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	<title>Wohnungskrise-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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	<title>Wohnungskrise-Archiv - Baukunst</title>
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		<title>Architektur gegen den Kapitalismus: Anupama Kundoos radikale Vision für bezahlbares Bauen im Architekturzentrum Wien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Dec 2025 16:05:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturzentrum Wien]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltige Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungskrise]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Architekturzentrum Wien zeigt mit Anupama Kundoo eine Architektin, die beweist: Bauen kann schön, sozial gerecht und ökologisch sein, ohne den Gesetzen des Kapitals zu folgen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/architektur-gegen-den-kapitalismus-anupama-kundoos-radikale-vision-fuer-bezahlbares-bauen-im-architekturzentrum-wien/">Architektur gegen den Kapitalismus: Anupama Kundoos radikale Vision für bezahlbares Bauen im Architekturzentrum Wien</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektur in der Krise des Wohnens</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Weltweit ist die Bauindustrie zu einem der größten Treiber der Klimakatastrophe geworden. Natürliche Ressourcen werden ausgebeutet, Arbeitskräfte unter unwürdigen Bedingungen beschäftigt, während Wohnungen längst zu Finanzinstrumenten mutiert sind, die sich ein wachsender Teil der Bevölkerung schlicht nicht mehr leisten kann. In Wien, München, Zürich und Berlin kennen Architektinnen und Architekten diese Realität nur zu gut: Das Diktat lautet &#8218;Form folgt Geld&#8216;, nicht mehr &#8218;Form folgt Funktion&#8216;.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Architekturzentrum Wien stellt sich dieser Problematik mit einer Ausstellung, die mehr ist als eine Werkschau: &#8218;Reichtum statt Kapital. Anupama Kundoo&#8216; läuft noch bis zum 16. Februar 2026 und präsentiert das Schaffen der indischen Architektin als Manifest für eine radikal andere Baukultur.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Auroville als Labor einer anderen Moderne</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Anupama Kundoo wuchs in Mumbai auf und studierte dort in den späten 1980er Jahren Architektur. 1989, als die globalisierte Urbanisierung in Indien das Kommando übernahm, traf sie eine ungewöhnliche Entscheidung: Mit nur 23 Jahren zog sie in die experimentelle Stadt Auroville in Tamil Nadu und gründete dort ihr Büro Anupama Kundoo Architects. Auroville, Ende der 1960er Jahre als utopisches Projekt einer universellen Gemeinschaft gegründet, bot der jungen Architektin einen Raum jenseits konventioneller Marktlogiken.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kuratorinnen Angelika Fitz, Direktorin des Architekturzentrums Wien, und Elke Krasny, Professorin an der Akademie der bildenden Künste Wien, haben für diese Ausstellung eine kuratorische Feldforschung in Indien unternommen. Ihr gemeinsames Buch &#8218;Abundance Not Capital. The Lively Architecture of Anupama Kundoo&#8216; erscheint begleitend bei MIT Press und vertieft die These der Fülle als Widerstand gegen das kapitalistische &#8218;Nie genug&#8216;.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lokale Ressourcen, globale Relevanz</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was unterscheidet Kundoos Bauten von der globalisierten Architekturproduktion? Der Reichtum ihrer Projekte liegt nicht in edlen Materialien und perfektionierten Industrieprodukten. Er entsteht durch die neuartige Verwendung von Ressourcen, die lokal im Überfluss vorhanden sind: Lehm, Terrakotta, Kokosfasern, Granit. Ihr berühmtes Wall House in Auroville, das 2012 auf der Architekturbiennale in Venedig maßstabsgetreu nachgebaut wurde, demonstriert diese Philosophie exemplarisch. Das Gewölbedach besteht aus vor Ort gefertigten Terrakotta Kegeln, die von lokalen Handwerkerinnen und Handwerkern ohne Spezialkenntnisse hergestellt werden können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kundoo verbindet dabei scheinbar Unvereinbares: Low Tech mit High Tech, Tradition mit Innovation, Ressourcenschonung mit räumlicher Großzügigkeit. &#8218;Der Akt des Bauens erzeugt Wissen, ebenso wie das daraus resultierende Wissen Gebäude hervorbringt&#8216;, beschreibt die Architektin ihren prozesshaften Ansatz. Für sie ist das fertige Gebäude stets das Ergebnis eines längeren Entstehungsprozesses, der Materialforschung, lokale Arbeitskräfte und ökonomische Zusammenhänge gleichermaßen berücksichtigt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Soziale Dimension: Wohnen als Menschenrecht</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders eindrucksvoll zeigt sich Kundoos soziales Engagement im Projekt &#8218;Volontariat Homes for Homeless Children&#8216; in Puducherry. Mit der sogenannten In situ Brenntechnik, bei der das Gebäude quasi während des Bauprozesses gebrannt wird, schuf sie ein Ensemble für obdachlose Kinder und ihre Pflegeeltern. Das Full Fill Home, ein modulares Baukastensystem aus Ferrozement, adressiert direkt die Wohnungskrise: leicht, transportabel und ohne industrielle Infrastruktur herstellbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung im Architekturzentrum Wien macht diese Arbeitsweise sinnlich erlebbar. Sie zeigt nicht nur Fotografien und Modelle, sondern vermittelt die räumliche Qualität von Kundoos Architekturen. Der Town Hall Complex in Auroville etwa bietet mit seinen schattigen Terrassen, Brücken und Rampen großzügige öffentliche Räume für die tägliche Nutzung, die weit über die reine Funktionserfüllung hinausgehen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Perspektive: Transfer nach Europa möglich?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die entscheidende Frage, die sich beim Besuch der Ausstellung aufdrängt: Lässt sich Kundoos Ansatz auf europäische Verhältnisse übertragen? Die klimatischen Bedingungen Südindiens sind mit jenen in Wien oder Berlin kaum vergleichbar. Die Bauordnungen in deutschsprachigen Ländern erlauben keine experimentellen Lehmbauten im urbanen Kontext. Und die Lohnstrukturen machen den Einsatz ungelernter Arbeitskräfte zu einer ethisch heiklen Angelegenheit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch genau hier liegt der Wert der Ausstellung: Sie zeigt, dass die binären Kategorien, in denen Architektur gedacht wird, aufgebrochen werden können. Entweder innovativ oder traditionell. Entweder ökologisch oder ästhetisch anspruchsvoll. Entweder sozial verträglich oder wirtschaftlich tragfähig. Kundoos Werk beweist, dass diese Gegensätze konstruiert sind. Ihre Architekturen sind zugleich modernistisch und ökologisch, technologisch und spirituell, sozial und schön.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Eine Architektur des Sorgetragens</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Angelika Fitz und Elke Krasny haben bereits 2019 mit der Ausstellung &#8218;Critical Care&#8216; den Begriff der sorgenden Architektur ins Zentrum ihrer kuratorischen Arbeit gestellt. &#8218;Reichtum statt Kapital&#8216; führt diesen Diskurs konsequent weiter. In einer Zeit, in der Städte zunehmend nach den Interessen von Investorinnen und Investoren gestaltet werden, während kommunale Wohnungsbauprogramme ausgehungert werden, liefert Kundoos Werk keine nostalgische Flucht in vorindustrielle Zeiten. Es zeigt vielmehr, wie zeitgemäße Architektur aussehen kann, die Sorge trägt: für die Menschen, die sie nutzen, für die Menschen, die sie bauen, und für den Planeten, dessen Ressourcen sie verbraucht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung läuft noch bis zum 16. Februar 2026 im Architekturzentrum Wien, täglich von 10 bis 19 Uhr. Am 7. November 2025 hielt Anupama Kundoo einen Werkvortrag mit anschließendem Gespräch mit Ko Kuratorin Elke Krasny. Wer sich für Alternativen zur kapitalistischen Architekturproduktion interessiert, findet hier nicht nur Inspiration, sondern konkrete Beispiele dafür, dass ein anderer Weg möglich ist.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]"><strong>Besucherinformationen:</strong></p>
