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	<title>Niedersachsen &amp; Bremen-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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		<title>Wilhelmshaven: Deutschlands höchstes Klimarisiko trifft auf eine entfesselte Bauordnung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jun 2026 17:57:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
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		<category><![CDATA[Küstenschutz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der IW-Klimarisikoindex weist Wilhelmshaven das höchste Klimarisiko Deutschlands aus. Eine planungsrechtliche Analyse zwischen Sturmflut, NBauO-Novelle und fehlendem Klimaanpassungsgesetz.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wilhelmshaven-deutschlands-hoechstes-klimarisiko-trifft-auf-eine-entfesselte-bauordnung/">Wilhelmshaven: Deutschlands höchstes Klimarisiko trifft auf eine entfesselte Bauordnung</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Regionales<em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong"> |</strong></em> Niedersachsen / Wilhelmshafen <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Klimarisiko Wilhelmshaven: Wie Niedersachsens Bauordnung an der Küste vorbeiregelt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Klimarisikoindex ist eine wissenschaftliche Kennzahl, die für alle 400 deutschen Kreise und kreisfreien Städte abbildet, wie verwundbar die städtische Infrastruktur gegenüber Sturm, Starkregen, Hitze, Dürre und Hagel ist, gemessen auf einer Skala von null (geringes Risiko) bis zehn (hohes Risiko).</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den höchsten Wert aller untersuchten Regionen trägt Wilhelmshaven. Die niedersächsische Hafenstadt liegt im am 5. Januar 2026 veröffentlichten Index der IW Consult aktuell bei 5,7 und steigt bis 2050 auf 5,9. Entwickelt haben die Kennzahl Forschende des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) gemeinsam mit der Köln.Assekuranz, einer Tochter der ERGO Versicherung, auf Basis des Risikomodells K.A.R.L. Die Gefahrenmodellierung stützt sich auf zwanzig globale Klimamodelle aus dem internationalen CMIP6-Projekt, wobei besonders schädliche Risiken wie Überschwemmungen, Starkregen und Sturmfluten stärker gewichtet wurden. Am unteren Ende der Skala steht Kempten im Allgäu mit 2,8, das bis 2050 lediglich auf 3,1 klettert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum trägt Wilhelmshaven das höchste Klimarisiko Deutschlands?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wilhelmshaven vereint nahezu alle Gefahrenlagen, die der Index hoch gewichtet, an einem einzigen Ort. Die Stadt liegt am Jadebusen, einer Bucht der Nordsee, hinter Deichen und teils nur knapp über dem mittleren Tidehochwasser. Steigt der Meeresspiegel, verschärft sich die Sturmflutgefahr unmittelbar. Hinzu kommen Sturm und Starkregen, die der IW-Studie zufolge bundesweit zu den drei größten Naturgefahren zählen. Sturm bedroht bereits heute alle deutschen Kreise mit Indexwerten über 7,5, und an der offenen Küste wirkt diese Belastung ungefiltert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was Wilhelmshaven von anderen exponierten Städten unterscheidet, ist die Dichte kritischer Infrastruktur. Hier liegt der JadeWeserPort, der einzige Tiefwasserhafen Deutschlands, dazu der größte Marinestützpunkt des Landes und seit 2022 ein Anlandeterminal für verflüssigtes Erdgas. Diese Anlagen sind nicht verlagerbar; ihr Standort folgt der Geografie der Jade, nicht der Risikokarte. Ein Schadensereignis trifft daher nicht allein Wohngebäude, sondern nationale Versorgungs- und Verteidigungsfunktionen. Der hohe Indexwert ist somit weniger ein lokales als ein gesamtstaatliches Signal.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch der Gebäudebestand erhöht die Verwundbarkeit. Wilhelmshaven verfügt über zahlreiche Bauten der Nachkriegsmoderne und der Gründerzeit, deren Fassaden, Flachdächer und Kellergeschosse nicht auf häufigere Starkregenereignisse ausgelegt sind. Wo Niederschlag nicht abfließen kann, staut er sich in tief liegenden Quartieren. Der Index bündelt diese Faktoren zu einem Wert, doch hinter der Zahl 5,9 steht ein konkretes Zusammenspiel aus Lage, Bausubstanz und Versorgungsbedeutung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Region kennt diese Bedrohung aus eigener Geschichte. Die schweren Sturmfluten von 1962 und 1976 prägten das kollektive Gedächtnis der gesamten Nordseeküste und führten zu einem systematischen Ausbau der Deichlinien. Der Klimawandel verändert die Ausgangslage jedoch grundlegend: Was früher als seltenes Extremereignis galt, rückt in der Häufigkeit näher zusammen. Der Index übersetzt diese Verschiebung in eine vergleichbare Kennzahl und macht sichtbar, dass Wilhelmshaven nicht trotz, sondern wegen seiner Lage und seiner Funktion an der Spitze der Rangliste steht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das für das Baurecht in Niedersachsen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier zeigt sich ein planungsrechtlicher Widerspruch. Während der Index steigende Risiken dokumentiert, hat Niedersachsen seine Bauordnung in die entgegengesetzte Richtung bewegt. Die am 1. Juli 2024 in Kraft getretene Novelle der Niedersächsischen Bauordnung (NBauO) senkt mit dem neuen § 85a NBauO die Anforderungen an das Bauen im Bestand deutlich. Bei Aufstockung, Umbau oder Ausbau müssen Bauteile künftig vor allem Standsicherheit und Brandschutz gewährleisten; weitergehende Anforderungen entfallen weitgehend. Das beschleunigt die Nachverdichtung, klammert die Klimaanpassung konstruktiv jedoch weitgehend aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dem stehen mehrere übergeordnete Regelwerke gegenüber. Das Baugesetzbuch verpflichtet die Bauleitplanung in § 1 Absatz 5 BauGB ausdrücklich darauf, dem Klimaschutz und der Klimaanpassung Rechnung zu tragen. Das Wasserhaushaltsgesetz untersagt in § 78 WHG in festgesetzten Überschwemmungsgebieten grundsätzlich die Ausweisung neuer Baugebiete. Und das Bundes-Klimaanpassungsgesetz (KAnG), seit dem 1. Juli 2024 in Kraft (BGBl. 2023 I Nr. 393), verlangt in § 8 KAnG ein Berücksichtigungsgebot: Träger öffentlicher Aufgaben müssen das Ziel der Klimaanpassung bei allen Planungen und Entscheidungen einbeziehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Schwäche liegt im Detail. Das KAnG überlässt es nach § 12 KAnG den Ländern, ob und wie Kommunen zu Klimaanpassungskonzepten verpflichtet werden. Anders als Nordrhein-Westfalen oder Berlin hat Niedersachsen bislang kein eigenes Landesklimaanpassungsgesetz verabschiedet. Verbindliche kommunale Konzepte bleiben damit eine Ermessensfrage. Für eine Stadt mit dem höchsten Klimarisiko des Landes ist das eine bemerkenswerte Lücke.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt eine räumliche Besonderheit. Große Teile des Hafen- und Industriegürtels liegen in Bereichen, die wasserrechtlich als überschwemmungsgefährdet einzustufen sind. Dort kollidiert der wirtschaftliche Druck zur Erweiterung mit dem Bauverbot des § 78 WHG, das neue Baugebiete nur unter engen Voraussetzungen zulässt. Die Bauleitplanung muss solche Flächen im Flächennutzungsplan nach § 5 BauGB kennzeichnen, was die Konflikte transparent macht, ohne sie aufzulösen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Normen entscheiden über die Widerstandsfähigkeit?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf der Gebäudeebene konkretisieren technische Regelwerke die Anpassung. Windlasten bemisst der Eurocode 1, in Deutschland eingeführt als DIN EN 1991-1-4; Wilhelmshaven fällt in die höchste Windlastzone der Bundesrepublik. Der sommerliche Wärmeschutz, der mit dem zunehmenden Hitzestress an Bedeutung gewinnt, ist in DIN 4108-2 geregelt. Für die Ableitung von Starkregen gilt DIN 1986-100. Diese Normen sind anerkannte Regeln der Technik, doch sie greifen erst, wenn ein Vorhaben überhaupt nach Neubaustandard errichtet wird, was § 85a NBauO im Bestand gerade nicht mehr verlangt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Küstenschutz selbst regelt das Niedersächsische Deichgesetz (NDG), das Bau und Unterhaltung der Hauptdeiche dem Land und den Deichverbänden zuweist. Der bauliche Hochwasserschutz an der Jade ist damit von der kommunalen Bauleitplanung organisatorisch getrennt. Diese Trennung sichert die Deichlinie, lässt aber offen, wie die Quartiere hinter dem Deich auf ein Versagen der ersten Verteidigungslinie vorbereitet sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der finanzielle Befund verschärft die Lage. IW-Experte Hanno Kempermann warnt, vielen Kommunen habe bislang das Geld gefehlt, um sich hinreichend auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten; Mittel aus dem Sondervermögen müssten daher auch die kommunale Ebene erreichen. Olaf Bläser, Vorstandsvorsitzender der ERGO Versicherung AG, benennt das Grundmuster nüchtern: Der Klimawandel betreffe alle, aber nicht überall gleich stark.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Wilhelmshaven ergibt sich daraus eine doppelte Aufgabe. Die Stadt muss ihre nicht verlagerbare Infrastruktur gegen Sturmflut und Starkregen ertüchtigen und zugleich einen Gebäudebestand anpassen, den das geltende Landesrecht von hohen Anforderungen entlastet. Der Klimarisikoindex liefert dafür die Datengrundlage. Ob daraus verbindliche Planung wird, entscheidet sich nicht im Modell K.A.R.L., sondern in der niedersächsischen Landespolitik. Solange ein eigenes Klimaanpassungsgesetz fehlt, bleibt der höchste Risikowert des Landes eine Mahnung ohne rechtlichen Hebel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wilhelmshaven-deutschlands-hoechstes-klimarisiko-trifft-auf-eine-entfesselte-bauordnung/">Wilhelmshaven: Deutschlands höchstes Klimarisiko trifft auf eine entfesselte Bauordnung</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Zukunft Bauen in Osnabrück: Wie das Museum Industriekultur die Wohnfrage zur Planungsfrage macht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jun 2026 07:04:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Ausstellungskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Bauen im Bestand]]></category>
		<category><![CDATA[Zirkuläres Bauen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Drei Leitfragen, eine begehbare Siedlung: Das MIK Osnabrück macht die Wohnfrage zur Planungsfrage. Eine Ausstellungskritik mit Blick auf Recht und Bestand.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/zukunft-bauen-in-osnabrueck-wie-das-museum-industriekultur-die-wohnfrage-zur-planungsfrage-macht/">Zukunft Bauen in Osnabrück: Wie das Museum Industriekultur die Wohnfrage zur Planungsfrage macht</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Regionales<em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong"> |</strong></em> Osnabrück <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Vom Materiallager zum Gebäudetyp E: Osnabrück stellt das zirkuläre Bauen auf die Probe</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Eine Sonderausstellung übersetzt mit „Zukunft Bauen. Wie wollen wir wohnen und leben?“ im Museum Industriekultur Osnabrück (MIK) die abstrakte Wohnungsfrage in eine begehbare Versuchsanordnung: drei Leitfragen, eine bespielbare Siedlung im Ausstellungsraum, ein klarer Bezug zu Ressourcen, Bestand und sozialer Mischung. Vom 25. April bis zum 1. November 2026 zeigt das Haus am Piesberg, dass die Debatte über bezahlbares und klimaverträgliches Bauen längst weniger ein Stilthema als ein Regulierungsthema ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellungsarchitektur nimmt das Thema wörtlich. Ein großes Baugerüst und mehrere begehbare Häuser formen eine kleine Siedlung, durch die sich drei Kapitel ziehen: „Wie bauen?“, „Womit bauen?“ und „Wo und für wen bauen?“. Diese Dreiteilung ist klug gewählt, denn sie entspricht ziemlich genau den drei Stellschrauben, an denen das deutsche Bau- und Planungsrecht ansetzt: Verfahren und Bestand, Material und Energie, Boden und Nutzungsmischung. Eine eigene Kinderspur und eine „grüne Spur“ zu ökologischen Fragen erweitern die Schau, ohne den fachlichen Kern zu verwässern.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet zirkuläres Bauen für das Baurecht?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Kapitel „Womit bauen?“ führt das MIK von traditionellen Baustoffen wie Holz, Lehm und Hanf zu Recyclingbeton und experimentellen Materialien aus Papier oder Pilzmyzel. Architektonisch ist das eine Renaissance des Naheliegenden; rechtlich berührt es einen empfindlichen Punkt. Urban Mining und zirkuläres Bauen verlangen, dass ein Bauwerk am Ende seiner Nutzung nicht als Abfall, sondern als Materiallager begriffen wird. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) und die seit 2023 bundesweit geltende Ersatzbaustoffverordnung setzen dafür den Rahmen, regeln aber primär die Verwertung, nicht die Wiederverwendung tragender Bauteile.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau hier liegt die Reibung. Wer einen gebrauchten Stahlträger erneut einbauen will, muss nach der Niedersächsischen Bauordnung (NBauO) und den eingeführten technischen Baubestimmungen einen Verwendbarkeitsnachweis erbringen; für Neuware existiert dieser Nachweis serienmäßig, für Gebrauchtbauteile selten. Der mit der Novelle der Musterbauordnung 2024 angestoßene Gebäudetyp E, also das „einfache“ oder „experimentelle“ Bauen, soll diese Hürde senken, indem er Abweichungen vom Komfortstandard rechtssicher erlaubt. Die Ausstellung zeigt die Materialien; die spannende Anschlussfrage ist, ob die Landesbauordnungen schnell genug nachziehen, damit aus dem Exponat ein genehmigungsfähiges Detail wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit endet zudem nicht beim Material. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt energetische Mindeststandards fort, und gerade der in Osnabrück gezeigte Recyclingbeton steht in einem Zielkonflikt: Beton bindet Energie, verursacht hohe CO2-Lasten in der Herstellung, punktet aber bei Speichermasse und Dauerhaftigkeit. Eine ehrliche Ausstellung benennt solche Ambivalenzen, statt das vermeintlich grüne Material zu feiern. Das MIK tut dies, indem es Beton sowohl als Problem als auch als Teil der Lösung präsentiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für kleine und mittlere Büros, die das Gros der Planungsleistung in einer Region wie dem Osnabrücker Land erbringen, ist diese Frage keine akademische. Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) vergütet Bestandsarbeit über den Umbauzuschlag, doch der zusätzliche Aufwand für die Prüfung wiederverwendeter Bauteile lässt sich damit nur unzureichend abbilden. Solange Materialprüfung und Genehmigung teurer bleiben als der Neukauf, gewinnt die Ausstellungsvision den Wettlauf gegen die Baukostenrealität nicht. Das MIK macht diesen Widerspruch sichtbar, ohne ihn vorschnell aufzulösen, und das ist die ehrlichere Haltung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie lässt sich die Wohnfrage regional übersetzen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das dritte Kapitel „Wo und für wen bauen?“ verschiebt den Blick vom Bauteil auf den Boden, und damit auf das Bodenrecht. Der Gegensatz zwischen dichtem urbanem Wohnen und dem Wunsch nach Platz im Grünen, den die Schau mit Video-Interviews vom Bauwagen bis zum Hochhaus illustriert, ist im Kern eine Frage des Baugesetzbuchs (BauGB). Nachverdichtung im Innenbereich nach Paragraph 34 BauGB und das beschleunigte Verfahren für Bebauungspläne der Innenentwicklung nach Paragraph 13a BauGB sind die Instrumente, mit denen Kommunen wie Osnabrück dem Flächenfraß begegnen sollen, ohne neue Baugebiete auf der grünen Wiese auszuweisen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Regional betrachtet ist das mehr als eine Pflichtübung. Osnabrück liegt im Natur- und UNESCO-Geopark TERRA.vita, das Museum selbst residiert in den denkmalgeschützten Anlagen der ehemaligen Steinkohlenzeche am Piesberg. Damit wird der Ort zum Argument: Bauen im Bestand und Umnutzung sind hier keine Theorie, sondern gebaute Realität. Das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz (NDSchG) verlangt bei solchen Konversionen eine Abwägung zwischen Erhalt und Anpassung, die das MIK gewissermaßen als ständige Daueraufgabe vorführt. Wer die Ausstellung besucht, steht buchstäblich in einem Beispiel für das, was die Schau predigt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Soziale Teilhabe schließlich beginnt an der Schwelle. Eine Ausstellung über zukunftsfähiges Wohnen, die Barrierefreiheit ausblendet, wäre unvollständig; die DIN 18040-1 definiert die Anforderungen an öffentlich zugängliche Gebäude, und neue Wohnformen wie Mehrgenerationenhäuser oder genossenschaftliche Projekte verlangen genau diese Planung von Anfang an. Die Schau zeigt solche Modelle, statt sie als Nische zu behandeln, und rückt damit eine Erkenntnis in den Vordergrund: Wohnformen der Zukunft entstehen weniger aus neuen Bildern als aus neuen Verträgen, Verfahren und Normen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der demografische Wandel verschärft diese Anforderung gerade in flächigen Regionen. Während die Kernstadt Osnabrück verdichtet, kämpfen umliegende Gemeinden mit Leerstand und alternder Bevölkerung; die Frage „für wen bauen?“ bekommt dort eine andere Dringlichkeit als im urbanen Zentrum. Co-Housing, seniorengerechter Umbau und die Aktivierung bestehender Substanz sind weniger Trendvokabeln als Antworten auf eine messbare Schrumpfung. Indem die Ausstellung Lebensrealitäten vom Bauwagen bis zum Hochhaus nebeneinanderstellt, vermeidet sie die übliche Verengung auf die Metropole und macht das Thema auch für das ländliche Niedersachsen anschlussfähig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bleibt die kritische Frage, ob ein Industriemuseum der richtige Ort für diese Debatte ist. Die Antwort fällt zugunsten des MIK aus. Gerade weil das Haus Industriegeschichte erzählt, kann es Bauen als technischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorgang zugleich zeigen, nicht nur als ästhetisches Resultat. Dass komplexe Inhalte über eine Kinderspur und eine wachsende, von Kindern gebaute Stadt vermittelt werden, ist dabei kein didaktisches Beiwerk, sondern Programm: Wer früh lernt, dass Bauen Entscheidungen über Ressourcen und Gemeinschaft bedeutet, stellt später die richtigen Fragen an Bauamt und Architekturbüro. Die Ausstellung in Osnabrück beantwortet die Wohnfrage nicht, aber sie stellt sie präzise, und das ist mehr, als viele größere Häuser erreichen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Service: Die Sonderausstellung „Zukunft Bauen. Wie wollen wir wohnen und leben?“ ist vom 25. April bis 1. November 2026 im Museum Industriekultur Osnabrück, Fürstenauer Weg 171, zu sehen. Der Eintritt beträgt 7,50 Euro, ermäßigt 5 Euro, für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre ist er frei. Begleitend läuft ein Rahmenprogramm mit Führungen, Workshops und Exkursionen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/zukunft-bauen-in-osnabrueck-wie-das-museum-industriekultur-die-wohnfrage-zur-planungsfrage-macht/">Zukunft Bauen in Osnabrück: Wie das Museum Industriekultur die Wohnfrage zur Planungsfrage macht</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Umbauen statt neu bauen: Wird Niedersachsen zum Labor für einfacheres Bauen im Bestand?</title>
		<link>https://baukunst.art/umbauen-statt-neu-bauen-wird-niedersachsen-zum-labor-fuer-einfacheres-bauen-im-bestand/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 May 2026 09:24:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bauen im Bestand]]></category>
		<category><![CDATA[Konversionsquartiere]]></category>
		<category><![CDATA[Umbauordnung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Niedersachsen führte 2024 als erstes Bundesland eine Umbauordnung ein, Bremen zieht nach. Prämierte Konversionsquartiere zeigen, was rechtliche Vereinfachung ermöglicht.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/umbauen-statt-neu-bauen-wird-niedersachsen-zum-labor-fuer-einfacheres-bauen-im-bestand/">Umbauen statt neu bauen: Wird Niedersachsen zum Labor für einfacheres Bauen im Bestand?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong><br />
Regionales | Nord | Mai 2026 | Lesezeit 8 Minuten</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn der Bestand zum Bauland wird: Niedersachsen erprobt einfacheres Umbauen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Umbauordnung senkt die baurechtlichen Anforderungen an Umbauten und Nutzungsänderungen im Bestand auf das Niveau des ursprünglichen Baujahrs, statt Neubaustandards zu verlangen, und Niedersachsen hat sie als erstes deutsches Bundesland in geltendes Landesrecht überführt. Am 28. Juni 2026 öffnen in Niedersachsen und Bremen 106 Bauten zum Tag der Architektur ihre Türen, 91 davon in Niedersachsen, 13 in Bremen und 2 in Bremerhaven. Mehr als die Hälfte der ausgewählten Objekte sind nach Angaben der Architektenkammer Niedersachsen Bestandsprojekte. Was wie eine ästhetische Programmsetzung wirkt, ist Ausdruck eines tiefgreifenden Wandels im Baurecht: Der Nordwesten Deutschlands erprobt seit 2024 ein Modell, das die Last des Umbauens auf eine neue rechtliche Grundlage stellt. Die zwei Wochen ArchitekturZeit vom 13. bis 28. Juni 2026, gemeinsam getragen von der Architektenkammer Niedersachsen und der Architektenkammer Bremen, werden zum Schaufenster dieser Verschiebung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was hat die niedersächsische Umbauordnung tatsächlich verändert?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit der Novelle der Niedersächsischen Bauordnung (NBauO), beschlossen am 18. Juni 2024 (Nds. GVBl. 2024 Nr. 51) und in Kraft seit dem 1. Juli 2024, gilt der neue § 85a NBauO als Herzstück. Er regelt, dass bei Aufstockung, Umbau, Ausbau oder Nutzungsänderung die betroffenen Bauteile, also Wände, Stützen, Decken, Böden, Dächer und Treppen, nur noch die Grundanforderungen nach § 3 Abs. 1 NBauO erfüllen müssen. Die Konkretisierungen, also der detaillierte Regelapparat aus DIN-Normen und Verwaltungsvorschriften, gelten für diese Bauteile nicht mehr verbindlich (§ 85a Abs. 1 Satz 2 NBauO). Statik und Brandschutz bleiben Pflicht: Vorhandene tragende Bauteile müssen zusätzliche Lasten aufnehmen können (§ 12 NBauO), der Brandschutz muss gewährleistet sein (§ 14 NBauO). Bestandsschutz wird damit zum Planungsprinzip, statt zur Hürde im Genehmigungsverfahren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Flankierend entfällt die Pflicht zur Schaffung von Pkw-Stellplätzen bei neu geschaffenem Wohnraum (§ 47 Abs. 1 NBauO). Die Grenzabstände reduzieren sich von 0,5 H auf 0,4 H (§ 5 Abs. 2 NBauO), in Gewerbe- und Industriegebieten von 0,25 H auf 0,2 H. Für den Wohnungsbau im vereinfachten Genehmigungsverfahren gilt eine Genehmigungsfiktion von drei Monaten, befristet zunächst bis Ende 2026 (§ 70a NBauO). Eine Innovationsklausel in § 66 NBauO öffnet zudem den Weg für den Gebäudetyp E auf Landesebene. Mit dem zweiten Änderungsgesetz vom 25. Juni 2025 (Nds. GVBl. 2025 Nr. 52), in Kraft seit dem 1. Juli 2025, weitete der Landesgesetzgeber den Katalog verfahrensfreier Baumaßnahmen aus: Garagen bis 60 m² Grundfläche, Terrassenüberdachungen bis 40 m² und bestimmte Balkonerneuerungen brauchen keine Baugenehmigung mehr.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Mechanismus ist ambitioniert, aber nicht ohne Reibungen. Das Deutsche Institut für vergleichende Bauforschung (DIvB) wies im Mai 2025 darauf hin, dass § 85a NBauO in der Praxis weniger Klarheit schafft als gehofft. Der Verweis auf die unbestimmten Grundanforderungen des § 3 Abs. 1 NBauO veranlasst planende Büros aus Haftungsgründen, die Neubau-Anforderungen vorsorglich doch wieder einzubeziehen. Die Architektenkammer Niedersachsen begrüßt die Reform-Richtung ausdrücklich, sieht jedoch an mehreren Stellen Nachbesserungsbedarf, etwa bei den Beratungspflichten der Bauaufsichtsbehörden. Auf Bundesebene wartet die Branche derweil auf das Gebäudetyp-E-Gesetz, dessen Eckpunkte das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) und das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) am 20. November 2025 vorgelegt haben. Ein Referentenentwurf wird laut Bauministerkonferenz nicht vor Mitte 2026 erwartet, das Inkrafttreten erst 2027.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie konkret schlägt sich das in Bremen nieder?