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	<title>Hessen-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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		<title>Die Rochade des Hauses Hessen: Was passiert, wenn ein Land 450 Millionen Euro Schlösserlast annimmt?</title>
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		<pubDate>Tue, 19 May 2026 09:02:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalpflege]]></category>
		<category><![CDATA[Hessische Hausstiftung]]></category>
		<category><![CDATA[Schlösserverwaltung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Donatus Landgraf von Hessen bietet dem Land seine Kulturstiftung an. 450 Millionen Euro, Schloss Friedrichshof, Schloss Fasanerie, eine baukulturelle Weichenstellung.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong> | Regionales | Hessen | Mai 2026<br data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="hardBreak" data-prosemirror-node-inline="true" />Lesezeit 8 Minuten</p>
<h1>Hessens Schlösser-Deal: Was hinter der „Rochade“ des Landgrafen steckt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kulturstiftung des Hauses Hessen umfasst Schlösser, Parks, Kunstsammlungen und Wohnimmobilien im geschätzten Wert von rund 450 Millionen Euro. Im Januar 2026 bot Donatus Landgraf von Hessen dem Land Hessen die unentgeltliche Übergabe dieses Stiftungsvermögens an. Was nüchtern wie ein notarieller Vorgang klingt, ist tatsächlich eine der weitreichendsten kulturpolitischen Weichenstellungen in Hessen seit Jahrzehnten und ein Lehrstück über die Last des baulichen Erbes.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zum Paket gehören Schloss Friedrichshof in Kronberg im Taunus, Schloss Fasanerie mit Schlossmuseum in Eichenzell bei Fulda, die beiden Mausoleen auf der Rosenhöhe in Darmstadt sowie mehrere Wohn- und Liegenschaften in Eichenzell, Hanau und Kronberg. Nicht übertragen werden sollen Schloss Wolfsgarten bei Langen als Familiensitz, das Porzellanmuseum in Darmstadt und das Gut Panker in Schleswig-Holstein. Den Arbeitstitel „Rochade“, entlehnt aus dem Schachspiel, prägt eine Besonderheit des Angebots: Rentable Wohnimmobilien in München gehören als Mitgift zum Paket und sollen das laufende Defizit der schwer zu bewirtschaftenden Schlösser dämpfen. Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sprach am Sonntag in Wiesbaden von einem „Zeichen des Vertrauens und kulturpolitischen Signal mit großer Strahlkraft, das höchsten Respekt verdient“. Donatus Landgraf von Hessen erläuterte, das Angebot solle „mit allen Rechten und Pflichten“ gelten und zugleich die Hessische Hausstiftung in ihrem Bestand absichern.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche baulichen Lasten gehen mit der Schenkung auf das Land über?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer Schlösser annimmt, übernimmt nicht nur Repräsentationsarchitektur, sondern eine Erhaltungspflicht, die sich über Generationen erstreckt. Die Hessische Hausstiftung wurde 1928 gegründet, um genau diese Last zu strukturieren; ihre Aufgabe ist bis heute der dauerhafte Erhalt der Kulturwerte des hessischen Fürstenhauses. Bauunterhalt, Denkmalpflege und musealer Betrieb sind dabei keine einmaligen Investitionen, sondern wiederkehrende Verpflichtungen, deren Höhe sich am Bestand und nicht am Kassenstand bemisst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schloss Friedrichshof in Kronberg, zwischen 1889 und 1893 für Kaiserin Victoria, die als Kaiserin Friedrich in die Geschichte einging, errichtet, wird heute als Fünf-Sterne-Schlosshotel betrieben. Schloss Fasanerie, ab 1708 für die Fürstäbte von Fulda begonnen und später an das Haus Hessen übergegangen, ist ein barockes Schlossensemble mit etwa 60 Schauräumen, bedeutender Antikensammlung, Porzellanmuseum und englischem Landschaftspark. Beide Anlagen unterliegen dem Hessischen Denkmalschutzgesetz (HDSchG) und damit Erhaltungs- und Genehmigungspflichten, die jede bauliche Maßnahme an die zuständigen Denkmalschutzbehörden binden. Eingriffe in Substanz, Erscheinung oder Umgebung sind nach den einschlägigen Regelungen des HDSchG genehmigungspflichtig; die Kosten fachgerechter Restaurierung übersteigen die für vergleichbare Neubauten anzusetzenden Werte regelmäßig um ein Mehrfaches.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommen die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG), das für historische Bauten zwar Sonderregeln vorsieht, in der Praxis aber ein konstantes Spannungsfeld zwischen Klimaschutz und Substanzerhalt erzeugt. Die Honorierung der dafür nötigen Planungsleistungen folgt der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI), wobei bei Denkmalobjekten regelmäßig Zuschläge für Bauten mit besonderer Substanz anfallen. Was zunächst wie ein großzügiges Geschenk wirkt, ist also auch ein dauerhafter Posten im Landeshaushalt, dessen Höhe nicht das Land, sondern der bauliche Bestand bestimmt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt eine kulturhistorische Vorgeschichte, die das Angebot nüchterner erscheinen lässt, als es scheint. Die Hessische Hausstiftung, gegründet 1928 als Kurhessische Hausstiftung und seit 1986 unter ihrem heutigen Namen, entstand als Reaktion auf die in der Weimarer Reichsverfassung verlangte Auflösung der Familienfideikommisse; die Stiftungsform war damals die einzige Möglichkeit, eine drohende Verstaatlichung des Privatvermögens des Hauses Hessen abzuwenden. 2012 gründete das Haus die Kulturstiftung des Hauses Hessen, die nun zur Disposition steht. Der bedeutendste Vermögensabgang in jüngerer Zeit, der Verkauf der Darmstädter Madonna an Reinhold Würth 2011 für einen genannten Betrag in der Größenordnung von 50 Millionen Euro, hat die Grenzen privater Erhaltungslogik bereits damals deutlich gemacht. Zusätzlich läuft seit 2021 eine Provenienzforschung zur Kunstsammlung der Kulturstiftung mit Blick auf NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut; deren Ergebnisse müssten mit der Übergabe ebenfalls in öffentliche Verantwortung wandern.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Verwaltungsstruktur passt zu einem Schlösserportfolio dieser Größe?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hessen verfügt anders als Bayern, Baden-Württemberg oder die Berlin-Brandenburgische Region nicht über eine eigenständige Schlösserverwaltung mit dem Zuschnitt der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen oder der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Die Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen sind organisatorisch beim Land angesiedelt, ihre Aufgabenstellung wäre durch eine Übernahme der Stiftungsobjekte jedoch deutlich erweitert. Verwaltungstechnisch wäre die Annahme des Stiftungsvermögens daher mit einer institutionellen Antwort verbunden, die über das bestehende Modell hinausreicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ministerpräsident Boris Rhein (CDU), Finanzminister R. Alexander Lorz (CDU) und der Hessische Minister für Wissenschaft, Kunst und Kultur Timon Gremmels (SPD) haben eine sorgfältige, ergebnisoffene Prüfung angekündigt. Benedikt Kuhn, Staatssekretär und Chef der Hessischen Staatskanzlei, koordiniert die Verhandlungen auf Landesseite. Inhaltlich geht es um drei verbundene Fragen. Wie lässt sich ein gewerblich betriebenes Schlosshotel wie Friedrichshof mit einem musealen Schloss wie der Fasanerie und mit Wohnimmobilien in einer einzigen Trägerstruktur sinnvoll bündeln? Wie wird der laufende Zuschussbedarf durch die rentablen Münchener Wohnimmobilien stabilisiert? Und wie lässt sich der bisherige Stiftungszweck mit den haushaltsrechtlichen Bindungen eines Bundeslandes vereinbaren?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus baukultureller Sicht steht zudem die Frage im Raum, welche Form von Öffentlichkeit das Land schaffen will. Schlösser sind keine reinen Sammlungsräume; sie sind gebaute Identitätsangebote, deren Wirkung von Park, Vorplatz, Achsen und Sichtbezügen abhängt. Eine staatliche Übernahme könnte die seit Jahren rückläufige investive Bauunterhaltung umkehren und Spielräume für eine konsequente Pflege der gartenkünstlerischen Bestände schaffen. Sie könnte aber auch zu einer Verwaltung führen, die kulturhistorische Substanz mit den Maßstäben des öffentlichen Hochbaus misst, mit allen Konsequenzen für Standardisierung und Genehmigungstempo.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Schenkung ist mehr als eine Vermögensübertragung. Sie verschiebt eine seit 1928 in Familienhand organisierte Verantwortungsstruktur in den staatlichen Bereich und stellt das Land Hessen vor die Aufgabe, ein eigenes Modell für die langfristige Pflege seiner repräsentativsten Bauwerke zu entwickeln. Vergleichbare Konstellationen existieren in Bayern mit der seit dem frühen 19. Jahrhundert bestehenden staatlichen Schlösserverwaltung, in Berlin und Brandenburg mit der 1995 gegründeten Stiftung Preußische Schlösser und Gärten sowie in Baden-Württemberg mit den Staatlichen Schlössern und Gärten als Landesbetrieb. Jedes dieser Modelle hat sich über Jahrzehnte ausdifferenziert, jedes operiert mit eigenen Bauhütten, Restaurierungswerkstätten und Gartendenkmalabteilungen. Ob das Geschenk angenommen wird, entscheidet sich nicht am Verhältnis zwischen Landgraf und Landesregierung, sondern an der Frage, ob Hessen bereit ist, eine dauerhafte baukulturelle Infrastruktur dieses Zuschnitts aufzubauen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob aus dem Schachzug „Rochade“ eine dauerhafte Aufstellung wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Zwei Marken, zwei Häuser: Wie Hessen 2026 Rembrandt und Monet inszeniert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 10:24:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Monets Küste]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsarchitektur Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Rembrandt 1632]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hessen Kassel Heritage und das Städel zeigen 2026 Rembrandt und Monet als Markenausstellungen. Was die Architektur der Häuser über die Inszenierung verrät.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong> | Regionales |Hessen | Mai 2026<br />
Lesezeit: ca. 13 Minuten</p>
<h2>Hessens Doppelschlag: Rembrandt und Monet als Marken in Kassel und Frankfurt</h2>
<p>Eine Markenausstellung verlangt nach mehr als ihrem Werk; sie verlangt nach einem Haus, das die Inszenierung trägt. Hessen liefert dafür im Frühjahr und Sommer 2026 zwei aufschlussreiche Studienobjekte. In Kassel zeigt das Schloss Wilhelmshöhe „Rembrandt 1632. Entstehung einer Marke“, in Frankfurt präsentiert das Städel Museum „Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat“. Beide Ausstellungen erzählen, wie sich zwei der bekanntesten Maler der europäischen Kunstgeschichte, ihre Motive und ihre Wiedererkennbarkeit strategisch aufgebaut haben. Beide finden in Architekturen statt, die unterschiedlicher kaum sein könnten: ein klassizistisches Residenzschloss aus den Jahren 1786 bis 1798, eingebettet in das UNESCO-Welterbe Bergpark Wilhelmshöhe, und ein unterirdischer Erweiterungsbau aus den Jahren 2008 bis 2012, der die Sammlung am Frankfurter Schaumainkai nahezu verdoppelt hat. Wer beide Häuser kurz hintereinander besucht, lernt mehr über die Inszenierungskultur deutscher Museen als in vielen Fachpublikationen.</p>
<h4>Warum trägt das klassizistische Schloss Rembrandts „Markenwerdung“?</h4>
<p>Hessen Kassel Heritage zeigt vom 8. Mai bis zum 9. August 2026 erstmals konzentriert das Jahr, in dem Rembrandt seine Heimatstadt Leiden verließ und nach Amsterdam übersiedelte. Der Wechsel in die Werkstatt des Kunsthändlers Hendrick van Uylenburgh markierte den Beginn seines überregionalen Erfolgs; 1632 begann er, seine Bilder nur noch mit dem Vornamen zu signieren. Die Schau versammelt rund 16 eigenhändige Werke und ergänzt die hauseigene Sammlung um Leihgaben aus Amsterdam, Berlin, London, Stockholm und Wien. Bereits 2025 zählte das Schloss Wilhelmshöhe rund 46.000 Besucherinnen und Besucher; der Verbund Hessen Kassel Heritage kam auf etwa 270.000. Für 2026 dürfte die Marke „Rembrandt“ diese Zahl weiter heben.</p>
<p>Das Haus selbst, errichtet zwischen 1786 und 1798 von Simon Louis du Ry und Heinrich Christoph Jussow für Landgraf Wilhelm IX. (ab 1803 Kurfürst Wilhelm I.), ist alles andere als ein neutraler Hintergrund. Die dreiflügelige, klassizistische Anlage über der Stadt Kassel war seit jeher als Sommerresidenz und repräsentative Kunstbühne gedacht. Seit dem 23. Juni 2013 gehört der Bergpark mit dem Schloss zum UNESCO-Weltkulturerbe; rechtlich verbindlich greifen damit die Welterbe-Konvention von 1972, das Hessische Denkmalschutzgesetz (HDSchG) sowie die Belange der Baukultur nach § 1 Absatz 6 Nummer 5 Baugesetzbuch (BauGB). Jede Veränderung am Schloss, jede technische Nachrüstung für Klima, Licht oder Sicherheit muss diesen Rahmen wahren. Die kuratorische Pointe der Ausstellung verstärkt das Haus: Ein junger Maler, der 1632 in Amsterdam aktiv eine Marke aufbaut, wird in einem Schloss präsentiert, das selbst eine bewusst gesetzte Marke der hessischen Landgrafen war. Die räumliche Strenge des Klassizismus stützt die These der Kuratorinnen und Kuratoren, dass Selbstinszenierung in der Kunst älter ist als die Moderne.</p>
<h4>Wie verändert die unterirdische Gartenhalle den Blick auf Monets Küste?</h4>
<p>Im Städel Museum läuft vom 19. März bis zum 5. Juli 2026 „Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat“, entstanden in Kooperation mit dem Musée des Beaux-Arts in Lyon. Rund 170 Werke zeigen, wie das normannische Fischerdorf Étretat ab Mitte des 19. Jahrhunderts zum Sehnsuchtsort des Impressionismus wurde. Claude Monet allein widmete der Steilküste etwa 80 Gemälde; ein Drittel davon ist nun in Frankfurt zu sehen. Die Ausstellung führt vor Augen, wie Tourismus, Eisenbahnbau und Villenarchitektur das Motiv erst hervorbrachten, das Monet später als seinen eigenen Bildtyp veredelte.</p>
<p>Dieser Bildtyp findet im Städel eine bemerkenswerte Bühne. Der 1878 nach Plänen von Oskar Sommer errichtete Stammbau am Schaumainkai wurde 1921 um den Gartenflügel und 1990 um den Westflügel von Gustav Peichl erweitert. Den entscheidenden Schritt brachte aber das Frankfurter Büro schneider+schumacher, das 2008 den geladenen internationalen Wettbewerb gewann und bis 2012 unterhalb des Städelgartens rund 3.000 Quadratmeter zusätzliche Ausstellungsfläche realisierte. Die Bruttogrundfläche der Erweiterung beträgt 4.151 Quadratmeter; das Gesamtmuseum kommt auf 24.726 Quadratmeter. Der unterirdische Saal misst 76 mal 53 Meter, ist in der Mitte bis zu 8,20 Meter hoch und wird von einer doppelt gekrümmten Stahlbetonschale überspannt, die nur auf zwölf schlanken Stützen ruht. 195 kreisrunde Oberlichter, die sogenannten „Augen für die Kunst“, versorgen den Saal mit Tageslicht. Die Energieversorgung erfolgt über 36 Erdsonden bis 82 Meter Tiefe; 160 Bohrpfähle verhindern das Aufschwimmen des im Grundwasser liegenden Bauwerks. Die Planungsleistungen wurden nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) über alle Leistungsphasen 1 bis 9 erbracht; energetisch gilt der Bau, der heute den Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) unterliegt, als frühes greenbuilding der deutschen Museumslandschaft.</p>
<p>Für die Präsentation von Monets Küste ist diese Architektur ein Glücksfall. Ein Werkkomplex, der die Wahrnehmung des Tageslichts feierte, hängt in einem Saal, dessen Lichtregie über computergesteuerte LED- und Verschattungstechnik diszipliniert wird. Das Haus zitiert das Bildthema und transformiert es zugleich. Wo Monet das flüchtige Licht auf den Klippen festhielt, hält die Gartenhalle das gleichmäßige Licht für die Bilder dauerhaft bereit.</p>
<h4>Was bedeutet das für die Baukultur in Hessen?</h4>
<p>Beide Häuser stehen für unterschiedliche Trägermodelle. In Kassel betreibt das landeseigene Hessen Kassel Heritage als Stiftungsverbund die Residenzbauten; in Frankfurt führt seit 1815 das Städelsche Kunstinstitut, die älteste private Museumsstiftung Deutschlands, ihre Bauwerke aus Spenden, Mitgliederbeiträgen und Förderprogrammen. Beide Modelle funktionieren, beide produzieren 2026 nationale Aufmerksamkeit. Bemerkenswert ist, dass Hessen damit zeigt: Eine landespolitische Strategie für Kulturbauten muss nicht zwischen historischem Erbe und zeitgenössischer Architektursprache wählen. Sie kann beides parallel pflegen, wenn die Denkmalpflege nach HDSchG mit den Anforderungen an Barrierefreiheit nach DIN 18040-1 und an klimaneutrale Gebäude nach GEG ehrlich zusammengeführt wird.</p>
<p>Die regionale Lehre ist eine bundesweite. Wer Markenausstellungen produzieren will, braucht Häuser, die ihrerseits Marken sind. Hessen hat 2026 vorgeführt, dass dies in zwei Tonlagen funktioniert: klassizistisch und kontemplativ im Norden, unterirdisch und technisch ambitioniert im Süden. Andere Bundesländer dürfen aus dieser Doppelinszenierung lernen. Nordrhein-Westfalen führt mit der Bundeskunsthalle Bonn und der Kunstsammlung NRW vergleichbare Konstellationen, Bayern mit der Pinakothek der Moderne und der Glyptothek, Baden-Württemberg mit der Kunsthalle Karlsruhe und dem Schloss Bruchsal. Überall stellt sich dieselbe Frage: Lässt sich ein historisches Schloss energetisch und barrierefrei so ertüchtigen, dass es Marken-Ausstellungen im internationalen Wettbewerb tragen kann, ohne den Schutzstatus zu beschädigen? Hessen zeigt, dass die Antwort eher in der ehrlichen Koexistenz zweier Architektursprachen liegt als in der Suche nach dem einen idealen Museumstyp. Beide Ausstellungen lohnen die Reise; das Nachdenken über die Räume, in denen sie stattfinden, lohnt sich erst recht.</p>
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		<title>Fünf Jahre Sanierung, dann Tudor-Gotik: Bad Homburg öffnet das Gotische Haus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 11:47:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bad Homburg]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalpflege]]></category>
		<category><![CDATA[DIN EN ISO 11799]]></category>
		<category><![CDATA[Energetische Sanierung]]></category>
		<category><![CDATA[GEG]]></category>
		<category><![CDATA[HBO]]></category>
		<category><![CDATA[HDSchG]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsbau]]></category>
		<category><![CDATA[Tudor-Gotik]]></category>
		<category><![CDATA[WHG]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Fünf Jahre Sanierung, 14 Erdsonden, 40.000 Objekte: Bad Homburgs Gotisches Haus kehrt als klimatisiertes Museum zurück.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/fuenf-jahre-sanierung-dann-tudor-gotik-bad-homburg-oeffnet-das-gotische-haus/">Fünf Jahre Sanierung, dann Tudor-Gotik: Bad Homburg öffnet das Gotische Haus</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Baukunst.art</strong> / Regionales / April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Geothermie hinter Tudor-Fassade: Bad Homburgs denkmalgerechte Kernsanierung</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Gotische Haus in Bad Homburg ist ein 1823 errichtetes Jagdschlösschen im Stil der Tudor-Gotik und das einzige erhaltene Gebäude dieser Formensprache auf dem europäischen Festland. Nach fünfjähriger Kernsanierung ist es am 28. September 2025 als Museum Gotisches Haus an der Gotischen Allee 1 wiedereröffnet worden. Die Stadt Bad Homburg hat damit ein Bauwerk zurückgewonnen, dessen Geschichte ebenso ungewöhnlich ist wie seine Fassade: Landgräfin Elizabeth, geborene Prinzessin von Großbritannien, ließ es nach ihrer Hochzeit für ihren Ehemann, Landgraf Friedrich VI. Joseph, errichten. Schon sechs Jahre später starb dieser, das Haus wurde nie als Jagdschloss genutzt. Ein Brand in den 1980er Jahren zerstörte das Innere vollständig; 1985 zog das 1916 gegründete Städtische historische Museum ein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die nun abgeschlossene Sanierung war keine kosmetische Auffrischung, sondern ein Eingriff an Substanz, Statik und Haustechnik zugleich. Nach einer Machbarkeitsstudie 2014 und einem europaweiten Planungsverfahren begannen Ende 2020 die Vorbereitungen, Anfang 2021 die Entkernung, im Januar 2022 die eigentlichen Bauarbeiten. Ziel war die Rückführung auf das ursprüngliche Erscheinungsbild der Landgräfin: kleinere gotische Fenster, wieder harmonischere Fassadenproportionen, Eingang an der Südseite. Im Inneren wurde die nach dem Brand der 1980er Jahre eingefügte, teils unkoordinierte Betonstruktur so weit wie möglich zurückgenommen. Decken wurden partiell entfernt, nichttragende und in Teilen auch tragende Wände abgebrochen und durch neues Mauerwerk ersetzt. Im Café ist die ursprüngliche Raumhöhe des einst eingeschossigen Baus wieder erfahrbar.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum brauchte ein Landgrafen-Jagdschlösschen fünf Jahre Sanierung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort liegt weniger in der Fassade als in den Zahlen des Museumsbetriebs. Die Sammlung umfasst rund 40.000 Objekte, darunter 5.000 empfindliche Grafiken sowie historische Textilien, Möbel und Skulpturen. Für deren dauerhafte Bewahrung sind konservatorische Mindeststandards zwingend: eine Raumtemperatur zwischen 18 und 23 Grad Celsius und eine relative Luftfeuchte zwischen 30 und 55 Prozent, Referenzwerte, wie sie in DIN EN ISO 11799 für Archiv- und Bibliotheksmaterialien beschrieben sind. Weder der Altbestand des Gotischen Hauses noch das als Interimsdepot genutzte Horex Museum konnten diese Werte dauerhaft halten. Hinzu kam eine brandschutzrechtliche Lücke: Die nach dem Brand 1980 eingebauten Strukturen waren nicht auf einen regulären Museumsbetrieb ausgelegt, ein zweiter baulicher Rettungsweg fehlte. 2018 musste deshalb ein Ausstellungsraum gesperrt werden. Nach § 14 der Hessischen Bauordnung (HBO) gelten für Sonderbauten wie Museen erhöhte Anforderungen an Brandschutz und Rettungswege; die Musterversammlungsstättenverordnung in ihrer hessischen Umsetzung präzisiert dies für öffentlich zugängliche Räume.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Brandschutz wurde daher mit einem zusätzlichen Treppenhaus grundlegend ertüchtigt. Heizung, Lüftung, Sanitär, Elektro, Einbruch und Videoüberwachung, Gebäudeautomation: all dies wurde komplett erneuert. Das neue Sicherheitskonzept eröffnet der Stadt darüber hinaus museumsstrategisches Neuland, denn es ermöglicht künftig Leihgaben aus anderen Häusern, was die Programmplanung über Wechselausstellungen erst belastbar macht. Für Denkmalschutz und Planungskultur in Hessen ist das Vorhaben überdies ein Referenzfall: Das Denkmalrecht nach § 16 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes (HDSchG) verlangt bei Maßnahmen an einem Kulturdenkmal eine Genehmigung der Denkmalschutzbehörde, und in der Abwägung zwischen originaler Substanz, Klimahülle und Brandschutz lag eine der zentralen planerischen Herausforderungen dieses Projekts. Planerisch begleitet wurde die Maßnahme vom Hochbauamt der Stadt Bad Homburg, konservatorisch von der Museumsleitung unter Dr. Ursula Grzechca-Mohr, und bauaufsichtlich durch den Hochtaunuskreis als untere Bauaufsicht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie schafft ein denkmalgeschütztes Haus die Energiewende?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort der Planung ist ein ambitionierter Technikstapel unter historischer Hülle. Versorgt wird das Gebäude über 14 Erdsonden mit jeweils 150 Metern Tiefe, die oberflächennahe Geothermie nutzbar machen; Erdwärmebohrungen in dieser Tiefenklasse sind nach § 127 des Bundesberggesetzes (BBergG) anzeigepflichtig und bedürfen zugleich einer wasserrechtlichen Erlaubnis nach § 8 des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG). Ergänzend wurden die Dachflächen gedämmt und begrünt. Die energetische Sanierung orientiert sich am Gebäudeenergiegesetz (GEG) in seiner aktuellen Fassung, auch wenn denkmalrechtliche Schutzgüter die Anwendung mancher Vorgaben nach § 105 GEG einschränken. Für die energetischen Maßnahmen wurden Bundes- und BAFA-Mittel in Höhe von 580.000 Euro bewilligt. Museumsleiterin Dr. Ursula Grzechca-Mohr formulierte die konservatorische Logik nüchtern: Erst wenn sich Temperatur und Luftfeuchte stabil einpendelten und der Baugeruch verflogen sei, könnten die Objekte zurückgeführt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau diese Rückführung ist seit Frühjahr 2025 erfolgt, koordiniert durch das auf Kunstlogistik spezialisierte Unternehmen Art Handling. Besonders anspruchsvoll war der Transport eines historischen Fensters aus einer englischen Kirche, ein Objekt, dessen fragile Glasstruktur eigene Schutzmaßnahmen verlangte. Im klimatisierten Depot des ersten Obergeschosses wird die Sammlung künftig bewahrt, während das Erdgeschoss Wechselausstellungen aufnimmt. Die Eröffnungsausstellung verbindet Bauwerk und Kunst in bewusster Offenheit: Unter dem Titel „Protections“ zeigt das Museum Skulpturen des Bildhauers Rainer Hunold in der Mittelhalle, Holzarbeiten mit tausenden eingeschlagenen Kupfernägeln, die eine metallene zweite Haut bilden. Für den nördlichen Ausstellungssaal ist mittelfristig die Sammlung Leonhardt als Leihgabe vorgesehen, eine der renommiertesten europäischen Privatsammlungen zur Landgrafenzeit und beginnenden Industrialisierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Über den lokalen Anlass hinaus lässt sich das Projekt als Lehrstück lesen. Museumssanierungen im Bestand sind in Hessen und darüber hinaus aktuell ein Engpassthema: steigende Anforderungen an Klima, Brandschutz und Barrierefreiheit treffen auf eine Baukultur, die konservatorisch und denkmalrechtlich kompromisslos verhandelt werden muss. Bad Homburg hat diesen Knoten gelöst, indem Nachhaltigkeit nicht als Zusatz, sondern als Tragwerk der gesamten Sanierungsstrategie verstanden wurde: Geothermie statt Gaskessel, Dachdämmung statt Fassadenverkleidung, Rückbau der Eingriffe der 1980er Jahre statt erneuter Überformung. Gleichzeitig markiert der Fall die ökonomischen Grenzen solcher Vorhaben. Die Projektdauer von der Machbarkeitsstudie 2014 bis zur Wiedereröffnung 2025 dokumentiert, dass ehrgeizige Bestandserneuerung in kommunaler Hand einen langen Atem verlangt, sowohl im Haushalt als auch in der politischen Begleitung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Region bedeutet die Wiedereröffnung mehr als einen Museumstermin. Das Gotische Haus war in seiner Tudor-Gotik immer ein Solitär im Landschaftspark am Großen Tannenwald, verwandt mit den englisch inspirierten Gartenbauten in Puschkin, Puławy oder Dessau-Wörlitz, aber anders als diese kein Zitat, sondern ein Bauwerk eigenen Rechts. Mit der Rückführung zur ursprünglichen Formensprache und zugleich der Ausstattung mit zeitgemäßer Museumstechnik gelingt etwas, das in der DACH-Museumslandschaft selten ist: Die historische Schicht und die technische Schicht sind nicht mehr im Widerspruch, sondern stützen sich. Für Bad Homburg ist das ein baukulturelles Signal, das über die Kurstadt hinauswirken dürfte, zumal das Haus im Herbst 2025 Gastgeber der ersten hessischen Fachtagung zur Digitalisierung in Museen war und damit die Ebene von Baukultur, Klimatechnik und Sammlungsarbeit programmatisch verknüpft. Im Zusammenspiel mit der Sammlung Leonhardt und einer perspektivisch wachsenden Kooperation mit anderen Häusern wird aus einem regionalen Jagdschlösschen ein museologisches Modellprojekt, an dem sich künftig messen lassen dürfte, wie sich Bestandsbauten unter Denkmalschutz, Klimazielen und öffentlicher Kulturverpflichtung zugleich tragfähig entwickeln lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/fuenf-jahre-sanierung-dann-tudor-gotik-bad-homburg-oeffnet-das-gotische-haus/">Fünf Jahre Sanierung, dann Tudor-Gotik: Bad Homburg öffnet das Gotische Haus</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Der Opernturm und das Phantom: Was der größte Bürodeal seit Jahren über Frankfurts Immobilienmarkt verrät</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Apr 2026 11:55:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