<ul class="[li_&amp;]:mb-0 [li_&amp;]:mt-1.5 [li_&amp;]:gap-1.5 [&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc flex flex-col gap-2 pl-8 mb-3">
<li class="whitespace-normal break-words pl-2">Öffnungszeiten: Täglich 10:00 bis 19:00 Uhr, an Heiligabend und Silvester nur bis 14:00 Uhr</li>
<li class="whitespace-normal break-words pl-2">Adresse: Museumsplatz 1, Hof 7, 1070 Wien im MuseumsQuartier <span class="inline-flex" data-state="closed"><a class="group/tag relative h-[18px] rounded-full inline-flex items-center overflow-hidden -translate-y-px cursor-pointer" href="https://www.mqw.at/institutionen/architekturzentrum-wien" target="_blank" rel="noopener"><span class="relative transition-colors h-full max-w-[180px] overflow-hidden px-1.5 inline-flex items-center font-small rounded-full border-0.5 border-border-300 bg-bg-200 group-hover/tag:bg-accent-secondary-900 group-hover/tag:border-accent-secondary-100/60"><span class="text-nowrap text-text-300 break-all truncate font-normal group-hover/tag:text-text-200">MuseumsQuartier Wien</span></span></a></span></li>
<li class="whitespace-normal break-words pl-2">Eintritt: Regulär 12 €, ermäßigt 9 €, Familienkarte 14 €</li>
<li class="whitespace-normal break-words pl-2">Freier Eintritt für Kinder unter 6 Jahren, Kulturpassbesitzer und Beschäftigungslose</li>
<li class="whitespace-normal break-words pl-2">Mittwochs von 17:00 bis 19:00 Uhr gratis Ausstellungseintritt für Studierende und Schülerinnen und Schüler</li>
<li class="whitespace-normal break-words pl-2">Kontakt: Tel. +43 1 522 31 15, <a class="underline underline underline-offset-2 decoration-1 decoration-current/40 hover:decoration-current focus:decoration-current" href="mailto:office@azw.at">office@azw.at</a>, <a class="underline underline underline-offset-2 decoration-1 decoration-current/40 hover:decoration-current focus:decoration-current" href="http://www.azw.at/" target="_blank" rel="noopener">www.azw.at</a> <span class="inline-flex" data-state="closed"><a class="group/tag relative h-[18px] rounded-full inline-flex items-center overflow-hidden -translate-y-px cursor-pointer" href="https://www.mqw.at/institutionen/architekturzentrum-wien" target="_blank" rel="noopener"><span class="relative transition-colors h-full max-w-[180px] overflow-hidden px-1.5 inline-flex items-center font-small rounded-full border-0.5 border-border-300 bg-bg-200 group-hover/tag:bg-accent-secondary-900 group-hover/tag:border-accent-secondary-100/60"><span class="text-nowrap text-text-300 break-all truncate font-normal group-hover/tag:text-text-200">MuseumsQuartier Wien</span></span></a></span></li>
</ul>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>Baubürokratie: Alle reden vom Abbau, aber woher kommt sie?</title>
		<link>https://baukunst.art/baubuerokratie-alle-reden-vom-abbau-aber-woher-kommt-sie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Dec 2025 15:36:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Baubürokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Regulierungsgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungskrise]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Deutschland dauert der Bau einer Wohnung heute durchschnittlich 26 Monate. Die Ursachen reichen tiefer als aktuelle Debatten vermuten lassen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/baubuerokratie-alle-reden-vom-abbau-aber-woher-kommt-sie/">Baubürokratie: Alle reden vom Abbau, aber woher kommt sie?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein kritischer Blick auf die Wurzeln des deutschen Regulierungsdickichts</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der September 1970 markierte einen Wendepunkt in der deutschen Baugeschichte. An einem lauen Spätsommerabend besetzten Studentinnen und Studenten ein Jugendstilhaus in der Frankfurter Eppsteiner Straße 47. Der Investor wollte das historische Gebäude abreißen und durch ein Hochhaus ersetzen. Es war die erste Hausbesetzung in Deutschland, und sie kündigte einen fundamentalen Wandel an: Die Bürgerinnen und Bürger begannen, für mehr Mitsprache beim Bauen zu kämpfen. Ironischerweise kämpften sie damit auch für mehr Bürokratie.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die goldenen Jahre des Bauens</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen 1953 und 1968 entstanden in der Bundesrepublik jährlich über 500.000 Wohnungen. 1973 erreichte der Wohnungsbau seinen historischen Höhepunkt mit mehr als 714.000 fertiggestellten Einheiten. Ganze Stadtviertel wuchsen aus dem Boden: die Frankfurter Nordweststadt, die Berliner Gropiusstadt, die Hamburger City Nord. Die Köhlbrandbrücke in Hamburg wurde in nur vier Jahren errichtet, was damals bereits als Verzögerung galt. Der Neubau dieser Brücke soll heute bis 2046 dauern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Preis dieser Geschwindigkeit war hoch. Auf Anwohnerinnen und Anwohner nahm man wenig Rücksicht. Wer nahe einer Verkehrsader oder eines Kohlekraftwerks wohnte, hatte schlicht Pech. Die „autogerechte Stadt&#8220; galt als Planungsideal. Quer durch Berliner Gründerzeitviertel zog man eine Stadtautobahn, die den Charakter ganzer Bezirke unwiderruflich veränderte. Der Rhein war, wie die FAZ 1971 schrieb, zu „Europas größter Schmutzrinne&#8220; geworden.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Siebziger: Geburtsstunde der Baubürokratie</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der gesellschaftliche Wandel, der mit der 68er Bewegung einsetzte, erfasste auch das Bauen. Die Bürgerinitiative gegen das Atomkraftwerk Würgassen in Ostwestfalen errang 1972 einen juristischen Meilenstein: Erstmals wurden Umweltschutzbelange als gleichwertig mit anderen Interessen anerkannt. In Berlin verhinderte die Bürgerinitiative Westtangente durch jahrelange Proteste den Bau einer weiteren Stadtautobahn.