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	<title>Mitte-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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	<title>Mitte-Archiv - Baukunst</title>
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		<title>Sanieren, umbauen, zurückbauen: Wie Dresden seine Quartiere zwischen Gründerzeit und Platte neu ordnet</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Jul 2026 11:09:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Plattenbau-Umbau]]></category>
		<category><![CDATA[Städtebauförderung]]></category>
		<category><![CDATA[Stadterneuerung Dresden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dresden hat seine Gründerzeitviertel saniert. Nun richtet sich die geförderte Stadterneuerung auf die Plattenbausiedlungen, wo Rückbau, soziale Programme und Klimaanpassung zusammentreffen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/sanieren-umbauen-zurueckbauen-wie-dresden-seine-quartiere-zwischen-gruenderzeit-und-platte-neu-ordnet/">Sanieren, umbauen, zurückbauen: Wie Dresden seine Quartiere zwischen Gründerzeit und Platte neu ordnet</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong>  | Regionales | <strong>Dresden</strong> | Juli 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Vom Plattenbau zum Park: Wie Dresden seine Großsiedlungen neu erfindet</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stadterneuerung bezeichnet die planvolle, öffentlich geförderte Weiterentwicklung bestehender Quartiere durch Sanierung, Umbau, Rückbau und soziale Aufwertung. In Dresden markiert der aktualisierte Überblick der Landeshauptstadt Dresden zur Stadterneuerung (Stand Anfang 2026) einen Wendepunkt: Die große Aufgabe der Nachwendezeit, die Rettung der verfallenen Gründerzeitquartiere, ist weitgehend erledigt; die eigentliche Baustelle liegt heute in den Großsiedlungen der industriellen Moderne. Rechtlich stützt sich diese Arbeit auf drei Instrumente des Baugesetzbuchs (BauGB): die städtebauliche Sanierungsmaßnahme nach § 136 BauGB, den Stadtumbau nach § 171a BauGB und die Maßnahmen der Sozialen Stadt nach § 171e BauGB.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Getragen wird die Erneuerung von drei Bund-Länder-Programmen der Städtebauförderung, die seit 2020 in ihrer heutigen Form gelten: „Lebendige Zentren“ für Stadt- und Ortskerne, „Sozialer Zusammenhalt“ für benachteiligte Quartiere und „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ für den Umgang mit wirtschaftlichem und demografischem Wandel. Zwischen 2020 und 2025 flossen nach Angaben des Sächsischen Staatsministeriums für Regionalentwicklung rund 898 Millionen Euro in sächsische Kommunen; für 2026 stellt der Bund bundesweit erneut eine Milliarde Euro bereit. Aktuell profitieren in Sachsen 212 Fördergebiete in 135 Städten und Gemeinden, Dresden mit mehreren Quartieren darunter. Den strategischen Rahmen dafür liefert das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (INSEK) der Landeshauptstadt Dresden, das die Fördergebiete priorisiert und die Programme räumlich bündelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein regionaler Sonderfall prägt den Hintergrund. 2006 verkaufte Dresden seine gesamte kommunale Wohnungsgesellschaft WOBA mit rund 48 000 Wohnungen an einen Finanzinvestor und wurde als erste deutsche Großstadt schuldenfrei. Der Preis war der Verlust unmittelbaren kommunalen Einflusses auf den Wohnungsmarkt; erst 2017 gründete die Stadt mit der WiD Wohnen in Dresden wieder eine eigene Gesellschaft. Diese Vorgeschichte erklärt, warum die Städtebauförderung in Dresden besonderes Gewicht hat. Sie ist eines der wenigen Instrumente, mit denen die Kommune die Entwicklung ihrer Quartiere heute noch direkt steuern kann, jenseits des privaten Immobilienmarktes.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie kam Dresden vom verfallenen Altbau zur begehrten Wohnstadt?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als förmlich festgelegtes Sanierungsgebiet nach § 142 BauGB begann die Erneuerung in den 1990er Jahren dort, wo der Verfall am sichtbarsten war. Löbtau-Nord etwa war von 1993 bis 2012 Sanierungsgebiet; vergleichbare Verfahren liefen im Hechtviertel, in der Äußeren Neustadt und in der Friedrichstadt. In diesen Gründerzeitvierteln ging es um die Instandsetzung maroder Bausubstanz, um die Modernisierung von Wohnungen ohne Bad, um entsiegelte Innenhöfe und um die Rückkehr von Bewohnerinnen und Bewohnern in zuvor entleerte Straßenzüge. Das Instrument griff: Die dichten, gemischten Quartiere von einst gehören heute zu den begehrtesten der Stadt. Der Erfolg hat allerdings eine Kehrseite. Die Aufwertung hat vielerorts die Mieten getrieben und den sozialen Charakter der Viertel verschoben, ein Muster, das sich von Leipzig bis Berlin wiederholt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum verschiebt sich die Erneuerung heute in die Plattenbausiedlungen?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Weil dort die eigentliche strukturelle Aufgabe liegt. Die Großsiedlungen Gorbitz im Westen und Prohlis im Süden, in den 1980er Jahren industriell errichtet, verloren nach 1990 rasch an Einwohnern; Leerstand und Abwanderung zwangen zum Umsteuern. Die Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft Dresden (EWG) bewirtschaftete allein in Gorbitz über 8000 Plattenbauwohnungen und begann ab 2002 im Programm Stadtumbau Ost mit dem Rückbau. In der Kräutersiedlung wurden zwischen 2002 und 2004 aus 829 Wohnungen rund 270; im Quartier Stadtblick fielen 2006 und 2007 von 742 Wohnungen 420, auf der Freifläche entstand der 20 000 Quadratmeter große Stadtblickpark. „Rückbau“ heißt hier nicht Abriss als Scheitern, sondern die gezielte Verkleinerung eines überdimensionierten Bestands. Wo Zeilen ganz verschwanden oder um Geschosse gekürzt wurden, entstanden Parks, Spielflächen und aufgelockerte Nachbarschaften.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heute steht in diesen Siedlungen weniger der Rückbau als die soziale und bauliche Aufwertung im Vordergrund. Über das Programm „Sozialer Zusammenhalt“ und ergänzende Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF Plus 2021 bis 2027) fördert die Stadt in Prohlis und Gorbitz Quartiersmanagement, Bildungsorte und Begegnungsräume. In Gorbitz flossen seit 2016 nach Angaben der Landeshauptstadt Dresden rund 5,7 Millionen Euro aus Bund-Länder-Mitteln in „Orte der Begegnung und Bildung“, darunter eine Kindertagesstätte, eine Sportanlage und eine Schule. Beim Tag der Städtebauförderung am 9. Mai 2026 präsentierten Dresden und 30 weitere sächsische Kommunen unter dem Motto „Lebendige Orte, starke Gemeinschaften“ ein Vierteljahrhundert dieser Arbeit.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das für andere Städte mit Plattenbauerbe?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dresden liefert ein übertragbares Modell, aber keine schlüsselfertige Lösung. Die Abfolge, erst die Gründerzeit sichern, dann die Platte umbauen, dann sozial stabilisieren, kennzeichnet fast alle ostdeutschen Großstädte; wer heute in Halle, Schwerin oder Cottbus plant, findet in Gorbitz ein Referenzprojekt. Übertragbar ist vor allem die Einsicht, dass Rückbau und Aufwertung zusammengehören und dass die Platte kein Auslaufmodell ist, sondern bezahlbarer Wohnraum mit Zukunft. Getragen wird diese Arbeit von einem dichten Geflecht lokaler Akteure: Wohnungsgenossenschaften wie der EWG, der kommunalen WiD, freien Trägern der Sozialarbeit und einem Quartiersmanagement, das Fördermittel, Anwohnerinnen und Anwohner sowie Verwaltung zusammenführt. Nicht übertragbar sind die konkreten Zahlen, denn jede Siedlung hat ihre eigene Sozialstruktur, Eigentümerlandschaft und Lage im Stadtgefüge.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritisch bleibt die Finanzierung. Die Städtebauförderung ist ein Kofinanzierungsprogramm: Bund und Land tragen üblicherweise je ein Drittel, das letzte Drittel muss die Kommune aufbringen. In angespannten Haushalten geraten gerade die freiwilligen sozialen Bestandteile unter Druck, während Baukosten und Zinsen die Sanierung verteuern. Hinzu kommt die Klimafrage. Die Plattenbauten der 1980er Jahre sind energetisch schwach, ihre Erneuerung im Bestand spart jedoch enorme Mengen grauer Energie gegenüber Abriss und Neubau. Das novellierte Städtebaurecht und das Gebäudeenergiegesetz (GEG) setzen zunehmend auf Sanierung statt Ersatz; doch die Anpassung der Großsiedlungen an Hitze und Starkregen, etwa durch Entsiegelung, Verschattung und Regenwasserbewirtschaftung, steht in Dresden erst am Anfang.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Stadterneuerung Dresdens lässt sich 2026 als geordneter Übergang lesen: von der Rettung des Alten zur Weiterentwicklung des vermeintlich Unfertigen. Dass ausgerechnet die lange verrufene Platte zum Zukunftsfeld wird, ist die eigentliche Pointe. Sie bleibt bezahlbar, sie ist vorhanden, und sie lässt sich klüger nutzen, als ihre frühen Kritiker es je für möglich hielten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Beton und Gedächtnis: Warum Leipzig die alte Stasi-Zentrale abräumt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Jul 2026 09:53:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[DDR-Erbe]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung Leipzig]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am Matthäikirchhof stand die Macht der Stasi in Beton. Jetzt fällt der Komplex, ohne Denkmalschutz. Leipzig verhandelt, was von einem Täterort bleiben soll.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/beton-und-gedaechtnis-warum-leipzig-die-alte-stasi-zentrale-abraeumt/">Beton und Gedächtnis: Warum Leipzig die alte Stasi-Zentrale abräumt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong>  | Regionales | <strong>Leipzig</strong> | Juli 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Täterort ohne Schutz: Der Streit um Leipzigs Matthäikirchhof</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Matthäikirchhof ist ein rund zwei Hektar großes Areal am nordwestlichen Rand der Leipziger Innenstadt, auf dem bis 1989 die Bezirksverwaltung für Staatssicherheit residierte, und er ist 2026 zum Prüfstein dafür geworden, wie eine Stadt mit dem baulichen Erbe der SED-Diktatur umgeht: erhalten als Mahnung oder abräumen für ein neues Quartier. Der MDR beschrieb die Lage im März 2026 unter dem Titel „Stasi-Relikte in Leipzig vor dem Abriss“. Die Entscheidung ist gefallen, ein möglicher Denkmalschutz für den Gebäudekomplex wurde verworfen, der Abriss der DDR-Bauten und eine grundlegende Neuordnung des Quartiers sind beschlossen. Was hier verschwindet, ist kein Schönheitsfall, sondern ein Täterort, und genau das macht die Debatte so schwierig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kaum ein Ort in Leipzig trägt so viele Schichten. Auf dem Gelände lag im Mittelalter eine slawische Burg, urkundlich erstmals 1015 erwähnt, später ein Franziskanerkloster mit der Barfüßerkirche, die 1876 in Matthäikirche umbenannt wurde. Der schwere Luftangriff vom 4. Dezember 1943 zerstörte die Kirche, nach 1948 ließ die Stadt die Ruine abtragen. 1950 zog das Ministerium für Staatssicherheit in die benachbarte „Runde Ecke“ am Dittrichring, einen Versicherungsbau von 1913, und verdichtete das Quartier mit Erweiterungsbauten von 1958 und 1985 zu einem abgeschotteten Machtapparat. Am 4. Dezember 1989, auf den Tag 46 Jahre nach der Bombennacht, besetzten Leipziger Bürgerinnen und Bürger die Zentrale und stoppten die Aktenvernichtung. Seither erinnert die Gedenkstätte Museum in der Runden Ecke an die Überwachung, während der übrige Komplex weitgehend leer stand.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum verlor der Komplex den Denkmalschutz?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Weil ihm die Behörde den Denkmalwert absprach. Das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen prüfte die Bestandsbauten aus den 1980er Jahren und kam zu dem Ergebnis, dass sie nicht schützenswert sind; die Stadt Leipzig machte diese Bewertung am 3. Mai 2022 öffentlich. Baubürgermeister Thomas Dienberg betonte, es gebe damit „keine Einschränkungen durch den Denkmalschutz“, weder für Erhalt noch für Abriss oder Teilabriss. Geschützt bleibt allein die „Runde Ecke“ selbst, sie beherbergt weiter das Museum.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rechtlich verschiebt das die Zuständigkeit. Ohne Eintrag in die Denkmalliste greift das Sächsische Denkmalschutzgesetz (SächsDSchG) nicht, und über das Areal entscheidet das kommunale Planungsrecht. Statt sich auf den unbeplanten Innenbereich nach § 34 Baugesetzbuch (BauGB) zu verlassen, steuert die Stadt die Entwicklung über einen städtebaulichen Wettbewerb und einen nachfolgenden Bebauungsplan nach § 30 BauGB. Damit liegt die Verantwortung nicht mehr bei einer Fachbehörde, sondern beim politischen Willen des Stadtrats. Der Denkmalschutz, sonst das schärfste Instrument gegen den Abriss, fällt hier von Anfang an aus.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was soll auf dem Matthäikirchhof entstehen?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein gemischtes Quartier mit einem klaren inhaltlichen Kern. Den städtebaulichen Wettbewerb entschied das Preisgericht am 1. Februar 2024 nach rund zehnstündiger Sitzung zugunsten des Stuttgarter Büros Riehle Koeth mit Levin Monsigny Landschaftsarchitekten aus Berlin. Der Entwurf sucht einen Mittelweg zwischen den „dogmatischen Extrempositionen“ von komplettem Erhalt und komplettem Abriss: Der gut erhaltene nördliche Bauteil bleibt stehen, während die städtebaulich störenden Trakte der früheren Deutschen Volkspolizei und der Staatssicherheit fallen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Zentrum steht ein „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“, ein Demokratie-Campus als öffentlicher Ankerpunkt, ergänzt um das künftige Archivzentrum für die Stasi-Unterlagen, die seit 2021 zum Bundesarchiv gehören. Dazu kommen Wohnungen im nördlichen Bestand, publikumsnahe Erdgeschosse sowie drei Freiräume, ein städtischer Platz, eine grüne Agora und ein Museumshof. Aus dem einst verriegelten Sperrbezirk soll ein durchlässiges Stück Innenstadt werden, das die Thomaskirche, das Barfußgässchen und den Ring wieder verbindet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Erhalten als Mahnmal oder abreißen?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">An dieser Frage scheiden sich die Geister, und anders als beim üblichen Abrissstreit verlaufen die Fronten quer. Fachverbände wie das Stadtforum Leipzig und die Initiative Leipziger Architekten drängten früh auf den Abriss der desolaten Trakte, weil deren massive Sockelzonen den Ort abriegeln und jede Neuplanung blockieren. Umweltverbände wie der BUND Leipzig argumentieren dagegen, der Erhalt der Bauten aus den 1980er Jahren wäre klimafreundlicher und ressourcenschonender und würde bezahlbaren Wohnraum in bester Lage ermöglichen. Und Stimmen aus der Aufarbeitungsszene kritisieren, dass mit dem Verzicht auf den Denkmalschutz ein authentisches Zeugnis der Diktatur verschwindet, bevor eine Gesellschaft es in Ruhe deuten konnte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Kern stehen zwei Werte, die sich schlecht verrechnen lassen. Der eine ist die graue Energie, also die gesamte Energie, die in Herstellung und Errichtung eines Gebäudes bereits gebunden ist. Ein Betonbau der 1980er Jahre ist ein großer Speicher solcher Vorleistungen, und jeder Abriss vernichtet sie. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) verlangt zwar hohe energetische Standards, bewertet den Lebenszyklus und die verbaute graue Energie bislang aber nicht, ein blinder Fleck, der Abrisse rechnerisch attraktiver erscheinen lässt, als sie klimapolitisch sind. Der andere Wert ist die Erinnerung. Ein Täterbau ist unbequem, doch gerade das Unbequeme trägt Gedächtnis. Die Frage lautet nicht, ob der Ort verändert werden muss, sondern wie viel Originalsubstanz nötig ist, damit eine spätere Generation die Repression noch begreift.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet der Fall über Leipzig hinaus?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Er zeigt, wie schmal der Grat zwischen Aufarbeitung und Verdrängung ist. Deutschland hat mit dem Erbe der DDR selten souverän umgehen können, der Abriss des Palasts der Republik in Berlin bleibt das Mahnbeispiel. Wer Beton abräumt, gewinnt Platz, verliert aber Beweis. Leipzig hat den ehrgeizigen Anspruch, aus einem Ort der Überwachung einen Ort der Bürgerrechte zu machen, und der Gedanke ist stark. Er steht und fällt jedoch damit, ob genug Authentisches erhalten bleibt, um die Wandlung glaubwürdig zu erzählen, oder ob am Ende nur ein Neubau mit dem Etikett „Freiheit“ entsteht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Regional trifft die Debatte einen empfindlichen Nerv. Sachsen kennt keinen landesweit verpflichtenden Gestaltungsbeirat, und die Sächsische Bauordnung (SächsBO) regelt das technisch Zulässige, nicht das baukulturell Wünschenswerte. Fällt der Denkmalschutz aus, entscheidet allein die Kommune, ob sie Bestand und Erinnerung zur Bedingung macht oder dem Verwertungsdruck überlässt. Zugleich verdient die Stadt Anerkennung, dass sie den Umgang mit dem Areal über Wettbewerb und Beteiligung transparent führt, statt still abzuräumen. Am Matthäikirchhof verhandelt Leipzig deshalb mehr als einen Bauplatz. Es verhandelt, ob Erinnerung ein Amt braucht, um zu überleben, oder ob eine Stadt sie auch dann bewahrt, wenn kein Gesetz sie dazu zwingt.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Carolabrücke Dresden: Wie die Mehrfachbeauftragung den Wettbewerb ersetzt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jun 2026 06:53:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Brückenbau]]></category>
		<category><![CDATA[Dresden]]></category>
		<category><![CDATA[Mehrfachbeauftragung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach dem Teileinsturz 2024 plant Dresden die neue Carolabrücke. Statt anonymem Wettbewerb arbeiten vier Teams parallel; ein Expertengremium hat soeben gewertet, nun stimmt die Stadtgesellschaft ab.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Regionales<em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong"> |</strong></em> Dresden <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Dresden wählt beim Wiederaufbau das Verfahren der Transparenz</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Die Mehrfachbeauftragung ist ein Vergabeinstrument, bei dem mehrere Planungsteams parallel und vergütet denselben Entwurfsauftrag bearbeiten, statt anonym in einem Realisierungswettbewerb gegeneinander anzutreten. Beim Wiederaufbau der eingestürzten Carolabrücke setzt Dresden genau dieses Instrument ein und verlässt damit den gewohnten Pfad der Baukultur bei stadtbildprägenden Bauwerken.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 11. September 2024 stürzte ein Abschnitt der Carolabrücke in die Elbe. Binnen Stunden wurde das Bauwerk zum bundesweiten Sinnbild für den Sanierungsstau der deutschen Verkehrsinfrastruktur. Eine Reparatur schied früh aus. Der Dresdner Stadtrat beschloss 2025 einen Ersatzneubau bis 2031 und entschied sich bewusst gegen ein langwieriges Planfeststellungsverfahren, indem er die neue Querung weitgehend auf der bestehenden Trasse vorsieht. Diese Festlegung verband Tempo mit Pragmatismus, ein Spannungsfeld, das den gesamten Prozess prägt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das eigentlich Ungewöhnliche liegt im Verfahren. Im September 2025 schrieb die Landeshauptstadt die Planungsleistungen europaweit aus, als offenes Verfahren nach der Vergabeverordnung (VgV). Zwölf Büros bewarben sich fristgerecht; Anfang Dezember 2025 erhielten vier Teams den Zuschlag. Sie bearbeiteten anschließend die Leistungsphasen 1 und 2 nach § 43 der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI), also Grundlagenermittlung und Vorplanung für Ingenieurbauwerke. Begleitet wurde der Prozess von Beginn an durch ein eigens eingesetztes Gremium aus Stadträtinnen und Stadträten, Kammern und Interessenverbänden. Am 26. Mai 2026 reichten die Teams ihre Entwürfe ein, jeweils mit drei Visualisierungen. Die Bandbreite der Konzepte fiel erheblich aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist auch die regulatorische Vorentscheidung. Indem der Stadtrat einen Ersatzneubau auf weitgehend gleicher Trasse vorgab, lässt sich das Vorhaben ohne neues Planfeststellungsverfahren umsetzen. Zugleich engt diese Festlegung den Gestaltungsspielraum ein: Die Teams mussten ihre Entwürfe von vornherein an den Bestand und an die genehmigungsrechtlichen Grenzen anpassen. Wer Tempo will, kauft es mit Restriktionen, ein Grundprinzip, das in Sachsen seit dem Verlust des Welterbetitels besonders sensibel verhandelt wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">„Warum verzichtet Dresden auf den anonymen Realisierungswettbewerb?“</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei stadtbildprägenden Bauten ist der anonyme Realisierungswettbewerb nach der Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW 2013) und § 78 VgV der übliche Weg. Eine Fachjury bewertet verdeckt eingereichte Arbeiten und kürt die beste Lösung. Dresden wählte stattdessen die vergütete Mehrfachbeauftragung. Vier namentlich bekannte Teams arbeiteten offen, ihre Entwürfe durchlaufen nun drei Bewertungsinstanzen: ein Expertengremium, ein Begleitgremium aus Stadtrat, Kammern und Verbänden sowie einen öffentlichen Bürgerdialog. Die Empfehlungen fließen zusammen, die endgültige Entscheidung trifft jedoch der Stadtrat, nicht ein Fachpreisgericht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dieses Zusammenspiel ist in seiner Offenheit neu. Das von Professor Steffen Marx (TU Dresden) geleitete Expertengremium einigte sich am 10. Juni 2026 einstimmig auf eine Rangfolge. Bewertet wurden unter anderem Städtebau, Architektur, Denkmalschutz, Verkehr, Tragwerksplanung, Bauzeit, Kosten, Wirtschaftlichkeit und Genehmigungsfähigkeit. Auf Platz eins setzte das Gremium den Entwurf von Leonhardt, Andrä und Partner (Stuttgart) gemeinsam mit Knight Architects (London), eine schlanke, transparente Konstruktion, die sich nach Ansicht der Fachleute zurückhaltend in die historische Altstadt einfügt. Die gitterförmige Gestaltung der Voutenbereiche, also der angedeuteten Brückenbögen, erziele eine eigenständige Identität und schreibe die Geschichte beider Vorgängerbauten fort.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die weiteren Plätze zeigen die Bandbreite. Den zweiten Rang belegte die Arbeitsgemeinschaft Fhecor und TSSB mit einer Referenz an die Bogenbrückenfamilie der Stadt; das Gremium fand die Gestaltung jedoch zu dominant und das Tragwerkskonzept nicht ganz stimmig. Das drittplatzierte Team Schüßler-Plan mit DKFS überzeugte als wirtschaftlichste und wartungsärmste Lösung, verharre aber zu stark im Konzept der 1970er Jahre. Die viertplatzierte Arbeit von Grassl mit gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner gilt als technisch durchdacht, doch ihre übergroßen Pfeiler mit Aussichtsbastionen verringerten die Sichtbeziehungen zur Stadt und die Aufenthaltsqualität unter der Brücke.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Verzicht auf die Anonymität hat einen Preis. Kritikerinnen und Kritiker bemängeln, dass der Schutz vor persönlichen Verbindungen entfällt, den ein verdecktes Preisgericht bietet. Befürworter halten dagegen, dass die offene Mehrfachbeauftragung den fachlichen Diskurs früher und breiter öffnet und damit Entscheidungen nachvollziehbarer macht. Beide Lager eint die Anerkennung, dass alle vier Arbeiten einen ungewöhnlich hohen Ausarbeitungsgrad erreichen, was bei einem anonymen Wettbewerb in dieser Verfahrenslänge kaum zu leisten gewesen wäre.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">„Welche Rolle spielen Denkmalschutz und Bürgerbeteiligung?“</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Standort verschärft jede Entscheidung. Die Brücke liegt unmittelbar an der Brühlschen Terrasse, im denkmalgeschützten Ensemble der Dresdner Altstadt. Das Sächsische Denkmalschutzgesetz (SächsDSchG) verlangt, dass bauliche Anlagen das überlieferte Erscheinungsbild eines Denkmalbereichs wahren. Hinzu kommen die Vorgaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Elbe nach dem Bundeswasserstraßengesetz (WaStrG): nur ein Pfeiler in der Elbe, eine festgelegte Durchfahrtshöhe für die Schifffahrt. Über allem schwebt die Erinnerung an die Waldschlößchenbrücke, deren Bau Dresden 2009 den UNESCO-Welterbetitel kostete. Die Stadt agiert unter doppelter Beobachtung, fachlich und symbolisch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bürgerbeteiligung soll diese Last verteilen. Vom 13. Juni bis zum 19. Juli 2026 können Dresdnerinnen und Dresdner über das Tool carolaVOTE die vier Entwürfe bewerten und in eine persönliche Reihenfolge bringen. Solche frühe Beteiligung entspricht der sogenannten Phase 0, die der Potsdamer Konvent zur Baukultur und die Bundesstiftung Baukultur seit Jahren einfordern. Offen bleibt, welches Gewicht der Stadtrat den Voten der Öffentlichkeit gegenüber den Fachempfehlungen einräumt. Genau hier entscheidet sich, ob Beteiligung echte Mitsprache bedeutet oder bloße Akzeptanzbeschaffung bleibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Parallel verläuft der Streit um die Breite. Der Stadtrat hatte sich für eine vierspurige Variante entschieden. Die Opposition, Verkehrswissenschaftlerinnen und Verkehrswissenschaftler, der ADFC und die Initiative Carolabrücke kritisieren diese Dimension als autobahnähnlich und fordern weniger Fahrspuren zugunsten breiterer Rad- und Fußwege. Die vorliegenden Verkehrsanalysen stützen eine schmalere Lösung, das politische Beharren auf vier Spuren hält dagegen. Diese Frage verläuft weitgehend unabhängig vom konkreten Entwurf und dürfte den Bürgerdialog prägen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 3. September 2026 soll der Stadtrat über die weitere Beauftragung entscheiden. Bis dahin bleibt das Verfahren ein Experiment mit offenem Ausgang. Sein Wert liegt weniger im Tempo, das Kritiker gern mit dem rasanten Wiederaufbau der Genueser Polcevera-Brücke vergleichen, als in der Methode. Dresden zeigt, dass sich auch unter akutem Zeitdruck ein transparenter, mehrstufiger Aushandlungsprozess organisieren lässt. Für andere Kommunen mit maroden Spannbetonbrücken, und davon gibt es bundesweit viele, könnte das Modell zur Blaupause werden. Ob die Mehrfachbeauftragung den Wettbewerb dauerhaft verdrängt, wird sich erst zeigen, wenn die Brücke steht. Vorerst schreibt Dresden Baukulturgeschichte, im besten Sinne ergebnisoffen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/carolabruecke-dresden-wie-die-mehrfachbeauftragung-den-wettbewerb-ersetzt/">Carolabrücke Dresden: Wie die Mehrfachbeauftragung den Wettbewerb ersetzt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Erzgebirgsschanze Johanngeorgenstadt: Warum Sachsens Denkmalrecht den Abriss vorerst bremst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jun 2026 06:44:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Erzgebirgsschanze Johanngeorgenstadt · Ostmoderne und Brutalismus · Denkmalschutz Sachsen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Landesamt für Denkmalpflege prüft die Erzgebirgsschanze, die Stadt plant den Abriss. Warum in Sachsen nicht der Stadtrat über die Denkmaleigenschaft entscheidet.