<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Bestandssanierung-Archiv - Baukunst</title>
	<atom:link href="https://baukunst.art/tag/bestandssanierung/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://baukunst.art/tag/bestandssanierung/</link>
	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
	<lastBuildDate>Tue, 21 Jul 2026 07:40:13 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0.2</generator>

<image>
	<url>https://baukunst.art/wp-content/uploads/2023/04/cropped-favicon-1-32x32.png</url>
	<title>Bestandssanierung-Archiv - Baukunst</title>
	<link>https://baukunst.art/tag/bestandssanierung/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Aus grauer Energie wird Stadt: Brüssels unbeliebtestes Hochhaus-Duo wird zum Vorzeigeobjekt</title>
		<link>https://baukunst.art/aus-grauer-energie-wird-stadt-bruessels-unbeliebtestes-hochhaus-duo-wird-zum-vorzeigeobjekt/</link>
					<comments>https://baukunst.art/aus-grauer-energie-wird-stadt-bruessels-unbeliebtestes-hochhaus-duo-wird-zum-vorzeigeobjekt/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jul 2026 07:40:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bestandssanierung]]></category>
		<category><![CDATA[Nutzungsmischung]]></category>
		<category><![CDATA[Urban Mining]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=16797</guid>

					<description><![CDATA[<p>Aus dem unbeliebtesten Hochhaus-Duo Brüssels wird ein Vorzeigeobjekt: Der Umbau des World Trade Center setzt konsequent auf Nutzungsmischung, erhaltene Tragstruktur und Kreislaufwirtschaft.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/aus-grauer-energie-wird-stadt-bruessels-unbeliebtestes-hochhaus-duo-wird-zum-vorzeigeobjekt/">Aus grauer Energie wird Stadt: Brüssels unbeliebtestes Hochhaus-Duo wird zum Vorzeigeobjekt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong>  | Gesellschaft | Juli 2026 | Lesezeit: ca. 6 Minuten<br />
<em>Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Brüssels Beton-Trauma wird zum Modell für die Stadt von morgen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bestandssanierung bezeichnet die Ertüchtigung vorhandener Bausubstanz für veränderte Nutzungen und Standards, ohne den Abriss zum Ausgangspunkt der Planung zu machen. Im Brüsseler Nordviertel führt das Projekt ZIN in No(o)rd vor, wie aus dem lange verrufensten Hochhaus-Ensemble der belgischen Hauptstadt, den beiden Türmen des ehemaligen World Trade Center, ein architektonisches Vorzeigeobjekt entsteht. Die 1972 und 1976 errichteten Türme 1 und 2, jeweils rund 100 Meter hoch, standen jahrzehntelang für das Scheitern einer autogerechten Grossplanung. Heute stehen sie für deren Korrektur, und der Hebel dazu heisst Nutzungsmischung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Ausgangspunkt war ein städtebauliches Trauma. Für den sogenannten Manhattan-Plan, Ende der 1960er Jahre beschlossen, wurde ein gewachsenes Wohnquartier nördlich des Brüsseler Zentrums grossflächig abgeräumt. Geplant waren acht Bürotürme entlang einer monofunktionalen Achse, realisiert wurden nur wenige. Zurück blieben Leerstellen, ein zehn Meter hoher Sockel, der die Türme vom Strassenraum abschnitt, und ein Viertel, das nach Feierabend verwaiste. Das World Trade Center wurde so seit 1970 zum Sinnbild urbaner Entfremdung, ein Ort, den Bürgerinnen und Bürger mieden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum galt das World Trade Center als städtebauliches Desaster?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Grund lag nicht in der Höhe, sondern in der Haltung. Der Manhattan-Plan folgte dem Leitbild der funktional getrennten, autogerechten Stadt, das Henri Lefebvre bereits 1968 als Enteignung des städtischen Lebens kritisiert hatte. Büroflächen stapelten sich über einem Parkierungssockel, Wohnen und Handel fehlten, der öffentliche Raum endete an einer Betonkante. Hinzu kam die technische Alterung: mangelnde Energieeffizienz, überholte Geschosshöhen und komplizierte Eigentumsverhältnisse machten die Türme betriebswirtschaftlich zur Last. Was blieb, war ein enormer Bestand an grauer Energie, also an jener Energie, die in Herstellung und Errichtung des Rohbaus bereits gebunden war. Ein Abriss hätte diese Bilanz vollständig vernichtet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vor dem Umbau diente der leerstehende Komplex mehrere Jahre der Zwischennutzung, unter anderem durch Künstlerinnen und Künstler, kulturelle Initiativen und zeitweise als Unterkunft für Geflüchtete. Diese informelle Phase machte sichtbar, welches Potenzial im Bestand steckte, und band das Viertel wieder an das städtische Leben an.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was macht die Nutzungsmischung zum Kern des Umbaus?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Planungsgemeinschaft aus 51N4E, Jaspers-Eyers Architects und l&#8217;AUC setzte den entscheidenden Schnitt nicht beim Volumen, sondern beim Programm. Von den rund 110.000 Quadratmetern oberirdischer Fläche entfallen etwa 75.000 auf Büros und 14.000 auf Wohnungen, hinzu kommen 240 Hotelzimmer sowie Flächen für Sport, Gastronomie und Einzelhandel. Entscheidend ist, dass diese Funktionen nicht säuberlich in Zonen getrennt, sondern über die Geschosse verschränkt werden; Wohnen und Arbeiten wechseln sich ab, ein neu eingefügtes Verbindungsvolumen mit vierzehn doppelt hohen Geschossen koppelt die beiden erhaltenen Türme. Die vertikale Verschränkung erzeugt eine über den Tag belebte Fassade und verhindert die tote Zone, die reine Bürobauten nach Dienstschluss prägt. Der abweisende Sockel wich einem offenen Erdgeschoss mit mehreren Adressen, eine halböffentliche Dachterrasse ergänzt das Ensemble.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Damit übersetzt ZIN ein Leitbild, das die deutsche Planung im urbanen Gebiet nach § 6a Baunutzungsverordnung seit 2017 verfolgt und das die Leipzig-Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt von 2007 formuliert: Dichte, Mischung und ein durchgehend belebter öffentlicher Raum. Die flämische Regierung mietet den grössten Teil der Büroflächen, rund 3.900 Beamtinnen und Beamte arbeiten künftig im Haus; die durchmischte Nutzung sorgt dafür, dass das Viertel nicht erneut zur reinen Bürowüste wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">So überzeugend die Bilanz ausfällt, ganz ohne Zielkonflikte bleibt die Aufwertung nicht. Mit der Wiederbelebung des Nordviertels wächst der Druck auf die angrenzenden, sozial belasteten Quartiere; die frühere Zwischennutzung wich einer hochwertigen Regierungs- und Hotelnutzung. Ob die neue Mischung tatsächlich allen sozialen Gruppen offensteht oder vor allem zahlungskräftige Nutzergruppen anzieht, wird sich erst im Betrieb zeigen. Nutzungsmischung ist ein städtebauliches Instrument, kein sozialpolitischer Automatismus.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie wird aus einem Abrisskandidaten ein Rohstofflager?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der zweite Hebel ist die Kreislaufwirtschaft. Statt die Türme abzureissen, behielten die Planenden die beiden Erschliessungskerne und wesentliche Teile der Tragstruktur und begriffen den Bestand als Materialbank. Nach Angaben des Entwicklers Befimmo wurden rund 30.000 Tonnen Beton abgetragen und wiederverwendet; ein Materialpass dokumentierte die verbauten Stoffe, das Projekt erhielt Zertifizierungen nach Cradle to Cradle, BREEAM und WELL. ZIN zählt damit zu den grössten Urban-Mining-Vorhaben Europas. Der Ansatz folgt drei Klassikern der Baukultur: Carl Elefantes Diktum, das umweltfreundlichste Gebäude sei das bereits vorhandene; Alex Gordons Formel „Long Life, Loose Fit, Low Energy“ von 1972; und Stewart Brands Modell der Schichten unterschiedlicher Lebensdauer, das robuste Tragwerke von kurzlebigem Ausbau trennt. Bewertungsmethoden wie die DIN EN 15978 machen den so vermiedenen CO2-Ausstoss überhaupt erst nachweisbar.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das Projekt für den Umgang mit Bestand in Deutschland?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die DACH-Region ist die Übertragbarkeit hoch. Auch hier altern die Bürotürme der 1970er Jahre, verschärft durch veränderte Arbeitsformen und steigende Leerstände nach der Pandemie. In deutschen Innenstädten summiert sich der Büroleerstand spürbar; die Umwandlung nicht mehr marktgängiger Türme in gemischte Quartiere gilt vielerorts als naheliegende, aber planungsrechtlich anspruchsvolle Antwort. Das Baugesetzbuch verpflichtet in § 1a mit der Bodenschutzklausel zum sparsamen Umgang mit Grund und Boden, das Gebäudeenergiegesetz setzt die energetischen Ziele, und der Umgang mit grauer Energie rückt in der Ökobilanz nach vorn. Ein Selbstläufer ist die Sanierung dennoch nicht: komplizierte Bestandsstatik, Schadstoffe und höhere Planungskosten nach den Leistungsphasen der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure verlangen mehr Sorgfalt als der Neubau auf der grünen Wiese. ZIN, Ende 2023 fertiggestellt und heute nach der flämischen Bildungspionierin Marie-Elisabeth Belpaire benannt, zeigt, dass sich dieser Aufwand lohnt, wenn Bestand nicht als Hindernis, sondern als Ressource und sozialer Anker der Stadt verstanden wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/aus-grauer-energie-wird-stadt-bruessels-unbeliebtestes-hochhaus-duo-wird-zum-vorzeigeobjekt/">Aus grauer Energie wird Stadt: Brüssels unbeliebtestes Hochhaus-Duo wird zum Vorzeigeobjekt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://baukunst.art/aus-grauer-energie-wird-stadt-bruessels-unbeliebtestes-hochhaus-duo-wird-zum-vorzeigeobjekt/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Umbauen statt abreissen: Ein französisches Modell stellt die Dämmdoktrin infrage</title>
		<link>https://baukunst.art/umbauen-statt-abreissen-ein-franzoesisches-modell-stellt-die-daemmdoktrin-infrage/</link>