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Politik reagierte. Ausgerechnet der liberale Umweltminister Hans Dietrich Genscher initiierte 1971 ein „Sofortprogramm&#8220; für den Umweltschutz. Das Bundesimmissionsschutzgesetz von 1974 führte ein Konzept ein, das weitreichende Konsequenzen haben sollte: das Vorsorgeprinzip. Künftig war Regulierung auch dann gerechtfertigt, wenn noch nicht klar war, ob tatsächlich Umweltrisiken bestanden. Dem Juristen Cass Sunstein zufolge werden damit politische Maßnahmen rechtfertigbar, die mit sehr hohen Kosten verbunden sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">1976 folgte eine Novelle des Baugesetzbuches. Erstmals wurde eine Abbruchgenehmigung eingeführt, erstmals tauchten umfangreiche Bürgerbeteiligungen im Baurecht auf. Das Ziel war der Erhalt von „Ortsbild&#8220; und „Zusammensetzung der Bevölkerung&#8220;, was sich wie eine frühe Kritik an Gentrifizierung liest. Die Soziologin Maren Harnack beschreibt den Paradigmenwechsel: Der moderne Siedlungsbau der Nachkriegszeit hatte erstmals komfortablen, gesunden und bezahlbaren Wohnraum geschaffen. Nun galt er als „Fordismus im Privatleben&#8220; und wurde von einer gebildeten Mittelschicht zunehmend abgelehnt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Spirale dreht sich weiter</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Gesetzeskaskade setzte sich fort. Bundesnaturschutzgesetz, Energieeinsparungsverordnung, europäische Umweltrichtlinien. Mit der Aarhus Konvention in den Neunzigerjahren erhielten Umweltverbände das Recht zur Verbandsklage. Im Baurecht selbst habe sich gar nicht so viel geändert, erklärt Susan Grotefels vom Zentralinstitut für Raumplanung. In den Landesbauordnungen stehe nach wie vor, eine Baugenehmigung sei grundsätzlich zu erteilen, wenn nichts dagegen spreche. „Nur sprach eben mit der Zeit immer mehr dagegen, vor allem im Umweltrecht.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland nur noch 215.900 Wohnungen genehmigt, der niedrigste Stand seit 2010. Die durchschnittliche Bauzeit hat sich auf 26 Monate verlängert, sechs Monate mehr als noch 2020. Der Bauüberhang, also genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen, beträgt 759.700 Einheiten. Deutschlands größtes Wohnungsbauunternehmen Vonovia kritisiert: „Es gibt 16 Landesbauordnungen und 4000 Baunormen. Genehmigungsverfahren dauern zu lang. Häufig sind Prozesse noch in Papierform zu erledigen.&#8220;</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der schwierige Weg zurück</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neue Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag 2025 ambitionierte Ziele formuliert. Die Bürokratiekosten für die Wirtschaft sollen um 25 Prozent gesenkt werden, ein „Wohnungsbau Turbo&#8220; soll Genehmigungsverfahren beschleunigen, der neue „Gebäudetyp E&#8220; soll einfacheres Bauen ermöglichen. Das „E&#8220; steht für einfach: Dreifachverglasung, Handtuchheizkörper bei vorhandener Fußbodenheizung, die fünfte Steckdose im Wohnzimmer, all diese Komfortstandards sollen künftig vertraglich ausgeschlossen werden können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Pilotprojekte in Bayern zeigen vielversprechende Ergebnisse. Das erste nach Gebäudetyp E fertiggestellte Projekt, ein „Haus fast ohne Heizung&#8220;, demonstriert, dass Qualität auch mit reduzierten Standards möglich ist. Kritiker wie der Deutsche Mieterbund warnen jedoch vor Einsparungen zulasten von Schallschutz und Wohnkomfort. Die rechtliche Bewertung bleibt umstritten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ironie der Geschichte ist kaum zu übersehen. Die Regeln, die in den Siebzigerjahren die Umwelt schützen sollten, bremsen heute die notwendigen Maßnahmen für eine nachhaltigere Wirtschaft: den Bau von Windkraftanlagen und Solarkraftwerken, von Stromtrassen zwischen den Offshore Windparks im Norden und der Industrie im Süden, von Bahnstrecken, die den Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagern könnten. Eine Rückkehr in die Sechzigerjahre ist weder möglich noch wünschenswert. Die saubere Luft in deutschen Städten ist eine erhebliche Errungenschaft. Aber vielleicht, so die FAZ, würden schon „ein bisschen mehr Abwägung und Bereitschaft zum Kompromiss&#8220; für eine Bürokratiewende reichen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/baubuerokratie-alle-reden-vom-abbau-aber-woher-kommt-sie/">Baubürokratie: Alle reden vom Abbau, aber woher kommt sie?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Schneller, billiger, einsamer? Wie der Bau-Turbo die Baukultur gefährdet</title>
		<link>https://baukunst.art/schneller-billiger-einsamer-wie-der-bau-turbo-die-baukultur-gefaehrdet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Oct 2025 08:50:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungskrise]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13727</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der geplante "Bau-Turbo" soll Wohnungsbau beschleunigen, riskiert aber Standards zu gefährden. Die Bundesarchitektenkammer fordert einen anderen Weg.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/schneller-billiger-einsamer-wie-der-bau-turbo-die-baukultur-gefaehrdet/">Schneller, billiger, einsamer? Wie der Bau-Turbo die Baukultur gefährdet</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Wohnraum schaffen statt Schnelligkeit um jeden Preis</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der geplante Paragraph 246e BauGB – im politischen Diskurs als &#8222;Bau-Turbo&#8220; bekannt – verspricht Beschleunigung im Wohnungsbau. Doch ein breites Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen, angeführt von der Bundesarchitektenkammer (BAK), warnt vor erheblichen Risiken: Einseitige Fokussierung auf Quantität und Schnelligkeit gefährde soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und demokratische Partizipation.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Wohnungskrise und die politische Antwort</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Deutschlands Wohnungsmarkt steht unter enormem Druck. Insbesondere in urbanen Ballungsräumen fehlen bezahlbare Wohnungen in großem Umfang. Die Bundesregierung reagierte mit dem geplanten &#8222;Bau-Turbo&#8220; – einer Gesetzesnovelle, die Genehmigungsverfahren vereinfachen und Planungsprozesse verkürzen soll. Bundesministerin Verena Hubertz (SPD) sieht in der beschleunigten Bauweise ein wirksames Instrument gegen die Wohnungsnot.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch das Vorhaben ist komplex: Es kollidiert mit etablierten Planungsprinzipien, Beteiligungsrechten und städtebaulichen Qualitätsstandards. Architekten und Planerinnen warnen vor ungewollten Konsequenzen, die Jahrzehnte nachwirken könnten.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Positionen der Bundesarchitektenkammer</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die BAK unter ihrer Präsidentin Andrea Gebhard hat sich klar positioniert: Zwar erkennt die Kammer die Wohnungskrise an, lehnt aber die aktuelle Ausgestaltung des Bau-Turbos ab. &#8222;Wir haben die Wohnungskrise erkannt&#8220;, betont Gebhard. &#8222;Die Kammern sehen viele Möglichkeiten für Lösungen und Verbesserungen.&#8220; Allerdings habe die jetzige Formulierung des Paragraphen 246e BauGB erhebliche Schwachstellen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kernkritik der BAK richtet sich gegen die einseitige Fokussierung auf Tempo ohne Rücksicht auf strukturelle Qualitätsmerkmale. &#8222;Schneller Wohnungsbau darf nicht heißen, dass wir soziale, ökologische und baukulturelle Standards über Bord werfen&#8220;, macht Gebhard deutlich. Fläche sei eine endliche Ressource – wer sie verbrauche, schädige Landwirtschaft, Natur und mittel- bis langfristig die Zukunftsfähigkeit des Landes.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Innenentwicklung vor Zersiedelung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Kernpunkt der Kritik betrifft die fehlende Priorisierung von Innenentwicklung. Der Bau-Turbo könnte Kommunen dazu verleiten, auf Neuerschließung statt auf intelligente Weiterentwicklung bestehender Siedlungsstrukturen zu setzen. Das widerspricht modernen Planungsprinzipien und Klimaschutzzielen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Innenentwicklung vor Zersiedelung&#8220; – dieser Maxime folgend fordert das von der BAK angeführte Bündnis, dass der Bau-Turbo ausschließlich in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt Anwendung finden darf und sich auf Innenentwicklung beschränken muss. Eine Anwendung auf neue Siedlungsflächen lehnen die Verbände ab.