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		<category><![CDATA[Stadtentwicklung Frankfurt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Opernturm in Frankfurt könnte für 850 Millionen Euro den Eigentümer wechseln. Warum dieser Deal weit mehr als ein Immobiliengeschäft ist.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">baukunst.art | Regionales | April 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Liechtenstein-Stiftungen, Signa-Schreckgespenst: Wer kauft Frankfurts Opernturm?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em>Der Frankfurter Opernturm steht vor dem Verkauf für rund 850 Mio. Euro. Was das für die Stadtentwicklung und Transparenz im Immobilienmarkt bedeutet.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Frankfurter Opernturm ist ein Solitär: 170 Meter hoch, 42 oberirdische Geschosse, 72.500 Quadratmeter Mietfläche und 580 Tiefgaragenplätze direkt am Opernplatz neben der Alten Oper. Wer dieses Gebäude kauft, erbt nicht nur Stahl, Glas und Beton, sondern eine der prägnantesten Adressen der deutschen Büroimmobilienwelt. Gerade darin liegt die besondere Brisanz des Vorgangs, der die Branche seit Wochen in Atem hält: Der Turm steht offenbar vor dem Verkauf, und der aussichtsreichste Interessent kommt nicht aus dem Lager internationaler Immobilienfonds, sondern aus München.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Erich Schwaiger, 1968 in München geboren, Wirtschaftsanwalt und Immobilienunternehmer, gilt laut Branchenkreisen als derjenige, der sich in der Endrunde um den Opernturm befindet. Die kolportierte Kaufsumme beläuft sich auf rund 850 Millionen Euro. Das wäre der größte Büroimmobiliendeal in Deutschland seit vier Jahren. Die beteiligten Maklerkäuser und Schwaiger selbst haben sich auf Anfrage nicht geäußert. Dennoch beschäftigt der Vorgang weit mehr als nur Investoren und Makler: Er wirft grundlegende Fragen zur Transparenz im deutschen Gewerbeimmobilienmarkt auf, besonders wenn es um städtebaulich prägende Objekte in zentralen urbanen Lagen geht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was macht den Opernturm zu einem städtebaulichen Sonderfall?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Opernturm wurde 2009 nach Plänen des Frankfurter Büros Christoph Mäckler Architekten fertiggestellt. Er fügt sich mit seiner gegliederten Glasfassade in die Hochhauskulisse des Bankenviertels ein, bildet aber gleichzeitig einen räumlichen Abschluss für den Opernplatz, dessen Bedeutung weit über die der Alten Oper hinausgeht. Der Platz ist nicht nur ein kultUrbürgerlicher Versammlungsort, sondern funktioniert als wichtiger Fußverkehrsknoten zwischen Innenstadt und Westend und ist mit den U-Bahnlinien U6 und U7 sowie zahlreichen Straßenbahnlinien des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) eng in den öffentlichen Nahverkehr eingebunden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In der Frankfurter Stadtentwicklungspolitik spielt der Opernplatz eine zentrale Rolle. Die Stadt Frankfurt am Main verfolgt mit ihrem Stadtentwicklungsplan Wohnen 2030 das Ziel, städtebauliche Dichte und Nutzungsmischung zu erhalten. Für Gebäude wie den Opernturm, die in einem sogenannten Kerngebiet nach § 7 der Baunutzungsverordnung (BauNVO) stehen, gelten besondere Anforderungen an die Nutzungsvielfalt. Ein Eigentümerwechsel bei einem Objekt dieser Größenordnung ist damit immer auch ein stadtplanerisch relevanter Vorgang.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schwaigers Aufstieg zum prägenden Akteur auf dem Münchener Premiumimmobilienmarkt verlief rasch und mit erheblicher Kapitalintensität. Seit Mitte 2025 erwarb er über die neu gegründete CR Mitte 2 GmbH und Co. KG im Zuge der Insolvenz der Signa Holding von René Benko mehrere innerstädtische Filetstücke: das Sporthaus Schuster, das Kaut-Bullinger-Stammhaus, im November 2025 das Hirmer-Stammhaus und im Dezember 2025 die Oberpollinger-Immobilie. Laut Branchenschätzungen hat er dafür mehr als 700 Millionen Euro aufgewendet. Ein kaum bekannter Unternehmer hatte damit binnen weniger Monate mehr Premiumfläche in Münchens Innenstadt erworben als manch internationaler Fonds in einem Jahrzehnt. Nun soll der nächste große Schritt nach Frankfurt führen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Transparenzanforderungen gelten für Käufende städtischer Schlüsselliegenschaften?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau diese Frage bewegt inzwischen nicht nur Stadtpolitikerinnen und Stadtpolitiker, sondern auch Fachverbände. Der Maklerverband IVD Süd hat Schwaigers Einkaufstour wiederholt mit öffentlicher Kritik begleitet. Verbandssprecher Stephan Kippes erklärte gegenüber dem Handelsblatt, dass Transparenz notwendig und angebracht sei und auch im Interesse des Investors sowie der hinter ihm stehenden Kapitalgeber liegen sollte. Das Unbehagen hat einen konkreten Hintergrund: Im Firmengeflecht Schwaigers tauchen laut Handelsregisterauszügen sogenannte hinterlegte Stiftungen mit Sitz in Liechtenstein als Teilhaberinnen auf. Nach liechtensteinischem Recht handelt es sich dabei um besonders intransparente Konstrukte, bei denen örtliche Behörden nicht einmal die Eintragung bestätigen. Wer die Stiftung gegründet hat und wer die Nutznieferßenden sind, bleibt vollständig im Dunkeln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schwaiger ließ im Oktober 2025 mitteilen, er finanziere die Ankäufe über &#8218;übliche Fremdfinanzierungen&#8216;, wobei weder Gelder aus dem arabischen Raum noch aus von der Europäischen Union sanktionierten Staaten im Spiel seien. Konkreter wurde die Aussage nicht. &#8218;Herr Schwaiger wird sich zu seinen wirtschaftlichen Aktivitäten weiterhin nicht persönlich äußern&#8216;, heißt es in derselben Erklärung. Das mag aus unternehmerisch-taktischer Sicht nachvollziehbar sein. Aus stadtentwicklungspolitischer Sicht ist es problematisch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Insolvenz der Signa-Gruppe von René Benko hat die Immobilienbranche nachhaltig sensibilisiert. Kommunen und Verkäufer schauen seither genauer hin, wie krisenfest Käufende städtischer Schlüsselliegenschaften wirklich sind. Das gilt besonders dann, wenn es sich um Objekte handelt, die nicht nur wirtschaftliche, sondern auch städtebauliche und kulturelle Funktionen erfüllen. Ein Hochhaus am Opernplatz fällt in diese Kategorie. Das Bundesrecht stellt in § 1 Abs. 5 des Baugesetzbuchs (BauGB) die städtebauliche Entwicklung und Ordnung ausdrücklich als öffentliche Aufgabe heraus. Die privatrechtliche Eigentümerfrage ist zwar davon zu trennen. Sie ist aber auch nicht vollständig davon zu lösen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was der mögliche Verkauf des Opernturms darüber hinaus zeigt: Der deutsche Büroimmobilienmarkt zieht nach einer Phase erheblicher Verunsicherung wieder großvolumige Transaktionen an. Ein Deal von rund 850 Millionen Euro wäre ein Signal für die Finanzmetropole Frankfurt am Main, das weit über den Opernplatz hinaus wirken würde. Ob es ein gutes Signal ist, hängt nicht zuletzt davon ab, ob die beteiligten Akteure bereit sind, jene Transparenz herzustellen, die städtische Gemeinwesen zu Recht einfordern können. Prachtadressen verpflichten eben nicht nur im architektonischen Sinne.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Wenn Institutionen schrumpfen: Die Bundesbank verlässt Bockenheim</title>
		<link>https://baukunst.art/wenn-institutionen-schrumpfen-die-bundesbank-verlaesst-bockenheim/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 09:59:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Betonriegel verlässt Bockenheim. Was das für Frankfurt, den Denkmalschutz und die Frage bedeutet, was öffentliche Bauten repräsentieren sollen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundesbank schrumpft, das Gold bleibt. Frankfurt vor einer stadtplanerischen Weichenstellung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Abzug der Deutschen Bundesbank aus ihrem denkmalgeschützten Hauptsitz in Frankfurt-Bockenheim ist kein bloßer Umzug, sondern ein stadtplanerischer Einschnitt mit Signalwirkung weit über den Finanzplatz hinaus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im März 2026 bestätigte Bundesbankpräsident Joachim Nagel, was ein Wirtschaftlichkeitsgutachten mit externer Beratung nahegelegt hatte: Die Notenbank kehrt nicht in das 1972 fertiggestellte Gebäude an der Wilhelm-Epstein-Straße zurück. Ein Grundsatzbeschluss des Vorstands besiegelte das Ende einer über fünfzigjährigen Ära. Die Rückkehr in das inzwischen unter Denkmalschutz stehende Gebäude hätte Investitionen von rund 1,6 Milliarden Euro erfordert, die auf Betrieb und Instandhaltung hochgerechneten Gesamtkosten bis 2067 beliefen sich laut Bundesbank auf 2,9 Milliarden Euro. Vierzig geprüfte Varianten ergaben das gleiche Bild: Ein Neubau oder kernsaniertes Bestandsgebäude in Innenstadtnähe ist günstiger.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist ökonomisch nachvollziehbar. Architektonisch und stadtplanerisch wirft die Entscheidung dennoch Fragen auf, die Frankfurt noch lange beschäftigen werden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was sagt der Denkmalschutz, wenn der Eigentümer geht?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Hauptgebäude der Bundesbank, ein 54 Meter hoher und 220 Meter breiter Betonriegel des Frankfurter Büros ABB, steht seit 2022 unter Denkmalschutz. Es ist ein charakteristisches Beispiel des Brutalismus der frühen 1970er Jahre, raffinierter komponiert, als der erste Blick vermuten lässt: Aufzugsschächte gliedern den Baukörper in Haupt- und Nebenflügel, ein Staffelgeschoss akzentuiert den Mitteltrakt als leises Frontispiz, einen fernen Anklang an Palastarchitektur. Genau darin lag der ursprüngliche Anspruch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Hessische Landesdenkmalpflege ist nun gefordert, den Übergang zu begleiten. Der Bebauungsplan weist das rund zehn Hektar große Gelände als Fläche für den Gemeinbedarf aus. Eine Nutzungsänderung hin zu Wohnbau wäre ohne Zustimmung der Stadt Frankfurt nicht möglich, wie Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) bestätigte. Das ist baurechtlich klar geregelt. Weniger klar ist, wie das Gebäude dauerhaft wirtschaftlich betrieben werden kann, wenn schon die Bundesbank daran gescheitert ist. Diese Frage verdient eine ehrliche Antwort, bevor ein Wettbewerb ausgelobt wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die geplante Nachnutzung ist bekannt: Die Europäische Schule Frankfurt soll auf dem Gelände eine neue Heimat finden. EZB-Präsidentin Christine Lagarde nannte die Einigung einen „Durchbruch&#8220;, Schuldirektorin Anastazija Avsec sprach von einem Wunder. Der bisherige Schulstandort ist seit Jahren durch Platzmangel und provisorische Bauten geprägt. Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) hält es für realistisch, noch in dieser Dekade mit dem Bau zu beginnen; in vier bis sechs Jahren könnte die Schule fertig sein. Im Jahr 2027 ist ein Wettbewerb vorgesehen. Das ist, gemessen an Frankfurter Planungsgeschwindigkeiten, ambitioniert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Signalwirkung hat der Verzicht auf Repräsentation?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nagel hat ausdrücklich betont, die neue Bundesbank-Zentrale müsse nicht repräsentativ sein. Das ist eine bemerkenswerte Aussage. Nicht wegen der Kostendisziplin, die sie signalisiert, sondern wegen der institutionellen Selbstwahrnehmung, die dahintersteckt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Öffentliche Institutionen kommunizieren über ihre Bauten. Das Bundesbank-Gebäude von 1972 sprach eine eindeutige Sprache: Unabhängigkeit, Solidität, Distanz zu den Geschäftsbanken in der westlichen City. Die periphere Lage am nordwestlichen Stadtrand war keine Verlegenheitslösung, sondern Programm. In der Wahl zwischen Nähe und Abstand hatte man sich bewusst für Abstand entschieden, gegenüber der Politik ebenso wie gegenüber dem Markt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nun zieht die Bundesbank zwischen die Geschäftsbanken ins Bankenviertel, nahe der früheren Landeszentralbank an der Taunusanlage, wo sie ohnehin schon mehrere Etagen des Hochhauses Trianon belegt. Der Erwerb eines neuen Hauptsitzes soll innerhalb von 18 Monaten abgeschlossen werden. Kriterium Nummer eins der Belegschaft, laut interner Umfrage: gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist pragmatisch. Und es ist symptomatisch. Die Bundesbank des 21. Jahrhunderts ist nicht mehr die Hüterin der D-Mark, sie operiert im Schatten der Europäischen Zentralbank (EZB), deren Eurotower im Ostend auf spektakuläre Fernwirkung kalkuliert ist. Christine Lagarde residiert dort, ihren Namen kennt heute jedes Kind. Die institutionelle Hierarchie lässt sich nicht mehr in Beton gießen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bleibt das Gold. Rund 1700 Tonnen Goldbarren lagern im Tresor unter dem alten Gelände, laut Bilanz der Deutschen Bundesbank rund 395,2 Milliarden Euro wert (Jahresabschluss 2024). Sie bleiben am alten Standort, gut bewacht, abgetrennt vom übrigen Areal. In Zeiten geopolitischer Unsicherheit wollte niemand das Gold nach New York verlagern. Das ist verständlich. Es ergibt aber die eigenartige Situation, dass die Bundesbank ihr Symbolischstes zurücklässt, während sie selbst weiterzieht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Frankfurt ergeben sich aus dem Abzug stadtplanerische Chancen und Risiken zugleich. Das Gelände in Bockenheim ist erschlossen, planungsrechtlich gesichert und groß genug für eine eigenständige Quartiersentwicklung. Die angedachte U4-Verlängerung würde die Anbindung künftig verbessern. Dass ein Frankfurter Makler öffentlich für einen Abriss des Betongebäudes und einen vollständigen Wohnungsneubau plädiert hat, zeigt, welcher Verwertungsdruck auf solchen Lagen lastet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nagel hat dem klar widersprochen: Auch ein neuer Eigentümer sei an den Denkmalschutz gebunden. Das ist die korrekte Rechtslage. Ob sie im politischen Alltag auch Bestand hat, wenn städtischer Wohnungsdruck und Sanierungskosten gegeneinander abgewogen werden, bleibt abzuwarten. Die Hessische Bauordnung (HBO) und das Hessische Denkmalschutzgesetz (HDSchG) bieten dem Gebäude einen starken formalen Schutz. Formaler Schutz und tatsächliche Pflege sind jedoch nicht dasselbe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Wettbewerb für die Europäische Schule, geplant für 2027, wird zeigen, ob Frankfurt die seltene Gelegenheit nutzt, einen denkmalgeschützten Großbau des 20. Jahrhunderts einer nachhaltigen Nachnutzung zuzuführen. Das wäre eine Aufgabe für Architektinnen und Architekten mit Haltung, nicht nur mit Renditerechner.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Frankfurts gescheitertes Versprechen: Das Neubauquartier Römerhof und die Grenzen städtebaulicher Ideale</title>
		<link>https://baukunst.art/frankfurts-gescheitertes-versprechen-das-neubauquartier-roemerhof-und-die-grenzen-staedtebaulicher-ideale/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 09:46:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[BauGB]]></category>
		<category><![CDATA[BauNVO]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Mäckler]]></category>
		<category><![CDATA[Flügelhäuser]]></category>
		<category><![CDATA[Institut für Stadtbaukunst]]></category>
		<category><![CDATA[Neubauquartier Römerhof]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtplanung Frankfurt]]></category>
		<category><![CDATA[WHG]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15623</guid>

					<description><![CDATA[<p>Am Frankfurter Römerhof sollte ein urbanes Modellquartier entstehen. Sechs Jahre später ist das Leitkonzept perdu und sein Urheber weg.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/frankfurts-gescheitertes-versprechen-das-neubauquartier-roemerhof-und-die-grenzen-staedtebaulicher-ideale/">Frankfurts gescheitertes Versprechen: Das Neubauquartier Römerhof und die Grenzen städtebaulicher Ideale</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Das ist das Gesicht des Wohngebiets&#8220;: Wie Frankfurt seinen Stararchitekten verlor</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Neubauquartier Römerhof in Frankfurt am Main gilt als Lehrstück darüber, wie ambitionierte städtebauliche Konzepte im Geflecht kommunaler Kompromisse und planerischer Routinen scheitern können. Im Sommer 2020 war die Erwartung noch hoch: Ein &#8222;zweites Nordend&#8220; werde auf dem Gelände des ehemaligen Busbetriebshofs der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) nahe dem Rebstockpark entstehen, hieß es damals.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler, Gründer des Instituts für Stadtbaukunst an der Technischen Universität Dortmund, hatte für das Areal ein Konzept entwickelt, das in Deutschland als einzigartig galt. Die Forschungsergebnisse des Instituts sollten erstmals unmittelbar in ein konkretes Bauvorhaben einfließen. Der öffentliche Raum stand im Mittelpunkt, nicht die individuelle Parzelle.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Flügelhäuser als städtebauliches Leitbild</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kernstück des Konzepts waren sogenannte Flügelhäuser mit L-förmigem Grundriss. Im Unterschied zur konventionellen Zeilenbauweise stehen diese Baukörper nicht parallel zur Straße, sondern bilden mit ihrem längeren Flügel eine Abfolge von Innenhöfen. Das Ergebnis erinnert an die gründerzeitlichen Quartiere rund um die Frankfurter Innenstadt, ist aber offener als die Vorbilder des 19. Jahrhunderts und erlaubt zeitgemäße Wohnformen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mäckler und sein Team errechneten für das benachbarte Neubaugebiet Riedberg, dass eine vergleichbare Planung nach diesem Prinzip 20 Prozent mehr Geschossfläche bei gleichzeitig 40 Prozent weniger Verkehrsfläche ergeben hätte. Zusätzlich wäre noch Raum für einen Park geblieben. In Darmstadt und Heidelberg fand das Konzept Anklang, in Frankfurt hingegen verlief es im Sande.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was ging in Frankfurt schief?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sechs Jahre nach den ersten Planungsworkshops hat sich die anfängliche Begeisterung in Ernüchterung verwandelt. Mischa Bosch, Geschäftsführer bei Mäckler Architekten, türmte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) einen Stapel Ordner auf den Tisch: abgeheftete Pläne, Protokolle, Variantenstudien aus Jahren intensiver Abstimmung mit dem städtischen Wohnungsbauunternehmen ABG Frankfurt Holding und dem Stadtplanungsamt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Immer wieder habe es Änderungswünsche und neue Diskussionen gegeben, sagt Mäckler. Doch am Ende sei man stets zu einem Konsens gelangt; einzelne Festlegungen, etwa zur Schulplanung, seien sogar schriftlich in Protokollen festgehalten worden. Die Ernüchterung kam, als das Stadtplanungsamt den Bebauungsplan auf Basis eines Entwurfs des Planungsbüros Albert Speer + Partner (AS+P) aufstellte. Mäckler und seine Mitarbeiter erfuhren davon nicht aus direkter Kommunikation, sondern aus der Beschlussvorlage von Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) für das Frankfurter Stadtparlament.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mäckler kommentierte gegenüber der F.A.Z.: &#8222;Wir sind entsetzt. Von unseren Konzepten ist nichts mehr übrig geblieben.&#8220; Konkret störte ihn die Positionierung eines Parkhauses, im neuen Plan als &#8222;Mobilitätszentrum&#8220; bezeichnet, am Eingang des Quartiers von der Schmidtstraße aus. In seinen eigenen Plänen hatte er die Garage im Blockinneren verborgen. Wohnhäuser sollten das Gesicht des neuen Viertels prägen, nicht eine Verkehrsinfrastruktur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders kritisch beurteilte er, dass das Parkhaus unmittelbar neben der geplanten Grundschule zu liegen kommt. Ein verkehrsberuhigter Platz zwischen Schule und Kindertagesstätte sei einer normalen Straße gewichen. Kurz: Die Planung des öffentlichen Raums sei misslungen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie reagiert die Stadtpolitik auf den Vorwurf des Konzeptbruchs?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Reaktionen aus dem Stadtplanungsamt und der Planungspolitik fielen erwartungsgemäß defensiv aus. ABG-Geschäftsführer Frank Junker verwies auf das Stadtplanungsamt als Verantwortlichen für den Bebauungsplanentwurf; AS+P habe dabei lediglich unterstützt. Planungsdezernent Gwechenberger (SPD) sprach von &#8222;kleinen Anpassungen&#8220;: Die Schule sei näher an den Park gerückt, der ruhende Verkehr neu geordnet worden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als sachliche Begründung führte das Dezernat an, dass Mäcklers vorgesehene Garage im Blockinneren mit dem Versickerungsgebot für Oberflächenwasser kollidiere, das sich aus den Anforderungen des § 55 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) ergibt. Außerdem wolle man den Kraftfahrzeugverkehr bereits vor den Wohnblöcken bündeln. Die Dachfläche des Parkhauses könne der benachbarten Schule als zusätzliche Nutzfläche dienen. Entscheidend sei, dass Mäcklers Flügelhäuser im Bebauungsplan weiterhin ermöglicht würden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Mäckler greift diese Argumentation zu kurz. Städtebauliche Qualität lasse sich nicht auf die Ermöglichung eines Haustyps reduzieren, wenn der Gesamtzusammenhang von öffentlichem Raum, Wegeführung und Nutzungsordnung nicht stimme. &#8222;Es muss doch eine städtebauliche Qualität haben&#8220;, sagte er. Das Stadtparlament stimmte der Aufstellung des Bebauungsplans Ende Januar 2026 zu. Vor 2030 werden auf dem Gelände neben dem Messeparkhaus keine Bagger rollen, denn zunächst muss ein neuer Busbetriebshof im Stadtteil Rödelheim fertiggestellt werden.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Frankfurt und das strukturelle Problem kommunaler Baukultur</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall Römerhof ist kein Frankfurter Sonderfall, er ist ein Symptom. In deutschen Großstädten zeigt sich immer wieder das gleiche Muster: Forschungsbasierte oder architektonisch ambitionierte Leitkonzepte stehen am Anfang eines Planungsprozesses, werden aber im Verlauf von Jahren durch Kompromisse, wechselnde Zuständigkeiten und kleinteilige Optimierungsschritte ausgehöhlt. Am Ende bleibt oft ein bürokratisch abgesicherter Mittelweg, der keinem der ursprünglichen Ziele mehr gerecht wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei hatte Frankfurt mit dem Römerhof besondere Voraussetzungen. Das Institut für Stadtbaukunst brachte fundierte Forschung ein, die Trägerschaft durch die ABG Frankfurt Holding bot einen verlässlichen Partner, und die Flügelhausidee war kein theoretisches Konstrukt, sondern ein erprobtes Modell. Dass am Ende das Planungsbüro AS+P mit einem anderen Entwurf zum Zug kam, ohne dass Mäckler direkt informiert wurde, wirft Fragen nach der Verlässlichkeit städtischer Planungsprozesse auf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus Sicht der Planungskulturforschung lassen sich hier strukturelle Schwächen benennen: fehlende Verbindlichkeit informeller Planungsabsprachen, mangelnde Transparenz beim Wechsel von Planungsbüros sowie die Tendenz, den öffentlichen Raum als Restgröße zu behandeln, wenn Flächennutzungskonflikte entstehen. Genau das kritisiert auch das Institut für Stadtbaukunst seit Jahren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Stadtentwicklungspolitik in Hessen und im weiteren deutschsprachigen Raum bietet der Fall eine wichtige Lektion: Qualitätsorientierte Stadtplanung braucht nicht nur gute Konzepte, sondern auch institutionelle Mechanismen, die diese Konzepte über den gesamten Planungsprozess hinweg verbindlich halten. Gestaltungsbeiräte, verbindliche Qualitätsziele im Bebauungsplan nach § 9 Baugesetzbuch (BauGB) oder vertraglich gesicherte Planungspartnerschaften wären denkbare Instrumente.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mäckler hat mit dem Römerhof abgeschlossen: &#8222;Ich möchte damit nichts mehr zu tun haben.&#8220; Dieser Satz klingt nach persönlicher Resignation, ist aber zugleich eine fachliche Diagnose. Wenn Architekten und Architektinnen, die ein Quartier über Jahre mit entwickelt haben, am Ende per Beschlussvorlage über den Kurswechsel informiert werden, ist nicht nur eine Zusammenarbeit gescheitert. Es ist auch ein Stück Vertrauen in die Verlässlichkeit städtischer Planungskultur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<item>
		<title>Frankfurts Milliardenwette: Neue Bühnenbaugesellschaft soll Oper und Schauspiel ins 21. Jahrhundert führen</title>
		<link>https://baukunst.art/frankfurts-milliardenwette-neue-buehnenbaugesellschaft-soll-oper-und-schauspiel-ins-21-jahrhundert-fuehren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Feb 2026 16:39:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bühnenbaugesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturmeile Frankfurt]]></category>
