<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Editor&#039;s Choice-Archiv - Baukunst</title>
	<atom:link href="https://baukunst.art/tag/editors-choice/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://baukunst.art/tag/editors-choice/</link>
	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
	<lastBuildDate>Tue, 07 Jul 2026 12:06:55 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0.2</generator>

<image>
	<url>https://baukunst.art/wp-content/uploads/2023/04/cropped-favicon-1-32x32.png</url>
	<title>Editor&#039;s Choice-Archiv - Baukunst</title>
	<link>https://baukunst.art/tag/editors-choice/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Editors&#8216; Choice statt Löwenwahl: Drei Pavillons der 61. Biennale</title>
		<link>https://baukunst.art/editors-choice-statt-loewenwahl-drei-pavillons-der-61-biennale/</link>
					<comments>https://baukunst.art/editors-choice-statt-loewenwahl-drei-pavillons-der-61-biennale/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 16:37:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inspiration]]></category>
		<category><![CDATA[Premium]]></category>
		<category><![CDATA[Biennale Venedig 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Editor's Choice]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalpavillons]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=16668</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die 61. Kunstbiennale hat ihre Jury verloren: Nach dem Streit um Russland und Israel trat sie geschlossen zurück, an die Stelle der Goldenen Löwen trat eine Publikumsabstimmung, die Dutzende Pavillons boykottieren. In dieses Vakuum setzt baukunst.art einen eigenen Editors' Choice: drei Pavillons, die Architektur, Material und Geschichte zusammendenken. Deutschland, die Ukraine und die Schweiz, ausgewählt nicht nach Reichweite, sondern nach Dichte, und begründet statt abgestimmt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/editors-choice-statt-loewenwahl-drei-pavillons-der-61-biennale/">Editors&#8216; Choice statt Löwenwahl: Drei Pavillons der 61. Biennale</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  |  INSPIRATION | Juli 2026</p>
<p>Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Ein Preis ohne Richterinnen und Richter</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 30. April 2026, zehn Tage vor der Eröffnung, trat die fünfköpfige internationale Jury der 61. Kunstbiennale geschlossen zurück. Vorausgegangen war eine Erklärung, keine nationale Beteiligung zu berücksichtigen, deren Staatsspitze vor dem Internationalen Strafgerichtshof angeklagt ist. Das betraf Russland und Israel. Die Leitung der Biennale folgte dieser Linie nicht; die Jury um Solange Oliveira Farkas zog daraus die Konsequenz. An die Stelle der Goldenen und Silbernen Löwen trat ein neues Konstrukt: die „Visitors&#8216; Lions&#8220;, vergeben per Publikumsabstimmung durch Besucherinnen und Besucher, die beide Hauptorte, Giardini und Arsenale, mit Ticket besucht haben. Das Ergebnis fällt erst am 22. November, zum Ende der Ausstellung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Widerstand ließ nicht auf sich warten. Über achtzig Künstlerinnen und Künstler der zentralen Ausstellung sowie Vertreterinnen und Vertreter von bis zu neununddreißig Pavillons zogen ihre Namen aus der Wertung zurück, aus Solidarität mit der abgetretenen Jury. Die Biennale ignorierte die Gesuche; auf den Stimmzetteln blieben die Namen stehen. Inzwischen prüfen die Betroffenen rechtliche Schritte. Ein Preis, der die Ausgezeichneten gegen ihren erklärten Willen nominiert, ist keine Auszeichnung mehr, sondern ein Verfahren. Hinzu kommt die politische Kulisse: Die Europäische Kommission hat wegen der Rückkehr Russlands den Entzug einer Förderung von zwei Millionen Euro eingeleitet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Warum ein eigenes Format</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In dieses Vakuum setzt baukunst.art einen Editors&#8216; Choice. Nicht als Ersatz für einen offiziellen Titel, den in diesem Jahr niemand mehr vergeben kann, sondern als redaktionelle Position. Wo die Abstimmung Verantwortung auf ein anonymes Kollektiv verlagert, benennt eine Redaktion, wofür sie einsteht, und begründet es. Ein solcher Titel bindet niemanden und nimmt niemanden gegen dessen Willen in die Pflicht; er ist Urteil, nicht Verfahren. Genau das unterscheidet ihn von einer Abstimmung, deren Legitimität in diesem Jahr von Beginn an bestritten wurde. Die folgenden drei Pavillons eint kein gemeinsames Thema und kein Preisreglement. Sie eint, dass sie Architektur, Material und Geschichte in eine Spannung bringen, die über den Tag der Eröffnung hinaus trägt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Deutschland: „Ruin&#8220;</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kein