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Soziale Bindung statt Marktlogik</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein weiterer kritischer Punkt: verbindliche Quoten für dauerhaft sozial gebundenen Wohnraum. Der aktuelle Entwurf enthält zwar Formulierungen zum Thema Preisgünstigkeit, konkrete und verlässliche Verpflichtungen fehlen jedoch. Das schafft Unsicherheit, ob die geplanten Bauten tatsächlich der Bevölkerungsschicht zugute kommen, die Wohnungen am dringendsten benötigt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bündnis fordert daher mindestens 50,1 Prozent dauerhaft bezahlbar zu vermietende Wohnungen bei Neubauten ab sechs Einheiten. Damit sollen Flächen effizienter genutzt und soziale Wirkung gesichert werden – ein regulatorischer Rahmen, der den Markt zwar lenkt, aber nicht in sein Wesen eingreift.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bürgerbeteiligung und demokratische Legitimation</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bau-Turbo sieht eine drastische Verkürzung der Beteiligungsfristen vor – auf zwei Monate für Öffentlichkeitsbeteiligungen und Stellungnahmen. Die Kritiker warnen: Dies gefährde die Qualität von Planungsprozessen erheblich und untermine demokratische Partizipation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Qualitätsvolle Planung benötigt Zeit für Abstimmung, kritische Auseinandersetzung mit Alternativen und die Einbeziehung lokaler Expertise. Bürgerinnen und Bürger, Verbände und Fachleute brauchen realistische Zeitfenster, um sich informieren, zu evaluieren und Stellungnahmen vorzubereiten. Eine zu starke Verkürzung führe zu Frustration und könne am Ende die Akzeptanz von Projekten gefährden.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kommunale Leistungsfähigkeit und finanzielle Ausstattung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein häufig übersehener Aspekt: Die Umsetzung liegt zu großen Teilen bei den Kommunen. Viele Gemeinden und Städte kämpfen bereits mit Personalengpässen, komplexen Abstimmungsprozessen und finanziellen Unsicherheiten. Der Bau-Turbo könnte diese Strukturschwächen eher verschärfen als lösen. Vor allem kleinere und strukturell benachteiligte Kommunen könnten überfordert werden, wenn sie ohne zusätzliche Ressourcen schnellere Verfahren umsetzen sollen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gebäudetyp E als Alternative</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundesarchitektenkammer weist auf innovative Ansätze hin, die weniger problematisch sind als der Bau-Turbo. Das Konzept des &#8222;Gebäudetyp E&#8220; – ein vereinfachter Typenbau – könnte Beschleunigung ohne Qualitätsverlust ermöglichen. Standardisierte Entwürfe reduzieren Planungsaufwand, beschleunigen Genehmigungen und wahren gleichzeitig baukulturelle Standards. Dies wäre ein konstruktiver Mittelweg zwischen Status quo und radikaler Deregulierung.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die berufspolitische Dimension</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus berufspolitischer Perspektive offenbart sich ein grundlegendes Spannungsfeld: Der Bau-Turbo könnte die klassische Rolle von Architektinnen und Architekten schwächen. Wenn Genehmigungen vereinfacht und Planungsprozesse verkürzt werden, verringert sich die Nachfrage nach qualitativer Planung. Dies könnte zu Druck auf Honorare und Beschäftigungschancen führen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zugleich wächst die Verantwortung der Architektenschaft: Als Anwältin und Anwalt von Qualität, Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung muss die Berufsgruppe intensiver in politische Diskurse eingreifen. Die BAK-Kampagne zeigt, dass dies geschieht – durch fundierte Kritik, alternative Lösungsvorschläge und Verbündung mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Eine zweite BauGB-Novelle?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bündnis fordert nicht nur Nachbesserungen am Bau-Turbo, sondern auch eine zweite, umfassende BauGB-Novelle noch in der laufenden Legislaturperiode. Diese solle verbindlich soziale, ökologische und langfristige Stadtentwicklung festschreiben. Dies wäre ein regulatorischer Rahmen, der über Tempo-Maßnahmen hinaus strukturelle Antworten auf die Wohnungskrise bietet.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der &#8222;Bau-Turbo&#8220; ist ein politisches Signal – mehr nicht. Er adressiert die Wohnungskrise, ohne ihre strukturellen Ursachen zu beheben. Während Geschwindigkeit in manchen Bereichen hilfreich sein kann, droht sie hier, Qualität, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zu gefährden. Die Bundesarchitektenkammer und ihr Bündnis zeigen einen Weg auf, wie Beschleunigung verantwortungsvoll gestaltet werden könnte – durch Fokus auf Innenentwicklung, verbindliche soziale Quoten, ausreichende Beteiligungszeit und Stärkung der Kommunen. Architektur ist nicht nur ein technisches oder wirtschaftliches Anliegen – sie ist gesellschaftlicher Auftrag. Wer baut, gestaltet Zukunft. Und Zukunft verlangt Sorgfalt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/schneller-billiger-einsamer-wie-der-bau-turbo-die-baukultur-gefaehrdet/">Schneller, billiger, einsamer? Wie der Bau-Turbo die Baukultur gefährdet</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Wohnbaukrise: Wenn Architekten zu Krisenmanagern werden</title>
		<link>https://baukunst.art/wohnbaukrise-wenn-architekten-zu-krisenmanagern-werden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Jul 2025 14:05:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Neubauoffensive]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungskrise]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12934</guid>

					<description><![CDATA[<p>Österreichs Wohnbau kollabiert: Von 45.000 auf 30.000 Einheiten in drei Jahren. Die Architekturbranche steht vor ihrer größten Krise – Zeit für radikale berufspolitische Antworten.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Alarmglocken läuten längst</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die österreichische Bauwirtschaft steuert auf einen perfekten Sturm zu. Was sich bereits 2022 abzeichnete, manifestiert sich nun in dramatischen Zahlen: Von einst 45.000 fertiggestellten Wohneinheiten sinkt die Prognose für 2025 auf magere 30.000 Einheiten – ein Rückgang von über 30 Prozent innerhalb von nur drei Jahren. Diese Entwicklung trifft nicht nur Bauträgerinnen und Bauträger, sondern erschüttert die gesamte Architektur- und Planungsbranche in ihren Grundfesten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Berufspolitisches Versagen oder systemische Krise?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundeskammer der ZiviltechnikerInnen schlägt seit Monaten Alarm. „Wir erleben keine konjunkturelle Delle, sondern eine strukturelle Krise&#8220;, betont Kammerpräsident Rudolf Kolbe in einem aktuellen Statement. Die Zahlen geben ihm recht: Während die Bevölkerung in den Ballungsräumen Wien, Graz und Linz weiter wächst, kommt der Wohnbau nahezu zum Erliegen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ursachen sind vielschichtig und berufspolitisch höchst brisant. Einerseits haben explodierende Baukosten – getrieben durch Materialknappheit und gestiegene Energiepreise – die Kalkulationen vieler Projekte obsolet gemacht. Andererseits ersticken komplexe gesetzliche Auflagen und langwierige Widmungsverfahren jede unternehmerische Initiative bereits im Keim. „Wir regulieren uns zu Tode&#8220;, kritisiert eine Wiener Architektin, die anonym bleiben möchte, „während gleichzeitig der soziale Wohnbau faktisch eingestellt wurde.