		<category><![CDATA[Städtische Bühnen Frankfurt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Frankfurt gründet eine GmbH für den 1,3-Milliarden-Euro-Theaterbau. Ein institutioneller Kraftakt zwischen Kulturanspruch, Haushaltsdruck und bröckelnder Bühnentechnik.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Institutionalisierte Ambition: Wie Frankfurt seinen Theaterbau organisiert</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es gibt Entscheidungen, die klingen nach Verwaltungsroutine und sind doch alles andere als das. Der Beschluss des Frankfurter Magistrats, eine eigens zu gründende Bühnenbaugesellschaft mit dem Neubau von Oper und Schauspiel zu beauftragen, gehört zu dieser Kategorie. Auf 1,3 Milliarden Euro werden die Kosten offiziell geschätzt, die tatsächliche Summe dürfte erheblich höher liegen. Wer die Aufregung kennt, die Großbauprojekte der öffentlichen Hand regelmäßig begleitet, von Stuttgart 21 bis zur Hamburger Elbphilharmonie, der reibt sich die Augen: Frankfurt versucht es diesmal anders.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Gebäude am Ende seiner Kräfte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz ist ein Dokument der Nachkriegsmoderne, das sich selbst überlebt hat. Von 1959 bis 1963 nach Plänen des Architekten Otto Apel und dem Büro ABB Architekten errichtet, sollte die Anlage zwei Institutionen unter einem Dach vereinen: Oper und Schauspiel, verbunden durch ein 120 Meter langes Glasfoyer, das der International Style der Zeit als Geste der Offenheit verstanden wissen wollte. Das Kunstwerk &#8222;Goldwolken&#8220; des ungarischen Künstlers Zoltán Kemény im Foyer avancierte zum Wahrzeichen einer Stadtgesellschaft, die sich nach dem Krieg neu erfinden wollte. Heute steht die Anlage unter Denkmalschutz, und ausgerechnet dieser Schutz macht die Lage kompliziert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Befund ist eindeutig: Die Obermaschinerie der Oper muss aus Sicherheitsgründen dringend repariert werden. 860.000 Euro sollen die Stadtverordneten außerplanmäßig freigeben, damit in der Spielpause im Sommer 2026 gearbeitet werden kann. Vorstellungen waren zuletzt nur noch in stark reduzierter Form möglich. Der Magistrat warnt unmissverständlich: Ohne Eingriff sei der weitere Betrieb gefährdet. Und gleichzeitig geht man davon aus, dass die Oper noch mindestens zehn Jahre im heutigen Haus spielen wird. Zehn Jahre also mit einem Gebäude, dessen Substanz man verwaltet, statt es zu gestalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die GmbH als strategisches Instrument</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort der Stadt Frankfurt auf diese Situation ist bemerkenswert pragmatisch. Anstatt auf externe Projektsteuerer zu setzen oder den Bauablauf über die bestehende Stadtverwaltung abzuwickeln, gründet der Magistrat eine eigene Gesellschaft. Zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bisher in der beim Kulturdezernat angesiedelten Stabsstelle Städtische Bühnen tätig waren, wechseln in die neue Bühnenbaugesellschaft. Bis 2027 soll die Belegschaft auf 23 Personen wachsen. Der Magistrat argumentiert, eigenes Personal sei günstiger als externe Dienstleister und sichere zudem das über Jahre aufgebaute Fachwissen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) begrüßt die Entscheidung: &#8222;Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen für die nächste Stufe: die Institutionalisierung der Projektsteuerung und Bauherrenvertretung.&#8220; Stadtkämmerer Bastian Bergerhoff (Die Grünen) spricht von einer &#8222;strategischen Entscheidung für die Umsetzung eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte unserer Stadt&#8220;. Das klingt nach Überzeugung, ist aber auch Kommunikationsstrategie: Nach den Pleiten und Preissteigerungen anderer Kulturbauprojekte in Deutschland muss Frankfurt signalisieren, dass man die Kontrolle behält.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Einzige Gesellschafterin wird die Stadt Frankfurt sein. Die GmbH soll ein umfassendes Risikomanagement betreiben, zu dem ausdrücklich die Einhaltung von Kostenobergrenzen gehört. Allerdings: Diese Obergrenzen sind noch nicht festgelegt. Eine aktualisierte Kostenprognose wird derzeit erst erstellt. Das ist keine Kleinigkeit bei einem Projekt, das offiziell 1,3 Milliarden Euro kosten soll, in dem aber das Erbbaurecht für das Sparkassen-Grundstück an der Neuen Mainzer Straße noch nicht eingerechnet ist. Allein dieses Recht schlägt mit mehr als 200 Millionen Euro zu Buche.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kulturmeile statt Doppelanlage: Die städtebauliche Vision</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was Frankfurt plant, ist mehr als ein Theaterbau. Es ist ein stadtplanerischer Eingriff von erheblicher Reichweite. Die favorisierte Variante, die sogenannte &#8222;Kulturmeile&#8220;, sieht vor, das neue Schauspiel auf dem Grundstück der Frankfurter Sparkasse an der Neuen Mainzer Straße 47 bis 53 zu errichten, das der Stadt im Erbbaurecht für 199 Jahre überlassen wird. Die Oper bleibt am Willy-Brandt-Platz, wo nach Abriss der bestehenden Anlage ein Neubau entstehen soll. Entlang der Neuen Mainzer Straße soll sich so eine Perlenkette kultureller Institutionen auffädeln: Jüdisches Museum, Oper Frankfurt, English Theatre, MMK Tower, Weltkulturen Museum und Alte Oper.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architekten von gmp von Gerkan, Marg und Partner, die bereits die Machbarkeitsstudie erarbeitet haben, sprechen von einer einzigartigen städtebaulichen Chance: &#8222;Eine Reihung von Kulturinstitutionen entlang der Hochhäuser, das gibt es nirgends, aber wo sollte das möglich sein, wenn nicht in Frankfurt?&#8220;, erläutert gmp-Partner Stephan Schütz. Tatsächlich hat die Idee einer Kulturmeile im Bankenviertel einen provokanten Reiz. Dass Hochhäuser und Theater keine Widersprüche sein müssen, ist eine These, die Frankfurt unter Beweis stellen will.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Stimmen: Was beim Abriss verloren geht</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht alle teilen die Aufbruchsstimmung. Der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) hat sich deutlich positioniert: Das bestehende Theatergebäude besitze architektonische Qualitäten, die durch einen vollständigen Abriss unwiederbringlich verloren gingen. Der Verband plädiert für eine Teilsanierung. Auch die Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus Frankfurt hat sich über Jahre für einen Wiederaufbau des historischen Seeling-Baus eingesetzt, der 1902 eröffnet und 1944 beschädigt worden war.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus architekturjournalistischer Sicht lohnt ein nüchterner Blick: Das Glasfoyer mit den Goldwolken von Zoltán Kemény ist zweifellos ein bedeutsames Zeugnis der Nachkriegsmoderne. Andererseits wäre es eine romantische Überfrachtung, einem Gebäude, das im laufenden Betrieb kaum noch sicher betrieben werden kann, allein aus Denkmalschutzgründen eine Zukunft zuzuschreiben, die es bautechnisch nicht mehr trägt. Die Frage lautet nicht, ob das Gebäude erhaltenswert ist, sondern was Erhalt konkret bedeutet und was er kostet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Parallelfall neue Altstadt: Ein Frankfurter Modell?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Begleitung der Bühnenbaugesellschaft durch einen Sonderausschuss des Stadtparlaments ist keine Erfindung, sondern bewährte Frankfurter Praxis. Bei der Rekonstruktion der neuen Altstadt zwischen Dom und Römerberg, einem der meistdiskutierten und -besuchten Stadtbauprojekte der jüngeren deutschen Stadtplanung, gab es dieselbe Konstruktion. Die Parallele ist aufschlussreich: Frankfurt hat Erfahrung darin, komplexe Bauprojekte öffentlich zu begleiten und dabei trotzdem handlungsfähig zu bleiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob das gelingt, hängt nicht zuletzt davon ab, wie schnell die Stadtverordnetenversammlung zustimmt. Letzte Gelegenheit vor der Kommunalwahl ist die Sitzung am 5. März 2026. Umstritten ist das Thema nicht, die Gründung einer GmbH ist bereits im Grundsatzbeschluss vom Dezember 2024 festgelegt. Die politische Einigkeit ist vorhanden. Die eigentliche Bewährungsprobe kommt danach: mit dem Architektenwettbewerb, den Vergaben, dem Bau.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kosten, Kontrolle, Komplexität</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt umfasst mehr als nur Oper und Schauspiel. Die neue GmbH steuert auch den Abbruch der bestehenden Theaterdoppelanlage und des Sparkassengebäudes, den Bau eines Übergangsquartiers an der Gutleutstraße sowie eines Lager- und Logistikzentrums auf einem noch zu findenden Grundstück. Die Komplexität ist erheblich, und der Magistrat räumt ein, dass die Stadtverwaltung diese Aufgaben allein nicht bewältigen könnte. Die Bündelung in einer professionellen Struktur ist daher keine Übervorsicht, sondern Realismus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was offen bleibt: Die aktualisierte Kostenprognose wird derzeit erst erstellt. Eine Kostenobergrenze, die die neue GmbH einhalten soll, gibt es noch nicht. Das ist ein strukturelles Problem. Risikomanagement ohne definierte Grenzen ist wie eine Brandschutzplanung ohne Brandlast. Hier ist die Stadt gefordert, rasch Klarheit zu schaffen, bevor die ersten Aufträge vergeben werden. Der internationale Wettbewerb für die Architektur steht noch aus. Wenn er ausgeschrieben wird, wird sich zeigen, wie ernst Frankfurt den Anspruch nimmt, Gebäude des 21. Jahrhunderts zu bauen: nachhaltig, energieeffizient, klimagerecht und architektonisch zukunftsweisend.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Modell mit Modellcharakter?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage, ob das Frankfurter Modell der projektspezifischen GmbH auf andere Städte übertragbar ist, darf gestellt werden. Hamburg hat beim Konzerthaus-Bau leidvolle Erfahrungen mit komplexen Projektstrukturen gemacht. Berlin kämpft chronisch mit den Kosten seiner Kulturbauprojekte. München diskutiert seit Jahren über ein neues Konzerthaus. Dass eine Stadt eine eigene Baugesellschaft gründet, ihr klare Aufgaben überträgt und sie durch ein parlamentarisches Gremium begleiten lässt, ist kein Patentrezept, aber ein nachvollziehbarer Versuch, aus den Fehlern anderer zu lernen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was Frankfurt in den nächsten Jahren zeigen muss: dass eine GmbH nicht nur schneller, sondern auch klüger baut als eine Behörde. Dass Budgets eingehalten werden, nicht weil man billig baut, sondern weil man gut plant. Und dass die Kulturmeile am Ende tatsächlich das wird, was sie verspricht: ein Stadtraum, der Frankfurts Skyline mit einer neuen kulturellen Identität verbindet. Das Milliardenprojekt wird die Stadt prägen. Die Frage ist nur, wie.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/frankfurts-milliardenwette-neue-buehnenbaugesellschaft-soll-oper-und-schauspiel-ins-21-jahrhundert-fuehren/">Frankfurts Milliardenwette: Neue Bühnenbaugesellschaft soll Oper und Schauspiel ins 21. Jahrhundert führen</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Hessisches Denkmalschutzgesetz 2027: Reform oder Risiko für Baudenkmäler?</title>
		<link>https://baukunst.art/hessisches-denkmalschutzgesetz-2027-reform-oder-risiko-fuer-baudenkmaeler/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Feb 2026 16:26:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Baudenkmäler]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[hessen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15314</guid>

					<description><![CDATA[<p>Hessen reformiert den Denkmalschutz. Was als Modernisierung beginnt, könnte ältere Bauten schutzlos stellen. Ein kritischer Blick auf Chancen und Risiken.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/hessisches-denkmalschutzgesetz-2027-reform-oder-risiko-fuer-baudenkmaeler/">Hessisches Denkmalschutzgesetz 2027: Reform oder Risiko für Baudenkmäler?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wenn das Zumutbare zur Lücke wird</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Hessens Reform des Denkmalschutzgesetzes: Modernisierung mit Risiko</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Gesetz aus dem Jahr 1986 bekommt neue Regeln</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rund vier Jahrzehnte hat das hessische Denkmalschutzgesetz von 1986 überdauert, ohne tiefgreifend angefasst zu werden. Nun hat die schwarz-rote Koalition im Wiesbadener Landtag Bewegung in die Sache gebracht: Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels (SPD) stellte Ende September 2025 die Eckpunkte einer umfassenden Novellierung vor. Der Gesetzentwurf wurde Anfang 2026 in den Landtag eingebracht und soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. Hinter dem behördenfreundlichen Vierklang des Ministers, digital, bürgernah, bürokratiearm und klimafreundlich, verbergen sich jedoch strukturelle Einschnitte, die Fachleute alarmieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wirtschaftliche Zumutbarkeit als neues Gewicht</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Kernthema der Reformdebatte ist so alt wie der Denkmalschutz selbst: Wer zahlt für den Erhalt? Bereits nach geltendem Recht kann ein Baudenkmal abgerissen werden, wenn der Erhalt dem Eigentümer wirtschaftlich nicht zumutbar ist. Die Neufassung soll dieses Kriterium ausweiten. Künftig soll nicht nur die persönliche Leistungsfähigkeit des Eigentümers, sondern explizit auch die Wirtschaftlichkeit der Erhaltungsmaßnahme als Abwägungsposten herangezogen werden dürfen. Das klingt vernünftig, ist jedoch ein Einfallstor.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Frankfurt mussten zuletzt eine Villa im Stadtteil Bierstadt und ein Mietshaus im Allerheiligenviertel trotz Schutzstatus Neubauten weichen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz listet im aktuellen &#8222;Schwarzbuch der Denkmalpflege&#8220; für Hessen allein vier akut gefährdete Objekte, darunter die Städtischen Bühnen in Frankfurt und den Schornstein der ehemaligen Sarotti-Fabrik in Hattersheim. Sechs Baudenkmäler gingen in den Jahren 2023 und 2024 endgültig verloren. Der Druck auf die verbliebenen Bestände steigt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zwei Klassen von Denkmälern</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders umstritten ist die geplante Klassifizierung der geschützten Objekte. Künftig sollen &#8222;herausragende&#8220; Denkmäler weiterhin eine intensive Fachbegleitung durch das Landesamt für Denkmalpflege erhalten, während alle anderen Baudenkmäler nur noch eine abgestufte Betreuung bekämen. Standardisierte Genehmigungsverfahren, Verwaltungsvorschriften statt Einzelfallprüfung. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz schätzt, dass deutlich weniger als zehn Prozent des hessischen Denkmalbestands künftig noch eine vollwertige fachliche Begleitung erhalten würden. Für den Rest drohten Minimallösungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus Sicht der Bauforschung ist diese Klassifizierung problematisch, denn denkmalpflegerische Komplexität und öffentliche Bekanntheit eines Gebäudes fallen oft auseinander. Ein kleines Fachwerkhaus in der Wetterau kann handwerklich anspruchsvoller sein als ein prominentes Frankfurter Gründerzeitpalais. Die Fachlichkeit sollte der Komplexität folgen, nicht dem Bekanntheitsgrad.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Nachkriegsmoderne im Fadenkreuz</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten warnte im Zuge der Reformdebatte vor einer drohenden Abrisswelle, besonders mit Blick auf die Bauten der Nachkriegsmoderne. Gebäude aus den 1950er und 1960er Jahren genießen in der öffentlichen Wahrnehmung oft noch einen schlechten Ruf, gelten als grau, unwirtlich, energetisch problematisch. Dabei sind sie häufig stadtgeschichtlich bedeutsam und handwerklich interessant. Die Olivetti-Türme in Frankfurt von Egon Eiermann aus dem Jahr 1972 stehen exemplarisch für diesen Bestand, der unter der neuen Gesetzeslage besonders verwundbar wäre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf dem politischen Spektrum hat die FDP den Reformvorschlägen von CDU und SPD sogar vorgeworfen, nicht weit genug zu gehen. Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Kommunen sollten, so die liberale Position, selbst über eine Aufhebung des Schutzstatus entscheiden können. Diese Forderung zielt auf das Fundament des Denkmalschutzgedankens: die Idee, dass historische Bausubstanz ein öffentliches Gut ist, das nicht ausschließlich nach privaten Renditeerwartungen verwaltet werden darf.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was die Reform tatsächlich bringt</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht alles an der Novelle ist von Grund auf zu beanstanden. Die Digitalisierung der Genehmigungsverfahren ist überfällig. Dass Anträge künftig online gestellt werden können, Behörden innerhalb von drei Monaten entscheiden müssen und eine Genehmigungsfiktion greift, wenn keine Entscheidung fällt, erhöht die Planungssicherheit für Eigentümerinnen und Eigentümer spürbar. Auch die erleichterte Integration von Solaranlagen und die Stärkung der Barrierefreiheit als gesetzlichem Ziel sind zeitgemäß und erhöhen die praktische Akzeptanz des Denkmalschutzes. Der Umbau der Frankfurter Großmarkthalle durch die Europäische Zentralbank zeigt, dass ambitionierte Nutzungsänderungen und substanzieller Denkmalschutz einander nicht ausschließen müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Problematischer ist hingegen die strukturelle Schwächung der Fachbehörde. Das bisher vorgesehene Einvernehmen zwischen Unterer Denkmalschutzbehörde und Landesamt für Denkmalpflege soll in der Breite entfallen. Stattdessen genügt künftig eine Anhörung, die politisch einfacher überstimmt werden kann. In Dissensfällen beim Abriss bleibt zwar eine Entscheidungsmöglichkeit über die Oberste Denkmalschutzbehörde erhalten, doch der alltägliche Schutz wird durchlässiger.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Modellfall mit bundesweiter Signalwirkung</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hessen ist nicht das erste Bundesland, das den Denkmalschutz unter Reformdruck stellt. In Nordrhein-Westfalen haben ähnliche Debatten regelmäßig für Konflikte gesorgt. Was Hessen jetzt beschließt, wird Signalwirkung haben. Die Abwägung zwischen privatem Eigentumsrecht, kommunaler Planungshoheit und öffentlichem Erhaltungsinteresse an historischer Bausubstanz ist keine hessische Spezialität, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem. Wer in Hessen die wirtschaftliche Zumutbarkeit zum Schlüsselkriterium erhebt, liefert anderen Ländern ein Argument für ähnliche Schritte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Denkmäler brauchen keine Schutzglocke, die jede Veränderung verhindert. Was sie brauchen, ist eine Fachlichkeit, die Kompromisse ermöglicht, und eine Politik, die dem Erhalt historischer Stadtbilder echten Vorrang einräumt, auch dann, wenn die Immobilienbranche andere Interessen verfolgt. Die Denkmalschützerinnen und Denkmalschützer in Hessen werden diesen Rückhalt bald brauchen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Das Dazwischen gestalten: Hessens Architekturpreis sucht die Räume des Übergangs</title>
		<link>https://baukunst.art/das-dazwischen-gestalten-hessens-architekturpreis-sucht-die-raeume-des-uebergangs/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Jan 2026 14:41:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturpreis Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Zwischenraum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der traditionsreichste Architekturpreis Deutschlands widmet sich 2026 dem Zwischenraum. Hessen sucht Projekte, die Stadt und Land verbinden und den Übergang als Chance begreifen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Auszeichnung vorbildlicher Bauten Hessen 2026: Staatspreis sucht Zwischenräume und Übergangsprojekte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit sieben Jahrzehnten zeichnet das Land Hessen vorbildliche Bauten aus. Was 1954 als regionaler Qualitätswettbewerb begann, hat sich zum renommiertesten Landesarchitekturpreis der Bundesrepublik entwickelt. Die Auslobung 2026 unter dem Motto „Zwischen-Raum-Stadt-Land – Planungen und Projekte des Übergangs“ markiert eine bemerkenswerte Verschiebung: Erstmals rückt das vermeintlich Unbedeutende, das räumliche Dazwischen, ins Zentrum der Aufmerksamkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen und das Hessische Finanzministerium laden bis zum 1. April 2026 Architektinnen und Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitektinnen sowie Stadtplaner ein, ihre Projekte des Übergangs einzureichen. Gesucht werden keine spektakulären Solitäre, sondern Bauten und Räume, die zwischen den Polen vermitteln: zwischen Stadt und Land, zwischen privat und öffentlich, zwischen Nutzung und Möglichkeit.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architekturtheorie als Kompass</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Auszeichnungsverfahren greift auf ein reiches theoretisches Fundament zurück. Die Auslobung nennt drei Schlüsselbegriffe, die im architektonischen Diskurs längst kanonischen Status besitzen: den „Zwischenraum“ nach Aldo van Eyck, die „Raumstadt“ nach Walter Schwagenscheidt und Friedrich Kiesler sowie die „Zwischenstadt“ nach Thomas Sieverts.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Van Eycks Konzept des „space in between“, entwickelt seit den 1950er Jahren im Kontext von Team 10, beschreibt den Schwellenraum als architektonische Kategorie eigenen Rechts. Die Türschwelle, die Eingangssituation, der Übergang vom Haus zur Straße: Diese scheinbar trivialen Momente bestimmen wesentlich, wie Menschen Architektur erleben und sich Räume aneignen. Van Eycks über 700 Spielplätze in Amsterdam demonstrierten, dass gerade die undefinierten Orte zwischen den Häusern enorme soziale Bedeutung entfalten können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sieverts&#8216; Begriff der Zwischenstadt wiederum erweitert den Blick auf die regionale Maßstabsebene. Sein 1997 erschienenes Buch „Zwischenstadt – zwischen Ort und Welt, Raum und Zeit, Stadt und Land“ analysierte jene verstädterten Landschaften und verlandschafteten Städte, die weder der klassischen europäischen Stadt noch dem ländlichen Raum entsprechen. Der ehemalige IBA Emscher Park-Direktor plädierte dafür, diese oft geschmähten Strukturen nicht als Planungsversagen abzutun, sondern als eigenständige Lebensräume mit spezifischen Qualitäten zu begreifen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hessische Übersetzungsarbeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Jury aus internationalen Fachleuten, darunter Architektinnen und Architekten aus Wien, München, Berlin, Dresden und Prag, wird Projekte in drei Kategorien bewerten: Architektur und Innenarchitektur, Freiraum- und Landschaftsplanung sowie Quartiersplanung und Stadtentwicklung. Das zweistufige Verfahren sieht zunächst eine Shortlist vor, deren nominierte Projekte anschließend vor Ort besichtigt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Auslobung konkretisiert das theoretische Programm durch einen bemerkenswert breiten Katalog möglicher Einreichungen. Im Bereich Architektur können das hybride Gebäude multikodierter Nutzung sein, Schwellenräume wie Loggien und Laubengänge, Mobilitäts-Hubs oder temporäre Pop-Up-Installationen. Die Landschaftsarchitektur soll Parks mit hybrider Nutzung, vernetzte Freiräume oder Projekte der produktiven Landschaft beisteuern. Für die Stadtplanung werden Quartierskonzepte der 15-Minuten-Stadt, Nachverdichtungsstrategien oder Stadt-Land-Verknüpfungen gesucht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit als Staatsziel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die thematische Ausrichtung fügt sich nahtlos in die hessische Nachhaltigkeitsstrategie ein. Seit 2018 ist Nachhaltigkeit als Staatsziel in der Landesverfassung verankert, bis 2045 will Hessen klimaneutral werden. Die Bewältigung dieser Transformation erfordert, so die Auslober, „integrierte Lösungen, sektorenübergreifendes Denken und Handeln sowie neue Formen des Zusammenwirkens“.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei zeigt sich eine interessante Verschiebung gegenüber früheren Auslobungen. 2023 suchte der Staatspreis unter dem Motto „Gesellschaft, Stadt und Land vernetzen“ nach Infrastrukturprojekten. 2020 stand Nachhaltigkeit im engeren Sinne im Fokus. Die aktuelle Auslobung abstrahiert stärker: Es geht nicht mehr primär um technische Lösungen für Klimaschutz oder Kreislaufwirtschaft, sondern um räumliche Qualitäten, die erst mittelbar nachhaltige Lebensweisen ermöglichen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Grenzen des Programms</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die theoretische Ambition der Auslobung verdient Respekt, wirft aber auch Fragen auf. Die Berufung auf Aldo van Eyck und Thomas Sieverts suggeriert eine konzeptuelle Stringenz, die sich in der Breite der zugelassenen Projekttypen kaum wiederfindet. Wenn alles vom Pop-Up-Store bis zur regionalen Siedlungsachse als Zwischenraum gelten kann, droht der Begriff seine analytische Schärfe zu verlieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zudem bleibt unklar, wie die Jury jene schwer fassbaren Qualitäten des Zwischenräumlichen bewerten will. Van Eycks Theorie zielte auf subtile phänomenologische Erfahrungen, Sieverts&#8216; Analyse auf regional-morphologische Strukturen. Beide Perspektiven in einem Bewertungsverfahren zusammenzuführen, das auch noch konventionelle Kategorien wie Innenarchitektur und Landschaftsplanung bedienen muss, erscheint als erhebliche kuratorische Herausforderung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Eine hessische Eigenart</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dennoch markiert die Auslobung einen bemerkenswerten Schritt. Während die bundesdeutsche Architekturdebatte sich häufig an spektakulären Einzelbauten oder technischen Innovationen orientiert, lenkt Hessen den Blick auf das Unspektakuläre: die Lücke, den Übergang, das Dazwischen. Das entspricht durchaus einer regionalen Tradition. Hessen verfügt mit seinen Mittelgebirgslandschaften, den polyzentrischen Siedlungsstrukturen des Rhein-Main-Gebiets und den ländlich geprägten Peripherien über jene hybriden Raumtypen, die Sieverts als Zwischenstadt beschrieben hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Preisverleihung im Oktober 2026 wird zeigen, ob die theoretisch anspruchsvolle Auslobung auch überzeugende gebaute Beispiele findet. Die bisherigen Preisträger des Staatspreises lassen hoffen: Von der Mensa in Darmstadt bis zur Obdachlosenübernachtungsstätte in Frankfurt hat Hessen in den vergangenen Jahren bewiesen, dass baukulturelle Qualität und soziale Verantwortung keine Gegensätze sein müssen. Das Dazwischen zu gestalten könnte der nächste logische Schritt sein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026: Highlights, Termine und was Architektinnen und Architekten wissen müssen</title>
		<link>https://baukunst.art/world-design-capital-frankfurt-rheinmain-2026-highlights-termine-und-was-architektinnen-und-architekten-wissen-muessen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Jan 2026 14:19:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Design for Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt RheinMain]]></category>
