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	<title>Nord-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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	<title>Nord-Archiv - Baukunst</title>
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		<title>Ostervilm: Was der Inselkauf vor Rügen über das Baurecht im Schutzgebiet verrät</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 07:10:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Biosphärenreservat Südost-Rügen]]></category>
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		<category><![CDATA[Nutzungsänderung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine verfallene Militärplattform vor Rügen wechselt für 60.000 Euro den Besitzer, der sie nie betreten hat. Warum die Träume von Hochzeiten am Baurecht zerschellen dürften.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/ostervilm-was-der-inselkauf-vor-ruegen-ueber-das-baurecht-im-schutzgebiet-verraet/">Ostervilm: Was der Inselkauf vor Rügen über das Baurecht im Schutzgebiet verrät</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>baukunst.art | Regionales | NORD Ostervilm | Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">60.000 Euro für eine Ruine: Was der neue Inselbesitzer wirklich darf</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Plattform Ostervilm im Greifswalder Bodden ist eine ehemalige Entmagnetisierungsstation der DDR-Volksmarine, die auf rund 600 Holzpfählen im offenen Wasser ruht und seit dem 4. Juni 2026 einem österreichischen Fertighausunternehmen gehört.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für 60.000 Euro fiel bei der Norddeutsche Grundstücksauktionen AG in Hamburg nach 20 Geboten der Hammer; das Mindestgebot hatte bei 39.000 Euro gelegen. Den Zuschlag erhielt Oliver Pesendorfer, Geschäftsführer der auf modulare Fertighäuser spezialisierten Firma McCube. Ursprünglich wollte er allein bieten, verbündete sich aber kurz vor der Auktion spontan mit einem zweiten Interessenten. Bemerkenswert ist dabei weniger der Preis als der Umstand: Der neue Eigentümer hatte die marode Anlage zuvor nie betreten. Die rund 250 Quadratmeter Nutzfläche im etwa zehn Meter tiefen Wasser sind ausschließlich auf dem Wasserweg erreichbar. Versteigert wurde eine Gesamtfläche von rund 710 Quadratmetern Land- und Wasserfläche; ersteigert wurde damit zunächst ein Bild, kein begehbarer Ort.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Versteigerung erregte bundesweit Aufmerksamkeit, weil sie den Reiz des Unmöglichen verkauft: eine eigene Insel, eine Ruine aus dem Kalten Krieg, ein Lost Place mitten in der Ostsee. Das Auktionshaus sprach von Hunderten Interessierten aus ganz Deutschland. Pesendorfer denkt nun laut über eine Eventinsel nach, über Hochzeiten und kulturelle Veranstaltungen, und sein Unternehmen liefert die naheliegende Idee gleich mit: ein vorgefertigtes Modul, binnen eines Tages aufgesetzt. Genau an dieser Stelle beginnt für Architektinnen und Architekten das eigentliche Thema, das in der Begeisterung über das Kuriosum gern übersehen wird. Die Frage ist nicht, was technisch machbar wäre, sondern was an einem solchen Ort baurechtlich überhaupt zulässig ist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was darf auf einer Plattform im Biosphärenreservat überhaupt entstehen?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort fällt ernüchternd aus. Die Plattform liegt zwischen der Halbinsel Reddevitz und der Insel Vilm, mitten im Biosphärenreservat Südost-Rügen, das durch die Naturschutzgebietsverordnung des Landes Mecklenburg-Vorpommern gesichert ist. Ausgerechnet die Nachbarinsel Vilm ist seit Jahrzehnten Sperrgebiet und Sitz der Internationalen Naturschutzakademie des Bundesamtes für Naturschutz, ein Sinnbild für die Sensibilität dieser Gewässer. Greifswalder Bodden und Rügischer Bodden gehören zugleich zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000, als Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und als Vogelschutzgebiet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für jede Nutzungsänderung greift damit Paragraf 34 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG): Vorhaben, die ein Natura-2000-Gebiet erheblich beeinträchtigen können, sind nur nach einer Verträglichkeitsprüfung zulässig, in der Praxis häufig gar nicht. Der Bodden ist das größte Laichgebiet des Ostseeherings und ein bedeutendes Rast- und Brutgebiet für Zugvögel, darunter Grau-, Saat- und Bläßgänse. Eine regelmäßig bespielte Hochzeitslocation mit Bootsverkehr, Beleuchtung, Musik und Abfall wäre in diesem Gefüge ein Fremdkörper, dessen Genehmigung schwer vorstellbar ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu tritt das klassische Bauplanungsrecht. Die Plattform liegt im Außenbereich nach Paragraf 35 Baugesetzbuch (BauGB), ohne Bebauungsplan. Eine Eventnutzung ist dort ein sonstiges Vorhaben nach Paragraf 35 Absatz 2 BauGB, das nur zulässig ist, wenn ihm keine öffentlichen Belange entgegenstehen. Bei einem Standort im Schutzgebiet, ohne gesicherte Erschließung und ohne Anschluss an Strom, Trinkwasser oder Abwasser, stehen die Belange des Naturschutzes und des Landschaftsbildes nach Paragraf 35 Absatz 3 BauGB dem Vorhaben offensichtlich entgegen. Der Bestandsschutz der vorhandenen Bauten schützt nur den bestehenden Zustand; er endet, sobald aus der Militärruine eine Versammlungsstätte werden soll.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch das Bauordnungsrecht des Landes setzt enge Grenzen. Jede Nutzungsänderung ist nach der Landesbauordnung Mecklenburg-Vorpommern (LBauO M-V) genehmigungspflichtig. Sobald Gäste in größerer Zahl zusammenkommen, greift die Versammlungsstättenverordnung mit ihren Anforderungen an zwei voneinander unabhängige Rettungswege, an Brandschutz und Entfluchtung. Auf einer Pfahlplattform ohne Festlandanschluss und ohne Zufahrt für die Feuerwehr ist das kaum darstellbar. Barrierefreie Erschließung nach DIN 18040-1 käme als weitere Hürde hinzu. Schließlich liegt die Anlage in einer Bundeswasserstraße; der jährliche Vertrag mit dem zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt über 75 Euro regelt bislang allein die Wasserfläche, nicht aber eine intensivierte öffentliche Nutzung. Ob die Anlage als Zeugnis der jüngeren Militärgeschichte unter das Denkmalschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern (DSchG M-V) fiele, ist bislang nicht abschließend geklärt; eine Eintragung würde jeden baulichen Eingriff zusätzlich erlaubnispflichtig machen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum scheiterten schon die Pläne von 2001?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Geschichte hat sich bereits einmal abgespielt. Im Jahr 2001 erwarben ein Architekt und ein Maschinenbauingenieur die Plattform, tauften sie Ostervilm und planten Kunstausstellungen. Geblieben ist davon eine etwa 1,3 Tonnen schwere Keramikglocke; die Projekte scheiterten an baulichen, logistischen und rechtlichen Hürden. Genau diese drei Hürden sind seither nicht kleiner geworden, im Gegenteil: Naturschutz- und Genehmigungsrecht haben sich seit den 2000er Jahren verschärft, nicht gelockert. Wer heute ein modulares Haus auf die Pfähle setzen will, löst damit zwar elegant das logistische Problem, nicht aber das rechtliche.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Darin liegt die eigentliche Lehre des Falls, weit über Rügen hinaus. In ganz Mecklenburg-Vorpommern und darüber hinaus kommen alte Militäranlagen, Wassertürme, Bunker und Leuchtfeuer unter den Hammer, fast immer begleitet von romantischen Nutzungsideen für Ferien, Kunst oder Feiern. Das Planungsrecht ist dabei der stille Türsteher, der erst auftritt, wenn der Kaufvertrag längst unterschrieben ist. Eine ehrliche Bewertung müsste die Genehmigungsfähigkeit vor das Gebot stellen, nicht danach. Käuferinnen und Käufer solcher Objekte wären gut beraten, vor der Auktion das Gespräch mit der unteren Bauaufsichts- und der Naturschutzbehörde zu suchen, statt auf nachträgliche Ausnahmen zu hoffen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Realistisch erscheinen für Ostervilm allenfalls behutsame, reversible und naturverträgliche Nutzungen: zeitlich befristete Kunst, wissenschaftliches Monitoring der Vogelwelt, vielleicht ein einzelnes, vollständig rückbaubares Modul als Beobachtungsstation, das sich dem Bestand unterordnet. Die große Hochzeitsgesellschaft auf dem Wasser bleibt dagegen vorerst eine schöne Erzählung. Das ist keine bürokratische Schikane, sondern Ausdruck einer Abwägung, die ein europäisches Schutzgebiet höher gewichtet als ein einzelnes Eventkonzept. Ein solcher, bewusst zurückhaltender Ansatz könnte sogar mit dem Auftrag des Biosphärenreservats harmonieren, das ausdrücklich Modellregion für ein verträgliches Miteinander von wirtschaftendem Menschen und Natur sein will.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vielleicht liegt der Wert von Ostervilm aber gerade in seiner Nutzlosigkeit. Als verfallendes Zeugnis des Kalten Krieges, das die Natur sich Stück für Stück zurückholt, erzählt die Plattform mehr über die jüngere Geschichte der Ostseeküste als jede sanierte Eventfläche es könnte. Baukultur heißt nicht immer, etwas Neues zu errichten. Manchmal heißt sie, einen Ort zu lesen, seine Grenzen zu respektieren und ihn dem zu überlassen, was ohnehin schon dort lebt. Der neue Eigentümer hat ein Bild erworben. Die kommenden Genehmigungsverfahren werden zeigen, ob aus dem Bild je ein begehbarer Ort werden darf.</p>
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		<title>Welterbe in Gefahr: Wie Spundwand und Spezialbeton die Speicherstadt sichern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 07:01:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalpflege]]></category>
		<category><![CDATA[Ingenieurwasserbau]]></category>
		<category><![CDATA[Speicherstadt Hamburg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am Kehrwieder sichert eine neue Spundwand das UNESCO-Welterbe Speicherstadt. Wie sich Hightech-Beton, steigender Tidehub und Denkmalrecht zu einer Sanierung für 80 Jahre fügen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/welterbe-in-gefahr-wie-spundwand-und-spezialbeton-die-speicherstadt-sichern/">Welterbe in Gefahr: Wie Spundwand und Spezialbeton die Speicherstadt sichern</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Regionales<em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong"> |</strong></em> HAMBURG <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Denkmalrecht trifft Wasserbau: Die stille Erneuerung der Speicherstadt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Kaimauer ist ein wasserseitiges Stützbauwerk, das die Uferlinie befestigt und die rückwärtige Bebauung trägt; in der Hamburger Speicherstadt ist sie zugleich konstituierender Bestandteil eines UNESCO-Welterbes. Genau diese Doppelrolle macht die Sanierung der Kaimauer am Kehrwieder zu einem Lehrstück für das Spannungsverhältnis zwischen Denkmalrecht und modernem Ingenieurwasserbau.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Speicherstadt, mit rund 26 Hektar der weltweit größte zusammenhängende Lagerhauskomplex, steht seit 1991 unter Denkmalschutz und wurde am 5. Juli 2015 gemeinsam mit dem Kontorhausviertel und dem Chilehaus in die Welterbeliste der UNESCO eingetragen. Ihre Speicherblöcke ruhen auf Tausenden Eichenpfählen, die Kaimauern fassen die Fleete ein und tragen die Lasten der wilhelminischen Backsteinbauten ab. Am Kehrwieder, dem westlichen Auftakt des Ensembles, zeigten sich nach über hundert Jahren altersbedingte Risse, geschädigtes Mauerwerk und eine stellenweise stark verringerte Tragfähigkeit. Eine Bauwerksprüfung offenbarte, dass sowohl die ursprüngliche Uferwand aus dem späten 19. Jahrhundert als auch eine Überbauung aus den 1960er Jahren erhebliche Defizite aufwiesen. Bauherr ist der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen der Freien und Hansestadt Hamburg; das Projektmanagement übernahm die ReGe Hamburg, die anspruchsvollen wasserbaulichen Arbeiten der Hamburger Spezialist Fr. Holst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Hamburg ist die Maßnahme mehr als eine Einzelreparatur. Das Denkmalschutzamt betreut hier die erste und bislang einzige Welterbestätte der Stadt, und der Zustand der Kaimauern entscheidet mittelbar über den Bestand der darüberliegenden Speicherblöcke. Wer die historische Hafenkante vernachlässigt, riskiert das gesamte Ensemble. Entsprechend hoch waren die Anforderungen an Planung, Ausschreibung und Bauausführung, zumal eine weitere Nutzungsdauer von rund 80 Jahren angestrebt wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie verträgt sich Hightech-Beton mit dem Welterbestatus?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jede Veränderung an einem Hamburger Baudenkmal unterliegt nach § 9 des Hamburgischen Denkmalschutzgesetzes (DSchG) vom 5. April 2013 einem Genehmigungsvorbehalt. Das Denkmalschutzamt in der Behörde für Kultur und Medien darf eine Genehmigung nur versagen, wenn überwiegende Gründe des Denkmalschutzes entgegenstehen; umgekehrt ist sie zu erteilen, sofern überwiegende öffentliche Interessen dies verlangen. Hinzu treten die Erhaltungspflicht der Verfügungsberechtigten und der Umgebungsschutz, der auch das Erscheinungsbild im Umfeld eines Denkmals sichert. Im Hamburger Verfahren läuft die denkmalrechtliche Genehmigung neben der bauordnungsrechtlichen nach der Hamburgischen Bauordnung (HBauO); bei Vorhaben dieser Größenordnung verzahnen sich beide Prüfungen eng. Bei einem Welterbe verschärft sich der Maßstab zusätzlich: Zu erhalten ist nicht der einzelne Stein, sondern der außergewöhnliche universelle Wert des Ensembles, also seine historische Aussagekraft und Authentizität, deren Wahrung das internationale Denkmalgremium ICOMOS überwacht. Die Krux liegt darin, dass ausgerechnet das tragende Element technisch am Ende seiner Lebensdauer war.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die gewählte Lösung trennt Statik und Erscheinungsbild. Eine neue, vorgesetzte Spundwand übernimmt vollständig die Sicherung der Uferlinie; ihre Bohlen ragen rund sechs Meter aus dem Boden, 126 Mikropfähle leiten als Schräganker die Kräfte gezielt in den Baugrund, eine Gurtungs- und Stahlkonstruktion verbindet beide Systeme. Die sichtbare Backsteinfassade wird damit von ihrer Tragfunktion entlastet und kann denkmalgerecht wiederhergestellt werden. Hinter der historischen Schauseite arbeitet moderne Technik, ein in der Denkmalpflege etabliertes Prinzip der Reversibilität und der klar ablesbaren Ergänzung. Der Eingriff bleibt genau dort verborgen, wo der Zeugniswert des Welterbes liegt: an der Oberfläche.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bauausführung folgte der beengten Geometrie der Speicherstadt. Als äußere Schalung dienten Stahlbetonfertigteile, ergänzt durch ein Gerüst entlang der Kaimauer; betoniert wurde abschnittsweise in mehreren Etappen, um Frischbetondruck und Hydratationswärme kontrolliert zu halten. Während der gesamten Ausführung prüften die Beteiligten vor jeder Betonage Ausbreitmaß und Luftporengehalt; erst nach Freigabe gelangte der Beton in das Bauwerk. Solche lückenlose Qualitätssicherung ist im Denkmal kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung dafür, dass eine reversible Ergänzung die geforderte Dauerhaftigkeit überhaupt erreicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Kern bildet ein maßgeschneiderter Wasserbaubeton. Rund 750 Kubikmeter lieferte Heidelberg Materials nach den „Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen für Wasserbauwerke“ (ZTV-W LB 215). Zum Einsatz kam ein Luftporenbeton der Festigkeitsklasse C35/45 in der Expositionsklasse XC4 nach DIN EN 206. Mikroskopisch kleine Luftporen schaffen bei Frost Ausdehnungsraum und unterbrechen die kapillare Wasseraufnahme, ein entscheidender Beitrag zur Frost- und Tausalzbeständigkeit. Vor Baubeginn musste der Beton eine Frost-Tausalz-Prüfung durch ein unabhängiges Drittlabor bestehen; zugelassen wurden nur Rezepturen mit weniger als 25 Prozent Schädigung des Innengefüges. Zugleich senkt ein CO2-reduzierter Zement vom Typ CEM III/A 42,5 N mit hohem Hüttensandanteil die Hydratationswärme im massiven Bauteil und die Emissionen. Der hohe Hüttensandanteil ersetzt einen Teil des emissionsintensiven Portlandzementklinkers und verbessert zugleich den Widerstand gegen den chloridhaltigen Tide-Einfluss, ein Aspekt, der die Denkmalpflege zunehmend mit den Zielen des Klimaschutzes verzahnt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet der steigende Tidehub für historische Hafenbauwerke?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Tidehub, also der Höhenunterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser, ist in der Tideelbe seit Jahrzehnten gestiegen, unter anderem infolge von Fahrrinnenanpassungen und Strombaumaßnahmen. Für die historischen Kaimauern bedeutet das höheren und häufiger wechselnden Wasserdruck, also genau jene Belastung, für die das Mauerwerk des 19. Jahrhunderts nie bemessen war. Hinzu kommt der prognostizierte Meeresspiegelanstieg, der die Bemessungswasserstände künftiger Sanierungen weiter nach oben verschieben dürfte. Die verstärkten Spundwandprofile am Kehrwieder sind insofern auch eine Antwort auf veränderte hydrologische Randbedingungen, nicht allein auf Materialalterung. Heritage-Infrastruktur am Wasser altert nicht nur, sie wird durch den Klimawandel schneller überfordert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Darin liegt die überregionale Lehre. Wo Welterbe und Wasser aufeinandertreffen, ob in Venedig, an den norddeutschen Hansestädten Wismar und Stralsund oder im Wattenmeer, stehen Denkmalbehörden vor derselben Frage: Wie viel neue Substanz verträgt ein authentisches Bauwerk, bevor es seinen Zeugniswert verliert? Hamburg beantwortet sie pragmatisch, indem es die Schauseite konserviert und die Statik unsichtbar erneuert. Als Stadtstaat vereint Hamburg dabei Landes- und kommunale Zuständigkeit in einer Hand, was Entscheidungswege verkürzt, die Finanzierungslast aber konzentriert. Die angestrebte Nutzungsdauer von rund 80 Jahren zeigt zudem, dass Denkmalpflege im Wasserbau in Generationen plant, nicht in Wahlperioden, und dass Bestandserhalt heute ohne ein Mitdenken steigender Pegel nicht mehr auskommt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritisch bleibt anzumerken, dass ein Vorhaben dieser Art stark von der Leistungsfähigkeit eines einzelnen Baustoffherstellers abhängt und dass die gerühmte digitale Logistik, hier die Liefer-App OnSite, vor allem den beengten Platzverhältnissen in der Speicherstadt geschuldet ist, nicht einem denkmalpflegerischen Mehrwert. Dennoch verdient die klare Trennung von sichtbarer Substanz und verborgener Statik Nachahmung. Für das Ensemble aber gilt unverändert: Ohne den unsichtbaren Beton hinter dem Backstein wäre das sichtbare Welterbe nicht zu halten. Der Erhalt des Erscheinungsbildes setzt die Erneuerung des Verborgenen voraus, eine Einsicht, die weit über den Kehrwieder hinaus trägt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/welterbe-in-gefahr-wie-spundwand-und-spezialbeton-die-speicherstadt-sichern/">Welterbe in Gefahr: Wie Spundwand und Spezialbeton die Speicherstadt sichern</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Zwei Leben, ein weißer Würfel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 16:27:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Brigitte Kölle]]></category>
		<category><![CDATA[Edvard Munch]]></category>
		<category><![CDATA[Galerie der Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburger Kunsthalle]]></category>
		<category><![CDATA[Körperkunst]]></category>
		<category><![CDATA[Kunsthaus Zürich]]></category>
		<category><![CDATA[Malfluss Lebensfluss]]></category>
		<category><![CDATA[Maria Lassnig]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Oswald Mathias Ungers]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was die Strenge der Architektur mit der Härte der Bilder macht: Die Hamburger Kunsthalle zeigt bis zum 30. August 2026 in der Galerie der Gegenwart eine Doppelschau, die es so noch nicht gegeben hat: Maria Lassnig und Edvard Munch, getrennt durch ein halbes Jahrhundert und durch zwei Sprachräume, hängen erstmals nebeneinander.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art</strong> |  Regionales | Nord |  Mai 2026<br />
Lesezeit 8 Minuten</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was die Strenge der Architektur mit der Härte der Bilder macht</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Hamburger Kunsthalle zeigt bis zum 30. August 2026 in der Galerie der Gegenwart eine Doppelschau, die es so noch nicht gegeben hat: Maria Lassnig und Edvard Munch, getrennt durch ein halbes Jahrhundert und durch zwei Sprachräume, hängen erstmals nebeneinander. Rund 180 Werke auf zwei Geschossen, kuratiert von Brigitte Kölle, Sandra Gianfreda und Hans Dieter Huber. Was die Ausstellung interessant macht, ist nicht nur die kunsthistorische Setzung. Es ist auch der Ort, an dem sie stattfindet: Oswald Mathias Ungers&#8216; weißer Kubus von 1997. Architektur und Bildwelt geraten hier in eine produktive Spannung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was verbindet Lassnig und Munch über fünfzig Jahre hinweg?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Edvard Munch (1863 bis 1944) und Maria Lassnig (1919 bis 2014) trennen Generationen, Geografien und Schulen. Munch war Mitte fünfzig, als Lassnig geboren wurde. Lassnig war Mitte zwanzig, als Munch starb. Beide haben sich nie getroffen. Und doch arbeiten die kuratorischen Verantwortlichen entlang von dreizehn Kapiteln Parallelen heraus, die nicht behauptet, sondern gezeigt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die zentrale Schnittstelle ist die Behandlung des Körpers. Munch psychologisiert die Welt. Bei ihm tritt die Landschaft auf wie ein Gefäß für innere Zustände. Trauer, Verzweiflung, Angst, Zorn, Freude. Lassnig dagegen verlässt die Psychologie und geht in den Körper hinein. Ihre „Körpergefühlsbilder&#8220; sind keine Allegorien, sondern Beschreibungen physischer Empfindung. Druck beim Sitzen. Spannung in den Gelenken. Die räumliche Ausdehnung der eigenen Hülle. Beide nutzen Farbe nicht als Beschreibung der Welt, sondern als Werkzeug der Selbstprüfung. Das ist das Verbindende, und das verträgt einen Saalabstand von mehreren Generationen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Titel „Malfluss = Lebensfluss&#8220; stammt von einem Lassnig-Gemälde. Er beschreibt eine künstlerische Haltung, die Kunst und Existenz nicht mehr unterscheidet. Genau diese Haltung ist es, die in der Ausstellung den Ausschlag gibt. Wer das gesehen hat, wird sich an einzelne Werkgegenüberstellungen länger erinnern als an die kunsthistorischen Belege.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie geht die Ausstellung mit der zeitlichen Distanz um?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die kuratorische Lösung ist klug. Statt biografischer Synchronisierung, statt der üblichen „Wer hat wen beeinflusst&#8220;-Frage entscheidet sich das Team für eine thematische Ordnung. Doppelporträts. Krankheit und Tod. Mensch und Tier. Natur und Subjekt. In jedem Kapitel hängt Lassnig neben Munch, ohne dass eine Hierarchie aufgebaut wird. Das ist methodisch ehrlicher, weil es die historische Asymmetrie nicht überspielt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Beispiel: Munchs „Der Tiger&#8220; von 1909 zeigt eine Frau und ein Raubtier in zärtlicher Begegnung. Es ist eine romantische Szene, in der die Differenz zwischen Mensch und Tier ästhetisch überspielt wird. Daneben hängt Lassnigs „Mit einem Tiger schlafen&#8220; von 1975. Hier ist die Begegnung nicht romantisch, sondern potenziell tödlich. Lassnig macht sichtbar, was Munch noch behauptet. Das ist eine kunsthistorische Verschiebung in einem einzigen Wandfeld.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich und mit Leihgaben von Maria Lassnig Stiftung Wien und Munchmuseet Oslo. Brigitte Kölle, seit 2011 an der Kunsthalle und Sammlungsleiterin der Gegenwartskunst, hat sie mit Sandra Gianfreda und dem Gastkurator Hans Dieter Huber konzipiert. Johanna Hornauer ist Assistenzkuratorin. Der Katalog erscheint im DISTANZ Verlag, 304 Seiten, mit einem Interview mit der Schriftstellerin Siri Hustvedt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Rolle spielt der Ungers-Bau für die Wirkung der Schau?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Galerie der Gegenwart wurde 1997 als zweiter Erweiterungsbau der Hamburger Kunsthalle eröffnet. Sie ist der dritte Solitär in einem Komplex, der drei Epochen der deutschen Museumsarchitektur in dichter Nachbarschaft zeigt. Der ornamentierte Backsteinbau von Georg Theodor Schirrmacher und Hermann von der Hude von 1869, der klassizistische Kuppelbau von Fritz Schumacher aus Muschelkalk von 1919, und Ungers&#8216; weißer Würfel auf rotem Granitsockel von 1997. Drei Häuser, drei Haltungen, in fußläufiger Nähe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ungers gewann den Wettbewerb 1986. Sein Entwurf war ein Manifest: Quadrat über Quadrat, gerasterte Fassade, klare innere Geometrie. Über 5.600 Quadratmeter Ausstellungsfläche, vierstöckig, mit zentralem Lichthof. Das war nie unumstritten. Schon zur Eröffnung wurde die Strenge des Hauses als Zumutung beschrieben. Das Hamburger Abendblatt titelte 1997 „Die Quadratur des Ungers&#8220;. Der Bau verlangt von der Kunst eine Antwort. Wer hier nicht ortsspezifisch denkt, geht unter.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau diese Anforderung hat die Kunsthalle früh produktiv genutzt. Zur Eröffnung beauftragte das Haus Künstlerräume: Jenny Holzers „Ceiling Snake&#8220; für den Übergang von der Lichtwark-Galerie. Ilya Kabakovs „Healing with Paintings&#8220;. Richard Serras „Measurement of Time. Seeing Is Believing&#8220; und seine Wandzeichnung „Spot on&#8220;. Bogomir Eckers „Tropfsteinmaschine&#8220;, die alle Geschosse durchquert. Monika Sosnowskas labyrinthische Raumstruktur. Diese Arbeiten sind keine Dekoration, sondern eine architektonische Kommentierung des Baus von innen heraus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Brigitte Kölle hat dieses Verhältnis 2016 bis 2021 mit der Reihe „7 Künstler*innen vs. Ungers&#8220; explizit gemacht. Der Bau wurde zum Gegenüber, nicht zum Hintergrund. Das ist methodisch bemerkenswert, weil es einen kuratorischen Anspruch markiert, der über die Programmierung von Wechselausstellungen hinausgeht: Das Haus wird mitkuratiert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie verhalten sich die Bilder zur Geometrie des Hauses?