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während die Rechtspraxis in Niedersachsen noch tastet, liefert Bremen Anschauungsmaterial. Am 19. Februar 2026 verlieh die Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung gemeinsam mit der Architektenkammer der Freien Hansestadt Bremen und dem Bremer Zentrum für Baukultur den Bremer Wohnbaupreis 2025. Insgesamt wurden 10 Preise, 5 Anerkennungen und 5 Sonderpreise Quartier vergeben. Auffällig: Mehrere prominent prämierte Projekte liegen in ehemaligen Industrie- und Konversionsarealen, also dort, wo Bauen im Bestand keine Zusatzoption ist, sondern Voraussetzung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ausgezeichnet wurde das Neue Kaffeequartier in der Bremer Überseestadt von LRW Architektur für die Hegemann-Reiners-Gruppe. Auf einem früher industriell genutzten Kaffee-Areal entstanden kleinteilige Strukturen, die die Altbremer Typologie mit Klinker, horizontalen Bändern und präzisen Fensterformaten zeitgenössisch übersetzen. Eine Anerkennung erhielten die Speicherlofts und die TQ Studios im Tabakquartier in Bremen-Woltmershausen, dem ehemaligen Standort der Brinkmann-Tabakfabrik, Bauherr Justus Grosse Immobilienunternehmen, Architektur Hilmes Lamprecht Architekten BDA. Lagerbauten der 1960er und 1970er Jahre wurden zu Wohnformen umgebaut, die ohne Abriss auskommen. Eine weitere Anerkennung ging an die Hafenpassage in der Überseestadt, ein Ensemble aus Wohnen, Kita, Büro und Gewerbe, das die Mischung von Funktionen typologisch durchgearbeitet zeigt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die drei Fälle machen sichtbar, was die rechtliche Lockerung erst ermöglicht. Eine Umnutzung wie im Tabakquartier wäre unter strengen Neubauanforderungen an Schallschutz (DIN 4109), Decken- und Brandschutzaufbauten in vielen Fällen wirtschaftlich nicht darstellbar. Zugleich stehen Konversionsquartiere für die einzige skalierbare Antwort auf das CO₂-Problem der Bauwirtschaft: Erhalt grauer Energie statt Abriss-Logik, Weiternutzung statt Neuversiegelung. Bremen hat die eigene Bremische Landesbauordnung am 15. Mai 2024 ebenfalls in Richtung Bestand novelliert, in der Ausprägung weniger weitgehend als Niedersachsen, in der Stoßrichtung identisch. Beide Länder antworten damit auf Forderungen, die Architects for Future (A4F) bereits 2021 in die Bauministerkonferenz eingebracht hatte, und beide kombinieren die Reform mit einem gemeinsamen Tag der Architektur. Das Programm 2026 zeigt also nicht zufällig einen höheren Anteil an Bestandsprojekten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Niedersachsen und Bremen bilden damit den einzigen koordinierten Versuchsraum bundesweit, in dem eine Umbauordnung als geltendes Landesrecht in der Anwendung steht. Ob daraus ein Modell wird, das die Musterbauordnung (MBO) der Bauministerkonferenz nachhaltig prägt, hängt davon ab, wie die Schnittstellen zum kommenden Gebäudetyp-E-Gesetz, zum Gebäudeenergiegesetz (GEG), zum Baugesetzbuch (BauGB) und zur Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) ausgestaltet werden. Belastbar bleibt eine niedersächsische Erkenntnis: Wer Bauen im Bestand ernsthaft erleichtern will, muss die materiellen Anforderungen entkoppeln, nicht nur Verfahren beschleunigen. Der Nordwesten liefert dafür gerade das beste verfügbare empirische Material. Die ArchitekturZeit 2026 übersetzt diese Rechtspraxis in besichtigbare Baukultur, und der Tag der Architektur am 28. Juni wird zeigen, ob die Reform auch ästhetisch trägt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/umbauen-statt-neu-bauen-wird-niedersachsen-zum-labor-fuer-einfacheres-bauen-im-bestand/">Umbauen statt neu bauen: Wird Niedersachsen zum Labor für einfacheres Bauen im Bestand?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Heimat als Aushandlungsraum</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 14:23:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur und Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Heimatbegriff]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfsburg Kulturbauten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Kunstmuseum Wolfsburg zeigt ab September 2026 „Tell Me Where Home Is“ und macht die Heimatfrage zum Spiegel zwischen Bildender Kunst, Migration und gebauter Stadt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/heimat-als-aushandlungsraum/">Heimat als Aushandlungsraum</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | Regionales | Niedersachsen | Mai 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wenn alles wandert: Was bleibt vom Ort, an dem wir bauen?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Wie das Kunstmuseum Wolfsburg eine Ausstellung in einer Stadtloggia inszeniert, die selbst eine Heimat-Konstruktion ist</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heimat ist im 21. Jahrhundert kein geografischer Fixpunkt mehr, sondern ein fortlaufender Aushandlungsprozess zwischen Erinnerung, Migration und Zugehörigkeit. Genau diese These führt das Kunstmuseum Wolfsburg ab dem 19. September 2026 in der Ausstellung „Tell Me Where Home Is“ vor; und es tut das in einem Gebäude, das selbst eine architektonische Antwort auf die Heimatfrage formuliert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bis zum 17. Januar 2027 versammelt Kuratorin Uta Ruhkamp Positionen internationaler Gegenwartskunst, darunter Arbeiten von Alfredo Jaar, Olaf Metzel, Tracey Snelling, Cristina de Middel, Bani Abidi und Atiye Noreen Lax. Die Ausstellung verbindet Häuser, Städte, Landschaften und Sprachen mit digitalen Plattformen, religiösen Bezügen und biografischen Bruchlinien zu einem globalen Spiegel migrationsgeprägter Gesellschaften. Architektonisch trifft dieses Programm auf einen Bau, der seit drei Jahrzehnten bewusst zwischen den beiden zentralen Wolfsburger Kulturbauten vermittelt: dem Alvar-Aalto-Kulturhaus (1958 bis 1962) und Hans Scharouns Theater (1965 bis 1973).</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Kunstmuseum Wolfsburg wurde von 1992 bis 1994 nach einem Entwurf des Hamburger Büros Architekten Schweger + Partner errichtet, gemeinsam mit der gleichzeitig entstandenen Rathauserweiterung. Der weit überspannte Glasdachraum, von Peter Schweger als „transparente Stadtloggia“ angelegt, markiert den südlichen Stadteingang an der Porschestraße. Eine zentrale Halle von 40 mal 40 Metern, sechzehn Meter hoch, dient als variable Bühne für großformatige Installationen, Environments und Medienarbeiten. Finanziert und betrieben wird das Museum bis heute von der in München ansässigen Holler-Stiftung; ein regionaler Doppelbezug, der in der Wolfsburger Kulturlandschaft selten betont, aber strukturell prägend ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet Heimat für eine Stadt, die nie eine alte Heimat war?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wolfsburg ist ein Sonderfall im niedersächsischen Städtegefüge. 1938 als „Stadt des KdF-Wagens“ am Mittellandkanal gegründet, ist sie eine der wenigen großen deutschen Städte ohne mittelalterlichen Kern und ohne organisch gewachsene Identität. Heimat war hier von Anfang an eine planerische Setzung; eine politische Erfindung mit allen Brüchen der nationalsozialistischen Gründungsphase, der Nachkriegseinwanderung aus Italien, der Türkei und Südosteuropa, der Wiedervereinigung und der jüngeren Diversifizierung. Mehr als jede andere bundesdeutsche Großstadt hat Wolfsburg seine Bewohnerinnen und Bewohner aus Migrationsbewegungen gewonnen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In dieser Stadtbiografie ist Architektur nicht Hintergrund, sondern Akteur. Aaltos Kulturhaus erzählte 1962 von einer modernen, demokratischen Heimat im westlichen Bündnis; Scharouns Theater inszenierte die Kulturgesellschaft als beweglichen Raumkörper; Schwegers Glasdachhalle setzte 1994 eine bewusst transparente, nicht festungsartige Geste an den Stadteingang. Das städtebauliche Trio bildet einen Bezugsrahmen, der Heimat als Aufgabe begreift, nicht als Besitz. Genau hier verankert die Ausstellung ihre kuratorische Hauptlinie. Der Heimatbegriff wird vom geografischen Anspruch gelöst und in seine sozialen, biografischen und medialen Bestandteile übersetzt. Architektur und Stadt liefern den Resonanzraum dafür mit; planungsrechtlich gerahmt unter anderem durch die Niedersächsische Bauordnung (NBauO) und das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz (NDSchG), das den Umgang mit den drei Schlüsselbauten der Wolfsburger Nachkriegsmoderne mittelfristig prägen wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie wird ein Museumsbau zum Mitautor einer Migrationsschau?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Werkauswahl von Uta Ruhkamp arbeitet bewusst mit der Großzügigkeit der Halle. Alfredo Jaars Installation „One Million German Passports“ (2023), bisher in der Pinakothek der Moderne in München gezeigt, stapelt eine Million attrappenhafter deutscher Pässe zu einem Block aus Verbund- und Sicherheitsglas. Eine seitenlange politische Debatte erscheint als gebaute Masse; ein Material, das die Maßstabslogik des Schweger-Raums spiegelt. Tracey Snellings „One Thousand Shacks“ (2016) verdichtet die globale Realität informeller Siedlungen in ein präzises Modellbau-Tableau mit Videoeinspielungen; das Werk wird in der Halle zu einer Stadt in der Stadt. Olaf Metzels „Sammelstelle“ (1992) übersetzt die Verlorenheit des Übergangs in eine Metallkonstruktion, deren Aggregatzustand zwischen Lager und Notunterkunft oszilliert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bewegtbildarbeiten verschärfen die räumliche Lesart. Atiye Noreen Lax verhandelt in „Haymat“ (2024) das Wortspiel zwischen „Heimat“ und „Hayat“, dem türkischen Wort für Leben; Bani Abidis „The Song“ (2022) folgt einem Cellisten im Exil und macht die Tonspur zum eigentlichen Träger der Heimaterinnerung. Cristina de Middels fotografische Arbeit aus Oaxaca verschiebt Heimat in den Status eines sakralen Ortes unter touristischem Druck. Diese Werke setzen die Stadtloggia in einen ungewöhnlichen Modus. Die Transparenz, die Schweger 1994 als demokratisches Versprechen formuliert hat, wird zur Bedingung dafür, dass Heimat als wandelbarer Aushandlungsraum sichtbar werden kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Wolfsburger Nachkriegsmoderne ist diese Lesart auch denkmalfachlich relevant. Aaltos Kulturhaus steht als Einzeldenkmal unter Schutz, Scharouns Theater zählt zu den Schlüsselbauten der westdeutschen Theaterarchitektur und wird seit Jahren restaurierungsfachlich diskutiert; der Schweger-Bau ist als jüngerer Solitär noch nicht förmlich eingetragen, gewinnt aber durch das aktuelle Ausstellungsprogramm und seine städtebauliche Funktion an Schutzargumenten. Das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz (NDSchG) eröffnet hier in den kommenden Jahren einen ausgesprochen interessanten Bewertungsspielraum, der über Wolfsburg hinaus auf andere Kulturbauten der frühen 1990er Jahre ausstrahlen dürfte. Hinzu kommen die energetischen Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG), die gerade Glasdachhallen wie das Kunstmuseum vor anspruchsvolle Aufgaben stellen, ohne ihre räumliche Substanz zu beschädigen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Begleitprogramm der Schau spielt diese Bezüge bewusst aus. Geplant sind Künstlerinnengespräche, ein wissenschaftliches Symposium und Vermittlungsformate, die den Dialog mit den Wolfsburger Schulen und Communities suchen. Die Bedeutung dieses Konzepts reicht über Wolfsburg hinaus. Wenn Kommunen in Niedersachsen wie in anderen Bundesländern aktuell ihre Leitbilder zwischen Klimaanpassung, Wohnraumknappheit und sozialer Diversifikation neu justieren, ist die Frage nach Heimat keine nostalgische Restkategorie, sondern eine planungsrelevante Größe. Sie berührt das Verhältnis von Bestand und Neubau, die Auseinandersetzung mit der Nachkriegsmoderne als Denkmalbestand und die Frage, welche Räume eine Gesellschaft als zugänglich, lesbar und teilbar empfindet. Eine Ausstellung wie „Tell Me Where Home Is“ bietet Architektinnen, Stadtplanern und Verwaltungen eine produktive Irritation, weil sie die emotionale Substanz unter den Begriffen offenlegt, die im Planungsalltag oft technisch eingeebnet werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Erfolg der Ausstellung wird sich nicht zuletzt daran bemessen, ob es gelingt, den Ort selbst als Argument zu lesen. Wolfsburg ist eine Stadt, die ihre Heimat nie geerbt, sondern beständig neu hergestellt hat; das Museum ist ein Bau, der diese Bewegung in Stahl, Glas und Licht übersetzt. Wenn Kunst und Architektur an diesem Ort zusammenkommen, entsteht weniger eine Antwort auf die Heimatfrage als eine präzise gerahmte Bestandsaufnahme. Genau darin liegt der spezifisch regionale Beitrag dieser Schau zur bundesweiten Debatte über Zugehörigkeit, Bauen und gesellschaftliche Selbstverortung.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Leserinformation</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ausstellung </strong>„Tell Me Where Home Is“, 19. September 2026 bis 17. Januar 2027</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kuratorin </strong>Uta Ruhkamp, kuratorische Assistenz: Linus Jantzen und Anne Rybka</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ort </strong>Kunstmuseum Wolfsburg, Hollerplatz 1, 38440 Wolfsburg</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Öffnungszeiten </strong>Dienstag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 18 Uhr</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eintritt </strong>15 Euro regulär, 10 Euro ermäßigt, frei bis 18 Jahre</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kontakt </strong>Telefon +49 5361 26690, <a href="mailto:info@kunstmuseum.de" target="_blank" rel="noopener" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link">info@kunstmuseum.de</a>, <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://www.kunstmuseum.de/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://www.kunstmuseum.de</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Architektur</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bau: Architekten Schweger + Partner (1992 bis 1994), transparente Stadtloggia, Hauptraum 40 mal 40 Meter, im Spannungsfeld zwischen Aalto-Kulturhaus (1962) und Scharoun-Theater (1973)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Streit um das Erbbaurecht in Niedersachsen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 10:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Erbbaurecht]]></category>
		<category><![CDATA[Klosterkammer Hannover]]></category>
		<category><![CDATA[Niedersachsen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sprünge bis zum 45-Fachen: Der Streit um das Erbbaurecht spaltet Niedersachsen, stellt die Klosterkammer Hannover in die Kritik und zwingt den Landtag zur wohnungspolitischen Grundsatzdebatte.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/streit-um-das-erbbaurecht-in-niedersachsen/">Streit um das Erbbaurecht in Niedersachsen</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong> | Regionales | April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die unsichtbare Enteignung: Wie ein Paragraph das Eigenheim verschwinden lässt</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Erbbaurecht, ein dingliches Nutzungsrecht nach dem Erbbaurechtsgesetz (ErbbauRG) von 1919, verwandelt sich in Niedersachsen vom sozialpolitischen Wohninstrument zur finanziellen Drohkulisse für zehntausende Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer. Rund fünf bis zehn Prozent der niedersächsischen Bevölkerung lebt auf Erbbaurechtsgrundstücken, die weitaus meisten Verträge wurden in den fünfziger und sechziger Jahren für Laufzeiten von achtzig Jahren geschlossen. Nun laufen die ersten Verträge aus, und die Neuverhandlungen bringen Pachtsteigerungen zutage, die in Einzelfällen das 45-Fache oder gar 5000 Prozent des alten Zinses erreichen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders betroffen sind die Stadtregionen Hannover, Lüneburg, Osnabrück, Hildesheim und Göttingen. Dort haben sich seit dem Sommer 2025 Bürgerinitiativen gegründet, die unter dem Dach der Landesarbeitsgemeinschaft Bezahlbares Wohnen im Erbbau Niedersachsen (LAG) zusammenarbeiten. Demonstrationen vor dem Landtag, eine Kleine Anfrage der CDU-Abgeordneten Verena Kämmerling und Marco Mohrmann, ein rot-grüner Entschließungsantrag und schließlich Klagedrohungen gegen einzelne Landeskirchengemeinden haben aus einer regionalen Debatte eine landespolitische Grundsatzfrage gemacht. Im Mittelpunkt steht die Klosterkammer Hannover, eine Sonderbehörde im Geschäftsbereich des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (MWK), die rund 17.000 Erbbaurechte verwaltet und damit die größte Erbbaurechtsausgeberin Deutschlands ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum führt § 64 LHO zu Zinssprüngen bis zum Fünfundvierzigfachen?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort liegt in der Niedersächsischen Landeshaushaltsordnung (LHO). Ziffer 4.1 der Anlage 3 zur Verwaltungsvorschrift Nr. 2.3.2 zu § 64 LHO schreibt vor, dass bei der Bestellung eines Erbbaurechts ein wiederkehrendes Entgelt zu vereinbaren ist, das einem festen Prozentsatz des Bodenwerts zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses entspricht. Für Wohnbebauung beträgt dieser Prozentsatz pauschal fünf. Da sich der Bodenwert am Bodenrichtwert der örtlichen Gutachterausschüsse orientiert und dieser sich in den Ballungsräumen seit 2010 teilweise verzwanzigfacht hat, koppeln sich die Erbbauzinsen bei Vertragsablauf mechanisch an die spekulative Bodenwertentwicklung. § 63 Absatz 3 LHO schreibt zudem vor, dass Vermögensgegenstände nur zu ihrem vollen Wert genutzt werden dürfen. Über § 105 Absatz 1 Nummer 2 LHO gelten die Paragraphen 1 bis 87 LHO auch für die von der Klosterkammer verwalteten Stiftungen; die Kammer ist damit als Landesbehörde an dieses Wirtschaftlichkeitsgebot vollumfänglich gebunden, anders als Kommunen wie Lübeck, Bremen oder Hamburg, die ihre Erbbauzinsen aus eigener Kassenhoheit senken und über andere Gebühren quersubventionieren konnten. Ein Erlass des Niedersächsischen Finanzministeriums vom 15. November 2012 ließ lediglich für vorzeitige Vertragsverlängerungen mit Restlaufzeiten zwischen fünf und vierzig Jahren einen reduzierten Satz von vier Prozent auf den Netto-Bodenwert zu; rund 2.000 Verträge wurden auf dieser Grundlage bereits verlängert. Wer bis zum regulären Vertragsende wartet, fällt automatisch in die Fünf-Prozent-Regel zurück.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Folgen sind drastisch. In Hannover muss ein Rentnerehepaar nach Berichten des Norddeutschen Rundfunks künftig statt 28 Euro monatlich rund 1.600 Euro zahlen. Eine andere Rentnerin mit einem 430 Quadratmeter großen Grundstück soll den Jahreszins von rund 980 Euro auf 15.600 Euro anheben, also auf das Sechzehnfache. In Lüneburg steht ein 790 Quadratmeter großes Grundstück mit aktuell 570 Euro Jahreszins bei Neuvergabe rechnerisch bei über 12.000 Euro. Kann der Vertrag nicht verlängert werden, läuft er aus, und das Gebäudeeigentum fällt an die Grundstückseigentümerin zurück. Die Klosterkammer entschädigt inzwischen bis zu 100 Prozent des Verkehrswerts, wie die Drucksache 19/8184 des Niedersächsischen Landtags ausweist. Für Betroffene bleibt das trotzdem der Verlust des Eigenheims.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Klosterkammerpräsidentin Thela Wernstedt verteidigt die Praxis mit dem Hinweis, dass die Behörde vier öffentlich-rechtliche Stiftungen verwaltet, darunter den Allgemeinen Hannoverschen Klosterfonds (AHK) mit einer Bilanzsumme von rund 750 Millionen Euro. Aus den Erbbauzinsen erhält die Kammer Mittel, die im Jahresbericht 2024 mit rund 3,5 Millionen Euro für soziale, kirchliche und Bildungsprojekte ausgewiesen sind. Der Erhalt von mehr als 700 Baudenkmalen in Niedersachsen ist ohne diese Erträge nach Angaben der Kammer nicht darstellbar. Die Schaffung bezahlbaren Wohnraums, so Wernstedt, sei nicht Aufgabe der Vermögensverwaltung, sondern des Gesetzgebers.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet der Streit für die künftige Bodenpolitik im Norden?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Landtag haben SPD und Grüne mit Drucksache 19/8949 vom 11. November 2025 einen Entschließungsantrag eingebracht, der vier Stellschrauben nennt. Erstens soll geprüft werden, ob die Verwaltungsvorschriften zur LHO reformiert werden müssen. Zweitens soll ein Gremium eingerichtet werden, das der Klosterkammer bei neuen Verträgen eine angemessene Vertragsgestaltung empfiehlt. Drittens soll als Bemessungsgrundlage nicht der aktuelle Bodenrichtwert dienen, sondern ein gleitender Zehn-Jahres-Median der Richtwerte aus den örtlichen Gutachterausschüssen, um spekulative Ausschläge zu glätten. Viertens soll in Gebieten mit angespannten Wohnungsmärkten nach § 1 der Niedersächsischen Mieterschutzverordnung ein Verzicht auf bis zu drei Viertel des Erbbauzinses möglich werden, was einem effektiven Satz von 1,25 Prozent entspricht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der CDU-Abgeordnete Christian Frölich kritisierte den Antrag in der ersten Lesung am 20. November 2025 als teilweise verfassungswidrig. Die Idee eines beratenden Gremiums neben der Rechtsaufsicht des MWK wertete er als Delegationstrick. Die Ablösung des aktuellen Bodenrichtwerts durch einen Zehn-Jahres-Median verstoße gegen § 63 Absatz 3 LHO. Frank Henning (SPD) und Heiko Sachtleben (Grüne) hielten dagegen, die Maßnahmen seien Ergebnis monatelanger Gespräche mit der Klosterkammer selbst und ließen sich ohne Änderung der LHO über neue Verwaltungsvorschriften des Finanzministeriums umsetzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Parallel hat die Klosterkammer selbst nachjustiert. Im Dezember 2025 stellte Liegenschaftsleiterin Friederike Bock ein neues Vertragsmodell vor, das den Prozentsatz nicht mehr pauschal bei fünf belässt, sondern am Referenzzinssatz zehnjähriger Bundesanleihen orientiert, der Anfang 2026 bei 2,69 Prozent lag. Zusätzlich wird ein Netto-Bodenwert zugrunde gelegt, bei dem die Erschließungskosten abgezogen werden, und in angespannten Wohnlagen gibt es einen zusätzlichen Abschlag von einem Drittel. Für das Lüneburger Beispielgrundstück sinkt der rechnerische Jahreszins dadurch von rund 12.260 auf 5.619 Euro. Das MWK hat das Modell genehmigt; die LAG hält es dennoch für unzureichend und behält sich Musterklagen vor.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisch und planerisch geht es um mehr als Paragraphen. Das Erbbaurecht war seit der Erbbaurechtsverordnung von 1919 ein Instrument, um Bodenspekulation zu begrenzen und Eigentumsbildung für mittlere Einkommen zu ermöglichen. Wenn es heute in seiner Anwendung genau jene Spekulation weiterträgt, die es einst eindämmen sollte, gerät auch die Stadtentwicklung unter Druck: Eigentümerwechsel durch Unbezahlbarkeit, Zwangsmietverhältnisse in eigenen Häusern und Bestandsverluste in gewachsenen Wohnquartieren sind die Folge. Gerade in gründerzeitlichen und nachkriegszeitlichen Vorstadtlagen, die architekturhistorisch oft unter Erhaltungssatzungen nach § 172 Baugesetzbuch (BauGB) stehen, drohen Eigentümerinnen unter dem Zinsdruck zum Notverkauf; die städtebauliche Kontinuität, die diese Quartiere prägt, ist damit mittelbar gefährdet. Allein bei der Klosterkammer laufen bis 2048 rund 2.600 Verträge aus, weitere Zehntausende liegen bei Landeskirchen, der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, den kommunalen Wohnungsgesellschaften und privaten Stiftungen. Die Entscheidungen, die in Hannover nun getroffen werden, wirken über Niedersachsen hinaus. Sie prägen den Umgang mit dem ErbbauRG in allen Bundesländern, in denen die öffentliche Hand, Kirchen und kommunale Wohnungsunternehmen ähnliche Vertragswellen vor sich haben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Land der Quartiere: Bremen startet eine IBA ohne frisches Geld</title>
		<link>https://baukunst.art/land-der-quartiere-bremen-startet-eine-iba-ohne-frisches-geld/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 09:45:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[BauGB]]></category>
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		<category><![CDATA[Quartiersentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtumbau]]></category>
