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	<title>Südwest-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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	<title>Südwest-Archiv - Baukunst</title>
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		<title>270 Millionen für die Ortsmitte: Wie Baden-Württemberg den Bestand zur Regel macht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Jul 2026 09:47:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
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		<category><![CDATA[Innenentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>283 Kommunen, 270 Millionen Euro, ein Ziel: den Ort von innen erneuern. Das Programm 2026 macht den Bestand zur Regel, doch die größte Hürde liegt nicht im Antrag.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/270-millionen-fuer-die-ortsmitte-wie-baden-wuerttemberg-den-bestand-zur-regel-macht/">270 Millionen für die Ortsmitte: Wie Baden-Württemberg den Bestand zur Regel macht</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | Regionales | <strong>Baden </strong><b>Württemberg</b> | Juli 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Bestand vor Neubau: Die Städtebauförderung 2026 als Testfall der Innenentwicklung</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Städtebauförderprogramm 2026 ist das jährlich neu aufgelegte Bund-Länder-Kommunen-Programm, mit dem Baden-Württemberg in diesem Jahr rund 270,63 Millionen Euro auf 319 städtebauliche Erneuerungsmaßnahmen in 283 Städten und Gemeinden verteilt, und sein erklärter Schwerpunkt liegt auf der Stärkung von Ortskernen und Ortsmitten statt auf Neubau am Ortsrand. Von der Gesamtsumme trägt der Bund rund 104 Millionen Euro, das Land steuert etwa 166,63 Millionen Euro bei. Das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg (MLW) stellte das Programm am 4. Februar 2026 in Stuttgart vor. Ministerin Nicole Razavi nennt die Städtebauförderung „unser stärkstes Pferd im Stall&#8220;, und der Satz ist mehr als Selbstlob: Kaum ein anderes Instrument greift so direkt in die Substanz von Klein- und Mittelstädten ein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Förderung ist kein neues Versprechen, sondern eine eingespielte Mechanik. Seit 1971 finanzieren Bund, Länder und Kommunen die städtebauliche Erneuerung gemeinsam, geregelt über die Verwaltungsvereinbarung Städtebauförderung und, auf Landesebene, über die Städtebauförderungsrichtlinien (StBauFR). Rechtsgrundlage im Bund ist das besondere Städtebaurecht des Baugesetzbuchs, insbesondere die Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen nach den §§ 136 ff. BauGB und die Förderung nach § 164b BauGB. Drei Bundesprogramme bilden das Gerüst: „Lebendige Zentren&#8220; für Stadt- und Ortskerne, „Sozialer Zusammenhalt&#8220; für das Quartier und „Wachstum und nachhaltige Erneuerung&#8220; für Kommunen unter Anpassungsdruck. In Baden-Württemberg wurden auf diesem Weg über 900 der 1.101 Städte und Gemeinden gefördert, ein Flächengrad, den kaum ein anderes Förderinstrument erreicht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum landet das Geld gerade in den Ortsmitten?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Weil der Leerstand dort sitzt, wo früher das Leben war. Die aufgegebene Metzgerei an der Hauptstraße, das leere Kaufhaus, der stillgelegte Gasthof: In vielen Gemeinden hat sich die Nutzung an den Rand verlagert, während der historische Kern ausdünnt. Das Programm 2026 setzt genau hier an. Als Schwerpunkte nennt das MLW ausdrücklich die Stärkung der Ortskerne, die Aktivierung von Gewerbebrachen, die Anpassung an den Klimawandel sowie grüne und blaue Infrastruktur, also Bäume, Entsiegelung und Wasserflächen gegen die aufgeheizte Ortsmitte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Prioritätensetzung ist kein politischer Zufall, sondern deckt sich mit dem Bodenschutzgebot des § 1a Absatz 2 BauGB, wonach mit Grund und Boden sparsam umzugehen und die Innenentwicklung dem Außenwachstum vorzuziehen ist. Fachleute sprechen von doppelter Innenentwicklung: bauliche Verdichtung im Bestand und zugleich mehr Grün. Das klingt widersprüchlich, ist aber der eigentliche Anspruch der Ortsmitte im Klimazeitalter. Die Zahlen des Programms folgen dieser Logik. Rund 22.800 neue Wohnungen sollen entstehen, etwa 9.700 weitere modernisiert werden, ein großer Teil davon in Lagen, die bereits erschlossen sind und keine neue Fläche verbrauchen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Gemeinden setzen auf Umnutzung statt grüne Wiese?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am deutlichsten zeigt es der Blick auf einzelne Maßnahmen. In Calw fließen rund 3,2 Millionen Euro in das Areal „Hoher Fels&#8220;, wo ein ehemaliges Krankenhaus umgenutzt statt abgerissen wird, ein Lehrstück dafür, dass Bestand auch dann trägt, wenn seine ursprüngliche Funktion entfallen ist. Die Gemeinde Dornstadt auf der Ulmer Alb erhält für die neue Maßnahme „Dornstadter Höfe&#8220; rund 1,2 Millionen Euro und entwickelt damit ihre Mitte weiter, statt am Ortsrand neu anzusetzen. In Sindelfingen unterstützen etwa 2,1 Millionen Euro den Umbau des Marktplatzes samt des früheren Post- und Volksbank-Areals, und in Ulm entstehen im „Dichterviertel II&#8220; mit 2,4 Millionen Euro rund 440 neue Wohneinheiten auf innerstädtischem Grund.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Beispiele eint ein Muster: Es geht um vorhandene Grundstücke, brachliegende Gebäude und aufgegebene Nutzungen, nicht um neue Baugebiete auf dem Acker. Für die Baukultur ist das ein doppelter Gewinn. Wer ein Krankenhaus, ein Bankgebäude oder einen Gasthof umnutzt, bewahrt die im Bau gebundene graue Energie und erhält zugleich die Maßstäblichkeit gewachsener Orte. Die Landesbauordnung Baden-Württemberg (LBO) hat mit den Umbauerleichterungen der jüngeren Reform, etwa im Umgang mit Bestandsschutz und Umnutzung, den rechtlichen Rahmen dafür etwas geweitet. Sichtbar wird auch, dass gute Förderung nicht am spektakulären Solitär hängt, sondern am geduldigen Umbau des Gewöhnlichen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das Programm für kleine Kommunen und Büros?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für kleine Gemeinden ist die Förderung Chance und Belastungsprobe zugleich. Der Zuschuss deckt in der Regel 60 Prozent der förderfähigen Kosten, den Rest trägt die Kommune als Eigenanteil, und genau dieser Anteil überfordert klamme Haushalte. Eine Gemeinde mit angespanntem Etat muss die verbleibenden 40 Prozent erst einmal aufbringen, bevor der erste Euro Fördergeld fließt. Hinzu kommt der Personalaufwand: Sanierungssatzung, vorbereitende Untersuchungen, Beteiligungsverfahren und die Abrechnung nach den StBauFR verlangen Verwaltungskraft, die in einem Rathaus mit wenigen Vollzeitstellen schlicht fehlt. Die Antragsfrist für das Programm 2026 lief bereits am 6. Oktober 2025 aus, das Land beschrieb es als „lernendes Programm&#8220;, doch das Lernen setzt Kapazitäten voraus, über die nicht jede Verwaltung verfügt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier kommen die Büros ins Spiel. Für Architektinnen und Architekten sowie für Stadtplanerinnen und Stadtplaner in der Fläche ist die Städtebauförderung ein verlässliches Arbeitsfeld, von der vorbereitenden Untersuchung über das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept bis zur Einzelmaßnahme. Wer die Instrumente des besonderen Städtebaurechts beherrscht, wird für kleine Kommunen zum unverzichtbaren Partner, gerade weil die Gemeinde die Expertise selten im Haus hat. Zugleich verlangt das Feld Ausdauer: Sanierungsgebiete laufen über zehn Jahre und länger, und der Erfolg zeigt sich selten in einer Legislaturperiode.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">So verdient das Programm 2026 Anerkennung und Nachfrage zugleich. Die Richtung stimmt, denn der Vorrang der Innenentwicklung ist städtebaulich wie klimapolitisch richtig, und die Flächenwirkung über 283 Kommunen ist beachtlich. Offen bleibt, ob 270 Millionen Euro gegen den strukturellen Druck genügen, unter dem die Ortsmitten stehen: Onlinehandel, demografischer Wandel und die Konkurrenz billiger Randlagen wirken stärker als jede Jahresrate. Und die soziale Frage der Förderung bleibt ungelöst, solange der Eigenanteil ausgerechnet die schwächsten Gemeinden am härtesten trifft. Das stärkste Pferd im Stall zieht in die richtige Richtung. Ob es den Karren aus dem Graben zieht, entscheidet sich nicht in Stuttgart, sondern in den Rathäusern zwischen Tauberfranken und Bodensee.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Beton am Schlossplatz: Warum Stuttgart um den Wittwer-Bau ringt</title>
		<link>https://baukunst.art/beton-am-schlossplatz-warum-stuttgart-um-den-wittwer-bau-ringt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Jul 2026 09:23:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Bestandserhalt]]></category>
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		<category><![CDATA[Stadtentwicklung Stuttgart]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Betonriese an der Königstraße spaltet Stuttgart. Zwischen Abrissbagger und Erhaltungsbrief verhandelt die Stadt, was Bestand im Klimazeitalter noch wert ist.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | Regionales | <strong>Stuttgart</strong> | Juli 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Graue Energie gegen Rendite: Der Wittwer-Bau als Testfall der Baukultur</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Betonriese an der Königstraße spaltet Stuttgart. Zwischen Abrissbagger und Erhaltungsbrief verhandelt die Stadt, was Bestand im Klimazeitalter noch wert ist.</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Wittwer-Bau an der Stuttgarter Königstraße ist ein brutalistisches Geschäftshaus der Nachkriegsmoderne, das die Architekten Hans Kammerer und Walter Belz zwischen 1968 und 1970 am Kleinen Schlossplatz errichteten, und er ist im Sommer 2026 zum Prüfstein dafür geworden, wie eine Innenstadt Rendite, Klimaschutz und baukulturelles Gedächtnis gegeneinander abwägt. Die Eigentümerin, die Dinkelacker AG, will das Gebäude in weiten Teilen abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Dagegen formiert sich seit Mai 2026 breiter Widerstand, getragen von Architektinnen und Architekten, dem Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) und Stimmen aus der Universität Stuttgart.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bau war bei seiner Eröffnung 1970 mehr als eine Adresse: Auf rund 700 Quadratmetern und drei Ebenen beherbergte er die damals größte Buchhandlung Deutschlands, die traditionsreiche Buchhandlung Konrad Wittwer. Seit 2018 nutzt Thalia die Flächen. Die skulpturale Betonfassade, die Split-Level-Organisation und die Verzahnung mit dem erhöhten Kleinen Schlossplatz, an dessen Platzgestaltung Max Bächer mitwirkte, machen das Haus zu einem Schlüsselwerk der Stuttgarter Nachkriegsarchitektur. Im internationalen Register #SOSBrutalism war es lange verzeichnet, ein Detail, das heute fast prophetisch wirkt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was macht den Wittwer-Bau zum Streitfall?