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In der aktuellen Ausstellung ist die Spannung besonders sichtbar. Lassnig malt Körper, die aus sich heraustreten. Munch malt Gesichter, deren Konturen sich auflösen. Beide arbeiten gegen Form, gegen Begrenzung, gegen die klare Linie. Ungers&#8216; Bau dagegen ist die gebaute Form selbst. Quadrat, Achse, Symmetrie. Diese Konstellation könnte unverträglich sein. Sie ist es aber nicht. Sie wird zur produktiven Reibung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer durch die zwei Geschosse geht, erlebt die Bilder anders als in einem Black-Cube-Raum. Das Licht, das durch die hohen Fenster fällt, der polierte Steinboden, die spürbare Wandstärke. All das setzt die Bilder unter einen Druck, der zu ihnen passt. Munchs „Schrei&#8220;-Variante steht hier nicht im romantisierten Halbdunkel. Sie steht im Tageslicht eines rationalistischen Saals, und sie behauptet sich. Das ist mehr, als die Architektur eigentlich zulässt. Ungers&#8216; Bau erweist sich an dieser Stelle als robuster, als seine Kritiker behaupten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten, die das Verhältnis zwischen Kunstraum und Kunstwerk neu denken wollen, ist die Ausstellung deshalb interessanter als die kunsthistorische Setzung allein vermuten lässt. Sie zeigt, wie ein streng komponierter Bau aus den späten 1990er Jahren mit Inhalten umgeht, die seine ästhetische Voraussetzung in Frage stellen. Das ist eine architekturkritische Lektion, die in keinem Lehrbuch steht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was lohnt sich für den Besuch sonst noch?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer nach Hamburg fährt, sollte sich Zeit für den Gesamtkomplex nehmen. Der Schumacher-Bau zeigt unter dem Titel „SKULPTURAL&#8220; erstmals die Skulpturensammlung des Hauses aus 2.500 Jahren, eingebettet in die Lichtwark-Galerie. Eine Sammlungspräsentation, die Skulptur als Bindeglied zwischen Antike, Moderne und Gegenwartskunst lesbar macht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Parallel läuft seit dem 5. Juni 2026 die 9. Triennale der Photographie Hamburg, die das gesamte Stadtgebiet mit Ausstellungen bespielt. Die Kunsthalle ist mit eigenen Beiträgen vertreten. Wer Architektur und zeitgenössische Kunst in einem Wochenende verbinden will, findet in der Hansestadt im Sommer 2026 ein außergewöhnlich dichtes Programm.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Doppelschau Lassnig und Munch läuft noch bis zum 30. August. Wer sie sehen will, sollte einen Wochentag wählen. Die Sitze in den szenischen Lesungen mit Lina Beckmann und Mirco Kreibich vom Schauspielhaus sind regelmäßig ausverkauft.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Service-Box</h1>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Maria Lassnig und Edvard Munch. Malfluss = Lebensfluss</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ort: </strong>Hamburger Kunsthalle, Galerie der Gegenwart, Glockengießerwall 5, 20095 Hamburg</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Laufzeit: </strong>27. März bis 30. August 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Umfang: </strong>rund 180 Werke auf zwei Geschossen</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kuratorinnen: </strong>Dr. Brigitte Kölle (Hamburger Kunsthalle), Dr. Sandra Gianfreda (Kunsthaus Zürich), Prof. Dr. Hans Dieter Huber (Gastkurator)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Assistenzkuratorin: </strong>Dr. Johanna Hornauer</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kooperation: </strong>Kunsthaus Zürich, Maria Lassnig Stiftung Wien, Munchmuseet Oslo</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Katalog: </strong>DISTANZ Verlag, 304 Seiten, 48 € (Museumspreis 38 €)</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Web: </strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://hamburger-kunsthalle.de/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://hamburger-kunsthalle.de</a></span></span></p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Galerie der Gegenwart. Architektonische Daten</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Architekt: </strong>Oswald Mathias Ungers</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wettbewerb: </strong>1985 ausgelobt, 1986 entschieden</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Grundstein: </strong>1993</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eröffnung: </strong>Oktober 1997</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Geschossfläche: </strong>über 5.600 m² Ausstellungsfläche</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Konstruktion: </strong>vierstöckiger Kubus, helle Kalksteinfassade, Sockel aus rotem Granit</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Baukosten: </strong>rund 104,3 Mio. DM (ursprünglich 74 Mio. DM kalkuliert)</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hamburger Kunsthalle. Drei Häuser, drei Epochen</h3>
<ul class="ak-ul" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="bulletList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stammhaus 1869: Backsteinbau von Hermann von der Hude und Georg Theodor Schirrmacher</p>
</li>
</ul>
<ul class="ak-ul" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="bulletList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Erweiterungsbau 1919: Muschelkalk-Anbau mit Kuppel von Fritz Schumacher</p>
</li>
</ul>
<ul class="ak-ul" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="bulletList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Galerie der Gegenwart 1997: Kubus von Oswald Mathias Ungers</p>
</li>
</ul>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/zwei-leben-ein-weisser-wuerfel/">Zwei Leben, ein weißer Würfel</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<item>
		<title>Der Norden baut weiter. An sich selbst.</title>
		<link>https://baukunst.art/der-norden-baut-weiter-an-sich-selbst/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 16:01:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bauen im Bestand]]></category>
		<category><![CDATA[Baukulturpreis Schleswig-Holstein]]></category>
		<category><![CDATA[Erlebnis-Hus St. Peter-Ording]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburger Architektur Sommer 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Klimagerechte Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Nichts Neues DAM]]></category>
		<category><![CDATA[Sterntalerweg Lübeck]]></category>
		<category><![CDATA[Urbaneo HafenCity]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bauen im Bestand als Zukunftsfrage: Hamburger Architektur Sommer 2026 und der Baukulturpreis Schleswig-Holstein zeigen, was der Norden vorlegt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-norden-baut-weiter-an-sich-selbst/">Der Norden baut weiter. An sich selbst.</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong> |  Regionales | Nord |  Mai 2026<br />
Lesezeit 7 Minuten</p>
<h1>Weiterbauen statt wegreißen: Norddeutsche Antworten</h1>
<p>Vom 8. Mai bis 24. August 2026 zeigt das Urbaneo in der HafenCity die DAM-Wanderausstellung „Nichts Neues. Besser Bauen mit Bestand&#8220;. Sie ist Teil des 11. Hamburger Architektur Sommers, der von Mai bis Juli mit über 250 Veranstaltungen die Stadt bespielt. Parallel tourt in Schleswig-Holstein die Wanderausstellung zum Landespreis für Baukultur durchs Land. Zwei Bundesländer, eine gemeinsame Frage: Was machen wir mit dem, was schon steht?</p>
<h3>Warum ist Bauen im Bestand jetzt das beherrschende Thema?</h3>
<p>Die Zahlen sind bekannt, der politische Druck wächst. Der Gebäudesektor verursacht knapp 40 Prozent der CO₂-Emissionen in Deutschland, der größte Teil davon entsteht in Materialgewinnung, Herstellung und Abriss. Neubau ist klimapolitisch ein Auslaufmodell. Was vor wenigen Jahren noch als ideologische Position galt, ist heute Konsens in den Kammern, Verbänden und zunehmend auch in den Bauämtern.</p>
<p>Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) hat darauf reagiert und 2024 die Ausstellung „Nichts Neues. Besser Bauen mit Bestand&#8220; entwickelt, kuratiert von Katharina Böttger, Jonas Malzahn und Mathias Schnell (studio central). Sie tourt seither durch die Republik. Im Mai 2026 erreicht sie Hamburg, und dort wird sie nicht einfach gezeigt. Sie wird weitergedacht.</p>
<h3>Was unterscheidet die Hamburger Version vom Original?</h3>
<p>Das Urbaneo, das junge Architekturzentrum am Strandkai in der HafenCity, holt die Schau gemeinsam mit Architects 4 Future Hamburg und dem Netzwerk PIA – Women in Architecture e.V. an die Elbe. Die kuratorische Setzung ist programmatisch: keine Modelle hinter Glas, keine Schautafeln zum Andachtsbesuch. Stattdessen Modelle zum Weiterbauen, Stationen zum Mitmachen, Räume zum Umbauen und Neu-Denken.</p>
<p>Die DAM-Vorlage wird um Hamburger Perspektiven erweitert. Vier Projekte stehen im Zentrum:</p>
<p>Gängeviertel: das vielleicht prominenteste Beispiel zivilgesellschaftlich erkämpften Bestandserhalts in Deutschland</p>
<p>Alster-Bille-Elbe PARKS: eine grüne Infrastrukturoffensive im östlichen Hamburg</p>
<p>Sanierung Kampnagel: Transformation der Industriekultur zu einem internationalen Produktionsort</p>
<p>Gröninger Hof: Genossenschaftliches Bauen im Bestand mitten in der Altstadt</p>
<p>Begleitend entsteht ein vielfältiges Programm aus interaktiven Workshops, Rundgängen, Besichtigungen und Vorträgen. Das Eröffnungswochenende vom 8. bis 10. Mai 2026 setzt den Rahmen, die Ausstellung läuft bis zum 24. August.</p>
<h3>Wie ordnet sich der Hamburger Architektur Sommer ein?</h3>
<p>Der Hamburger Architektur Sommer findet 2026 zum elften Mal statt. Seit 1994 organisiert er sich alle drei bis vier Jahre als baukulturelle Bürgerinitiative. Beteiligt sind Hochschulen, Galerien, Architekturbüros, Museen und Einzelpersonen. Das Informationszentrum richtet sich am Strandkai ein, wo das Architekturkollektiv Frugal Bauen einen Pavillon für das Festival errichtet.</p>
<p>Über 250 Veranstaltungen sind angekündigt. Das thematische Spektrum reicht von Stadtgeschichte über Landschaftsplanung bis zu Fragen des Zusammenlebens. Was den Architektur Sommer vom üblichen Festivalbetrieb unterscheidet, ist die zivilgesellschaftliche Trägerschaft. Er ist kein kuratiertes Programm einer Institution, sondern ein offenes Format, an dem sich beteiligt, wer beitragen will. Das macht ihn unübersichtlich. Es macht ihn aber auch politisch interessant, weil sich die tatsächliche Verfasstheit der Hamburger Baukultur darin abbildet.</p>
<p>Parallel zeigt der AIT ArchitekturSalon in Hamburg vom 20. März bis 29. Mai 2026 die Ausstellung „Lebensort Schule – Architektur trifft Pädagogik&#8220;. Ebenfalls eine Bestandsfrage, wenn man die Sanierungsbedarfe der deutschen Schulbauten ernst nimmt. Im Frühjahr lief im selben Haus die Ausstellung „Boltshauser Architects – Radikale Materialität&#8220; zur Lehmarchitektur des Zürcher Büros, ein konsequenter Beitrag zur Materialdebatte.</p>
<h3>Was zeigt Schleswig-Holstein dagegen?</h3>
<p>Während Hamburg im Festivalmodus arbeitet, geht das Nachbarland leiser vor. Das Land Schleswig-Holstein hat Anfang 2026 den Landespreis für Baukultur vergeben, ausgelobt vom Innenministerium gemeinsam mit der Architekten- und Ingenieurkammer. Der Hauptpreis ging an die Revitalisierung des Hochhauses Sterntalerweg in Lübeck. Sieben weitere Landespreise wurden vergeben, darunter an das Erlebnis-Hus in St. Peter-Ording, geplant von Holzer Kobler Architekturen aus Berlin.</p>
<p>Die Auswahl ist programmatisch. Wer einen Preis für Baukultur ausschreibt und einen Hochhausumbau auf Platz eins setzt, trifft eine inhaltliche Aussage. Sie lautet: Die anspruchsvollste architektonische Aufgabe ist heute nicht der Neubau, sondern der Eingriff in den Bestand. Die Wanderausstellung tourt bis in den Sommer durch die Landesteile, Stationen waren bisher unter anderem Husum.</p>
<p>Hinzu kommt das Freilichtmuseum Molfsee bei Kiel, das mit „Wohltemperiert. Für klimagerechte Architektur&#8220; eine vom Slowenischen Pavillon der Architekturbiennale 2023 übernommene Schau über vernakuläre Baukultur als Ressourcendebatte präsentiert hat. Die Themenlinie ist konsistent: traditionelle Bauweisen als Bezugspunkt für klimagerechtes Bauen. Wer die norddeutsche Diskussion der vergangenen Jahre verfolgt hat, erkennt einen Konsens, der erstaunlich ungebrochen ist.</p>
<h3>Welche Schlüsse zieht die berufspolitische Debatte daraus?</h3>
<p>Bauen im Bestand ist planerisch komplexer, juristisch riskanter und betriebswirtschaftlich für viele Büros unterfinanziert. Die HOAI bildet die zusätzlichen Leistungen, die ein Umbau gegenüber dem Neubau verlangt, nur unzureichend ab. Der Umbauzuschlag nach § 6 Abs. 2 Nr. 5 HOAI ist eine Krücke. Die Vergabepraxis öffentlicher Bauherren orientiert sich weiterhin am Neubau, die Förderkulisse ebenso.</p>
<p>Die Hamburger Ausstellung im Urbaneo nimmt diese strukturellen Fragen auf, ohne sie aufzuwerfen. Sie zeigt, was möglich ist, wenn die Rahmenbedingungen nicht aktiv bekämpft, aber auch nicht hilfreich sind. Das ist redaktionell der interessantere Befund. Die Architektenschaft wartet nicht auf bessere Regeln. Sie arbeitet unter den bestehenden, oft trotz der bestehenden Regeln.</p>
<p>Wer als Bauherr, Planer oder Kommunalvertreter in den nächsten Wochen nach Hamburg fährt, findet im Urbaneo nicht den Schlüssel zur Bauwende. Aber eine sehr genaue Bestandsaufnahme dessen, wo der Norden steht. Das ist mehr, als die meisten Festivals bieten.</p>
<h3>Service-Box</h3>
<p>Nichts Neues. Besser Bauen mit Bestand<br />
Ort: Urbaneo. Junges Architektur Zentrum, Strandkai 1, HafenCity Hamburg<br />
Laufzeit: bis 24. August 2026<br />
Veranstalter: Urbaneo, Architects 4 Future Hamburg, PIA – Women in Architecture e.V.<br />
Kuratorisches Original: Katharina Böttger, Jonas Malzahn, Mathias Schnell (studio central) für das DAM<br />
Web: <a href="http://urbaneo.de" target="_blank" rel="noopener">http://urbaneo.de</a> / <a href="http://architektursommer.de" target="_blank" rel="noopener">http://architektursommer.de</a></p>
<p><strong>Hamburger Architektur Sommer 2026</strong></p>
<p>Zeitraum: Mai bis Juli 2026<br />
Auflage: 11. Festival seit 1994<br />
Veranstaltungen: über 250<br />
Träger: Verein Hamburger Architektur Sommer e.V.</p>
<p><strong>Landespreis Baukultur Schleswig-Holstein</strong></p>
<p>Auslober: Innenministerium Schleswig-Holstein, Architekten- und Ingenieurkammer SH<br />
Hauptpreisträger: Revitalisierung Hochhaus Sterntalerweg, Lübeck<br />
Landespreisträger u.a.: Erlebnis-Hus St. Peter-Ording, Holzer Kobler Architekturen<br />
Wanderausstellung: tourt seit Februar 2026 durch das Land</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Das ungebaute Hamburg: Eine alternative Stadtentwicklungsgeschichte in der Freien Akademie der Künste</title>
		<link>https://baukunst.art/das-ungebaute-hamburg-eine-alternative-stadtentwicklungsgeschichte-in-der-freien-akademie-der-kuenste/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2026 15:39:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Inhaltliche Tags: Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hamburgs Parallelwelt: 32 geplante, aber nie gebaute Projekte zeigen, wie die Hansestadt sich ebenso durch Verwerfungen wie durch Bauten geformt hat.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-ungebaute-hamburg-eine-alternative-stadtentwicklungsgeschichte-in-der-freien-akademie-der-kuenste/">Das ungebaute Hamburg: Eine alternative Stadtentwicklungsgeschichte in der Freien Akademie der Künste</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art </strong> |  REGIONALES | <strong>Hamburg</strong> | April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Was Hamburg sich erspart hat: Schau in der Freien Akademie der Künste</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Hamburgische Architektenkammer und Freie Akademie der Künste zeigen 32 nie realisierte Projekte seit 1960, kuratiert von Ullrich Schwarz</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„Das ungebaute Hamburg“ ist eine gemeinsame Ausstellung der Hamburgischen Architektenkammer (HAK) und der Freien Akademie der Künste in Hamburg, die vom 18. April bis 31. Mai 2026 in der Freien Akademie am Klosterwall 23 rund 32 geplante, aber nie realisierte Hamburger Bauprojekte seit 1960 dokumentiert. Die Schau entsteht im Rahmen des Hamburger Architektursommers 2026 und fußt auf dem 2025 im Dölling und Galitz Verlag erschienenen Band von Ullrich Schwarz und der Hamburgischen Architektenkammer, der als Band 44 in der Schriftenreihe des Hamburgischen Architekturarchivs veröffentlicht wurde (608 Seiten, ISBN 978-3-96060-705-2).</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, 17. April 2026 um 18 Uhr. Es sprechen Michael Propfe (Präsident der Freien Akademie der Künste), Karin Loosen (Präsidentin der Hamburgischen Architektenkammer), Oberbaudirektor Franz Josef Höing und Kurator Ullrich Schwarz. Die Öffnungszeiten reichen von Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bereits 1991 hatte die Hamburgische Architektenkammer mit Band 4 ihrer Schriftenreihe (herausgegeben von Ulrich Höhns) unter dem Titel „Das ungebaute Hamburg. Visionen einer anderen Stadt in architektonischen Entwürfen der letzten hundertfünfzig Jahre“ einen ersten, inzwischen legendären Überblick über verworfene Entwürfe vorgelegt. Der neue Band beschränkt sich auf die Zeit seit 1960, greift dabei aber auf denselben Titel zurück: Die Fortsetzung versteht sich als Bestandsaufnahme einer Stadt, die in ihrer jüngeren Geschichte mehr verworfen als realisiert hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum legt die Architektenkammer nach 35 Jahren einen neuen Band über ungebaute Projekte vor?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort liegt in der Eigenlogik der Stadtentwicklung. Hamburgs bauliche Gestalt ist nicht nur Ergebnis dessen, was gebaut wurde, sondern mindestens ebenso stark Resultat dessen, was unterblieb. Seit dem Vorgängerband von 1991 hat die Hansestadt zentrale Transformationen durchlaufen: die HafenCity, das Bekenntnis zum Klimaschutz, der Umbau der Innenstadt, die Debatten um Olympia 2012 und 2024. Jede dieser Phasen hat eigene Entwürfe hervorgebracht, die nie über Wettbewerbsergebnisse, Konzeptstudien oder Modelle hinauskamen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kurator Ullrich Schwarz, langjähriger Beobachter der Hamburger Baukultur, und die Hamburgische Architektenkammer unter Präsidentin Karin Loosen haben 32 Vorhaben ausgewählt, die „stellvertretend für den jeweiligen Geist ihrer Zeit“ stehen. Die Bandbreite reicht vom städtebaulichen Großeingriff bis zur punktuellen Intervention. Dazu zählen der Totalabriss von St. Pauli und Ottensen, die Stadtautobahn durch die innere Stadt, die Sportanlagen für Olympia, die Verlagerung der Universität in den Hafen, das Hochhausprojekt in der HafenCity, der Transrapid, die Seilbahn über die Elbe sowie das Parkhaus unter der Binnenalster. Ergänzt werden diese Großthemen durch Einzelentwürfe wie die „Living Bridge“ über die Norderelbe von Hadi Teherani Architects, eine Gleisüberdachung des Hauptbahnhofs von Reichwald Schultz und Partner oder die zahlreichen, teils skurrilen Vorschläge für den Spielbudenplatz auf St. Pauli (etwa die Entwürfe von Blauraum Architekten und Architekten Venus aus dem Jahr 2004).</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein eigenes Gewicht erhält die Ausstellung durch das großformatige Modell des legendären St. Georg-Projekts der Neuen Heimat von 1966. Es galt damals als Musterbeispiel einer flächenhaften Sanierung nach den Leitbildern der autogerechten Stadt und steht heute als Mahnmal für eine Haltung, die mit der Novelle des Bundesbaugesetzes 1971 (später § 136 ff. BauGB, Besonderes Städtebaurecht) und dem sich wandelnden Denkmalverständnis unter den Landesdenkmalschutzgesetzen an ihr Ende kam. In Hamburg regelt dies heute das Denkmalschutzgesetz Hamburg (DSchG HH) in seiner Fassung vom 5. April 2013.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was erzählen die 32 Projekte über Hamburgs Planungskultur?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Auswahl zeigt zwei Bewegungen, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirken. Zum einen waren viele der nicht realisierten Vorhaben politisch gewollt und professionell ausgearbeitet; sie scheiterten nicht an fehlender Planung, sondern an gesellschaftlichen Widerständen, Volksbegehren, Haushaltsrestriktionen oder Regierungswechseln. Die gescheiterten Olympiabewerbungen und die Elbseilbahn sind Paradebeispiele. Zum anderen dokumentiert die Auswahl, wie sich das Verständnis dessen, was als städtebaulich angemessen gilt, innerhalb weniger Jahrzehnte grundlegend verschoben hat. Pläne, die in den 1960er Jahren als fortschrittlich galten, etwa der Flächenabriss ganzer Viertel, wären heute nach § 172 BauGB (Erhaltungssatzung) und den Vorgaben der Baunutzungsverordnung (BauNVO) in dieser Form nicht mehr genehmigungsfähig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Damit wird der Band zu einer alternativen Stadtentwicklungsgeschichte Hamburgs. Er macht sichtbar, dass Planungskultur nicht nur Ja-Sagen, sondern ebenso Nein-Sagen bedeutet. Oberbaudirektor Franz Josef Höing, der bei der Eröffnung spricht, hatte bereits mehrfach betont, dass Stadtentwicklung ohne die Bereitschaft zur Verwerfung keine Qualität erreicht. In diesem Sinne versteht sich die Ausstellung nicht als Katalog vertaner Chancen, sondern als Plädoyer für eine diskursive Planungskultur, wie sie das Baugesetzbuch mit den Beteiligungsverfahren nach §§ 3 und 4 BauGB formal vorsieht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Besucherinnen und Besucher ergibt sich daraus ein doppelter Reiz. Einerseits die Faszination dessen, was hätte sein können: Der 250 Meter hohe Gauhochhaus-Entwurf von Konstanty Gutschow für Altona aus der NS-Zeit, das bei der Langen Nacht der Museen 2026 eigens thematisiert wird, markiert eine Vision totalitärer Stadtfigur, die man heute nur mit Schaudern betrachten kann. Andererseits der nüchterne Blick auf Vorhaben, deren Nichtrealisierung sich als Glücksfall erwiesen hat. „Nicht zu bauen kann eine Tugend sein“, heißt es dazu in der Ankündigung der Freien Akademie der Künste.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kooperation der beiden Trägerinstitutionen ist dabei mehr als eine organisatorische Konstellation. Die Hamburgische Architektenkammer verantwortet über ihr Architekturarchiv die fachliche Aufarbeitung, die Freie Akademie der Künste bringt die kulturelle Einbettung in den Hamburger Kunstdiskurs. Parallel zur Ausstellung läuft dort die Reihe „Weiterbauen. Nachnutzungskonzepte denkmalgeschützter Bauten“, eine Vor-Ort-Veranstaltungsreihe gemeinsam mit dem BDA Hamburg und dem Denkmalschutzamt Hamburg. Beide Formate ergänzen sich: Das Ungebaute und das Weiterzubauende bilden zwei Seiten derselben Frage nach der Substanz einer Stadt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die überregionale Leserschaft lohnt sich der Blick nach Hamburg vor allem dort, wo sich die Parallelen zu anderen DACH-Metropolen auftun. München, Berlin und Wien verfügen über vergleichbar dichte Archive ungebauter Projekte, doch nur selten werden sie systematisch ausgewertet. Die Hamburgische Architektenkammer setzt mit dem Band 44 ihrer Schriftenreihe einen Standard, an dem sich andere Landesarchitektenkammern orientieren können. Die Publikation ist, so formuliert es das Hamburger Abendblatt, mehr als ein Album spektakulärer Entwürfe: Sie beleuchtet die wirtschaftlichen und zeitgeistigen Rahmenbedingungen jener Projekte, die manche verhinderten und andere ermöglichten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt, ist ein klares Bild: Hamburgs Stadtgestalt hat sich durch Verwerfungen ebenso sehr geformt wie durch Bauten. Wer nach dem 31. Mai 2026 durch die Hansestadt geht, sieht nicht nur, was steht, sondern auch, was hätte stehen können.</p>
<hr />
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eckdaten der Ausstellung</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Titel </strong>Das ungebaute Hamburg. Visionen einer anderen Stadt. Entwürfe von 1960 bis heute</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Träger </strong>Hamburgische Architektenkammer (HAK) und Freie Akademie der Künste in Hamburg</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kurator </strong>Ullrich Schwarz</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ort </strong>Freie Akademie der Künste, Klosterwall 23, 20095 Hamburg</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eröffnung </strong>Freitag, 17. April 2026, 18 Uhr</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Laufzeit </strong>18. April bis 31. Mai 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Öffnungszeiten </strong>Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Rahmen </strong>Hamburger Architektursommer 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-ungebaute-hamburg-eine-alternative-stadtentwicklungsgeschichte-in-der-freien-akademie-der-kuenste/">Das ungebaute Hamburg: Eine alternative Stadtentwicklungsgeschichte in der Freien Akademie der Künste</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Meisterhaft saniert: Das Konzerthaus am Kieler Schloss, ein Bau der Nachkriegsmoderne, kehrt zurück</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2026 15:22:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
