen Design und die stäppenförmige Massivität schufen eines Belgrads ikonischste Bauwerke vor 1999. Dann kam die NATO.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Bombeneinschlag als historische Zäsuir</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei zwei Luftangriffswellen im April und Mai 1999, jeweils nur 15 Minuten und neun Tage auseinanderliegend, wurde das leerstehende Gebäude direkt getroffen. Symbolisch beabsichtigt oder taktisch irrelevant, die Frage bleibt umstritten. Was blieb, war eine ikonische Ruine in Belgrads Zentrum, nur Meter entfernt von Aussenministerium und Regierungsviertel &#8211; ein visülles Zeügnis ungewältigter Geschichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sechzehn Jahre sollten vergehen, bis das Parlament 2005 das beschädigte Ensemble unter Denkmalschutz stellte. Konservative serbische Kreise kritisierten die Entscheidung damals als instrumentalisierte Opfer-Memoria, als Zeuge nationalistischer Deutungen der NATO-Bombardierungen. Doch die Juristen des Denkmalschutzes argumentierten anders: Das Gebäude wurde primär unter Schutz gestellt, weil es ein Meisterwerk der europäischen Moderne repräsentierte, nicht wegen seiner Narben.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kushner, Investitionen und die Erosion der Rechtsstaatlichkeit</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Januar 2025 meldete sich die Welt der globalen Kapitalallokation zu Wort. Jared Kushner, Schwiegersohn Donald Trumps und Leiter des Investmentfonds Affinity Partners, kündigte seine Vision an: Ein halbe Milliarde Euro Investition, ein Trump-Hotel mit 175 Zimmern, 1.500 Luxusappartements, eine Shoppingmall. Die politische Oeffnung war suggestiv: Ein 99-jähriger Pachtvertrag ohne Kostengruppe für die serbische Regierung, später reduziert auf 22 Prozent der Gewinne.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was folgte, war ein rechtliches Desaster apokalyptischen Ausmasses. Im November 2024 erliess die serbische Regierung eine vermeintlich sachliche Entscheidung: Aufhebung des Denkmalschutzes. Doch im Mai 2025 folgte die Wahrheit. Goran Vasic, der geschäftsführende Direktor der Republik-Institut für Kulturdenkmalpflege, gestand der Staatsanwaltschaft für organisierte Kriminalität, Dokumente gefälscht zu haben. Eine Stellvertreterin war zuvor aus Gewissensgründen rücktelegratiert. Das Fachpersonal der Behörde verweigerte kollektiv die Lösung des Denkmalschutzes. Nur der vom Ministerium eingesetzte Interimdirektor fälschte dann die erforderlichen Gutachten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dies war nicht Opportunismus. Dies war institutionalisierte Korruption unter wissenschaftlichem Deckmantel.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Gefährung des europäischen Rechtstaates</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die weitere Entwicklung offenbarte die politische Pathetik. Statt der staatlichen Anklagebehorde zu gewährleisten, dass diese Manipulation untersucht wird, verbreitete das Kulturministerium Verschwörungstheorien. Die Verteidiger des Gebäudes, internationale Architekturverband, lokale Studierende, Europa Nostra &#8211; all diese wurden als &#8222;ausländische Agenten&#8220; diskreditiert. Es ist die klassische Taktik autoritärer Regime: Unzufriedenheit im Eigenen wird zum Werk fremder Bösewichte umgedeutet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Parlament verabschiedete im November 2025 ein Sondergesetz, eine &#8222;lex specialis&#8220;, die das Projekt zur &#8222;Angelegenheit von republikanischer Bedeutung&#8220; erklärte und damit normales Planungsrecht, Bauordnung und öffentliche Partizipation schlicht suspendierte. Nur 130 Abgeordnete von 250 stimmten dafür, aber es reichte. Bestechend daran: Das Gesetz erwähnte Kushher und Affinity Partners mit keinem Wort. Amtliche Verblendung als Normalform.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was an Dobrovic heute auf dem Spiel steht</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die technische Seite verdient Erwähnung: Fachleute besteatigen, dass das Fundament 1999 nicht beschädigt wurde. Eine Rekonstruktion wäre baulich realitär. Doch Kushner hat kein Interesse an Wiederherstellung. Renderings zeigen drei Glastürme im rezenten Internationalstil, eine Komposition, die Dobrovis konzeptüllen Gedanke nicht aufgreift, sondern tilgt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dies ist die grössere Tragik. Nicht wir verlieren ein Gebäude, sondern wir verlieren das Verständnis, dass Architektur mehr ist als Quadratmeter für Profit. Modernistische Ordnung, symbolische Topografie, die Reflexion einer Gesellschaft in ihren Bauformen &#8211; all dies gilt als obsolet, sofern Investoren das Gegenteil behaupten und Regierungen zustimmend nicken.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Widerspröchlichkeit der Bewegung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ironischerweise hat das Trump-Projekt das geleistet, was Fachleute seit zwanzig Jahren nicht schafften: eine massenhafte Aufmerksamkeit. Tausende Belgrader stellten sich in menschlicher Kette vor die Ruinen. Studentische Proteste formierten sich neu. Ueber 6.000 Architektinnen und Architekten, Restauratoren, Kunsthistoriker unterschrieben Erhaltungsbriefe. Erst die Bedrohung aktivierte, was Expertise nicht vermocht hatte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch hier zeigt sich eine tiefe Frage: Wird diese Bewegung tragfähig sein, wenn sich erweist, dass der emotionale Akt des Stöhns gegen die Zerstörung nicht gleich ein tragfähiges Konzept für die Zukunft des Platzes bringt? Wird Belgrad das Gebäude lieben lernen, oder nur das Negativ seiner Zerstörung? Wird man einen Ort der Universität, des Museums oder der Verwaltung geschaffen, oder bleibt die Lösung fragmentarisch?</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Rechtsstaatlichkeit als Bauaufgabe</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Kern, so die Juristin Sneska Quädvlieg-Mihailovic von Europa Nostra, geht es nicht um die Frage nach Modernismus oder Nationalismus. Es geht um die Frage: Gelten Recht und Gesetz in Serbien für alle? Ein Immobilienentwickler mag unter normalen Marktbedingungen arbeiten. Dass er dies aber durch institutionelle Fälschung, legislative Ausnahmen und diskursive Verschörungstheorien tut, betrifft die Architektur von Staaten, nicht Städten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Generalstabsgebäude von Nikola Dobrovic wird sich wahrscheinlich nicht erhalten. Trump-Hotels werden anderswo entstehen. Aber die Frage, ob eine Gesellschaft ihre Rechtsordnung opfert, um einem Investor Erwerbsrechte zu gestätten, wird sich wiederholen. Sie stellt sich in Belgrad heute. Sie wird sich in anderen europäischen Städte morgen stellen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektur dieser Zukunft entscheidet sich weniger in Renderings als in der Qualität von Institutionen, die ihre Integrität bewahren &#8211; oder eben nicht.</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fachliche Hinweise für Leser</h2>
<ol class="ak-ol" start="1" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="orderedList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zur Architektur Dobrovis</strong>: Dobrovic (1897-1967) war einer der einflussreichsten Nachkriegsarchitekten Europas. Das Generalstabsgebäude vereint symbolische Topografie (Sutjeska-Referenz), modernistische Formensprache und innovative Bautechniken.</p>
</li>
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zum rechtlichen Skandal</strong>: Die Fälschung von Kulturgutachtungen durch einen staatlichen Beamten zur Ermöglichung eines privaten Immobilienprojekts repräsentiert eine qualitativ neü Dimension von Korruption &#8211; es ist institutionalisierte Fälschung.</p>
</li>
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zu Europa Nostra</strong>: Die Organisation vergibt jährlich die &#8222;Europa Nostra Awards&#8220; und gilt international als Wächter europäischer Baukultur. Ihre Position zum Belgrader Fall wiegt besonders schwer.</p>
</li>
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zu den Protesten</strong>: Die menschliche Kette um das Gebäude im November 2025 repräsentiert eine seltene Moment, in dem akademische Expertise, zivilgesellschaftlicher Protest und stadträumliche Symbolik konvergieren.</p>
</li>
</ol>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Abschlussgedanke</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage am Ende lautet nicht, ob ein Trump-Hotel in Belgrad stehen wird. Sie lautet, ob die institutionellen Grundlagen europäischer Staaten &#8211; Rechtsstaatlichkeit, Fachkompetenz, öffentliche Partizipation &#8211; den globalen Kapitalströmen stand halten können. Das Generalstabsgebäude ist vorerst nur ein Gebäude. Aber es ist zum Symbol für etwas geworden, das grösser ist als Architektur: die Frage nach der Qualität unserer Zivilisation.</p>
<p>&nbsp;</p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Abverkauf der Heimat: Wie europäische Dörfer Menschen zu Schnäppchenpreisen locken</title>