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Auslöser lieferte ein Kurswechsel. Noch im September 2025 war von einer umfassenden Sanierung die Rede; im März 2026 wurde bekannt, dass das Gebäude weichen soll. Die Dinkelacker AG begründet den Schritt mit dem Alter des Hauses, mangelnder Sanierbarkeit und einer auslaufenden Brandschutzgenehmigung. Die Mieterinnen und Mieter sollen bis Ende 2027 ausziehen, der Abriss der Obergeschosse ist für 2028 vorgesehen, der Neubau mit Einzelhandel, Gastronomie, Büros und Dienstleistungen soll bis 2030 stehen. Das finale Konzept will die Eigentümerin über einen Architekturwettbewerb ermitteln lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rechtlich hat die Eigentümerin freie Hand. Das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart hat dem Bau die Schutzwürdigkeit nach dem Denkmalschutzgesetz Baden-Württemberg (DSchG) abgesprochen: Spätere Umbauten hätten den Dokumentationswert als brutalistischer Geschäftsbau zu stark gemindert. Ohne Eintrag in die Denkmalliste greift allein das kommunale Planungsrecht, und im unbeplanten Innenbereich nach § 34 Baugesetzbuch (BauGB) fügt sich ein maßvoller Ersatzneubau in aller Regel problemlos ein. Der Denkmalschutz, sonst schärfstes Schwert gegen den Abriss, fällt hier also aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau diese Lücke ruft die Kritik auf den Plan. Unter dem Titel „Wittwer ist nicht fertig&#8220; hat sich eine Initiative gebildet, die Fachleute, den BDA Baden-Württemberg und Angehörige der Universität Stuttgart versammelt. In einem offenen Brief und mehreren Stellungnahmen argumentieren prominente Architektinnen und Architekten, darunter Stefan Behnisch, Martin Haas, Florian Kaiser, Stefanie Weidner und Sascha Bauer, gegen den Abriss. Die BDA-Vertreter Jan Theissen und Tobias Bochmann kritisieren eine „rein ökonomische Logik des Immobilien-Funktionalismus&#8220;. Der Architekturkritiker Christian Holl nennt den Bau einen „Teil der Nachkriegsgeschichte der Stadt&#8220;, der „untrennbar mit ihr verbunden&#8220; sei. Am 1. Juli 2026 diskutierte die Architektenkammer Baden-Württemberg den Fall öffentlich.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie viel Bestand steckt in „45 Prozent Substanz&#8220;?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf den Vorwurf des Kahlschlags reagierte die Dinkelacker AG mit einer Zahl: Rund 45 Prozent der Substanz, vor allem in Erd- und Untergeschossen, blieben erhalten. Für die Eigentümerin ist das ein Beleg für Ressourcenschonung, für die Kritik ein rhetorischer Kunstgriff. Denn erhalten bleibt vor allem, was ohnehin schwer zu beseitigen wäre, während die architektonisch prägenden Obergeschosse fallen. Ein Bau, von dem die Hälfte verschwindet, ist kein erhaltener Bau, sondern ein anderer.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Kern steht die graue Energie. Darunter versteht man die gesamte Energie, die in Herstellung, Transport und Errichtung eines Gebäudes bereits gebunden ist, lange bevor es überhaupt beheizt wird. Ein Betonbau der 1960er Jahre ist ein riesiger Speicher solcher Vorleistungen; ein Abriss vernichtet sie und setzt beim Neubau erneut große Mengen frei. Die Ortsgruppe Stuttgart von Architects for Future hält in ihrer Stellungnahme vom 13. Mai 2026 fest, die angekündigten CO₂-Einsparungen und Nachhaltigkeitsziele seien „ohne konkrete Zahlen nicht überprüfbar&#8220;. Sie fordert Entwicklung im Bestand statt Ersatzneubau sowie eine energetische Sanierung, die das prägende Erscheinungsbild bewahrt. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) verlangt zwar hohe energetische Standards, bewertet den Lebenszyklus und die bereits verbaute graue Energie aber bislang nicht, ein blinder Fleck, der Abrisse rechnerisch attraktiver erscheinen lässt, als sie klimapolitisch sind.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet der Fall für andere Innenstädte?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Wittwer-Bau ist kein Einzelfall, sondern ein Muster. Wenige Kilometer entfernt droht dem Hallenbad Sindelfingen von 1976, einem Werk von Friedrich Tober mit einem der größten freitragenden Holzdächer Europas, ein ähnliches Schicksal. Überall in Deutschland stehen die Bauten der 1960er und 1970er Jahre an einer Schwelle: technisch in die Jahre gekommen, gestalterisch umstritten, wirtschaftlich unter Druck und meist ohne Denkmalstatus. Wer über den Wittwer entscheidet, setzt damit einen Maßstab weit über Stuttgart hinaus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Regional trifft die Debatte einen wunden Punkt. Stuttgart hat nach dem Krieg und im Zuge der autogerechten Stadt viel historische Substanz verloren; der Vorwurf „Stuttgart lernt einfach nichts dazu&#8220; zielt auf dieses Gedächtnis. Anders als etwa Bayern kennt Baden-Württemberg keinen landesweit verpflichtenden Gestaltungsbeirat; die Landesbauordnung Baden-Württemberg (LBO) regelt vor allem das technisch Zulässige, nicht das baukulturell Wünschenswerte. Die Instrumente gegen den Verlust liegen damit weitgehend bei der Kommune, beim politischen Willen des Gemeinderats und beim Landesamt für Denkmalpflege. Fällt der Denkmalschutz aus, entscheidet die Stadt Stuttgart über das Bauplanungsrecht, ob sie den Bestand zur Bedingung macht oder dem Markt überlässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zugleich verdient die Position der Eigentümerin eine faire Prüfung. Brandschutzauflagen, Schadstoffe und ein Grundriss aus der Zeit des stationären Buchhandels sind reale Hürden, keine Ausreden. Die Frage ist nicht, ob Veränderung nötig ist, sondern ob sie Abriss heißen muss. Umnutzung, Aufstockung und behutsame Transformation sind erprobte Wege; Christian Holl bringt die Verbindung mit kulturellen Nutzungen ins Spiel, etwa im Verbund mit dem nahen früheren Horten-Haus. Ein Wettbewerb, der von vornherein den Erhalt zur Bedingung macht, würde zeigen, ob der Bestand trägt, statt ihn vorab abzuschreiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Ende verhandelt Stuttgart an der Königstraße eine Grundsatzfrage der Baukultur im Klimazeitalter: Ob eine Stadt ihre Nachkriegsmoderne nur dann bewahrt, wenn ein Amt sie schützt, oder ob Klimaschutz und graue Energie längst eigene, gewichtige Argumente für den Bestand liefern. Der Beton am Schlossplatz ist unbequem, grau und sperrig. Vielleicht ist genau das der Grund, ihn nicht vorschnell abzuräumen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>Tag der Architektur 2026 im Südwesten: drei Länder, drei Haltungen zum bezahlbaren Bauen</title>
		<link>https://baukunst.art/tag-der-architektur-2026-im-suedwesten-drei-laender-drei-haltungen-zum-bezahlbaren-bauen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jun 2026 11:30:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[§ 633 BGB]]></category>
		<category><![CDATA[§ 650a BGB]]></category>
		<category><![CDATA[§ 650o BGB]]></category>
		<category><![CDATA[Gebäudetyp-E-Gesetz]]></category>
		<category><![CDATA[GEG]]></category>
		<category><![CDATA[Landesbauordnung (LBO)]]></category>
		<category><![CDATA[SDschG]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 27. und 28. Juni 2026 öffnen drei Länder ihre Türen. Drei Mottos, eine Frage: Wie bleibt gutes Bauen bezahlbar? Der Tag der Architektur im Südwesten.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Regionales<em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong"> |</strong></em> Süd West <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Wochenende, das zeigt, wie wir morgen wohnen werden</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Tag der Architektur ist das größte bundesweite Baukulturereignis, an dem öffentliche und private Bauherrschaften an einem einzigen Wochenende jene Gebäude öffnen, die sonst verschlossen bleiben. Am Samstag, 27., und Sonntag, 28. Juni 2026, findet er erneut am letzten Juniwochenende statt. Gerade im Südwesten zeigt sich dabei, dass die Länderarchitektenkammern denselben Termin mit sehr unterschiedlichen Botschaften füllen. Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland setzen 2026 drei Akzente, die zusammengenommen die zentrale Frage der Branche umkreisen: Wie lässt sich Qualität sichern, während die Baukosten die Bezahlbarkeit auffressen?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rheinland-Pfalz und das Saarland gehören zu den Gründungsregionen dieses Formats. Gemeinsam mit Hessen und Thüringen riefen ihre Kammern den Tag der Architektur 1995 ins Leben; Baden-Württemberg stieß später dazu. Drei Jahrzehnte später bündeln die drei Länder ihre Programme erneut, doch die gewählten Mottos verraten, wie verschieden die regionalen Planungskulturen dasselbe Bezahlbarkeitsproblem deuten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit 2005 vergibt die Veranstaltergemeinschaft ein verbindendes Motto, das vor allem die Pressearbeit bündelt. 2026 treten die regionalen Akzente jedoch deutlich hervor, weil jede Länderkammer Programm, Fristen und thematischen Schwerpunkt eigenständig festlegt. Genau diese Eigenständigkeit macht den Südwesten zum Lehrstück: Drei benachbarte Kammern stehen vor demselben Kostendruck, wählen aber drei Wörter, um ihn zu beschreiben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum stellt Baden-Württemberg das „einfache Wohnen“ in den Mittelpunkt?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenkammer Baden-Württemberg (AKBW) führt ihr Programm 2026 unter dem Motto „einfach wohnen!“. Sie versteht es ausdrücklich als Appell: Wohnbauten, die unter reduzierten Standards und damit kostengünstiger entstehen, seien die Zukunft. Hinter dieser Formulierung steckt mehr als die Werbung für ein Besichtigungswochenende. Sie verweist auf die juristische Großbaustelle des deutschen Bauens, den sogenannten Gebäudetyp E.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit dem Gesetz zur zivilrechtlichen Erleichterung des Gebäudebaus, dem Gebäudetyp-E-Gesetz (Regierungsentwurf, Bundestagsdrucksache 20/13959), greift der Bund in das Bauvertragsrecht ein. Ein neuer § 650a Absatz 3 BGB stellt klar, dass technische Normen, die ausschließlich Komfort- oder Ausstattungsmerkmale betreffen, ohne ausdrückliche Vereinbarung nicht Gegenstand der vertraglichen Leistungspflicht werden. Sicherheitsrelevante Normen bleiben dagegen als allgemein anerkannte Regeln der Technik nach § 633 BGB zwingend einzuhalten. Der ebenfalls vorgesehene § 650o BGB schafft einen eigenen Gebäudebauvertrag zwischen fachkundigen Unternehmern, in dem sich Abweichungen von Komfortstandards rechtssicher vereinbaren lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Praxis in Baden-Württemberg bedeutet das einen Kulturwandel. Wer „einfach“ baut, verzichtet nicht auf Statik oder Brandschutz, sondern auf die dritte Steckdose pro Zimmer, die überhöhte Schallschutzklasse oder die maximale Lüftungstechnik. Die Landesbauordnung Baden-Württemberg (LBO) kennt mit ihren Abweichungsregelungen ohnehin Spielräume, doch erst die zivilrechtliche Absicherung nimmt Planerinnen und Planern die Angst vor dem Mangelvorwurf. Das Besichtigungswochenende wird so zur Anschauung einer Reformdebatte und stellt die unbequeme Frage, welche Standards gutes Wohnen wirklich braucht. Wer die offenen Wohnbauten besucht, kann prüfen, ob reduzierte Ausstattung als Verlust oder als Befreiung wahrgenommen wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was unterscheidet die Programme in Rheinland-Pfalz und im Saarland?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rheinland-Pfalz wählt 2026 das Motto „Mehr (er)leben“ und öffnet rund 55 von einer Fachjury ausgewählte Projekte. Der Tag der Architektur ist hier eingebettet in die ressortübergreifende Initiative baukultur RHEINLAND-PFALZ, die das Ministerium der Finanzen des Landes und die Architektenkammer Rheinland-Pfalz gemeinsam tragen. Kammerpräsident Joachim Rind betont seit Jahren die „Um-Baukultur“: Vier Fünftel der Bautätigkeit fänden ohnehin im Bestand statt, weshalb die Weiterentwicklung des Vorhandenen Vorrang habe. Das Programm spiegelt diese Linie, von der Sanierung bis zur Umnutzung, und verbindet das Architekturwochenende mit Bustouren der regionalen Kammergruppen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Saarland, kleinste der drei Kammern, präsentiert zehn Neu- und Umbauprojekte. Die Auswahl liest sich wie ein Querschnitt der sozialen Infrastruktur: eine Freiwillige Ganztagsschule als Holz-Hybridbau in St. Ingbert für 280 Kinder, die zur Musikschule umgenutzte ehemalige Justizvollzugsanstalt am selben Ort sowie die Erweiterung des Hochschulsports auf dem Campus der Universität des Saarlandes, deren Bestandsfassade ein Streetart-Künstler gestaltet hat. Begleitend zeigt die Schule für Architektur Saar am Campus Göttelborn unter dem Titel „Open House“ studentische Arbeiten. Die Umnutzung der denkmalgeschützten Anstalt verweist auf das Saarländische Denkmalschutzgesetz (SDschG), das den behutsamen Umgang mit erhaltenswerter Substanz regelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Präsident Alexander Schwehm rückt für die Architektenkammer des Saarlandes die Umbaukultur in den Vordergrund, weil Umbauten Ressourcen schonen und im Vergleich zum Neubau weniger Kohlendioxid freisetzen. Damit rückt das kleinste der drei Länder am deutlichsten von der Logik des Neubaus ab und macht den Bestand zum eigentlichen Bauland.