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Regionales<em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong"> |</strong></em> Sachsen <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Strukturschwache Region, starkes Erbe: Streit um die Schanze</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Sachsen entsteht Denkmalschutz kraft Gesetzes: Sobald ein Bauwerk die Voraussetzungen des § 2 Sächsisches Denkmalschutzgesetz (SächsDSchG) erfüllt, ist es ein Kulturdenkmal, unabhängig von einer Eintragung in die Denkmalliste. Diese Regel rückt die Erzgebirgsschanze in Johanngeorgenstadt in den Mittelpunkt einer Auseinandersetzung, die weit über die Bergstadt im Erzgebirgskreis hinausreicht. Das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen prüft den Wert der stillgelegten Skisprungschanze; Mitte Juni 2026 könnte eine fachliche Einordnung fallen. Gleichzeitig hält die Stadt unter Bürgermeister André Oswald an Abrissplänen fest, gegen die ein am 7. Juni 2026 veröffentlichter offener Brief der Initiative INDUSTRIE.KULTUR.OST gemeinsam mit dem Netzwerk ostmodern Stellung bezieht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Geschichte des Skispringens in Johanngeorgenstadt reicht bis in die 1920er Jahre zurück, als am selben Hang eine hölzerne Großschanze tausende Zuschauerinnen und Zuschauer anzog und die Bergstadt fest in der deutschen Wintersportgeschichte verankerte. Der heutige Betonbau entstand ab 1960 auf dem Erzgebirgskamm westlich der Stadt, nachdem die Vorgängerschanze 1956 eingestürzt war. Die feierliche Einweihung erfolgte 1962. Mit einem rund 42 Meter hohen Anlaufturm in Gleitschalungstechnik löste sich die Anlage von den Holzkonstruktionen früherer Jahrzehnte und setzte auf Stahlbeton als Zukunftsmaterial. Bauteile stammten teils aus dem benachbarten Uranbergbau der Wismut, was die enge Verflechtung von regionaler Industriegeschichte und Sportbau verdeutlicht. Projektiert wurde das Bauwerk von Karl Uhlmann und Gert Pomper; beim Bau kamen auch Häftlinge zum Einsatz, ein Hinweis auf die politischen Rahmenbedingungen der frühen DDR.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während der DDR-Zeit diente die Erzgebirgsschanze als bedeutende Trainings- und Wettkampfstätte; vor Ort bestand ein Stützpunkt der Sportgemeinschaft Dynamo, und zahlreiche Nachwuchssportlerinnen und Nachwuchssportler des staatlichen Leistungssportsystems durchliefen hier frühe Entwicklungsstufen. Den Betrieb beendeten schließlich geänderte FIS-Richtlinien, Grundstücksstreitigkeiten und Unterfinanzierung im Jahr 2000. Seither steht die Anlage als Landmarke ohne Nutzung und ohne tragfähiges Konzept über den Baumkronen, ein markantes Zeugnis, dessen Zukunft die Bergstadt seit Jahren spaltet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das nachrichtliche System für die Erzgebirgsschanze?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sachsen folgt dem sogenannten nachrichtlichen System. Nach § 10 Absatz 1 SächsDSchG werden Kulturdenkmale lediglich nachrichtlich in öffentliche Verzeichnisse aufgenommen; der Schutz hängt ausdrücklich nicht von dieser Aufnahme ab. Die Eintragung erfolgt nach § 10 Absatz 2 SächsDSchG von Amts wegen durch die Fachbehörde im Benehmen mit der Gemeinde, nicht auf deren Antrag. Sie ist nach gefestigter Rechtsprechung kein Verwaltungsakt, sondern stellt nur fest, was bereits gilt. Für die Erzgebirgsschanze bedeutet das: Bestätigt das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen die Merkmale des § 2 SächsDSchG, ist die Anlage ein Kulturdenkmal, ohne dass der Stadtrat zustimmen müsste.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Abriss setzte dann nach den §§ 12 und 13 SächsDSchG eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung der unteren Denkmalschutzbehörde im Landratsamt des Erzgebirgskreises voraus, die wiederum das Einvernehmen mit der Fachbehörde erfordert. Die finanzielle Sorge der Kommune, im offenen Brief ausdrücklich anerkannt, ändert an dieser Rechtslage nichts; sie ist eine Frage der Förderung, nicht der Denkmaleigenschaft. Mit dem Status verbindet sich allerdings auch Verantwortung. § 8 SächsDSchG verpflichtet Eigentümerinnen und Eigentümer, Kulturdenkmale pfleglich zu behandeln und im Rahmen des Zumutbaren denkmalgerecht zu erhalten. Der Freistaat trägt über das Landesprogramm Denkmalpflege zu den Kosten bei. Gerade dieser Hebel macht den Denkmalstatus für eine strukturschwache Kommune weniger zur Last als zur Tür: zu Fördermitteln, überregionalen Netzwerken und steuerlichen Abschreibungen nach den §§ 7i und 10f Einkommensteuergesetz (EStG).</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum ist die Schanze baukulturell unverzichtbar?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Erzgebirgsschanze ist ein Frühwerk des Brutalismus in Sachsen. Der monolithische Anlaufturm, der gläserne Punktrichterturm und die filigran wirkenden Stützen zeigen, wie die Nachkriegsmoderne dem Baustoff Beton eine eigene plastische Sprache abrang. Die Anlage verbindet ingenieurtechnische Kühnheit mit hoher handwerklicher Qualität, sichtbar in der präzisen Schalung und in der weit auskragenden Geometrie des Auslaufs. In der gesamten DDR entstanden nur drei Skisprungschanzen dieser Stahlbetonkonstruktion. Nach dem Verlust der Aschbergschanze in Klingenthal sind allein die Anlagen in Oberhof und Johanngeorgenstadt erhalten. Den Freistaat Thüringen hat die Oberhofer Schanze bereits unter Schutz gestellt; in Sachsen steht eine vergleichbare Entscheidung aus. Damit ist die Erzgebirgsschanze der prägendste verbliebene Vertreter ihrer Gattung im Freistaat, ein Zeugnis ostmoderner Ingenieurbaukunst, das in seiner Klasse baukulturell auf europäischem Niveau spielt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Befund reiht sich in eine landesweite Debatte ein. Bauten der Ostmoderne gelten als akut gefährdet, weil ihre fachliche Aufarbeitung erst begonnen hat. Zugleich beunruhigt die Denkmalfachwelt ein Kabinettsbeschluss, nach dem das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen in die Landesdirektion Sachsen eingegliedert werden soll. Ein geschwächtes Fachamt und ein zögerliches kommunales Verfahren könnten zusammenwirken und Bauwerke wie die Schanze in die Lücke zwischen Zuständigkeiten fallen lassen. Umso wichtiger ist, dass die Erfassung sachbezogen und unabhängig von lokalpolitischen Erwägungen erfolgt, wie es das nachrichtliche System gerade vorsieht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was kann ein Denkmalstatus für die Region leisten?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Erhalt wäre mehr als Symbolpolitik. Als Aussichtsturm, Sport- und Erinnerungsort oder Veranstaltungsfläche könnte die Schanze zum touristischen Ankerpunkt am Erzgebirgskamm werden, in einer Grenzregion, die wirtschaftliche Impulse und positive Erzählungen dringend braucht. Vergleichbare Umnutzungen industrieller und sportlicher Großstrukturen, von stillgelegten Fördertürmen bis zu ehemaligen Sprungschanzen im Alpenraum, zeigen, dass aus belasteten Bauwerken belebte Orte werden können. Hinzu kommt das Argument der grauen Energie: Der Stahlbeton bindet erhebliche Mengen bereits aufgewendeter Ressourcen, deren Beseitigung eine ökologische und finanzielle Doppelbelastung erzeugte; allein der Abriss der massiven Konstruktion gilt als kostspielig. Eine behutsame Sanierung bewahrt diese gebundene Energie und vermeidet die Emissionen eines Ersatzbaus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Stimmen verweisen zu Recht auf Folgekosten und auf gescheiterte Anläufe der vergangenen Jahre, als ein gefördertes Aussichtsturmprojekt an Fristen und Finanzierung zerbrach. Diese Skepsis ist ernst zu nehmen. Sie spricht jedoch nicht gegen den Schutz, sondern für ein belastbares Nutzungs- und Trägerkonzept, das Kommune, Eigentümer, Förderkreis und überregionale Akteurinnen und Akteure verbindet. Der Denkmalstatus liefert dafür den rechtlichen Rahmen und den Zugang zu Mitteln, die einer einzelnen Kommune sonst verschlossen blieben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung über die Erzgebirgsschanze ist deshalb ein Lehrstück über das Verhältnis von kommunaler Selbstverwaltung und überörtlicher Fachverantwortung. Sachsens nachrichtliches System trennt die Denkmaleigenschaft bewusst von lokalpolitischen Erwägungen. Ob die Bergstadt Johanngeorgenstadt ihr Wahrzeichen verliert oder es zum Vorzeigeprojekt entwickelt, hängt nun weniger von einem Abrissbeschluss ab als von der Frage, ob Fachbehörde, Region und Zivilgesellschaft den Mut finden, ein schwieriges Erbe neu zu denken.</p>
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		<title>Bundeswende am Deutschen Platz: Wie das Moratorium den fünften Erweiterungsbau der Nationalbibliothek ausbremst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 May 2026 09:42:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[CODE UNIQUE Architekten]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Nationalbibliothek]]></category>
		<category><![CDATA[Leipzig]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bundesentscheid in Leipzig: Der fünfte Erweiterungsbau der Nationalbibliothek liegt im Moratorium. Was das für CODE UNIQUE und den Standort heißt. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/bundeswende-am-deutschen-platz-wie-das-moratorium-den-fuenften-erweiterungsbau-der-nationalbibliothek-ausbremst/">Bundeswende am Deutschen Platz: Wie das Moratorium den fünften Erweiterungsbau der Nationalbibliothek ausbremst</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong><br />
Regionales | Sachsen | Mai 2026 | Lesezeit 8 Minuten</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Wie der Bund die Nationalbibliothek ausbremst</h1>
<p>Der fünfte Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) in Leipzig ist ein klimastabiler Magazinbau mit rund 17.200 Quadratmetern Nutzungsfläche, geplant vom Dresdner Büro <strong><a href="https://www.codeunique.de/projekt/projekt/5-erweiterungsneubau-deutsche-nationalbibliothek/status/progress.html" target="_blank" rel="noopener">CODE UNIQUE Architekten</a></strong>, ausgelegt auf 35,5 Millionen Medienwerke und seit dem 12. März 2026 durch eine Entscheidung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gestoppt. Sechs Tage später wandelte das Haus von Wolfram Weimer den Stopp in ein Moratorium um. Geplant, vergeben, ausgeschrieben, aber nicht gebaut: das Vorhaben am Deutschen Platz illustriert, wie schnell ein abgestimmtes Bauprojekt des Bundes ins Wanken gerät, wenn ressortpolitische Linien sich kurzfristig verschieben.</p>
<p>Seit 2018 plant die DNB die Erweiterung in enger Abstimmung mit dem damals zuständigen Bundesressort unter Monika Grütters und dem Sächsischen Staatsministerium der Finanzen. Im Sommer 2025 lag ein abgestimmtes Planungskonzept vor. Voraus ging ein nichtoffener Realisierungswettbewerb nach Vergabeverordnung des Bundes; im September 2024 wählte das Preisgericht den Entwurf von CODE UNIQUE Architekten aus Dresden zum ersten Preis. Im Januar 2025 erhielt das Büro den Zuschlag für die Realisierung. Den zweiten Preis erhielten AV1 Architekten aus Kaiserslautern, den dritten Heinle Wischer aus Dresden. Bauherr ist der Bund, vertreten durch den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) als Fachaufsicht Bundesbau.</p>
<p>Der Entwurf reagiert auf den 1914 bis 1916 errichteten Gründungsbau der einstigen Deutschen Bücherei und auf die vier vorausgegangenen Erweiterungen, zuletzt den vierten Bauabschnitt von Gabriele Glöckler aus Stuttgart. Der neue Magazinbau ist dreigestaffelt, kompakt, eigenständig platziert und schließt im vierten Obergeschoss baulich an das Hauptgebäude an. Bis zu sieben oberirdische und drei unterirdische Geschosse, ein fahrerloses Transportsystem (FTS) für die Magazinlogistik, ein integriertes Data-Center sowie Räume für Werkstatt, Lager und Anlieferung gehören zum Programm. Die geplante Bauzeit lag bei 2027 bis 2032, die Gesamtkosten bei rund 100 Millionen Euro. Etwa sieben Millionen Euro sind bereits in die Planung geflossen. Die ursprünglich auf 130 Millionen Euro angesetzten Gesamtkosten konnten dabei laut DNB-Generaldirektion in einem intensiven Planungsprozess um rund 30 Millionen Euro reduziert werden, ein für ein Bundesbauvorhaben dieser Größenordnung bemerkenswerter Wert.</p>
<h2>Warum trifft die Absage ausgerechnet den Standort Leipzig?</h2>
<p>Die DNB hat zwei Standorte, Leipzig und Frankfurt am Main, und einen einzigen gesetzlichen Auftrag: sämtliche in Deutschland publizierten oder in deutscher Sprache erscheinenden Medienwerke zu sammeln, zu erschließen und langfristig zu bewahren. Diese Pflicht regelt das Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG) in Verbindung mit der Pflichtablieferungsverordnung (PflAV). Pro Tag gehen in der DNB rund 13.100 Werke ein, davon 3.300 körperlich, der Rest digital. Pro Jahr und Standort entspricht der Zuwachs an physischen Werken etwa 3,5 Regalkilometern. Die Magazinflächen in Leipzig sind nahezu erschöpft; zugleich müssen Bestände aus klimatisch ungeeigneten Altbauten umgelagert werden, um sie langfristig zu sichern.</p>
<p>Genau diese Doppelaufgabe sollte der fünfte Erweiterungsbau erfüllen. Dass die Entscheidung des Bundes ausgerechnet Leipzig trifft, hat dabei auch eine wirtschaftliche Dimension. Der Standort am Deutschen Platz ist nicht nur die ältere Wurzel der Institution, sondern auch ein bedeutender Arbeitgeber, Forschungsort und Anker des Buchstandorts; die Leipziger Buchmesse, das Deutsche Buch- und Schriftmuseum und das Deutsche Musikarchiv gehören in den engeren Bezugsraum. Das Sächsische Kulturministerium und der Bibliotheksverband Sachsen kritisierten den Bundesentscheid als Alleingang und als künstliche Polarisierung zwischen digitaler und analoger Sammlung. Auch die kommunale Ebene meldete sich: Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke formulierte, was analog produziert werde, müsse auch analog gesammelt werden.</p>
<p>Die Absage fiel zudem in einen sensiblen Termin. Eine Woche vor Beginn der Leipziger Buchmesse 2026 verschickte das Bundesressort die Mitteilung; bereits am 18. März 2026 sprach das Haus dann nicht mehr von einem Stopp, sondern von einem Moratorium. Eine Reform des DNBG werde erarbeitet, die Pflichtablieferung physischer Exemplare könne reduziert oder flexibilisiert werden, der Bund stehe weiterhin zum Standort Leipzig. Verbindliche Zeitpläne fehlen. Das „Moratorium“ ersetzt damit die abgestimmte Planungsentscheidung von 2018 durch einen offenen Aushandlungsprozess, der den Standort Leipzig auf das parlamentarische Tempo eines Bundesgesetzgebungsverfahrens verweist. Der eigentliche Adressat dieser Hängepartie ist das ausführende Architekturbüro: CODE UNIQUE arbeitet seit Januar 2025 an der Realisierung, weitere Fachplaner sind beauftragt, der Bauablauf war auf einen Baustart im Herbst 2026 ausgelegt.</p>
<h2>Welche rechtlichen Hürden hat das Bundesmoratorium übersehen?</h2>
<p>Die Begründung des Bundesressorts setzt auf eine konzeptionelle Verschiebung des Sammelauftrags hin zur digitalen Pflichtablieferung. Damit greift die Argumentation in den Kernbestand des DNBG ein. Eine Reduzierung der Pflichtexemplare von zwei auf eines oder gar auf ein rein digitales Exemplar setzt eine Gesetzesänderung voraus, also einen parlamentarischen Prozess. Bis dahin gilt die Sammelpflicht unverändert. Solange die DNB rechtlich verpflichtet ist, körperliche Medienwerke aufzunehmen, sind Magazinflächen kein Wunschposten, sondern eine zwingende bauliche Voraussetzung der Aufgabenerfüllung.</p>
<p>Hinzu kommt die haushaltsrechtliche Seite. Der Bauauftrag liegt beim Bundesbau in einem föderalen Kooperationsverhältnis, eingebettet in die Bundeshaushaltsordnung (BHO) und in die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB). Bereits geflossene Planungsmittel von rund sieben Millionen Euro stehen einem konkretisierten Planungsergebnis gegenüber; ein gestaffelter Verzicht würde diese Aufwendungen entwerten. Auch die ingenieurmäßige Logik der Klimatisierung folgt belastbaren Normen, etwa der DIN ISO 11799 für die Lagerung von Bibliotheks- und Archivgut sowie den Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) an Neubauten des Bundes. Klimatisch ungeeignete Altmagazine lassen sich technisch nicht beliebig nachrüsten; ein Magazinneubau ist hier die konservatorisch wie ökonomisch tragfähigere Option.</p>
<p>Der Vorgang ist damit mehr als eine regionale Verzögerung. Er berührt die Frage, wie verlässlich das Verhältnis zwischen Bundesbauverwaltung, Landesbau und einer nachgeordneten Bundesinstitution ist, wenn ein Ressortwechsel auf den Stand der Ausführungsplanung trifft. Auch der Deutsche Kulturrat und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels haben die Begründung der Absage scharf zurückgewiesen; im Verwaltungsrat der DNB formierten sich sechs Mitglieder gemeinsam zu einem Brief an das Bundesressort. Für Sachsen wäre der fünfte Erweiterungsbau ein über die Standortpflege hinausgehendes Signal gewesen: dass Bundesbau in einer ostdeutschen Großstadt mit Architekturwettbewerb, regional ansässigem Planungsbüro und qualitätsgesicherter Vergabe in eine langfristig wirksame Baukultur übergeht. Wird das Moratorium nicht in eine zügige Wiederaufnahme überführt, droht dem Standort ein Verlust an Verlässlichkeit, der weit über die unmittelbaren Magazinflächen hinausreicht. Die Frage, ob der Bund weiterhin zu seinem schriftlichen Kulturerbe steht, beantwortet sich nicht in Pressemitteilungen, sondern in Bauunterlagen, Haushaltstiteln und im weiteren Ablaufplan der Ausschreibung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/bundeswende-am-deutschen-platz-wie-das-moratorium-den-fuenften-erweiterungsbau-der-nationalbibliothek-ausbremst/">Bundeswende am Deutschen Platz: Wie das Moratorium den fünften Erweiterungsbau der Nationalbibliothek ausbremst</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Drei Giebel am Schlachtermarkt: Schwerin baut sein Stadtgedächtnis</title>
		<link>https://baukunst.art/drei-giebel-am-schlachtermarkt-schwerin-baut-sein-stadtgedaechtnis/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 14:32:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Jan Wiese Architekten]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtgeschichtsmuseum Schwerin]]></category>
		<category><![CDATA[UNESCO-Welterbe Residenzensemble]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>121 Büros, ein Gewinner: Jan Wiese Architekten bauen Schwerins Stadtgeschichtsmuseum. Drei Giebel am Schlachtermarkt antworten auf das junge UNESCO-Welterbe.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/drei-giebel-am-schlachtermarkt-schwerin-baut-sein-stadtgedaechtnis/">Drei Giebel am Schlachtermarkt: Schwerin baut sein Stadtgedächtnis</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art | </strong>Regionales | Nord | Mai 2026<br />
Lesezeit: ca. 8 Minuten</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wie Schwerin sein junges Welterbe weiterbaut</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit dem Neubau eines Stadtgeschichtsmuseums am Schlachtermarkt erhält Schwerin den ersten architektonischen Großauftrag innerhalb seines neuen UNESCO-Welterbes; den offenen Realisierungswettbewerb gewann das <strong><a href="https://jwa.berlin/" target="_blank" rel="noopener">Berliner Büro Jan Wiese Architekten</a></strong> unter 121 eingereichten Beiträgen. Die Fachjury unter Vorsitz von Prof. Jörg Springer tagte am 22. und 23. Juli 2025; das Verfahren betreute büro luchterhandt &amp; partner (Hamburg) nach den Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW 2013). Die Landeshauptstadt hatte den Wettbewerb im März 2025 ausgelobt, weniger als ein Jahr nach der Aufnahme des Residenzensembles Schwerin in die UNESCO-Welterbeliste am 27. Juli 2024. Nach Auskunft der Stadtverwaltung ist die Fertigstellung für 2029 vorgesehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Standort liegt zwischen Puschkinstraße und Schlachtermarkt, in unmittelbarer Sichtweite des Schweriner Doms und des Schlosses, mitten in der Welterbezone. Das Residenzensemble Schwerin umfasst 38 Bestandteile aus dem 18. und 19. Jahrhundert; das UNESCO-Welterbekomitee hatte es auf seiner 46. Sitzung in Neu-Delhi unter den Kriterien (iii) und (iv) eingeschrieben. Die Aufgabe verbindet zwei Bauteile: einen Neubau auf der bisher als Parkplatz genutzten Grundstückshälfte und die denkmalgerechte Sanierung des angrenzenden Gebäudes Puschkinstraße 44 samt Nebenflügel, das künftig Büro- und Funktionsbereiche aufnimmt und über eine Brücke mit dem Rathaus verbunden ist. Das Haus bündelt zwei Programme unter einem Dach: die Vermittlung der Schweriner Stadtgeschichte und ein Informationszentrum zum Welterbe „Residenzensemble Schwerin“. Beide Funktionen waren bisher unzureichend untergebracht; die räumliche Zusammenführung wurde zum Auslöser des Verfahrens.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie verhandelt der Entwurf Welterbe und Zeitgenossenschaft?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Siegerentwurf gliedert den Neubau in drei parallel geführte Satteldächer, die zur Schlachterstraße als drei schmale, leicht versetzte Giebel ablesbar werden. Diese Form leitet sich aus den beiden Seitenflügeln des Bestands ab und schreibt deren Maßstab fort. Zum Schlachtermarkt zeigt das Haus eine traufständige Fassade, die in den Obergeschossen weitgehend geschlossen bleibt und im Erdgeschoss eine großzügige Öffnung für das öffentlich zugängliche Café erhält. Den Museumseingang formuliert eine bogengefasste Öffnung im niedrigeren Zwischenbau. Eine in Rottönen changierende Backsteinhülle überzieht Wände wie Dächer, ergänzt um ein übergroßes Rundbogenfenster im Obergeschoss zum Platz hin. Im Inneren folgt die Organisation konsequent dieser Dreiteiligkeit: Welterbezentrum, Stadtgeschichtsmuseum und Sonderausstellungsflächen im Untergeschoss werden über ein Foyer im überdachten Innenhof erschlossen. In den Obergeschossen entstehen großzügige Ausstellungsflächen, deren Proportionen den Bezug zum Bestand an jeder Stelle wahren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Preisgericht hob die Ableitung aus dem Bestand und die kraftvolle, zugleich vertraute Materialität hervor; zugleich benannte es kritische Punkte. Die Ähnlichkeit der Bogenöffnung mit einer Hofzufahrt wurde diskutiert, ebenso die mit Keramik gemauerte Dachdeckung, die für die Wirkung als entbehrlich bewertet wurde und erhebliche Mehrkosten in Herstellung und Unterhalt erwarten lässt. Eingriffe in den geschützten Altbau wertete die Jury im Erdgeschoss als vertretbar, in den oberen Verwaltungsgeschossen mehrheitlich als unnötig; den Standort des Aufzugs im Gewölbekeller bezeichnete sie als nicht akzeptabel. Diese Einwände betreffen weniger die städtebauliche Setzung als die Anschlussdetails an den nach Denkmalschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern (DSchG M-V, § 7 Erhaltungspflicht) geschützten Bestand.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau dort liegt der Lackmustest. Welterbe verlangt nicht Unsichtbarkeit, sondern Lesbarkeit der Schichtung. Die im Wettbewerb formulierte Haltung, also die Fortschreibung der Bestandsproportionen in Giebel, Material und Dachform bei eigenständiger Zeichensetzung in Bogen und Rundfenster, entspricht der Logik der UNESCO-Operational Guidelines, die Integrität und Authentizität an der erkennbaren Differenz historischer und gegenwärtiger Substanz festmachen. Der Schweriner Managementplan beschreibt eine Kernzone und eine Pufferzone, in der zeitgenössische Eingriffe ausdrücklich möglich sind, sofern sie das Bild des Ensembles nicht beeinträchtigen. Der Schlachtermarkt liegt in dieser Pufferzone; der Entwurf nutzt deren Spielraum, ohne ihn auszureizen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet der Wettbewerb für die Planungskultur in Mecklenburg-Vorpommern?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">121 Beiträge in einem offenen Verfahren sind in der gegenwärtigen Auslobungspraxis bemerkenswert. Sie belegen, dass eine sorgfältig vorbereitete Bauaufgabe in einer Mittelstadt von knapp 96.000 Einwohnern bundesweit Resonanz findet, wenn das Programm präzise, der städtebauliche Kontext bedeutsam und das Honorar auskömmlich ist (Preisgeld 37.000 Euro für den ersten Preis, Beauftragung nach HOAI 2021). Juryvorsitzender Springer bezeichnete die Aufgabe nach den Sitzungen vom 22. und 23. Juli 2025 als eine der reizvollsten der jüngeren Zeit in Deutschland. Mecklenburg-Vorpommern zählt nach Daten der Bundesarchitektenkammer (BAK) zu den Bundesländern mit der geringsten Wettbewerbsdichte pro Einwohnerin und Einwohner; die Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern (AK M-V) wirbt seit Jahren für mehr offene Verfahren. Schwerin setzt mit diesem Verfahren ein Gegenmodell, das auch für die Landesbauverwaltung und kommunale Bauherrenschaften in Stralsund, Greifswald oder Wismar Maßstab werden kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Land verfügt mit der Landesbauordnung Mecklenburg-Vorpommern (LBauO M-V) und dem DSchG M-V über einen vergleichsweise schlanken Rechtsrahmen, der in Welterbezonen durch Erhaltungssatzungen und Pufferzonenmanagement ergänzt wird. Die Genehmigung am Schlachtermarkt erfolgt voraussichtlich nach § 34 BauGB im Einvernehmen mit der Unteren Denkmalschutzbehörde und dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern. Energetisch greift das Gebäudeenergiegesetz (GEG); der Entwurf benennt regenerative Energieversorgung und reversible Konstruktionen, die das Preisgericht ausdrücklich positiv bewertete.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Übertragbarkeit entsteht nicht durch Kopie, sondern durch Methode. Schwerin hat die Aufgabe in zwei Säulen geteilt, Neubau und denkmalgerechte Sanierung, und beide in einem Verfahren ausgeschrieben. Diese Bündelung verhindert die in der Praxis häufige Trennung von Neubauarchitektur und Denkmalpflege, die in Welterbestädten regelmäßig zu Reibungsverlusten führt. Dass der Siegerentwurf Bestand und Erweiterung im Inneren als Einheit liest, externalisiert die methodische Klammer in eine räumliche.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Stadt ist der Bau mehr als ein Museum. Er ist die erste sichtbare Antwort auf das Welterbe-Versprechen von 2024, dass Schwerin nicht in der Konservierung verharrt, sondern Gegenwart hinzufügt. Das gilt programmatisch wie baulich: Mit dem Welterbezentrum entsteht zugleich die zentrale Anlaufstelle für die Vermittlung des über die gesamte Innenstadt verteilten Ensembles, mit dem Stadtgeschichtsmuseum die institutionelle Klammer für ein historisches Selbstverständnis, das bislang eher dezentral verhandelt wurde. Barrierefreiheit nach DIN 18040-1 ist im Auslobungstext gefordert und im Entwurf über das überdachte Foyer schlüssig gelöst. Die Eröffnung 2029 wird zeigen, ob die im Wettbewerb formulierte Balance, Würde gegenüber dem Bestand und Eigenständigkeit im Ausdruck, bis in das Detail der Backsteinfuge trägt. An diesem Punkt entscheidet sich, ob aus einem überzeugenden Wettbewerbsbeitrag ein überzeugendes Haus wird, und ob Schwerin sein Welterbe nicht nur verwaltet, sondern weiterschreibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Kostensprung beim Zukunftszentrum Halle</title>
		<link>https://baukunst.art/kostensprung-beim-zukunftszentrum-halle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 09:34:19 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Regional]]></category>