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die HOAI-Debatte flammt wieder auf</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In diesem Kontext gewinnt die nie ganz verstummte Diskussion um angemessene Honorare neue Brisanz. Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) wurde zwar durch EU-Recht in ihrer Verbindlichkeit beschnitten, doch zeigt sich gerade jetzt, welche Folgen der Preiswettbewerb nach unten hat. Planungsbüros kalkulieren mit Dumpingpreisen, um überhaupt noch Aufträge zu erhalten – bei gleichzeitig steigenden Haftungsrisiken und verschärften Nachhaltigkeitsanforderungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Verband der Ziviltechnikerinnen und Ziviltechniker fordert daher eine Renaissance der Orientierungshonorare. „Qualität hat ihren Preis&#8220;, argumentiert Verbandssprecherin Maria Schneider. „Wenn wir weiterhin Architekturleistungen unter Wert verkaufen, gefährden wir nicht nur die wirtschaftliche Existenz unserer Mitglieder, sondern auch die Baukultur insgesamt.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Widmungsverfahren als Flaschenhals</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein besonders heikles berufspolitisches Thema sind die verzögerten Widmungsverfahren. Was einst sechs Monate dauerte, zieht sich heute über Jahre. Die Gründe sind vielfältig: Personalmangel in den Behörden, komplexere Umweltauflagen, verstärkte Bürgerbeteiligung. Letztere ist demokratiepolitisch erwünscht, führt aber zu endlosen Einspruchsverfahren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Länderarchitektenkammern haben hierzu einen bemerkenswerten Vorstoß gewagt: Sie fordern die Einführung von „Fast-Track-Verfahren&#8220; für sozialen Wohnbau. „Wir müssen zwischen Luxusprojekten und dringend benötigtem leistbarem Wohnraum unterscheiden&#8220;, erklärt der steirische Kammerpräsident. Ein mutiger Vorschlag, der jedoch auf erheblichen Widerstand stößt – nicht zuletzt bei jenen Kolleginnen und Kollegen, die im hochpreisigen Segment tätig sind.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Allianz-Forderung: Mehr als nur Rhetorik?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Wirtschaftsverbände und Politik eine „Allianz für den Wohnbau&#8220; fordern, klingt das zunächst nach den üblichen Sonntagsreden. Doch diesmal scheint mehr dahinterzustecken. Konkret im Raum stehen steuerliche Anreize, vereinfachte Verfahren und – besonders umstritten – gelockerte Nachhaltigkeitsstandards für den sozialen Wohnbau.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier zeigt sich ein fundamentaler Zielkonflikt der Berufsvertretung: Einerseits pochen Architekten- und Ingenieurkammern auf hohe ökologische Standards, andererseits gefährden eben diese Standards die Wirtschaftlichkeit vieler Projekte. „Wir können nicht gleichzeitig Passivhausstandard fordern und uns über fehlenden leistbaren Wohnraum wundern&#8220;, provoziert ein Tiroler Bauingenieur in einer Kammerversammlung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">ESG-Kriterien und Realitätsverweigerung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neuen ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) verschärfen die Situation zusätzlich. Banken vergeben Kredite zunehmend nur noch für nachhaltige Projekte – eine löbliche Entwicklung, die jedoch die Finanzierung konventioneller Wohnbauten erschwert. Die Berufsverbände stehen hier vor einem Dilemma: Sie haben diese Entwicklung jahrelang gefordert und gefördert, müssen nun aber erkennen, dass die Umsetzung den Wohnbau zusätzlich verteuert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Wiener Projektentwickler bringt es auf den Punkt: „Wir haben die schönsten Nachhaltigkeitskonzepte, aber niemand kann sie sich leisten.&#8220; Diese Aussage mag polemisch sein, trifft aber einen wunden Punkt der berufspolitischen Debatte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fachkräftemangel als zusätzlicher Brandbeschleuniger</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als wäre die Lage nicht schon angespannt genug, verschärft der Fachkräftemangel die Krise zusätzlich. Sowohl in Planungsbüros als auch auf Baustellen fehlt qualifiziertes Personal. Die Kammern reagieren mit Nachwuchskampagnen und fordern erleichterte Anerkennungsverfahren für ausländische Fachkräfte. Doch diese Maßnahmen greifen zu kurz und zu langsam.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders brisant: Viele junge Architektinnen und Architekten wandern in andere Branchen ab. Die Kombination aus schlechter Bezahlung, hohem Arbeitsdruck und unsicheren Zukunftsperspektiven macht den Beruf zunehmend unattraktiv. „Wir bilden für die Arbeitslosigkeit aus&#8220;, klagt eine Professorin der TU Wien.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Blick nach vorn: Reform oder Revolution?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die österreichische Architektur- und Baubranche steht an einem Scheideweg. Entweder gelingt es, durch beherzte Reformen die Rahmenbedingungen grundlegend zu verbessern, oder wir erleben eine Marktbereinigung ungekannten Ausmaßes. Die Berufsverbände müssen hier ihrer Verantwortung gerecht werden und über Partikularinteressen hinausdenken.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Konkret bedeutet das: Schluss mit der Kleinstaaterei zwischen Bundes- und Länderkammern. Her mit einem nationalen Aktionsplan, der Verfahrensbeschleunigung, Kostensenkung und Qualitätssicherung gleichermaßen im Blick hat. Und vor allem: Weg von der Verwaltung des Mangels, hin zur aktiven Gestaltung der Zukunft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zeit drängt. Während wir diskutieren, fehlen täglich mehr Wohnungen. Während wir regulieren, gehen Betriebe pleite. Und während wir auf die perfekte Lösung warten, verschärft sich die soziale Krise in unseren Städten. Es ist höchste Zeit, dass die Berufsvertretung ihrer berufspolitischen Verantwortung gerecht wird – mit Mut, Pragmatismus und dem Blick fürs Wesentliche: bezahlbaren Wohnraum für alle.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>La Biennale 2025 &#8222;Kollektive Intelligenz für die Stadt&#8220;</title>
		<link>https://baukunst.art/la-biennale-2025-kollektive-intelligenz-fuer-die-stadt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 May 2025 14:57:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialer Wohnbau]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungskrise]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12422</guid>