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Termin, drei Planungskulturen</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auffällig ist, dass alle drei Länder auf dieselbe ökonomische Realität reagieren, sie aber unterschiedlich rahmen. Baden-Württemberg setzt auf die Reduktion des Neubaustandards, Rheinland-Pfalz auf die Erlebbarkeit und Breite des Bestands, das Saarland auf die konsequente Weiternutzung vorhandener Gebäude. Der gemeinsame Nenner heißt Ressourcenschonung. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) verschärft die energetischen Anforderungen, während die Bezahlbarkeit zugleich unter Druck gerät; der Umbau im Bestand löst diesen Zielkonflikt oft eleganter als der Neubau, weil die graue Energie der vorhandenen Konstruktion erhalten bleibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die überregionale Leserschaft lohnt der Hinweis, dass jedes Bundesland seine eigene Landesbauordnung als Landesrecht erlässt, ergänzt um landeseigene Förderprogramme und Denkmalschutzgesetze. Was in Stuttgart als „einfaches Wohnen“ firmiert, heißt in Mainz „Um-Baukultur“ und in Saarbrücken schlicht Weiternutzung. Die Begriffe unterscheiden sich, das Ziel bleibt gleich: bezahlbarer und zugleich verantwortungsvoller Raum.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch die Orte selbst erzählen von Transformation. Die Schule für Architektur Saar residiert am Campus Göttelborn, dem Gelände eines stillgelegten Steinkohlebergwerks, das vom Förderturm zum Lernort umgedeutet wurde. Die Musikschule in der ehemaligen Justizvollzugsanstalt St. Ingbert wiederum macht aus Verwahrung Bildung. Solche Umnutzungen sind keine architektonische Spielerei, sondern die konkrete Antwort auf eine Region, deren Strukturwandel sich in Gebäuden ablesen lässt. Wo Baden-Württemberg die Norm zurückbaut, baut das Saarland die Vergangenheit um.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Tag der Architektur bleibt damit auch 2026 mehr als ein touristisches Angebot. Er macht sichtbar, dass die Bauwende kein einheitliches Rezept kennt, sondern föderal verhandelt wird. Wer an diesem Wochenende zwischen Mannheim, Mainz und Saarbrücken unterwegs ist, erlebt drei Antworten auf dieselbe Frage und kann selbst prüfen, welche überzeugt. Genau darin liegt der Wert des Formats: Es übersetzt eine abstrakte Gesetzesdebatte in begehbare Räume.</p>
<h2><strong>Leserinformation</strong></h2>
<table style="font-weight: 400;" width="624">
<tbody>
<tr>
<td width="153"><strong>Termin</strong></td>
<td width="471">Samstag, 27., und Sonntag, 28. Juni 2026. Die Besichtigungen finden überwiegend tagsüber statt; einzelne Objekte öffnen nur an einem der beiden Tage.</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Teilnahme</strong></td>
<td width="471">Der Besuch aller Touren und Objekte ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist meist nicht erforderlich, bei geführten Rundgängen jedoch empfehlenswert.</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Baden-Württemberg</strong></td>
<td width="471">Objektliste und Touren über die Architektenkammer Baden-Württemberg (akbw.de); Motto „einfach wohnen!“.</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Rheinland-Pfalz</strong></td>
<td width="471">Rund 55 Projekte sowie begleitende Bustouren der regionalen Kammergruppen über die Architektenkammer Rheinland-Pfalz (diearchitekten.org); Motto „Mehr (er)leben“.</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Saarland</strong></td>
<td width="471">Zehn Objekte unter tagderarchitektur.saarland. In St. Ingbert öffnen die Freiwillige Ganztagsschule an der Südschule und die Musikschule in der ehemaligen JVA am Samstag, 27. Juni, jeweils 10 bis 14 Uhr. Die Schule für Architektur Saar zeigt am Campus Göttelborn „Open House“.</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Barrierefreiheit</strong></td>
<td width="471">Nicht alle Objekte sind barrierefrei nach DIN 18040-1 zugänglich. Angaben zu stufenlosem Zugang und barrierefreien Sanitäranlagen enthalten die jeweiligen Objektbeschreibungen der Länderkammern; im Zweifel hilft eine kurze Rückfrage vor dem Besuch.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/tag-der-architektur-2026-im-suedwesten-drei-laender-drei-haltungen-zum-bezahlbaren-bauen/">Tag der Architektur 2026 im Südwesten: drei Länder, drei Haltungen zum bezahlbaren Bauen</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Grundsteuer ohne Gebäude: Baden-Württembergs Bodenwertmodell vor dem Bundesfinanzhof</title>
		<link>https://baukunst.art/grundsteuer-ohne-gebaeude-baden-wuerttembergs-bodenwertmodell-vor-dem-bundesfinanzhof/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jun 2026 11:05:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Bodenwertmodell]]></category>
		<category><![CDATA[Grundsteuerreform]]></category>
		<category><![CDATA[Innenentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Bundesfinanzhof hat Baden-Württembergs Grundsteuermodell bestätigt. Für die Bemessung zählt allein der Boden, das Gebäude bleibt außen vor. Ein stilles Lenkungsinstrument für die Planungskultur.  </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/grundsteuer-ohne-gebaeude-baden-wuerttembergs-bodenwertmodell-vor-dem-bundesfinanzhof/">Grundsteuer ohne Gebäude: Baden-Württembergs Bodenwertmodell vor dem Bundesfinanzhof</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Regionales<em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong"> |</strong></em> Baden Württemberg <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Bauen oder zahlen: Die Grundsteuer als Hebel gegen den Flächenfraß</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Das modifizierte Bodenwertmodell ist ein Grundsteuersystem, das den steuerlichen Wert eines Grundstücks allein aus seiner Fläche und dem amtlichen Bodenrichtwert ableitet und die vorhandene Bebauung vollständig ausblendet. Am 20. Mai 2026 hat der Bundesfinanzhof (BFH) dieses Verfahren in zwei Musterprozessen (Az. II R 26/24 und II R 27/24) für verfassungsgemäß erklärt und damit das Landesgrundsteuergesetz Baden-Württemberg (LGrStG BW) bestätigt. Für rund 5,6 Millionen Wirtschaftseinheiten im Südwesten steht damit fest: Ob auf einer Parzelle ein Einfamilienhaus, ein Mietshaus oder nur eine Gartenlaube steht, bleibt für die Steuerlast ohne Belang.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hintergrund der Reform ist eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom April 2018 (Az. 1 BvL 11/14), die die alten Einheitswerte aus den Jahren 1964 (West) und 1935 (Ost) für gleichheitswidrig erklärte. Der Bundesgesetzgeber schuf daraufhin ein wertorientiertes Bundesmodell, räumte den Ländern über eine Öffnungsklausel jedoch eigene Wege ein. Baden-Württemberg entschied sich bewusst für die schlankste Variante: ein Modell, das ohne Gebäudedaten, Baujahr oder Mietniveaus auskommt und ausschließlich an Grund und Boden anknüpft. Während das Bundesmodell Bodenwert, Gebäudeart, Baujahr und eine statistische Nettokaltmiete kombiniert, verzichtet das Land bewusst auf all diese Parameter.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Entscheidungen lagen zwei Klagen zugrunde, die der Bund der Steuerzahler und Haus &amp; Grund unterstützt hatten. In Karlsruhe wehrte sich die Eigentümerin eines rund 1.100 Quadratmeter großen Grundstücks gegen die Bewertung ihres Zweifamilienhauses. Das Finanzamt setzte die gesamte Fläche mit dem vollen Bodenrichtwert von 510 Euro je Quadratmeter an und stellte den Grundsteuerwert auf rund 565.000 Euro fest, obwohl der hintere, tiefer liegende Gartenbereich kaum bebaubar ist. In Stuttgart verlangten Eheleute für ihr 434 Quadratmeter großes Grundstück mit einem Doppelhaus aus den 1930er Jahren eine pauschale Minderung um sieben Prozent, weil Verkehrslärm und Wohnlage den Wert schmälerten. Beide Klagen blieben erfolglos.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach Paragraf 38 Absatz 1 LGrStG BW ergibt sich der Grundsteuerwert schlicht aus der Multiplikation von Grundstücksfläche und Bodenrichtwert der jeweiligen Bodenrichtwertzone. Individuelle Merkmale wie Verkehrslärm, Hanglage oder die konkrete Nutzung einzelner Teilflächen bleiben grundsätzlich unberücksichtigt. Der zweite Senat berief sich auf die grundgesetzliche Öffnungsklausel des Artikel 72 Absatz 3 Grundgesetz, die seit der Föderalismusreform abweichende Landesregelungen erlaubt. Eine Vorlage an das Bundesverfassungsgericht, wie sie der Bund der Steuerzahler gefordert hatte, lehnte das Gericht ab. Bei einem Massenverfahren mit Millionen Fällen dürfe der Gesetzgeber typisieren und vereinfachen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet die bodenwertorientierte Steuer für die Planungskultur?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier liegt der baukulturelle Kern des Urteils. Eine Abgabe, die ausschließlich den Boden belastet und das Gebäude verschont, wirkt wie ein stilles Lenkungsinstrument. Wer ein großes, teuer bewertetes Grundstück nur gering ausnutzt, etwa mit einem flachen Bungalow und weitläufigem Garten, zahlt anteilig mehr als die Eigentümerin eines schmalen, hoch bebauten Grundstücks in vergleichbarer Lage. Das Modell folgt damit einer Logik, die in der Fachdebatte seit langem unter dem Begriff Bodenwertsteuer diskutiert wird: Sie soll Anreize zur baulichen Verdichtung setzen und das Horten unbebauter Flächen verteuern. Ökonomen verweisen auf eine lange Tradition: Bereits im 19. Jahrhundert plädierte der amerikanische Reformer Henry George dafür, allein den Bodenwert zu besteuern, weil dieser nicht durch die Leistung der Eigentümerschaft, sondern durch die Gemeinschaft entstehe. Baden-Württemberg überführt diesen Gedanken erstmals flächendeckend in geltendes Recht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Stadtentwicklung berührt dies unmittelbar den Vorrang der Innenentwicklung, den Paragraf 1 Absatz 5 und Paragraf 1a Absatz 2 Baugesetzbuch (BauGB) als Bodenschutzklausel verankern. Eine Steuer, die Baulücken und untergenutzte Grundstücke belastet, kann die Mobilisierung von Bauland im Bestand fördern und so dem Flächenverbrauch im Außenbereich entgegenwirken. Kritisch betrachtet benachteiligt das Modell jedoch genau jene durchgrünten, locker bebauten Quartiere, die in Zeiten von Hitzeinseln und Starkregen stadtklimatisch an Bedeutung gewinnen. In dieselbe Richtung zielt der Bebauungsplan der Innenentwicklung nach Paragraf 13a BauGB, der Nachverdichtung im beschleunigten Verfahren ermöglicht. Die steuerliche Botschaft an Eigentümerinnen und Eigentümer großer Gärten lautet im Zweifel: bebauen oder zahlen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Folgen hat das Urteil für Eigentümerinnen und Eigentümer?