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	<title>Berufspolitik-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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	<title>Berufspolitik-Archiv - Baukunst</title>
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		<title>Gewerbe zu Wohnen: Der KfW-Zuschuss 266 startet zum 1. Juli 2026</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 15:07:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Leere Büros, fehlende Wohnungen: Der Bund will beides zugleich lösen. Seit dem 1. Juli fließt Fördergeld für den Umbau. Doch der Zuschuss allein macht kein Projekt wirtschaftlich.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/gewerbe-zu-wohnen-der-kfw-zuschuss-266-startet-zum-1-juli-2026/">Gewerbe zu Wohnen: Der KfW-Zuschuss 266 startet zum 1. Juli 2026</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong>   |   BERUF   |   Juli 2026</p>
<p>Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Leerstand nebenan: Wie aus dem alten Bürohaus bezahlbare Wohnungen werden</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der KfW-Zuschuss 266 „Gewerbe zu Wohnen“ ist ein direkter, nicht rückzahlbarer Baukostenzuschuss des Bundes, der seit dem 1. Juli 2026 den Umbau leerstehender Nichtwohngebäude zu Wohnungen mit bis zu 30.000 Euro je neuer Wohneinheit unterstützt. Abgewickelt wird das Programm von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB). Die zugrunde liegende Förderrichtlinie erschien am 2. April 2026 im Bundesanzeiger, für das Haushaltsjahr 2026 stehen 300 Millionen Euro bereit, und die Laufzeit endet vorerst mit Ablauf des 31. Dezember 2026.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausgangslage ist in wenigen Zahlen umrissen. Laut einem Bericht der Bundesregierung vom November 2025 stieg die Leerstandsquote in den großen deutschen Büromärkten zwischen 2019 und 2024 von rund zwei auf 5,6 Prozent, was etwa elf Millionen Quadratmetern ungenutzter Fläche entspricht. Das Beratungshaus JLL bezifferte den Büroleerstand in den sieben größten Städten Ende 2025 auf 8,1 Millionen Quadratmeter. Dem steht ein anhaltender Mangel an bezahlbarem Wohnraum gegenüber. Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) verbindet mit dem Programm daher ein dreifaches Versprechen: Leerstand abbauen, Wohnraum schaffen und den Gebäudebestand klimagerecht erneuern.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was fördert der Zuschuss 266 konkret?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gefördert werden ausschließlich die baulichen Umbaumaßnahmen. Dazu zählen Rückbau, Grundrissänderungen, der Bau neuer Treppenhäuser, die Erschließung, statische Anpassungen, der gesamte Innenausbau sowie die Umgestaltung der Außenflächen einschließlich Entsiegelung. Der Fördersatz beträgt 30 Prozent der förderfähigen Kosten, bezogen auf höchstens 100.000 Euro je neuer Wohneinheit. Daraus ergibt sich der Höchstbetrag von 30.000 Euro pro Wohnung. Voraussetzung ist, dass durch den Umbau mindestens eine neue, abgeschlossene Wohneinheit entsteht und das Gebäude zuvor beheizt und nicht zu Wohnzwecken genutzt wurde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine wichtige Trennlinie verläuft bei der Energetik. Die Kosten der energetischen Sanierung, also Dämmung, Fenster oder Wärmeerzeuger, sind über den Zuschuss 266 nicht förderfähig. Dafür ist die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) zuständig, etwa über das KfW-Programm 261. Beide Linien lassen sich kombinieren, solange dieselbe Kostenposition nicht doppelt angesetzt wird. Zugleich verlangt das Programm einen energetischen Zielstandard: Nach dem Umbau muss mindestens das Niveau „Effizienzhaus 85 Erneuerbare-Energien“ erreicht werden, bei denkmalgeschützter Substanz genügt „Effizienzhaus Denkmal Erneuerbare-Energien“. Die Einbindung einer Sachverständigen oder eines Sachverständigen aus der Expertenliste für Förderprogramme des Bundes bei der Deutschen Energie-Agentur (dena) ist verpflichtend.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wer ist antragsberechtigt, und wo lauert die zeitliche Falle?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Antragsberechtigt sind natürliche wie juristische Personen, also Selbstnutzerinnen und Selbstnutzer ebenso wie private Investoren, Wohnungsunternehmen, Kommunen und gemeinnützige Organisationen. Die spätere Vermietung der neuen Wohnungen ist ausdrücklich zulässig. Für Unternehmen ist allerdings die De-minimis-Regelung zu beachten, die staatliche Beihilfen über einen Dreijahreszeitraum begrenzt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die entscheidende Hürde ist zeitlicher Natur. Der Antrag muss vor Vorhabenbeginn bei der KfW gestellt sein. Als Vorhabenbeginn gilt der Abschluss eines der Ausführung zuzurechnenden Liefer- oder Leistungsvertrags. Planungs- und Beratungsleistungen dürfen vorher erbracht werden, der erste Bauauftrag jedoch nicht. Wer vor der Förderzusage Material bestellt oder Abrissarbeiten beauftragt, verliert den Anspruch vollständig. Zusätzlich bedarf die Nutzungsänderung von Gewerbe zu Wohnen in aller Regel einer Baugenehmigung. Der Umsetzungszeitraum beträgt maximal 54 Monate.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum entscheidet sich die Wirtschaftlichkeit selten am Zuschuss?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Zuschuss wirkt als Anschub, nicht als Vollfinanzierung. Als grobe Orientierung gelten für den reinen Umbau 800 bis 2.000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Ein Projekt mit zehn Wohnungen bringt bei maximaler Ausschöpfung 300.000 Euro, was die Umbaukosten je nach Objekt um etwa zehn bis zwanzig Prozent entlastet. Der Löwenanteil der Ausgaben entsteht andernorts: bei der Ertüchtigung der Tragkonstruktion, dem Einbau von Nasszellen, der Anpassung der Gebäudehülle an den geforderten Effizienzstandard und, nicht zuletzt, in der Dauer der Genehmigungsverfahren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Flankiert wird das Programm von mehreren Rechtsänderungen. Die Novelle des Baugesetzbuchs aus dem Jahr 2025 führte mit § 246e BauGB den sogenannten Bau-Turbo ein, der erweiterte Befreiungen nach § 31 BauGB und verbindliche Bearbeitungsfristen vorsieht. Die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) wurde angepasst, um Nutzungskonflikte zwischen Gewerbe und Wohnen zu entschärfen. In Bayern verhindert Art. 81 der Bayerischen Bauordnung (BayBO), dass Gemeinden allein wegen der Umnutzung zu Wohnzwecken zusätzliche Stellplätze verlangen. Solche Erleichterungen senken einzelne Kostenhürden, ersetzen aber keine objektbezogene Machbarkeitsprüfung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das Programm für die gemischte Stadt?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jenseits der Kostenrechnung liefert die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen ein gewichtiges Argument. Die Umnutzung von Bestandsgebäuden spart nach Angaben des BMWSB bis zu zwei Drittel der Kohlendioxid-Emissionen gegenüber einem vergleichbaren Neubau. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) empfahl im Frühjahr 2026 in seiner Stellungnahme „Zirkulär bauen: Bestand erhalten, Kreisläufe schließen“, Kreislaufkriterien fest in die Bauförderung zu verankern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritik bleibt dennoch nicht aus. Vertreterinnen und Vertreter der Immobilienwirtschaft begrüßen den Impuls, halten ihn aber für strukturell begrenzt. Sozialpolitisch orientierte Stimmen bemängeln die fehlende Mietbindung: Ein öffentlich subventionierter Umbau kann anschließend zu beliebigen Marktmieten vermietet werden. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) warnt zudem davor, dass die flächendeckende Umwandlung von Ladenlokalen die Nutzungsmischung in den Innenstädten kippen lässt, auf die das Handwerk für seine Kundennähe angewiesen ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">So markiert der Zuschuss 266 vor allem den politischen Willen zur Aktivierung des Bestands. Ob die 300 Millionen Euro den Unterschied zwischen einem rechnerisch tragfähigen und einem tatsächlich gebauten Projekt ausmachen, entscheidet sich am einzelnen Objekt, an den Genehmigungszeiten und an der Frage, ob das vereinfachte Bauen nach dem Gebäudetyp E auch für Umnutzungen praxistauglich wird.</p>
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<h3 class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal">Leser-Info: KfW-Zuschuss 266 „Gewerbe zu Wohnen&#8220;</h3>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal"><strong>Programm:</strong> Gewerbe zu Wohnen (GzW), abgewickelt als KfW-Zuschuss Nr. 266<br />
<strong>Träger:</strong> Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB), Umsetzung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)<br />
<strong>Laufzeit:</strong> Antragstellung seit 1. Juli 2026, befristet bis 31. Dezember 2026<br />
<strong>Volumen:</strong> 300 Millionen Euro für das Haushaltsjahr 2026</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal"><strong>Förderhöhe:</strong> 30 Prozent der förderfähigen Umbaukosten, bezogen auf höchstens 100.000 Euro je neuer Wohneinheit, also bis zu 30.000 Euro je Wohnung. Direkter, nicht rückzahlbarer Zuschuss.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal"><strong>Antragsberechtigt:</strong> natürliche und juristische Personen, also Selbstnutzerinnen und Selbstnutzer, private Investoren, Wohnungsunternehmen, Kommunen und gemeinnützige Organisationen. Spätere Vermietung zulässig. Für Unternehmen gilt die De-minimis-Regelung.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal"><strong>Voraussetzungen</strong>: mindestens eine neue, abgeschlossene Wohneinheit; Gebäude zuvor beheizt und nicht zu Wohnzwecken genutzt; energetischer Zielstandard mindestens Effizienzhaus 85 Erneuerbare-Energien (bei Denkmälern Effizienzhaus Denkmal EE); Einbindung einer Sachverständigen oder eines Sachverständigen aus der dena-Expertenliste ist Pflicht.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal"><strong>Wichtig:</strong> Der Antrag muss vor Vorhabenbeginn gestellt sein. Als Vorhabenbeginn gilt der Abschluss eines Liefer- oder Leistungsvertrags; Planung und Beratung sind vorher zulässig. Die Nutzungsänderung von Gewerbe zu Wohnen bedarf in der Regel einer Baugenehmigung. Umsetzungszeitraum maximal 54 Monate.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal"><strong>Nicht förderfähig:</strong> energetische Sanierung (Dämmung, Fenster, Wärmeerzeuger). Dafür ist die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) zuständig, etwa über das KfW-Programm 261. Beide Linien sind kombinierbar, sofern dieselbe Kostenposition nicht doppelt angesetzt wird.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal"><strong>Antragsweg und Quellen:</strong> direkt bei der KfW (kfw.de, Produktseite „Gewerbe zu Wohnen (266)&#8220;), Programminformationen des BMWSB unter bmwsb.bund.de.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal">
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<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/gewerbe-zu-wohnen-der-kfw-zuschuss-266-startet-zum-1-juli-2026/">Gewerbe zu Wohnen: Der KfW-Zuschuss 266 startet zum 1. Juli 2026</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Der 13-Punkte-Plan von Verena Hubertz: Reformimpuls oder Symbolpolitik?</title>
		<link>https://baukunst.art/der-13-punkte-plan-von-verena-hubertz-reformimpuls-oder-symbolpolitik/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Jun 2026 08:47:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
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		<category><![CDATA[13-Punkte-Plan Baukosten]]></category>
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		<category><![CDATA[Gebäudetyp E]]></category>
		<category><![CDATA[Hubertz Aktionsplan]]></category>
		<category><![CDATA[Neubauförderung 2027]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ab 2028 nur noch digitale Bauanträge, ein gebündeltes Förderprogramm und Boni für schnelles Bauen: Der Aktionsplan der Bauministerin verspricht viel. Wie tragfähig sind die dreizehn Punkte wirklich?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-13-punkte-plan-von-verena-hubertz-reformimpuls-oder-symbolpolitik/">Der 13-Punkte-Plan von Verena Hubertz: Reformimpuls oder Symbolpolitik?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art </strong>  |   BERUF   |   Juni 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wohnungsnot trifft Sparzwang: Hubertz&#8216; Plan zwischen Anspruch und Wirklichkeit</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der am 19. Juni 2026 in Frankfurt vorgestellte Aktionsplan von Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) ist ein Bündel aus dreizehn Einzelmaßnahmen, das die Baukosten dämpfen und den stockenden Wohnungsbau wieder in Gang bringen soll, ohne dabei unmittelbar ein einziges neues Gesetz in Kraft zu setzen. Vorgelegt wurde das Papier vor Vertreterinnen und Vertretern der Immobilien- und Finanzbranche, nicht im Deutschen Bundestag. Schon dieser Rahmen verrät die Zwitterstellung des Vorhabens: halb Reformfahrplan, halb Werbeauftritt um Investitionen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausgangslage rechtfertigt jeden Tatendrang. Laut Statistischem Bundesamt wurden 2025 in Deutschland nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt, rund 18 Prozent weniger als im Vorjahr und der niedrigste Stand seit 2012. Bundesweit fehlen schätzungsweise eine Million Wohnungen. Hubertz formuliert das Problem ungewohnt offen: Es gehe nicht mehr darum, das Bauen attraktiver zu machen, sondern dafür zu sorgen, dass Projekte überhaupt noch realisiert würden. Die Baukosten hätten, so die Ministerin, ein unsägliches Niveau erreicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Verschärft wird die Lage durch die Finanzierungsseite. Gestiegene Kreditzinsen haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Vorhaben unrentabel gemacht. Die von Hubertz angekündigte Verlängerung von Abschreibungsmöglichkeiten weist in die richtige Richtung, doch ihre konkrete Ausgestaltung fehlt bislang. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob aus einer Ankündigung messbare Wirkung wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was steht konkret im Aktionsplan?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den sichtbarsten Punkt bildet die Digitalpflicht: Ab 2028 soll der digitale Bauantrag zum verbindlichen Regelweg werden, Papieranträge nur noch in begründeten Härtefällen zulässig sein. Ziel ist eine durchgängige Digitalisierung vom Antrag bis zur Genehmigung. Zweitens bündelt das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen die bislang zersplitterte Neubauförderung ab 2027 in einem einzigen Programm mit dem schlichten Namen Neubau; der Aufbau von Wohneigentum für Familien soll dabei ein zentrales Kriterium sein. Drittens kündigt Hubertz ein Bonus-System an, das verkürzte Bauzeiten und reduzierte Kosten belohnt und damit serielles wie modulares Bauen mit vorgefertigten Bauteilen anreizt. Hinzu kommt die Absicht, Bauleitplanverfahren mit standardisierten Datenmodellen auf maximal zwei Jahre zu begrenzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders die Zwei-Jahres-Grenze für Bauleitplanverfahren ist ambitioniert. Bebauungspläne nach Baugesetzbuch (BauGB) scheitern in der Praxis selten am Formular, sondern an Umweltprüfungen, Beteiligungsverfahren und Abwägungen widerstreitender Belange. Standardisierte Datenmodelle können die Verwaltung entlasten, doch die rechtlich gebotene Sorgfalt lässt sich nicht per Frist verordnen. Wer Verfahren wirklich verkürzen will, muss an die materiellen Anforderungen heran, nicht nur an deren digitale Verpackung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vieles davon ist nicht neu. Der prominent platzierte Gebäudetyp E, der ein rechtssicheres Abweichen von Normen und technischen Standards etwa bei Tiefgaragen erlauben soll, geht noch auf die Ampelkoalition zurück. Der zugehörige Gesetzentwurf soll laut Hubertz erst in diesem Jahr vom Bundesministerium der Justiz vorgelegt werden. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), bringt die Geduldsprobe auf den Punkt: Beim Gebäudetyp E sei bereits über ein Jahr dieser Legislaturperiode verloren gegangen. Er bewertet den Plan grundsätzlich positiv, fordert aber deutlich mehr Tempo und Ehrgeiz in der Umsetzung sowie kurzfristige finanzielle Anreize.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Beschleunigt die Digitalpflicht wirklich die Verfahren?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier zeigt sich die zentrale Schwäche des Plans. Ein digitaler Bauantrag beschleunigt nichts, solange die Genehmigungsbehörden personell unterbesetzt sind und jedes Bundesland eine eigene Bauordnung pflegt. Die Bayerische Bauordnung (BayBO) unterscheidet sich von der Bauordnung in Nordrhein-Westfalen oder Sachsen erheblich; ein bundesweit einheitlicher digitaler Antrag setzt eine Harmonisierung voraus, die der Aktionsplan nicht liefert. Digitalisierung ohne Verfahrensvereinfachung verlagert die Aktenberge lediglich auf den Server.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt der Datenschutz. Bauanträge enthalten regelmäßig personenbezogene Daten und sensible Grundstücksinformationen, deren Verarbeitung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) genügen muss. Wo zusätzliche Prüfschritte, Aufbewahrungsfristen und Nachweispflichten entstehen, kann Digitalisierung Verfahren sogar verlängern statt verkürzen. Beschleunigung gelingt nur, wenn die materielle Prüfdichte sinkt, nicht allein das Medium wechselt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch das serielle Bauen verdient einen nüchternen Blick. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) räumte selbst ein, dass erst rund zehn Prozent der Gebäude in Deutschland mit vorgefertigten Bauteilen errichtet würden. Kritikerinnen und Kritiker warnen, dass serieller Wohnungsbau für Verdichtung und Aufstockung in den Innenstädten kaum taugt und derzeit nicht einmal günstiger ist. Der von Hubertz beschworene Vergleich, ganze Wohnviertel rollten vom Fließband, weckt zudem ungute Erinnerungen an den industriellen Plattenbau; die architektonische und städtebauliche Qualität bleibt im Aktionsplan eine Leerstelle.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das für kleine und mittlere Planungsbüros?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Architektenschaft ist der Plan ein zweischneidiges Schwert. Einerseits eröffnet die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) bei standardisierten und seriellen Projekten weniger Spielraum für die volle Leistungstiefe; wo Gebäude faktisch aus dem Katalog kommen, schrumpft der Anteil planerischer Wertschöpfung. Andererseits verschiebt der Gebäudetyp E Verantwortung zurück zu den Entwerfenden: <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wer rechtssicher von einer Norm abweicht, braucht fundierte fachliche Begründung, saubere Dokumentation und ein waches Haftungsbewusstsein.</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Beides begünstigt eher das größere Büro mit eigener Rechtsabteilung als die kleine Partnerschaft. Hier wären berufspolitische Leitplanken der Bundesarchitektenkammer (BAK) und der Länderarchitektenkammern gefragt, etwa die Forderung, dass Standardisierung die Planungshoheit nicht aushöhlt, dass Haftungsrisiken beim Abweichen von Normen fair verteilt werden und dass Beschleunigung nicht zulasten der Baukultur geht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Unterbelichtet bleibt schließlich der Fachkräftemangel. Schnellere Verfahren und mehr Förderung erhöhen die Nachfrage nach Planungsleistungen, doch ohne qualifizierte Nachwuchskräfte in Büro und Bauamt verpufft jeder Beschleunigungseffekt. Eine ehrliche Wohnungsbaupolitik wäre stärker mit Nachwuchsförderung und der personellen Ausstattung der Bauverwaltung verzahnt; im Aktionsplan kommt dieser Zusammenhang kaum vor, obwohl die Branche genau davon abhängig ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der ehrliche Befund lautet: Der Aktionsplan ist weder reiner Aktionismus noch fertige Politik. Er benennt die richtigen Hebel, Kosten, Zeit und Verfahren, bleibt aber bei der Ausgestaltung vage und schiebt die entscheidenden Gesetzgebungsschritte in die Zukunft. Ein Papier, das überwiegend aus Absichtserklärungen und bereits bekannten Vorhaben besteht und auf einer Investorenkonferenz statt im Parlament präsentiert wird, ist zunächst ein politisches Signal. Ob daraus sinnvolle Politik wird, entscheidet sich nicht an der Zahl dreizehn, sondern an den Gesetzentwürfen, die noch in diesem Jahr folgen müssen. Andernfalls droht dem schönsten Plan das Schicksal so vieler Wohnungsbauoffensiven der vergangenen Jahre: viel angekündigt, wenig gebaut.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Wer entscheidet, was gute Architektur ist?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 May 2026 14:34:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Premium]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
		<category><![CDATA[RPW 2013]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Trump verordnet per Dekret die Klassik, die AfD träumt vom Heimatstil, und prominente Stararchitekten loben halblaut den autoritären Bauherrn, der ohne Bürgerbeteiligung und Vergaberegeln bauen lässt. Politisch trennt diese Lager alles. Im Kern aber teilen sie eine Geringschätzung des geregelten Verfahrens, das die Architektenkammern verteidigen. Wer darf eigentlich entscheiden, was gute Architektur ist, das Preisgericht oder die Macht? Eine berufspolitische Einordnung.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Meinung <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Mai 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Verachtung des Verfahrens: über Stilverordnung und die Liebe zum starken Bauherrn</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage, wer über gute Architektur entscheidet, ist keine ästhetische, sondern eine Machtfrage; und die bemerkenswerteste Entwicklung der vergangenen Jahre besteht darin, dass politische Stilverordner und ungeduldige Stararchitekten bei ihrer Antwort näher beieinanderliegen, als beide zugeben würden. Beide misstrauen dem Verfahren.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wer verordnet inzwischen den Geschmack?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der prominenteste Fall steht in Washington. Im August 2025 unterzeichnete US-Präsident Donald Trump die Verfügung „Making Federal Architecture Beautiful Again“, die klassische und traditionelle Architektur zum bevorzugten Stil für neue Bundesbauten erklärt. In der Hauptstadt soll die Klassik zur Standardwahl werden, Bauten sollen als Zivilbauten erkennbar sein und Würde, Stabilität und Inspiration verkörpern. Brutalismus und Moderne werden ausdrücklich als überholte Moden genannt. Die Verfügung wiederholt einen Erlass aus Trumps erster Amtszeit von 2020, den der damalige Präsident Joe Biden 2021 zurücknahm.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Strukturell ist das dasselbe Muster, das sich auch im Programmentwurf der Alternative für Deutschland (AfD) in Mecklenburg-Vorpommern findet, der einen unscharfen architektonischen Heimatstil für öffentliche Bauten fordert. Wie an dieser Stelle bereits ausgeführt, verschiebt eine solche Vorgabe die Gestaltungsfrage von der fachlichen Beurteilung zur staatlichen Stilkontrolle. Die ästhetischen Vorzeichen unterscheiden sich, hier nationale Klassik, dort Regionalstil; das ordnungspolitische Prinzip ist identisch. Der Staat schreibt die Form vor, und das Urteil der Fachleute wird zur nachgeordneten Größe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die Begründung. In beiden Fällen wird der Wille einer Mehrheit beschworen, die sich angeblich von der Moderne abgewandt hat. Das Weisse Haus berief sich in seinem Fact Sheet ausdrücklich auf die Präferenzen der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Geschmack wird so zur Frage demokratischer Legitimation umgedeutet, was eine bequeme, aber gefährliche Verschiebung darstellt. Denn niemand stimmt über Fassaden ab, und kein Wahlergebnis ersetzt eine fachliche Beurteilung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum lieben manche Stararchitekten den autoritären Bauherrn?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die zweite, leisere Stimme kommt aus dem Berufsstand selbst. Patrik Schumacher, Direktor von Zaha Hadid Architects, hat mehrfach vertreten, dass Aufträge in Ländern wie China, Aserbaidschan oder im Ägypten Husni Mubaraks gerade bei Kulturprojekten als möglicher Gewinn für die Menschenrechte zu deuten seien und nicht als Unterstützung von Unrecht. Sein bekanntestes Beispiel ist das Heydar-Aliyev-Center im aserbaidschanischen Baku, ein gefeierter Bau in einem autoritär regierten Staat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schumachers eigene Politik ist dabei keineswegs autoritär, im Gegenteil. Der frühere Marxist gilt heute als Anarcho-Kapitalist, lehnt sozialen Wohnungsbau, Wohnungsregulierung und zentrale Stadtplanung ab und wirbt für privat betriebene Städte. Sein Argument für den autoritären Auftraggeber ist deshalb kein ästhetisches, sondern ein praktisches: Wo demokratische Beteiligung, Vergaberegeln und knappe öffentliche Budgets fehlen, lassen sich kühne Entwürfe schneller und ungehinderter realisieren. Der Diktator ist als Bauherr nicht attraktiv, weil er besseren Geschmack hätte, sondern weil er ohne Reibung entscheidet und zahlt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau hier treffen sich die beiden Lager, die politisch Gegenpole sind. Der verordnende Politiker und der ungeduldige Stararchitekt teilen eine Geringschätzung: Beide empfinden das offene, regelgebundene Verfahren als Hindernis. Der eine will es durch Stilvorgaben ersetzen, der andere durch seine Umgehung. Was dem einen die lästige Mehrheitsmoderne ist, ist dem anderen die lästige Bürgerbeteiligung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was verteidigen Kammern und Berufsrecht eigentlich?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">An dieser Stelle wird die berufspolitische Dimension sichtbar. Das deutsche Vergaberecht behandelt die genannte Reibung nicht als Mangel, sondern als Qualitätssicherung. Nach § 74 Vergabeverordnung (VgV) sollen Architektenleistungen oberhalb der EU-Schwellenwerte in der Regel im Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb vergeben werden; bei Planungswettbewerben verpflichtet § 78 Absatz 2 VgV öffentliche Auftraggeber zur Anwendung der Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW 2013). Anonymität, unabhängiges Preisgericht und die Beurteilung der besten Lösung sind keine Bürokratie, sondern Schutzmechanismen gegen genau jene beiden Versuchungen, die Verordnung von oben und die Willkür des einzelnen Bauherrn.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundesarchitektenkammer (BAK) verfolgt mit ihrem Compliance-Papier von 2018 das Ziel, möglichst jedes konkurrierende Verfahren als geregelten, fairen Leistungswettbewerb durchzuführen. Dahinter steht eine Überzeugung, die in der aktuellen Debatte oft untergeht: Gute Architektur entsteht nicht, weil eine Autorität sie befiehlt, sondern weil konkurrierende Entwürfe von unabhängigen Fachleuten geprüft werden. Das Verfahren ist nicht die Bremse der Qualität, es ist ihre Voraussetzung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Einwand liegt nahe, dass Wettbewerbe langsam, teuer und manchmal mutlos seien. Das stimmt in Einzelfällen, und niemand sollte das Verfahren gegen Kritik immunisieren. Doch die Antwort auf ein verbesserungswürdiges Verfahren ist seine Reform, nicht seine Abschaffung zugunsten eines starken Mannes, der entscheidet, oder einer Verordnung, die vorschreibt. Wer schnelle, prächtige Bauten allein als Argument für autoritäre Effizienz anführt, verwechselt das Bauwerk mit dem Weg dorthin.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Damit schließt sich der Kreis. Die Sehnsucht nach dem reibungslosen Bauen, ob in Gestalt der präsidialen Stilverfügung oder der Bewunderung für den Golf-Auftraggeber, läuft auf dieselbe Entmündigung hinaus. Sie nimmt der Fachöffentlichkeit das Urteil und überträgt es an die Macht. Die freien Berufe haben dem historisch das geregelte Verfahren entgegengesetzt, das unabhängige Preisgericht und die fachliche Verantwortung. Diese Errungenschaft zu verteidigen, ist weniger spektakulär als ein neuer Prachtbau in Baku oder eine klassizistische Fassade in Washington. Sie ist aber das, was Architektur von reiner Machtdemonstration unterscheidet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Architektonischer Heimatstil</title>