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		<category><![CDATA[Zukunftszentrum Halle]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es soll ein Ort für Forschung, Dialog und Begegnung werden: das Zukunftszentrum am Riebeckplatz in Halle. Nun werfen neue Berechnungen der Projektkosten Fragen auf.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong> | Regionales | April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Einheit mit Aufschlag: Warum das Zukunftszentrum in Halle teurer wird</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Es soll ein Ort für Forschung, Dialog und Begegnung werden: das Zukunftszentrum am Riebeckplatz in Halle. Nun werfen neue Berechnungen der Projektkosten Fragen auf.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation ist ein vom Bund initiierter Kultur- und Forschungsneubau am Riebeckplatz in Halle (Saale), dessen veranschlagte Baukosten laut dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) von rund 208 auf über 277 Millionen Euro angewachsen sind. Ein Kostensprung von etwa einem Drittel, begründet mit Anforderungen im Tiefbau, der technischen Gebäudeausrüstung eines Hochhauses und erwarteten Baupreissteigerungen bis zur geplanten Fertigstellung 2030.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Standort war lange umkämpft. Im Februar 2023 entschied sich die Bundesjury im Rahmen des vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) und dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) ausgelobten Standortwettbewerbs für Halle, nachdem sich zuvor acht ostdeutsche Kommunen beworben hatten. Halle setzte sich in der Endrunde gegen Eisenach, Frankfurt (Oder), Jena und Leipzig durch. Der Riebeckplatz, einst repräsentativer Stadteingang und später einer der verkehrsreichsten Knoten der DDR, soll zum architektonischen Symbol der Transformation werden. Das Raumprogramm umfasst rund 14.000 Quadratmeter Nutzfläche für Forschung, Ausstellung und Bürgerdialog.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den zweiphasigen Realisierungswettbewerb mit 126 eingereichten Beiträgen gewann im Frühjahr 2025 das Berliner Büro Richter Musikowski Architekten PartGmbB zusammen mit ST raum a. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH. Der Entwurf von Christoph Richter und Jan Musikowski setzt auf eine zeltartige, organisch geschwungene Vorhangfassade, die sich zum Platz hin öffnet und nach oben auf rund 60 Meter ansteigt. Als Tragwerk sind Holz und naturnahe Baustoffe vorgesehen, ergänzt durch einen Stadtpark, der sich räumlich in Richtung des benachbarten RAW-Areals fortsetzt. Für den Hochbau ist der Gold-Standard des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB) vorgegeben, für die Außenanlagen (BNB_AA) mindestens Silber. Das Votum der Jury lobte ausdrücklich die städtebauliche Geste: Die zeltartige Hülle greift die Höhen der Umgebung auf, ohne sie zu wiederholen, und inszeniert den Platz als Bühne. Zugleich reagiert der Bau auf die bauhistorischen Referenzen der Moderne in Halle, von den Wohnhochhäusern der 1970er Jahre bis zur Landesoberfinanzdirektion, ohne sich diesen formal zu unterwerfen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Woher stammt der plötzliche Kostensprung?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Neurechnung des BMWSB stützt sich auf den nun vorliegenden Architektenentwurf, also auf die erste belastbare Grundlage nach Abschluss des Wettbewerbs. Erst mit der Entwurfsplanung nach Leistungsphase 3 der HOAI lassen sich Kosten nachvollziehbar auf Ebene der Kostengruppen gemäß DIN 276 abbilden. Die ursprünglich vom Bund kommunizierten 208 Millionen Euro, die sich aus einem Wettbewerbsrahmen von etwa 103 Millionen Euro für die Kostengruppen 300 bis 500 entwickelten, hatten Preisstand 2022 und waren eine frühe Orientierungsmarke.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drei Treiber führt das Ministerium an. Erstens der Tiefbau: Lage und geotechnische Beschaffenheit des Grundstücks am Riebeckplatz, einem innerstädtischen Knoten mit erheblicher Verkehrs- und Leitungsinfrastruktur, erhöhen die Kostengruppe 200 deutlich. Zweitens die technische Gebäudeausrüstung im Hochhaus, also Kostengruppe 400 nach DIN 276, die mit Gebäudehöhe überproportional wächst, insbesondere bei Brandschutzanforderungen, Entrauchung und Aufzugstechnik nach der Bauordnung des Landes Sachsen-Anhalt (BauO LSA). Drittens die Baupreissteigerungen bis zur Fertigstellung 2030, die nach dem Baupreisindex des Statistischen Bundesamtes zuletzt zweistellig ausgefallen sind. Hinzu kommen ambitionierte Standards beim sommerlichen Wärmeschutz und bei der Photovoltaiksubstruktur, die nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) für Bundesneubauten heute weit über die Mindestanforderungen hinausreichen müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus Sicht des Bundesbaus ist die Entwicklung nicht ungewöhnlich. Die Richtlinien für die Durchführung von Bauaufgaben des Bundes (RBBau) sehen zwei formale Kostenbestätigungen vor: die ES-Bau (Entscheidungsunterlage Bau) vor Planungsbeginn und die EW-Bau (Ausführungsunterlage Bau) nach abgeschlossener Entwurfsplanung. Abweichungen zwischen beiden Stufen werden dem Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages vorgelegt. Genau dieser Ablauf läuft aktuell. Bis zur parlamentarischen Klärung bleibt die 277-Millionen-Schätzung vorläufig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Folgen hat der Kostensprung für Halle und die Region?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Zeitplan bis 2030 will das Bundesbauministerium festhalten. Fertigstellung pünktlich zum 40. Jahrestag der Wiedervereinigung ist politisch gesetzt, entsprechend gering dürfte die Bereitschaft ausfallen, das Projekt inhaltlich oder räumlich zu reduzieren. Eine Streichung oder Stauchung des Hochhauses würde zudem das symbolische Gerüst des Entwurfs zerlegen: Das Gebäude nimmt die Höhen der sozialistischen Platzbebauung am Riebeckplatz bewusst auf und verwandelt sie in ein Zeichen des Wandels.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Halle ist der Bau mehr als eine Bundesbaustelle. Er markiert den Auftakt eines städtebaulichen Umbaus, der weit über das Zentrumsgrundstück hinausreicht. Auf dem angrenzenden RAW-Gelände plant die städtische Entwicklungs- und Verwaltungsgesellschaft Halle-Saalkreis bis 2038 ein Cyber-Quartier mit Forschungs-, Arbeits- und Wohnnutzungen, das baulich und funktional auf das Zukunftszentrum reagieren soll. Daneben stehen Hotelneubau, Platzumbau und die Aufwertung der Mansfelder Straße. Die Investitionskaskade ist für eine Stadt dieser Größenordnung beträchtlich, zugleich eng mit dem Strukturwandel im mitteldeutschen Revier und der Nachnutzung der Braunkohleregion verknüpft. Planungsrechtlich liegt der Riebeckplatz im zusammenhängend bebauten Ortsteil und wird nach § 34 des Baugesetzbuches (BauGB) beurteilt; ein vorhabenbezogener Bebauungsplan begleitet die Bauleitplanung. Flankiert wird dies durch Landesförderung aus Mitteln des Investitionsgesetzes Kohleregionen (InvKG), die dem Strukturwandel in den vom Ausstieg betroffenen Ländern zugewiesen sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die regionale Baukultur beobachtet das Vorhaben mit Interesse. Sachsen-Anhalt hat über den Landesbetrieb Bau- und Liegenschaftsmanagement (BLSA), der die Baudurchführung verantwortet, und die Architektenkammer Sachsen-Anhalt frühzeitig Wert auf Holzbau, ressourcenschonende Materialwahl und Orientierung am Gebäudeenergiegesetz (GEG) gelegt. Als Bundesbau gilt zudem das BNB-System verpflichtend, dessen Gold-Kriterien Lebenszykluskosten, Umweltwirkung und Komfort gleichgewichtig bewerten. Die Kostenerhöhung könnte Spielräume bei Qualität und Ausstattung verengen, auch wenn das Ministerium diese Frage noch offen lässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Planungs- und haushaltsseitig steht nun die Parlamentsbefassung im Fokus. Der Haushaltsausschuss hat mit vergleichbaren Bundesbauten, etwa dem Humboldt Forum oder der Sanierung des Pergamonmuseums, Erfahrung in der Nachjustierung großer Projekte. Ein Abbruch ist politisch kaum zu erwarten, eine Streckung oder eine Neujustierung der Ausstattungsstandards jedoch denkbar. Der Bund hat die Errichtung des Zentrums mehrfach bestätigt; bundesweit, aber insbesondere in den ostdeutschen Ländern, ist die symbolische Verbindlichkeit hoch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Zukunftszentrum wird damit zum Testfall für die Kostensteuerung im Bundesbau. Ob ein architektonisch anspruchsvoller Solitär, gebaut nach BNB-Gold, in konjunkturell angespannter Lage im vorgesehenen Rahmen realisierbar bleibt, ist weniger eine Frage von Halle als eine Frage des deutschen Bundesbaus insgesamt. Für den Riebeckplatz hingegen ist die Richtung klar: Ein verkehrstechnischer Unort der deutschen Teilung wird zur Adresse einer Einrichtung, die sich der Transformation im weitesten Sinne widmet. Dass dieser Weg Geld kostet, überrascht niemanden, der mit öffentlichen Großprojekten vertraut ist. Dass er nun sichtbar teurer wird, zwingt zur Debatte über Prioritäten, Qualität und den ehrlichen Umgang mit frühen Preisangaben. Für die regionale Baukultur in Sachsen-Anhalt bleibt der Bau trotz aller Kostendynamik eine der seltenen Gelegenheiten, Bundesarchitektur im Osten von Rang zu realisieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>Kyritz baut seine Klosterruine zum Kulturquartier um</title>
		<link>https://baukunst.art/kyritz-baut-seine-klosterruine-zum-kulturquartier-um/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 09:18:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15854</guid>

					<description><![CDATA[<p>Im denkmalgeschützten Klausurflügel des Kyritzer Franziskanerklosters entsteht ein hybrider Kulturort. Wie Sanierungsrecht, Denkmalschutz und Städtebauförderung ineinandergreifen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>baukunst.art</strong> | Regionales | April 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kultur statt Vitrine: Kyritz macht aus seinem Kloster ein Stadtlabor</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Franziskanerkloster Kyritz ist ein denkmalgeschütztes Ensemble in der Altstadt der brandenburgischen Kleinstadt Kyritz (Landkreis Ostprignitz-Ruppin), das seit 2016 schrittweise zum Kultur|Kloster|Kyritz umgebaut wird, einem Quartier aus Stadtbibliothek, stadtgeschichtlichem Museum, Touristinformation und Veranstaltungsort. Von der mittelalterlichen Anlage sind nur Fragmente überliefert: die nördliche Längswand der Klosterkirche, der barock überformte Klausurflügel, das Pfortenhaus, Teile von Stadt- und Klostermauer sowie der Gartenpavillon.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Franziskaner gründeten den Konvent um 1275, erstmals urkundlich erwähnt wurde er 1303. Er gehörte zur Kustodie Brandenburg der Sächsischen Franziskanerprovinz (Saxonia) und lag im Bistum Havelberg. Im Spätmittelalter gewann das Haus überregionale Bedeutung: Förderer waren markgräfliche Amtsträger ebenso wie die Tuchmachergilde und wohlhabende Bürgerinnen und Bürger, mehrere Adelsfamilien hatten ihre Grablege in der Klosterkirche. Pilger auf dem Weg von Berlin zum „Wunderblut“ nach Bad Wilsnack rasteten im 15. und 16. Jahrhundert regelmäßig in Kyritz. Die überlieferten Gewölberippen und das Rundbogenfenster lassen die frühgotische Hallenkirche noch erkennen, die erhaltene Bausubstanz wird der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zugeschrieben. Mit der Reformation brach diese Ordensschicht weg: 1539 erreichte die neue Lehre die Stadt, 1552 wurde der Konvent aufgelöst. Die Klosterkirche diente danach als Stadt- und Garnisonkirche, 1781 wurde sie zum Abbruch versteigert. Nur wenige Gebäudeteile blieben stehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach jahrhundertelanger Unternutzung steht das Areal seit der Jahrtausendwende im Fokus der Stadtsanierung. 2013 und 2014 wurden die Nordwand, das Pfortenhaus, die Stadt- und Klostermauer sowie der Gartenpavillon gesichert. 2016 begannen die umfangreichen Bau- und Sanierungsmaßnahmen, seitdem entwickelt die Stadt das Klosterviertel als Schwerpunktgebiet ihrer integrierten Stadtentwicklung. Die planungsrechtliche Grundlage bildet ein förmlich festgelegtes Sanierungsgebiet nach §§ 136 ff. Baugesetzbuch (BauGB). Eigentümerinnen und Eigentümer benötigen dort für Vorhaben, Nutzungsänderungen und Veräußerungen eine sanierungsrechtliche Genehmigung nach § 144 BauGB; parallel greift die denkmalrechtliche Erlaubnis nach § 9 des Brandenburgischen Denkmalschutzgesetzes (BbgDSchG).</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie trägt das Förder- und Planungsrecht ein solches Projekt?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Finanziert wird die Transformation über das Städtebauförderungsprogramm „Lebendige Zentren“, das 2020 die früheren Programme „Aktive Stadtzentren“ und „Städtebaulicher Denkmalschutz“ zusammenführte. Rechtsgrundlage auf Landesebene ist die Städtebauförderungsrichtlinie Brandenburg (StBauFR 2021 vom 20. September 2021); Voraussetzung ist ein aus dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (INSEK) abgeleitetes Zielkonzept. Der Bund gibt seine Finanzhilfen über die Verwaltungsvereinbarung Städtebauförderung an die Länder weiter, das Land ergänzt sie, die Kommune trägt den Eigenanteil. Kyritz hat seit 1991 nach Angaben des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung (MIL Brandenburg) rund 47 Millionen Euro Städtebaufördermittel eingeworben, bis Ende 2022 flossen rund 29 Millionen Euro in die Altstadtsanierung. Einzelne Bausteine wurden zusätzlich kofinanziert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg (MWFK), die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Sparkasse Ostprignitz-Ruppin. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) führt das Kultur|Kloster|Kyritz inzwischen als Praxisbeispiel im Programm „Lebendige Zentren“.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisch konzentriert sich das Vorhaben auf drei Bausteine. Der barocke Klausurflügel mit seinen mittelalterlichen Kernen wird behutsam restauriert und nimmt bis zur geplanten Fertigstellung 2027 das „junge museum“ auf, ein stadtgeschichtliches Haus mit museumspädagogischem Schwerpunkt. Das Baudenkmal selbst wird dort, so die Projektsprache, als begehbares Exponat verstanden. Die ehemalige Brennerei in der Johann-Sebastian-Bach-Straße 2, zuletzt als Wäscherei genutzt, wird zur Stadtbibliothek umgebaut. Die Nachbargebäude Johann-Sebastian-Bach-Straße 4 und 6 sind saniert und beherbergen Wohnnutzung, einen Kostümfundus der Kyritzer Knattermimen sowie die Heimatstube des Historischen Heimatvereins für Kyritz und die Ostprignitz. Im Außenraum verknüpfen der Kirch- und Klostergarten, die Open-Air-Bühne mit rund 300 Plätzen sowie die sanierte Nordwand der Klosterkirche Denkmalsubstanz und aktuelle Kulturnutzung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die inhaltliche Arbeit läuft parallel zur Baustelle. Die Kuratorin des „jungen museums“ hält eine wöchentliche Sprechstunde, das „museumslabor“ in der Johann-Sebastian-Bach-Straße 8, in der Kyritzerinnen und Kyritzer Objekte, Fotografien und Erinnerungen einbringen. Eine ehrenamtliche AG Museum Klosterviertel entwickelt Themen, Ausstellungen und Vermittlungsformate mit. Hörspaziergänge, Workshops und geführte Rundgänge zeigen bereits jetzt, wie das Haus nach der Fertigstellung auftreten soll: dialogisch statt abgeschlossen, lokal verankert statt touristisch geglättet. Das Feinkonzept zur Bau- und Nutzungsgeschichte kostete 40.000 Euro und wurde zu 60 Prozent vom MWFK sowie anteilig von Stadt, Ostdeutscher Sparkassenstiftung und Sparkasse Ostprignitz-Ruppin getragen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ergänzt wird das Ensemble durch die sogenannten Budenhäuser in der Weberstraße 99 bis 107, ein Kleinsthaus-Ensemble des 18. und 19. Jahrhunderts. Die eingeschossigen Häuser mit Grundflächen zwischen gut 20 und 40 Quadratmetern sind mit rund 800.000 Euro Städtebaufördermitteln saniert worden und dienen heute als Unterkünfte. 2019 wurde die Maßnahme mit dem Brandenburgischen Baukulturpreis ausgezeichnet; die Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes Brandenburg nahm die Häuser zudem als „Denkmal des Monats“ in ihren Bestand auf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was lässt sich aus dem Kyritzer Modell für andere Kleinstädte ableiten?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kyritz zeigt, dass Baukultur im ländlichen Raum nicht an einem einzelnen Großprojekt hängt, sondern an der Verzahnung mehrerer Instrumente. Das Sanierungsgebiet nach BauGB sichert planerisch die Gesamtkulisse, das Denkmalrecht nach BbgDSchG die Substanz, die Städtebauförderung die Finanzierung, das INSEK die inhaltliche Richtung. Hinzu kommen ergänzende Bausteine: der städtische Verfügungsfonds für stadtbildprägende Maßnahmen (seit 2023, bis zu 10.000 Euro Zuschuss je Grundstück), die Kooperation im Städtenetzwerk „Kleeblattregion“ gemeinsam mit dem Amt Neustadt und den Gemeinden Gumtow, Wusterhausen und Breddin sowie die Einbindung lokaler Akteurinnen und Akteure wie der AG Museum Klosterviertel. Die Brandenburgische Architektenkammer würdigte Kyritz in ihrer Reihe „Baukultur vor Ort“ als Beispielfall für die Verbindung von Denkmalpflege und Stadtentwicklung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zugleich wird das Bild einer reinen Vitrinen-Museumsstadt vermieden. Der Klausurflügel soll nach Fertigstellung nicht das zentrale Schaugehäuse sein, sondern Teil eines Nutzungsmixes aus Bildung, Tourismus, Alltagskultur und Erinnerungsort. Dieser Ansatz entspricht der aktuellen Förderlogik des Programms „Lebendige Zentren“, das Nutzungsvielfalt, Innenstadtstabilisierung und städtebaulichen Denkmalschutz bündelt. Für Kleinstädte in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt oder Niedersachsen, die vor ähnlichen Fragen stehen, liefert Kyritz ein Modell mit belastbaren Kennzahlen: langer Zeithorizont (mehr als zehn Jahre), Mischfinanzierung, planungsrechtliche Klammer durch ein förmliches Sanierungsgebiet, inhaltliche Steuerung durch ein INSEK mit klar benanntem Zielkonzept.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass der endgültige Fertigstellungstermin mehrfach verschoben wurde, zuletzt von 2025 auf 2027, gehört zur Wahrheit. Denkmalbauten im ländlichen Raum bleiben komplexe Baustellen, in denen Kostensicherheit, Substanzsorgfalt und Fördermittelfristen regelmäßig aneinandergeraten. Die Erfahrungen aus Kyritz sprechen dennoch dafür, dass eine geduldige, rechtlich und finanziell sauber aufgesetzte Strategie die tragfähigste Antwort ist. Am Ende steht kein rekonstruiertes Kloster, sondern ein hybrider Ort: Ruine, Garten, Bühne, Bibliothek, Museum. Genau in dieser Unvollständigkeit, die historische Schichten sichtbar belässt und zeitgenössische Nutzungen zulässt, liegt die baukulturelle Qualität des Projekts. Für die Fachdebatte um kleinstädtisches Bauen in Ostdeutschland ist Kyritz damit mehr als ein lokaler Einzelfall.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/kyritz-baut-seine-klosterruine-zum-kulturquartier-um/">Kyritz baut seine Klosterruine zum Kulturquartier um</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Der gestoppte Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig</title>
		<link>https://baukunst.art/der-gestoppte-erweiterungsbau-der-deutschen-nationalbibliothek-leipzig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Mar 2026 18:56:39 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Sieben Millionen Euro Planungskosten, ein abgeschlossener Architekturwettbewerb, ein preisgekrönter Entwurf des Dresdner Büros CODE UNIQUE: Der fünfte Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig hätte 2027 beginnen sollen. Dann stoppte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer das Projekt im März 2026, lakonisch und ohne parlamentarische Debatte. Ein Eingriff in das kulturelle Gedächtnis der Nation, der weit über Leipzig hinauswirkt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Baukunst.art<br />
</strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">REGIONALES | Kulturbau | Archivinfrastruktur</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gedächtnis auf Abruf &#8211; Das nationale Gedächtnis braucht Quadratmeter, keine Cloud</h1>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) ist das gesetzlich verankerte Gedächtnis der deutschen Sprach- und Verlagskultur, verpflichtet seit ihrer Gründung als Deutsche Bücherei Leipzig im Jahr 1912, sämtliche Publikationen in deutscher Sprache zu sammeln, dauerhaft zu archivieren und für die Nutzung bereitzustellen.</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Am 5. März 2026 erklärte der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer (parteilos), den geplanten fünften Erweiterungsbau am Deutschen Platz in Leipzig für beendet. Die Begründung: Die langfristige Sammlung körperlicher Medienwerke sei nicht mehr zeitgemäß; die DNB solle sich stärker auf digitale Sammlungen konzentrieren. Damit waren, mit einem einzigen Satz, acht Jahre Planung, ein europaweiter Architekturwettbewerb und sieben Millionen Euro Planungskosten obsolet.</p>
<h2>Was genau war geplant und warum war der Bau zwingend notwendig?</h2>
<p style="font-weight: 400;">Der Magazinbau, der fünfte Erweiterungsbau der DNB am Standort Leipzig, war als hochfunktionales, klimastabiles Archivgebäude konzipiert, das die sichere Aufbewahrung von derzeit rund 35,5 Millionen Medienwerken für einen Zeitraum von etwa 30 Jahren gewährleisten sollte. Täglichen Zugängen von rund 13.100 neuen Medienwerken, darunter 3.300 analoge und 9.800 digitale Publikationen, stehen nahezu erschöpfte Lagerkapazitäten am Standort Leipzig gegenüber. Gleichzeitig müssen Bestände aus klimatisch ungeeigneten Altbaubereichen verlagert werden, um sie langfristig zu sichern.</p>
<p style="font-weight: 400;">Seit 2018 wurde das Projekt in enger Abstimmung zwischen der DNB, dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) sowie dem Sächsischen Staatsministerium der Finanzen geplant. Nach einem internationalen Architekturwettbewerb mit 20 zugelassenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern erhielt Anfang 2025 das Dresdner Büro CODE UNIQUE Architekten GmbH den Zuschlag zur Realisierung. Im August 2025 lag ein gemeinsam mit 15 Fachplanenden erarbeitetes, detailliertes Planungskonzept vor. Baukosten: rund 30 Millionen Euro unter dem ursprünglich bewilligten Rahmen, wie Generaldirektor Frank Scholze betonte, ein seltener Fall kostendisziplinierter öffentlicher Planung.</p>
<p style="font-weight: 400;">Geplanter Baubeginn war Ende 2027, Fertigstellung für 2032 vorgesehen. Dann stoppte Weimer das Projekt. &#8218;Das Bauprojekt ist mangels Finanzierung beendet&#8216;, hieß es in einer Pressemitteilung der DNB, die den Beschluss des Ministers für Kultur und Medien lakonisch zusammenfasste.</p>
<h2>Ist digitale Langzeitarchivierung ein tragfähiger Ersatz für physische Magazine?</h2>
<p style="font-weight: 400;">Die Antwort aus Fachkreisen ist eindeutig: nein, zumindest nicht unter den aktuellen technischen und rechtlichen Gegebenheiten. Das Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG) verpflichtet die Institution, physische Medienwerke in zwei Pflichtexemplaren zu sammeln. Eine Reduktion auf ein Exemplar oder eine rein digitale Archivierung erfordert eine Änderung des DNBG, also ein parlamentarisches Verfahren. Weimers Vorgehen setzt sich damit über geltendes Recht hinweg.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der die DNB 1912 mitgegründet hat, bezeichnete den Schritt als &#8218;völlig falsche Entscheidung&#8216;. Hauptgeschäftsführer Peter Kraus vom Cleff erklärte, eine Modernisierung des Sammelauftrags sei zwar denkbar, könne aber &#8217;nicht durch den handstreichartigen Stopp eines bereits geplanten und dringend nötigen Erweiterungsbaus aus Kostengründen erfolgen&#8216;. Die sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch, reagierte ebenfalls scharf: &#8218;Digitalisierung und das gedruckte Buch dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, wir brauchen beides.&#8216;</p>
<p style="font-weight: 400;">Hinzu kommt das grundsätzliche Problem digitaler Langzeitarchivierung. Wer die Geschichte analoger Datenträger verfolgt, von der Diskette über die CD-ROM bis zur DVD, kennt das Muster: Formate veralten, Abspielgeräte verschwinden, Datenverluste entstehen durch Überschreiben oder schlichten Zerfall der Träger. Die NASA musste dies schmerzlich erfahren, als Magnetbänder mit telemetrischen Daten der ersten Mondlandung von 1969 als irreversibel verloren galten. Der Stab aus Fachleuten, der die DNB beriet, hat genau diese Szenarien durchgespielt. Das Ergebnis war eindeutig: physische Redundanz ist kein Anachronismus, sondern eine zivilisatorische Notwendigkeit.</p>
<h2>Welche planungsrechtlichen und institutionellen Konsequenzen hat der Baustopp?</h2>
<p style="font-weight: 400;">Aus Sicht der Bau- und Planungskultur ist der Fall exemplarisch für ein wiederkehrendes Muster in der deutschen Kulturinfrastrukturpolitik: aufwendige, kostspielige und politisch legitimierte Planungsverfahren werden durch kurzfristige Haushaltsentscheidungen überrollt, ohne dass die rechtlichen Grundlagen, die Langzeitfolgen oder die institutionelle Verantwortung ausreichend geprüft werden. Siebt man durch das Geflecht aus DNBG, Pflichtablieferungsverordnung (PflAV) und Bundeshaushaltsordnung, bleiben erhebliche Risiken. Alternative Lösungen für die Unterbringung des wachsenden Bestands werden zusätzliche Kosten verursachen, die absehbar jene der verhinderten Magazinerweiterung übersteigen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Für Leipzig selbst ist der Vorfall auch städtebaulich bedeutsam. Der Deutsche Platz ist historisch als Ort des nationalen Schriftguts geprägt, die DNB mit ihren denkmalgeschützten Bauten ein architektonisches Ensemble von nationaler Bedeutung. Die Erweiterung durch CODE UNIQUE hätte dieses Ensemble qualitativ fortgeschrieben, ein neues Magazin als zeitgemäßes Archivgebäude, energieeffizient, klimastabil, in Maßstab und Sprache dem Bestand gegenüber sensibel entwickelt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Am 18. März 2026, kurz vor Eröffnung der Leipziger Buchmesse, ruderte Weimer teilweise zurück und erklärte, er erarbeite Vorschläge für eine Reform des DNBG. Vertrauen wiederhergestellt hat er damit kaum. Kulturpolitische Verlässlichkeit bemisst sich nicht an eiligen Korrekturen unter öffentlichem Druck, sondern an der Fähigkeit, komplexe institutionelle und rechtliche Zusammenhänge zu verstehen, bevor man handelt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Debatte um den fünften Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig ist in ihrer Tiefe eine Debatte über das Verhältnis des Staates zu seinem kulturellen Gedächtnis. Ob gedruckt oder digital, dieses Gedächtnis braucht physischen Raum, rechtsverbindliche Strukturen und politische Kontinuität. Beides sind keine Luxusgüteranforderungen, sondern Grundvoraussetzungen demokratischer Informationsfreiheit im Sinne des Gesetzes über die Deutsche Nationalbibliothek.</p>
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		<title>Die Schamanin von Bad Dürrenberg</title>
		<link>https://baukunst.art/die-schamanin-von-bad-duerrenberg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Mar 2026 17:39:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
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		<category><![CDATA[Archäologie Sachsen-Anhalt]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalpflege Sachsen-Anhalt]]></category>
		<category><![CDATA[DSchG LSA]]></category>
		<category><![CDATA[lhelm Kreis]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsumbau]]></category>