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		<category><![CDATA[bbp architekten]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalpflege]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vier Jahre stand der Kieler Saalbau von Sprotte und Neve still. Jetzt erklingt er wieder, mit 47 Millionen Euro, zwölf Akustiksegeln und präzisem Umgang mit der Nachkriegsmoderne. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/meisterhaft-saniert-das-konzerthaus-am-kieler-schloss-ein-bau-der-nachkriegsmoderne-kehrt-zurueck/">Meisterhaft saniert: Das Konzerthaus am Kieler Schloss, ein Bau der Nachkriegsmoderne, kehrt zurück</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  |  REGIONALES | <strong>Kiel</strong> | April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Der unterschätzte Schatz der Nachkriegsmoderne: Kiel holt sich sein Konzerthaus zurück</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Konzerthaus am Kieler Schloss ist ein zwischen 1961 und 1965 nach Entwürfen des Hamburger Büros Sprotte und Neve errichteter Saalbau der Nachkriegsmoderne, der seit Januar 2026 nach einer sechsjährigen Sanierung durch <strong><a href="https://www.gmp.de/de/aktuelles/41/presse/21612/konzerthaus-am-schloss-in-kiel-sanierung-und-umbau-zum-zeitgemassen-orchestersaal" target="_blank" rel="noopener">gmp Architekten und bbp architekten</a></strong> wieder bespielt wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wiedereröffnung am 10. Januar 2026 markiert einen Moment, den die Landeshauptstadt Kiel ihrem Kulturpublikum lange schuldig geblieben ist. Rund vier Jahre stand das Haus still, nachdem im Sommer 2021 der Spielbetrieb endete und im November desselben Jahres die Abbrucharbeiten begannen. 2.800 Tonnen Material wurden aus dem Gebäude ausgebaut, ehe die Förderbescheide Ende Februar 2023 eintrafen und ein regulärer Baubetrieb einsetzen konnte. Mit einem Festakt und dem 4. Philharmonischen Konzert am 11. Januar 2026 kehrte das Philharmonische Orchester Kiel in seine Heimspielstätte zurück. Die Arbeitsgemeinschaft aus gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner und bbp architekten aus Kiel plante und realisierte das Vorhaben zwischen 2019 und 2025.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Herbert Sprotte, ein Schüler von Hans Scharoun, brachte die Idee der Weinbergarchitektur zeitgleich mit seinem Lehrer an die Förde. Während Scharoun die Berliner Philharmonie entwarf, lösten Sprotte und Peter Neve in Kiel das klassische Parkett zugunsten gestaffelter Terrassen auf und ließen das Publikum die Bühne umschließen. Eine Bauform, die Deutschland bis dahin nicht kannte, entstand somit nicht in der Hauptstadt, sondern in Schleswig-Holstein. Die Konzerthalle bildet mit dem wieder aufgebauten Ostflügel und der aufgestelzten Historischen Landeshalle das Ensemble des Kieler Schlosses, das seit 2005 nach dem Denkmalschutzgesetz des Landes Schleswig-Holstein (DSchG SH) in seiner Gesamtheit unter Schutz steht, einschließlich der Nachkriegsbauten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie bleibt Nachkriegsmoderne unter Denkmalschutz zeitgemäß?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bestandsbau litt unter dem, was viele Kulturbauten der sechziger Jahre ereilt: nachträglich hinzugefügte Aufzüge und Einbauten, die die ursprüngliche Klarheit überlagerten; Überformungen, die funktional Sinn ergaben, ästhetisch aber die minimalistische Handschrift der Entwurfsverfasser verwischten. Björn Bergfeld, Geschäftsführender Gesellschafter bei bbp, nennt das Haus eine bislang unterschätzte Inkunabel der sechziger Jahre, deren Schlichtheit erst durch das Abräumen späterer Aufbauten wieder lesbar werde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Planenden verfolgten daher einen Ansatz, den gmp als konzeptionelle Fortschreibung bezeichnet. Größtmöglicher Erhalt der Originalsubstanz, präzise Eingriffe in Technik und Akustik, Rekonstruktion der architektonischen Ordnung. Der außenliegende Aufzug vor der Südfassade wurde zurückgebaut und in das Foyer integriert. Die schweren Bronzegusstüren am Eingang entfielen zugunsten einer transparenteren Ausführung. Rund 70 Prozent der Natursteinplatten aus norwegischem Alta-Quarzit konnten wiederverwendet werden, eine Bilanz, die im Kontext grauer Emissionen und ressourcenschonender Sanierung bemerkenswert ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die energetische Gesamterneuerung folgte den Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) und war zugleich Voraussetzung für den Erhalt der Fördermittel; Bund und Land hatten mit den Fördergebern Nachhaltigkeitsziele wie messbare Energieeinsparungen vertraglich vereinbart. Die Pfosten-Riegel-Glasfassade des Foyers wurde in filigranen Proportionen erneuert, eine neue Sonnenschutzverglasung verbessert den sommerlichen Wärmeschutz nach DIN 4108. Das charakteristische Kupferdach über dem Saal wurde originalgetreu rekonstruiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Inneren konzentrierten sich die Eingriffe auf das, was den Saal zum Konzertsaal macht. Zwölf höhenverstellbare Akustiksegel über der Bühne bündeln Schallreflexion, Beleuchtung und Bühnentechnik; sie verbessern vor allem die Hörbarkeit der Orchestermusikerinnen und Orchestermusiker untereinander, ein Punkt, den Generalmusikdirektor Benjamin Reiners als entscheidend für das gemeinsame Spiel beschreibt. Neue Hubpodeste ersetzen die manuelle Podesterie und erlauben den schnellen Umbau vom klassischen Konzert zur Kongressnutzung. Eine Corian-Wandverkleidung mit LED-Hinterleuchtung ergänzt die reduzierte Materialpalette aus Schwarzstahl und perforierten Flächen. Die Grundakustik des Saals, die schon vor der Sanierung einen guten Ruf genoss, blieb dabei erhalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die akustische Planung folgte einer Doppelstrategie: Erhalt der bewährten Nachhallzeit für das klassische Repertoire bei gleichzeitiger Verbesserung der gegenseitigen Wahrnehmung des Ensembles auf der Bühne. Die terrassierte Weinberggeometrie, die den Raum seit 1965 prägt, bleibt unangetastet. Die LED-Hinterleuchtung der Corian-Paneele greift die ursprüngliche Idee des leuchtenden Saalkörpers auf, ohne die optische Zurückhaltung der sechziger Jahre zu verletzen. Für Kammermusik, Sinfoniekonzert, Chor, Theater und Unterhaltungsformate ergeben sich damit einstellbare Akustikzustände, die den Saal vom reinen Klassikhaus zum flexiblen Mehrzwecksaal weiterentwickeln, ohne seinen Charakter als ernsthaften Konzertraum zu verlieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet die Wiedereröffnung für Kiel und Schleswig-Holstein?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landeshauptstadt Kiel hatte das denkmalgeschützte Schlossensemble 2018 erworben und damit eine kommunale Verantwortung übernommen, die ohne ein geordnetes Fördergerüst finanziell kaum tragbar gewesen wäre. Die vorläufige Gesamtkalkulation von rund 47 Millionen Euro deckten knapp zur Hälfte öffentliche Hände und Private ab. Rund 11 Millionen Euro steuerte der Bund bei, rund 10 Millionen Euro das Land Schleswig-Holstein, rund 2 Millionen Euro sammelte der Förderverein Konzertsaal am Kieler Schloss e. V. aus privaten Spenden, den Rest trägt die Stadt. Damit bestätigt sich ein Modell, das in der kulturellen Bauaufgabe der DACH-Region zunehmend Standard ist: kommunale Trägerschaft, kombiniert mit Bundes- und Landesförderung sowie bürgerschaftlichem Engagement über einen Förderverein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Gebäude verfügt nun über rund 7.100 Quadratmeter Nettonutzfläche. Die zuvor vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) genutzten 1.200 Quadratmeter, die 2019 frei wurden, flossen in die Neuplanung ein und erlauben eine durchgängige Bespielung. Betreiber ist das Theater Kiel; Konzerthausdirektor Tobias Scharfenberger versteht das Haus als offenes Kulturzentrum, das vom Philharmonischen Orchester über das NDR Elbphilharmonie Orchester bis zu Samy Deluxe mit dem Mikis Takeover! Ensemble eine programmatische Bandbreite abbildet, die eine Stadt dieser Größenordnung braucht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall Kiel zeigt exemplarisch, wo die Nachkriegsmoderne in Schleswig-Holstein denkmalpflegerisch angekommen ist. Das DSchG SH in der Fassung von 2015, das konstitutive Unterschutzstellung durch Eintragung in die Denkmalliste vorsieht, hat die Grundlage gelegt. Das Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein hatte die Unterschutzstellung 2005 vollzogen und die Sanierung fachlich begleitet. Die technische Erneuerung unter Anwendung von GEG und den Vorgaben der Landesbauordnung Schleswig-Holstein (LBO SH) zur Barrierefreiheit nach § 52 LBO SH zeigt, dass sich denkmalpflegerischer Anspruch und zeitgemäße Gebäudetechnik nicht ausschließen. Der Aufzug im Foyer, die durchgängig barrierefreien Zugänge und die neu geordneten Garderoben belegen das. Für andere Landeshauptstädte mit vergleichbaren Saalbauten der sechziger Jahre, von Saarbrücken bis Wiesbaden, ist das Kieler Beispiel eine präzise Referenz, wie sich ein solches Vorhaben planerisch und finanziell aufziehen lässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bleibt der Prüfstein des Betriebs. Ob das Haus den Anspruch eines kulturellen Wohnzimmers für Kiel und die Region einlöst, wird sich nicht an den 1.400 Sitzplätzen oder den zwölf Akustiksegeln messen lassen, sondern an der Auslastung jenseits der Eröffnungseuphorie. Das internationale Tournee- und Vermietungsgeschäft arbeitet mit zwei Jahren Vorlauf, für das erste Halbjahr 2026 war diese Frist bei der noch offenen Eröffnung nicht einzuhalten. Der bereits ausverkaufte Saal am 11. Januar 2026 lässt dennoch vermuten, dass die Kielerinnen und Kieler ihrem Konzerthaus über die vier Jahre Baustelle hinweg gewogen geblieben sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/meisterhaft-saniert-das-konzerthaus-am-kieler-schloss-ein-bau-der-nachkriegsmoderne-kehrt-zurueck/">Meisterhaft saniert: Das Konzerthaus am Kieler Schloss, ein Bau der Nachkriegsmoderne, kehrt zurück</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Fehmarnbelt-Querung: Ein Infrastrukturprojekt ohne ausreichende Raumordnungsstrategie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 17:11:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>baukunst.art Regionales &#124; Nord  Das größte Infrastrukturprojekt Nordeuropas: Warum die Raumplanung nicht mitkommt Baustart, Kostensteigerungen, grenzüberschreitende Planungskultur: Was die Feste Fehmarnbeltquerung raumordnerisch offen lässt Die Feste Fehmarnbeltquerung ist das größte laufende Infrastrukturprojekt Nordeuropas: ein 18,2 Kilometer langer Absenktunnel unter der Ostsee, der die schleswig-holsteinische Insel Fehmarn mit der dänischen Insel Lolland verbindet und damit eine der letzten großen Lücken im&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/fehmarnbelt-querung-ein-infrastrukturprojekt-ohne-ausreichende-raumordnungsstrategie/">Fehmarnbelt-Querung: Ein Infrastrukturprojekt ohne ausreichende Raumordnungsstrategie</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Regionales | Nord</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"> Das größte Infrastrukturprojekt Nordeuropas: Warum die Raumplanung nicht mitkommt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Baustart, Kostensteigerungen, grenzüberschreitende Planungskultur: Was die Feste Fehmarnbeltquerung raumordnerisch offen lässt</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Feste Fehmarnbeltquerung ist das größte laufende Infrastrukturprojekt Nordeuropas: ein 18,2 Kilometer langer Absenktunnel unter der Ostsee, der die schleswig-holsteinische Insel Fehmarn mit der dänischen Insel Lolland verbindet und damit eine der letzten großen Lücken im Transeuropäischen Verkehrsnetz (TEN-V) auf der Skandinavisch-Mediterranen Achse schließt. Was in den Medien überwiegend als Ingenieursleistung verhandelt wird, ist aus raumordnerischer und planungskultureller Sicht jedoch mindestens ebenso bemerkenswert: Zwei Länder mit grundlegend unterschiedlichen Planungstraditionen organisieren gemeinsam einen infrastrukturellen Transformationsprozess, dessen Folgen für die Grenzregion bis heute unvollständig antizipiert sind.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wer plant, wer baut, und wer trägt die Folgen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Staatsvertrag zwischen Deutschland und Dänemark vom 3. September 2008 hat die Verantwortlichkeiten klar verteilt: Das Königreich Dänemark ist für Planung, Bau, Finanzierung und Betrieb des Tunnels sowie den Ausbau der dänischen Hinterlandanbindung auf Lolland zuständig. Die Bundesrepublik Deutschland garantiert die landseitige Straßen- und Schienenanbindung auf deutschem Hoheitsgebiet. In der Praxis bedeutet das: Femern A/S, eine staatliche dänische Gesellschaft innerhalb der Sund und Bælt Holding, treibt das Projekt seit Jahren mit erheblicher Entscheidungsgeschwindigkeit voran, während die deutsche Hinterlandanbindung wiederholt Verzögerungen erlebte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Eisenbahn-Bundesamt hat 2025 festgestellt, dass die DB InfraGO die Schienenanbindung Lübeck–Puttgarden nicht bis 2029 realisieren kann. Die neue Einschätzung nennt 2032 als realistischen Eröffnungstermin. Gleichzeitig sind die Kosten für den neuen Fehmarnsundtunnel, der die historische Fehmarnsundbrücke von 1963 ergänzen soll, laut einer Einschätzung des Eisenbahn-Bundesamtes vom Oktober 2025 von ursprünglich 714 Millionen Euro auf rund 2,3 Milliarden Euro gestiegen. Der Fehmarnbelttunnel selbst soll nach aktueller Planung 2031 in Betrieb gehen; das erste Tunnelelement soll im Frühjahr 2026 abgesenkt werden. Was das für die Planungsregion Ostholstein bedeutet, ist eine offene Frage.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Kreis Ostholstein ist in einem besonderen Maß betroffen. Die Entwicklungsgesellschaft Ostholstein mbH (EGOH) koordiniert seit Jahren die wirtschaftliche Begleitung des Projekts auf deutscher Seite. Das Fehmarnbelt-Komitee, ein grenzübergreifendes dänisch-deutsches Koordinierungsgremium mit 34 Mitgliedern aus Politik, Kommunen, Tourismus, Naturschutz, Bildung und Wirtschaft, übernimmt politische Lobbyarbeit und initiiert gemeinsame Projekte. Der Vorsitz wechselt jährlich zwischen dem Landrat des Kreises Ostholstein und dem Bürgermeister der Lolland Kommune. Das ist grenzüberschreitende Planungskultur in ihrer pragmatischsten Form: informell organisiert, aber institutionell verankert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Raumordnungsfolgen bleiben bisher unterbelichtet?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die öffentliche Debatte über die Fehmarnbeltquerung konzentriert sich auf Baufortschritt, Kosten und Reisezeitgewinn. Der Zug von Puttgarden nach Rødbyhavn wird künftig sieben Minuten dauern, das Auto braucht zehn Minuten. Was weniger diskutiert wird: Welche Siedlungsentwicklung, welche Nutzungsdichten und welche Planungskulturen folgen daraus auf beiden Seiten des Belts? Auf lolländischer Seite entstehen rund 300 Hektar neues Land durch Landgewinnung aus dem Meeresbodenaushub. Das ist eine raumplanerische Aufgabe von erheblichem Maßstab, die in Dänemark von der Region Sjælland in enger Abstimmung mit der Lolland Kommune verantwortet wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf deutscher Seite ist die Situation komplexer. Die Bahnstrecke Lübeck–Puttgarden ist seit dem 31. August 2022 für den Personenverkehr eingestellt, um den zweigleisigen Neubau zu ermöglichen. Fehmarn ist damit für Jahre ohne direkten Bahnanschluss. Gleichzeitig laufen die Erdarbeiten für die künftige Autobahn E 47 auf dem Inselabschnitt. Der Landesentwicklungsplan Schleswig-Holstein (LEP SH 2021) enthält zwar Grundsätze zur Raumordnung im Bereich großflächiger Infrastrukturmaßnahmen, eine spezifische raumordnerische Folgenbetrachtung für die Fehmarnbelt-Region auf Ebene der Regionalplanung ist jedoch nicht in vergleichbarer Tiefe dokumentiert wie etwa bei der Öresundquerung zwischen Malmö und Kopenhagen, die dort als Impuls für eine gezielte Stadtentwicklungspolitik auf beiden Seiten genutzt wurde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Dialogforum Feste Fehmarnbeltquerung, das die Landesregierung Schleswig-Holstein 2011 als Beteiligungsformat einberufen hat, leistet wichtige Arbeit bei der Begleitung des Bauprozesses und der Kommunikation mit der Bevölkerung. Es ist jedoch kein Raumordnungsinstrument im Sinne des Raumordnungsgesetzes (ROG 2023) des Bundes, das eine verbindliche Abwägung raumordnerischer Belange ermöglichen würde. Das Raumordnungsverfahren für die Schienenhinterlandanbindung wurde zwar 2010 eingeleitet und 2014 abgeschlossen; eine integrierte grenzüberschreitende Raumordnungsstrategie für die Fehmarnbelt-Region fehlt dagegen bis heute.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das für die Planungskultur in Grenzregionen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Fehmarnbeltquerung ist kein Einzelfall. Im DACH-Raum zeigen Projekte wie der Brennerbasistunnel zwischen Österreich und Italien oder die Magistrale Paris–Budapest ähnliche Muster: Die Infrastruktur wird gebaut, bevor die raumordnerischen Rahmenbedingungen beidseitig konsequent entwickelt sind. Der Unterschied beim Fehmarnbelt liegt in der binationalen Asymmetrie. Dänemark hat das Projekt von Anfang an als eigenständiges nationales Infrastrukturprojekt behandelt, mit einer eigenen Finanzierungslogik über Nutzergebühren. Deutschland hat es als Hinterlandanbindung klassifiziert und entsprechend fragmentiert verantwortet: Bund für die Bahn, DEGES für die B 207, Land Schleswig-Holstein als Planfeststellungsbehörde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese institutionelle Fragmentierung ist kein deutsches Versagen, sondern ein strukturelles Merkmal föderaler Planungssysteme. Sie erklärt, warum Kostenanstiege wie der des Fehmarnsundtunnels von 714 Millionen auf 2,3 Milliarden Euro ohne substanzielle öffentliche Raumordnungsdebatte stattfinden. Es wäre die Aufgabe einer integrierten grenzüberschreitenden Regionalplanung, solche Entwicklungen frühzeitig zu benennen und in eine Gesamtstrategie für die Fehmarnbelt-Region einzubetten. Ansätze dazu gibt es: INTERREG-Projekte, das Fehmarnbelt-Komitee, die EGOH. Was fehlt, ist ein verbindliches raumordnerisches Instrument, das beide Seiten des Belts in ein gemeinsames Leitbild überführt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten, Stadtplanerinnen und Stadtplaner, die in Ostholstein oder auf Lolland tätig sind, bedeutet das: Die normativen Rahmenbedingungen werden sich innerhalb der nächsten zehn Jahre grundlegend verändern. Verkehrsströme, Grundstücksnachfragen, touristische Nutzungsintensitäten und Wohnbaubedarfe werden sich verschieben. Wer jetzt plant, plant ohne abgesicherte Prognosegrundlage. Das ist kein Argument gegen das Projekt, aber ein starkes Argument dafür, die raumordnerische Begleitung endlich auf die Höhe der Baugeschwindigkeit zu bringen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/fehmarnbelt-querung-ein-infrastrukturprojekt-ohne-ausreichende-raumordnungsstrategie/">Fehmarnbelt-Querung: Ein Infrastrukturprojekt ohne ausreichende Raumordnungsstrategie</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Neues Bauordnungsrecht im Norden: HBauO Hamburg und LBO Schleswig-Holstein im Vergleich</title>
		<link>https://baukunst.art/neues-bauordnungsrecht-im-norden-hbauo-hamburg-und-lbo-schleswig-holstein-im-vergleich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 16:57:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bauordnungsrecht Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Genehmigungsfreistellung]]></category>
		<category><![CDATA[HBauO]]></category>
		<category><![CDATA[Holzbau]]></category>
		<category><![CDATA[LBO Schleswig-Holstein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>HBauO Hamburg und LBO Schleswig-Holstein: Zwei Nordländer reformieren ihr Baurecht gleichzeitig. Was das für Planende, Holzbau und den Wohnungsbau bedeutet.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="font-weight: 400;"><strong>baukunst.art</strong></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Regionales | Nord</em></p>
<h1>Genehmigungsfreistellung, Holzbauöffnung und digitale Baugenehmigung: Zwei Nordländer novellieren ihr Bauordnungsrecht</h1>
<p style="font-weight: 400;">Bauordnungsrecht ist Ländersache – und genau darin liegt das Problem wie auch die Chance: Während der Bund mit dem Baugesetzbuch (BauGB) den planungsrechtlichen Rahmen setzt, entscheiden sechzehn Landesbauordnungen darüber, wie auf dem Grundstück gebaut, verfahrensrechtlich genehmigt und konstruktiv ausgeführt werden darf. Zum Jahresbeginn 2026 hat Hamburg diesen Rahmen neu gezogen. Mit der Neufassung der Hamburgischen Bauordnung (HBauO), in Kraft seit dem 1. Januar 2026, setzt die Hansestadt bundesweit ein Signal – und lässt das benachbarte Schleswig-Holstein vergleichend betrachten.</p>
<h2>Zwei Reformen, ein Ziel: Beschleunigen ohne zu vereinfachen?</h2>
<p style="font-weight: 400;">Hamburgs Neufassung der HBauO ist das Ergebnis eines längeren Abstimmungsprozesses. Der Senat hatte der Neufassung am 29. Oktober 2024 zugestimmt, die Bürgerschaft am 27. November 2024. Die Kernbotschaft: Bauen soll schneller, günstiger und weniger bürokratisch werden. Der wohl weitreichendste Schritt ist die Einführung einer Genehmigungsfreistellung für kleinere Wohngebäude. Einfamilienhäuser, Doppelhäuser, Reihenhäuser und kleinere Mehrfamilienhäuser, die im Bereich eines qualifizierten Bebauungsplans liegen und das Baurecht vollständig einhalten, müssen künftig nur noch angezeigt werden. Einen Monat nach Einreichung der Bauvorlagen darf mit dem Bau begonnen werden. Eine Baugenehmigung im klassischen Sinne entfällt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Das ist architektonisch und rechtsstaatlich ein bedeutsamer Schritt. Die Verantwortung für die Einhaltung öffentlich-rechtlicher Vorschriften verschiebt sich spürbar in Richtung der Bauherrinnen und Bauherren sowie der Entwurfsverfassenden. Wer als Architektin oder Architekt ein Wohngebäude in Hamburg plant, trägt in Zukunft noch mehr Verantwortung als bisher. Die Haftungsfrage bei Abweichungen vom Bebauungsplan, die erst nach Baubeginn erkannt werden, ist eine praxisrelevante Neuerung, die in der Hamburgischen Architektenkammer intern diskutiert wird.</p>
<p style="font-weight: 400;">Parallel dazu hat Schleswig-Holstein am 5. Juli 2024 eine neue Landesbauordnung (LBO S-H) in Kraft gesetzt. Auch hier stand die Beschleunigung im Zentrum: Genehmigungsfiktion nach § 72 Abs. 1a LBO S-H, also die automatische Genehmigung nach Fristablauf von drei Monaten im vereinfachten Genehmigungsverfahren, war eines der politischen Leitprojekte. Das Schriftformerfordernis entfiel, digitale Einreichung wurde ermöglicht. Bestandsschutz und Höchstmaße wurden angepasst, so beträgt die lichte Mindestraumhöhe nach § 47 Abs. 1 LBO S-H nun einheitlich 2,30 m.</p>
<h2>Was ändert sich konkret für den Holzbau in Norddeutschland?</h2>
<p style="font-weight: 400;">Die Frage nach dem Holzbau ist in beiden Ländern eng mit dem Brandschutz verknüpft. Die Muster-Holzbau-Richtlinie (MHolzBauR), die die Bauministerkonferenz (BMK) am 24. Oktober 2024 nach dreijährigen Verhandlungen einstimmig verabschiedet hat, erweitert den Anwendungsbereich auf Standardgebäude der Gebäudeklassen 4 und 5. Größere Mehrfamilienhäuser bis zur Hochhausgrenze dürfen künftig in Holztafelbauweise errichtet werden, wenn die brandschutztechnischen Anforderungen erfüllt sind. Die EU-Kommission muss noch zustimmen; eine Übernahme in das Landesrecht steht in beiden Nordländern damit noch aus.</p>
<p style="font-weight: 400;">Hamburg hat in der neuen HBauO Brandschutzanforderungen für Solaranlagen gelockert und Erleichterungen für den klimaneutralen Holzbau vorbereitet. Schleswig-Holstein hatte bereits in seiner Novelle von 2024 ausdrücklich auf Erleichterungen für den Holzbau hingewiesen, um klimaneutrales Bauen voranzubringen, wie das Innenministerium in Kiel kommunizierte. Beide Länder folgen damit einem norddeutschen Trend, der auf ressourcenschonende Konstruktionsweisen setzt – strukturell aber noch auf die Umsetzung der MHolzBauR in Landesrecht wartet.</p>
<p style="font-weight: 400;">Aus fachlicher Perspektive bleibt ein kritischer Befund: Die Deregulierung der Genehmigungsverfahren ändert nichts an den materiellen Anforderungen. § 3 HBauO und der gleichlautende § 3 LBO S-H verlangen nach wie vor, dass bauliche Anlagen so beschaffen sein müssen, dass die öffentliche Sicherheit und Ordnung, insbesondere Leben, Gesundheit und die natürlichen Lebensgrundlagen, nicht gefährdet werden. Die Verantwortungsverschiebung vom Amt zur Planerschaft ist politisch gewollt; ob sie qualitätssichernd wirkt, wird die Praxis der nächsten Jahre zeigen müssen. Erfahrungen aus Bayern, das die Genehmigungsfreistellung für kleinere Wohngebäude bereits früher eingeführt hat, mahnen zur Vorsicht: Mangelhafte Ausführungen, die erst nach Bezug entdeckt werden, belasten letztlich Eigentümerinnen und Eigentümer sowie die Gemeinden.</p>
<h2>Digitale Baugenehmigung als nordisches Gemeinschaftsprojekt</h2>
<p style="font-weight: 400;">Ein konkreter Fortschritt liegt in der Digitalisierung. Hamburg startete zum 1. Januar 2026 den länderübergreifenden Onlinedienst Digitale Baugenehmigung, der auf einer bundesweit genutzten Plattform basiert. Architektinnen und Architekten, Bauherrinnen und Bauherren sowie Fachplanende können Anträge gemeinsam bearbeiten, Unterlagen digital nachreichen und direkt mit der Bauaufsichtsbehörde kommunizieren. Schleswig-Holstein hatte in seiner LBO-Novelle 2024 das Wegfallen des Schriftformerfordernisses als Grundlage für die digitale Einreichung verankert und Pilotbehörden benannt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die norddeutsche Kooperation im Baurecht, konkret im Rahmen des Bauindustrieverbandes Hamburg Schleswig-Holstein, sieht in dieser Annäherung ein positives Signal. Für bundesweit tätige Büros, die in beiden Ländern Projekte realisieren, bedeutet die steigende Harmonisierung mit der Musterbauordnung (MBO) eine spürbare Arbeitserleichterung.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die entscheidende Frage lautet, ob Deregulierung allein Wohnraum schafft. Hamburg plant weiterhin 10.000 neue Wohnungen jährlich. Die neue HBauO soll dabei Beschleuniger sein. Ob das gelingt, hängt nicht allein vom Bauordnungsrecht ab, sondern auch von Grundstücksverfügbarkeit, Finanzierungskosten und der Kapazität der planenden Büros. Die Bauordnungsnovellen im Norden sind handwerklich solide. Was fehlt, ist ein struktureller Ansatz, der Planungskultur, Förderprogramme und bauliche Qualität gleichermassen adressiert.</p>
<p style="font-weight: 400;">
<p style="font-weight: 400;">
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		<title>Neue Oper Hamburg: BIG und der Wettbewerb für Opernhaus am Baakenhöft in der HafenCity</title>