					<comments>https://baukunst.art/umbauen-statt-abreissen-ein-franzoesisches-modell-stellt-die-daemmdoktrin-infrage/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jul 2026 07:31:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Bestandssanierung]]></category>
		<category><![CDATA[Lacaton & Vassal]]></category>
		<category><![CDATA[Wintergarten-Pufferzone]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=16794</guid>

					<description><![CDATA[<p>Statt dicker Dämmung eine transparente Pufferzone: Das preisgekrönte Modell von Lacaton &#038; Vassal spart Heizenergie, gewinnt Wohnraum und fordert die deutsche Passivhaus-Logik heraus.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/umbauen-statt-abreissen-ein-franzoesisches-modell-stellt-die-daemmdoktrin-infrage/">Umbauen statt abreissen: Ein französisches Modell stellt die Dämmdoktrin infrage</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong>  | Innovation | Juli 2026 | Lesezeit: ca. 5 Minuten</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Pufferzone statt Dämmpaket: Warum ein französisches Sanierungsmodell das Passivhaus herausfordert</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Pufferzonensanierung bezeichnet die energetische Ertüchtigung eines Bestandsgebäudes durch eine vorgelagerte, unbeheizte Raumschicht aus Wintergärten und Balkonen, die als thermischer Puffer wirkt und den Wohnungen zugleich Fläche verschafft. <strong><a href="https://www.lacatonvassal.com/" target="_blank" rel="noopener">Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal</a></strong>, seit dem Pritzker-Preis 2021 die international bekanntesten Vertreterinnen und Vertreter dieses Ansatzes, stellen damit die deutsche Sanierungslogik auf den Kopf: Statt den Baukörper in immer dickere Dämmschichten zu hüllen, setzen sie eine transparente Hülle davor. Das Ergebnis sind bis zu 60 Prozent weniger Heizenergie und zusätzlicher Wohnraum, erreicht mit vergleichsweise geringem Materialeinsatz.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was unterscheidet die Pufferzone von der Dämmschicht?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das deutsche Passivhaus, 1991 von Wolfgang Feist in Darmstadt-Kranichstein erstmals gebaut und seit 1996 vom Passivhaus Institut zertifiziert, folgt einem klaren Prinzip: maximale Dämmung, luftdichte Hülle, kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Der Heizwärmebedarf darf 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr nicht überschreiten, die Luftdichtheit muss einen n50-Wert von höchstens 0,6 erreichen. Für die Sanierung existiert mit dem EnerPHit-Standard eine eigene Variante, die einen Heizwärmebedarf von bis zu 25 kWh pro Quadratmeter und Jahr zulässt. Gegenüber dem Bestand spart das Passivhaus bis zu 90 Prozent Energie, allerdings um den Preis einer aufwendigen, materialintensiven Gebäudehülle.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Lacaton und Vassal verfolgen die entgegengesetzte Strategie. Vor die bestehende Fassade setzen sie eine drei bis vier Meter tiefe Schicht aus Wintergärten und Balkonen. Diese unbeheizte Zone fängt solare Gewinne ein, senkt die Transmissionsverluste der dahinterliegenden Wohnräume und wirkt im Sommer als Verschattung. Der Wintergarten arbeitet nicht gegen, sondern mit dem Klima. Ein deutscher Vorläufer dieser Bauweise ist der Architekt und Hochschullehrer Thomas Herzog, der bereits 1979 in Regensburg ein Wohnhaus mit doppelter, klimaaktiver Hülle realisierte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie viel Energie und Fläche gewinnt der Bestand tatsächlich?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Beweis liefern zwei Projekte. Beim Tour Bois-le-Prêtre, einem 1961 von Raymond Lopez errichteten Pariser Wohnhochhaus mit 96 Wohnungen, entfernten Frédéric Druot, Lacaton und Vassal 2011 die alte Betonfassade und legten eine raumhohe Glasschicht davor. Die Wohnungen wuchsen erheblich, die Mieterinnen und Mieter konnten während der Bauzeit in ihren Wohnungen bleiben, und die Kosten lagen bei rund einem Drittel dessen, was Abriss und Neubau verschlungen hätten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch größer war der Maßstab in Bordeaux. Für die Cité du Grand Parc transformierte das Team um Lacaton, Vassal, Druot und Christophe Hutin 2017 drei Wohnblöcke mit insgesamt 530 Sozialwohnungen. Vorgefertigte Betonmodule von 3,8 Metern Tiefe wurden vor die Fassade gehängt, die Kosten blieben bei etwa 50.000 Euro pro Wohnung, die Mieten unverändert. 2019 erhielt das Projekt den Mies-van-der-Rohe-Preis der Europäischen Union. Die Grundidee reicht bis zur Studie „Plus&#8220; von 2004 zurück, mit der die Beteiligten auf staatliche Pläne reagierten, rund 200.000 Wohnungen der Nachkriegsmoderne durch Neubauten zu ersetzen. Sie wiesen nach, dass sich für den Preis eines Abrisses drei bis vier Bestandswohnungen aufwerten lassen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum tut sich Deutschland mit dem Ansatz schwer?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Geschosswohnungsbau kam das Konzept hierzulande bislang nicht zum Zug. Das hat mehrere Gründe. Zum einen prägt die Passivhaus-Kultur die Förderlandschaft: Das Gebäudeenergiegesetz (GEG), zuletzt 2024 novelliert, und die Programme der Kreditanstalt für Wiederaufbau belohnen messbare Kennwerte für Dämmung und Anlagentechnik, nicht aber den Flächengewinn einer ungeheizten Pufferzone. Zum anderen zählt eine solche Zone nach der Wohnflächenverordnung (WoFlV) nicht ohne Weiteres als vollwertige Wohnfläche, was ihre wirtschaftliche Bewertung erschwert. In Frankreich nutzten Lacaton und Vassal genau diesen Umstand als Vorteil, weil Wintergärten dort nicht auf die streng normierte Sozialwohnungsfläche angerechnet werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt eine kulturelle Prägung. Die deutsche Debatte denkt Sanierung vom Grenzwert her, nicht vom Raum. Ein Ansatz, der Behaglichkeit und Großzügigkeit über die reine Kilowattstunde stellt, fügt sich nur schwer in ein Regelwerk, das den Erfolg an der Nachkommastelle des Heizwärmebedarfs misst.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was ändert die EPBD 2024 an dieser Abwägung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die überarbeitete EU-Gebäuderichtlinie EPBD, am 28. Mai 2024 in Kraft getreten und bis 2026 in nationales Recht zu überführen, verschiebt den Maßstab. Erstmals verlangt sie die Bilanzierung des Lebenszyklus-Treibhauspotenzials, das die „graue&#8220; Energie in Baustoffen mit den Emissionen der Nutzungsphase zusammenführt. Ab 2028 gilt die Nachweispflicht für große Neubauten, ab 2030 für alle. Der Gebäudesektor zählt europaweit zu den größten Verursachern von Treibhausgasen, und ein erheblicher Teil davon steckt bereits vor dem ersten Heiztag in Herstellung und Transport der Baustoffe. Damit rückt jene Rechnung ins Zentrum, die Lacaton und Vassal seit jeher aufmachen: Ein Abriss vernichtet nicht nur Material und Geschichte, sondern auch die bereits investierte graue Energie des Bestands.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Sanierung folgt daraus eine neue Logik. Wer Bestand erhält und mit geringem Materialeinsatz ertüchtigt, punktet in der Gesamtbilanz oft stärker als ein hochgedämmter Neubau. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) hat den Umsetzungsprozess der EPBD begleitet und dringt darauf, den Vorrang der Bestandserhaltung im deutschen Recht zu verankern. Ein Abrissmoratorium, wie es Teile der Fachwelt fordern, ist damit noch nicht verbunden, doch die Richtung ist vorgezeichnet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das für kleine und mittlere Büros?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Planerinnen und Planer jenseits der großen Konzerne liegt darin eine Chance. Das Konzept verlangt kein Hochtechnologie-Repertoire, sondern präzises Entwerfen mit einfachen, industriell verfügbaren Bauteilen: Stahlrahmen, Polycarbonat, vorgefertigte Betonelemente. Es eignet sich besonders für die zahlreichen Wohnungen in deutschen Großsiedlungen der 1960er und 1970er Jahre, deren Grundrisse eng und deren Fassaden sanierungsbedürftig sind. Zugleich verspricht der Ansatz eine soziale Dividende, weil sich Wohnraum gewinnen lässt, ohne die Bewohnerinnen und Bewohner durch Luxussanierung und steigende Mieten zu verdrängen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Grenzen des Ansatzes sind gleichwohl real. Nördlich der Alpen fallen die solaren Gewinne geringer aus als in Bordeaux, der sommerliche Wärmeschutz nach DIN 4108-2 verlangt sorgfältige Verschattung, um eine Überhitzung der Pufferzone zu vermeiden, und der Brandschutz vorgelagerter Glasschichten stellt eigene Anforderungen. Damit das Modell hierzulande Fuß fasst, müsste zudem die Fördersystematik den Flächengewinn honorieren, nicht allein den Dämmwert. Doch als Ergänzung zur Dämmorthodoxie, nicht als deren Ersatz, verdient das französische Modell in Deutschland mehr Aufmerksamkeit, als es bisher erhält. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob gedämmt oder gepuffert wird, sondern wie viel Bestand, Fläche und graue Energie sich mit dem geringsten Aufwand bewahren lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/umbauen-statt-abreissen-ein-franzoesisches-modell-stellt-die-daemmdoktrin-infrage/">Umbauen statt abreissen: Ein französisches Modell stellt die Dämmdoktrin infrage</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://baukunst.art/umbauen-statt-abreissen-ein-franzoesisches-modell-stellt-die-daemmdoktrin-infrage/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Fünf Fronten gegen ein Gesetz: Wie der Kabinettsbeschluss zum Gebäude&#173;modernisierungs&#173;gesetz politisch und juristisch unter Druck gerät</title>
		<link>https://baukunst.art/fuenf-fronten-gegen-ein-gesetz-wie-der-kabinettsbeschluss-zum-gebaeudemodernisierungsgesetz-politisch-und-juristisch-unter-druck-geraet/</link>