		<category><![CDATA[Sonderausstellung 2026]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Atrium des kastellartigen Museumsgebäudes von Wilhelm Kreis (1918) gibt eine Sensation der Mittelsteinforschung ihren Einstand: vier Individuen im Grab der Schamanin von Bad Dürrenberg.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/die-schamanin-von-bad-duerrenberg/">Die Schamanin von Bad Dürrenberg</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Baukunst.art</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">REGIONALES | Sachsen-Anhalt | Ausgabe März 2026</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sachsen-Anhalts Landesmuseum für Vorgeschichte präsentiert eine Sensation</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale) zeigt ab dem 27. März 2026 die Sonderausstellung <strong><a href="https://www.landesmuseum-vorgeschichte.de/sonderausstellungen" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Die Schamanin&#8220;</a></strong> (bis 1. November 2026), die neue, teils bahnbrechende Erkenntnisse zu einer mesolithischen Frau präsentiert, deren Grab vor mehr als 9000 Jahren im heutigen Bad Dürrenberg angelegt wurde. Anlass genug, das Gebäude, das diesen Fund beherbergt, und die kulturpolitische Dimension dieser Ausstellung genauer zu betrachten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Haus, das seiner Sammlung gewachsen ist</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Museumsgebäude an der Richard-Wagner-Strasse 9 in Halle (Saale) ist selbst ein Denkmal der deutschen Architekturgeschichte. Wilhelm Kreis, einer der prägenden Architekten des frühen 20. Jahrhunderts, entwarf den Bau in den Jahren 1911 bis 1912; die Eröffnung erfolgte 1918. Die Anlage orientiert sich formal an der Porta Nigra in Trier: ein trutziges, kastellartiges Volumen aus Muschelkalkstein, das Dauerhaftigkeit und Würde ausstrahlt. Was von aussen schwer und hermetisch wirkt, öffnet sich im Innern zu einem zentralen Atrium, um das sich die Ausstellungsflächen auf drei Geschossen anordnen. Diese Raumfigur erweist sich im Kontext der aktuellen Sonderausstellung als ausserordentlich produktiv: Im Atrium steht die Zentralinstallation der Schau, ein raumgreifendes Arrangement aus Schamanentrommel, vier Schamanengewändern und einer mit symbolischen Zeichnungen versehenen Pyramide, die sich zur Decke hin öffnet. Der von Kreis konzipierte, lichtdurchflutete Innenhof wird hier zur rituellen Mitte, zum Schwellenzustand zwischen den Ausstellungsräumen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kreis wählte für den Museumsbau eine archaische Hülle aus Muschelkalk, die eine regelmässige Stahlbetonkonstruktion umschliesst. Das Gebäude ist damit eines der frühesten Beispiele des Stahlbetonbaus in Deutschland, ohne dieses strukturelle System nach aussen zu kehren. Bemerkenswert sind die qualitätvolle Bauplastik und die expressionistischen Fresken von Paul Thiersch im Treppenhaus, die das Haus zu einem kunsthistorischen Dokument über den Museumsbau der Reformzeit machen. Die Sanierung des Bestands erfolgte in mehreren Bauabschnitten; 2008 wurden neue Restaurierungswerkstätten ergänzt (Planung: Architekten Niebergall und Schaller). Als das Museum 1918 öffnete, war es das erste Bauwerk Deutschlands, das ausschliesslich für die Präsentation vorgeschichtlicher Exponate errichtet worden war. Diese programmatische Entscheidung, dem vorgeschichtlichen Erbe ein eigenständiges, repräsentatives Gehäuse zu geben, spiegelt eine denkmalpflegerische Haltung wider, die das Land Sachsen-Anhalt bis heute auszeichnet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was verrät die Bestattung über frühen Schamanismus?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Mai 1934 stiessen Arbeiter bei Ausschachtungen im Kurpark von Bad Dürrenberg auf ein Grab aus der Zeit um 7000 vor Christus. Die Notbergung sicherte die Überreste einer 30- bis 40-jährigen Frau und eines etwa sechs Monate alten männlichen Säuglings. Seither ist das Grab ein Ankerobjekt des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle (Saale), das neben der Himmelsscheibe von Nebra zu den bedeutendsten Funden Sachsen-Anhalts zählt. Eine DNA-Analyse ergab, dass die Frau dunkle Haut, dunkle Haare und helle Augen hatte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neue Sonderausstellung verdichtet Jahrzehnte der Forschung. Bei der Nachgrabung von 2019 wurden mit modernsten Methoden nicht nur neue Befunde gesichert, sondern auch die Knochen aus dem Bestand neu untersucht. Dabei stiessen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf zwei weitere menschliche Wirbel, die zu männlichen Kindern im Alter zwischen zwei und sechs Jahren gehören. Damit sind nun insgesamt vier Individuen im Grab identifiziert, die Schamanin, der Säugling und zwei Kinder, die jeweils nur durch einen Wirbel nachgewiesen sind. Genetische Untersuchungen konnten klären, dass einer der Wirbel zu einem Zwilling des Säuglings gehört, der mindestens zwei Jahre länger lebte; der zweite Wirbel stammt von einem weiteren Bruder. Diese Erkenntnis ist, wie Landesarchäologe Harald Meller formulierte, geradezu eine Sensation: Denn zumindest die Zwillinge sind nicht gleichzeitig verstorben, was den Bestattungsvorgang als hochkomplexes, möglicherweise rituell gestaffeltes Ereignis erscheinen lässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das reiche Grabinventar, das Tierknochenmaterial von Kranich, Igel, Biber, Schildkröte, Wildschwein bis hin zu Grosssäugern wie Ur und Hirsch umfasst, gilt als starkes Indiz für schamanistische Praktiken. Ethnografische Vergleiche legen nahe, dass die Beigabe dieser Tierteile nicht als Nahrungsvorrat, sondern als Repräsentation von Hilfsgeistern zu verstehen ist. Hinzu kommt eine anatomische Besonderheit: Bei bestimmten Kopfbewegungen dürfte die Frau unwillkürliches Augenflimmern (Nystagmus) und weitere neurologische Auffälligkeiten erlebt haben, was ihre Gemeinschaft vermutlich als sichtbares Zeichen der Verbindung zur Geisterwelt deutete. Die Kombination aus Grabbeigaben und körperlichem Befund liefert einen der überzeugendsten archäologischen Belege für frühen Schamanismus weltweit.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Warum ist diese Ausstellung ein kulturpolitisches Argument für Sachsen-Anhalt?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sonderausstellung &#8222;Die Schamanin&#8220; ist die bisher aufwendigste Schau zum urgeschichtlichen Schamanismus und zur Mittelsteinzeit in Mitteleuropa. 192 Exponate und Exponatgruppen auf rund 900 Quadratmetern Ausstellungsfläche, unterstützt von 39 Institutionen aus 14 Ländern, darunter Leihgaben, die ausserhalb ihrer Herkunftsländer kaum je zu sehen waren, das ist eine programmatische Geste. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (LDA) positioniert sich damit einmal mehr als wissenschaftliche Institution von internationalem Rang. Sachsen-Anhalt, häufig unter dem Gesichtspunkt demografischer Schrumpfung und wirtschaftlicher Strukturschwäche betrachtet, beherbergt eine archäologische Forschungslandschaft, die ihresgleichen sucht. Der Freistaat hat im Denkmalschutzgesetz Sachsen-Anhalt (DSchG LSA) die Unterschutzstellung von Bodendenkmälern konsequent geregelt; das LDA fungiert als Behörde und zugleich als Forschungsinstitution, eine Verbindung, die den kontinuierlichen Erkenntniszufluss aus Ausgrabungen in die Sammlungs- und Ausstellungsarbeit sichert. Das zeigt die Schamanin exemplarisch: Die Nachgrabung von 2019 hat das Bild des Fundes grundlegend verändert und macht eine neue öffentliche Präsentation nicht nur möglich, sondern zwingend notwendig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Museumsgebäude von Wilhelm Kreis, selbst ein Zeugnis institutionellen Vertrauens in die Dauerhaftigkeit archäologischer Forschung, bildet dafür den überzeugenden Rahmen. Der Kontrast zwischen der schweren, historistischen Hülle und den neun Jahrtausende alten Funden im Innern ist kein Widerspruch, sondern eine Beziehung: Das Haus hat Bestand, weil sein Inhalt Bestand hat. Dass im Atrium des 1918 eröffneten Kreis-Baus heute eine raumgreifende Schamaneninstallation steht, unter der sich eine Pyramide mit Symbolen zur Decke öffnet, belegt die räumliche Flexibilität und Würde dieses Grundrisses.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Schluss, der offenbleibt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sonderausstellung läuft bis zum 1. November 2026. Der Katalog erscheint im Hirmer Verlag (Hrsg.: Harald Meller, Michael Schefzik, Anja Stadelbacher, 216 Seiten, ISBN 978-3-911693-07-3). Für Fachleute aus Archäologie, Denkmalpflege und Museumsbau lohnt sich ein Besuch auch unter dem Gesichtspunkt, wie ein denkmalgeschütztes Museumsgebäude des frühen 20. Jahrhunderts zeitgemässe Ausstellungsarchitektur aufnehmen kann, ohne seine eigene Geschichte preiszugeben. Das ist in Halle gut gelungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/die-schamanin-von-bad-duerrenberg/">Die Schamanin von Bad Dürrenberg</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<item>
		<title>Dresdner Bauturbo: Wie Sachsens Landeshauptstadt 21.000 Wohnungen bis 2035 schaffen will</title>
		<link>https://baukunst.art/dresdner-bauturbo-wie-sachsens-landeshauptstadt-21-000-wohnungen-bis-2035-schaffen-will/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 14:54:29 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Regional]]></category>
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		<category><![CDATA[Stadtentwicklung Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbau Dresden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dresden zündet den Bauturbo: Mit einem neuen Bundesgesetz will Sachsens Hauptstadt den stockenden Wohnungsbau beschleunigen. Doch reicht das Instrument wirklich?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/dresdner-bauturbo-wie-sachsens-landeshauptstadt-21-000-wohnungen-bis-2035-schaffen-will/">Dresdner Bauturbo: Wie Sachsens Landeshauptstadt 21.000 Wohnungen bis 2035 schaffen will</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom Genehmigungsturbo zur Wohnungsrealität: Dresdens riskante Wette auf das neue Baugesetz</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es ist ein Begriff, der in deutschen Bauämtern derzeit so regelmäßig fällt wie Regenwasser auf ein undichtes Flachdach: der Bauturbo. Seit dem 30. Oktober 2025 gilt das Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Wohnraumsicherung, und die Kommunen stehen nun vor der Frage, ob sie das Instrument nutzen wollen, können oder müssen. Dresden hat sich früh entschieden: Die sächsische Landeshauptstadt will zünden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">21.000 Wohnungen in neun Jahren: Anspruch und Wirklichkeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen, die Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) Anfang 2026 präsentierte, sind imposant und ernüchternd zugleich. Die aktualisierte Wohnbedarfsprognose der Stadt rechnet bis 2035 mit rund 19.000 neuen Haushalten, woraus sich ein Bedarf von etwa 21.000 neuen Wohnungen ergibt. Dazu kommen rund 1.800 Einheiten, die durch Sanierung gewonnen werden sollen. Der Wachstumstreiber ist dabei durchaus industrieller Natur: Der Ausbau der Chipindustrie im Dresdner Norden, der aus der Stadt schon heute das Herz von &#8222;Silicon Saxony&#8220; gemacht hat, sorgt für anhaltende Zuwanderung. Schon jeder dritte in Europa produzierte Chip stammt aus Sachsen, langfristig soll es jeder zweite sein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bis 2030 sind demnach jährlich rund 2.300 neue Wohnungen nötig, danach sinkt der Bedarf auf rund 1.440 pro Jahr. Das Problem: Die Realität hinkt dem Bedarf deutlich hinterher. Zwischen 2016 und 2022 wurden in Dresden im Jahresschnitt immerhin rund 2.300 Wohnungen fertiggestellt. Seit 2023 bricht die Zahl ein: Nur noch rund 1.700 Einheiten pro Jahr entstanden zuletzt. Die Gründe sind bekannt, die Konsequenzen spürbar. Gestiegene Bau- und Finanzierungskosten haben selbst Projekte gestoppt, die schon weit in der Planung waren. Bundesweit lag der Anteil der nach der Planungsphase abgebrochenen Wohnungsbauprojekte zu Jahresbeginn 2025 auf einem Höchststand.</p>
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<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Bauturbo als Genehmigungsmotor</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das neue Bundesgesetz greift tief in die Planungshoheit der Kommunen ein. Es ändert zentrale Paragraphen des Baugesetzbuchs, darunter die Paragraphen 31, 34 und den neuen Paragraphen 246e BauGB. Vereinfacht gesagt: Kommunen können mit ausdrücklicher Zustimmung in bestimmten Fällen von bestehenden Bebauungsplanfestsetzungen zugunsten des Wohnungsbaus abweichen, ohne aufwendige Planänderungsverfahren zu durchlaufen. Was nach einer technischen Verwaltungsangelegenheit klingt, ist in der Praxis ein erheblicher Hebel.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kühn nennt das Werkzeug klar beim Namen: &#8222;Der Bauturbo ist in erster Linie ein Genehmigungsturbo.&#8220; Doch die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben ihn vorsichtig gemacht. Wer kennt nicht die Investoren, die Baugenehmigungen einsammeln wie Briefmarken und dann abwarten? Dresden will genau das verhindern. Kühns Grundsatzbeschluss, der noch durch den Stadtrat muss, enthält deshalb eine klare Auflage: Wer den Bauturbo nutzt, muss sich verpflichten, innerhalb von drei Jahren nach der Baugenehmigung mit dem Bau zu beginnen. Kein Bau, kein Turbo.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kein Spekulationsturbo: Dresdner Schutzmechanismen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sorge vor einem &#8222;Spekulationsturbo&#8220; ist in Dresden keine Phrase. Sie spiegelt eine stadtpolitische Realität wider, in der Ferienwohnungen und Leerstand im selben Atemzug mit Wohnungsmangel stehen. Die SPD-Fraktion im Stadtrat machte im Januar 2026 öffentlich, dass der Baubürgermeister eine vom Stadtrat bereits im Februar 2024 in Auftrag gegebene Satzung zur Zweckentfremdung von Wohnraum noch immer nicht vorgelegt hat, obwohl die Nachbarstadt Leipzig eine entsprechende Regelung bereits im Sommer 2024 beschlossen hatte. Für die Dresdner Altstadt und Neustadt, wo Mietwohnungen zunehmend in Ferienapartments umgewandelt werden, ist das kein akademisches Problem.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Beim Bauturbo selbst hingegen hat Kühn vorgesorgt. Das kooperative Baulandmodell soll bei Projekten, die vom Bauturbo profitieren, eine Sozialwohnungsquote von mindestens 15 Prozent sichern. Bei Vorhaben über einem Hektar Grundfläche entscheidet nicht die Verwaltung allein, sondern der Stadtrat. Die Neuregelung soll bis 2030 gelten. Für Bauherrinnen und Bauherren gilt: Wer prüfen will, ob der Bauturbo auf ihr Vorhaben anwendbar ist, soll dies vorab mit der Bauaufsicht und dem Amt für Stadtplanung und Mobilität klären. Andreas Feldmann, Abteilungsleiter Verwaltung und Recht der Landeshauptstadt, brachte es am Runden Tisch vom 19. Januar 2026 auf den Punkt: &#8222;Der Dreh- und Angelpunkt für einen erfolgreichen Einsatz des Bauturbos ist die Kommunikation im Vorfeld.&#8220;</p>
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<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Briesnitz und Kaditz-Mickten: Zwei Projekte als Testlabor</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dresden hat bewusst zwei konkrete Pilotprojekte benannt, an denen das neue Instrument erprobt werden soll. Das erste ist ein Wohnungsbauprojekt mit 13 Ein- und Mehrfamilienhäusern im Stadtteil Briesnitz, das sich seit Jahren in einer Art planungsrechtlicher Warteschleife dreht. Das zweite umfasst zwei Baufelder der Stadterweiterung Kaditz-Mickten im Nordwesten der Stadt. Der Bebauungsplan von 2021 sieht dort ursprünglich 60 Prozent Gewerbe und 40 Prozent Wohnen vor. Dank des Bauturbos soll es nun möglich sein, ohne aufwendige Planänderungsverfahren vom genehmigten Nutzungsmix abzuweichen und mehr Wohnraum zu schaffen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Weichenstellung ist bemerkenswert. Kaditz-Mickten liegt im Nordwesten der Stadt, in dem Stadterweiterungsgürtel, der vom Boom der Halbleiterindustrie direkt profitiert. Dass ausgerechnet hier ein Gewerbeprimat nun zugunsten des Wohnens relativiert werden soll, ist auch ein Signal an Investoren: Dresden ist bereit, Planungsrecht pragmatisch zu interpretieren, wenn es der Wohnraumversorgung dient.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bauland im Überfluss, aber fehlende Wirtschaftlichkeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein strukturelles Luxusproblem prägt die Dresdner Debatte: An Bauland mangelt es der Stadt nicht. Die verfügbaren Flächen würden die prognostizierte Nachfrage theoretisch um bis zu 127 Prozent übersteigen. Das ist ein Umstand, den viele Großstädte mit Wehmut zur Kenntnis nehmen dürften. Das Problem liegt also nicht im Fehlen von Flächen, sondern in der fehlenden Wirtschaftlichkeit, diese auch zu bebauen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kühn benennt die Stellschrauben klar: Neben dem Bauturbo setzt die Stadt auf digitale Bauanträge und eine mögliche Überarbeitung der Stellplatzsatzung. Aktuell ist pro Wohneinheit ein Stellplatz vorzuhalten, bei Sozialwohnungen gilt ein Faktor von 0,6. Da ein Stellplatz im Hochbau zwischen 50.000 und 80.000 Euro kostet, ist die Frage, ob nicht jede Wohnung einen Stellplatz braucht, keine Kleinigkeit. Eine Überarbeitung könnte Baukosten spürbar senken, auch wenn sie verkehrspolitisch sorgfältig abgewogen werden muss.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Instrument zwischen Hoffnung und Realitätsprüfung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Dresdner Umgang mit dem Bauturbo zeigt, wie deutsche Großstädte mit einem neuen Planungsinstrument umgehen, das auf dem Papier viel verspricht und in der Praxis viele Voraussetzungen erfordert. Die sächsische Landeshauptstadt hat die Rahmenbedingungen durchdacht gesetzt: Bauverpflichtung statt Genehmigungshorte, Sozialquoten statt reiner Marktlogik, Pilotprojekte statt Flächendeckung. Ob das Instrument tatsächlich zu mehr fertiggestellten Wohnungen führt, hängt aber letztlich von Faktoren ab, die kein Grundsatzbeschluss lösen kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baukosten müssen sinken, Förderkonditionen attraktiver werden, und das Zinsniveau muss Investitionen wieder rentabel machen. Der Bauturbo kann Genehmigungsverfahren beschleunigen. Den Graben zwischen Baugenehmigung und Baubeginn, den die deutschen Wohnungsbauzahlen seit 2022 so plastisch illustrieren, überbrückt er allein nicht. Dresden hat das erkannt. Ob der Stadtrat Kühns Konzept in der vorliegenden Form billigen wird, entscheidet sich in den Ausschussberatungen bis Ende März 2026. Das wäre dann der erste Gang in die praktische Umsetzung, bevor der Motor überhaupt anspringt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Agra-Brücke Leipzig: Sachsen plant identischen Ersatzneubau statt Tunnel durch denkmalgeschützten Park</title>
		<link>https://baukunst.art/agra-bruecke-leipzig-sachsen-plant-identischen-ersatzneubau-statt-tunnel-durch-denkmalgeschuetzten-park/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 14:38:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[agra-Park]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur Leipzig]]></category>
		<category><![CDATA[Brückenbau Sachsen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Einleitung (max. 200 Zeichen): Eine marode DDR-Hochstraße zerschneidet Leipzigs agra-Park. Statt Tunnel plant Sachsen einen baugleichen Ersatz. Ein Armutszeugnis für die Baukultur.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Betoniertes Erbe: Wie Sachsen eine DDR-Sünde in die Zukunft zementiert</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Parkdenkmal unter Beton</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer den agra-Park im Süden von Leipzig besucht, erlebt einen seltenen Widerspruch in Stein und Beton. Auf der einen Seite: ein historischer Landschaftspark aus dem 19. Jahrhundert mit geschwungenen Wegen, sorgsam arrangierten Baumgruppen, neoklassizistischem Palais und Tempelarchitekturen an der Pleiße. Auf der anderen Seite: eine autobahnartige Betonhochstraße, die das Areal mitten durchschneidet, Sichtachsen kappt und deren Lärm über Hunderte von Metern hörbar bleibt. Das ist kein gestalterisches Statement. Das ist eine bauliche Narbe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Park geht auf den Leipziger Verleger Paul Herfurth zurück, der hier im ausgehenden 19. Jahrhundert seine Sommerresidenz anlegen ließ. Nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet, diente das Areal Gartenbau- und Landwirtschaftsausstellungen. Den Namen agra-Park trägt er noch heute. In den 1970er-Jahren zog die DDR-Verkehrsplanung eine vierspurige Hochstraße als Bundesstraße 2 mittendurch. Die Ursache lag im extensiven Braunkohletagebau: Die Riesenlöcher, die sich bis an die Stadtgrenze von Leipzig fraßen, ließen nur einen schmalen Landkorridor übrig, sodass zwei Fernstraßen zu einer neuen Trasse zusammengeführt wurden. Die Hochstraße war der Preis für industriellen Raubbau. Der Park hat sich von diesem Schlag nie erholt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Einsturzgefahr und ein unbequemes Déjà-vu</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im November 2025 kam, was Fachleute längst ahnten: Untersuchungen ergaben gravierende Schäden im Spannstahl der agra-Brücke. In zwei von fünf geöffneten Spanngliedern waren bereits einzelne Drähte gerissen, eine Vielzahl weiterer Anrisse festgestellt. Gutachter Prof. Thomas Bösche sprach von einem Befund, der die ursprünglich noch angenommene Restlebensdauer von zehn Jahren völlig zunichtemacht. Das Stichwort Carolabrücke Dresden lag unmittelbar auf der Hand: Auch dort war der gleiche Spannstahl verbaut, auch dort hatte das Brückenbauwerk im September 2024 spektakulär versagt. Der Vergleich ist keine Dramatisierung. Er ist Sachkenntnis.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seitdem gelten auf der agra-Brücke Tempo 50 und eine Gewichtsbeschränkung auf 3,5 Tonnen. Der westliche Brückenzug wird voraussichtlich ab Frühjahr 2026 vollständig gesperrt. An 34 Stellen wurden Stützkonstruktionen errichtet, die die Feldlänge von 21 auf 7 Meter reduzieren. Eine Notoperation am offenen Herzen. Und wie so oft bei solchen Operationen stellt sich die Frage: Wie konnte es so weit kommen? Der Landschaftsarchitekt Dirk Seelemann vom Büro fagus in Markkleeberg, der sich seit Jahrzehnten mit dem Park befasst, weiß zu berichten, dass spätestens seit 2012 Hilfsstützen unter der Fahrbahn eingezogen wurden. Dass dieser Befund nicht dazu führte, die Planung für einen Brückenersatz oder gar einen Tunnel voranzutreiben, bleibt erklärungsbedürftig.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Tunnel oder Betonreplik? Die politische Entscheidung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit 2008 sieht ein denkmalpflegerisches Zielkonzept eine Tieferlegung der Straße als Tunnel vor. Seit 2012 setzt sich die mitgliederstarke Bürgerinitiative Pro agra-Park für dieses Ziel ein. Bund und Freistaat Sachsen bekräftigten noch 2021, eine Tunnellösung sei wünschenswert, und kündigten eine Finanzierungsvereinbarung an. Doch das Vorhaben schaffte es nie auf eine Prioritätenliste, versackte in Schubladen, zerrieb sich an Haushaltsfragen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nun hat Infrastrukturministerin Regina Kraushaar (CDU) Sachsens Haltung klar gemacht: Ein Tunnel komme nicht in Betracht. Die Projektlaufzeit liege bei 16 bis 20 Jahren, bei Klagen seien weitere Verzögerungen garantiert. Die Brücke gebe schlicht diese Zeit nicht mehr. Stattdessen soll ein baugleicher Ersatzneubau entstehen, der durch den Verzicht auf ein Planfeststellungsverfahren möglicherweise bereits 2031 fertiggestellt werden könnte. Die Kosten in Höhe von rund 50 Millionen Euro trägt der Bund. Der Freistaat spart sich rund 140 Millionen Euro Mehrkosten für den Tunnel, die aus dem Landeshaushalt hätten finanziert werden müssen und für die sich auf Bundesebene keine Finanzierungsbereitschaft fand.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Logik dieser Entscheidung ist haushaltspolitisch nachvollziehbar. Sie ist baukulturell eine Bankrotterklärung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Sachzwang und kultureller Verantwortung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es ist bezeichnend, dass die Entscheidung für den Ersatzneubau kurz nach einer öffentlichen Veranstaltung des Netzwerk-Baukultur Leipzig fällt, die am 12. Februar 2026 in der Stadtbibliothek unter dem programmatischen Titel stand: &#8218;Agra-Park: Verspielen wir gerade eine baukulturelle Megachance?&#8216; Unter der Moderation von Prof. Engelbert Lüdke-Daldrup, ehemaliger Staatssekretär, diskutierten dort unter anderem Dirk Seelemann, Gunnar Volkmann (BDA Sachsen) und Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, über mögliche Alternativen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architekt Gunnar Volkmann hat vier prinzipielle Lösungsvarianten verglichen und einen teilweise gedeckelten Trog als Kompromisslösung vorgeschlagen, die günstiger und einfacher zu realisieren wäre als ein Volltunnel. Prof. Arnold Bartetzky, Kunsthistoriker und Architekturkritiker sowie Verfasser des vielbeachteten FAZ-Artikels zur agra-Brücke, forderte auf dem Podium, nicht dem Fehler einer reinen Fehlerdiskussion zu erliegen: Es müsse jetzt schnell gehandelt werden, aber nicht ohne Qualitätsanspruch. Reiner Nagel verwies auf den Paradigmenwechsel von der autogerechten zur atmosphärengerechten Stadt, in der der Mensch und nicht sein Fahrzeug im Mittelpunkt steht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das klingt nach akademischer Debatte. Ist es aber nicht. Der agra-Park ist als Gartendenkmal eingetragen, die Skulpturen des 4. Internationalen Leipziger Bildhauer-Pleinairs von 1988 sind als Kulturdenkmale in der sächsischen Denkmalliste geführt. Das Areal liegt an der Grenze zweier Städte, eingebettet in ein dichtes Geflecht aus Gutshöfen, Villen und sogar einem Schloss. Eine Region mit besonderer kultureller Dichte, selten im Leipziger Umland.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was auf dem Spiel steht</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der agra-Park gehört zu den wenigen erhaltenen Relikten der vorstädtischen Residenzen des Leipziger Großbürgertums. Kunsthistorikerin Josephine Dreßler hat seine kulturgeschichtliche Bedeutung in einer eingehenden Untersuchung herausgestellt. Als Grünraum zwischen Leipzig und Markkleeberg besitzt das Areal erhebliches Potenzial als Naherholungsgebiet, zumal sich mit der ehemaligen Tagebaurestauration eine attraktive Seenplatte im Südraum entwickelt hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Einen identischen Ersatzbau in die Zukunft zu zementieren bedeutet, dieses Potenzial für weitere 80 bis 100 Jahre zu verbauen. Es bedeutet, einer Bürgerinitiative, die sich seit 2012 auf der Grundlage politischer Zusagen engagiert hat, jene Zusagen nachträglich zu entziehen. Und es bedeutet, einen von der DDR geschaffenen eklatanten Missstand nicht etwa zu beenden, sondern fortzuschreiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sachsen sieht sich in einer Zwangslage. Diese Zwangslage ist real. Aber sie ist auch Ergebnis jahrzehntelanger politischer Verschleppung. Wer 2012 erkannte, dass die Brücke Probleme hat, und trotzdem bis 2025 keine belastbare Planung aufgebaut hat, sollte sich mit dem Verweis auf den Handlungsdruck zurückhalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Tunnellösung wäre eine Wiedergutmachung für vergangenen Raubbau an Natur und Kultur, ein Entwicklungsimpuls für den Südraum Leipzigs und ein Bekenntnis zur baukulturellenVerantwortung der Verkehrsplanung. Selbst die Trogvariante nach dem Vorschlag von Gunnar Volkmann wäre ein Signal, dass die Republik im Jahr 2025 in der Lage ist, mehr als nur eine Beton-Kopie aus DDR-Zeiten in die Welt zu setzen. Es wird ein Armutszeugnis sein, wenn diese Chance verspielt wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Der höchste Berg Sachsens wechselt den Besitzer: Was die Privatisierung des Fichtelbergs für Architektur und Region bedeutet</title>
		<link>https://baukunst.art/der-hoechste-berg-sachsens-wechselt-den-besitzer-was-die-privatisierung-des-fichtelbergs-fuer-architektur-und-region-bedeutet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Jan 2026 17:22:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Erzgebirge]]></category>
		<category><![CDATA[Fichtelberg]]></category>