		<category><![CDATA[Werftquartier Bremerhaven]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zehn Jahre, zwei Städte, kein frisches Geld: Bremens Bausenatorin Özlem Ünsal hat die erste IBA-Werkstatt eröffnet und das Leitbild „Land der Quartiere" in die Umsetzung überführt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong> | Regionales | April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Bremens teure Wette: Wie eine IBA ohne neues Geld die Quartiere retten soll</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Internationale Bauausstellung Bremen ist ein zehnjähriges Sonderformat der Stadtentwicklung, mit dem die Freie Hansestadt den Umbau ihrer Quartiere zu sozial stabilen, klimagerechten und zukunftsfesten Orten organisieren will. Am 8. April 2026 hat Bausenatorin Özlem Ünsal im Bremer Zentrum für Baukultur (bzb) die erste IBA-Werkstatt eröffnet und damit einen Beschluss der Bremischen Bürgerschaft vom 8. Oktober 2025 in die Umsetzung überführt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Leitbild lautet „Bremen, Land der Quartiere&#8220;. Die Idee dahinter ist programmatisch: Die großen Zukunftsaufgaben, also sozialer Zusammenhalt, Bestandsentwicklung und Klimaanpassung, sollen dort bearbeitet werden, wo Menschen tatsächlich leben und arbeiten. Drei Begriffe geben der Phase ihre Richtung. Sozial, weil Quartiere gemeinwohlorientiert entstehen sollen. Robust, weil sie auf gesellschaftliche, wirtschaftliche und klimatische Erschütterungen vorbereitet sein müssen. Und zirkulär, weil Bauen und Bestandsentwicklung als Kreislauf zu denken sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Initiiert wurde die Bewerbung von der SPD-Bürgerschaftsfraktion, die bereits im September 2023 einen Antrag unter dem Arbeitstitel „Alte Quartiere zu neuem Glanz&#8220; eingebracht hatte. Zwei Jahre später beauftragte die rot-grün-rote Koalition den Senat mit der Erarbeitung eines Konzepts. Seither arbeitet das Senatsressort für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung an inhaltlichen und strukturellen Grundlagen. Aus dem aktuellen Werkstattbericht soll im Laufe des Jahres ein Memorandum entstehen, das die Grundzüge für eine IBA im Land Bremen verbindlich zusammenfasst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Quartiere rücken in den Fokus?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Spektrum der möglichen Interventionsräume ist groß und macht die Bremer Initiative bundesweit zum einzigen Zwei-Städte-Projekt dieser Art. Im Blickfeld stehen ehemalige Arbeiterstadtteile, denen die sanfte Transformation nicht gelungen ist. In Hemelingen eröffnet das Coca-Cola- und Könecke-Gelände Spielräume für produktives Gewerbe und Wohnen. Im Vorderen Woltmershausen reift das bereits prominent besetzte Tabakquartier. Die Überseeinsel gilt mit ihrem eigenständigen Energiekonzept als Referenz für quartiersbezogene Wärmewende. In Blumenthal wird ein denkmalgeschütztes Rathaus zum Quartiershaus umgebaut, das künftig Ortsamt, Polizei und Jugendgesundheitsdienst zusammenführt; daneben steht das Kämmerei-Quartier als großflächiges Entwicklungsareal im Raum.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf der Bremerhavener Seite bildet das Werftquartier den baulich ehrgeizigsten Baustein. Auf rund 140 Hektar im Bereich des nördlichen Fischereihafens soll auf dem Areal der ehemaligen Seebeck-Werft Wohnraum für rund 6.000 Menschen und etwa 5.000 Arbeitsplätze entstehen, mit dem Ziel der vollständigen CO2-Neutralität bis 2045. Der städtebauliche Rahmenplan geht auf einen Realisierungswettbewerb zurück, den das dänische Büro COBE 2020 gewonnen hat. Ergänzend bringen die Antragsteller das Gestra-Gelände in Findorff, das Goethe-Viertel sowie mit dem Hohentorshafen und dem Hemelinger Hafen weitere Potenzialorte entlang der Weser ins Gespräch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gemeinsamer Nenner ist nicht ein einzelner Gebäudetyp, sondern eine Diagnose. Immer mehr Nutzungsklassen fallen aus, vom Warenhaus über die Tankstelle bis zur Kirche, während Flächenverbrauch minimiert und Verkehrslasten reduziert werden sollen. Das Bauordnungsrecht nach §§ 50 ff. Bremische Landesbauordnung (BremLBO), die Klimaanforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) und die städtebaulichen Instrumente der §§ 136 ff. und §§ 171a ff. Baugesetzbuch (BauGB, Sanierungs- und Stadtumbaugebiete) treffen in diesen Quartieren auf eine Eigentümerstruktur, die sich mit klassischer Angebotsplanung kaum bewegen lässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Prozesskultur, die die IBA einführen will, unterscheidet sich bewusst vom klassischen Architekturwettbewerb. Regisseurin Lilli Thalgott hat für den Werkstattbericht fünf Filmporträts von Quartiersmachern produziert, moderiert hat die Eröffnungsveranstaltung Frauke Burgdorff aus Aachen. Lars-Christian Uhlig vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat das Vorhaben fachlich eingeordnet. Erkennbar wird ein Format, das nicht vorrangig Baukörper produzieren, sondern Koordination, Beteiligung und Wissenstransfer erlebbar machen soll. Für ein Architekturmagazin ist das zunächst die unbequemere Nachricht: Die IBA will weniger Architektur zeigen und mehr Prozess.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie wird eine IBA ohne frisches Geld finanziert?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die zentrale Schwachstelle der Bremer Initiative hat die Senatorin selbst benannt. Für die IBA stehen keine erheblichen neuen öffentlichen Mittel bereit. Der Bauindustrieverband Niedersachsen-Bremen unterstützt das Vorhaben, formuliert aber den Prüfstein präzise. Hauptgeschäftsführer Jörn P. Makko hat die Perspektive in drei Fragen übersetzt: Wird das Bauordnungsrecht vereinfacht? Werden Genehmigungen schneller? Kommen Grundstücke zu Konditionen auf den Tisch, mit denen sich rechnen lässt? Solange diese drei Antworten ausstehen, bleibt die IBA, um es mit Makko zu sagen, zunächst ein Rahmen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Senatorin setzt genau an diesem Punkt auf die Katalysatorwirkung des Formats. Eine IBA soll lokale Akteure einbinden, unterschiedliche Quartiersbedarfe stärken und neue Finanzierungswege durch Bündelung und Bundesförderung erschließen. Der Verweis auf Referenzen liegt nahe. Die IBA Hamburg hat zwischen 2006 und 2013 unter dem Motto „Sprung über die Elbe&#8220; 63 bauliche Projekte angestoßen und rund 1.200 Wohnungen geschaffen. Die IBA Emscher-Park hat den Strukturwandel des Ruhrgebiets gestaltet. Beide Formate haben gezeigt, dass eine IBA nicht primär eigenes Budget verteilt, sondern Drittmittel mobilisiert, Genehmigungsbehörden synchronisiert und private Investitionen in Areale lenkt, die sonst im Portfolio hinten liegen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Fachlich eingeordnet wird die Bremer Perspektive unter anderem vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Auch die Handelskammer Bremen und die Aufbaugemeinschaft haben sich positioniert. Entscheidend wird sein, wie der Senat die organisatorische Durchführung strukturiert. Der Bürgerschaftsbeschluss lässt bewusst mehrere Optionen offen, von einer interdisziplinären Steuerung innerhalb der Verwaltung über eine eigenständige kuratorische Leitung bis hin zu einer eigenen Projektgesellschaft mit operativer Entwicklungskapazität. Senatsbaudirektor Arend Bewernitz, seit Februar 2026 Nachfolger von Iris Reuther, dürfte die Weichenstellung maßgeblich mitprägen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als Stützpfeiler dieser These dient Bremen die eigene Bilanz. Das Tabakquartier in Woltmershausen verbindet Wohnen, Kultur, Arbeit und Freizeit auf einem industriell geprägten Areal, die Überseeinsel testet ein eigenständiges Quartiersenergiekonzept, und die langjährige Stadterneuerung im Schweizer Viertel hat gezeigt, dass Bestandsumbau ohne Abriss tragfähig ist. Diese Projekte sind keine IBA-Vorhaben, belegen aber, dass die Stadt Quartiersentwicklung operativ beherrscht. Die IBA soll diese Praxis skalieren und methodisch in die nächste Ebene heben. Gleichzeitig stehen offene Fragen an, etwa zur Zukunft der Lloyd-Passage in Bremerhaven, deren Erhalt oder Abbruch gerade verhandelt wird und die exemplarisch zeigt, wie schnell IBA-Themen in politische Entscheidungen überführt werden müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Präsentation der IBA selbst wird erst in den 2030er Jahren erwartet; die Website <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://land-der-quartiere.de/" data-inline-card="" data-card-data="">http://land-der-quartiere.de</a></span></span> begleitet den Prozess. Für die Fachöffentlichkeit in der DACH-Region liegt der eigentliche Test jedoch nicht im Präsentationsjahr, sondern in der Zwischenzeit. Sichtbar werden muss, ob der Zwei-Städte-Staat seine enge Verzahnung von Landes- und kommunaler Ebene tatsächlich als Beschleuniger nutzt oder ob das bundesweite Alleinstellungsmerkmal an der Kassenlage scheitert. Eine IBA ohne Budget ist keine Absage an Ambition, sie ist eine Wette auf Handwerk: auf schnellere Genehmigungen, mobilisierbare Grundstücke und ein Bauordnungsrecht, das Umbau vor Abriss und Bestand vor Neubau honoriert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>Bremen macht architektonisch zu wenig aus der Lage am Wasser</title>
		<link>https://baukunst.art/bremen-macht-architektonisch-zu-wenig-aus-der-lage-am-wasser/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 16:30:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bremen | Stadtentwicklung | Waterfront | Weser | Überseestadt | Hafenrevitalisierung | Wettbewerb | BauGB | BremLBO | BremDSchG | BauNVO]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bremen hat Wasser im Rücken und wenig Architektur, die es zeigt. Warum die Weser im Stadtbild zu oft Kulisse bleibt. </p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="font-weight: 400;"><strong>baukunst.art</strong></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Redaktionskategorie: REGIONALES</em></p>
<h1>Eine Hansestadt und ihr Fluss: Bremer Stadtentwicklung zwischen Anspruch und Wirklichkeit</h1>
<p style="font-weight: 400;">Wasserstädte sind kein Privileg, sie sind eine Verpflichtung: Wer an einem Fluss sitzt, muss Antworten geben, die ohne Wasser undenkbar wären. Bremen sitzt an der Weser, einem der baugeschichtlich bedeutsamsten deutschen Ströme, und gibt seit Jahrzehnten Antworten, die diese Lage erstaunlich selten einlösen. Das ist kein Vorwurf an einzelne Akteure, sondern eine strukturelle Beobachtung, die sich aus dem Vergleich mit anderen Wasserstädten, aus dem Blick auf Bremens eigene Planungsgeschichte und aus dem heutigen Zustand der Weserufer ergibt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Fakten sind bekannt: Die Überseestadt, mit rund 300 Hektar eines der größten Hafenrevitalisierungsprojekte Europas, transformiert seit dem Masterplan von 2003 die alten Hafenareale rechts der Weser. Einzelne Projekte setzen architektonische Akzente. Das John &amp; Will Silo-Hotel auf dem ehemaligen Kellogg-Areal, eröffnet 2024, nutzt die seltene Qualität, aus jedem Zimmer auf die Weser zu blicken. Die Überseeinsel wurde 2024 mit dem polis Award in der Kategorie Urbanes Flächenrecycling ausgezeichnet und formuliert den Anspruch eines wirklich urbanen Quartiers am Wasser. Das sind Beispiele, die sich sehen lassen können. Doch sie bleiben Inseln.</p>
<p style="font-weight: 400;">Weser-Bremen ist kein Rhein-Köln und kein Elbe-Hamburg. Das ist keine Entschuldigung, sondern ein Ausgangspunkt. Die Weser ist in Bremen ein anderer Strom: breiter als erwartet, von Deichen eingefasst, auf weiten Strecken durch industrielle Nutzungen vom öffentlichen Raum getrennt. Die Schlachte, Bremens bekannteste Uferpromenade, wurde zwischen 1993 und 2000 im Rahmen des Expo-Projekts &#8218;Stadt am Fluss&#8216; neu gestaltet und hat sich seitdem zur Gastronomie- und Biergartenmeile entwickelt. Was als Aufwertung gemeint war, wirkt heute wie eine Verengung: Statt Wasserbaukultur in ihrer ganzen Tiefe eine bewirtschaftete Flanierzone, deren Architektur den Blick auf die Weser eher behauptet als inszeniert.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Wie wird Wasserlage planerisch definiert, und was hindert Bremen daran, sie auszuschöpfen?</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Die Bremer Bauordnung (BremLBO) kennt keine besondere Kategorie für Wasserlagen. Das Bremische Denkmalschutzgesetz (BremDSchG) schützt zahlreiche Strukturen am Ufer, stellt sie jedoch nicht in den Dienst einer kohärenten wasserbezogenen Stadtbildstrategie. § 34 des Baugesetzbuchs (BauGB) regelt das Einfügen in die nähere Umgebung auch für Wasserlagen, ohne dass dies zu einer stadtweiten Systematik der Freiraumgestaltung an der Weser geführt hätte. Das ist eine planungsrechtliche Lücke, die durch informelle Instrumente wie Masterpläne und Rahmenpläne gefüllt werden soll, aber bisher nur dort wirkt, wo Investorendruck ohnehin vorhanden ist.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der Masterplan Überseestadt von 2003 formuliert das Leitbild eines durchgängigen öffentlichen Ufers: Kajen, Wälle und Promenaden sollen die 300 Hektar zugänglich halten. In der Realität sind große Abschnitte des Weserufers innerhalb der Überseestadt noch immer für die Öffentlichkeit kaum erreichbar, durch Betriebsflächen versperrt oder von der Bebauung abgewendet. Wo gebaut wurde, orientiert sich die Architektur häufig an einer Hafenoptik, die mehr Kulisse als Haltung ist. Fassaden aus Sichtbeton oder Cortenstahl am Wasser zitieren industrielles Erbe, ohne es zu interpretieren.</p>
<p style="font-weight: 400;">Hinzu kommt das Problem der Maßstäblichkeit. Das Institut der Stadtbaukunst hat in einer vergleichenden Analyse der Überseestadt festgestellt, dass die Straßenräume dort im Vergleich zu Hamburg sehr breit wirken und die Bebauung häufig von der Grundstücksgrenze zurücktritt. Das erzeugt Weitläufigkeit, aber keine Dichte, die Urbanität am Wasser erst spürbar macht. Die Verbindung zwischen Überseestadt und den angrenzenden Stadtteilen Walle und Gröpelingen bleibt lückenhaft, was den Wasserraum als zusammenhängendes Erlebnis verhindert.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Warum bleibt das Potenzial der Weserlage baulich so weit hinter den Vergleichsstädten zurück?</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Ein Teil der Antwort liegt in der Wettbewerbskultur. Die Architektenkammer der Freien Hansestadt Bremen (AKHB) fordert seit Jahren regelgebundene Verfahren für exponierte Lagen. In der Praxis fehlen sie häufig. Der Präsident der Architektenkammer, Michael Frenz, hat die Notwendigkeit von Wagemut und planerischen Impulsen betont. Doch Wagemut kostet Zeit und Geld, und beides ist in Bremens angespannter Haushaltssituation knapp. Das Ergebnis sind Gebäude, die korrekt sind, ohne einprägsam zu sein, und Ufer, die benutzbar sind, ohne einzuladen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Hamburg zeigt, was mit konsequenter wasserbezogener Stadtentwicklung erreichbar ist: In der HafenCity, mit 155 Hektar halb so groß wie Bremens Überseestadt, entstand ein zusammenhängendes Ensemble, das Öffentlichkeit, Architektur und Wasserbezug als integrale Einheit begreift. Das Verhältnis zwischen Kajenlänge und öffentlich nutzbarer Promenade ist dort systematisch definiert. In Bremen fehlt eine vergleichbare Kenngröße. Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer Planungskultur, die Wasserlage als Bonus versteht, nicht als Bedingung.</p>
<p style="font-weight: 400;">Bremens Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki hat in einer viel diskutierten Stellungnahme von austauschbarer Architektur und schleichender Stadtzerstörung gesprochen, getrieben von Investoren, die Maximalrenditen erzielten. Ob man diese Zuspitzung teilt oder nicht: Sie trifft einen Nerv. Am Weserufer zeigt sich das besonders deutlich, weil dort die Differenz zwischen dem, was möglich wäre, und dem, was entsteht, am augenfälligsten ist.</p>
<p style="font-weight: 400;">Es gibt Ansätze, die Hoffnung machen. Das Projekt Waller Sand in der Überseestadt, gefördert durch das Bundesprogramm Nationale Projekte des Städtebaus mit rund 3,1 Millionen Euro, schafft einen neuen öffentlichen Freiraum am Wendebecken. Der Kellogg Pier auf der Überseeinsel erhielt 2024 den Sonderpreis für Umbaukultur in der zirkulären Stadt des Deutschen Städtebaupreises. Und die Kellogg-Höfe, ab 2028 geplant, könnten mit Werkturm und gestalteten Freiräumen erstmals ein Ensemble bilden, das der Weser gegenüber eine architektonische Haltung einnimmt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Was fehlt, ist der politische Rahmen, der diese Einzelprojekte zu einer Strategie verbindet. Ein stadtweites Konzept für die öffentliche Zugänglichkeit der Weserufer, verankert in einem Fachplan analog zu norddeutschen Nachbarländern, würde dem Fluss endlich den Status geben, der ihm gebührt. Die Weser ist nicht Kulisse. Sie ist der Grund, warum Bremen hier ist. Wer das baut, verdient die Stadt.</p>
<p style="font-weight: 400;">
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			</item>
		<item>
		<title>Das Klinkerkleid als Stadtversprechen: The Box Hannover von Herzog &#038; de Meuron</title>
		<link>https://baukunst.art/das-klinkerkleid-als-stadtversprechen-the-box-hannover-von-herzog-de-meuron/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 15:45:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Adaptive Reuse]]></category>
		<category><![CDATA[BauGB]]></category>
		<category><![CDATA[Berufsschule]]></category>
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		<category><![CDATA[Hannover]]></category>
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		<category><![CDATA[Klinkerfassade]]></category>
		<category><![CDATA[Leerstandsaktivierung]]></category>
		<category><![CDATA[LROP]]></category>
		<category><![CDATA[Mixed-Use]]></category>
		<category><![CDATA[NDSchG]]></category>
		<category><![CDATA[Niedersachsen]]></category>
		<category><![CDATA[ROG]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[The Box Hannover]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein leerstehender Kaufhausklopper, ein Wettbewerb mit sechs Bueros, ein einstimmiges Jury-Votum: Hannover bekommt von Herzog &#038; de Meuron ein neues Stadtgesicht aus Backstein.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong>   |   Regionales</p>
<p style="font-weight: 400;">
<h1>Kaufhausruine wird Lernort: Wie Hannover seinen Leerstand in Bildungsinfrastruktur verwandelt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Kaufhaussterben der Gegenwart ist kein örtliches Phänomen, sondern ein strukturelles: Rund 14.000 Quadratmeter Verkaufsfläche stehen in deutschen Innenstadtlagen durchschnittlich leer, wenn ein grosses Haus schliesst (laut Handelsverband Deutschland, HDE-Jahresbericht 2025). Hannover demonstriert nun, was aus solchen Volumen werden kann, wenn Eigentümerinitiative, Stadtplanung und ein erfahrenes Architekturbüro zusammenfinden: Das ehemalige Galeria-Kaufhof-Gebäude an der Schmiedestraße wird zu The Box, einem Mixed-Use-Komplex mit Bildung, Handel, Gastronomie und Wohnen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch 2023 hatte die insolvente Signa-Gruppe Abrisspläne für das Horten-Gebäude aus den 1970er Jahren verfolgt. Sein Nachfolger als Eigentümer, der Hannoveraner Investor Oliver Blume und seine THE BOX Projektentwicklungsgesellschaft, setzten dagegen auf Bestand und Umbau. Als Vorbereitung half eine Zwischennutzung unter dem Namen &#8222;Auhof&#8220;, von der Stadt und der Hochschule Hannover gemeinsam organisiert: ein urbaner Testballon, der das Potenzial des Hauses demonstrierte, bevor der Architekturwettbewerb gestartet wurde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sechs eingeladene Büros reichten Entwürfe ein. Das Gremium unter Vorsitz von Tatjana Sabljo empfahl einstimmig, den Erstplatzierten umzusetzen: Herzog &amp; de Meuron Basel (Berlin/München). Am 23. Februar 2026 wurde das Ergebnis öffentlich vorgestellt. Die Planungsverträge wurden noch am selben Tag unterzeichnet. Fertigstellung: Ende 2027.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was macht das Konzept von Herzog &amp; de Meuron stadtbaulich so überlegen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Schlüssel liegt im Fassadenkonzept und im programmatischen Denken. Die bekannte Horten-Vorhangfassade von Egon Eiermann, hermetisch und massstabssprengend, wird durch ein zweischichtiges System ersetzt: Innen eine transparente Glashulle als thermische Hülle, aussen eine selbsttragende, vertikal strukturierte Klinkerfassade aus rötlichen, teils glasierten Riemchen. Dieser Ansatz verbindet technische Pragmatik mit stadtbaulicher Intelligenz. Die Klinkerfassade nimmt Bezug auf die Backsteinarchitektur Hannovers, etwa auf Marktkirche, Altes Rathaus oder die grossen Bürobauten der Gründerzeit, ohne historistisch zu werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Entscheidend ist die Positionierung im Stadtraum. Das Gebäude liegt an der Schnittstelle zwischen der großmaßstäblichen City und der kleinteiligen, historisch geprägte Altstadt. Herzog &amp; de Meuron behalten die bestehende Kubatur und die markante Dachzone bei, überführen aber die Zweiteilung zwischen Hortenfassade und Ziegelwalmdach in eine kohärente Gesamtform. Plastische Akzente loesen die Blockhaftigkeit auf. Ein Innenhof bringt Tageslicht bis ins Erdgeschoss, grosse Fassadenöffnungen und flexible Elemente vermitteln zwischen innen und aussen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Fassadenkonzept reagiert damit auf Anforderungen, die aus dem niedersächsischen Denkmalschutzrecht resultieren: § 3 NDSchG (Niedersächsisches Denkmalschutzgesetz) verpflichtet zur Rücksichtnahme auf schutzwürdige Umgebung, auch wenn das Gebäude selbst nicht denkmalgeschützt ist. Die Marktkirche und die erhaltenen Altstadtstraßen westlich der Schmiedestraße definieren einen sensiblen Kontext. Die Klinkerfassade beantwortet diesen Kontext materialgerecht und ohne Mimikry.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Signalwirkung hat das Projekt für die niedersächsische Stadtentwicklung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">The Box Hannover ist kein Einzelfall, aber ein besonders gut beobachtbarer. Niedersachsen steht vor denselben Herausforderungen wie alle westdeutschen Flächenländer: rückläufige Einzelhandelsumsätze, Leerstandsdruck in B-Lagen, Flächenkonkurrenz zwischen Handel, Bildung und Wohnen. Das Landesentwicklungsprogramm Niedersachsen (LROP 2022) betont ausdrücklich die Innenentwicklung vor Außenentwicklung und die Stärkung zentraler Versorgungsbereiche gemäß § 2 Abs. 2 Nr. 4 ROG (Raumordnungsgesetz). The Box ist ein Lehrbeispiel, wie dieser politische Wille architektonisch eingelöst werden kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Raumprogramm des Umbaus ist konsequent durchdacht. Die Berufsbildenden Schule der Stadt Hannover erhält im Gebäude ihren Hauptmieter-Status; für die Schulräume in den tiefen Grundrissen sichert die innere Glashulle maximalen Tageslichteintrag. Ein eigener Eingang und eine Stadtloggia im ersten Obergeschoss schaffen eine eigene Adresse für die Schule innerhalb des Mixed-Use-Volumens. Auf dem Dach entstehen rund 100 Kleinapartments und Penthäuser, eine Sporthalle und ein öffentlich zugänglicher Garten. Der Turm an der Osterstraße wird zur digitalen Leinwand fuer Kunst und Kultur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Investitionsvolumen für den Umbau liegt laut Immobilien Zeitung bei knapp 100 Millionen Euro. Das ist, bezogen auf Flächenleistung und programmatische Vielfalt, ein kompaktes Budget. Es zeigt auch, dass Bestandssanierung in Größendimensionen wirtschaftlich darstellbar ist, wenn Förderkulissen stimmen: Das Land Niedersachsen stellt ueber die NBank-Förderprogramme Mittel für den sozialen Wohnungsbau und die energetische Sanierung bereit, die bei einem Projekt dieser Art kombinierbar waeren. Die Energieeffizienzanforderungen gemäß GEG (Gebäude-Energie-Gesetz) 2024 duerften bei einem Bestandsumbau dieser Größenordnung eine zentrale Planungsrolle spielen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert im Kontext der Wettbewerbsauswertung: Keiner der sechs eingeladenen Entwürfe lieferte eine Idee für die rund 10.000 Horten-Kacheln, die beim Rückbau der Eiermann-Vorhangfassade anfallen. Laut NDR stehen Gespräche ueber eine Weiterverarbeitung zu Möbelstücken im Raum. Ob diese Lesart der Kacheln als identitätsstiftendes Material der Nachnutzung tatsächlich verfolgt wird, bleibt offen. Aus denkmalpflegerischer Perspektive waere es das konsequenteste Signal: Transformation statt Entsorgung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hannover zeigt mit The Box einen Weg, der übertragbar ist: Bestandserhalt als erste Pflicht, programmatische Mischung als Qualitätsanforderung, Fassade als stadtbauliches Argument. Das ist keine Nostalgie. Das ist Stadtentwicklung im Zeitalter der Ressourcenknappheit.</p>
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		<title>Hannovers neue Antwort auf den kommunalen Sanierungsstau</title>
		<link>https://baukunst.art/hannovers-neue-antwort-auf-den-kommunalen-sanierungsstau/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 17:17:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[hanova KOMMUNAL]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunaler Hochbau]]></category>