		<link>https://baukunst.art/architektonischer-heimatstil/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 30 May 2026 09:25:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[RPW 2013]]></category>
		<category><![CDATA[Vergabewesen]]></category>
		<category><![CDATA[VgV]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die AfD will öffentliche Bauten einem architektonischen Heimatstil unterwerfen. Der Begriff bleibt vage, die Folgen für Vergaberecht, Kammern und Baukultur sind konkret. Eine Einordnung.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Beruf <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Mai 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heimat aus Stein: über den Versuch, Architektur politisch zu normieren</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektonischer Heimatstil bezeichnet die Vorstellung, dass öffentliche Bauten regionale Bautraditionen sichtbar fortschreiben sollen; als verbindliche politische Vorgabe formuliert, verschiebt der Begriff die Gestaltungsfrage von der fachlichen Beurteilung zur staatlichen Stilkontrolle. Genau in dieser Form taucht er nun in einem Programmentwurf der Alternative für Deutschland (AfD) auf, und genau deshalb verdient er eine berufspolitische Einordnung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was steht im Programmentwurf der AfD?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Mai 2026 enthält der nicht-öffentliche Entwurf für ein Regierungsprogramm der AfD in Mecklenburg-Vorpommern die Forderung, bei öffentlichen Bauten künftig auf einen architektonischen Heimatstil zu achten. Zur Begründung heißt es, eine gesichtslose moderne Architektur habe Einzug gehalten, regionale Baustile fänden sich nur noch selten und sorgten so für eine mangelnde Identifikation mit der Heimat. Wie dieser Stil konkret aussehen soll, bleibt im Entwurf offen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Vorstoß steht nicht allein. Bereits 2024 verurteilte die AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt das Bauhaus in einem Antrag als Irrweg der Moderne und forderte, die Glorifizierung des Bauhaus-Erbes abzulehnen. Anlass war das Doppeljubiläum des UNESCO-Weltkulturerbes Bauhaus in den Jahren 2025 und 2026. Flankiert wird der aktuelle Entwurf von Plänen zur Förderung traditioneller Volkskunst und zur Überprüfung ideologisch motivierter Projekte, was bei Kulturschaffenden im Land erkennbar Sorgen auslöst.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ist das nicht dasselbe wie bei König Charles?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Parallele liegt nahe, trägt aber nur an der Oberfläche. Als Prince of Wales war Charles über Jahrzehnte der prominenteste Kritiker der britischen Nachkriegsmoderne. 1984 bezeichnete er einen geplanten Erweiterungsbau der National Gallery am Trafalgar Square als monströsen Auswuchs im Gesicht eines geliebten Freundes; der Entwurf wurde daraufhin fallengelassen. 1989 folgte mit „A Vision of Britain“ ein Buch samt BBC-Dokumentation, in dem er zehn Grundsätze für Architektur und Stadtplanung formulierte: Ortsbezug, menschlicher Maßstab, regionale Materialien, Vorrang des Fußgängers. Umgesetzt hat er diese Haltung in der Modellstadt Poundbury in Dorset, deren Masterplan vom Architekten Léon Krier stammt, und später in Nansledan bei Newquay.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Unterschied ist entscheidend. Bei Charles handelte es sich um eine ästhetische und stadtbauliche Position, vorgetragen von einer Person ohne Gesetzgebungsmacht, finanziert auf eigenem Grund und der fachlichen Kritik ausgesetzt. Der AfD-Entwurf hingegen stellt einen unscharfen Heimatstil als mögliche verbindliche Vorgabe für öffentliche Bauten in Aussicht, eingebettet in ein identitätspolitisches Programm. Die Worte ähneln sich, der gesichtslose Modernismus gegen die verlorene Identität; der ordnungspolitische Rahmen unterscheidet sich grundlegend.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Begriff selbst ist historisch vorbelastet. Als Heimatschutzstil bezeichnete man um 1900 eine Strömung, die sich gegen die Industriearchitektur wandte und regionale Bauformen pflegte; im Nationalsozialismus wurde diese Formensprache für eine völkische Heimatideologie vereinnahmt und gegen die als undeutsch diffamierte Moderne in Stellung gebracht. Wer den Begriff heute ohne Erläuterung als politische Vorgabe einsetzt, ruft diese Vorgeschichte mit auf, ob gewollt oder nicht.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet eine staatliche Stilvorgabe für das Vergaberecht?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier liegt der eigentliche berufspolitische Konflikt. Die Vergabe von Architektenleistungen folgt einem geregelten Verfahren. Oberhalb der EU-Schwellenwerte sollen Planungsleistungen nach § 74 Vergabeverordnung (VgV) in der Regel im Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb vergeben werden; bei Planungswettbewerben verpflichtet § 78 Absatz 2 VgV öffentliche Auftraggeber zur Anwendung der Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW 2013). Diese Verfahren beruhen auf Anonymität, auf einem unabhängigen Preisgericht und auf der Beurteilung der besten Lösung, nicht der politisch genehmen Form.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine verbindliche Stilvorgabe griffe in dieses System ein. Wer als Auslobungskriterium einen Heimatstil verlangt, ohne ihn fachlich definieren zu können, schafft Rechtsunsicherheit und öffnet die Beurteilung für sachfremde Erwägungen. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) verfolgt mit dem Compliance-Papier von 2018 das erklärte Ziel, möglichst jedes konkurrierende Verfahren als geregelten, fairen Leistungswettbewerb durchzuführen. Eine staatlich verordnete Formensprache liefe diesem Anspruch zuwider.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was folgt daraus für kleine Büros und die Baukultur?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Betroffen wären zunächst kleine und mittlere Planungsbüros. Sie tragen die Mehrzahl der öffentlichen Verfahren und besitzen weder die Ressourcen noch den Spielraum, um auf wechselnde politische Stilkonjunkturen zu reagieren. Eine unbestimmte Vorgabe wie Heimatstil verlagert das Risiko auf die Einreichenden und bevorzugt jene, die das jeweils Erwünschte am besten antizipieren. Für Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger, die ohnehin schwer in geschlossene Verfahren gelangen, wächst die Hürde weiter.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt der gesetzliche Auftrag der Architektenkammern, die Baukultur zu fördern. Baukultur meint nicht eine bestimmte Epoche, sondern die Qualität des Prozesses und des Ergebnisses. Sie schließt sorgfältig geplante Rekonstruktionen ebenso ein wie zeitgenössische Entwürfe. Eine politische Festlegung auf einen einzigen, noch dazu undefinierten Stil verengt diesen Begriff und stellt die fachliche Selbstverwaltung in Frage, die das Berufsrecht den Kammern zuweist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenschaft tut deshalb gut daran, die Debatte nicht den politischen Lagern zu überlassen. Der berechtigte Wunsch vieler Menschen nach Orten, mit denen sie sich identifizieren, ist real und durch den Immobilienmarkt belegt; urbane Altbauten erzielen vielerorts die höchsten Quadratmeterpreise. Diesen Wunsch ernst zu nehmen, heißt jedoch nicht, ihn per Verordnung in eine Stilrichtung zu zwingen. Es heißt, Verfahren so zu gestalten, dass Ortsbezug, Maßstab und Materialgerechtigkeit zu echten Wettbewerbskriterien werden, beurteilt von unabhängigen Fachleuten statt von Parteitagen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heimatstil ist damit weniger eine Stilfrage als eine Machtfrage: Wer entscheidet über die Gestalt des öffentlichen Raums? Die Antwort der freien Berufe lautet seit jeher das geregelte Verfahren, das unabhängige Urteil und die fachliche Verantwortung. Diese Antwort zu verteidigen, ist berufspolitisch wichtiger als jede einzelne Fassade.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<item>
		<title>Wo steht der 3D-Betondruck im deutschsprachigen Wohnungsbau heute?</title>
		<link>https://baukunst.art/wo-steht-der-3d-betondruck-im-deutschsprachigen-wohnungsbau-heute/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 09:32:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[3D-Betondruck]]></category>
		<category><![CDATA[Additive Fertigung]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Einfamilienhausbau]]></category>
		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
		<category><![CDATA[Zustimmung im Einzelfall]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>3D-Betondruck verkürzt Bauzeiten im Einfamilienhausbau. Doch HOAI, ZiE und Haftung halten nicht Schritt. Eine Standortbestimmung.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wo-steht-der-3d-betondruck-im-deutschsprachigen-wohnungsbau-heute/">Wo steht der 3D-Betondruck im deutschsprachigen Wohnungsbau heute?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong> | Innovation / Meinung | Mai 2026</p>
<p>Veröffentlichungsdatum: 13. Mai 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">3D-Betondruck im Einfamilienhausbau: Wie additive Fertigung Bauzeiten komprimiert und das Berufsrecht herausfordert</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Technologie hat die Laborphase verlassen. In Beckum entstand 2020 das erste gedruckte Wohnhaus Deutschlands, geplant von MENSE-KORTE ingenieure und architekten, gedruckt mit dem COBOD BOD2 von PERI 3D Construction. In Wallenhausen folgte das erste Fünf-Familienhaus, in Lindau eine Wohnhausaufstockung, in Heidelberg das aktuell größte gedruckte Gebäude Europas. Im niedersächsischen Selsingen druckt die Matthäi-Gruppe gerade das erste Bürogebäude Norddeutschlands. PERI spricht von siebzehn realisierten oder begleiteten Projekten in Europa und den USA. Das ist keine Pilotphase mehr, das ist eine Marktentwicklung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der BOD2 druckt einen Quadratmeter doppelschalige Hohlwand in fünf Minuten, bedient von zwei Personen, mit einer maximalen Druckgeschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde. Das Fünf-Familienhaus in Wallenhausen entstand in 72 Stunden reiner Druckzeit, einschließlich Rüstzeiten in fünf Wochen. PERI vertreibt mit DREIHAUS ein modulares, durchgeplantes Gebäudekonzept, das nach Herstellerangaben dreißig Prozent schneller und bis zu zehn Prozent günstiger umsetzbar ist als konventionelle Bauweise.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was komprimiert die additive Fertigung tatsächlich, und was nicht?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Druckzeit ist der prominente Wert, aber er beschreibt nur einen Ausschnitt. Komprimiert wird vor allem die Rohbauphase der senkrechten Wandstrukturen. Streifenfundament, Bewehrung, Deckenkonstruktion, Dach, Fenster, Haustechnik, Innenausbau bleiben konventionell. Wer von einem dreitägigen Hausbau spricht, blendet 90 Prozent der Leistungsphasen aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Real komprimiert wird die Schalungsarbeit. Der Drucker formt Rundungen, Hohlräume und Wandintegrationen für Leitungen ohne Mehrkosten. Das ist gestalterisch und ökonomisch relevant, gerade im Einfamilienhausbau, wo individuelle Geometrien sonst Sondergewerke und Sonderpreise auslösen. Die These, Bauen werde damit per se schneller, ist trotzdem nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte schreibt das Bauordnungsrecht.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum braucht jedes gedruckte Haus heute noch eine Zustimmung im Einzelfall?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für den 3D-Betondruck im Hochbau existiert in Deutschland bislang keine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung. Jedes Projekt benötigt eine Zustimmung im Einzelfall nach Paragraf 20 MBO beziehungsweise eine vorhabenbezogene Bauartgenehmigung nach Paragraf 16a, je nach Landesbauordnung. In Bayern regeln Artikel 20 und Artikel 15 BayBO das Verfahren. Tragfähigkeit, Dauerhaftigkeit, Brandschutz und Bauphysik sind projektspezifisch nachzuweisen, in der Regel über ein Prüf- und Zulassungskonzept eines Fachingenieurbüros wie Schiessl Gehlen Sodeikat in Selsingen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der 2024 vom Deutschen Ausschuss für Stahlbetonbau veröffentlichte Leitfaden „Additive Fertigung mit Beton“ strukturiert Verfahren, Prüfungen und Schnittstellen. Er ersetzt aber keine Norm. Jede Wiederholung verkürzt zwar den Nachweisweg, weil bestehende Prüfergebnisse anerkannt werden können, sofern sie einschlägig bleiben. Doch jede neue Geometrie, jeder neue Druckmörtel, jeder neue Wandaufbau setzt den Prozess teilweise zurück. Die Bauindustrie ruft nach Fast-Track-Verfahren für typisierte Druckvorlagen. Bis dahin trägt jedes Projekt die Last des Einzelnachweises.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das für die HOAI-Leistungsphasen?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die HOAI ist nicht für additive Fertigung geschrieben. Sie kennt Werkplanung als zeichnerische Übersetzung in maßstäblich darstellbare Bauteile. Beim 3D-Betondruck wird die Ausführungsplanung zu einer Datei, die direkt in den Slicer und damit in die Maschine geht. Schichthöhe, Bahnbreite, Druckpfad, Materialfluss und Aushärtezeit sind keine Eigenschaften der Bauleistung mehr, sondern Parameter der Planung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Damit verschiebt sich die Leistungstiefe in Leistungsphase 5. Wer den Druckpfad festlegt, definiert das Bauteil. Der Architekt liefert nicht mehr eine Werkzeichnung, die das ausführende Gewerk in seinem Erfahrungsraum interpretiert. Er liefert eine maschinenlesbare Vorgabe, die unmittelbar Bauwirklichkeit wird. Das hebt die Verantwortung, weil es keinen handwerklichen Übersetzungsschritt mehr gibt, der Planungsfehler abfedert. Es senkt sie zugleich, weil Toleranzen technisch fixiert sind. Beides muss berufsrechtlich noch verstanden werden.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wer haftet, wenn der Roboter baut?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Haftungsfrage ist nicht akademisch. Wenn eine Druckschicht nicht ausreichend mit der nächsten verbunden ist, weil der Materialfluss kurz aussetzte, liegt der Mangel im Druckprozess. Wer steht dafür ein? Der Druckdienstleister, der Materialhersteller, der Maschinenlieferant, der Tragwerksplaner oder der Architekt als bauleitende Stelle nach Leistungsphase 8?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die etablierte Antwort lautet: Der Architekt überwacht die Ausführung, prüft die anerkannten Regeln der Technik, dokumentiert Abweichungen. Doch für den 3D-Betondruck existieren diese anerkannten Regeln noch nicht. Der DAfStb-Leitfaden ist eine Empfehlung, keine eingeführte Technische Baubestimmung. Wer hier Bauleitung übernimmt, übernimmt eine Verantwortung, deren technischer Maßstab im Wesentlichen vom Hersteller des Druckers und vom Lieferanten des Druckmörtels definiert wird. Das ist eine Position, die das Berufsbild bisher nicht kannte.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Droht der Architektenschaft die Rolle der Datenlieferantin?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier beginnt die berufspolitische Dimension. Die Definitionsmacht über die Schnittstelle zwischen Planung und Fertigung liegt aktuell bei den Herstellern der Drucker, der Druckmörtel und der Software. PERI bietet Schulungen, Aufbauplanung und Supervisor-Begleitung. COBOD definiert die Slicer-Parameter. Heidelberg Materials liefert den i.tech 3D. Die Architektenkammern und der DAfStb arbeiten an Leitfäden, aber die Geschwindigkeit der Marktentwicklung ist höher als die Geschwindigkeit der Standardisierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn dieser Vorsprung nicht aufgeholt wird, verschiebt sich die Berufsrolle still und unauffällig. Aus dem Planer wird ein Lieferant von STL- oder G-Code-Dateien an einen Druckdienstleister, der die eigentliche Bauwirklichkeit kontrolliert. Aus der Leistungsphase 5 wird ein Export-Workflow. Aus der Bauleitung wird eine Werkstattabnahme. Das mag in Einzelfällen ökonomisch funktionieren. Als Modell für das Berufsbild ist es eine Selbstentmachtung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der 3D-Betondruck ist keine architektonische Frage, solange er nur als schnelle Wand verstanden wird. Er wird zur architektonischen Frage in dem Moment, in dem er das Verhältnis von Entwurf, Werkplanung, Ausführung und Verantwortung neu ordnet. Genau diesen Moment erleben wir gerade. Und genau diesen Moment darf die Architektenschaft nicht den Pressemitteilungen der Druckdienstleister überlassen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was wäre jetzt zu tun?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Erstens: Die Architektenkammern müssen den 3D-Betondruck als Berufsfeld ernstnehmen, nicht als Innovationsthema für Sonderausstellungen. Fortbildung, Musterverträge, Haftungsmuster, Schnittstellenklärung zur HOAI sind überfällig. Wer planen soll, muss wissen, welche Leistungspflicht er übernimmt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zweitens: Der Druckpfad gehört in die Leistungsphase 5. Wenn die Datei das Bauteil definiert, muss sie planerisch verantwortet werden, nicht von einem Druckdienstleister mit eigener Konstruktionsabteilung. Sonst wandert die Wertschöpfung dorthin, wo die Software liegt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drittens: ZiE-Verfahren brauchen typisierte Pfade für wiederkehrende Wandaufbauten. Ohne diese bleibt der 3D-Druck im Einfamilienhausbau ein Premiumprodukt für Bauherren mit Zeit und Budget für Sonderzulassungen. Das ist das Gegenteil dessen, was die Technologie verspricht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Viertens: Geschwindigkeit ist kein architektonischer Wert. Sie ist eine ökonomische Größe. Wer 72 Stunden Druckzeit als Argument für eine Bauweise nimmt, hat den Anspruch der Disziplin verlassen. Die Frage bleibt, was gebaut wird, nicht in welcher Geschwindigkeit.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der 3D-Betondruck wird sich im Einfamilienhausbau durchsetzen, in Nischen zuerst, in der Breite sobald die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung steht. Die technische Frage ist im Wesentlichen beantwortet. Offen ist die berufsrechtliche. Wenn HOAI und Kammerrecht der Marktentwicklung nicht nachziehen, übernehmen andere die Definitionsmacht. Wer die Schnittstelle zwischen Datei und Bauteil verantwortet, bestimmt das Berufsbild der nächsten zwanzig Jahre. Das ist keine Innovationsfrage. Das ist eine Frage der Selbstverortung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wo-steht-der-3d-betondruck-im-deutschsprachigen-wohnungsbau-heute/">Wo steht der 3D-Betondruck im deutschsprachigen Wohnungsbau heute?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Bayerns Architekten verweigern die eigene Wahl: Beteiligung stürzt auf 29,87 Prozent</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 May 2026 10:32:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Bayerische Architektenkammer]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Kammerwahl 2026]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nur 29,87 % der bayerischen Architekten haben gewählt. Der BDA gewinnt 35 Sitze, klimawende:planen 13. Was bedeutet diese Legitimationskrise für die Berufspolitik?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/bayerns-architekten-verweigern-die-eigene-wahl-beteiligung-stuerzt-auf-2987-prozent/">Bayerns Architekten verweigern die eigene Wahl: Beteiligung stürzt auf 29,87 Prozent</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art</strong> | Bayern · Berufspolitik · Kammerwahl 2026 | Mai 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">29,87 Prozent: Bayerns Architekten bestätigen den Verdacht</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wahl zur XIV. Vertreterversammlung der Bayerischen Architektenkammer hat am 5. Mai 2026 ihr Ergebnis gefunden, und es markiert einen historischen Tiefstand: 29,87 Prozent Wahlbeteiligung, ein Einbruch um über zwölf Prozentpunkte gegenüber der Wahl 2021. Von 25.993 wahlberechtigten Architektinnen und Architekten haben nur 7.763 ihre Stimme abgegeben. Damit hat sich der Befund, den die Redaktion von baukunst.art im April-Editorial <strong><a href="https://baukunst.art/wer-nicht-waehlt-darf-sich-nicht-wundern/">„Wer nicht wählt, darf sich nicht wundern“</a></strong> formuliert hatte, nicht nur bestätigt, sondern dramatisch verschärft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im April hatte die Redaktion an die 42 Prozent Beteiligung von 2021 erinnert und gewarnt, ein Berufsstand, der seine eigene Vertretung mehrheitlich ignoriere, könne sich nicht ernsthaft beklagen, wenn seine Interessen in der politischen Auseinandersetzung wenig Gewicht hätten. Die Zahlen vom 5. Mai zeigen jetzt: Nicht einmal mehr drei von zehn Mitgliedern sind dem Aufruf zur Wahl gefolgt. Sieben von zehn haben sich entschieden zu schweigen, und das im Vorfeld einer Legislaturperiode, in der über Reformen der HOAI, das Vergabetransformationsgesetz und die anstehende Novelle der Bayerischen Bauordnung (BayBO) entschieden wird.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was sagt eine Wahlbeteiligung von 29,87 Prozent über die Legitimation der Architektenkammer aus?</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Vertreterversammlung der Bayerischen Architektenkammer ist gemäß Artikel 22 des Baukammerngesetzes (BauKaG) das oberste Beschlussorgan einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie verhandelt mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, sie nimmt Stellung zur novellierten BayBO, sie steuert die Bayerische Architektenversorgung und legt die Beitragsordnung fest. All das geschieht im Auftrag von rund 26.000 Mitgliedern. Wenn aber nur 7.763 dieser Mitglieder die Vertretung legitimieren, fragt sich, mit welcher Autorität die Kammer auftritt, wenn sie gegenüber dem Freistaat Bayern oder dem Bund Position bezieht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die nüchterne Antwort: mit einer schwachen. Eine Vertretung, hinter der weniger als ein Drittel des Berufsstands steht, lässt sich politisch leichter relativieren als eine, die 70 Prozent der Mitglieder hinter sich versammelt. Wer in München, Berlin oder Brüssel die HOAI verhandelt, weiß: Die ByAK spricht laut Statistik für jeden zehnten Bauplaner Deutschlands. Sie spricht aber nicht mit dem Mandat aller, sondern mit dem Mandat der knapp 30 Prozent, die abgestimmt haben. Für die anstehende BayBO-Novelle, in der das verfahrensfreie Bauen weiter ausgeweitet werden soll, ist das ein konkreter politischer Nachteil.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Listen prägen jetzt die bayerische Berufspolitik?</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer wählt, gestaltet. <strong><a href="https://www.byak.de/aktuelles/newsdetail/kammerwahl-2026.html" target="_blank" rel="noopener">Das Ergebnis der Listenwahl</a></strong> macht klar, wer den Berufsstand in den nächsten fünf Jahren repräsentiert. Mit deutlichem Abstand stärkste Kraft ist der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA): 8.393 Stimmen, 35 von 125 Sitzen, drei der elf Vorstandssitze. Damit verfügt der BDA über mehr Sitze als die nächsten drei Listen zusammen. Eine derart deutliche Mehrheit war in den vergangenen Wahlperioden nicht zu beobachten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf Platz zwei folgt klimawende:planen mit 3.004 Stimmen und 13 Sitzen, ein Hinweis darauf, dass die ökologische Transformation der Baukultur in der Wahrnehmung der Wählenden offenbar an Gewicht gewonnen hat. Nahezu gleichauf liegen die Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten (bdla) mit ebenfalls 13 Sitzen. Die Liste 7 „Freischaffende Architekten“ erhielt 2.487 Stimmen und 10 Sitze, die Liste 6 „BauFrauen“ zog mit 2.053 Stimmen und 9 Sitzen ein und ist damit die stärkste explizit auf Geschlechtergerechtigkeit ausgerichtete Liste in der Geschichte der ByAK.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die Vorstandszusammensetzung. Acht der fünfzehn angetretenen Listen sind im elfköpfigen Vorstand vertreten, der BDA dreifach, die übrigen sieben Listen mit je einem Sitz. Das Ergebnis zeigt eine fragmentierte, aber breit aufgestellte Spitze, in der die großen freien Berufsverbände (BDA, bdla, bdia, Freischaffende) den Ton angeben, ergänzt um Themenlisten zu Klimaschutz, Geschlechtergerechtigkeit, Nachwuchs und öffentlichem Dienst. Die Architektenpolitik in Bayern ist damit pluraler geworden, ihre Beschlussfähigkeit wird in der Vertreterversammlung allerdings davon abhängen, ob sich Mehrheiten bilden lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wer wählt, wer schweigt?