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Betroffene schafft das Urteil zunächst Rechtssicherheit, schließt Einwände aber nicht vollständig aus. Das Landesgesetz sieht zwei Ventile vor. Nach Paragraf 40 Absatz 3 LGrStG BW ermäßigt sich die Steuermesszahl um 30 Prozent, wenn ein Grundstück überwiegend Wohnzwecken dient. Nach Paragraf 38 Absatz 4 LGrStG BW lässt sich ein niedrigerer Wert durch ein qualifiziertes Gutachten nachweisen, sofern der pauschal ermittelte Grundsteuerwert den tatsächlichen Verkehrswert um mehr als 30 Prozent übersteigt. Diese Schwelle ist hoch: Geringfügige Überbewertungen, etwa durch Lärm oder eine ungünstige Lage, bleiben folgenlos. Wer den Aufwand eines Verkehrswertgutachtens scheut, trägt die pauschale Bewertung; der Bund der Steuerzahler fordert daher, die Gutachterkosten den Finanzämtern aufzuerlegen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die eigentliche Achillesferse des Modells benennen die Kläger an anderer Stelle: die Qualität der Bodenrichtwerte selbst. Diese Werte ermitteln kommunale Gutachterausschüsse auf Grundlage des Paragraf 196 BauGB, doch ihre Aussagekraft schwankt je nach Datenlage und Marktaktivität einer Zone erheblich. Wo wenige Verkäufe stattfinden, beruhen die Werte auf schmaler Basis. Da der Bodenrichtwert im baden-württembergischen Modell zur alleinigen Bemessungsgrundlage aufsteigt, überträgt sich jede Ungenauigkeit unmittelbar auf die Steuerlast. Der zweite Senat sah hierin keinen Verfassungsverstoß, die Debatte um die Datenqualität dürfte damit aber nicht beendet sein. Mit der Digitalisierung der Bodenrichtwertkarten und ihrer Vereinheitlichung über das Portal BORIS wächst zwar die Transparenz, die methodischen Lücken in datenarmen Lagen bleiben jedoch bestehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Urteil hat über Baden-Württemberg hinaus Signalwirkung. Fünf Länder haben eigene Grundsteuergesetze verabschiedet, elf folgen dem Bundesmodell, das der BFH bereits im Dezember 2025 bestätigt hatte. Verfahren gegen die Modelle in Hamburg und Hessen will der BFH voraussichtlich im November 2026 verhandeln, jenes gegen das bayerische Flächenmodell in der ersten Hälfte 2027. Sollten diese Entscheidungen ähnlich ausfallen, verfestigt sich ein föderaler Flickenteppich, in dem vergleichbare Grundstücke je nach Bundesland unterschiedlich belastet werden. Für die Baukultur bleibt die Grundsteuer damit weit mehr als eine fiskalische Randnotiz. Sie entscheidet mit darüber, ob sich dichtes Bauen lohnt, ob Gärten zur Last werden und wie Kommunen ihre Bodenpolitik künftig ausrichten. Das oberste Finanzgericht hat dem Land einen weiten Gestaltungsspielraum zugestanden. Was die Politik daraus macht, ist eine Frage der Baukultur, nicht des Steuerrechts.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Verletzlichkeit zwischen Klassizismus und Stahlbeton: Uecker im Arp Museum</title>
		<link>https://baukunst.art/verletzlichkeit-zwischen-klassizismus-und-stahlbeton-uecker-im-arp-museum/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 10:05:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Arp Museum Bahnhof Rolandseck]]></category>
		<category><![CDATA[Günther Uecker]]></category>
		<category><![CDATA[Richard Meier]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Die Verletzlichkeit der Welt" im Arp Museum Rolandseck (8.2. bis 14.6.2026): erste Würdigung Günther Ueckers nach seinem Tod, im Neubau Richard Meiers.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong> | Regionales | Rheinland-Pfalz | Mai 2026<br />
Lesezeit: ca. 10 Minuten</p>
<h2>Nägel, Treppen, Rheinblick: Uecker und Meier in Remagen</h2>
<p>Die Ausstellung „Günther Uecker. Die Verletzlichkeit der Welt&#8220; im Arp Museum Bahnhof Rolandseck zeigt vom 8. Februar bis 14. Juni 2026 die erste museale Würdigung des ZERO-Mitbegründers nach seinem Tod im Juni 2025 und zugleich die letzte Schau, an der er selbst mitgewirkt hat. Über 2.000 Gäste kamen zur Eröffnung am 8. Februar 2026.</p>
<p>Kuratorin Jutta Mattern, langjährige Mitarbeiterin des Hauses, versammelt 45 Werke aus sieben Jahrzehnten: frühe Nagelobjekte und -reliefs, kinetische Installationen, textile Arbeiten und späte Serien. Direktorin Dr. Julia Wallner ordnet das Werk in eine Linie mit dem Hauspatron Hans Arp ein und verweist auf eine geteilte Haltung von Friedlichkeit und Empathie. Die Schau steht damit programmatisch dort, wo sich rheinland-pfälzische Kulturpolitik, deutsche Kunstgeschichte der Nachkriegszeit und ein in seiner Materialität konsequentes Bauwerk treffen.</p>
<h3>Welche Rolle spielte Rolandseck in Ueckers Biografie?</h3>
<p>Der klassizistische Bahnhof Rolandseck, 1858 als Station der „Rheinischen Riviera&#8220; eröffnet, war nach dem Zweiten Weltkrieg Schauplatz einer der eigenwilligsten Kulturinitiativen der Bundesrepublik. Der Bonner Galerist Johannes Wasmuth rettete das marode Gebäude vor dem Abriss und machte es zur Bühne einer interdisziplinären Künstlergemeinschaft. Die ZERO-Gruppe um Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker feierte in Rolandseck ihr Abschiedsfest, ein Ereignis, das später zur Gründungsgeschichte des heutigen Museums wurde.</p>
<p>Uecker hinterließ dem Ort zwei zentrale Werke: den performativen Film „Die Treppe&#8220; (1964), in dem er Bahnhofsvorplatz und Gebäude Nagel für Nagel erobert, und das Nagelrelief „Bett zum Aufwachen&#8220; (1965), das bis heute zur Museumssammlung gehört. Die Verbindung ist also keine kuratorische Konstruktion, sondern biografische Tatsache. Der Ort ist Teil des Werks, das Werk Teil des Ortes. Für die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE), zu der das Museum gehört, ist diese Erstwürdigung folgerichtig. Sie verzichtet auf die in der Museumslandschaft übliche Konkurrenz um den prominentesten Nachruf und nutzt stattdessen die Authentizität des Ortes.</p>
<h3>Wie verträgt sich Meiers Architektur mit Ueckers Nagelobjekten?</h3>
<p>Der Neubau Richard Meiers (geboren 1934 in Newark, New Jersey), am 28. September 2007 von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet, liegt 40 Meter über dem Bahnhof auf der Rheinhöhe. Die Gesamtkosten betrugen 25,4 Millionen Euro, finanziert durch den Bund mit 17,6 Millionen Euro aus dem Bonn/Berlin-Ausgleichsgesetz und das Land Rheinland-Pfalz mit 7,8 Millionen Euro. Für die museumsgerechte Sanierung des historischen Bahnhofsgebäudes stellte das Land zuvor 7,4 Millionen Euro bereit. Bauherr war das Land Rheinland-Pfalz, vertreten durch den Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung; die Grundsteinlegung erfolgte im Oktober 2004, das Richtfest im Oktober 2005.</p>
<p>Meier inszeniert die Wegeführung als „promenade architecturale&#8220;, als architektonischen Spaziergang in der Tradition Le Corbusiers. Vom klassizistischen Bahnhof aus durchqueren die Besucherinnen und Besucher einen ersten Korridor, passieren den fensterlosen Ausstellungspavillon der Kunstkammer Rau und treten in einen 35 Meter tief in den Berg getriebenen Tunnel mit unverkleideter Betonröhre, akzentuiert durch das Lichtobjekt „Kaa, die Schlange&#8220; von Barbara Trautmann. Am Ende des Stollens öffnet sich der Aufzugturm. Über teilverglaste Kabinen oder 230 Stufen erreicht man den weißen Neubau. Drei Ausstellungsebenen verbindet ein offenes Treppenhaus mit hängenden Treppen, das Sichtbezüge durch die gesamte Bauhöhe öffnet.</p>
<p>Für eine Uecker-Schau erzeugt dieses Setting ein produktives Spannungsfeld. Meiers konsequenter Purismus, die Reinheit der weißen Oberflächen, die orthogonale Strenge und ein Tageslichtkonzept, das nach den Prinzipien der Klassischen Moderne komponiert ist, stellen jeden eingeschlagenen Nagel als bewusste Setzung aus. Die Nagelbilder, deren Schatten je nach Sonnenstand über die Fläche wandern, brauchen genau diese Disziplin der Wand. Ueckers Sandmühlen und kinetischen Objekte wiederum profitieren von der Lichtführung des Neubaus, während die frühen Nagelreliefs im fensterlosen Kunstkammer-Pavillon einen anderen, fokussierteren Rahmen finden.</p>
<p>Die Konstellation ist regional spezifisch und überregional aufschlussreich. Rheinland-Pfalz hat mit dem Arp Museum ein Haus, das in seiner kuratorischen Praxis konsequent auf die Verschränkung von Sammlung, Ort und Wechselausstellung setzt. Der Verbleib der Sammlung Rau für UNICEF ist nach derzeitigem Stand bis 2028 gesichert; die Verhandlungen mit dem UNICEF-Komitee laufen. Die Ausstellungsplanung 2026 mit „Zu den Sternen. Weltraum und Weltflucht seit der Moderne&#8220; (ab 10. Juli) und „Sprechende Bilder&#8220; (Sammlungstausch mit dem Musée national d&#8217;archéologie, d&#8217;histoire et d&#8217;art Luxemburg) zeigt, wie das Haus seine Lage am Rhein und in der Grenzregion zwischen Deutschland, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden programmatisch nutzt.</p>
<p>Hinzu kommt eine baukulturelle Dimension, die in der überregionalen Wahrnehmung oft unterbelichtet bleibt. Der Bahnhof Rolandseck liegt am rechten Rand jenes Mittelrheinabschnitts, dessen Kernzone seit 2002 zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal zählt. Auch wenn die Welterbegrenze offiziell flussaufwärts in Bingen und Rüdesheim verläuft, gehört der klassizistische Bahnhof zur Erzählung der „Rheinischen Riviera&#8220; des 19. Jahrhunderts. Das Denkmalschutzgesetz Rheinland-Pfalz (DSchG RLP) sichert das Ensemble; die Landesbauordnung Rheinland-Pfalz (LBauO RLP) regelt die bauliche Weiterentwicklung. Meiers Neubau musste sich also nicht nur ästhetisch, sondern auch denkmalrechtlich zur Bestandssituation verhalten, ein Konflikt, der durch die Höhenverschiebung von 40 Metern und die unterirdische Anbindung über Tunnel und Aufzugturm pragmatisch gelöst wurde.</p>
<p>Für die DACH-weite Diskussion um Museumsarchitektur und Sammlungspolitik liefert Rolandseck zwei Befunde. Erstens: Die Bonn/Berlin-Ausgleichsförderung, kulturpolitisch oft als reines Verteilungsinstrument verstanden, hat in Remagen ein Haus von internationaler Sichtbarkeit ermöglicht, dessen Betrieb das Land seither trägt. Zweitens: Eine Sammlungsstrategie, die regionale Bautradition (klassizistischer Bahnhof als Zeitzeuge der Rheinromantik), internationale Spitzenarchitektur (Meier) und programmatische Tiefe (ZERO, Arp, Sammlung Rau) verbindet, lässt sich nur dort entwickeln, wo Landesregierung, Stiftung und Museumsleitung über Jahrzehnte am gleichen Strang ziehen.</p>
<p>Das hat Folgen für andere Bundesländer. Die Beispiele zeigen, dass eine einmalige Sonderfinanzierung wie der Bonn/Berlin-Ausgleich keine dauerhafte Trägerschaft ersetzt. Wer mit Bundes- oder Sondermitteln ein architektonisch ambitioniertes Haus errichtet, übernimmt eine Verpflichtung über Jahrzehnte: Betrieb, Sanierungszyklen, Sammlungsfortschreibung. Rolandseck bewältigt diese Verpflichtung, weil das Land Rheinland-Pfalz die GDKE als Trägerstruktur ausgebaut hat und das Museum innerhalb eines klaren institutionellen Rahmens operiert. Für vergleichbare Vorhaben in Sachsen, Brandenburg oder im Saarland ist das ein Argument für solide Trägerschaft jenseits einzelner Projektzyklen.</p>
<p>Ueckers Satz, das Thema seiner künstlerischen Arbeit sei die Verletzbarkeit des Menschen durch den Menschen, gewinnt in diesem Rahmen eine zusätzliche Dimension. Architektur und Werk teilen sich eine Haltung der bewussten Setzung: hier der Nagel, dort die Wand. Beide sind, jedes auf seine Weise, Ausdruck dessen, was Wallner zur Eröffnung formulierte, einer Kunst, die Menschen vereint und sich mit großer Kraft für eine offene Gemeinschaft einsetzt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Leserservice</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ausstellung </strong>Günther Uecker. Die Verletzlichkeit der Welt</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Laufzeit 8. </strong>Februar bis 14. Juni 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ort </strong>Arp Museum Bahnhof Rolandseck</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Adresse </strong>Hans-Arp-Allee 1, 53424 Remagen</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kontakt </strong>Telefon 02228 942516, <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://arpmuseum.org/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://arpmuseum.org</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Träger </strong>Land Rheinland-Pfalz, Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE)</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/verletzlichkeit-zwischen-klassizismus-und-stahlbeton-uecker-im-arp-museum/">Verletzlichkeit zwischen Klassizismus und Stahlbeton: Uecker im Arp Museum</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Richtkrone über dem Weissenhof: Wie Stuttgart die Moderne ins Heute übersetzt</title>
		<link>https://baukunst.art/richtkrone-ueber-dem-weissenhof-wie-stuttgart-die-moderne-ins-heute-uebersetzt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 May 2026 17:29:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[IBA'27]]></category>