		<category><![CDATA[Schulsanierung Hannover]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hannover gründet die hanova KOMMUNAL GmbH: Eine neue städtische Gesellschaft soll marode Schulen sanieren und Unterkünfte bauen – und das für bis zu 1,5 Milliarden Euro.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Hannover schafft neue Hochbaugesellschaft: 1,5 Milliarden Euro für Schulen und Unterkünfte</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Strukturen an ihre Grenzen stossen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rund tausend öffentliche Gebäude muss die Landeshauptstadt Hannover derzeit bewirtschaften, unterhalten, sanieren und bei Bedarf durch Neubauten ersetzen. Schulen, Kindertagesstätten, Feuerwachen, Obdachlosenunterkünfte und Verwaltungsgebäude – die Liste ist lang, der Zustand vieler Liegenschaften besorgniserregend, und die vorhandenen Kapazitäten des städtischen Gebäudemanagements sind seit Jahren an der Belastungsgrenze. Die Stadt Hannover zieht nun strukturelle Konsequenzen: Noch im Sommer 2026 soll die hanova KOMMUNAL GmbH als neue Tochtergesellschaft gegründet werden, die einen Teil der drängendsten Hochbauprojekte übernimmt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Initiative dafür kommt nicht aus dem Nichts. Der Anstoß, so erklärt die Stadtverwaltung, seien die in Aussicht gestellten zusätzlichen Bundesmittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur sowie zu erwartende Investitionszuschüsse aus dem Jahresüberschuss 2024 des Landes Niedersachsen. Wer Geld bekommt, braucht auch Kapazitäten, es auszugeben – und genau daran haperte es bislang.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Investitionspaket von historischem Ausmass</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der konkret hinterlegte Bedarf für Gebäudeprojekte in den nächsten zehn Jahren beläuft sich nach Angaben der Stadt auf mindestens 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro – und ähnliches wird für die darauffolgende Dekade erwartet. Derzeit fließen jährlich rund 120 bis 130 Millionen Euro in städtische Gebäude, dazu kommen über 20 Millionen Euro für laufenden Unterhalt und Bewirtschaftung. Das klingt nach viel, reicht aber bei weitem nicht aus, um den aufgelaufenen Sanierungsstau aufzulösen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kämmerer und Erster Stadtrat Dr. Axel von der Ohe bringt es auf den Punkt: Man stehe vor einer &#8222;gewaltigen Modernisierungsaufgabe, die wir mit den Instrumenten von heute nicht stemmen könnten&#8220;. Die neue Hochbaugesellschaft sei ein &#8222;starker Partner neben dem städtischen Gebäudemanagement&#8220;, mit dem der Output der Landeshauptstadt deutlich erhöht werden solle. Stadtbaurat Thomas Vielhaber ergänzt, die hanova KOMMUNAL GmbH werde vor allem beim Abbau von Auftragsspitzen eine sinnvolle Unterstützung sein.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Schulsanierungen im Fokus: Roderbruch, Vahrenheide, Kathe-Kollwitz</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als erste Projekte für die neue Gesellschaft sind bereits konkrete Maßnahmen benannt: Die Komplettsanierungen der IGS Roderbruch und der IGS Vahrenheide sowie die Neustrukturierung und Sanierung der Gebäude des Gymnasiums Käthe-Kollwitz-Schule und der Realschule Gerhart-Hauptmann-Schule. Allein die drei Schulsanierungen sollen rund 510 Millionen Euro kosten – eine Summe, die selbst erfahrene Kommunalplanerinnen und Kommunalplaner ins Staunen versetzt. Hinzu kommen Neubau und Sanierung von Unterkünften für Geflüchtete mit einem Volumen von circa 150 Millionen Euro.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neue Gesellschaft soll darüber hinaus die laufende Bauunterhaltung städtischer Obdachlosen- und Geflüchtetenunterkünfte übernehmen – ein Bereich, der im öffentlichen Diskurs selten Aufmerksamkeit bekommt, im Alltag städtischen Handelns jedoch eine erhebliche Rolle spielt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Tochter der Tochter: Die Konstruktion im Detail</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Organisatorisch soll die hanova KOMMUNAL GmbH als 100-prozentige Tochter der Landeshauptstadt Hannover unter dem Dach des kommunalen Immobilienunternehmens hanova tätig werden. Mit einem Stammkapital von 25.000 Euro und einer Kapitalrücklage von 5 Millionen Euro zur Liquiditätssicherung fällt die Anfangsausstattung zunächst bescheiden aus – angesichts eines Investitionsvolumens im Milliardenbereich eine bemerkenswert schlanke Startfinanzierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als Organe der Gesellschaft sind eine Geschäftsführung, ein sechsköpfiger Aufsichtsrat sowie eine Gesellschafterversammlung vorgesehen. Der Stadtrat muss den Plänen noch zustimmen; die Beschlussvorlage wurde bereits in die zuständigen Ratsgremien eingebracht. Oberbürgermeister Belit Onay hat die Vorteile des Modells bei der Pressekonferenz am 19. Januar 2026 im Neuen Rathaus hervorgehoben: Eine externe Baugesellschaft könne nicht nur zusätzliche Kapazitäten schaffen, sondern im Projektablauf zu schlankeren und schnelleren Prozessen führen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Modell mit Zukunft – oder Lehrstunde in Risikoverlagerung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Gründung städtischer Tochtergesellschaften für den Hochbau ist kein neues Phänomen. Andere Großstädte haben ähnliche Wege gewählt, mit wechselndem Erfolg. Das Versprechen lautet stets: mehr Flexibilität, schnellere Vergabe, schlankere Strukturen außerhalb des starren Tarifgefüges und der Vergabeordnungen des öffentlichen Dienstes. Die Realität zeigt jedoch, dass ausgelagerte Gesellschaften eigene Bürokratien entwickeln, Koordinationskosten entstehen und demokratische Kontrolle schwieriger wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Fall der hanova KOMMUNAL GmbH stellt sich die Frage nach dem Fachpersonal. Der bundesweite Mangel an qualifizierten Baufachleuten, Projektleiterinnen und Projektleitern sowie Bauleiterinnen und Bauleitern macht auch vor Hannover nicht halt. Wer diese Gesellschaft mit kompetenten Köpfen füllen soll, bleibt zunächst offen. Zudem ist zu bedenken, dass Vergabepflichten für öffentliche Auftraggeber auch für ausgelagerte Gesellschaften gelten – die erhoffte Beschleunigung könnte sich in der Praxis als begrenzt erweisen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dennoch ist der Schritt nachvollziehbar. Bei einem Investitionsvolumen dieser Größenordnung wäre es fahrlässig, auf strukturelle Reformen zu verzichten. Die niedersächsische Landeshauptstadt steht mit ihren Problemen nicht allein; der kommunale Investitionsstau in Deutschland ist ein bundesweites Phänomen, das politische Ungeduld erzeugt und pragmatische Lösungen erfordert. Ob das Modell der hanova KOMMUNAL GmbH als Blaupause für andere niedersächsische Kommunen taugt, wird die Praxis zeigen. Hannover übernimmt mit diesem Schritt eine Vorreiterrolle – mit allen Chancen und Risiken, die das bedeutet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Der Mut zur strukturellen Erneuerung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hannover baut – und es tut dies nicht leise. Mit der geplanten hanova KOMMUNAL GmbH setzt die Landeshauptstadt auf institutionelle Innovation statt auf bloßes Geldausgeben. Ob tausend Gebäude, Milliardenpakete oder Schulsanierungen im dreistelligen Millionenbereich: Die Dimension der Aufgabe verlangt neue Antworten. Jetzt liegt es am Stadtrat, am zukünftigen Management der Gesellschaft und am politischen Willen aller Beteiligten, aus dieser strukturellen Weichenstellung einen echten Quantensprung für die Baukultur und Infrastruktur Hannovers zu machen.</p>
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		<title>Kunsthalle Bremen – Bürgerliches Erbe, moderne Architektur und museale Weltklasse in privater Trägerschaft</title>
		<link>https://baukunst.art/kunsthalle-bremen-buergerliches-erbe-moderne-architektur-und-museale-weltklasse-in-privater-traegerschaft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 15:14:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bauen im Bestand]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerliches Mäzenatentum]]></category>
		<category><![CDATA[Kunsthalle Bremen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15341</guid>

					<description><![CDATA[<p>Bremens Kunsthalle zeigt Giacometti auf Weltklasseniveau – und ist selbst ein Lehrstück über Baukultur, bürgerliches Mäzenatentum und mutige Architektur im Norden.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Kunsthalle Bremen: Wo Architektur Weltmassstab setzt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Haus, das seine Risse zeigt – und stolz darauf ist</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer die Wallanlagen in der Bremer Innenstadt entlangschlendert, stösst unweigerlich auf eine Sandsteinfassade mit einer eigentümlichen Narbenlandschaft. Die Kunsthalle Bremen trägt die Einschusslöcher des Zweiten Weltkriegs nicht etwa verschämt verputzt, sondern offen sichtbar – als bewusste denkmalpflegerische Entscheidung, Geschichte nicht zu übertünchen. Georg Skalecki, Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege in Bremen, bringt es auf den Punkt: An der Kunsthalle war es eine bewusste Entscheidung, Geschichte sichtbar zu lassen. Kein anderes Gebäude in Bremen trägt diese Spuren in vergleichbarer Dichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Haltung sagt viel aus über das Selbstverständnis eines Hauses, das in Deutschland seinesgleichen sucht: Die Kunsthalle Bremen ist das einzige Museum mit einer umfangreichen Sammlung vom 14. bis 21. Jahrhundert, das bis heute in rein privater Trägerschaft betrieben wird. Der Kunstverein in Bremen, 1823 von kunstinteressierten Kaufleuten um Senator Hieronymus Klugkist gegründet, zählt heute rund 9.000 Mitglieder – und financiert das Haus ohne institutionelle staatliche Grundförderung. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Das ist bürgerschaftlicher Eigensinn im besten Sinne.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">1849 bis 2011: Eine Baugeschichte in Schichten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Gebäude selbst ist ein Zeitdokument in Schichten. Lüder Rutenberg baute 1847 bis 1849 ein betont schlichtes, funktionales Haus – die Länge entspricht der heutigen Eingangsfront. In den folgenden Jahrzehnten führte der wachsende Wohlstand Bremer Kaufleute zu Schenkungen und damit zum Bedarf an mehr Fläche. 1902 folgte eine neorenaissance Erweiterung nach Grundrissen von Albert Dunkel mit einer Fassade von Eduard Gildemeister – einheitlich in Sandstein, sorgfältig proportioniert, an die langen Sichtachsen der Wallanlagen angepasst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Zweite Weltkrieg hinterliess tiefe Spuren: Eine Brandbombe zerstörte 1942 das Treppenhaus und sechs Säle im Obergeschoss, der Lichthof fiel 1943 in Schutt. Was blieb, war ein Gebäude, das sich in den folgenden Jahrzehnten mühsam regenerierte. Erst 1998 folgte eine umfassende Innenrenovierung, von 2009 bis 2011 dann der grösste Eingriff seit Jahrzehnten: das Berliner Büro Hufnagel Pütz Rafaelian baute zwei symmetrische kubische Seitenflügel an, riss den veralteten Anbau der 1980er-Jahre ab und verwandelte die Kunsthalle in eine Kreuzform.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Ergebnis ist ein architektonisches Kunststück zwischen Respekt und Eigenständigkeit. Die Architekten liessen die Aussenfassade des Altbaus zur Innenwand der neuen Flügel werden – ein Verfahren, das Baukunst und Baugeschichte gleichzeitig sichtbar macht. Säulen, Gesimse und Fassadenschmuck wurden an den Übergängen bewusst erhalten und durch raumhohe Fugen optisch getrennt. Neubau und Altbau bleiben unterscheidbar, ohne sich gegenseitig zu bekriegen. Karl Hufnagel beschreibt den Ansatz schlicht: Wir sind ein Stück in die Geschichte gegangen und haben symmetrisch angebaut.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Energetisch saniert, kuratorisch ambitioniert</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Erweiterungsbau folgt einem energiesparenden Konzept: Erdwärmepumpen zur Beheizung, eine Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung – für ein Kulturdenkmal dieser Grössenordnung keine Selbstverständlichkeit. Die Ausstellungsbereiche der neuen Flügel verzichten vollständig auf Tageslicht, beleuchtet wird über grossflächige Lichtfolienbänder an der Decke. Konservatorische Anforderungen und Ausstellungsqualität schliessen sich so nicht aus, sie bedingen einander.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Qualität des Gebäudes ist kein Selbstzweck. Sie ermöglicht kuratorische Ambition auf höchstem Niveau – und das zeigt die aktuelle Ausstellung &#8218;Alberto Giacometti – Das Maß der Welt&#8216; eindrücklich. Die Kunsthalle präsentiert bis zum 15. Februar 2026 eine Schau, die Kunstgeschichte nicht nur dokumentiert, sondern neu schreibt. Die Kuratorinnen und Kuratoren Eva Fischer-Hausdorf und Hugo Daniel von der Pariser Fondation Giacometti setzen den Künstler nicht mehr allein in den Kontext des Kriegstraumas und des Pariser Existenzialismus, sondern verankern sein Werk konsequent in seiner Herkunft aus dem Engadiner Bergell.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass ausgerechnet das brettebene Bremen diesen Ansatz überzeugend umsetzen kann, liegt an einer weitsichtigen Sammlungspolitik: Bereits in den 1950er-Jahren erwarb der damalige Direktor Günter Busch einen Block von Giacometti-Zeichnungen – darunter Landschaftsmotive, die dem von Menschendarstellungen fixierten Kunstbetrieb weitgehend unbekannt geblieben waren. Die Kunst des Sammelns als Form der Architektur des Wissens.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Modell für die Region: Was andere lernen können</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kunsthalle Bremen steht als regionales Modell für mindestens drei Prinzipien, die weit über den Stadtstaat hinaus Gültigkeit beanspruchen dürfen. Erstens: Bürgerschaftliches Engagement als Trägerschaft funktioniert – wenn es institutionell verankert ist und über Generationen gepflegt wird. Der Kunstverein mit seinen rund 9.000 Mitgliedern ist kein folkloristisches Kuriosum, sondern eine strukturelle Antwort auf die chronische Unterfinanzierung öffentlicher Kulturbetriebe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zweitens: Bauen im Bestand kann gelingen, wenn Architektinnen und Architekten sich ernsthaft mit der Baugeschichte auseinandersetzen, statt den Altbau als lästige Rahmenbedingung zu behandeln. Hufnagel Pütz Rafaelian haben mit dem Erweiterungsbau bewiesen, dass neue Kubatur und historische Substanz keine Gegensätze sein müssen – sondern gemeinsam eine Erzählung bilden können, die jeden Teil stärkt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drittens: Ausstellungspolitik als Forschung. Eine Kunsthalle, die sich traut, etablierte kunsthistorische Deutungen infrage zu stellen – wie es mit der Giacometti-Schau geschieht – braucht dafür auch die institutionelle Unabhängigkeit, die eine private Trägerschaft ermöglicht. Ohne die Leihgaben der Fondation Giacometti, die demnächst ein eigenes Museumsgebäude bezieht und danach deutlich zurückhaltender verleihen wird, wäre diese Ausstellung nicht möglich gewesen. Die Bremer haben die letzte Gelegenheit genutzt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt, ist ein nachdenkenswertes Beispiel: Ein Haus im Norden, das weder über üppige Landesmittel noch über eine millionenstarke Metropolkultur verfügt, setzt mit einem Gebäude aus dem Jahr 1849, behutsam erweitert und konsequent gepflegt, internationale Massstäbe. Das hat mit Architektur zu tun. Und noch mehr mit der Haltung, mit der man sie betreibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>Ditib Moschee Hannover: Zwischen architektonischer Ambition und politischer Abhängigkeit</title>
		<link>https://baukunst.art/ditib-moschee-hannover-zwischen-architektonischer-ambition-und-politischer-abhaengigkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Jan 2026 08:36:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Ditib]]></category>
		<category><![CDATA[Hannover]]></category>
		<category><![CDATA[Moscheebau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Ditib plant einen 25 Meter hohen Moscheeneubau mitten in Hannover. Oberbürgermeister Onay hofft auf Unabhängigkeit von Ankara, doch die Strukturen sprechen eine andere Sprache.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Ditib Moschee Hannover: Eine Druckerei weicht dem Gotteshaus</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit den 1980er Jahren dient eine ehemalige Druckerei in der Stiftstraße der muslimischen Merkez Gemeinde als Gebetsraum. Das marode Gebäude, nur 680 Meter vom Hauptbahnhof entfernt, war nie als würdiges Gotteshaus konzipiert. An Festtagen quetschen sich die Gläubigen in sämtliche Räume, rollen Gebetsteppiche im Hof und in Büros aus. Die Lautsprecher übertragen die Worte des Imams in jeden Winkel des provisorischen Sakralraums.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das soll sich ändern. Im Oktober 2025 präsentierte die zum Islamverband Ditib gehörende Gemeinde ihre Pläne für einen Neubau, der das Stadtbild am historischen Steintorplatz neu definieren wird. Das Stuttgarter Architekturbüro m³ architekten hat einen Entwurf entwickelt, der traditionelle Sakralarchitektur mit zeitgenössischer Formensprache verbindet.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektur zwischen Tradition und Moderne</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der geplante Baukörper präsentiert sich als 25 Meter hoher Kubus mit Kuppel und zwei Minaretten. Helle Fassaden, großzügige Glasflächen und zahlreiche Pfeiler prägen das äußere Erscheinungsbild. Die Pfeiler formen subtil einen arabischen Schriftzug: „Es gibt keinen Gott außer Gott.&#8220; Das Gebäude wird exakt nach Mekka ausgerichtet sein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Inneren soll der Gebetsraum 600 Männern und 300 Frauen auf der Empore Platz bieten. Neben dem eigentlichen Sakralbereich plant die Gemeinde Büros, Gruppenräume und eine Küche. Die geschätzten Baukosten belaufen sich auf rund zehn Millionen Euro, finanziert über Darlehen und Spenden aus ganz Deutschland.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Büro m³ architekten aus Stuttgart Feuerbach hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen mit Sakralbauten gemacht. In Esslingen entstand unter ihrer Leitung eine Moschee, deren Zusammenspiel von Beton, Glas und Alucobond eine goldene Kuppel mit 14 Meter hohen Minaretten verbindet. In Stuttgart wandelten sie eine denkmalgeschützte Großbäckerei von Karl Elsässer aus den Jahren 1929 bis 1932 in ein Moschee und Kulturhaus um. Ihr Ansatz einer introvertierten Skulptur Architektur soll Reflexion und Zusammenhalt symbolisieren.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Prinzip Hoffnung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hannovers grüner Oberbürgermeister Belit Onay steht vor einer integrationspolitischen Bewährungsprobe. Der 1981 in Goslar geborene Sohn türkischer Gastarbeiter, der sich selbst als liberalen Muslim bezeichnet, griff zuletzt in die Stadtbild Debatte ein und kritisierte die Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz. Nun muss er sich zur Frage positionieren, wie unabhängig eine Ditib Moschee von Ankara sein kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung äußerte Onay, er erwarte, dass die Eröffnung nicht wie bei der Ditib Zentralmoschee in Köln Ehrenfeld ablaufe. Dort mutierte die Einweihung 2018 mit einer Rede von Präsident Erdogan zu einer politischen Machtdemonstration. Weder NRW Ministerpräsident Armin Laschet noch Oberbürgermeisterin Henriette Reker nahmen damals teil.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Onay formuliert seine Hoffnung deutlich: Er wolle, dass zur Eröffnung der Bundespräsident oder der Ministerpräsident spreche. Die Moschee dürfe keine Vertretung Ankaras werden. Sein Eindruck sei, dass auch die lokalen Ditib Verantwortlichen dies nicht wollten.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Strukturen sprechen anders</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Hannoveraner Merkez Gemeinde beteuert ihre Unabhängigkeit. Die stellvertretende Gemeindevorsitzende Duygu Akgün Simsek erklärte gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, die Gemeinde unterstehe nicht der türkischen Religionsbehörde Diyanet und erhalte von dort keine Weisungen. Geld aus der Türkei solle laut Gemeindevorsitzendem Mehmet Zengin nicht in den Moscheebau fließen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch die Satzung der Gemeinde, die der NZZ vorliegt, erzählt eine andere Geschichte. Die Vorsitzenden des Landes und Bundesverbandes, die direkt der Diyanet unterstehen, bilden den Aufsichtsrat der Hannoveraner Gemeinde. Zudem räumte Akgün Simsek selbst ein, dass der Imam von der türkischen Religionsbehörde entsandt wird. Zengin behauptete zwar, die Gemeinde suche sich ihren jeweiligen Diyanet Imam selbst aus. Kritische Beobachterinnen und Beobachter bewerten diese Aussage als Versuch, strukturelle Abhängigkeiten zu verschleiern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Islamismusexperte Eren Güvercin ordnet die Situation unmissverständlich ein: Ditib Moscheen wie die in Hannover seien elementare Instrumente der Diaspora Politik Erdogans. Man solle die Hannoveraner Ditib Gemeinde wie eine politische Interessenvertretung behandeln, die nebenbei auch religiöse Dienstleistungen anbiete.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kölner Lehrstücke</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Erfahrungen mit der <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/DITIB-Zentralmoschee_Köln" target="_blank" rel="noopener">Ditib Zentralmoschee in Köln Ehrenfeld</a> </strong>mahnen zur Vorsicht. Der von dem Architekten Prof. Paul Böhm entworfene Bau mit seinen 55 Meter hohen Minaretten und der 36,5 Meter hohen Kuppel sollte ursprünglich ein Symbol für Weltoffenheit und interreligiösen Dialog werden. Die über 30 Millionen Euro teure Moschee entwickelte sich jedoch zu einem Politikum.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bereits während der Bauphase eskalierte 2011 ein Streit zwischen Ditib und Architekt Böhm um Baumängel. Die Ditib kündigte den Vertrag, die Eröffnung verschob sich mehrfach. Als Erdogan 2018 schließlich die Moschee einweihte, fehlten alle deutschen Politikerinnen und Politiker von Rang. Ministerpräsident Laschet begründete seine Absage damit, dass aus der Veranstaltung sonst eine sehr politische Angelegenheit geworden wäre. Er wolle, dass diese Moschee eine Kölner Moschee werde und in Köln verankert werde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vom heutigen imposanten Moscheebau darf am Freitag der Muezzinruf erklingen, was Ahmad Mansour als Machtdemonstration des politischen Islam bezeichnete. Der frühere Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma, der sich gegen den Willen seiner eigenen CDU für den Bau eingesetzt hatte, erhielt seine Einladung zur Eröffnung erst zwei Tage vorher. Er blieb der Veranstaltung fern und beklagte, Ditib vertue eine große Chance.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Stimmen aus Hannover</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die politischen Reaktionen in Hannover fallen unterschiedlich aus. Die CDU Kreisvorsitzende Martina Machulla fordert politische Unabhängigkeit von der Gemeinde. Die FDP zeigt sich laut dem stellvertretenden Ratsfraktionsvorsitzenden Patrick Döring extrem skeptisch hinsichtlich des Einflusses der Ditib.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders kritisch äußert sich die kurdische Community. Alan Ramadan, Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde Niedersachsen, stellte klar: Hannover brauche keine weiteren Ditib Moscheen, in denen Kurdinnen und Kurden nicht willkommen seien. Die Liste türkisch nationalistischer und islamistischer Ausfälle in Ditib Moscheen ist dokumentiert und reicht von Spionagevorwürfen über Gebete für die türkische Armee bis zu antisemitischen Aussagen von Funktionären.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hannovers evangelischer Stadtsuperintendent Rainer Müller Brandes differenziert. Es sei verständlich, wenn eine muslimische Gemeinde aus einer Hinterhofmoschee einen schönen Ort machen wolle. Muslime seien eine Bereicherung für die Gesellschaft. Doch kritische Fragen dürften kein Tabu sein. Wie eng ist die türkische Regierung über den Ditib Verband mit den Moscheen verbunden? Sie zahle schließlich die Gehälter der Imame, die zugleich Beamte des türkischen Staates seien und ihm gegenüber Treue geschworen hätten.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein langer Weg</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Umsetzung des Projekts steht ganz am Anfang. Verträge mit den Architekten sind noch nicht geschlossen, Angebote der Baufirmen stehen aus, die Finanzierung bleibt offen. Die Gemeinde ist sich der kontroversen Diskussionen um größere Moscheebauten in Deutschland bewusst. Ängste vor Lärm oder zusätzlichem Verkehr vermischen sich mit grundsätzlichen Vorbehalten gegenüber muslimischen Gemeinden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Beispiele wie die Ahmadiyya Moschee in Hannover Stöcken zeigen, dass nach anfänglichem Widerstand eine friedliche Nachbarschaft möglich ist. Die Ahmadiyya Gemeinde gehört allerdings nicht zur Ditib und unterliegt damit nicht den strukturellen Verflechtungen mit dem türkischen Staat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob zur Eröffnung der Hannoveraner Moschee tatsächlich der Bundespräsident kommt, wie Oberbürgermeister Onay hofft, hängt davon ab, ob dieser der Selbstdarstellung der Ditib Gemeinde Glauben schenken will. Die architektonischen Ambitionen sind klar formuliert. Die politischen Abhängigkeiten bleiben es ebenso.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Wohnungsmarktbericht 2025: Warum Niedersachsen 218.000 neue Wohnungen braucht, obwohl die Bevölkerung schrumpft</title>