Pavillon arbeitet so unmittelbar an seiner eigenen Bausubstanz wie der deutsche. Sung Tieu hat die 1938 von den Nationalsozialisten überformte Fassade mit einem Trompe-l&#8217;œil-Mosaik überzogen: „Human Dignity Shall Be Inviolable&#8220;, mehr als drei Millionen Marmorsteinchen, die das Bild eines verfallenden Plattenbaus an der Berliner Gehrenseestraße tragen. Dort wuchs die Künstlerin auf, in einem der größten Wohnkomplexe für vietnamesische Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter der DDR. Das Original wird in Berlin gerade abgerissen, während sein Abbild in Venedig steht: eine Ruine als Haut über einer anderen. Die Fassade zeigt keine Zerstörung von außen, sondern eine, die im Gebäude selbst angelegt ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Inneren liegt die letzte Arbeit von Henrike Naumann, die im Februar 2026 mit einundvierzig Jahren starb, ihr Konzept aber vollendet hatte. „Die innere Front&#8220; stellt häusliche Interieurs in ein giftiges Grün, das an ausgeräumte Sowjetkasernen erinnert, und verhandelt, wie politische Überzeugungen in Möbeln, Farben und Tapeten Gestalt annehmen. Der Titel <strong><a href="https://baukunst.art/ruin-der-deutsche-pavillon-als-echoraum-deutscher-geschichte/" target="_blank" rel="noopener">„Ruin&#8220;</a></strong> trägt beide Bedeutungen: das bauliche Fragment und den Zusammenbruch, ökonomisch, politisch, moralisch. Naumanns früher Tod verschiebt die Lesart zusätzlich: Was als Kommentar zur deutschen Geschichte gedacht war, wird zugleich zum Vermächtnis einer Künstlerin, die ihr letztes Werk nicht mehr aufgebaut sah.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ukraine: „Security Guarantees&#8220;</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zhanna Kadyrova zeigt ein einziges Objekt und ein ganzes Land. Im Zentrum steht <strong><a href="https://baukunst.art/der-hirsch-der-nicht-landet/" target="_blank" rel="noopener">„Origami Deer&#8220;</a></strong>, ein Betonhirsch von 2019, ursprünglich in Pokrovsk auf dem Sockel eines demontierten sowjetischen Kampfflugzeugs errichtet, das einst Atomwaffen tragen sollte. Als die Front 2024 näher rückte, wurde die Skulptur gemeinsam mit der Zivilbevölkerung evakuiert; in Venedig hängt sie am Kran eines Lastwagens, zwischen Abtransport und Ankunft. Der Titel verweist auf das Budapester Memorandum von 1994, mit dem die Ukraine ihr Nukleararsenal gegen Sicherheitszusagen abgab, die sich als Papier erwiesen. Der Sockel selbst erzählt diese Geschichte: aus einem Träger für Atomwaffen wurde ein Träger für Kunst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass ausgerechnet dieser Pavillon in einem Jahr steht, in dem Russlands Rückkehr die Jury zerbrechen ließ, ist keine kuratorische Pointe, sondern bittere Gleichzeitigkeit. Kadyrova macht aus einem militärischen Rest ein bewegliches Denkmal: Material, das Geschichte trägt, statt sie zu bebildern. Die zweite Hälfte der Arbeit im Arsenale dokumentiert die Evakuierung selbst, in Archivmaterial und Video. Wer den Betonhirsch am Kran gesehen hat, liest die Sicherheitsfrage danach anders.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schweiz: „The Unfinished Business of Living Together&#8220;</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Schweizer Pavillon mit <strong><a href="https://baukunst.art/der-schweizer-pavillion-das-unerledigte-geschaeft-des-zusammenlebens/" target="_blank" rel="noopener">„The Unfinished Business of Living Together&#8220;</a></strong>  ist die pointierteste Wahl, weil er die offizielle Auszeichnung selbst zurückgewiesen hat. Das Kollektiv um Gianmaria Andreetta, Luca Beeler, Miriam Laura Leonardi, Nina Wakeford, Yul Tomatala und Lithic Alliance zog seine Namen aus den <strong><a href="https://baukunst.art/der-schweizer-pavillion-das-unerledigte-geschaeft-des-zusammenlebens/" target="_blank" rel="noopener">„</a>Visitors&#8216; Lions&#8220;</strong>. Wenn baukunst.art diesen Pavillon nennt, honoriert das eine Haltung, keinen Wettbewerbserfolg. Der scheinbare Widerspruch, jemanden auszuzeichnen, der Auszeichnungen gerade ablehnt, löst sich auf, sobald man die Geste als das liest, was sie ist: als Zustimmung zu einer Absage.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Inhaltlich passt das genau. Ausgehend von der Schweizer Fernsehsendung „Telearena&#8220; von 1978, die öffentlich über Toleranz und sexuelle Orientierung stritt, verhandelt die Arbeit das ungelöste Geschäft des Zusammenlebens: Zugehörigkeit, Differenz, Spaltung. Ein Kollektiv aus drei Sprachregionen und mehreren Generationen spielt die Frage durch, wann und wo Gemeinschaft gelingt und wann sie kippt. In einer Biennale, die an ihren eigenen Konflikten fast zerbrochen wäre, wirkt das weniger wie ein Thema als wie eine Diagnose. Kein anderer Pavillon spiegelt die Lage der Biennale so unfreiwillig genau.