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer auf die Mikrostruktur der Wahlbeteiligung schaut, erkennt ein vertrautes Muster. Beamtete Architektinnen und Architekten haben zu 44,12 Prozent gewählt, Stadtplaner zu 45,66 Prozent, Landschaftsarchitekten zu 45,87 Prozent. Im Gegensatz dazu beteiligten sich freischaffend Tätige zu lediglich 29,17 Prozent, baugewerblich Tätige sogar nur zu 17,65 Prozent. Wer im öffentlichen Dienst arbeitet oder in einer Fachrichtung mit kleinerer, gut vernetzter Mitgliederbasis, der wählt häufiger. Wer im Tagesgeschäft eines Architekturbüros oder am Bau steht, also dort, wo HOAI-Reformen und Vergabeentscheidungen unmittelbar wirken, der schweigt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch geografisch bleibt die Beteiligung niedrig. Die Oberpfalz erreicht 30,45 Prozent, Oberbayern 30,40 Prozent, Schwaben mit 27,26 Prozent das Schlusslicht. Frauen wählten geringfügig häufiger als Männer (30,55 zu 28,69 Prozent). Ein Lichtblick ist die Wahl der Beratenden für Juniormitglieder: Hier lag die Beteiligung bei 32,6 Prozent, gewählt wurden vier Frauen, mit Antonia Rieß an der Spitze. Die Generation, die in den nächsten Jahrzehnten den Berufsstand tragen wird, zeigt also mehr demokratisches Engagement als der Durchschnitt der gestandenen Kollegenschaft. Das ist ein Signal, das in den Strategiegruppen der ByAK nicht überhört werden sollte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was die Kammer und der Berufsstand jetzt tun müssen</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Wahlergebnis ist nicht das Versagen der Bayerischen Architektenkammer, die professionell organisiert hat, mit Online-Wahl, Erinnerungsaktionen und transparenter Vorbereitung. Es ist der Befund eines Berufsstands, der seine demokratische Selbstvertretung schleifen lässt. Die ByAK hat in den nächsten Wochen vor allem zwei Aufgaben: Erstens, die mit dem schwachen Mandat verbundene Verhandlungsposition gegenüber Staatsministerium und Bundesgremien realistisch zu bewerten und sich nicht hinter formaler Repräsentativität zu verstecken. Zweitens, eine belastbare Strategie zu entwickeln, wie sie ihre Mitglieder beim nächsten Mal überhaupt erreicht, am Laptop, im Posteingang, in der täglichen Wahrnehmungslage zwischen Genehmigungsverfahren und Bauleitung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Berufsstand selbst sollte aus diesem Ergebnis ableiten: Wer die Rahmenbedingungen seines Berufs gestalten will, muss sich an deren Gestaltung beteiligen. Sonst gilt, was die Redaktion bereits im April formulierte: Wer nicht wählt, darf sich nicht wundern. Fünf Jahre Vertreterversammlung sind eine lange Zeit,für berufspolitische Entscheidungen die über die Zukunft unseres Berufstand entscheiden werden. Die XIV. Wahlperiode beginnt mit einem schwachen Mandat. Sie sollte mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme einhergehen, was Berufspolitik in Bayern in den nächsten fünf Jahren überhaupt noch erreichen kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/bayerns-architekten-verweigern-die-eigene-wahl-beteiligung-stuerzt-auf-2987-prozent/">Bayerns Architekten verweigern die eigene Wahl: Beteiligung stürzt auf 29,87 Prozent</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Wer zahlt, gewinnt: Über die stille Käuflichkeit der Architekturauszeichnungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2026 09:53:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Architekturpreise]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[German Design Award]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Recherche des Spiegel rückt die Vergabepraxis großer Architektur- und Designpreise in ein neues Licht. Pay-to-win statt Qualitätsversprechen, und was das für die Berufspolitik bedeutet.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wer-zahlt-gewinnt-ueber-die-stille-kaeuflichkeit-der-architekturauszeichnungen/">Wer zahlt, gewinnt: Über die stille Käuflichkeit der Architekturauszeichnungen</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art </strong> /  Berufspraxis / Mai 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Pay-to-win bei Architekturpreisen: Was die Spiegel-Recherche zum Geschäftsmodell der Auszeichnungen aufdeckt</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Pay-to-win-Awards bezeichnen Architektur- und Designpreise, bei denen die Auszeichnung weniger durch unabhängige Jurybewertung entsteht als durch gestaffelte Teilnahme-, Nominierungs- und Servicegebühren der Preisträgerinnen und Preisträger. Genau dieses Modell hat eine Recherche von Verena Töpper im Spiegel vom 2. Februar 2026 in den öffentlichen Fokus gerückt; die Kernaussage fasst es nüchtern: Wer ausgezeichnet werden möchte, zahlt am Ende rund 2900 Euro. Der Befund trifft die Branche an einer empfindlichen Stelle, weil zugleich der Honorardruck nach der novellierten HOAI 2021 und der Marketingbedarf kleinerer Büros wächst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Zentrum der Recherche steht der German Design Award, vergeben vom Rat für Formgebung in Frankfurt am Main, dessen Award Show 2026 im Rahmen der Messe Ambiente stattfand. Bereits die Nominierungsgebühr liegt bei bis zu 590 Euro, weitere Kosten fallen nach einem möglichen Gewinn an. Ähnliche Strukturen finden sich beim Red Dot Award, beim iF Design Award, bei den ICONIC AWARDS, beim A+ Award und bei best architects.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie funktioniert das Geschäftsmodell der großen Designpreise?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Mechanik ist in der Branche seit Jahren bekannt, gerät aber durch die jüngste Berichterstattung in eine breitere Öffentlichkeit. Drei Stufen tragen das System: eine Anmelde- oder Nominierungsgebühr von rund 300 bis 600 Euro, eine sogenannte „Gewinnergebühr&#8220; von bis zu 2.800 Euro je Preiskategorie und 580 Euro Printkosten bei Publikation einer Nominierung, dazu weitere Posten für Trophäen und Galaeinladungen. Wer auf mehreren Auszeichnungsschienen mitläuft, zahlt schnell vierstellig pro Projekt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt eine ungewöhnlich hohe Auszeichnungsquote. Im Jahr 2014 wurden 90 Gewinner gekürt, im Jahr 2016 erhielten 42 Preisträger die höchste Auszeichnung. Der Designer und Buchautor Florian Pfeffer hat das Geschäftsprinzip früh analysiert: Designpreise dieses Zuschnitts lohnen sich vor allem für die Auslober. Erik Spiekermann, eines von zwölf Präsidiumsmitgliedern im Rat für Formgebung, hält dagegen, wer keine Teilnahmegebühr aufbringe, wolle ohnehin nicht am Markt erscheinen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Logik blendet die wirtschaftliche Realität kleiner und mittlerer Architekturbüros aus. Wer pro Projekt mehrere Tausend Euro für Auszeichnungssiegel aufbringen muss, verschiebt das Spielfeld zugunsten kapitalstarker Marken und Investorenarchitektur. Die Folge: Ein Gütesiegel verspricht Qualität, signalisiert aber zunehmend nur die Bereitschaft zur Beteiligung am Marketingsystem des Auslobers.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das für die Berufspolitik?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die berufspolitische Brisanz ergibt sich aus dem Spannungsverhältnis zum Standesrecht. Die Berufsordnungen der deutschen Architektenkammern, etwa die Berufsordnung der Bayerischen Architektenkammer, verpflichten zu Sachlichkeit in der Außendarstellung und untersagen anpreisende oder irreführende Werbung. Wenn eine Auszeichnung jedoch maßgeblich auf einer Geldzahlung beruht, stellt sich die Frage, ob das werbliche Tragen eines solchen Siegels noch dem Sachlichkeitsgebot entspricht. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) hat sich zu diesem Konflikt bislang nicht öffentlich positioniert; sie verweist auf eine vom Förderverein Bundesstiftung Baukultur e. V. ins Netz gestellte Liste von Architekturpreisen, ohne zwischen kostenfreien und gebührenfinanzierten Auszeichnungen zu unterscheiden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der zweite Hebel betrifft das Vergaberecht. Auftraggeber, vor allem im privaten Bereich, ziehen Awards in Eignungsprüfungen heran. § 75 Vergabeverordnung (VgV) verlangt für Planungsleistungen den Nachweis fachlicher Eignung; ausgezeichnete Referenzen ersetzen dabei häufig den teuren Wettbewerb nach RPW 2013. Wenn Auszeichnungen jedoch zur reinen Marketingressource degradieren, verzerrt das die Bewerberauswahl und benachteiligt jene Büros, die Honorarmittel lieber in Personalentwicklung oder Forschung investieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drittens berührt das Geschäftsmodell den Wettbewerb um Nachwuchs. Junge Architektinnen und Architekten ohne Eigenkapital lassen sich seltener nominieren. Damit reproduziert das System bestehende Ungleichgewichte und verfehlt den im Baukulturbericht 2024/25 der Bundesstiftung Baukultur formulierten Anspruch, Baukultur als gesamtgesellschaftliche Aufgabe sichtbar zu machen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Alternativen tragen die Berufspolitik?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Tragfähige Modelle existieren bereits. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und die Bundesarchitektenkammer haben 2023 erneut den Deutschen Architekturpreis verliehen, der ohne Teilnahmegebühr auskommt und mit Preisgeld dotiert ist. Der Mies van der Rohe Award for European Architecture wird im Rahmen des Programms Kreatives Europa der Europäischen Kommission und der Mies van der Rohe-Stiftung in Barcelona vergeben, ebenfalls kostenfrei. Auf Länderebene zeigt der Auszeichnungsweg „Beispielhaftes Bauen&#8220; der Bayerischen Architektenkammer, wie eine kammerinterne Würdigung durch Sachjurys ohne Gebühren funktioniert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Reformlinie für die Berufspolitik ergibt sich daraus in drei Punkten. Erstens sollten Bundesarchitektenkammer und Länderkammern eine Klassifizierung von Architekturauszeichnungen einführen, die zwischen unabhängig juriert-dotierten und gebührenfinanzierten Verfahren unterscheidet. Eine solche Liste böte Auftraggebern und Öffentlichkeit Orientierung. Zweitens ließe sich das Standesrecht präzisieren: Die Verwendung kostenpflichtiger Awards in der Außendarstellung könnte an Transparenzpflichten gebunden werden, etwa an die Angabe der bezahlten Gewinnergebühr. Drittens wäre eine staatliche Aufwertung des Deutschen Architekturpreises und der Landespreise sinnvoll, einschließlich angemessener Dotierung, um eine sichtbare öffentliche Alternative zum kommerziellen Awardmarkt zu setzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Spiegel-Recherche schafft das Momentum für diese Debatte. Sie öffnet ein Fenster, das sich schnell wieder schließt, wenn die Berufsvertretung nicht reagiert. Der Rat für Formgebung verteidigt sein Geschäftsmodell mit Hinweis auf Sichtbarkeit und Marketingnutzen; das ist legitim, solange das Modell als Marketinginstrument und nicht als unabhängige Qualitätsauszeichnung kommuniziert wird. Die Aufgabe der Berufspolitik liegt darin, diese Unterscheidung sichtbar zu machen und die ethischen Standards des Berufsstandes auch im Award-Wesen zu verankern. Andernfalls droht ein schleichender Vertrauensverlust, der am Ende nicht die Auslober trifft, sondern die gesamte Architektenschaft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wer-zahlt-gewinnt-ueber-die-stille-kaeuflichkeit-der-architekturauszeichnungen/">Wer zahlt, gewinnt: Über die stille Käuflichkeit der Architekturauszeichnungen</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Vergabebeschleunigungsgesetz: Fluch oder Segen für Architekten?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Apr 2026 09:55:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Premium]]></category>
		<category><![CDATA[§ 97a GWB]]></category>
		<category><![CDATA[50.000 Euro]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Gebhard]]></category>
		<category><![CDATA[Auftragswertberechnung]]></category>
		<category><![CDATA[BAK]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesarchitektenkammer]]></category>
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		<category><![CDATA[Planungsleistungen]]></category>
		<category><![CDATA[Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität]]></category>
		<category><![CDATA[UVgO]]></category>
		<category><![CDATA[Vergabebeschleunigungsgesetz]]></category>
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		<category><![CDATA[VgV]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Direktaufträge bis 50.000 Euro, schnellere Nachprüfung, klare Auftragswertberechnung bei Planungsleistungen: Das am 23. April 2026 vom Bundestag beschlossene Vergabebeschleunigungsgesetz entlastet den planenden Mittelstand spürbar. Doch § 97a GWB öffnet die Tür zu Gesamtvergaben bei Großvorhaben aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität. Andrea Gebhard (BAK) warnt, die historische Trennung von Planung und Ausführung steht auf dem Spiel. Eine Bilanz.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art </strong> /  Politik / Berufspolitik</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der Bundestag hat das Vergabebeschleunigungsgesetz beschlossen. Was die Reform für Architekturbüros wirklich bedeutet, und wo neue Gefahren lauern.</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Vergabebeschleunigungsgesetz reformiert das deutsche Vergaberecht oberhalb der EU-Schwellenwerte und bündelt Maßnahmen zur Vereinfachung, Digitalisierung und Beschleunigung öffentlicher Beschaffungsverfahren. Am 23. April 2026 hat der Deutsche Bundestag das Gesetz mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD beschlossen (Drucksachen 21/1934 und 21/5525), gegen die Stimmen von AfD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke. Stimmt der Bundesrat am 8. Mai 2026 zu, tritt die Reform zum 1. Juli 2026 in Kraft. Für die planenden Berufe ist das Gesetz eine Doppelbotschaft: Erleichterungen im Tagesgeschäft, strukturelle Gefahren im Großen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Reform betrifft das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) und die Vergabeverordnung (VgV) und folgt einem Beteiligungsverfahren des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) aus dem Jahr 2023, in dessen Rahmen über 450 Stellungnahmen ausgewertet wurden. Die Bundesarchitektenkammer (BAK), die Bundesingenieurkammer (BIngK) sowie der Verband Beratender Ingenieure (VBI) haben den Reformprozess über Jahre kritisch begleitet und gemeinsam mit dem Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) Lobbyarbeit gegen eine pauschale Aufweichung des Losgrundsatzes geleistet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was ändert sich konkret für Architekturbüros?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Tagesgeschäft kleiner und mittlerer Büros liegen die spürbarsten Verbesserungen. Die Wertgrenze für Direktaufträge nach § 14 Unterschwellenvergabeordnung (UVgO) steigt von 1.000 Euro auf 50.000 Euro. Damit lassen sich Sanierungs-, Machbarkeits- und Vorplanungsaufträge ohne formales Vergabeverfahren direkt beauftragen, mit einer Pflicht zum rotierenden Wechsel zwischen den beauftragten Planerinnen und Planern, um faire Teilhabe zu sichern. Für viele Kommunen, die bisher selbst kleinste Untersuchungen formalisieren mussten, bedeutet das eine deutliche Entlastung in der täglichen Auftragsvergabe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ebenfalls relevant ist die Kodifizierung eines alternativen Ansatzes zur Auftragswertberechnung bei Planungsleistungen. Hintergrund ist die Streichung von § 3 Absatz 7 Satz 2 VgV durch den Bundesrat 2024, durch die seither sämtliche Leistungsbilder nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) zu summieren waren. Schon kleinere Erweiterungen einer Kindertagesstätte konnten dadurch in die EU-weite Ausschreibungspflicht oberhalb des aktuellen Schwellenwerts von 221.000 Euro netto rutschen. Ein Rechtsgutachten von Professor Martin Burgi (Ludwig-Maximilians-Universität München, 2024) im Auftrag von BAK, BIngK, AHO und VBI hatte ein alternatives Beschaffungskonzept entwickelt, das Planungs- und Bauleistungen gemeinsam unter den Bauleistungs-Schwellenwert subsumiert und anschließend losweise ausschreibt. Diese Linie übernimmt das Gesetz und schafft damit endlich Rechtssicherheit für öffentliche Auftraggeber.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommen Beschleunigungen im Nachprüfungsverfahren: Die aufschiebende Wirkung sofortiger Beschwerden gegen Entscheidungen der Vergabekammer entfällt, der Schriftverkehr kann per E-Mail erfolgen, mündliche Verhandlungen können virtuell geführt werden. Für den planenden Mittelstand bedeutet das geringeren Verfahrensaufwand und schnellere Auftragsklarheit, gerade in Büros, die sich keine eigene Vergabeabteilung leisten können. Verzögerungen von zwei bis drei Jahren durch Beschwerdeverfahren vor den Oberlandesgerichten, die in der Vergangenheit ganze Bauvorhaben unrentabel werden ließen, sollen damit der Vergangenheit angehören.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wo liegen die strukturellen Risiken für Planerinnen und Planer?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der politisch umstrittenste Punkt ist der neue § 97a GWB, der die Losvergabe regelt. Im Grundsatz bleibt die mittelstandsfreundliche Aufteilung in Teil- und Fachlose erhalten, eine Forderung, die BAK, BIngK, ZDB und ZDH gemeinsam durchgesetzt haben. Doch § 97a Absatz 3 schafft eine ausgeweitete Ausnahme: Mehrere Lose dürfen zusammen vergeben werden, wenn zeitliche Gründe es erfordern, das Vorhaben aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität finanziert wird und der geschätzte Auftragswert das Doppelte des einschlägigen Schwellenwerts erreicht, also ungefähr ab 14 Millionen Euro im Bauwesen. Hinzu kommen Verkehrsinfrastrukturvorhaben nach Absatz 4, namentlich Eisenbahn, Bundesfernstraßen, Bundeswasserstraßen und Flugplätze.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In der Praxis öffnet diese Regel die Tür zu generalunternehmerischen Vergabemodellen, bei denen Planung und Ausführung im Paket vergeben werden. Damit verschiebt sich die Marktstellung der Architektenschaft. Wo unabhängige Planung als Gegengewicht zur Bauausführung gedacht ist, droht eine Eingliederung in Wertschöpfungsketten, die von Bauindustrie und Investorinnen dominiert werden. Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, formuliert es so: „Architektur und Planung sind öffentliche Aufgaben, und gute Vergaberegeln sind die Grundlage dafür, dass sie das bleiben.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die BAK hat besonders auf die soziale Infrastruktur hingewiesen. Schulen und Kindertagesstätten, so Gebhard, sollten von der Ausnahme ausgenommen bleiben, weil dort fachliche Unabhängigkeit der Planenden für pädagogische Konzepte und gesellschaftliche Zusammenhänge entscheidend ist. Diese Differenzierung hat das Gesetz nicht aufgenommen. Die Kammer kündigt an, die Anwendungspraxis im ersten Jahr nach Inkrafttreten genau zu beobachten und Fälle zu dokumentieren, in denen die Dringlichkeitsklausel zu weit ausgelegt wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Beschleunigung um welchen Preis?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Gesetz steht in einer Reihe weiterer Beschleunigungsvorhaben der Großen Koalition, darunter das Gesetz zur beschleunigten Planung und Beschaffung für die Bundeswehr vom 15. Januar 2026 sowie die föderale Modernisierungsagenda vom 4. Dezember 2025, die bis Ende 2026 eine Neufassung der UVgO vorsieht. Der politische Impuls ist eindeutig: Investitionsstaus abbauen, Bundeswehrbeschaffung absichern, die Klimaneutralität bis 2045 nicht durch Verfahren verschleppen. Nach Berechnungen des BMWE kann ein Euro öffentlicher Investitionen im Durchschnitt 1,50 Euro private Investitionen anreizen, ein Hebel, der über das Vergaberecht reguliert wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architekturbüros zwingt das zu einer Doppelhaltung. Im operativen Geschäft sind die neuen Wertgrenzen, die digitalisierten Verfahren und die klare Auftragswertberechnung ein lange überfälliger Schritt zur Entbürokratisierung, gerade für Büros mit fünf bis zwanzig Mitarbeitenden. Berufspolitisch jedoch verlangt § 97a Absatz 3 wache Begleitung: Welche Vorhaben werden tatsächlich als „dringlich&#8220; eingestuft? Wie eng wird das Tatbestandsmerkmal des Sondervermögens ausgelegt? Welche kommunalen Auftraggeber kopieren das Modell ohne den engen rechtlichen Rahmen, wenn der Anwendungsbereich Schule macht?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Fluch oder Segen also? Beides, und zwar nicht zufällig, sondern systematisch. Das Vergabebeschleunigungsgesetz entlastet die freiberufliche Planungspraxis dort, wo sie unter Verfahrensaufwand erstickte. Es öffnet zugleich an strategischen Stellen einen Spalt, durch den die historische Trennung von Planung und Ausführung weiter erodieren kann. Die Architektenschaft wird ihre Argumente für unabhängige Planung in den nächsten Jahren noch klarer artikulieren müssen, gerade in einem politischen Umfeld, das Tempo höher gewichtet als Verfahrensqualität. Der Bundesrat berät am 8. Mai 2026, das Inkrafttreten zum 1. Juli 2026 ist nur noch Formsache.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>Wenn ein Starchitekt das Starsystem angreift</title>
		<link>https://baukunst.art/wenn-ein-starchitekt-das-starsystem-angreift/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Apr 2026 10:12:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Manifest]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein OMA-Partner rechnet mit dem eigenen Milieu ab: 14 Forderungen, viel Diagnose, wenig Mechanik. Was das Buch leistet und wo es aufhört zu denken.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art</strong> / MEINUNG &amp; KRITIK /</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der Mann, der sein eigenes Büro anklagt und trotzdem bleibt</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„<strong><a href="https://www.versobooks.com/products/3322-architecture-against-architecture" target="_blank" rel="noopener">Architecture Against Architecture: A Manifesto</a></strong>&#8220; von Reinier de Graaf ist der bislang direkteste Versuch eines Insiders, die strukturellen Pathologien der Architekturbranche in ein Reformprogramm zu übersetzen. De Graaf, Partner bei <a href="https://www.oma.com/" target="_blank" rel="noopener"><strong>OMA</strong></a> seit über 30 Jahren, legt damit sein viertes Buch vor, erschienen 2026 bei Verso. Das Grundargument: Die Profession befindet sich im Krieg mit der Gegenwart, die einzig ehrliche Antwort darauf sei Abrüstung und ziviler Ungehorsam.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die 14 Empfehlungen sind auf zwei Hälften verteilt: sieben Kapitel über Architektinnen und Architekten als Berufsstand, sieben über Architektur als Disziplin. Die Forderungen reichen von Gewerkschaftsgründung und kollektivem Bürobesitz über obligatorischen Renteneintritt mit 67 Jahren bis zum Moratorium auf Neubau und Verzicht auf Urheberrechte an Gebäuden. Das ist mehr Agenda als die meisten Architekturbücher produzieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum kommt diese Kritik ausgerechnet aus dem Zentrum der Macht?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">De Graaf hat sich bewusst nicht als Außenseiter positioniert. Er bezeichnet das Buch als „workers&#8216; manifesto&#8220;, als Plädoyer dafür, Architektur als Arbeit zu verstehen statt als Berufung. Der Kultus des genialen Einzelnen, der vom leeren Blatt zum fertigen Entwurf schreitet, sei eine Fiktion. Wer ein Großbüro kennt, weiß das. Trotzdem hält die Branche an dieser Erzählung fest, weil sie den Marktwert des Namens erhöht und die Verhandlungsposition gegenüber dem Auftraggeber stärkt. Das ist kein Zufall, sondern ein Geschäftsmodell, das de Graaf von innen beschreibt und von innen nicht aufzulösen bereit ist: Er plant, weiter bei OMA zu arbeiten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist keine Kritik an der Person. Es ist eine strukturelle Beobachtung. Wer ein System als pathologisch beschreibt und darin verbleibt, muss erklären, welche Wirkung das Buch innerhalb dieser Struktur entfalten soll. De Graaf gibt darauf keine Antwort. Das schwächt nicht die Diagnose, aber es begrenzt das Manifest.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders präzise ist seine Analyse der Pritzker-Ökonomie. Der Preis befeuert jene feudale Verehrung des Einzelnen, die er für strukturell schädlich hält. Auf die Frage, ob er einen Kollegen für die Annahme verurteilen würde, antwortet de Graaf im Dezeen-Interview: nein. Das ist konsequent, weil er Sanktionierung ablehnt. Es ist auch das ehrlichste Eingeständnis der Grenzen eines Manifests, das auf freiwilliger Einsicht basiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bleibt von der Architektur, wenn die KI übernimmt?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">De Graaf schlägt vor, künstliche Intelligenz für „frivolle&#8220; Entwurfsentscheidungen einzusetzen, also Variantengenerierung und parametrische Optimierung, um Architektinnen und Architekten für wesentlichere Urteile freizusetzen. Die These setzt voraus, dass professionelle Urteilskraft unabhängig von der Routine entsteht, die KI ersetzen soll. Das ist empirisch offen. Entscheidungskompetenz entwickelt sich häufig im Vollzug von Routinearbeit, nicht trotz ihr. De Graaf behauptet die Entlastung, ohne den Bildungsmechanismus zu ersetzen, den er abschaffen will. Diese Lücke bleibt im Buch unbenannt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Überzeugender ist das Kapitel zum Bestand. De Graaf formuliert: Abriss sei Verschwendung und ein gewaltsamer Akt für jene, die dort leben und die gebaut haben. In Deutschland regeln das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und die DIN 276 den technischen Umgang mit dem Bestand. Was fehlt, ist kein Regelwerk, sondern ein politischer Konsens darüber, dass Nicht-Abreißen eine eigenständige architektonische Leistung darstellt, die entsprechend beauftragt und vergütet werden muss. Die HOAI in ihrer aktuellen Fassung bildet das nicht ab.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als Gesamtbewertung: „Architecture Against Architecture&#8220; ist eine gut dokumentierte Bestandsaufnahme mit programmatischen Leerstellen. Die Diagnose stimmt in den meisten Punkten. Das Reformprogramm ist eine Liste von Wünschen ohne Mechanismus. Manifeste schulden keine Umsetzungspläne. Aber wer 14 Empfehlungen vorträgt und keine einzige mit einem Durchsetzungsweg verbindet, schreibt Literatur über eine Krise, kein Instrument gegen sie. Das ist kein Versagen. Es ist eine Entscheidung, die das Buch auf einen bestimmten Wirkungsradius begrenzt.</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<p><strong>Reinier de Graaf: Architecture Against Architecture. A Manifesto</strong><br />