		<link>https://baukunst.art/wohnungsmarktbericht-2025-warum-niedersachsen-218-000-neue-wohnungen-braucht-obwohl-die-bevoelkerung-schrumpft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Jan 2026 17:37:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[demografischer Wandel]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialwohnungsbau]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsmarkt Niedersachsen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Weniger Menschen, mehr Wohnungsbedarf: Niedersachsens Wohnungsmarktbericht 2025 offenbart ein paradoxes Bild. Während manche Regionen boomen, droht andernorts der Verfall.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Niedersachsen zwischen Wachstum und Leerstand: Das Wohnungsdilemma eines Flächenlandes</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das klingt zunächst wie ein Rechenfehler: Ein Bundesland, dessen Bevölkerung bis 2045 um rund 302.000 Menschen schrumpfen wird, soll gleichzeitig 218.000 neue Wohnungen bauen. Doch der Wohnungsmarktbericht 2025, den Bauminister Grant Hendrik Tonne (SPD) gemeinsam mit NBank Vorstandsvorsitzendem Michael Kiesewetter und vdw Verbandsdirektorin Dr. Susanne Schmitt vorgestellt hat, zeigt: In Niedersachsen gelten andere Gesetze als die der simplen Mathematik.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwei Niedersachsen, zwei Realitäten</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen erzählen von einem zerrissenen Land. In Wachstumsregionen wie Hannover, Oldenburg und dem Hamburger Umland jagt die Nachfrage das Angebot davon. Hier steigen die Mieten, hier fehlen bezahlbare Wohnungen, hier verdichten sich die Probleme einer alternden Gesellschaft. Gleichzeitig prognostiziert der Bericht für strukturschwächere Gebiete in Süd und Nordwestniedersachsen einen Überhang von 191.000 Wohnungen. Leerstände, die sich dort ansammeln werden, können den Mangel in den Ballungsräumen nicht ausgleichen. Eine Familie aus dem Hamburger Umland wird kaum nach Holzminden umsiedeln, weil dort eine Wohnung frei steht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Minister Tonne fasst die Situation knapp zusammen: Niedersachsen brauche eine Doppelstrategie aus Neubau und Bestandsentwicklung. Anderen Bundesländern gehe es ähnlich, für Niedersachsen als Flächenland seien die Herausforderungen aber besonders.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der demografische Wandel als Treiber</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Erklärung für das scheinbare Paradox liegt in der veränderten Haushaltsstruktur. Die klassischen Familienhaushalte der geburtenstarken Jahrgänge lösen sich auf. Aus Babyboomer Familien werden Babyboomer Singles. Die Zahl älterer Einpersonenhaushalte steigt massiv an, während die Gesamtbevölkerung schrumpft. Das erhöht den Bedarf an kleineren, barrierefreien und zentrumsnahen Wohnungen. Ein Einfamilienhaus in der Peripherie, das ehemals eine vierköpfige Familie beherbergte, steht nun leer oder wird von einer einzelnen Person bewohnt, die eigentlich eine kleinere, altersgerechte Wohnung in der Stadt bräuchte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rund 181.000 neue Wohneinheiten werden bis 2045 im Mehrfamilienhaussegment benötigt. Das klassische Einfamilienhaus hingegen verliert an Bedeutung. Für Architektinnen und Stadtplaner bedeutet dies eine fundamentale Neuausrichtung: weg vom suburbanen Eigenheim, hin zum urbanen Geschosswohnungsbau.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Mietpreisspirale dreht sich weiter</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen zur Mietentwicklung sollten niemanden in der Branche kalt lassen. Während die Bestandsmieten zwischen 2015 und 2024 vergleichsweise moderat von etwa 5 Euro auf knapp über 6 Euro pro Quadratmeter stiegen, explodierten die Angebotsmieten regelrecht: von etwas mehr als 8 Euro auf über 11 Euro pro Quadratmeter. In manchen Regionen wie dem Landkreis Cuxhaven, Osnabrück oder Harburg legten die Mieten bei Neuvermietungen um mehr als 40 Cent pro Quadratmeter innerhalb eines Jahres zu.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders dramatisch zeigt sich die Entwicklung in Oldenburg, wo die Angebotsmieten innerhalb eines Jahres um fast 24 Prozent gestiegen sind. Hannover verzeichnete einen Anstieg von knapp 7 Prozent. Diese Dynamik trifft vor allem Haushalte mit geringem Einkommen, für die der geförderte Wohnungsbau eigentlich eine Alternative sein sollte.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der stille Exodus aus dem Sozialen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier offenbart der Bericht eine der beunruhigendsten Entwicklungen: Der Bestand an geförderten Wohnungen mit Mietpreisbindung hat sich seit 2015 nahezu halbiert. Von einst rund 90.000 Sozialwohnungen sind nur noch etwas über 50.000 übrig. Gut ein Drittel davon konzentriert sich auf Hannover. Für den Rest des Landes bedeutet dies: Bezahlbarer Wohnraum wird zur Mangelware.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Land Niedersachsen reagiert mit zusätzlichen 400 Millionen Euro für die Wohnraumförderung. Ob diese Summe ausreicht, um den jahrzehntelangen Rückzug der öffentlichen Hand aus dem sozialen Wohnungsbau zu kompensieren, darf bezweifelt werden. Die Förderlogik früherer Jahrzehnte, bei der Bindungen nach 15 oder 20 Jahren auslaufen und Wohnungen in den freien Markt entlassen werden, rächt sich nun mit zeitlicher Verzögerung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bauordnungsnovelle: Hoffnung auf günstigeres Bauen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landesregierung setzt neben direkten Fördermitteln auf ordnungsrechtliche Erleichterungen. Die Niedersächsische Bauordnung wurde bereits zweimal novelliert, weitere Anpassungen hat Minister Tonne angekündigt. Die Änderungen seit Juli 2024 erleichtern den Umbau von Bestandsgebäuden erheblich: Bei Umbauten und Nutzungsänderungen älterer Gebäude müssen nicht mehr zwingend die neuesten Standards angewandt werden. Der Fokus liegt künftig allein auf Standsicherheit und Brandschutz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Grenzabstände wurden von 0,5 H auf 0,4 H reduziert, der Katalog verfahrensfreier Baumaßnahmen erweitert. Der „Gebäudetyp E&#8220; soll einfacheres, kostengünstigeres Bauen ermöglichen. Die Architektenkammer Niedersachsen hat die Novellen weitgehend begrüßt. Kammerpräsident Robert Marlow sieht echtes Potenzial, das Bauen im Bestand erheblich zu erleichtern und Baukosten deutlich zu senken.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Bestand als Ressource</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mehr als 85 Prozent der rund 4,15 Millionen Wohnungen in Niedersachsen wurden vor dem Jahr 2000 errichtet. Ihre Modernisierung und Anpassung an veränderte Bedürfnisse ist eine zentrale Aufgabe der kommenden Jahrzehnte. Aufstockung, Dachgeschossausbau und Umnutzung gewinnen an Bedeutung, um Wohnraum zu schaffen, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der vdw Niedersachsen Bremen warnt jedoch vor zu strengen Anforderungen und fordert mehr Flexibilität beim Umbau. Die Bauwerkskosten haben sich in den vergangenen 25 Jahren mehr als verdoppelt, die Finanzierungszinsen liegen bei 3 bis 4 Prozent. Die Zahl der Baugenehmigungen ist seit 2021 um über 50 Prozent eingebrochen. Unter diesen Bedingungen werden Neubauprojekte zur betriebswirtschaftlichen Gratwanderung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Modell mit Übertragungspotenzial</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Wohnungsmarktbericht 2025 enthält erstmals Praxisbeispiele und Empfehlungen für kommunale Akteure. Diese Orientierungshilfen sollen Städten und Gemeinden ermöglichen, systematisch Handlungsschwerpunkte zu identifizieren. NBank Vorstandsvorsitzender Kiesewetter betont die Notwendigkeit einer koordinierten Zusammenarbeit zwischen Land, Kommunen, Bauwirtschaft und Wohnungsunternehmen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für andere Bundesländer könnte Niedersachsen zum Testfall werden. Die Herausforderungen, mit denen das zweitgrößte Flächenland kämpft, werden in den kommenden Jahren auch Bayern, Baden Württemberg und Nordrhein Westfalen erreichen: alternde Gesellschaften, divergierende Wohnungsmärkte zwischen Stadt und Land, ein geschrumpfter Sozialwohnungsbestand. Die Doppelstrategie aus gezieltem Neubau in Wachstumsregionen und intelligenter Bestandsentwicklung könnte zum Vorbild werden, wenn sie denn funktioniert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage ist nicht, ob Niedersachsen seine Wohnungspolitik ändern muss. Die Frage ist, ob es schnell genug gelingt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Van Gogh 360 Grad in der Alten Druckerei Hannover: Wie Industriebau zur immersiven Kunstmaschine wird</title>
		<link>https://baukunst.art/van-gogh-360-grad-in-der-alten-druckerei-hannover-wie-industriebau-zur-immersiven-kunstmaschine-wird/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2025 16:03:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Hannover]]></category>
		<category><![CDATA[Immersive Ausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Industriebau]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14580</guid>

					<description><![CDATA[<p>Eine alte Zeitungsdruckerei in Hannover wird zur Projektionsmaschine: Van Gogh in 360 Grad zeigt, wie robust Industriearchitektur heute Kultur trägt und wo sie dabei knirscht.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Von Druckerschwärze zu Licht: Der Ort als eigentlicher Star</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Alte Druckerei in Hannover Bemerode liegt an der August Madsack Straße 1 und war früher eine Druckerei für Tageszeitungen und Wochenblätter der Madsack Mediengruppe.  Damit steht die Halle in einer Tradition, die in Hannover immer etwas mehr war als Logistik: Nachrichten, Papier, Taktung. Heute ersetzt Projektion den Rotationsdruck, doch das Prinzip bleibt ähnlich. Große Flächen, klare Abläufe, ein Gebäude als Maschine.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als Eventlocation wirbt die Alte Druckerei mit Industriecharme, rund 6.700 Quadratmetern Fläche, Teilbarkeit in zwei Eventflächen und der Möglichkeit, schwere Fahrzeuge in die Halle zu bringen.  Andere touristische Gastgeberinformationen nennen größere Gesamtdimensionen und mehr Teilflächen.  Schon diese Differenz erzählt etwas über die Typologie: Industriebauten bleiben selten eindeutig. Sie wachsen, schrumpfen, werden in Abschnitten neu interpretiert. Genau diese Unschärfe macht sie für temporäre Kulturformate so attraktiv.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ankunft in Bemerode: Infrastruktur statt Innenstadtromantik</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerode liefert keine Postkartenkulisse, sondern Erreichbarkeit. Die Location liegt unweit der Bundesstraßen 3 und 65, per Auto führt der Weg bequem über die A7 Abfahrt Hannover Anderten. Wer mit dem ÖPNV kommt, erreicht die Halle mit der Stadtbahn Linie 6 Richtung Messe Ost, Haltestelle August Madsack Straße, dann etwa zwei Minuten zu Fuß.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Anbindung zeigt eine regionale Planungskultur, die Funktion vor Flaniermeile setzt. Das passt zur DNA des Gebäudes. Eine Druckerei musste Lastwagen, Schichtwechsel, Lieferketten bedienen. Eine immersive Ausstellung braucht Besucherinnen und Besucherströme, Ticketzeiten, Sicherheitswege. Beides verlangt Klarheit, nicht Charme.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Inszenierung: Wenn Wände zu Leinwänden werden</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung Van Gogh: The Immersive Experience läuft in Hannover vom 12. November 2025 bis zum 1. März 2026 in der Alten Druckerei.  Sie arbeitet laut Stadt Hannover mit großformatigen Projektionen und Lichtinstallationen, die Motive wie Sonnenblumen, Sternennacht oder Schlafzimmer in Arles raumfüllend vergrößern.  Dazu kommt ein optionales Virtual Reality Angebot, das vor Ort zusätzlich gebucht wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisch spannend wird der Moment, in dem die Halle nicht mehr Hintergrund bleibt. Projektionen brauchen Dunkelheit, definierte Raumkanten und kontrollierte Blickrichtungen. Industriebauten liefern das oft besser als klassische White Cubes: wenige Fensterflächen, große Wandlängen, robuste Deckenraster. Die Alte Druckerei bringt zudem die nüchterne Selbstverständlichkeit einer Produktionshalle mit. Genau dadurch wirken die Projektionen umso opulenter. Das Gebäude spielt nicht Kunsttempel, sondern Arbeitsraum. Die Sonnenblume leuchtet dann nicht sakral, sondern fast trotzig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kritik: Immersion ist auch ein Geschäftsmodell</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung empfiehlt etwa 1,5 Stunden Aufenthalt, die Verweildauer bleibt innerhalb der Öffnungszeiten grundsätzlich unbegrenzt.  Gleichzeitig steuert das System den Eintritt über Zeitfenster Tickets, um Besucherinnen und Besucherströme zu dosieren.  Das ist organisatorisch plausibel, verschiebt aber das Kunsterlebnis in Richtung Eventbetrieb. Kunstvermittlung wird hier zu einer Choreografie aus Slots, Shop, Fotopunkt und optionaler Zusatzleistung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch die Preislogik unterstreicht das. Die offizielle Hannover Seite und die Ausstellungsseite nennen unter anderem Zeitfenster Tickets ab 22 Euro werktags und ab 24 Euro am Wochenende sowie weitere Kategorien wie ermäßigte Tickets, Familienoptionen und Flex Tickets.  Das bleibt im Rahmen großer Kulturshows, doch es schafft eine Schwelle, die klassische Museen häufig niedriger halten. Die Halle bewahrt zwar den demokratischen Gestus des Industriebauens, der Eintritt organisiert dennoch eine gewisse Exklusivität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Umbaukultur und Nachhaltigkeit: Wiederverwendung ja, aber nicht gratis</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die stärkste architektonische Botschaft lautet: Umnutzung funktioniert. Eine ehemalige Druckerei wird zur Kulturmaschine, ohne ihre Materialehrlichkeit zu verstecken. Das spart in der Regel graue Energie, weil Bestand weiterarbeitet, statt Neubau zu verlangen. Gleichzeitig braucht das Format aufwendige Lichttechnik und Projektion, also Energie und Techniklogistik. Die Nachhaltigkeitsbilanz hängt damit weniger am Gebäude als am Betrieb.<br />
Hinzu kommt ein praktischer Hinweis: Die Alte Druckerei nennt Umbauarbeiten und eine eingeschränkte Buchbarkeit bis zum 31. März 2026.  Das ist der Realitätscheck hinter jeder Umnutzungserzählung. Bestand bleibt ein Projekt, kein Zustand.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Lokaler Kontext: Pop Kultur trifft Messe Stadt</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass solche Formate in Hannover in einer ehemaligen Produktionshalle landen, passt zur Stadt als Messe und Veranstaltungsort. Die Hannover Seite verweist darauf, dass in der Alten Druckerei zuvor bereits die Ausstellung Körperwelten gastierte.  Die Halle etabliert sich damit als wiederkehrende Bühne für internationale Wanderausstellungen. Für die Region ist das ein zweischneidiger Erfolg: Es stärkt das Kulturangebot jenseits klassischer Institutionen, birgt aber die Gefahr, dass lokale Inhalte zur Kulisse eines global standardisierten Formats werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gerade hier liegt die architektonische Aufgabe. Die Alte Druckerei kann mehr sein als eine neutrale Black Box. Sie könnte ihre Herkunft als Medien und Produktionsort stärker lesbar machen, etwa über Spuren, Fotografien oder kurze bauhistorische Erzählstücke. Die Historie Seite zeigt bereits Bildmaterial aus der Vergangenheit der Hallen.  Dieses Potenzial dürfte die Ausstellung selbst ruhig mutiger integrieren. Van Gogh braucht keine zusätzliche Patina, aber Hannover hat eine.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit: Ein starkes Gebäude, eine starke Show, ein offener Streitpunkt</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als Erlebnis funktioniert Van Gogh in 360 Grad, weil die Alte Druckerei das Richtige liefert: Größe, Robustheit, Klarheit.  Als Architekturbeitrag überzeugt die Umnutzungsidee, doch die Inszenierung bleibt im Kern ein perfekt getaktetes Eventprodukt. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Immersion Kunst ersetzt. Interessanter ist, ob solche Formate dem Bestand eine Zukunft geben, die über die nächste Saison hinaus trägt.</p>
<p class="p1">
<h2><b>Besucherinformationen</b></h2>
<h3>Alte Druckerei Hannover, August Madsack Straße 1, 30559 Hannover.<span class="Apple-converted-space">  12. </span>November 2025 bis 1. März 2026.<span class="Apple-converted-space">  </span></h3>
<p class="p3">Dienstag, Mittwoch, Sonntag sowie Feiertage: 10 bis 18 Uhr.<span class="Apple-converted-space">  </span></p>
<p class="p3">Donnerstag bis Samstag: 10 bis 20 Uhr.<span class="Apple-converted-space">  </span></p>
<p class="p3">Letzter Einlass: eine Stunde vor Ausstellungsende.<span class="Apple-converted-space">  </span></p>
<p class="p3">Keine Veranstaltung am 24. und 25. Dezember 2025 sowie am 1. Januar 2026.<span class="Apple-converted-space">  </span></p>
<h3><b>Tickets und Preise</b></h3>
<p class="p3">Zeitfenster Tickets ermöglichen den Eintritt im gebuchten Zeitfenster, die Verweildauer ist innerhalb der Öffnungszeiten unbegrenzt.<span class="Apple-converted-space">  </span></p>
<p class="p3">Online Vorverkauf wird empfohlen, es gibt ab Ausstellungsbeginn auch eine Tageskasse, je nach Auslastung mit Wartezeiten.<span class="Apple-converted-space">  </span></p>
<p class="p3">Preisbeispiele laut offizieller Ausstellungsseite: Erwachsene 22 Euro Dienstag bis Freitag, 24 Euro Samstag, Sonntag und Feiertage, Ermäßigungen und Familientickets sind ausgewiesen.<span class="Apple-converted-space">  </span></p>
<p class="p3">Optional vor Ort: Virtual Reality Add on 3 Euro pro Person, nicht im Ticket enthalten.<span class="Apple-converted-space">  </span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/van-gogh-360-grad-in-der-alten-druckerei-hannover-wie-industriebau-zur-immersiven-kunstmaschine-wird/">Van Gogh 360 Grad in der Alten Druckerei Hannover: Wie Industriebau zur immersiven Kunstmaschine wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Niedersachsen baut wieder: Neue Landeswohnungsgesellschaft korrigiert historischen Fehler von 2005</title>
		<link>https://baukunst.art/niedersachsen-baut-wieder-neue-landeswohnungsgesellschaft-korrigiert-historischen-fehler-von-2005/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2025 15:49:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Landeswohnungsgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Mäuseburg Hannover]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbau Niedersachsen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14577</guid>

					<description><![CDATA[<p>20 Jahre nach der umstrittenen Privatisierung der Nileg startet Niedersachsens neue Landesgesellschaft WohnRaum ihren ersten Neubau in Hannover.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/niedersachsen-baut-wieder-neue-landeswohnungsgesellschaft-korrigiert-historischen-fehler-von-2005/">Niedersachsen baut wieder: Neue Landeswohnungsgesellschaft korrigiert historischen Fehler von 2005</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Spatenstich mit historischer Dimension</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 2. Dezember 2024 geschah in Hannover Badenstedt etwas, das Wohnungsbaupolitikerinnen und Wohnungsbaupolitiker in Niedersachsen seit zwei Jahrzehnten herbeigesehnt haben: Die neue landeseigene Wohnungsgesellschaft WohnRaum Niedersachsen GmbH feierte ihren ersten Spatenstich. Auf dem 56.000 Quadratmeter großen Gelände der sogenannten Mäuseburg, einer ehemaligen Tierversuchsanstalt der Deutschen Forschungsgemeinschaft, entsteht ein neüs Stadtquartier mit über 400 geplanten Wohnungen, Ladengeschäften und einer bereits fertiggestellten Kindertagesstätte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der symbolische Akt markiert eine wohnungspolitische Kehrtwende. Genau 20 Jahre zuvor hatte das Land Niedersachsen mit dem Verkauf der Nileg (Niedersächsische Landesentwicklungsgesellschaft) an den US Fonds Fortress einen Fehler begangen, den der Verband der Wohnungswirtschaft (vdw) später als historisch bezeichnete. Rund 30.000 Wohnungen wechselten damals für etwa 1,5 Milliarden Euro den Besitzer, wurden zu Spekulationsobjekten und wanderten von einem Investor zum nächsten, bis sie schließlich über die GAGFAH im Vonovia Konzern landeten.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Wiedergutmachung: 100 Millionen Euro Startkapital</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die rot grüne Landesregierung reagierte auf die angespannte Wohnungsmarktsituation mit der Gründung der WohnRaum Niedersachsen GmbH am 14. Dezember 2023. Die Gesellschaft erhielt ein Startkapital von 100 Millionen Euro und nahm unter der Geschäftsführung von Sylva Viebach, einer erfahrenen Hochbauingenieurin der Klosterkammer Hannover, am 1. Mai 2024 ihre operative Tätigkeit auf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit des Handelns: Der aktülle Wohnungsmarktbericht prognostiziert einen Bedarf von 147.000 zusätzlichen Geschosswohnungen bis 2040. Bis 2045 werden sogar 218.000 neü Wohnungen benötigt. Gleichzeitig sank die Zahl der Sozialwohnungen in Niedersachsen auf einen historischen Tiefstand von nur noch 51.250 Einheiten. Das Bündnis Soziales Wohnen beziffert den aktuellen Fehlbestand auf über 100.000 Sozialwohnungen allein in Niedersachsen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Modell: Risikominimierung statt Eigenentwicklung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neue Landesgesellschaft agiert nicht als klassischer Bauträger, sondern als Abnehmerin fertig geplanter Projekte. Am Standort Mäuseburg hat sie mit den Projektentwicklern Norddeutsche Wohnbau und Böcon Verträge über 133 Mietwohnungen in den Teilarealen Ehlers Höfe und Benther Blick geschlossen. Die Unternehmen bauen die Wohnungen und verkaufen sie nach Fertigstellung an die WohnRaum Niedersachsen. Diese Konstruktion ermöglicht es, baureife Projekte zu realisieren, die ohne einen gesicherten Abnehmer in der aktuellen Marktlage nicht umgesetzt worden wären.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Herausfordernde Zeiten seien damit zu Ende gegangen, erklärte Böcon Chef Rene Böder bei der Spatenstichfeier. Matthias Steinhauer von der Norddeutschen Wohnbau sprach von einem schwierigen Marktumfeld und würdigte den Mut aller Beteiligten. Der Großteil der entstehenden Mietwohnungen ist für Geringverdienerinnen und Geringverdiener sowie Mittelschichtfamilien gefördert.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Realität: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei nüchterner Betrachtung offenbart sich jedoch das Missverhältnis zwischen dem proklamierten Aufbruch und den tatsächlichen Dimensionen. Mit zunächst 400 vertraglich gesicherten Neubauwohnungen landesweit und dem Ziel, auf einen Bestand von etwa 1000 Wohnungen anzuwachsen, bewegt sich die WohnRaum Niedersachsen im homöopathischen Bereich. Zum Vergleich: Die 2005 verkaufte Nileg verwaltete 30.000 Wohnungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Baukrise trifft Niedersachsen mit voller Wucht. 2023 wurden lediglich 25.383 Wohnungen fertiggestellt, ein Rückgang von 13,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Baugenehmigungen befinden sich im freien Fall. Im freifinanzierten Neubau liegen die Mieten bei etwa 14 Euro pro Quadratmeter, die Kaufpreise bei Eigentumswohnungen bei rund 5.000 Euro pro Quadratmeter. Für viele Haushalte sind solche Summen schlicht unbezahlbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch das Vorzeigeprojekt Mäuseburg illustriert die Probleme: Vier der sechs Grundstückscluster liegen weiterhin brach. Einer der Investoren, das Immobilienunternehmen HIT, befindet sich in Insolvenz. Wann dort gebaut wird, ist ungewiss.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Politische Prioritäten: Autobahn statt Spatenstich</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein bezeichnendes Detail des Spatenstichtermins: Der zuständige Bauminister Grant Hendrik Tonne (SPD) war an diesem Tag verhindert. Er fuhr nach Berlin zu einer Veranstaltung zum Weiterbau der Küstenautobahn A 20. Statt des Ministers hielt Staatssekretär Matthias Wunderling Weilbier die Festrede und bezeichnete das Projekt als wichtiges Signal im Einsatz gegen den Wohnungsmangel. Die Landesgesellschaft fungiere als Impulsgeber für den Bau weiterer Wohnungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Abwesenheit des Ministers lässt sich als Symbolpolitik lesen: Infrastrukturprojekte geniessen offenbar weiterhin höhere Priorität als der Wohnungsbau. Dabei hatte sein Vorgänger Olaf Lies (ebenfalls SPD) die Landeswohnungsgesellschaft noch als zentrales Projekt vorangetrieben.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die strukturellen Probleme bleiben</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Initiative ist ein Schritt in die richtige Richtung, sie ändert jedoch wenig an den strukturellen Problemen des Wohnungsmarktes. Die hohen Baulandpreise, die seit 2012 bundesweit um 83 Prozent gestiegen sind, die erhöhten Finanzierungskosten durch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank und die gestiegenen Materialkosten belasten die Branche weiterhin. Dreizehn Prozent der Bevölkerung geben bereits mehr als 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Wohnkosten aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob die WohnRaum Niedersachsen mehr als ein symbolisches Pflaster auf einer klaffenden Wunde ist, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Für 2025 strebt die Gesellschaft den Baubeginn von etwa 700 Wohnungen an, 2026 sollen weitere 800 Einheiten folgen. Angesichts eines jährlichen Bedarfs von mehreren tausend neuen Wohnungen in Niedersachsens Wachstumsregionen wie Hannover, Oldenburg und dem Hamburger Umland wirken diese Zahlen bescheiden.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Kehrtwende ja, Wende nein</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Gründung der WohnRaum Niedersachsen ist eine überfällige Korrektur einer wohnungspolitischen Fehlentscheidung. Sie zeigt, dass das Land seine Verantwortung für bezahlbaren Wohnraum wieder ernst nimmt. Ob 100 Millionen Euro Startkapital und eine bewusst schlanke Struktur ausreichen, um den Wohnungsmarkt tatsächlich zu beeinflussen, darf bezweifelt werden. Das Projekt bleibt ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn auch ein symbolisch bedeutsamer. Hannovers ehrenamtlicher Bürgermeister Thomas Klapproth (CDU) brachte es bei der Spatenstichfeier auf den Punkt: Ich hoffe, dass dieser Impuls auf Investoren wirkt, damit noch mehr Wohnungen entstehen. Hoffen allein wird nicht reichen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">_</p>