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auswahl als Haltung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auffällig ist, wer fehlt. Der österreichische Pavillon mit Florentina Holzingers <a href="https://baukunst.art/der-pavillon-als-klaeranlage-eine-architektur-die-ihre-eigene-logik-unterlaeuft/" target="_blank" rel="noopener"><strong>„Seaworld Venice&#8220;</strong></a>, der glockenschlagende Publikumsmagnet der Giardini, wäre der wahrscheinlichste Sieger einer Besucherabstimmung. Genau deshalb steht er nicht auf dieser Liste. Ein Editors&#8216; Choice ist kein Stimmungsbarometer; er misst nicht Reichweite, sondern Dichte. Das mag als Verzicht auf das größte Bild erscheinen. Es ist eher ein Bekenntnis dazu, dass ein Urteil sich nicht an der Zahl der Handykameras bemisst. Bleiben drei Pavillons, die zeigen, dass Architektur, Material und Erinnerung mehr aushalten als ein Preisreglement. Das ist die Auszeichnung, die sich in diesem Jahr vergeben lässt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Leserinformation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Ausstellung</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">61. Internationale Kunstausstellung, La Biennale di Venezia</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Titel</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„In Minor Keys&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Kuratorin</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Koyo Kouoh (1967 bis 2025), umgesetzt vom kuratorischen Team</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Laufzeit</strong></p>
<ol class="ak-ol" start="9" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="orderedList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mai bis 22. November 2026</p>
</li>
</ol>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Orte</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Giardini, Arsenale und Stadtraum Venedig</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Teilnehmende Länder </strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">99</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Preissystem 2026</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„Visitors&#8216; Lions&#8220; per Publikumsabstimmung; Goldene und Silberne Löwen ausgesetzt, Jury am 30. April 2026 zurückgetreten</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Editors&#8216; Choice</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Deutschland „Ruin&#8220; (Naumann, Tieu); Ukraine „Security Guarantees&#8220; (Kadyrova); Schweiz „The Unfinished Business of Living Together&#8220; (Kollektiv)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/editors-choice-statt-loewenwahl-drei-pavillons-der-61-biennale/">Editors&#8216; Choice statt Löwenwahl: Drei Pavillons der 61. Biennale</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://baukunst.art/editors-choice-statt-loewenwahl-drei-pavillons-der-61-biennale/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>La Biennale 2025 – The Editor&#8217;s Choice</title>
		<link>https://baukunst.art/venedig-2025-eine-kritische-wuerdigung-aussergewoehnlicher-biennale-positionen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Aug 2025 11:11:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inspiration]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur-Highlights]]></category>
		<category><![CDATA[Editor's Choice]]></category>
		<category><![CDATA[Venice Biennale 2025]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13021</guid>

					<description><![CDATA[<p>Nach 40 Jahren Biennale-Erfahrung präsentiere ich Ihnen meine persönliche Auswahl: Sieben Installationen, die nicht nur zeigen, sondern fühlen lassen, wie Architektur unsere Welt heilen kann.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/venedig-2025-eine-kritische-wuerdigung-aussergewoehnlicher-biennale-positionen/">La Biennale 2025 – The Editor&#8217;s Choice</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Eine kuratierte Reise durch die außergewöhnlichsten Visionen Venedigs</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach vier Jahrzehnten, in denen ich Architekturbiennalen durchstreift habe, weiß ich: Nicht jede Edition brennt sich ins Gedächtnis. Diese schon. Carlo Rattis <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Intelligens</em> mag zunächst wie eine Tech-Bro-Fantasie klingen, doch wer genauer hinsieht, entdeckt eine überraschend sinnliche, ja geradezu haptische Auseinandersetzung mit der Zukunft des Bauens. Lassen Sie mich Ihnen zeigen, was Sie auf keinen Fall verpassen sollten – meine ganz persönliche Auswahl jener Momente, die das Herz höherschlagen lassen und den Geist beflügeln.