		<category><![CDATA[Lehmbau]]></category>
		<category><![CDATA[Weissenhofsiedlung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Richtfest am 8. Mai 2026: Stuttgarts neues Weissenhof.Forum erreicht den Rohbau, ein Lehmbau für das Welterbe der Moderne und Schlüsselprojekt der IBA’27.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/richtkrone-ueber-dem-weissenhof-wie-stuttgart-die-moderne-ins-heute-uebersetzt/">Richtkrone über dem Weissenhof: Wie Stuttgart die Moderne ins Heute übersetzt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | REGIONALES |  Baden-Württemberg / Stuttgart | Mai 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wie ein Lehmbau die Moderne von 1927 in die Zukunft trägt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Weissenhof.Forum ist das neue Besucher- und Informationszentrum der Stuttgarter Weissenhofsiedlung und ein zentrales Projekt der Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA’27). Mit dem Richtfest am 8. Mai 2026 hat der Rohbau dieses 1.450 Quadratmeter großen Lehmbaus aus drei zweigeschossigen Volumen einen sichtbaren Meilenstein erreicht. Auftraggeberin ist die Landeshauptstadt Stuttgart, die Planung liegt bei Barkow Leibinger Gesellschaft von Architekten mbH (Berlin), die Ausführung verantwortet die Zech Hochbau AG.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Weissenhofsiedlung von 1927 zählt zu den Inkunabeln der klassischen Moderne. Initiiert vom Deutschen Werkbund und kuratiert von Ludwig Mies van der Rohe, versammelte sie 17 Architekten der europäischen Avantgarde, darunter Le Corbusier, Walter Gropius, Hans Scharoun und J. J. P. Oud. Seit 2016 sind das Doppelhaus und das Einfamilienhaus Le Corbusiers Teil des seriellen UNESCO-Welterbes „Das architektonische Werk von Le Corbusier, ein herausragender Beitrag zur Moderne“. Das gesamte Ensemble steht nach dem Denkmalschutzgesetz Baden-Württemberg (DSchG BW) unter Schutz. Mit Zehntausenden Gästen aus aller Welt geriet das fragile Welterbe an seine Belastungsgrenze, ohne räumliches Pendant für Empfang, Vermittlung und Pufferzone.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum braucht die Weissenhofsiedlung ein eigenes Empfangsgebäude?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort der Stadt Stuttgart ist ein zweistufiges Verfahren, das überregionale Maßstäbe setzt. 2022 entschied ein internationaler offener städtebaulicher Ideenwettbewerb nach den Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW 2013) zugunsten der Stuttgarter Arbeitsgemeinschaft Schmutz und Partner mit Scala und Pfrommer und Roeder. 2023 folgte ein europaweites Generalunternehmerverfahren nach Vergabeverordnung (VgV), aus dem die Berliner Barkow Leibinger Gesellschaft von Architekten mbH gemeinsam mit der Zech Hochbau AG als Sieger hervorging. Begleitet wird das Vorhaben vom Verein Freunde der Weissenhofsiedlung e.V., der das Haus später betreibt, sowie von der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, deren Campus unmittelbar angrenzt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bürgermeister Peter Pätzold würdigte beim Festakt am 8. Mai 2026 den Rohbauabschluss als sichtbaren Fortschritt eines der zentralen Projekte der IBA’27. Felix Kenner, Niederlassungsleiter Stuttgart der Zech Hochbau AG, berichtete von einem Bauablauf im Zeitplan, in der gegenwärtigen Marktlage ein nicht selbstverständlicher Befund. Der Spatenstich war am 23. Juli 2025 erfolgt; die Eröffnung ist pünktlich zum Beginn des IBA’27-Ausstellungsjahres geplant. Damit greift das Projekt eine Stuttgarter Eigenheit auf: die enge Verzahnung städtischer Hochbauverwaltung mit zivilgesellschaftlichen Trägern und Hochschulen, die regional als baukulturelle Konstante gelten kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die Förderkonstellation. Die IBA’27 GmbH, deren Mitgesellschafter unter anderem die Architektenkammer Baden-Württemberg (AKBW), die Stadt Stuttgart, die Universität Stuttgart und der Verband Region Stuttgart sind, vernetzt das Projekt mit einem regionalen Innovationsraum. Hauptförderer ist das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg gemeinsam mit der Bundesstiftung Baukultur und privaten Sponsoren. Diese Konstellation ist nicht nur regionale Folklore, sondern ein in Deutschland selten gewordenes Beispiel dafür, wie Land, Kommune, Kammer und Hochschule ein Bauwerk gemeinsam tragen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vorausgegangen war ein langer zivilgesellschaftlicher Atem. Bereits seit den 1980er Jahren bemühen sich die Freunde der Weissenhofsiedlung um eine angemessene Vermittlungsarchitektur, nachdem das Quartier in der Nachkriegszeit teilweise verloren und in den 1980er Jahren mit dem Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier nur fragmentarisch erschlossen worden war. Erst die Kombination aus Weltkulturerbe-Verleihung 2016 und IBA’27-Bewerbung schuf das politische Momentum, das ein eigenständiges Empfangsgebäude finanzierbar und planungsrechtlich nach Baugesetzbuch (BauGB) durchsetzbar machte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was sagt der Lehmbau über die Bauwende in Baden-Württemberg aus?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Entwurf von Barkow Leibinger besteht aus drei unterschiedlich großen, zweigeschossigen Baukoerpern aus Lehmmauerwerk, die eine Strukturglas-Haut mit fassadenintegrierter Photovoltaik (BIPV) zu einem Ensemble verbindet. Empfang und Café öffnen sich mit raumhohen Verglasungen zum Stadtraum, während die flexibel nutzbaren Ausstellungsflächen gezielte Ausblicke zur Beamtensiedlung und zum Akademie-Campus inszenieren. Lehm als Baustoff wird in Baden-Württemberg über die Anforderungen der Landesbauordnung (LBO BW) und des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) hinaus bauphysikalisch privilegiert: feuchteregulierend, sorptionsfähig, weitgehend rückbaubar. Die Bauteile werden gemäß DIN 276 und DIN 277 dokumentiert; die Fassade folgt der Logik kreislauffähiger Konstruktion.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Damit übernimmt das Weissenhof.Forum eine doppelte Symbolfunktion. Erstens stellt es die programmatische Kernfrage von 1927, das Wohnen für den modernen Großstadtmenschen, neu, und zwar als Frage nach Materialien, Energie und Rückbaubarkeit. Zweitens verbindet es die regionale Tradition baden-württembergischer Baukultur, die zwischen Werkbund, Hochschulbau und Industrieingenieurkunst pendelt, mit aktuellen Anforderungen aus GEG, EU-Taxonomie und Klimaschutzgesetz Baden-Württemberg. Die AKBW sieht im Vorhaben einen Vorzeigefall für vergaberechtlich sauber abgewickelte und gestalterisch ambitionierte öffentliche Hochbauten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bauphysikalisch arbeitet das Forum mit einem Materialsystem, das die einschlägigen Lehmbau-Normen DIN 18945 (Lehmsteine), DIN 18946 (Lehmmauermörtel) und DIN 18948 (Lehmplatten) konsequent ausreizt. Die fassadenintegrierte Photovoltaik (BIPV) reagiert auf die ab 2027 EU-weit greifenden Anforderungen aus der Solarpflicht und der Energy Performance of Buildings Directive (EPBD), wie sie auch § 8a der Landesbauordnung Baden-Württemberg bereits vorzeichnet. Ein Lüftungs- und Heizkonzept mit reduzierter Anlagentechnik hält den primärenergetischen Aufwand niedrig; die Tragwerksplanung von wh-p verzichtet auf Verbundkonstruktionen, um die Rückbaubarkeit der Bauteile zu sichern. So wird das Forum zum Reallabor für die Frage, ob Welterbe und Bauwende sich nicht nur dulden, sondern wechselseitig stärken können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Inneren übernimmt das Atelier Markgraph aus Frankfurt am Main die Szenografie. Der 2024 entschiedene Einladungswettbewerb „Weissenhof 1927 | 2027+ Moderne erleben“ zielt auf ein durchgängiges Vermittlungskonzept zwischen Forum, Wegen durch die Siedlung und dem Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier. Damit wird ein bislang punktuelles Angebot zu einem zusammenhängenden kuratorischen Pfad, der den fragilen Bestand entlastet und zugleich neu lesbar macht. Bereits auf der Architekturbiennale Venedig 2025 war der Entwurf international präsentiert worden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die deutsche IBA-Tradition, von Berlin 1957 über die Hamburger IBA bis zur laufenden IBA Thüringen und der vorbereitenden IBA’34-37 Berlin, ist das Stuttgarter Vorhaben bemerkenswert, weil es nicht ein neues Quartier, sondern ein altes Welterbe zukunftsfähig macht. Das Weissenhof.Forum zeigt, wie regionale Akteurinnen und Akteure, Stadt, Verein, Hochschule, Land, ein Bauwerk realisieren, das Maßstäbe für Bestandsentwicklung, Vergabekultur und Materialwende zugleich setzt. Wenn das Forum 2027 öffnet, wird es nicht nur Empfangshalle der Weissenhofsiedlung sein, sondern auch eine bauliche Antwort auf die Frage, wie die Bundesrepublik mit ihrem Erbe der Moderne umgeht. Stuttgart hat diese Antwort vorgelegt, in Lehm, Glas und mit einem Richtfest am 8. Mai 2026.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Leserinformation</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Weiterführende Quellen zum Projekt und zur aktuellen Medieninformation:</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>→  </strong>Projektseite Weissenhof.Forum (IBA’27): <a href="https://www.iba27.de/projekt/weissenhof-2027/" target="_blank" rel="noopener">https://www.iba27.de/projekt/weissenhof-2027/</a></p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>→  </strong>UNESCO-Welterbe Le Corbusier (Eintragung 2016): <a href="https://whc.unesco.org/en/list/1321" target="_blank" rel="noopener">https://whc.unesco.org/en/list/1321</a></p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>→  </strong>Verein Freunde der Weissenhofsiedlung e.V.: <a href="https://www.weissenhofmuseum.de/" target="_blank" rel="noopener">https://www.weissenhofmuseum.de/</a></p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>→  </strong>Architekturbüro Barkow Leibinger: <a href="https://barkowleibinger.com/" target="_blank" rel="noopener">https://barkowleibinger.com/</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/richtkrone-ueber-dem-weissenhof-wie-stuttgart-die-moderne-ins-heute-uebersetzt/">Richtkrone über dem Weissenhof: Wie Stuttgart die Moderne ins Heute übersetzt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Altes Finanzamt Saarbrücken: Warum die Konzeptvergabe an ihre Grenzen stößt</title>
		<link>https://baukunst.art/altes-finanzamt-saarbruecken-warum-die-konzeptvergabe-an-ihre-grenzen-stoesst/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2026 15:01:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Konzeptvergabe]]></category>
		<category><![CDATA[Nachkriegsmoderne]]></category>