					<description><![CDATA[<p>Von Wiens Gemeindebauten bis zu Lagos' Selbstorganisation: Die Biennale 2025 zeigt, wie kollektive Planungsprozesse die globale Wohnungskrise lösen können. Partizipation wird zur Überlebensstrategie.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/la-biennale-2025-kollektive-intelligenz-fuer-die-stadt/">La Biennale 2025 &#8222;Kollektive Intelligenz für die Stadt&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wohnen als Menschenrecht</h2>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wien trifft Rom im österreichischen Pavillon</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Salzwasser-Pool in Venedig mag überraschen – im österreichischen Pavillon ist er politisches Statement. &#8222;Agency for a Better Living&#8220; heißt das Konzept von Sabine Pollak, Michael Obrist und Lorenzo Romito, das zwei gegensätzliche Welten aufeinanderprallen lässt: den geplanten sozialen Wohnbau Wiens und die improvisierte Selbstorganisation Roms.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Wohnen betrifft uns alle&#8220;, betont das Kuratorinnen-Trio. &#8222;Die Frage nach leistbarem Wohnen ist in einer Zeit multipler globaler Krisen längst eine der dringlichsten internationalen Fragen geworden.&#8220; Vizekanzler Andreas Babler unterstrich bei der Eröffnung die Brisanz des Themas: &#8222;Architektur kann und muss dazu beitragen, Städte zu Orten sozialer Gerechtigkeit zu machen, wo nicht nur eine privilegierte Minderheit, sondern alle Menschen Zugang zu anständigem, erschwinglichem und hochwertigem Wohnraum haben.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Pavillon inszeniert vier &#8222;Wohn-Settings&#8220;: eine Open-Air-Empfangshalle, den erwähnten Salzwasser-Pool, ein Wohnzimmer für Filmprojektionen und ein Küchen-Laboratorium zur Herstellung neuer &#8222;Rezepte&#8220; für ein besseres Leben. Das Setting soll &#8222;ein Rahmen für ein Ritual für alle sein: Ankommen, Abkühlen, Entspannen, Lernen und Teilen.&#8220;</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hundert Jahre Wiener Wohnbau</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wien gilt als Welthauptstadt des sozialen Wohnbaus. Über 220.000 Gemeindewohnungen beherbergen mehr als 500.000 Menschen – ein Viertel der Stadtbevölkerung. Das System funktioniert seit über hundert Jahren nach einem einfachen Prinzip: Die Stadt baut, vermietet günstig und sorgt für soziale Durchmischung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Mit der Geschichte des erfolgreichen staatlich bzw. stadtorganisierten Top-down-Modells&#8220;, beschreiben die Kuratorinnen das Wiener System. Es ist ein Erfolgsmodell, das internationale Beachtung findet. Während andere Metropolen unter explodierenden Mieten ächzen, bleibt Wien leistbar. Die Wartelisten sind lang, aber das System funktioniert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch das Wiener Modell hat auch Schattenseiten. Die Bürokratie ist träge, individuelle Bedürfnisse kommen oft zu kurz, Innovation findet hauptsächlich bei Neubauten statt. Hier setzt der römische Gegenpol an: die &#8222;selbst organisierten Projekte der Zivilgesellschaft&#8220;, wie es im Ausstellungskonzept heißt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Selbstorganisation von Rom</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rom erzählt eine andere Geschichte des Wohnens. Hier entstehen Siedlungen ohne Genehmigung, wachsen Häuser ohne Architekten, organisieren sich Gemeinschaften ohne staatliche Hilfe. Was in Wien undenkbar wäre, ist in Rom Alltag: Menschen nehmen ihr Recht auf Wohnen selbst in die Hand.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die römischen Beispiele zeigen &#8222;improvised, often spontaneous architecture&#8220;, wie die Kuratorinnen schreiben. Es ist eine Architektur der Notwendigkeit, geboren aus der Unfähigkeit des Staates, bezahlbaren Wohnraum für alle zu schaffen. Doch aus der Not entstehen oft innovative Lösungen: flexible Grundrisse, gemeinschaftliche Räume, nachbarschaftliche Netzwerke.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Vergleich zwischen Wien und Rom ist bewusst provokant. &#8222;Die Gegenüberstellung dieser beiden Modelle – geplante, öffentliche Wohnarchitektur in Wien und improvisierte, oft spontane Architektur in Rom – regt den interdisziplinären Dialog an&#8220;, erklären die Kuratorinnen. Es geht nicht um richtig oder falsch, sondern um verschiedene Wege zum gleichen Ziel: bezahlbares Wohnen für alle.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lagos und die informelle Stadt</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch radikaler wird die Selbstorganisation in Tosin Oshinowos &#8222;Alternative Urbanism: The Self-Organized Markets of Lagos&#8220;. Die nigerianische Architektin erhielt eine Special Mention für ihre filmische Untersuchung der informellen Märkte von Lagos – jenen chaotisch wirkenden, aber hocheffizienten Handelszentren, die das Rückgrat der westafrikanischen Metropole bilden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;The dynamic informal urbanism of Lagos&#8220; zeigt eine Stadt, die ohne Masterplan funktioniert. Märkte entstehen, wo sie gebraucht werden, Strukturen passen sich an, Gemeinschaften organisieren sich selbst. Es ist eine Urbanität des Überlebens, die westliche Planungsvorstellungen über den Haufen wirft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Oshinowos Werk beleuchtet &#8222;adaptive reuse in African markets&#8220; – die kreative Wiederverwertung von Räumen und Materialien. Was in Europa als illegal gelten würde, ist in Lagos Normalität: Menschen bauen, was sie brauchen, wo sie es brauchen. Die Märkte werden zu selbstregulierenden Organismen, die sich ständig wandeln und anpassen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Irlands Experiment mit Bürgerbeteiligung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Einen anderen Weg der kollektiven Entscheidungsfindung zeigt Irlands Beitrag &#8222;Assembly&#8220; von Cotter &amp; Naessens Architects. Das Projekt reflektiert Irlands Citizens&#8216; Assembly – ein international anerkanntes Modell inklusiver demokratischer Teilhabe, bei dem zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger über komplexe gesellschaftliche Fragen beraten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;What kinds of spaces foster real connection? How can built environments support collective decision-making, openness, and care?&#8220;, fragen die Architekten. Der Pavillon wird zur multisensorischen Installation, die den Prozess des gemeinsamen Entscheidens räumlich erfahrbar macht. Stimmen, Rhythmen und Bewegungen verschmelzen zu einer Architektur der Partizipation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das irische Modell ist bemerkenswert: Statt Expertinnen und Politiker entscheiden Bürgerinnen und Bürger über Abtreibung, Klimawandel oder Verfassungsänderungen. Die Ergebnisse sind oft überraschend, meist aber durchdachter und nachhaltiger als traditionelle politische Prozesse. Architektur wird zur Bühne für Demokratie.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Taiwan und die Prekarität des Lebens</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch düsterer blickt der taiwanesische Pavillon &#8222;NON-Belief: Intelligens of Precarity&#8220; auf die Zukunft. Das National Taiwan Museum of Fine Arts thematisiert die &#8222;Intelligenz der Prekarität&#8220; – die Fähigkeit, unter unsicheren Bedingungen zu überleben und zu gedeihen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Taiwan kennt Prekarität aus eigener Erfahrung: politisch isoliert, ständig bedroht, abhängig von globalen Lieferketten. Diese Unsicherheit prägt auch das Wohnen: flexibel, temporär, anpassungsfähig. Der Pavillon zeigt, wie aus der Unsicherheit eine besondere Form der Resilienz entsteht.