		<category><![CDATA[World Design Capital 2026]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Frankfurt RheinMain ist erste deutsche Weltdesignhauptstadt. Rund 2000 Veranstaltungen versprechen Design als demokratisches Werkzeug. Welche Events für die Architekturbranche relevant sind.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">World Design Capital 2026: Diese Veranstaltungen lohnen sich</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Frankfurt RheinMain trägt 2026 als erste Region Deutschlands den Titel World Design Capital. Die World Design Organization (WDO) mit Sitz in Montreal vergibt diese Auszeichnung alle zwei Jahre an Städte und Regionen, die Design als Instrument gesellschaftlicher Veränderung einsetzen. Mit dem Motto „Design for Democracy. Atmospheres for a better life&#8220; gewann die Rhein-Main-Region gegen die saudi-arabische Hauptstadt Riad.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 16. Januar feierte das Programmjahr seinen offiziellen Auftakt mit dem Grand Opening in der Darmstädter Centralstation. Ministerpräsident Boris Rhein, Darmstadts Oberbürgermeister Hanno Benz und WDC-Geschäftsführerin Carolina Romahn eröffneten das Veranstaltungsjahr. Die Soziologin Prof. Dr. Martina Löw hielt eine Keynote unter dem Titel „Kann Qualität demokratisch sein?&#8220; und stellte damit eine Frage, die das gesamte Programmjahr durchzieht.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der WDC-Hub als Schaltzentrale</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt verwandelt sich seit dem 24. Januar in den WDC-Hub. Er ist als lebendiger Treffpunkt und zentrale Anlaufstelle konzipiert. Das Studio formagora aus Münster gestaltete den Raum bewusst als „Soft Opening&#8220;: kein fertiger Ort, sondern ein sich wandelndes Labor für Austausch und Experiment. Forum und Foyer verschmelzen zu einem flexiblen Raum für Gespräche, Workshops und spontane Begegnungen. Der Eintritt ist frei.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten bietet der Hub die Möglichkeit, sich über die rund 450 Kooperationsprojekte zu informieren. Darunter befinden sich namhafte Institutionen wie die HfG Offenbach, das Jüdische Museum Frankfurt und die Mathildenhöhe Darmstadt. Der monatliche WDC-Stammtisch, jeden dritten Mittwoch an wechselnden Orten, erleichtert die Vernetzung mit lokalen Akteuren.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Open Design Week: Zehn Tage Gestaltungskompetenz</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der erste echte Höhepunkt für die Designbranche findet vom 5. bis 14. Juni statt. Die Open Design Week Frankfurt RheinMain ist als zentrale Design Week Deutschlands konzipiert und vernetzt Agenturen, Studios, Hochschulen und Unternehmen. Im Mittelpunkt steht das Thema „Gestaltung als Wegbereiter einer ressourcenschonenden und zukunftsfähigen Ökonomie&#8220;.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das internationale Forward Festival bildet einen Treffpunkt für Designerinnen und Designer sowie Branchenprofis. Das Massif E, ein Schiff auf dem Main, und der schwimmende Floating Space ergänzen das Programm als mobile Ausstellungsorte. Für die Architekturbranche bietet die Design Week die Gelegenheit, über den eigenen Tellerrand zu schauen und interdisziplinäre Ansätze kennenzulernen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Module Festival: Kulturcampus als Experimentierfeld</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vom 13. bis 16. August verwandelt sich der Kulturcampus in Frankfurt-Bockenheim in ein Labor für künstlerische und gesellschaftliche Experimente. Das Module Festival ist kostenlos und verbindet Musik, Gestaltung und gesellschaftlich relevante Themen. Musikerinnen und AV-Künstler entwickeln neue Werke, die als audiovisuelle Projektionen auf die umliegenden Gebäude übertragen werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Kulturcampus selbst ist für Architektinnen und Architekten interessant: Das ehemalige Universitätsgelände durchläuft einen umfassenden Transformationsprozess. Eine temporäre Radiostation begleitet das Festival und wird täglich von verschiedenen Communities kuratiert. Die Kooperation mit internationalen Online-Radios unterstreicht den Anspruch, lokale Initiativen mit globalen Netzwerken zu verbinden.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Superblock Wiesbaden: Barcelona als Vorbild</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Rheingauviertel in Wiesbaden wird an mehreren Sonntagen zum ersten Superblock Hessens. Nach dem Vorbild Barcelonas, der diesjährigen Welthauptstadt der Architektur, verwandelt sich der Straßenraum temporär in eine öffentliche Spiel- und Begegnungszone. Die Initiative „Superblock Rheingauviertel&#8220; arbeitet gemeinsam mit der Stadtverwaltung an diesem Pilotprojekt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Planerinnen und Planer bietet das Projekt eine seltene Gelegenheit, temporäre Verkehrsberuhigung im deutschen Kontext zu beobachten. Barcelona hat seit 2016 mit Superblocks Erfahrungen gesammelt, die in verdichteten Stadtquartieren zu verbesserter Lebensqualität führten. Ob sich das Konzept auf deutsche Verhältnisse übertragen lässt, wird das Wiesbadener Experiment zeigen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Weitere Projekte mit Architekturrelevanz</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt Main-Light am Frankfurter Mainufer installiert eine autarke und klimaneutrale Beleuchtung für den öffentlichen Raum. Der Fahrradweg wird insektenfreundlich und bedarfsgesteuert illuminiert. Das Designstudio OMC°C entwickelt mit „Schattengrün&#8220; modulare Systeme zur Begrünung urbaner Räume und setzt damit auf Abkühlung durch Grünstrukturen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ada-Kantine in Frankfurt-Bockenheim entwickelt zusammen mit dem Studio formagora Tische und Stühle für ihr „solidarisches Restaurant&#8220;. Die Möbel werden in öffentlichen Bauevents gemeinsam hergestellt. In Offenbach wird die frühere Kaufhof-Filiale zu einem lebendigen Treffpunkt mit öffentlicher Bibliothek umgebaut.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Policy Days: Abschluss in der Paulskirche</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vom 11. bis 14. November bilden die World Design Policy Days den Abschluss des Programmjahres. Die dreitägige Konferenz findet simultan in Wiesbaden, Frankfurt und Offenbach statt und behandelt die Themenbereiche Politik, Verwaltung und Haltung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Höhepunkt ist die Abschlussveranstaltung in der Frankfurter Paulskirche. Hier trifft das internationale Netzwerk der World Design Capitals auf regionale Akteure. Die feierliche Übergabe des WDC-Titels an Busan in Südkorea bildet den symbolischen Schlusspunkt. Die Wahl der Paulskirche als Veranstaltungsort ist programmatisch: Sie gilt als Wiege der deutschen Demokratie und unterstreicht das Leitmotiv „Design for Democracy&#8220;.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Einordnung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektin und Kuratorin Anna Scheuermann, verantwortlich für die Bewerbungsphase, räumt selbst ein, dass der hochtrabende Titel der Weltdesignhauptstadt bezogen auf manche Orte in der Region „etwas lächerlich&#8220; klinge. Allerdings sei es nie darum gegangen, zu zeigen, wie schick alles ist. Vielmehr gehe es darum, wie das Zusammenleben in der Region funktioniert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Selbstreflexion ist sympathisch, wirft aber Fragen auf. Mit 4,5 Millionen Euro Budget für Projekte und Kooperationen ist die WDC kein Prestigeprojekt ohne Substanz. Ob die Impulse jedoch über 2026 hinaus wirken, hängt von der Nachhaltigkeit der angestoßenen Prozesse ab. Die WDC-Akademie soll Projektmacherinnen und Projektmacher befähigen, langfristig wirksame Beiträge zu leisten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten in der Region bietet das Programmjahr zahlreiche Anknüpfungspunkte. Die Verbindung von Design, Demokratie und Stadtentwicklung entspricht aktuellen Diskursen in der Fachwelt. Ob die World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 tatsächlich nachhaltige Veränderungen bewirkt oder als aufwendige Selbstinszenierung in Erinnerung bleibt, wird sich erst nach dem Programmjahr zeigen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/world-design-capital-frankfurt-rheinmain-2026-highlights-termine-und-was-architektinnen-und-architekten-wissen-muessen/">World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026: Highlights, Termine und was Architektinnen und Architekten wissen müssen</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<item>
		<title>Stadtumbau Hanau: Vom Parkplatz zur lebendigen Mitte – Wie eine hessische Kommune den zweiten Wiederaufbau meisterte</title>
		<link>https://baukunst.art/stadtumbau-hanau-vom-parkplatz-zur-lebendigen-mitte-wie-eine-hessische-kommune-den-zweiten-wiederaufbau-meisterte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2025 14:59:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Innenstadttransformation]]></category>
		<category><![CDATA[Konversion]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hanaus Innenstadt stand vor 20 Jahren vor dem Niedergang</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/stadtumbau-hanau-vom-parkplatz-zur-lebendigen-mitte-wie-eine-hessische-kommune-den-zweiten-wiederaufbau-meisterte/">Stadtumbau Hanau: Vom Parkplatz zur lebendigen Mitte – Wie eine hessische Kommune den zweiten Wiederaufbau meisterte</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie eine hessische Mittelstadt zum bundesweiten Vorbild für Stadtumbau wurde</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer heute durch Hanaus Innenstadt schlendert, erlebt einen urbanen Raum, der vor zwei Jahrzehnten noch in weiten Teilen als Parkplatz diente. Das Forum Hanau, das Kulturforum, der neugestaltete Freiheitsplatz und seit März 2025 der Stadthof im ehemaligen Kaufhof bilden eine bemerkenswerte Kette von Transformationsprojekten, die weit über Hessen hinaus Beachtung finden. Die Geschichte dieses Wandels ist zugleich eine Lektion darüber, wie Kommunen Stadtentwicklung selbst in die Hand nehmen können, wenn der politische Wille und die nötige Beharrlichkeit vorhanden sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Martin Bieberle, Leiter des Fachbereichs Planen, Bauen und Umwelt, hat diesen Prozess von Beginn an begleitet. Seine Bilanz nach zehn Jahren Forum Hanau fällt nüchtern positiv aus: Man habe mehr richtig als falsch gemacht, andernfalls wäre die Innenstadt heute „totes Fleisch&#8220;. Diese unverblümte Einschätzung verdeutlicht, wie dramatisch die Ausgangslage war. Die Fußgängerzonen waren zwar belebt, doch ein attraktiver Einkaufsstandort sah schon damals anders aus. Das Sporthaus Barthel am Freiheitsplatz schloss, andere Geschäfte folgten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Perspektivwechsel als Schlüssel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der entscheidende Wendepunkt kam mit einem methodischen Umdenken. Statt sich in den Details einzelner Probleme zu verlieren, entwickelten die Stadtentwicklerinnen und Stadtentwickler gemeinsam mit der Politik unter Oberbürgermeister Claus Kaminsky eine Gesamtstrategie aus größerer „Flughöhe&#8220;. Inspirationen holte man sich unter anderem in Maastricht, wo man sich über Projekte zum urbanen Wandel informierte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dieser Perspektivwechsel war mutig, denn er erforderte die Zusammenarbeit mit privaten Investoren auf einem damals noch ungewohnten Niveau. Der 2008 beschlossene „Wettbewerbliche Dialog&#8220; war europaweit einmalig und führte 2010 zur Partnerschaft mit der Hanseatischen Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft. Die Abstimmung erfolgte mit klarer Mehrheit, nur die Linke stimmte dagegen. Ihre Warnungen vor Gentrifizierung und ihre grundsätzliche Kritik an der Kooperation mit Investoren verhallten nicht ungehört, setzten sich aber nicht durch.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Doppelte Herausforderung: Stadtumbau und Konversion</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Parallel zum Innenstadtumbau stand Hanau vor einer zweiten gewaltigen Aufgabe. Die US Army, einst mit rund 30.000 Soldatinnen, Soldaten, Angestellten und Familienangehörigen der größte amerikanische Militärstandort in Europa, kündigte ihren Abzug an. In einem „lapidaren Vierzeiler&#8220; aus dem Pentagon, wie Bieberle es beschreibt, wurde das Ende einer Ära verkündet. Am 22. November 2008 wurde auf der Pioneer Kaserne die letzte amerikanische Flagge eingeholt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Konversion von 340 Hektar ehemaliger Militärliegenschaften bot Chancen, die Hanau konsequent nutzte. Mehr als 1000 Wohneinheiten entstanden, auf dem Gelände der Pioneer Kaserne entsteht mit dem Pioneer Park ein neues Stadtquartier für 5000 Menschen. Dass die Stadt bei diesem größten Konversionsprojekt erstmals selbst als Käufer der Gesamtfläche auftrat und gemeinsam mit der DSK BIG Gruppe die LEG Hessen Hanau gründete, zeugt von einem bemerkenswerten Gestaltungswillen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Forum, Kulturforum und die Kunst der Mischnutzung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das 2015 eröffnete Forum Hanau mit seinen 22.500 Quadratmetern Mietfläche ist mehr als ein konventionelles Einkaufszentrum. Die Integration des Kulturforums mit Stadtbibliothek, Stadtarchiv und Geschichtsverein in die Handelsimmobilie war ein bewusster Bruch mit der Monofunktionalität klassischer Shopping Malls. Die offene Bauweise sollte das Forum in die städtische Struktur einbinden, statt es wie einen Fremdkörper in die City zu implantieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Stadtbibliothek als Herzstück des Kulturforums hat sich zu dem entwickelt, was Stadtsoziologinnen und Stadtforscher einen „dritten Ort&#8220; nennen: ein nicht kommerzieller Treffpunkt neben Wohnung und Arbeitsplatz, an dem die Themen der Stadtgesellschaft diskutiert werden. Rund 2,1 Millionen Euro zahlt die Stadt jährlich an Miete für diese öffentliche Nutzung, eine Investition, die sich in der Frequentierung des gesamten Quartiers auszahlt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom Kaufhof zum Stadthof: Aktive Gestaltung statt Leerstand</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die jüngste und vielleicht mutigste Facette des Hanauer Stadtumbaus ist die Transformation des ehemaligen Kaufhof Gebäudes zum Stadthof. Als der Galeria Konzern im März 2023 die Schließung der Filiale bekanntgab, erklärte Kaminsky noch am selben Tag, die Stadt werde das Gebäude übernehmen. Für 25 Millionen Euro erwarb die Kommune die 16.000 Quadratmeter große Immobilie, weitere 40 Millionen Euro fließen in Sanierung und Umbau.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Stadtverordnetenversammlung votierte einstimmig dafür. Der prägnante Satz des Oberbürgermeisters, Hanau könne es sich nicht leisten, den Kaufhof nicht zu kaufen, fasst die Dringlichkeit zusammen. Exakt zwei Jahre nach der Hiobsbotschaft eröffnete im März 2025 das Erdgeschoss mit einem innovativen Mix aus Pop up Stores, der Agora als konsumfreiem Begegnungsraum und der Brüder Grimm Berufsakademie im dritten Obergeschoss.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Würdigung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei aller berechtigten Anerkennung bleiben kritische Fragen. Die rund 600 Millionen Euro, die insgesamt in den Innenstadtumbau flossen, kamen überwiegend von privaten Investoren. Allein HBB investierte 160 Millionen Euro in das Forum. Diese Abhängigkeit von privatem Kapital birgt Risiken, auch wenn Hanau betont, die eigenen Ziele im Dialog mit den Investoren verwirklicht zu haben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die ursprünglichen Bedenken der politischen Linken zur Gentrifizierung sind nicht vollständig entkräftet. Das „Westcarré&#8220; an der Wallonisch Niederländischen Kirche, dessen marode Bausubstanz der 1950er Jahre durch moderne Wohnbebauung ersetzt wurde, verdeutlicht den Wandel. Für langjährige Mieterinnen und Mieter, darunter ehemalige Trümmerfrauen, war der Umzug ein schmerzhafter Einschnitt, auch wenn die Hanauer Baugesellschaft ihr Versprechen einlöste, allen eine neue Wohnung anzubieten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch kleine Rückschläge gehören zur Realität: Die am Freiheitsplatz gepflanzten Tulpenbäume haben die Hitzejahre nicht überstanden, die meisten gehen ein. Ein Detail, das an die Grenzen stadtplanerischer Vorhersehbarkeit erinnert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Modellcharakter mit regionaler Prägung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hanaus Erfolg basiert auf mehreren Faktoren, die sich nicht beliebig auf andere Kommunen übertragen lassen: eine entschlossene politische Führung, die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit privaten Partnern, das Glück des historischen Zeitpunkts mit zeitgleicher Konversion und nicht zuletzt die Lage im prosperierenden Rhein Main Gebiet. Dennoch bietet das Modell Hanau wertvolle Lehren für andere Städte, die mit dem Strukturwandel im Einzelhandel und dem Niedergang klassischer Innenstädte kämpfen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Stadtumbau in Hanau ist nicht abgeschlossen. Die Umgestaltung hat inzwischen die Altstadt erreicht, der Schlossplatz steht vor seinem Umbau, auf den Industrieflächen zwischen Hauptbahnhof und City soll ein neues Quartier entstehen. Die Frage, wie man eine Innenstadt am Leben hält, ist zur Daueraufgabe geworden. Hanau hat darauf keine endgültige Antwort gefunden, aber einen Weg, der anderen Kommunen Mut machen kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Offenbach setzt auf Wohnungsbau: 650 Millionen Euro zwischen Bestandspflege und Großprojekt</title>
		<link>https://baukunst.art/offenbach-setzt-auf-wohnungsbau-650-millionen-euro-zwischen-bestandspflege-und-grossprojekt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 Dec 2025 17:31:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Rhein-Main-Region]]></category>
		<category><![CDATA[Serielle Sanierung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Offenbach startet seine größte Wohnbauoffensive seit drei Jahrzehnten. Während die GBO auf serielle Sanierung setzt, plant die ABG ein halbes Milliardenprojekt am Kaiserlei.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Offenbach setzt auf Wohnungsbau: 650 Millionen Euro zwischen Bestandspflege und Großprojekt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Offenbach startet seine größte Wohnbauoffensive seit drei Jahrzehnten. Während die GBO auf serielle Sanierung setzt, plant die ABG ein halbes Milliardenprojekt am Kaiserlei.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Stadt Offenbach am Main erlebt derzeit eine bemerkenswerte Doppelstrategie im Wohnungsbau. Innerhalb weniger Wochen wurden zwei Investitionsprogramme verkündet, die zusammen rund 650 Millionen Euro in den lokalen Wohnungsmarkt pumpen sollen. Das eine setzt auf behutsame Bestandsentwicklung und innovative Sanierungskonzepte, das andere auf den Abriss eines stadtbildprägenden Schandflecks und monumentalen Neubau. Beide Ansätze werfen grundsätzliche Fragen zur Zukunft des bezahlbaren Wohnens in der Rhein Main Region auf.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das GBO Programm: Klein, aber fein</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Gemeinnützige Baugesellschaft mbH Offenbach, kurz GBO, hat im Dezember 2025 ihr ambitioniertestes Vorhaben der vergangenen drei Jahrzehnte vorgestellt. 150 Millionen Euro sollen in den kommenden fünf Jahren in Neubauten und energetische Sanierungen fließen. Das klingt zunächst bescheiden im Vergleich zu den Großprojekten der Nachbarmetropole Frankfurt. Doch der Ansatz verdient Beachtung, denn die städtische Wohnungsbaugesellschaft verfolgt eine Strategie, die auf Nachhaltigkeit und soziale Verträglichkeit setzt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stadtkämmerer Martin Wilhelm, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Tochter, betonte bei der Vorstellung, dass rund 300 zusätzliche Wohnungen entstehen sollen. Davon könnten 115 als geförderte Einheiten auch Menschen mit niedrigerem Einkommen zugutekommen. Das entspricht einer Förderquote von knapp 40 Prozent, ein Wert, der deutlich über dem liegt, was private Investoren üblicherweise zu realisieren bereit sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Projektliste liest sich wie ein Rundgang durch verschiedene Offenbacher Stadtteile: Das Quartier 4.0 auf dem alten Güterbahnhofsareal soll 67 Wohnungen für Mehrgenerationenwohnen bieten, in Bieber und Bürgel entstehen auf sieben Baugrundstücken 70 bis 80 Wohneinheiten, und im Franz Liszt Quartier wird bereits aufgestockt. Gerade letzteres Projekt verdient besondere Aufmerksamkeit aus baukultureller Perspektive.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Serielle Sanierung als Modell</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die GBO setzt im Franz Liszt Quartier erstmals auf serielle Sanierung mit anschließender Aufstockung. Sieben Mehrfamilienhäuser aus den fünfziger Jahren werden mit vorgefertigten Holzfassadenelementen energetisch auf KfW 55 EE Standard gebracht. Gleichzeitig entstehen durch Dachaufstockung 14 neue Wohnungen. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf rund 10 Millionen Euro, die Arbeiten sollen bis Frühjahr 2026 abgeschlossen sein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Boris Kupke, Geschäftsführer der GBO, erläutert die Wirtschaftlichkeit dieses Ansatzes: Die Kosten für serielle Sanierung liegen zwar höher als bei herkömmlicher Bauweise, dafür wird die Belastung für die Mieterinnen und Mieter deutlich reduziert. Weniger Lärm, weniger Schmutz, kürzere Bauzeit. Die Einnahmen aus den neuen Dachwohnungen kompensieren zudem die Mehrkosten der Sanierung. Ein Modell mit doppeltem Mehrwert, das die GBO künftig regelmäßig anwenden will, etwa in der Schubertstraße, wo weitere 70 Wohnungen geplant sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Aufstockung bestehender Gebäude hat einen zusätzlichen strategischen Vorteil. Kupke formuliert es pragmatisch: Durch die Erweiterung im Bestand könne sich die GBO von der Preisentwicklung auf dem Grundstücksmarkt abkoppeln. In einer Stadt wie Offenbach, die laut Pestel Institut jährlich 800 neue Wohnungen bräuchte, aber kaum noch freie Bauflächen hat, ist das ein nicht zu unterschätzendes Argument.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Kaiserviertel: Großprojekt mit Schattenseiten</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zeitgleich zur GBO Offensive nimmt auch das Kaiserviertel Projekt konkrete Formen an. Die Frankfurter ABG Holding hat das Gelände der ehemaligen KWU Türme am Kaiserlei von der Adler Group erworben und plant dort ein Quartier mit 1179 Mietwohnungen, 354 Studierendenheimplätzen und 4200 Quadratmetern Bürofläche. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf rund eine halbe Milliarde Euro.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die weithin sichtbaren Betongerippe der einstigen Siemens Tochter Kraftwerk Union stehen seit über 20 Jahren leer. Sie wurden zum Symbol gescheiterter Immobilienspekulation, nachdem sich sowohl die ursprünglichen Pläne der Adler Group als auch ein Zwischenprojekt der Becken Gruppe zerschlagen hatten. Der Abriss ist für Frühjahr 2026 vorgesehen, 2029 sollen die ersten Mieterinnen und Mieter einziehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Oberbürgermeister Felix Schwenke spricht von einer Blaupause für interkommunale Zusammenarbeit. Tatsächlich ist die grenzüberschreitende Kooperation zwischen Offenbach und Frankfurt bemerkenswert. ABG Chef Frank Junker betont, dass Wohnen eine Aufgabe der Region sei und nicht an der Stadtgrenze haltmache. Bei der Entwicklung des Hafenquartiers und des Senefelder Quartiers habe die ABG bereits erfolgreich Projekte auf Offenbacher Boden realisiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch bei genauerer Betrachtung offenbaren sich Schwachstellen. Die städtebaulichen Leitlinien Offenbachs sehen bei Neubauprojekten ab 50 Wohneinheiten einen Anteil von 30 Prozent gefördertem Wohnraum vor. Das Kaiserviertel kommt inklusive des Studierendenwohnheims auf lediglich 23,2 Prozent. Die eigentliche Quote öffentlich geförderter Mietwohnungen liegt bei nur 97 Einheiten oder rund 10 Prozent der gesamten Wohnnutzfläche.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fördergeld als Grundvoraussetzung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Beide Projekte machen deutlich, wie abhängig der bezahlbare Wohnungsbau von öffentlichen Fördermitteln geworden ist. GBO Ko Geschäftsführer René Weber bringt es auf den Punkt: Bezahlbares Bauen funktioniere nur mit Fördergeld, und auch nur dann, wenn Zusagen von Kommune, KfW Bank und Land zusammenkämen. Die Beharrlichkeit, die das Einwerben von Fördermitteln erfordere, dürfe nicht unterschätzt werden. Mancher Antrag müsse wiederholt gestellt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Land Hessen hat für das Kaiserviertel Projekt Unterstützung signalisiert. Staatssekretärin Ines Fröhlich aus dem Wirtschafts und Verkehrsministerium erklärte, man beabsichtige den Erwerb der Teilfläche für das Studierendenwohnheim zu ermöglichen und nach Konkretisierung der Pläne Förderanträge zu unterstützen. Das Landesförderprogramm Studentisches Wohnen setze genau dort an.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für das GBO Projekt Quartier 4.0 auf dem Güterbahnhofsareal hat das Land bereits Fördergeld reserviert, der Bauantrag ist eingereicht. Auch für Vorhaben an der Dr. Rosa Goldschmidt Straße und im Liebig Carré wurden öffentliche Mittel beantragt. Die Bewilligung entscheidet letztlich über den Zeitplan.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die GBO als Gegenpol</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die Option, die sich die Offenbacher Wohnungsbaugesellschaft im Kaiserviertel Projekt gesichert hat. Die GBO erhält die Möglichkeit, die öffentlich geförderten Wohnungen von der ABG zu kaufen und selbst zu betreiben. Die Entscheidung darüber fällt, wenn die tatsächlichen Baupreise vorliegen, voraussichtlich 2027. Die Stadt stattet ihre Wohnungsbaugesellschaft dafür mit 10 Millionen Euro aus dem Infrastruktur Sondervermögen des Bundes aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dieser Schachzug ist klug. Von derzeit rund 5000 Wohnungen der GBO sind 43 Prozent gefördert. Diesen Anteil will man halten, möglichst sogar erhöhen. Sollte die GBO die Kaiserviertel Wohnungen übernehmen, würde sie die kommunale Kontrolle über den geförderten Bestand sichern, während die ABG als Frankfurter Gesellschaft primär privatwirtschaftliche Interessen verfolgt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick und Einordnung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die beiden Offenbacher Projekte illustrieren die grundsätzliche Spannung im deutschen Wohnungsbau. Auf der einen Seite steht die kleinteilige, bestandsorientierte Strategie kommunaler Wohnungsgesellschaften, die auf Förderquoten achten und serielle Sanierung als Instrument der Klimaanpassung nutzen. Auf der anderen Seite stehen Großprojekte, die zwar quantitativ beeindrucken, aber bei den Sozialquoten hinter den Vorgaben zurückbleiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Offenbach bedeutet die Doppelstrategie eine Chance, aber auch ein Risiko. Die rund 1500 neuen Wohnungen, die in den kommenden Jahren entstehen sollen, werden den Bedarf nicht decken, wenn das Pestel Institut mit seiner Prognose von 800 fehlenden Wohnungen pro Jahr richtig liegt. Gleichzeitig zeigt das Franz Liszt Quartier, dass innovative Ansätze auch im Bestand erhebliche Potenziale bergen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die konstruktive politische Kultur, die Oberbürgermeister Schwenke für die Zusammenarbeit von SPD, CDU und Linken beim Kaiserviertel Projekt lobt, wird sich daran messen lassen müssen, ob sie auch durchsetzungsfähig ist, wenn es um die Einhaltung der eigenen städtebaulichen Leitlinien geht. Eine Unterschreitung der 30 Prozent Förderquote um sieben Prozentpunkte mag im Einzelfall vertretbar erscheinen. Als Präzedenzfall für künftige Großprojekte wäre sie ein problematisches Signal.</p>
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		<title>Hessens scharfe Waffe gegen Leerstand: Ein Gesetz zwischen Hoffnung und Kritik</title>