		<link>https://baukunst.art/abverkauf-der-heimat-wie-europaeische-doerfer-menschen-zu-schnaeppchenpreisen-locken/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Nov 2025 11:46:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Landflucht]]></category>
		<category><![CDATA[ländliche Räume]]></category>
		<category><![CDATA[Leerstand]]></category>
		<category><![CDATA[Raumplanung]]></category>
		<category><![CDATA[Regionale Entwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kokelv, ein Dorf in Nordnorwegens Finnmark, verlor in acht Jahren 41 Prozent seiner Bevölkerung. Jetzt lockt es Neuankömmlingen mit kostenlosen Wohnungen. Ein Beispiel für kreative Raumplanung oder symptomatisches Pflaster auf ein systemisches Wundenbruch?</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die unbequeme Statistik</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im hohen Norden Europas, wo Fjorde und Mitternachtssonne die Landschaftsromantik prägen, spielen sich demografische Tragödien im Stillen ab. Kokelv mit seinen noch 80 Einwohnern steht exemplarisch für ein Phänomen, das Raumplanerinnen und Raumplaner seit Jahrzehnten beschäftigt: die selektive Entvölkerung ländlicher Räume. In nur acht Jahren verlor das Dorf 41 Prozent seiner Bewohner. Der Kindergarten steht leer, in der Schule lernen vier Schülerinnen und Schüler. Diese Zahlen erzählen von baukulturellen Verwerfungen, die tiefgreifender sind als blosse Demografie.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als die Gemeinde Hammerfest im Oktober 2025 beschloss, zwei leerstehende kommunale Wohnungen ein Jahr lang kostenlos an Neuankömmlingen zu vergeben, schlug dies weltweit in den Medien ein wie Dynamit. Das Angebot klingt verlockend: Gratis-Wohnung für zwölf Monate, danach 50 Prozent Miete, ab dem vierten Jahr reguläre Sätze. Hinzu kommt ein umfassendes Paket aus Jobvermittlung, Kinderbetreuungsplätzen, lokalen Mentoren und der Option, die Wohnung nach drei Jahren zu Schätzwert zu kaufen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektur als Symptom gesellschaftlicher Schrumpfung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was hier auf den ersten Blick als pragmatische Notlösung wirkt, offenbart bei genauerem Hinsehen architektonische und planungspolitische Probleme, die weit über Kokelv hinausreichen. Die diskurslose Verfügung über leerstehende Bausubstanz durch Vergünstigungen signalisiert implizit: Der Raum ist das Problem nicht, die Menschen sind es. Diese verkehrte Logik wird architekturtheoretisch problematisch, sobald man begreift, dass bauliche Strukturen nicht neutrale Container darstellen, sondern kulturelle und soziale Wirklichkeiten codieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vor zehn Jahren erlebte die österreichische Gemeinde Rappottenstein im Waldviertel ähnliche Aufbruchstimmung. Neun Baugründe sollten versprochen werden an junge Paare, die ein Haus bauen und ein Kind bekommen. Die Bedingung zwang nicht bloss eine biografische Festlegung auf, sondern auch ein normatives Familienmodell auf. Zehn Jahre später waren erst zwei Grundstücke tatsächlich verschenkt, obwohl die massiven Anfragen aus der ganzen Welt es vermuten liessen. Die verbliebenen Parzellen, vom Galgenberg herab nach Osten ausgerichtet, liegen ungünstig. Ihre technische Ungunst, die minderen Sonnenwerte im Winter, die Sichtlosigkeit auf die beworbene Burg, wiesen auf ein fundamentales Planungsproblem hin: Nicht die Gratis-Abgabe war das Hindernis, sondern eine fehlerhafte städtebauliche Standortwahl.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Schweizer Gemeinde Albinen im Kanton Wallis arbeitete mit Geldprämien: 25.000 Franken pro Neubürger, zusätzlich 10.000 Franken für jedes Kind. Die Quote stieg um 6,6 Prozent zwischen 2017 und der Gegenwart, von 1997 bis 2017 war sie um fast 12 Prozent gesunken. Dieser vorübergehende Erfolg muss diffiziler interpretiert werden. Die Zahlen deuten nicht automatisch auf gelöste Strukturprobleme hin, sondern möglicherweise auf eine Umverteilung bestehender Bevölkerung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der europäische Experimentalmarkt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Europaweit beobachten Gemeinden diese Strategien mit wechselnder Faszination. Die Ein-Euro-Häuser in sizilianischen Ortschaften entpuppten sich zunehmend als PR-Manöver, denen Renovierungsverpflichtungen und juristische Fallstricke folgten. Ponga in Asturien zahlt 3000 Euro Willkommensgeld für Neuankömmler, je 3000 Euro pro neugeborenem Kind. Die Regionen fungieren wie Experimentalräume einer neuen Konkurrenzlogik: Wer die attraktivsten Lockungsmittel anbietet, gewinnt Bevölkerung. Diese Marktisierung von Raum und Leben wirft tiefe Fragen über die Rolle von Raumordnung und Architektur auf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Denn hinter jedem dieser Angebote steckt implizit die Annahme: Der Fehler liegt nicht in den Strukturen, sondern bei den Menschen, die gehen. Die Folgerung: Man muss sie kaufen, finanziell oder sozial. Es ist ein Ansatz, der systemische Versäumnisse durch individuelle Incentivierungssysteme zu ersetzen versucht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was Raumplanung tatsächlich leistet</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Fachleute sind sich einig: Kostenlose Wohnungen oder Geldprämien allein werden die Landflucht nicht umkehren. Es brauche Arbeitsplätze, funktionsfähige Infrastruktur, Kinderbetreuung, medizinische Versorgung und ein lebendiges Sozialleben. Das Waldviertel-Beispiel Rappottenstein unterstützt diese These indirekt. Die Erfolgsgeschichte der Familie Bauer, die 15.000 Euro durch den kostenlosen Grund sparte, zeigt parallax: Sie wäre ohnehin ins Waldviertel gezogen, weil dort, wie sie sagt, &#8222;alles da&#8220; ist: Schule, Kindergarten, Nahversorgung, Ärzte. Das Gratis-Angebot war Bonus, nicht Ursache.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Österreich und die Schweiz demonstrieren parallel, dass die Digitalisierung und flexibilisierte Erwerbsmuster neue Chancen bieten. Das Rheintal in Vorarlberg gelang es, durch gemeindeübergreifende Kooperation, gute Verkehrsanbindung und diversifizierte Wirtschaft der Landflucht zu trotzen. Hier funktioniert nicht einzelnes Dorfmarketing, sondern regionale Netzwerkbildung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Chinas Beispiel der Gemeinde Songyang mit der Architektin Xu Tiantian zeigt einen anderen Weg: anstatt massenmediales Dorf-Branding, sogenannte &#8222;Akupunkturen&#8220; in der Landschaft. Kleinmaßstäbliche Bauvorhaben in Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern revitalisieren das soziale Gefüge von innen. Dieser Ansatz respektiert die Dignität bestehender Strukturen, statt sie zu ignorieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Lektüre von Kokelv</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Kokelv-Experiment ist es wert, kritisch gelesen zu werden. Die Initiative der Lokalpolitikerin Grete Jensstad Svendsen, selbst Rentnerin und langjährig im Ort verwurzelt, hat etwas Rührendes. Sie argumentiert eine &#8222;Win-Win-Situation&#8220;. Für wen aber gewinnt wer? Die Gemeinde durch neue Steuerzahler. Die Ankömmlingen durch Kostenersparnis. Aber: Die Abwanderungsgründe werden damit nicht adressiert. Wieso gingen die Menschen weg? Wegen fehlender Karrierenperspektiven in einer von Fischerei und Tourismus abhängigen Gegend? Wegen Isolation im Extremklima? Wegen Mangel an Diversität?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die norwegischen Gemeinden Beiarn und Kvitsøy, die ähnliche Projekte früher realisierten, berichten von Erfolg. Der Bürgermeister von Beiarn betont: nicht nur mehr Einwohner, sondern Menschen, &#8222;die sich aktiv in die Gemeinschaft einbringen&#8220;. Diese Formulierung deutet auf etwas Wichtiges: Dass neue Bewohner nicht als Platzfüller fungieren, sondern als Akteure mit Agentivität und Gestaltungswillen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltige Raumkultur statt Trigger-Effekte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die tiefere Frage lautet: Kann man durch materielle Anreize eine tragfähige, nachhaltige Raumkultur schaffen? Oder sind solche Massnahmen symptomatisches Krisenmanagement, das die Grundprobleme ländlicher Räume übertüncht? Die wahrscheinliche Antwort ist ambivalent.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Strategien können Signalwirkung haben: &#8222;Hier ist Raum für Neuanfänge&#8220;, könnte die stumme Botschaft lauten. Allerdings riskieren sie auch, die Verantwortung zu individualisieren. Die Politiken operieren im Register von Anreiz und Wettbewerb statt von struktureller Raumgerechtigkeit. Das ist nachbaulich ein Unterschied: Architektur und Raumplanung, verstanden als Disziplinen, die Infrastrukturen für gutes Leben gestalten, müssten eigentlich die Arbeitsbedingungen, Mobilitätsnetze, Kulturangebote und sozialen Räume gestalten, nicht primär Immobilien verteilen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Symptom statt Heilmittel?