		<link>https://baukunst.art/neue-oper-hamburg-big-und-der-wettbewerb-fuer-opernhaus-am-baakenhoeft-in-der-hafencity/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 17:05:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Baakenhöft Oper Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[BIG Architektur HafenCity]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Hamburger Staatsoper]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hamburgs nächstes architektonisches Jahrhundertbauwerk: BIG entwirft eine begehbare Dachlandschaft am Baakenhöft. Doch gebaut ist noch nichts.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Schallwellen am Wasser: Die neue Hamburger Staatsoper von BIG</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Elbphilharmonie und Elbtower: Ein neuer Anker für die HafenCity</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hamburg hat einen Hang zum architektonischen Großprojekt. Die Elbphilharmonie hat das bewiesen, mit all ihren Kosten, Verzögerungen und am Ende doch unbezweifelbarem Triumph. Nun nächster Akt: Auf dem Baakenhöft, einer Halbinsel im Herzen der HafenCity, soll ein neues Opernhaus der Hamburgischen Staatsoper entstehen, das nicht weniger als Weltrang beansprucht. Das Kopenhagener Architekturbüro Bjarke Ingels Group, kurz BIG, hat im November 2025 das internationale Qualifizierungsverfahren für diesen Bau gewonnen, und zwar einstimmig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Fünf Büros waren eingeladen, darunter gmp International aus Hamburg mit Diller Scofidio &amp; Renfro aus New York, Snøhetta aus Oslo, Sou Fujimoto aus Tokio und Paris sowie Studio PFP aus Hamburg. BIG setzte sich gegen diese hochkarätige Konkurrenz durch mit einem Entwurf, der in seiner Bildsprache sofort verfängt: ein spiralförmig gestaffeltes Gebäude aus konzentrischen Terrassen, bepflanzt mit einheimischen Gehölzen und Gräsern, rundum begehbar, allseitig zur Elbe und zur Stadt geöffnet. Bei Nacht leuchten die weit ausladenden Dachzungen von unten und erinnern an eine sich öffnende Blüte. Bjarke Ingels selbst beschreibt den Entwurf als eine Landschaft, die sich wie Schallwellen von einem zentralen musikalischen Kern ausbreitet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein öffentliches Gebäude, das tatsächlich öffentlich ist</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was BIGs Konzept von vielen Opernhausprojekten unterscheidet, ist der Anspruch, keinen hermetischen Kulturtempel zu bauen. Das Gebäude mit rund 45.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche soll der Hamburgischen Staatsoper, dem Hamburg Ballett und dem Philharmonischen Staatsorchester ein zeitgemäßes Zuhause bieten, gleichzeitig aber ein dreidimensionaler öffentlicher Park sein, zugänglich für alle, unabhängig von Eintrittskarten. Besucherinnen und Besucher können die spiralförmige Dachlandschaft erkunden, Blicke über die HafenCity, den alten Hafen, den Lohsepark und die Innenstadt genießen und dabei durch Glasfassaden in Probenräume, Bühnenbereich und Foyer schauen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Inneren organisiert der Hauptsaal mit gekrümmten, geschichteten Holzbalkonreihen sowohl die Akustik als auch die Sichtlinien. Studiobühne, Probenflächen und technische Bereiche gruppieren sich kompakt dahinter. Das Foyer fungiert als verbindende öffentliche Zone, von der Holztreppen in die oberen Ebenen und auf die Außenterrassen führen. Die Jury attestierte dem Entwurf eine erfolgreiche Symbiose aus hervorragenden Bedingungen für ein Opernhaus und einem aufregenden Wahrzeichen für alle Hamburgerinnen und Hamburger.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wer zahlt was: Die Finanzierungskonstruktion</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Februar 2025 unterzeichneten die Stadt Hamburg und die Kühne-Stiftung, gegründet vom Milliardär und Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne, einen Vertrag über den Opernneubau. Die Grundkonstruktion ist ungewöhnlich: Die Stiftung trägt den Hauptteil der Baukosten, während die Stadt einen gedeckelten Zuschuss von 147,5 Millionen Euro für standortspezifische Mehrkosten übernimmt, darunter aufwändige Gründungsarbeiten auf der Hafenhalbinsel und die erforderlichen Flutschutzanlagen. Nach Fertigstellung gehen Gebäude und die Stiftungsanteile an der Projektgesellschaft als Schenkung an die Stadt Hamburg über.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Umsetzung wurde die HSO Projekt gGmbH gegründet, an der neben der Stiftung auch die Stadt und die Hamburgische Staatsoper beteiligt sein sollen, sofern die Hamburgische Bürgerschaft zustimmt. Aus stadtplanerischer Perspektive schlägt dieses Modell eine Brücke zwischen privatem Mäzenatentum und öffentlicher Infrastruktur: Kein Steuergeld für den eigentlichen Bau, aber die Stadt erhält am Ende ein fertiges Opernhaus als Schenkung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was noch offen ist: Der lange Weg zum Spatenstich</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Wettbewerbsgewinn ist kein Baubeschluss. Das muss an dieser Stelle klar gesagt werden. Der BIG-Entwurf wird nun in einem voraussichtlich zweijährigen Planungsprozess in enger Abstimmung zwischen Stiftung, Stadt und Staatsoper weiterentwickelt und konkretisiert. Erst am Ende dieser vertieften Vorplanung und nach einer belastbaren Kostenschätzung wird die Kühne-Stiftung endgültig über die Realisierung entscheiden. Kein Termin für Baubeginn, kein Eröffnungsdatum: Stand Februar 2026 gibt es keine öffentlich kommunizierten Zeitpunkte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Erfahrene Planungspraktiker und Planungspraktikerinnen werden sich an die frühen Phasen der Elbphilharmonie erinnern, wo Visualisierungen die Realität jahrelang weit vorauseilten. Das schafft keine Skepsis, nur Nüchternheit: Großbauten in exponierter Hamburger Wasserlage sind kompliziert, teuer und immer wieder für Überraschungen gut. Die Stiftung hat sich mit dem Vorbehalt der abschließenden Kostenschätzung eine Notbremse eingebaut, die stadtplanerisch verständlich, für den Kulturbetrieb aber ein nervenzehrendes Damoklesschwert ist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Dammtorstraße und HafenCity: Was auf dem Spiel steht</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Neubau soll das bisherige Opernhaus an der Dammtorstraße ersetzen, einen Bau aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, der den Anforderungen zeitgemäßer Bühnentechnik, Akustik und Barrierefreiheit längst nicht mehr genügt. Die Hamburgische Staatsoper, das Hamburg Ballett und das Philharmonische Staatsorchester brauchen dringend zeitgemäße Arbeitsverhältnisse. Intendant Tobias Kratzer beschrieb den BIG-Entwurf als Gebäude, das sich in vollen 360 Grad zur Stadt hin öffnet und in seiner architektonischen Form verkörpert, wofür die Staatsoper auch künstlerisch steht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Baakenhöft liegt zwischen der Elbphilharmonie im Westen und dem im Bau befindlichen Elbtower im Osten. Ein neues Opernhaus an dieser Stelle würde die Kulturachse der HafenCity schließen und einen dritten öffentlichen Ankerpunkt neben den beiden Hochpunkten schaffen. Städtebaulich wäre das eine konsequente Erweiterung des Hamburger Kulturraums ans Wasser. Oberbaudirektor Franz-Josef Höing sprach von einem spektakulären Ort und einer einmaligen Aufgabe.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein doppelter Anspruch, der eingelöst werden muss</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">BIGs Architektur stellt einen hohen Anspruch: Sie will gleichzeitig welttaugliche Operninfrastruktur und niedrigschwelliger Stadtpark sein. Das ist kein Widerspruch, aber eine Herausforderung in der Umsetzung. Begrünung auf Dachflächen und öffentliche Terrassen in Hafennähe bedeuten erheblichen Pflegeaufwand, hohe technische Anforderungen an die Abdichtung und an den Umgang mit Salznebel und Wind. Die einheimischen Gehölze, die auf den Dachterrassen wachsen sollen, werden weit mehr kosten als ihr bildschönes Versprechen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichwohl: Wenn dieser Bau so realisiert wird, wie BIG ihn skizziert hat, wird Hamburg ein weiteres Stadtzeichen bekommen, das weit über die Stadt hinaus Aufmerksamkeit erzeugt. Die Frage, ob Hamburgs nächstes großes Projekt wieder eine Erfolgsgeschichte schreiben kann oder erneut in den Untiefen von Kosten und Terminen versinkt, lässt sich heute nicht beantworten. Das Qualifizierungsverfahren ist gewonnen. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/neue-oper-hamburg-big-und-der-wettbewerb-fuer-opernhaus-am-baakenhoeft-in-der-hafencity/">Neue Oper Hamburg: BIG und der Wettbewerb für Opernhaus am Baakenhöft in der HafenCity</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Hamburgs Bornplatzsynagoge: Wiederaufbau als Akt der Stadtreparatur und des kollektiven Gedächtnisses</title>
		<link>https://baukunst.art/hamburgs-bornplatzsynagoge-wiederaufbau-als-akt-der-stadtreparatur-und-des-kollektiven-gedaechtnisses/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 16:48:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bornplatzsynagoge]]></category>
		<category><![CDATA[jüdisches Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Rekonstruktion]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15351</guid>

					<description><![CDATA[<p>Hamburg plant den Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge. Ein Siegerentwurf liegt vor. Was das für die Stadtgesellschaft bedeutet.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/hamburgs-bornplatzsynagoge-wiederaufbau-als-akt-der-stadtreparatur-und-des-kollektiven-gedaechtnisses/">Hamburgs Bornplatzsynagoge: Wiederaufbau als Akt der Stadtreparatur und des kollektiven Gedächtnisses</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Eine Leerstelle hört auf zu schweigen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Joseph-Carlebach-Platz im Hamburger Grindelviertel erzählen dunkle Granitsteine seit Jahrzehnten von einem Verbrechen. Dort, wo einst die Bornplatzsynagoge stand, das größte jüdische Gotteshaus Norddeutschlands mit 1.200 Plätzen, gibt es nur noch Pflaster und Schweigen. 1908 eingeweiht, 1938 in der Reichspogromnacht geschändet und geplündert, 1939 auf Befehl der Nationalsozialisten abgerissen. Nun soll diese schmerzende Leerstelle Geschichte werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mitte September 2025 stellte die Stiftung Bornplatzsynagoge gemeinsam mit dem Hamburger Senat den Siegerentwurf des Architekturwettbewerbs vor: Das Büro Schulz und Schulz aus Leipzig, ergänzt durch Haberland Architekten aus Berlin und POLA Landschaftsarchitekten, überzeugte eine 27-köpfige Jury einstimmig. Die Botschaft ist eindeutig: Hamburg baut, was die Nationalsozialisten zerstört haben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Rekonstruktion mit Haltung: Backstein, Neoromanik und eine gläserne Kuppel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Entwurf orientiert sich eng am historischen Original. Rund 40 Meter hoch, in neoromanischem Stil, aus Backstein gefertigt, mit historischen Ziegeln aus der Bauzeit der alten Synagoge. Wer nur flüchtig hinschaut, sieht das Gebäude von 1908 wiedererstehen. Wer genauer hinsieht, entdeckt den eigentlichen architektonischen Kommentar: die gläserne Kuppel.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wo das Original eine massive Steinkuppel hatte, setzt der neue Entwurf auf Transparenz. Daniel Scheffer, Vorsitzender der Stiftung Bornplatzsynagoge, nannte die gläserne Kuppel einen &#8218;Superlativ&#8216;, der für Offenheit stehe. Andererseits ermöglicht die historisierte Fassade, so Scheffer, die &#8218;Verbindung zur Vergangenheit, zu unseren Vorfahren, zu unserer Geschichte&#8216;. Dieser Doppelcharakter ist kein Widerspruch, sondern das eigentliche Kunststück des Entwurfs: Erinnerung und Zukunft in einem einzigen Gebäude.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Um die Hauptsynagoge herum sind vier weitgehend nüchtern gehaltene Nebengebäude geplant. Sie werden die Gemeindeverwaltung, Wohnungen, eine kleine Bibliothek, ein Café sowie eine Reformsynagoge für das liberale Judentum beherbergen. Oberbaudirektor Franz-Josef Höing lobte die &#8218;feingliedrige, differenzierte&#8216; Architektur, die &#8218;an die Materialität und Maßstäblichkeit der Nachbarschaft&#8216; anknüpfe. Eine Stadtreparatur, nannte er das, und der Begriff trifft es gut.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Offenheit als politisches Programm: keine Zäune</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer am Tag der Präsentationsveranstaltung in der Joseph-Carlebach-Schule an den Granitsteinmarkierungen vorbeikam, musste zuvor Polizisten mit Maschinenpistolen passieren, Sicherheitsschleusen durchqueren und einen hohen Metallzaun überwinden. Diese Realität jüdischen Lebens in Deutschland im Jahr 2025 könnte kaum deutlicher mit dem Anspruch des geplanten Neubaus kollidieren: Die Bornplatzsynagoge soll ohne Zäune auskommen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Allein im ersten Halbjahr 2025 wurden in Hamburg 48 antisemitische Straftaten registriert. Im Sommer wurde der Hamburger Antisemitismusbeauftragte Stefan Hensel in der Stadt attackiert. Im schleswig-holsteinischen Flensburg erteilte ein Ladenbesitzer Jüdinnen und Juden per Plakat ein &#8218;Hausverbot&#8216;. Der Antisemitismus ist nah.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dennoch hält die Jüdische Gemeinde Hamburg am Konzept &#8218;offen&#8216; fest. Als Vorbild dient das Jüdische Zentrum in München, das ebenfalls auf Zaunanlagen verzichtet. Stattdessen sind im Inneren Sicherheitsschleusen geplant. Philipp Stricharz, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, betonte, der Entwurf balanciere &#8218;Offenheit einerseits und notwendige Prävention andererseits&#8216;. Das ist keine naive Haltung, sondern ein bewusster politischer Akt: Jüdisches Leben gehört in diese Stadt, nicht hinter Zäune.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lange Vorgeschichte, offener Zeitplan</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Pläne zum Wiederaufbau existieren seit Jahren. Senat, Bürgerschaft und Bund unterstützen das Vorhaben. Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit brachte die Haltung Hamburgs auf eine Formel: Die Antwort auf die Frage nach den Kosten könne &#8218;whatever it takes&#8216; lauten, &#8217;natürlich mit Augenmaß&#8216;. Konkrete Zahlen nennt niemand. Auch ein Baubeginn ist nicht datierbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zunächst muss ein Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg abgerissen werden, der den südlichen Teil des Platzes begrenzt und heute noch von der Universität Hamburg genutzt wird. Dazu laufen Absprachen mit der Wissenschaftsbehörde, der Universität und dem Bezirk. Erst nach dem Bunkerabriss folgt die Fachplanung, dann die Ausschreibung. Der Bund hat seit 2020 bereits 13 Millionen Euro beigesteuert. Die eigentlichen Baukosten sind noch völlig offen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei Ausgrabungen am Bornplatz wurden Fundstücke der alten Synagoge geborgen. Sie sollen künftig im Neubau ausgestellt werden, eine stille, materielle Klammer zwischen Vergangenheit und Gegenwart.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was dieser Wiederaufbau über Architektur hinaus bedeutet</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bornplatzsynagoge ist kein Sonderfall innerhalb der deutschen Rekonstruktionsdebatte. Sie steht in einer Reihe mit dem Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche, der Frankfurter Altstadt oder des Berliner Stadtschlosses. Immer wieder streitet die Republik darüber, ob und wie man Verlorenes zurückbauen kann, ob Rekonstruktion Erinnerung schafft oder verharmlost.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Fall der Bornplatzsynagoge ist die Antwort der Bauherrschaft klar formuliert. Daniel Scheffer nennt den Wiederaufbau &#8218;den Sieg der Demokratie und des jüdischen Lebens vor der Barbarei der Nazis&#8216;. Das ist eine große Behauptung für ein Gebäude, das noch nicht einmal im Grundriss steht. Aber es ist auch der einzige sinnvolle Maßstab für ein Projekt, das nicht bloß Lücken im Stadtbild schließt, sondern Lücken in der Stadtgesellschaft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektur von Schulz und Schulz mit Haberland Architekten und POLA Landschaftsarchitekten liefert dafür den richtigen Rahmen: nicht bloß Kulisse der Erinnerung, sondern lebendiger Ort. Ein kleines Quartier soll entstehen, mit Café, Bibliothek, Wohnungen, Reformsynagoge. Eine Einladung, nicht nur an die Jüdische Gemeinde Hamburgs, sondern an die gesamte Stadtgesellschaft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob dieser Anspruch in einigen Jahren eingelöst wird, hängt nicht allein von der Architektur ab. Die gläserne Kuppel mag für Transparenz stehen. Den Test auf Offenheit besteht Hamburg erst dann, wenn das Gebäude steht, die Zäune tatsächlich fehlen und das Leben dahinter höher geht als die Pflastersteine, die jetzt noch allein erzählen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/hamburgs-bornplatzsynagoge-wiederaufbau-als-akt-der-stadtreparatur-und-des-kollektiven-gedaechtnisses/">Hamburgs Bornplatzsynagoge: Wiederaufbau als Akt der Stadtreparatur und des kollektiven Gedächtnisses</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Elbtower Hamburg: Naturkundemuseum rettet Bauruine für 595 Millionen Euro</title>
		<link>https://baukunst.art/elbtower-hamburg-naturkundemuseum-rettet-bauruine-fuer-595-millionen-euro/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Jan 2026 13:00:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Elbtower]]></category>
		<category><![CDATA[Evolutioneum]]></category>
		<category><![CDATA[Naturkundemuseum Hamburg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit der Ansiedlung des neuen Hamburger Naturkundemuseums im Elbtower rettet die Stadt die Bauruine. Doch es gibt Zweifel, ob das wirklich die günstigste Variante ist.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/elbtower-hamburg-naturkundemuseum-rettet-bauruine-fuer-595-millionen-euro/">Elbtower Hamburg: Naturkundemuseum rettet Bauruine für 595 Millionen Euro</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der kurze Olaf und sein langes Erbe</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was als städtebauliches Ausrufezeichen für die HafenCity gedacht war, steht seit Oktober 2023 als 100 Meter hoher Betonrumpf an den Elbbrücken. Der Elbtower, einst das Prestigeprojekt des damaligen Bürgermeisters Olaf Scholz und des österreichischen Investors René Benko, sollte mit 245 Metern das höchste Gebäude Norddeutschlands werden. David Chipperfield hatte einen eleganten Turm entworfen, der das östliche Eingangstor zur Innenstadt markieren sollte. Nach dem früheren Bürgermeister und Fürsprecher des Projekts wird der Elbtower im Volksmund „der kurze Olaf&#8220; genannt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Realität sieht ernüchternder aus. Nach der spektakulären Pleite der Signa Holding im Herbst 2023 stellte die Baufirma Lupp ihre Arbeiten ein. Signa Prime hatte fällige Rechnungen in Höhe von 37 Millionen Euro seit dem Sommer nicht mehr bezahlt. Benko, einst einer der schillerndsten Immobilieninvestoren Europas, sitzt seit Januar 2025 in Untersuchungshaft in Wien. Sein Hamburger Vermächtnis: eine Bauruine, die täglich Fragen aufwirft.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Naturkundemuseum als Rettungsanker</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Oktober 2025 präsentierte Bürgermeister Peter Tschentscher die vermeintliche Lösung. Die Stadt Hamburg will die unteren zwölf Stockwerke des Elbtowers kaufen und dort auf 46.000 Quadratmetern Fläche das Naturkundemuseum der Leibniz Gemeinschaft einziehen lassen. Das entspricht etwa 48 Prozent der Gesamtfläche des nunmehr gekürzten Turms. Der Festpreis: 595 Millionen Euro.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Finanzsenator Andreas Dressel argumentiert mit einer Kosten Nutzen Analyse. Ein Neubau für das Naturkundemuseum würde laut Stadt 824 Millionen Euro kosten, rund 230 Millionen mehr als der Einstieg in den Elbtower. Zudem wäre das Museum im Elbtower rund fünf Jahre früher fertig, möglicherweise schon 2029. Die Argumentation klingt bestechend. Doch sie hat Lücken.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Museum in der Bauruine: Die kritischen Fragen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung für den Elbtower als Museumsstandort wirft städtebauliche und architektonische Grundsatzfragen auf. Kann ein als Büro und Hotelhochhaus konzipiertes Gebäude ohne Weiteres zum Forschungsmuseum mit Sammlungsflächen umfunktioniert werden? Die Grundrisse eines Hochhauses folgen anderen Logiken als die eines Museums, das Besucherströme lenken, Exponate inszenieren und wissenschaftliche Sammlungen mit über zehn Millionen Objekten aufbewahren soll.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Matthias Glaubrecht, wissenschaftlicher Projektleiter des neuen Museums, zeigt sich zuversichtlich, dass die räumlichen Strukturen flexibel genug sind. Doch Flexibilität ist in der Architektur oft ein Euphemismus für Kompromisse. Das historische Naturhistorische Museum am Steintorwall, das 1943 zerstört wurde, war ein wilhelminischer Prachtbau mit großzügigem Innenhof, umlaufenden Galerien und freitragenden Brücken. Es war einst das zweitgrößte Naturkundemuseum Deutschlands und das meistbesuchte. Der Vergleich mit einem adaptierten Hochhaus Sockel fällt ernüchternd aus.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn der Boden nachgibt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mindestens ebenso beunruhigend sind die bautechnischen Probleme. Im April 2025 wurde bekannt, dass der Elbtower durch Mitnahmesetzungen gravierende Schäden am Bahnhof Hamburg Elbbrücken verursacht hat. Das Gewicht des Rohbaus hat den Boden in der Umgebung absenken lassen, mit spürbaren Auswirkungen auf die Bahninfrastruktur. Die Setzungen im Bereich der Eisenbahnbrücke waren so groß, dass bereits Teile ausgetauscht werden mussten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Hamburger Bauaufsicht verhängte daraufhin ein Bauverbot bis mindestens März 2026. Der Weiterbau ist nur möglich, wenn die Schäden an der Bahnstrecke vollständig beseitigt und geeignete Maßnahmen zur Stabilisierung des Untergrunds durchgeführt wurden. Die Deutsche Bahn hatte bereits 2021 Widerspruch gegen die Baugenehmigung eingelegt. Sie befürchtete, dass durch das Gewicht des Wolkenkratzers Schäden an ihren Anlagen sowie Betriebsstörungen entstehen könnten. Diese Befürchtungen haben sich bewahrheitet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der gebrochene Schwur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die politische Dimension der Entscheidung wiegt schwer. Bürgermeister Tschentscher hatte nach der Signa Pleite mehrfach betont, dass sich die Stadt nicht finanziell am Elbtower beteiligen werde. CDU Fraktionschef Dennis Thering sprach von einem Wortbruch und einer Schocksumme von 595 Millionen Euro für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Auch der Bund der Steuerzahler kritisiert die geplante Investition in ein zuvor privatwirtschaftlich gescheitertes Projekt als haushaltspolitisch fragwürdig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Tschentschers Verteidigung wirkt defensiv. Die Grundregel der Landeshaushaltsordnung, der sparsame Umgang mit Steuergeld, bedeute, dass man die wirtschaftlichste Lösung nicht nur prüfe, sondern auch nehme. Der Rechnungshof würde toben, wenn wir das alles so aktenkundig feststellen und dann sagen: Nein, das machen wir jetzt aber mal nicht, weil wir irgendwie einen Groll haben. Die Argumentation übersieht, dass die Stadt Hamburg erst durch ihre Kaufzusage dem Investorenkonsortium um Dieter Becken den Weiterbau ermöglicht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein verkleinertes Symbol</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der neue Elbtower wird deutlich bescheidener ausfallen als geplant. Von 245 Metern soll der Turm auf 199 Meter gekürzt werden. Zwölf Etagen entfallen, statt 64 Stockwerken soll der Elbtower nur noch 52 haben. Mit Zustimmung von David Chipperfield werden die oberen Büroetagen gestrichen. Der Architekt, der das Urheberrecht am Entwurf besitzt, musste für diese Amputation seine Einwilligung geben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Hamburg entsteht damit ein städtebaulicher Kompromiss. Ein Turm, der zu niedrig ist, um wirklich ikonisch zu sein, und zu hoch, um sich harmonisch in das Hafenpanorama einzufügen. Die Elbphilharmonie auf der einen Seite, der gestutzte Elbtower auf der anderen: ein Diptychon des Hamburger Umgangs mit Großprojekten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Last der Geschichte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die eigentliche Tragik liegt tiefer. Hamburg schließt mit dem neuen Naturkundemuseum Evolutioneum eine Lücke in der Museumslandschaft der Hansestadt. Das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Naturhistorische Museum gehörte zu den bedeutendsten Institutionen seiner Art in Deutschland. Die geretteten Sammlungen umfassen über zehn Millionen Objekte, die seit Jahrzehnten auf mehrere Standorte verteilt und nur fragmentarisch zugänglich sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Staatsvertrag mit Nordrhein Westfalen von 2021 verpflichtet Hamburg, für das gemeinsame Leibniz Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels ein angemessenes Gebäude zu errichten. Diese Verpflichtung besteht unabhängig vom Elbtower. Die Frage ist nicht, ob Hamburg ein Naturkundemuseum braucht, sondern ob ein adaptierter Hochhaus Sockel der richtige Ort dafür ist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die offene Rechnung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kostenvergleiche des Senats verdienen kritische Prüfung. Der Festpreis von 595 Millionen Euro gilt als All inclusive Paket. Doch was geschieht, wenn sich die Setzungsprobleme als gravierender erweisen als angenommen? Wer trägt die Verantwortung, falls die Schäden an den Bahnanlagen erneut auftreten? Ein halbfertiger Turm, dessen Statik bereits Probleme macht, ist keine ideale Grundlage für ein öffentliches Forschungsinstitut.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Elbtower zeigt exemplarisch die Risiken städtischer Großprojekte, wenn Politik, Investoren und Technik nicht im Gleichschritt arbeiten. Die Stadt Hamburg sucht nach einer Lösung, die Gesicht wahrt und finanziell vertretbar bleibt. Ob das gelingt, wird sich zeigen. Sicher ist nur: Der kurze Olaf wird Hamburg noch lange beschäftigen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Ossip Klarwein: Der vergessene Architekt hinter dem Chilehaus und der Knesset</title>