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		<title>Hannovers vergessenes Viertel: Wie der Staat eine Großwohnsiedlung retten will</title>
		<link>https://baukunst.art/hannovers-vergessenes-viertel-wie-der-staat-eine-grosswohnsiedlung-retten-will/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Nov 2025 16:58:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerbeteiligung]]></category>
		<category><![CDATA[Großwohnsiedlung]]></category>
		<category><![CDATA[Städtebauförderung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14410</guid>

					<description><![CDATA[<p>Nach über zehn Jahren Sanierung lädt Hannover zum Planungsdialog. Im Stadtteil Mühlenberg zeigt sich, wie schwierig und zugleich lohnend echte Bürgerbeteiligung sein kann.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Eine Siedlung sucht ihre Zukunft</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 19. November 2025 versammelten sich Anwohnerinnen und Anwohner, Planerinnen und Lokalpolitiker im Foyer der Leonore Goldschmidt Schule zu einem besonderen Termin. Drei Stunden lang sollte über die Zukunft des hannoverschen Stadtteils Mühlenberg diskutiert werden. Nicht irgendeine Informationsveranstaltung, sondern ein Planungsdialog, der Zwischenbilanz ziehen und gleichzeitig den Blick bis 2030 richten wollte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mühlenberg, gelegen im Südwesten der niedersächsischen Landeshauptstadt, ist eine dieser Großwohnsiedlungen, die zwischen 1965 und 1986 aus dem Boden gestampft wurden. Langgezogene Mehrfamilienhäuser mit bis zu fünfzehn Geschossen prägen das Bild. Rund 7.500 Menschen leben heute hier, viele von ihnen in prekären Verhältnissen. Der Stadtteil weist den höchsten Anteil an Einwohnerinnen und Einwohnern mit Migrationshintergrund in ganz Hannover auf. Die vierspurige Bornumer Straße zerschneidet das Quartier und trennt die Hochhaussiedlung am Canarisweg vom übrigen Gebiet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Jahrzehnt der Veränderung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit Ende 2014 ist Mühlenberg Teil der Städtebauförderung, zunächst im Programm &#8218;Soziale Stadt&#8216;, seit 2020 im Nachfolgeprogramm &#8218;Sozialer Zusammenhalt&#8216;. Bund und Länder haben dieses Instrument geschaffen, um benachteiligte Quartiere zu stabilisieren und aufzuwerten. Das Sanierungsgebiet umfasst etwa 72 Hektar und deckt sich nahezu mit den Stadtteilgrenzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bilanz nach über zehn Jahren kann sich sehen lassen: Zwei große Spielplätze wurden erneuert, der Spielpark Mühlenberg aufgewertet. Bushaltestellen an der Bornumer Straße sind nun barrierefrei gestaltet. Eine neue Grünverbindung am Canarisweg schafft sicherere Wege für Fußgängerinnen und Radfahrer. Die Grundschule Mühlenberg wird bis 2026 komplett neu gebaut. Im Jahr 2025 stellte das Land Niedersachsen gemeinsam mit dem Bund rund 122 Millionen Euro für die gesamte Städtebauförderung im Land bereit. Davon fließen 4,3 Millionen Euro nach Hannover, wovon Mühlenberg einen erheblichen Teil erhält.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektur der Beteiligung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit 2016 begleitet eine Sanierungskommission den Prozess als politisches Gremium. Die 18 Plätze sind paritätisch besetzt: neun Mandatsträgerinnen und Mandatsträger aus dem Stadtbezirksrat Ricklingen oder dem Rat der Stadt Hannover, neun von den Parteien benannte Vertreterinnen und Vertreter aus dem Stadtteil selbst. Das Quartiersmanagement der städtischen Wohnungsgesellschaft hanova fungiert als Vermittlerin zwischen Verwaltung und Bevölkerung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch die Frage drängt sich auf: Erreicht diese Struktur tatsächlich die Menschen, um die es geht? In einer Siedlung, in der viele Bewohnerinnen und Bewohner von Armut betroffen sind und besonderen sozialen Unterstützungsbedarf haben, ist die Schwelle zur Teilnahme an formellen Beteiligungsverfahren oft hoch. Sprachbarrieren, Arbeitszeiten, Kinderbetreuung, das Gefühl, ohnehin nicht gehört zu werden – all das kann Menschen davon abhalten, an einem Mittwochabend drei Stunden im Schulfoyer zu verbringen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Anspruch und Wirklichkeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundespolitische Zentrale für politische Bildung bringt das Dilemma auf den Punkt: Partizipationsverfahren der Stadtplanung wecken Wünsche, die sie nicht erfüllen können. Sie sind in rechtsstaatlichen und repräsentativ demokratischen Verfahren organisiert, in die Bürgerinnen und Bürger formell nur durch Anhörungen eingebunden werden. Wenn zentrale Ursachen von Verdrängung in der Marktförmigkeit der Wohnraumversorgung liegen, kann auch die beste Bürgerbeteiligung daran zunächst wenig ändern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Mühlenberg zeigt sich dieses Spannungsfeld besonders deutlich. Einerseits stehen alteingesessene Eigentümerinnen und Eigentümer von Reihenhäusern und Bungalows, die seit Jahrzehnten die traditionellen Vereinsaktivitäten tragen. Andererseits leben in den Hochhäusern am Canarisweg junge, kinderreiche Familien mit Migrationshintergrund, deren Alltag von ganz anderen Sorgen geprägt ist. Beide Gruppen unter einen Hut zu bringen, ihre unterschiedlichen Bedürfnisse in einen gemeinsamen Planungsprozess zu übersetzen – das ist die eigentliche Herausforderung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die bauliche Dimension</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aktuell läuft eine umfangreiche Modernisierung der Großwohnsiedlung im Canarisweg. Die elf Gebäude mit insgesamt rund 560 Wohneinheiten stammen aus den 1970er Jahren und haben einen enormen Sanierungsbedarf. Eine vorbereitende Untersuchung aus dem Jahr 2008 hatte bereits festgestellt, dass viele Wohngebäude dringend modernisiert werden müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Leonore Goldschmidt Schule, in deren Foyer der Planungsdialog stattfand, ist selbst ein Beispiel für den Wandel. Das ursprüngliche Schulgebäude aus den 1970er Jahren wurde schrittweise abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Mit einer Geschossfläche von etwa 30.000 Quadratmetern und rund 1.350 Schülerinnen und Schülern ist sie die größte Schule Hannovers. Die hanova hat den Neubau realisiert und vermietet ihn im Rahmen einer Öffentlich öffentlichen Partnerschaft langfristig an die Stadt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was noch fehlt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Planungsdialog stellte nicht nur die Erfolge dar, sondern fragte auch: An welchen Projekten fehlt es? Welche Vorhaben sind für die kommenden Jahre entscheidend? Das Mühlenberger Zentrum mit Marktplatz und Fußgängerzone soll neu gestaltet werden, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Die für den Stadtteil notwendigen Funktionen wie Einkaufsmöglichkeiten, medizinische Versorgung und andere Dienstleistungen sollen gestärkt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders brisant bleibt die Verkehrssituation. Der Kreuzungsbereich Bornumer Straße, Beckstraße und Auffahrt zur Bundesstraße 65 soll sicherer und barrierefrei umgestaltet werden. Die Planung musste bereits mehrfach angepasst werden, weil die Abfahrt von der B65 verändert werden muss. Ein zähes Ringen mit der Landesverkehrsbehörde begleitet das Vorhaben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Perspektiven bis 2030</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Städtebauförderung ist als Impulsprogramm konzipiert, nicht als Dauereinrichtung. Das Ziel ist klar formuliert: die Akteure und Bewohnerinnen einer Nachbarschaft zu motivieren, Projekte anzustoßen und durch die Fortführung der Prozesse die Verstetigung sicherzustellen. In Mühlenberg wird bereits an einem Konzept gearbeitet, das die spezifische politische, räumliche und soziale Situation des Quartiers berücksichtigt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage bleibt, ob nach dem Ende der Förderung genug Schwung entstanden sein wird, um den Stadtteil dauerhaft zu stabilisieren. Großwohnsiedlungen wie Mühlenberg tragen schwer an ihrem Erbe der autogerechten Stadt. Die Architektur der 1970er Jahre, mit ihrer Trennung von Wohnen und Verkehr, ihrer Gleichförmigkeit und ihrer oft mangelhaften Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, lässt sich nicht durch ein Förderprogramm überwinden. Doch sie lässt sich verbessern, Stück für Stück, wenn die Menschen, die dort leben, tatsächlich mitreden dürfen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Planungsdialog in der Leonore Goldschmidt Schule war ein kleiner Baustein in diesem langen Prozess. Ob er mehr war als eine ritualisierte Veranstaltung, wird sich erst zeigen, wenn die dort geäußerten Wünsche und Kritikpunkte tatsächlich in konkrete Maßnahmen münden. Die Bewohnerinnen und Bewohner von Mühlenberg haben es verdient, dass ihre Stimmen nicht nur gehört, sondern auch ernst genommen werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Niedersachsens Schulden-Trick: Wie die neue Immobilienanstalt die Haushaltsregeln aushebelt</title>
		<link>https://baukunst.art/niedersachsens-schulden-trick-wie-die-neue-immobilienanstalt-die-haushaltsregeln-aushebelt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Nov 2025 16:46:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Landesimmobilienanstalt]]></category>
		<category><![CDATA[öffentliche Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Schuldenbremse Niedersachsen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Niedersachsens neue Immobilienanstalt: Modernisierung oder Schuldenfalle? Warum das Projekt für Aufsehen sorgt – und was es für die Region bedeutet</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die neue Landesimmobilienanstalt Hannover: Modernisierung auf Pump?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Hannover, November 2025</strong> – Mit der Gründung der neuen Landesimmobilienanstalt (NIA) will Niedersachsen seine maroden Behördengebäude sanieren und den Immobilienbestand zukunftsfähig gestalten. Doch das Projekt steht von Anfang an in der Kritik: Während die rot-grüne Landesregierung die NIA als „notwendige Investition in die Infrastruktur“ preist, warnen Opposition, Rechnungshof und Juristen vor einer Umgehung der Schuldenbremse und verfassungsrechtlichen Risiken.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum die NIA?</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die NIA soll als zentrale Anlaufstelle für den Bau, die Sanierung und das Management von Landesimmobilien fungieren. Erste Großprojekte wie die Modernisierung der Justizvollzugsanstalt (JVA) Hannover stehen bereits auf der Agenda. Hier geht es nicht nur um die Erhöhung des Sicherheitsstandards, sondern auch um die Erweiterung der Kapazitäten – ein dringendes Anliegen angesichts der aktuellen Auslastung von über 98 Prozent. Doch die Frage bleibt: Ist die NIA wirklich die Lösung, oder dient sie vor allem dazu, Investitionen außerhalb des regulären Haushalts zu tätigen?</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Schuldenbremse: Flexibilität oder Fassade?</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritiker wie der Bund der Steuerzahler und die CDU-Landtagsfraktion sehen in der NIA einen „Dammbruch“: Statt die Schuldenbremse zu reformieren, werde sie durch Sonderkonstruktionen ausgehebelt. Niedersachsens Finanzminister Gerald Heere (Grüne) betont zwar, dass das Land die Vorgaben der Schuldenbremse einhalte, doch die wachsende Neuverschuldung – aktuell 48,06 Euro pro Sekunde – gibt Anlass zur Skepsis. Die Landesregierung argumentiert, dass ohne solche Maßnahmen dringende Investitionen in Klimaschutz, Infrastruktur und öffentliche Gebäude nicht möglich seien. Doch ist die NIA wirklich der richtige Weg, oder wird hier ein Präzedenzfall geschaffen, der andere Bundesländer zum Nachahmen animiert?</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Regionale Besonderheiten: Hannover als Testfall</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Region Hannover steht vor spezifischen Herausforderungen: Einerseits boomt der Immobilienmarkt, andererseits fehlt es an bezahlbarem Wohnraum und modernen Verwaltungsgebäuden. Die Wirtschaftsförderung setzt auf Projekte wie den „ONE Tech Campus“, um die Attraktivität der Region als Innovationsstandort zu stärken. Doch wie passt die NIA in diese Strategie? Während internationale Investoren zunehmend Interesse an Hannover zeigen, könnte die neue Anstalt auch als Signal für Planungsunsicherheit gewertet werden – besonders, wenn die Finanzierung auf wackeligen Beinen steht.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Architektonische Verantwortung: Zwischen Sanierung und Neuanfang</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten stellt die NIA eine ambivalente Chance dar: Einerseits bieten sich große Aufträge, andererseits droht die Gefahr, dass kurzfristige Lösungen langfristige Planungskonzepte verdrängen. Die Sanierung der JVA Hannover zeigt exemplarisch, wie komplex die Balance zwischen Sicherheitsanforderungen, Kapazitätserweiterung und architektonischer Qualität ist. Hier wäre ein transparenter, partizipativer Prozess wünschenswert – doch die aktuelle Debatte dreht sich vor allem um Zahlen, nicht um Gestaltung.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit: Modell oder Menetekel?</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die NIA könnte ein Modell für andere Bundesländer werden – oder als Menetekel für die Umgehung haushaltspolitischer Regeln in die Geschichte eingehen. Fest steht: Niedersachsen braucht dringend Investitionen in seine Infrastruktur. Doch ob die NIA der richtige Weg ist, bleibt umstritten. Klare Kriterien für Transparenz, Nachhaltigkeit und architektonische Qualität müssen definiert werden, um das Projekt nicht nur finanziell, sondern auch gesellschaftlich tragfähig zu machen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Überseeinsel unter Druck – Bremens Wettstreit um das bessere Wohnen im Alter</title>
		<link>https://baukunst.art/ueberseeinsel-unter-druck-bremens-wettstreit-um-das-bessere-wohnen-im-alter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 15:28:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Überseeinsel]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnen im Alter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auf der Bremer Überseeinsel entsteht am Areal der Rickmers Reismühle ein Quartier für altengerechtes Wohnen – zwischen Weser, Hochwasserschutz und Hafenidentität.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/ueberseeinsel-unter-druck-bremens-wettstreit-um-das-bessere-wohnen-im-alter/">Überseeinsel unter Druck – Bremens Wettstreit um das bessere Wohnen im Alter</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausgangslage: Ein Hafenareal wird zum Quartier</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Transformation der Landzunge zwischen Weser und Europahafen – der Überseeinsel in der Bremer Überseestadt – prägt seit Jahren die städtebauliche Agenda. Das Gelände der ehemaligen Rickmers Reismühle markiert den westlichen Abschluss des belebten Entwicklungsbands. Als Ensemble aus Bestandsbauten und neuen Punktgebäuden soll hier ein gemischt genutztes Quartier entstehen, dessen Schwerpunkt ausdrücklich auf altengerechtem Wohnen liegt. Die Lage ist prominent: unmittelbar an der Weser, vorgelagert zur künftigen Hochwasserschutzlinie und in spannungsreicher Nachbarschaft von Molenspitze und Landschaftspark. Die Topografie des Ortes – Wasserlage, Wind, Weite – ist kein Beiwerk, sondern die eigentliche Figurgeberin für Baukörperstellung, Erdgeschossnutzungen und Freiraum.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Verfahren und Akteure: Disziplin schafft Spielräume</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausloberin ParkQuartier Weserinsel GmbH wählte ein Einladungswettbewerb nach RPW. 13 Büros traten an, betreut von BPW Stadtplanung, am Ende entschied ein prominent besetztes Preisgericht. Dass Bremen bei solchen Vorhaben auf geordnete Verfahren setzt, hat Tradition und erzeugt Verlässlichkeit für Bauherrinnen und Bauherren ebenso wie für Planerinnen und Planer. Die Entscheidung fiel im September 2025; der Wettbewerb qualifizierte zwei Gebäudetypologien als Referenz, ohne die städtebaulichen Setzungen grundsätzlich wieder zu öffnen. So entsteht ein klarer Rahmen – und darin genügend Luft für architektonische Differenzierung.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Typologien und Maßstab: Vier Daltons, zwei Bestände</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bild des künftigen Ensembles tragen vier unterschiedlich hohe Punktbauten – in der lokalen Debatte schon als „Daltons“ bezeichnet – mit sechs bis elf Geschossen. Sie erhalten Begleitung durch zwei Bestandsgebäude: den langgestreckten Uferriegel und das kleine Torgebäude. Diese Konstellation schreibt Hafenerbe fort, ohne in Nostalgie zu verfallen. Die Punkthäuser werden in zwei Erschließungstypen entwickelt: einmal mit Zugang an der Längsseite, einmal an der kurzen Seite. Diese Differenzierung wirkt klein, eröffnet in Grundrissen und Fassade jedoch einen beachtlichen Spielraum. Der zulässige Umfang ist klar definiert: Die oberirdische Bruttogeschossfläche der vier Punkthäuser beträgt zusammen bis zu 33.000 m² (BGF R) – ergänzt um einen begrenzten Anteil BGF S für Sonderfälle. Der Maßstab bleibt somit beherrschbar und anschlussfähig an die Körnung der Überseestadt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Programm: Erdgeschosse als Quartiersmotor</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wohnen im Alter wird zum Anker, doch lebendig wird das Quartier erst durch die Erdgeschosse. Gastronomische Angebote, Tagespflege, eine KiTa und nutzungsnahe Dienstleistungen sind vorgesehen. Diese Mischung stabilisiert Frequenzen und hält Wege kurz – ein handfestes Argument für Bewohnerinnen und Bewohner, die Komfort schätzen und Teilhabe suchen. Das Erdgeschoss reagiert zudem auf die Wasserlage: Transparenz, robuste Materialien und klare Adressen stärken das öffentliche Leben am Ufer.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Planungskultur: Bremen und der Dialog am Wasser</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bremen kultiviert seit Jahren eine Planungspraxis, die Hafenentwicklung, Hochwasserschutz und Freiraum im Dialog denkt. Die Lage „vor“ der künftigen Schutzlinie verschärft die Anforderungen: Erschließung, Geländemodellierung und Fassaden müssen auf Starkregen und Sturmfluten reagieren. Eine robuste Erdgeschosszone ist hier weniger Ästhetik als Notwendigkeit. Für die Bremer Baupraxis typisch ist der Anspruch, solche funktionalen Imperative mit Aufenthaltsqualität zu verknüpfen – pragmatisch, zurückhaltend, norddeutsch.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Flexibilität als Strategie: Gründe und Grundrisse</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Wettbewerbsentscheid und Baubeginn können sich Marktbedingungen ändern. Darauf reagiert das Konzept mit flexiblen Wohnungsgemengen, anpassbaren Wohnungsgrößen und modularen Zuschnitten. So bleibt die ökonomische Seite belastbar, ohne die sozialen Ziele aus dem Blick zu verlieren. Für altengerechtes Wohnen heißt das: barrierearme Erschließungen, nachrüstbare Assistenzsysteme, Cluster, die Nachbarschaft fördern und Privatsphäre respektieren. Die Punktbautypologie unterstützt diese Flexibilität, weil sie pro Geschoss vielfältige Kombinationen erlaubt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Baukultur und Vielfalt: Mehrstimmigkeit statt Monolog</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bis zu vier Büros sollen jeweils einen der Daltons planen. Dieser Ansatz erzeugt Vielfalt innerhalb einer klaren Ordnung – eine Haltung, die in der Region Schule macht. Unterschiedliche Handschriften der Architektinnen und Architekten können die Silhouette beleben, während der Rahmenplan Kohärenz sichert. Die Überseeinsel profitiert davon, denn ihr Charakter speist sich aus industriellen Spuren, neuen Wohnformen und dem offenen Uferraum. Vielfalt wird nicht als dekorative Abweichung, sondern als sozialräumliche Qualität verstanden.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit und Klimaanpassung: Der Fluss als Partner</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Weserraum verlangt ressourcenschonende Lösungen: kompakte Baukörper, effiziente Hüllen, niedrige graue Emissionen und wartungsarme Details. Entscheidend ist die Schnittstelle zum Boden: Nutzungen im Sockel, die mit gelegentlichen Sperrungen leben können; Technik, die hochwassersicher untergebracht wird; Freiräume, die Regenwasser zurückhalten und sichtbar machen. Der Fluss wird damit zum Partner der Planung – nicht zum Gegner. Für den Alltag heißt das: robuste Erdgeschosse, klare Zugänge, gute Adressen und Schutz, wo nötig.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Punkte: Balanceakte im Detail</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der vorgegebene Rahmen minimiert Reibungsverluste, birgt aber die Gefahr eines zu engen Korsetts. Die Herausforderung liegt in der Ausgestaltung: Wie viel Variation verträgt der Typus, ohne die Einheitlichkeit des Quartiers zu sprengen? Wie lassen sich Erdgeschosse aktivieren, wenn Wetter, Wind und touristische Saisonalität schwanken? Und wie gelingt leistbarer Wohnraum, wenn Qualität, Lage und technische Anforderungen die Kosten treiben? Die Antworten liegen im klugen Detail: robuste Grundrisslogik, einfache Konstruktion, langlebige Materialien – und eine Freiraumplanung, die Nutzungsoffenheit ernst nimmt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Einordnung: Modellcharakter über Bremen hinaus</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt an der Rickmers Reismühle formuliert Leitplanken für Wasserlagen in deutschen Hafenstädten: klare Verfahren, typologische Präzision und programmatische Erdgeschosse. Die Bremer Planungskultur zeigt, wie aus definierten Grenzen Gestaltungsspielräume entstehen. Für andere Regionen liefert das Vorhaben Anregungen, ohne Blaupause zu sein: Der Charakter des Ortes bleibt die erste Planungsressource.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<item>
		<title>Vollendete Unvollkommenheit: Was uns der Poelzig-Bau über Moderne lehrt</title>
		<link>https://baukunst.art/vollendete-unvollkommenheit-was-uns-der-poelzig-bau-ueber-moderne-lehrt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 15:13:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Expressionistische Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Hannover Denkmaeler]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Poelzig]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13718</guid>