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kokelv wird in Lehrbüchern der Raumplanung vermutlich landen. Es illustriert eine europäische Krise und einen innovativen Versuch, ihr zu begegnen. Ob das Projekt Langzeitfolgen zeitigt, wird sich in fünf Jahren zeigen. Die Chancen sind reell: Elen Krogh Ravna, die kürzlich für eine neue Stelle nach Kokelv zog, berichtet von unerwarteter sozialer Dichte. &#8222;Ich habe das Gefühl, noch nie so sozial gewesen zu sein wie im letzten Monat&#8220;, sagt sie. Das ist bemerkenswert. Es deutet darauf hin, dass der menschliche Faktor, die Begegnung und Nachbarschaft, in ultra-peripheren Räumen intensive Qualitäten annehmen kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dennoch bleibt architektonisch kritisch festzuhalten: Gratis-Wohnungen sind symptomatische, nicht strukturelle Interventionen. Sie können Zeichen setzen. Sie können für eine begrenzte Zahl Menschen Chancen öffnen. Nachhaltige Gegenbewegungen zur Landflucht entstehen aber dort, wo Regionen ihre ökonomischen, infrastrukturellen und kulturellen Grundlagen neu aushandeln, nicht dort, wo sie Raum als Ware verteilen. Die Frage an europäische Gemeinden lautet daher nicht: &#8222;Wie locke ich billig Menschen an?&#8220;, sondern: &#8222;Wie schaffe ich Bedingungen, unter denen Menschen freiwillig bleiben wollen?&#8220; Das ist eine Frage von Raumplanung, nicht von Immobilienmarketing.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Lissabon wird zum Zentrum zeitgenössischer Kunst</title>
		<link>https://baukunst.art/lissabon-wird-zum-zentrum-zeitgenoessischer-kunst/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Oct 2025 16:09:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Gentrification]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Lissabon]]></category>
		<category><![CDATA[Privatmuseen]]></category>
		<category><![CDATA[Stararchitektur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13768</guid>

					<description><![CDATA[<p>Kura und Millionen, Ästhetik und Kommerz: Lissabon erlebt einen Kunstboom, der zwei unterschiedliche Visionen offenbart. Doch hinter den eleganten Fassaden offenbaren sich Fragen nach Authentizität, Nachhaltigkeit und dem Preis der Schönheit.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zum Einatmen einladen – Kengo Kumas Sanftheit und ihre Grenzen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der japanische Architekt Kengo Kuma hat mit seiner Umgestaltung des Centro de Arte Moderna (CAM) eine Sensation geschaffen: ein 100 Meter langes schwebendes Vordach, das sich wie eine Welle über den südlichen Garten breitet. Die Poetik dieser Geste lässt sich kaum bestreiten. Inspiriert vom japanischen Engawa-Konzept – jener traditionellen Veranda, die Innen- und Außenraum vermittelt – öffnet Kuma das Museum auf beiden Seiten. Weiße, handgefertigte portugiesische Azulejos bedecken die Oberseite, während dunkle Eschenholzplanken die Unterseite bilden. Ein Dialog zwischen japanischer Raffinesse und portugiesischer Handwerkstradition.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch hier zeigt sich auch die erste kritische Anfrage: Ist dieses Konzept wirklich eine inhaltliche Neuerfindung des Museums, oder ist es vor allem eine ästhetische Verpackung? Kuma hat bewusst entschieden, Lesley Martins ursprünglichen brutalistischen Betonbau von 1983 weitgehend zu bewahren und statt zu erweitern eher zu subtrahieren – Wände wurden entfernt, neue Fenster ermöglichen Blicke ins Grüne. Intern wird dieser Ansatz tatsächlich sichtbar: Die Bürüffnung schafft Transparenz und Orientierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Landschaftsarchitekt Vladimir Djurovic hat gleichzeitig die angrenzenden Gärten radikal umgestaltet. Das ist ambitioniert – doch wirft eine Frage auf: Werden hier wirklich natürliche Lebensräume geschaffen, oder inszenieren wir Natur als Kunstinstallation für ein Millionenpublikum? Die Umwandlung invasiver Arten in heimische Pflanzenbestände klingt nachhaltig. Aber welche Fauna wird durch die intensive Nutzung und die Besucherströme wirklich geduldet?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Preis für diese Sanftheit bleibt oft unsichtbar: Buro Happold hat für Tragwerksplanung ein filigran gefedertes Stahlträgersystem entworfen. Das ist handwerklich meisterlich – aber auch energieintensiv in Produktion und Montage. Eine kritische Architekturgeschichtsschreibung müsste diese Komplexität abbilden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Private zur Öffentlichkeit werden – MACAM und die Museumshotel-Formel</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit dem MACAM betritt Armando Martins, der Immobilienentwickler und Kunstsammler, eine völlig andere Spielart. Er hat ein verfallenes Palácio aus dem 18. Jahrhundert – das Palácio dos Condes da Ribeira Grande – für über 50 Millionen Euro restauriert und in ein Hybrid-Gebilde verwandelt: 600 seiner Kunstwerke, 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, ein Fünf-Sterne-Hotel mit 64 Zimmern (300 bis 600 Euro pro Nacht) und eine ehemalige Kapelle, die als Live Arts Bar dient.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das provoziert eine grundsätzliche Frage: Kann ein Museum, dessen Finanzierungsmodell auf Hotelübernachtungen angewiesen ist, noch autonom über sein Vermittlungsprogramm entscheiden? Der elegante Diskurs über nachhaltige Finanzierung privater Sammlungen durch Hospitality verschleiert eine einfache Wahrheit: Kunstgenuss wird hier zur Premium-Experience, zum Accessoire des Lifestyle-Hotels.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nun sollte nicht ignoriert werden, dass Martins wirklich bedeutende Werke sammelt – seine Sammlung Eduardo de Vianas ist international herausragend, und die Werke Paula Regos oder Maria Helena Vieira da Silvas verdienen öffentliche Sichtbarkeit. Insofern leistet MACAM einen Dienst. Doch der Preis ist eine Vermischung von Rollen, die problematisch sein kann: Der Kunsthistoriker und der Hotelinspekteur folgen anderen Logiken.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architekturgruppe Metro Urbe hat die Integration von Alt und Neu durchaus sensibel gelöst – die keramische Wandbekleidung der Fassadenerweiterung durch Maria Ana Vasco Costa verbindet traditionelle portugiesische Fliesen mit zeitgenössischer Formensprache. Das ist handwerklich respektvoll. Aber auch hier: Die nachträgliche Technisierung der historischen Barockkapelle – mit Lichtrigging, Soundsystem – ist ein heikles Unterfangen. Wie viel Moderne verkraften historische Räume, bevor sie zu Musealisierungen ihrer selbst werden?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wessen Stadt ist es? – Lissabon zwischen Kulturhauptstadt und Immobilienmarkt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Beide Projekte offenbaren ein tieferliegendes Problem: Sie repräsentieren zwei Seiten derselben Medaille. Auf der einen Seite der wohlwollende Mäzen-Investor Martins, auf der anderen die international etablierte Stararchitektur Kumas – beide schaffen bedeutende kulturelle Infrastruktur. Beide sind auch Symptome.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Lissabon war, als Gulbenkian sich dort niederließ, bitterarm und isoliert. Heute ist die Stadt zum Investment-Objekt geworden. Die Touristenzahlen steigen exponentiell, wohlhabende Ausländer werben Portugal als Steueroase. Die Immobilienpreise sind explodiert – für durchschnittliche Portugiesinnen und Portugiesen ist die Stadt zunehmend unbezahlbar geworden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Beide Museen entstehen in dieser Konstellation. Sie sind nicht frei von dieser Logik. Das CAM wird zur Ikone eines neuen Portugal, die touristisch vermarktbar ist. MACAM ist ein Immobilienprojekt, das sein Finanzierungsmodell durch Hotellerie absichert. Kultur wird hier – in bester Absicht! – zu einer Nutzungsform des Raumes unter vielen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kann Schönheit gerecht sein?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es wäre unfair, hier nur Kritik zu üben. Kumas Engagement mit den Gärten, seine Subtraktions-Philosophie, die Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern – das sind echte Gesten der Demut. Das Anliegen von Martins, seine Sammlung öffentlich zu machen, ist ein großzügiger Impuls. Die architektonische Qualität beider Projekte ist unbestreitbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch die kritische Frage bleibt: Wenn kulturelle Infrastruktur nur durch private Mittel oder Stararchitektur realisierbar wird, wer bestimmt dann die Spielregeln? Und wer kann partizipieren?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine zukunftsfähige Architektur in Lissabon müsste diese Spannungen aushalten – die Schönheit nicht verabschieden, aber ihre Produktionsbedingungen transparenter machen. Sowohl Kuma als auch Martins haben gute Absichten. Aber gute Absichten sind kein Ersatz für demokratische Prozesse. Das bleibt die unbequeme Wahrheit hinter diesem glänzenden Kunstboom.