		<link>https://baukunst.art/ossip-klarwein-der-vergessene-architekt-hinter-dem-chilehaus-und-der-knesset/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Jan 2026 12:48:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Expressionismus Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Jüdische Kulturtage Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Ossip Klarwein]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14769</guid>

					<description><![CDATA[<p>Das Ernst Barlach Haus zeigt die erste monografische Ausstellung über Ossip Klarwein, den jüdischen Chefarchitekten Fritz Högers, der 1933 nach Palästina emigrierte.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/ossip-klarwein-der-vergessene-architekt-hinter-dem-chilehaus-und-der-knesset/">Ossip Klarwein: Der vergessene Architekt hinter dem Chilehaus und der Knesset</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Der Mann hinter dem Meister</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer das Chilehaus in Hamburg betrachtet, jene ziegelsteinerne Ikone des Backsteinexpressionismus, denkt an Fritz Höger. Doch hinter diesem Namen verbirgt sich eine Geschichte der Verdrängung und des Vergessens. Von 1927 bis 1933 arbeitete Ossip Klarwein als Chefarchitekt in Högers Büro und zeichnete für einige der bedeutendsten Entwürfe verantwortlich, die unter dem Namen seines Arbeitgebers Weltruhm erlangten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Ernst Barlach Haus im Hamburger Jenischpark widmet diesem bislang weitgehend unbekannten Architekten nun die erste monografische Ausstellung. Bis zum 8. Februar 2026 zeichnet die Schau das Leben und Wirken eines Mannes nach, dessen Karriere zwei Kontinente und zwei grundverschiedene politische Systeme umspannte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom Warschauer Bürgertum zum Hamburger Backstein</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ossip Klarwein kam 1893 in Warschau zur Welt, als Sohn einer wohlhabenden jüdischen Familie. Die antisemitischen Pogrome von 1905 zwangen die Familie zur Flucht nach Hessen. Der junge Klarwein besuchte die Kunstgewerbeschule in Mainz und wurde ab 1921 Meisterschüler bei Hans Poelzig in Berlin, einem der einflussreichsten deutschen Architekten jener Zeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">1926 trat er in das Büro Fritz Högers ein und stieg rasch zum Chefarchitekten auf. Das Verhältnis zwischen den beiden Männern war von gegenseitigem Respekt geprägt. Höger bezeichnete Klarwein als einen der Allerbesten seiner Mitarbeiter, einen, der kaum durch drei andere zu ersetzen sei. In einem Brief vom März 1933 notierte Höger, Klarwein habe sich ausgezeichnet eingearbeitet und absolut in seinem Geist gefügt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Worte klingen heute bitter, denn ausgerechnet Höger, der früh mit den Nationalsozialisten sympathisierte und bereits 1932 der NSDAP beitrat, hatte seinen jüdischen Mitarbeiter Ende 1932 zur Bereinigung seiner Belegschaft entlassen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Kraftwerk Gottes und die Burg am Meer</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zusammenarbeit zwischen Höger und Klarwein hinterließ bleibende architektonische Zeugnisse. Das Rathaus in Wilhelmshaven Rüstringen, im Volksmund Burg am Meer genannt, entstand zwischen 1926 und 1929. Der wuchtige Backsteinbau mit seinem expressionistischen Treppenhaus demonstriert jene Verbindung von nordischer Monumentalität und handwerklicher Raffinesse, die das Büro Höger auszeichnete.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch spektakulärer geriet die evangelische Kirche am Hohenzollernplatz in Berlin. Der 1933 eingeweihte Bau wirkt wie ein monumentales Industriedenkmal mit separatem Campanile, was ihm den Spitznamen Kraftwerk Gottes eintrug. Wie intensive Forschungen seit 2022 ergaben, stammt der Entwurf zu dieser Kirche von Ossip Klarwein. Sein späterer Freund, der Architekt Yehudah Lavie, bestätigte in einem Interview, dass diese Kirche tatsächlich ein Werk Klarweins war. Höger hatte den Plan unter seinem eigenen Namen eingereicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Praxis war damals nicht ungewöhnlich. Als Angestellter wurden Klarweins Entwürfe stets unter Högers Namen veröffentlicht. Die Frage, wie entscheidend der Anteil eines beteiligten Architekten bei komplexen Projekten letztlich war, beschäftigt die Forschung bis heute.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Neuanfang in Palästina</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im November 1933 gelang es Klarwein, Hamburg zu verlassen. Mit seiner nichtjüdischen Frau Elsa, einer Opernsängerin, und seinem Sohn Matthias ließ er sich in Haifa im britischen Mandatsgebiet Palästina nieder. Anders als viele andere Emigranten war er von Beginn an gut beschäftigt. Er plante Häuser für andere Einwanderer, oft anspruchsvolle Villen am Karmel.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Von Ossip Klarwein sind trotz teils schwieriger Lebensumstände insgesamt 126 Vorhaben belegt, darunter 63 gebaute Architekturen. Er errichtete Einfamilienhäuser und Gedenkstätten, Geschäftshäuser und Universitätsgebäude. Das monumentale Dagon Getreidesilo im Hafen von Haifa, zwischen 1952 und 1971 erbaut, steht in besonderer Weise für seine Handschrift. Hier schuf er aus reiner Zweckarchitektur durch Betonornamente eine expressive Stadtkrone. In den 1950er Jahren war es das höchste Gebäude Israels.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Knesset als Krönung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte Klarwein mit dem Entwurf für die Knesset, das israelische Parlamentsgebäude in Jerusalem. 1957 gewann er den Wettbewerb. Das Gebäude, vergleichbar mit zeitgleichen Repräsentationsbauten von Mies van der Rohe oder Walter Gropius, wurde wie ein moderner Tempel konzipiert: Betonsäulen tragen ein vorkragendes Dach und verleihen dem Bau jene demokratische Würde, die Israel als jungem Staat angemessen erschien.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Allerdings stand Klarwein bei seiner Rückkehr 1958 vor vollendeten Entwurfsänderungen. Es blieb nach weiteren Modifikationen von der äußeren Erscheinung des ursprünglichen Wettbewerbsentwurfs außer der Großform nicht mehr viel übrig. Der Bau wurde erst elf Jahre später in veränderter Form in Zusammenarbeit mit dem Architekten Dov Karmi vollendet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Neben der Knesset schuf Klarwein die Grabanlage für Theodor Herzl, den Vordenker des israelischen Staates. 1959 wurde er in die französische Académie d&#8217;architecture gewählt. Er starb 1970 in Jerusalem.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Eine überfällige Würdigung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung im Ernst Barlach Haus ist Teil der Jüdischen Kulturtage Hamburg 2025, die vom 4. November bis 14. Dezember stattfinden. Die von der Historikerin und Journalistin Jacqueline Hénard kuratierte Schau ist das Ergebnis eines dreijährigen deutsch israelischen Rechercheprojekts. Das Team von rund 100 Mitwirkenden, darunter Archivarinnen und Archivare, Architektinnen, Übersetzer und Grafikerinnen, sichtete Dokumente in Archiven mehrerer Länder.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung versammelt dokumentarisches Bild und Filmmaterial, ergänzt um zeitgenössische Fotografien des israelischen Fotografen Eli Singalovski, der Klarweins Bauten in ihrem heutigen Zustand porträtiert hat. Studierende der Tel Aviv University produzierten kurze Dokumentarfilme über Klarweins wichtigste Bauten in Israel.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein begleitender Katalog mit Werkverzeichnis, erschienen im Verlag Kettler, bietet die erste umfassende Monografie über diesen Architekten. Der Museumsausgabe für 25 Euro stellt sich als unverzichtbares Referenzwerk heraus.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Erinnerung und Aufarbeitung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wiederentdeckung Ossip Klarweins fällt in eine Zeit, in der Fritz Högers ideologische Verstrickung mit dem Nationalsozialismus breiter diskutiert wird. Eine 2022 veröffentlichte Studie des Hamburger Historikers Thomas Großbölting belegt, wie stark Höger sein Reden und Denken der völkisch nordischen Ideologie angepasst hatte. Der Fritz Höger Preis wurde daraufhin in Erich Mendelsohn Preis für Backsteinarchitektur umbenannt, und in Hamburg trägt der Högerdamm seit 2023 neue Namen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vor dem langjährigen Wohnhaus von Klarweins jüngerer Schwester Bronislawa in der Berliner Motzstraße wurde im Juni 2025 ein Stolperstein verlegt. Sie lebte dort von 1931 bis zu ihrer Deportation nach Theresienstadt und Auschwitz im Jahr 1944. Ihre Existenz war den Nachkommen unbekannt und wurde erst im Rahmen der Recherchen zu ihrem Bruder Ossip entdeckt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Geschichte Ossip Klarweins ist eine Geschichte von Talent und Verdrängung, von beruflicher Brillanz und erzwungener Emigration. Sie zeigt, wie der Nationalsozialismus nicht nur Menschen vernichtete, sondern auch kulturelles Gedächtnis auslöschte. Die Ausstellung im Ernst Barlach Haus leistet einen wichtigen Beitrag, dieses Gedächtnis wiederherzustellen.</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Praktische Informationen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ausstellung:</strong> Ossip Klarwein. Ein Architekt zwischen Hamburg und Haifa <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ort:</strong> Ernst Barlach Haus, Jenischpark, Baron Voght Straße 50A, 22609 Hamburg <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Laufzeit:</strong> 16. November 2025 bis 8. Februar 2026 <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Öffnungszeiten:</strong> Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr (auch an Feiertagen montags geöffnet) <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Katalog:</strong> Verlag Kettler, Museumsausgabe 25 Euro, Buchhandelsausgabe 34 Euro <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Website:</strong> <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://www.barlach-haus.de/" data-inline-card="" data-card-data="">http://www.barlach-haus.de</a></span></span> , <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://www.klarwein.org/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://www.klarwein.org</a></span></span></p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"></h2>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/ossip-klarwein-der-vergessene-architekt-hinter-dem-chilehaus-und-der-knesset/">Ossip Klarwein: Der vergessene Architekt hinter dem Chilehaus und der Knesset</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Günter Grass Villa Behlendorf: Warum Lübeck das Erbe des Nobelpreisträgers verkaufen lässt</title>
		<link>https://baukunst.art/guenter-grass-villa-behlendorf-warum-luebeck-das-erbe-des-nobelpreistraegers-verkaufen-laesst/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2025 18:09:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Günter Grass]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturpolitik Schleswig-Holstein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Villa von Nobelpreisträger Günter Grass steht zum Verkauf. Lübecks Politik lehnte die Übernahme ab. Ein Lehrstück über Kulturpolitik und kommunale Realitäten in Schleswig-Holstein.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der letzte Wille und die fiskalische Realität</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es gibt Immobilienanzeigen, die mit Gedichten werben. Beim Verkaufsinserat für die Villa des Literaturnobelpreisträgers Günter Grass im schleswig-holsteinischen Behlendorf ist das der Fall. Das Lübecker Maklerbüro Claußen zitiert aus dem Gedicht „Später Wunsch&#8220; und spricht von einer „eindrucksvollen Villa aus prominentem Vorbesitz&#8220;. Für 1,6 Millionen Euro steht das Anwesen im Kreis Herzogtum Lauenburg zum Verkauf. Ein denkmalgeschütztes Landhaus aus der Jahrhundertwende, 354 Quadratmeter Wohnfläche, elf Zimmer, dazu ein Atelier mit großen Fensterflächen. Das Grundstück umfasst 21.600 Quadratmeter mit Streuobstwiese, Bachlauf, Karpfenteich und Gartenpavillon.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der 2015 verstorbene Schriftsteller nannte es sein „Wurzelschlaghaus&#8220;. Hier lebte er mit seiner Frau Ute seit 1986, hier schrieb, malte und beobachtete er die Natur. Die Obstwiese bezeichnete er einmal als Utes „umzäunte Seelenanlage&#8220;. Im gemeinsamen Testament hatten die Eheleute festgelegt, dass das Anwesen einem gemeinnützigen Träger übertragen werden solle, der eine dauerhafte Nutzung als Museum oder Kulturort sicherstellt. Nach dem Tod von Ute Grass im April 2021 blieb fünf Jahre Zeit, einen solchen Träger zu finden.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lübecks Absage und ihre Gründe</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Hansestadt Lübeck, die bereits das Günter Grass-Haus in der Altstadt betreibt, schien der logische Partner. Die Kulturstiftung der Hansestadt legte eine umfassende Machbarkeitsstudie vor: Ein Künstlerhaus mit Stipendiatenplätzen, Ausstellungen und Veranstaltungen hätte entstehen können. Das Atelier wäre ein begehbares Exponat geworden, eine Verbindung zum 25 Kilometer entfernten Lübeck per Kulturbus und Schiffsverbindung war angedacht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch die Zahlen sprachen eine andere Sprache. Die Kosten für Instandsetzung und Umbau wurden auf rund 3,8 Millionen Euro geschätzt. Hinzu kämen jährliche Betriebskosten von etwa 456.000 Euro. Seit dem Einzug von Grass 1986/1987 war wenig in das Gebäude investiert worden. Seit 2021 steht es leer.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Februar 2025 entschied die Lübecker Bürgerschaft mit den Stimmen von CDU, Grünen und FDP gegen eine weitere Prüfung. Der Unterhalt und die notwendige Sanierung seien für die Stadt mit ihren begrenzten finanziellen Mitteln nicht tragbar. Thorsten Fürter, Fraktionsvorsitzender der FDP, brachte es auf den Punkt: In einer Zeit, in der Lübeck mit einem Defizit von fast 100 Millionen Euro kämpfe, sei ein solcher Kraftakt nicht zu vermitteln. Selbst wenn Stiftungen Millionen zum Erwerb beigesteuert hätten, bliebe Lübeck auf den laufenden Kosten sitzen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein regionalpolitisches Versäumnis?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jörg-Philipp Thomsa, Direktor des Günter Grass-Hauses in Lübeck, bezeichnete die Entscheidung als „verpasste historische Chance&#8220;. Die SPD-Fraktion nannte die Ablehnung „nicht nachvollziehbar&#8220; und kritisierte, dass eine Entscheidung aus angeblichen Kostengründen getroffen wurde, ohne dass diese Kosten überhaupt vollständig bekannt gewesen seien.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kritik greift jedoch zu kurz. Die Frage, warum ausgerechnet die hoch defizitäre Hansestadt Lübeck das Anwesen hätte übernehmen sollen, obwohl es im Gebiet des Kreises Herzogtum Lauenburg liegt, wurde nie überzeugend beantwortet. Der Kreis selbst zeigte kein Interesse, ebenso wenig das Land Schleswig-Holstein. Auch die Bundeskulturförderung sprang nicht ein, obwohl sie 1,9 Millionen Euro für die Erweiterung des Grass-Hauses in Lübeck bereitstellte. Diese Mittel ermöglichen nun immerhin die dauerhafte Sicherung des Nachlasses: 5.500 Bände der Nobelpreisträgerbibliothek und rund 800 Gegenstände aus Behlendorf wurden nach Lübeck überführt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Denkmalschutz ohne Nutzungskonzept</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall Behlendorf offenbart ein grundsätzliches Dilemma der Kulturpolitik im ländlichen Raum. Denkmalgeschützte Gebäude von kulturhistorischer Bedeutung erfordern erhebliche Investitionen, können diese aber durch Nutzung kaum refinanzieren. Die Lage abseits touristischer Ströme erschwert den Betrieb als Kulturort zusätzlich. Die Machbarkeitsstudie sah eine Anbindung an die A20 als Vorteil, übersah aber, dass Kulturinteressierte selten wegen einer Autobahnauffahrt anreisen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hilke Ohsoling, Geschäftsführerin der Günter und Ute Grass Stiftung, betont, dass der Verkauf nicht dem gemeinsamen Testament widerspreche. Die Bemühungen, einen gemeinnützigen Träger zu finden, seien leider bis zuletzt ohne positives Ergebnis geblieben. Die Fünfjahresfrist ist abgelaufen, formal ist alles korrekt. Dennoch bleibt ein schaler Nachgeschmack.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Franz Grass, einer der acht Erben, distanzierte sich öffentlich von den „viel zu kostspieligen&#8220; Plänen für ein Kulturzentrum. Die Erben haben keine Entscheidungsgewalt über das Anwesen, sie sehen die Verantwortung bei der öffentlichen Hand, die diese nicht übernehmen wollte oder konnte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Maklerbüro wirbt derweil mit Versen von Grass und der Nähe zur Autobahn. Viele Räume sind noch möbliert, das Wohn- und Musikzimmer zeigen Spuren des Lebens, das hier stattfand. Wer 1,6 Millionen Euro aufbringt und weitere Millionen in die Sanierung investiert, erhält ein Stück Literaturgeschichte. Ob sich jemand findet, der das Erbe im Sinne des Verstorbenen fortführt, bleibt offen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Architektur- und Kulturlandschaft Schleswig-Holsteins ist der Vorgang symptomatisch. Der Föderalismus verteilt Verantwortung auf viele Schultern, sodass am Ende niemand zugreift. Die Kommunen können nicht, das Land will nicht, der Bund fördert anderswo. Zurück bleibt ein denkmalgeschütztes Landhaus aus der Jahrhundertwende, dessen kulturelle Bedeutung niemand bestreitet, aber auch niemand finanzieren möchte. Günter Grass hätte darüber vermutlich einen Roman geschrieben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Mahnmal St. Nikolai Hamburg: MIMA Architektur gewinnt Wettbewerb für behutsame Neuordnung des Gedenkorts</title>
		<link>https://baukunst.art/mahnmal-st-nikolai-hamburg-mima-architektur-gewinnt-wettbewerb-fuer-behutsame-neuordnung-des-gedenkorts/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2025 17:06:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Gedenkstättenarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Mahnmal St. Nikolai]]></category>
		<category><![CDATA[MIMA Architektur Hamburg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein gläserner Pavillon soll Hamburgs zentralen Erinnerungsort an die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg neu erschließen. Der Siegerentwurf überzeugt durch stille Präsenz und respektvolle Zurückhaltung.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/mahnmal-st-nikolai-hamburg-mima-architektur-gewinnt-wettbewerb-fuer-behutsame-neuordnung-des-gedenkorts/">Mahnmal St. Nikolai Hamburg: MIMA Architektur gewinnt Wettbewerb für behutsame Neuordnung des Gedenkorts</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zwischen Transparenz und Gedenken: Die Neuordnung des Mahnmals St. Nikolai</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der 147 Meter hohe Turm der ehemaligen Hauptkirche St. Nikolai ragt noch immer als stummer Zeuge über die Hamburger Altstadt. Was einst den alliierten Bomberpiloten als Orientierungspunkt beim Anflug auf die Hansestadt diente, ist heute Hamburgs zentraler Erinnerungsort an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Im Sommer 1943 verwandelte die „Operation Gomorrha“ weite Teile der Stadt in ein Flammenmeer, das mindestens 34.000 Menschen das Leben kostete. Die neugotische Kirche brannte aus, nur ihr markanter Turm blieb stehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mehr als acht Jahrzehnte später steht das Mahnmal vor einer architektonischen Neuausrichtung. Mitte Oktober 2025 entschied die Jury eines offenen Realisierungswettbewerbs über die Zukunft des Gedenkorts. Aus 25 Einreichungen ging das 2022 gegründete Hamburger Büro <strong><a href="https://www.mima-architektur.de/wettbewerb-mahnmalstnikolai" target="_blank" rel="noopener">MIMA Architektur</a> </strong>gemeinsam mit GDLA Landschaftsarchitektur aus Heidelberg als Sieger hervor. Das Bauvolumen beträgt 5,1 Millionen Euro, finanziert durch das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“, die Stadt Hamburg sowie die Stiftung Mahnmal St. Nikolai als Ausloberin des Verfahrens.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Funktionale Defizite als Ausgangspunkt</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Aufgabenstellung resultierte aus konkreten funktionalen Problemen: Der bisherige Museumszugang im Kellergewölbe war schwer auffindbar, die beiden Kassenbereiche räumlich voneinander getrennt, ungenutzte Kellerbereiche brachlagen, und eine barrierefreie Erschließung fehlte weitgehend. Hinzu kam der Wunsch, den Gedenkort stärker mit dem umliegenden Stadtraum zu verbinden und für Bildungsarbeit zu aktivieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Siegerentwurf von Martin Kemp und seinem Team beantwortet diese Anforderungen mit einem Pavillon an der Nordkante des Kirchenplateaus. Das Gebäude nimmt in seiner Position die Linien des ehemaligen Querschiffs auf und schafft damit einen subtilen Bezug zur historischen Raumstruktur. Im gläsernen Erdgeschoss bündelt der Bau Museumszugang, Kasse und Shop. Ein Lift verbindet erstmals barrierefrei Straßenniveau, Kirchenplateau und Gewölbekeller miteinander.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Architektonische Haltung zwischen Behauptung und Rücksicht</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die gestalterische Qualität des Entwurfs liegt in seinem Umgang mit dem Spannungsfeld zwischen notwendiger Präsenz und gebotener Zurückhaltung. Die Verfasserinnen und Verfasser formulieren ihre Leitidee poetisch: „Wie ein Kleid legt sich eine transluzente Fassade um das Gebäude. Sie filtert Licht, erzeugt Schattenbilder und steht sinnbildlich für eine Erinnerung, die spürbar, aber nicht greifbar ist.“ Die feine Holzständerkonstruktion der oberen Geschosse ermöglicht flexible Räume für Bildung und Begegnung, während das gläserne Erdgeschoss Blickbeziehungen zwischen Ruine und Stadt herstellt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Preisgericht lobte die „stille Präsenz, die gleichermaßen Zurückhaltung und Selbstverständlichkeit ausstrahlt“. Der Pavillon überzeuge durch eine Balance zwischen Temporalität und Permanenz. Tatsächlich ist der Neubau ohne Beeinträchtigung der denkmalwerten Substanz rückbaubar konzipiert. Diese Reversibilität darf als bewusste Geste verstanden werden: Der Eingriff versteht sich als Bauwerk seiner Zeit, das künftigen Generationen Handlungsspielräume belässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Intervention im Untergrund</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besondere Beachtung verdient die Aktivierung der Gewölbekeller. Vier freistehende, gläserne Haus-in-Haus-Strukturen sollen die historischen Räume für Ausstellungen, Seminare und Workshops nutzbar machen, ohne in die salzgeschädigte historische Substanz einzugreifen. Diese bauliche Unabhängigkeit der Einbauten ist denkmalpflegerisch konsequent gedacht. Licht fällt durch die transparenten Kuben in die Tiefe und verleiht den jahrhundertealten Gewölben eine neue atmosphärische Qualität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch die Freiraumgestaltung von GDLA trägt zur Aufwertung bei. Ein geschlossener Grüngürtel soll das Mahnmal künftig rahmen, der Chorbereich wird begrünt und als Ort des stillen Verweilens neu gestaltet. Vertikale Interventionen markieren die ehemaligen Säulenstandorte und verankern die historische Raumstruktur sichtbar im Stadtraum.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kritische Würdigung</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Qualität des Entwurfs liegt in seiner Fähigkeit, funktionale Anforderungen und atmosphärische Sensibilität zu verbinden. MIMA Architektur, bislang vor allem durch nachhaltige Minimalhäuser und Ferienarchitektur bekannt, beweist mit diesem Wettbewerbserfolg seine Kompetenz im Umgang mit komplexen städtebaulichen und erinnerungskulturellen Aufgaben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob der Pavillon in der Realisierung seine „überraschende Anmut und Leichtigkeit“ behaupten kann, bleibt abzuwarten. Die Umsetzung ist bis Ende 2028 vorgesehen. Dann soll St. Nikolai noch stärker als bisher ein Ort sein, der Geschichte bewahrt, Bildung ermöglicht und zur Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart einlädt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nele Fahnenbruck, Geschäftsführerin der Stiftung Mahnmal St. Nikolai, brachte es auf den Punkt: „Der Entwurf lässt die offene Wunde der Stadt sichtbar und erfahrbar bleiben und ergänzt sie um eine architektonische Geste, die sowohl planerisch überzeugt als auch identitätsstiftend ist.“ Den zweiten Preis erhielten Winking Froh Architekten mit Arbos Landscape, den dritten Springer Architekten mit Vogt Landschaftsarchitekten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/mahnmal-st-nikolai-hamburg-mima-architektur-gewinnt-wettbewerb-fuer-behutsame-neuordnung-des-gedenkorts/">Mahnmal St. Nikolai Hamburg: MIMA Architektur gewinnt Wettbewerb für behutsame Neuordnung des Gedenkorts</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Fehmarnsundtunnel: Milliardengrab oder Zukunftsprojekt?</title>
		<link>https://baukunst.art/fehmarnsundtunnel-milliardengrab-oder-zukunftsprojekt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Nov 2025 09:52:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Fehmarnsundtunnel]]></category>
		<category><![CDATA[Infrastrukturprojekt]]></category>
		<category><![CDATA[Kostenüberschreitung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14423</guid>