		<category><![CDATA[Saarbrücken]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Saarbrückens Altes Finanzamt bleibt stehen. Wandel Lorch Götze Wach sanieren den Bau von 1952. Die Architektenkammer begrüßt das Ergebnis und kritisiert den Weg dorthin.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/altes-finanzamt-saarbruecken-warum-die-konzeptvergabe-an-ihre-grenzen-stoesst/">Altes Finanzamt Saarbrücken: Warum die Konzeptvergabe an ihre Grenzen stößt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  |  REGIONALES | <strong>Saarbrücken</strong> | April 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Saarbrücken rettet sein altes Finanzamt, beinahe zufällig</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Konzeptvergabe bezeichnet ein Verkaufsverfahren, bei dem öffentliche Grundstückseigentümer eine Immobilie nicht nach Höchstgebot, sondern nach der Qualität des eingereichten Nutzungskonzepts an einen Investor vergeben. Im Januar 2026 hat das Finanzministerium des Saarlandes auf diesem Weg über die Zukunft des Alten Finanzamts in der Saarbrücker Innenstadt entschieden: Den Zuschlag erhielt das Konzept „Le 52“ der Peter Gross Bau GmbH gemeinsam mit der Creva GmbH, Wandel Lorch Götze Wach Architekten und dem Landschaftsarchitekturbüro HDK Dutt &amp; Kist. Der Entwurf sieht die denkmalgerechte Sanierung des 1952 errichteten Gebäudes vor, dessen Baujahr den Namen des Konzepts erklärt. Die Architektenkammer des Saarlandes begrüßt das Ergebnis, kritisiert aber in ihrer Pressemitteilung vom 5. Februar 2026 das gewählte Verfahren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Alte Finanzamt steht in zentraler Lage, unweit des Saarbrücker Schlosses, und soll künftig einen Nutzungsmix aus Büroflächen, Gastronomie und Dienstleistungen aufnehmen. Oberbürgermeister Uwe Conradt hob im Saarländischen Rundfunk die geplante Terrasse mit Blick über die Saar zum Schloss hervor, die den rückwärtigen Gebäudebereich beleben und begrünen soll. Finanzminister Jakob von Weizsäcker wertet das Projekt als Stärkung des Wirtschaftsstandorts Saarbrücken. Simon Matzerath, Leiter des Landesdenkmalamtes, bezeichnete die Entscheidung als Erfolg im Sinne des Allgemeinwohls. Die Jury sprach sich einstimmig für „Le 52“ aus. Im Bieterverfahren unterlag unter anderem die Victor’s Gruppe, deren Konzept den Abriss des Bestandsgebäudes und einen Hotelneubau vorsah.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass überhaupt Sanierungskonzepte möglich waren, verdankt sich einer Korrektur der zweiten Ausschreibung. Die erste Konzeptvergabe 2024/2025 war gescheitert, weil der einzige verbliebene Bieter aus wirtschaftlichen Gründen absprang. Die CDU-Fraktion des Saarländischen Landtags kommentierte dies durch ihre stellvertretende Vorsitzende Jutta Schmitt-Lang mit der Anmerkung, der nun eingeschlagene offene Weg mit angemessener Berücksichtigung des Denkmalschutzes hätte von Anfang an gewählt werden können. Die Saar-Grünen begrüßten die Entscheidung, mahnten aber Nachholbedarf bei der Beteiligung der Öffentlichkeit an.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Gebäude selbst ist ein charakteristischer Vertreter der bundesdeutschen Nachkriegsverwaltungsbauten der frühen fünfziger Jahre. Die äußere Gestalt mit ihrer zurückhaltenden Rasterfassade soll nach dem Entwurf weitgehend erhalten und behutsam modernisiert werden. Die stadträumliche Lage zwischen Altstadt und Saar verleiht dem Bauwerk eine Funktion, die über den reinen Nutzwert hinausreicht: Das Gebäude hält eine Blockkante und markiert den Übergang zum Flussraum. Ein Abriss hätte nicht nur den Verlust eines Zeitzeugen bedeutet, sondern eine Zäsur in der gewachsenen Stadtstruktur. Diese Abwägung gehört in ein Verfahren, in dem sie transparent erfolgen kann, nicht in die Angebotskalkulation eines Einzelinvestors.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was unterscheidet eine Konzeptvergabe vom Ideenwettbewerb?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenkammer des Saarlandes hat wiederholt einen interdisziplinären Ideenwettbewerb mit nachgeschalteter Konzeptvergabe gefordert. Dahinter steht eine klare rechtliche und fachliche Differenzierung. Planungswettbewerbe sind in den Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW 2013) der Bundesarchitektenkammer geregelt und folgen bei öffentlichen Auftraggebern zusätzlich den §§ 78 ff. der Verordnung über die Vergabe öffentlicher Aufträge (VgV). Sie erzeugen Konkurrenz auf der Ebene der Idee, unter gleichen Rahmenbedingungen für alle Teilnehmenden und mit anonymer Beurteilung durch ein fachkompetent besetztes Preisgericht. Der Auftrag zur Weiterbearbeitung folgt auf Grundlage der HOAI.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Konzeptvergabe hingegen ist ein grundstücksbezogenes Verkaufsverfahren der öffentlichen Hand, rechtlich eingebettet in Haushalts- und Liegenschaftsrecht, nicht in Vergaberecht im engeren Sinne. Sie richtet sich primär an Investorinnen und Investoren, die jeweils eigene Planungsbüros beauftragen. Der Entwurfswettbewerb findet, wenn überhaupt, zwischen den Angeboten unterschiedlicher Investorenteams statt, nicht zwischen Entwürfen gleichberechtigt eingeladener Büros. Jens Stahnke, Präsident der Architektenkammer des Saarlandes, argumentiert, dass dieses Verfahren die Kreativität und Freiheit eines Ideenwettbewerbs nicht entfalten könne. Er verweist darauf, dass gerade die erste gescheiterte Konzeptvergabe den oft zitierten Zeitgewinn widerlegt: Statt einer Beschleunigung ergab sich eine Verzögerung um beinahe ein Jahr.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Kritik ist nicht neu. Die Bundesarchitektenkammer und die Bundesstiftung Baukultur weisen seit Jahren darauf hin, dass die methodische Trennung von Ideenfindung und Investorenauswahl überlegene Ergebnisse liefert. Der Baukulturbericht 2020/21 „Öffentliche Räume“ hatte bereits die Zurückhaltung öffentlicher Auftraggeber bei Planungswettbewerben als strukturelles Problem der deutschen Verfahrenskultur benannt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Folgen hat das Verfahren für die Baukultur?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall des Alten Finanzamts zeigt die Risiken exemplarisch. Die erste Konzeptvergabe hatte Abriss und Neubau nicht ausgeschlossen. Erst in der zweiten Runde wurde der Erhalt als gleichwertige Option ausgeschrieben. Mit anderen Worten: Hätte sich in der ersten Runde ein Investor mit einem Abrisskonzept durchgesetzt, wäre ein bauzeitlich bedeutender Solitär der Saarbrücker Nachkriegsmoderne im Stadtkern verloren gegangen. Dass dies nicht geschah, ist kein Verdienst des Verfahrens, sondern Folge der gescheiterten Bieterlage.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stahnke formuliert die strukturelle Kritik klar: Ein geeigneter Investor und sein interdisziplinäres Team seien zur Stelle gewesen, der Ausgang könne sich als glückliche Fügung erweisen, auf sein Glück könne man sich jedoch nicht immer verlassen. Hinter dieser Formulierung steht ein grundsätzliches Argument: Baukulturelle Qualität entsteht in Verfahren, die sie methodisch absichern. Der Planungswettbewerb nach RPW 2013 ist ein solches Verfahren. Die Konzeptvergabe ohne vorgeschaltete Ideenfindung ist es nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch das Saarländische Denkmalschutzgesetz (SDSchG) spielt hier eine Rolle. Das Gebäude ist als Einzeldenkmal in der Denkmalliste des Saarlandes geführt. Der Bestandsschutz war formal gegeben, praktisch jedoch im ersten Verfahren zur Disposition gestellt. Eine denkmalpflegerisch konsistente Praxis würde den Denkmalwert als Ausgangspunkt fixieren und die Planung daran ausrichten. Genau dies leistet ein Ideenwettbewerb unter Beteiligung der Unteren Denkmalschutzbehörde und des Landesdenkmalamtes.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Saarbrücker Fall steht nicht isoliert. Vergleichbare Debatten um Konzeptvergaben zeichnen sich auch in anderen Bundesländern ab, etwa bei innerstädtischen Nachnutzungen in Hamburg, Köln oder Leipzig. Die SAGA-Liegenschaften in Hamburg oder die Entwicklung ehemaliger Postareale in mehreren Großstädten haben gezeigt, dass reine Investorenverfahren in Lagen mit hohem stadträumlichem Anspruch an Grenzen stoßen. Die Initiative HouseEurope!, die 2025 auch im Saarland Resonanz fand, fordert darüber hinaus eine europaweite Stärkung des Weiterbauens gegenüber dem Abriss. Vor diesem Hintergrund ist die Haltung der Architektenkammer des Saarlandes weniger ein regionaler Einwand als ein Beitrag zu einer bundesweiten Diskussion über die Methodik öffentlicher Vergabeverfahren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Projektbeteiligten beginnt nun die Umsetzungsphase. Wandel Lorch Götze Wach Architekten bringen Erfahrung aus mehreren anspruchsvollen Konversionen mit, HDK Dutt &amp; Kist verantworten die Freiraumplanung einschließlich der Saarterrasse. Die Architektenkammer wünscht dem Projekt eine erfolgreiche Umsetzung und betrachtet das Ergebnis als Bereicherung für die Saarbrücker Innenstadt. Die übergeordnete Frage bleibt: Sollen Konzeptvergaben ohne vorgeschalteten Wettbewerb zum Regelverfahren kommunaler und staatlicher Projektentwicklung werden? Das Saarland hat mit dem Fall „Le 52“ unfreiwillig eine Antwort geliefert: Zweimal ausschreiben, einmal nachjustieren, einmal Glück haben. Ein belastbares Verfahren sieht anders aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/altes-finanzamt-saarbruecken-warum-die-konzeptvergabe-an-ihre-grenzen-stoesst/">Altes Finanzamt Saarbrücken: Warum die Konzeptvergabe an ihre Grenzen stößt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Energiepläne bis 2040: Mainz setzt auf Fernwärme und Wärmepumpen</title>
		<link>https://baukunst.art/energieplaene-bis-2040-mainz-setzt-auf-fernwaerme-und-waermepumpen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2026 14:42:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[BauGB]]></category>
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		<category><![CDATA[GEG]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunale Wärmeplanung]]></category>
		<category><![CDATA[KSG]]></category>
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		<category><![CDATA[Mainzer Stadtwerke]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mainz übersetzt die Wärmewende in eine Karte: Fernwärme-Vorranggebiete in der Innenstadt, Wärmepumpen in Ortsrandlagen. Der Entwurf liegt seit März 2026 zur Diskussion aus.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/energieplaene-bis-2040-mainz-setzt-auf-fernwaerme-und-waermepumpen/">Energiepläne bis 2040: Mainz setzt auf Fernwärme und Wärmepumpen</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  |  REGIONALES | <strong>Mainz</strong> | April 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Mainz zeigt, wie die Wärmewende in der Praxis aussehen kann</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die kommunale Wärmeplanung der Landeshauptstadt Mainz definiert einen Zweiklang aus ausgebautem Fernwärmenetz und elektrischen Wärmepumpen als Grundgerüst der Wärmeversorgung bis 2040. Der Entwurf des Wärmeplans wurde am 11. März 2026 im zweiten Bürgerforum in der Rheingoldhalle vorgestellt und lag bis zum 27. März 2026 öffentlich zur Stellungnahme aus. Rechtsgrundlage ist das bundesweite Wärmeplanungsgesetz (WPG), das seit dem 1. Januar 2024 in Kraft ist und den 30. Juni 2026 als spätesten Abgabetermin für Großstädte festlegt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausgangslage beschreibt die Bestandsanalyse der Stadt mit bemerkenswerter Klarheit. Auf das Erdgas entfallen 75 Prozent des Endenergieverbrauchs im Wärmesektor, auf das Heizöl drei Prozent. Nah- und Fernwärme erreichen einen Anteil von 20 Prozent, Biomasse und Wärmepumpen jeweils rund ein Prozent. Der Wohnsektor verantwortet 62 Prozent des städtischen Wärmeverbrauchs, Gewerbe und Industrie zusammen 28 Prozent, öffentliche Gebäude elf Prozent. Von den mehr als 40 000 Gebäuden im Stadtgebiet sind aktuell rund 3 000 an die Fernwärme angeschlossen. Mehrere zehntausend Haushalte beheizen ihre Wohnungen und Betriebe weiterhin mit Erdgas oder Heizöl. Die Transformation dieser Bestandsstruktur ist die eigentliche Aufgabe der Wärmewende.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wo soll in Mainz künftig mit Fernwärme geheizt werden?