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">MUSEEN IN LISSABON</h1>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektur &amp; Zeitgenössische Kunst</h3>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong>1. CENTRO DE ARTE MODERNA GULBENKIAN (CAM)</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">ORT: </strong>Avenida de Berna, Lisboa, Portugal</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">ARCHITEKTUR: </strong>Leslie Martin (1983) | Kengo Kuma &amp; Associates (2024)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">ERÖFFNUNG: </strong>September 2024</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">SAMMLUNG: </strong>~11.700 Kunstwerke (Portugiesische Moderne &amp; Zeitgenössisches)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">HOMEPAGE: </strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="https://gulbenkian.pt/cam/en/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">https://gulbenkian.pt/cam/en/</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">ALTERNATIVER LINK:</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">ÖFFNUNGSZEITEN: </strong>Mo–Fr 10–18 Uhr | Sa 10–21 Uhr | Di geschlossen</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">2. MACAM – MUSEU DE ARTE CONTEMPORÂNEA ARMANDO MARTINS</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">ORT: </strong>Rua da Junqueira 66, Lisboa (Alcântara-Belém)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">ARCHITEKTUR: </strong>Metro Urbe | Maria Ana Vasco Costa (Keramik-Fassade)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">ERÖFFNUNG: </strong>März 2025</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">SAMMLUNG: </strong>600+ Kunstwerke (Armando Martins, seit 1974)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">HOMEPAGE: </strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="https://macam.pt/en/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">https://macam.pt/en/</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">3. MAAT – MUSEUM OF ART, ARCHITECTURE AND TECHNOLOGY</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">ORT: </strong>Av. Brasília, Belém, 1300-598 Lisboa</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">ARCHITEKTUR: </strong>Amanda Levete Architects (AL_A) | Tejo Power Station (1908)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">ERÖFFNUNG: </strong>Oktober 2016 (MAAT Gallery) | Juni 2016 (MAAT Central)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">SAMMLUNG: </strong>EDP Foundation Art Collection (~2.500 Werke)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">HOMEPAGE: </strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="https://www.maat.pt/en/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">https://www.maat.pt/en/</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">4. MUSEU CALOUSTE GULBENKIAN (Hauptmuseum)</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">ORT: </strong>Avenida de Berna, Lisboa</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">SAMMLUNG: </strong>Antike bis Moderne (Ägyptische, islamische, armenische Kunst)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">HOMEPAGE: </strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="https://gulbenkian.pt/en/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">https://gulbenkian.pt/en/</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">5. CENTRO CULTURAL DE BELÉM / BERARDO SAMMLUNG</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">ORT: </strong>Praça do Império, Belém, Lisboa</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">SAMMLUNG: </strong>Berardo Kunstsammlung (Moderne &amp; Zeitgenössisches)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">HOMEPAGE: </strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="https://www.ccb.pt/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">https://www.ccb.pt/</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">6. PAVILHÃO AZUL – SOLOMUSEUM JULIÃO SARMENTO</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">ORT: </strong>Belém, Lisboa</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">ERÖFFNUNG: </strong>Juni 2025</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">SAMMLUNG: </strong>Werke des Künstlers Julião Sarmento (1948–2024)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">ARCHITEKTUR: </strong>Früheres Lebensmittellager, umgebaut</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">BESONDERHEIT: </strong>Solomuseum für verstorbenen Künstler</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">KUNSTVIERTEL BELÉM &amp; ALCÂNTARA</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Museen MACAM, MAAT und Centro Cultural de Belém bilden einen zusammenhängenden Kunstdistrikt an der Tejo-Mündung. Diese Kulturlandschaft verbindet historische Industriearchitektur (Elektrizitätswerke), moderne Designarchitektur und zeitgenössische Kunstvermittlung in einem einzigartigen öffentlichen Raum.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">PRAKTISCHE REISEINFORMATIONEN</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">·       Beste Verkehrsmittel: U-Bahn (Linie Blau zum CAM), Bus oder Fahrrad</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">·       Öffnungszeiten variieren – vor Besuch Online überprüfen</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">·       Viele Museen bieten kostenlose Eintrittsoptionen an</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">·       Kulinarisch: Restaurants in CAM, MAAT und MACAM</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">·       Best visiting: Mo–Do weniger Besucherandrang</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/lissabon-wird-zum-zentrum-zeitgenoessischer-kunst/">Lissabon wird zum Zentrum zeitgenössischer Kunst</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Milliardenmuseum als Hoffnung: Kann Architektur die Stadt heilen?</title>
		<link>https://baukunst.art/milliardenmuseum-als-hoffnung-kann-architektur-die-stadt-heilen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Oct 2025 13:29:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur und Erzählung]]></category>
		<category><![CDATA[Ma Yansong]]></category>
		<category><![CDATA[Museum als Erlebnis]]></category>
		<category><![CDATA[Natürlichkeit in moderner Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Urbanisierung und Grünraum]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13760</guid>

					<description><![CDATA[<p>George Lucas sammelt seit fünfzig Jahren Narrative in Form – nun schafft er in Los Angeles einen »Tempel« für die Kunstform des Volkes, die sich all das zu Herzen nimmt: von den Comics bis zu Frida Kahlo. Der chinesische Architekt Ma Yansong entwirft eine schwimmende Kuppel aus 1.500 Einzelpanelen. Ein Projekt, das die Grenzen zwischen Natur und Architektur neu definiert.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Wolken Architektur werden</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es braucht eine gewisse Kühnheit, um auf einem Parkplatz aus schwarzem Asphalt einen Ort der Schönheit entstehen zu lassen. Doch hier liegt das Lucas Museum of Narrative Art in Los Angeles – auf jenem Gelände des Exposition Park, das einst nur Autos beherbergte. Jetzt entsteht in diesem urbanen Raum South Angelinos eine architektonische Geste, die sowohl futuristisch als auch tiefgründig wirkt: eine fünfstöckige Struktur, die sich selbst scheinbar schwebend über die Landschaft erhebt, als hätte ein Wolkenbild aus einem Träumwerk die Erde berührt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Vision stammt von Ma Yansong, dem Gründer des chinesischen Büros <a href="https://www.i-mad.com/" target="_blank" rel="noopener">MAD Architects</a>, der sich in seiner Arbeit einer zeitgenössischen Interpretation östlicher Philosophien verschrieben hat. Der 50-jährige Architekt spricht von der »Shanshui City« – eine Philosophie, die sich der klassischen chinesischen Malerei verdankt und davon ausgeht, dass die beste Architektur die Natur nicht dominiert, sondern mit ihr in Dialog tritt. Hier zeigt sich keine Arroganz des Rationalen, sondern eine Demut gegenüber dem Organischen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Material als Poesie: 1.500 Einzelschicksale aus Kunststoff</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die äußere Hülle des Museums besteht aus über 1.500 individuell geformten Panels aus faserarmiertem Kunststoff (FRP). Jedes Panel ist einzigartig – keine zwei sind gleich. Dies ist nicht nur eine technische Leistung, sondern auch eine konzeptuelle: Die Oberfläche entsteht durch die Summation von Unterschieden, ähnlich wie eine Gesellschaft aus vielen unterschiedlichen Stimmen besteht. Die durchschnittliche Größe dieser Panels liegt bei etwa 2,4 mal 9,7 Metern. Sie sind so konstruiert, dass sie eine nahtlose, fließende Oberfläche ergeben – als hätte eine Hand diese Gestalt in einem kontinuierlichen Zug gezogen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Material selbst ist bedeutsam: Kunststoff, das Massenprodukt unserer Zeit, wird hier zur edlen Substanz veredelt. Es ermöglicht jene Leichtigkeit und jene Organik, die eine konventionelle Betonstruktur nie hätte erreichen können. Die Kurven sind keine Laune, sondern Notwendigkeit – sie ermöglichen es der Struktur, sich mit seismischen Bewegungen um bis zu 107 Zentimeter zu verschieben. Los Angeles liegt im Erdbebengebiet; die Architektur antwortet darauf mit Eleganz statt Widerstand.