					<description><![CDATA[<p>Fehmarnsundtunnel: Kosten explodieren, Verzögerungen mehren sich. Ein Projekt zwischen Ambition und Realität</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/fehmarnsundtunnel-milliardengrab-oder-zukunftsprojekt/">Fehmarnsundtunnel: Milliardengrab oder Zukunftsprojekt?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der Fehmarnsundtunnel: Ambitionen, Herausforderungen und regionale Auswirkungen</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fehmarnsundtunnel, ein zentrales Infrastrukturprojekt für die Verbindung zwischen Deutschland und Dänemark, sieht sich mit massiven Kostenerhöhungen und Verzögerungen konfrontiert. Ursprünglich mit 700 Millionen Euro veranschlagt, sollen die Kosten nun auf über zwei Milliarden Euro steigen. Diese Entwicklung wirft Fragen über die Planungsprozesse und die zukünftige Machbarkeit des Projekts auf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Hintergrund und Bedeutung des Projekts:</strong> Der Fehmarnbelttunnel, der längste und größte Absenktunnel der Welt, soll eine schnellere Verbindung zwischen Deutschland und Dänemark ermöglichen. Dieses ambitionierte Projekt umfasst nicht nur den Tunnel selbst, sondern auch die sogenannte Hinterlandanbindung, die eine effiziente Anbindung an das bestehende Verkehrsnetz sicherstellen soll.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen:</strong> Die Kosten für den Fehmarnsundtunnel haben sich mehr als verdreifacht, von ursprünglich 700 Millionen Euro auf nun über zwei Milliarden Euro. Diese massive Kostenerhöhung wird vor allem auf gestiegene Materialpreise, insbesondere für Stahl, zurückgeführt. Zudem hat sich die Fertigstellung des Projekts um mindestens drei Jahre verzögert. Laut Aussagen des Eisenbahn-Bundesamts ist mit einer Inbetriebnahme frühestens in sechs Jahren und fünf Monaten zu rechnen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Regionale und lokale Auswirkungen:</strong> Der Bau des Fehmarnsundtunnels hat erhebliche Auswirkungen auf die regionale Infrastruktur. Die bestehende Fehmarnsundbrücke, die in den 1960er Jahren gebaut wurde, wird durch den neuen Tunnel ersetzt, um ein Verkehrsnadelöhr auf Fehmarn zu vermeiden. Dies soll die Verkehrsflüsse optimieren und die Anbindung der Insel verbessern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Umweltauswirkungen und mögliche Kontroversen sind ebenfalls Themen, die in der regionalen Debatte eine Rolle spielen. Lokale Experten und Behörden betonen die Bedeutung einer sorgfältigen Planung, um negative Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zukunftsaussichten und mögliche Lösungen:</strong> Trotz der aktuellen Herausforderungen gibt es klare Pläne für die Zukunft des Projekts. Die Hinterlandanbindung soll sicherstellen, dass der Tunnel effizient in das bestehende Verkehrsnetz integriert wird. Maßnahmen zur Bewältigung der Verzögerungen und Kostenerhöhungen werden derzeit diskutiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Langfristig könnte der Fehmarnsundtunnel die regionale Infrastruktur erheblich verbessern und die Verbindung zwischen Deutschland und Dänemark stärken. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie die verantwortlichen Stellen auf die aktuellen Herausforderungen reagieren und ob das Projekt wie geplant umgesetzt werden kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Schluss:</strong> Der Fehmarnsundtunnel bleibt ein ambitioniertes Projekt mit erheblichen Herausforderungen. Trotz der aktuellen Schwierigkeiten könnte das Projekt langfristig die regionale Infrastruktur verbessern und die Verbindung zwischen Deutschland und Dänemark stärken. Es bleibt abzuwarten, wie die verantwortlichen Stellen auf die aktuellen Herausforderungen reagieren und ob das Projekt wie geplant umgesetzt werden kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Bjarke Ingels entwirft Hamburgs neue Staatsoper</title>
		<link>https://baukunst.art/bjarke-ingels-entwirft-hamburgs-neue-staatsoper/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Nov 2025 09:17:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Bjarke Ingels Group]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburger Staatsoper]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus-Michael Kühne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hamburgs neue Oper von BIG überzeugt mit begehbarer Dachlandschaft. Doch das Mäzenat von Klaus-Michael Kühne wirft Fragen zur NS-Vergangenheit seines Unternehmens auf.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hamburgs neue Oper: Zwischen dänischem Glanz und deutschem Schatten</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Mit dem Entwurf der Bjarke Ingels Group für die neue Staatsoper auf dem Baakenhöft beginnt ein Kapitel Hamburger Baugeschichte, das von architektonischer Brillanz ebenso geprägt ist wie von ungelösten erinnerungspolitischen Fragen.</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Wettbewerb mit klarem Sieger</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 13. November 2025 verkündete eine einstimmig entscheidende Jury das Ergebnis des architektonischen Qualifizierungsverfahrens für Hamburgs neue Staatsoper: Das Kopenhagener Büro Bjarke Ingels Group (BIG) setzte sich gegen vier namhafte Mitbewerber durch. Mit gmp Architekten in Zusammenarbeit mit Diller Scofidio &amp; Renfro, Snøhetta aus Oslo, Sou Fujimoto aus Tokio und dem Hamburger Büro Studio PFP von Jörg Friedrich war die Konkurrenz hochkarätig besetzt. Doch BIG überzeugte mit einem Entwurf, der die Jury als gelungene Symbiose aus Opernhaus und urbanem Wahrzeichen beschrieb.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Siegerentwurf präsentiert ein gläsernes Opernhaus mit einer rundum begehbaren Dachlandschaft, die sich spiralförmig um das Gebäude windet. Konzentrische Terrassen breiten sich vom zentralen Opernsaal aus wie Schallwellen über das Wasser. Einheimische Bäume, Büsche und Gräser sollen die Dachgärten begrünen und einen dreidimensionalen Park schaffen, der von allen Seiten zugänglich bleibt. Bjarke Ingels selbst beschreibt sein Konzept als Landschaft, die vom pulsierenden musikalischen Herzen ausstrahlt und sich wie Wellen auf der Meeresoberfläche in den Hafen hinaus zieht.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Handschrift eines Stararchitekten</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer Bjarke Ingels&#8216; bisheriges Schaffen kennt, erkennt in dem Hamburger Entwurf sofort seine charakteristische Handschrift. Der 1974 in Kopenhagen geborene Architekt, der bei Rem Koolhaas lernte und 2016 vom Time Magazine zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt gezählt wurde, verfolgt einen Ansatz, den Beobachtende als hedonistische Nachhaltigkeit bezeichnen. Sein bekanntestes Werk, das Kraftwerk Copenhill in Kopenhagen, vereint eine Müllverbrennungsanlage mit einer 450 Meter langen Skipiste auf dem Dach und der höchsten Kletterwand der Welt an der Fassade.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dieses Prinzip der programmatischen Hybridisierung prägt auch den Hamburger Entwurf. Die Oper soll nicht nur abends während der Vorstellungen funktionieren, sondern ganztägig als öffentlicher Raum dienen. Ein Café und eine Bar bleiben permanent zugänglich, die Terrassen laden zum Flanieren ein, und der umgebende Opernpark verbindet das Gebäude mit der Wasserseite. Intendant Tobias Kratzer, erst seit hundert Tagen im Amt, zeigte sich begeistert: Ein Gebäude, das sich in vollen 360 Grad zur Stadt hin öffnet, entspreche genau der künstlerischen Programmatik, für die auch die Hamburgische Staatsoper stehe.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektur zwischen Elbtower und Elbphilharmonie</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Standort Baakenhöft liegt strategisch zwischen den vertikalen Landmarken der HafenCity. Zur einen Seite die Elbphilharmonie von Herzog &amp; de Meuron, zur anderen der noch unvollendete Elbtower. In diesem Spannungsfeld setzt BIG auf ein horizontales Gegengewicht: Statt in die Höhe zu streben, breitet sich die Oper wie ein begehbarer Hügel über die Landzunge aus. Der zentrale Saal mit etwa 1.500 Plätzen wird von geschwungenen Holzbalkonen umrahmt, die sowohl die Akustik optimieren als auch eine intime Atmosphäre schaffen sollen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Jury unter Vorsitz von Stefan Behnisch würdigte besonders die Dachauskragungen der Fassade, die eine Kaskade eleganter Balkone erzeugen. Bei Nacht sollen die von unten beleuchteten Blätter des Daches wie eine aufsteigende Blüte wirken. Andreas Kleinau von der HafenCity Hamburg GmbH sprach von einem Opernhaus, das sich als Einladung an alle Menschen verstehe, auch an jene, die mit Oper sonst nichts am Hut haben.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Erbe der Dammtorstraße</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit dem Neubau stellt sich die Frage nach der Zukunft des bestehenden Opernhauses an der Dammtorstraße. Das denkmalgeschützte Gebäude blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: 1827 nach Plänen von Carl Ludwig Wimmel errichtet, später von Rathausbaumeister Martin Haller mit klassizistischer Fassade versehen, im Zweiten Weltkrieg teilzerstört und 1955 von Gerhard Weber im Stil einer repräsentativen Nachkriegsmoderne wiederaufgebaut. Der Hamburger Denkmalrat sieht das Zuschauerhaus als herausragendes Beispiel seiner Epoche.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Senat betont, das alte Opernhaus werde in jedem Fall erhalten und weiterhin kulturell genutzt. Doch was genau dort geschehen soll, bleibt vage. Die technische Ausstattung ist teilweise über 30 Jahre alt; Ersatzteile werden auf Ebay gesucht, wie der Technische Direktor berichtet. Eine Asbestbelastung erschwert Sanierungsarbeiten. Für die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs bis zur möglichen Fertigstellung der neuen Oper veranschlagt der Senat rund 95 Millionen Euro. Der Denkmalverein Hamburg kritisiert, es sei weder baukulturell noch finanziell zu verantworten, das zentral gelegene Haus einer unklar definierten Zukunft zu überlassen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Mäzen und seine Geschichte</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Finanzierung des Projekts wirft Fragen auf, die über reine Architekturkritik hinausreichen. Klaus-Michael Kühne, der 1937 geborene Erbe des Logistikunternehmens Kühne + Nagel und einer der reichsten Deutschen, will bis zu 340 Millionen Euro für den Neubau bereitstellen. Die Stadt trägt 147,5 Millionen Euro für standortspezifische Kosten wie Gründung und Flutschutz sowie rund 104 Millionen Euro für Grundstücksherrichtung und Ufereinfassung. Nach Fertigstellung soll das Gebäude als Schenkung an die Stadt übergehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch Kritikerinnen und Kritiker verweisen auf die unaufgearbeitete NS-Vergangenheit des Familienunternehmens. Ab 1942 transportierte Kühne + Nagel im Rahmen der sogenannten M-Aktion geraubte Möbel, Kunst und Hausrat von geflohenen und deportierten jüdischen Menschen aus den besetzten Westgebieten ins Deutsche Reich. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes kritisiert, der Ursprung des Kühne-Vermögens werde im Lob des Mäzenatentums bagatellisiert. Klaus-Michael Kühne, so der Vorwurf, verhindere eine wissenschaftliche Aufarbeitung und behaupte bis heute, die Firmenarchive seien verbrannt, obwohl vieles dagegen spreche.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Baakenhöft als Erinnerungsort</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die erinnerungspolitische Dimension des Projekts geht noch weiter. Am Baakenhafen wurden 1904 jene Truppen eingeschifft, die am Völkermord an den Herero und Nama beteiligt waren. Die Kulturbehörde verweist auf das Erinnerungskonzept Hamburg dekolonisieren!, in dem der Baakenhöft als Leerstelle benannt ist, die einer kritischen Kommentierung bedarf. Aktivistinnen und Aktivisten fordern seit Jahren einen Gedenkort statt eines Repräsentationsbaus. Die Frage, ob ein Opernhaus diese historische Last tragen oder ob es sie verdrängen wird, bleibt offen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 26. November 2025 stimmte die Hamburger Bürgerschaft dem Vertrag zwischen Stadt und Kühne-Stiftung zu. SPD, Grüne, CDU und AfD votierten dafür, nur die Linksfraktion dagegen. Zuvor hatte die Initiative zu den Opernplänen, getragen von Hamburg Postkolonial, dem Netzwerk HafenCity, dem AStA der HafenCity Universität, dem Gängeviertel und anderen Gruppen, 10.000 Unterschriften gegen das Vorhaben überreicht. Marco Hosemann von den Linken kritisierte, ein Jahrhundertprojekt werde ohne echte Debatte entschieden. Das Hinterzimmer-Gemauschel des Senats mit Klaus-Michael Kühne schade dem Vertrauen in Politik und Demokratie.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektur als gesellschaftlicher Spiegel</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hamburgs neue Oper steht exemplarisch für die Ambivalenzen zeitgenössischer Kulturarchitektur. Auf der einen Seite ein Entwurf, der zeitgenössische Architektursprache mit öffentlichem Anspruch verbindet, der Nachhaltigkeit verspricht und eine Oper für alle proklamiert. Auf der anderen Seite ein Finanzierungsmodell, das kritische Fragen nach dem Einfluss privater Mäzene auf städtische Kulturpolitik aufwirft, und ein Standort, dessen koloniale und nationalsozialistische Bezüge im öffentlichen Gedächtnis erst noch verankert werden müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bürgermeister Peter Tschentscher sprach von einer bescheidenen Ikone. Das Paradox dieser Formulierung mag unbeabsichtigt sein, trifft aber den Kern: Wie bescheiden kann ein Gebäude sein, das sich als neues Wahrzeichen neben Elbphilharmonie und Michel einreihen soll? Und wie ikonisch darf eine Architektur werden, wenn die gesellschaftlichen Widersprüche, auf denen sie errichtet wird, ungelöst bleiben?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die kommenden zwei Jahre der erweiterten Vorplanung werden zeigen, ob der Entwurf von BIG seinen Versprechen gerecht werden kann. Bis 2028 soll eine belastbare Kostenschätzung vorliegen, auf deren Basis die Kühne-Stiftung endgültig über die Realisierung entscheidet. Ein Baubeginn wäre frühestens 2030 möglich, die Fertigstellung 2034. Bis dahin bleibt Hamburg eine Stadt mit einer denkmalgeschützten Oper, deren Zukunft ungewiss ist, und dem Traum von einer neuen, die alle einladen soll, während sie auf einem Grund steht, dessen Geschichte erst noch erzählt werden muss.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Peinlich! Hamburg versenkt 2 Millionen in Klo</title>
		<link>https://baukunst.art/peinlich-hamburg-versenkt-2-millionen-in-klo/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 14:31:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Baupolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regionale Planungskultur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13709</guid>

					<description><![CDATA[<p>Eine teure unterirdische Toilette in Hamburg schließt nach drei Monaten. Eine Parabel über Planungsfehler, regionale Herausforderungen und wie StandardlösungenMilliarden kosten.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">HAMBURG: DIE MILLIONEN-LEKTION IM UNTERGRUND</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Wie eine öffentliche Toilette zur Parabel für Planungsfehler wurde</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hamburg investierte über zwei Millionen Euro in ein unterirdisches „Ort der Stille&#8220;, das nach nur drei Monaten schloss – und nun verfüllt wird. Die Katastrophe offenbart strukturelle Probleme in der regionalen Planungskultur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Ort der fehlgeschlagenen Eleganz</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Gerhart-Hauptmann-Platz in Hamburgs Innenstadt sollte ein Ort der Erleichterung entstehen. Ein unterirdisches Bauwerk, barrierefreie Zugänge, ein Aufzug, moderne Ausstattung – die „Toilette für alle&#8220; war als Leuchtturmprojekt gedacht. Doch im Oktober 2023, drei Monate nach feierlicher Eröffnung, wurde das Edel-WC bereits dichtgemacht. Heute wird es verfüllt. Die Schlagzeile ist nicht nur für Hamburg beschämend; sie ist eine Mahnung für regionale Planungskultur in ganz Deutschland.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Genese des Scheiterns beginnt nicht bei den 2,1 Millionen Euro Kosten – diese Summe war für ein solches Projekt nachvollziehbar. Schließlich arbeitete die Stadt mit einem fast 100 Jahre alten Gebäude, dessen unterirdische Strukturen denkmalschutzgerecht erhalten bleiben mussten. Hier zeigt sich bereits eine klassische Herausforderung regionaler Stadtentwicklung: Hamburg muss seine Innenstadt kontinuierlich modernisieren, darf sie aber nicht zerstören. Ein klassisches Spannungsfeld zwischen Bestand und Fortschritt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Planung nach Plan – ein Scheitern nach Plan</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die tragische Ironie liegt in der Genese der Planung. Wie Stadtreinigungssprecher Kay Goetze offenbarte, waren „Planung und Ausführung der ursprünglichen Sanierung nicht fachgerecht&#8220;. Das ist eine diplomatische Formulierung für ein fundamentales Problem: Die ausführende Baufirma vergaß – oder ignorierte – eine wasserdichte Wanne einzubauen. Ein Konstruktionsfehler von solcher Elementarität, dass er in Lehrbüchern stehen könnte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch wie konnte ein solcher Fehler überhaupt passieren? Die Ausschreibung erfolgte „standardisiert&#8220; für öffentliche Unternehmen. Goetze konnte nicht einmal aussagen, ob das Bauunternehmen vergleichbare Projekte realisiert hatte. Dies ist exemplarisch für eine weit verbreitete Schwachstelle in regionalen Vergabeverfahren: Billig statt kompetent, Standard statt Spezialisierung. Die Hamburger Stadtreinigung vertraut auf ein System, das Fachkompetenz nicht ausreichend gewichtet – ein Problem, das in ähnlicher Form in vielen deutschen Gemeinden anzutreffen ist.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn die Statik lügt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach dem Wasserschaden musste die gesamte Anlage geleert werden. Dann zeigte sich das zweite Desaster: Die Statik des fast Jahrhundert alten Gebäudes hatte sich verändert. Ein Wiederaufbau wäre „nur mit erschwerten Bedingungen möglich&#8220; gewesen. Das bedeutet im Klartext: neue Sicherungsmaßnahmen, zusätzliche Kosten, lange Sperrungen in der belebten Hamburger Innenstadt, Beeinträchtigungen für Anwohner und Gewerbetreibende. Der Geduldsfaden war gerissen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier wird eine weitere regionale Spezifität sichtbar: Hamburg verfügt über ein dicht gebautes Zentrum mit historischen Strukturen, die ständig neue Überraschungen bieten. Klimaänderungen, Bodenabsenkungen, nicht dokumentierte ältere Einbauten – dies sind ständige Herausforderungen für die Hamburger Stadtentwicklung, nicht Besonderheiten. Sie hätten in der Risikoabschätzung eine prominentere Rolle spielen können und müssen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die unbequeme Wahrheit</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Obwohl die Stadt und die Stadtreinigung nun versuchen, die Verantwortung dem Bauunternehmen zuzuweisen – eine laufende Klärung -, bleibt ein systemisches Versagen offensichtlich. Die Hamburger Umweltbehörde stellte Mittel bereit und entschied nach „enger Beratung&#8220;, welche Projekte realisiert werden. Doch wer beaufsichtigt die Beaufsichtiger? Wer prüft die Fachgerechtigkeit, wenn „standardisierte Ausschreibungen&#8220; zum Einsatz kommen?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für andere Bundesländer und Kommunen ist dies eine ernstzunehmende Warnung. Regionale Besonderheiten – historische Bauten, klimatische Bedingungen, Bodenbeschaffenheiten – erfordern spezialisierten Sachverstand, nicht Standardlösungen. Der Wunsch, Kosten zu sparen, führt zu noch höheren Kosten, wenn Projekte scheitern.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hamburg macht&#8217;s nächstes Mal anders – hoffentlich</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Immerhin: Aus der Niederlage lernt die Stadt. Die Stadtreinigung prüft nun eine oberirdische Lösung in Containerform. Mit Genehmigungen und Standortsuche rechnet man mit etwa vier Monaten. Dies ist pragmatisch und ehrlich. Gleichzeitig betont Goetze mit Nachdruck: Die Angebotsvielfalt für öffentliche Toiletten in der Hamburger Innenstadt sei „grundsätzlich nicht schlecht&#8220; – es gibt Alternativen am Rathaus, im Hauptbahnhof, bei Karstadt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch dies ist auch das Problem: Hamburgs Innenstadt braucht solche vielen Einzellösungen, weil es an einer umfassenden, strategischen Planung fehlt. Die Verfüllung der Toilette kostet zusätzlich im „unteren sechsstelligen Bereich&#8220; – mehr Geld, das vorher hätte vermieden werden können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Lektion für Hamburg und für alle regionalen Bauherren ist deutlich: Nicht jeder Zentner Gewinn liegt darin, auf Billigangebote einzugehen. Fachkompetenz, regionale Kenntnis und ehrliche Risikobewertung sind nicht Luxus, sondern Notwendigkeit. Die zwei Millionen Euro sind ein teurer Unterricht in dieser Wahrheit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Hamburg bekämpft die Investoren-Katastrophe mit Museums-Traum</title>
		<link>https://baukunst.art/hamburg-bekaempft-die-investoren-katastrophe-mit-museums-traum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 14:22:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Elbtower Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Immobilienprojekt-Insolvenz]]></category>
		<category><![CDATA[regionale Baukultur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13705</guid>

					<description><![CDATA[<p>Hamburgs Elbtower wurde zur Investorenruine. Jetzt könnte ein Museums-Umbau die Lösung sein – eine Geschichte über Scheitern und urbane Anpassungsfähigkeit.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Der Elbtower: Hamburgische Realitäten im Wandel</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Hamburger Elbtower ist zum Sinnbild für die Widersprüche geworden, die große Bauprojekte im Norden prägen: Ehrgeiz trifft auf Realität, internationale Investitionen auf lokale Marktdynamiken, architektonische Visionen auf wirtschaftliche Grenzen. Seit zwei Jahren ragt die Betonruine über die Norderelbe und dokumentiert eine komplexe Geschichte über das Scheitern eines Prestigeprojekts – und möglicherweise über einen innovativen Weg, es zu bewahren.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Von der Vision zur Ruine: Das Elbtower-Desaster</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der österreichische Immobilieninvestor René Benko hatte eine Vision: Ein ikonischer Turm sollte Hamburgs Skyline prägen, ein 100-Meter-Hochbau mit exponierter Lage an der Elbe. Das Projekt verkörperte den Trend der 2010er Jahre, in dem wohlhabende europäische Metropolen von internationalen Investoren entdeckt wurden, die spektakuläre Landmark-Projekte realisierten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch die Signa-Gruppe, Benkos Holding, geriet in finanzielle Schieflage. Im Oktober 2023, als die Arbeiten an der Höhe von etwa 100 Metern steckengeblieben waren, wurden die Zahlungen eingestellt. Seitdem erhebt sich das Rohbau-Skelett wie ein modernes Mahnmal über die Hafenstadt – ein Sichtbarmacher für die volatilen Finanzströme, die große europäische Städte durchqueren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dies ist nicht die erste spektakuläre Insolvenz in Hamburg, aber der Elbtower fällt anders aus. Im Gegensatz zu Bauvorhaben früherer Zeiten, bei denen bloße Planungsruinen entstanden, ist hier bereits eine erhebliche materielle Realität geschaffen worden, die Investitionen verkörpert, ohne vorerst einen Nutzen zu generieren.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Städtische Lösungen für Investorenprobleme</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte lange Zeit ausgeschlossen, dass sich die Stadt finanziell am Elbtower beteiligt. Doch 2025 zeigt sich ein pragmatischer Wandel: Die Stadt plant, Teile des Gebäudes für ihr geplantes Naturkundemuseum zu nutzen. Dies ist eine bemerkenswerte Wende in der städtischen Strategie.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus architektonischer und städtebaulicher Perspektive ist diese Lösung bemerkenswert: Statt des ehrgeizigen Finanzinvestitions- und Wohnungsbauprojekts, das Benko anstrebte, erhält Hamburg ein kulturelles Flaggschiff. Der Umbau zum Museum ist deutlich schneller realisierbar als ein Neubau, wie die Verwaltung betont. Dies mag zunächst paradox wirken – doch es offenbart die pragmatische norddeutsche Baukultur, die aus gescheiterten Projekten das Beste zu machen weiß.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Konsortium um den Immobilienunternehmer Dieter Becken verhandelt seit Dezember 2024 exklusiv mit dem Insolvenzverwalter Torsten Martini über den Kauf der Bauruine. Sollte die Hamburgische Bürgerschaft den Plänen zustimmen – was als sehr wahrscheinlich gilt – könnte Becken im Frühling 2025 mit dem Weiterbau beginnen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Baukultur und Marktdynamiken</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Elbtower-Fall wirft Fragen auf, die über Hamburg hinaus von Bedeutung sind. Im Kontext der norddeutschen Baulandschaft zeigt sich ein klassisches Spannungsfeld:</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Einerseits steht Hamburg als wirtschaftliche Metropole unter kontinuierlichem Druck, architektonisch kompetitiv zu bleiben, sich als globale City zu positionieren. Internationale Investor*innen wie Benko waren in der Vergangenheit willkommen, weil sie große Investitionen versprachen. Andererseits zeigen gescheiterte Projekte wie der Elbtower die Risiken dieser Abhängigkeit von volatilen Kapitalströmen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die norddeutschen Bundesländer haben in ihren Landesentwicklungsplänen und Bauordnungen traditionell eine eher pragmatische Philosophie gepflegt – weniger hochfliegende Ambition, mehr Fokus auf solide Realisierung. Der Elbtower-Fall könnte diese Kultur in Frage stellen oder auch bestärken. Die Umwandlung in ein Naturkundemuseum könnte als Beispiel regionaler Resilienz interpretiert werden: Die Stadt passt sich an, löst ein ziviles Bedürfnis und rettet gleichzeitig eine Investition.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Regional betrachtet ist bemerkenswert, dass es ein lokales Konsortium ist, das nun die Verantwortung übernimmt – nicht eine weitere internationale Investorengruppe. Dies könnte als Hinweis verstanden werden, dass lokale Akteur*innen aus den Problemen von Überspekulation gelernt haben.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lektionen für städtische Resilienz</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was sollte die Architektur- und Planungsfachschaft aus dem Elbtower-Fall lernen? Mehrere Punkte zeichnen sich ab:</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Erstens verdeutlicht das Projekt die Notwendigkeit, Nutzungskonzepte von Anfang an für mehrere Szenarien zu durchdenken. Ein Hochhaus, das nur auf Investorenlogik basiert und keine kulturelle oder sozialen Ankerfunktionen besitzt, wird zum Risiko.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zweitens zeigt Hamburg, dass Scheitern nicht das Ende bedeuten muss – sondern Ausgangspunkt für kreative Lösungen sein kann. Das Naturkundemuseum bietet dem Gebäude eine Bestimmung, die es vorher nicht hatte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drittens wirft der Fall Fragen zur Governance auf: Hätte eine stärkere Beteiligung städtischer Planungsinstanzen oder kultureller Institutionen von Anfang an zu anderen Ergebnissen führen können?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schließlich zeigt sich die Bedeutung lokalen Knowhows. Das Becken-Konsortium kennt den Hamburger Markt, die administrativen Prozesse und die regionalen Besonderheiten – ein Aspekt, den internationale Investoren oft unterschätzen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Perspektiven für das Projekt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sollte die Bürgerschaft zustimmen – woran kein Zweifel besteht – wird der Frühling 2025 für Hamburg architektonisch bedeutsam. Der Umbau eines Investorentraums zur kulturellen Institution ist nicht nur ein pragmatischer Kompromiss, sondern möglicherweise ein Modell für andere europäische Städte, die ähnliche Probleme haben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Elbtower wird dann nicht mehr als Mahnmal des Scheiterns da stehen, sondern als Beispiel städtischer Anpassungsfähigkeit. Wie sehr dies gelungen ist, wird sich zeigen, wenn das Naturkundemuseum seine Türen öffnet – ein Monument auf neue Weise: aus wirtschaftlichem Scheitern zur kulturellen Vollendung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/hamburg-bekaempft-die-investoren-katastrophe-mit-museums-traum/">Hamburg bekämpft die Investoren-Katastrophe mit Museums-Traum</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title> Wenn Hörner auf Helmen fehlen: Schloss Gottorf dekonstruiert Wikinger-Klischees</title>