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die räumliche Differenzierung folgt dem Wärmemasterplan 2.0, den die GEF Ingenieur AG im Juli 2023 im Auftrag der Mainzer Stadtwerke AG und der Stadt Mainz erstellt hat. Das Stadtgebiet wurde in 35 Einzelgebiete und fünf Versorgungskategorien gegliedert, von Fernwärme-Vorranggebieten über Fernwärme-Eignungsgebiete bis hin zu Arealen der ausschließlich dezentralen Versorgung. Sieben Fernwärme-Vorranggebiete bilden das Rückgrat der künftigen Wärmeversorgung, darunter die Altstadt, die Neustadt, Teile der Oberstadt und der Universitätscampus. Hier sprechen hohe Wärmedichten, dichte Blockbebauung und der ohnehin anstehende Erneuerungsbedarf des Gasnetzes für einen flächendeckenden Anschluss. Das vorhandene Netz der Mainzer Fernwärme GmbH verfügt bereits über mehr als 100 Kilometer Länge und versorgt rund 1 000 größere Liegenschaften, unter ihnen der Mainzer Dom, die Johannes Gutenberg-Universität, die Universitätsmedizin, das Stadion des 1. FSV Mainz 05 und mehrere Landesministerien. Das gewachsene Netz ist kein Laborexperiment, sondern eine belastbare Infrastruktur mit ausbaufähigem Rückgrat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Anteil erneuerbarer Energien in der Mainzer Fernwärme liegt aktuell bei rund 30 Prozent und erfüllt damit bereits heute die Quote, die das Wärmeplanungsgesetz erst ab 2030 verbindlich vorschreibt. Bis 2045 muss der Anteil auf 100 Prozent steigen. Für das Zwischenjahr 2040 fordert das Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) eine Minderung der Treibhausgasemissionen um 88 Prozent gegenüber 1990. Als neue Wärmequellen prüfen die Stadtwerke die Abwärme der Kläranlage, die Abwärme der Müllverbrennungsanlage und Flusswasser aus dem Rhein. Industrieabwärme und Rechenzentren könnten künftig über Großwärmepumpen in das Netz einspeisen. In den Vorranggebieten erwägt die Stadt einen Anschluss- und Benutzungszwang nach § 109 der rheinland-pfälzischen Gemeindeordnung, der Eigentümerinnen und Eigentümern eine konkrete Anschlussverpflichtung auferlegen würde.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Rolle übernehmen Wärmepumpen außerhalb der Vorranggebiete?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Ein- und Zweifamilienhausgebiete an der Peripherie, etwa in Laubenheim, Hechtsheim, Drais oder Marienborn, empfehlen die Gutachter den Einsatz elektrischer Wärmepumpen, ergänzt durch dezentrale Photovoltaikanlagen und Wärmespeicher. Luftwärmepumpen rangieren im Gesamtranking der GEF Ingenieur AG direkt hinter der Fernwärme, gefolgt von Erdwärmepumpen, Holzpelletkesseln und H2-ready Gaskesseln. Reine Erdgaskessel und Ölheizungen erfüllen die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) bei einem Heizungstausch nicht mehr. Aktuell sind im Stadtgebiet mehr als 700 Wärmepumpen installiert. Die Mainzer Netze GmbH rechnet mittelfristig mit mehreren zehntausend zusätzlichen Anlagen und orientiert ihren Stromnetzausbau bereits am Wärmemasterplan 2.0. Zusätzliche Trafostationen werden vorrangig in den dezentral zu versorgenden Gebieten errichtet, da der Leistungsausbau im 110-kV-Netz fünf bis zehn Jahre Vorlauf benötigt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die rechtliche Situation bleibt vielschichtig. Die Anschlusspflicht der Mainzer Netze GmbH für Wärmepumpen gilt zunächst auch innerhalb der Fernwärme-Vorranggebiete, solange die kommunale Wärmeplanung keine abweichende Regelung trifft. Das GEG verpflichtet Eigentümerinnen und Eigentümer bei einem Heizungstausch zur Deckung von mindestens 65 Prozent des Wärmebedarfs aus erneuerbaren Energien. Bauherren in den Fernwärme-Eignungsgebieten stehen damit vor einer Entscheidung, die der Wärmeplan vorstrukturiert, aber nicht erzwingt. Der Plan ist nach § 3 WPG ein strategisches Instrument, kein Umsetzungsbefehl. Für Gebäudeeigentümer entstehen aus der Einstufung eines Gebiets keine unmittelbaren Verpflichtungen. Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) betont, die Zuordnung lasse Ausnahmen zu und sei nicht straßenscharf gedacht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kosten der Transformation sind beträchtlich. Die Erstellung des Wärmeplans selbst kostet die Stadt rund 500 000 Euro, je zur Hälfte für die eigentliche Planung und für begleitende Maßnahmen wie Machbarkeitsstudien für Nahwärmenetze, Öffentlichkeitsbeteiligung und Fachveranstaltungen. Die eigentlichen Investitionen für Netzausbau, Erzeugung und Gebäudesanierung werden nach Einschätzung der Mainzer Stadtwerke AG mehrere hundert Millionen Euro erreichen. Vorstandsmitglied Kerstin Stumpf verweist auf den zusätzlichen Personalbedarf im Handwerk und in der Versorgungswirtschaft und mahnt sozialverträgliche Umsetzungspfade an, für die politische Flankierung nötig sei. Vorstandsvorsitzender Daniel Gahr konkretisiert die Wärmestrategie parallel zur kommunalen Wärmeplanung, einschließlich des Fernwärmeausbaus und des Stromnetzausbaus für den erwarteten Zubau an Wärmepumpen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Beteiligung der Öffentlichkeit ist bewusst breit angelegt. Ortsbeiratsveranstaltungen im September und November 2025 bereiteten das Terrain, ein erstes Bürgerforum fand am 2. Oktober 2025 statt, das zweite Bürgerforum mit Vorstellung des Entwurfs am 11. März 2026 in der Rheingoldhalle. Vom 2. bis zum 27. März 2026 konnten Bürgerinnen und Bürger den Entwurf des Wärmeplans im Umweltladen in der Steingasse einsehen und über die digitale Plattform Senf Stellungnahmen einbringen. Diese Verfahrensarchitektur unterscheidet sich von dem, was das WPG mindestens vorschreibt, und ist eher eine bewusste planungskulturelle Entscheidung. Sie erhöht die Akzeptanz und liefert gleichzeitig lokalspezifische Informationen, etwa zu Sanierungsvorhaben oder zur Bereitschaft einzelner Eigentümergemeinschaften für einen Fernwärmeanschluss.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mainz nutzt die Wärmeplanung als Scharnier zwischen Bundesrecht und örtlicher Planungskultur. Der Masterplan 100 % Klimaschutz (Stadtratsbeschluss 1423/2022) bindet die Wärmewende an das übergeordnete Ziel einer Klimaneutralität bis spätestens 2050, idealerweise bereits 2035. Die Szenarien des Wärmeplans adressieren genau diesen Zielkorridor mit Zwischenjahren 2030 und 2040. Ob das ambitionierte Zieljahr 2035 erreichbar bleibt, hängt weniger am Plan selbst als an der Geschwindigkeit des Netzausbaus, an der künftigen Rolle der Mainzer Netze GmbH beim Weiterbetrieb der Gasleitungen und an der Frage, wie viele Eigentümerinnen und Eigentümer den empfohlenen Technologiepfad tatsächlich einschlagen. Hinzu kommt der Faktor der Bauleitplanung: Über § 9 BauGB lassen sich in neuen Bebauungsplänen Festsetzungen zugunsten klimafreundlicher Wärmeversorgung treffen, vom Anschluss an ein Wärmenetz bis zur Solarpflicht. Für andere Kommunen im Rhein-Main-Gebiet liefert die Landeshauptstadt Mainz damit einen Referenzfall mit belastbaren Zahlen, einer räumlich präzisen Strategie und einer öffentlichen Beteiligung, die sich nicht auf die Pflichtformate des WPG beschränkt.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Ein Vermächtnis aus Stahl und Klang: Das Doshi Retreat auf dem Vitra Campus</title>
		<link>https://baukunst.art/ein-vermaechtnis-aus-stahl-und-klang-das-doshi-retreat-auf-dem-vitra-campus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 10:40:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Balkrishna Doshi]]></category>
		<category><![CDATA[itra Campus]]></category>
		<category><![CDATA[Kontemplationsarchitektur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein spiralförmiger Pfad aus verwittertem Stahl taucht in den Boden des Vitra Campus ab und führt Besucherinnen und Besucher in einen Raum, den man nicht betritt, sondern erst langsam erreicht.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/ein-vermaechtnis-aus-stahl-und-klang-das-doshi-retreat-auf-dem-vitra-campus/">Ein Vermächtnis aus Stahl und Klang: Das Doshi Retreat auf dem Vitra Campus</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gegen den Lärm: Ein Ort zum Zuhörenlernen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das <strong><a href="https://www.vitra.com/de-de/campus/news/details/doshi-retreat?srsltid=AfmBOor6SkfHS5HJvXp6YY5Nz_O8BqH55UL3TV7_PmaTr59AksAm9USn" target="_blank" rel="noopener">Doshi Retreat</a></strong> ist ein in Weil am Rhein vollendetes Kontemplationsbauwerk, das indische Spiritualität, materialgebundene Architektur und akustische Raumgestaltung zu einer einzigartigen sinnlichen Erfahrung verdichtet. Entstanden auf dem Vitra Campus unmittelbar neben dem Konferenzpavillon von Tadao Ando, eröffnet es eine neue Dimension in der Entwicklung dieses außergewöhnlichen Industrieparks zur öffentlichen Kulturstätte. Am 25. Oktober 2025 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, ist es zugleich das erste Gebäude des Pritzker-Preisträgers Balkrishna Doshi (1927 bis 2023) außerhalb Indiens und das letzte, das er vor seinem Tod konzipierte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Geschichte des Projekts beginnt mit einem Besuch. Rolf Fehlbaum, Ehrenpräsident von Vitra und jahrzehntelanger Weggefährte Doshis, reiste nach Indien und besichtigte den Modhera Sonnentempel in Gujarat. Ein Foto eines kleinen Schreins auf dem Tempelgelände zeigte er Doshi mit der Bitte, auf dem Campus einen Ort der Stille zu schaffen. Aus diesem Dialog entstand zunächst eine Skizze und dann, über Jahre der Zusammenarbeit, ein Bauwerk. Doshi, der unter Le Corbusier in Chandigarh und Louis Kahn in Ahmedabad ausgebildet wurde, hatte die Architektur stets als Reise begriffen, nicht als Destination. Dieser Gedanke durchzieht das Doshi Retreat in jeder Einzelheit.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie entsteht Architektur aus einem Traum?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den konzeptuellen Ausgangspunkt bildete ein Traum, den Doshi seiner Enkelin Khushnu Panthaki Hoof schilderte: zwei ineinander verschlungene Kobras. Diese Vision lieferte das geometrische Prinzip, das das Retreat bis in seine Materialisierung prägt. Zwei geschwungene Pfade winden sich spiralförmig ineinander, steigen sanft unter das Gelände ab und kreuzen sich, bevor sie in einer zentralen Halle enden. Das strukturgebende Bild verweist auf das Konzept der Kundalini, jene im Sanskrit als gerollt oder spiralförmig bezeichnete latente Energie an der Basis der Wirbelsäule, deren Aufstieg durch die Chakren in Yoga- und Tantra-Tradition als spirituelle Transformation gilt. Die Architektur wird zum Medium dieser Erfahrung; der Weg durch das Retreat wird zur körperlichen und geistigen Reise.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ausgeführt wurde das Projekt durch Studio Sangath in Ahmedabad, das Khushnu Panthaki Hoof gemeinsam mit ihrem Partner Sönke Hoof leitet. Nachdem Doshi 2023 verstarb, führte das Studio die Ausführungsplanung in engem Dialog mit seiner ursprünglichen Vision fort. Die Tragwerksplanung übernahm das Ingenieurbüro Bollinger und Grohmann (Jan Knippers), die Lichtkonzeption das Studio Licht kunst Licht, die Akustikberatung das niederländische The Works Research Institute B.V. Auftraggeber ist Rolf Fehlbaum persönlich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Hüllflächen des Retreats bestehen aus X-Carb-Stahl von ArcelorMittal, einem rezyklierten Werkstoff, der mit erneuerbaren Energien produziert wird. Die Wahl dieses Materials ist programmatisch: Der sich mit fortschreitender Bewitterung tieforange färbende Stahl verbindet das Bauwerk mit dem Erdreich, in das es sich eingräbt, und verleiht ihm eine zeitliche Dimension. Das Doshi Retreat altert sichtbar und wird dadurch Teil der Landschaft. Diese materialbasierte Ehrlichkeit korrespondiert mit dem Erbe des brutalistischen Diskurses, dem Doshi in seiner frühen Schaffensphase angehörte, ohne sich jemals darauf zu beschränken.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was leistet Klang als architektonisches Element?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Doshi Retreat ist Klang keine atmosphärische Beigabe, sondern tragendes Entwurfselement. In den Boden eingelassene Lautsprecher senden wechselnde Sequenzen von Gong- und Keramikflötenklägen entlang der Wegeführung. Die Klänge werden nicht laut abgespielt, sondern vibrieren durch den Beton und den Stahl in den Körper der Begehenden. Khushnu Panthaki Hoof beschreibt diesen Effekt präzise: Es ist der Klang, der durch den Körper resoniert und die Grenze zwischen dem Selbst und der Struktur aufhebt. Diese Formulierung ist keine poetische Metapher, sondern eine räumlich erfahrbare Qualität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Ende beider Pfade öffnet sich ein kreisförmiger Kontemplationsraum. Zwei halbrunde Steinbänke laden zum Verweilen ein. Ein Gong steht frei im Raum. Die Decke trägt ein handgetriebenes Mandala aus Messing, das in Indien gefertigt wurde und durch eine Öffnung im Scheitel natürliches Licht empfängt. Dieses Licht wird in schimmernde Goldreflexe gebrochen und erfüllt den Raum mit einer stillen, wandelnden Leuchtkraft. Ein schmaler Ring aus Regenwasser am Boden der Kammer vervollständigt den sensorischen Kreislauf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Vitra Campus ist ein einzigartiges Feld architektonischer Einzelleistungen im deutschen Südwesten, unmittelbar an der Grenze zu Basel. Frank Gehry, Zaha Hadid, Herzog und de Meuron, Álvaro Siza und Tadao Ando haben hier gebaut; das Werksgelände des Möbelunternehmens ist zur öffentlich zugänglichen Lektion in zeitgenössischer Architekturgeschichte geworden. Das Doshi Retreat fügt dieser Kollektion eine Stimme hinzu, die fundamental anders klingt. Während die genannten Bauwerke ihre Präsenz durch Volumen, Geste und formale Spannung behaupten, versenkt sich das Retreat in den Boden und entfaltet sein Gewicht im Inneren. Es ist ein Bauwerk, das nicht angeschaut, sondern erlebt werden will.