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Museum hebt sich ab: Die emotionale Geographie</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Gebäude ruht auf Stützen, die es mehrere Meter über den Boden anheben. Dies schafft einen Freiraum darunter – ein Platz des menschlichen Verkehrs, der sozialen Begegnung. Ma Yansong inspiriert sich dabei von den großen Bäumen des Exposition Park: Sie bieten Schatten und Zuflucht, schaffen natürliche Versammlungsorte. So wird die Architektur zur Erweiterung der Natur, nicht zu deren Gegenspieler.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Innern erstrecken sich 100.000 Quadratmeter Galerienraum über drei Ebenen – genug Platz für Georges Lucas&#8216; Sammlung von 40.000 Kunstobjekten, die er seit seiner Studienzeit zusammentragen hat. Comics gehören dazu, Werke von Frida Kahlo, Diego Rivera, auch Illustrationen für Science-Fiction. Es ist eine Sammlung, die keinen klassischen Kanon respektiert; sie ehrt stattdessen die narrative Kraft der Bilder, deren Vermögen, Geschichten zu erzählen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Landschaft als Künstler: 200 Bäume und ein Park ohne Parkplätze</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Neben dem Museum selbst ist die Transformation des Ortes bemerkenswert. Über 200 neue Bäume werden gepflanzt – heimische Arten, die an das Klima des südlichen Kaliforniens angepasst sind. Dort, wo einst Asphalt lag, entsteht eine Parklandschaft mit Wiesen, Höhenveränderungen, einem künstlichen Wasserfall namens »The Rain«, der zugleich als Kühlsystem fungiert. Die Landschaftsarchitektin Mia Lehrer von Studio-MLA hat einen Ort entworfen, der sich mit den Jahreszeiten verändert – ein Garten im Sinne der klassischen chinesischen Gartenkunst, bei dem jeder Ort die Zeit anders erfährt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dies ist eine stille kritische Geste gegenüber Los Angeles selbst: ein autozentrisches Gebilde wird zurückerobert für das Menschliche, für das Grüne, für das Verweilende. Es ist nicht weniger als eine Umgestaltung der sozialen Geographie eines Stadtteils.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">George Lucas und die Demütigung durch Schönheit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Lucas, 81 Jahre alt, kann eine lange Reise hinter sich: Zwei Jahrzehnte Verhandlungen, fehlgeschlagene Standorte in San Francisco und Chicago, endlose Verzögerungen. Dass er nun an der Comic-Con San Diego sein Projekt vorstellt, ist eine Form der Beharrlichkeit, die dem Werk selbst entspricht: Es gibt nicht auf. Es verändert sich, passt sich an, aber es kapituliert nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Lucas hat sein Museum als einen »Tempel für die Kunst des Volkes« bezeichnet. Dies ist eine bewusste Umkehrung der Hierarchien: Nicht die Hochkultur wird geheiligt, sondern die narrative Kraft, die sich in Comics manifestiert, in Kinokünstlern wie Ralph McQuarrie, der die visuelle Welt von Star Wars erschaffen hat. Das Museum wird ein Ort sein, an dem diese Werke nicht als Zugeständnis an die Massenkultur behandelt werden, sondern als das erkannt werden, was sie sind: echte künstlerische Ausdrücke.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Verdacht und Kritik: Das Problem der monumentalen Visionen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch ist hier auch Kritik angebracht. Eine Milliarde Dollar Bau- und Betriebskosten – finanziert vollständig aus Lucas&#8216; Privatvermögen. Dies ist ein Akt der philanthropischen Macht, der auch als Ausdruck von Kontrolle gelesen werden kann. Dass ein einzelner Mensch ein Kulturinstitut dieser Größenordnung nach seinem eigenen Geschmack gestalten kann, ist ein Privileg, das in demokratischer Optik bedenklich stimmt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektur selbst könnte auch als Hybris interpretiert werden – diese überwältigende Geste der organischen Form, die sich über die Landschaft erhebt wie ein Monument des Individuellen. Ma Yansong arbeitete bereits an einem Entwurf für Chicago, der ebensolche Kritik erhielt. Der Architekt Blair Kamin nannte den damaligen Vorschlag needlessly massive und forderte mehr restraint. Hat sich in Los Angeles wirklich etwas geändert, oder wurde das Konzept lediglich an einen weniger widerspenstigen Ort verlegt?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Zukunft der Narrative</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Und doch: Wenn das Museum 2026 öffnet, wird es anders aussehen als die meisten Kunstinstitute. Die Grenzen zwischen Außen und Innen sind fließend. Die Landschaft ist nicht Beiwerk, sondern Protagonist. Die Sammlung selbst – diese bunte, ungefilterte Sammlung aus Hochkunst und populären Narrativen – wird einen Ort haben, der sie ernst nimmt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ma Yansongs Philosophie der Shanshui City impliziert, dass die Zukunft der Städte darin liegt, dass sie wieder zu Orten der Kontemplation, der menschlichen Begegnung, der Nähe zur Natur werden. Das Lucas Museum ist ein Experiment in diesem Sinne. Es fragt: Kann ein Museum mehr sein als ein Container für Kunst? Kann es selbst eine narrative Kraft werden? Kann es den öffentlichen Raum heilen, der von Jahrzehnten der Autophilie verwüstet wurde?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort wird sich zeigen, wenn die Türen öffnen. Was sicher ist: Mit diesem Gebäude hat Los Angeles ein Projekt bekommen, das weiter spricht als mit den üblichen Bedeutungsebenen. Es ist ein Werk, das Fragen stellt, mehr als es Antworten gibt. Und manchmal ist dies genau das, was Architektur sein sollte: ein Vorschlag für eine bessere Welt, gebaut aus Hoffnung und FRP-Panels.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Wie die reichste Stadt der Schweiz den Autoverkehr vor die Tür setzt</title>
		<link>https://baukunst.art/wie-die-reichste-stadt-der-schweiz-den-autoverkehr-vor-die-tuer-setzt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Sep 2025 12:46:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Städtebau]]></category>
		<category><![CDATA[Verkehrswende]]></category>
		<category><![CDATA[Zürich HB]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zürich plant die Befreiung seines Hauptbahnhofs vom Autoverkehr. Das Weissbuch 2050 zeigt eine grüne Vision – doch der politische Widerstand formiert sich bereits.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Zürichs Jahrhundertchance am Hauptbahnhof</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach fünfundfünfzig Jahren Dominanz des motorisierten Verkehrs wagt die Stadt Zürich den Befreiungsschlag. Mit dem Weissbuch «Stadtraum Hauptbahnhof 2050» zeigt die Stadt auf, wie das Zentrum von Zürich für die künftigen Anforderungen vorbereitet werden soll. Ein Dokument zwischen Euphorie und Realismus, zwischen grüner Vision und verkehrspolitischem Minenfeld.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der lange Weg zur Visitenkarte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer heute über den Bahnhofplatz hastet, zwischen Tramgleisen, Bussen und eiligen Passantinnen navigiert, kann sich kaum vorstellen, dass dieser Ort einmal ein repräsentativer Platz war. Seit dem 1. Oktober 1970 ist der Bahnhofplatz fussverkehrfrei – seit fünfundfünfzig Jahren! Die Eröffnung des Shop-Ville verbannte die Fussgängerinnen und Fussgänger in den Untergrund. Während andere Schweizer Städte längst umgedacht haben – Genf machte 2004 den Anfang, Bern folgte 2008 – blieb Zürich in seiner automobilen Zeitkapsel gefangen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Weissbuch ist das Ergebnis eines fünfjährigen Planungsprozesses, ausgelöst durch die Motion GR Nr. 2014/308. Unter der Federführung des Tiefbauamts entstand in Zusammenarbeit mit den SBB, den Verkehrsbetrieben Zürich und weiteren städtischen Dienstabteilungen eine Vision, die mehr ist als nur ein städtebauliches Konzept. Es ist eine Kampfansage an den Status quo.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ordnungsprinzipien für das Chaos</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entwicklungsvorstellung für den Stadtraum Hauptbahnhof bis ins Jahr 2050 basiert auf den stadträumlichen Ordnungsprinzipien «Tore» und «Grüne Spitze». Was abstrakt klingt, bedeutet konkret: Die Stadt will aus dem heutigen Verkehrschaos einen strukturierten, lesbaren Stadtraum formen. Die «Grüne Spitze» – eine durchgängige Parklandschaft von der Sihl über den Platzspitz bis zum Papierwerd-Areal – soll die aussergewöhnliche Lage zwischen zwei Flüssen endlich zur Geltung bringen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders radikal ist die geplante Transformation des Central. Der Central soll zu einem grosszügigen Platz sowie zu einem Tor ins Hochschulquartier und ins Niederdorf werden. Wer den heutigen Zustand kennt – ein chaotischer Verkehrsknoten, den selbst Einheimische meiden – ahnt die Dimension des Vorhabens.