					<comments>https://baukunst.art/fuenf-fronten-gegen-ein-gesetz-wie-der-kabinettsbeschluss-zum-gebaeudemodernisierungsgesetz-politisch-und-juristisch-unter-druck-geraet/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 08:29:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Premium]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bauwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bestandssanierung]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Energiepolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Klimapolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungspolitik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=16148</guid>

					<description><![CDATA[<p>Fünf Fronten in 96 Stunden. Normenkontrollrat, Städtebund, Architektenkammern, SPD-Spitze und juristischer Widerstand stehen gegen das am 13. Mai 2026 beschlossene Gebäudemodernisierungsgesetz. Die Bundesregierung räumt in der eigenen Kabinettsvorlage ein, dass die Folgen der Bio-Treppe nicht bezifferbar sind. Politisch beschlossen, fachlich nicht getragen, juristisch unsicher fundiert. Was bedeutet das für ein Gesetz, das vor der Sommerpause beschlossen werden soll?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/fuenf-fronten-gegen-ein-gesetz-wie-der-kabinettsbeschluss-zum-gebaeudemodernisierungsgesetz-politisch-und-juristisch-unter-druck-geraet/">Fünf Fronten gegen ein Gesetz: Wie der Kabinettsbeschluss zum Gebäude&shy;modernisierungs&shy;gesetz politisch und juristisch unter Druck gerät</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong> | Berufspolitik / Meinung &amp; Kritik | 18. Mai 2026<br />
Lesezeit: ca. 10 Minuten</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Fünf gegen Reiche: Wie das Heizungsgesetz binnen 96 Stunden seine politische Tragfähigkeit verliert</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Innerhalb von 96 Stunden nach dem Kabinettsbeschluss vom 13. Mai 2026 haben sich fünf voneinander unabhängige Frontstellungen gegen das Gebäudemodernisierungsgesetz aufgebaut. Der Nationale Normenkontrollrat hält den Entwurf für handwerklich misslungen. Der Städte- und Gemeindebund sieht die kommunale Wärmeplanung gefährdet. Die Berufsvertretungen der Planenden bemängeln fehlende Verlässlichkeit. In der SPD wachsen die Vorbehalte. Und im Hintergrund formiert sich juristischer Widerstand, der das parlamentarische Verfahren überlagern könnte. Was bedeutet das für ein Gesetz, das vor der Sommerpause beschlossen werden soll?</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 13. Mai 2026 hat das Bundeskabinett den Entwurf zum Gebäudemodernisierungsgesetz beschlossen. Acht Tage nach dem Referentenentwurf, ohne nennenswerte inhaltliche Änderungen. Die 65-Prozent-Pflicht für erneuerbare Energien fällt, an ihre Stelle tritt die Bio-Treppe ab 2029. Fossile Heizungen bleiben grundsätzlich zulässig. Die Bundesregierung peilt ein Inkrafttreten vor der Sommerpause an, der Bundestag ist nun am Zug, der Bundesrat ist nicht zustimmungspflichtig. Bemerkenswerter als der Beschluss selbst ist, was in den 96 Stunden danach passiert ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Erste Front: Der Nationale Normenkontrollrat schreibt das Gesetz ab</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 14. Mai 2026 hat sich der Vorsitzende des Nationalen Normenkontrollrats, Lutz Goebel, in der Bild-Zeitung zum GModG geäußert. Der Gesetzentwurf gehöre zu den handwerklich schwächsten und praxisfernsten Vorhaben, die dem Gremium in den vergangenen Jahren vorgelegt worden seien. Der Text sei in weiten Teilen kaum verständlich, unnötig kompliziert und für Betroffene häufig nicht nachvollziehbar. Selbst Heizungs-Fachverbände kritisierten Umsetzungsprobleme und mangelnde Praxistauglichkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der NKR ist ein gesetzlich verankertes, unabhängiges Expertengremium mit zehn ehrenamtlichen Mitgliedern, die vom Bundespräsidenten berufen werden. Sein Mandat umfasst den gesamten Erfüllungsaufwand eines Gesetzes, also alle messbaren Kosten und den Zeitaufwand für Bürger, Unternehmen und Verwaltung. Eine derart frontale öffentliche Kritik ist selten. Goebels Wortwahl ist es noch seltener. Das Gesetz sei ein Paradebeispiel dafür, warum viele Menschen staatliche Regeln nicht mehr verstünden. Genau solche Gesetze trügen zur Frustration vieler Bürgerinnen und Bürger gegenüber Staat und Politik bei.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Konkret bemängelt der NKR zusätzliche Bürokratie- und Beratungskosten. Die Aufteilung der Nebenkosten beim Einbau fossiler Heizungen sei für viele Wohnungseigentümer ohne externe Beratung kaum umsetzbar. Goebel hat den Bundestag aufgefordert, den Entwurf im parlamentarischen Verfahren zu überarbeiten und die Vorschläge der Fachverbände zu prüfen. Diese Aufforderung wiegt politisch, weil sie aus einem Gremium kommt, das von der Bundesregierung selbst eingesetzt wurde, um deren Gesetzgebungsqualität zu prüfen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zweite Front: Der Städte- und Gemeindebund warnt vor Infrastruktur-Wirrwarr</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 15. Mai 2026 hat sich André Berghegger, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, im Spiegel geäußert. Sein Argument zielt nicht auf die Klimabilanz, sondern auf die kommunale Vollzugsverantwortung. Es könne nicht dauerhaft Ziel sein, gleichzeitig Gasnetze weiterzubetreiben, Stromnetze für flächendeckende Wärmepumpen auszubauen und parallel neue Wärmenetze zu errichten. Welche Infrastruktur sinnvoll sei, könne nur die kommunale Wärmeplanung vor Ort entscheiden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Berghegger befürchtet widersprüchliche Förderanreize. Im schlimmsten Fall werde die Wärmewende volkswirtschaftlich ineffizient, Bürger, Wirtschaft und Kommunen seien finanziell überfordert. Der Städtebund sperrt sich nicht grundsätzlich gegen die Bio-Treppe oder gegen Biomethan als Brennstoffoption. Voraussetzung sei jedoch der weitere Betrieb der Gasnetze. Und genau hier beginnt das Dilemma: Wer kommunale Wärmeplanung ernst nimmt, kann nicht gleichzeitig den unbegrenzten Weiterbetrieb der Gasinfrastruktur garantieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Argument trifft eine Stelle, an der das GModG strukturell schwach ist. Das Gesetz regelt den Einbau einer Heizung, nicht die Frage, ob die Versorgungsinfrastruktur dafür langfristig vorhanden sein wird. Die Bundesregierung hat angekündigt, eine Biomethan-Strategie und ein Maßnahmenpaket zum Netzbetrieb nachzuliefern. Solange diese Strategie nicht vorliegt, beschließt der Bundestag ein Gesetz, dessen wichtigste Voraussetzung erst später geklärt wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Dritte Front: Die Architektenkammern fordern Verlässlichkeit in der Planungspraxis</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundesarchitektenkammer hat ihre Stellungnahme zum Referentenentwurf am 11. Mai 2026 eingereicht, zwei Tage vor dem Kabinettsbeschluss. Präsidentin Andrea Gebhard fasste die Position in einem Satz zusammen, der mittlerweile zum Resümee des Berufsstands geworden ist. Erlaubt sei nicht automatisch sinnvoll. Wer heute eine neue Heizung einbauen lasse, treffe eine Entscheidung für Jahrzehnte. Eigentümerinnen und Eigentümer bräuchten verlässliche Beratung, klare Rahmenbedingungen und Schutz vor teuren Fehlinvestitionen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die BAK fordert vier konkrete Nachbesserungen im parlamentarischen Verfahren. Erstens, die Beratungspflicht beim Heizungstausch nicht zu streichen, sondern praxistauglich weiterzuentwickeln. Zweitens, klare Brennstoffregeln zu Verfügbarkeit, Herkunft, Qualität und Anrechenbarkeit. Drittens, ein verlässliches Enddatum für den Betrieb fossiler Heizungen. Viertens, eine systematische Verzahnung von Gebäudemodernisierungsgesetz, kommunaler Wärmeplanung und Förderkulisse.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen hat bereits zu den Eckpunkten Stellung bezogen und einen Punkt herausgearbeitet, der eng mit der Argumentation des Städtebunds verzahnt ist: die Verankerung eines Quartiersansatzes. Eine Wärmewende, die nur das einzelne Gebäude in den Blick nimmt, verfehlt die Wirklichkeit der baulichen Praxis. Ein Quartier mit kommunaler Wärmeplanung, gemischter Eigentumsstruktur und unterschiedlichen Gebäudealtern lässt sich nicht über eine reine Anlagenregelung steuern. Auch die AKNW kritisiert, dass die 65-Prozent-Regelung ersatzlos gestrichen wird, ohne dass ein alternativer Pfad zur Emissionsfreiheit erkennbar wäre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Planungspraxis hat das konkrete Folgen. Wer als Architektin oder Architekt heute zu einer Heizungsentscheidung berät, muss vier Szenarien parallel durchrechnen: einen Wärmepumpenbetrieb mit aktueller Strompreisprognose, einen fossilen Anlagenbetrieb mit Bio-Treppe und steigendem CO2-Preis, einen Hybridbetrieb mit anteiliger Wärmepumpe und einen Anschluss an ein Wärmenetz, sofern verfügbar. Die Lebenszykluskosten der vier Varianten unterscheiden sich erheblich, die Unsicherheitsbereiche überlappen sich. Diese Vier-Szenarien-Logik ist keine Erleichterung, sondern eine Lastenverschiebung aus der politischen Steuerung in die Planung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Vierte Front: Die SPD verteidigt im Kabinett, was sie inhaltlich nicht trägt</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert sind die innerkoalitionären Risse. Bundesumweltminister Carsten Schneider hatte bereits im Vorfeld des Kabinettsbeschlusses Vorbehalte gegen die Streichung des Fossilverbots ab 2044 angemeldet. Auch SPD-Fraktionsvorsitzender Matthias Miersch hat den Beschluss am Tag der Verabschiedung mit einer Formulierung kommentiert, die mehr verteidigt als bejaht. Das Heizungsgesetz sei nun fest mit dem Klimaschutzgesetz und dem Ziel der Klimaneutralität 2045 verzahnt und schütze Mieterinnen und Mieter. Die Wirkung des Gesetzes solle 2030 von den Ministerien für Wirtschaft, Bauen und Umwelt überprüft werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Wirkungsprüfung 2030 mit möglicher Nachsteuerung ist im politischen Vokabular ein Eingeständnis. Wer ein Gesetz mit Nachsteuerungsoption beschließt, weiß, dass es in der jetzigen Form nicht hält, was es verspricht. Auch SPD-Chef Lars Klingbeil hat in den vergangenen Wochen wiederholt Vorbehalte gegen die Energiegesetze aus dem Hause Reiche formuliert. Die SPD trägt den Kabinettsbeschluss mit, weil sie ihn im Koalitionsausschuss verhandelt hat. Sie verteidigt ihn nicht, weil sie ihn für gelungen hält.