		<category><![CDATA[Privatisierung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sachsens höchster Berg samt historischer Schwebebahn ist nun in Privatbesitz. Ein IT-Millionär aus dem Vogtland übernimmt das Tafelsilber des Erzgebirges.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Jahrhundert Seilbahngeschichte endet in privaten Händen</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Fichtelberg vollzieht sich gerade ein Eigentumswechsel von historischer Tragweite. Die 1924 erbaute Fichtelberg-Schwebebahn, Deutschlands älteste Luftseilbahn und architektonisches Wahrzeichen des Erzgebirges, gehört seit November 2025 nicht mehr der Stadt Oberwiesenthal. Mit dem Eingang der vereinbarten Kaufsumme von 10,4 Millionen Euro endete eine Ära kommunalen Eigentums an einer der bedeutendsten verkehrstechnischen Anlagen des frühen 20. Jahrhunderts. Der Käufer ist die Liftgesellschaft Oberwiesenthal, hinter der die Unternehmerfamilie Gläß aus dem vogtländischen Schöneck steht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Vorgang selbst erscheint zunächst unspektakulär: Eine finanziell überforderte Kommune übergibt ihre touristische Infrastruktur an einen Investor, der die notwendigen Modernisierungen stemmen kann. Doch die Dimension des Geschäfts offenbart sich erst bei genauerer Betrachtung: Neben der Schwebebahn erwarb die Familie Gläß bereits das Fichtelberghaus samt Gipfelplateau für knapp zwei Millionen Euro sowie den bestehenden Sessellift. Damit kontrolliert künftig eine einzige Familie nahezu das gesamte alpine Skigebiet an Sachsens höchstem Berg.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Investitionsstau als Treiber der Privatisierung</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Gründe für den Verkauf liegen in einem über Jahrzehnte aufgebauten Investitionsstau. Während das benachbarte tschechische Keilberg-Areal und auch das thüringische Oberhof kontinuierlich modernisiert wurden, verharrte Oberwiesenthal in einer Phase der Stagnation. Die Anlagen gelten als veraltet, für den dringend benötigten Neubau eines Sechser-Sessellifts an der Himmelsleiter samt Speichersee für künstliche Beschneiung werden rund 21 Millionen Euro veranschlagt. Am Haupthang sind weitere Millioneninvestitionen erforderlich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Weder die Stadt noch der Erzgebirgskreis sahen sich in der Lage, diese Summen aufzubringen. Auch das Land Sachsen winkte ab: Eine solche Liegenschaft könne nur erworben werden, wenn dies zur Erfüllung staatlicher Aufgaben erforderlich sei, ließ das Finanzministerium verlauten. Dieser Bedarf sei nicht gegeben. Die Formulierung offenbart eine bemerkenswerte Distanzierung der öffentlichen Hand von touristischer Infrastruktur, die einst als unveräußerliches Gemeinschaftsgut galt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der Investor: Vom Software-Milliardär zum Skigebietsbetreiber</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rainer Gläß, Jahrgang 1959, machte sein Vermögen mit der von ihm mitgegründeten GK Software SE. Das Unternehmen entwickelte sich vom Zwei-Mann-Betrieb im Vogtland zu einem weltweit führenden Anbieter von Kassensystemen für den Einzelhandel. Nach der Übernahme durch den japanischen Fujitsu-Konzern im Jahr 2023 erhielt das Gründerduo Gläß und Kronmüller für ihr Aktienpaket rund 175 Millionen Euro.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Unternehmer gilt als Mäzen seiner Heimatregion. In Schöneck finanzierte er Skilifts, ein Restaurant mit gehobenem Niveau und fördert den Nachwuchsskisport. Sein Engagement am Fichtelberg fügt sich in dieses Muster regionaler Verantwortung. Kritische Stimmen sehen darin allerdings auch eine problematische Konzentration wirtschaftlicher Macht in den Händen einer einzelnen Familie.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Architektonisches Erbe unter privatem Dach</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Fichtelberg-Schwebebahn besitzt als technisches Denkmal einen besonderen Status. In nur vier Monaten Bauzeit errichtete die Allgemeine Transportanlagen-Gesellschaft Leipzig 1924 die Anlage für 354.000 Reichsmark. Die Kabinen mit den Namen Elinor und Maria, benannt nach den Ehefrauen der damaligen Hauptaktionäre, überbrücken auf 1.175 Metern Länge einen Höhenunterschied von 303 Metern. Die Bahn überlebte die Wirtschaftskrise der 1920er Jahre, den Zweiten Weltkrieg, die DDR-Zeit und einen drohenden Abriss 2012, als Pläne für eine moderne Umlaufbahn an geänderten EU-Förderrichtlinien scheiterten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Fichtelberghaus selbst wurde Ende der 1990er Jahre nach historischem Vorbild neu errichtet und 1999 eröffnet. Nun stehen Sanierungen im hohen einstelligen Millionenbereich an: neue Lüftungsanlagen, Brandschutz und die Generalsanierung der 28 Hotelzimmer. Der Investor verpflichtete sich vertraglich, binnen fünf Jahren die Sanierung umzusetzen und das Haus weiter als Gastronomie zu betreiben. Bei Verstoß droht eine Vertragsstrafe, zudem behält sich der Landkreis ein Vorkaufsrecht vor.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zwischen Notwendigkeit und Ausverkauf</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die politische Bewertung des Vorgangs fällt erwartungsgemäß unterschiedlich aus. Oberwiesenthals Bürgermeister Jens Benedict sprach von einem langen Weg, der zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen sei. Die Stadt bringe dem privaten Investor großes Vertrauen entgegen. Die Linke hingegen kritisierte den Verkauf scharf. Der Landtagsabgeordnete Rico Gebhardt nannte es unverantwortlich, sich in die Abhängigkeit von einer einzigen Familie zu begeben. Sachsens höchster Berg gehöre nicht in private Hände.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Kontroverse berührt eine grundsätzliche Frage der kommunalen Daseinsvorsorge: Inwieweit darf öffentliche Infrastruktur privatisiert werden, wenn die Kommunen ihre Erhaltung nicht mehr finanzieren können? Die beliebte Metapher vom Verkauf des Tafelsilbers verharmlost nach Ansicht mancher Kritiker die Entwicklung, weil staatliche Unternehmen der öffentlichen Hand laufende Einnahmen verschaffen und damit der Allgemeinheit dienen, während verkaufte Güter diese Funktion verlieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Klimawandel erzwingt Neuausrichtung</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fichtelberg mit seinen 1.215 Metern liegt am unteren Rand schneesicherer Höhenlagen. Die geplanten Investitionen in Beschneiungsanlagen und einen Speichersee reagieren auf die klimatischen Veränderungen. Gleichzeitig zielt die Modernisierung auf eine stärkere Nutzung im Sommertourismus: Mountainbiking, Wandern und die Fly-Line sollen ganzjährige Attraktivität sichern. Auf die rund 2.000 Einwohner Oberwiesenthals kommen etwa 4.400 Gästebetten und mehr als eine halbe Million Übernachtungen pro Jahr. Die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Tourismus macht den Berg zur Schicksalsfrage der gesamten Region.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Privatisierung reiht sich in einen größeren Trend ein: Kommunen in Ostdeutschland, die über Jahrzehnte versuchten, Infrastruktur in öffentlicher Hand zu halten, stoßen an finanzielle Grenzen. Dass mit Rainer Gläß ein Investor aus der Region auftritt, der seine Heimatverbundenheit demonstriert, mildert die Bedenken, beseitigt sie aber nicht. Die Verantwortung für ein Stück ostdeutscher Identität liegt nun in privaten Händen. Ob dieses Modell langfristig trägt, bleibt ein Experiment mit ungewissem Ausgang.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Kompromiss für die Friedensglocke</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Einen kleinen Erfolg konnte die Stadt verbuchen: Ein knapp 3.000 Quadratmeter großes Areal neben der Bergstation der Schwebebahn, auf dem sich unter anderem die Friedensglocke befindet, wurde für knapp 25.000 Euro an die Kommune verkauft. Dieser symbolische Verbleib eines Teils des Gipfels in öffentlicher Hand kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die touristische Nutzung des Fichtelbergs künftig von den unternehmerischen Entscheidungen einer Familie abhängt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bauarbeiten für den neuen Sessellift sollen schnellstmöglich beginnen, denn die Baugenehmigung läuft Ende 2025 aus. Constantin Gläß, Sohn des Investors und Geschäftsführer der Liftgesellschaft, kündigte auch die Gründung einer gemeinsamen Trägergesellschaft mit der Stadt an, um das Skigebiet langfristig weiterzuentwickeln. Ob diese Konstruktion der Kommune tatsächlich Einflussmöglichkeiten sichert oder lediglich ein Feigenblatt darstellt, wird sich zeigen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die hundertjährige Schwebebahn schwebt derweil weiter zwischen Tal- und Bergstation, 303 Meter Höhenunterschied in dreieinhalb Minuten. Die alten Damen Elinor und Maria haben schon viele Eigentümer überlebt.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Frankfurt (Oder) und sein Literaturmuseum: Wenn Architektur Geschichte erzählt</title>
		<link>https://baukunst.art/frankfurt-oder-und-sein-literaturmuseum-wenn-architektur-geschichte-erzaehlt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Jan 2026 17:07:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt (Oder)]]></category>
		<category><![CDATA[Kleist Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsarchitektur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Kleist Museum in Frankfurt (Oder) vereint spätbarocke Eleganz mit zeitgenössischer Reduktion. Die aktuelle Sonderausstellung ergänzt diesen Dialog um eine musikalische Dimension.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom Zopfstil zum Dolomit Kubus: Das Kleist Museum als architektonisches Gesamtkunstwerk</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Frankfurt an der Oder trägt seit 1998 den Zusatz Kleiststadt im Namen. Diese Selbstbezeichnung ist mehr als städtisches Marketing, sie ist ein Bekenntnis zu einem kulturellen Erbe, das in der ehemaligen Garnisonschule an der Faberstraße seinen sichtbaren Ausdruck findet. Das Kleist Museum, einziges seiner Art weltweit, präsentiert sich heute als bemerkenswertes Doppelensemble: ein spätbarocker Bau aus dem 18. Jahrhundert im Dialog mit einem zeitgenössischen Erweiterungsbau von 2013. Die aktuelle Sonderausstellung „Zerbrochne Harmonien. Kleist und die Musik” fügt diesem architektonischen Gespräch eine weitere Ebene hinzu.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Baudenkmal mit bewegter Geschichte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Geschichte des historischen Gebäudes beginnt 1777, im Geburtsjahr Heinrich von Kleists. Der Berliner Baumeister Martin Friedrich Knoblauch entwarf die Garnisonschule im Auftrag des Herzogs Leopold von Braunschweig. Der zweigeschossige, siebenachsige Bau mit seinem charakteristischen Mansardwalmdach gehört stilistisch dem sogenannten Zopfstil an, der letzten Phase des Spätbarocks. Die abgerundeten Gebäudeecken, flankiert von Kolossalpilastern, und die als Ansichten konzipierten Fassaden zeugen von architektonischem Anspruch auch bei einem funktionalen Bildungsbau.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Gebäude überlebte die Jahrhunderte, während Kleists ursprüngliches Geburtshaus den Bomben des Zweiten Weltkriegs zum Opfer fiel. Nach verschiedenen Stationen der Kleist Sammlung in der Stadt fand das 1969 gegründete Museum in der ehemaligen Schule eine dauerhafte Bleibe. Dass ausgerechnet ein Bau aus Kleists Geburtsjahr zur Heimstatt seines Andenkens wurde, mag Zufall sein, verleiht dem Ort jedoch eine zusätzliche symbolische Dimension.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Neubau: Selbstbewusste Zurückhaltung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Fülle der Sammlungsbestände und die wachsenden Aufgaben der Forschungseinrichtung machten einen Erweiterungsbau unumgänglich. Das Offenburger Büro Lehmann Architekten gewann 2010 den Wettbewerb mit einem Entwurf, der die Jury überzeugte, obwohl, oder gerade weil, er einen deutlichen Kontrast zum Altbau setzt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der dreigeschossige Neubau, 2013 nach einer Bauzeit von etwa zwei Jahren eröffnet, versteht sich als Stadtbaustein. Er fügt sich in die Flucht der Faberstraße ein und nimmt die Höhe des benachbarten Mansarddaches auf. Dort endet die formale Verwandtschaft. Während der Barockbau mit Kolossalpilastern, Gesimsen und Fensterrundbögen arbeitet, präsentiert sich der Erweiterungsbau als strenger Kubus mit einer Fassade aus Wachenzeller Dolomit. Die geschosshohen Natursteinplatten, 52 Zentimeter breit und bis zu 3,10 Meter hoch, umschließen den Stahlbetonbau wie eine raue Haut.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architekten begründeten ihre Materialwahl mit Kleists Naturverbundenheit. Der poröse, raue Stein soll an die Schweizer Landschaft erinnern, in der der Dichter 1802 sein bürgerliches Leben hinter sich lassen wollte. Ob diese Assoziation bei den Besucherinnen und Besuchern ankommt, bleibt offen. Unstrittig ist jedoch, dass die Fassade eine eigenwillige Textur in die weitgehend verputzte Umgebung bringt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Räumliche Dramaturgie zwischen Alt und Neu</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine gläserne Fuge verbindet die beiden Baukörper auf zwei Ebenen, ohne ihre Eigenständigkeit aufzuheben. Der Haupteingang liegt nun im Neubau, ein tiefer Einschnitt in der Fassade markiert ihn als einzige plastische Betonung der sonst flächigen Wand. Von hier aus erschließen sich die 2.316 Quadratmeter Bruttogeschossfläche des Erweiterungsbaus: Museumspädagogik und Veranstaltungsräume im Erdgeschoss, die Dauerausstellung zum Werk Kleists im ersten Obergeschoss, Bibliothek und Verwaltung darüber, klimatisierte Depots im Kellergeschoss.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Dauerausstellung „Rätsel. Kämpfe. Brüche.” nutzt beide Gebäude und macht den Wechsel zwischen ihnen zum Teil der Besuchserfahrung. Das Leben des Dichters wird im Altbau erzählt, sein Werk im Neubau. Ein bewusst uneben gestalteter Fußboden im Ausstellungsraum zum Werk schafft eine körperliche Irritation, die an die Brüche in Kleists Texten erinnern soll. Solche sensualistischen Eingriffe unterscheiden das Museum von konventionelleren Literaturausstellungen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Sonderausstellung als Klangkörper</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bis zum 14. Juli 2026 widmet sich das Museum einer weniger bekannten Facette seines Hausdichters. „Zerbrochne Harmonien. Kleist und die Musik” nimmt ein Zitat von 1811 zum Ausgangspunkt: Kleist wollte sich ein Jahr lang mit nichts als der Musik beschäftigen und alles, was er über die Dichtkunst gedacht habe, auf Töne beziehen. Zu dieser Verwirklichung kam es nicht mehr.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die von Dr. Adrian Schliebe kuratierte Ausstellung, gestaltet vom Hallenser Studio Neue Museen, präsentiert sowohl die Bedeutung der Musik für Kleist als auch seine musikalische Rezeptionsgeschichte. Der Fokus liegt auf drei Opernbearbeitungen seines Lustspiels „Der zerbrochne Krug”: Viktor Ullmanns Version von 1942, entstanden kurz vor seiner Deportation nach Theresienstadt; Zbyněk Vostřáks tschechische Adaption von 1962; und Fritz Geißlers DDR Vertonung von 1969. Dass gerade die Ullmann Oper, ein Werk im Angesicht der Vernichtung, den komischen Stoff mit Jazz Anleihen behandelt, gehört zu den verstörenden Entdeckungen der Schau.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Bedeutung, überregionale Ausstrahlung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Kleist Museum ist seit 2019 eine brandenburgische Landesstiftung unter Beteiligung des Bundes und der Stadt Frankfurt (Oder). Die jüngst abgeschlossene Sanierung des historischen Gebäudes mit einem Volumen von über zwei Millionen Euro demonstriert die Bereitschaft aller Ebenen, in diesen Kulturort zu investieren. Kulturstaatsministerin Claudia Roth bezeichnete das Projekt als Paradebeispiel für gelungenen Kulturföderalismus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Grenzstadt Frankfurt (Oder) ist das Museum mehr als eine Gedenkstätte. Es ist ein identitätsstiftender Ort in einer Region, die mit demografischem Wandel und wirtschaftlichem Strukturwandel kämpft. Die Lage direkt am Oder Neiße Radweg macht es zum touristischen Anlaufpunkt, die Kooperation mit der Europa Universität Viadrina verbindet es mit der akademischen Welt, die Bibliothek mit über 100.000 Bestandseinheiten zieht internationale Forschende an.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein gelungener Dialog?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Fassade des Neubaus war von Anfang an nicht unumstritten, wie zeitgenössische Berichte vermerken. Im Inneren jedoch überzeugt der lichtdurchflutete, funktionale Bau. Die Qualität der Architektur liegt weniger in spektakulären Gesten als in der klugen Zurückhaltung, die dem historischen Nachbarn den Respekt nicht verweigert, ohne ihm unterwürfig zu werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass nun eine Ausstellung über Musik in diesen Räumen stattfindet, fügt dem architektonischen Dialog eine akustische Dimension hinzu. Kleist selbst schrieb über die Gewalt der Musik und meinte damit ihre emotionale Kraft. Das Zusammenspiel von spätbarocker Ornamentik und zeitgenössischer Reduktion, von historischem Auftrag und gegenwärtiger Forschung macht das Kleist Museum zu einem Ort, an dem sich diese Kraft entfalten kann.</p>
<h2>Besucherinformationen</h2>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Adresse:</strong> Stiftung Kleist Museum Faberstraße 6–7 15230 Frankfurt (Oder)</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Kontakt:</strong> Tel.: +49 335 387 221 0 Fax: +49 335 387 221 90 E Mail: info@kleist-museum.de Web: www.kleist-museum.de</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Öffnungszeiten:</strong> Dienstag bis Sonntag: 10:00–18:00 Uhr Montag: geschlossen (an gesetzlichen Feiertagen geöffnet) Einlass bis 15 Minuten vor Schließung Geschlossen: 1. Januar, 24., 25. und 31. Dezember</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Eintrittspreise:</strong> Erwachsene: 7 € Ermäßigt: 4 € (Studierende, Erwerbslose, Mitglieder Museumsverband Brandenburg, Schwerbeschädigte ab GdB 50) Familienticket: 10 € (2 Erwachsene + Kinder unter 18 Jahren) Gruppen: 4 € pro Person (ab 11 Personen) Freier Eintritt: unter 18 Jährige, ICOM Mitglieder, Förderkreismitglieder, Begleitperson von Schwerbeschädigten</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Museumssonntag:</strong> Jeder 3. Sonntag im Monat freier Eintritt für alle</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Kombi Ticket Frankfurter Museen:</strong> 12 € (ermäßigt 9 €) Gültig für 3 Museen innerhalb von 72 Stunden: Kleist Museum, Museum Viadrina, Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Aktuelle Sonderausstellung:</strong> „Zerbrochne Harmonien. Kleist und die Musik” Bis 14. Juli 2026 Kurator: Dr. Adrian Schliebe Gestaltung: Studio Neue Museen, Halle (Saale)</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Dauerausstellung:</strong> „Rätsel. Kämpfe. Brüche. Die Kleist Ausstellung”</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Eisenhüttenstadt: Wie Europas größtes Flächendenkmal mit Probewohnen gegen die Abwanderung kämpft</title>
		<link>https://baukunst.art/eisenhuettenstadt-wie-europas-groesstes-flaechendenkmal-mit-probewohnen-gegen-die-abwanderung-kaempft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2025 16:35:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Eisenhüttenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtumbau]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14586</guid>

					<description><![CDATA[<p>Europas größtes Flächendenkmal kämpft ums Überleben: Eisenhüttenstadt lockt mit Probewohnen und Traummieten Großstadtmüde in die sozialistische Musterstadt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein städtebauliches Experiment zwischen Nostalgie und Zukunft</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Hotel Lunik brennt wieder Licht. Zwanzig Jahre lang stand der kleine Mond, wie der Name auf Russisch bedeutet, im Zentrum von Eisenhüttenstadt leer. Jetzt öffnet die Stadt als neue Eigentümerin die Türen für Theateraufführungen und Architekturworkshops. Die Menschen stehen Schlange, um das ramponierte Relikt sozialistischer Stadtplanung zu besichtigen. Es ist ein Bild, das symptomatisch für das Erwachen einer Stadt steht, die sich gegen ihren demografischen Niedergang stemmt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die brandenburgische Kommune an der Oder feiert 2025 ihr 75. Jubiläum, und die Bilanz ist ernüchternd und ermutigend zugleich. Von einst über 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern zur Wendezeit sind nur noch rund 25.000 geblieben. Doch anstatt sich in das scheinbar Unausweichliche zu fügen, wagt Eisenhüttenstadt ein städtebauliches Experiment, das weit über klassisches Stadtmarketing hinausgeht.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Probewohnen: Mehr als eine PR-Aktion</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Konzept Jetzt Pläne schmieden ermöglicht es Interessierten, zwei Wochen lang kostenfrei in einer möblierten Wohnung zu leben und das Stadtgefühl zu testen. Als die Stadt im Sommer 2024 das Angebot erstmals bewarb, wurden die Rathausmitarbeiterinnen und Rathausmitarbeiter förmlich überrannt. Rund 2.000 Bewerbungen gingen ein, aus dem In- und Ausland. Das Medienecho war enorm, jeder Bericht generierte weitere Anfragen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Aktion richtet sich gezielt an Berufspendler, Rückkehrinteressierte und Fachkräfte, die einen Tapetenwechsel suchen. Neben der kostenlosen Unterkunft erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein durchdachtes Programm: Stadtführungen, Einblicke in die Bildungslandschaft, Werksbesichtigungen und Stammtische sollen ein authentisches Bild der Stadt vermitteln. Lokale Unternehmen bieten Praktika und Job-Shadowing an, um berufliche Perspektiven aufzuzeigen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das architektonische Erbe als Standortvorteil</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was Eisenhüttenstadt von anderen schrumpfenden Städten unterscheidet, ist sein einzigartiges baukulturelles Erbe. Die Wohnkomplexe I bis IV bilden das größte zusammenhängende Flächendenkmal Europas und dokumentieren die Architekturentwicklung der 1950er und 1960er Jahre wie ein begehbares Lehrbuch. Die klassizistischen Arbeiterpaläste im Sozialistischen Realismus, von manchen stalinistischer Zuckerbäckerstil genannt, erinnern an die berühmte Berliner Karl-Marx-Allee, nur eben kompakter und weit draußen im märkischen Sand.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit 2003 wurden mit Unterstützung von Städtebauförderung und Mitteln der sozialen Wohnraumförderung über 2.000 Wohnungen im Denkmalbereich saniert. Der Einbau von Aufzügen, Grundrissänderungen und der Anbau von Balkonen führten in Verbindung mit der Modernisierung von Heizung, Elektrik und Sanitärbereichen zur wesentlichen Steigerung der Wohnqualität. Die dreistöckigen Wohnhäuser wirken sämtlich wie frisch saniert und liegen locker gruppiert in einer Parklandschaft.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Betrachtung: Chancen und Grenzen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch bei aller Euphorie bleiben kritische Fragen. Die geografische Lage im äußersten Brandenburg nahe der polnischen Grenze ist herausfordernd. Die Bahnverbindung nach Berlin dauert anderthalb Stunden, und auch mit dem Auto ist die Hauptstadt nicht schnell erreichbar. Für Menschen, die auf Präsenz im Büro angewiesen sind, bleibt Eisenhüttenstadt ein schwieriger Standort.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt: In Eisenhüttenstadt kann man nur mieten, nicht kaufen. Eigenheimgrundstücke gibt es innerhalb des geschützten Bereichs nicht, weil die Planstadt mit ihren 5.000 Wohnungen unter Denkmalschutz steht. Wer sich den Traum vom Eigenheim erfüllen möchte, muss auf Randbereiche außerhalb der Denkmalzonen ausweichen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kehrseite des Stadtumbaus ist ebenfalls nicht zu übersehen. Trotz aller Bemühungen wurden seit 1990 über 6.200 Wohnungen abgerissen, teils denkmalgeschützte Bauten. Ganze Karrees verschwanden, manche Plätze wie der ehemalige Platz der Jugend liegen heute brach, die Natur holt sich den Raum zurück, Vandalismus zerstört unter Denkmalschutz stehende Gebäude und baubezogene Kunst.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Modell für andere Regionen?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Strategie von Eisenhüttenstadt ist kein Einzelfall. Görlitz, Guben, Frankfurt (Oder), Eberswalde und Salzwedel verfolgen ähnliche Ansätze. In Salzwedel soll ein riesiges Plakat am Bahngleis Zugreisende im ICE zwischen Hamburg und Berlin ansprechen, für den Fall, dass sie einmal großstadtmüde werden. Der Wettbewerb um Zuzüglerinnen und Zuzügler hat längst begonnen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was Eisenhüttenstadt jedoch auszeichnet, ist die Verbindung aus architektonischem Alleinstellungsmerkmal und pragmatischer Stadtentwicklungspolitik. Die Gebäudewirtschaft Eisenhüttenstadt (Gewi) hat bis zu 200 Drei-Raum-Wohnungen sofort verfügbar, Kaltmieten ab 6,30 Euro je Quadratmeter sind keine Seltenheit. Im Vergleich zu Berlin, wo der Durchschnitt bei über 14 Euro liegt, klingen solche Preise wie aus einer anderen Zeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stadtsprecher Valentin Franze formuliert das Ziel klar: Wir müssen zwei Generationen zurückholen. Die Stadt wirbt mit kurzen Wegen, familiengerechter Infrastruktur und ihrer Eignung als Homeoffice-Standort. Für Menschen, die flexibel arbeiten können, könnte das Flächendenkmal tatsächlich eine Alternative sein.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Zwischen Utopie und Pragmatismus</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eisenhüttenstadt steht exemplarisch für die Herausforderungen ostdeutscher Mittelstädte und für mögliche Antworten darauf. Die Stadt war einst als sozialistische Utopie geplant, als Ort, an dem Arbeit, Wohnen, Bildung und Freizeit harmonisch aufeinander abgestimmt sein sollten. Heute, 75 Jahre später, muss sie sich neu erfinden, ohne ihr baukulturelles Erbe zu verraten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Probewohnen-Projekt zeigt, dass kreative Ansätze zumindest Aufmerksamkeit generieren können. Ob aus Aufmerksamkeit auch nachhaltiger Zuzug wird, muss sich erst zeigen. Aber eines steht fest: Im kleinen Mond brennt wieder Licht, und mit ihm vielleicht auch ein Funken Hoffnung für Europas größtes Flächendenkmal.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/eisenhuettenstadt-wie-europas-groesstes-flaechendenkmal-mit-probewohnen-gegen-die-abwanderung-kaempft/">Eisenhüttenstadt: Wie Europas größtes Flächendenkmal mit Probewohnen gegen die Abwanderung kämpft</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Chemnitz 2025: Wie die Kulturhauptstadt ihre Bausubstanz neu entdeckte</title>