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Tramrevolution auf der Bahnhofbrücke</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die vielleicht kontroverseste Idee: Die Haltestelle «Central» soll gemäss Planung auf die Gerade der Bahnhofbrücke verschoben werden, wodurch ein durchgehend hindernisfreier Ein- und Ausstieg zu Tram und Bus möglich würde. Im Gegenzug entfällt langfristig die Haltestelle Löwenplatz. Die Löwenstrasse würde zur reinen Flanier- und Einkaufsmeile – eine Vision, die bei Detailhändlerinnen und Detailhändlern gemischte Gefühle auslöst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Neuorganisation des öffentlichen Verkehrs folgt einer klaren Hierarchie: Der motorisierte Individualverkehr wird auf der Achse Walchebrücke, Bahnhofquai (im Tunnel) und Mühlegasse gebündelt. Das Prinzip ist eindeutig: Mit dem Auto in die Stadt hinein, ja. Durch die Stadt hindurch, lieber nicht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zahlenspiele und Realitäten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Heute bewegen sich in dem Gebiet täglich rund 700&#8217;000 Fussgängerinnen und Fussgänger. Bis 2050 dürften es gemäss Weissbuch 900&#8217;000 werden. Diese Prognose basiert auf der wachsenden Bevölkerung und dem Ausbau des Hochschulgebiets. Allein diese Zahlen zeigen: Ein Weiter-wie-bisher ist keine Option.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die klimapolitischen Vorgaben verschärfen den Handlungsdruck zusätzlich. Die Stimmbevölkerung hat das Netto-Null-Ziel bis 2040 beschlossen. Wir müssen den motorisierten Individualverkehr bis 2040 um 30 Prozent reduzieren. Stadträtin Simone Brander lässt keinen Zweifel: Diese Ziele sind nicht verhandelbar.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Testplanung als Demokratieübung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist der Entstehungsprozess des Weissbuchs. Die Stadt hat mittels Testplanung in einem Konkurrenzverfahren von interdisziplinären Fachteams unterschiedliche Lösungsansätze ausgetestet. Nach der ersten Stufe mit vier Teams vertieften zwei ihre Beiträge. Das Siegerteam um Studio Vulkan überzeugte mit einer Vision, die vorhandene Qualitäten herausschält und stärkt, statt alles neu zu erfinden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Echogruppe bezog Quartier- und Gewerbevereine, die City Vereinigung und Verkehrsverbände kontinuierlich ein. Diese partizipative Herangehensweise unterscheidet sich wohltuend von Top-down-Planungen vergangener Jahrzehnte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der politische Gegenwind</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Erwartungsgemäss formiert sich Widerstand. Die SVP lehnt die Vision «Stadtraum Hauptbahnhof 2050» dezidiert ab und spricht von einer «autofeindlichen Litanei» aus der «links-grünen Stadtzürcher Politblase». Die Partei sieht die individuelle Mobilität bedroht und fordert stattdessen eine Begrenzung der Zuwanderung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Opposition zeigt das Grunddilemma Schweizer Verkehrspolitik: Während die einen von einer lebenswerten, grünen Stadt träumen, pochen die anderen auf freie Fahrt für freie Bürgerinnen und Bürger. Der Kanton Zürich, der bei Staatsstrassen das letzte Wort hat, könnte zum Zünglein an der Waage werden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Erste Schritte sind getan</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotz aller Widerstände: Die Transformation hat begonnen. Mit der Eröffnung des Stadttunnels wurde ein wichtiger Meilenstein für die Veloverbindungen bereits erreicht und mit der Postterrasse beim Europaplatz entsteht ein Aufenthaltsort ohne Konsumzwang direkt an der Sihl. Diese ersten Massnahmen zeigen: Die Vision ist mehr als Papier.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die etappenweise Umsetzung über mehrere Jahrzehnte ist dabei Fluch und Segen zugleich. Einerseits erlaubt sie Anpassungen und Korrekturen, andererseits droht die Vision im politischen Hickhack zu verwässern. Stadträtin Brander gibt sich kämpferisch: &#8222;Es braucht jetzt detailliertere Planungen. Daran arbeiten wir.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Strahlkraft</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Schweiz ist das Zürcher Weissbuch mehr als eine lokale Angelegenheit. Als grösster Bahnhof des Landes mit werktags über 460&#8217;000 Besuchern – fünfmal mehr als der Flughafen Zürich zu seinen besten Zeiten – setzt Zürich Standards. Gelingt die Transformation, könnte sie zum Modell für andere Schweizer Städte werden, die mit ähnlichen Herausforderungen kämpfen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die föderalistische Struktur der Schweiz zeigt sich auch hier: Stadt, Kanton und Bund müssen zusammenspielen. Die SBB als Eigentümerin des Bahnhofs, die städtischen Verkehrsbetriebe, kantonale Strassenbehörden – alle müssen an einem Strang ziehen. Ein typisch schweizerischer Kompromissmarathon steht bevor.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Durchhaltevermögen gefragt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Weissbuch «Stadtraum Hauptbahnhof 2050» ist mehr als eine städtebauliche Vision. Es ist ein Gesellschaftsentwurf, der zeigt, wie Zürich mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts umgehen will: Klimawandel, Bevölkerungswachstum, Mobilitätswende. Die Vision einer grünen Halbinsel zwischen Limmat und Sihl, eines autoarmen Zentrums mit hoher Aufenthaltsqualität, ist verlockend.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob aus der Vision Realität wird, hängt vom politischen Willen ab – und vom Durchhaltevermögen aller Beteiligten. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob Zürich den Mut hat, seine Visitenkarte neu zu gestalten. Nach fünfundfünfzig Jahren Stillstand wäre es an der Zeit.</p>
<div>
<div class="grid-cols-1 grid gap-2.5 [&amp;_&gt;_*]:min-w-0 !gap-3.5">
<h2 class="text-xl font-bold text-text-100 mt-1 -mb-0.5">Weiterführende Informationen</h2>
<h3 class="text-lg font-bold text-text-100 mt-1 -mb-1.5">Das Weissbuch im Detail</h3>
<p class="whitespace-normal break-words">Das vollständige <strong>Weissbuch «Stadtraum Hauptbahnhof 2050»</strong> ist öffentlich zugänglich unter: <a class="underline" href="https://www.stadt-zuerich.ch/de/aktuell/publikationen/2025/weissbuch-stadtraum-hauptbahnhof-2050.html" target="_blank" rel="noopener">www.stadt-zuerich.ch/weissbuch-hb-2050</a></p>
<h3 class="text-lg font-bold text-text-100 mt-1 -mb-1.5">Visualisierungen und Pläne</h3>
<p class="whitespace-normal break-words">Die <strong>Visualisierungen des Siegerteams Studio Vulkan</strong> <strong>&amp; Atelier Corso</strong> mit detaillierten Ansichten der geplanten Transformation finden Sie unter:</p>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words"><a class="underline" href="https://www.studiovulkan.ch/project/testplanung-masterplan-hb-central/" target="_blank" rel="noopener">Studio Vulkan &#8211; Projektseite</a></li>
<li><a href="https://ateliercorso.ch/de/projects/weissbuch-stadtraum-zuerich-hb" target="_blank" rel="noopener">Atelier Corso &#8211; Projektseite</a></li>
<li class="whitespace-normal break-words"><a class="underline" href="https://www.stadt-zuerich.ch/de/planen-und-bauen/projekte-und-ausschreibungen/gebiete-areale/stadtraum-hb.html" target="_blank" rel="noopener">Online-Ausstellung der Stadt Zürich</a> mit allen Testplanungsunterlagen</li>
</ul>
<h3 class="text-lg font-bold text-text-100 mt-1 -mb-1.5">Zeitplan und Etappen</h3>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>2014</strong>: Motion im Gemeinderat eingereicht</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>2019-2024</strong>: Fünfjähriger Planungsprozess mit zweistufiger Testplanung</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>September 2025</strong>: Verabschiedung des Weissbuchs durch den Stadtrat</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>2025-2030</strong>: Erste Umsetzungsetappen (bereits begonnen mit Stadttunnel und Postterrasse)</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>2030-2040</strong>: Hauptphase der Transformation</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Ab 2050</strong>: Finale Umsetzung (u.a. Umwandlung Löwenstrasse zur Flaniermeile)</li>
</ul>
<h3 class="text-lg font-bold text-text-100 mt-1 -mb-1.5">Schlüsselzahlen</h3>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>700&#8217;000</strong> Fussgängerinnen und Fussgänger täglich heute</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>900&#8217;000</strong> erwartete Nutzerinnen und Nutzer 2050</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>30%</strong> Reduktion des motorisierten Individualverkehrs bis 2040 (städtisches Ziel)</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>460&#8217;000</strong> Besucherinnen und Besucher werktäglich am HB</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>5 Jahre</strong> Planungsprozess für das Weissbuch</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>55 Jahre</strong> seit der Eröffnung des Shop-Ville und der Verbannung der Fussgänger vom Bahnhofplatz</li>