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kanadas schwimmende Visionen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Poetischer wird es im kanadischen Pavillon mit &#8222;Picoplanktonics&#8220; vom Living Room Collective. Das Projekt erkundet die Verbindung zwischen menschlichen Gemeinschaften und marinen Ökosystemen. Picoplankton – die kleinsten Meeresorganismen – werden zur Metapher für kollektive Intelligenz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kanadierinnen zeigen, wie winzige Organismen durch Zusammenarbeit ganze Ozeane prägen können. Die Übertragung auf menschliche Siedlungen ist offensichtlich: Auch kleine Aktionen können große Wirkungen entfalten, wenn sie koordiniert erfolgen. Gemeinschaftsgärten, Nachbarschaftsinitiativen, lokale Währungen – überall entstehen neue Formen des Zusammenlebens.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Herausforderung des demografischen Wandels</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Global temperatures rise while global populations fall&#8220;, konstatiert Carlo Ratti nüchtern. Diese doppelte Herausforderung – Klimawandel bei schrumpfender Bevölkerung – stellt traditionelle Urbanismusvorstellungen infrage. Während Städte in Afrika und Asien explodieren, schrumpfen sie in Europa und Ostasien.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das für das Wohnen? Brauchen wir mehr Häuser oder weniger? Größere Wohnungen oder kleinere? Zentrale Planung oder dezentrale Selbstorganisation? Die Biennale 2025 gibt keine einfachen Antworten, aber sie zeigt die Bandbreite möglicher Lösungen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kollektive Intelligenz als Überlebensstrategie</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der &#8222;Speakers&#8216; Corner&#8220; in den Corderie dell&#8217;Arsenale wird zum Symbol für den partizipativen Ansatz der Biennale. Hier diskutieren Architektinnen und Aktivisten, Forscherinnen und Praktikerinnen über die Zukunft des Wohnens. Das Publikum wird vom passiven Konsumenten zum aktiven Teilnehmer.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Collective Intelligence&#8220; – die dritte Säule von Rattis Konzept – meint mehr als nur Bürgerbeteiligung. Es geht um die Erkenntnis, dass komplexe Probleme nur durch das Zusammenspiel vieler Akteure gelöst werden können. Weder der Markt allein noch der Staat allein kann die Wohnungskrise bewältigen. Es braucht neue Formen der Kooperation.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Fragen zur Partizipation</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch Partizipation ist kein Allheilmittel. Kritikerinnen warnen vor der Romantisierung informeller Siedlungen. Was in Lagos funktioniert, mag in München scheitern. Was in Wien erfolgreich ist, könnte in Nairobi versagen. Kollektive Intelligenz kann auch kollektive Dummheit bedeuten – Brexit und Trump lassen grüßen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Biennale zeigt die Ambivalenz der Selbstorganisation. Einerseits entstehen innovative Lösungen, wenn Menschen ihre Probleme selbst in die Hand nehmen. Andererseits können Eigeninitiativen auch zu Ausgrenzung, Segregation und Ungleichheit führen. Gated Communities sind auch eine Form der Selbstorganisation.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wohnen als Menschenrecht</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotz aller Probleme ist die Botschaft der Biennale 2025 eindeutig: Wohnen ist ein Menschenrecht, kein Privileg. Ob durch staatliche Programme wie in Wien, durch Selbstorganisation wie in Rom oder durch partizipative Prozesse wie in Irland – alle Wege sind legitim, wenn sie zu bezahlbarem, würdevollem Wohnen für alle führen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Klimakrise verschärft die Wohnungskrise noch. Millionen Menschen werden ihre Heimat verlassen müssen, Städte werden sich an neue Realitäten anpassen müssen. Kollektive Intelligenz wird zur Überlebensstrategie – nicht nur für Einzelne, sondern für ganze Gesellschaften.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Biennale 2025 zeigt: Die Zukunft des Wohnens ist plural. Es gibt nicht die eine Lösung, sondern viele Lösungen für viele Kontexte. Entscheidend ist, dass alle Menschen ein Dach über dem Kopf haben – egal ob aus Elefantendung, Recyclingmaterial oder Hochleistungsbeton.</p>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Die 19. Internationale Architekturausstellung – La Biennale di Venezia &#8222;Intelligens. Natural. Artificial. Collective.&#8220; läuft noch bis zum 23. November 2025.</strong></p>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Öffnungszeiten:</strong></p>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Mai bis 28. September:</strong> 11:00 &#8211; 19:00 Uhr (Freitag/Samstag im Arsenale bis 20:00 Uhr)</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>29. September bis 23. November:</strong> 10:00 &#8211; 18:00 Uhr</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Geschlossen:</strong> Montags (außer 12. Mai, 2. Juni, 21. Juli, 1. September, 20. Oktober, 17. November)</li>
</ul>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Veranstaltungsorte:</strong> Giardini und Arsenale, Venedig</p>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Eintrittspreise:</strong></p>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Einzelticket:</strong> 25€ (gültig für beide Venues)</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Ermäßigt:</strong> 22€ (Studierende, Senioren 65+, Gruppen ab 10 Personen)</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Familienticket:</strong> Kinder bis 6 Jahre frei</li>
</ul>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Weitere Informationen:</strong> <a class="underline" href="https://www.labiennale.org/en/architecture/2025">www.labiennale.org/en/architecture/2025</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/la-biennale-2025-kollektive-intelligenz-fuer-die-stadt/">La Biennale 2025 &#8222;Kollektive Intelligenz für die Stadt&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Österreichs Wohnbau: Die große Ernüchterung</title>
		<link>https://baukunst.art/oesterreichs-wohnbau-die-grosse-ernuechterung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Dec 2024 20:52:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Baubranche]]></category>
		<category><![CDATA[Politikreform]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungskrise]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=11586</guid>

					<description><![CDATA[<p>Österreichs Wohnbausektor steckt in der Krise. Während die Baukosten steigen und Finanzierungen stocken, ringt die Politik um Lösungen. Ein eigenes Wohnbauministerium könnte Abhilfe schaffen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/oesterreichs-wohnbau-die-grosse-ernuechterung/">Österreichs Wohnbau: Die große Ernüchterung</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-pm-slice="0 0 []">
<p>Österreichs <strong>Wohnbausektor</strong> steckt in der Krise. Während die <strong>Baukosten</strong> steigen und <strong>Finanzierungen</strong> stocken, ringt die Politik um Lösungen. Ein eigenes <strong>Wohnbauministerium</strong> könnte Abhilfe schaffen.</p>
<p>Tags: Wohnungskrise, Baubranche, Politikreform</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wohnungsbau in Österreich: Die große Ernüchterung</strong></p>
<p>Der österreichische <strong>Wohnungsmarkt</strong> befindet sich in einer beispiellosen Krise. Was Architektinnen und Architekten seit Jahren prophezeiten, manifestiert sich nun in erschreckenden Zahlen: Der <strong>Wohnbau</strong> liegt am Boden, während die <strong>Sanierungsquote</strong> weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Ein Erfahrungsbericht aus der Perspektive eines Architekten, der den Niedergang einer einst blühenden Baukultur beobachtet.</p>