		<link>https://baukunst.art/wenn-hoerner-auf-helmen-fehlen-schloss-gottorf-dekonstruiert-wikinger-klischees/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Sep 2025 12:20:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Schleswig Holstein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schloss Gottorf zeigt, wie moderne Wikinger-Ausstellungen in Renaissance-Architektur funktionieren. Ein Balanceakt zwischen Denkmalschutz und zeitgemäßer Museumsdidaktik.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Mythos und Archäologie: Das Landesmuseum zeigt, wie zeitgemäße Vermittlung in denkmalgeschützten Räumen gelingt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Herausforderung hätte kaum größer sein können: Wie präsentiert man die komplexe Geschichte der Wikinger in einem Renaissance-Schloss, dessen Architektur selbst bereits mehrere Jahrhunderte nach der Wikingerzeit entstand? Schloss Gottorf in Schleswig meistert diesen Spagat mit einer Ausstellungsarchitektur, die den historischen Bestand respektiert und gleichzeitig moderne museumsdidaktische Standards setzt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektonischer Dialog über die Jahrhunderte</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ehemalige Residenzschloss der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf, dessen Kernbau auf das 12. Jahrhundert zurückgeht, erfuhr im 16. und 17. Jahrhundert seine prägende Umgestaltung zur vierflügeligen Renaissanceanlage. Die aktuelle Wikinger-Ausstellung nutzt geschickt die räumliche Dramaturgie des historischen Gebäudes: Der Parcours führt durch gotische Gewölbekeller, Renaissance-Säle und barocke Raumfolgen – eine architektonische Zeitreise, die der chronologischen Erzählung der Wikinger-Ära eine zusätzliche Dimension verleiht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders bemerkenswert ist die zurückhaltende Intervention der Ausstellungsarchitekten. Statt die historischen Räume mit opulenter Szenografie zu überfrachten, setzen sie auf minimalistische Einbauten aus geschwärztem Stahl und transluzenten Textilien. Diese bewusste Reduktion lässt die originalen Rippengewölbe und Stuckdecken zur Geltung kommen und schafft gleichzeitig neutrale Zonen für die Präsentation der Exponate.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Schleswig-Holstein als Wikingerland: Regionale Identität im musealen Raum</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die geografische Lage Schleswig-Holsteins zwischen Nord- und Ostsee prädestinierte die Region als Drehscheibe wikingerzeitlicher Handelsrouten. Haithabu, nur einen Steinwurf vom Schloss entfernt, war einst die bedeutendste Handelsmetropole Nordeuropas. Diese regionale Verankerung spiegelt sich in der Ausstellungskonzeption wider: Lokale Funde aus Haithabu und dem Danewerk werden nicht isoliert präsentiert, sondern in ihren europäischen Kontext eingebettet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landesbauordnung Schleswig-Holstein stellte die Planenden vor besondere Herausforderungen. Brandschutzauflagen in den historischen Holzbalkendecken erforderten innovative Lösungen bei der Wegeführung. Die Integration moderner Klimatechnik zum Schutz der empfindlichen organischen Funde musste unsichtbar erfolgen – ein Kunststück, das durch die geschickte Nutzung vorhandener Kaminschächte und Wandnischen gelang.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Bewahrung und Inszenierung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der konservatorische Spagat zwischen Exponatschutz und Besuchererlebnis zeigt sich exemplarisch im ehemaligen Hirschsaal. Hier inszenieren die Ausstellungsmacherinnen und -macher ein begehbares Wikingerschiff als raumgreifende Installation. Die Konstruktion schwebt frei im Raum, ohne die barocke Stuckdecke oder den historischen Parkettboden zu berühren – eine ingenieurtechnische Meisterleistung, die von den beteiligten Zimmerleuten aus der Region mit traditionellen Handwerkstechniken umgesetzt wurde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Verbindung von lokalem Handwerk und internationaler Museumsexpertise durchzieht das gesamte Projekt. Tischlerinnen und Schreiner aus dem Umland fertigten die Vitrinen nach Entwürfen eines dänischen Büros, das bereits das neue Wikingerschiff-Museum in Oslo gestaltet hatte. Der Wissenstransfer funktionierte in beide Richtungen: Die skandinavischen Kolleginnen und Kollegen lernten von den strengen deutschen Denkmalschutzauflagen, während die lokalen Handwerker neue Techniken der reversiblen Montage erlernten.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Digitale Layer in historischem Gemäuer</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Integration digitaler Vermittlungsebenen erfolgt behutsam, aber wirkungsvoll. Projektionen auf den Kalksteinwänden der Kellergewölbe erwecken Runensteine zum Leben, ohne die Bausubstanz zu beeinträchtigen. Augmented-Reality-Stationen ermöglichen es Besuchenden, die ursprüngliche Farbigkeit der heute monochromen Artefakte zu erleben. Diese digitalen Ergänzungen folgen einem strengen Gestaltungskanon: Alle technischen Installationen sind reversibel und fügen sich farblich in die Raumschale ein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritisch anzumerken bleibt die teilweise zu dominante Audiokulisse in den Obergeschossen. Die akustische Trennung der einzelnen Ausstellungsbereiche gelang nicht überall optimal – ein Problem, das in historischen Gebäuden mit ihren offenen Raumfolgen häufig auftritt. Hier wäre eine stärkere Zonierung durch textile Raumteiler wünschenswert gewesen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit durch Bestandsnutzung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entscheidung, die Ausstellung im historischen Bestand zu realisieren statt einen Neubau zu errichten, zahlt sich auch ökologisch aus. Die graue Energie des Bestands bleibt erhalten, zusätzliche Flächenversiegelung wird vermieden. Die Klimatisierung erfolgt über eine innovative Geothermieanlage, die unter dem Schlosshof installiert wurde – ein Pilotprojekt, das vom Land Schleswig-Holstein im Rahmen des Förderprogramms &#8222;Klimaneutrale Kulturbauten&#8220; unterstützt wird.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Modell für andere Regionen?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Gottorfer Konzept könnte Schule machen. Zahlreiche Museen in historischen Gebäuden stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Die hier gefundenen Lösungen – reversible Einbauten, respektvoller Umgang mit der Bausubstanz, Integration regionaler Handwerksbetriebe – lassen sich durchaus auf andere Kontexte übertragen. Bereits jetzt haben Delegationen aus Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen Interesse an einem Erfahrungsaustausch bekundet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neue Wikinger-Ausstellung in Schloss Gottorf beweist, dass moderne Museumspädagogik und Denkmalschutz keine Gegensätze sein müssen. Sie zeigt exemplarisch, wie regionale Baukultur und internationale Ausstellungsstandards zu einer kraftvollen Synthese verschmelzen können. Ein Leuchtturmprojekt, das weit über Schleswig-Holstein hinausstrahlt.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Hamburgs vergessene Insel: Wie Behördenversagen Neuwerk an den Rand des Untergangs brachte</title>
		<link>https://baukunst.art/hamburgs-vergessene-insel-wie-behoerdenversagen-neuwerk-an-den-rand-des-untergangs-brachte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Sep 2025 09:01:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Inselarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Küstenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Regionalentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hamburgs Nordseeinsel Neuwerk kämpft gegen den Untergang. Mit nur 18 Einwohnern steht die Infrastruktur vor dem Kollaps. Jetzt plant die Stadt eine millionenschwere Rettungsaktion.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hamburgs vergessene Exklave zwischen Sturmflut und Strukturwandel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer von Cuxhaven aus bei Ebbe die zehn Kilometer durchs Watt nach Neuwerk wandert, erlebt eine Zeitreise der besonderen Art. Der 56 Meter hohe Leuchtturm aus dem Jahr 1310 – Hamburgs ältestes Bauwerk – ragt wie ein steinerner Fingerzeig aus der flachen Marschlandschaft. Doch während dieser mittelalterliche Wehrturm die Jahrhunderte überdauerte, droht dem modernen Neuwerk der schleichende Untergang. Nur noch 18 Menschen harren auf Hamburgs einziger Nordseeinsel aus, einer drei Quadratkilometer kleinen Exklave, die 105 Kilometer von der Hansestadt entfernt im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer liegt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisches Erbe im Würgegriff der Demografie</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die bauliche Substanz Neuwerks erzählt von besseren Zeiten. Um den trutzigen Leuchtturm gruppieren sich niedersächsische Hallenhäuser mit reetgedeckten Dächern, die Nationalparkverwaltung residiert in einem schmucken Backsteinbau aus den 1920er Jahren. Die kleine Schule – ein eingeschossiger Zweckbau der Nachkriegszeit – steht seit 2016 leer. „Die Gebäude verfallen nicht physisch, sondern funktional&#8220;, erklärt die Hamburger Architektin Sandra Müller, die sich intensiv mit Inselarchitektur beschäftigt. „Wenn die Nutzung wegbricht, stirbt auch die beste Bausubstanz.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders dramatisch zeigt sich dies bei der touristischen Infrastruktur. Das „Haus Seeblick&#8220;, einst florierendes Hotel mit Restaurant, kündigte seine Schließung an. Die wenigen verbliebenen Pensionen kämpfen mit Personalmangel und steigenden Unterhaltskosten. Dabei prägen gerade diese schlichten, aber soliden Bauten aus den 1960er und 70er Jahren das Inselbild – pragmatische Architektur, die Wind und Wetter trotzt, ohne sich aufzudrängen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Küstenschutz als existenzielle Bauaufgabe</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die eigentliche architektonische Herausforderung Neuwerks liegt jedoch nicht in der Bestandspflege, sondern im Küstenschutz. Der Ringdeich, der die bewohnte Inselmitte schützt, stammt aus den 1930er Jahren und wurde nach der verheerenden Sturmflut von 1962 verstärkt. Mit einer Kronenhöhe von 7,20 Metern über Normalnull genügt er aktuell noch den Anforderungen – doch der Klimawandel verlangt nach Anpassung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„Neuwerk ist ein Testfall für resiliente Inselarchitektur&#8220;, betont Professor Klaus Hartmann vom Institut für Wasserbau der TU Hamburg-Harburg. „Wir können hier nicht einfach die Deiche erhöhen, ohne das fragile Ökosystem und das Landschaftsbild zu zerstören.&#8220; Stattdessen entwickeln Planerinnen und Ingenieure adaptive Strategien: Warften für einzelne Gebäude, mobile Hochwasserschutzelemente, amphibische Bauweisen. Der alte Leuchtturm mit seinen drei Meter dicken Mauern zeigt, dass wehrhaftes Bauen auf Neuwerk Tradition hat.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hamburgs millionenschwerer Rettungsplan</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ende 2024 überraschte die Hamburger Bürgerschaft mit einem ambitionierten Entwicklungskonzept für Neuwerk. 15 Millionen Euro sollen in den kommenden fünf Jahren in die Infrastruktur fließen. Geplant sind die Sanierung des Hafens, der Ausbau der Energieversorgung mit Photovoltaik und Kleinwindanlagen sowie – besonders kontrovers – der Neubau von Wohnraum für Zuzügler.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen hat dafür einen behutsamen Masterplan entwickelt. „Wir wollen keine Fehler der Vergangenheit wiederholen&#8220;, versichert Behördensprecher Martin Schneider. Anders als bei den Halligen, wo ortsfremde Typenhäuser die gewachsene Baukultur überformten, setzt Hamburg auf regionaltypische Architektur. Die neuen Häuser sollen sich an der traditionellen Bauweise orientieren: eingeschossige Gebäude mit steilen Satteldächern, rote Ziegel oder weiß geschlämmtes Mauerwerk, kleine Fenster gegen den Westwind.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Modellcharakter für andere Nordseeinseln</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was auf Neuwerk geschieht, beobachten andere Inseln und Halligen genau. Pellworm kämpft mit ähnlichen Problemen, Hooge und Langeneß suchen ebenfalls nach zukunftsfähigen Entwicklungskonzepten. „Neuwerk könnte zum Modell für nachhaltige Inselentwicklung werden&#8220;, meint Dr. Lisa Petersen vom Nordsee-Tourismus-Service. Entscheidend sei die Balance zwischen Bewahrung und Erneuerung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Hamburger Architektenkammer hat einen Ideenwettbewerb für „Zukunftsfähiges Bauen auf Neuwerk&#8220; ausgelobt. Gesucht werden Konzepte für energieautarke Gebäude, die sich in die Kulturlandschaft einfügen und gleichzeitig modernen Wohnkomfort bieten. Erste Entwürfe zeigen spannende Ansätze: Häuser auf Stelzen, die bei Sturmflut im Wasser stehen können, modulare Holzbauten, die per Schiff angeliefert und vor Ort montiert werden, oder unterirdische Schutzräume nach niederländischem Vorbild.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Naturschutz und Baurecht</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die größte Hürde für Neuwerks Wiederbelebung liegt paradoxerweise im Naturschutz. Als Teil des Nationalparks unterliegt die Insel strengsten Auflagen. Jeder Neubau, jede Sanierung muss durch ein Geflecht von Genehmigungsverfahren. Die Hamburger Baubehörde, das schleswig-holsteinische Umweltministerium (Neuwerk ist von Schleswig-Holstein umgeben), die Nationalparkverwaltung und die EU-Naturschutzbehörden – alle haben ein Wörtchen mitzureden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„Das Baurecht für Inseln im Wattenmeer gleicht einem Flickenteppich&#8220;, kritisiert Rechtsanwalt Thomas Brandt, der mehrere Bauherren auf Neuwerk vertritt. Hamburg hat deshalb eine Sonderverordnung erlassen, die Bauen im Bestand erleichtert und behutsame Nachverdichtung ermöglicht. Ob das reicht, wird sich zeigen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Leuchtturmprojekte als Hoffnungsschimmer</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotz aller Widrigkeiten gibt es ermutigende Signale. Ein junges Architektenpaar aus Hamburg hat den alten Gasthof „Zur Ankerklause&#8220; gekauft und plant eine sensible Sanierung. Das Konzept: Ganzjahresbetrieb mit Co-Working-Spaces für digitale Nomaden, regionale Küche, Energie-Autarkie durch Erdwärme und Solarthermie. Ein privater Investor will die ehemalige Schule zum Naturkundezentrum mit Künstlerateliers umbauen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Leuchtturmprojekte könnten den Wendepunkt markieren. „Neuwerk braucht keine Masse, sondern Klasse&#8220;, formuliert es der Hamburger Senatsbaudirektor Franz-Josef Höing. „Wenn wir zeigen können, dass nachhaltiges, klimaresilientes Bauen auch unter extremen Bedingungen funktioniert, wird Neuwerk zum Vorbild für gefährdete Küstenregionen weltweit.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die 18 verbliebenen Insulanerinnen und Insulaner blicken vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Der Leuchtturmwärter Johann Peters, dessen Familie seit vier Generationen auf Neuwerk lebt, bringt es pragmatisch auf den Punkt: „Wir haben schon ganz andere Stürme überstanden. Hauptsache, Hamburg vergisst uns nicht wieder.&#8220; Wenn der millionenschwere Rettungsplan aufgeht, könnte Neuwerk tatsächlich von der sterbenden zur lebendigen Insel werden – ein Experiment in Sachen zukunftsfähiger Inselarchitektur, das weit über die Grenzen Hamburgs hinaus Beachtung verdient.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Lübecks Bildungsrevolution: Wie eine Stadt ihre Kaufhaus-Ruine zu Gold macht</title>
		<link>https://baukunst.art/luebecks-bildungsrevolution-wie-eine-stadt-ihre-kaufhaus-ruine-zu-gold-macht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Aug 2025 16:34:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungsarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Innenstadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[UNESCO-Welterbe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Lübecks Ex-Karstadt wird zum Bildungscampus: Vier Gymnasien, Unis und Kultur unter einem Dach. Ein Modellprojekt für Innenstadtentwicklung im UNESCO-Welterbe.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/luebecks-bildungsrevolution-wie-eine-stadt-ihre-kaufhaus-ruine-zu-gold-macht/">Lübecks Bildungsrevolution: Wie eine Stadt ihre Kaufhaus-Ruine zu Gold macht</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Ein Leuchtturmprojekt entsteht</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mitten im UNESCO-Welterbe vollzieht sich eine bemerkenswerte Transformation: Die Hansestadt Lübeck, die das ehemalige Karstadt-Gebäude 2022 erworben hat, reagiert damit sowohl auf den innerstädtischen Wandel als auch auf die Raumnot der Lübecker Altstadtgymnasien. Was einst Konsumtempel war, wird zum Tempel der Bildung – ein Paradigmenwechsel, der weit über Schleswig-Holstein hinausstrahlt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Vorentwurf des Lübecker Architekturbüros ppp architekten + generalplaner steht seit Februar 2025. Das aus den 1990er Jahren stammende Gebäude im Zentrum der Altstadt soll sich vom introvertierten Fremdkörper zum extrovertierten Kommunikationswunder entfalten. Diese poetische Umschreibung trifft den Kern: Ein verschlossenes Warenhaus öffnet sich der Stadtgesellschaft.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Denkmalschutz trifft Bildungsnotstand</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die vier Altstadtgymnasien – Katharineum, Johanneum, Ernestinenschule und Oberschule zum Dom – stecken in einem klassischen Dilemma. Um- und Anbauarbeiten sind hier, aufgrund des Denkmalschutzes, nur schwer zu realisieren. Die historischen Schulgebäude auf der Altstadtinsel können nicht einfach erweitert werden. Die Umstellung auf G9 verschärft die Situation zusätzlich: Aktuell wird mit einer maximalen Belegung von etwa 1.200 Schülerinnen und Schülern inklusive Lehrpersonal gerechnet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jan Kempe, Lehrer am Katharineum, bringt die Herausforderung auf den Punkt: Die traditionellen Räume eignen sich kaum für moderne Unterrichtskonzepte. Projektorientiertes Lernen, flexible Raumnutzung, interdisziplinäre Zusammenarbeit – all das scheitert an starren Strukturen aus vergangenen Jahrhunderten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Partizipation als Planungsprinzip</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist der Entstehungsprozess des Bildungshauses. Seit Sommer 2023 hat die Hansestadt Lübeck gemeinsam mit den zukünftigen Nutzer:innen des ÜBERGANGSHAUS in einem Beteiligungsprozess Ideen und Maßnahmen entwickelt. Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Eltern, Hochschulangehörige und Kulturschaffende entwickelten gemeinsam Visionen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die sogenannte &#8222;Phase Null&#8220; ermöglichte echte Mitbestimmung. Digitale Umfragen fragten: &#8222;Wie lernst du am liebsten?&#8220; Visionenwerkstätten brachten alle Akteure an einen Tisch. Eine Schülerin formuliert treffend: &#8222;Ich finde es toll durch den Beteiligungsprozess ein Mitspracherecht zu haben. Die Visionen von uns Schülerinnen und Schülern vom Lernen von morgen können so umgesetzt werden.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektonische Innovation im historischen Kontext</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kernidee des Umbaus ist dabei – neben dem Umbau des Daches –, ein über alle Geschosse mittig angelegtes Atrium zur Belichtung und Belüftung. Diese zentrale Geste transformiert das hermetische Kaufhaus in einen durchlässigen Bildungsort. Die oberen fünf Geschosse beherbergen künftig Lernräume, abgeschirmt vom städtischen Trubel. Das Erdgeschoss hingegen öffnet sich maximal – mit Café, Bühne und Tribüne entsteht ein lebendiger Treffpunkt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architekt Klaus Petersen erklärt die Vision: &#8222;Wir wollten einen Ort schaffen, der die Innenstadt nachhaltig belebt und Raum für Begegnungen im Herzen der Altstadt bietet – offen, einladend und frei von Konsumzwängen.&#8220; Die zweigeschossige Holzkonstruktion auf dem Dach fügt sich mit rostroter Farbgebung harmonisch ins Altstadtensemble ein – ein sensibler Umgang mit dem UNESCO-Erbe.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Mixed-Use als Zukunftsmodell</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bildungshaus vereint unterschiedlichste Nutzerinnen und Nutzer unter einem Dach: Neben den vier Gymnasien ziehen Teile der Musikhochschule, der Universität zu Lübeck und der Technischen Hochschule ein. Der Offene Kanal Lübeck und Start-ups ergänzen das Spektrum. Diese programmatische Vielfalt verspricht Synergien: Wenn Gymnasiasten auf Studierende treffen, Unternehmensgründer mit Musikerinnen diskutieren, entsteht ein kreativer Schmelztiegel.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Senatorin Monika Frank betont: &#8222;Das Gebäude wird aber weit mehr sein als ein Schulgebäude. Es wird eine Plattform für Wissen, Kreativität und lebenslanges Lernen, die den Austausch zwischen den Generationen fördert.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Mobilität neu gedacht</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein unterschätzter Baustein des Konzepts versteckt sich im Untergeschoss: Circa 400 Fahrradstellplätze sollen in die vorhandene Unterbauung der Schrangen integriert werden. Diese Fahrradgarage dient nicht nur Schülerinnen und Schülern, sondern allen Lübeckerinnen und Lübeckern. Ein klares Signal für die Verkehrswende in der historischen Altstadt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das ÜBERGANGSHAUS als Reallabor</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit Juni 2024 ist das Gebäude bereits als &#8222;ÜBERGANGSHAUS&#8220; in Betrieb – eine kluge Zwischennutzung, die Erfahrungen für die finale Transformation sammelt. Pop-up-Aktionen, temporäre Ausstellungen und erste Bildungsangebote testen bereits heute, was ab 2028 Alltag werden soll. Sogar Leseecken der Bücherpiraten sind eingezogen – ein Vorgeschmack auf die künftige Lebendigkeit.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Strahlkraft und Modellcharakter</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Lübecker Bildungshaus adressiert typische Herausforderungen norddeutscher Mittelstädte: Wie reaktiviert man Handelsimmobilien? Wie schafft man Bildungsräume ohne Flächenverbrauch? Wie verbindet man Denkmalschutz mit zeitgemäßer Nutzung? Die Antworten aus Lübeck könnten Schule machen – in Flensburg, Schwerin oder Greifswald stehen ähnliche Herausforderungen an.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bausenatorin Joanna Hagen sieht überregionale Relevanz: &#8222;Gerade in unserer UNESCO-geschützten Altstadt ist es entscheidend, zukunftsfähige Konzepte für Bestandsbauten zu entwickeln, die sich gut in das historische Gesamtbild einfügen.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Finanzierung und Zeitplan</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Umbau beginnt 2026, die Eröffnung ist für 2028 geplant. Über die Gesamtkosten schweigt sich die Stadt noch aus – angesichts der Dimension des Projekts dürften diese jedoch beträchtlich sein. Fördermittel des Bundes aus dem Programm &#8222;Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren&#8220; unterstützen das Vorhaben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Blick nach vorn</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Transformation eines Kaufhauses zu einem Gebäude mit öffentlichem Mehrwert darf als Paradebeispiel für die dringend benötigte Weiterentwicklung unserer Stadtzentren gelten. Lübeck zeigt: Innenstadtentwicklung funktioniert nicht über Nostalgie, sondern über mutige Neuinterpretation. Wo früher Ware über die Ladentheke ging, werden künftig Ideen ausgetauscht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bürgermeister Jan Lindenau fasst zusammen: &#8222;Mit dem Bildungshaus schaffen wir dringend benötigte Räume für die Altstadtgymnasien und einen lebendigen Treffpunkt, an dem Menschen aller Generationen zusammenkommen, Ideen entwickeln und voneinander lernen.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bildungshaus wird mehr als eine Notlösung für Raumnot. Es wird zum Symbol für eine Stadt, die ihre Tradition nicht konserviert, sondern transformiert. Die Hansestadt, einst Zentrum des Handels, positioniert sich als Zentrum der Bildung. Ein Kaufhaus wird zum Lehrhaus – passender könnte die Metapher für den Strukturwandel kaum sein.</p>