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese vierte Front ist die politisch riskanteste. Wenn die SPD-Fraktion im parlamentarischen Verfahren auf Nachbesserungen drängt, kann der Bundestag die Architektur des Gesetzes verändern. Wenn nicht, wird der Konflikt in das nächste Klimaschutzprogramm und in den nächsten Koalitionsausschuss verlagert. In beiden Fällen entsteht keine Planungssicherheit für die Branche, sondern die berechtigte Erwartung, dass nach 2030 nachgeschärft wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fünfte Front: Juristischer Widerstand zwischen Klimaschutzrecht und EU-Vorgaben</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine fünfte Frontstellung hat sich in den Tagen nach dem Kabinettsbeschluss verdichtet, und sie ist möglicherweise die folgenreichste. Die Deutsche Umwelthilfe hat am 13. Mai erklärt, sie werde rechtlich nichts unversucht lassen, um das GModG in seiner jetzigen Form zu stoppen. Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz spricht von einer fossilen Rolle rückwärts. Die DUH ist kein symbolischer Akteur. Sie hat in den vergangenen 18 Monaten zwei Klimaklagen vor dem Bundesverwaltungsgericht gewonnen und im Januar 2026 das Urteil erstritten, mit dem das Klimaschutzprogramm 2023 als unzureichend bewertet wurde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Verwaltungsrechtlerin Miriam Vollmer, eine der profiliertesten Stimmen im Energie- und Klimaschutzrecht, hat öffentlich gewarnt, das Gesetz stehe in weiten Teilen auf unsicherem rechtlichen Boden. Drei rechtliche Angriffsflächen sind erkennbar. Erstens, die EPBD-Konformität. Die EU-Gebäuderichtlinie verlangt verbindlich Maßnahmen, die den gesamten Gebäudebestand bis 2050 zu hundert Prozent klimaneutral mit Wärme versorgen. Die Bio-Treppe sieht bis 2040 lediglich 60 Prozent biogenen Anteil vor. Mehrere Verbände, darunter der Bundesverband Erneuerbare Energie, halten den Entwurf für nicht richtlinienkonform.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zweitens, das Klimaschutzgesetz. Das Bundesverwaltungsgericht hat im Januar 2026 entschieden, dass das Klimaschutzprogramm 2023 für die Erreichung der gesetzlichen Klimaziele nicht ausreicht. Der Gebäudesektor ist seit Jahren der Bereich mit der größten Zielverfehlung. Ein Gesetz, das den Klimaschutzbeitrag des Gebäudesektors verringert, geht in eine ungünstige Beweislage. Die Begründung der Bundesregierung selbst räumt ein, dass die Folgen der Bio-Treppe nicht bezifferbar seien. In einem Klageverfahren ist das ein problematischer Satz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drittens, das Verschlechterungsverbot. Bereits im März 2025 hatte der CDU-CSU-interne Zusammenschluss Klimaunion ein Rechtsgutachten vorgelegt, das zentrale Rückschritte beim Klimaschutz für verfassungsrechtlich problematisch hält. Der Vorsitzende Thomas Heilmann, ehemaliger CDU-Abgeordneter, hatte 2023 vor dem Bundesverfassungsgericht erfolgreich für mehr Beratungszeit beim damaligen Heizungsgesetz geklagt. Seine Position ist klar: Detailänderungen seien möglich, um Regelungen unbürokratischer zu gestalten. Die zentrale Wirkung des Heizungsgesetzes könne aber nicht zurückgenommen werden, ohne gegen die Verfassung zu verstoßen, sofern keine ähnlich wirksame Maßnahme beschlossen werde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch der Expertenrat der Bundesregierung für Klimafragen hat eine Rückabwicklung des Heizungsgesetzes mehrfach als gefährlich bezeichnet. Damit liegt eine seltene Konstellation vor. Der juristische Widerstand kommt nicht nur aus dem klimaaktivistischen Spektrum, sondern auch aus der CDU selbst, aus der Wissenschaft und aus dem von der Bundesregierung eingesetzten Beratungsgremium. Für ein Gesetz, das vor der Sommerpause durchs parlamentarische Verfahren soll, ist das eine ungünstige Ausgangslage.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was ist die kleinste gemeinsame Diagnose?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die fünf Frontstellungen kommen aus sehr unterschiedlichen Ecken. Der NKR argumentiert aus der Sicht von Bürokratiekosten und Rechtsstaatlichkeit. Der Städtebund aus der Sicht kommunaler Daseinsvorsorge. Die Architektenkammern aus der Sicht der Planungspraxis. Die SPD aus der Sicht eines Koalitionspartners, der das Vorhaben nicht trägt, aber mitbeschlossen hat. Der juristische Strang aus der Sicht des Klimaschutz- und Europarechts. Was die fünf Linien eint, ist keine inhaltliche Schnittmenge, sondern eine strukturelle Diagnose. Das Gesetz beantwortet die falschen Fragen oder beantwortet die richtigen Fragen unzureichend.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundesregierung selbst räumt in der Kabinettsvorlage ein, dass die mittelbaren Folgen der Bio-Treppe zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht beziffert werden könnten. Eine belastbare Abschätzung künftiger Kosten sei nicht möglich. Gesicherte Annahmen für die Marktentwicklung ließen sich nicht treffen. Diese Selbstauskunft, in einer eigentlich nüchternen Kabinettsvorlage, ist der politische Kern des Beschlusses. Ein Gesetz, dessen Folgen die beschließende Bundesregierung in der eigenen Begründung als nicht bezifferbar bezeichnet, wird nicht beschlossen, weil es trägt. Es wird beschlossen, weil es politisch versprochen wurde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie geht es im Gesetzgebungsverfahren weiter?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach dem Kabinettsbeschluss folgt die parlamentarische Befassung. Der Bundestag berät das Gesetz in den nächsten Wochen in erster Lesung, anschließend gehen die Beratungen in die Ausschüsse. Der Bundesrat befasst sich, ist beim GModG aber nicht zustimmungspflichtig. Ein Inkrafttreten ist nach der Sommerpause realistisch, also Mitte bis Ende Juli, eventuell Anfang August 2026. Die EPBD-Umsetzungsfrist am 29. Mai 2026 wird damit überschritten. Ein Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission ist möglich, in der Praxis aber nicht unmittelbar zu erwarten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im parlamentarischen Verfahren bleibt Spielraum für substanzielle Korrekturen. Wer Einfluss nehmen will, muss jetzt in die Fachausschüsse einbringen, was bislang nicht angekommen ist. Der NKR-Vorstoß vom 14. Mai erhöht die politische Wahrscheinlichkeit, dass mindestens die Bürokratie- und Beratungslast überarbeitet wird. Die SPD-internen Vorbehalte machen es plausibel, dass das Fossilverbot 2044 noch einmal verhandelt wird. Der juristische Strang wirkt indirekt: Abgeordnete, die in Kenntnis der Verfassungsfragen abstimmen, werden risikoaverser argumentieren. Beim Verhältnis von Bio-Treppe und kommunaler Wärmeplanung ist hingegen wenig Bewegung erwartbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das für Architektinnen und Architekten?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die planenden Berufe ergeben sich drei konkrete Konsequenzen. Erstens: Die Bauherrenberatung im Energiebereich wird komplexer und arbeitsintensiver. Wer das ernst nimmt, kalkuliert ein neues Honorarmodell. Wer es nicht ernst nimmt, verkauft Standardberatung in einem Markt, der keine Standards mehr hat. Zweitens: Die Verzahnung mit der kommunalen Wärmeplanung wird zum entscheidenden Faktor. Eine Sanierungsempfehlung ohne Bezug zur Wärmeplanung der jeweiligen Kommune ist nach Inkrafttreten des GModG eine Empfehlung im luftleeren Raum. Drittens: Die Lebenszyklusbetrachtung gewinnt an Gewicht, gerade weil das Gesetz sie nicht verlangt. Was der Gesetzgeber nicht regelt, müssen die Planenden in ihren Verträgen und Honorarordnungen selbst regeln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die nationale Gebäudedatenbank, die nach EPBD die Grundlage dieser Arbeit bilden sollte, ist im GModG nicht ausgestaltet. Auch der Renovierungspass, den die EPBD vorsieht, fehlt. Damit fehlen genau jene Werkzeuge, die eine seriöse Bestandsstrategie braucht. Wer als Planungsbüro langfristig in diesem Feld arbeiten will, muss diese Lücken selbst schließen, mit eigenen Datenstrukturen, eigenen Beratungsmodellen, eigenen Quellenbewertungen. Zugleich bleibt das juristische Risiko: Sollte das GModG in zwei oder drei Jahren ganz oder teilweise gerichtlich gekippt werden, geraten Heizungsentscheidungen, die in seinem Vertrauen getroffen wurden, in eine schwierige Lage. Eine Beratung, die diese Möglichkeit nicht thematisiert, wird haftungsrechtlich angreifbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie positioniert sich baukunst.art?