<p><strong>Die Symbiose aus Politik und Praxis</strong></p>
<p>Die aktuelle Situation gleicht einem architektonischen Stilleben: Leere Baustellen, verschobene Projekte und eine verunsicherte Branche prägen das Bild. Gerald Gollenz, Bundesobmann der <strong>Immobilientreuhänder</strong> in der Wirtschaftskammer, bezeichnet 2024 unmissverständlich als &#8222;annus horribilis&#8220; – ein schreckliches Jahr für die Branche. Die <strong>Transaktionen</strong> sind eingebrochen, der Wohnbau stagniert, und die Aussichten für 2025 gleichen einer Fassade ohne Fenster.</p>
<p><strong>Strukturelle Defizite im System</strong></p>
<p>Die Wurzeln der Krise reichen tief in das Fundament der österreichischen Wohnbaupolitik. Die Zersplitterung der Kompetenzen zwischen verschiedenen Ministerien erinnert an ein schlecht konzipiertes Gebäude, bei dem jeder Handwerker nach eigenem Gutdünken agiert. Die <strong>Baukosten</strong> müssen sinken – darin sind sich gewerbliche und gemeinnützige Bauträger einig. Doch wie bei einem komplexen Sanierungsprojekt fehlt es an Koordination und klarer Führung.</p>
<p><strong>Das Ministerium als architektonische Lösung</strong></p>
<p>Die Forderung nach einem eigenständigen <strong>Wohnbauministerium</strong> gewinnt an Substanz. Wie ein gut durchdachter Grundriss könnte es die verschiedenen Aspekte des Wohnens unter einem Dach vereinen. Die Bundesländer haben bereits auf ihrer Konferenz der Landeswohnbaureferenten im September 2024 eine &#8222;zentrale Ansprechperson in der nächsten Bundesregierung&#8220; gefordert. Ein solches Ministerium könnte wie ein <strong>Generalplaner</strong> agieren, der alle Fäden in der Hand hält.</p>
<p><strong>Finanzierung als tragendes Element</strong></p>
<p>Die <strong>Finanzierungssituation</strong> gleicht derzeit einem instabilen Tragwerk. Michael Pisecky, ein Vertreter der Branche, appelliert an Politik und Banken, die <strong>Projektfinanzierung</strong> zu erleichtern. Seine Rechnung ist so klar wie eine moderne Linienführung: Von jedem Euro, der in den Wohnbau fließt, kehren 30 Cent als Steuern und Abgaben in das Budget zurück.</p>
<p><strong>Nachhaltigkeit als Zukunftsvision</strong></p>
<p>Die <strong>Sanierung</strong> des Bestands, eigentlich ein Schlüssel zur nachhaltigen Stadtentwicklung, kommt kaum voran. Dies ist besonders kritisch in Zeiten, in denen klimagerechtes Bauen keine Option, sondern eine Notwendigkeit darstellt. Die rechtlichen Rahmenbedingungen gleichen einem veralteten Bebauungsplan, der dringend einer Überarbeitung bedarf.</p>
<p><strong>Ausblick: Zwischen Hoffnung und Realität</strong></p>
<p>Die Branche steht vor einer architektonischen Herausforderung, die weit über das reine Bauen hinausgeht. Die mögliche Schaffung eines Wohnbauministeriums könnte einen Wendepunkt markieren. Doch wie bei jedem guten Entwurf braucht es mehr als nur eine überzeugende Skizze – es bedarf der konsequenten Umsetzung und des politischen Willens.</p>
<p>Die österreichische Baukultur steht an einem Wendepunkt. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Politik die strukturellen Probleme im <strong>Wohnungsbau</strong> erkennt und entsprechend handelt. Bis dahin bleibt die Branche in einem Zustand zwischen Hoffnung und Ernüchterung – wie ein ambitionierter Entwurf, der auf seine Realisierung wartet.</p>
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		<title>Turbo ins Nichts: Das gefährliche Spiel mit dem Wohnungsbau</title>
		<link>https://baukunst.art/turbo-ins-nichts-das-gefaehrliche-spiel-mit-dem-wohnungsbau/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Dec 2024 17:23:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Baugesetznovelle]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungskrise]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=11485</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der "Bau-Turbo" verspricht schnelleres Bauen durch weniger Bürokratie. Doch Experten warnen: Die geplante Gesetzesnovelle könnte mehr schaden als nutzen. Eine kritische Analyse der umstrittenen Reform.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3>Turbo ins Leere – Die Illusion der beschleunigten Stadtentwicklung</h3>
<p>Der <strong>Bau-Turbo</strong> soll Deutschlands Wohnungskrise lösen. So zumindest das Versprechen von <strong>Bauministerin Klara Geywitz</strong>. Doch was als Befreiungsschlag gedacht war, droht zum städtebaulichen Bumerang zu werden. Der neue <strong>Paragraf 246e</strong> des Baugesetzbuches verspricht zwar Geschwindigkeit, opfert dafür aber bewährte Qualitätsstandards und demokratische Beteiligungsprozesse.</p>
<h3>Demokratie braucht Zeit – auch beim Bauen</h3>
<p>Als Architekten wissen wir: Gute Architektur entsteht nicht im Sprint. Der geplante Turbo-Paragraf will <strong>Bebauungsplanverfahren</strong> in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt drastisch verkürzen. Die Folgen wären gravierend: Umweltverbände verlieren Mitspracherechte, <strong>Bürgerbeteiligung</strong> wird marginalisiert, <strong>städtebauliche Standards</strong> werden aufgeweicht.</p>
<p>Die <strong>Deutsche Umwelthilfe</strong> kritisiert zu Recht die überhastete Einführung des Gesetzes. Mitten in der Ferienzeit, mit minimaler Vorbereitungszeit, soll eine fundamentale Änderung des Baurechts durchgepeitscht werden. Das erinnert fatal an die überstürzte Einführung der <a href="https://baukunst.art/von-der-vision-zur-ernuechterung-das-ende-des-gebaeudetyps-e/"><strong>Gebäudeklasse E</strong></a> – ein weiteres Beispiel gut gemeinter, aber schlecht durchdachter Baupolitik.</p>
<h3>Qualität braucht Sorgfalt</h3>
<p>Die <strong>Bundesarchitektenkammer</strong> warnt eindringlich vor den Folgen dieser Schnellschuss-Politik. Statt nachhaltiger <strong>Stadtentwicklung</strong> droht nun eine Welle hastiger Bauprojekte ohne ausreichende Prüfung ihrer städtebaulichen und ökologischen Auswirkungen. Der Traum vom schnellen Wohnraum könnte zum Albtraum für kommende Generationen werden.</p>
<p>Michael Voigtländer vom <strong>Institut der deutschen Wirtschaft</strong> verteidigt zwar den Bau-Turbo, übersieht dabei aber zentrale Aspekte: Nicht die Länge der Genehmigungsverfahren ist das Hauptproblem des Wohnungsbaus, sondern fehlende Grundstücke, steigende Baukosten und der Mangel an qualifizierten Fachkräften.</p>
<h3>Alternativen statt Aktionismus</h3>
<p>Was wir stattdessen brauchen, ist eine durchdachte Reform des Baurechts, die <strong>Qualität</strong> und <strong>Geschwindigkeit</strong> intelligent verbindet. Dazu gehören:</p>
<ul class="ak-ul">
<li>Digitalisierung der Genehmigungsverfahren</li>
<li>Stärkung der kommunalen Bauämter</li>
<li>Förderung innovativer Wohnkonzepte</li>
<li>Nachhaltige Nachverdichtung im Bestand</li>
<li>Vereinfachung ohne Qualitätsverlust</li>
</ul>
<p>Der Weg aus der <strong>Wohnungskrise</strong> führt nicht über die Demontage bewährter Planungsprozesse. Vielmehr brauchen wir einen klugen Mix aus Beschleunigung und Qualitätssicherung. Der aktuelle Gesetzentwurf leistet dies nicht – er ist bestenfalls gut gemeint, schlimmstenfalls kontraproduktiv.</p>
<h3>Fazit: Der Preis ist zu hoch</h3>
<p>Die geplante Novelle erinnert an einen Sportwagen ohne Bremsen: viel PS, wenig Kontrolle. Statt eines echten Turbos für den Wohnungsbau droht ein gefährlicher Irrweg. Die Bundesregierung wäre gut beraten, den Gesetzentwurf grundlegend zu überarbeiten. Denn eines ist klar: Schneller bauen ja – aber nicht um jeden Preis.</p>
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