Verso Books, März 2026, 272 Seiten, Englisch</p>
<p>ISBN Hardcover: 978-1-804299-03-6 ISBN E-Book: 978-1-804299-06-7</p>
<p>Hardcover: ca. 25 Euro (Verlag direkt), ca. 27 USD (US) E-Book: ca. 10 USD (Kindle/Verso)</p>
<p><strong><a href="https://www.versobooks.com/products/3322-architecture-against-architecture" target="_blank" rel="noopener">versobooks.com</a></strong> (Verlag, inkl. kostenlosem E-Book beim Hardcover-Kauf)</p>
<p>Hinweis für deutschsprachige Leserinnen und Leser: Eine deutsche Übersetzung ist bislang nicht angekündigt. Das Buch ist ausschließlich auf Englisch erhältlich.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Das Schweigen der Kammern</title>
		<link>https://baukunst.art/das-schweigen-der-kammern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Apr 2026 15:57:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Akquise]]></category>
		<category><![CDATA[Architektengesetze]]></category>
		<category><![CDATA[Architektenkammer]]></category>
		<category><![CDATA[BAK]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Kammerverzeichnis]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15764</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Architektenkammern erheben seit Jahrzehnten Daten über ihre Mitglieder: Bürogrößen, Umsätze, Beschäftigungsverhältnisse, Konjunkturerwartungen. Eine einzige Frage stellen sie dabei nie: Wie haben Bauherrinnen und Bauherren das beauftragte Büro eigentlich gefunden? Diese Lücke ist kein Zufall. Sie ist Systemdesign. Und sie hat direkte Konsequenzen für alle Architektinnen und Architekten, die im Wettbewerb um Aufträge nicht länger auf institutionelle Unterstützung warten können.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-schweigen-der-kammern/">Das Schweigen der Kammern</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  |  BERUFSPOLITIK  |  April 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Architektensuche: Was Kammern nicht wissen und warum das Büros bei der Akquise schadet</strong></h1>
<p>Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Welche Erkenntnisse die Architektenkammern über das Suchverhalten von Bauherrinnen und Bauherren vorhalten, lässt sich in einem Satz zusammenfassen: keine.</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist bemerkenswert für Organisationen, die nach eigenem Verständnis die Schnittstelle zwischen qualifizierten Architektinnen und Architekten einerseits und der Öffentlichkeit andererseits darstellen. Bundesarchitektenkammer (BAK), Länderkammern, ihre europäischen Pendants in Frankreich, Österreich, Italien und Spanien: Alle führen Register, alle betreiben Suchportale, alle vertreten den Anspruch, Bauinteressierte und Architektinnen zusammenzubringen. Aber wie Bauherrinnen und Bauherren tatsächlich suchen, welche Kanäle sie nutzen, welche Kriterien sie bei der Auswahl anwenden, das hat keine dieser Organisationen je systematisch erhoben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum eine Schutzorganisation ihre eigene Schutzleistung nicht misst?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Analyse der Forschungslage in sechs europäischen Ländern zeigt das Ausmaß dieser Lücke in aller Deutlichkeit. Die BAK-Strukturbefragung 2024, erhoben unter freischaffenden Kammermitgliedern, liefert detaillierte Daten zu Bürostrukturen, Umsatz und Beschäftigung. Das monatliche BAK/ifo-Architekten-Konjunkturpanel (Leibniz-Institut ifo, München, ca. 300 Büros) dokumentiert Geschäftsklima und Auftragserwartungen. Die BAK-Berufspolitische Befragung 2025 hat über 15.600 Kammermitglieder zu Themen wie Künstliche Intelligenz, Bürokratiebelastung und Teilzeitarbeit befragt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine einzige Frage fehlt in allen diesen Erhebungen vollständig: Wie haben Ihre Bauherrinnen und Bauherren Sie gefunden?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist kein Versehen. Es ist Ausdruck einer strukturellen Ausrichtung: Kammern forschen über ihre Mitglieder, nicht über deren potenzielle Auftraggeber. Das ist nachvollziehbar, weil Kammermitglieder die Beitragszahler sind. Aber es ist berufspolitisch blind, weil die Akquisitionsbedingungen der Mitglieder direkt davon abhängen, dass die Kammer die Nachfrageseite kennt und gestaltet. Wer den Markt seiner Mitglieder nicht kennt, kann ihn nicht vertreten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was wissen wir stattdessen, und woher kommt das Wissen?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der einzige belastbare europäische Einzelbefund stammt aus Großbritannien. Die Forschungsreihe &#8222;Future Business of Architecture&#8220; des Royal Institute of British Architects (RIBA) zeigt: Nahezu zwei Drittel aller Aufträge entstehen durch Reputation, Wiederholungsbeauftragungen oder persönliche Empfehlung. Die RIBA-Hausbesitzerbefragung 2021 (1.500 Befragte, UK-weit) ergab, dass 61 Prozent der Teilnehmenden die Mitgliedschaft in einer Berufsorganisation als wichtiges Auswahlkriterium nannten. Das sind partielle Befunde aus britischem Kontext, keine Repräsentativerhebung zu Suchwegen. Aber es ist das Beste, was Europa zu bieten hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien und Spanien liegt keine vergleichbare Studie vor. Die Archigraphie 2024-2026 des Conseil national de l&#8217;Ordre des Architectes (CNOA, Paris), die umfangreichste nationale Professionsstudie Frankreichs (über 2.000 befragte Architektinnen und Architekten, Dezember 2024), liefert Daten zu Marktstruktur und Renovierungsquoten. Wie private Bauherrinnen ihre Architektinnen und Architekten gefunden haben, fragt sie nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Digitale Plattformen wie Houzz, ArchiLovers oder Google haben an Bedeutung gewonnen, das ist plausibel. Wie viele Bauinteressierte diese Kanäle nutzen und wie viele über Kammerverzeichnisse oder persönliche Empfehlung suchen: Niemand weiß es. Nirgendwo in Europa ist die Konversionsrate eines einzigen offiziellen Architekten-Suchportals öffentlich dokumentiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was Deutschland im europäischen Vergleich besonders betrifft</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Deutschland kommt zu dieser allgemeinen Wissenslücke ein strukturelles Problem hinzu, das in Europa einzigartig ist. Die Listung im Online-Verzeichnis der Länderkammern ist für Kammermitglieder freiwillig. Die BAK empfiehlt die Eintragung, verpflichtet dazu aber nicht. Das Ergebnis: Das institutionelle Suchportal, das Bauherrinnen und Bauherren an Architektinnen und Architekten vermitteln soll, bildet den tatsächlichen Bestand freischaffender Büros strukturell unvollständig ab.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Frankreich gilt Pflichtmitgliedschaft im Ordre des Architectes, in Spanien in den regionalen Colegios, in Italien in den provinziellen Ordini. Die jeweiligen Suchportale erfassen ihre Mitglieder vollständig. In Deutschland ist das institutionelle Angebot freiwillig, und damit strukturell lückenhaft. Nicht aus Nachlässigkeit einzelner, sondern durch Systemdesign.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es wäre eine berufspolitische Aufgabe, das zu ändern. Eine verbindliche Listung aller freischaffenden Kammermitglieder in einem einheitlichen, filterfähigen, öffentlich zugänglichen Verzeichnis wäre ein erster Schritt. Solange er nicht getan wird, können Architekturbüros nicht darauf vertrauen, dass ihre Kammer für ihre Auffindbarkeit sorgt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was folgt daraus für Architektinnen und Architekten heute?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die fehlende Datenlage der Kammern ist keine Entschuldigung und kein Schicksal. Sie ist eine Lücke, die informierte Architektinnen und Architekten für sich nutzen können. Wer versteht, wie Bauherrinnen und Bauherren suchen, auch wenn dieses Wissen aus britischen RIBA-Studien, aus Plausibilitätsüberlegungen zu vertrauensintensiven Dienstleistungen und aus praktischer Erfahrung zusammengesetzt werden muss, verschafft sich einen strukturellen Vorteil gegenüber Mitbewerberinnen und Mitbewerbern, die auf institutionelle Unterstützung warten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Schweigen der Kammern zu dieser Frage ist unbequem. Aber es schafft auch Raum: für alle, die bereit sind, das eigene Marktwissen selbst aufzubauen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong><a href="https://baukunst.art/kurse/bauherren-gewinnen-akquisestrategie-fuer-architekten-und-architektinnen-im-deutschsprachigen-raum/">Bauherren gewinnen, Lehrgang, Baukunst.art</a></strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Akquisestrategie für Architektinnen und Architekten im deutschsprachigen Raum</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Da die Kammern die Nachfrageseite nicht erheben, liefert dieser Lehrgang das Wissen, das fehlt, und die Werkzeuge, um es anzuwenden.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-schweigen-der-kammern/">Das Schweigen der Kammern</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>HOAI Reform 2026: Warum die neue Honorarordnung das Dumping Problem nicht löst und was Architekten wirklich brauchen</title>
		<link>https://baukunst.art/hoai-reform-2026-warum-die-neue-honorarordnung-das-dumping-problem-nicht-loest-und-was-architekten-wirklich-brauchen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Jan 2026 15:15:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[#Zukunftarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
		<category><![CDATA[Honorarordnung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14778</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die HOAI Novelle liegt auf Eis, und selbst wenn sie kommt, löst sie das Grundproblem nicht. Ohne verbindliche Mindestsätze bleibt die Honorarordnung wirkungslos. Zeit für einen Kurswechsel der Verbände.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Warten geht weiter</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Jahr ist vergangen, seit die Ampelkoalition zerbrach und mit ihr ein Projekt, das die planenden Berufe jahrelang vorangetrieben hatten: die umfassende Novellierung der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure. Was im Dezember 2024 als nahezu fertige Reform galt, liegt seither auf Eis. Die wissenschaftlichen Gutachten sind vollständig, die fachlichen Grundlagen erarbeitet, mehr als 200 Architektinnen und Ingenieure haben seit 2021 an modernisierten Leistungsbildern gefeilt. Doch politisch passiert: nichts.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei der AHO Herbsttagung Anfang Dezember 2025 in Berlin machte Dr. Gunnar Zillmann vom Bundeswirtschaftsministerium unmissverständlich klar, woran die Planenden sind. Die HOAI habe bei den Bundesministerien derzeit keine hohe Priorität. Andere Gesetze seien wichtiger, das Vergabebeschleunigungsgesetz etwa. Immerhin: Am 21. Januar 2026 soll es ein Erstgespräch zwischen dem Wirtschafts und dem Bauministerium sowie den Planerverbänden geben. Dann wolle man besprechen, wie es auf Basis der vorliegenden Gutachten weitergehen könne.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gutachten ohne Biss</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei mangelt es nicht an Substanz. Zwei wissenschaftliche Fachgutachten liegen vor, die eine solide Grundlage für die Reform bilden. Das Planungsbereichsgutachten aus dem Jahr 2023 evaluierte die Leistungsbilder grundlegend. Es berücksichtigt erstmals systematisch die Anforderungen an Nachhaltigkeit, Digitalisierung und das Planen im Bestand. Ein eigenständiges Leistungsbild für den städtebaulichen Entwurf wurde entwickelt. BIM erhält einen Regelprozess mit klar definierten Grund und Besonderen Leistungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das im Januar 2025 fertiggestellte Honorargutachten geht noch weiter. Es empfiehlt Honorarerhöhungen zwischen 16 und 67 Prozent bei der Objektplanung Gebäude, bei der Technischen Ausrüstung sogar zwischen 26 und 76 Prozent. Kleinere Projekte mit geringen anrechenbaren Kosten sollen überproportional angehoben werden, weil deren Honorare bislang schlicht nicht auskömmlich waren. Die Zahlen sind keine Wunschliste der Verbände, sondern wissenschaftlich ermittelte Anpassungen an die Realität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Doch was nützen wissenschaftlich fundierte Honorartafeln, wenn sie niemand einhalten muss?</strong> Genau hier liegt das Problem, das auch die beste Novellierung nicht lösen wird. Die neuen Werte sind Empfehlungen, Orientierungshilfen, unverbindliche Richtwerte. Jeder Auftraggeber kann sie ignorieren, jeder Bauherr kann weiterhin Dumpingpreise durchsetzen. <strong>Die HOAI bleibt ein zahnloser Tiger.</strong></p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das EuGH Urteil ist kein Naturgesetz</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Europäische Gerichtshof entschied 2019, dass die verbindlichen Mindest und Höchstsätze der HOAI gegen die EU Dienstleistungsrichtlinie verstoßen. Was als Qualitätssicherung gedacht war, wurde zur unzulässigen Marktbeschränkung erklärt. <strong>Seither akzeptieren Kammern und Verbände dieses Urteil als unverrückbare Tatsache.</strong> Die HOAI 2021 reagierte notgedrungen, die geplante Novelle bewegt sich ebenfalls im Rahmen des Erlaubten. Doch dieser Rahmen ist zu eng.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was dabei vergessen wird:<strong> EU Recht ist kein Naturgesetz. Es kann geändert werden, wenn der politische Wille da ist.</strong> Die Dienstleistungsrichtlinie von 2006 entstand in einer Zeit, als Deregulierung und Marktöffnung als Allheilmittel galten. Inzwischen hat sich das Klima gewandelt. Qualitätssicherung, Verbraucherschutz und faire Arbeitsbedingungen stehen wieder höher auf der Agenda. Die EU selbst diskutiert längst über die Grenzen des freien Marktes, wenn es um kritische Infrastruktur und strategische Sektoren geht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Das Bauwesen ist ein solcher Sektor. Wer minderwertig plant, gefährdet nicht nur Budgets, sondern Menschenleben. Wer Honorare drückt, bis Qualität leidet, schadet dem Gemeinwohl. Diese Argumente müssten auf europäischer Ebene vorgetragen werden. Doch von einer konzertierten Lobbyarbeit der deutschen Planerkammern in Brüssel ist wenig zu hören. Stattdessen arrangiert man sich mit dem Status quo.</strong></p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vorbehaltsaufgaben als Ausweg</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es gäbe Alternativen. Eine davon sind sogenannte Vorbehaltsaufgaben. Bestimmte Planungsleistungen dürften dann nur von qualifizierten Architektinnen und Ingenieuren erbracht werden. Das existiert in anderen Berufen längst: Ärztinnen dürfen Diagnosen stellen, Anwälte vor Gericht vertreten, Wirtschaftsprüfer Bilanzen testieren. Warum sollte nicht auch die Entwurfsplanung eines Gebäudes oder die Tragwerksberechnung einer Brücke an einen Qualifikationsnachweis gebunden sein?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Grünen hatten in ihren Wahlprüfsteinen zur Bundestagswahl einen offenen Dialog über Vorbehaltsaufgaben angekündigt. Die SPD verwies auf die Länderzuständigkeit, zeigte sich aber nicht grundsätzlich ablehnend. Die CDU schwieg. Die Verbände griffen das Thema auf, doch es verschwand in den Niederungen der Koalitionsverhandlungen. Im neuen Koalitionsvertrag findet sich kein Wort dazu.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vorbehaltsaufgaben würden nicht direkt Mindesthonorare zurückbringen. Aber sie würden den Markt bereinigen. Wer nur noch qualifizierte Büros beauftragen darf, kann nicht mehr auf Billiganbieter ohne entsprechende Expertise ausweichen. Der Wettbewerb verlagert sich von reinen Preisvergleichen hin zu Qualitätskriterien. Das wäre ein echter Paradigmenwechsel.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Koalitionsvertrag schweigt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat im April 2025 ihren Koalitionsvertrag vorgelegt. Das Dokument trägt den Titel Verantwortung für Deutschland und enthält durchaus ambitionierte Vorhaben für die Bauwirtschaft. Ein Wohnbauturbo soll Genehmigungsverfahren beschleunigen, der Gebäudetyp E wird gesetzlich verankert, das Bauministerium bleibt als eigenständiges Ressort erhalten. Für eine koordinierte Baupolitik ist das ein wichtiges Signal.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was im Koalitionsvertrag allerdings fehlt, ist jede Erwähnung der HOAI. Anders als im Ampelkoalitionsvertrag, der die Modernisierung der Honorarordnung explizit als Ziel formulierte, findet sich im neuen Regierungsprogramm kein Wort dazu. Der Bund Deutscher Baumeister kritisierte diese Leerstelle prompt: Die HOAI sei ein Kernanliegen der planenden Berufe, ihr Fehlen im Vertrag ein deutliches Versäumnis.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch gravierender ist das Schweigen zu grundsätzlichen Reformen. Vorbehaltsaufgaben? Kein Thema. Europäische Initiative für faire Honorierung? Fehlanzeige. Stärkung der Planungsqualität durch verbindliche Standards? Nicht vorgesehen. Die Regierung will schneller bauen, aber sie ignoriert die Frage, wer das Bauen eigentlich plant und unter welchen Bedingungen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Leidtragenden</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In der Praxis bedeutet das: Architektinnen und Ingenieure müssen ihre Honorare weiterhin individuell verhandeln, oft unter erheblichem Preisdruck. Besonders kleinere Büros geraten dabei in Bedrängnis. Wer keine starke Verhandlungsposition hat, verkauft seine Leistungen unter Wert. Die Folgen sind absehbar: Qualifizierter Nachwuchs wandert in besser bezahlte Branchen ab. Erfahrene Planerinnen und Planer reduzieren ihr Engagement oder geben auf. Büros, die seriös kalkulieren, verlieren Aufträge an jene, die mit Dumpingpreisen locken.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch die modernisierte HOAI wird daran nichts ändern. Wissenschaftlich fundierte Honorartafeln sind schön und gut, doch sie entfalten keine Wirkung, wenn der Markt sie ignoriert. Ein Auftraggeber, der weiß, dass er rechtlich nichts zu befürchten hat, wird weiterhin nach dem günstigsten Angebot greifen. Dass dieses Angebot möglicherweise nicht auskömmlich ist, dass dahinter ein Büro steht, das sich nur durch Selbstausbeutung über Wasser hält, interessiert ihn nicht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was die Verbände tun müssten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kammern und Verbände haben in den vergangenen Jahren beachtliche Arbeit geleistet. Mehr als 200 Fachleute haben an den Gutachten mitgewirkt, die Geschlossenheit zwischen Architekten und Ingenieuren ist beispielhaft, die fachlichen Grundlagen sind solide. Doch diese Arbeit bewegt sich innerhalb eines Systems, das grundsätzlich defekt ist. Sie optimiert Details, während das Fundament bröckelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Kurswechsel wäre nötig. Die Verbände müssten die Frage der verbindlichen Honorare wieder auf die Agenda setzen. Nicht als nostalgische Forderung nach der guten alten Zeit, sondern als sachlich begründetes Anliegen: Qualitätssicherung im Bauwesen erfordert angemessene Vergütung. Angemessene Vergütung erfordert Verbindlichkeit. Verbindlichkeit erfordert politischen Willen, auch auf europäischer Ebene.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Argument, das EuGH Urteil sei unumstößlich, greift zu kurz. Der Gerichtshof hat geltendes Recht ausgelegt. Dieses Recht kann geändert werden. Andere Branchen lobbyieren erfolgreich für ihre Interessen in Brüssel. Die Agrarwirtschaft bekommt Subventionen, die Automobilindustrie Ausnahmeregelungen, die Finanzbranche Rettungsschirme. Warum sollten ausgerechnet die planenden Berufe sich mit einem Urteil abfinden, das ihre wirtschaftliche Grundlage untergräbt?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick mit bitterem Beigeschmack</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn alles gut läuft, so die vorsichtige Prognose aus dem Ministerium, könnte im Sommer 2026 ein Referentenentwurf vorliegen. Die neue HOAI träte dann frühestens Anfang 2027 in Kraft. Ursprünglich war sie für 2025 geplant. Die Verzögerung beträgt damit mindestens zwei Jahre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Verbände bedeutet das: weitermachen, präsent bleiben, Druck aufbauen. Klaus Dieter Abraham vom AHO, Heinrich Bökamp von der Bundesingenieurkammer und Andrea Gebhard von der Bundesarchitektenkammer werden nicht müde, die Dringlichkeit der Novellierung zu betonen. Die wissenschaftlichen Grundlagen liegen vor, die Branche ist sich einig, selbst die Auftraggeber haben die Empfehlungen mitgetragen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch selbst wenn die Novelle kommt, bleibt ein bitterer Beigeschmack. Sie wird modernere Leistungsbilder bringen, höhere Orientierungswerte, bessere Definitionen für BIM und Nachhaltigkeit. Sie wird den Planenden helfen, ihre Angebote zu begründen. Aber sie wird das strukturelle Problem nicht lösen: dass Planungsleistungen in Deutschland unter Wert verkauft werden, weil es keine Mechanismen gibt, die das verhindern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Das Gespräch am 21. Januar 2026 wird zeigen, ob die Politik zumindest die kleine Reform vorantreibt. Die große Reform, die Rückkehr zu verbindlichen Standards, bleibt vorerst eine Utopie. Es sei denn, die Verbände beginnen endlich, für sie zu kämpfen.</strong></p>
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		<item>
		<title>Friede im Bauamt: Dachausbau Streit in Wien beigelegt</title>
		<link>https://baukunst.art/friede-im-bauamt-dachausbau-streit-in-wien-beigelegt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Nov 2025 10:30:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Bauordnung Wien]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtbild]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14432</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wiener Architektenkammer und MA 19 beenden Auslegungsstreit um Paragraph 85 der Bauordnung. Gemeinsame Merkblätter schaffen Klarheit für Planerinnen und Planer.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Wenn Behörden und Kammer sich zusammenraufen: Wiens neuer Weg zur Stadtbildpflege</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Wiener Bauwesen erlebte in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung. Die Kammer der Ziviltechnikerinnen und Ziviltechniker für Wien, Niederösterreich und Burgenland und die Magistratsabteilung 19 für Architektur und Stadtgestaltung haben sich nach wochenlangen Workshops auf gemeinsame Interpretationen der Wiener Bauordnung geeinigt. Was wie ein bürokratischer Vorgang klingt, markiert einen bedeutsamen Wendepunkt in der österreichischen Berufspolitik.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Ursprung des Konflikts</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ausgangspunkt der Spannungen war die unterschiedliche Auslegung des Begriffs „örtliches Stadtbild&#8220; im Paragraph 85 der Wiener Bauordnung. Diese zentrale Bestimmung regelt die äußere Gestaltung von Bauwerken und soll das Stadtbild vor Verunstaltung schützen. Doch was genau bedeutet „örtlich&#8220;? Und wie weit reicht der Beurteilungsspielraum der Behörde?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektinnen und Architekten beklagten eine zunehmend restriktive Auslegung einzelner Bestimmungen durch die MA 19. In der Praxis führte dies zu spürbaren Einschränkungen, besonders bei Dachausbauten. Projekte, die zuvor problemlos genehmigungsfähig gewesen wären, wurden plötzlich abgelehnt oder mussten erheblich reduziert werden. Mancher Dachausbau war auf einmal nur noch eingeschossig möglich, wo früher zwei Ebenen realisierbar gewesen wären.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frustration in der Architektenschaft wuchs. Planungssicherheit, so der Vorwurf, sei nicht mehr gegeben. Bauherrinnen und Bauherren sowie ihre Planerinnen und Planer sahen sich mit unvorhersehbaren behördlichen Entscheidungen konfrontiert. Die wirtschaftlichen Folgen waren erheblich: Verzögerungen, Planungsänderungen und entgangene Bauvolumina summierten sich.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Workshop Prozess</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Statt den Konflikt eskalieren zu lassen, wählten beide Seiten einen konstruktiven Weg. Die Kammer der Ziviltechnikerinnen und Ziviltechniker unter Präsident Bernhard Sommer initiierte gemeinsam mit der Baudirektion Wien einen strukturierten Dialogprozess. In wochenlangen Workshops trafen sich Vertreterinnen und Vertreter der MA 19, der MA 37 (Baupolizei), der MA 64 sowie der Ziviltechnikerkammer, um strittige Fragen systematisch aufzuarbeiten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Ergebnis: Eine Handreichung zur Anwendung des Paragraph 85 der Bauordnung, die allen Beteiligten Orientierung geben soll. Das Dokument entwickelt ein einheitliches Prüfschema für Planerinnen und Planer, Behörden sowie Gutachterinnen und Gutachter.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die zentralen Erkenntnisse</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein scheinbar banaler, aber in seiner Konsequenz weitreichender Grundsatz wurde festgeschrieben: „Ein örtliches Stadtbild ist örtlich.&#8220; Diese Selbstverständlichkeit bedurfte offenbar der expliziten Klarstellung. Die Behörde darf bei der Beurteilung eines Bauvorhabens nicht das gesamte Wiener Stadtbild zum Maßstab nehmen, sondern muss sich auf die unmittelbare Umgebung konzentrieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Handreichung unterscheidet zwischen dem gegebenen Stadtbild, also dem, was vor Ort tatsächlich besteht, und dem beabsichtigten Stadtbild laut Bebauungsplan. Bei Widersprüchen hat das beabsichtigte Stadtbild Vorrang. Sonderregeln gelten für Schutzzonen, UNESCO Welterbestätten und Gebäude, die vor 1945 errichtet wurden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zu den Beurteilungskriterien gehören Bauform, Maßstäblichkeit, Baustoffe und Farben. Interessanterweise zählt die Gebäudehöhe allein nicht als Kriterium für eine Stadtbildstörung. Dies dürfte bei manchen Auseinandersetzungen um Dachausbauten für Entspannung sorgen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom Schutz zur Entwicklung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Workshops brachten auch einen bemerkenswerten begrifflichen Wandel. Der traditionelle Terminus „einheitliche Gestaltung&#8220; wurde kritisch hinterfragt. Ist dieses Leitbild noch zeitgemäß in einer Stadt, die wächst, sich verändert und den Herausforderungen des Klimawandels stellen muss?