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	<title>EPBD-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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		<title>Wohl oder Wehe&#8230;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jul 2026 10:21:08 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der Bestand überholt den Neubau, aber aus dem falschen Grund. Während die Neubauzahlen einbrechen, gewinnt das Bauen im Bestand fast von selbst an Boden. Der Greyfield-Index sieht die Wende schon 2028, die DGNB belegt den Klimavorteil der grauen Energie. Doch die energetische Sanierungsquote fällt auf 0,67 Prozent. Wird aus der konjunkturellen Notlage eine echte Bauwende oder nur eine Baupause? Ein Editorial über Zahlen, Haltung und die Zukunft des Weiterbauens.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wohl-oder-wehe-2/">Wohl oder Wehe&#8230;</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Liebe Kollegin, lieber Kollege,</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bestandserhalt bedeutet, ein Gebäude weiterzubauen statt es abzureißen, und er ist im Jahr 2026 vom Sonderfall zur wahrscheinlicheren Entscheidung geworden. Die Zahlen sind eindeutig, ihre Deutung ist es nicht. Nach dem Greyfield-Index der Greyfield Group vom September 2025 sank die Zahl der Neubauaktivitäten in Deutschland binnen eines Jahres um 22 Prozent auf rund 182.000, während die Maßnahmen im Bestand mit rund 136.000 nur um 6 Prozent nachgaben. Fast jede zweite Baugenehmigung entfällt inzwischen auf das Bauen im Bestand. In den Großstädten Nordrhein-Westfalens, in Bochum, Essen und Düsseldorf, hat der Bestand den Neubau bereits eingeholt; bundesweit dürfte er ihn spätestens 2028 überholen. Nach Jahrzehnten der Selbstverständlichkeit des Neuen kippt das Verhältnis. Diese Ausgabe fragt deshalb nach dem Vorzeichen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum überholt der Bestand ausgerechnet jetzt den Neubau?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Weil zwei Bewegungen zusammenfallen. Die eine ist erzwungen. Hohe Zinsen, gestiegene Baukosten und eine unsichere Förderkulisse haben den Neubau einbrechen lassen. Der Bestand gewinnt hier nicht, weil er überzeugt, sondern weil die Alternative wegfällt. Die andere Bewegung ist inhaltlich begründet und deutlich älter. Sie heißt graue Energie. Nach der Kurzstudie „Klimawirkungen von Sanierungen&#8220; der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) aus dem Jahr 2025 verursachen Sanierungen im Mittel zwei Drittel weniger graue Emissionen als Neubauten; die Herstellung eines einzigen Neubaus entspricht den Emissionen von 2,4 umfassenden Modernisierungen. Ein Bestand, der bereits steht, hat seine energieintensivste Phase, die Errichtung, hinter sich. Wer ihn abreißt, vernichtet dieses Kapital und beginnt bei null. Das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie kommt seit Jahren zum selben Schluss: Die energetische Ertüchtigung des Bestandes ist ökologischer als der Ersatzneubau.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Einsicht ist nicht neu, aber sie wird endlich politisch. Die Initiative Abriss-Moratorium fordert seit 2022, den Abriss genehmigungspflichtig zu machen und den Erhalt zur Regel, und der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) hat sich der Forderung angeschlossen. Auf europäischer Ebene verlangt die novellierte Gebäuderichtlinie (EPBD) die schrittweise Dekarbonisierung des gesamten Bestandes, nicht allein des Neubaus.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ist die Bauwende damit gewonnen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nein, und hier liegt das Wehe. Denn während relativ mehr im Bestand gearbeitet wird, sinkt die Qualität dort, wo es zählt. Die energetische Sanierungsquote für Wohngebäude lag 2025 bei nur 0,67 Prozent, nach 0,88 Prozent im Jahr 2022, so der Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle (BuVEG). Für die Klimaziele im Gebäudesektor wären rund zwei Prozent nötig. Der Bestand überholt den Neubau also in einer Statistik, die zugleich schrumpft. Es wird nicht mehr saniert, es wird weniger neu gebaut. Diese Unterscheidung entscheidet darüber, ob aus einer konjunkturellen Notlage eine kulturelle Wende wird oder nur eine Baupause.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das für kleine und mittlere Büros?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es bedeutet einen Berufswechsel bei gleichem Titel. Bauen im Bestand beginnt nicht mit dem Entwurf, sondern mit der Bestandsaufnahme, mit dem Verstehen des Vorhandenen, seiner Tragreserven, seiner Schäden, seiner Geschichte. Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) trägt dem mit dem Umbauzuschlag nach § 6 HOAI Rechnung, das Baugesetzbuch mit dem Vorrang der Innenentwicklung nach § 34 BauGB. Wer diese Arbeit beherrscht, findet einen Markt, der stabiler ist als der Neubau, denn Länder und Kommunen richten ihre Programme neu aus. <strong><a href="https://baukunst.art/270-millionen-fuer-die-ortsmitte-wie-baden-wuerttemberg-den-bestand-zur-regel-macht/" target="_blank" rel="noopener" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link">Baden-Württemberg stellt 270 Millionen Euro bereit</a></strong>, um die Ortsmitten zu stärken und den Bestand zur Regel zu machen, wie in dieser Ausgabe nachzulesen ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wie das aussieht, zeigen die Beispiele der Ausgabe. In München wird <strong><a href="https://baukunst.art/graue-energie-schlaegt-den-abrissbagger-muenchens-arabellahaus-wird-saniert/" target="_blank" rel="noopener" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link">das Arabellahaus saniert statt abgerissen</a></strong>, weil die graue Energie den Abrissbagger schlägt. In Braunschweig erhält <strong><a href="https://baukunst.art/kaufhausumnutzung-in-braunschweig-neue-plaene-fuer-das-horten-haus/" target="_blank" rel="noopener" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link">das ehemalige Horten-Kaufhaus neue Pläne statt Schutt</a></strong>. In Brüssel wird <strong><a href="https://baukunst.art/aus-grauer-energie-wird-stadt-bruessels-unbeliebtestes-hochhaus-duo-wird-zum-vorzeigeobjekt/" target="_blank" rel="noopener" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link">ein ungeliebtes Hochhaus-Duo zum Vorzeigeobjekt</a></strong>, aus grauer Energie wird Stadt. <strong><a href="https://baukunst.art/sanieren-umbauen-zurueckbauen-wie-dresden-seine-quartiere-zwischen-gruenderzeit-und-platte-neu-ordnet/" target="_blank" rel="noopener" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link">Dresden ordnet seine Quartiere zwischen Gründerzeit und Platte</a></strong> durch Sanieren, Umbauen und gezieltes Zurückbauen neu. Und ein <strong><a href="https://baukunst.art/umbauen-statt-abreissen-ein-franzoesisches-modell-stellt-die-daemmdoktrin-infrage/" target="_blank" rel="noopener" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link">französisches Modell stellt die verbreitete Dämmdoktrin infrage</a></strong>, indem es fragt, ob die dickste Dämmung immer die beste Antwort sei oder ob Haltbarkeit und Anpassungsfähigkeit das eigentliche Nachhaltigkeitskriterium seien. <strong><a href="https://baukunst.art/long-life-loose-fit-warum-haltbarkeit-das-eigentliche-nachhaltigkeitskriterium-ist/" target="_blank" rel="noopener" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link">„Long Life, Loose Fit“</a></strong>, das alte Prinzip der langlebigen, wandlungsfähigen Struktur, wird zur Leitidee einer Architektur, die nicht für den Abriss plant.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Aufgabe der kommenden Jahre besteht darin, aus dem erzwungenen Wohl ein gewolltes zu machen. Das heißt, den Bestand nicht als Restgröße zu behandeln, die man bebaut, wenn kein Geld für Neues da ist, sondern als erste Option, die man begründet verlässt statt begründet wählt. Es heißt, die Sanierungsquote wieder zu heben, statt sich am relativen Vorsprung des Bestandes zu berauschen. Und es heißt, in den Büros jene Kompetenz aufzubauen, die das Weiterbauen verlangt: Neugier auf das Vorhandene statt Ungeduld mit ihm.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Abrissbagger galt Jahrzehnte als Symbol des Fortschritts. Dass er heute innehält, ist ein Anfang, kein Sieg. Ob daraus Wohl wird oder Wehe, entscheidet sich nicht an der Statistik, sondern an der Haltung, mit der die Profession das Vorhandene betrachtet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit kollegialen Grüßen</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stuart Stadler</p>