		<link>https://baukunst.art/chemnitz-2025-wie-die-kulturhauptstadt-ihre-bausubstanz-neu-entdeckte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2025 16:13:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Industriearchitektur Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturhauptstadt Chemnitz 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung Ostdeutschland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Chemnitz hat als Kulturhauptstadt Europas 2025 bewiesen, dass Stadtentwicklung und Kultur untrennbar verbunden sind. Die architektonische Bilanz fällt überraschend positiv aus.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/chemnitz-2025-wie-die-kulturhauptstadt-ihre-bausubstanz-neu-entdeckte/">Chemnitz 2025: Wie die Kulturhauptstadt ihre Bausubstanz neu entdeckte</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Maschinen schweigen, die Stadt erwacht</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein verglastes Sheddach lässt Licht auf gusseiserne Pfeiler fallen. Zwischen den historischen Stützen dominiert ein mächtiges Zahnrad den Raum, der noch nach frischer Farbe riecht. Die Hartmannfabrik, 1864 vom sogenannten Lokomotivenkönig Richard Hartmann erbaut, stand jahrzehntelang leer. Nun bildet sie das pulsierende Zentrum dessen, was Chemnitz im Jahr 2025 erreicht hat: eine Verbindung von industriellem Erbe und kultureller Erneuerung, die in ihrer Konsequenz ihresgleichen sucht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Kulturhauptstadtjahr ist offiziell beendet, doch die baulichen Spuren bleiben. 30 sogenannte Interventionsflächen verteilen sich über das gesamte Stadtgebiet. Sie reichen von Großvorhaben wie der Hartmannfabrik, der Stadtwirtschaft und dem Karl Schmidt Rottluff Haus bis zu kleineren Eingriffen in Stadtteilen wie dem Park Morgenleite oder dem neuen Wanderweg Lohse Uhlig Steig in Kleinolbersdorf Altenhain. Rund 30 Millionen Euro flossen in diese bauliche Transformation.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Aufbruch und Altlast</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektin Lotte Claudia Fischer vom Verein Baukultur für Chemnitz bringt das Anliegen auf den Punkt: Man wolle die Stadt beleben und gleichzeitig die verborgenen städtebaulichen Potenziale beleuchten. Genau diese Doppelstrategie prägt das Chemnitzer Modell. Es ging nie nur um spektakuläre Neubauten oder kostspielige Sanierungen, sondern um die Wiederentdeckung des Vorhandenen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Hartmannfabrik steht exemplarisch für diesen Ansatz. Nach langem Leerstand wurde das denkmalgeschützte Gebäude in einer Public Private Partnership von der Unternehmerfamilie Pfeifer saniert, ergänzt durch Mittel von Bund, Freistaat und Stadt. Investor Udo Pfeifer erinnert sich, wie er an der Brache vorbeikam und jedes Mal den Verfall bedauerte. Als die damalige Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig ihn fragte, ob er sich vorstellen könne, die Fabrik als Zentrale der Kulturhauptstadt herzurichten, las er zunächst das Bewerbungsbuch. Dann war er, wie er selbst sagt, schwer begeistert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sanierung erwies sich als komplexer als erwartet. Selbst der Fußboden, das einzige Element, das bereits einmal erneuert worden war, hielt der Prüfung nicht stand. Darunter zeigten sich Bauschutt, Löcher und Holzreste. Sogar das Fundament musste teilweise erneuert werden. Der Verwaltungsprozess dahinter war, so Pfeifer, echt gigantisch.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Unsichtbare sichtbar machen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Leitmotiv der Kulturhauptstadt lautete „C the Unseen&#8220; – sieh das Ungesehene. Für Architektinnen und Städteplaner bedeutete dies konkret: übersehene Plätze aktivieren, Brachen aufwerten, vergessene Räume neu interpretieren. Chemnitzer Landschaftsarchitektinnen entwickelten im Projekt Platzvisionen zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern Zukunftsszenarien für öffentliche Räume, die bisher im Schatten der Aufmerksamkeit lagen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Garagen Campus im industriell geprägten Stadtteil Kappel verkörpert diesen Geist besonders deutlich. Auf dem Areal des ältesten Betriebshofs der Chemnitzer Verkehrs AG entstand eine Ideenschmiede, die jeden aus der Nachbarschaft einlädt, sich einzubringen. Hier stellten Architektur und Gestaltungsbüros ihre Ideen zur Stadtgestaltung vor. Sogar der japanische Stararchitekt Kengo Kuma reiste aus Tokio an, um sich in die Debatte um naturnahes Bauen einzubringen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Last der Demografie</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei aller Festjahreseuphorie bleibt die Totale nicht aus den Augen zu verlieren, mahnt Irene Popp, Vorsitzende des einzigen Volksbühnenvereins in den ostdeutschen Bundesländern außerhalb Berlins. Chemnitz hat aktuell die älteste Bevölkerung aller deutschen Großstädte. Das Durchschnittsalter liegt seit rund 20 Jahren konstant zwischen 46 und 47 Jahren. Ende 2022 lebten etwa 69.200 Rentnerinnen und Rentner ab 65 Jahren in der Stadt, aber nur 39.400 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese demografische Schieflage prägt die städtebaulichen Herausforderungen nachhaltig. Die Prognosen für 2035 spannen einen Korridor zwischen 227.500 und 242.500 Einwohnerinnen und Einwohnern auf. Der große Spielraum von rund 15.000 Menschen zeigt die Dynamik und Unsicherheit der demografischen Entwicklung. Die Abwanderung richtet sich vorrangig in zwei Richtungen: zum einen nach Dresden und Leipzig, zum anderen in die Städte und Gemeinden des unmittelbaren Umlandes.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen DDR Moderne und Gründerzeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Chemnitz bietet einen architektonischen Culture Clash, der andernorts so nicht zu finden ist. Jugendstilbauten stehen neben Industriekathedrale und DDR Architektur, die postsozialistsche Moderne fügt sich in ein historisch gewachsenes Stadtbild. Das Marx Monument, 13 Meter hoch und mit überdimensioniertem Kopf, ragt als Relikt des städtischen Intermezzos als Karl Marx Stadt zwischen 1953 und 1990 in den Himmel. Dahinter erstreckt sich ein langer Büro Betonriegel an der breiten Brückenstraße.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ehemalige Kaufhaus Schocken, heute Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz, gilt als herausragendes Beispiel der Architektur der Moderne. Die Architektenkammer Sachsen hat in einem Arbeitskreis vier Projekte entwickelt, die bis 2025 und hoffentlich darüber hinaus ihre Wirkung im Chemnitzer Stadtraum entfalten. Das Ziel: Geschichte beleuchten, Erhaltenes sichtbar machen, experimentieren sowie Planungen und Visionen für die Gesellschaft erlebbar gestalten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage nach dem Danach</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die entscheidende Frage lautet nun: Was bleibt, wenn die Fördermittel versiegen? Die Kommune ist in ihren Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt und zum Sparen gezwungen wie viele andere auch. Vieles, aber nicht alles kann durch ehrenamtliches Engagement abgefangen werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für das Brückenjahr 2026 und den Legacy Rahmenplan ab 2027 hat die Stadt bereits Weichen gestellt. Eine Frei Otto Summerschool für nachhaltige Architektur ist geplant, ebenso ein Stadtentwicklungswettbewerb. Der Kunst und Skulpturenweg Purple Path verbindet Chemnitz dauerhaft mit 38 Kommunen der Region. Mit Arbeiten von über 60 renommierten internationalen, regionalen und lokalen Künstlerinnen und Künstlern ist eine einzigartige Ausstellung zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum entstanden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bewerbungsbuch für die Kulturhauptstadt formulierte es treffend: Ziel sei es, die entstandene Lücke zwischen physischer und sozialer Stadtentwicklung durch Kultur zu schließen. Chemnitz hat diesen Anspruch ernst genommen. Die baulichen Interventionen sind keine isolierten Projekte, sondern Teil eines übergeordneten Narrativs. Sie erzählen von einer Stadt, die sich ihrer industriellen Vergangenheit stellt und daraus Kraft für die Zukunft schöpft.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Eine kritische Würdigung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht alles gelang reibungslos. Akteurinnen und Akteure berichten von bürokratischen Ringkämpfen und mehrfachen Anläufen zur Teilhabe an Programmen, Veranstaltungsorten und Fördermitteln. Die Frage, ob die neu gewonnene Dynamik in den kommenden Jahren aufrechterhalten werden kann, bleibt offen. Doch der Grundstein ist gelegt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Chemnitz hat gezeigt, dass eine Stadt mit schwieriger Vorgeschichte, demografischen Herausforderungen und dem Stigma vergangener Ereignisse sich neu erfinden kann. Die Architektur spielte dabei eine zentrale Rolle. Nicht als Selbstzweck, sondern als Medium der Transformation. Die 1.300 freiwilligen Helferinnen und Helfer, die in 10.000 Einsätzen rund 45.000 ehrenamtliche Stunden leisteten, trugen ebenso dazu bei wie die professionellen Planerinnen und Planer.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Ende steht eine simple Erkenntnis, die ein Besucher am Weihnachtsmarkt Glühweintisch formulierte: Da haben wir gezeigt: Wir können es auch. Diese Selbstvergewisserung einer ganzen Stadt ist vielleicht das wertvollste Erbe des Kulturhauptstadtjahres.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/chemnitz-2025-wie-die-kulturhauptstadt-ihre-bausubstanz-neu-entdeckte/">Chemnitz 2025: Wie die Kulturhauptstadt ihre Bausubstanz neu entdeckte</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Chemnitz zeigt, wie Kommunen Leerstand bekämpfen</title>
		<link>https://baukunst.art/chemnitz-zeigt-wie-kommunen-leerstand-bekaempfen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Nov 2025 16:37:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Chemnitz Kulturhauptstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Helmut Jahn]]></category>
		<category><![CDATA[Kaufhausumnutzung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Helmut Jahns gläsernes Meisterwerk in Chemnitz erhält eine zweite Chance: Wo einst Konsumgüter lockten, ziehen bald Jugendamt und Standesamt ein.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom Konsumtempel zum Bürgeramt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 31. August 2024 schloss die Galeria Kaufhof in Chemnitz nach 23 Jahren ihre Pforten. Die Nachricht kam nicht überraschend: Drei Insolvenzverfahren in wenigen Jahren hatten dem Konzern zugesetzt, 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verloren ihre Arbeitsplätze. Was blieb, war ein architektonisches Ausrufezeichen inmitten der sächsischen Innenstadt, das plötzlich ohne Funktion dastand.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das fünfgeschossige Gebäude mit seiner vollständig verglasten Fassade stammt vom deutsch-amerikanischen Architekten Helmut Jahn. Als es 2001 eröffnete, galt es als das modernste Kaufhaus Europas, manche sprachen vom weltweit ersten Warenhaus mit komplett gläserner Hülle. Die Baukosten beliefen sich auf rund 120 Millionen D-Mark. Jahn, der 2021 bei einem Fahrradunfall in Illinois ums Leben kam, hatte mit diesem Entwurf eine offene Wunde der Chemnitzer Innenstadt geschlossen: Der Zweite Weltkrieg und großflächige Abrisse hatten hier eine massive Baulücke hinterlassen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Stadtpavillon wird Behördensitz</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 29. Januar 2025 beschloss der Chemnitzer Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung einen bemerkenswerten Grundsatzbeschluss: Die Stadt wird mit der Krieger-Gruppe einen Mietvertrag über 15 Jahre abschließen, mit Option auf fünf weitere Jahre. In die oberen Etagen des ehemaligen Kaufhauses sollen das Jugendamt, das Sozialamt und das Standesamt einziehen, die bisher in den Verwaltungsstandorten Moritzhof und Alte Post untergebracht waren. Deren Mietverträge laufen 2028 aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Krieger-Gruppe, bekannt durch Möbelhäuser wie Höffner und als Betreiberin des Chemnitz Centers, hatte das Gebäude Ende 2022 von der DIC Asset AG erworben. Die Gesamtinvestition für Ankauf und Umbau beziffert Andreas Uhlig von der Krieger-Gruppe auf rund 90 Millionen Euro. Allein die Umbaukosten für die zweite bis vierte Etage werden mit etwa 40 Millionen Euro veranschlagt. Die Architekturvisualisierungen stammen vom Büro Beier Virtual Architecture aus Braunschweig, das sich auf die Darstellung von Großprojekten spezialisiert hat.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Multifunktional statt monothematisch</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Konzept folgt einem Trend, der sich in deutschen Innenstädten ausbreitet: Die strikte Trennung von Handel, Verwaltung und Gastronomie weicht einer Mischnutzung. Im Chemnitzer Kaufhof sollen die unteren beiden Etagen weiterhin Einzelhandel und Gastronomie beherbergen. Die Sächsische Großbäckerei Emil Reimann und das italienische Eiscafé Ferioli haben bereits im Erdgeschoss eröffnet. Darüber entstehen in den Etagen zwei bis vier moderne Büroflächen, wo offene Raumstrukturen und Grünpflanzen eine zeitgemäße Arbeitsatmosphäre schaffen sollen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der neue Eingang für die Verwaltungsetagen wird sich künftig in der Seitenstraße Am Rathaus befinden, was die direkte Nachbarschaft zum historischen Rathaus unterstreicht. Die Zentralhaltestelle in unmittelbarer Nähe gewährleistet eine gute ÖPNV-Anbindung für Bürgerinnen und Bürger sowie Mitarbeitende gleichermaßen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Stimmen und knappe Kassen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung fiel in einer Zeit knapper kommunaler Kassen und ist nicht unumstritten. Thiemo Kirmse, Geschäftsführer der BSW-Fraktion im Chemnitzer Stadtrat, kritisierte den Grundsatzbeschluss scharf: Die Mietzahlungen würden sich auf einen mehrstelligen Millionenbetrag bis ins Jahr 2048 summieren. Mit diesen Mitteln, so Kirmse, ließe sich die Schulsozialarbeit in den Berufsschulzentren sichern, das Umweltzentrum finanzieren oder die Sauna im Stadtbad jahrzehntelang weiterbetreiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Stadtverwaltung argumentiert dagegen mit strategischen Überlegungen. Das Gebäude habe aufgrund seiner Komplexität und Größe erheblichen Einfluss auf das Stadtbild. Ein Leerstand an dieser exponierten Stelle hätte fatale Signalwirkung für andere Mieterinnen und Mieter sowie Geschäftsleute der Innenstadt. Der neue Standort in direkter Nähe zum Rathaus verbessere zudem die Vernetzung innerhalb der Verwaltung und verkürze Wege zwischen den Fachämtern.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kulturhauptstadt als Katalysator</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Timing ist kein Zufall. Chemnitz trägt 2025 den Titel Kulturhauptstadt Europas und richtet unter dem Motto C the Unseen den Blick auf verborgene Potenziale. Die Umnutzung des Jahn-Baus fügt sich in diese Erzählung: Wo der großflächige Einzelhandel keine Zukunft mehr hat, entstehen neue Formen urbaner Nutzung. Die Bauarbeiten werden bewusst behutsam durchgeführt, um die Kulturhauptstadt-Aktivitäten nicht zu beeinträchtigen. Die Hauptbauphase ist für 2026 geplant, Ende des Jahres soll das Projekt abgeschlossen sein.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Modell für andere Städte?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Chemnitzer Ansatz reiht sich ein in eine wachsende Zahl von Kaufhauskonversionen. In Hamburg-Wandsbek entsteht aus dem ehemaligen Karstadt-Gebäude ein neuer Sitz des Bezirksamtes. In Neumünster zieht die Sparkasse Südholstein in eine ehemalige Karstadt-Immobilie, ergänzt durch eine Stadtbibliothek. In Siegen wurde ein Karstadt-Gebäude mit einem universitären Hörsaalzentrum kombiniert. Die Muster ähneln sich: Wo monofunktionale Handelsimmobilien scheitern, entstehen hybride Nutzungen mit öffentlichem Charakter.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für das Chemnitzer Gebäude bedeutet die Umnutzung eine Rettung der architektonischen Substanz. Helmut Jahns Entwurf hatte mit seiner gläsernen Hülle einen bewussten Gegensatz zur geschlossenen Warenhausarchitektur des 20. Jahrhunderts geschaffen. Die Transparenz, die ursprünglich Einblicke in die Konsumwelt gewähren sollte, wird nun Verwaltungshandeln sichtbar machen. Ob das der ursprünglichen Intention des Architekten entspricht, lässt sich nicht mehr fragen. Dass sein Gebäude aber überhaupt eine Zukunft hat, wäre im Kontext des deutschen Kaufhaussterbens keineswegs selbstverständlich gewesen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisches Erbe bewahren</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Chemnitzer Lösung zeigt, dass Umnutzung mehr sein kann als ein Notbehelf. Sie kann Architekturgeschichte bewahren und gleichzeitig neue städtische Funktionen erfüllen. Das Kaufhaus als Typus mag dem Untergang geweiht sein, die Gebäude müssen es nicht. Wenn aus dem Konsumtempel ein Ort bürgernaher Dienstleistungen wird, mag das ironisch erscheinen. Es ist aber auch ein pragmatischer Umgang mit dem baulichen Erbe einer Epoche, die unwiderruflich zu Ende geht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/chemnitz-zeigt-wie-kommunen-leerstand-bekaempfen/">Chemnitz zeigt, wie Kommunen Leerstand bekämpfen</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Der Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2025 zeigt, was regionales Bauen heute bedeutet</title>
		<link>https://baukunst.art/der-architekturpreis-des-landes-sachsen-anhalt-2025-zeigt-was-regionales-bauen-heute-bedeutet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Nov 2025 16:23:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturpreis]]></category>
		<category><![CDATA[Bestandsarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Sachsen-Anhalt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14399</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Architekturpreis Sachsen-Anhalt 2025 feiert in der sanierten Hyparschale jene Bestandsarchitektur, die das Land angesichts des demografischen Wandels dringend braucht.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-architekturpreis-des-landes-sachsen-anhalt-2025-zeigt-was-regionales-bauen-heute-bedeutet/">Der Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2025 zeigt, was regionales Bauen heute bedeutet</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Baukultur zwischen Bestand und Aufbruch</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 26. November 2025 versammelt sich die architektonische Fachwelt in der Hyparschale Magdeburg zur Preisverleihung des elften Architekturpreises des Landes Sachsen-Anhalt. Der Veranstaltungsort ist dabei mehr als eine symbolische Kulisse: Die 1969 von Ulrich Müther errichtete Schalenkonstruktion, nach über zwei Jahrzehnten Leerstand erst im Juni 2024 wiedereröffnet, verkörpert jene Transformation des Bestands, die auch das diesjährige Wettbewerbsfeld prägt. Von 38 Einreichungen aus 22 Orten zwischen Altmark und Burgenlandkreis wählte die Jury unter Vorsitz von Prof. Carsten Wiewiorra elf Projekte in die engere Wahl.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">
Bestand als Strategie</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Auswahl der Jury verdeutlicht einen bemerkenswerten Trend: Baukultur in Sachsen-Anhalt zeigt sich stark im Bestand verankert. Zahlreiche Projekte widmen sich der Transformation historischer Gebäude, darunter Industriebauten, Kirchen und Fachwerkhäuser. Diese Orientierung am Bestand entspricht nicht nur den ökologischen Erfordernissen der Gegenwart, sondern reagiert auch auf die spezifischen demografischen Herausforderungen des Landes.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sachsen-Anhalt hat seit 1990 etwa 22 Prozent seiner Bevölkerung verloren. Die Bevölkerungszahl sank von 2,9 auf derzeit rund 2,2 Millionen Menschen. Prognosen gehen davon aus, dass im Jahr 2030 weniger als zwei Millionen Einwohnerinnen und Einwohner im Land leben werden. Diese demografische Entwicklung schlägt sich unmittelbar in der Bauaufgabe nieder: Nicht der Neubau auf der grünen Wiese, sondern die intelligente Weiternutzung bestehender Strukturen prägt die architektonische Realität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vielfalt der Bauaufgaben</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Wettbewerbsfeld spiegelt die gesamte Bandbreite architektonischer Aufgaben wider: von Kultur- und Bildungsbauten über neue, sanierte oder erweiterte Wohnhäuser bis hin zu Freianlagen. Ergänzt wird das Spektrum durch Freiraum- und Landschaftsarchitektur, die städtische Räume öffnet und Lebensqualität schafft. Diese Diversität zeigt, dass baukulturelle Qualität nicht an bestimmte Bauaufgaben gebunden ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert erscheint dabei die geografische Streuung der Einreichungen. Dass Projekte aus 22 verschiedenen Orten eingereicht wurden, belegt eine lebendige Baukultur auch abseits der Oberzentren Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau. Gerade in den ländlich geprägten Regionen des Landes entstehen offenbar Projekte, die den Anforderungen an gestalterische Innovation und nachhaltige Beiträge zur Landesentwicklung genügen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Jury und Verfahren</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Jury tagte am 13. Oktober 2025 im Forum Gestaltung in Magdeburg. Unter dem Vorsitz von Prof. Carsten Wiewiorra, Architekt und Innenarchitekt aus Berlin, bestimmte das Gremium aus den elf Projekten der engeren Wahl den Preisträger sowie fünf Auszeichnungen. Wer den Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2025 gewonnen hat, bleibt bis zur feierlichen Bekanntgabe am 26. November allerdings geheim.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Ministerium für Infrastruktur und Digitales unter der Schirmherrschaft von Ministerin Dr. Lydia Hüskens und die Architektenkammer Sachsen-Anhalt hatten den Preis am 10. Juli 2025 gemeinsam ausgelobt. Insgesamt stehen 15.000 Euro Preisgeld zur Verfügung. Eine Besonderheit des Verfahrens: Auch die Öffentlichkeit konnte sich beteiligen. Bürgerinnen und Bürger waren bis zum 14. November 2025 aufgerufen, aus der engeren Wahl ihren Favoriten für den Publikumspreis zu bestimmen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hyparschale als Bühne und Botschaft</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wahl der Hyparschale als Veranstaltungsort für die Preisverleihung erscheint programmatisch. Die von Ulrich Müther konstruierte Betonschale gehört zu den rund 50 noch erhaltenen Schalenbauten des Bauingenieurs, der die Architekturmoderne in der DDR maßgeblich prägte. Das Dach aus vier hyperbolischen Paraboloiden überspannt stützenfrei eine Fläche von 48 mal 48 Metern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach fast 20 Jahren Leerstand und fortschreitendem Verfall entschloss sich die Landeshauptstadt Magdeburg 2017 zur Sanierung. Das Architekturbüro von Gerkan, Marg und Partner (gmp) entwickelte ein Konzept, das den Erhalt der räumlichen Wirkung des Schalendachs mit einer zeitgemäßen Nutzung verbindet. Mit Hilfe von Carbonbeton-Technologie wurde die Tragfähigkeit des nur sieben Zentimeter dünnen Daches nicht nur wiederhergestellt, sondern sogar erhöht. Die Gesamtkosten der Sanierung beliefen sich auf rund 17 Millionen Euro, davon fünf Millionen aus dem Bundesprogramm Nationale Projekte des Städtebaus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Bestandsaufnahme</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit 1995 werden der Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt alle drei Jahre vergeben, stets im Zusammenwirken von Landesministerium und Architektenkammer. Die Auszeichnungen würdigen hervorragende Architektur- und Landschaftsarchitekturleistungen ebenso wie das besondere Engagement der Bauherrinnen und Bauherren. Diese doppelte Würdigung erscheint wesentlich: Qualitätsvolle Architektur entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern bedarf engagierter Auftraggeberinnen und Auftraggeber.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob der Preis allerdings die baukulturellen Herausforderungen Sachsen-Anhalts angemessen adressiert, darf hinterfragt werden. Der Fokus auf Einzelprojekte, so gelungen sie im Einzelfall sein mögen, verstellt bisweilen den Blick auf strukturelle Probleme: den Fachkräftemangel im Planungsbereich, die schwierigen Rahmenbedingungen für Planerinnen und Planer in ländlichen Regionen, die angespannte Lage vieler Kommunen als öffentliche Auftraggeber. Architekturpreise können Leuchttürme setzen. Die Mühen der Ebene bewältigen sie nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick auf die Preisverleihung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Preisverleihung am 26. November 2025 in der Hyparschale wird zeigen, welche Projekte die Jury überzeugen konnten. Alle eingereichten Arbeiten werden in einer Dokumentation veröffentlicht und anschließend in einer Wanderausstellung präsentiert. So entsteht ein aktuelles Bild davon, wie Architektur und Stadtplanung das Land Sachsen-Anhalt prägen und weiterentwickeln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landesinitiative Architektur und Baukultur in Sachsen-Anhalt, in deren Rahmen das Verfahren gefördert wird, verfolgt das Ziel, baukulturelle Qualität dauerhaft zu etablieren. Dass der elfte Architekturpreis in einem Gebäude verliehen wird, das selbst zum Symbol für die Rettung gefährdeter Nachkriegsmoderne geworden ist, verleiht diesem Anspruch Glaubwürdigkeit. Denn Baukultur zeigt sich nicht nur im Entwerfen, sondern auch im Bewahren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-architekturpreis-des-landes-sachsen-anhalt-2025-zeigt-was-regionales-bauen-heute-bedeutet/">Der Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2025 zeigt, was regionales Bauen heute bedeutet</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Warum Thüringen zeigt, wie Föderalismus Kindern schadet</title>
		<link>https://baukunst.art/warum-thueringen-zeigt-wie-foederalismus-kindern-schadet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 14:03:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Infrastrukturinvestitionen]]></category>
		<category><![CDATA[Schulbauten]]></category>
		<category><![CDATA[Thüringen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13701</guid>