		<link>https://baukunst.art/hessens-scharfe-waffe-gegen-leerstand-ein-gesetz-zwischen-hoffnung-und-kritik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2025 15:26:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Leerstandsgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[regionale Baupolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsmarkt Hessen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hessen geht gegen Wohnungsleerstand vor: Mit Strafen bis zu 500.000 Euro will das neue Gesetz Spekulationen stoppen – doch hilft es wirklich?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">„Hessens scharfe Waffe gegen Leerstand: Ein Gesetz zwischen Hoffnung und Kritik“</strong></h3>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die neue Regelung: Was das Gesetz vorsieht</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 14. November 2025 verabschiedete der hessische Landtag das „Gesetz gegen den spekulativen Leerstand von Wohnraum“. Kernpunkt: In Kommunen mit angespanntem Wohnungsmarkt dürfen Eigentümerinnen und Eigentümer Wohnungen künftig nur noch maximal sechs Monate leerstehen lassen. Wer dagegen verstößt, muss mit Bußgeldern von bis zu 500.000 Euro rechnen. Ausnahmen gelten bei Sanierungen, Erbstreitigkeiten oder nachweisbaren Vermietungsbemühungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit: Allein in Frankfurt am Main standen 2022 rund 13.000 Wohnungen leer, in Wiesbaden 5.000 und in Darmstadt über 3.000. Mehr als die Hälfte dieser Wohnungen war bereits länger als ein Jahr ungenutzt – ein Zustand, den die Landesregierung angesichts des Wohnungsmangels nicht länger hinnehmen will.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Regionale Besonderheiten: Warum Hessen vorprescht</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hessen ist kein Einzelfall, doch die Lösung ist ungewöhnlich scharf. Während andere Bundesländer auf Anreize oder freiwillige Meldungen setzen, wählt Hessen den Weg der Regulierung. Wirtschafts- und Wohnungsbauminister Kaweh Mansoori (SPD) betont, dass das Gesetz vor allem Spekulationen verhindern soll. Doch nicht alle sind überzeugt: Die AfD und FDP lehnten den Entwurf ab, die Grünen enthielten sich der Stimme. Kritiker befürchten Bürokratie und Eingriffe in Eigentumsrechte.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Lokale Akteure und ihre Perspektiven</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Frankfurt, wo der Wohnungsmarkt besonders angespannt ist, begrüßen viele die Initiative. Lokale Architektenkammern und Mietervereine sehen im Gesetz ein wichtiges Signal, doch warnen sie vor zu hohen Erwartungen. „Ein Gesetz allein schafft keine Wohnungen“, gibt eine Sprecherin der Frankfurter Architektenkammer zu bedenken. Gleichzeitig betonen Handwerkerverbände, dass Sanierungen oft länger dauern als sechs Monate – hier könnte das Gesetz zu eng gefasst sein.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachhaltigkeit und Transferfähigkeit</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das hessische Modell könnte Schule machen. Andere Metropolregionen wie München oder Berlin beobachten die Entwicklung genau. Doch ob das Gesetz wirklich wirkt, hängt von der Umsetzung ab. Wichtig wird sein, wie Kommunen die neuen Spielräume nutzen – und ob sie genug Personal haben, um Leerstand effektiv zu kontrollieren.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit: Ein mutiger Schritt mit Fragezeichen</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hessen zeigt mit dem Leerstandsgesetz, dass es den Wohnungsmangel ernst nimmt. Doch ob Strafen allein die Lösung sind, bleibt fraglich. Entscheidend wird sein, ob das Gesetz Spekulationen tatsächlich eindämmt – oder ob es am Ende nur die Bürokratie erhöht.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/hessens-scharfe-waffe-gegen-leerstand-ein-gesetz-zwischen-hoffnung-und-kritik/">Hessens scharfe Waffe gegen Leerstand: Ein Gesetz zwischen Hoffnung und Kritik</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Frankfurt baut um – wie die Skyline zur sozialen Frage wird</title>
		<link>https://baukunst.art/frankfurt-baut-um-wie-die-skyline-zur-sozialen-frage-wird/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2025 15:13:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurter Skyline]]></category>
		<category><![CDATA[Hochhausentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltige Stadtplanung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Frankfurt wächst in die Höhe – doch diesmal anders: Der Hochhausentwicklungsplan 2024 setzt auf Mischnutzung, Nachhaltigkeit und Lebensqualität. Ein Modell für Europas Städte?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Frankfurts vertikale Stadt: Wie der Hochhausentwicklungsplan 2024 die Skyline neu definiert</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Frankfurt am Main, seit Jahrzehnten als „Mainhattan“ bekannt, steht vor einem architektonischen und städtebaulichen Paradigmenwechsel. Der neue Hochhausentwicklungsplan 2024 (HEP2024) markiert das Ende der Ära monofunktionaler Bürotürme und leitet eine Phase ein, in der Hochhäuser zu „vertikalen Städten“ werden. Statt gläserner Riegel, die nach Feierabend verwaist sind, entstehen Gebäude, die Wohnen, Arbeiten, Kultur und Gastronomie vereinen – und das bei einer maximalen Büroflächennutzung von 70 Prozent. Dieser Ansatz soll nicht nur die Skyline bereichern, sondern auch die soziale Akzeptanz und die Aufwertung des öffentlichen Raums fördern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">„Verdichtetes Bauen und hohe Lebensqualität schließen sich nicht aus – wenn wir die Weichen richtig stellen“</strong>, betont Julia Roshan Moniri, Vorsitzende des Planungsausschusses. Die Stadt setzt damit auf ein Modell, das Dichte mit urbaner Vielfalt verbindet und internationale Aufmerksamkeit erregt: Der HEP2024 wurde kürzlich mit dem ICONIC AWARD 2025 in der Kategorie „Concept“ ausgezeichnet – eine Würdigung für seinen „visionären Ansatz, der Nachhaltigkeit, Stadtqualität und hohe architektonische Maßstäbe verzahnt“.</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Central Business Tower: Ein Leuchtturmprojekt</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mittendrin im Wandel: der Central Business Tower (CBT) an der Neuen Mainzer Straße. Mit 205 Metern Höhe und 52 Geschossen wird er ab 2028 nicht nur Büros beherbergen, sondern auch eine Dependance des Museums der Weltkulturen, Gastronomie und öffentliche Aufenthaltsbereiche. Die Commerzbank wird als Alleinmieterin einziehen, doch das Gebäude soll sich bewusst zur Stadt öffnen – ein Novum für das Bankenviertel.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">„Ein zukunftsfähiges Hochhaus muss mehr leisten als ein bloßes architektonisches Statement“</strong>, erklärt Friedbert Greif von AS+P Albert Speer + Partner, die den HEP2024 mitentwickelt haben. Der CBT steht damit für eine neue Generation von Hochhäusern, die sich als integraler Bestandteil eines lebenswerten Stadtgefüges verstehen.</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vier Türme, ein Quartier: Das Hochhausensemble FOUR</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch weiter geht das Projekt FOUR in der Innenstadt: Vier Türme, 290.000 Quadratmeter Gesamtgeschossfläche, davon nur 47 Prozent Büros – der Rest verteilt sich auf Wohnungen, Hotels, Gastronomie, Einzelhandel und soziale Infrastruktur. Seit 2025 ziehen hier die ersten Mieter ein, darunter eine Kita, eine öffentliche Markthalle und eine frei zugängliche Dachterrasse. Das Quartier ist nicht nur ein architektonisches Statement, sondern ein lebendiger Mikrokosmos, der die Prinzipien der europäischen Stadt in die Vertikale überträgt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">„Wir haben hier ein europaweit einzigartiges Nutzungskonzept realisiert“</strong>, sagt Michael Müller von UNStudio, das gemeinsam mit HPP Architekten für die Planung verantwortlich zeichnet. Die Mischnutzung soll die Attraktivität der Innenstadt steigern und gleichzeitig die Herausforderungen der Homeoffice-Ära meistern: Unternehmen locken ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit qualitativ hochwertigen, nachhaltigen Gebäuden und Zusatzangeboten wie Fitnessstudios, Lounges und Kinderbetreuung.</p>
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<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Büromarkt im Umbruch: Mieten steigen, Leerstände bleiben</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch der Wandel hat seinen Preis. Die Büromieten im Bankenviertel klettern auf Rekordniveau: Bis zu 70 Euro pro Quadratmeter werden für Spitzenlagen aufgerufen, tatsächlich liegen die Abschlüsse derzeit zwischen 52 und 60 Euro. International tätige Unternehmen sind solche Preise zwar gewohnt, doch für lokale Akteure wird der Markt zunehmend schwierig. Gleichzeitig steigt die Leerstandsquote auf gut zehn Prozent – ein Zeichen dafür, dass nicht jede Fläche gebraucht wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">„Die Spitzenmieten springen regelrecht nach oben“</strong>, sagt Suat Kurt von JLL. Die Nachfrage nach modernen, nachhaltigen Büros in zentraler Lage bleibt jedoch ungebrochen, vor allem bei Banken, Finanzdienstleistern und Beratern. Der Trend zu gemischten Quartieren wie FOUR oder dem CBT zeigt, dass die Zukunft nicht im reinen Bürohochhaus liegt, sondern in Gebäuden, die „eine Geschichte erzählen“ und Mehrwert bieten.</p>
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<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritik und Chancen: Verdichtung versus Lebensqualität</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht alle sind von der neuen Hochhausstrategie überzeugt. Kritiker monieren, dass die zunehmende Verdichtung die Urbanität eher behindert als fördert. <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">„Ob der massive Baukörper tatsächlich zur Urbanität beiträgt oder nicht viel mehr als abschottende Palisadenwand die Skyline dominiert“</strong>, fragt sich etwa die Frankfurter Rundschau. Doch die Stadt hält an ihrem Kurs fest: Der HEP2024 soll nicht nur neue Hochhäuser ermöglichen, sondern auch klare Standards für Nachhaltigkeit, öffentliche Zugänglichkeit und Quartiersintegration setzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">„Ein zukunftsfähiges Hochhaus muss ein integraler Bestandteil eines lebenswerten, resilienten und mobilitätsorientierten Stadtgefüges sein“</strong>, heißt es im HEP2024. Ob dieser Anspruch gelingt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen – wenn die geplanten 14 neuen Hochhäuser bis 2040 Realität werden.</p>
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<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Frankfurt als Vorbild für Europas Städte?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Frankfurts Hochhausentwicklungsplan 2024 ist mehr als ein städtebauliches Dokument – er ist ein Statement. Die Stadt zeigt, wie Hochhäuser nicht nur als Wirtschaftsmotoren, sondern als lebendige, nachhaltige und soziale Räume funktionieren können. Mit dem ICONIC AWARD 2025 wurde dieser Ansatz international gewürdigt. Doch der Erfolg hängt davon ab, ob es gelingt, die Balance zwischen Verdichtung und Lebensqualität zu halten – und ob andere Metropolen diesem Beispiel folgen werden.</p>
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		<title>Niedernhausen: Wie die Gier nach dem Mehrwert ein Wohnbauprojekt vernichtete</title>
		<link>https://baukunst.art/niedernhausen-wie-die-gier-nach-dem-mehrwert-ein-wohnbauprojekt-vernichtete/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 09:30:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Hessische Planungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunale Bodenordnung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnbau und Renditeerwartung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Musicaltheater, ein ehrgeiziger Investor und eine Gemeinde mit klaren Forderungen: Wie die Divergenz zwischen privatem Renditedenken und öffentlichem Gestaltungsanspruch ein Wohnbauprojekt in Hessen zum Scheitern brachte.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Theater als Auftakt zu einem Abenteuer</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Rhein-Main-Raum gilt als eine der dichtesten Metropolregionen Deutschlands. Die Bodenpreise klettern kontinuierlich nach oben, der Wohnungsmangel ist strukturell, und für Immobilienentwicklerinnen und -entwickler winken fettleibige Margen. Diese vermeintlich idealen Bedingungen hätten auch für Mario von Heesen, einen erfahrenen Investor, das Signalgrün setzen sollen – doch die Geschichte des geplanten „Theaterquartiers&#8220; in Niedernhausen zeigt: Im deutschen Verwaltungsföderalismus gibt es keine Gewaltverträge zwischen privater Gewinnerwartung und kommunaler Gestaltungsverantwortung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heesen erwarb das Areal mit dem ehemaligen Rhein-Main-Theater 2021 von der Feria Bau KG. Das Theater selbst war eine kurze Episode – 1995 mit großen Erwartungen eröffnet, nach knapp drei Jahren und 992 Vorstellungen wieder geschlossen. Seitdem stand das Gebäude weitgehend leer, durchbrochen nur von Zwischennutzungen und gescheiterten Revitalisierungsversuchen. Ein klassisches Brownfield-Szenario also: eine Fläche von 28.500 Quadratmetern, Tiefgarage bereits vorhanden, infrastrukturelle Voraussetzungen gegeben. Für den Entwickler schien dies eine Chance ohne Häkchen zu sein.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das kommunale Gestaltungsrecht als Stolperstein</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heesen präsentierte eine ehrgeizige Idee: das „Theaterquartier&#8220; mit bis zu 400 Wohnungen, ergänzt durch Einzelhandel, Gastronomie und eine Kita. Eine Reaktivierung des stillgelegten Bahnhaltepunkts war vorgesehen, eine Park-and-Ride-Fläche sollte die Verkehrsbilanz verbessern. Auf dem Papier ein zukunftskonformes, nachhaltiges Konzept – das Symbol für die New-Urbanity-Rhetorik der 2020er Jahre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nur: Der damalige Bürgermeister Joachim Reimann (CDU) warnte realistisch vor Planungszeiten von vier bis sechs Jahren. Diese Schätzung erwies sich nicht als pessimistisch, sondern als optimistisch. Denn die Gemeindevertretung Niedernhausens stellte Anforderungen, die nicht im unternehmerischen Geschäftsmodell des Investors vorgesehen waren. Die Kommune pochte auf eine „Flächenübertragung&#8220;: Heesen sollte mindestens die Hälfte des Grundstücks kostenlos an die Gemeinde abtreten, um in Partnerschaft mit der Kommunalen Wohnungsbau gemeindeeigene, preisgedämpfte Wohnungen zu schaffen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dies ist keine wilde Forderung, sondern Ausdruck einer langjährigen Debatte über Bodenordnung und Gemeinwohl. Sie basiert auf der Erkenntnis, dass eine Gemeinde, die aus eigenem Planungsrecht ein Freizeitgelände in kostbares Bauland umwandelt, an diesem Mehrwert partizipieren darf. Das ist die deutsche Planungstradition: Gemeinden werden nicht als bloße Genehmigungsbehörden verstanden, sondern als aktive Gestaltungsakteure mit eigenem Anspruch.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Problem der asymmetrischen Machtverhältnisse</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch an dieser Stelle hätte das System funktionieren können, wenn nicht die Kommunikation selbst gescheitert wäre. Die Forderungen der Gemeinde gingen über die Flächenübertragung hinaus: Heesen sollte für zehn Jahre ein Quartiersmanagement finanzieren und den Betrieb von Einkaufsläden, Gaststätten und Kita garantieren. Die Gemeinde, vertreten durch Bürgermeisterin Lucie Maier-Frutig (CDU), argumentierte, dass ohne diese Garantien der „Mehrwert für die Gemeinde&#8220; nicht realisierbar sei.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heesen hingegen sah sich in eine unmögliche Position geraten. Seine Planung, wie er formulierte, „löste sich in Luft auf&#8220;. Der Investor versuchte Alternativmodelle: einen finanziellen Ausgleich für die Wertsteigerung oder die Reservierung eines Kontingents von Wohnungen für Menschen mit kleinen Einkommen. Beide Vorschläge lehnte die Gemeinde ab – auf Rat einer Fachanwältin aus rechtlichen Gründen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist der kritische Punkt: Heesen berief sich darauf, dass solche Modelle in anderen Kommunen erfolgreich praktiziert werden. Die Gemeinde dagegen bestand darauf, dass genau diese Modelle rechtlich fragwürdig seien. Wer hier recht hat, vermag von außen schwer zu beurteilen. Was sich aber deutlich erkennen lässt, ist eine Differenz in den Planungskulturen, vielleicht sogar ein Generationenkonflikt zwischen zwei Konzeptionen von städtebaulicher Verantwortung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die unbequeme Wahrheit über Landwerte und Gemeinwohl</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bürgermeisterin Maier-Frutig formulierte es prägnant: „Letztlich wäre allein die Renditeerwartung des Eigentümers entscheidend. Das kann nicht Sinn und Zweck zukunftsfähiger städtebaulicher Planungen sein.&#8220; Dieser Satz verdichtet den Konflikt. Er drückt aus, dass die Gemeinde sich einer Logik widersetzt, in der der Boden zum reinen Rohstoff für Kapitalverwertung wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig offenbarte sich die Grenze dieser Haltung: Ohne dass der Investor seinen Geschäftsbetrieb rentabel gestalten kann, wird auch kein Projekt realisiert. Die schöne Vision der preisgedämpften Wohnungen bleibt Vision, wenn der Eigentümer nicht bauen will oder kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Niedernhausen steht damit exemplarisch für ein deutsches Dilemma. Die Wohnungskrise im Rhein-Main-Raum ist strukturell und drängend. Kommunale Gestaltungsansprüche sind berechtigt und notwendig. Aber die Blockade zeigt auch: Wo die Rahmenbedingungen so starr werden, dass private Akteure rational die Hand heben, entsteht leicht Stillstand – und die Flächenkonversion von 28.500 Quadratmetern bringt der Gesellschaft keinen Wohnraum.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Szenarien für einen Ausweg</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bürgermeisterin Maier-Frutig bleibt formal gesprächsbereit: „Wenn der Eigentümer oder ein neuer Investor mit neuen Ideen kommt, kann ein neuer Aufstellungsbeschluss gefasst werden.&#8220; Das klingt hoffnungsvoll, ist aber Politiker-Rhetorik. Die Marktlogik ist nicht außer Kraft: Heesen beklagte sich, dass „neue Ideen Geld kosten&#8220; – und er wolle nicht noch mehr „in den Sand setzen&#8220;.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dennoch: Der Fall bietet regionale Lernpotenziale. Erste Lehre betrifft die Kommunikation zwischen Privat und Öffentlich. Eine frühzeitige und transparente Verhandlung über die Spielregeln hätte möglicherweise zu einem anderen Ergebnis geführt. Zweite Lehre betrifft die Hessische Landesplanung und Kommunalaufsicht: Sollte es nicht Standards geben, wie Bodenwertsteigerungen zwischen privaten Akteuren und Gemeinden geteilt werden können – rechtskonform und praktikabel?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die dritte und tiefste Lehre ist: Wenn der deutsche Sozialstaat Wohnen als Grundrecht versteht, dann können wir nicht dem Markt die Verantwortung allein überlassen. Aber auch nicht der Gemeinde. Hier bräuchte es eine Landespolitik, die Gemeinden mit Mitteln ausstattet, selbst Flächen zu akquirieren oder Modelle zu fördern, die zwischen Gemeinwohl und Rentabilität vermitteln.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Musicaltheater als stille Mahnung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit 2019 steht das Gebäude leer. Die Fassade verwittet, die Tiefgarage rostet vor sich hin. Es ist kein Baudenkmal, aber ein Menetekel: ein Symbol für die Schwierigkeit, im Rhein-Main-Raum nachhaltig und für alle bezahlbar zu bauen. Der Abriss steht „in weiter Ferne&#8220;, wie jemand der Frankfurter Allgemeinen sagte – eine Umschreibung für: vorerst nirgends geplant.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Chance einer Transformation liegt brach. Die Renditeerwartung ist blockiert. Das Gemeinwohl auch. Und die Baukultur? Sie verliert wieder ein Areal, das hätte zeigen können, wie man aus einer Ruine ein Quartier macht. Unter fairen Bedingungen für alle Beteiligten.</p>
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		<title>Hessens umstrittenes Leerstandsgesetz: Regulierung statt Lösungspolitik</title>
		<link>https://baukunst.art/hessens-umstrittenes-leerstandsgesetz-regulierung-statt-loesungspolitik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 09:01:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Leerstandsgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Regionale Wohnungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsmarkt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13677</guid>

					<description><![CDATA[<p>Hessens Landesregierung reagiert auf die Wohnungsknappheit mit einem umstrittenen Instrument: Wer Wohnungen länger als sechs Monate ohne Genehmigung leerstehen lässt, riskiert künftig Bußgelder bis zu 500.000 Euro. Das Leerstandsgesetz ist ein Regulierungsinstrument mit Grenzen – und offenbart eine tiefere Planungskrise.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/hessens-umstrittenes-leerstandsgesetz-regulierung-statt-loesungspolitik/">Hessens umstrittenes Leerstandsgesetz: Regulierung statt Lösungspolitik</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Symptombekämpfung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit hohen Bußgeldern gegen spekulativen Leerstand vorzugehen, klingt nach konsequenter Wohnungspolitik. Doch die hessische Landesregierung adressiert damit eher ein Symptom als die Krankheit selbst. Die Fakten sind eindeutig: 3,9 Prozent der hessischen Wohnungen stehen leer – etwa 122.000 Einheiten. In Frankfurt sind es rund 13.000, in Wiesbaden etwa 5.000. Diese Zahlen stammen allerdings aus dem Zensus 2022 und sind teilweise veraltet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) verteidigt die Pläne mit dem Argument, dass es in zehn Jahren grüner Regierungsbeteiligung kein Leerstandsgesetz gab. &#8222;Die Menschen haben lange auf ein solches Gesetz gewartet&#8220;, zeigte sich der Minister überzeugt. Eine bemerkenswerte Aussage, wenn man bedenkt, dass die Menschen eigentlich auf neue Wohnungen warten – nicht auf neue Gesetze.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regulierung statt Neubau</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dies ist der zentrale Kritikpunkt aller Experten der Wohnungswirtschaft, die in der parlamentarischen Anhörung zu Wort kamen: Das Leerstandsgesetz schafft keine einzige neue Wohnung. Im besten Fall verschiebt es Bestandswohnungen vom Leerstand in die Vermietung – eine verteilende Maßnahme, nicht eine schöpfende. Für eine Region wie der Rhein-Main-Region mit chronischer Wohnungsknappheit ist dies ein fundamentales Defizit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) warnt zurecht davor, dass Investitionen in bestehende Wohnungen durch die neuen Regelungen erschwert werden. &#8222;Spekulativer Leerstand von Wohnraum ist die absolute Ausnahme auf dem Wohnungsmarkt&#8220;, stellt Thomas Reimann, Vizepräsident der VhU, klar. Eine Beobachtung, die nahegelegene: Wer spekuliert auf Leerstand, wenn man damit ohnehin kaum Rendite macht? Das klassische Leerstandsproblem entsteht nicht durch Spekulation, sondern durch Sanierungsbedarf, Erbstreitigkeiten oder tatsächlich reguläre Fluktuationsvakanzien.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die administrative Belastung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">FDP-Fraktionschef Stefan Nass nennt das geplante System zu Recht ein &#8222;Bürokratiemonster&#8220;. Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass Gemeinden mit angespanntem Wohnungsmarkt Satzungen erlassen dürfen, die spekulativen Leerstand vermeiden sollen. Damit erhalten sie umfangreiche Befugnisse: Sie dürfen Daten erheben, Vermieter befragen, in Wohnungen eindringen und anordnen, dass ungenutzte Einheiten wieder vermietet werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für kleine Vermietungen und Privatpersonen wird dies zur administrativen Last. Ein Architekt, der sein Haus saniert, ein Erbe, der noch nicht entschieden hat, was mit der geerbten Wohnung geschieht – beide geraten unter Druck. Die Ausnahmeregelungen sind zwar vorgesehen (Erbstreitigkeiten, wirtschaftliche Unzumutbarkeit von Sanierungen, öffentliche Interessen), doch wer trägt die Beweislast? Die Praxis wird zeigen, wie restriktiv Kommunen diese Vorschriften handhaben.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Marktdynamik braucht Leerstand</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein oft übersehener Punkt: Immobilienmärkte funktionieren nur mit einem gewissen Maß an Leerstand. Niemand kann in eine Wohnung einziehen, die nicht leer ist. Ein Vakanzquote von 3-5 Prozent gilt in der Stadtplanung als gesund, weil sie Mobilität ermöglicht. Zu aggressives Vorgehen gegen Leerstand kann paradox wirken: Es verteuert das Umziehen und reduziert Wohnungswechsel – was gerade für Familien mit wachsenden Kindern problematisch ist.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Grünen sehen zu viele Schlupflöcher</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Von links kommt eine andere Kritik: Die Grünen monieren zu viele Ausnahmeregelungen. &#8222;Was uns CDU und SPD heute vorgelegt haben, ist löchrig wie ein Schweizer Käse&#8220;, kritisierte Mirjam Glanz. Die Fraktion fordert ein schärferes Vorgehen und möchte zudem den Schutz vor Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen stärker gesetzlich verankern – eine berechtigte Sorge angesichts der Realität in der Rhein-Main-Region, wo Haushalte mit geringem Einkommen zunehmend verdrängt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier offenbaren sich die strukturellen Grenzen des Gesetzes: Es adressiert Leerstand, nicht Verdrängung. Wenn Wohnungen saniert und dann zu höheren Mieten vermietet oder in Eigentumswohnungen umgewandelt werden, ist das formal legal – auch wenn es zum selben Problem führt wie Leerstand: Menschen finden keine bezahlbaren Wohnungen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wiesbaden als Vorreiter – ein Feldversuch</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landeshauptstadt Wiesbaden bereitet bereits eine entsprechende Satzung vor, um handeln zu können, sobald das Gesetz beschlossen ist. Dies ist eine wichtige Chance zu beobachten, wie die Regulierung in der Praxis funktioniert. Werden tatsächlich Wohnungen aktiviert? Oder laufen Vermietungen und Verwaltung ins Leere? Die Antworten werden zeigen, ob dieses Instrument taugt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was wirklich hilft: Neubau und Planung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während sich die Debatte um Leerstandssatzungen dreht, bleibt die zentrale Aufgabe ungelöst: Hessen und die Rhein-Main-Region brauchen Tausende neue Wohnungen, nicht Regulierung von Bestand. Die FDP hingegen argumentiert, dass &#8222;fast alle Experten der Wohnungswirtschaft&#8220; während der Anhörung vor dieser Regulierung gewarnt haben – nicht weil sie gegen Leerstandbekämpfung sind, sondern weil sie Investitionen abschreckt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was Hessens Wohnungsmarkt wirklich bräuchte: Vereinfachte Baugenehmigungsverfahren, stärkere Förderung von Neubau, eine konsistente Flächenpolitik und klare Anforderungen an Gemeinden zur Ausweisung von Bauland. Solche Maßnahmen würden tatsächlich neue Wohnungen schaffen – und damit Druck vom Markt nehmen. Wer genügend Angebot hat, spekuliert nicht.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Ein Instrument mit Grenzen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das hessische Leerstandsgesetz ist auf sieben Jahre befristet – eine Vorsichtsmaßnahme, die Sinn ergibt. Es könnte helfen, eine kleine Menge vergeblich leergehaltener Wohnungen auf den Markt zu bringen. Damit die Menschen in Hessen aber wirklich Wohnungen finden, braucht es mehr: Neubau, Planung, Investition. Regulierung allein wird das Wohnungsproblem nicht lösen. Sie kann es auch nicht. Ein gutes Gesetz weiß um seine eigenen Grenzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/hessens-umstrittenes-leerstandsgesetz-regulierung-statt-loesungspolitik/">Hessens umstrittenes Leerstandsgesetz: Regulierung statt Lösungspolitik</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Vom Arbeiterbad zur Hochkultur: Schweinfurts mutiger Weg zur Kunststadt</title>