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		<title>Die große Transformation: Wie die EU-Gebäuderichtlinie die Baubranche umkrempelt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Jul 2025 08:09:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[EPBD]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Gebäuderichtlinie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die EU-Gebäuderichtlinie revolutioniert das Berufsfeld von Architekten und Ingenieuren. Ein Paradigmenwechsel mit enormen Chancen und Herausforderungen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/die-grosse-transformation-wie-die-eu-gebaeuderichtlinie-die-baubranche-umkrempelt/">Die große Transformation: Wie die EU-Gebäuderichtlinie die Baubranche umkrempelt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">EU-Gebäuderichtlinie: Paradigmenwechsel für Architekten und Ingenieure</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die novellierte EPBD stellt Planerinnen und Planer vor immense Herausforderungen – und eröffnet gleichzeitig enorme Chancen für die Transformation des Berufsfeldes</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die EU-Gebäuderichtlinie (Energy Performance of Buildings Directive – EPBD) ist mehr als eine weitere Regulierung aus Brüssel. Sie markiert einen fundamentalen Wendepunkt für die Architektur- und Ingenieurbranche. Mit ihrer Veröffentlichung im Mai 2024 und der vorgeschriebenen Umsetzung bis Ende Mai 2026 steht Deutschland vor der größten berufspolitischen Herausforderung seit Einführung der Energieeinsparverordnung. Was bedeutet dies konkret für die planenden Berufe?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom Neubau zur Sanierung: Der erzwungene Fokuspunkt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Europaweit müssen rund 40 Millionen Gebäude, in Deutschland allein drei Millionen, bis spätestens 2033 auf ein energetisches Mindestniveau gehoben werden. Diese beispiellose Sanierungswelle wird das Berufsbild von Architektinnen und Architekten sowie Ingenieurinnen und Ingenieuren nachhaltig verändern. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) hat diesen Paradigmenwechsel frühzeitig erkannt und den Überarbeitungsprozess der Richtlinie eng begleitet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, bringt es auf den Punkt: „Jetzt geht es darum, in die Zukunft zu schauen und das Zusammendenken von sinnvoller energetischer Gebäudesanierung und Quartier voranzutreiben. Es ist unrealistisch, alle Gebäude zu dämmen, daher müssen wir uns vor allem um die Gebäude kümmern, die einen echten Impact leisten können.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das „Worst-First-Prinzip&#8220; als berufspolitische Chance</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die EPBD führt mit dem „Worst-First-Prinzip&#8220; eine völlig neue Herangehensweise ein. Nichtwohngebäude müssen bis 2030 die ineffizientesten 16 Prozent und bis 2033 die ineffizientesten 26 Prozent saniert werden. Für Wohngebäude gelten zwar keine gebäudespezifischen Mindestvorgaben, doch müssen die Mitgliedstaaten sicherstellen, dass der Energieverbrauch des Wohngebäudebestands bis 2030 um 16 Prozent und bis 2035 um 20 bis 22 Prozent sinkt – wobei mindestens 55 Prozent der Einsparungen durch Renovierung der energetisch schlechtesten Gebäude erreicht werden müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Systematik eröffnet planenden Berufen neue Geschäftsfelder. Die Bewertung, Klassifizierung und Priorisierung von Sanierungsmaßnahmen wird zur Kernkompetenz. Architekten und Ingenieure werden zu Transformationsmanagern des Gebäudebestands.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Qualifikation als Schlüssel: Der Renovierungspass</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit der Einführung des Gebäuderenovierungspasses entsteht ein neues Instrument, das nur von qualifizierten oder zertifizierten Fachleuten nach einer Vor-Ort-Besichtigung erstellt werden darf. Dieser Pass soll detaillierte Sanierungsfahrpläne enthalten und über technische Lösungen sowie verfügbare Fördermöglichkeiten informieren. In Deutschland decken die individuellen Sanierungsfahrpläne (iSFP) bereits viele Anforderungen ab, müssen aber um digitale Tools erweitert werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Berufsstände bedeutet dies: Zusatzqualifikationen werden unerlässlich. Die Kammern sind gefordert, entsprechende Fortbildungsangebote zu entwickeln und Standards zu setzen. Die Architektenkammer Sachsen-Anhalt hat bereits reagiert und informiert ihre Mitglieder über die vier wesentlichen Eckpunkte der neuen Richtlinie.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lebenszyklusbetrachtung: Von der Planung zur Gesamtverantwortung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Paradigmenwechsel zeigt sich auch in der verpflichtenden Berechnung des Treibhauspotenzials über den gesamten Lebenszyklus neuer Gebäude. Ab 2028 gilt dies für alle neuen Gebäude mit einer Nutzfläche über 1.000 Quadratmeter, ab 2030 für alle Neubauten. Diese Lebenszyklusbetrachtung erweitert die Verantwortung der Planerinnen und Planer erheblich – von der Materialwahl über die Bauausführung bis zum späteren Rückbau.