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wir lesen den Kabinettsbeschluss in der Konstellation, die sich nach 96 Stunden zeigt, als ein Vorhaben, das politisch beschlossen, fachlich aber nicht getragen und juristisch unsicher fundiert ist. Dass der Normenkontrollrat ein laufendes Vorhaben so deutlich öffentlich kritisiert, ist eine Seltenheit. Dass die Kommunen über den Städtebund vor einem Infrastruktur-Wirrwarr warnen, ist eine ernste Warnung an die Praktikabilität. Dass die Berufsvertretungen der Planenden Verlässlichkeit einfordern, ist die Konstante seit Februar 2026. Dass die SPD im eigenen Kabinettsbeschluss eine Wirkungsprüfung 2030 mit Nachsteuerungsoption anlegt, ist der politisch ehrlichste Punkt im gesamten Verfahren. Dass aus dem klimaaktivistischen Spektrum, der Verwaltungsrechtspraxis und der CDU-internen Klimaunion gleichzeitig juristischer Widerstand wächst, ist eine seltene Konstellation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Verlässlichkeit, das Wort, das in den meisten Kritiken auftaucht, ist nicht nur ein technischer Begriff. Es ist die Grundlage jeder Investitionsentscheidung im Gebäudesektor. Wer Klimapolitik im Gebäudebereich erfolgreich gestalten will, kann die Anforderungen nicht alle drei Jahre neu definieren. Die Branche hat sich auf den eingeschlagenen Weg eingestellt, sie hat investiert, sie hat Fachpersonal qualifiziert. Eine Rolle rückwärts bestraft genau diejenigen, die vorausgegangen sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die nächste Bundesregierung wird nachsteuern müssen, gleich welcher Zusammensetzung. Die Frage ist nur, wie viel an Vertrauen in die politische Verlässlichkeit der Gebäudepolitik bis dahin verloren ist. Wenn das Gesetz juristisch fällt, kommt diese Nachsteuerung früher als geplant. Wenn nicht, kommt sie spätestens nach der Evaluierung 2030. Das parlamentarische Verfahren der nächsten Wochen ist der letzte Ort, an dem die fünf Frontstellungen einvernehmlich aufgelöst werden könnten. Es spricht wenig dafür, dass das gelingt. Aber genau dort müsste es versucht werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/fuenf-fronten-gegen-ein-gesetz-wie-der-kabinettsbeschluss-zum-gebaeudemodernisierungsgesetz-politisch-und-juristisch-unter-druck-geraet/">Fünf Fronten gegen ein Gesetz: Wie der Kabinettsbeschluss zum Gebäude&shy;modernisierungs&shy;gesetz politisch und juristisch unter Druck gerät</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://baukunst.art/fuenf-fronten-gegen-ein-gesetz-wie-der-kabinettsbeschluss-zum-gebaeudemodernisierungsgesetz-politisch-und-juristisch-unter-druck-geraet/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Regal vor der Fassade: Wie Neuperlach die Sanierungsfrage neu stellt</title>
		<link>https://baukunst.art/das-regal-vor-der-fassade-wie-neuperlach-die-sanierungsfrage-neu-stellt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 09:02:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bauwende]]></category>
		<category><![CDATA[BayBO]]></category>
		<category><![CDATA[BayWoFG]]></category>
		<category><![CDATA[Bestandssanierung]]></category>
		<category><![CDATA[Energieeffizienz]]></category>
		<category><![CDATA[GEG]]></category>
		<category><![CDATA[Großwohnsiedlung]]></category>
		<category><![CDATA[Holzbau]]></category>
		<category><![CDATA[Neuperlach]]></category>
		<category><![CDATA[OTH Regensburg]]></category>
		<category><![CDATA[TU München]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbau]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15613</guid>

					<description><![CDATA[<p>Abreissen oder dämmen? Neuperlach verlangt eine dritte Antwort. Forschende der TU München zeigen, wie Nachkriegssiedlungen mit bewohnbarer Holzkonstruktion in die Zukunft geführt werden können.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-regal-vor-der-fassade-wie-neuperlach-die-sanierungsfrage-neu-stellt/">Das Regal vor der Fassade: Wie Neuperlach die Sanierungsfrage neu stellt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ohne Abriss, ohne Mieterhöhung: Das Forschungsprojekt, das Grosswohnsiedlungen eine Zukunft gibt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die bewohnbare Dämmung ist ein bauliches Konzept, das die energetische Sanierung von Nachkriegsgebäuden mit echter Wohnraumgewinnung verbindet und damit beide Ziele gleichzeitig löst, die bisher meist gegeneinander ausgespielt wurden. Am Beispiel von München-Neuperlach demonstriert das Forschungsprojekt &#8218;Wohnen weiterbauen&#8216; der Technischen Universität München (TUM) und der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg), wie Grosswohnsiedlungen der Nachkriegszeit weder abgerissen noch kosmetisch repariert werden müssen, sondern tiefgreifend und sozialverträglich weiterentwickelt werden können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Neuperlach liegt im Südosten Münchens und gilt als eines der grössten zusammenhängenden Siedlungsgebiete der Bundesrepublik aus der Wiederaufbauphase. Die Wohnblöcke, in langen Reihen aufgestellt, sind erkennbar am geschlossenen Typ, bei dem die Aussenwände der Nachbargebäude seitlich unmittelbar anschliessen. Dieser Gebäudetyp &#8218;Reihe linear&#8216; stand im Mittelpunkt der Untersuchungen, die zwischen 2022 und 2024 im Rahmen des EU-Programms &#8218;Creating NEBourhoods Together&#8216; durchgeführt wurden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was versteht man unter &#8218;bewohnbarer Dämmung&#8216;, und warum ist das mehr als eine Wortneuschöpfung?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Begriff &#8218;bewohnbare Dämmung&#8216; bezeichnet eine vorgesetzte Raumschicht in Holzbauweise, die an den Bestandsfassaden der Wohnblöcke angebracht wird. Technisch funktioniert das Prinzip über ein modulares Konstruktionsprinzip: Holzwände stehen in regelmässigen Abständen quer zur Bestandsfassade und bilden sogenannte Schottenwände. Auf diese Schotten werden Holzdecken aufgelegt. Je nach Planung schliesst eine Einfachverglasung oder eine gedämmte Aussenwand die neue Schicht nach aussen ab.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Ergebnis ist ein &#8218;Regal&#8216;, wie die Forschenden das Konstrukt treffend nennen: statisch unabhängig vom Bestandsgebäude, anpassungsfähig an unterschiedliche Gebäudebreiten und an Vor- sowie Rücksprünge verschiedener Gebäude. Diese Unabhängigkeit ist kein Zufall, sondern Programm. Das Regal kann werksseitig vorgefertigt werden, was die Montagezeit vor Ort erheblich reduziert und witterungsunabhängige Produktion ermöglicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was den Ansatz von einer konventionellen Fassadendämmung unterscheidet, ist die Mehrfachlesbarkeit der neuen Flächen. Sie können als Erweiterung eines bestehenden Raumes genutzt werden, als Übergang zwischen zwei Räumen oder als eigenständig nutzbarer Bereich. Familien unterschiedlicher Grösse, Paare, Wohngemeinschaften und Einzelpersonen sollen die Flächen je nach Lebenssituation individuell aneignen können. Klassische Nutzungszuweisungen von Zimmern werden damit bewusst aufgelöst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die energetischen Kennwerte sprechen für den Ansatz: Simulationen aus der Projektphase ergaben, dass der Heizwärmebedarf des Bestandsgebäudes um bis zu 68 Prozent gesenkt werden kann. Das übersteigt die Einsparwirkung konventioneller Fassadendämmungen erheblich. Die Raumschicht wirkt als thermische Pufferzone, die Wärmeverluste im Winter dämpft und im Sommer vor Überhitzung schützt. Dass dabei Holz als Baustoff zum Einsatz kommt, hat einen weiteren Vorteil: Kohlenstoff wird dauerhaft im Material gespeichert, und die sogenannte graue Energie, die bereits im Bestandsgebäude steckt, bleibt genutzt, anstatt mit dem Abriss verloren zu gehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie lässt sich die Sanierung finanzieren, ohne die bestehenden Mieterinnen und Mieter zu belasten?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Finanzierungsfrage ist bei Sanierungsvorhaben in Grosswohnsiedlungen häufig der eigentliche Knackpunkt. Erhöhte Mieten für Bestandswohnungen gelten politisch als kaum durchsetzbar und sind sozial problematisch, wenn die Bewohnerschaft ohnehin unter Druck steht. Das Konzept &#8218;Wohnen weiterbauen&#8216; beantwortet diese Herausforderung mit einem Querfinanzierungsmodell über Anbauten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bestandswohnungen in Neuperlach bestehen überwiegend aus Dreizimmerwohnungen. Durch Anbauten an die bestehenden Erschliessungskerne können Ein- und Zweizimmerwohnungen ergänzt werden, die auf dem Münchner Mietmarkt gut vermietbar sind. Die Einnahmen aus diesen neuen Einheiten subventionieren die Sanierungskosten der Bestandswohnungen quer. Mieterhöhungen für langjährige Bewohnerinnen und Bewohner werden so vermieden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein weiterer Effekt ist die altersgerechte Umzugsmöglichkeit innerhalb des vertrauten Quartiers. Ältere Bewohner und Bewohnerinnen, die in Neuperlach verwurzelt sind, können in kleinere, barrierefreie Wohnungen im Anbau wechseln. Die freigewordenen grösseren Wohnungen stehen dann für Familien zur Verfügung. Das stärkt die soziale Durchmischung, ohne Verdrängung zu erzeugen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Anbauten selbst sollen als Holz-Hybrid-Bauten mit mittlerem Ausbaustandard ausgeführt werden. Gegenüber einem vollständig neuen Gebäude sind die Herstellungskosten geringer, weil die vorhandene Infrastruktur genutzt wird: Treppenhaus, Aufzug und Fernwärmeanschlüsse sind bereits vorhanden. Zusätzliche Erschliessungsflächen im Anbau entfallen, was die Effizienz der Grundrisse erhöht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was lässt sich von Neuperlach auf andere Grosswohnsiedlungen übertragen?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Neuperlach ist kein Sonderfall. Grosswohnsiedlungen ähnlicher Bauart und Ära existieren in zahlreichen deutschen und europäischen Städten. Die Sanierungsfrage stellt sich überall gleich, und die zur Verfügung stehenden Mittel sind begrenzt. Das Forschungsprojekt versteht Neuperlach ausdrücklich als Untersuchungsobjekt und Anwendungsfall, von dem andere Kommunen, Wohnungsbaugesellschaften und Planende lernen sollen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Münchner Architekt Andreas Hild, Professor für Entwerfen, Umbau und Denkmalpflege an der TUM und einer der Projektbeteiligten, formuliert im Vorwort der im Mai 2025 im Gebr. Mann Verlag erschienenen Publikation zur Studie: Es brauche eine Vision, die helfe, die Grosswohnsiedlungen in eine Zukunft zu führen, nicht zuletzt um als Gemeinschaft die kulturelle und gesellschaftliche Chance einer ökologischen Wohnungswende zu nutzen. Das ist keine Bescheidenheitsgeste, sondern Programm.