					<description><![CDATA[<p>Thüringens Schulen verfallen – und die Politik verspricht Abhilfe mit einer Milliarde Euro. Doch der Streit über den richtigen Weg offenbart tiefere Fragen über regionale Infrastrukturpolitik.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/warum-thueringen-zeigt-wie-foederalismus-kindern-schadet/">Warum Thüringen zeigt, wie Föderalismus Kindern schadet</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">THÜRINGER INFRASTRUKTUR-DILEMMA</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zwischen Ambition und Machbarkeit</strong></em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Millionenprogramm offenbart die Grenzen regionaler Gestaltungskraft</strong></em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Thüringens Kommunen ersticken in ihren eigenen Sanierungsrückständen. Mit einer Milliarde Euro verspricht die Landesregierung Abhilfe – doch während die einen von historischer Investitionschance sprechen, warnen die anderen vor versteckten Schuldenfallen. Ein Blick auf die Realität zwischen politischem Anspruch und architektonischer Verantwortung.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">MAGNITUDE DES PROBLEMS</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Sanierungsstau ist keine akademische Debatte in Thüringen – es ist eine Krise mit Klassenraum-Ausmaßen. Nach der jüngsten Bestandsaufnahme des Landesrechnungshofs haben sich die notwendigen Sanierungsinvestitionen auf 3,3 Milliarden Euro aufgetürmt. Das ist nicht die übliche politische Übertreibung, sondern das Ergebnis einer systematischen Analyse von 28 Schulgebäuden und Sporthallen landesweit. Die Bilanz fällt verheerend aus: Etwa die Hälfte der besichtigten Schulen erfüllt nicht einmal die elementaren Anforderungen für zeitgemäße Lernumgebungen. Barrierefreiheit? Für viele ein unerfüllter Traum. Digitale Infrastruktur? Oft nicht vorgesehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Traurige daran ist nicht nur die materielle Vernachlässigung, sondern was sie symbolisiert. Wenn Schülerinnen und Schüler in Gebäuden lernen, die ihre Möglichkeiten obsolet machen, bevor sie überhaupt entstehen können, dann verfallen nicht nur Schulbauten – es verfallen Zukunftschancen. Regional ist dies ein Phänomen mit überregionalen Implikationen: Während wohlhabendere Bundesländer längst modernisiert haben, spielen Thüringens Kommunen noch Rückwärtsrolle.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">MILLIARDENSVERSPRECHEN MIT KLEINEM DRUCK DAHINTER</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Finanzministerin Katja Wolf von der BSW hat mit ihrem neu aufgelegten Kommunalen Investitionsprogramm ein ambitioniertes Ziel ausgerufen. Eine Milliarde Euro für die kommenden vier Jahre – 250 Millionen jährlich – soll den Kommunen zu einem neuen Investments-Schub verhelfen. Das Programm ist tatsächlich das größte seiner Art seit 1990. Klingt nach echtem Aufbruch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nur: Der Mechanismus ist trickreicher als die Schlagzeilen vermuten lassen. Die Gelder fließen nicht als klassische Zuweisungen, sondern als Kredite über die Thüringer Aufbaubank. Das bedeutet in der Praxis: Das Land übernimmt Zins und Tilgung. Für Kommunen mit stabilen Haushalten eine interessante Lösung, für andere ein Gewinn. Kommunalminister Georg Maier (SPD) betont daher zu Recht, dass Investitionen mehr als Bauprojekte sind: „Gute Demokratie zeigt sich nicht nur in Gesetzen, sondern auch im Alltag.&#8220; Das ist der richtige Gedanke – wenn die Umsetzung folgt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Problem bleibt dennoch: Die Minderheitsregierung aus Brombeerkoa­lition braucht für das Programm die Zustimmung der Opposition. Sowohl AfD als auch Die Linken haben bereits Bedenken angemeldet.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">DAS OPPOSITION-PARADOXON</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritik ist legitim, und in diesem Fall auch nachvollziehbar. Sascha Bilay, kommunalpolitischer Sprecher der Thüringer Linken, rechnet vor: Bei Rückzahlungen ab 2030 inklusive Zinsen könnte aus der einen Milliarde leicht anderthalb Milliarden werden. Das sind keine abstrakten Zahlen – das sind Fesseln an zukünftige Haushalte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Alternative, die Bilay vorschlägt, hat Charme: Würden Bundesmittel direkt an die Kommunen fließen – etwa 100 Millionen Euro jährlich über zwölf Jahre – ergäbe das insgesamt 1,2 Milliarden Euro. Vor allem aber: Die Kommunen hätten die dreifache Zeit, ihre Planungen zu bewerkstelligen. Das ist nicht kleinlich gemäkelt, das ist strategisches Denken. Denn jeder erfahrene Architekt weiß, dass gute Sanierungen nicht in vier Jahren geplant und gebaut werden – sie entstehen in iterativen Prozessen mit viel Bedacht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier offenbaren sich die regionalen Besonderheiten Thüringens in voller Schärfe. Ein strukturell schwaches Bundesland mit knappen Mitteln muss zwischen zwei strategischen Logiken wählen: schnelle Sichtbarkeit politischer Erfolge oder nachhaltige, durchdachte Infrastrukturpolitik. Nicht selten sind das antagonistische Ziele.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">REGIONALE REALITÄTEN</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Planungsausschreibungen im Thüringer Schulbau haben in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen – ein positives Signal. Es bedeutet, dass Kommunen überhaupt wieder zu investieren wagen. Doch vor dem Hintergrund sinkender Schülerzahlen stellt sich eine unbequeme Frage, die der Rechnungshof zu Recht aufwirft: Welche Gebäude braucht man überhaupt noch?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine stadtentwicklerische und architektonische Frage. In vielen Thüringer Regionen verzeichnet man Bevölkerungsrückgänge – besonders im ländlichen Raum. Gigantische Schulneubauten wären ökologisch, ökonomisch und sozial unverantwortlich. Stattdessen bedarf es intelligenter Nachnutzungskonzepte, der Umwandlung und behutsamen Ergänzung bestehender Strukturen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wolf hat angekündigt, die Kommunalordnung zu ändern – unter anderem, um auch Städten und Gemeinden in Haushaltssicherung Zugang zu Krediten zu geben. Das ist eine gute Botschaft für strukturschwache Regionen. Doch die Details fehlen, und bei Kommunalfinanzen sind die Details alles.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">ZWISCHEN KRISE UND CHANCE</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was Thüringen derzeit durchlebt, ist nicht spezifisch für dieses Bundesland – es ist ein bundesweites Phänomen, das sich regional unterschiedlich manifestiert. Der Westen Deutschlands vergab in den Jahrzehnten nach der Wiedervereinigung massiv in Schulbauten. Der Nordosten, Thüringen miteingeschlossen, musste strukturelle Transformation bewältigen und investierte oft defensiv. Jetzt schlägt die Stunde der Rechnungen – im wahrsten Sinne des Wortes.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten eröffnet sich dadurch ein Handlungsfeld großen Ausmaßes. Nicht Luxussanierungen stehen an, sondern intelligente, pragmatische Lösungen. Das ist demütigend für den ästhetischen Anspruch, aber es ist auch befreiend: Gute Architektur ist nicht teuer – sie ist klug.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">AUSBLICK</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die Opposition dem Programm zustimmt. Denn trotz aller politischen Gegensätze: Niemand profitiert davon, dass Schülerinnen und Schüler in Ruinen lernen. Die eigentliche Debatte ist eine zwischen zwei legitimen Logiken – Geschwindigkeit versus Bedachtheit. Ideal wäre ein Mittelweg: schnell genug, um Sichtbarkeit zu schaffen, bedacht genug, um nachhaltige Strukturen aufzubauen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Milliardenversprechen Thüringens ist daher weder die Rettung noch die Katastrophe – es ist, was regionale Infrastrukturpolitik immer ist: ein Versuch, unter Druck das Richtige zu tun. Ob das gelingt, werden nicht die Zahlen entscheiden, sondern die Projekte, die daraus entstehen.</p>
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		<title>Deutscher Beton und baltische Brise</title>
		<link>https://baukunst.art/deutscher-beton-und-baltische-brise/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 13:48:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Regionalentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Sanierungskultur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13696</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wie man Mittelalter, DDR und Moderne unter einem Dach versöhnt: Das Stralsunder Meeresmuseum zeigt, dass Sanierung keine Gestaltungsbremse sein muss – sondern eine Chance.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektonische Bestandssensibilität am Beispiel des Stralsunder Meeresmuseums</h2>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Respekt vor der Schichtenvielfalt</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer Stralsund bereist, kommt um das Katharinenkloster nicht herum. Seine gotische Basilika mit den charakteristischen Spitzbogenfenstern prägt seit 1280 das Bild der Hansestadt. Seit 1951 beherbergt sie das Deutsche Meeresmuseum, eine Institution, die längst über ihre Grenzen hinaus strahlt – nicht zuletzt wegen ihrer besonderen Lage mitten im UNESCO-Welterbe. Doch was macht diesen Ort wirklich besonders, ist nicht allein die Historie, sondern die Art, wie Epochen hier schichtweise zusammengefügt wurden. Der Umbau durch Reichel Schlaier Architekten aus Stuttgart offenbart es: Architektur ist manchmal weniger Hinzufügung als vielmehr kluges Lesen dessen, was bereits vorhanden ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mecklenburg-Vorpommern hat sich in den letzten drei Jahrzehnten als Kulturstandort an der Ostsee neu erfunden. Das Meeresmuseum steht exemplarisch für diese Strategie – eine Institution, die Wissenschaft, Tourismus und regionale Identität miteinander verwebt. Mit vier Standorten bespielt das Museum heute die Altstadt; das Stammhaus im Katharinenkloster bleibt allerdings das Herzstück. Hier manifestiert sich buchstäblich, was regionale Bautradition bedeutet: eine Schichttorte aus Mittelalter, 19. Jahrhundert, DDR-Pragmatismus und Nachwendeoptimismus.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Mero-Fachwerk als Zeugnis der Modernitätsfieber</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der entscheidende Moment kam 1972–1974. Damals führten Planerinnen und Planer der älteren Generation die industrielle Moderne ins gotische Kirchenschiff ein. Sie wählten das Mero-Raumfachwerk-System – eine westdeutsche Stahlkonstruktion, die in ihrer Zeit als innovativ, sogar revolutionär galt. Zwei neue Ebenen entstanden, um dem Museum seinen neuen Zweck zu geben. Was damals als mutige Geste galt, sah später aus wie eine gewisse Beengtheit. Dennoch: Das Ensemble stand zurecht unter Denkmalschutz, denn es verkörperte etwas Authentisches – den Mut der Nachkriegsmoderne, sich des Alten anzunehmen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Reichel und Schlaier hatten hier bereits Erfahrung. Beide hatten beim Büro Behnisch den Bau des Ozeaneums (2002–2008) verantwortet – eine glänzend inszenierte, zeitgenössische Attraktion direkt am Hafen. Dass sie nun für das Stammhaus den Zuschlag erhielten, war für sie eine Überraschung und eine Heimkehr zugleich. Die Aufgabe lautete unscheinbar: Bestand ertüchtigen, Barrierefreiheit verbessern, ein großes Aquarium errichten. Doch wer zwischen Gotik, Industriebau und denkmalpflegerischen Restriktionen navigieren muss, weiß: Subtilität ist gefragt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Forum als Katalysator</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architekten setzten an einer Stelle an, die von Anfang an Probleme bereitete: dem Eingangsbereich. Eine alte Turnhalle aus dem 19. Jahrhundert wurde zur Keimzelle einer großzügigen Eingangshalle umgestaltet – ein Forum im klassischen Sinne, das Kasse, Garderobe und Orientierung bietet. Der Trick liegt in der Zurückhaltung: Weiß lackierte Stahlkonstruktion vor Backsteinfassade, oben durchbrochene Oberlichter, die den Blick zum Hauptportal der Kirche freigeben. Das ist keine bombastische Geste, sondern Gebrauchsarchitektur mit Feingefühl.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders bemerkenswert ist die Behandlung des kleinen Westhofs, jenes verschlossenen Hofraums, der für Außenstehende lange unsichtbar war. Durch die Überbauung wird er zum zentralen Erschließungsraum. Der neue Bodenebelag – alte Granitplatten, die das Museum jahrzehntelang hortet – schafft eine sanfte Vermittlung zwischen den unterschiedlichen Höhenniveaus. Das ist praktische Barrierefreiheit ohne Rampenideologie: pragmatisch, elegant, nachhaltig im besten Sinne.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Kirchenschiff: Zurückbau als Akt der Klarheit</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Kirchenschiff selbst offenbaren sich Reichels und Schlaiers Design-Prinzipien besonders deutlich. Der alte Bodenbelag bleibt. Das Mero-Fachwerk wurde gereinigt, einige Abschnitte der obersten Ebene aber gezielt zurückgebaut – ein seltenes architektonisches Verfahren, das Mut erfordert. Der Raum atmet nun wieder, die gotischen Proportionen werden erlebbar. Neue Brüstungen aus dunklen U-Profilen und Klarglas ersetzen die alten Drahtglaskonstruktionen – nicht nur sicherer, sondern auch transparenter. Es ist die unaufgeregte Materialisierung der späten Moderne, eine respektvolle Hommage an jene 1970er-Jahre-Planerinnen und -Planer, deren Mut damals genauso notwendig war wie die Korrekturen heute.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Detail verdient besondere Aufmerksamkeit: der Chor-Boden. Er lag zwei Stufen über dem Hauptschiff – eine historische Anomalie, die die Architekten zurückbauten. Unter dem Bodenbelag kamen Fundamente zum Vorschein, die vor 1282 entstanden – möglicherweise das älteste bauliche Zeugnis Stralsunds. Hier offenbart sich, was verantwortungsvolle Sanierung bedeutet: nicht konservierend erstarren, sondern die Archäologie der Zeit offenlegen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Große Aquarium: Spektakel im Untergrund</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neueste Attraktion braucht keine architektonische Inszenierung. Das Große Aquarium mit seinen karibischen Fischen hinter einer 50 Zentimeter dicken Acrylglasscheibe ist Spektakel genug. Die Architekten verstanden, dass hier der Inhalt die Form prägt – und ordneten sich dem unter. Dennoch: Die neue Acryl-Schale sitzt in einem Gebäude, das außen mit handwerklich gefertigten Kupferblechen verkleidet ist. Die Neubauteile sind damit klar lesbar, suchen aber über Material und Farbigkeit den Anschluss an die hanseatische Bautradition.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In den historischen Kellergewölben überrascht ein besonderes Relikt: Leni Schamals Keramiktafel „Schau in die Welt&#8220; aus dem Jahr 1984. Sie zeigt Gesichter, die über eine Mauer lugen – ein unmissverständliches DDR-Artefakt. Die Architekten ließen dieses Zeugnis stehen, erinnern sich damit an die eigene, hundert Jahre umfassende Geschichte des Hauses. Das ist kritisches Erinnern ohne Nostalgie.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Bedeutung und Lehre</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was Stralsund und sein Meeresmuseum für andere Regionen bedeutsam macht, liegt im Umgang mit Widersprüchen. Mecklenburg-Vorpommern kämpft mit Herausforderungen, die viele ländliche Bundesländer teilen: Bevölkerungsrückgang, Fachkräftemangel, die Spannung zwischen Tourismusentwicklung und Bewahrung. Der alte Hansestadt-Gürtel, das Welterbe, die starke kulturelle Infrastruktur – das sind Ressourcen, die nur dann nachhaltig wirken, wenn Baukultur ernst genommen wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Direktor Andreas Tanschus, gebürtiger Stralsunder und seit 1991 am Museum in verschiedenen Positionen tätig, spielte eine maßgebliche Rolle. Ohne solche kontinuierlich engagierten Akteure vor Ort funktioniert Architekturqualität nicht. Die 51 Millionen Euro Baukosten sind im regionalen Kontext erheblich. Dass trotz begrenzterer Mittel als in Metropolregionen ein qualitatives Projekt entstand, verdankt sich einer unaufgeregten Kooperationsbereitschaft zwischen Bauherrschaft, Denkmalamt, Architekten und Handwerk.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Reichel und Schlaier haben ein Projekt vollendet, das Wille und Augenmaß widerspiegelt – und das deshalb in einer Zeit der Kosmetik-Sanierungen so erfrischend wirkt. Sie zeigen: Mut zur Kritik am Bestand, zur Reduktion, zum Zurückbau kann Hand in Hand gehen mit Respekt vor der Geschichte. Das Meeresmuseum ist kein Denkmal-Kult-Projekt, sondern ein lebender Organismus, der sich selbst neu erzählt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Planerinnen und Planer bundesweit, insbesondere in strukturschwachen Regionen, könnte die Stralsunder Lektüre wertvoll sein. Nicht alles muss neu sein. Manchmal ist das Wichtigste, die richtigen Fragen zu stellen – und den Mut zu haben, Antworten zu akzeptieren, die unspektakulär wirken.</p>
<h2 class="text-xl font-bold text-text-100 mt-1 -mb-0.5">PRAKTISCHE INFORMATIONEN</h2>
<h3 class="text-lg font-bold text-text-100 mt-1 -mb-1.5">Adresse und Kontakt</h3>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Deutsches Meeresmuseum – Meeresmuseum (Stammhaus)</strong> Katharinenberg 14–20 18439 Stralsund, Deutschland</p>
<p class="whitespace-normal break-words">Telefon: +49 (0)3831 2650-610 Fax: +49 (0)3831 2650-609 Website: <a class="underline" href="http://www.deutsches-meeresmuseum.de/" target="_blank" rel="noopener">www.deutsches-meeresmuseum.de</a></p>
<h3 class="text-lg font-bold text-text-100 mt-1 -mb-1.5">Öffnungszeiten</h3>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Ganzjährig:</strong></p>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-2.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words">September bis Juni: täglich 9:30–17:00 Uhr</li>
<li class="whitespace-normal break-words">Juli bis August: täglich 9:30–19:00 Uhr</li>
<li class="whitespace-normal break-words">
<ol class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-decimal space-y-2.5 pl-7" start="24">
<li class="whitespace-normal break-words">Dezember: geschlossen</li>
</ol>
</li>
<li class="whitespace-normal break-words">
<ol class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-decimal space-y-2.5 pl-7" start="31">
<li class="whitespace-normal break-words">Dezember: 9:30–15:00 Uhr</li>
</ol>
</li>
<li class="whitespace-normal break-words">Kassenschluss: 60 Minuten vor Schließung</li>
</ul>
<h3 class="text-lg font-bold text-text-100 mt-1 -mb-1.5">Weitere Standorte der Stiftung Deutsches Meeresmuseum</h3>
<p class="whitespace-normal break-words">Das Museum betreibt zusätzliche Standorte in der Region:</p>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-2.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>OZEANEUM</strong> (Hafeninsel): Hafenstraße 11–13</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>NATUREUM Darßer Ort</strong> (Nationalpark): Am Darßer Ort 1</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>NAUTINEUM</strong> (Sammlungsstandort, Dänholm): Für Forschung und Archivbestände</li>
</ul>
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]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Zerrissene Moderne(n): Wenn Bauhaus-Städte ihre Wunden zeigen</title>
		<link>https://baukunst.art/zerrissene-modernen-wenn-bauhaus-staedte-ihre-wunden-zeigen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Sep 2025 10:59:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bauhaus-Erbe]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne-Festival]]></category>
		<category><![CDATA[regionale Baukultur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13539</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Triennale der Moderne 2025 wagt einen schonungslosen Blick auf das Bauhaus-Erbe in Weimar, Dessau und Berlin. „Zerrissene Moderne(n)" – ein Motto, das Wunden offenlegt statt sie zu kaschieren.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 class="text-xl font-bold text-text-100 mt-1 -mb-0.5">Zwischen Erbe und Gegenwart: Ein Festival sucht Antworten</h2>
<p class="whitespace-normal break-words">Die Triennale der Moderne 2025 hätte kaum einen treffenderen Titel wählen können. „Zerrissene Moderne(n)&#8220; – das klingt nach Bruch, nach unvollendeten Projekten, nach dem ewigen Kampf zwischen Vision und Realität. Vom 25. September bis 14. Dezember 2025 wagen Weimar, Dessau und Berlin einen schonungslosen Blick auf ihr modernes Erbe. Es ist eine Bestandsaufnahme, die längst überfällig war.</p>
<p class="whitespace-normal break-words">Der Auftakt in der Landesvertretung Sachsen-Anhalts beim Bund gerät dabei zur programmatischen Standortbestimmung. Wenn Posaunenquartette Kurt Weills Dreigroschenoper intonieren, während Soziologinnen und Soziologen über die Moderne als unvollendetes Projekt philosophieren, manifestiert sich die grundlegende Ambivalenz: Hier trifft das kulturelle Erbe auf politische Realitäten, hier prallen regionale Identitäten auf globale Ansprüche.</p>
<h2 class="text-xl font-bold text-text-100 mt-1 -mb-0.5">Drei Städte, drei Schicksale: Regionale Eigenarten der Moderne</h2>
<h3 class="text-lg font-bold text-text-100 mt-1 -mb-1.5">Weimar: Zwischen klassischem Erbe und modernem Trauma</h3>
<p class="whitespace-normal break-words">Weimar trägt schwer an seiner Geschichte. Die Stadt der deutschen Klassik wurde zur Geburtsstätte des Bauhauses – und zu dessen erstem Verbannungsort. Diese doppelte Identität prägt bis heute die lokale Planungskultur. Die Thüringer Landesbauordnung spiegelt diesen Zwiespalt: Denkmalschutz genießt höchste Priorität, während zeitgenössische Architektur oft argwöhnisch beäugt wird.</p>
<p class="whitespace-normal break-words">Die Klassik Stiftung Weimar navigiert geschickt zwischen diesen Polen. Stephan Dahme, Kustode der Moderne-Sammlung, steht vor der Herausforderung, das Bauhaus-Erbe in einer Stadt zu vermitteln, die ihre moderne Geschichte lange verdrängte. Die regionalen Förderstrukturen konzentrieren sich hauptsächlich auf Kulturtourismus und Denkmalpflege – innovative Baukultur findet kaum Unterstützung. Das Ergebnis: Eine Stadt, die ihr modernes Erbe musealisiert statt weiterzuentwickeln.</p>
<h3 class="text-lg font-bold text-text-100 mt-1 -mb-1.5">Dessau: Industrielles Erbe trifft demografischen Wandel</h3>
<p class="whitespace-normal break-words">Dessau-Roßlau kämpft mit anderen Dämonen. Die einstige Bauhaus-Hochburg in Sachsen-Anhalt verlor seit 1990 fast die Hälfte ihrer Einwohnerinnen und Einwohner. Hier manifestiert sich die „zerrissene Moderne&#8220; in leerstehenden Plattenbauten und schrumpfenden Quartieren. Barbara Steiner, Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau, muss das weltberühmte Erbe in einer Stadt vermitteln, die mit existenziellen Zukunftsfragen ringt.</p>
<p class="whitespace-normal break-words">Die Landesbauordnung Sachsen-Anhalts ermöglicht experimentellere Ansätze als in Thüringen. Pilotprojekte zur Nachnutzung industrieller Brachen entstehen, gefördert durch das Landesprogramm „Modern denken&#8220;. Dennoch: Die regionalen Handwerkstraditionen schwinden, Fachkräfte fehlen. Das berühmte Bauhausgebäude steht inmitten einer Stadt, die ihre eigene Moderne-Vision sucht.</p>
<h3 class="text-lg font-bold text-text-100 mt-1 -mb-1.5">Berlin: Metropole der Widersprüche</h3>
<p class="whitespace-normal break-words">Berlin präsentiert sich als selbstbewusste Moderne-Metropole, doch auch hier zeigen sich Risse. Die sechs UNESCO-Welterbesiedlungen der Moderne stehen unter enormem Gentrifizierungsdruck. Die Hufeisensiedlung feiert 2025 ihr hundertjähriges Bestehen – während ringsum Mietpreise explodieren und soziale Milieus verdrängt werden.</p>
<p class="whitespace-normal break-words">Petra Kahlfeldt, Senatsbaudirektorin, steht vor der Quadratur des Kreises: Wie bewahrt eine wachsende Metropole ihr modernes Erbe, ohne es zur Kulisse für Besserverdienende verkommen zu lassen? Die Berliner Bauordnung ermöglicht zwar verdichtetes Bauen, doch die Gestaltungsbeiräte ringen um jeden Quadratmeter. Das Landesdenkmalamt Berlin, vertreten durch Stephanie Otto, setzt auf partizipative Ansätze – ein Novum in der oft autoritären Denkmalpflege.</p>
<h2 class="text-xl font-bold text-text-100 mt-1 -mb-0.5">Das Motto als Spiegel: Politische Verwerfungen und kulturelle Identität</h2>
<p class="whitespace-normal break-words">Wolfgang Knöbl, Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung, trifft einen wunden Punkt: Die Moderne als Epochenbegriff entstand erst in den späten 1960er Jahren – als Reaktion auf deren erstes Scheitern. Heute, nach den jüngsten Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen-Anhalt, gewinnt das Motto „Zerrissene Moderne(n)&#8220; brisante Aktualität.</p>
<p class="whitespace-normal break-words">Irina Scherbakowa, Memorial-Mitgründerin und Friedensnobelpreisträgerin, erweitert den Blick: Ihre Frage nach dem „Putinismus als zerrissener Postmoderne&#8220; verknüpft regionale mit globalen Verwerfungen. Die erzwungene Migration des Bauhauses von Weimar nach Dessau 1925 spiegelt sich in heutigen Fluchtbewegungen. Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich – bitter.</p>
<h2 class="text-xl font-bold text-text-100 mt-1 -mb-0.5">Regionale Netzwerke und europäische Ambitionen</h2>
<p class="whitespace-normal break-words">Die ETOM – European Triennial of Modernism – soll ab 2025 die regionale Veranstaltung in einen europäischen Kontext einbetten. Das New European Bauhaus fördert diesen Ansatz, doch die Umsetzung offenbart strukturelle Probleme: Während Berlin über internationale Netzwerke verfügt, kämpfen Weimar und Dessau um Anschluss. Die unterschiedlichen Förderstrukturen der Bundesländer erschweren gemeinsame Projekte.</p>
<p class="whitespace-normal break-words">Robert K. Huber von BHROX bauhaus reuse kuratiert den Auftakt mit Blick für diese Disparitäten. Seine Initiative verbindet Nachhaltigkeit mit Bauhaus-Erbe – ein Ansatz, der in allen drei Städten unterschiedlich rezipiert wird. Berliner Architektinnen und Architekten diskutieren über zirkuläres Bauen, während in Dessau erst grundlegende Sanierungen anstehen.</p>
<h2 class="text-xl font-bold text-text-100 mt-1 -mb-0.5">Handwerk und Digitalisierung: Regionale Kompetenzen im Wandel</h2>
<p class="whitespace-normal break-words">Ein kritischer Punkt bleibt unterbelichtet: Die regionalen Handwerkstraditionen, einst Grundlage der Bauhaus-Pädagogik, erodieren. Thüringen verliert spezialisierte Restauratorinnen und Restauratoren, Sachsen-Anhalt kämpft mit Nachwuchsmangel im Bauhandwerk. Nur Berlin kann auf internationale Fachkräfte zurückgreifen.</p>
<p class="whitespace-normal break-words">Die Digitalisierung könnte Lösungen bieten, doch die Umsetzung stockt. Während das Bauhaus-Archiv Berlin digitale Archive aufbaut, fehlen in Weimar und Dessau oft basale IT-Infrastrukturen. Die föderale Struktur erweist sich als Innovationsbremse.</p>
<h2 class="text-xl font-bold text-text-100 mt-1 -mb-0.5">Ausblick: Moderne als ewige Baustelle</h2>
<p class="whitespace-normal break-words">Die Triennale der Moderne 2025 diagnostiziert richtig: Die Moderne ist zerrissen, plural, unvollendet. Doch die therapeutischen Ansätze bleiben vage. Festivals und Konferenzen können Diskurse anstoßen, strukturelle Probleme lösen sie nicht.</p>
<p class="whitespace-normal break-words">Die drei Städte müssen ihre regionalen Stärken neu definieren: Weimar als Labor für Denkmalschutz und zeitgenössische Intervention, Dessau als Experimentierfeld für schrumpfende Städte, Berlin als Metropole sozialer Baukultur. Nur wenn lokale Akteurinnen und Akteure, Landespolitik und Bundesinitiativen verzahnt agieren, kann aus der zerrissenen eine versöhnte Moderne werden.</p>
<p class="whitespace-normal break-words">Die Musik Kurt Weills beim Auftakt mahnt: Zwischen Dreigroschenoper und amerikanischem Exil liegt eine Fluchtgeschichte. Die Moderne war nie nur Fortschrittsversprechen, sondern immer auch Verlusterfahrung. Diese Ambivalenz anzuerkennen, ohne in Nostalgie oder Zynismus zu verfallen – das wäre die eigentliche Leistung dieser Triennale.</p>
<hr class="border-border-300 my-2" />
<h2 class="text-xl font-bold text-text-100 mt-1 -mb-0.5">Wo, Wann, Was: Die Fakten zur Triennale der Moderne 2025</h2>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Auftaktveranstaltung:</strong></p>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Datum:</strong> Donnerstag, 25. September 2025, ab 17:00 Uhr</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Ort:</strong> Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund, Luisenstraße 18, 10117 Berlin-Mitte</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Anmeldung:</strong> Erforderlich bis 22. September 2025 unter <a class="underline" href="mailto:veranstaltungen@lv.stk.sachsen-anhalt.de" target="_blank" rel="noopener">veranstaltungen@lv.stk.sachsen-anhalt.de</a></li>
</ul>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Festivalprogramm:</strong></p>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Gesamtzeitraum:</strong> 25. September bis 14. Dezember 2025</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Schwerpunktwochenende Weimar und Dessau:</strong> 26. bis 28. September 2025</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>Berliner Programm:</strong> Durchgehend bis Mitte Dezember</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>100 Jahre Hufeisensiedlung:</strong> Sonderveranstaltungen in Berlin-Britz</li>
<li class="whitespace-normal break-words"><strong>ETOM2025pilot-Conference:</strong> 28. und 29. November 2025 in Berlin (Abschlussveranstaltung)</li>
</ul>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Kernprogramm des Auftakts:</strong> Die Veranstaltung beginnt mit Grußworten der Ländervertreterinnen und -vertreter, gefolgt von Kurt Weills Musik durch das Posaunenquartett der Anhaltischen Philharmonie Dessau. Wolfgang Knöbls Keynote zur „Zerrissenen Moderne&#8220; bildet den theoretischen Rahmen, bevor die Programmverantwortlichen aus allen drei Städten ihre Schwerpunkte vorstellen. Die abschließende Podiumsdiskussion mit Irina Scherbakowa, Anke Blümm und Jörg Gleiter verspricht kontroverse Debatten über die Gegenwart der Moderne.</p>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Information und Dokumentation:</strong> Programmbroschüren liegen in den Tourist-Informationen aller drei Städte sowie in den Berliner Festivalzentralen aus. Details unter <a class="underline" href="http://www.triennale-der-moderne.de/" target="_blank" rel="noopener">www.triennale-der-moderne.de</a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Soziale Utopie oder Ghetto? Der Plattenbau im Spiegel der Kunst</title>
		<link>https://baukunst.art/soziale-utopie-oder-ghetto-der-plattenbau-im-spiegel-der-kunst/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Sep 2025 07:09:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Ostmoderne]]></category>
		<category><![CDATA[Plattenbau]]></category>
		<category><![CDATA[Transformationsarchitektur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13464</guid>