</ul>
<h3 class="text-lg font-bold text-text-100 mt-1 -mb-1.5">Beteiligte Institutionen</h3>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Federführung</strong>: Tiefbauamt der Stadt Zürich</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Partner</strong>: SBB, Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), Amt für Städtebau</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Siegerteams Testplanung</strong>:</li>
<li class="whitespace-normal break-words">Studio Vulkan (Landschaftsarchitektur), Hosoya Schaefer Architects, IBV Hüsler AG, B&amp;S Ingenieure, Brigit Wehrli-Schindler, Drees &amp; Sommer, Atelier Brunecky (Visualisierungen)</li>
<li>
<div dir="ltr" role="presentation">Atelier Corso (Städtebau, Lead), Uniola (Landschaftsarchitektur), Basler &amp; Hofmann (Verkehr), Albprojekte (Sozialraum), Dome Visuals (Visualisierungen).</div>
</li>
</ul>
<h3 class="text-lg font-bold text-text-100 mt-1 -mb-1.5">Newsletter und Updates</h3>
<p class="whitespace-normal break-words">Für regelmässige Informationen zur Entwicklung des Stadtraums Hauptbahnhof können Interessierte den <strong>Newsletter der Stadt Zürich</strong> abonnieren unter: <a class="underline" href="https://www.stadt-zuerich.ch/de/planen-und-bauen/projekte-und-ausschreibungen/gebiete-areale/stadtraum-hb.html" target="_blank" rel="noopener">www.stadt-zuerich.ch/stadtraum-hb</a></p>
<h3 class="text-lg font-bold text-text-100 mt-1 -mb-1.5">Kontakt für Rückfragen</h3>
<p class="whitespace-normal break-words">Tiefbauamt der Stadt Zürich Projektleitung Masterplan HB/Central <a class="underline" href="mailto:stadtraum-hb@zuerich.ch" target="_blank" rel="noopener">stadtraum-hb@zuerich.ch</a></p>
</div>
</div>
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		<title>Spielen für alle? Wie Legos Academy soziale Gräben überbrücken will</title>
		<link>https://baukunst.art/spielen-fuer-alle-wie-legos-academy-soziale-graeben-ueberbruecken-will/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Sep 2025 12:30:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Dänemark]]></category>
		<category><![CDATA[Kreativwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13420</guid>

					<description><![CDATA[<p> In Billund revolutioniert Lego mit seiner neuen Masters Academy nicht nur das Spielen, sondern transformiert eine 8000-Seelen-Gemeinde zum internationalen Pilgerziel kreativer Köpfe.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die demokratische Dimension des Bauens</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Billund, einst ein vergessener Winkel Dänemarks mit gerade mal acht Bauernhöfen im 19. Jahrhundert, verkörpert heute eine bemerkenswerte urbanistische Erfolgsgeschichte. Die neue Masters Academy im Lego House, die diese Woche ihre Pforten öffnet, markiert dabei mehr als nur eine weitere Touristenattraktion. Sie steht symbolisch für eine Rückkehr zu den demokratischen Wurzeln des Spielens – und damit zu einer Form der Teilhabe, die in unserer durchdigitalisierten Gesellschaft zunehmend verloren geht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was Ole Kirk Christiansen 1932 in diesem abgelegenen Ort begann, war nicht weniger als eine stille Revolution der Kinderzimmer. Seine Idee, dass aus simplen Bausteinen unendliche Möglichkeiten entstehen können, demokratisierte das kreative Spielen. Heute, wo Lego-Sets oft zu hochpreisigen Puzzles mit Aufklebern verkommen sind, will die Masters Academy bewusst gegensteuern. Hier dürfen Kinder und Erwachsene wieder frei bauen, angeleitet von professionellen Master-Buildern, aber nicht eingeschränkt durch vorgefertigte Bauanleitungen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Stadtentwicklung durch Spielsteine</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Transformation Billunds von der dänischen Provinz zur internationalen Destination wirft fundamentale Fragen der Stadtentwicklung auf. Mit nicht einmal 8000 Einwohnerinnen und Einwohnern beherbergt der Ort heute eine der meistbesuchten Touristenattraktionen Skandinaviens. Das 12.000 Quadratmeter große Lego House, entworfen vom Stararchitekten Bjarke Ingels, wurde binnen acht Jahren zu einem urbanen Magneten, der die soziale Infrastruktur einer ganzen Region prägt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die gestapelten Kuben des Gebäudes, die an überdimensionale Lego-Steine erinnern, fügen sich dabei erstaunlich organisch in die geduckten Dächer der Kleinstadt ein. Diese architektonische Symbiose zwischen globaler Markenidentität und lokaler Baukultur zeigt, wie partizipative Stadtplanung aussehen kann, wenn sie nicht von oben diktiert, sondern aus der Geschichte eines Ortes heraus entwickelt wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Soziale Durchmischung im Miniaturformat</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders aufschlussreich für die gesellschaftliche Dimension des Projekts ist die Miniaturwelt im Lego House. Diese dreidimensionale Wimmelbild-Installation, bestehend aus zigtausenden Steinen, bildet nicht nur asiatische Megalopolen oder tropische Inseln ab. Sie schafft eine Utopie der sozialen Durchmischung: Skispringer landen unter Palmen, Geschäftsleute eilen neben Straßenkünstlern durch die Gassen, Tag und Nacht wechseln sich ab wie in einer echten Metropole.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese spielerische Vermischung verschiedener Welten und Kulturen transportiert eine wichtige Botschaft: In der Lego-Welt gibt es keine sozialen Barrieren, keine Gentrifizierung, keine Verdrängung. Jede Figur, ob Bauarbeiterin oder Bankdirektor, besteht aus denselben Grundbausteinen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Generationenübergreifende Partizipation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Masters Academy erweitert dieses Konzept um eine entscheidende Dimension: die generationenübergreifende Teilhabe. Während Spielzeug traditionell als Kinderdomäne gilt, öffnet sich hier ein Raum für erwachsene Profibauer und ambitionierte Amateurinnen. Diese bewusste Inklusion verschiedener Altersgruppen spiegelt einen größeren gesellschaftlichen Trend wider: die Auflösung starrer Generationengrenzen in kreativen Prozessen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Workshops, die an Fernsehstudios erinnern, entstehen neue Formen der Gemeinschaftsbildung. Menschen verschiedenen Alters arbeiten gemeinsam an Projekten, tauschen Techniken aus, lernen voneinander. Das ist besonders bemerkenswert in einer Zeit, in der digitale Medien Generationen oft eher trennen als verbinden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ökonomische Teilhabe versus elitärer Konsum</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritisch zu hinterfragen bleibt allerdings die ökonomische Schwelle zur Partizipation. Mit ihren &#8222;happigen&#8220; Preisen, wie es im Fachjargon heißt, sind Lego-Produkte längst zum Statussymbol geworden. Die Masters Academy mag zwar kreative Freiheit predigen, doch der Zugang zu dieser Freiheit bleibt eine Frage des Geldbeutels.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessanterweise unterscheidet sich hier das Lego House fundamental vom benachbarten Legoland. Während im Vergnügungspark die selbstgebauten Ferrari-Modelle nach dem obligatorischen Foto wieder &#8222;zerbröselt&#8220; werden, dürfen Besucherinnen und Besucher der Masters Academy ihre Kreationen mit nach Hause nehmen. Diese scheinbar kleine Geste hat große symbolische Bedeutung: Sie anerkennt den Wert individueller Kreativität und macht aus Konsumenten wieder Produzentinnen und Produzenten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Billund als Modell nachhaltiger Urbanisierung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entwicklung Billunds wirft die Frage auf, ob hier ein Modell für nachhaltige Stadtentwicklung entstanden ist. Ein Weltkonzern, der seine Wurzeln nicht vergisst, sondern den Ursprungsort zum globalen Zentrum macht – das widerspricht allen Logiken der Globalisierung. Während Lego Fabriken in Ungarn, Tschechien, Mexiko und China betreibt, bleibt das kreative Herz in der dänischen Provinz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit 730 Millionen produzierten Miniaturrädern jährlich mag Lego zwar der größte Reifenhersteller der Welt sein, doch die eigentliche Produktion findet woanders statt. Billund produziert Ideen, Erlebnisse, Erinnerungen. Diese immaterielle Wertschöpfung könnte ein Zukunftsmodell für postindustrielle Kleinstädte sein.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Baustein einer neuen Gesellschaft?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Masters Academy in Billund ist mehr als eine Touristenattraktion. Sie verkörpert eine Vision von Gesellschaft, in der Kreativität demokratisiert, Generationen verbunden und lokale Identitäten global relevant werden. Ob sich ein Besuch lohnt? Für alle, die verstehen wollen, wie aus 20 Stecksteinen nicht nur ein Haus, ein Storch oder ein Schiff entstehen kann, sondern möglicherweise auch eine neue Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens, ist die Antwort eindeutig ja.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><strong>Kontakt</strong></h3>