		<link>https://baukunst.art/vom-arbeiterbad-zur-hochkultur-schweinfurts-mutiger-weg-zur-kunststadt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Sep 2025 09:36:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Industriekultur]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Schweinfurt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schweinfurts Kunsthalle zeigt, wie aus einem 1927 gestifteten Hallenbad ein moderner Kunsttempel wurde – und die Familie Sachs drei Generationen lang Industriekultur prägt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Die Kunsthalle Schweinfurt als Bühne der Familie Sachs</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein industrielles Erbe wird zur kulturellen Visitenkarte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kunsthalle Schweinfurt verkörpert wie kaum ein anderes Gebäude in der unterfränkischen Industriestadt die Transformation vom funktionalen Zweckbau zum kulturellen Leuchtturm. Was 1927 als Ernst-Sachs-Bad eröffnet wurde, präsentiert sich heute als moderne Kunsthalle – und wird erneut zum Schauplatz der Familiengeschichte Sachs. Mit der Ausstellung „Rolf Sachs: be-rühren&#8220; kehrt die Industriellendynastie an ihren architektonischen Ursprungsort zurück.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Schwimmhalle wird Kunsthalle: Eine architektonische Metamorphose</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Umbau des Ernst-Sachs-Bads zur Kunsthalle gehört zu den bemerkenswerten Konversionsprojekten der jüngeren bayerischen Museumsarchitektur. Die ursprüngliche Hallenstruktur mit ihrer charakteristischen Weiträumigkeit bot ideale Voraussetzungen für die neue Nutzung. Wo einst das 50-Meter-Becken seine Bahnen zog, erstrecken sich heute großzügige Ausstellungsflächen. Die hohen Decken, einst akustische Herausforderung für jeden Bademeister und jede Bademeisterin, schaffen heute die nötige Raumhöhe für monumentale Kunstwerke.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektur des ursprünglichen Bads folgte der Reformbewegung der 1920er Jahre: funktional, hygienisch, modern. Diese Prinzipien ließen sich erstaunlich gut in die Gegenwart übersetzen. Die klare Raumaufteilung, die sachliche Formensprache und die strukturierte Wegeführung funktionieren als White Cube ebenso gut wie als Schwimmhalle. Die Transformationsarchitekten bewahrten bewusst Spuren der Vergangenheit: Fliesenfragmente, Umkleidekabinen-Strukturen oder die charakteristischen Oberlichter wurden in das neue Konzept integriert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Industriekultur trifft Gegenwartskunst</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schweinfurt, die Stadt der Kugellager und Fahrradnaben, hat mit der Kunsthalle einen architektonischen Brückenschlag zwischen industriellem Erbe und zeitgenössischer Kultur gewagt. Ernst Sachs, Erfinder des Fahrrad-Freilaufs und Gründer von Fichtel &amp; Sachs, hätte diese Entwicklung vermutlich mit wohlwollender Skepsis betrachtet. Sein Geschenk an die Stadt – das Hallenbad zum 60. Geburtstag 1927 – war Ausdruck paternalistischer Industriellenverantwortung und gleichzeitig Monument des technischen Fortschritts.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die heutige Kunsthalle ehrt dieses Erbe durch eine sensible architektonische Übersetzung. Die industrielle DNA des Gebäudes bleibt lesbar: Die konstruktive Ehrlichkeit der Stahlbetonkonstruktion, die pragmatische Materialwahl und die effiziente Raumausnutzung sprechen die Sprache der Moderne. Gleichzeitig öffnet sich der Raum für die spielerisch-kritischen Interventionen eines Rolf Sachs, der mit seinem multidisziplinären Werk zwischen Design, Fotografie und Skulptur genau jene Grenzen überschreitet, die sein Urgroßvater noch klar definiert sah.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Baukultur im Wandel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall der Kunsthalle Schweinfurt illustriert exemplarisch die Herausforderungen mittelfränkischer Städte im Umgang mit ihrem baulichen Erbe. Die Entscheidung, das Schwimmbad nicht abzureißen, sondern umzunutzen, folgt einem in Bayern zunehmend praktizierten Modell der behutsamen Stadterneuerung. Anders als in den Metropolregionen München oder Nürnberg musste Schweinfurt dabei eigene Wege finden: Ohne die finanziellen Möglichkeiten einer Landeshauptstadt, aber mit dem unbedingten Willen zur kulturellen Profilierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bayerische Landesbauordnung bot dabei durchaus Spielräume für die Umnutzung. Brandschutz- und Fluchtwegkonzepte mussten neu gedacht, barrierefreie Erschließungen nachgerüstet werden. Die lokalen Planerinnen und Planer bewiesen dabei Fingerspitzengefühl: Statt maximaler Verdichtung setzten sie auf großzügige Raumfolgen, statt spektakulärer Gesten auf zurückhaltende Eleganz.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Familienchronik in Beton</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit der Ausstellung „Rolf Sachs: be-rühren&#8220; schließt sich ein Kreis. 2013 zeigte die Kunsthalle bereits die Sammlung Gunter Sachs – Rolf Sachs&#8216; Vater und Sohn des Firmengründers. Nun präsentiert der Enkel sein eigenes künstlerisches Werk in jenem Gebäude, das der Urgroßvater der Stadt schenkte. Diese generationenübergreifende Kontinuität ist in der deutschen Museumslandschaft selten geworden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rolf Sachs&#8216; Werk „Angst&#8220; – eine hölzerne Schraubzwinge, die verschiedene Objekte unter Druck zusammenpresst – könnte als Metapher für die architektonische Transformation gelesen werden: Der Druck ökonomischer Zwänge, demografischer Wandel und kultureller Anspruchshaltungen haben das Gebäude in seine neue Form gepresst. Doch anders als in Sachs&#8216; beklemmender Installation hat dieser Druck etwas Produktives hervorgebracht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektur als sozialer Kondensator</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kunsthalle Schweinfurt funktioniert heute als das, was Stadtplaner und Stadtplanerinnen einen „sozialen Kondensator&#8220; nennen: Ein Ort, an dem sich unterschiedliche Milieus begegnen. Die Arbeiterschaft der verbliebenen Industrie trifft auf das Bildungsbürgertum, Schulklassen auf Kunsttouristen aus Würzburg oder Bamberg. Die Architektur unterstützt diese Begegnungen durch ihre demokratische Offenheit: Keine einschüchternden Tempelportale, keine elitären Schwellenängste.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die räumliche Großzügigkeit des ehemaligen Schwimmbads ermöglicht es, auch Rolf Sachs&#8216; raumgreifende Installationen angemessen zu präsentieren. Seine „Camera in Motion&#8220;-Serie, entstanden aus fahrenden Zügen heraus, findet in den langgestreckten Galerien den nötigen Betrachtungsabstand. Der halbierte Stuhl „Koln, Half Chair&#8220; lehnt an Wänden, die einst Umkleidekabinen trugen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Modell für Mittelstädte?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Schweinfurter Lösung könnte Modellcharakter für andere bayerische Mittelstädte entwickeln. Aschaffenburg, Kempten oder Straubing stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Wie lassen sich Schwimmbäder, Turnhallen oder Markthallen der Nachkriegszeit sinnvoll weiternutzen? Die Kunsthalle zeigt: Es braucht Mut zur Transformation, aber auch Respekt vor dem Bestand. Es braucht lokale Akteure mit Vision, aber auch überregionale Vernetzung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Finanzierung solcher Projekte bleibt freilich die Achillesferse. Ohne die Unterstützung durch Stiftungen, Fördervereine und private Mäzene wäre auch die Schweinfurter Transformation nicht möglich gewesen. Hier zeigt sich die Ambivalenz des deutschen Kulturföderlismus: Einerseits ermöglicht er regional angepasste Lösungen, andererseits fehlt oft die kritische Masse für nachhaltige Kulturfinanzierung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Industriekultur als Chance</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung „Rolf Sachs: be-rühren&#8220; läuft noch bis zum 5. Oktober 2025. Sie markiert einen Höhepunkt in der noch jungen Geschichte der Kunsthalle, aber hoffentlich nicht ihren Zenit. Die architektonische Hülle hat bewiesen, dass sie flexibel genug für unterschiedlichste kuratorische Konzepte ist. Von der klassischen Moderne der Sammlung Gunter Sachs bis zur zeitgenössischen Konzeptkunst seines Sohnes – der Raum trägt beides.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Schweinfurt bedeutet die gelungene Transformation eine Stärkung der städtischen Identität jenseits der Industrie. Die Kunsthalle ist zum Kristallisationspunkt einer neuen Erzählung geworden: Eine Stadt, die ihre industrielle Vergangenheit nicht verleugnet, sondern kulturell veredelt. Eine Stadt, in der die Familie Sachs nicht nur Fahrradnaben produzierte, sondern drei Generationen lang Kultur förderte und gestaltete.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektur der Kunsthalle steht damit symbolisch für einen größeren Transformationsprozess: Aus der Industriestadt wird eine Kulturstadt – nicht durch Verdrängung, sondern durch intelligente Überlagerung. Das Ernst-Sachs-Bad mag seine Funktion verloren haben, als Kunsthalle aber hat es eine neue Bestimmung gefunden. Wie Rolf Sachs&#8216; durchlöcherte Schaufel „Sisyphos&#8220; hat auch das Gebäude seine ursprüngliche Funktion eingebüßt – und gerade dadurch künstlerische Relevanz gewonnen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Besucherhinweis</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">„Rolf Sachs: be-rühren&#8220;</strong> Kunsthalle Schweinfurt Laufzeit: 18. Juli bis 5. Oktober 2025</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung zeigt über 150 Werke des Künstlers und Designers Rolf Sachs aus drei Jahrzehnten seines Schaffens – von Möbeln über Fotografien und Skulpturen bis zu aktuellen Malereien. Begleitend zur Ausstellung ist eine umfassende Monographie im Distanz Verlag, Berlin, erschienen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Architektur-Tipp:</strong> Nehmen Sie sich Zeit, auch die baulichen Spuren der Transformation vom Ernst-Sachs-Bad zur Kunsthalle zu entdecken. Achten Sie auf erhaltene Fliesenfragmente, die charakteristischen Oberlichter und die großzügige Raumstruktur der ehemaligen Schwimmhalle. Ein Rundgang durch das Gebäude ist auch eine Reise durch 100 Jahre Schweinfurter Industriegeschichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Anreise:</strong> Schweinfurt ist verkehrsgünstig gelegen und sowohl mit dem Auto (A70/A71) als auch mit der Bahn (ICE-Halt Würzburg, dann Regionalverbindung) gut erreichbar. Die Kunsthalle liegt zentrumsnah mit Parkmöglichkeiten in der Umgebung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aktuelle Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Führungstermine sowie Informationen zum Begleitprogramm finden Sie auf der Website der Kunsthalle Schweinfurt. Für Architekturinteressierte werden auf Anfrage auch spezielle Führungen zur Gebäudegeschichte und Transformation angeboten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kombinationstipp:</strong> Verbinden Sie Ihren Besuch mit einem Rundgang durch Schweinfurts Industriearchitektur – das Museum Georg Schäfer (Architekt: Volker Staab) und weitere Zeugnisse der Industriekultur sind fußläufig erreichbar.</p>
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		<title>Wenn der Staat als Eigentümer versagt: Frankfurts Immobilienmisere</title>
		<link>https://baukunst.art/wenn-der-staat-als-eigentuemer-versagt-frankfurts-immobilienmisere/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Sep 2025 09:17:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunalverwaltung]]></category>
		<category><![CDATA[Leerstandsmanagement]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungspolitik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13355</guid>

					<description><![CDATA[<p>Frankfurts kommunaler Leerstand entlarvt das Versagen städtischer Immobilienverwaltung - während Tausende eine Wohnung suchen, verrotten städtische Gebäude.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Frankfurts Leerstandsparadoxon</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Ironie der leeren Räume</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Frankfurt am Main, die Stadt der Bankentürme und des chronischen Wohnungsmangels, offenbart ein Paradoxon, das symptomatisch für die deutsche Wohnungspolitik steht: Während Bürgerinnen und Bürger verzweifelt nach bezahlbarem Wohnraum suchen, verfallen städtische Immobilien im Dornröschenschlaf. Die Mainmetropole kämpft nicht nur mit privatem, sondern vor allem mit kommunalem Leerstand – ein Armutszeugnis für eine Stadt, die sich gerne als dynamischer Wirtschaftsstandort präsentiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der städtische Wohnungsbestand weist erheblichen Leerstand auf, während gleichzeitig die Mietpreise in schwindelerregende Höhen klettern. Diese Schieflage ist nicht nur ein Frankfurter Phänomen, sondern zeigt sich in unterschiedlicher Ausprägung in vielen hessischen Kommunen und darüber hinaus. Der kürzlich angekündigte Gesetzesentwurf des hessischen Wirtschaftsministers Kaweh Mansoori zur Bekämpfung des Wohnungsleerstandes könnte Frankfurt in die kuriose Situation bringen, Bußgeldbescheide gegen sich selbst zu erlassen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Verwaltungsversagen als Strukturproblem</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Situation in Frankfurt illustriert ein tiefgreifendes Strukturproblem deutscher Kommunalverwaltungen: fehlende Kompetenzen im professionellen Immobilienmanagement. Baudezernentin Sylvia Weber steht exemplarisch für eine Generation von Kommunalpolitikerinnen und -politikern, die zwischen ideologischen Träumereien und praktischen Zwängen zerrieben werden. Ihr Verständnis für linksextreme Hausbesetzergruppen und der Versuch, gegen rechtliche Bedenken Nutzungsverträge abzuschließen, zeigt eine Realitätsferne, die sich keine moderne Stadtverwaltung leisten kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bereits im Herbst 2023 forderte das Stadtparlament eine Neuordnung des Liegenschaftsmanagements. Die magere Bilanz nach über einem Jahr: Ein einziges Pilotprojekt für die Konzeptvergabe eines leerstehenden Gebäudes im Ostend. Diese Trägheit ist umso unverständlicher, als Frankfurt über eine gut aufgestellte kommunale Wohnungsbaugesellschaft verfügt. Die ABG Holding könnte mit ihrer Expertise das Problem professionell angehen – wenn man sie denn ließe.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Besonderheiten und überregionale Lehren</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die hessische Bauordnung bietet durchaus Spielräume für kreative Lösungen. Zwischennutzungen, temporäre Umnutzungen und vereinfachte Genehmigungsverfahren sind möglich, werden aber zu selten genutzt. Frankfurt könnte hier von kleineren hessischen Kommunen lernen, die pragmatischer mit ihrem Bestand umgehen. In Offenbach etwa werden leerstehende Gewerbeflächen erfolgreich in Künstlerateliers umgewandelt, in Darmstadt entstehen in ehemaligen Verwaltungsgebäuden studentische Wohnprojekte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frankfurter Situation spiegelt auch die spezifische Dynamik einer prosperierenden Metropolregion wider: Hoher Investitionsdruck trifft auf träge Verwaltungsstrukturen, internationale Kapitalströme auf lokale Planungskulturen. Die Stadt verfügt über alle notwendigen Instrumente – von Vorkaufsrechten über Erhaltungssatzungen bis zu Konzeptvergaben –, scheitert aber an deren konsequenter Anwendung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der politische Druck wächst</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Oberbürgermeister Mike Josef hat erkannt, dass die Leerstandsproblematik zur Achillesferse seiner SPD werden könnte. Mit Blick auf die Kommunalwahl 2026 erhöht er nun den Druck auf seine Parteikollegin Weber. Die Einbindung der ABG ist ein richtiger Schritt, kann aber nur der Anfang sein. Die katastrophale Situation bei Schulsanierungen und -neubauten verschärft Webers Position zusätzlich. Ihre mögliche Ablösung wäre nicht nur personalpolitisch, sondern auch strukturell notwendig.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Handlungsoptionen zwischen Pragmatismus und Vision</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Frankfurt braucht keine weiteren Grundsatzdebatten, sondern praktische Lösungen. Die Übertragung städtischer Wohnimmobilien an die ABG oder professionelle private Bewirtschafter wäre ein pragmatischer Schritt. Gleichzeitig könnten innovative Vergabemodelle wie Erbbaurecht, Genossenschaften und Konzeptvergaben den Markt beleben. Die Stadt Hamburg macht vor, wie kommunales Immobilienmanagement funktionieren kann: klare Zuständigkeiten, professionelle Strukturen, transparente Prozesse.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders brisant: Während Frankfurt mit seinem eigenen Leerstand hadert, macht die Stadt Privateigentümern umfangreiche Vorschriften. Diese Doppelmoral untergräbt die Glaubwürdigkeit kommunaler Wohnungspolitik. Ein modernes Leerstandskataster, digitale Verwaltungsprozesse und ein professionelles Asset Management sind keine Luxusprojekte, sondern Grundvoraussetzungen zeitgemäßer Stadtentwicklung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit als vergessene Dimension</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jeder Tag Leerstand bedeutet nicht nur entgangene Mieteinnahmen, sondern auch energetischen und baulichen Verfall. In Zeiten der Klimakrise ist ungenutzter, beheizter Wohnraum ein ökologischer Skandal. Die graue Energie bestehender Gebäude wird verschwendet, während andernorts energieintensive Neubauten entstehen. Eine konsequente Leerstandsbekämpfung wäre aktiver Klimaschutz.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Zeit für einen Paradigmenwechsel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Frankfurts Leerstandsproblematik ist ein Lehrstück über die Grenzen kommunaler Selbstverwaltung im 21. Jahrhundert. Städte sind keine Immobilienunternehmen und sollten es auch nicht versuchen zu sein. Die Fokussierung auf Kernkompetenzen – Planung, Steuerung, Kontrolle – bei gleichzeitiger Professionalisierung der operativen Ebene ist überfällig. Das angekündigte Landesgesetz könnte den notwendigen Druck erzeugen, sollte aber von proaktiven kommunalen Initiativen begleitet werden. Frankfurt hat die Chance, aus einem Skandal eine Erfolgsgeschichte zu machen – wenn der politische Wille endlich dem Problem angemessen ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<item>
		<title>Transformation mit Weitblick: Das Wiesbadener Palasthotel als Modell adaptiver Umnutzung</title>
		<link>https://baukunst.art/transformation-mit-weitblick-das-wiesbadener-palasthotel-als-modell-adaptiver-umnutzung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Aug 2025 08:55:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Adaptive Umnutzung]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtlingsunterbringung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wiesbadens Palasthotel wird zur Unterkunft für Geflüchtete - ein mutiges Experiment, das zeigt, wie historische Architektur und soziale Verantwortung eine zukunftsweisende Symbiose eingehen können.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/transformation-mit-weitblick-das-wiesbadener-palasthotel-als-modell-adaptiver-umnutzung/">Transformation mit Weitblick: Das Wiesbadener Palasthotel als Modell adaptiver Umnutzung</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Recht auf Stadt: Wie das Palasthotel soziale Gerechtigkeit baut</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Grandezza auf Humanität trifft</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die hessische Landeshauptstadt schreibt Architekturgeschichte der besonderen Art: Das traditionsreiche Palasthotel am Kaiser-Friedrich-Ring wird zur Unterkunft für Geflüchtete umgewidmet. Was auf den ersten Blick wie ein Paradoxon wirkt – prunkvolle Hotelarchitektur trifft auf pragmatische Notwendigkeit – entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als wegweisendes Beispiel adaptiver Nachnutzung. Ein Lehrstück über die Wandlungsfähigkeit gebauter Strukturen und die Verantwortung kommunaler Planungskultur.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisches Erbe im Wandel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das 1905 errichtete Palasthotel verkörpert die wilhelminische Bäderarchitektur in ihrer reinsten Form. Mit seiner neobarocken Fassade, den großzügigen Treppenhäusern und den hohen Decken repräsentiert es jene Epoche, als Wiesbaden sich als mondänes Weltbad inszenierte. Die Architekten Fellner und Helmer schufen seinerzeit einen Bau, der mit 4.800 Quadratmetern Nutzfläche und ursprünglich 120 Zimmern zu den größten Hotelbauten der Region zählte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die bauliche Substanz – massive Ziegelwände, großzügige Raumhöhen von bis zu 3,80 Metern und eine robuste Stahlbetondeckenkonstruktion aus den 1920er Jahren – prädestiniert das Gebäude geradezu für eine Umnutzung. Anders als viele Hotelbauten der Nachkriegszeit verfügt das Palasthotel über jene strukturelle Flexibilität, die Architektinnen und Planer heute als &#8222;resiliente Architektur&#8220; bezeichnen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hessische Bauordnung als Wegbereiter</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Transformation wurde durch die novellierte Hessische Bauordnung (HBO) von 2018 erheblich erleichtert. Paragraph 51 ermöglicht bei Nutzungsänderungen bestehender Gebäude Abweichungen von aktuellen Standards, sofern die Schutzziele eingehalten werden. Diese pragmatische Herangehensweise unterscheidet Hessen von restriktiveren Bundesländern wie Bayern oder Baden-Württemberg, wo vergleichbare Projekte oft am Bestandsschutz scheitern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Wiesbadener Bauamt nutzte zudem die Experimentierklausel des Paragraphen 69a HBO, um innovative Lösungen für Brandschutz und Barrierefreiheit zu entwickeln. Statt kostenintensiver Vollsanierung setzte man auf intelligente Ertüchtigungsmaßnahmen: Brandschutztüren in den historischen Zargen, dezentrale Lüftungsanlagen statt zentraler Klimatechnik, modulare Sanitäreinheiten in den ehemaligen Suiten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Akteure im Dialog</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Umnutzung gelang durch das konstruktive Zusammenspiel regionaler Akteure. Die Architektin Margarete Schneider vom Wiesbadener Büro &#8222;Raum.Wandel&#8220; entwickelte gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen ein Konzept, das historische Substanz bewahrt und gleichzeitig zeitgemäße Wohnstandards schafft. &#8222;Wir verstehen das Gebäude als Palimpsest&#8220;, erläutert Schneider, &#8222;jede Nutzungsschicht fügt eine neue Erzählung hinzu, ohne die vorherigen auszulöschen.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die Rolle der Handwerkskammer Wiesbaden, die das Projekt als Ausbildungsbaustelle nutzt. Auszubildende verschiedener Gewerke – von Maurern über Elektriker bis zu Anlagenmechanikerinnen – arbeiten unter Anleitung an der Sanierung mit. Diese Integration schafft nicht nur Akzeptanz in der Bevölkerung, sondern adressiert auch den regionalen Fachkräftemangel.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Städtebauliche Integration statt Isolation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Anders als bei vielen Unterbringungsprojekten in peripheren Lagen liegt das Palasthotel im Herzen Wiesbadens. Die zentrale Lage am Kaiser-Friedrich-Ring, nur 800 Meter vom Hauptbahnhof entfernt, ermöglicht den Bewohnerinnen und Bewohnern direkten Zugang zu städtischer Infrastruktur. Diese bewusste Entscheidung gegen räumliche Segregation folgt den Empfehlungen des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration, das seit 2019 dezentrale Unterbringung in bestehenden Quartieren favorisiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die umliegenden Gründerzeitviertel mit ihrer heterogenen Bewohnerschaft bieten ideale Voraussetzungen für Integration. Das benachbarte Westend, traditionell von kultureller Vielfalt geprägt, verfügt über etablierte Sozialstrukturen, Bildungseinrichtungen und ein dichtes Netz zivilgesellschaftlicher Initiativen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Klimaanpassung als Nebeneffekt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die energetische Ertüchtigung des Gebäudes folgt dem Hessischen Energiegesetz (HEG) und nutzt Fördermittel aus dem Programm &#8222;Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen&#8220;. Die Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Flachdach des rückwärtigen Anbaus, kombiniert mit einer Wärmepumpenanlage, reduziert die Betriebskosten erheblich. Die historischen Kastenfenster wurden durch spezialgefertigte Isolierglasfenster in originalgetreuer Optik ersetzt – eine Lösung, die das Denkmalamt nach intensiven Verhandlungen akzeptierte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein innovatives Regenwassermanagement mit Zisternen im ehemaligen Weinkeller und begrünten Innenhöfen verbessert das Mikroklima. Diese Maßnahmen positionieren das Projekt als Modell für klimagerechte Bestandssanierung im Rhein-Main-Gebiet, wo sommerliche Hitzeperioden zunehmend zur Herausforderung werden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Finanzarchitektur und Förderkulisse</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Finanzierung des 12-Millionen-Euro-Projekts basiert auf einem komplexen Fördergerüst. Neben Bundesmitteln aus dem Programm &#8222;Sanierung kommunaler Einrichtungen&#8220; fließen Gelder aus dem Hessischen Investitionsprogramm &#8222;Zukunft Wohnen&#8220; und dem Europäischen Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF). Die Stadt Wiesbaden steuert 2,8 Millionen Euro aus dem kommunalen Haushalt bei – eine Investition, die sich durch eingesparte Kosten für Notunterkünfte binnen fünf Jahren amortisiert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Reflexion und Ausblick</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei aller Innovation bleiben Herausforderungen: Die Umnutzung historischer Hotelarchitektur für soziale Zwecke wirft Fragen nach der Reversibilität auf. Was geschieht, wenn der akute Bedarf sinkt? Das Wiesbadener Modell antwortet mit einem flexiblen Raumkonzept, das perspektivisch auch studentisches Wohnen oder Mikroapartments ermöglicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Stimmen aus der Denkmalpflege bemängeln den Verlust originaler Ausstattungselemente. Tatsächlich mussten die prächtigen Stuckdecken in den Gesellschaftsräumen brandschutztechnischen Abhangdecken weichen. Hier offenbart sich der klassische Zielkonflikt zwischen Substanzerhalt und zeitgemäßer Nutzung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die eigentliche Leistung des Wiesbadener Projekts liegt in seiner Vorbildfunktion für andere hessische Kommunen. Frankfurt prüft bereits die Umnutzung des leerstehenden Grandhotels am Palmengarten, Darmstadt evaluiert ähnliche Optionen für das ehemalige Prinz-Heinrich-Hotel. Das Palasthotel wird zum Katalysator einer neuen Umnutzungskultur, die soziale Verantwortung und baukulturelles Erbe nicht als Gegensätze, sondern als sich ergänzende Qualitäten begreift.</p>