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Studie, die auf MediaTUM der TUM frei zugänglich ist (<strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="https://mediatum.ub.tum.de/1781725" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">https://mediatum.ub.tum.de/1781725</a></span></span></strong> ), liefert kein abgeschlossenes Entwurfsprodukt, sondern ein Instrumentarium. Planende erhalten Grundlagen, um den Bestand in europäischen Grosswohnsiedlungen sozialverträglich und ökologisch zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Das Regal vor der Fassade ist dabei kein ästhetisches Statement, sondern ein pragmatischer Baustein für eine Wohnraumversorgung, die Bestand und Zukunft gleichzeitig ernst nimmt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die bayerische Baupolitik und die Kommunen im Grossraum München ist &#8218;Wohnen weiterbauen&#8216; ein willkommener Impuls. Die Bayerische Bauordnung (BayBO) sowie das Bayerische Wohnraumförderungsgesetz (BayWoFG) bieten grundsätzlich Spielräume für innovative Sanierungsansätze, die über reine Energiemassnahmen hinausgehen. Ob die politischen Akteure diesen Spielraum nutzen werden, bleibt abzuwarten. Die Forschenden haben jedenfalls gezeigt, dass es keine technischen Hinderungsgründe mehr gibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-regal-vor-der-fassade-wie-neuperlach-die-sanierungsfrage-neu-stellt/">Das Regal vor der Fassade: Wie Neuperlach die Sanierungsfrage neu stellt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur 2025: Wie die Mehrzweckhalle Ingerkingen das Weiterbauen revolutioniert</title>
		<link>https://baukunst.art/deutscher-nachhaltigkeitspreis-architektur-2025-wie-die-mehrzweckhalle-ingerkingen-das-weiterbauen-revolutioniert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Dec 2025 09:39:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Bestandssanierung]]></category>
		<category><![CDATA[Holzbauweise]]></category>
		<category><![CDATA[nachhaltiges Bauen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14610</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Mehrzweckhalle Ingerkingen gewinnt den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur 2025. Das Projekt zeigt, wie Bestandserhalt und Innovation zusammenfinden.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/deutscher-nachhaltigkeitspreis-architektur-2025-wie-die-mehrzweckhalle-ingerkingen-das-weiterbauen-revolutioniert/">Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur 2025: Wie die Mehrzweckhalle Ingerkingen das Weiterbauen revolutioniert</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Weiterbauen statt Abreißen: Deutscher Nachhaltigkeitspreis geht nach Oberschwaben</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 27. November 2025 wurde in der Bundeskunsthalle Bonn eine Entscheidung verkündet, die weit über die üblichen Preiswürdigungen hinausweist. Der 13. Deutsche Nachhaltigkeitspreis Architektur ging an ein Projekt, das auf den ersten Blick unspektakulär erscheint: die sanierte und erweiterte Mehrzweckhalle im oberschwäbischen Ingerkingen, einem Ortsteil der Gemeinde Schemmerhofen südwestlich von Ulm. Doch gerade diese vermeintliche Unscheinbarkeit macht den eigentlichen Reiz und die Tragweite dieser Auszeichnung aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Stuttgarter Architekturbüro Atelier Kaiser Shen hat hier demonstriert, was nachhaltiges Bauen im besten Sinne bedeuten kann: nicht das Ersetzen durch Neues, sondern das intelligente Weiterschreiben einer baulichen Geschichte. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) und die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis würdigten das Projekt als herausragendes Beispiel für ökologisch wie architektonisch überzeugendes Weiterbauen im Sinne des Gemeinwohls.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Dorf und seine Halle</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die ursprüngliche Mehrzweckhalle wurde 1964 nach Plänen der Architekten Pfalzer und Schenk als Schulsporthalle errichtet. Über sechs Jahrzehnte hinweg diente sie als sozialer Mittelpunkt der Gemeinde, wurde mehrfach umgebaut und erweitert. In direkter Nachbarschaft zu Grundschule, Musikerheim und Feuerwehr bildet sie das Herz des Dorflebens. Neben dem Schulsport dient sie Vereinen als Treffpunkt, Veranstaltungs und Trainingsort.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als 2020 der Wettbewerb ausgeschrieben wurde, ließ die Gemeinde bewusst offen, ob die sanierungsbedürftige Halle erhalten oder einem Neubau weichen sollte. Für Kilian Juraschitz, der seit September 2025 gemeinsam mit Florian Kaiser das Büro leitet und als Kind selbst in dieser Halle am Sportunterricht teilgenommen hatte, war die Entscheidung klar. Das Team entschied sich für eine behutsame Transformation, geleitet vom Bild einer zerbrochenen chinesischen Porzellanschüssel, die nach der Reparatur erst ihre eigentliche Poesie entfaltet.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Konstruktive Innovation als Schlüssel</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bestandserhalt konnte nur durch ein innovatives Tragwerk realisiert werden. Gemeinsam mit dem Stuttgarter Tragwerksplanungsbüro str.ucture unter der Leitung von Julian Lienhard entwickelte das Team eine Lösung, die technisch und ästhetisch überzeugt. Um den Anforderungen einer zeitgenössischen Einfeldsporthalle zu genügen, wurde die Halle im südlichen und östlichen Bereich rückgebaut und vergrößert. Dabei blieben Fundamente und Bodenplatte, Decken, die massiven Wände im nördlichen Teil sowie der straßenseitige Bühnentrakt erhalten. Insgesamt konnten rund 60 Prozent der Baumasse bewahrt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das eigentlich Innovative ist ein einhüftiger Zweigelenkrahmen aus Brettschichtholz, der auf dem Achsraster der bestehenden Stahlbetonstützen ausgerichtet ist. Durch die Trägergeometrie und die biegesteife Rahmenecke werden etwa 60 Prozent der Vertikal und alle Horizontallasten in die neuen Fundamente im Süden eingeleitet. Die Hallenrahmen geben lediglich 40 Prozent der Vertikallasten und keine Horizontallasten an den Bestand ab. Die geschwungene Form der Binder zeichnet den Momentenverlauf nach und verleiht dem Innenraum eine spielerische Leichtigkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Julian Lienhard beschreibt das Zusammenspiel von Alt und Neu als Win Win Win Situation: Der Überstand des Daches entlastet durch sein Eigengewicht das Feld, ermöglicht eine Querschnittsoptimierung und fungiert gleichzeitig als konstruktiver Holzschutz. Die Auskragung nach Süden schafft zudem eine wettergeschützte Terrasse, die bei gutem Wetter direkt mit der Halle verbunden werden kann.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Materialität und Kreislaufdenken</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architekten wählten Materialien und Fügungen so, dass ein Großteil der Baustoffe bei einem möglichen Rückbau sortenrein trennbar und in die Kreislaufwirtschaft zurückgeführt werden können. Der Bestand wurde gedämmt und verputzt, während die Aufstockung und Erweiterung eine hinterlüftete Holzfassade aus unbehandelter Fichte erhielten. Der Versatz von rund zwölf Zentimetern zwischen dem dünneren Holzrahmenbau und dem alten Mauerwerk schärft die Plastizität des Bauwerks und macht Alt und Neu ablesbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Beweis der Vorzüge trennbarer Konstruktionen lieferten die Nutzerinnen und Nutzer selbst. Um Kosten zu sparen, wurde die alte Halle vorab von örtlichen Vereinen ehrenamtlich entkernt. Ausgebaute Sanitärobjekte und die Kücheneinrichtung wurden weiterverkauft, die Leistenschalung der ehemaligen Holzbekleidung fand als Fassade einer nahegelegenen Waldhütte eine zweite Nutzung. Ein eindrucksvolles Beispiel gelebter Kreislaufwirtschaft auf kommunaler Ebene.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gemeinwohl als architektonische Kategorie</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">DGNB Vizepräsident Martin Haas betonte in seiner Laudatio den identitätsstiftenden Charakter des Projekts. Die Jury beschreibt das Gebäude als Haus ohne Rückseite, das sich nach allen Seiten einladend zur Gemeinde öffnet. Zusammen mit der benachbarten Schule, dem vorgelagerten Festplatz und dem Feuerwehrhaus bildet die Halle das Zentrum des Ortes.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">DGNB Präsident Amandus Samsøe Sattler würdigte das Projekt als Beispiel dafür, dass Architektur nicht laut sein muss, um wirksam zu sein. Die Mehrzweckhalle verbinde technologische Innovation mit gesellschaftlicher Relevanz und schaffe einen Ort, der Menschen stärke und Ressourcen schütze. Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, ergänzte, dass es dem Architekturbüro gelinge, dem Konzept des Weiterbauens ein überzeugendes Gesicht zu geben.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein posthumer Erfolg</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Preis hat auch eine melancholische Dimension. Guobin Shen, Mitgründer des Büros und maßgeblich am Projekt beteiligt, verstarb im Mai 2024 im Alter von nur 40 Jahren bei einem Kletterunfall. Der 1984 in Zhejiang geborene Architekt hatte 2017 gemeinsam mit seinem Studienfreund Florian Kaiser das Atelier Kaiser Shen gegründet. Ihre Philosophie des Weiterbauens, des Schaffens unfertiger Häuser, die von den Nutzenden weitergeschrieben werden können, prägte auch dieses Projekt. Die Auszeichnung in Bonn ist somit auch eine posthume Würdigung seines Schaffens.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vorbild für eine Transformation</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Deutschland verfügt über Tausende ähnlicher Mehrzweckhallen aus den Nachkriegsjahrzehnten, die vor vergleichbaren Entscheidungen stehen. Die Mehrzweckhalle Ingerkingen zeigt, dass Sanierung und Erweiterung nicht nur ökologisch sinnvoller, sondern auch wirtschaftlich günstiger sein können als ein Neubau. Die Jury hob hervor, dass das Projekt zu einem Vorbild für ähnliche Sanierungsaufgaben in ganz Deutschland werden könnte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass der Preis erstmals im Rahmen des neuen Forums Nachhaltige Architektur verliehen wurde, unterstreicht den programmatischen Anspruch. Die DGNB und die Architektenkammer Nordrhein Westfalen wollen mit diesem Format gezielt Planende erreichen, die Nachhaltigkeit und Klimaschutz konsequent umsetzen möchten. Das Siegerprojekt aus dem oberschwäbischen Ingerkingen liefert dafür die beste Blaupause: unaufgeregt, präzise und zutiefst menschlich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/deutscher-nachhaltigkeitspreis-architektur-2025-wie-die-mehrzweckhalle-ingerkingen-das-weiterbauen-revolutioniert/">Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur 2025: Wie die Mehrzweckhalle Ingerkingen das Weiterbauen revolutioniert</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Als Stuttgart sich selbst zerstörte &#8211; Eine Stadt lernt aus ihren Fehlern</title>