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die BAK sieht darin eine wichtige Weichenstellung: „Der Indikator, der den Gesamtbeitrag des Gebäudes zu den klimawirksamen Emissionen angibt, ist ein erster Schritt zu einer stärkeren Berücksichtigung der gesamten Lebenszyklusleistung von Gebäuden und einer Kreislaufwirtschaft.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Technologiesprung: Gebäudeautomation als Pflichtaufgabe</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die EPBD setzt klare Fristen für die Gebäudeautomation: Nichtwohngebäude mit Heizungs- oder Klimaanlagen über 290 kW müssen bereits bis Ende 2024 nachgerüstet werden. Dieser Schwellenwert sinkt Ende 2029 auf 70 kW. Für Planerinnen und Planer bedeutet dies, sich intensiv mit intelligenten Gebäudetechnologien auseinanderzusetzen. Der „Smart Readiness Indicator&#8220; wird ab 2026 für große Nichtwohngebäude gestärkt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Verbandspolitik: Zwischen Chance und Kritik</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundesarchitektenkammer begrüßt die Novellierung grundsätzlich als „gute Rahmenrichtlinie&#8220;, kritisiert aber mangelnde Klarheit bei den Energieausweisen. Die fehlende Vergleichbarkeit der Berechnungsmethoden zwischen den Mitgliedstaaten untergräbt das ursprüngliche Ziel einer größeren Transparenz. „Wir hätten uns mehr Klarheit und Vergleichbarkeit bei Berechnungsmethoden gewünscht&#8220;, betont die BAK.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kammern fordern zudem, dass Energieausweise einen Abgleich der berechneten Leistung mit Bestands- und Betriebsdaten vorschreiben sollten. Nur so könnten sie zu aussagekräftigen Indikatoren für wahrscheinliche Energie- und Kohlenstoffeinsparungen werden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Marktentwicklung: Vom Kostenfaktor zum Werttreiber</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die energetische Sanierung wird vom lästigen Kostenfaktor zum entscheidenden Werttreiber. Gebäude ohne entsprechende energetische Standards werden mittelfristig unverkäuflich oder unvermietbar. Dies schafft einen enormen Beratungsbedarf, den qualifizierte Architektinnen und Architekten sowie Ingenieurinnen und Ingenieure decken müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Richtlinie betont dabei explizit den sozialen Aspekt: Finanzielle Anreize sollen vorrangig schutzbedürftige Haushalte unterstützen, Zwangsräumungen im Zusammenhang mit Renovierungen vermieden werden. Hier entsteht ein neues Aufgabenfeld für sozialverträgliche Sanierungskonzepte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nationale Umsetzung: Der Ball liegt bei Katherina Reiche</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie trifft auf eine komplexe politische Gemengelage. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche kündigte an, vermeintliche Technologieverbote im Gebäudeenergiegesetz abschaffen zu wollen. Dies klingt nach Rückschritt statt Fortschritt. Die Verbände müssen hier klare Position beziehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gebäuderenovierungsplan, dessen erster Entwurf bis Ende 2025 vorliegen muss, wird zum zentralen Steuerungsinstrument. Die für November angesetzte Öffentlichkeitsbeteiligung bietet den Kammern die Chance, ihre Expertise einzubringen und die Interessen der planenden Berufe zu vertreten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Transformation als Berufschance</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die EU-Gebäuderichtlinie ist mehr als eine regulatorische Herausforderung – sie ist eine historische Chance für die planenden Berufe. Der Sanierungsstau im Gebäudebestand garantiert Architektinnen und Architekten sowie Ingenieurinnen und Ingenieuren auf Jahrzehnte hinaus Aufträge. Gleichzeitig erfordert die Komplexität der Aufgaben neue Kooperationsformen und interdisziplinäre Ansätze.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kammern stehen vor der Aufgabe, ihre Mitglieder auf diese Transformation vorzubereiten. Fort- und Weiterbildung, Qualitätssicherung und politische Interessenvertretung werden wichtiger denn je. Wer sich jetzt positioniert und qualifiziert, wird von der größten Sanierungswelle der Geschichte profitieren. Die EU-Gebäuderichtlinie markiert nicht das Ende einer Ära, sondern den Beginn einer neuen Epoche für die planenden Berufe.</p>
<p>&nbsp;</p>
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