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		<item>
		<title>Frankfurts demokratischer Kraftakt: Bürger gestalten das Haus der Demokratie</title>
		<link>https://baukunst.art/frankfurts-demokratischer-kraftakt-buerger-gestalten-das-haus-der-demokratie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Aug 2025 08:48:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerbeteiligung Frankfurt]]></category>
		<category><![CDATA[Haus der Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Paulskirche]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Frankfurt ringt um sein Haus der Demokratie: 10 Entwürfe, 6 Wochen Bürgerbeteiligung und eine Grundsatzfrage - darf man den symbolträchtigen Paulsplatz bebauen?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Frankfurts demokratischer Kraftakt: Bürger gestalten das Haus der Demokratie</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Paulsplatz, zehn Visionen und tausende Stimmen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Frankfurt am Main erlebt derzeit einen demokratischen Moment von seltener Intensität. 128 Architekturbüros aus dem In- und Ausland beteiligten sich am Ideenwettbewerb für das geplante Haus der Demokratie, das künftig die Paulskirche als nationales Demokratiedenkmal ergänzen soll. Die zehn prämierten Entwürfe, die seit dem 18. August in der Wandelhalle der Paulskirche und auf dem Paulsplatz ausgestellt sind, spiegeln nicht nur architektonische Vielfalt wider – sie verkörpern unterschiedliche Demokratieverständnisse und provozieren eine längst überfällige Debatte über Frankfurts städtebauliche Identität als Wiege der deutschen Demokratie.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bandbreite der Vorschläge könnte kaum größer sein: Das Frankfurter Büro schneider+schumacher schlägt ein zerklüftetes Gebäude aus Mainsandstein vor, das auf einem Wald aus weißen Säulen über dem Paulsplatz schwebt, während andere Planungsteams eine behutsame Aufstockung der bestehenden Kämmerei favorisieren. Diese architektonische Diversität ist kein Zufall, sondern bewusste Strategie. &#8222;Es ging um den Erkenntnisgewinn&#8220;, betont Christa Reicher, Vorsitzende des Preisgerichts, und macht damit deutlich, dass der Wettbewerb mehr war als eine bloße Entwurfsübung – er ist ein Laboratorium demokratischer Stadtentwicklung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hessische Eigenarten: Zwischen Bürgerstolz und Bundesambitionen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frankfurter Diskussion um das Haus der Demokratie offenbart exemplarisch hessische Planungskultur: pragmatisch, bürgernah und doch mit einem ausgeprägten Bewusstsein für die nationale Bedeutung des Projekts. Oberbürgermeister Mike Josef macht keinen Hehl daraus, dass er eine Bebauung des Paulsplatzes ablehnt und stattdessen einen Umbau des bestehenden Kämmereigebäudes favorisiert. Diese Position ist mehr als persönliche Präferenz – sie spiegelt eine spezifisch frankfurterische Sensibilität wider, die den öffentlichen Raum als demokratisches Gut versteht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die hessische Landesbauordnung ermöglicht hier Spielräume, die andere Bundesländer nicht bieten. Besonders die Möglichkeit, Bestandsbauten durch Aufstockungen zu erweitern, ohne dabei die strengen Abstandsflächenregelungen für Neubauten einhalten zu müssen, eröffnet kreative Lösungsansätze. Diese regulatorische Flexibilität, gepaart mit Frankfurts Tradition als Freie Reichsstadt, schafft ein Planungsklima, das experimentierfreudiger ist als in manch anderer deutscher Großstadt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessant ist auch die Finanzierungsstruktur: Sowohl für das Haus der Demokratie als auch für die anstehende Sanierung der Paulskirche wird derzeit mit Kosten von jeweils rund 75 Millionen Euro gerechnet. Eine Beteiligung von Bund und Land wird angestrebt. Diese Kostenteilung unterstreicht die überregionale Bedeutung des Projekts, wirft aber auch Fragen nach der Deutungshoheit auf. Wer zahlt, bestimmt mit – eine Maxime, die in Frankfurt, wo man traditionell auf kommunale Autonomie pocht, durchaus kritisch gesehen wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Paulskirche als Palimpsest: Schichten der Demokratiegeschichte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Um die Tragweite des aktuellen Projekts zu verstehen, muss man die historischen Schichten freilegen, die sich um die Paulskirche gelegt haben. Am 18. Mai 1848 kam hier zum ersten Mal die Frankfurter Nationalversammlung zusammen – 809 Abgeordnete, die eine Verfassung für ein geeintes Deutschland erarbeiten sollten. Die Paulskirche wurde zum Symbol für den ersten Versuch, Demokratie und nationale Einheit zu verwirklichen, auch wenn dieser Versuch letztlich scheiterte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg erfolgte 1947/48 der Wiederaufbau als &#8222;gesamtdeutsche Aufgabe&#8220;. Rudolf Schwarz und seine Planungsgemeinschaft schufen bewusst einen nüchternen Raum, der für den demokratischen Neubeginn stehen sollte. Diese Entscheidung für eine reduzierte Formensprache war programmatisch: Demokratie sollte nicht durch architektonischen Pomp überhöht, sondern als nüchterne Arbeitsform verstanden werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das geplante Haus der Demokratie fügt diesem Palimpsest eine weitere Schicht hinzu. Durch informative Ausstellungen, Vermittlungsangebote und vielseitige Veranstaltungsformate soll es in Zukunft mehr Raum für Bildung und Austausch bieten. Dabei geht es nicht um museale Verklärung, sondern um lebendige Auseinandersetzung mit demokratischen Prozessen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bürgerbeteiligung als Architektur der Teilhabe</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die sechswöchige Bürgerbeteiligung, die bis zum 30. September läuft, ist mehr als ein demokratisches Feigenblatt. Bürgerinnen und Bürger können einen Fragebogen ausfüllen und so ihre Meinung zu den Entwürfen für das Haus der Demokratie einbringen. Die Kriterien – Wiedererkennungswert, Harmonie mit dem Stadtbild, Offenheit für alle Menschen, Aufwertung des Paulsplatzes sowie des Platzes nördlich der Kämmerei – sind bewusst niedrigschwellig formuliert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Form der Partizipation hat in Frankfurt Tradition. Schon bei der Gestaltung des Museumsufers in den 1980er Jahren oder beim Wiederaufbau der Altstadt wurde die Bürgerschaft einbezogen. Doch die aktuelle Beteiligung geht weiter: Geschlossene Workshops sollen sicherstellen, dass Stimmen marginalisierter Gruppen und Menschen mit Beeinträchtigungen ebenfalls gehört werden. Diese inklusive Herangehensweise ist beispielhaft für moderne Planungsverfahren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritisch zu hinterfragen bleibt allerdings die Reichweite dieser Beteiligung. Erreicht sie wirklich alle Frankfurterinnen und Frankfurter oder nur die üblichen Verdächtigen aus dem bildungsbürgerlichen Milieu? Die Tatsache, dass parallel zur Ausstellung in der Paulskirche auch Präsentationen auf dem Paulsplatz stattfinden, deutet zumindest auf ein Bewusstsein für diese Problematik hin.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Genius Loci und Gentrifizierung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Diskussion um das Haus der Demokratie berührt einen neuralgischen Punkt der Frankfurter Stadtentwicklung. Der Paulsplatz und seine Umgebung sind keine neutralen Orte, sondern aufgeladen mit Geschichte und Bedeutung. Jede bauliche Intervention muss sich zu dieser Geschichte verhalten – affirmativ, kritisch oder transformativ.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Gefahr einer &#8222;Festivalisierung&#8220; der Demokratie ist real. Ein zu glatt designtes, zu perfekt inszeniertes Haus der Demokratie könnte die raue Realität demokratischer Aushandlungsprozesse verschleiern. Andererseits braucht Demokratie auch Orte der Würde und Wertschätzung, Räume, die ihre Bedeutung unterstreichen ohne sie zu sakralisieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die regionale Besonderheit Frankfurts zeigt sich auch in der Spannung zwischen lokaler Verwurzelung und internationaler Ausrichtung. Als Finanzmetropole und Verkehrsdrehkreuz ist Frankfurt per se kosmopolitisch, doch gerade deshalb sucht die Stadt nach Ankerpunkten lokaler Identität. Das Haus der Demokratie könnte ein solcher Ankerpunkt werden – wenn es gelingt, die Balance zwischen Weltoffenheit und Ortsbezug zu finden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die hessische Baukultur zwischen Bewahrung und Innovation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Blick auf die zehn prämierten Entwürfe offenbart unterschiedliche Haltungen zur hessischen Bautradition. Während einige Architektinnen und Architekten mit regionaltypischen Materialien wie Mainsandstein arbeiten, setzen andere auf zeitgenössische Materialität und Formensprache. Diese Diversität spiegelt eine grundsätzliche Debatte wider: Soll sich das Haus der Demokratie in die bestehende Stadtstruktur einfügen oder als bewusster Kontrapunkt fungieren?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frankfurter Lösung wird vermutlich, wie so oft in der Mainmetropole, pragmatisch ausfallen. &#8222;Unser Signature-Bau ist die Paulskirche&#8220;, stellt Oberbürgermeister Josef klar, &#8222;das Haus der Demokratie ist eine Ergänzung dazu&#8220;. Diese Haltung zeugt von einem Respekt vor dem Bestand, der typisch ist für die aktuelle Phase der Stadtentwicklung in Deutschland.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit als demokratischer Imperativ</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist, dass Nachhaltigkeit und Klimaschutz explizit als Bewertungskriterien für die Entwürfe genannt werden. Dies markiert einen Paradigmenwechsel in der Architektur öffentlicher Bauten. Ein Haus der Demokratie, das nicht nachhaltig gebaut ist, würde seiner eigenen Botschaft widersprechen – schließlich ist Generationengerechtigkeit ein Kernprinzip demokratischer Gesellschaften.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Diskussion um Neubau versus Umbau bekommt vor diesem Hintergrund eine zusätzliche Dimension. Die Umnutzung der Kämmerei wäre nicht nur kostengünstiger, sondern auch ressourcenschonender. Andererseits könnte ein Neubau höchste Standards in Sachen Energieeffizienz und Klimaneutralität erfüllen. Diese Abwägung ist exemplarisch für aktuelle Debatten in der Baukultur.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Frankfurt 2025: Hauptstadt der Demokratie?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg betont: &#8222;Frankfurt ist dank der Paulskirche die Hauptstadt der Demokratie&#8220;. Diese Selbstzuschreibung ist mehr als lokalpatriotische Rhetorik. Sie formuliert einen Anspruch, der sich in konkreten Projekten manifestieren muss. Das Haus der Demokratie ist dabei nur ein, wenn auch zentraler Baustein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung über die finale Gestaltung wird die Stadtverordnetenversammlung treffen, informiert durch die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung. Ein möglicher Baubeginn könnte 2028 oder 2029 sein. Bis dahin wird sich zeigen, ob Frankfurt seinem selbstgewählten Titel gerecht wird und ein Haus der Demokratie realisiert, das nicht nur architektonisch überzeugt, sondern auch als lebendiger Ort demokratischer Praxis funktioniert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt steht exemplarisch für die Herausforderungen zeitgenössischer Demokratie: Wie schafft man Räume für Beteiligung, ohne sie zu instrumentalisieren? Wie verbindet man historisches Erbe mit zukunftsgerichteter Vision? Und wie gelingt es, aus einem Architektenwettbewerb einen wirklich demokratischen Prozess zu machen? Frankfurt hat die Chance, auf diese Fragen überzeugende Antworten zu finden. Die Bürgerinnen und Bürger haben jetzt das Wort.</p>
<p>Hier sind die wichtigsten Informationen zur Ausstellung des &#8222;Haus der Demokratie&#8220; in Frankfurt:</p>
<h2><strong>Ausstellungsinformationen:</strong></h2>
<p><strong>Zeitraum:</strong> 18. August bis 30. September 2025</p>
<p><strong>Ausstellungsorte:</strong></p>
<ul>
<li>Wandelhalle der Paulskirche</li>
<li>Paulsplatz (Außenbereich)</li>
<li>Online-Präsentation</li>
</ul>
<p><strong>Besondere Veranstaltungen:</strong></p>
<ul>
<li><strong>Ideenforum:</strong> Donnerstag, 22. August 2025, 15:00 &#8211; 19:00 Uhr auf dem Paulsplatz</li>
<li>Hier können Bürger direkt mit Mitgliedern der Planungsteams in Austausch treten</li>
<li>Wöchentliche Workshops und Führungen (digital und vor Ort)</li>
<li>Geschlossene Workshops für marginalisierte Gruppen und Menschen mit Beeinträchtigungen</li>
</ul>
<p><strong>Was wird gezeigt:</strong></p>
<ul>
<li>10 prämierte Entwürfe aus 128 Einreichungen</li>
<li>Visualisierungen, Pläne und Architekturmodelle der Planungsteams</li>
<li>Jeder prämierte Entwurf erhielt 22.000 Euro</li>
</ul>
<p><strong>Bürgerbeteiligung:</strong></p>
<ul>
<li>Fragebogen zur Bewertung der Entwürfe (vor Ort und online)</li>
<li>Bewertungskriterien: Wiedererkennungswert, Harmonie mit dem Stadtbild, Offenheit für alle Menschen, Aufwertung des Paulsplatzes und des Platzes nördlich der Kämmerei</li>
</ul>
<p><strong>Offizielle Links:</strong></p>
<p><strong>Hauptwebsite des Projekts:</strong> <a href="https://deinhausderdemokratie.de/hausderdemokratie/de/home" target="_blank" rel="noopener">https://deinhausderdemokratie.de/hausderdemokratie/de/home</a></p>
<p><strong>Stadt Frankfurt &#8211; Offizielle Projektseite:</strong> <a href="https://frankfurt.de/de-de/aktuelle-meldung/meldungen/entwuerfe-des-ideenwettbewerbs-haus-der-demokratie-vorgestellt/" target="_blank" rel="noopener">https://frankfurt.de/de-de/aktuelle-meldung/meldungen/entwuerfe-des-ideenwettbewerbs-haus-der-demokratie-vorgestellt/</a></p>
<p><strong>Stabsstelle Entwicklung Paulskirche / Haus der Demokratie:</strong> <a href="https://frankfurt.de/service-und-rathaus/verwaltung/aemter-und-institutionen/stabsstelle-entwicklung-paulskirche-haus-der-demokratie" target="_blank" rel="noopener">https://frankfurt.de/service-und-rathaus/verwaltung/aemter-und-institutionen/stabsstelle-entwicklung-paulskirche-haus-der-demokratie</a></p>
<p><strong>Kosten und Zeitplan:</strong></p>
<ul>
<li>Sowohl für das Haus der Demokratie als auch für die Sanierung der Paulskirche wird mit Kosten von jeweils rund 75 Millionen Euro gerechnet</li>
<li>Möglicher Baubeginn: 2028 oder 2029</li>
</ul>
<p>Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung werden dokumentiert und ausgewertet und dienen als Grundlage für den nachfolgenden Realisierungswettbewerb. Die finale Entscheidung trifft die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/frankfurts-demokratischer-kraftakt-buerger-gestalten-das-haus-der-demokratie/">Frankfurts demokratischer Kraftakt: Bürger gestalten das Haus der Demokratie</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Abriss-Alarm in Frankfurt: Wie die Kulturmeile historische Denkmäler verschlingt</title>
		<link>https://baukunst.art/abriss-alarm-in-frankfurt-wie-die-kulturmeile-historische-denkmaeler-verschlingt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Jul 2025 08:40:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturmeile]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12946</guid>

					<description><![CDATA[<p> Frankfurts Kulturmeile-Projekt bedroht historische Baudenkmäler. Der Landesdenkmalrat warnt: Beim Schauspielhaus-Neubau droht architektonisches Erbe verloren zu gehen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/abriss-alarm-in-frankfurt-wie-die-kulturmeile-historische-denkmaeler-verschlingt/">Abriss-Alarm in Frankfurt: Wie die Kulturmeile historische Denkmäler verschlingt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein architektonischer Konflikt zwischen Vision und Bewahrung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Frankfurt am Main, die Stadt der Kontraste, steht erneut vor einer städtebaulichen Zerreißprobe. Während die Skyline unaufhaltsam in die Höhe wächst, droht am Boden ein Stück Baugeschichte zu verschwinden. Der geplante Neubau des Schauspielhauses auf dem Areal der Frankfurter Sparkasse wirft einen langen Schatten auf gleich mehrere denkmalgeschützte Gebäude. Was als ambitioniertes Kulturprojekt gedacht war, entwickelt sich zu einem Lehrstück über den ewigen Konflikt zwischen städtebaulicher Entwicklung und Denkmalschutz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die sogenannte Kulturmeile, jenes Prestigeprojekt zwischen Stadt, Sparkasse und Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), sollte eigentlich Frankfurts kulturelle Zukunft sichern. Doch nun zeigt sich: Der Preis könnte der Verlust architektonischer Vergangenheit sein. Ein Dilemma, das in der Mainmetropole beileibe kein Einzelfall ist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die bedrohten Zeitzeugen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">An der Neuen Mainzer Straße 53 erhebt sich seit 1908 ein Geschäftshaus, das die wilhelminische Ära in Stein gemeißelt hat. Seine breite Risalitfassade mit Kolossalpilastern, der kleine Axialgiebel und die retardierende Bauplastik – für Laien vielleicht nur Fachbegriffe, für Architekturhistorikerinnen und -historiker jedoch Zeugnis einer Epoche, in der Frankfurt seine Identität als moderne Handelsmetropole formte. Das neoklassizistische Gebäude ist mehr als nur eine hübsche Fassade; es dokumentiert den Übergang der Stadt ins 20. Jahrhundert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nur zwei Hausnummern weiter, an der Nummer 55, steht ein noch älterer Zeitzeuge: Ein klassizistisches Gebäude aus dem Jahr 1830, das die biedermeierliche Bürgerlichkeit Frankfurts verkörpert. Beide Bauten stehen unter Denkmalschutz – ein Status, der in der Praxis jedoch oft weniger Schutz bietet, als man vermuten möchte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch nicht nur an der Neuen Mainzer Straße droht Verlust. Am Willy-Brandt-Platz steht das denkmalgeschützte Foyer der zum Abriss vorgesehenen Theater-Doppelanlage. Herzstück dieses Raumes ist die Wolkenskulptur des Künstlers Zoltan Kemeny – ein Kunstwerk, das die optimistische Aufbruchsstimmung der Nachkriegsmoderne atmet. Es ist diese Art von Raumkunst, die unwiederbringlich verloren geht, wenn der Abrissbirne freie Bahn gelassen wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Kulturmeile-Projekt: Vision mit Nebenwirkungen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Vereinbarung zur Kulturmeile klang zunächst vielversprechend: Ein neues Schauspielhaus sollte im nördlichen Teil des Sparkassen-Areals entstehen, dort wo ursprünglich ein 175 Meter hohes Hochhaus geplant war. Die Beschreibung des Standorts versprach sogar explizit: &#8222;Die denkmalgeschützte Sockelzone zur Neuen Mainzer Straße ist dabei vollständig zu erhalten und frühzeitig in die Planung einzubeziehen.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch wie so oft liegt der Teufel im Detail. Der Hochhaus-Standort wurde mittlerweile nach Süden verlegt, wodurch das Baudenkmal von 1908 nun mitten im geplanten Theaterareal liegt. Die veröffentlichten Visualisierungen lassen wenig Gutes ahnen: Das historische Gebäude würde wohl in den Theater-Neubau &#8222;integriert&#8220; – ein Euphemismus, der in Frankfurt oft genug bedeutet hat, dass von einem Denkmal nur die Fassade übrig bleibt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die mahnende Stimme der Fachleute</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Landesdenkmalrat, jenes Expertengremium, das den hessischen Wissenschafts- und Kunstminister berät, schlägt Alarm. Ko-Vorsitzender Philipp Oswalt bringt es auf den Punkt: Das für Theater und Hochhaus vorgesehene Grundstück sei für die Bauaufgabe sehr beengt. Die ebenfalls geschützten Wallanlagen müssten berücksichtigt werden. Eine architektonische Quadratur des Kreises.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Oswalt spricht aus, was viele Denkmalschützerinnen und Denkmalschützer denken: &#8222;Es ist in Frankfurt leider eine bittere Tradition, von denkmalgeschützten Bauten nur die Fassade zu erhalten.&#8220; Eine Fassadenerhaltung mag oberflächlich betrachtet wie ein Kompromiss erscheinen, doch sie beraubt ein Gebäude seiner Seele, seiner räumlichen Logik, seiner Geschichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Warnungen gehen noch weiter: Nicht nur das Gebäude von 1908 sei gefährdet, auch das klassizistische Nachbarhaus von 1830 sowie die Wallanlagen könnten durch Baugrube und Baustelleneinrichtung in Mitleidenschaft gezogen werden. Ein Dominoeffekt der Zerstörung, der weit über das eigentliche Baufeld hinausreicht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Frankfurts problematischer Umgang mit dem Erbe</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kritik des Landesdenkmalrats trifft einen wunden Punkt der Frankfurter Stadtentwicklung. Die Mainmetropole hat sich den Ruf erworben, besonders rücksichtslos mit ihrer historischen Bausubstanz umzugehen. Die Liste der Verluste ist lang: Vom Abriss ganzer Gründerzeitviertel in den 1960er und 70er Jahren bis zur jüngsten Kontroverse um das &#8222;Haus mit der Friedenstaube&#8220; – immer wieder musste Altes dem vermeintlich Neuen weichen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders bitter: Bei der Abwägung der Varianten zum Neubau der Städtischen Bühnen spielte die Frage des Denkmalschutzes offenbar keine Rolle. Ein Versäumnis, das symptomatisch ist für eine Planungskultur, die Denkmalpflege oft als lästiges Hindernis betrachtet statt als Bereicherung der städtischen Identität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Verein &#8222;Stadtbild Deutschland&#8220; führt das neoklassizistische Gebäude bereits in der Kategorie &#8222;Abriss wahrscheinlich&#8220; – eine resignierte Einschätzung, die auf Erfahrungswerten beruht. Zu oft schon haben in Frankfurt wirtschaftliche Interessen und städtebauliche Visionen über den Erhalt historischer Substanz triumphiert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Blick über den Main: Regionale Besonderheiten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Frankfurts Umgang mit seinem baulichen Erbe steht exemplarisch für eine hessische, ja deutsche Problematik. Während andere Bundesländer wie Bayern oder Sachsen ihre historischen Stadtkerne als identitätsstiftende Wirtschaftsfaktoren begriffen haben, tut sich Hessen schwer mit seinem architektonischen Erbe. Die Landesbauordnung bietet zwar formalen Schutz, doch in der Praxis zeigt sich immer wieder: Wo ein politischer Wille fehlt, da helfen auch die besten Gesetze wenig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frankfurter Architektinnen Maren Harnack und Astrid Wuttke, beide Mitglieder des Landesdenkmalrats, kennen die lokalen Gegebenheiten genau. Sie wissen um die Besonderheit der Frankfurter Situation: Eine Stadt, die sich als internationale Finanzmetropole begreift und dabei Gefahr läuft, ihre regionale Identität zu verlieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Forderungen und Ausblick</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Landesdenkmalrat formuliert klare Forderungen: Bei den anstehenden Wettbewerben für den Neubau der Oper am Willy-Brandt-Platz und des Schauspiels an der Neuen Mainzer Straße müssten die Belange des Denkmalschutzes berücksichtigt werden. Es gebe &#8222;keine überwiegenden öffentlichen Belange&#8220;, die eine Abrissgenehmigung rechtfertigen würden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hoffnung macht, dass die Stadt ein Planungsbüro sucht, das Bestandsbauten untersucht – allerdings zunächst nur für die Interims-Spielstätten an der Gutleutstraße, wo Denkmalschutz keine Rolle spielt. Ein halbherziger Schritt, der zeigt: Das Bewusstsein für die Bedeutung historischer Bausubstanz wächst langsam, aber es wächst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kulturmeile könnte zum Testfall werden: Schafft es Frankfurt, seine kulturelle Zukunft zu gestalten, ohne seine architektonische Vergangenheit zu opfern? Oder setzt sich die &#8222;bittere Tradition&#8220; fort, von der Philipp Oswalt spricht? Die Entscheidung wird zeigen, ob die Mainmetropole gelernt hat, dass wahre Urbanität nicht im Abreißen und Neubauen besteht, sondern in der intelligenten Verschränkung von Alt und Neu.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit zum Leitbegriff geworden ist, erscheint der drohende Abriss intakter Baudenkmäler besonders anachronistisch. Graue Energie, Ressourcenschonung, kulturelle Kontinuität – all diese Aspekte sprechen für den Erhalt. Doch werden sie gehört werden im Konzert der Interessen?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Frankfurt steht am Scheideweg. Die Entscheidung über die Zukunft der Denkmäler an der Neuen Mainzer Straße und am Willy-Brandt-Platz wird zeigen, welchen Weg die Stadt einschlägt: Den einer gesichtslosen Metropole, die ihre Geschichte dem Fortschritt opfert, oder den einer reifen Stadtgesellschaft, die begreift, dass Zukunft nur auf dem Fundament der Vergangenheit gebaut werden kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>13 Millionen für eine Ruine: Wiesbadens riskanter Immobilien-Deal</title>
		<link>https://baukunst.art/13-millionen-fuer-eine-ruine-wiesbadens-riskanter-immobilien-deal/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Jul 2025 12:35:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Großsiedlung]]></category>