					<description><![CDATA[<p>Das MINSK Potsdam zeigt ab September, wie Künstlerinnen und Künstler den Plattenbau neu lesen: nicht als Betonwüste, sondern als kulturellen Resonanzraum voller Widersprüche und Potenziale.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Platte als Projektionsfläche</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Utopie und Alltag – eine Spurensuche</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Platte polarisiert. Noch immer. Während westdeutsche Feuilletons gerne von „Betonwüsten&#8220; sprechen, leben allein in Brandenburg über 400.000 Menschen in den industriell gefertigten Wohnbauten der DDR-Zeit. Das Kunsthaus DAS MINSK in Potsdam wagt nun einen differenzierten Blick auf dieses architektonische Erbe: Die Ausstellung „Wohnkomplex. Kunst und Leben im Plattenbau&#8220; versteht den Plattenbau nicht als architektonisches Relikt, sondern als lebendigen kulturellen Resonanzraum, der bis heute Fragen von Zugehörigkeit, Gemeinschaft und gesellschaftlicher Transformation aufwirft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gastkurator Kito Nedo hat für die vom 6. September 2025 bis 8. Februar 2026 laufende Schau rund 50 Positionen versammelt – von Karl-Heinz Adlers konstruktivistischen Arbeiten der 1970er Jahre bis zu Henrike Naumanns raumgreifenden Installationen der Gegenwart. Diese zeitliche Spannweite ist programmatisch: Der Plattenbau wird hier nicht als abgeschlossenes Kapitel der Architekturgeschichte behandelt, sondern als fortdauernde Herausforderung für Stadtentwicklung und kollektives Gedächtnis.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Brandenburgs besondere Plattenbau-Realität</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Brandenburg hat die Debatte um den Plattenbau eine besondere Brisanz. Städte wie Cottbus, Frankfurt (Oder) oder Brandenburg an der Havel bestehen zu erheblichen Teilen aus industriell gefertigten Wohnbauten. Die Landesbauordnung Brandenburg musste sich in den vergangenen Jahren intensiv mit Fragen der energetischen Sanierung, des barrierefreien Umbaus und der demografieangepassten Nachnutzung auseinandersetzen. Das Land fördert seit 2020 gezielt die Aufwertung von Plattenbauquartieren – nicht deren Abriss, sondern deren Transformation zu zeitgemäßen Wohnformen steht im Fokus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese regionale Perspektive spiegelt sich in der Ausstellung wider. Sabine Moritz&#8216; großformatige Malereien zeigen die Plattenbausiedlung Drewitz bei Potsdam – heute als „Gartenstadt Drewitz&#8220; ein Vorzeigeprojekt energetischer und sozialer Stadterneuerung. Sonya Schönbergers fotografische Arbeiten dokumentieren den Alltag in Brandenburger Plattenbausiedlungen mit einem ethnografischen Blick, der weder romantisiert noch dämonisiert. Die Berliner Fotografin Sibylle Bergemann hatte bereits in den 1970er und 80er Jahren das Leben in Marzahn und Hellersdorf festgehalten – ihre Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen Menschen, die sich ihre standardisierten Wohnungen individuell aneignen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektur als soziale Skulptur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der kuratorische Ansatz Nedos behandelt den Plattenbau konsequent als „soziale Skulptur&#8220; im Beuys&#8217;schen Sinne. Die ausgestellten Werke thematisieren weniger die baulichen Strukturen als vielmehr die sozialen Prozesse, die sich in und um sie herum abspielen. Markus Drapers Videoarbeiten etwa untersuchen die Soundscapes von Plattenbausiedlungen – das charakteristische Hallen in den Treppenhäusern, die Geräuschübertragung durch die dünnen Wände, aber auch die akustische Gemeinschaft, die daraus entsteht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ruth Wolf-Rehfeldts Typewritings aus den 1970er Jahren, entstanden in einer Plattenbau-Wohnung in Berlin-Karlshorst, zeigen die subversive Kraft künstlerischer Produktion unter beengten Wohnverhältnissen. Manfred Pernices skulpturale Arbeiten hingegen dekonstruieren die modulare Logik des Plattenbaus und führen sie ad absurdum – seine aus Spanplatten und Fundstücken zusammengefügten Objekte wirken wie dystopische Miniaturmodelle gescheiterter Wohnutopien.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Plattenbau als Laboratorium der Moderne</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung macht deutlich: Der Plattenbau war und ist ein Laboratorium der Moderne. In der DDR sollte er nicht weniger als eine neue Gesellschaft hervorbringen – kollektiv, egalitär, fortschrittlich. Harald Metzkes&#8216; Gemälde aus den 1980er Jahren zeigen die Ambivalenz dieses Versprechens: Seine Interieurs wirken gleichzeitig intim und entfremdet, die dargestellten Figuren scheinen in ihren genormten Räumen gefangen und doch zuhause.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Ambivalenz prägt auch die aktuelle Debatte. Während in westdeutschen Großstädten über bezahlbaren Wohnraum diskutiert wird, bietet der ostdeutsche Plattenbau genau das: günstige, oft gut geschnittene Wohnungen mit funktionierender Infrastruktur. Die Potsdamer Stadtverwaltung hat erkannt, dass die Plattenbaugebiete Am Stern und Drewitz nicht Problem-, sondern Potenzialräume sind. Mit dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept 2035 werden diese Quartiere als „Reallabore für sozial-ökologische Transformation&#8220; definiert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Würdigung ohne Nostalgie</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Henrike Naumanns raumgreifende Installation „Ostalgie&#8220; persifliert die romantisierende Verklärung der DDR-Wohnkultur. Ihre mit originalen Schrankwänden und Couchgarnituren ausgestatteten Environments zeigen die Plattenbau-Wohnung als Bühne für rechtsextreme Ideologien – ein unbequemer, aber notwendiger Kommentar zur aktuellen politischen Situation in vielen ostdeutschen Plattenbaugebieten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Stärke der Ausstellung liegt in dieser Vielstimmigkeit. Sie vermeidet sowohl die pauschale Verdammung als auch die nostalgische Verklärung des Plattenbaus. Stattdessen zeigt sie ihn als das, was er ist: ein komplexes architektonisches und soziales Phänomen, das Millionen von Biografien geprägt hat und weiter prägt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Übertragbare Lehren für die Gegenwart</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Stadtplaner bietet die Ausstellung wichtige Denkanstöße. Die modulare Bauweise, die standardisierte Produktion, die Trennung von Tragwerk und Ausbau – all das sind Prinzipien, die angesichts der Wohnungskrise und Klimakrise neue Aktualität gewinnen. Die Bundesstiftung Baukultur hat 2024 in ihrem Baukulturbericht explizit auf die Potenziale der Plattenbaubestände hingewiesen: energetische Sanierung statt Abriss, Nachverdichtung statt Neubau, soziale Mischung statt Segregation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der zweisprachige Ausstellungskatalog (DISTANZ Verlag) dokumentiert diese Perspektiven umfassend. Mit Essays, einem Glossar und einer Chronik zur Geschichte der Plattenbauarchitektur wird er zum Standardwerk für alle, die sich differenziert mit diesem Erbe auseinandersetzen wollen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Mehr als eine Ausstellung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„Wohnkomplex&#8220; ist mehr als eine Kunstausstellung – es ist ein Beitrag zur überfälligen Neubewertung des baukulturellen Erbes der DDR. Für Brandenburg und die anderen neuen Bundesländer ist das von existenzieller Bedeutung. Denn die Zukunft dieser Regionen wird auch davon abhängen, wie kreativ und respektvoll mit den Plattenbaubeständen umgegangen wird. Das MINSK zeigt: Der Plattenbau ist kein Ballast der Vergangenheit, sondern ein Experimentierfeld für die Stadt von morgen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 class="text-xl font-bold text-text-100 mt-1 -mb-0.5">Ausstellungsdetails für Ihren Besuch</h2>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>„Wohnkomplex. Kunst und Leben im Plattenbau&#8220;</strong></p>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Laufzeit:</strong> 6. September 2025 – 8. Februar 2026</p>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Ort:</strong> DAS MINSK Kunsthaus Potsdam Max-Planck-Straße 17, 14473 Potsdam</p>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Öffnungszeiten:</strong></p>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words">Mittwoch bis Montag: 10:00 – 19:00 Uhr</li>
<li class="whitespace-normal break-words">Dienstag: geschlossen</li>
<li class="whitespace-normal break-words">An Feiertagen: 10:00 – 19:00 Uhr</li>
</ul>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Eintritt:</strong></p>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words">Regulär: 10 Euro</li>
<li class="whitespace-normal break-words">Ermäßigt: 7 Euro (Studierende, Auszubildende, Schwerbehinderte)</li>
<li class="whitespace-normal break-words">Familienkarte: 20 Euro (2 Erwachsene + Kinder bis 18 Jahre)</li>
<li class="whitespace-normal break-words">Freier Eintritt: Kinder unter 7 Jahren, Mitglieder des Freundeskreises</li>
<li class="whitespace-normal break-words">MinskDay: Jeden ersten Mittwoch im Monat freier Eintritt für alle</li>
</ul>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Führungen:</strong></p>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words">Öffentliche Führungen: Samstags 15:00 Uhr, Sonntags 11:00 Uhr</li>
<li class="whitespace-normal break-words">Kuratorenführung mit Kito Nedo: 14. September 2025, 16:00 Uhr</li>
<li class="whitespace-normal break-words">Architekturführungen: Jeden ersten Sonntag im Monat, 14:00 Uhr</li>
<li class="whitespace-normal break-words">Gruppenführungen: Nach Voranmeldung unter <a class="underline" href="mailto:bildung@dasminsk.de" target="_blank" rel="noopener">bildung@dasminsk.de</a></li>
</ul>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Rahmenprogramm:</strong></p>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words">Artist Talks mit Henrike Naumann (Oktober 2025) und Sonya Schönberger (November 2025)</li>
<li class="whitespace-normal break-words">Symposium „Plattenbau reloaded&#8220;: 15. November 2025</li>
<li class="whitespace-normal break-words">Filmreihe „Leben in der Platte&#8220;: Oktober – Dezember 2025</li>
<li class="whitespace-normal break-words">Workshops für Architekturstudierende: Termine auf Anfrage</li>
</ul>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Anreise:</strong></p>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words">Mit ÖPNV: Tram 96 bis „Campus Jungfernsee&#8220; oder Bus 605 bis „Max-Planck-Straße&#8220;</li>
<li class="whitespace-normal break-words">Mit dem Auto: A115, Ausfahrt Potsdam-Babelsberg, Parkplätze vorhanden</li>
<li class="whitespace-normal break-words">Mit dem Fahrrad: Direkt am Radweg Berlin-Kopenhagen gelegen</li>
</ul>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Barrierefreiheit:</strong> Das MINSK ist vollständig barrierefrei zugänglich. Induktionsschleifen und Audioguides verfügbar.</p>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Katalog:</strong> „Wohnkomplex. Kunst und Leben im Plattenbau&#8220; DISTANZ Verlag, 240 Seiten, deutsch/englisch Museumsausgabe: 35 Euro ISBN: 978-3-95476-XXX-X</p>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Kontakt:</strong> DAS MINSK Kunsthaus Potsdam Tel: +49 331 236014-699 E-Mail: <a class="underline" href="mailto:info@dasminsk.de" target="_blank" rel="noopener">info@dasminsk.de</a> Web: <a class="underline" href="http://www.dasminsk.de/" target="_blank" rel="noopener">www.dasminsk.de</a></p>
<p class="whitespace-normal break-words"><strong>Begleitende Architekturtouren:</strong> Die Brandenburgische Architektenkammer bietet begleitend zur Ausstellung Exkursionen in Potsdamer Plattenbaugebiete an:</p>
<ul class="[&amp;:not(:last-child)_ul]:pb-1 [&amp;:not(:last-child)_ol]:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7">
<li class="whitespace-normal break-words">Drewitz/Gartenstadt: 21. September 2025</li>
<li class="whitespace-normal break-words">Am Stern: 19. Oktober 2025</li>
<li class="whitespace-normal break-words">Anmeldung: <a class="underline" href="http://www.ak-brandenburg.de/veranstaltungen" target="_blank" rel="noopener">www.ak-brandenburg.de/veranstaltungen</a></li>
</ul>
<p class="whitespace-normal break-words">
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Thüringens Betonparadox: Zwischen Versiegelungsrekord und Nachhaltigkeitsvision</title>
		<link>https://baukunst.art/thueringens-betonparadox-zwischen-versiegelungsrekord-und-nachhaltigkeitsvision/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Sep 2025 16:20:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Flächenversiegelung]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltige Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Thüringer Bauordnung 2024]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13458</guid>

					<description><![CDATA[<p>Thüringen zeigt Deutschlands Flächendilemma: Suhl glänzt mit 30% Versiegelung als Vorzeigestadt, während täglich neue Flächen unter Beton verschwinden - trotz ambitionierter Nachhaltigkeitsziele.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/thueringens-betonparadox-zwischen-versiegelungsrekord-und-nachhaltigkeitsvision/">Thüringens Betonparadox: Zwischen Versiegelungsrekord und Nachhaltigkeitsvision</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das grüne Herz schlägt noch – aber unter einer dünnen Betonschicht</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Suhl macht es vor: Mit gerade einmal 30 Prozent versiegelter Siedlungsfläche hält die thüringische Stadt den bundesweiten Rekord als am wenigsten zubetonierte Kommune Deutschlands. Ein bemerkenswerter Kontrapunkt zu Ludwigshafen am Rhein, wo 67 Prozent der Flächen unter Asphalt und Beton verschwunden sind. Doch dieser Erfolg täuscht über ein grundlegendes Problem hinweg, das auch den Freistaat erfasst hat: Die schleichende Versiegelung schreitet voran – täglich verschwinden deutschlandweit 55 Hektar Boden unter undurchlässigen Schichten, eine Fläche größer als 70 Fußballfelder.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Novellierte Bauordnung: Fortschritt mit Fragezeichen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die im Juli 2024 in Kraft getretene Thüringer Bauordnung sollte eigentlich die Bauwende einläuten. Tatsächlich bringt sie einige bemerkenswerte Erleichterungen: Das Abstandsflächenrecht wurde entschlackt, der umstrittene &#8222;nachbarliche Wohnfrieden&#8220; als Rechtsbegriff gestrichen, digitale Bauanträge sind nun möglich. Besonders die Klarstellung in § 6 ThürBO 2024, dass Abstandsflächen primär der Belichtung und Belüftung dienen, reduziert die Streitanfälligkeit bei Nachverdichtungsprojekten erheblich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch bei genauerer Betrachtung offenbaren sich die Schwächen der Reform. Verbindliche Prüffristen für Bauanträge? Fehlanzeige. Eine Genehmigungsfiktion bei behördlicher Untätigkeit? Nicht vorgesehen. Die digitale Revolution im Bauamt? Mangels flächendeckender IT-Infrastruktur vorerst vertagt. Die Novelle gleicht einem modernen Sportwagen mit angezogener Handbremse – theoretisch leistungsstark, praktisch ausgebremst.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Brachflächendilemma: 1.000 Chancen warten auf Erweckung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Fast 1.000 brachliegende Standorte ab 3.000 Quadratmetern Größe schlummern im thüringischen Brachflächenkataster – potenzielle Baugrundstücke, die auf ihre Renaissance warten. Die LEG Thüringen dokumentiert akribisch diese ungenutzten Ressourcen, doch die Reaktivierung stockt. Hier liegt der neuralgische Punkt der thüringischen Flächenpolitik: Während täglich neue Flächen versiegelt werden, verfallen andernorts Industriebrachen und ehemalige Gewerbeflächen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Gründe sind vielschichtig: Altlastenproblematik, komplizierte Eigentumsverhältnisse, fehlende Investoren. Besonders in strukturschwachen Regionen Ostthüringens gleicht die Revitalisierung einer Sisyphusarbeit. Dabei wäre gerade hier der Hebel anzusetzen – jede reaktivierte Brache spart Neuversiegelung an anderer Stelle.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Disparitäten: Ein Land, zwei Welten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während Erfurt, Jena und Weimar unter Wachstumsdruck ächzen und händeringend nach Bauland suchen, kämpfen ländliche Regionen mit Leerstand und Verfall. Diese Zweiklassengesellschaft der Flächennutzung spiegelt sich auch in den kommunalen Haushalten wider. Städte wie Suhl profitieren paradoxerweise von ihrer geringen Versiegelung durch niedrigere Infrastrukturkosten, während hochversiegelte Kommunen bei Starkregenereignissen mit millionenschweren Schäden konfrontiert werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die unterschiedlichen Versiegelungsgrade korrelieren dabei nicht nur mit der Bevölkerungsdichte, sondern auch mit der historischen Entwicklung. DDR-Plattenbausiedlungen mit ihren großzügigen Grünflächen schneiden oft besser ab als westdeutsche Gewerbegebiete der 1990er Jahre, die nach dem Prinzip maximaler Flächenausnutzung entstanden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Klimaanpassung als Treiber: Schwammstadt statt Betonwüste</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die zunehmenden Extremwetterereignisse zwingen zum Umdenken. Erfurts Pilotprojekte zur Schwammstadt-Entwicklung zeigen, dass Entsiegelung mehr ist als grüne Romantik – sie ist überlebenswichtige Klimaanpassung. Rasengittersteine statt Asphalt, Versickerungsmulden statt Kanalisation, Gründächer statt Betondächer – die technischen Lösungen existieren, scheitern aber oft an den Kosten und am mangelnden Bewusstsein der Bauherrinnen und Bauherren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders brisant: Die gesplittete Abwassergebühr, die versiegelte Flächen mit bis zu 1,80 Euro pro Quadratmeter belastet, entfaltet noch nicht die erhoffte Lenkungswirkung. Zu gering sind die finanziellen Anreize, zu hoch die Investitionskosten für Entsiegelungsmaßnahmen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Thüringens Nachhaltigkeitsvision: Netto-Null als Fernziel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Freistaat hat sich ambitionierte Ziele gesetzt: Langfristig soll die Netto-Flächenversiegelung auf null sinken – ein Vorhaben, das angesichts der aktuellen Entwicklung utopisch anmutet. Denn während die Politik von Nachhaltigkeit spricht, genehmigen dieselben Behörden weiterhin großflächige Gewerbegebiete auf der grünen Wiese.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Krux liegt im föderalen System: Kommunale Planungshoheit trifft auf übergeordnete Nachhaltigkeitsziele. Solange Gewerbesteuereinnahmen wichtiger sind als Bodenschutz, wird sich wenig ändern. Interkommunale Gewerbegebiete mit Steuerausgleich könnten ein Lösungsansatz sein – doch dafür müssten Kommunen ihre Kirchturmpolitik überwinden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Evolution statt Revolution</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Thüringen steht exemplarisch für die deutsche Flächenversiegelungsproblematik: Man weiß um die Herausforderung, hat durchaus innovative Ansätze, scheitert aber an der konsequenten Umsetzung. Die neue Bauordnung ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber eben nur ein kleiner. Was fehlt, ist der große Wurf – eine Flächenkreislaufwirtschaft, die Neuversiegelung nur noch bei gleichzeitiger Entsiegelung an anderer Stelle zulässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Instrumente liegen bereit: Brachflächenkataster, gesplittete Abwassergebühr, technische Alternativen zu klassischer Versiegelung. Was es braucht, ist politischer Mut zur konsequenten Steuerung und die Bereitschaft, kurzfristige wirtschaftliche Interessen hinter langfristige ökologische Notwendigkeiten zurückzustellen. Suhl macht vor, dass es geht – die Frage ist nur, ob andere Kommunen folgen wollen.</p>
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		<title>Plattenbau-Power: Wie Chemnitz seine DDR-Architektur zur Kulturwaffe macht</title>
		<link>https://baukunst.art/plattenbau-power-wie-chemnitz-seine-ddr-architektur-zur-kulturwaffe-macht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Aug 2025 09:34:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Industriearchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturhauptstadt2025]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Chemnitz überrascht als Kulturhauptstadt 2025: Statt Glanz setzt die sächsische Stadt auf rauen Industriecharme und macht Plattenbauten zu Kreativorten. Ein architektonischer Neustart.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/plattenbau-power-wie-chemnitz-seine-ddr-architektur-zur-kulturwaffe-macht/">Plattenbau-Power: Wie Chemnitz seine DDR-Architektur zur Kulturwaffe macht</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Gründerzeit und Plattenbau: Chemnitz ist eine Reise wert</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer durch Chemnitz flaniert, begegnet einer Stadt der architektonischen Paradoxe. Hier stehen brutalistische Plattenbauten neben sanierten Gründerzeitvillen, postmoderne Einkaufszentren neben industriellen Backsteinkathedralen. Genau diese scheinbare Unordnung macht Chemnitz zur perfekten Kulturhauptstadt Europas 2025. Die drittgrößte Stadt Sachsens nutzt ihre bauliche Vielschichtigkeit als Chance – und transformiert verlassene Industriehallen zu Kulturorten, Plattenbauten zu Kreativquartieren und brachliegende Flächen zu temporären Kunsträumen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Erbe der Moderne als Chance</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die architektonische DNA von Chemnitz ist untrennbar mit der Industrialisierung verbunden. Als &#8222;Sächsisches Manchester&#8220; prägte die Stadt einst die deutsche Industriearchitektur. Heute, nach Deindustrialisierung und demografischem Wandel, stehen viele dieser Bauwerke leer. Doch statt Abrissbirne wartet die Kulturhauptstadt mit klugen Umnutzungskonzepten auf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ehemalige Straßenbahndepot an der Zwickauer Straße wandelt sich zum zentralen Veranstaltungsort. Die denkmalgeschützte Stahlbetonkonstruktion aus den 1920er Jahren behält ihre industrielle Ästhetik – schwarze Stahlträger, großflächige Verglasung, roher Beton. Architektinnen und Architekten des Büros Knerer und Lang ergänzen behutsam zeitgenössische Einbauten, ohne den Charakter zu zerstören. Ein Lehrstück adaptiver Wiedernutzung, das zeigt: Chemnitz muss seine Vergangenheit nicht verstecken, sondern kann sie produktiv wenden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Plattenbau-Renaissance im Brühl</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders mutig agiert die Stadt im Brühl-Viertel. Der einst als sozialer Brennpunkt stigmatisierte Stadtteil mit seinen Plattenbauten der Serie WBS 70 erfährt eine bemerkenswerte Transformation. Statt kosmetischer Verschönerung setzt das von der Stadt beauftragte Architekturbüro Heilergeiger auf radikale Ehrlichkeit: Die Fassaden bleiben roh, werden aber durch großformatige Kunstwerke lokaler und internationaler Künstlerinnen ergänzt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Erdgeschosszonen, einst tote Sockel, öffnen sich zur Straße. Ateliers, Galerien und Projekträume ziehen ein. Die Sächsische Aufbaubank fördert diese Umnutzungen mit einem speziellen Programm &#8222;Kreativräume Ost&#8220;, das bis zu 80 Prozent der Umbaukosten übernimmt. Ein cleverer Schachzug der Landesregierung, der zeigt: Baukultur in Ostdeutschland braucht andere Ansätze als im Westen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Stefan-Heym-Platz: Neues Herz mit Ecken und Kanten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der neue Stefan-Heym-Platz vor dem Karl-Marx-Monument verkörpert die architektonische Haltung der Kulturhauptstadt exemplarisch. Das Leipziger Büro Topotek 1 gestaltete keine glatte Repräsentationsfläche, sondern einen Ort produktiver Reibung. Unterschiedliche Bodenbeläge – vom groben Kopfsteinpflaster bis zum glatten Beton – zonieren den Raum. Mobile Tribünen aus Cortenstahl können für Veranstaltungen arrangiert werden. Die bewusst raue Materialität korrespondiert mit der brutalistischen Umgebung, ohne in Nostalgie zu verfallen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritisch anzumerken bleibt allerdings die mangelnde Barrierefreiheit einiger Bereiche. Die unterschiedlichen Niveaus und Materialwechsel erschweren Menschen mit Mobilitätseinschränkungen die Nutzung. Hier zeigt sich: Auch ambitionierte Architektur muss inklusiv gedacht werden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Smac und Kunstsammlungen: Museumsbau als Stadtentwicklung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz (smac) im ehemaligen Kaufhaus Schocken demonstriert, wie Denkmalschutz und zeitgenössische Museumsarchitektur harmonieren können. Auer Weber Architekten bewahrten die geschwungene Fassade Erich Mendelsohns und schufen im Inneren eine spektakuläre Raumfolge. Die Kunstsammlungen Chemnitz am Theaterplatz, ein sachlicher Bau der 1990er Jahre von Volker Staab, erhielten zur Kulturhauptstadt eine Erweiterung. Der Anbau aus transluzenten Polycarbonatplatten schafft diffuses Licht für die Ausstellungsräume – energetisch vorbildlich, ästhetisch polarisierend.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit als Leitmotiv</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sächsische Bauordnung wurde 2024 novelliert und ermöglicht nun verstärkt Holzbau und experimentelle Bauweisen. Chemnitz nutzt diese Spielräume: Am Sonnenberg entsteht das erste siebengeschossige Holzhochhaus Sachsens. Das Büro Kaden + Lager setzt dabei auf regionale Fichte aus dem Erzgebirge. Die graue Energie der Bestandsbauten wird konsequent mitgedacht – Abriss ist die Ausnahme, Umnutzung die Regel.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die TU Chemnitz begleitet viele Projekte wissenschaftlich. Professor Martin Pohl vom Institut für Strukturleichtbau untersucht, wie industrielle Altbauten energetisch ertüchtigt werden können, ohne ihre Authentizität zu verlieren. Seine Forschung zeigt: Mit innovativen Dämmsystemen aus nachwachsenden Rohstoffen lassen sich auch Backsteinbauten der Gründerzeit klimaneutral sanieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Partizipation statt Masterplan</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Anders als andere Kulturhauptstädte verzichtet Chemnitz auf einen großen städtebaulichen Masterplan. Stattdessen setzt die Stadt auf kleinteilige, partizipative Prozesse. Das &#8222;Büro für Stadtentwicklung&#8220; koordiniert Bürgerworkshops, in denen Anwohnerinnen und Anwohner selbst entscheiden, wie Brachflächen genutzt werden. Diese Bottom-up-Strategie mag langsamer sein als Top-down-Planung, schafft aber Identifikation und Akzeptanz.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Würdigung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Chemnitz 2025 beweist: Kulturhauptstadt funktioniert auch ohne Stararchitektur und Leuchtturmprojekte. Die Stadt setzt auf das Vorhandene, transformiert behutsam und bezieht die Bevölkerung ein. Diese Strategie hat Modellcharakter für andere ostdeutsche Städte mit ähnlichen Herausforderungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dennoch bleiben Fragen offen: Wie nachhaltig sind die Impulse? Was passiert nach 2025? Die Gefahr der Festivalisierung ist real. Temporäre Kulturnutzungen können dauerhafte Strukturprobleme nicht lösen. Die Stadt muss jetzt Weichen stellen, damit aus der Kulturhauptstadt keine Eintagsfliege wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Chemnitz zeigt: Baukultur im 21. Jahrhundert bedeutet nicht nur spektakuläre Neubauten, sondern vor allem intelligenten Umgang mit dem Bestand. Die Stadt macht aus der Not eine Tugend – und gerade das macht sie zur vielleicht ehrlichsten Kulturhauptstadt, die Europa je hatte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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