					<description><![CDATA[<p>An der Beneckeallee in Vinnhorst steht ein architektonisches Kleinod: Der Poelzig-Bau ist das einzige erhaltene Hochhaus des Expressionisten Hans Poelzig in Hannover und erzählt von einer Architekturepoches voller Aufbruch und Widerspruch.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/vollendete-unvollkommenheit-was-uns-der-poelzig-bau-ueber-moderne-lehrt/">Vollendete Unvollkommenheit: Was uns der Poelzig-Bau über Moderne lehrt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Prominent, aber unvollendet: Der Poelzig-Bau als Zeugnis expressionistischer Moderne in Hannover</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hannover ist reich an architektonischen Schätzen aus verschiedenen Epochen. Doch nur wenige Gebäude berichten so authentisch von der künstlerischen Gärung der Zwischenkriegszeit wie das ehemalige Verwaltungsgebäude an der Beneckeallee 28 in Vinnhorst. Hier, in diesem ziemlich massiv wirkenden Backsteinbau, findet sich ein architektonisches Zeugnis, das die Denkmalschützer zurecht als wichtiges Zeugnis expressionistischer Architektur bewahren moechten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hans Poelzig, einer der grössten deutschen Architekten des fruehen 20. Jahrhunderts, hat sich in Hannover nur sparsamst verewigt. Das macht den Bau an der Beneckeallee umso kostbarer fuer die Architekturgeschichte der Region. Er ist nicht nur ein Einzelwerk, sondern vielmehr ein Fenster in eine Zeit, in der die Moderne noch experimentell war, noch mit den Mitteln des Expressionismus rang, um Bedeutung und Sinnlichkeit in die nüchterne Funktionalität des Industriezeitalters zu bringen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Expressionismus in Ziegelstein</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Poelzig-Bau präsentiert sich in vollmundiger Ziegelstein-Architektur, die weniger durch ornamentale Spielereien als durch die bewusste Setzung von Proportion und plastischen Wirkungen besticht. Die Fassade erzählt von einer architektonischen Sprache, die Material und Form in den Dialog setzt. Dies unterscheidet Poelzigs Ansatz grundlegend von der gleichzeitigen Bauhaus-Bewegung mit ihrer Obsession für das Geometrisch-Reine. Poelzig war der Lyriker unter den Modernisten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die expressionistische Handschrift zeigt sich in der Behandlung von Fassadenelementen, in der Rhythmisierung der Fensterreihen und in der Gesamtkomposition des Volumens. Jedes Detail folgt einer inneren Logik, die das Gebaeude als Ganzes zu einem Kunstwerk macht – nicht als dekorativ aufgeputztes Haus, sondern als authentischer Ausdruck einer Bauidee. Dass das Bauwerk bis heute diesen künstlerischen Ausstrahlung bewahrt hat, verdankt es einer im Vergleich zu anderen Hannover-Bauten glücklicheren Baugeschichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Denkmalschutz als Verantwortung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Hannoversche Denkmalpflege erkennt die kulturelle Bedeutung dieses Objekts klar an. Das ist nicht selbstverständlich, denn expessionistische Architektur wurde lange Zeit als schwierig und unverständlich abgetan. Heute hingegen wird zunehmend sichtbar, wie diese künstlerische Bewegung Brückenfunktion hatte: Sie stand zwischen dem dekadenten Historismus des Gründerzeit-Bürgertums und der rationalistischen Sachlichkeit der modernen Architektur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Fuer die Region Hannover bedeutet der Schutz dieses Bauwerks ein klares Bekenntnis: zur Offenheit gegenüber experimenteller Architektur, zur Anerkennung, dass nicht nur die groessten Meisterwerke, sondern auch solche Stuecke aus einem groteskeren architektonischen Diskurs bewahrt werden müssen. Gerade in Zeiten, in denen Bestandsverwertung und Sanierung zunehmend in den Fokus rücken, braucht es solche Ankerpunkte, die die Bedeutung architektonischer Authenzität verdeutlichen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Unvollendete Moderne</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Titel der ursprünglichen Berichterstattung spricht von einem prominenten, aber unvollendeten Bau. Das ist mehr als nur Beschreibung: Es ist ein Hinweis auf den ikonographischen Status expressionistischer Architektur insgesamt. Poelzig und seine Zeitgenossinnen und Zeitgenossen wollten nicht nur bauen, sondern einen neuen Weg aufzeigen. Ihre Projekte blieben oft Fragmente eines groteskeren visionären Diskurses – und genau darin liegt ihre anhaltende Strahlkraft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Poelzig-Bau an der Beneckeallee ist ein eindrucksvoll erhaltenes Fragment dieser visionären Moderne. Seine Bewährung ist kein nostalgischer Rückgriff, sondern eine aktive Stellungnahme: dass Architektur Geschichte trägt, dass regionale Besonderheiten einen nationalen Diskurs prägen, und dass selbst einzelne, in sich bescheidene Bauwerke grosse Bedeutung haben können. Hannover darf stolz sein, dieses Zeugnis bewahren zu können.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/vollendete-unvollkommenheit-was-uns-der-poelzig-bau-ueber-moderne-lehrt/">Vollendete Unvollkommenheit: Was uns der Poelzig-Bau über Moderne lehrt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<item>
		<title>Ihme-Zentrum Hannover: Zwischen Vision und Wirklichkeit</title>
		<link>https://baukunst.art/ihme-zentrum-hannover-zwischen-vision-und-wirklichkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Sep 2025 08:50:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[#Architekturmoderne]]></category>
		<category><![CDATA[Ihme-Zentrum]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13475</guid>

					<description><![CDATA[<p>Als städtebauliche Utopie der Siebziger gefeiert, ist das Ihme-Zentrum heute ein Symbol für die Kluft zwischen Planungsvision und urbaner Realität.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/ihme-zentrum-hannover-zwischen-vision-und-wirklichkeit/">Ihme-Zentrum Hannover: Zwischen Vision und Wirklichkeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Utopie aus Beton</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In den frühen 1970er-Jahren war Hannover Schauplatz eines der ambitioniertesten Stadtentwicklungsprojekte der Bundesrepublik. Das Ihme-Zentrum sollte nicht weniger sein als ein Zukunftslabor urbanen Lebens: Wohnen, Arbeiten, Einkaufen – alles unter einem Dach, auf mehreren Ebenen, getrennt nach Funktionen und verkehrsfrei im Inneren. Ein autarkes, klimatisch reguliertes Stadtstück. Was in Städten wie Marseille (Unité d’Habitation) oder Berlin (Steglitzer Kreisel) angedacht wurde, fand an der Ihme seinen baulichen Ausdruck – konkret, massiv, fast trotzig. Architekt Karl-Heinz Möller entwarf eine visionäre Großstruktur, die als gestapelte Stadt funktionieren sollte. Vier Wohnhochhäuser mit über 800 Wohnungen, ein weitläufiges Sockelgeschoss mit Büros und Läden, Parkplätze auf Plateaus, Erschließung über Brücken und Rampen – eine vertikale Stadtlandschaft. Damals galt das als Ausdruck moderner, funktionalistischer Architektur – heute wirkt es wie ein Mahnmal verpasster Chancen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der große Fall: Vom Zentrum zur Brache</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was in den siebziger Jahren als Modellfall städtischer Verdichtung galt, wurde wenige Jahrzehnte später zum Sinnbild des urbanen Scheiterns. Nach der Übernahme durch wechselnde Investoren, zuletzt den skandalumwitterten Investor Windhorst, verkam das Zentrum zusehends. Die oberen Wohnungen sind nach wie vor bewohnt, doch das gewerbliche Sockelgeschoss steht weitgehend leer, verfällt, wurde zeitweise sogar von der Feuerwehr als Gefahrenzone deklariert. Die Eigentumsstruktur des Ihme-Zentrums – eine Mischung aus Wohnungseigentümerinnen und -eigentümern, privaten Investoren, Gesellschaften und der Stadt selbst – verhindert seit Jahren koordinierte Sanierung und Entwicklung. Die Bewohnerinnen und Bewohner zahlen indes hohe Umlagen für Instandhaltung und Verwaltung – für Räume, die sie nicht betreten können und für Infrastruktur, die längst versagt hat.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stadt in der Zuschauerrolle</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landeshauptstadt Hannover hält sich weitgehend heraus. Obwohl sie Flächen im Zentrum besitzt und ein städtebauliches Interesse bestehen müsste, agiert die Verwaltung zögerlich. „Das Ihme-Zentrum ist ein privates Eigentumsprojekt“, heißt es regelmäßig aus dem Rathaus. Eine Haltung, die in der lokalen Planungskultur zunehmend kritisiert wird. Gerade in einem Modellfall wie diesem wird deutlich: Ohne kommunale Verantwortung kann urbane Transformation nicht gelingen. Der niedersächsische Städtebau kennt ähnliche Fälle, wenngleich in kleinerem Maßstab. Doch das Ihme-Zentrum ist einzigartig – nicht nur wegen seiner Größe, sondern weil es in zentraler Lage als visuelle Konstante das Bild der Stadt prägt und ihre Planungskultur widerspiegelt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eigentum ohne Einfluss: Die Ohnmacht der Bewohnerinnen und Bewohner</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wohnungseigentümerinnen und -eigentümer des Ihme-Zentrums sehen sich in einer bizarren Lage: Ihre Immobilie verliert stetig an Wert, sie zahlen hohe Nebenkosten und haben kaum Einfluss auf die Zukunft des Gesamtkomplexes. Das Miteigentum am maroden Sockelgeschoss zwingt sie zur Mitfinanzierung eines Leerstands, dessen Verwaltung sie kaum kontrollieren können. „Wir haben ein modernes Gefängnis mit Fernwärme und Balkon gekauft“, kommentierte ein Eigentümer sarkastisch in einer Lokalzeitung. Tatsächlich gleicht die Stimmung in vielen Eigentümerversammlungen eher juristischen Auseinandersetzungen als gemeinschaftlicher Stadtentwicklung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zwischen Abriss und Hoffnung</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ideen für die Zukunft des Ihme-Zentrums reichen vom Abriss über die Umnutzung zum Kulturzentrum bis hin zur kleinteiligen Sanierung in Etappen. Einzelne Initiativen wie die „Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum“ oder Zwischennutzungen von Künstlerinnen und Architekturbüros zeigen, dass das Potenzial erkannt wird – zumindest in der Zivilgesellschaft. Die Politik bleibt vorsichtig. In einer Stadt mit Wohnraummangel und klimapolitischen Zielen wäre eine Sanierung des Ihme-Zentrums durchaus plausibel. Der Bestand ist dicht, infrastrukturell gut angebunden und ressourcenschonender als ein Neubau. Doch die politische Realität spiegelt nicht die architektonische Vernunft.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bleibt: Eine Mahnung aus Stahlbeton</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Ihme-Zentrum ist kein Einzelfall – es steht exemplarisch für ein Phänomen, das in vielen Regionen zu beobachten ist: Großprojekte der Nachkriegsmoderne, die mit hehren Zielen begannen und an Besitzverhältnissen, Pflegeaufwand und politischer Passivität scheitern. Ähnliche Strukturen finden sich etwa in Ludwigshafen, Offenbach oder Halle-Neustadt. Doch es geht um mehr als bauliche Hüllen – es geht um die Frage, wie Stadt mit ihrer eigenen Vergangenheit umgeht. Die Vision des Ihme-Zentrums war eine ernsthafte – heute wirkt sie wie eine Karikatur. Und trotzdem bleibt Hoffnung: Wenn es gelingt, diese Struktur als Ressource zu begreifen, kann sie zum Vorbild für andere Regionen werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/ihme-zentrum-hannover-zwischen-vision-und-wirklichkeit/">Ihme-Zentrum Hannover: Zwischen Vision und Wirklichkeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Architektur studieren in Braunschweig</title>
		<link>https://baukunst.art/architektur-studieren-in-braunschweig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Sep 2025 08:35:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturstudium]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Braunschweig]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zwischen Fachwerk und Forschung: Warum Braunschweig für Architekturstudierende ein unterschätzter Studienort ist – und welche regionalen Besonderheiten ihn so besonders machen.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3>Architektur studieren in Braunschweig – eine unterschätzte Chance</h3>
<p>Braunschweig gilt nicht als klassische Studentenmetropole. Wer Architektur studieren möchte, denkt zuerst an Berlin, München oder Stuttgart. Doch die Löwenstadt überrascht – nicht nur mit ihrer lebendigen Hochschullandschaft, sondern auch mit einer facettenreichen Baukultur, die historische Schichten und zeitgenössische Impulse miteinander verwebt. Die Studentin Carla erinnert sich an ihre ersten Tage in Braunschweig: „Alle, die mich besuchen, sind überrascht, wie schön die Stadt ist.“ Zwischen mittelalterlichen Fachwerkhäusern, grünen Parkanlagen und modernen Institutsgebäuden hat sie einen Ort gefunden, der mehr zu bieten hat als man auf den ersten Blick vermutet.</p>
<h3>Eine Hochschule mit Profil</h3>
<p>Die Technische Universität Braunschweig (TU Braunschweig) ist die älteste technische Universität Deutschlands. Ihr Institut für Architektur und Städtebau genießt einen hervorragenden Ruf – insbesondere durch seine praxisorientierte Ausbildung. Die Lehre legt Wert auf interdisziplinäre Zusammenarbeit: Studierende arbeiten nicht nur an Entwurfsprojekten, sondern setzen sich auch mit Themen wie Nachhaltigkeit, denkmalgerechter Sanierung und klimafreundlicher Stadtentwicklung auseinander. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Holzbau-Forschung, passend zur niedersächsischen Bautradition, die seit Jahrhunderten auf regionale Materialien und Handwerkskunst setzt. Damit bildet Braunschweig Architektinnen und Architekten aus, die sowohl gestalterisch als auch technisch versiert sind.</p>
<h3>Regionale Besonderheiten: Baukultur zwischen Tradition und Zukunft</h3>
<p>Braunschweig liegt in einer Region, die architektonisch geprägt ist von mittelalterlicher Fachwerkarchitektur, Industriebauten der Gründerzeit und den Aufbaujahren der Nachkriegsmoderne. In unmittelbarer Nähe befinden sich historische Orte wie Wolfenbüttel oder die UNESCO-Weltkulturerbestätte Goslar, die den Studierenden Einblicke in den Erhalt und die Restaurierung historischer Substanz bieten. Gleichzeitig fordern aktuelle Herausforderungen wie Wohnraummangel und Energieeffizienz zeitgemäße Antworten – Themen, die an der TU intensiv erforscht und diskutiert werden. Die niedersächsische Bauordnung setzt hierbei eigene Akzente, insbesondere in den Bereichen Klimaschutz, barrierefreies Bauen und Holzbau, was den Studierenden praxisnah vermittelt wird.</p>
<h3>Stadt mit menschlichem Maßstab</h3>
<p>Braunschweig punktet mit kurzen Wegen: Viele Hochschulgebäude liegen in fußläufiger Distanz zur Innenstadt. Cafés, kleine Galerien und grüne Plätze schaffen eine angenehme Alltagskultur. Im Gegensatz zu Metropolen wie Berlin oder Hamburg sind die Lebenshaltungskosten moderat, was das Studium finanziell entspannter macht. Gleichzeitig bietet die Stadt genügend kulturelle Impulse – vom Staatstheater bis zur alternativen Kunstszene im Westlichen Ringgebiet. Diese Mischung macht Braunschweig zu einem idealen Ort, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: das eigene Studium und den kreativen Prozess des Entwerfens.</p>
<h3>Netzwerke und Chancen<br />
Ein starkes Plus für Braunschweig sind die regionalen Netzwerke:</h3>
<p>Architektenkammer Niedersachsen mit Sitz in Hannover bietet Seminare, Mentoringprogramme und Wettbewerbe.<br />
Lokale Gestaltungsbeiräte ermöglichen Studierenden frühzeitige Einblicke in reale Planungsprozesse.<br />
Kooperationen mit der Holzbau-Forschung in Göttingen und dem Fraunhofer-Institut stärken die wissenschaftliche Anbindung.<br />
Braunschweig ist zudem Teil der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg, wodurch Praktika und Berufseinstieg in einem breiten regionalen Umfeld erleichtert werden.</p>
<h3>Fazit: Ein Ort für Entfaltung</h3>
<p>Wer Architektur in Braunschweig studiert, findet ein Umfeld, das Praxisnähe, Forschung und Baukultur auf besondere Weise vereint. Die Stadt mag auf den ersten Blick unscheinbar wirken – doch wer genauer hinschaut, entdeckt ein lebendiges Labor für Architektur, das Tradition und Zukunft miteinander verbindet. Für Studierende, die eine fundierte Ausbildung suchen und zugleich regional verwurzelt arbeiten möchten, ist Braunschweig nicht nur eine Alternative, sondern ein echter Geheimtipp.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Hannover verbrennt: Wie Betonwüsten die Landeshauptstadt zur Hitzefalle machen</title>
		<link>https://baukunst.art/hannover-verbrennt-wie-betonwuesten-die-landeshauptstadt-zur-hitzefalle-machen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Aug 2025 09:44:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaanpassung]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtplanung Hannover]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Hitzeinseln]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hannovers Innenstadt heizt sich im Sommer bis zu 8 Grad stärker auf als das Umland. Wie Niedersachsens Landeshauptstadt mit grüner Architektur gegen urbane Hitzeinseln kämpft.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/hannover-verbrennt-wie-betonwuesten-die-landeshauptstadt-zur-hitzefalle-machen/">Hannover verbrennt: Wie Betonwüsten die Landeshauptstadt zur Hitzefalle machen</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Stadt als Wärmespeicher</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer an einem heißen Sommertag vom grünen Kronsberg in Hannovers Innenstadt fährt, spürt den Temperaturunterschied sofort: Die Luft steht zwischen den Häuserschluchten der Georgstraße, der Asphalt flimmert, und selbst abends bleibt die Hitze hartnäckig zwischen den Fassaden hängen. Was Besucherinnen und Bewohner als unangenehm empfinden, ist messbare Realität: Hannovers dicht bebaute Quartiere heizen sich bis zu acht Grad stärker auf als das Umland – ein Phänomen, das Stadtplanerinnen und Architekten vor massive Herausforderungen stellt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die niedersächsische Landeshauptstadt steht dabei exemplarisch für eine Entwicklung, die bundesweit Kommunen beschäftigt. Mit rund 540.000 Einwohnern gehört Hannover zu den deutschen Großstädten, in denen sich die Folgen des Klimawandels besonders drastisch manifestieren. Die historisch gewachsene Stadtstruktur mit ihrer Nachkriegsarchitektur und den großflächigen Verkehrsschneisen verschärft das Problem zusätzlich.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektur der Überhitzung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die baulichen Sünden der Vergangenheit rächen sich heute bitter. Während der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg auf schnelle Lösungen und autogerechte Stadtplanung setzte, entstanden großflächig versiegelte Areale ohne klimatische Pufferzone. Der Ernst-August-Platz vor dem Hauptbahnhof, die Raschplatzhochstraße oder der Aegidientorplatz – sie alle fungieren als steinerne Wärmespeicher, die tagsüber Sonnenstrahlung absorbieren und nachts nur zögerlich abgeben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders problematisch erweist sich die Bausubstanz der 1950er bis 1970er Jahre. Flachdächer ohne Begrünung, großflächige Betonkonstruktionen und fehlende Verschattungselemente prägen noch immer weite Teile der Stadt. Die Südstadt mit ihren Blockrandbebauungen aus der Gründerzeit zeigt hingegen, dass historische Bauweisen durchaus klimatische Vorteile bieten können: Hohe Decken, dicke Mauern und begrünte Innenhöfe schaffen natürliche Kühlzonen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Niedersächsische Besonderheiten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landesbauordnung Niedersachsens gibt den Kommunen seit der Novelle 2021 erweiterte Möglichkeiten für klimaangepasstes Bauen. Hannover nutzt diese konsequent: Bei Neubauten über 500 Quadratmetern Grundfläche sind Dachbegrünungen mittlerweile Standard, Stellplatzsatzungen fordern verstärkt Baumpflanzungen, und der städtische Gestaltungsbeirat achtet penibel auf klimaresiliente Architektur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Land Niedersachsen unterstützt diese Bemühungen durch spezifische Förderprogramme. Das Programm &#8222;Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen&#8220; etwa ermöglicht Seniorenheimen und Krankenhäusern bauliche Anpassungen – ein wichtiger Baustein, bedenkt man, dass gerade vulnerable Gruppen unter Hitzewellen leiden. Die Architektenkammer Niedersachsen hat gemeinsam mit der Ärztekammer einen eindringlichen Appell formuliert: Klimaschutz sei Gesundheitsschutz, und ohne konsequenten Hitzeschutz in Städten drohe eine gesundheitliche Krise.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Grüne Infrastruktur als Rettungsanker</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hannovers Antwort auf die Hitzeproblematik ist vielschichtig. Das stadtweite Klimamessnetz mit über 50 Stationen liefert präzise Daten, wo Handlungsbedarf besteht. Die Initiative &#8222;Grüne Klimainseln&#8220; schafft gezielt Erholungsräume in hochverdichteten Bereichen. Am Klagesmarkt entstand beispielsweise eine Pocket-Park-Anlage mit Wasserspielen und schattenspendenden Bäumen – ein Modell, das Schule macht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist der Paradigmenwechsel in der Verkehrsplanung. Wo früher Parkplätze dominierten, entstehen zunehmend begrünte Aufenthaltsflächen. Die Umgestaltung der Schmiedestraße in Linden zeigt, wie aus einer Asphaltwüste ein lebendiger Straßenraum mit Baumreihen, Versickerungsflächen und Sitzmöglichkeiten werden kann. Solche Projekte stoßen nicht immer auf Gegenliebe – Gewerbetreibende fürchten um Kundschaft, Anwohner um Parkplätze. Doch die messbaren Erfolge sprechen für sich: Bis zu vier Grad Temperaturreduktion an heißen Tagen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wassermanagement neu gedacht</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt &#8222;Hitze.Wasser.Management&#8220; im Rahmen des Smart-City-Dialogs verbindet Hitzevorsorge mit intelligentem Wassermanagement. Statt Regenwasser in die Kanalisation zu leiten, wird es zur Kühlung und Bewässerung genutzt. Versickerungsmulden, Rigolen und Zisternen gehören bei Neuplanungen zum Standard. Die Wasserspiele am Kröpcke oder die neu installierten Trinkbrunnen in der Innenstadt sind sichtbare Zeichen dieser Strategie.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Innovative Architekten experimentieren mit adiabatischer Kühlung – der Verdunstungskälte von Wasser. Das neue Verwaltungsgebäude der Region Hannover am Maschsee nutzt begrünte Fassaden mit integrierter Bewässerung. Der kühlende Effekt ist nicht nur messbar, sondern schafft auch ein angenehmeres Mikroklima für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Konflikte und Kompromisse</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht alle Maßnahmen stoßen auf Begeisterung. Die geplante Sperrung der Hildesheimer Straße für den Durchgangsverkehr zugunsten einer grünen Achse polarisiert. Befürworter sehen darin einen notwendigen Schritt zur Klimaanpassung, Kritiker befürchten Verkehrsverlagerungen in Wohngebiete. Solche Konflikte offenbaren das Dilemma moderner Stadtplanung: Wie viel Komfort darf klimagerechter Umbau kosten?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch die Kosten bereiten Kopfzerbrechen. Dachbegrünungen, Fassadenbepflanzungen und Entsiegelungen sind teuer. Private Eigentümerinnen und Vermieter scheuen Investitionen, deren Nutzen sich erst langfristig zeigt. Die Stadt versucht mit Förderprogrammen gegenzusteuern, doch die Mittel sind begrenzt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Die klimaresiliente Stadt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hannover hat erkannt, dass Anpassung an den Klimawandel keine Option, sondern Notwendigkeit ist. Die Herausforderungen sind gewaltig: Bis 2050 prognostizieren Klimamodelle eine Verdopplung der Hitzetage. Gleichzeitig wächst die Stadt, Wohnraum wird knapper, Nachverdichtung scheint unausweichlich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Lösung liegt in einer neuen Planungskultur, die Klimaresilienz von Anfang an mitdenkt. Das Neubaugebiet Kronsberg-Süd zeigt, wie es gehen kann: Schwammstadt-Prinzip, durchgängige Grünachsen, klimaoptimierte Gebäudeausrichtung. Solche Leuchtturmprojekte müssen Standard werden, nicht Ausnahme.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hannovers Weg zur klimaresilienten Stadt ist steinig, aber alternativlos. Die Stadt muss ihre historischen Strukturen behutsam transformieren, ohne ihre Identität zu verlieren. Das erfordert Mut zu unpopulären Entscheidungen, innovative Planungsansätze und vor allem: den Willen aller Beteiligten, die Stadt der Zukunft gemeinsam zu gestalten. Nur so kann aus der Hitzeinsel Hannover eine lebenswerte Klimaoase werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/hannover-verbrennt-wie-betonwuesten-die-landeshauptstadt-zur-hitzefalle-machen/">Hannover verbrennt: Wie Betonwüsten die Landeshauptstadt zur Hitzefalle machen</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Baukunst-Bremen macht Wärme: Kommunale Wärmeplanung als Blaupause für norddeutsche Städte</title>
		<link>https://baukunst.art/baukunst-bremen-macht-waerme-kommunale-waermeplanung-als-blaupause-fuer-norddeutsche-staedte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Aug 2025 08:11:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Fernwärme Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunale Wärmeplanung]]></category>
		<category><![CDATA[Wärmewende]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12992</guid>