<p><strong>Lego House</strong> Ole Kirks Plads 1 7190 Billund, Dänemark Tel: +45 8282 0400 Email: guestservices@legohouse.com</p>
<h3><strong>Öffnungszeiten</strong></h3>
<p><strong>Lego House:</strong></p>
<ul>
<li>Täglich 10:00-18:00 Uhr (Hauptsaison bis 20:00)</li>
<li>Letzter Einlass 1 Stunde vor Schließung</li>
<li>24.-26. Dezember geschlossen</li>
</ul>
<p><strong>Masters Academy:</strong></p>
<ul>
<li>Workshop-Zeiten variieren (Voranmeldung erforderlich)</li>
<li>Sessions: 90-180 Minuten je nach Programm</li>
<li>Altersgruppen: 6-12 Jahre, 13+, Erwachsene</li>
</ul>
<h3><strong>Eintrittspreise</strong></h3>
<p><strong>Lego House:</strong></p>
<ul>
<li>Erwachsene: 299 DKK (ca. 40 €)</li>
<li>Kinder (3-12): 299 DKK</li>
<li>Unter 3 Jahre: Gratis</li>
<li>Familienticket (2+2): 999 DKK (ca. 134 €)</li>
<li>Öffentlicher Bereich (Square): Kostenlos</li>
</ul>
<p><strong>Masters Academy Workshops:</strong></p>
<ul>
<li>Basis-Workshop: ab 199 DKK (ca. 27 €) zusätzlich</li>
<li>Premium-Sessions: 399-599 DKK (ca. 54-80 €)</li>
<li>Inklusive: Alle gebauten Modelle zum Mitnehmen</li>
</ul>
<p><strong>Buchung:</strong></p>
<ul>
<li>Online-Tickets empfohlen (10% Rabatt)</li>
<li>Masters Academy: Vorab-Buchung essentiell</li>
<li>www.legohouse.com</li>
</ul>
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		<title>Baukunst &#8211; OMAs Museo Egizio als urbane Kathedrale</title>
		<link>https://baukunst.art/baukunst-omas-museo-egizio-als-urbane-kathedrale/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Aug 2025 08:32:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[OMA]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Transformation]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13053</guid>

					<description><![CDATA[<p>Im Herzen Turins entfaltet sich eine architektonische Metamorphose: Das Studio OMA verwandelt das älteste ägyptische Museum der Welt in einen pulsierenden Stadtraum zwischen Licht und Schatten.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Architektur zur Zeitmaschine wird</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es gibt Momente, in denen Architektur mehr ist als die Summe ihrer Materialien und Räume. Im Museo Egizio in Turin orchestriert das Rotterdamer Büro OMA unter der Leitung von David Gianotten und Andreas Karavanas eine solche Transformation. Hier verschmelzen 200 Jahre Museumsgeschichte mit der Ewigkeit des alten Ägyptens zu einem Palimpsest urbaner Poesie.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Metapher des Palimpsests – jenes mittelalterlichen Pergaments, auf dem Schicht um Schicht neue Texte über alte geschrieben wurden – könnte kaum treffender sein. &#8222;Wir haben die Piazza Egizia als Palimpsest konzipiert, das die verschiedenen Schichten der Museumsgeschichte offenlegt&#8220;, erklärt Projektarchitekt Andreas Karavanas. Diese Philosophie durchzieht das gesamte Projekt wie ein goldener Faden, der sich durch die Jahrtausende webt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Choreografie des Lichts</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der radikalste Eingriff manifestiert sich in der neu gestalteten Galerie der Könige. Wo einst der Bühnenbildner Dante Ferretti 2006 eine Black Box inszenierte, entfaltet sich nun eine Symphonie aus Licht und Reflexion. Die Reise beginnt in absoluter Dunkelheit – digitale Projektionen flimmern über schwarze Wände, erzählen von Karnak, dem mythischen Ursprungsort der monumentalen Statuen. Dann, plötzlich, die Epiphanie: Durch zwei luminöse Öffnungen strömt das Licht, natürlich und künstlich zugleich, und taucht die kolossalen Götter und Pharaonen in eine ätherische Aura.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wände aus eloxiertem Aluminium werden zu metaphysischen Spiegeln, die nicht nur das Licht brechen, sondern auch die Bewegungen der Besucherinnen und Besucher, die Statuen und den Raum selbst in unendlichen Variationen reflektieren. Es ist, als würde die Architektur selbst atmen, pulsieren, leben. Die subtilen Reflexionen schaffen einen Raum zwischen Realität und Traum, zwischen Turin und Theben, zwischen Gestern und Heute.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Sechs urbane Zimmer als städtische Symphonie</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Herzstück der Transformation bildet die Piazza Egizia – ein überdachter Hof, der sich als moderner Tempel der Begegnung inszeniert. Doch sie ist nur eine von sechs &#8222;urbanen Zimmern&#8220;, die OMA wie Perlen an einer unsichtbaren Schnur aufreiht. Jeder Raum besitzt seine eigene Identität, seinen eigenen Maßstab, seine eigene Funktion – und doch sind alle durch ein geometrisches Bodenmuster verbunden, inspiriert von der Grabmaske der Merit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese ornamentale Geometrie ist mehr als Dekoration; sie ist eine visuelle Sprache, die über die Jahrhunderte hinweg kommuniziert. Die Linien und Formen erzählen von einer Zivilisation, die Mathematik und Mystik, Ordnung und Chaos in perfekter Balance hielt. In der zeitgenössischen Übersetzung durch OMA wird dieses uralte Vokabular zu einem Leitsystem, das Besucherinnen und Besucher intuitiv durch die verschiedenen Zeitebenen navigiert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Demokratisierung des Heiligen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was OMA hier vollbringt, ist nichts Geringeres als eine Demokratisierung des musealen Raums. Die neuen Öffnungen entlang der Via Duse laden Passantinnen und Passanten ein, Teil der Inszenierung zu werden – mit oder ohne Eintrittskarte. Die monumentale Statue des Seti II wird durch die neu geöffneten Fenster zur urbanen Skulptur, sichtbar von der Straße, ein stiller Wächter zwischen den Welten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese radikale Öffnung transformiert das Museum von einem exklusiven Tempel der Bildungselite zu einem inklusiven Stadtraum. &#8222;Das Museo Egizio war historisch ein zentraler öffentlicher Raum in Turin&#8220;, betont David Gianotten. &#8222;Wir glauben, dass es essentiell ist, diese öffentliche Natur des Museums wiederherzustellen und es wieder in das Netzwerk der öffentlichen Räume Turins zu integrieren.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Materialität als emotionale Sprache</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Materialwahl ist von poetischer Präzision: Das transparente Stahldach der Piazza Egizia, verkleidet mit Aluminium, wird zum technischen Kunstwerk, das Regenwasser sammelt, Luft zirkulieren lässt und Licht filtert. Es ist nachhaltige Architektur, die ihre Funktionalität nicht versteckt, sondern zelebriert. Die historischen Gewölbe aus dem 17. Jahrhundert werden freigelegt und treten in Dialog mit den zeitgenössischen Interventionen – ein Gespräch zwischen Barock und Moderne, das ohne Worte auskommt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In der Galerie der Könige schaffen die Aluminiumwände eine fast sakrale Atmosphäre. Sie sind nicht nur Informationsträger, sondern emotionale Verstärker. Ihre subtilen Reflexionen multiplizieren den Raum ins Unendliche, lassen die Grenze zwischen Innen und Außen, zwischen Betrachter und Betrachtetem verschwimmen. Es entsteht eine Raumqualität, die an die Lichtinstallationen eines James Turrell erinnert – immersiv, transformativ, transzendent.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein neues Kapitel urbaner Kultur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit der für 2025 geplanten Fertigstellung schreibt OMA ein neues Kapitel in der Geschichte des Museo Egizio. Es ist eine Geschichte, die von Mut zeugt – dem Mut, ein Museum nicht als statisches Archiv zu begreifen, sondern als lebendigen Organismus, der mit der Stadt atmet. Die Transformation des ältesten ägyptischen Museums der Welt außerhalb Kairos wird zum Manifest einer neuen Museumsarchitektur, die nicht monumentalisiert, sondern demokratisiert, die nicht abschottet, sondern öffnet, die nicht konserviert, sondern aktiviert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Andrea Tabocchini, der lokale Architekturpartner, bringt es auf den Punkt: &#8222;Kultur muss die Vergangenheit ehren und gleichzeitig lebendig bleiben, sich entwickeln, in der Gegenwart relevant sein und die Zukunft inspirieren.&#8220; In diesem Spannungsfeld zwischen Bewahrung und Innovation entfaltet das Museo Egizio 2024 seine wahre Kraft – als urbane Kathedrale, in der sich die Ewigkeit Ägyptens mit der Lebendigkeit Turins zu einer neuen Form städtischer Spiritualität verbindet.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/baukunst-omas-museo-egizio-als-urbane-kathedrale/">Baukunst &#8211; OMAs Museo Egizio als urbane Kathedrale</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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