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Beteiligten einigten sich auf eine neue Formulierung: „zeitgemäße Fortschreibung der Charakteristik des Stadtbildes&#8220;. Hinter dieser sprachlichen Verschiebung verbirgt sich ein Paradigmenwechsel. Stadtbildpflege wird nicht mehr primär als Bewahrung des Bestehenden verstanden, sondern als behutsame Weiterentwicklung. Innovation und Klimaschutz sollen besser integriert werden können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Konkret diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Themen wie Fassadenbegrünung, Photovoltaikanlagen auf historischen Dächern und die Entwicklung einer nachhaltigen Ästhetik. Das Bild der „Wälder auf den Dächern&#8220; wurde als Zukunftsvision für eine klimagerechte Stadt gezeichnet. Vorschläge für Änderungen der Bauordnung zur Förderung begrünter Dächer und Regenrückhalt wurden ebenfalls erarbeitet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die historische Dimension</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Workshops griffen auch auf historische Präzedenzfälle zurück. Die sogenannte „Lex Hollein&#8220;, jene Sonderregelung, die den Bau des Haas Hauses von Hans Hollein gegenüber dem Stephansdom ermöglichte, wurde als Beispiel dafür angeführt, wie moderne Architektur in sensiblen historischen Kontexten gelingen kann. Der zeitgenössische Bau, der in den 1980er Jahren heftige Kontroversen auslöste, gilt heute als gelungene Intervention in das historische Stadtbild.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese historische Referenz verdeutlicht: Was eine Generation als Störung empfindet, kann die nächste als Bereicherung begreifen. Stadtbildpflege ist keine statische Disziplin, sondern ein fortlaufender gesellschaftlicher Aushandlungsprozess.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Einordnung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Wiener Weg verdient Anerkennung, wirft aber auch Fragen auf. Kritische Stimmen wie der Stadtplaner Reinhard Seiß bemängeln seit Jahren eine zu lasche Genehmigungspraxis abseits der Innenstadt. Bei rund 6.000 Projekten, die die MA 19 jährlich begutachtet, sei eine genaue Prüfung jedes einzelnen Umbaus oder Neubaus kaum möglich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die MA 19 selbst betont ihre Rolle: Sie sei keine „Geschmackspolizei&#8220;, sondern prüfe die Einhaltung der Rahmenbedingungen der Bauordnung. Ob ein Gebäude „schön oder schirch&#8220; sei, stehe nicht zur Debatte. Diese Position mag rechtlich korrekt sein, lässt aber die Frage offen, wer dann für die ästhetische Qualität der Stadt verantwortlich ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Anders als etwa in Salzburg, wo jedes Projekt eine Architektur Begutachtung durchläuft, werden in Wien nur größere Vorhaben, Hochhäuser oder Projekte in Schutzzonen einem externen Fachbeirat vorgelegt. Ob die neuen Merkblätter diese strukturelle Lücke schließen können, bleibt abzuwarten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lehren für andere Kammern</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Wiener Prozess bietet ein Modell für andere Architektenkammern im deutschsprachigen Raum. Statt Konflikte mit Behörden zu eskalieren oder vor Gericht auszutragen, kann strukturierter Dialog zu praktikablen Lösungen führen. Die Erarbeitung gemeinsamer Interpretationshilfen schafft Planungssicherheit für alle Beteiligten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Voraussetzung dafür ist allerdings die Bereitschaft beider Seiten, eigene Positionen zu hinterfragen. Die Behörde muss anerkennen, dass starre Auslegungen die Stadtentwicklung hemmen können. Die Architektenschaft muss akzeptieren, dass nicht jede Einschränkung Willkür ist, sondern legitimen öffentlichen Interessen dient.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ergebnisse der Workshops werden nun in die Praxis überführt. Die Handreichung steht allen Beteiligten zur Verfügung. Ein Informationsabend für Kammermitglieder präsentierte die Ergebnisse, wobei Präsident Bernhard Sommer und Gruppenleiterin Beatrix Rauscher von der Baudirektion den lebhaften Austausch lobten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob die neuen Leitlinien tatsächlich zu weniger Konflikten und schnelleren Genehmigungsverfahren führen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Entscheidend wird sein, ob die Merkblätter in der täglichen Praxis der Referentinnen und Referenten ankommen und konsequent angewendet werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die zentrale Erkenntnis des Prozesses formulierte ein Teilnehmer treffend: Das Stadtbild ist immer vorhanden, selbst wenn es heterogen erscheint. Es sollte mit Verantwortung, Qualität und zeitgemäßer Gestaltung weiterentwickelt werden. Der rechtliche Rahmen sei dabei eine Mindestanforderung, kein Hindernis. In dieser Haltung liegt vielleicht der größte Gewinn des Wiener Dialogs.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/friede-im-bauamt-dachausbau-streit-in-wien-beigelegt/">Friede im Bauamt: Dachausbau Streit in Wien beigelegt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Planen ohne Netz: Wie Österreichs Architektinnen und Architekten um ihre Existenz kämpfen</title>
		<link>https://baukunst.art/planen-ohne-netz-wie-oesterreichs-architektinnen-und-architekten-um-ihre-existenz-kaempfen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Nov 2025 10:11:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Architektenkammer]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Gebäuderichtlinie]]></category>
		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Stellplatzverordnung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14428</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wiener Stellplatzdebatte und EU-Vorgaben: Wie die Architekturpolitik zwischen Klimazielen, Bürokratieabbau und Honorarfragen laviert – und wer dabei auf der Strecke bleibt</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/planen-ohne-netz-wie-oesterreichs-architektinnen-und-architekten-um-ihre-existenz-kaempfen/">Planen ohne Netz: Wie Österreichs Architektinnen und Architekten um ihre Existenz kämpfen</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Berufspolitische Weichenstellungen: Zwischen Stellplatzstreit, EU-Richtlinien und Honorarunsicherheit</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wien, November 2025</strong> – Die berufspolitische Landschaft für Architektinnen und Architekten in Österreich ist derzeit von drei zentralen Spannungsfeldern geprägt: der Reform der Stellplatzverpflichtung in Wien, der Umsetzung ambitionierter EU-Klimavorgaben und der anhaltenden Unsicherheit um Honorarregelungen. Während die Wiener Bauordnungsnovelle 2023 Bauträgern Erleichterungen bei der Stellplatzpflicht verspricht, um bezahlbaren Wohnraum zu fördern, warnen Expertinnen und Experten vor den Folgen für Verkehrswende und Stadtqualität. Gleichzeitig zwingt die neue EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) die Branche zu radikalen Sanierungszielen – doch die Umsetzung stockt. Und während in Deutschland die HOAI-Novelle 2025 auf Nachhaltigkeit und Digitalisierung setzt, fehlt in Österreich ein vergleichbares verbindliches Regelwerk. Die Frage lautet: Wie kann die Architekturpolitik diese Herausforderungen meistern, ohne die Planungsqualität zu opfern?</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">1. Wiener Stellplatzdebatte: Weniger Parkplätze, mehr Konflikte</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die jüngste Novelle der Wiener Bauordnung reduziert die Verpflichtung zur Schaffung von Kfz-Stellplätzen bei Neubauten. Statt wie bisher pro 100 m² Wohnnutzfläche einen Stellplatz vorzusehen, gilt nun ein flexibleres Zonenmodell, das sich an der Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln orientiert. Bauträger begrüßen die Entlastung, da Stellplätze bis zu 30.000 Euro pro Einheit kosten und die Baukosten treiben. Doch die Architektenkammer und Verkehrsexpertinnen kritisieren, dass die Lockerung ohne flankierende Maßnahmen zur Verkehrswende kommt. „Weniger Stellplätze allein führen nicht automatisch zu weniger Autos“, gibt Robert Jansche vom Österreichischen Institut für Bautechnik (OIB) zu bedenken. Die Gefahr: Statt klimafreundlicher Mobilität droht eine Zunahme des Parkdrucks im öffentlichen Raum – auf Kosten von Grünflächen und Aufenthaltsqualität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kritikpunkte:</strong></p>
<ul class="ak-ul" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="bulletList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fehlende Alternativen:</strong> Ohne massiven Ausbau von Radinfrastruktur und ÖV-Anbindungen könnte die Reform zu mehr Wildparkern führen.</p>
</li>
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Soziale Ungleichheit:</strong> Geringverdienerinnen und Geringverdiener in Randbezirken sind auf das Auto angewiesen, während Innenstadtbewohnerinnen und -bewohner von der Regelung profitieren.</p>
</li>
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Planungsunsicherheit:</strong> Kommunen und Planerinnen fordern klare Vorgaben, wie frei werdende Flächen sinnvoll genutzt werden können – etwa für Gemeinschaftsgärten oder Sozialwohnungen.</p>
</li>
</ul>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wiener Architektenkammer pocht darauf, die Stellplatzreduktion mit verbindlichen Mobilitätskonzepten zu verknüpfen. Bisher fehlt jedoch ein entsprechender Rechtsrahmen.</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">2. EU-Gebäuderichtlinie: Sanierungszwang ohne Plan</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ab 2026 müssen alle EU-Mitgliedsstaaten die verschärfte Gebäuderichtlinie (EPBD) umsetzen. Für Österreich bedeutet das: Bis 2030 müssen 3 % des Gebäudebestands jährlich saniert werden, um die Klimaziele zu erreichen. Die OIB-Richtlinien werden derzeit überarbeitet, doch die Branche warnt vor überstürzten Lösungen. „Die Ziele sind ehrgeizig, aber ohne ausreichende Förderung und Fachkräfte wird die Umsetzung scheitern“, betont Peter Maydl von der Kammer der Ziviltechnikerinnen und Ziviltechniker. Besonders problematisch: Die Richtlinie sieht vor, dass ab 2025 alle Energieausweise auf einer harmonisierten Skala (A bis G) beruhen müssen – doch viele Bundesländer hinken bei der Umsetzung hinterher.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Herausforderungen:</strong></p>
<ul class="ak-ul" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="bulletList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fachkräftemangel:</strong> Bereits jetzt fehlen qualifizierte Planerinnen und Handwerker für die anstehende Sanierungswelle.</p>
</li>
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kostenexplosion:</strong> Ohne staatliche Subventionen sind viele Eigentümerinnen und Eigentümer überfordert.</p>
</li>
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Bürokratie:</strong> Die neuen Vorgaben erfordern komplexe Nachweise, die kleine Büros überlasten.</p>
</li>
</ul>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundesarchitektenkammer Deutschland zeigt in einem Positionspapier, wie Sanierungen sozialverträglich gestaltet werden können – etwa durch gestaffelte Fristen und niedrigschwellige Beratungsangebote. In Österreich sucht man vergleichbare Konzepte bisher vergeblich.</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">3. Honorarordnung: Freier Fall ohne Netz</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während in Deutschland die HOAI 2025 aktuell novelliert wird, um Nachhaltigkeit und Digitalisierung (BIM) stärker zu verankern, gibt es in Österreich keine verbindlichen Honorarregeln mehr. Die Folge: Ein Preiswettbewerb, der vor allem kleine Büros unter Druck setzt. „Ohne Mindesthonorare droht eine Abwärtsspirale bei der Planungsqualität“, warnt eine Sprecherin des Ausschusses der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten (AHO). In Deutschland sollen die neuen Leistungsbilder der HOAI 2025 zumindest als Orientierungshilfe dienen – in Österreich fehlt selbst das. Hier setzen viele Büros auf freiwillige Leitfäden, doch diese bieten keine Rechtssicherheit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Forderungen der Branche:</strong></p>
<ul class="ak-ul" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="bulletList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Verbindliche Honorarempfehlungen</strong> für öffentliche Aufträge, um Dumpingpreise zu verhindern.</p>
</li>
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Anpassung der Leistungsphasen</strong> an die Anforderungen von BIM und Kreislaufwirtschaft.</p>
</li>
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Mehr Planungssicherheit</strong> durch klare Vergütungsregeln für Umbauten und Sanierungen.</p>
</li>
</ul>
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<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">4. Lobbyarbeit und Kammerpolitik: Wer spricht für die Architekturschaffenden?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die berufspolitische Interessenvertretung steht vor einem Dilemma: Einerseits muss sie die Belange der Mitglieder – von Einzelkämpferinnen bis zu Großbüros – unter einen Hut bringen. Andererseits gilt es, in Brüssel und Wien Gehör zu finden. Die Bayerische Architektenkammer zeigt, wie es gehen kann: Mit gezielten Positionspapieren und Bündnissen mit Ingenieurverbänden gelingt es, Einfluss auf die EU-Gesetzgebung zu nehmen. In Österreich agieren die Kammern dagegen oft isoliert. „Hier braucht es mehr Zusammenarbeit, um gemeinsam Standards zu setzen“, fordert Stefan Wagmeister von Austrian Standards.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Erfolgsbeispiele aus Deutschland:</strong></p>
<ul class="ak-ul" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="bulletList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Gebäudetyp E:</strong> Ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren für standardisierte Neubauten, das Bürokratie abbauen soll.</p>
</li>
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Digitalisierungsoffensive:</strong> Die BAK hat eine Taskforce eingerichtet, um BIM in der Lehre und Praxis zu verankern.</p>
</li>
</ul>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die aktuellen Entwicklungen zeigen: Die Architekturpolitik steht an einem Scheideweg. Einerseits bieten die Stellplatzreform und die EU-Richtlinien Chancen für mehr Klimaschutz und bezahlbares Wohnen. Andererseits drohen ohne klare Regulierung und ausreichende Ressourcen Qualitätsverluste und soziale Verwerfungen. Die Kammern sind gefordert, ihre Rolle als Mittler zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu stärken – und endlich gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. Sonst bleibt die Branche zwischen Klimazielen, Kostendruck und Bürokratie auf der Strecke.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/planen-ohne-netz-wie-oesterreichs-architektinnen-und-architekten-um-ihre-existenz-kaempfen/">Planen ohne Netz: Wie Österreichs Architektinnen und Architekten um ihre Existenz kämpfen</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Deutsche Bauämter kosten Wohnungsbau Milliarden</title>
		<link>https://baukunst.art/deutsche-bauaemter-kosten-wohnungsbau-milliarden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Oct 2025 09:04:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Premium]]></category>
		<category><![CDATA[Bauadministration]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13731</guid>

					<description><![CDATA[<p>Während Technologiekonzerne Rechenzentren in der Größe Manhattans planen, verharren deutsche Bauämter in der Papierablage. Eine paradoxe Situation – aber kein technisches, sondern ein politisches Problem. Der Preis der Verzögerung: 145 Euro pro Wohneinheit pro Monat. Bauwirtschaft, Kammern und Verbände fordern jetzt klare berufspolitische Signale von Bund und Ländern. Ein Überblick über die versteckte Krise der öffentlichen Verwaltung.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/deutsche-bauaemter-kosten-wohnungsbau-milliarden/">Deutsche Bauämter kosten Wohnungsbau Milliarden</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Bauamtskrise oder Digitalisierungschance? Wie Verwaltungen und Kammern den politischen Wandel gestalten</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Genehmigungsverfahren für Bauprojekte sind zum Synonym für Bürokratieverzögerung geworden. Doch hinter dem vermeintlichen Chaos steckt eine fundamentale politische Auseinandersetzung: der Kampf um die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Paradoxon der Aktenbearbeitung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es ist eine absurde Situation, die sich in deutschen Bauämtern täglich wiederholt: Während Technologiekonzerne Rechenzentren in der Größe Manhattans planen und die Bundesregierung Milliarden in Chipfabriken investiert, verharren Bauantragsverfahren im Takt der Papierablage. Diese Diskrepanz ist nicht primär ein technisches, sondern ein politisches Problem.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kammern und Verbände der Bauwirtschaft weisen seit Jahren auf die Realität hin: Viele Kommunen haben zwar den Schritt vom Papier zur PDF vollzogen – doch hierbei bleibt es. Die eigentliche Prüfung erfolgt weiterhin analog, sequenziell und mit erheblichem Personalaufwand. Dies ist nicht nur ein Service-Problem für Bauunternehmerinnen und Unternehmer, sondern auch ein Stabilitätsproblem für die gesamte Branche.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Finanzieller Druck und institutionelle Grenzen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Michael Gilka, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB), bringt die Frustration auf den Punkt: &#8218;Wie soll man Erfolg messen, wenn es gar keine klaren Ziele gibt?&#8216; Dies ist nicht bloß ein rhetorisches Problem – es zeigt ein systemisches Versagen in der Koordination zwischen Bund, Ländern und Kommunen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bundesrechnungshof hat dies in einem aktuellen Bericht bestätigt: Wichtige IT-Systeme fehlen, Ressourcen werden ineffizient eingesetzt, und eine strategische Gesamtsteuerung ist nicht erkennbar. Der neugebildete Bundesbereich für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) wächst zwar der Druck zu handeln, doch die föderale Struktur bleibt ein permanentes Hindernis. Bund und Länder geben vor, was digitalisiert werden soll – den Kommunen und Bauämtern fehlen häufig die finanziellen Mittel, das Personal und die IT-Kompetenz für die Umsetzung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die verborgenen Kosten der Verzögerung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das zentrale politische Argument für rasche Digitalisierung ist ökonomisch stringent: Bei einem fiktiven Projekt mit 200 Wohneinheiten verursacht die bloße Finanzierung eines 10-Millionen-Euro-Grundstücks rund 350.000 bis 450.000 Euro Zinslast jährlich. Jeder Monat Bearbeitungszeit beim Bauantrag erhöht die Gestehungskosten je Wohneinheit um etwa 145 Euro – allein durch Finanzierungskosten. Dies ist mehr als eine Effizienzbeschwernis: Es ist eine soziale Ungerechtigkeit, die sich direkt auf Mieten und Wohnungspreise auswirkt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier liegt auch der Kern der Lobbying-Strategie der Bauwirtschaft: Studien zeigen, dass Projektentwicklerinnen, Planerinnen und Investoren bereit wären, fünf bis zehn Prozent der Investitionskosten zusätzlich zu tragen, sofern sich Planungssicherheit und Verfahrensdauer verbessern. Bei einem Bauvolumen von 400.000 Wohnungen pro Jahr ergibt sich daraus ein mögliches Finanzvolumen von über einer Milliarde Euro jährlich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die technische Lösung liegt bereit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die technologische Basis für eine echte Digitalisierung existiert bereits: Eine systematische Verknüpfung semantisch angereicherter Bauwerkinformationsmodellierung (BIM) mit kommunalen Bebauungsplänen (XPlanung), 3D-Stadt- und Geländemodellen sowie Geoinformationssystemdaten würde die automatisierte, parallele Prüfung baurechtlicher Anforderungen ermöglichen. Regelbasierte Algorithmen und KI-Modelle könnten Abstände, Brandschutz, Stellplätze und Barrierefreiheit während der Planungsphase überprüfen – statt erst nach vollständiger Antragseinreichung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dies ist kein Zukunftsszenario, sondern ein bewährtes Modell in anderen Ländern. Die politische Hürde liegt einzig in der Koordination und dem politischen Willen, dies über alle Verwaltungsebenen hinweg umzusetzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Forderungen und politische Verantwortung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bauwirtschaft hat ihre Positionen klar definiert. Was sie fordert, ist keine technische Innovation, sondern eine politische Entscheidung: Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) und Digitalisierungsminister Karsten Wildberger (CDU) müssen eine Mehrheit für eine zielgerichtete Änderung des Verwaltungsverfahrensgesetzes erreichen, um parallele Prüfungen rechtssicher zu ermöglichen. In der Folge könnten die Landesbauordnungen entsprechend angepasst werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Modellregionen könnten hier pragmatische Lösungsräume bieten, in denen neue Konzepte erprobt werden. Dies greift auch die &#8218;Initiative für einen handlungsfähigen Staat&#8216; in ihrem Abschlussbericht auf. Die Branche erwartet, dass das BMDS diesen Impuls aufgreift und der Verwaltung ein zukunftsfähiges &#8218;Betriebssystem für Deutschland&#8216; verpasst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Langfristige Perspektive statt kurzfristiger Flickschusterei</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Langfristig ist der digitale Bauantrag mit paralleler automatisierter Prüfung ohnehin absehbar. Abwarten verursacht allerdings erhebliche negative Opportunitätskosten: vermeidbarer Personalaufbau in den Bauämtern, höhere Finanzierungskosten und daraus dauerhaft resultierende Wohnkostenbelastungen. Jetzt zu handeln bedeutet nicht nur, den Wohnungsbau zu beschleunigen – es bedeutet auch, den deutschen Staat als funktionierenden Partner moderner, effizienter Bürokratie zu stärken.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die politische Frage lautet nicht &#8218;ob&#8216;, sondern &#8218;wann&#8216;. Die Antwort sollte lauten: jetzt.</p>
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		<title>Schneller, billiger, einsamer? Wie der Bau-Turbo die Baukultur gefährdet</title>