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		<title>Baukunst-Zwischen Volkspark und Teilchenbeschleuniger – Hamburgs kühner Wurf für die Wissenschaft</title>
		<link>https://baukunst.art/baukunst-zwischen-volkspark-und-teilchenbeschleuniger-hamburgs-kuehner-wurf-fuer-die-wissenschaft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Aug 2025 08:20:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Cobe Architekten]]></category>
		<category><![CDATA[Science City Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung Bahrenfeld]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hamburg macht Ernst mit der Wissenschaftsstadt der Zukunft: Das dänische Büro Cobe überzeugt mit einer Vision, die Forschung und Stadtleben revolutionär verschmelzt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Hamburgs Science City: Dänische Vision für Deutschlands Wissenschaftsquartier der Zukunft</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Pionierstadtteil nimmt Gestalt an</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im September 2024 fiel die Entscheidung für eines der ambitioniertesten Stadtentwicklungsprojekte Deutschlands: Das dänische Büro Cobe aus Kopenhagen setzte sich im Wettbewerblichen Dialog für die &#8222;Quartiere am Volkspark&#8220; in der Science City Hamburg Bahrenfeld durch. Mit einem Entwurf, der Wissenschaft nicht länger in isolierte Campus-Inseln verbannt, sondern sie zum integralen Bestandteil städtischen Lebens macht, haben die Däninnen und Dänen die Jury überzeugt – und nebenbei eine Blaupause für die Wissenschaftsquartiere der Zukunft geliefert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Dimensionen sind beeindruckend: Auf 55 Hektar entlang des Volksparks Altona entstehen bis in die 2040er Jahre rund 3.800 neue Wohnungen, universitäre Einrichtungen, Forschungslabore und ein lebendiges Stadtquartier. Das Areal erstreckt sich vom Gelände der zu verlagernden Trabrennbahn über die derzeitigen Kleingartenanlagen bis zum künftigen A7-Deckel. Was hier entsteht, ist nicht weniger als Hamburgs Antwort auf Cambridge, Oxford oder das Silicon Valley – nur eben auf Hanseatisch und mit skandinavischem Feingefühl geplant.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Drei Quartiere, eine Vision</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Entwurf von Cobe teilt die &#8222;Quartiere am Volkspark&#8220; in drei charakteristische Teilgebiete, die jeweils ihre eigene Identität entwickeln und dennoch Teil eines kohärenten Ganzen sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Campusviertel</strong> bildet das pulsierende Herz der Science City. Ein System urbaner Plätze und öffentlicher Funktionen unterstreicht hier den städtischen Charakter. Die geplanten Fachbereiche der Universität Hamburg, insbesondere für Chemie und Physik, prägen das Viertel, ergänzt durch ein neues Hörsaalzentrum. Hier verschmelzen akademisches Leben und urbane Vitalität zu einem neuen Typus des Wissenschaftsquartiers. Die Campusmeile mit ihrer grünen Mitte wird zum zentralen Treffpunkt – keine sterile Wissenschaftsachse, sondern ein lebendiger Boulevard des Wissens.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die östlich angrenzende <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">neue Gartenstadt</strong> interpretiert ein klassisches städtebauliches Konzept zeitgemäß neu. Lineare, offene Wohnblockstrukturen schaffen grüne Höfe und stärken den Nachbarschaftscharakter. Die Struktur nimmt dabei geschickt Bezug auf die bestehenden Kleingärten, die auf den künftigen A7-Deckel umziehen werden – ein respektvoller Umgang mit gewachsenen Strukturen, der für Hamburger Stadtentwicklung charakteristisch ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Naturquartier</strong> östlich des A7-Deckels zeigt, wie Urbanität und Natur verschmelzen können. Eine lose, durchmischte Blockstruktur lässt die Natur immer wieder in die Zwischenräume eindringen – ein Konzept, das angesichts der Klimakrise und des Artensterbens wegweisend ist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit als Gestaltungsprinzip</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders überzeugend ist Cobes Umgang mit dem Regenwasser. Ein Netz aus Entwässerungsmulden, Gräben und Rückhaltebecken fängt Niederschläge auf und lässt sie versickern. Die Retentionsflächen werden zum landschaftsplanerischen Gestaltungselement. Diese &#8222;Schwammstadt&#8220;-Prinzipien sind keine nachträgliche Ergänzung, sondern integraler Bestandteil der städtebaulichen Konzeption. Karoline Liedtke-Sørensen von Cobe bringt es auf den Punkt: &#8222;Dieses Netzwerk verknüpft die bedeutenden Parkanlagen Bahrenfelds und wird zu den grünen, pulsierenden Adern der Science City.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Mobilitätskonzept setzt konsequent auf den Umweltverbund. Eine neue unterirdisch verlaufende S-Bahn-Station wird zentral im Gebiet liegen, ergänzt durch Mobility Hubs an den Quartierseingängen. Das Prinzip ist klar: Der nachhaltigste Transportweg ist immer am schnellsten zu erreichen. Die weitgehende Befreiung der Nachbarschaft vom motorisierten Individualverkehr schafft Raum für Begegnung und Aufenthaltsqualität.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Partizipation als Erfolgsfaktor</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was den Hamburger Prozess von anderen Großprojekten unterscheidet, ist die intensive Bürgerbeteiligung. Mit der &#8222;Stadtteildelegation&#8220; wurde ein innovatives Beteiligungsformat entwickelt: Menschen aus der Nachbarschaft begleiteten den gesamten Wettbewerblichen Dialog und berieten das Auswahlgremium als Sachverständige. Diese Form der Partizipation geht weit über kosmetische Beteiligung hinaus – hier wurden Anwohnerinnen und Anwohner zu echten Mitgestaltern ihrer künftigen Nachbarschaft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Science City Hamburg Bahrenfeld GmbH als Ausloberin hat damit neue Maßstäbe gesetzt. Die Beteiligung fand nicht nur in Hinterzimmern statt: Präsentationen in der Esther-Bejarano-Schule, Ausstellungen im Infocenter und sogar ein mobiles Info-Fahrrad brachten die Planungen direkt zu den Menschen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hamburgs spezifischer Weg</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Katharina Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, betont: &#8222;Die Science City Hamburg Bahrenfeld steht für das, was Hamburg stark macht: Offener Austausch, Vernetzung und Raum für innovative Ideen.&#8220; Diese Aussage ist mehr als politische Rhetorik – sie beschreibt einen spezifisch hamburgischen Ansatz der Stadtentwicklung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Anders als in München, wo mit dem neuen Campus Garching eine isolierte Wissenschaftsstadt entstand, oder in Berlin, wo die Wissenschaftsstandorte über die Stadt verstreut sind, verfolgt Hamburg einen integrativen Ansatz. Franz Josef Höing, Hamburgs Oberbaudirektor, bringt es auf den Punkt: &#8222;Mehr Stadt in der Stadt – der prämierte Entwurf setzt die Hamburger Stadtentwicklungsstrategie am Volkspark entscheidend um: dicht und dennoch grün.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Science City ist dabei kein Prestigeprojekt der Landesregierung, sondern fest in der lokalen Verwaltung verankert. Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg freut sich besonders, &#8222;dass der Erhalt ortsbildprägender Bestandsbauten mitgedacht wird und dass auch die soziale Infrastruktur Raum findet.&#8220; Diese Bodenhaftung unterscheidet Hamburg wohltuend von anderen Metropolen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Herausforderungen und Kritikpunkte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei aller Begeisterung bleiben Fragen offen. Die Verlagerung der Trabrennbahn und der Kleingärten bedeutet für viele Menschen den Verlust vertrauter Orte. Wie sozialverträglich diese Transformation gelingt, wird sich zeigen. Die geplanten 3.800 Wohnungen sollen einen hohen Förderanteil aufweisen – doch &#8222;hoch&#8220; ist relativ, und Hamburg kämpft bereits jetzt mit explodierenden Mieten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch die zeitliche Dimension birgt Risiken. Die Funktionsplanung soll Ende 2026 abgeschlossen sein, erste Bauaktivitäten sind ab 2027/2028 zu erwarten. Bis zur vollständigen Realisierung in den 2040er Jahren kann viel passieren – Regierungswechsel, Wirtschaftskrisen, veränderte Prioritäten. Die lange Bauzeit birgt die Gefahr, dass das heute visionäre Konzept bei Fertigstellung bereits überholt ist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Modell mit Strahlkraft</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotz dieser Unwägbarkeiten hat Hamburg mit der Entscheidung für Cobe ein starkes Signal gesetzt. Cobe setzte sich gegen renommierte Konkurrenz durch: Karres en Brands mit ADEPT sowie Mandaworks mit LOLA Landscape Architects. Dass ein dänisches Büro den Zuschlag erhielt, ist kein Zufall – Kopenhagen gilt als Vorreiter nachhaltiger Stadtentwicklung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Hamburger Ansatz könnte Schule machen. Während deutsche Universitäten oft in historischen Innenstädten gefangen oder auf grünen Wiesen isoliert sind, zeigt die Science City einen dritten Weg: die Integration von Wissenschaft in moderne, gemischte Stadtquartiere. Andreas Kleinau von der Science City GmbH fragt rhetorisch: &#8222;Wer würde in diesem Pionierstadtteil nicht forschen, lernen oder leben wollen?&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Mehr als ein Quartier</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was in Hamburg-Bahrenfeld entsteht, ist mehr als ein weiteres Stadtentwicklungsprojekt. Es ist der Versuch, eine Antwort auf die Frage zu finden, wie Wissenschaft und Stadt im 21. Jahrhundert zusammengehören. Der Cobe-Entwurf zeigt: nicht als getrennte Welten, sondern als sich gegenseitig befruchtende Systeme.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Science City könnte zum Modell werden für andere Städte, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen. In Zeiten, in denen Wissensproduktion zum entscheidenden Wirtschaftsfaktor wird und gleichzeitig bezahlbarer Wohnraum zur Mangelware, bietet Hamburg eine überzeugende Synthese. Ob diese Vision Realität wird, hängt von vielen Faktoren ab – nicht zuletzt vom politischen Willen und der Finanzierungssicherheit über Legislaturperioden hinweg.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eines ist jedoch sicher: Mit der Entscheidung für Cobe hat Hamburg die Weichen gestellt für ein Stadtquartier, das internationale Maßstäbe setzen könnte. Ein Quartier, das zeigt, dass Spitzenforschung nicht im Elfenbeinturm stattfinden muss, sondern mitten im Leben. Die Hansestadt beweist damit einmal mehr ihren Anspruch, nicht nur Tor zur Welt, sondern auch Labor für die Stadt der Zukunft zu sein.</p>
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		<title>Die Köhlbrandbrücke – Ein Wahrzeichen zwischen Stolz und Zerfall</title>
		<link>https://baukunst.art/die-koehlbrandbruecke-ein-wahrzeichen-zwischen-stolz-und-zerfall/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Jul 2025 12:14:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Infrastrukturpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Köhlbrandbrücke]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12918</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Köhlbrandbrücke steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Der Disput zwischen Senat und CDU verdeutlicht zentrale Herausforderungen der Hamburger Infrastrukturpolitik. Ein Blick hinter die Kulissen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Brückenstreit in Hamburg: Zwischen Abriss und Zukunftsvision</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Hamburg steht die Zukunft einer ikonischen Konstruktion auf der Kippe: Die Köhlbrandbrücke, einst Symbol hanseatischen Fortschritts und vitaler Verkehrsader, gerät zunehmend in die Schusslinie der politischen Debatten. Der Konflikt zwischen dem rot-grünen Senat und der oppositionellen CDU macht deutlich, wie kompliziert Infrastrukturentscheidungen in urbanen Ballungsräumen sein können.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lokale Besonderheiten und Herausforderungen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit ihrer Eröffnung 1974 prägt die Köhlbrandbrücke mit ihrer charakteristischen Spannweite von 520 Metern das Bild des Hamburger Hafens. Doch Alter und Verschleiß setzen der Brücke zu, Sanierungsarbeiten häufen sich, und Experten warnen vor langfristigen Sicherheitsrisiken. Vor diesem Hintergrund fordert die CDU einen Neubau, der auch zukünftige Anforderungen besser erfüllen könne.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Senat hingegen bevorzugt vorerst eine intensivere Instandsetzung und argumentiert mit Kostenkontrolle und Nachhaltigkeit. Diese Debatte spiegelt ein bekanntes regionales Spannungsfeld wider: Zwischen visionärem Neubau und pragmatischer Bestandspflege.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Bautraditionen und moderne Herausforderungen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die regionale Baukultur Hamburgs ist von pragmatischer Ästhetik und technischer Klarheit geprägt. Die Köhlbrandbrücke repräsentiert dabei nicht nur funktionale Architektur, sondern auch hanseatische Ingenieurskunst. Eine Neuplanung müsste diese Tradition ebenso berücksichtigen wie zukünftige klimatische und verkehrstechnische Anforderungen. Hamburgs Lage an Elbe und Nordsee bedeutet auch ständige Anpassungen an Klimaveränderungen und Hochwassergefahren.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Rolle regionaler Akteure</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Hintergrund wirken mächtige lokale Akteure, darunter die Hamburg Port Authority (HPA) sowie regionale Wirtschaftsverbände. Sie unterstützen weitgehend einen Neubau, argumentieren mit der steigenden Bedeutung des Hamburger Hafens als Wirtschaftsmotor und mahnen langfristige Wettbewerbsfähigkeit an.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Demgegenüber betonen lokale Umweltgruppen und Bürgerinitiativen Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung, plädieren für Modernisierung und Instandhaltung. Sie erinnern an die historische Dimension und symbolische Bedeutung der bestehenden Konstruktion.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Länderbauordnungen und regionale Förderungen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Neubauprojekt dieser Größenordnung würde nicht nur hohe Investitionen, sondern auch umfangreiche Anpassungen in der Hamburger Länderbauordnung nach sich ziehen. Dabei geht es um zeitgemäße Standards für Sicherheit, Barrierefreiheit und Klimaschutz. Förderprogramme des Bundes und der EU könnten hier finanziell entlastend wirken, wobei unklar bleibt, in welchem Umfang und mit welchen Bedingungen diese Gelder verfügbar wären.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Perspektiven und konstruktive Ausblicke</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritikerinnen und Kritiker des Neubaus bemängeln neben hohen Kosten vor allem ökologische Auswirkungen und befürchten lange Bauzeiten mit massiven Verkehrsproblemen. Andererseits könnte eine gut geplante Neubau-Lösung innovative Ansätze der nachhaltigen Mobilität und Stadtentwicklung fördern, etwa durch die Integration von Radwegen oder öffentlichem Nahverkehr.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Übertragbarkeit auf andere Regionen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Hamburger Debatte lässt sich auf zahlreiche deutsche Großstadtregionen übertragen. Überall stehen Bauwerke aus der Nachkriegszeit vor ähnlichen Herausforderungen. Die Balance zwischen Bewahrung und Erneuerung, zwischen historischem Wert und moderner Funktionalität wird deutschlandweit zur Gretchenfrage urbaner Entwicklung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Modellcharakter einer Debatte</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Diskussion um die Köhlbrandbrücke könnte wegweisend sein für andere infrastrukturelle Großprojekte. Eine gelungene Lösung würde Hamburg erneut zum Vorreiter moderner Stadtentwicklung machen und zeigen, wie Infrastrukturentscheidungen nachhaltig und zukunftsfähig getroffen werden können.</p>
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		<title>Backstein und Beton im Dialog – Konermann + Siegmund modernisieren Lübecker Traditionsbühne</title>
		<link>https://baukunst.art/backstein-und-beton-im-dialog-konermann-siegmund-modernisieren-luebecker-traditionsbuehne/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Jul 2025 13:28:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Theaterbau]]></category>
		<category><![CDATA[UNESCO-Welterbe Lübeck]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach 7 Jahren Bauzeit zeigt das neue Figurentheater Lübeck, wie zeitgenössisches Bauen im UNESCO-Welterbe gelingt: Konermann + Siegmund verbinden Backsteintradition mit mutiger Moderne.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/backstein-und-beton-im-dialog-konermann-siegmund-modernisieren-luebecker-traditionsbuehne/">Backstein und Beton im Dialog – Konermann + Siegmund modernisieren Lübecker Traditionsbühne</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bühne frei für Baukultur: Wie Konermann + Siegmund das Lübecker Figurentheater neu erfinden</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Don Quichotte und Jim Knopf in Lübecks Gassen aufeinandertreffen, dann geschieht dies neuerdings in einem architektonischen Spannungsfeld, das seinesgleichen sucht. Nach sieben Jahren Bauzeit hat das Figurentheater Kolk 17 im März 2025 seine Pforten wieder geöffnet – und präsentiert sich als mutiges Beispiel dafür, wie zeitgenössisches Bauen im UNESCO-Weltkulturerbe gelingen kann.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Holstentor und Petrikirche: Ein Quartier im Wandel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Herausforderung hätte größer kaum sein können: Mitten im historischen Kern der Hansestadt, eingezwängt zwischen mittelalterlichen Kaufmannshäusern und unter den wachsamen Augen von Denkmalpflegerinnen und Denkmalschützern, galt es, eine seit 1977 gewachsene Kulturinstitution in die Zukunft zu führen. Was Puppenspieler Fritz Fey einst als kleine Bühne für Marionetten- und Handpuppentheater gründete, hatte sich über vier Jahrzehnte zu einem Ensemble aus Theater und Museum entwickelt, das dringend einer räumlichen und technischen Modernisierung bedurfte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Possehl-Stiftung als Betreiberin wagte 2017 den entscheidenden Schritt und lobte einen Architekturwettbewerb aus. Dass die ortsansässigen Architekten Konermann + Siegmund das Rennen machten, mag auf den ersten Blick wie ein Heimvorteil erscheinen. Tatsächlich aber war es ihre tiefe Verwurzelung in der Lübecker Bautradition, gepaart mit einem unverstellten Blick für zeitgenössische Lösungen, die den Ausschlag gab.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Radikal und respektvoll: Die architektonische Strategie</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Siegerentwurf überraschte mit einem auf den ersten Blick paradoxen Ansatz: Um das historische Ensemble zu bewahren, mussten Teile davon weichen. Die Architekten schlugen vor, das Museum in die ehemaligen Theatergebäude zu verlegen und für die Bühne einen Neubau zu errichten. Diese Rochade ermöglichte es, die wertvollsten Bestandsbauten zu erhalten und gleichzeitig moderne Anforderungen an Barrierefreiheit, Brandschutz und Bühnentechnik zu erfüllen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Herzstück der Intervention bildet das neue Foyer im historischen Eckhaus Kolk 14. Durch das behutsame Entfernen späterer Einbauten legten die Planerinnen und Planer die ursprüngliche Diele frei, die sich nun über das gesamte Erdgeschoss erstreckt. Freigelegte Deckenbalken und das restaurierte gotische Portal schaffen eine Atmosphäre, die Geschichte atmet, ohne museal zu wirken. Große Öffnungen lassen die Grenze zwischen Innen und Außen verschwimmen – die enge Gasse wird zum erweiterten Foyer, das Theater zur Bühne für das städtische Leben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Backstein trifft Beton: Materialität als Dialog</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die beiden Neubauten, die das Eckgebäude flankieren, zeigen sich nach außen in regionalem Klinker gekleidet – eine Verbeugung vor der norddeutschen Backsteintradition. Im Inneren jedoch offenbaren sie ihr zeitgenössisches Wesen: Glatt geschalter Sichtbeton dominiert die Räume und schafft einen reizvollen Kontrast zu den historischen Klosterformatziegeln der Bestandswände.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders elegant lösten die Architekten die Nahtstellen zwischen Alt und Neu: Wo neue Wände auf ehemalige Außenmauern treffen, wurden letztere in schlanke Rundstützen aufgelöst. Diese rahmen das dahinterliegende historische Mauerwerk wie kostbare Gemälde – eine gestalterische Geste, die den Dialog zwischen den Zeiten zum Leitmotiv erhebt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bühne frei für Flexibilität</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der eigentliche Theaterraum im ersten Obergeschoss überrascht mit seiner Offenheit zur Stadt. Vier Meter hohe Fenster zur Kleinen Petersgrube signalisieren mittels Verdunkelungsklappen, ob gerade eine Vorstellung läuft – das Theater wird Teil der städtischen Kommunikation. Darüber öffnet sich eine halbkreisförmige Öffnung zum höher gelegenen Petrikirchhof, die als Außenbühne für Open-Air-Veranstaltungen dient. Diese vertikale Verschränkung der Ebenen nutzt geschickt die topografischen Gegebenheiten der Altstadtlage.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das zweigeschossige Forum im Neubau Kolk 18 verkörpert die neue Multifunktionalität des Hauses. Mit seinen halbrunden, rahmenlosen Verglasungen öffnet es sich zur Straße und lädt zu wechselnden Nutzungen ein – vom Empfang über Workshops bis zu kleinen Ausstellungen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lübecker Lehrstück: Regionale Baukultur im 21. Jahrhundert</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das neue Figurentheater ist mehr als nur ein gelungenes Sanierungsprojekt. Es demonstriert, wie regionale Baukultur im 21. Jahrhundert aussehen kann: verwurzelt in der lokalen Tradition, ohne in Nostalgie zu verfallen; mutig in der Intervention, ohne respektlos zu sein; funktional durchdacht, ohne die poetische Dimension zu vergessen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Herausforderungen, vor denen Konermann + Siegmund standen, sind typisch für viele norddeutsche Altstädte: strenge Auflagen des Denkmalschutzes, kleinteilige Parzellenstrukturen, komplexe Eigentumsverhältnisse und nicht zuletzt die Erwartungen einer kritischen Öffentlichkeit, die jede Veränderung im UNESCO-Welterbe argwöhnisch beäugt. Dass es den Architekten gelang, all diese Akteure ins Boot zu holen, spricht für ihre Fähigkeit zur Vermittlung – eine Kompetenz, die in Zeiten zunehmender Partizipation immer wichtiger wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Modellcharakter für andere Regionen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was lässt sich aus dem Lübecker Projekt für andere historische Stadtkerne lernen? Zunächst die Erkenntnis, dass Denkmalschutz und zeitgenössische Architektur keine Gegensätze sein müssen. Der Mut zur Lücke – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne – kann Räume für Neues schaffen, ohne das Alte zu verraten. Die Strategie der funktionalen Rochade, wie sie hier angewandt wurde, könnte auch andernorts helfen, festgefahrene Nutzungskonflikte zu lösen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig zeigt das Projekt die Bedeutung lokaler Expertise. Die Vertrautheit der Architekten mit den spezifischen Bautraditionen der Hansestadt – vom Klosterformat der Ziegel bis zur Typologie der Kaufmannshäuser – ermöglichte Lösungen, die ein ortsfremdes Büro womöglich nicht gefunden hätte. Dies ist keine Absage an überregionale Kompetenz, sondern ein Plädoyer für die produktive Verbindung von lokalem Wissen und externen Impulsen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Die zweite Halbzeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit der Eröffnung des Theaters ist erst die Hälfte des Gesamtprojekts abgeschlossen. Bis Juli 2025 entsteht hinter den denkmalgeschützten Backsteinfassaden der ehemaligen Theaterbauten das neue Museum als „Haus im Haus&#8220;. Man darf gespannt sein, wie Konermann + Siegmund auch diese Aufgabe meistern werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das neue Figurentheater Lübeck beweist eindrucksvoll, dass regionales Bauen im 21. Jahrhundert weder provinziell noch rückwärtsgewandt sein muss. Es kann vielmehr zum Labor für Lösungen werden, die aus der spezifischen Situation heraus entwickelt wurden und gerade deshalb Modellcharakter für andere Orte haben. Wenn Don Quichotte das nächste Mal gegen Windmühlen kämpft, tut er dies in einem Raum, der selbst zum Statement geworden ist: für eine Baukultur, die Tradition und Innovation nicht als Widerspruch, sondern als produktive Spannung begreift.</p>
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