		<link>https://baukunst.art/als-stuttgart-sich-selbst-zerstoerte-eine-stadt-lernt-aus-ihren-fehlern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Jul 2025 12:57:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Bestandssanierung]]></category>
		<category><![CDATA[Graue Energie]]></category>
		<category><![CDATA[nachhaltiges Bauen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12909</guid>

					<description><![CDATA[<p>Stuttgarts Abrissgeschichte als Mahnung: Neue Ausstellung zeigt, wie wir vom Tabula-Rasa-Denken zum reflektierten Umgang mit Baubestand kommen. Ein Paradigmenwechsel mit Vorbildcharakter.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/als-stuttgart-sich-selbst-zerstoerte-eine-stadt-lernt-aus-ihren-fehlern/">Als Stuttgart sich selbst zerstörte &#8211; Eine Stadt lernt aus ihren Fehlern</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Abrisskultur im Wandel: Vom Tabula Rasa zum reflektierten Umgang mit Bestand</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Stuttgart als Brennglas einer nationalen Debatte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architekturgalerie am Weißenhof zeigt mit &#8222;Abriss 2.0 – umweltgerecht&#8220; mehr als eine fotografische Dokumentation. Wilfried Dechaus Vorher-Nachher-Gegenüberstellungen sind ein schmerzhafter Spiegel unserer Baukultur. Was 2016 mit &#8222;Stuttgart reißt sich ab&#8220; begann, findet nun seine konsequente Fortsetzung – und offenbart dabei einen fundamentalen Wandel im Umgang mit bestehender Bausubstanz.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Graue Energie als neue Währung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zeiten, in denen Architekten und Architektinnen ihre Entwürfe auf der grünen Wiese oder nach Totalabriss planen konnten, neigen sich dem Ende zu. Der Begriff der grauen Energie hat sich vom Nischenbegriff zum zentralen Planungsparameter entwickelt. In Baden-Württemberg, wo die Landesbauordnung bereits verschärfte Anforderungen an den Ressourcenschutz stellt, zeigt sich dieser Paradigmenwechsel besonders deutlich. Ein durchschnittliches Bürogebäude der 1970er Jahre verkörpert etwa 500 bis 800 Kilogramm CO₂-Äquivalent pro Quadratmeter – Energie, die bei einem Abriss unwiederbringlich verloren geht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Stuttgarter Beispiele aus Dechaus Ausstellung illustrieren dieses Dilemma eindrücklich. Wo einst solide Nachkriegsbauten standen, erheben sich heute Neubauten, die zwar energieeffizienter im Betrieb sein mögen, deren Erstellung jedoch Jahrzehnte an CO₂-Einsparungen zunichtemacht. Die Rechnung ist simpel: Ein Neubau muss 50 bis 80 Jahre betrieben werden, um die bei seiner Errichtung verursachten Emissionen durch verbesserte Energieeffizienz zu kompensieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Besonderheiten prägen die Abrisspraxis</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baden-Württemberg steht exemplarisch für ein Bundesland im Spannungsfeld zwischen Wachstumsdruck und Nachhaltigkeitszielen. Die Landeshauptstadt Stuttgart, eingekesselt in ihrer Tallage, kann nicht in die Fläche wachsen. Der Druck auf den Bestand ist enorm. Gleichzeitig hat das Land mit der Novellierung der Landesbauordnung 2023 die Weichen für eine ressourcenschonendere Bauwirtschaft gestellt. Die verpflichtende Prüfung von Umbau- und Sanierungsalternativen vor jedem Abrissantrag ist mehr als eine bürokratische Hürde – sie manifestiert einen Kulturwandel.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders bemerkenswert sind die regionalen Unterschiede in der Umsetzung. Während Freiburg mit seinem &#8222;Leitfaden Bauen im Bestand&#8220; Vorreiter ist und systematisch Bestandsgebäude auf Transformationspotenziale untersucht, agieren kleinere Kommunen im ländlichen Raum oft noch nach alten Mustern. Die Gründe sind vielschichtig: fehlende Fachkompetenz in den Bauämtern, Investorendruck und nicht zuletzt eine tief verwurzelte Skepsis gegenüber &#8222;alter Bausubstanz&#8220;.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Handwerk und Industrie in der Transformation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Wandel zur Bestandserhaltung fordert das regionale Baugewerbe heraus. Abbruchunternehmen müssen zu Rückbauexperten werden, Handwerkerinnen und Handwerker benötigen Kompetenzen im Umgang mit historischen Baumaterialien und -techniken. In Stuttgart hat sich ein Netzwerk aus spezialisierten Betrieben gebildet, die sich auf die behutsame Demontage und Wiederverwendung von Bauteilen spezialisiert haben. Ein Schreinermeister aus Esslingen berichtet von der Renaissance traditioneller Verbindungstechniken: &#8222;Plötzlich ist das Wissen meines Großvaters wieder gefragt.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Baustoffindustrie reagiert mit innovativen Recyclingkonzepten. In Göppingen entsteht derzeit eine Pilotanlage für die sortenreine Trennung von Abbruchmaterialien. Mittels KI-gestützter Bilderkennnung werden Ziegel, Betonteile und sogar Dämmstoffe so aufbereitet, dass sie als hochwertige Sekundärrohstoffe wieder in den Kreislauf gelangen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Planungskultur im Umbruch</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenkammer Baden-Württemberg hat die Zeichen der Zeit erkannt. Fort- und Weiterbildungen zum Bauen im Bestand sind ausgebucht, junge Kolleginnen und Kollegen spezialisieren sich auf Bestandstransformation. Ein Stuttgarter Büro hat sich sogar auf &#8222;Abrissverhinderung&#8220; spezialisiert – sie entwickeln für Eigentümer Konzepte, wie vermeintlich abbruchreife Gebäude wirtschaftlich saniert werden können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese neue Generation von Planern denkt in Lebenszyklen statt in Einzelprojekten. Sie kalkulieren mit CO₂-Budgets wie frühere Generationen mit Kostenrahmen. Ein junger Architekt aus Tübingen formuliert es so: &#8222;Für uns ist der kreativste Entwurf der, der mit dem Minimum an neuem Material das Maximum an räumlicher Qualität schafft.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Förderkulisse als Steuerungsinstrument</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Land Baden-Württemberg hat seine Förderprogramme konsequent auf Bestandssanierung ausgerichtet. Die &#8222;Kombi-Förderung Wohnen und Klima&#8220; bevorzugt explizit Sanierungsprojekte gegenüber Neubauten. Kommunen erhalten Zuschüsse für Machbarkeitsstudien zur Bestandstransformation. Diese finanzielle Lenkungswirkung zeigt Erfolge: 2024 wurden erstmals mehr Baugenehmigungen für Sanierungen als für Neubauten nach Abriss erteilt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders erfolgreich ist das Modellprojekt &#8222;Graue Energie sichtbar machen&#8220; in Mannheim. Hier müssen Bauherren bei Abrissanträgen eine Ökobilanz vorlegen, die den CO₂-Fußabdruck von Abriss und Neubau dem einer Sanierung gegenüberstellt. Die Transparenz hat zu einem Umdenken geführt – viele Investorinnen und Investoren entscheiden sich nach Kenntnis der Zahlen für den Erhalt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Konflikte und Widerstände</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Paradigmenwechsel verläuft nicht konfliktfrei. Bauträger beklagen höhere Planungskosten und längere Genehmigungsverfahren. Mieterinitiativen fürchten Gentrifizierung durch hochwertige Sanierungen. Denkmalschützerinnen und Klimaaktivisten finden sich in ungewohnten Allianzen wieder, während Wohnungsbaugesellschaften vor den Herausforderungen der energetischen Ertüchtigung von Plattenbauten stehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Beispiel aus Heilbronn illustriert das Dilemma: Ein Wohnblock aus den 1960er Jahren sollte einer verdichteten Neubebauung weichen. Die Bestandsmieter wehrten sich, Klimaschützer rechneten vor, Investoren drohten mit Rückzug. Am Ende stand ein Kompromiss: Teilerhalt mit Aufstockung, energetische Sanierung und sozialverträgliche Mietgestaltung. Der Prozess dauerte drei Jahre – für alle Beteiligten eine Geduldsprobe.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Die lernende Stadt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wilfried Dechaus Ausstellung dokumentiert nicht nur vergangene Fehler, sondern weist den Weg in eine reflektiertere Zukunft. Stuttgart, die Stadt, die sich einst selbst abriss, könnte zur Modellstadt für intelligente Bestandsentwicklung werden. Die Werkzeuge sind vorhanden: digitale Gebäudeanalysen ermöglichen präzise Zustandsbewertungen, Building Information Modeling (BIM) erleichtert die Planung im Bestand, zirkuläre Geschäftsmodelle machen Bauteilwiederverwendung wirtschaftlich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der kulturelle Wandel ist der entscheidende Faktor. Wenn Baukultur nicht mehr nur das spektakuläre Neue feiert, sondern die intelligente Transformation des Bestehenden würdigt, haben wir einen wichtigen Schritt getan. Die nächste Generation von Architektinnen und Bauherren wird hoffentlich nicht mehr fragen: &#8222;Was können wir abreißen?&#8220;, sondern: &#8222;Was können wir bewahren und verbessern?&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung am Weißenhof ist mehr als eine Retrospektive – sie ist ein Weckruf und zugleich ein Hoffnungsschimmer. Wenn wir aus den dokumentierten Verlusten lernen, kann aus &#8222;Stuttgart reißt sich ab&#8220; ein &#8222;Stuttgart baut sich um&#8220; werden. Die Voraussetzungen dafür sind besser denn je.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/als-stuttgart-sich-selbst-zerstoerte-eine-stadt-lernt-aus-ihren-fehlern/">Als Stuttgart sich selbst zerstörte &#8211; Eine Stadt lernt aus ihren Fehlern</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Brandenburg als Vorreiter nachhaltiger Baukultur in Deutschland</title>