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Erste Station: Bahrains thermische Poesie</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Beginnen Sie Ihren Rundgang unbedingt am späten Nachmittag im Arsenale, wenn das Licht durch die hohen Fenster fällt. Bahrains <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Heatwave</em> – zu Recht mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet – ist keine Installation, die man betrachtet. Man bewohnt sie. Legen Sie sich auf eines der überdimensionierten Kissen, schließen Sie die Augen und spüren Sie, wie die kühle Brise über Ihre Haut streicht. Andrea Faraguna hat hier etwas Magisches geschaffen: Eine Architektur, die nicht monumentalisiert, sondern umsorgt. Die schwebende Decke, inspiriert von persischen Windtürmen, transformiert brutale Hitze in sanfte Kühlung – ein Manifest für thermische Gerechtigkeit, das jeden Bauarbeiter in Doha, jeden Schulhof in Phoenix betrifft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum es meine Wahl ist:</strong> Weil Architektur hier zur körperlichen Erfahrung wird. Weil es nicht um Spektakel geht, sondern um Fürsorge.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zweite Station: Das vulkanische Erwachen Islands</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Verlassen Sie die ausgetretenen Pfade und finden Sie Islands Pavillon in der ehemaligen Feuerwache der Berengo-Glasmanufaktur. <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Lavaforming</em> katapultiert Sie ins Jahr 2150, wenn Isländerinnen und Isländer Vulkankraft so selbstverständlich nutzen wie heute Geothermie. Die Installation vibriert förmlich – man meint, das geschmolzene Gestein unter den Füßen zu spüren. Arnhildur Pálmadóttir hat keine Zukunftsvision entworfen, sondern eine Zeitmaschine gebaut.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum es meine Wahl ist:</strong> Weil hier Zerstörung zur Schöpfung wird. Weil es zeigt, dass unsere größten Ängste unsere größten Chancen sein können.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Dritte Station: Belgiens atmende Intelligenz</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der belgische Pavillon in den Giardini ist ein Dschungel. Über 200 Pflanzen verwandeln den Raum in eine Biosphäre, in der Architektur nicht gebaut, sondern gewachsen ist. Bas Smets und der Botaniker Stefano Mancuso lassen Pflanzenintelligenz zum Co-Designer werden. Die Luftfeuchtigkeit legt sich auf die Haut, der Sauerstoffgehalt macht leicht schwindelig – man atmet buchstäblich Zukunft. Zwischen den Blättern versteckt: Sensoren, die in Echtzeit messen, wie die Pflanzen das Mikroklima regulieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum es meine Wahl ist:</strong> Weil es die radikalste These der Biennale verkörpert – dass nicht-menschliche Intelligenz die besseren Architekten sein könnten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vierte Station: Togos verborgener Schatz</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinter einem unscheinbaren Secondhand-Möbelladen in Castello versteckt sich Togos erster Biennale-Auftritt – und was für einer! Studio NEiDA hat einen architektonischen Stammbaum Westafrikas gezeichnet, von Nôk-Höhlenwohnungen über afro-brasilianische Rückkehrer-Architektur bis zum brutalistische Erbe der Unabhängigkeit. Die Fassade, verhüllt von einem Schleier aus kenianischen Glasperlen und landwirtschaftlichen Abfallbriketts, schimmert im Nachmittagslicht wie eine Fata Morgana. Innen: Ein Parcours durch Jahrhunderte, der zeigt, dass Afrika nicht nur Zukunft ist, sondern eine reiche architektonische Vergangenheit besitzt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum es meine Wahl ist:</strong> Weil es unseren eurozentrischen Blick demontiert. Weil es zeigt, dass Innovation nicht immer aus dem Silicon Valley kommen muss.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fünfte Station: Die Alchemie des Canal Café</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diller Scofidio + Renfros <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Canal Café</em> hätte leicht zur Technik-Demo verkommen können. Ist es aber nicht. Die Installation, die Kanalwasser in Espresso verwandelt, ist pure Poesie. Setzen Sie sich an die Bar, bestellen Sie einen Cappuccino und wissen Sie: Dieses Wasser war vor Stunden noch in der Lagune. Die Transformation von Brackwasser zu Trinkwasser, serviert in einer Porzellantasse, ist die eleganteste Metapher der Biennale für Venedigs Zukunft – und die unserer Küstenstädte weltweit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum es meine Wahl ist:</strong> Weil es das Unmögliche möglich macht. Weil es zeigt, dass Technologie Poesie sein kann.