		<link>https://baukunst.art/schneller-billiger-einsamer-wie-der-bau-turbo-die-baukultur-gefaehrdet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Oct 2025 08:50:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungskrise]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der geplante "Bau-Turbo" soll Wohnungsbau beschleunigen, riskiert aber Standards zu gefährden. Die Bundesarchitektenkammer fordert einen anderen Weg.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/schneller-billiger-einsamer-wie-der-bau-turbo-die-baukultur-gefaehrdet/">Schneller, billiger, einsamer? Wie der Bau-Turbo die Baukultur gefährdet</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Wohnraum schaffen statt Schnelligkeit um jeden Preis</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der geplante Paragraph 246e BauGB – im politischen Diskurs als &#8222;Bau-Turbo&#8220; bekannt – verspricht Beschleunigung im Wohnungsbau. Doch ein breites Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen, angeführt von der Bundesarchitektenkammer (BAK), warnt vor erheblichen Risiken: Einseitige Fokussierung auf Quantität und Schnelligkeit gefährde soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und demokratische Partizipation.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Wohnungskrise und die politische Antwort</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Deutschlands Wohnungsmarkt steht unter enormem Druck. Insbesondere in urbanen Ballungsräumen fehlen bezahlbare Wohnungen in großem Umfang. Die Bundesregierung reagierte mit dem geplanten &#8222;Bau-Turbo&#8220; – einer Gesetzesnovelle, die Genehmigungsverfahren vereinfachen und Planungsprozesse verkürzen soll. Bundesministerin Verena Hubertz (SPD) sieht in der beschleunigten Bauweise ein wirksames Instrument gegen die Wohnungsnot.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch das Vorhaben ist komplex: Es kollidiert mit etablierten Planungsprinzipien, Beteiligungsrechten und städtebaulichen Qualitätsstandards. Architekten und Planerinnen warnen vor ungewollten Konsequenzen, die Jahrzehnte nachwirken könnten.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Positionen der Bundesarchitektenkammer</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die BAK unter ihrer Präsidentin Andrea Gebhard hat sich klar positioniert: Zwar erkennt die Kammer die Wohnungskrise an, lehnt aber die aktuelle Ausgestaltung des Bau-Turbos ab. &#8222;Wir haben die Wohnungskrise erkannt&#8220;, betont Gebhard. &#8222;Die Kammern sehen viele Möglichkeiten für Lösungen und Verbesserungen.&#8220; Allerdings habe die jetzige Formulierung des Paragraphen 246e BauGB erhebliche Schwachstellen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kernkritik der BAK richtet sich gegen die einseitige Fokussierung auf Tempo ohne Rücksicht auf strukturelle Qualitätsmerkmale. &#8222;Schneller Wohnungsbau darf nicht heißen, dass wir soziale, ökologische und baukulturelle Standards über Bord werfen&#8220;, macht Gebhard deutlich. Fläche sei eine endliche Ressource – wer sie verbrauche, schädige Landwirtschaft, Natur und mittel- bis langfristig die Zukunftsfähigkeit des Landes.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Innenentwicklung vor Zersiedelung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Kernpunkt der Kritik betrifft die fehlende Priorisierung von Innenentwicklung. Der Bau-Turbo könnte Kommunen dazu verleiten, auf Neuerschließung statt auf intelligente Weiterentwicklung bestehender Siedlungsstrukturen zu setzen. Das widerspricht modernen Planungsprinzipien und Klimaschutzzielen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Innenentwicklung vor Zersiedelung&#8220; – dieser Maxime folgend fordert das von der BAK angeführte Bündnis, dass der Bau-Turbo ausschließlich in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt Anwendung finden darf und sich auf Innenentwicklung beschränken muss. Eine Anwendung auf neue Siedlungsflächen lehnen die Verbände ab.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Soziale Bindung statt Marktlogik</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein weiterer kritischer Punkt: verbindliche Quoten für dauerhaft sozial gebundenen Wohnraum. Der aktuelle Entwurf enthält zwar Formulierungen zum Thema Preisgünstigkeit, konkrete und verlässliche Verpflichtungen fehlen jedoch. Das schafft Unsicherheit, ob die geplanten Bauten tatsächlich der Bevölkerungsschicht zugute kommen, die Wohnungen am dringendsten benötigt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bündnis fordert daher mindestens 50,1 Prozent dauerhaft bezahlbar zu vermietende Wohnungen bei Neubauten ab sechs Einheiten. Damit sollen Flächen effizienter genutzt und soziale Wirkung gesichert werden – ein regulatorischer Rahmen, der den Markt zwar lenkt, aber nicht in sein Wesen eingreift.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bürgerbeteiligung und demokratische Legitimation</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bau-Turbo sieht eine drastische Verkürzung der Beteiligungsfristen vor – auf zwei Monate für Öffentlichkeitsbeteiligungen und Stellungnahmen. Die Kritiker warnen: Dies gefährde die Qualität von Planungsprozessen erheblich und untermine demokratische Partizipation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Qualitätsvolle Planung benötigt Zeit für Abstimmung, kritische Auseinandersetzung mit Alternativen und die Einbeziehung lokaler Expertise. Bürgerinnen und Bürger, Verbände und Fachleute brauchen realistische Zeitfenster, um sich informieren, zu evaluieren und Stellungnahmen vorzubereiten. Eine zu starke Verkürzung führe zu Frustration und könne am Ende die Akzeptanz von Projekten gefährden.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kommunale Leistungsfähigkeit und finanzielle Ausstattung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein häufig übersehener Aspekt: Die Umsetzung liegt zu großen Teilen bei den Kommunen. Viele Gemeinden und Städte kämpfen bereits mit Personalengpässen, komplexen Abstimmungsprozessen und finanziellen Unsicherheiten. Der Bau-Turbo könnte diese Strukturschwächen eher verschärfen als lösen. Vor allem kleinere und strukturell benachteiligte Kommunen könnten überfordert werden, wenn sie ohne zusätzliche Ressourcen schnellere Verfahren umsetzen sollen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gebäudetyp E als Alternative</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundesarchitektenkammer weist auf innovative Ansätze hin, die weniger problematisch sind als der Bau-Turbo. Das Konzept des &#8222;Gebäudetyp E&#8220; – ein vereinfachter Typenbau – könnte Beschleunigung ohne Qualitätsverlust ermöglichen. Standardisierte Entwürfe reduzieren Planungsaufwand, beschleunigen Genehmigungen und wahren gleichzeitig baukulturelle Standards. Dies wäre ein konstruktiver Mittelweg zwischen Status quo und radikaler Deregulierung.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die berufspolitische Dimension</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus berufspolitischer Perspektive offenbart sich ein grundlegendes Spannungsfeld: Der Bau-Turbo könnte die klassische Rolle von Architektinnen und Architekten schwächen. Wenn Genehmigungen vereinfacht und Planungsprozesse verkürzt werden, verringert sich die Nachfrage nach qualitativer Planung. Dies könnte zu Druck auf Honorare und Beschäftigungschancen führen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zugleich wächst die Verantwortung der Architektenschaft: Als Anwältin und Anwalt von Qualität, Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung muss die Berufsgruppe intensiver in politische Diskurse eingreifen. Die BAK-Kampagne zeigt, dass dies geschieht – durch fundierte Kritik, alternative Lösungsvorschläge und Verbündung mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Eine zweite BauGB-Novelle?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bündnis fordert nicht nur Nachbesserungen am Bau-Turbo, sondern auch eine zweite, umfassende BauGB-Novelle noch in der laufenden Legislaturperiode. Diese solle verbindlich soziale, ökologische und langfristige Stadtentwicklung festschreiben. Dies wäre ein regulatorischer Rahmen, der über Tempo-Maßnahmen hinaus strukturelle Antworten auf die Wohnungskrise bietet.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der &#8222;Bau-Turbo&#8220; ist ein politisches Signal – mehr nicht. Er adressiert die Wohnungskrise, ohne ihre strukturellen Ursachen zu beheben. Während Geschwindigkeit in manchen Bereichen hilfreich sein kann, droht sie hier, Qualität, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zu gefährden. Die Bundesarchitektenkammer und ihr Bündnis zeigen einen Weg auf, wie Beschleunigung verantwortungsvoll gestaltet werden könnte – durch Fokus auf Innenentwicklung, verbindliche soziale Quoten, ausreichende Beteiligungszeit und Stärkung der Kommunen. Architektur ist nicht nur ein technisches oder wirtschaftliches Anliegen – sie ist gesellschaftlicher Auftrag. Wer baut, gestaltet Zukunft. Und Zukunft verlangt Sorgfalt.</p>
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		<title>Betonschätze – Das Versagen der österreichischen Raumplanungspolitik</title>
		<link>https://baukunst.art/betonschaetze-das-versagen-der-oesterreichischen-raumplanungspolitik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Sep 2025 12:31:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Flächenversiegelung]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaanpassung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13494</guid>

					<description><![CDATA[<p>Greenpeace kürt Österreichs Betonwüsten – ein Weckruf für Planerinnen und Architekten, ihre berufspolitische Verantwortung in der Klimakrise neu zu definieren.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/betonschaetze-das-versagen-der-oesterreichischen-raumplanungspolitik/">Betonschätze – Das Versagen der österreichischen Raumplanungspolitik</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Der Goldene Presslufthammer: Ein Negativpreis als Katalysator für überfällige Debatten</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die kürzlich von Greenpeace verliehenen „Goldenen Presslufthämmer&#8220; für Österreichs neun größte Betonwüsten markieren einen bemerkenswerten Moment in der berufspolitischen Landschaft der Baubranche. Was auf den ersten Blick wie eine medienwirksame Umweltaktion erscheint, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als schonungslose Offenlegung systemischer Versäumnisse in der österreichischen Planungs- und Baupolitik. Mit über 400 Nominierungen und 22.400 abgegebenen Stimmen hat die Zivilgesellschaft ein deutliches Signal gesetzt: Die Geduld mit der fortschreitenden Versiegelung ist erschöpft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Daniel Fügenschuh, Präsident der Bundeskammer der Ziviltechnikerinnen und Ziviltechniker, bringt es auf den Punkt: „Österreich ist fertig bebaut.&#8220; Diese Aussage aus dem Mund des obersten Standesvertreters markiert einen bemerkenswerten Paradigmenwechsel. Jahrzehntelang war die Kammer primär damit beschäftigt, die wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder zu vertreten und für ausreichende Bauaufträge zu sorgen. Nun positioniert sich die Standesvertretung als Vorreiterin einer Bauwende, die mehr Verzicht als Wachstum bedeutet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Kammern im Spannungsfeld zwischen Tradition und Transformation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Unterstützung der Greenpeace-Aktion durch die Bundeskammer offenbart das Dilemma, in dem sich Architektinnen und Ingenieure befinden. Einerseits sind sie wirtschaftlich vom Bauen abhängig, andererseits tragen sie als Planende eine besondere Verantwortung für die räumliche Entwicklung. Diese Ambivalenz spiegelt sich in der Kammerarbeit wider: Während auf Bundesebene progressive Positionen zur Flächenversiegelung vertreten werden, kämpfen die Länderkammern oft noch um jeden Quadratmeter Bauland für ihre Mitglieder.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Diskrepanz zwischen dem politischen Anspruch und der beruflichen Realität zeigt sich exemplarisch am Gewinner des burgenländischen „Betonschatzes&#8220;: Das EKO Oberwart steht seit Jahren leer, die 2.200 Quadratmeter Parkfläche bleiben dennoch vollversiegelt. Hier versagen nicht nur Eigentümerinnen und Kommunalpolitiker, sondern auch die berufsständischen Kontrollmechanismen. Wo waren die mahnenden Stimmen aus den Kammern, als diese Flächen ursprünglich geplant und versiegelt wurden?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Honorarordnung und Haftungsfragen als Bremsklotz der Bauwende</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein zentrales berufspolitisches Problem liegt in der Struktur der Honorarordnungen. Solange Architektenhonorare primär an Baukosten gekoppelt sind, fehlt der ökonomische Anreiz für flächensparende Lösungen. Die aktuelle HOAI-Diskussion in Deutschland und ähnliche Debatten in Österreich müssen diese Fehlanreize dringend adressieren. Eine Honorierung, die Entsiegelungsmaßnahmen und Bestandsumnutzungen gleichwertig zu Neubauten vergütet, wäre ein wichtiger Schritt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig blockieren Haftungsfragen innovative Ansätze: Planerinnen und Planer, die unversiegelte Flächen vorschlagen, tragen ein höheres Risiko. Ein Schlagloch auf einem geschotterten Parkplatz, eine rutschige Stelle auf wassergebundener Wegedecke – sofort stellt sich die Haftungsfrage. Die Versicherungswirtschaft und die Kammern müssen hier gemeinsam Lösungen entwickeln, die mutiges, nachhaltiges Planen nicht mit unverhältnismäßigen Risiken belasten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">EU-Richtlinien und nationale Trägheit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Europäische Union hat mit der Bodenstrategie 2030 und dem Ziel der Netto-Null-Versiegelung bis 2050 klare Vorgaben gemacht. Die nationale Umsetzung in Österreich lässt jedoch zu wünschen übrig. Der im Regierungsprogramm angekündigte „Zielpfad zur Reduktion des Bodenverbrauchs&#8220; existiert nach wie vor nicht. Diese Untätigkeit der Politik setzt die Planenden unter Druck: Sie müssen zwischen kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen ihrer Auftraggeberinnen und langfristigen gesellschaftlichen Zielen navigieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Berufsverbände könnten hier eine aktivere Rolle spielen. Statt auf politische Vorgaben zu warten, sollten sie selbstverpflichtende Standards entwickeln. Ein „Kodex gegen Flächenfraß&#8220;, unterzeichnet von allen großen Planungsbüros, würde ein starkes Signal setzen und den politischen Handlungsdruck erhöhen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Normung und Bauordnung als versteckte Versiegelungstreiber</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein oft übersehener Aspekt sind die technischen Normen und Bauordnungen, die Versiegelung quasi vorschreiben. Stellplatzverordnungen, die pro Wohneinheit mehrere Parkplätze fordern, Feuerwehrzufahrten in überdimensionierten Breiten, Sicherheitsabstände, die jede verdichtete Bauweise verhindern – die Liste der gut gemeinten, aber kontraproduktiven Regelungen ist lang.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die technischen Ausschüsse, in denen diese Normen entstehen, sind oft von konservativen Kräften dominiert. Junge Architektinnen und Ingenieure, die für nachhaltige Lösungen kämpfen, finden dort kaum Gehör. Die Kammern müssen ihre Entsendungspolitik in diese Gremien überdenken und progressive Stimmen stärken.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die vergessene Macht der Gestaltungsbeiräte</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gestaltungsbeiräte könnten ein wichtiges Instrument gegen Flächenversiegelung sein – wenn sie entsprechend mandatiert wären. Derzeit konzentrieren sich die meisten Beiräte auf ästhetische Fragen und vernachlässigen ökologische Aspekte. Eine Reform der Beiratsstrukturen, die Klimaanpassung und Flächeneffizienz zu zentralen Bewertungskriterien macht, wäre dringend geboten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zusammensetzung dieser Gremien spiegelt oft noch die alte Garde wider: etablierte Architektinnen und Architekten, die ihre Reputation mit großzügigen Projekten aufgebaut haben. Eine Quote für Landschaftsplanerinnen, Ökologen und junge Planende könnte frischen Wind in diese verkrusteten Strukturen bringen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der schmale Grat zwischen Aktivismus und Professionalität</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Greenpeace-Aktion stellt die Planenden vor eine grundsätzliche Frage: Wie politisch darf, wie politisch muss die Profession sein? Die traditionelle Vorstellung der unpolitischen Expertin oder des neutralen Experten ist angesichts der Klimakrise nicht mehr haltbar. Gleichzeitig riskieren Büros, die sich zu deutlich positionieren, den Verlust konservativer Auftraggeberinnen und Auftraggeber.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Standesvertretungen müssen ihren Mitgliedern den Rücken stärken. Ein klares Bekenntnis zur Bauwende, verbunden mit konkreter Unterstützung für Büros, die diesen Weg gehen, wäre ein wichtiges Signal. Förderungen für Umschulungen vom Neubau zur Bestandssanierung, Weiterbildungen in Entsiegelungstechniken oder die Einrichtung von Beratungsstellen für nachhaltige Planung wären konkrete Maßnahmen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Von der Empörung zur systematischen Reform</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die „Goldenen Presslufthämmer&#8220; haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Die mediale Aufmerksamkeit war enorm, die politischen Reaktionen folgten prompt. Doch ohne strukturelle Reformen wird sich wenig ändern. Die Berufsverbände müssen diese Dynamik nutzen und konkrete Forderungen formulieren: eine reformierte Honorarordnung, angepasste Haftungsregelungen, progressive Normen und eine aktivere Rolle in der Stadtentwicklung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die täglich neu versiegelten zehn Hektar – eine Fläche größer als alle Fußballplätze der Bundesligavereine zusammen – sind nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein berufspolitisches Armutszeugnis. Sie dokumentieren das Versagen einer ganzen Branche, die trotz besseren Wissens weiter baut, als gäbe es kein Morgen. Der „Goldene Presslufthammer&#8220; ist daher mehr als ein Schmähpreis – er ist ein Weckruf an eine Profession, die sich neu erfinden muss.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Architektenkammer contra Bauministerium – Streit um städtebauliche Standards</title>
		<link>https://baukunst.art/architektenkammer-contra-bauministerium-streit-um-staedtebauliche-standards/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Sep 2025 12:39:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Premium]]></category>
		<category><![CDATA[BauGB-Novelle]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbaukrise]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Deutschland steckt im Wohnungsdilemma: 17.891 genehmigte Wohnungen im November 2024 – minus 13 Prozent zum Vorjahr. Die Politik antwortet mit dem „Bau-Turbo" § 246e BauGB, der Genehmigungen in zwei Monaten verspricht. Doch die Bundesarchitektenkammer warnt: Tempo darf nicht auf Kosten von Qualität gehen. Während Förderungen wie „Jung kauft Alt" verpuffen, ringen Kammern und Verbände um den richtigen Weg zwischen Beschleunigung und Baukultur. Ein berufspolitischer Blick auf Deutschlands Baukrise.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Zwischen Bau-Turbo und Bestandsförderung: Die Berufspolitik ringt um Wege aus der Wohnungsbaukrise</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die deutsche Bauwirtschaft befindet sich in einer paradoxen Situation: Während der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum dramatisch steigt, brechen die Baugenehmigungen ein. Im November 2024 wurden lediglich 17.891 Wohnungen bei Neu- und Umbauten genehmigt – ein Rückgang um 13,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Politik reagiert mit einem Instrumentenkasten aus Schnellverfahren und Förderungen, doch die Fachwelt blickt skeptisch auf die vorgeschlagenen Lösungen. Der berufspolitische Diskurs offenbart fundamentale Zielkonflikte zwischen Beschleunigung und Qualität, zwischen Marktinteressen und kommunaler Planungshoheit.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der § 246e BauGB als berufspolitischer Lackmustest</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Herzstück der aktuellen Reformbemühungen bildet der neue § 246e BauGB, der bis Ende 2030 befristet ist und Kommunen erlaubt, von bisherigen planungsrechtlichen Vorgaben abzuweichen. Wenn eine Kommune sich entscheide, diesen „Bau-Turbo&#8220; anzuwenden, könnten zusätzliche Wohnungen bereits nach einer zweimonatigen Prüfung durch die Gemeinde zugelassen werden. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) positioniert sich differenziert zu diesem Instrument. Präsidentin Andrea Gebhard mahnt: „Schneller Wohnungsbau darf nicht heißen, dass wir soziale, ökologische und baukulturelle Standards über Bord werfen. Gute Planung bedeutet: Innenentwicklung vor Zersiedelung, bezahlbarer Wohnraum statt Renditeprojekte, und Qualität statt Schnellschüsse um jeden Preis.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Haltung spiegelt die Grundsatzfrage wider, die Architektinnen und Architekten sowie Stadtplanerinnen und Stadtplaner umtreibt: Kann beschleunigtes Bauen die strukturellen Probleme des Wohnungsmarktes lösen, oder schafft es neue Herausforderungen für kommende Generationen? Die Kammern sehen durchaus Potenzial im vereinfachten Verfahren, etwa durch das Bauen nach Gebäudetyp E, fordern aber Nachbesserungen. Ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis kritisiert, der geplante Paragraph drohe „Kommunen zu überfordern&#8220;, „Bürgerbeteiligung massiv zu verkürzen&#8220; und „Zersiedelung und Flächenverbrauch zu fördern&#8220;.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kommunale Spitzenverbände zwischen Pragmatismus und Skepsis</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die kommunalen Spitzenverbände zeigen sich in der öffentlichen Anhörung des Bundestages vom 10. September 2025 grundsätzlich aufgeschlossen, pochen aber auf ihre Planungshoheit. Bernd Düsterdiek vom Deutschen Städte- und Gemeindetag betonte die Notwendigkeit, die Planungshoheit der Kommunen zu wahren. Der Deutsche Städtetag begrüßt den Gesetzentwurf, macht aber mehrere Änderungsvorschläge. Diese Position verdeutlicht das Spannungsfeld: Einerseits erkennen die Kommunen den Handlungsdruck an, andererseits fürchten sie den Verlust ihrer städtebaulichen Steuerungsmöglichkeiten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders kritisch sehen Expertinnen und Experten die Gefahr, dass Bauaufsichtsbehörden „öffentliche Belange&#8220; und „nachbarliche Interessen&#8220; als pauschales Gegenargument heranziehen könnten. Dies könnte die erhoffte Beschleunigung konterkarieren und zu neuen Rechtsunsicherheiten führen. Die befristete Geltung bis 2030 schafft zusätzliche Planungsunsicherheit für langfristige Investitionen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Wohnungswirtschaft fordert grundlegende Neuausrichtung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen geht in seiner Kritik noch weiter und fordert eine komplette Neuausrichtung der Wohnungspolitik. „Solange die Wohnungsnot nicht beseitigt ist, muss der geförderte Wohnungsbau mit Mietobergrenzen als vorrangiger Belang in die jeweils durchzuführenden Schutzgüterabwägungen&#8220; eingebracht werden. Die Branche kritisiert insbesondere die einseitige Fokussierung auf Energieeffizienz: „Die gesetzlich geforderten und geförderten Maßnahmen sind ineffizient: Trotz Milliardeninvestitionen in den vergangenen Jahren in Gebäudedämmung und Haustechnik konnte der klimabereinigte Raumwärmeverbrauch pro Quadratmeter Wohnfläche nicht weiter signifikant reduziert werden.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese fundamentale Kritik an der bisherigen Regulierungspraxis zeigt, dass die Berufspolitik weit über technische Details hinausgeht. Es geht um die Grundsatzfrage, welche Prioritäten gesetzt werden sollen: Klimaschutz, bezahlbarer Wohnraum oder städtebauliche Qualität?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">„Jung kauft Alt&#8220;: Förderflop trotz guter Intentionen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Parallel zum Bau-Turbo zeigt das Förderprogramm „Jung kauft Alt&#8220; die Grenzen politischer Steuerung auf. Anfang September 2024 startete das Förderprogramm Jung kauft Alt. Nach einem Jahr zeigt sich, dass die Nachfrage gering ist. Trotz zinsverbilligter Kredite für Familien zum Erwerb sanierungsbedürftiger Bestandsgebäude bleibt der erhoffte Erfolg aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Gründe sind vielschichtig: Die Sanierungsverpflichtung auf Effizienzhausstandard 70 EE binnen 54 Monaten überfordert viele Familien organisatorisch und finanziell. Zudem konzentriert sich die Förderung auf einkommensschwächere Haushalte mit strengen Einkommensgrenzen, während gleichzeitig erhebliche Investitionen in die Sanierung gefordert werden – ein Widerspruch, der in der Praxis kaum aufzulösen ist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Berufspolitische Lehren und Forderungen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die aktuelle Debatte offenbart strukturelle Defizite in der Abstimmung zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Die Architekten- und Ingenieurkammern fordern daher eine integrierte Herangehensweise, die über Schnellschüsse hinausgeht. Das Bündnis um die BAK verlangt konkret: „Mindestens 50,1 % dauerhaft bezahlbare Mietwohnungen bei Neubauten ab sechs Einheiten&#8220; und „Eine zweite, umfassende BauGB-Novelle noch in dieser Legislaturperiode, die verbindlich soziale, ökologische und langfristige Stadtentwicklung festschreibt.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Berufspolitik steht vor der Herausforderung, zwischen verschiedenen Interessengruppen zu vermitteln: Die Bauwirtschaft fordert Deregulierung und Planungssicherheit, Umweltverbände pochen auf ökologische Standards, Sozialverbände auf bezahlbaren Wohnraum, und die Kommunen wollen ihre Gestaltungsspielräume bewahren. Tim-Oliver Müller vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie bringt es auf den Punkt: „Wohnungsbau ist Sozial- und Standortpolitik – das muss die neue Bundesregierung begreifen&#8220;.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Paradigmenwechsel oder Symbolpolitik?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die berufspolitische Diskussion zeigt: Weder der Bau-Turbo noch einzelne Förderprogramme werden die Wohnungskrise lösen. Erforderlich ist vielmehr ein Paradigmenwechsel, der die verschiedenen Zieldimensionen – sozial, ökologisch, ökonomisch und baukulturell – in Einklang bringt. Die Kammern und Verbände müssen ihre Rolle als kritische Begleiterinnen und Begleiter der Politik wahrnehmen und konstruktive Alternativen entwickeln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die kommenden Monate werden zeigen, ob der § 246e BauGB tatsächlich zu mehr bezahlbarem Wohnraum führt oder primär Mitnahmeeffekte generiert. Die geplante Evaluierung bis Ende 2029 bietet die Chance für eine evidenzbasierte Nachsteuerung. Bis dahin bleibt die Berufspolitik gefordert, zwischen kurzfristigem Handlungsdruck und langfristiger Verantwortung zu navigieren – eine Gratwanderung, die für die Zukunft unserer Städte und Gemeinden entscheidend sein wird.</p>
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		<title>Zwischen Brüssel und Wien: Österreichs Architekten im energiepolitischen Dilemma</title>
		<link>https://baukunst.art/zwischen-bruessel-und-wien-oesterreichs-architekten-im-energiepolitischen-dilemma/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Aug 2025 10:14:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Energiewende]]></category>