		<link>https://baukunst.art/brandenburg-als-vorreiter-nachhaltiger-baukultur-in-deutschland/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Jun 2025 08:06:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bestandssanierung]]></category>
		<category><![CDATA[Brandenburg Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tag der Architektur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12698</guid>

					<description><![CDATA[<p>Brandenburgs Bauwende wird konkret: Erstmals mehr Sanierungen als Neubauten beim Tag der Architektur. 36 Projekte zeigen am 29. Juni, wie Bestandsschutz zur Zukunftstechnologie wird.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/brandenburg-als-vorreiter-nachhaltiger-baukultur-in-deutschland/">Brandenburg als Vorreiter nachhaltiger Baukultur in Deutschland</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Brandenburgs Bauwende in Aktion: Wenn der Bestand die Zukunft gestaltet</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während andere Bundesländer noch über Nachhaltigkeit diskutieren, macht Brandenburg bereits ernst: Erstmals sind mehr Sanierungen, Umbauten und Erweiterungen zu besichtigen als pure Neubauten – ein Paradigmenwechsel, der beim diesjährigen Tag der Architektur am 29. Juni 2025 mit 36 Projekten seine volle Wirkung entfaltet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Havel und Spree: Regionalspezifische Ansätze einer neuen Baukultur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die märkische Landschaft prägt nicht nur die Seele ihrer Bewohnerinnen und Bewohner, sondern auch deren Umgang mit dem baulichen Erbe. In Brandenburg an der Havel wurden stadtbildprägende Baudenkmäler wiederhergestellt, während anstelle der rückwärtigen Ruinen eine neue Hofbebauung für Seniorenwohnen und Gemeinschaftseinrichtungen entstanden. Diese Praxis zeigt exemplarisch, wie sich regionale Identität und zeitgemäße Nutzungsanforderungen verbinden lassen, ohne die historische Substanz zu opfern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders bemerkenswert erscheint die Transformation in Frankfurt (Oder): Das vormals düstere, in Teilen gotische Rathaus wandelte sich durch die Überdachung des Innenhofes und ein geniales Erschließungskonzept zum einladenden Haus der Stadtgesellschaft. Hier manifestiert sich eine spezifisch brandenburgische Herangehensweise: behutsam, aber entschlossen, die DDR-Erblast überwinden, ohne die jahrhundertealte Geschichte zu negieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kleine Dörfer, große Wirkung: Die Renaissance ländlicher Strukturen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Fernab der Aufmerksamkeit großstädtischer Architekturdiskurse vollzieht sich in Brandenburgs Dörfern eine stille Revolution. In einem Dorf am Ruppiner See wurde das Gasthaus „Kastanie&#8220; in Karwe durch die Sanierung des historischen Festsaals und einen neuen Kiosk im Biergarten reaktiviert. Solche Interventionen belegen, dass auch mit minimalen Eingriffen maximale Wirkung erzielbar ist – eine Lektion, die andere ländliche Regionen durchaus beherzigen könnten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch radikaler mutet die Verwandlung eines ehemaligen Konsums an: Der schäbige Rohbau mutierte durch eine übergestülpte gläserne Hülle zu einem als Ferienhaus genutzten Raumwunder. Diese Art der Umnutzung verkörpert eine neue Kreativität im Umgang mit der DDR-Architektur, die weder nostalgisch verklärt noch kategorisch ablehnt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Institutionelle Verankerung: Brandenburgs Baukultur-Netzwerk</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Erfolge beim behutsamen Bauen sind kein Zufall, sondern Resultat einer systematischen Förderung regionaler Baukultur. Gemeinsam mit dem Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung, der Brandenburgischen Ingenieurkammer, dem Förderverein Baukultur Brandenburg und vielen mehr agiert die Brandenburgische Architektenkammer als Motor einer nachhaltigen Entwicklung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders das Stadtentdecker-Projekt zeigt, wie Baukultur bereits in den Schulen verankert wird: Seit 2013 erkunden Schülerinnen und Schüler ihren Heimatort mit dem Projekt und setzen sich mit Fragen der Stadtentwicklung auseinander. Diese frühe Sensibilisierung schafft eine Generation, die Architektur nicht als Selbstzweck, sondern als gesellschaftliche Aufgabe begreift.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Tradition und Innovation: Regionale Besonderheiten der märkischen Baukultur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die brandenburgische Bauordnung ermöglicht Experimentierfreude, wo andere Länder bürokratische Hürden errichten. Dies zeigt sich exemplarisch in Kyritz, wo das Areal des ehemaligen Franziskanerklosters zum attraktiven Kulturstandort entwickelt wird. Die neue Stadtbibliothek in der ehemaligen Brennerei demonstriert, wie sich historische Bausubstanz und moderne Bibliothekskonzepte ergänzen können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig beweist das frühbarocke Jagdschloss Fürstenwalde, dass auch bei komplexester Denkmalpflege innovative Lösungen möglich sind. Die Rettung solcher Baudenkmäler erfordert nicht nur handwerkliches Können, sondern auch den Mut zu unkonventionellen Finanzierungsmodellen und Nutzungskonzepten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Klimaschutz regional gedacht: Brandenburgs Vorbildfunktion</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die größten Einsparungen lassen sich durch die Weiterverwendung von Bestandsgebäuden erzielen, in deren Material große Mengen Energie und damit CO2 gebunden sind. Diese Erkenntnis hat in Brandenburg längst praktische Konsequenzen. Die Architektenkammer setzt bewusst auf die Präsentation von Umbauprojekten, um zu demonstrieren, dass Klimaschutz und architektonische Qualität keine Gegensätze darstellen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Finsterwalde liefert dafür ein eindrucksvolles Beispiel: Die Stadt veredelte einen anhaltenden Schandfleck zum Juwel. Solche Transformationen beweisen, dass Klimaschutz durch intelligente Nachnutzung effektiver sein kann als jeder Neubau – unabhängig von dessen Energiestandard.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Büroöffnungen: Einblicke in die Planungspraxis</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Tag der Architektur bietet nicht nur Gebäudebesichtigungen, sondern auch die seltene Gelegenheit, Architekturbüros von innen zu erleben. Einige Architektinnen und Architekten öffnen ihre Büros, um ihr gesamtes Arbeitsspektrum vorzustellen. Diese Transparenz schafft Vertrauen zwischen Planenden und Bauherrinnen und vermittelt realistische Vorstellungen von Planungsprozessen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektin Dagmar Chrobok-Dohmann aus Caputh zeigt exemplarisch, wie sich auch kleinere Büros erfolgreich am Tag der Architektur beteiligen können. Ihre Erfahrungen belegen, dass die Öffnung des eigenen Arbeitsplatzes nicht nur Werbung darstellt, sondern auch zum fachlichen Austausch beiträgt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Brandenburgs Modellcharakter für andere Regionen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entwicklung in Brandenburg zeigt, dass erfolgreiche Baukultur keine Metropolenregionen benötigt, sondern Mut zur Innovation und Respekt vor dem Bestehenden. Die konsequente Fokussierung auf Umbauten und Sanierungen könnte zum Modell für andere Flächenländer werden, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Vielfalt des neuen Bauens zeigt sich besonders im behutsamen Umgang mit dem Bestand – diese Erkenntnis der Brandenburgischen Architektenkammer dürfte bundesweit Nachahmer finden. Denn während Neubaugebiete austauschbar wirken, entwickeln sanierte Altbauten jene Unverwechselbarkeit, die Orte zu Heimat macht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der <a href="https://tag-der-architektur.de/start/besichtigungen-und-fuehrungen/brandenburg/" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link">Tag der Architektur 2025</a> dokumentiert damit nicht nur aktuelle Projekte, sondern auch einen grundlegenden Mentalitätswandel: Weg vom Abriss-Neubau-Denken, hin zu einer Kultur der Wertschätzung und intelligenten Weiterentwicklung. Brandenburg zeigt, wie dieser Wandel regional verankert und praktisch umgesetzt werden kann – ein Beispiel, das Schule machen sollte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/brandenburg-als-vorreiter-nachhaltiger-baukultur-in-deutschland/">Brandenburg als Vorreiter nachhaltiger Baukultur in Deutschland</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