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Sechste Station: Der Nordische Körperraum</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sverre Fehns Nordic Pavilion wird zur Bühne für eine der bewegendsten Installationen der Biennale. Teo Ala-Ruonas <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Industry Muscle</em> erforscht Trans-Körper als Architektur. Finnischer Marmor aus Aaltos Finlandia-Halle liegt in Fragmenten am Boden, Performerinnen und Performer bewegen sich durch den Raum, ihre Körper werden zu tragenden Elementen, zu Wänden, zu Öffnungen. Es ist verstörend und wunderschön zugleich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum es meine Wahl ist:</strong> Weil es Architektur neu definiert – nicht als Container für Körper, sondern als Verlängerung derselben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Siebte Station: Großbritanniens geologische Beichte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der britische Pavillon (mit einer Special Mention ausgezeichnet) gräbt tief – buchstäblich. Cave_bureaus Installation mit dem sperrigen Titel <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">GBR – Geology of Britannic Repair</em> ist eine Zusammenarbeit mit kenianischen Architektinnen und Architekten, die koloniale Extraktionsgeschichten ausgräbt. Die Wände sind mit Erdproben aus dem Rift Valley bedeckt, Bronze-Abgüsse der Shimoni-Sklavenhöhlen hängen von der Decke. Es ist unbequem, es tut weh – und genau das macht es so wichtig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum es meine Wahl ist:</strong> Weil Architektur hier Verantwortung übernimmt. Weil es zeigt, dass Bauen immer auch Wegnehmen bedeutet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Geheimtipps</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der Heilige Stuhl</strong> verwandelt eine entweihte Kirche in eine permanente Baustelle der Transformation. <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Opera Aperta</em> lässt Besucherinnen und Besucher zusehen, wie Restauratoren arbeiten, wie aus Zerstörung Neues entsteht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Schweiz</strong> stellt die Geschichtsschreibung auf den Kopf: Was wäre, wenn Lisbeth Sachs statt Bruno Giacometti gebaut hätte? Eine feministische Architekturgeschichte, die nie geschrieben wurde – bis jetzt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Singapur</strong> feiert 60 Jahre Unabhängigkeit mit einem Pavillon, der die Stadt als gemeinsamen Esstisch inszeniert. <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">RASA-TABULA-SINGAPURA</em> riecht nach Gewürzen, klingt nach Gesprächen, schmeckt nach Zukunft.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Überraschung: Venedig selbst</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das eigentliche Wunder dieser Biennale ist, wie die Stadt selbst zum Exponat wird. In versteckten Palazzi, vergessenen Lagerhallen, auf schwimmenden Plattformen entstehen Interventionen, die Venedig nicht als Kulisse nutzen, sondern als Co-Autorin. Die Ausstellung <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Intelligent Venice</em> in der Fondazione Venezia Capitale Mondiale della Sostenibilità liest die Stadt als tausendjähriges Experiment nachhaltigen Bauens – die erste Smart City der Geschichte, gebaut auf Pfählen, lebend mit den Gezeiten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Mein Fazit: Die Rückkehr des Fühlens</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Biennale markiert einen Wendepunkt. Nach Jahren der Parametrik, der Algorithmen, der digitalen Renderings kehrt die Architektur zu ihren sinnlichen Wurzeln zurück. Ja, hier rollen Roboter durch die Corderie, ja, KI generiert Entwürfe in Echtzeit. Aber die stärksten Momente sind die haptischen: Bahrains kühlende Brise, Islands vibrierende Hitze, Belgiens feuchte Luft, Togos schimmernde Perlen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Carlo Rattis <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Intelligens</em> ist keine Technikschau geworden, sondern eine Meditation über kollektive Kreativität. Die wahre Intelligenz dieser Biennale liegt nicht in spektakulären Einzelleistungen, sondern im Zusammenklang: 65 Nationen, die gemeinsam an einer Antwort arbeiten auf die Frage, wie wir in einer brennenden Welt nicht nur überleben, sondern leben können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Meine dringende Empfehlung:</strong> Nehmen Sie sich drei Tage Zeit. Einen für die großen Namen, einen für die versteckten Schätze, einen, um sich zu verlaufen. Tragen Sie bequeme Schuhe und lassen Sie das Smartphone in der Tasche. Diese Biennale will nicht fotografiert, sondern gefühlt werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/venedig-2025-eine-kritische-wuerdigung-aussergewoehnlicher-biennale-positionen/">La Biennale 2025 – The Editor&#8217;s Choice</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