		<category><![CDATA[Photovoltaik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Österreichs Energiepolitik vollzieht eine Kehrtwende: Neue Netzgebühren für PV-Anlagen und das Ende der E-Auto-Förderung stellen die Baubranche vor fundamentale Herausforderungen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Paradigmenwechsel mit Ansage</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die österreichische Energiepolitik vollzieht derzeit eine Kehrtwende, die Architektinnen und Planer vor neue Herausforderungen stellt. Nach Jahren der großzügigen Förderung erneuerbarer Energien und E-Mobilität zeigt sich nun ein differenzierteres, teilweise widersprüchliches Bild. Das Ende der E-Auto-Förderungen bei gleichzeitiger Beibehaltung der Unterstützung für öffentliche Ladeinfrastruktur sowie die geplante Einführung von Netzgebühren für private PV-Anlagen-Betreiber markieren einen Wendepunkt, der die Planungspraxis nachhaltig beeinflussen wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders brisant: Diese Entwicklungen treffen auf eine Baubranche, die sich gerade erst auf die Anforderungen der Energiewende eingestellt hatte. Über 400.000 Haushalte haben bereits Photovoltaikanlagen installiert, unzählige Neubauprojekte wurden mit integrierten E-Ladestationen geplant. Die Architekturkammern und Fachverbände stehen nun vor der Aufgabe, ihre Mitglieder durch diesen regulatorischen Dschungel zu navigieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die neue Realität der Solararchitektur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das angekündigte Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ELWG) bringt eine fundamentale Änderung: Wer künftig selbst erzeugten Strom ins Netz einspeist, soll Netzgebühren zahlen. Diese Regelung trifft den Kern zeitgenössischer Gebäudekonzepte. Jahrelang haben Architekturbüros ihre Entwürfe auf maximale Energieautarkie ausgerichtet, PV-Anlagen wurden zum integralen Bestandteil der Gebäudehülle. Die wirtschaftliche Kalkulation dieser Konzepte basierte auf der Annahme kostenfreier Einspeisung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bundesverband nachhaltige Energie warnt bereits vor einem Investitionsstopp. Für Planerinnen und Architekten bedeutet dies eine Neubewertung bisheriger Standards. Die reine Dachflächenoptimierung für PV-Module verliert an Attraktivität, stattdessen rücken Speicherlösungen und intelligente Eigenverbrauchskonzepte in den Fokus. Die Bundeskammer der ZiviltechnikerInnen fordert daher eine rasche Klärung der rechtlichen Rahmenbedingungen und eine Übergangsfrist für bereits genehmigte Projekte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Mobilität neu denken – aber wie?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Paradox mutet die Situation bei der E-Mobilität an: Private E-Autos werden nicht mehr gefördert und zusätzlich mit der motorbezogenen Versicherungssteuer belastet, während öffentliche Ladestationen weiterhin Unterstützung erhalten. Diese Diskrepanz stellt Stadtplanerinnen und Verkehrsplaner vor ein Dilemma. Wie sollen Mobilitätskonzepte für Quartiere entwickelt werden, wenn die politischen Signale derart widersprüchlich sind?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenkammer Wien hat bereits Position bezogen: Man müsse die Chance nutzen, um verstärkt auf multimodale Verkehrskonzepte zu setzen. Statt individueller E-Mobilität rücken Car-Sharing-Modelle und die Integration öffentlicher Verkehrsmittel in den Vordergrund. Tiefgaragen werden zu Mobility Hubs umgedacht, in denen verschiedene Verkehrsmittel nahtlos ineinandergreifen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Verbandspolitik im Spannungsfeld</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die berufsständischen Vertretungen agieren derzeit auf verschiedenen Ebenen. Die Bundesingenieurkammer arbeitet an einem Positionspapier zur ELWG-Novelle, während regionale Kammern bereits Informationsveranstaltungen für ihre Mitglieder organisieren. Besonders aktiv zeigt sich der Ausschuss für Nachhaltigkeit der Bundeskammer, der eine Task Force zur Bewertung der neuen Regelungen eingerichtet hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessant ist die unterschiedliche Positionierung innerhalb der Berufsvertretungen. Während progressive Kräfte die Änderungen als Chance für innovative Planungsansätze sehen, warnen konservative Stimmen vor einer Überforderung kleinerer Büros. Die Diskussion spiegelt die generelle Zerrissenheit der Branche zwischen ökologischem Anspruch und wirtschaftlicher Realität wider.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Normative Herausforderungen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die rechtlichen Implikationen sind komplex. Das Bauordnungsrecht der Länder muss an die neuen Bundesvorgaben angepasst werden. Bereits beschlossene Solarpflichten für Neubauten stehen plötzlich in einem anderen wirtschaftlichen Kontext. Die OIB-Richtlinien müssen überarbeitet werden, was erfahrungsgemäß Jahre dauern kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders betroffen sind laufende Wettbewerbe und Ausschreibungen. Projektentwicklerinnen und Bauherren fordern Klarheit, welche energietechnischen Standards künftig gelten. Die fehlende Planungssicherheit führt bereits jetzt zu Verzögerungen bei Großprojekten. Der Verband der gemeinnützigen Bauvereinigungen mahnt schnelle Lösungen an, da sonst der soziale Wohnbau leiden könnte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der internationale Kontext</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im europäischen Vergleich steht Österreich mit diesen Maßnahmen nicht allein da. Auch andere EU-Staaten justieren ihre Förderpolitik nach. Die EU-Taxonomie-Verordnung und die überarbeitete Gebäudeenergieeffizienz-Richtlinie setzen jedoch klare Vorgaben für klimaneutrale Gebäude bis 2050. Die österreichische Architektenschaft muss also einen Spagat meistern zwischen kurzfristigen nationalen Rückschritten und langfristigen europäischen Zielen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Resilienz statt Revolution</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die aktuellen Entwicklungen zwingen die Baubranche zu einem Umdenken. Statt auf maximale Förderung zu setzen, müssen Gebäudekonzepte künftig resilient gegenüber politischen Schwankungen sein. Flexible Energiesysteme, die sowohl autark als auch netzgebunden funktionieren, werden zum Standard. Die Herausforderung für Architektinnen und Ingenieure besteht darin, diese Komplexität in ästhetisch und funktional überzeugende Lösungen zu übersetzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Berufsverbände sind gefordert, ihre Mitglieder durch Weiterbildung und Beratung zu unterstützen. Gleichzeitig muss die politische Lobbyarbeit intensiviert werden, um die Interessen der Planenden zu vertreten. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die österreichische Architektur diese Transformation als Chance oder als Rückschlag erleben wird. Eines ist jedoch sicher: Die Zeit einfacher Lösungen ist vorbei. Die Zukunft gehört jenen, die Komplexität beherrschen und in innovative Konzepte übersetzen können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Hortungsabgabe: Fluch oder Segen für die Baubranche?</title>
		<link>https://baukunst.art/hortungsabgabe-fluch-oder-segen-fuer-die-baubranche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Aug 2025 10:03:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Baulandabgabe]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Raumordnung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13099</guid>

					<description><![CDATA[<p>Österreichs Bundesländer setzen auf Baulandabgaben gegen Hortung. Ein Instrument mit Folgen für Planungskultur und Berufsstand – Zeit für eine kritische berufspolitische Bestandsaufnahme.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Paradigmenwechsel in der Bodenpolitik</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Einführung von Baulandabgaben in Oberösterreich, Salzburg und dem Burgenland markiert einen fundamentalen Wandel in der österreichischen Bodenpolitik. Was oberflächlich als reine Fiskalmaßnahme erscheint, wirft grundlegende Fragen für Architektinnen und Architekten auf: Wie verändert sich die Planungskultur, wenn gewidmetes Bauland durch Abgaben unter Verwertungsdruck gesetzt wird? Die Bundesarchitektenkammer und ihre Landesorganisationen stehen vor der Herausforderung, Position zu beziehen zwischen berechtigten Mobilisierungsinteressen und möglichen negativen Auswirkungen auf die Baukultur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Begriff &#8222;Hortungsabgabe&#8220; suggeriert bereits eine moralische Wertung – als ob die Nichtbebauung von Grundstücken per se verwerflich wäre. Dabei zeigt die berufliche Praxis, dass zwischen Widmung und Bebauung oft Jahre vergehen, in denen sorgfältige Planung, Finanzierung und nicht zuletzt qualitätvolle architektonische Konzepte entwickelt werden. Die Kammern müssen hier vermittelnd wirken zwischen dem politischen Druck zur schnellen Baulandmobilisierung und dem professionellen Anspruch an durchdachte Projektentwicklung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Auswirkungen auf die Planungspraxis</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neuen Abgaben schaffen einen zeitlichen Druck, der sich unmittelbar auf Planungsprozesse auswirkt. Bauherrinnen und Bauherren werden künftig schneller bauen wollen – oder müssen. Für Architekturbüros bedeutet dies kürzere Vorlaufzeiten, beschleunigte Planungsverfahren und möglicherweise weniger Spielraum für innovative Konzepte. Die Landesarchitektenkammern berichten bereits von ersten Anfragen besorgter Mitglieder, die um die Qualität künftiger Projekte fürchten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig eröffnen sich neue Geschäftsfelder: Beratung zur optimalen Grundstücksnutzung, Entwicklung modularer Baukonzepte für schnelle Realisierung oder die Begleitung von Grundstückseigentümern bei der strategischen Portfolioentwicklung. Der Berufsverband der Architekten sieht hier Chancen für spezialisierte Dienstleistungen, mahnt aber zur Vorsicht vor reiner &#8222;Schnellbauarchitektur&#8220;.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kommunale Herausforderungen und Kammerpositionen</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die direkte Zuweisung der Abgabenerlöse an die Gemeinden schafft neue Dynamiken in der kommunalen Planung. Bürgermeisterinnen und Bürgermeister werden zu aktiven Gestaltern der Baulandpolitik – mit entsprechenden Erwartungen an Planerinnen und Planer. Die Kammern fordern hier klare Regelungen: Die zusätzlichen Einnahmen müssen zweckgebunden für qualitätvolle Ortsentwicklung verwendet werden, nicht für allgemeine Haushaltskonsolidierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Tirol, wo die Einführung unmittelbar bevorsteht, hat die Kammer für Architekten und Ingenieurkonsulenten bereits einen Forderungskatalog erarbeitet: Ausnahmen für Projekte in Entwicklung, längere Übergangsfristen für komplexe Bauvorhaben und die verpflichtende Einbindung von Fachplanern bei der Verwendung der Abgabenmittel. Diese Positionen zeigen, wie aktiv der Berufsstand die politische Diskussion mitgestalten muss.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Europäischer Kontext und HOAI-Relevanz</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im europäischen Vergleich ist Österreich kein Einzelfall. Ähnliche Instrumente existieren in der Schweiz, Dänemark und Teilen Deutschlands. Die Architektenkammern auf EU-Ebene beobachten diese Entwicklung mit Interesse, warnen aber vor unbeabsichtigten Marktverzerrungen. Besonders relevant für deutsche Kolleginnen und Kollegen: Die Erfahrungen aus Österreich könnten die Diskussion um Baulandmobilisierung auch in Deutschland befeuern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) kennt zwar keine direkten Regelungen für beschleunigte Verfahren, doch die Praxis zeigt: Zeitdruck führt oft zu Zusatzaufwänden, die honorartechnisch abgebildet werden müssen. Die Kammern arbeiten an Empfehlungen für angemessene Zuschläge bei verkürzten Planungszeiten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachhaltigkeit versus Mobilisierungsdruck</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein zentraler Konflikt zeichnet sich zwischen Nachhaltigkeitszielen und Mobilisierungsdruck ab. Schnelles Bauen steht oft im Widerspruch zu ökologisch optimierten Konzepten, die längere Planungsphasen erfordern. Die Bundesarchitektenkammer hat hierzu klar Position bezogen: Klimaziele dürfen nicht dem Mobilisierungsdruck geopfert werden. Vielmehr müssen Ausnahmetatbestände für besonders nachhaltige Projekte geschaffen werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Innovative Büros entwickeln bereits Strategien, um beiden Anforderungen gerecht zu werden: Vorgefertigte Holzmodulbauweisen, standardisierte Passivhauskonzepte oder die Wiederverwendung bestehender Planungen. Der Verband der Ziviltechniker unterstützt diese Ansätze durch Fortbildungen und Best-Practice-Sammlungen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ausblick und berufspolitische Forderungen</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Baulandabgabe wird die Planungskultur in Österreich nachhaltig verändern. Der Berufsstand muss diese Entwicklung aktiv mitgestalten, statt sie nur zu erleiden. Konkrete Forderungen der Kammern umfassen: Einbindung in die Gesetzgebungsverfahren, Qualitätssicherung durch verpflichtende Wettbewerbe bei größeren Projekten und die Schaffung von Beratungsgremien auf Gemeindeebene.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Letztlich zeigt die Diskussion um Baulandabgaben exemplarisch, wie eng Berufspolitik und Gesellschaftspolitik verwoben sind. Architektinnen und Architekten sind nicht nur Dienstleister, sondern Mitgestalter des gebauten Raums – eine Verantwortung, die gerade in Zeiten beschleunigter Entwicklung besondere Bedeutung erhält.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Die Milliarden-Illusion: Warum mehr Geld allein keine bessere Architektur schafft</title>
		<link>https://baukunst.art/die-milliarden-illusion-warum-mehr-geld-allein-keine-bessere-architektur-schafft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Jul 2025 12:34:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Premium]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturförderung]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeshaushalt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit 7,6 Milliarden Euro plant das Bundesbauministerium 2026 einen Rekordetat. Vier Milliarden für sozialen Wohnungsbau, eine Milliarde für Städtebauförderung – die Zahlen versprechen goldene Zeiten für die Baubranche. Doch in den Architektenkammern herrscht verhaltene Stimmung. Während Ministerin Hubertz von rollenden Baggern träumt, warnen Berufsverbände vor einem Trugschluss: Ohne Bürokratieabbau, Fachkräfte und faire Honorare drohen die Milliarden in einem System zu versickern, das strukturelle Reformen seit Jahren verschleppt. Eine berufspolitische Bestandsaufnahme.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Rekordetat 2026: Zwischen Euphorie und Ernüchterung – Was der Bundeshaushalt für die Architekturbranche bedeutet</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit 7,6 Milliarden Euro plant das Bundesbauministerium für 2026 einen Rekordetat. Die Zahlen klingen beeindruckend: 4 Milliarden für die soziale Wohnraumförderung, 1 Milliarde für die Städtebauförderung. Doch was bedeutet dieser Geldregen tatsächlich für die Architekturschaffenden in Deutschland? Ein genauer Blick offenbart sowohl Chancen als auch strukturelle Herausforderungen, die der Berufsstand meistern muss.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundesarchitektenkammer (BAK) zeigt sich grundsätzlich erfreut über die Mittelaufstockung. &#8222;Endlich wird die Bedeutung des Bauens für die Gesellschaft auch finanziell anerkannt&#8220;, kommentiert deren Präsidentin Barbara Ettinger-Brinckmann. Gleichzeitig mahnt sie jedoch: &#8222;Geld allein baut keine Wohnungen. Wir brauchen endlich eine echte Entbürokratisierung und schnellere Genehmigungsverfahren.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Soziale Wohnraumförderung: Fluch oder Segen für Planungsbüros?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die schrittweise Erhöhung der sozialen Wohnraumförderung auf 5,5 Milliarden Euro bis 2029 klingt nach einem Füllhorn für Architektinnen und Architekten. Die Realität sieht differenzierter aus. Viele kleinere und mittlere Büros berichten von einem Dilemma: Die Honorare im sozialen Wohnungsbau sind durch strenge Kostenrahmen oft so knapp kalkuliert, dass sich qualitätsvolle Architektur kaum rechnet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Wir bewegen uns in einem Spannungsfeld zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und wirtschaftlicher Realität&#8220;, erklärt ein Kölner Architekt, der namentlich nicht genannt werden möchte. Die Landesarchitektenkammer Nordrhein-Westfalen fordert daher eine Anpassung der Honorarstruktur: &#8222;Wenn wir bezahlbaren und gleichzeitig lebenswerten Wohnraum schaffen sollen, müssen auch die Planenden angemessen vergütet werden.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Sondervermögen: Neue Töpfe, alte Probleme?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Verlagerung verschiedener Programme in das neue &#8222;Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität&#8220; wirft Fragen auf. Programme wie &#8222;Klimafreundlicher Neubau&#8220; (1,1 Milliarden Euro) und &#8222;Gewerbe zu Wohnen&#8220; (360 Millionen Euro) sollen gebündelt werden. Kritiker befürchten eine weitere Verkomplizierung der ohnehin schon unübersichtlichen Förderlandschaft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) warnt vor einem &#8222;Förderdschungel&#8220;, der insbesondere kleinere Büros überfordert. &#8222;Wir brauchen keine neuen Töpfe, sondern klare, unbürokratische Zugänge zu Fördermitteln&#8220;, betont BDA-Präsident Stephan Schütz. Die geplante Zusammenführung zu zwei Themenbereichen &#8222;Neubau&#8220; und &#8222;Sanierung&#8220; sei ein Schritt in die richtige Richtung, komme aber zu spät.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Städtebauförderung: Endlich Planungssicherheit?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die angekündigte Verdopplung der Städtebauförderung bis 2029 auf 1,58 Milliarden Euro sorgt für verhaltenen Optimismus. Stadtplanerinnen und Stadtplaner sehen darin eine Chance für nachhaltige Quartiersentwicklung. Allerdings weist die Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung (SRL) auf ein strukturelles Problem hin: &#8222;Die Mittel kommen oft nicht dort an, wo sie am dringendsten gebraucht werden – in strukturschwachen Regionen fehlt es an Planungskapazitäten.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenkammer Berlin sieht in der erhöhten Städtebauförderung eine Chance für partizipative Planungsprozesse. &#8222;Endlich können wir Bürgerbeteiligung nicht nur predigen, sondern auch finanzieren&#8220;, so Kammerpräsident Theresa Keilhacker. Gleichzeitig mahnt sie: &#8222;Wir müssen aufpassen, dass die Mittel nicht nur in Leuchtturmprojekte fließen, sondern auch in die Breite wirken.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Jung kauft Alt: Bestandssanierung als Zukunftsmarkt?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit 350 Millionen Euro für das Programm &#8222;Jung kauft Alt&#8220; setzt der Bund ein wichtiges Signal für die Bestandssanierung. Die Architektenschaft begrüßt diese Schwerpunktsetzung grundsätzlich. &#8222;Bauen im Bestand ist die Königsdisziplin nachhaltigen Bauens&#8220;, betont ein Vertreter der Architektenkammer Baden-Württemberg.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Allerdings zeigt die Praxis auch hier Hürden: Die energetischen Anforderungen und denkmalschutzrechtlichen Vorgaben schaffen oft einen Zielkonflikt, der kreative Lösungen erfordert. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) fordert daher flexiblere Regelungen: &#8222;Wir brauchen einen ganzheitlichen Ansatz, der auch graue Energie berücksichtigt.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Normung und Digitalisierung: Die vergessenen Baustellen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auffällig ist, was in der Haushaltsplanung fehlt: konkrete Mittel für die Digitalisierung der Baubranche und die Vereinfachung des Normenwesens. Die Architektenkammer Sachsen kritisiert diese Leerstelle scharf: &#8222;Während Milliarden in Beton fließen, fehlen Investitionen in die digitale Infrastruktur der Planenden.&#8220;</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundesingenieurkammer ergänzt: &#8222;Ohne eine grundlegende Reform des Normenwesens verpuffen viele der gut gemeinten Förderungen in bürokratischen Prozessen.&#8220; Die Forderung nach einem &#8222;Normen-TÜV&#8220;, der regelmäßig die Sinnhaftigkeit bestehender Regelungen überprüft, wird lauter.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fachkräftemangel: Das ungelöste Grundproblem</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Alle Fördermilliarden nutzen wenig, wenn die Fachkräfte fehlen. Die Bundesarchitektenkammer warnt vor einem &#8222;dramatischen Engpass&#8220; in den kommenden Jahren. &#8222;Wir verlieren jährlich mehr Architektinnen und Architekten durch Ruhestand, als neue nachkommen&#8220;, so die ernüchternde Bilanz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die geplante Gründung des Bundesforschungszentrums für klimaneutrales und ressourceneffizientes Bauen mit 15 Millionen Euro Startkapital wird zwar begrüßt, löst aber das Nachwuchsproblem nicht. &#8222;Wir brauchen attraktivere Studienbedingungen und vor allem bessere Berufsperspektiven für junge Kolleginnen und Kollegen&#8220;, fordert die Bundesassistentenkonferenz der Architekturfakultäten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Mehr Mut zur echten Bauwende</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Rekordetat 2026 ist zweifellos ein positives Signal für die Baubranche. Die Architektenschaft steht jedoch vor der Herausforderung, aus den bereitgestellten Mitteln auch tatsächlich qualitätsvolle, nachhaltige Architektur zu entwickeln. Dafür braucht es mehr als Geld: eine grundlegende Reform der Rahmenbedingungen, von der HOAI über das Vergaberecht bis zur Normung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Politik bereit ist, neben finanziellen auch strukturelle Reformen anzugehen. Die Architektenkammern und Berufsverbände sind gefordert, ihre Stimme im parlamentarischen Verfahren deutlich zu erheben. Denn eines ist klar: Ohne die Planenden wird die proklamierte Bauwende nicht gelingen – egal wie viele Milliarden im Haushalt stehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Berufspolitisches Versagen? Die Baubranche zwischen Regulierung und Realität</title>
		<link>https://baukunst.art/berufspolitisches-versagen-die-baubranche-zwischen-regulierung-und-realitaet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Jul 2025 17:02:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Bauverbände]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Fachkräftemangel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Trotz Auftragsflaute fehlen 200.000 Fachkräfte am Bau. Verbände und Kammern suchen dringend nach berufspolitischen Lösungen für die Strukturkrise.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Das Personal-Paradox der Baustellen</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Verbände ringen um Lösungen für eine Branche im Umbruch</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die deutsche Baubranche steht vor einem scheinbar unlösbaren Widerspruch: Während die Baugenehmigungen dramatisch einbrechen – im Jahr 2023 um über 25 Prozent –, meldete das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung mehr als 200.000 offene Stellen im Baugewerbe. Laut der PwC-Studie 2025 kämpfen 81 Prozent der Bauunternehmen mit Fachkräftemangel, obwohl die Auftragsbücher vielerorts leer sind. Ein Paradox, das die Verbände und Kammern vor grundlegende berufspolitische Herausforderungen stellt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Strukturkrise statt Konjunkturdelle</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Rahmen der DIHK-Umfrage zum Frühsommer 2025 gaben trotz restriktiverer Beschäftigungspläne immer noch 64 Prozent der befragten Bauunternehmen den Fachkräftemangel als Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung ihres Unternehmens an. Die Zahlen offenbaren eine tiefergehende Strukturkrise: Es fehlt nicht nur an Aufträgen im Neubau, sondern vor allem an qualifizierten Kräften für die anstehenden Transformationsaufgaben – energetische Sanierung, Digitalisierung, nachhaltiges Bauen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Wir haben es mit einem doppelten Transformationsdruck zu tun&#8220;, analysiert die Bundesarchitektenkammer. Einerseits erfordere der Klimaschutz massive Investitionen in den Gebäudebestand, andererseits fehle es an Fachkräften mit den notwendigen Kompetenzen für neue Technologien und Materialien. Die PwC-Studie bestätigt: 82 Prozent der Unternehmen bezeichnen das fehlende fachliche Know-how als Hauptproblem bei der Umsetzung der Digitalisierung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Berufspolitische Weichenstellungen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Tarifparteien haben reagiert: Am 18. Juni 2025 einigten sich IG BAU, ZDB und HDB auf eine 13-prozentige Erhöhung der Kostenerstattung für überbetriebliche Ausbildungszentren. Gleichzeitig wird die Ausbildungsumlage von 2,2 auf 1,9 Prozent der Bruttolohnsumme gesenkt. Ein Spagat zwischen Investition in die Zukunft und Entlastung der Betriebe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenkammern setzen auf beschleunigte Anerkennungsverfahren für ausländische Abschlüsse. &#8222;Das durchschnittliche Verfahren dauert bei Ingenieursabschlüssen sechs Monate – Zeit, die wir nicht haben&#8220;, heißt es aus den Reihen der Bundesingenieurkammer. Temporäre Berufsausübungserlaubnisse könnten hier Abhilfe schaffen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regulatorischer Ballast als Wachstumshemmnis</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">93 Prozent der Befragten fordern einen drastischen Abbau bürokratischer Hürden und den Ausbau der digitalen Infrastruktur. Die Normendichte im Bauwesen – über 3.500 DIN-Normen plus EU-Richtlinien – bindet Kapazitäten, die dringend auf den Baustellen gebraucht würden. Der Bundesverband Baustoffe spricht von einer &#8222;regulatorischen Lähmung&#8220; der Branche.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders kritisch sehen die Verbände die mangelnde Berücksichtigung digitaler Lösungen in öffentlichen Vergabeverfahren. 83 Prozent der Befragten bemängeln, dass digitale Lösungen in Vergabeverfahren nicht ausreichend berücksichtigt werden. Ein fatales Signal in Zeiten, in denen BIM und digitale Planungsprozesse zur Effizienzsteigerung unerlässlich sind.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Demografische Zeitbombe tickt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen sind alarmierend: Allein 2025 sollen drei Millionen Erwerbstätige den Arbeitsmarkt verlassen. Bereits 2008 waren mehr als 33 Prozent der Beschäftigten und Selbstständigen in der Bauwirtschaft mindestens 50 Jahre alt. Die Ersatzquote durch Nachwuchskräfte liegt weit unter dem Bedarf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Rahmen des DIHK-Fachkräfte-Reports 2024/2025 gaben 53 Prozent der Unternehmen aus der Bauwirtschaft an, Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung zu haben, im Tiefbau sind es sogar 61 Prozent. Die Konkurrenz um qualifizierte Kräfte verschärft sich branchenübergreifend.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">HOAI-Debatte gefährdet Attraktivität</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In der aktuellen Diskussion um die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) warnen die Berufsverbände vor einem gefährlichen Abwärtstrend. Eine weitere Absenkung der Honorare würde die ohnehin angespannte Personalsituation in Planungsbüros weiter verschärfen. &#8222;Wir können nicht einerseits höhere Anforderungen an Nachhaltigkeit und Digitalisierung stellen und andererseits die Honorare kürzen&#8220;, argumentieren Vertreter der Ingenieurkammern.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Digitalisierung als Chance und Herausforderung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die vorliegende Studie zeigt, dass 75 Prozent der befragten Unternehmen mittlerweile ESG-Ziele definiert haben. Doch die Umsetzung stockt: Fehlende digitale Kompetenzen und unklare regulatorische Vorgaben bremsen den Fortschritt. Die Architektenkammern haben ihre Fortbildungsangebote massiv ausgebaut – allein im Bereich BIM wurden 2023 über 10.000 Zertifikate vergeben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die PwC-Studie 2023 zeigt, dass die Digitalisierung die Produktivität in der Baubranche um bis zu 20 Prozent steigern kann. Ein Potenzial, das angesichts des Fachkräftemangels dringend gehoben werden muss. Doch ohne entsprechende Investitionen in Aus- und Weiterbildung bleibt dies Wunschdenken.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Internationale Fachkräfte: Potenzial mit Hindernissen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundesagentur für Arbeit hat spezielle Programme für Bauberufe aufgelegt, doch die Anerkennung ausländischer Abschlüsse bleibt ein Nadelöhr. Die Ingenieurkammern fordern beschleunigte Verfahren und pragmatische Übergangslösungen. &#8222;Wir brauchen einen Paradigmenwechsel in der Anerkennungspraxis&#8220;, heißt es aus der Bundesingenieurkammer.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Gemeinsame Kraftanstrengung erforderlich</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Personal-Paradox der Baustellen ist mehr als eine konjunkturelle Delle – es ist Symptom einer tiefgreifenden Strukturkrise. Das Bauhauptgewerbe hat seit dem Beschäftigten-Tiefpunkt im Jahr 2009 bis 2023 ca. 500.000 Personen eingestellt, abzüglich der Rentenabgänge war dies ein Plus von 222.000 Personen. 2024 wurde erstmals seit 2008 wieder Personal abgebaut.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Verbände und Kammern stehen vor der Herausforderung, nicht nur kurzfristige Lösungen zu finden, sondern die Branche grundlegend neu aufzustellen. Dazu gehören moderne Ausbildungskonzepte, attraktive Arbeitsbedingungen, der Abbau bürokratischer Hürden und eine faire Honorierung von Planungsleistungen. Nur wenn alle Akteure – Politik, Verbände, Unternehmen – an einem Strang ziehen, kann das Paradox aufgelöst werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wohnbaukrise: Wenn Architekten zu Krisenmanagern werden</title>