					<description><![CDATA[<p>Bremen verdoppelt Fernwärmeanteil bis 2038: Von 13 auf 34 Prozent. 300 km neue Leitungen geplant. Die Hansestadt wird zum Modell kommunaler Wärmeplanung.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/baukunst-bremen-macht-waerme-kommunale-waermeplanung-als-blaupause-fuer-norddeutsche-staedte/">Baukunst-Bremen macht Wärme: Kommunale Wärmeplanung als Blaupause für norddeutsche Städte</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 [&quot;orderedList&quot;,null,&quot;listItem&quot;,null]">Bremens Milliardenpoker: Wie die Fernwärme-Lobby die Stadt umkrempelt</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Jahrhundertprojekt nimmt Gestalt an</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bremen schreibt gerade ein neues Kapitel seiner fast hundertjährigen Fernwärmegeschichte. Was 1927 mit der visionären Empfehlung der Baudeputation begann, ein Heizkraftwerk auf dem Gelände eines Krankenhauses zu errichten, entwickelt sich heute zu einem der ambitioniertesten Infrastrukturprojekte der Hansestadt. Die aktuell vorliegenden Gutachten zur kommunalen Wärmeplanung zeigen: Bremen könnte den Anteil der Fernwärmeversorgung von derzeit 13 auf 34 Prozent mehr als verdoppeln – vorausgesetzt, das bestehende Netz wird um beeindruckende 300 Trassenkilometer erweitert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Dimension dieses Vorhabens lässt sich kaum überschätzen. Während andere Großstädte noch in den Startlöchern stehen, hat Bremen bereits konkrete Zahlen auf dem Tisch. Das von der Qoncept Energy GmbH erstellte Fachgutachten liefert nicht nur abstrakte Potenzialanalysen, sondern detaillierte räumliche Abgrenzungen und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen. Ein solcher Pragmatismus ist typisch hanseatisch – und dringend notwendig angesichts der bundesweiten Vorgaben des Wärmeplanungsgesetzes.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bremische Besonderheiten: Zwischen Hafen und Überseestadt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die geografische Struktur Bremens stellt Planerinnen und Planer vor besondere Herausforderungen. Zwei getrennte Fernwärmegebiete prägen das Stadtbild: Im Westen versorgt das Mittelkalorik-Kraftwerk am Hafen die Stadtteile Walle, Gröpelingen und die aufstrebende Überseestadt. Im Osten erstreckt sich ein zweites Netz über Horn-Lehe und Teile von Findorff. Die kürzlich fertiggestellte Verbindungsleitung durch Schwachhausen schlägt eine Brücke zwischen diesen beiden Welten – ein technisches Meisterwerk, das den Kohleausstieg der Stadt erst ermöglichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese räumliche Zweiteilung ist kein Zufall, sondern Ergebnis historisch gewachsener Industriestrukturen. Wo früher Abwärme ungenutzt verpuffte, entstanden über Jahrzehnte lokale Wärmenetze. Heute gilt es, diese Insellösungen zu einem kohärenten System zu verbinden. Die Herausforderung liegt nicht nur in der technischen Machbarkeit, sondern auch in der sensiblen Integration in gewachsene Stadtstrukturen. Brücken über die Weser, Unterquerungen von Bahngleisen und die Durchörterung dicht bebauter Quartiere erfordern millimetergenaue Planung und erhebliche Investitionen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vielfalt der Lösungen: Mehr als nur Fernwärme</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert an Bremens Wärmeplanung ist der technologieoffene Ansatz. Neben dem klassischen Fernwärmenetz entstehen innovative Konzepte wie das Pilotprojekt der Genossenschaft &#8222;Erdwärme dich&#8220; in der Humboldtstraße. Diese Initiative zeigt, dass kommunale Wärmeplanung auch Raum für bürgerschaftliches Engagement bietet. Kalte Nahwärmenetze, die mit dezentralen Erdwärmepumpen arbeiten, könnten gerade in dicht bebauten Quartieren eine Alternative darstellen, wo weder Fernwärme noch individuelle Wärmepumpen praktikabel sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Rolle der Klimaschutzagentur energiekonsens als Mittlerin zwischen Verwaltung, Energieversorgern und Bürgerschaft verdient besondere Würdigung. Ihre Informationskampagnen schaffen Transparenz in einem hochkomplexen Themenfeld. Denn eines macht die Bremer Verwaltung deutlich: Der Wärmeplan ist keine Zwangsverordnung, sondern ein Orientierungsrahmen. Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer behalten die Wahlfreiheit ihrer Heizungstechnik – eine wichtige Botschaft in Zeiten erhitzter Debatten um vermeintliche &#8222;Heizungsverbote&#8220;.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Finanzierung und Förderung: Der lange Atem der Transformation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die swb AG rechnet mit einem dreistelligen Millionenbetrag für den Netzausbau über die nächsten zwei Jahrzehnte. Diese Investitionssumme relativiert sich angesichts der volkswirtschaftlichen Dimension der Wärmewende. Clevere Förderarchitekturen auf Bundes- und Landesebene werden entscheidend sein, um die Transformation sozialverträglich zu gestalten. Bremen nutzt hier geschickt die Synergien zwischen verschiedenen Fördertöpfen – von der städtebaulichen Förderung über KfW-Programme bis zu EU-Mitteln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen des Gutachtens basieren auf realistischen Annahmen zur Preisentwicklung fossiler Brennstoffe und CO₂-Zertifikate. Interessant ist die enge Abstimmung mit den lokalen Netzbetreibern wesernetz und enercity Contracting Nord. Diese frühzeitige Einbindung der Marktakteure verhindert Luftschlösser und sorgt für umsetzbare Planungen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Partizipation als Erfolgsfaktor</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bremen setzt auf breite Beteiligung. Wohnungswirtschaft, Handwerkskammern und Bürgerschaft werden systematisch in den Planungsprozess einbezogen. Die für 2025 geplanten öffentlichen Beteiligungsverfahren versprechen spannende Diskussionen. Erfahrungen aus anderen Städten zeigen: Ohne Akzeptanz vor Ort scheitern die ambitioniertesten Pläne. Die transparente Kommunikation über den Wärmeatlas, der bereits 2019 in Kooperation von swb, wesernetz und den Städten Bremen und Bremerhaven erstellt wurde, schafft eine solide Vertrauensbasis.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritischer Ausblick: Stolpersteine und Chancen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei aller Euphorie bleiben kritische Fragen. Die Abhängigkeit von Kraft-Wärme-Kopplung bedeutet auch künftig eine Verbindung zur Stromerzeugung – in Zeiten volatiler Energiemärkte nicht unproblematisch. Die Integration erneuerbarer Wärmequellen wie Großwärmepumpen, Solarthermie oder industrieller Abwärme kommt in den bisherigen Planungen noch zu kurz. Hier muss Bremen nachlegen, will es seinem Ruf als Vorreiter gerecht werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch die soziale Dimension verdient mehr Aufmerksamkeit. Gerade in Stadtteilen wie Gröpelingen mit hohem Migrationsanteil und niedrigen Einkommen müssen Lösungen gefunden werden, die niemanden zurücklassen. Die Gefahr einer &#8222;Zwei-Klassen-Wärmewende&#8220; ist real.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dennoch: Bremen zeigt, dass kommunale Wärmeplanung mehr sein kann als bürokratische Pflichterfüllung. Sie ist Chance für eine grundlegende Modernisierung städtischer Infrastruktur, für neue Formen der Bürgerbeteiligung und für regionale Wertschöpfung. Wenn es gelingt, die verschiedenen Akteure weiterhin so konstruktiv einzubinden, könnte die Hansestadt tatsächlich zum Modell für andere norddeutsche Städte werden. Der Zeitplan ist ambitioniert, aber machbar: Ende 2025 soll der finale Wärmeplan stehen – ein Jahr früher als gesetzlich gefordert. Typisch Bremen: pragmatisch, verlässlich und mit dem nötigen Quäntchen Pioniergeist.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/baukunst-bremen-macht-waerme-kommunale-waermeplanung-als-blaupause-fuer-norddeutsche-staedte/">Baukunst-Bremen macht Wärme: Kommunale Wärmeplanung als Blaupause für norddeutsche Städte</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Gotik trifft Jugendstil – Warum Braunschweig plötzlich hip ist</title>
		<link>https://baukunst.art/gotik-trifft-jugendstil-warum-braunschweig-ploetzlich-hip-ist/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Jul 2025 12:45:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Jugendstil Braunschweig]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Paul Eliasberg Ausstellung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12923</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wenn Paul Eliasbergs filigrane Kathedralzeichnungen im Jugendstil-Lichthof des Braunschweiger Museums ihre Magie entfalten, verschmelzen zwei Raumkonzepte zu einem faszinierenden Dialog.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/gotik-trifft-jugendstil-warum-braunschweig-ploetzlich-hip-ist/">Gotik trifft Jugendstil – Warum Braunschweig plötzlich hip ist</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Verzauberte Räume in verzaubernden Räumen</h1>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Genius Loci als perfekter Gastgeber</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es gibt Momente in der Museumsarchitektur, in denen sich Raum und Kunst zu einer symbiotischen Einheit verbinden. Das Städtische Museum Braunschweig am Löwenwall schafft für die aktuelle Ausstellung &#8222;Paul Eliasberg: Verzauberte Räume&#8220; genau solch einen magischen Moment. Wenn die filigranen Kathedralzeichnungen des deutsch-französischen Künstlers im imposanten Lichthof des Jugendstilbaus von Max Osterloh ihre Wirkung entfalten, verschmelzen zwei Raumkonzepte zu einer faszinierenden Gesamterfahrung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Osterloh trifft Eliasberg: Ein architektonischer Dialog über die Jahrhunderte</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der zwischen 1904 und 1906 errichtete Museumsbau verkörpert die ambitionierte Bürgerstolzheit des wilhelminischen Braunschweig. Max Osterloh, damals Stadtbaudirektor, schuf mit seinem Entwurf einen klassischen Jugendstilbau, der florale Ornamente und geschwungene Linien mit neobarocken Elementen zu einer eigenständigen Formensprache vereint. Das architektonische Herzstück bildet zweifellos der 18 Meter hohe Lichthof mit seinen historisierenden Wandmalereien zur Stadtgeschichte – ein Raum, der in seiner vertikalen Dramatik durchaus sakrale Qualitäten besitzt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Paul Eliasberg (1907-1983), der ab dem 1. Juli seine &#8222;Verzauberten Räume&#8220; hier präsentiert, hätte sich keinen passenderen Ort wünschen können. Seine mit haarfeiner Linie gezeichneten und radierten gotischen Kathedralen finden in Osterlohs Architektur einen kongenialen Partner. Die komplexe, feingliedrige Architektur seiner Kirchenräume korrespondiert mit den Rundbögen und der lichtdurchfluteten Raumfolge des Museums. Es entsteht ein Dialog zwischen gebauter und gezeichneter Architektur, zwischen realem und imaginiertem Raum.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Verankerung mit internationalem Anspruch</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Städtische Museum Braunschweig demonstriert mit dieser Ausstellung eindrucksvoll seine Bedeutung als kultureller Leuchtturm in der niedersächsischen Museumslandschaft. Als eine der größten kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen Deutschlands mit über 270.000 Objekten versteht es die 1861 als bürgerliche Stiftung gegründete Institution meisterhaft, regionale Verwurzelung mit internationalem Anspruch zu verbinden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die großzügige Schenkung von Danielle Eliasberg, der in Paris lebenden Tochter des Künstlers, unterstreicht die überregionale Strahlkraft des Hauses. Dass ein Museum in einer Stadt von der Größe Braunschweigs solche bedeutenden Nachlässe anzieht, spricht für die Qualität der kuratorischen Arbeit und die Reputation der Institution weit über Niedersachsens Grenzen hinaus.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Tradition und Transformation</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders bemerkenswert ist die Geschichte des Museumsgebäudes selbst, die exemplarisch für den Umgang mit historischer Bausubstanz in Deutschland steht. Die radikalen Eingriffe der 1970er Jahre unter den Architekten Heinz Röcke und Klaus Renner – die Unterteilung des Lichthofs in mehrere Ebenen, die Verlegung des Eingangs, die Neutralisierung der Farbigkeit – zeugten von einem Zeitgeist, der Funktionalität über historische Substanz stellte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die zwischen 2008 und 2012 durchgeführte Sanierung durch den Fachbereich Hochbau und Gebäudemanagement der Stadt Braunschweig markiert einen Paradigmenwechsel im denkmalpflegerischen Bewusstsein. Mit einem Investitionsvolumen von 8,2 Millionen Euro, davon 1,8 Millionen aus EFRE-Mitteln, wurde Osterlohs Vision wiederhergestellt: Der Lichthof erstrahlt wieder in seiner ursprünglichen Höhe, die mutigen Farben – Graublau, Moosgrün und Dunkelrot – wurden rekonstruiert, der repräsentative Eingang mit Freitreppe kehrt an den Löwenwall zurück.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lebendige Kulturvermittlung statt musealer Erstarrung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kooperation mit der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig im Rahmen der Eliasberg-Ausstellung zeigt, wie zeitgemäße Museumsarbeit funktioniert. Studierende interpretieren die Bildschöpfungen neu und setzen sie in Dialog mit der Gegenwartskunst – eine Form der Kulturvermittlung, die weit über klassische Präsentationsformen hinausgeht. Diese Vernetzung zwischen etablierter Kulturinstitution und Ausbildungsstätte ist charakteristisch für die Braunschweiger Kulturlandschaft, in der die HBK seit ihrer Gründung als Werkkunstschule eine zentrale Rolle spielt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektur als Ermöglichungsraum</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die etwa 70 Werke umfassende Schau profitiert enorm von der räumlichen Qualität des Hauses am Löwenwall. Die variablen Lichtschienensysteme, der helle Stabparkettboden und die differenzierte Farbgestaltung schaffen ideale Präsentationsbedingungen. Eliasbergs unwirkliche, schwebende Perspektiven seiner griechischen Landschaften und sakralen Räume entfalten in diesem Ambiente eine besondere Intensität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Vergleich mit Paul Klee und Lyonel Feininger, den die Kuratoren ziehen, wird in der räumlichen Inszenierung nachvollziehbar. Eliasbergs Meisterschülerzeit bei Roger Bissière an der Académie Ranson von 1928 bis 1930 prägte seinen zeichnerischen, die Linie betonenden Stil nachhaltig. Die Anklänge an Piranesis verschachtelte Carceri d&#8217;Invenzione gewinnen im architektonischen Kontext des Museums zusätzliche Bedeutungsebenen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Braunschweig als Museumsstandort: Stärken und Herausforderungen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die parallele Kabinettausstellung zu Bodo Kampmann verdeutlicht die regionale Verankerung des Museums. Kampmanns Skulpturen prägen das Braunschweiger Stadtbild nachhaltig – vom Rufer an der Magnikirche bis zur Justitia am Landgerichtsgebäude. Die Schenkung seiner Tochter Karoline Kampmann erweitert die museale Sammlung um wichtige Facetten des Goldschmiedehandwerks.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Verbindung von internationalem Anspruch (Eliasberg) und regionaler Identität (Kampmann) charakterisiert die Programmstrategie des Hauses treffend. In Zeiten knapper kommunaler Kassen und zunehmender Konkurrenz um Publikumsgunst positioniert sich das Städtische Museum klug zwischen lokaler Verwurzelung und überregionaler Ausstrahlung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Mehr als nur ein Museum</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Städtische Museum Braunschweig beweist mit der Eliasberg-Ausstellung, dass regionale Museen keine Provinzialität bedeuten müssen. Die Verbindung von herausragender historischer Architektur, qualitätvoller Sammlung und innovativer Vermittlungsarbeit schafft ein kulturelles Gravitationszentrum, das weit über die Stadtgrenzen hinaus wirkt. Wenn Paul Eliasbergs verzauberte Räume auf Max Osterlohs architektonische Vision treffen, entsteht ein Gesamtkunstwerk, das die Besucher noch bis zum 5. Oktober 2025 in seinen Bann ziehen wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die sorgfältige Restaurierung des Jugendstilbaus und seine zeitgemäße technische Ausstattung zeigen, wie denkmalgeschützte Museumsarchitektur im 21. Jahrhundert funktionieren kann: als lebendiger Ort der Begegnung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen regionaler Tradition und internationaler Moderne. Das Haus am Löwenwall ist damit nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst Exponat – ein Architekturdenkmal, das seine eigene Geschichte erzählt und gleichzeitig Raum für neue Narrative schafft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Graue Energie statt Abrissbirne – Warum Sanierung die bessere Revolution ist</title>
		<link>https://baukunst.art/graue-energie-statt-abrissbirne-warum-sanierung-die-bessere-revolution-ist/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Jul 2025 12:36:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalsanierung]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Universitätsbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hannovers Marstall wurde zum Uni-Lesesaal: Ein Meisterstück nachhaltiger Denkmalsanierung, das zeigt, wie historische Räume modern genutzt werden können.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Wenn Pferde zu Büchern werden: Die Transformation des Marstalls der Leibniz Universität Hannover</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Hannovers Nordstadt, wo einst die Pferde der Welfenkönige ihre Hufe auf das Kopfsteinpflaster setzten, blättern heute Studierende in jahrhundertealten Folianten. Die denkmalgerechte Sanierung des Marstallgebäudes der Leibniz Universität Hannover zeigt exemplarisch, wie historische Bausubstanz mit zeitgemäßer Nutzung in Einklang gebracht werden kann – ohne die Seele des Ortes zu verlieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom königlichen Marstall zum akademischen Refugium</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das 1867 errichtete Marstallgebäude am Welfengarten gehört zu jenen Bauten, die Hannovers bewegte Geschichte zwischen Königreich und Moderne verkörpern. Als Teil des ehemaligen Welfenschlosses – heute Hauptgebäude der Leibniz Universität – diente der langgestreckte Backsteinbau über ein Jahrhundert der Unterbringung königlicher und später universitärer Pferde. Die klassizistische Fassade mit ihren charakteristischen Rundbogenfenstern und der rhythmischen Gliederung prägt bis heute das Ensemble am Welfengarten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Transformation vom Pferdestall zum Lesesaal markiert nicht nur einen Funktionswandel, sondern auch einen Paradigmenwechsel im Umgang mit historischer Bausubstanz in Niedersachsen. Während vergleichbare Projekte in anderen Bundesländern oft zu Gunsten maximaler Flächenausnutzung auf historische Raumstrukturen verzichten, zeigt das hannoversche Beispiel einen sensibleren Weg.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Denkmalschutz trifft digitale Moderne</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Herausforderung bei der Sanierung lag in der Quadratur des Kreises: Wie lässt sich ein Gebäude des 19. Jahrhunderts in einen modernen Universitätslesesaal verwandeln, ohne seine denkmalgeschützte Substanz zu kompromittieren? Das Planungsteam um die hannoverschen Architekten entwickelte ein Konzept, das auf drei Säulen ruht: Reversibilität, Sichtbarkeit und Funktionalität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die originale Raumstruktur mit ihren charakteristischen Kreuzgratgewölben blieb vollständig erhalten. Neue Einbauten wurden als erkennbar zeitgenössische Elemente konzipiert, die sich reversibel in den Bestand einfügen. Stahlkonstruktionen in anthrazitgrauer Pulverbeschichtung nehmen die Bücherregale und Arbeitstische auf, ohne die historischen Wände zu berühren. Diese &#8222;Möblierung im Großmaßstab&#8220; ermöglicht es, den Raum bei Bedarf wieder in seinen Ursprungszustand zurückzuversetzen – ein Ansatz, der in der niedersächsischen Denkmalpflege zunehmend Schule macht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Technische Innovation im historischen Gewand</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Integration moderner Haustechnik stellte die Planerinnen und Planer vor besondere Herausforderungen. Die niedersächsische Denkmalschutzbehörde forderte zu Recht minimale Eingriffe in die historische Substanz. Die Lösung: Ein innovatives Klimakonzept, das die thermische Masse des Mauerwerks nutzt und mit einer Bauteilaktivierung kombiniert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Über reversible Bodenkanäle wird die Frischluft zugeführt, während die Abluft über die historischen Fensteröffnungen abgeführt wird – ein System, das ohne sichtbare Lüftungskanäle auskommt. Die LED-Beleuchtung wurde in die neuen Stahlkonstruktionen integriert und ergänzt das natürliche Licht, das durch die sorgfältig restaurierten Fenster fällt. Diese technische Zurückhaltung entspricht dem Geist des Ortes: Die Technik dient, dominiert aber nicht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Raumgestaltung zwischen Tradition und Moderne</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Innenraumgestaltung folgt einem klaren Konzept: Die historische Hülle bildet den ruhigen Hintergrund für die moderne Nutzung. Die Farbpalette beschränkt sich auf die natürlichen Töne des Backsteins, das Anthrazit der Stahlkonstruktionen und das warme Holz der Arbeitsflächen. Diese Reduktion schafft eine kontemplative Atmosphäre, die dem Studium förderlich ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders gelungen ist die Zonierung des langgestreckten Raums. Durch die geschickte Platzierung der Regale entstehen intimere Arbeitsbereiche, ohne die Großzügigkeit des Raums zu zerstören. Die historischen Pferdeboxen wurden teilweise erhalten und dienen nun als abgeschirmte Einzelarbeitsplätze – eine charmante Reminiszenz an die ursprüngliche Nutzung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit als Leitmotiv</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sanierung des Marstalls steht exemplarisch für einen Paradigmenwechsel in der niedersächsischen Baupolitik. Während das Land lange auf Neubau setzte, rückt zunehmend die Ertüchtigung des Bestands in den Fokus. Die graue Energie, die in den massiven Backsteinmauern gespeichert ist, rechtfertigt jeden Aufwand zur Erhaltung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt zeigt, dass Denkmalschutz und Energieeffizienz keine Gegensätze sein müssen. Durch die sorgfältige Innendämmung, die Ertüchtigung der historischen Fenster und das intelligente Haustechnikkonzept erreicht das Gebäude moderne Energiestandards. Die Photovoltaikanlage auf dem Flachdach des rückwärtigen Anbaus – vom Welfengarten aus nicht sichtbar – trägt zur positiven Energiebilanz bei.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Strahlkraft und Modellcharakter</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt hat über Hannover hinaus Beachtung gefunden. Die Architektenkammer Niedersachsen würdigte die Sanierung als beispielhaft für den Umgang mit denkmalgeschützter Bausubstanz. Besonders in Zeiten knapper öffentlicher Kassen zeigt das Projekt, dass qualitätvolle Sanierung nicht teurer sein muss als Abriss und Neubau – wenn sie intelligent geplant wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Region Hannover, die sich als Wissenschaftsstandort positioniert, ist der neue Lesesaal mehr als nur ein funktionaler Raum. Er verkörpert das Selbstverständnis einer Universität, die ihre Geschichte achtet und gleichzeitig in die Zukunft blickt. Die gelungene Verbindung von Denkmalschutz und moderner Nutzung könnte Vorbild für ähnliche Projekte in anderen niedersächsischen Hochschulstädten werden – etwa in Göttingen, Braunschweig oder Oldenburg, wo vergleichbare Herausforderungen warten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lehren für die Zukunft</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Transformation des Marstalls lehrt uns, dass nachhaltige Architektur nicht bei der Energiebilanz endet. Sie umfasst auch den respektvollen Umgang mit baukulturellen Werten und die Fähigkeit, Geschichte weiterzuerzählen. In Zeiten, in denen die Bauwirtschaft für 40 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich ist, wird die Ertüchtigung des Bestands zur moralischen Verpflichtung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das hannoversche Beispiel zeigt: Wenn Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger, Architektinnen und Architekten sowie Bauherren an einem Strang ziehen, entstehen Räume, die mehr sind als die Summe ihrer Teile. Sie werden zu Orten, an denen sich Vergangenheit und Zukunft begegnen – und wo aus Pferdeställen Kathedralen des Wissens werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/graue-energie-statt-abrissbirne-warum-sanierung-die-bessere-revolution-ist/">Graue Energie statt Abrissbirne – Warum Sanierung die bessere Revolution ist</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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