		<category><![CDATA[Stadterneuerung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungspolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wiesbaden kauft das verwahrloste Rote Hochhaus im Schelmengraben für 13 Millionen Euro. Ein mutiger Schritt zur Rettung von Ernst Mays Erbe oder ein finanzielles Himmelfahrtskommando?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/13-millionen-fuer-eine-ruine-wiesbadens-riskanter-immobilien-deal/">13 Millionen für eine Ruine: Wiesbadens riskanter Immobilien-Deal</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Wiesbaden kauft das Rote Hochhaus: Städtebauliche Intervention im Quartier Schelmengraben</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn die öffentliche Hand zum Retter wird</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Rote Hochhaus im Wiesbadener Schelmengraben gleicht einer städtebaulichen Wunde. Verwahrloste Ladenpassagen, wilde Müllablagerungen und Schrottautos prägen das Bild. Nun greift die Landeshauptstadt zu einem ungewöhnlichen Mittel: Sie kauft das heruntergekommene Ensemble für knapp 13 Millionen Euro. Ein mutiger Schritt oder ein riskantes Unterfangen?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ernst Mays Erbe in der Krise</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Schelmengraben trägt die Handschrift eines der bedeutendsten deutschen Stadtplaner: Ernst May, der als Stadtbaurat von Frankfurt am Main in den 1920er Jahren das &#8222;Neue Frankfurt&#8220; prägte, entwarf das Quartier in den 1960er Jahren. Die Großsiedlung mit ihren rund 6.000 Einwohnerinnen und Einwohnern sollte modernen Wohnraum im Grünen bieten. Heute kämpft sie mit dem Stigma sozialer Brennpunkt zu sein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Herzstück der Anlage, das 17-geschossige Rote Hochhaus an der Karl-Marx-Straße, verkörpert exemplarisch den Niedergang vieler Nachkriegssiedlungen. Von den mehr als 150 Wohnungen steht ein Viertel leer. Die asbesthaltige Fassade bröckelt, die Ladenpassage wirkt wie aus der Zeit gefallen. Mehrere Eigentümerwechsel in den vergangenen Jahren haben die Situation verschlimmert. Zuletzt gehörte das Ensemble einer luxemburgischen Gesellschaft, die es als Teil eines Schuldenportfolios &#8222;eher zufällig&#8220; erworben hatte, wie SEG-Geschäftsführer Roland Stöcklin berichtet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hessische Planungskultur im Wandel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Ankauf durch die städtische Entwicklungsgesellschaft SEG markiert einen bemerkenswerten Paradigmenwechsel in der hessischen Wohnungspolitik. &#8222;Der freie Markt wird es nicht regeln&#8220;, konstatiert Stöcklin nüchtern. Diese Erkenntnis steht im Kontrast zur lange Zeit dominierenden Philosophie, wonach sich der Wohnungsmarkt selbst reguliere.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landeshauptstadt reiht sich damit in eine wachsende Zahl hessischer Kommunen ein, die wieder aktiv in den Wohnungsmarkt eingreifen. Frankfurt am Main mit seiner neuen kommunalen Wohnungsbaugesellschaft, Darmstadt mit gezielten Vorkaufsrechten oder Kassel mit der Revitalisierung der Nordstadt – überall zeigt sich: Die Kommunen übernehmen wieder Verantwortung für bezahlbaren Wohnraum.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Asbestsanierung als Herkulesaufgabe</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die technischen Herausforderungen sind immens. Die asbesthaltige Fassade des Hochhauses muss komplett saniert werden – ein Unterfangen, das nicht nur kostspielig ist, sondern auch logistisch komplex. Die Mieterinnen und Mieter müssen während der Sanierung ausziehen, was soziale Härten mit sich bringt. Baudezernent Andreas Kowol (Die Grünen) rechnet mit Sanierungskosten von bis zu 15 Millionen Euro – zusätzlich zum Kaufpreis.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die hessische Bauordnung stellt bei Asbestsanierungen strenge Anforderungen. Spezialfirmen müssen unter Vollschutz arbeiten, die Entsorgung erfolgt als Sondermüll. Gerade bei Großprojekten wie dem Roten Hochhaus kann sich die Sanierungsdauer erheblich verlängern. Andere hessische Städte haben bei vergleichbaren Projekten durchaus positive Erfahrungen gemacht: In Offenbach wurde das ehemalige Behördenhochhaus am Stadthof erfolgreich saniert und in Wohnraum umgewandelt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Förderlandschaft als Chance</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hessen bietet für solche Mammutprojekte eine differenzierte Förderlandschaft. Das Landesprogramm &#8222;Wohnraum für Familien&#8220; könnte ebenso greifen wie Mittel aus der Städtebauförderung. Besonders interessant: Das neue hessische Quartiersmanagement-Programm, das explizit auf die Aufwertung von Großsiedlungen zielt. Wiesbaden könnte hier Modellcharakter entwickeln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Nachbarstadt Mainz hat mit der Sanierung der Großsiedlung Lerchenberg vorgemacht, wie aus einem Problemviertel ein lebenswertes Quartier werden kann. Dort flossen über zehn Jahre hinweg Fördermittel von Bund, Land und EU in die Modernisierung. Ein ähnlicher Ansatz könnte auch für den Schelmengraben Erfolg versprechen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Soziale Verantwortung vs. wirtschaftliche Vernunft</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die politische Debatte um den Ankauf offenbart klassische Konfliktlinien der Kommunalpolitik. Die CDU-Fraktion forderte, die SEG solle Bestandsimmobilien verkaufen, um die Eigenkapitalerhöhung von 15 Millionen Euro zu finanzieren. Das Linksbündnis blockierte diesen Vorschlag – ein Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Vernunft und sozialer Verantwortung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) spricht von einem &#8222;deutlichen Zeichen für soziale Verantwortung&#8220;. Kritiker sehen hingegen ein unkalkulierbares finanzielles Risiko. Tatsächlich bewegt sich die Stadt auf einem schmalen Grat: Gelingt die Revitalisierung, könnte der Schelmengraben zum Vorzeigequartier werden. Scheitert sie, droht ein finanzielles Debakel.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Neue Impulse für den Einzelhandel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessant ist der geplante Ansatz für die Erdgeschosszone. Ein neuer Lebensmittelmarkt mit über 2.000 Quadratmetern soll das Zentrum beleben. Die marode Ladenpassage könnte teilweise abgerissen und durch 100 bis 130 neue Wohnungen ersetzt werden. Dieser Mix aus Wohnen und Nahversorgung entspricht modernen städtebaulichen Konzepten der &#8222;Stadt der kurzen Wege&#8220;.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Herausforderung liegt in der Übergangsphase. Bis zur geplanten Revitalisierung ab 2027/2028 muss die Stadt das Ensemble verwalten und die Verwahrlosung stoppen. &#8222;Eigentum verpflichtet&#8220;, mahnt Stöcklin. Erste Maßnahmen wie die Entsorgung der Schrottautos sollen schnell erfolgen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lehren für andere Kommunen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Wiesbadener Weg könnte Schule machen. Viele hessische Kommunen stehen vor ähnlichen Herausforderungen mit vernachlässigten Großsiedlungen. Die Erfahrungen aus dem Schelmengraben werden genau beobachtet werden. Funktioniert das Modell, könnte es zur Blaupause für andere Städte werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Entscheidend wird sein, ob die Stadt es schafft, die jetzigen Bewohnerinnen und Bewohner mitzunehmen. Viele fühlen sich im Quartier wohl, trotz aller Probleme. Eine behutsame Modernisierung, die bezahlbare Mieten erhält und gleichzeitig die Wohnqualität verbessert, wird zur Quadratur des Kreises.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Ankauf des Roten Hochhauses ist mehr als eine Immobilientransaktion. Er markiert eine Zeitenwende in der kommunalen Wohnungspolitik: weg vom Laissez-faire, hin zur aktiven Gestaltung. Ob Wiesbaden damit zum Vorreiter oder zum abschreckenden Beispiel wird, werden die kommenden Jahre zeigen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>30 Jahre Tag der Architektur: Wie Hessen Deutschland das Bürgerfest erfand</title>
		<link>https://baukunst.art/30-jahre-tag-der-architektur-wie-hessen-deutschland-das-buergerfest-erfand/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Jun 2025 08:17:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturfestival]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Tag der Architektur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12701</guid>

					<description><![CDATA[<p>Seit 30 Jahren öffnet der Tag der Architektur in Hessen Türen zu sonst verschlossenen Welten. 2025 stehen 74 Projekte unter dem Motto „Vielfalt bauen" bereit.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Pioniergeist mit Strahlkraft: Hessens Architekturfestival</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als im Juni 1995 erstmals Türen zu privaten Häusern, Bürogebäuden und öffentlichen Bauten in Hessen geöffnet wurden, ahnte niemand, welche bundesweite Bewegung damit ausgelöst werden würde. Gemeinsam mit Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Thüringen war Hessen seinerzeit Vorreiter bei der Konzeption und Durchführung dieser Veranstaltung, die schließlich bundesweit übernommen wurde. Was als regionale Initiative begann, ist heute zum größten Baukulturevent Deutschlands gewachsen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">30 Jahre später hat der Tag der Architektur nichts von seiner Faszination verloren – im Gegenteil: In den vergangenen Jahren nutzten jährlich rund 10.000 Besucherinnen und Besucher hessenweit dieses Angebot. Die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen (AKH) hat mit diesem Format ein demokratisches Instrument geschaffen, das Baukultur aus der Expertennische befreit und für alle Bürgerinnen und Bürger erlebbar macht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">2025: Vielfalt als Programm</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 28. und 29. Juni 2025 können 74 Projekte aus Architektur, Innen- und Landschaftsarchitektur sowie des Städtebaus in ganz Hessen besichtigt werden. Das bundesweite Motto „Vielfalt bauen&#8220; könnte treffender nicht sein für ein Land, das von der Großstadtarchitektur Frankfurts bis zu ländlichen Fachwerkensembles alle Facetten des Bauens repräsentiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Auswahlgremium setzt sich aus insgesamt sechs Personen – Expertinnen und Experten der verschiedenen Fachrichtungen (Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung) und der berufsständischen Interessen sowie einer Medienvertreterin oder einem Medienvertreter – zusammen. Diese Zusammensetzung garantiert sowohl fachliche Kompetenz als auch öffentliche Verständlichkeit der Projektauswahl.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bandbreite der 2025 teilnehmenden Projekte spiegelt aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen wider: Von energetischen Sanierungen historischer Bausubstanz über innovative Holzbauprojekte bis hin zu genossenschaftlichen Wohnformen. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung hin zu Umbauprojekten und nachhaltigen Lösungen – ein Trend, der die veränderten Prioritäten in der Baubranche widerspiegelt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Demokratie der Begegnung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Erfolg des Tags der Architektur basiert auf einem einfachen, aber revolutionären Prinzip: direkte Begegnung zwischen Fachleuten und Laien. Gemeinsam mit den Bauherren öffnen sie ihre Türen, stehen Rede und Antwort und geben Einblicke in die Arbeit des gesamten Berufsstands. Diese Unmittelbarkeit unterscheidet das hessische Format wohltuend von sterilen Architekturausstellungen oder akademischen Vorträgen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Planende und Bauherrinnen nutzen die Gelegenheit, ihre Projekte ohne Marketingfilter zu präsentieren. Besucherinnen und Besucher erhalten authentische Einblicke in Entstehungsprozesse, Herausforderungen und Kompromisse. Oft entstehen dabei fruchtbare Diskussionen über alternative Lösungsansätze oder übertragbare Konzepte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Qualität statt Spektakel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bewusst verzichtet der Tag der Architektur auf Star-Architektur und setzt stattdessen auf „gute Alltagsarchitektur&#8220;. Jährlich wählen Fachleute die gezeigten Bauten und Objekte aus und stellen ein ausgewogenes Programm ganz im Zeichen der anspruchsvoll gebauten Umwelt zusammen. Diese Fokussierung auf Qualität statt Quantität oder Spektakel macht den besonderen Reiz des hessischen Formats aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Projekte müssen sich nicht durch architektonische Extravaganzen auszeichnen, sondern durch intelligente Lösungen für alltägliche Bauaufgaben. Ein umgebauter Gutshof in Nordhessen kann dabei ebenso inspirierend sein wie ein nachhaltiges Bürogebäude in Frankfurt. Diese Demokratisierung des Architekturdiskurses hat das Verständnis für gute Baukultur in der Bevölkerung nachhaltig geprägt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Von analog zu digital: Evolution eines Formats</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus Nachhaltigkeitsgründen erscheint das bisherige Faltprogramm mit den Öffnungszeiten der Projekte nicht mehr gedruckt, sondern liegt in digitaler Form vor. Diese scheinbar technische Neuerung symbolisiert den Wandel des gesamten Formats: War der Tag der Architektur ursprünglich ein rein analoges Erlebnis, nutzt er heute geschickt digitale Möglichkeiten zur Reichweitensteigerung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Alle TdA-Projekte können zusätzlich virtuell auf den Baukultour-Seiten der AKH besichtigt werden. Diese Hybridstrategie erweitert die Zielgruppe erheblich: Wer physisch nicht vor Ort sein kann, erhält dennoch Zugang zu den Projekten. Gleichzeitig bleibt die persönliche Begegnung vor Ort das Herzstück der Veranstaltung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Rahmenprogramm als Bildungsoffensive</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Event wird durch ein vielseitiges Rahmenprogramm sowie durch die Aktion „Offenes Büro&#8220; bereichert. Diese Erweiterungen transformieren den Tag der Architektur von einer reinen Besichtigungsveranstaltung zu einem umfassenden Bildungsformat. Workshops, Vorträge und Diskussionsrunden vertiefen die vor Ort gewonnenen Eindrücke und schaffen Raum für fachlichen Austausch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Donnerstag, 26. Juni 2025, 18-20 Uhr findet in der Forschungsstation TRACES das „TDA-Architekturgespräch&#8220; in Kassel statt. Dieses neue Format bildet die offizielle Auftaktveranstaltung zum großen Architekturwochenende. Solche ergänzenden Veranstaltungen zeigen, wie sich der Tag der Architektur kontinuierlich weiterentwickelt und neue Zielgruppen erschließt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gesellschaftlicher Spiegel: Vom Neubau zum Umbau</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die inhaltliche Entwicklung des Tags der Architektur spiegelt gesellschaftliche Prioritäten wider. Bauen im Bestand, denkmalgerechte Sanierungen und Umbaumaßnahmen standen dabei für die AKH im Fokus, außerdem Beispiele für nachhaltiges Bauen mit Holz. Dieser Wandel von der Neubau-Euphorie früherer Jahrzehnte hin zu ressourcenschonendem Umgang mit Bestandsgebäuden zeigt, wie sensitiv das Format auf veränderte gesellschaftliche Anforderungen reagiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Neubau, Betrieb und Abriss von Gebäuden gehört zu den größten Klimakillern weltweit und ist für rund 40 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Vor diesem Hintergrund funktioniert der Tag der Architektur als niedrigschwelliger Vermittler für komplexe Nachhaltigkeitsthemen. Besucherinnen und Besucher erleben konkret, wie kreative Umbaulösungen sowohl ökologisch als auch ästhetisch überzeugen können.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Vielfalt als Stärke</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hessen bietet durch seine geografische und kulturelle Vielfalt ideale Voraussetzungen für ein landesweites Architekturfestival. Von der Großstadtdichte des Rhein-Main-Gebiets über die Mittelgebirgstopografie bis zu den ländlichen Strukturen Nordhessens entstehen unterschiedlichste Bauaufgaben und Lösungsansätze. Diese Diversität macht jede Teilnahme am Tag der Architektur zu einer Entdeckungsreise durch verschiedene Planungskulturen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die regionale Verteilung der Projekte zeigt bewusst auf, dass gute Architektur nicht an Ballungsräume gebunden ist. Ein gelungenes Dorfgemeinschaftshaus in der Rhön kann architektonisch ebenso bemerkenswert sein wie ein preisgekröntes Bürogebäude in Frankfurt. Diese Gleichwertigkeit verschiedener Maßstäbe und Kontexte ist eine wichtige Botschaft für eine ausgewogene Landesentwicklung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Herausforderungen und Perspektiven</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">114 Projekte waren für den Tag der Architektur 2024 eingereicht worden. 81 ausgewählte Projekte sind beim Aktionswochenende für die breite Öffentlichkeit zugänglich. Diese Zahlen zeigen sowohl die hohe Resonanz bei den Planenden als auch die Notwendigkeit einer qualifizierten Auswahl. Die Herausforderung für die Zukunft liegt darin, die Balance zwischen Quantität und Qualität zu halten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig muss sich der Tag der Architektur neuen gesellschaftlichen Realitäten stellen: Wie erreicht man junge Zielgruppen, die primär digital kommunizieren? Wie vermittelt man komplexe Nachhaltigkeitsthemen ohne belehrend zu wirken? Wie bleibt das Format innovativ, ohne seine bewährten Stärken zu verlieren?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Erfolgsmodell mit Zukunft</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach 30 Jahren hat sich der Tag der Architektur in Hessen als nachhaltiges Erfolgsmodell etabliert. Die Kombination aus fachlicher Kompetenz, gesellschaftlicher Relevanz und niedrigschwelliger Vermittlung macht das Format zu einem Musterbeispiel gelungener Baukultur-Kommunikation. Die kontinuierliche Weiterentwicklung – von der Digitalisierung bis zur inhaltlichen Neuorientierung – zeigt, dass sich Traditionen durchaus modernisieren lassen, ohne ihre Identität zu verlieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der hessische Pioniergeist von 1995 ist auch 2025 spürbar: als Mut zu Innovation, als Vertrauen in die Urteilsfähigkeit der Bürgerinnen und Bürger und als Überzeugung, dass gute Architektur ein Recht aller ist. In diesem Sinne bleibt der Tag der Architektur Hessen nicht nur ein regionales Ereignis, sondern ein bundesweites Vorbild für demokratische Baukultur-Vermittlung. <a href="https://www.akh.de/tag-der-architektur-2025" target="_blank" rel="noopener">mehr&#8230;</a></p>
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		<title>Geheimakte Galeria: Wie Hessen aus Kaufhaus-Ruinen Goldgruben macht</title>
		<link>https://baukunst.art/geheimakte-galeria-wie-hessen-aus-kaufhaus-ruinen-goldgruben-macht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Jun 2025 09:11:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[umnutzung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12664</guid>

					<description><![CDATA[<p>Hessen verwandelt leerstehende Kaufhäuser in lebendige Stadtquartiere. Erfolgsrezept: regionale Kompetenz, Landesförderung und innovative Mischnutzungskonzepte als Blaupause.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Von der Kaufhalle zum Kaiserforum: Hessens clevere Umnutzungsstrategien zwischen Tradition und Transformation</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zeiten, in denen leerstehende Kaufhäuser das Stadtbild prägen, gehören in Hessen zunehmend der Vergangenheit an. Was einst schmerzliche Wunden im urbanen Gefüge hinterließ, entwickelt sich zur Chance für innovative Stadtentwicklung. Das Land zwischen Rhein und Weser wird zum Versuchslabor für durchdachte Umnutzungskonzepte, die weit über einfache Renovierungen hinausgehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Frankfurt am Main nimmt das Thema bereits konkrete Formen an: Der ehemalige Galeria Kaufhof wird zu einem multifunktionalen &#8222;Third Place&#8220; umgestaltet – einem Ort, der Arbeiten, Wohnen und soziale Begegnungen vereint. Rund 25 Millionen Euro fließen in dieses Vorzeigeprojekt, das 16 Vollgeschosse auf etwa 10.500 Quadratmetern Verkaufsfläche umfasst. Der Clou: Das Konzept setzt nicht auf vollständigen Abriss, sondern auf intelligente Transformation bestehender Strukturen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Friedberg: Vom Kaufhaus zur Stadtmitte der Zukunft</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders anschaulich wird die hessische Umnutzungsphilosophie in Friedberg. Das seit acht Jahren leerstehende Kaufhaus Joh am Elvis-Presley-Platz erlebt gerade seine Wiedergeburt als &#8222;Kaiserforum&#8220;. Die Werkmann-Gruppe aus Dietzenbach investiert 23 Millionen Euro in eine Neugestaltung, die zeigt, wie regionale Akteure und lokale Expertise zusammenwirken können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Wir hoffen auf ein kurzes Verfahren&#8220;, erklärt Geschäftsführer Uwe Werkmann das ehrgeizige Zeitfenster. Der Bebauungsplan des Friedberger Architekturbüros BFLP sieht eine radikale Öffnung des massigen Gebäudes vor: Zwei Innenhöfe mit Bänken und Begrünung durchbrechen die geschlossene Struktur. Im Untergeschoss entstehen 42 Tiefgaragenstellplätze plus acht oberirdische Parkplätze – eine pragmatische Antwort auf die Mobilitätsbedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Erdgeschoss bleibt öffentlich zugänglich und bietet 1200 Quadratmeter für einen Lebensmittelmarkt. In den oberen Stockwerken entstehen Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen, gekrönt von einem Dachcafé mit Blick auf Stadtkirche und Vogelsberg. Diese Mischung aus Nahversorgung, Wohnen und Gastronomie entspricht exakt den Anforderungen moderner Stadtentwicklung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hessische Förderkultur: Vom Land bis zur Kommune</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die erfolgreichen Umnutzungsprojekte in Hessen sind kein Zufall, sondern Ergebnis einer durchdachten Förderstrategie. Das Landesprogramm &#8222;Zukunft Innenstadt&#8220; stellt allein für von Galeria-Schließungen betroffene Städte drei Millionen Euro bereit. Frankfurt, Offenbach, Wiesbaden, Darmstadt und Hanau können damit individuelle Konzepte für ihre raumprägenden Immobilien entwickeln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Darüber hinaus unterstützt das Land mit der kommunalen Klimarichtlinie gezielt nachhaltige Umnutzungen. Mitgliedskommunen des Bündnisses &#8222;Hessen aktiv: Die Klima-Kommunen&#8220; erhalten dabei Förderquoten von bis zu 90 Prozent für investive Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen. Für andere Kommunen liegt der Fördersatz bei 70 Prozent, mit maximalen Förderbeträgen von 250.000 Euro für Kommunen und 200.000 Euro für kommunale Unternehmen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Baurecht als Innovationstreiber und Hemmschuh</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Hessische Bauordnung (HBO) erweist sich bei Umnutzungen als zweischneidiges Schwert. Während sie durch das vereinfachte Baugenehmigungsverfahren nach § 65 HBO Planungssicherheit schafft, können komplexe Genehmigungsverfahren innovative Konzepte auch ausbremsen. Besonders bei Nutzungsänderungen von Gewerbe zu Wohnen entstehen oft unerwartete Hürden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Frankfurt zeigt die Bauaufsicht pragmatische Lösungsansätze: Unter bestimmten Voraussetzungen ermöglicht eine Genehmigungsfreistellung nach § 64 HBO schnelle Umsetzungen ohne zusätzliche Gebühren. Bauherrinnen und Bauherren können mit dem Bau beginnen, wenn sie innerhalb eines Monats keine gegenteilige Erklärung erhalten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Denkmalschutz und Energieeffizienz</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hessens Umnutzungsprojekte müssen oft den Spagat zwischen historischer Bausubstanz und modernen Energiestandards meistern. Die regionalen Förderprogramme unterstützen dabei gezielt die Verbindung von Denkmalschutz und Klimaschutz. Besonders die Städtebauförderprogramme &#8222;Stadtumbau in Hessen&#8220; und &#8222;Städtebaulicher Denkmalschutz&#8220; ermöglichen es, historische Gebäude behutsam zu transformieren, ohne ihre Identität zu verlieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die TU Darmstadt hat in einer Studie die Wohnraumpotentiale bei Büro- und Geschäftshäusern untersucht und dabei auch hessische Beispiele aus Kassel und Frankfurt analysiert. Die Erkenntnisse zeigen: In der Vermeidung zusätzlicher Flächenversiegelung und der Nutzung vorhandener Infrastruktur liegen erhebliche Potentiale für nachhaltige Stadtentwicklung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Netzwerke als Erfolgsfaktor</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was die hessischen Umnutzungsprojekte besonders auszeichnet, ist die enge Verzahnung regionaler Akteure. Die Werkmann-Gruppe in Friedberg etwa ist bereits mit anderen Projekten in der Stadt präsent und kennt die lokalen Gegebenheiten. Das Architekturbüro BFLP stammt ebenfalls aus Friedberg – ein Beispiel für die Wertschöpfung vor Ort.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese regionale Verankerung zeigt sich auch in der Zwischennutzung: Während das Kaiserforum-Projekt voranschreitet, ermöglicht die Werkmann-Gruppe lokalen Vereinen, Künstlern und Institutionen die temporäre Gestaltung der Schaufensterfront. &#8222;Wir geben Friedberger Einrichtungen die Möglichkeit, sich in zentraler Lage zu präsentieren&#8220;, erklärt Uwe Werkmann das Konzept.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Herausforderungen bei komplexen Eigentumsverhältnissen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht alle Umnutzungsprojekte verlaufen so reibungslos wie in Friedberg. Die Geschichte des Kaufhauses Joh zeigt exemplarisch die Komplexität solcher Vorhaben: Nach der Schließung 2013 wechselte das Gebäude mehrmals den Besitzer. Die Edinburgh House-Gruppe und später die 3V Invest aus München konnten trotz verschiedener Konzepte keine nachhaltige Lösung entwickeln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Erst der Verkauf an die regionale Werkmann-Gruppe brachte den Durchbruch – ein Indiz dafür, dass ortsansässige Entwickler oft bessere Lösungen finden als überregionale Investoren. &#8222;Ich könnte Erdgeschoss und ersten Stock 50 Mal vermieten&#8220;, berichtet ein Projektverantwortlicher über das Interesse potentieller Mieter.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Klimaanpassung als Gestaltungschance</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neuen Umnutzungskonzepte in Hessen integrieren systematisch Aspekte der Klimaanpassung. Die geplanten Innenhöfe im Friedberger Kaiserforum mit Begrünung und Sitzgelegenheiten sind mehr als nur architektonische Gesten – sie schaffen Mikroklimata und Aufenthaltsqualität in verdichteten Stadtstrukturen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Land Hessen fördert solche Maßnahmen gezielt über Programme zur Haus- und Hofbegrünung. Kommunen können Zuschüsse für Dach- und Fassadenbegrünung sowie Entsiegelung beantragen, besonders in Stadtteilen mit mikroklimatischer Belastung. Die Förderung erfolgt über kommunale Programme, die auf Rahmenvorgaben des Landes basieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zukunftsperspektiven: Vom Einzelprojekt zum Systemwandel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die erfolgreichen Umnutzungen in Frankfurt und Friedberg sind mehr als Einzelprojekte – sie markieren den Beginn eines systematischen Wandels in der hessischen Stadtentwicklung. Das neue Denken setzt auf Bestandserhaltung statt Abriss, auf Mischnutzung statt Monostrukturen, auf regionale Kompetenz statt überregionale Spekulation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für andere Bundesländer können die hessischen Ansätze als Blaupause dienen: Die Kombination aus gezielter Landesförderung, pragmatischen Genehmigungsverfahren und der Einbindung regionaler Akteure schafft ein Umfeld, in dem innovative Umnutzungskonzepte gedeihen können. Entscheidend ist dabei die Erkenntnis, dass jedes Projekt maßgeschneiderte Lösungen erfordert – Patentrezepte gibt es nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Transformation von Kaufhäusern zu lebendigen Stadtquartieren zeigt: Hessen macht aus der Not eine Tugend und verwandelt strukturelle Herausforderungen in Chancen für zukunftsfähige Stadtentwicklung. Der Weg von der Kaufhalle zum Kaiserforum ist mehr als nur ein Namenswechsel – er symbolisiert den Übergang in eine neue Ära des städtischen Lebens.</p>
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