		<link>https://baukunst.art/wohnbaukrise-wenn-architekten-zu-krisenmanagern-werden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Jul 2025 14:05:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Neubauoffensive]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungskrise]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12934</guid>

					<description><![CDATA[<p>Österreichs Wohnbau kollabiert: Von 45.000 auf 30.000 Einheiten in drei Jahren. Die Architekturbranche steht vor ihrer größten Krise – Zeit für radikale berufspolitische Antworten.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wohnbaukrise-wenn-architekten-zu-krisenmanagern-werden/">Wohnbaukrise: Wenn Architekten zu Krisenmanagern werden</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Alarmglocken läuten längst</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die österreichische Bauwirtschaft steuert auf einen perfekten Sturm zu. Was sich bereits 2022 abzeichnete, manifestiert sich nun in dramatischen Zahlen: Von einst 45.000 fertiggestellten Wohneinheiten sinkt die Prognose für 2025 auf magere 30.000 Einheiten – ein Rückgang von über 30 Prozent innerhalb von nur drei Jahren. Diese Entwicklung trifft nicht nur Bauträgerinnen und Bauträger, sondern erschüttert die gesamte Architektur- und Planungsbranche in ihren Grundfesten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Berufspolitisches Versagen oder systemische Krise?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundeskammer der ZiviltechnikerInnen schlägt seit Monaten Alarm. „Wir erleben keine konjunkturelle Delle, sondern eine strukturelle Krise&#8220;, betont Kammerpräsident Rudolf Kolbe in einem aktuellen Statement. Die Zahlen geben ihm recht: Während die Bevölkerung in den Ballungsräumen Wien, Graz und Linz weiter wächst, kommt der Wohnbau nahezu zum Erliegen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ursachen sind vielschichtig und berufspolitisch höchst brisant. Einerseits haben explodierende Baukosten – getrieben durch Materialknappheit und gestiegene Energiepreise – die Kalkulationen vieler Projekte obsolet gemacht. Andererseits ersticken komplexe gesetzliche Auflagen und langwierige Widmungsverfahren jede unternehmerische Initiative bereits im Keim. „Wir regulieren uns zu Tode&#8220;, kritisiert eine Wiener Architektin, die anonym bleiben möchte, „während gleichzeitig der soziale Wohnbau faktisch eingestellt wurde.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die HOAI-Debatte flammt wieder auf</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In diesem Kontext gewinnt die nie ganz verstummte Diskussion um angemessene Honorare neue Brisanz. Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) wurde zwar durch EU-Recht in ihrer Verbindlichkeit beschnitten, doch zeigt sich gerade jetzt, welche Folgen der Preiswettbewerb nach unten hat. Planungsbüros kalkulieren mit Dumpingpreisen, um überhaupt noch Aufträge zu erhalten – bei gleichzeitig steigenden Haftungsrisiken und verschärften Nachhaltigkeitsanforderungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Verband der Ziviltechnikerinnen und Ziviltechniker fordert daher eine Renaissance der Orientierungshonorare. „Qualität hat ihren Preis&#8220;, argumentiert Verbandssprecherin Maria Schneider. „Wenn wir weiterhin Architekturleistungen unter Wert verkaufen, gefährden wir nicht nur die wirtschaftliche Existenz unserer Mitglieder, sondern auch die Baukultur insgesamt.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Widmungsverfahren als Flaschenhals</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein besonders heikles berufspolitisches Thema sind die verzögerten Widmungsverfahren. Was einst sechs Monate dauerte, zieht sich heute über Jahre. Die Gründe sind vielfältig: Personalmangel in den Behörden, komplexere Umweltauflagen, verstärkte Bürgerbeteiligung. Letztere ist demokratiepolitisch erwünscht, führt aber zu endlosen Einspruchsverfahren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Länderarchitektenkammern haben hierzu einen bemerkenswerten Vorstoß gewagt: Sie fordern die Einführung von „Fast-Track-Verfahren&#8220; für sozialen Wohnbau. „Wir müssen zwischen Luxusprojekten und dringend benötigtem leistbarem Wohnraum unterscheiden&#8220;, erklärt der steirische Kammerpräsident. Ein mutiger Vorschlag, der jedoch auf erheblichen Widerstand stößt – nicht zuletzt bei jenen Kolleginnen und Kollegen, die im hochpreisigen Segment tätig sind.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Allianz-Forderung: Mehr als nur Rhetorik?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Wirtschaftsverbände und Politik eine „Allianz für den Wohnbau&#8220; fordern, klingt das zunächst nach den üblichen Sonntagsreden. Doch diesmal scheint mehr dahinterzustecken. Konkret im Raum stehen steuerliche Anreize, vereinfachte Verfahren und – besonders umstritten – gelockerte Nachhaltigkeitsstandards für den sozialen Wohnbau.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier zeigt sich ein fundamentaler Zielkonflikt der Berufsvertretung: Einerseits pochen Architekten- und Ingenieurkammern auf hohe ökologische Standards, andererseits gefährden eben diese Standards die Wirtschaftlichkeit vieler Projekte. „Wir können nicht gleichzeitig Passivhausstandard fordern und uns über fehlenden leistbaren Wohnraum wundern&#8220;, provoziert ein Tiroler Bauingenieur in einer Kammerversammlung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">ESG-Kriterien und Realitätsverweigerung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neuen ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) verschärfen die Situation zusätzlich. Banken vergeben Kredite zunehmend nur noch für nachhaltige Projekte – eine löbliche Entwicklung, die jedoch die Finanzierung konventioneller Wohnbauten erschwert. Die Berufsverbände stehen hier vor einem Dilemma: Sie haben diese Entwicklung jahrelang gefordert und gefördert, müssen nun aber erkennen, dass die Umsetzung den Wohnbau zusätzlich verteuert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Wiener Projektentwickler bringt es auf den Punkt: „Wir haben die schönsten Nachhaltigkeitskonzepte, aber niemand kann sie sich leisten.&#8220; Diese Aussage mag polemisch sein, trifft aber einen wunden Punkt der berufspolitischen Debatte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fachkräftemangel als zusätzlicher Brandbeschleuniger</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als wäre die Lage nicht schon angespannt genug, verschärft der Fachkräftemangel die Krise zusätzlich. Sowohl in Planungsbüros als auch auf Baustellen fehlt qualifiziertes Personal. Die Kammern reagieren mit Nachwuchskampagnen und fordern erleichterte Anerkennungsverfahren für ausländische Fachkräfte. Doch diese Maßnahmen greifen zu kurz und zu langsam.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders brisant: Viele junge Architektinnen und Architekten wandern in andere Branchen ab. Die Kombination aus schlechter Bezahlung, hohem Arbeitsdruck und unsicheren Zukunftsperspektiven macht den Beruf zunehmend unattraktiv. „Wir bilden für die Arbeitslosigkeit aus&#8220;, klagt eine Professorin der TU Wien.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Blick nach vorn: Reform oder Revolution?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die österreichische Architektur- und Baubranche steht an einem Scheideweg. Entweder gelingt es, durch beherzte Reformen die Rahmenbedingungen grundlegend zu verbessern, oder wir erleben eine Marktbereinigung ungekannten Ausmaßes. Die Berufsverbände müssen hier ihrer Verantwortung gerecht werden und über Partikularinteressen hinausdenken.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Konkret bedeutet das: Schluss mit der Kleinstaaterei zwischen Bundes- und Länderkammern. Her mit einem nationalen Aktionsplan, der Verfahrensbeschleunigung, Kostensenkung und Qualitätssicherung gleichermaßen im Blick hat. Und vor allem: Weg von der Verwaltung des Mangels, hin zur aktiven Gestaltung der Zukunft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zeit drängt. Während wir diskutieren, fehlen täglich mehr Wohnungen. Während wir regulieren, gehen Betriebe pleite. Und während wir auf die perfekte Lösung warten, verschärft sich die soziale Krise in unseren Städten. Es ist höchste Zeit, dass die Berufsvertretung ihrer berufspolitischen Verantwortung gerecht wird – mit Mut, Pragmatismus und dem Blick fürs Wesentliche: bezahlbaren Wohnraum für alle.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Post-KIM-Ära: Strategien für Architekturbüros</title>
		<link>https://baukunst.art/post-kim-aera-strategien-fuer-architekturbueros/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Jul 2025 13:56:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Immobilienfinanzierung]]></category>
		<category><![CDATA[KIM-Verordnung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach drei Jahren endet die umstrittene KIM-Verordnung. Was bedeuten gelockerte Kreditregeln für Österreichs Baubranche?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Nach der KIM-Verordnung: Chancen und Risiken für Österreichs Bauwirtschaft</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Ende einer restriktiven Ära</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit dem Auslaufen der Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung (KIM-VO) Ende Juli 2025 endet ein umstrittenes Kapitel österreichischer Finanzmarktregulierung. Die 2022 eingeführte Verordnung hatte die Kreditvergabe für Immobilien drastisch eingeschränkt: 20 Prozent Eigenkapital, maximale Kreditlaufzeit von 35 Jahren und eine Schuldendienstquote von höchstens 40 Prozent des Nettoeinkommens waren die Eckpfeiler dieser Regulierung. Für Architektinnen und Planer bedeutete dies drei Jahre lang einen spürbaren Rückgang privater Bauaufträge.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundeskammer der ZiviltechnikerInnen hatte bereits früh auf die negativen Auswirkungen hingewiesen. Kammerpräsident Rudolf Kolbe warnte wiederholt vor einem &#8222;Marktversagen durch Überregulierung&#8220;. Tatsächlich zeigen die Zahlen der Statistik Austria einen Rückgang der Baubewilligungen im Wohnbau um 18 Prozent zwischen 2022 und 2024. Besonders junge Familien und Ersterwerbende wurden vom Immobilienmarkt verdrängt – eine Entwicklung, die sich direkt auf die Auftragslage der Planungsbüros auswirkte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Neue Spielregeln, alte Verantwortung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die politische Diskussion um die Nachfolgeregelung offenbart ein Spannungsfeld zwischen Marktliberalisierung und Finanzstabilität. Finanzminister Magnus Brunner betont die Notwendigkeit einer &#8222;verantwortungsvollen Flexibilität&#8220;, während Vertreterinnen der Opposition vor einer Rückkehr zu den Exzessen der Vorkrisenjahre warnen. Die Österreichische Nationalbank plädiert für einen Mittelweg: mehr Spielraum für Banken bei gleichzeitiger Beibehaltung grundlegender Prüfmechanismen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Architekturbranche ergeben sich daraus konkrete Fragen: Werden die gelockerten Kreditbedingungen tatsächlich zu mehr Bauaufträgen führen? Oder verschärft die erhöhte Nachfrage lediglich den bereits angespannten Immobilienmarkt? Die Bundesinnung Bau rechnet mit einem Nachholeffekt, der sich bereits im vierten Quartal 2025 bemerkbar machen könnte. Skeptiker wie der Wiener Architekt und Kammerfunktionär Thomas Hoppe mahnen jedoch zur Vorsicht: &#8222;Eine Kreditblase löst keine strukturellen Probleme im Wohnbau.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Leistbarkeit und Nachhaltigkeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Debatte um die KIM-Verordnung wirft grundsätzliche Fragen zur Zukunft des Bauens auf. Einerseits steht die soziale Dimension im Fokus: Wie kann Wohneigentum wieder leistbar werden? Andererseits drängen klimapolitische Vorgaben auf energieeffizientes und ressourcenschonendes Bauen – Maßnahmen, die Baukosten tendenziell erhöhen. Die Architektenschaft steht hier in einer Schlüsselposition: Sie muss innovative Lösungen entwickeln, die beide Anforderungen vereinen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landesinnungen haben bereits Positionspapiere vorgelegt. Der oberösterreichische Innungsmeister Klaus Thürriedl fordert eine &#8222;Innovationsoffensive für kostengünstiges ökologisches Bauen&#8220;. Konkret schlägt er vor, serielle Bauweisen und vorgefertigte Elemente stärker zu fördern, ohne dabei architektonische Qualität zu opfern. Die Kammer unterstützt diese Initiative mit Fortbildungsprogrammen zu Themen wie Holzmodulbau und zirkulärem Bauen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regulatorische Herausforderungen bleiben bestehen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotz der Lockerung bei der Kreditvergabe sieht sich die Branche weiterhin mit einem komplexen regulatorischen Umfeld konfrontiert. Die EU-Taxonomie-Verordnung, nationale Klimaziele und verschärfte Bauordnungen schaffen neue Hürden. Besonders die ab 2026 geltende verpflichtende Lebenszyklusbetrachtung für Neubauten stellt Planerinnen und Bauherren vor Herausforderungen. Die Bundeskammer arbeitet hier an Leitfäden und digitalen Tools, um den Berufsstand zu unterstützen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig eröffnen sich Chancen: Die Nachfrage nach Sanierungs- und Umbauprojekten steigt kontinuierlich. Der Vorsitzende des Ausschusses für Nachhaltigkeit in der Bundeskammer, Martin Röck, sieht darin ein &#8222;enormes Potenzial für qualitätsvolle Architektur im Bestand&#8220;. Die gelockerten Kreditbedingungen könnten gerade hier positive Impulse setzen, da Sanierungen oft kleinteiliger finanziert werden als Neubauten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Internationale Perspektiven und Best Practices</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Blick über die Grenzen zeigt unterschiedliche Ansätze im Umgang mit Immobilienfinanzierung. Deutschland hat ähnliche Regulierungen bereits 2023 wieder gelockert, mit gemischten Ergebnissen. Die Schweiz hingegen hält an strikten Eigenkapitalvorschriften fest, kompensiert dies aber durch innovative Wohnbaugenossenschaften und alternative Finanzierungsmodelle. Die niederländische Praxis der &#8222;Bouwdepots&#8220; – zweckgebundene Kredittranchen für nachhaltiges Bauen – könnte auch für Österreich interessant sein.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Qualität vor Quantität</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Aufhebung der KIM-Verordnung markiert einen Wendepunkt, dessen Auswirkungen sich erst in den kommenden Monaten zeigen werden. Für Architektinnen und Planer gilt es, die entstehenden Chancen verantwortungsvoll zu nutzen. Die Versuchung, auf die steigende Nachfrage mit Standardlösungen zu reagieren, ist groß. Doch gerade jetzt braucht es mutige Konzepte, die Leistbarkeit, Nachhaltigkeit und architektonische Qualität vereinen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Berufsvertretung ist gefordert, diesen Prozess aktiv mitzugestalten. Die für Herbst 2025 geplante Enquete &#8222;Zukunft Bauen&#8220; der Bundeskammer soll Perspektiven aufzeigen und politische Forderungen formulieren. Im Zentrum steht die Frage, wie eine verantwortungsvolle Kreditvergabe aussehen kann, die weder zu spekulativen Blasen führt noch den notwendigen Wandel im Bauwesen blockiert. Die Architektenschaft hat hier die Chance, als kompetente Stimme der gebauten Umwelt gehört zu werden – eine Verantwortung, die über reine Berufspolitik hinausgeht.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Die große Transformation: Wie die EU-Gebäuderichtlinie die Baubranche umkrempelt</title>
		<link>https://baukunst.art/die-grosse-transformation-wie-die-eu-gebaeuderichtlinie-die-baubranche-umkrempelt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Jul 2025 08:09:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[EPBD]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Gebäuderichtlinie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die EU-Gebäuderichtlinie revolutioniert das Berufsfeld von Architekten und Ingenieuren. Ein Paradigmenwechsel mit enormen Chancen und Herausforderungen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/die-grosse-transformation-wie-die-eu-gebaeuderichtlinie-die-baubranche-umkrempelt/">Die große Transformation: Wie die EU-Gebäuderichtlinie die Baubranche umkrempelt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">EU-Gebäuderichtlinie: Paradigmenwechsel für Architekten und Ingenieure</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die novellierte EPBD stellt Planerinnen und Planer vor immense Herausforderungen – und eröffnet gleichzeitig enorme Chancen für die Transformation des Berufsfeldes</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die EU-Gebäuderichtlinie (Energy Performance of Buildings Directive – EPBD) ist mehr als eine weitere Regulierung aus Brüssel. Sie markiert einen fundamentalen Wendepunkt für die Architektur- und Ingenieurbranche. Mit ihrer Veröffentlichung im Mai 2024 und der vorgeschriebenen Umsetzung bis Ende Mai 2026 steht Deutschland vor der größten berufspolitischen Herausforderung seit Einführung der Energieeinsparverordnung. Was bedeutet dies konkret für die planenden Berufe?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom Neubau zur Sanierung: Der erzwungene Fokuspunkt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Europaweit müssen rund 40 Millionen Gebäude, in Deutschland allein drei Millionen, bis spätestens 2033 auf ein energetisches Mindestniveau gehoben werden. Diese beispiellose Sanierungswelle wird das Berufsbild von Architektinnen und Architekten sowie Ingenieurinnen und Ingenieuren nachhaltig verändern. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) hat diesen Paradigmenwechsel frühzeitig erkannt und den Überarbeitungsprozess der Richtlinie eng begleitet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, bringt es auf den Punkt: „Jetzt geht es darum, in die Zukunft zu schauen und das Zusammendenken von sinnvoller energetischer Gebäudesanierung und Quartier voranzutreiben. Es ist unrealistisch, alle Gebäude zu dämmen, daher müssen wir uns vor allem um die Gebäude kümmern, die einen echten Impact leisten können.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das „Worst-First-Prinzip&#8220; als berufspolitische Chance</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die EPBD führt mit dem „Worst-First-Prinzip&#8220; eine völlig neue Herangehensweise ein. Nichtwohngebäude müssen bis 2030 die ineffizientesten 16 Prozent und bis 2033 die ineffizientesten 26 Prozent saniert werden. Für Wohngebäude gelten zwar keine gebäudespezifischen Mindestvorgaben, doch müssen die Mitgliedstaaten sicherstellen, dass der Energieverbrauch des Wohngebäudebestands bis 2030 um 16 Prozent und bis 2035 um 20 bis 22 Prozent sinkt – wobei mindestens 55 Prozent der Einsparungen durch Renovierung der energetisch schlechtesten Gebäude erreicht werden müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Systematik eröffnet planenden Berufen neue Geschäftsfelder. Die Bewertung, Klassifizierung und Priorisierung von Sanierungsmaßnahmen wird zur Kernkompetenz. Architekten und Ingenieure werden zu Transformationsmanagern des Gebäudebestands.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Qualifikation als Schlüssel: Der Renovierungspass</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit der Einführung des Gebäuderenovierungspasses entsteht ein neues Instrument, das nur von qualifizierten oder zertifizierten Fachleuten nach einer Vor-Ort-Besichtigung erstellt werden darf. Dieser Pass soll detaillierte Sanierungsfahrpläne enthalten und über technische Lösungen sowie verfügbare Fördermöglichkeiten informieren. In Deutschland decken die individuellen Sanierungsfahrpläne (iSFP) bereits viele Anforderungen ab, müssen aber um digitale Tools erweitert werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Berufsstände bedeutet dies: Zusatzqualifikationen werden unerlässlich. Die Kammern sind gefordert, entsprechende Fortbildungsangebote zu entwickeln und Standards zu setzen. Die Architektenkammer Sachsen-Anhalt hat bereits reagiert und informiert ihre Mitglieder über die vier wesentlichen Eckpunkte der neuen Richtlinie.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lebenszyklusbetrachtung: Von der Planung zur Gesamtverantwortung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Paradigmenwechsel zeigt sich auch in der verpflichtenden Berechnung des Treibhauspotenzials über den gesamten Lebenszyklus neuer Gebäude. Ab 2028 gilt dies für alle neuen Gebäude mit einer Nutzfläche über 1.000 Quadratmeter, ab 2030 für alle Neubauten. Diese Lebenszyklusbetrachtung erweitert die Verantwortung der Planerinnen und Planer erheblich – von der Materialwahl über die Bauausführung bis zum späteren Rückbau.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die BAK sieht darin eine wichtige Weichenstellung: „Der Indikator, der den Gesamtbeitrag des Gebäudes zu den klimawirksamen Emissionen angibt, ist ein erster Schritt zu einer stärkeren Berücksichtigung der gesamten Lebenszyklusleistung von Gebäuden und einer Kreislaufwirtschaft.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Technologiesprung: Gebäudeautomation als Pflichtaufgabe</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die EPBD setzt klare Fristen für die Gebäudeautomation: Nichtwohngebäude mit Heizungs- oder Klimaanlagen über 290 kW müssen bereits bis Ende 2024 nachgerüstet werden. Dieser Schwellenwert sinkt Ende 2029 auf 70 kW. Für Planerinnen und Planer bedeutet dies, sich intensiv mit intelligenten Gebäudetechnologien auseinanderzusetzen. Der „Smart Readiness Indicator&#8220; wird ab 2026 für große Nichtwohngebäude gestärkt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Verbandspolitik: Zwischen Chance und Kritik</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundesarchitektenkammer begrüßt die Novellierung grundsätzlich als „gute Rahmenrichtlinie&#8220;, kritisiert aber mangelnde Klarheit bei den Energieausweisen. Die fehlende Vergleichbarkeit der Berechnungsmethoden zwischen den Mitgliedstaaten untergräbt das ursprüngliche Ziel einer größeren Transparenz. „Wir hätten uns mehr Klarheit und Vergleichbarkeit bei Berechnungsmethoden gewünscht&#8220;, betont die BAK.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kammern fordern zudem, dass Energieausweise einen Abgleich der berechneten Leistung mit Bestands- und Betriebsdaten vorschreiben sollten. Nur so könnten sie zu aussagekräftigen Indikatoren für wahrscheinliche Energie- und Kohlenstoffeinsparungen werden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Marktentwicklung: Vom Kostenfaktor zum Werttreiber</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die energetische Sanierung wird vom lästigen Kostenfaktor zum entscheidenden Werttreiber. Gebäude ohne entsprechende energetische Standards werden mittelfristig unverkäuflich oder unvermietbar. Dies schafft einen enormen Beratungsbedarf, den qualifizierte Architektinnen und Architekten sowie Ingenieurinnen und Ingenieure decken müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Richtlinie betont dabei explizit den sozialen Aspekt: Finanzielle Anreize sollen vorrangig schutzbedürftige Haushalte unterstützen, Zwangsräumungen im Zusammenhang mit Renovierungen vermieden werden. Hier entsteht ein neues Aufgabenfeld für sozialverträgliche Sanierungskonzepte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nationale Umsetzung: Der Ball liegt bei Katherina Reiche</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie trifft auf eine komplexe politische Gemengelage. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche kündigte an, vermeintliche Technologieverbote im Gebäudeenergiegesetz abschaffen zu wollen. Dies klingt nach Rückschritt statt Fortschritt. Die Verbände müssen hier klare Position beziehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gebäuderenovierungsplan, dessen erster Entwurf bis Ende 2025 vorliegen muss, wird zum zentralen Steuerungsinstrument. Die für November angesetzte Öffentlichkeitsbeteiligung bietet den Kammern die Chance, ihre Expertise einzubringen und die Interessen der planenden Berufe zu vertreten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Transformation als Berufschance</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die EU-Gebäuderichtlinie ist mehr als eine regulatorische Herausforderung – sie ist eine historische Chance für die planenden Berufe. Der Sanierungsstau im Gebäudebestand garantiert Architektinnen und Architekten sowie Ingenieurinnen und Ingenieuren auf Jahrzehnte hinaus Aufträge. Gleichzeitig erfordert die Komplexität der Aufgaben neue Kooperationsformen und interdisziplinäre Ansätze.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kammern stehen vor der Aufgabe, ihre Mitglieder auf diese Transformation vorzubereiten. Fort- und Weiterbildung, Qualitätssicherung und politische Interessenvertretung werden wichtiger denn je. Wer sich jetzt positioniert und qualifiziert, wird von der größten Sanierungswelle der Geschichte profitieren. Die EU-Gebäuderichtlinie markiert nicht das Ende einer Ära, sondern den Beginn einer neuen Epoche für die planenden Berufe.</p>
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