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Doshi Retreat ist auch in geografischer Hinsicht ein besonderes Ereignis für die Region. Weil am Rhein liegt in der Trinationalen Metropolregion Oberrhein, einem der dichtesten Kulturräume Mitteleuropas, in dem schweizerische, französische und deutsche Planungskulturen aufeinandertreffen. Der Vitra Campus profitiert von dieser Lage und zieht ein internationales Publikum an. Das Retreat schließt auf dem Campus eine inhaltliche Lücke: Es gibt erstmals einem nicht-westlichen architektonischen Denken Raum, ohne dieses zu exotisieren. Doshis Arbeit war stets dem sozialen Wohnungsbau in Indien verpflichtet; seine fürsorgliche Haltung gegenüber dem Körper und dem Bewusstsein der Nutzenden findet im Retreat ihre vielleicht reinste Formulierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Doshi Retreat ist kein Denkmal. Es ist kein Museum und keine Gedenkstätte. Es ist ein aktiver Raum, der seine Besucherinnen und Besucher einlädt, langsamer zu werden. In einer Baukultur, die zunehmend von Effizienzlogiken und bildschirmtauglichen Außenansichten bestimmt wird, ist das eine bemerkenswerte Aussage. Balkrishna Doshi hat sie, mit Unterstützung seiner Familie und seines Studios, in ein Stück Land im südlichen Baden-Württemberg eingeschrieben. Das Vermächtnis ist offen für alle, die bereit sind, den Weg zu gehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/ein-vermaechtnis-aus-stahl-und-klang-das-doshi-retreat-auf-dem-vitra-campus/">Ein Vermächtnis aus Stahl und Klang: Das Doshi Retreat auf dem Vitra Campus</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<item>
		<title>Wenn Wirtschaftlichkeit den Denkmalschutz schlägt: Das Wittwerhaus in Stuttgart</title>
		<link>https://baukunst.art/wenn-wirtschaftlichkeit-den-denkmalschutz-schlaegt-das-wittwerhaus-in-stuttgart/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 10:17:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Ein Stuttgarter Kaufhaus verschwindet]]></category>
		<category><![CDATA[weil Sanierung sich nicht rechnet. Was das über Planungskultur und Stadtrecht verrät.]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15630</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ein Stuttgarter Kaufhaus verschwindet, weil Sanierung sich nicht rechnet. Was das über Planungskultur und Stadtrecht verrät.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wenn-wirtschaftlichkeit-den-denkmalschutz-schlaegt-das-wittwerhaus-in-stuttgart/">Wenn Wirtschaftlichkeit den Denkmalschutz schlägt: Das Wittwerhaus in Stuttgart</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Abriss an der Königstraße: Wer schützt Stuttgarts Stadtbild, wenn der Denkmalschutz schweigt?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Abriss eines stadtbildprägenden Gebäudes ist immer auch eine Entscheidung über das kollektive Gedächtnis einer Stadt. An der Königstraße 30/32 in Stuttgart trifft genau das gerade ein: Das Wittwerhaus, seit Jahrzehnten ein vertrauter Fixpunkt der Stuttgarter Fußgängerzone mit Mietern wie der Buchhandlung Thalia und dem Lokal Ochs&#8217;n Willi, soll bis Ende 2027 vollständig abgerissen werden. Die Eigentümerin Dinkelacker AG hat dies offiziell im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik des Gemeinderats bekannt gegeben. Eine Machbarkeitsstudie kam zu dem Ergebnis, dass zu viele bauliche Mängel vorliegen und eine Sanierung aus technischen wie wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage kommt. Unter anderem läuft die Brandschutzgenehmigung 2026 aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Damit steht Stuttgart vor einer Frage, die sich in vielen Großstädten des deutschsprachigen Raums stellt: Was passiert, wenn ein Gebäude aus den 1960er oder 1970er Jahren das Ende seines wirtschaftlichen Lebenszyklus erreicht, aber keinen Denkmalschutzstatus genießt?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum greift der Denkmalschutz hier nicht?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Wittwerhaus steht nicht unter Denkmalschutz. Damit entfällt die wichtigste rechtliche Handhabe, die einer Stadt zur Verfügung steht, um privateigene Gebäude vor dem Abriss zu bewahren. Das Denkmalschutzgesetz Baden-Württemberg (DSchG BW) schützt ausschließlich Kulturdenkmale im Sinne des § 2 DSchG BW, also Objekte, an deren Erhaltung ein öffentliches Interesse aus wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen besteht. Ein Kaufhausbau der Wirtschaftswunderzeit, der vor allem durch seine Nutzung und seine Lage bekannt ist, nicht aber durch architektonische Ausnahmequalität, fällt typischerweise nicht unter diese Definition.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau hier liegt ein strukturelles Problem der deutschen Baurechtsordnung: Die Landesbauordnung Baden-Württemberg (LBO BW) regelt in erster Linie die Sicherheit und Nutzbarkeit von Gebäuden, nicht deren städtebauliche Kontinuität. Solange ein Eigentümer den Nachweis erbringt, dass eine wirtschaftliche Nutzung des Bestands nicht möglich ist, und ein Neubauvorhaben dem Bebauungsplan entspricht, stehen der zuständigen Gemeinde kaum Mittel zur Verfügung, den Abriss zu verhindern. Der § 34 Baugesetzbuch (BauGB), der die Zulässigkeit von Vorhaben im unbeplanten Innenbereich regelt, gibt der Gemeinde ebenfalls keinen Hebel in die Hand, solange sich ein Neubau in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Brandschutzrecht wirkt hier wie ein stiller Beschleuniger: Wenn eine Genehmigung ausläuft und die Nachrüstung unwirtschaftlich erscheint, bricht die rechtliche Grundlage für den Weiterbetrieb weg. Das Gebäude wird zur Haftungsfrage, der Abriss zur betriebswirtschaftlich naheliegenden Lösung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Instrumente hat die Stuttgarter Stadtplanung tatsächlich?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stuttgart verfügt, wie andere Großstädte in Baden-Württemberg, über einen Gestaltungsbeirat, der bei städtebaulich bedeutsamen Vorhaben beratend tätig wird. Dieser kann Empfehlungen aussprechen, hat aber keine bindende Wirkung auf private Eigentümer außerhalb von Satzungsgebieten oder besonderen Erhaltungsverordnungen. Eine städtebauliche Erhaltungssatzung nach § 172 BauGB ermöglicht es Gemeinden immerhin, Abrisse genehmigungspflichtig zu machen und abzulehnen, wenn die städtebauliche Eigenart eines Gebiets gefährdet ist. Ob eine solche Satzung für den Bereich der Königstraße besteht oder gezielt erlassen werden könnte, wäre die entscheidende politische Frage.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Realität in vielen deutschen Innenstädten sieht jedoch anders aus: Erhaltungssatzungen werden häufig erst dann diskutiert, wenn der Abriss bereits beschlossen ist. Das ist kein Stuttgarter Sonderfall, sondern ein systemisches Muster, das sich von Düsseldorf bis Graz beobachten lässt. Planungsrecht ist reaktiv konzipiert, nicht präventiv.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt die Förderlandschaft: Das Landessanierungsprogramm Baden-Württemberg sowie Mittel aus der Städtebauförderung des Bundes (nach §§ 136 ff. BauGB) stehen grundsätzlich für die Erneuerung innerstädtischer Gebäude zur Verfügung. Allerdings setzt deren Aktivierung voraus, dass ein förmliches Sanierungsgebiet ausgewiesen ist oder der Eigentümer selbst Interesse an einer geförderten Sanierung zeigt. Beides ist im Fall des Wittwerhauses offenbar nicht gegeben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Stadtgestalt als kollektives Gut ohne rechtliche Verankerung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Wittwerhaus ist kein Einzelfall, sondern symptomatisch für eine Gründerzeit des Wirtschaftswunders, die nun in die Jahre kommt. Zahlreiche Kaufhäuser, Verwaltungsgebäude und Infrastrukturbauten der 1960er und frühen 1970er Jahre stehen vor ähnlichen Fragen: sanierungsbedürftig, nicht denkmalgeschützt, in wirtschaftlich attraktiven Lagen. Die Eigentümerinnen und Eigentümer verfügen über das Recht, diese Gebäude durch ertragreichere Neubauten zu ersetzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was dabei verloren geht, ist schwer zu beziffern, aber real: die räumliche Identität eines Stadtquartiers, die Kontinuität urbaner Biographien, das kollektive Gedächtnis von Passantinnen und Passanten, die einen Ort über Jahrzehnte mit Bedeutung aufgeladen haben. Die Planungstheoretikerin Jane Jacobs hat dieses Phänomen in ihrem Werk bereits in den 1960er Jahren beschrieben: Städte brauchen Gebäude unterschiedlichen Alters, weil nur alte Gebäude die wirtschaftliche Voraussetzung für Nutzungen schaffen, die sich hohe Mieten nicht leisten können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stuttgart steht mit dem Wittwerhaus vor einer Frage, die das Baurecht allein nicht beantworten kann. Sie lautet: Wie viel Kontinuität will eine Stadt ihrer Innenstadt zumuten? Und welche rechtlichen Instrumente ist sie bereit, dafür zu schärfen?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort wird sich nicht im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik entscheiden, sondern in der politischen Bereitschaft, Planungsrecht proaktiv einzusetzen, bevor das nächste Gebäude zur Wirtschaftlichkeitsfrage wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Aufstocken statt Abreißen: Wie Baden-Württemberg mit der neuen LBO den Wohnungsbau revolutioniert</title>
		<link>https://baukunst.art/aufstocken-statt-abreissen-wie-baden-wuerttemberg-mit-der-neuen-lbo-den-wohnungsbau-revolutioniert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 14:27:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Aufstockung Wohnungsbau]]></category>
		<category><![CDATA[Landesbauordnung]]></category>
		<category><![CDATA[Nachverdichtung Baden-Württemberg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Baden-Württemberg erleichtert Dachaufstockungen radikal. Was das für den Wohnungsbau bedeutet und wo die Reform noch zu kurz greift. </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Aufstocken als Ausweg: Baden-Württembergs Baurechtsreform im Praxistest</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Oben drauf: Der Bestand als Bauland</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Wohnungsmangel in deutschen Städten ist seit Jahren ein Dauerthema, doch die Lösungen bleiben rar. Baden-Württemberg versucht seit 2019 einen anderen Weg: statt neue Flächen zu versiegeln, setzt das Land auf die Luft über bestehenden Gebäuden. Mit der jüngsten Novelle der Landesbauordnung (LBO), die am 28. März 2025 im Gesetzblatt veröffentlicht wurde und Mitte Juni 2025 in Kraft trat, hat das Südwestland inzwischen die vierte Reformrunde dieser Legislaturperiode abgeschlossen. Das Ergebnis ist ein Regelwerk, das Aufstockungen erheblich einfacher macht, aber auch zeigt, wie viel Reformstau sich über Jahrzehnte aufgebaut hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als Paradebeispiel dient die Esslinger Wohnungsbau GmbH (EWB). Im Stadtteil Pliensauvorstadt entstanden durch eine Aufstockung zweier Mehrfamilienhäuser vier neue Wohnungen mit insgesamt 242 Quadratmetern. Kosten: 3,3 Millionen Euro, inklusive energetischer Sanierung, Balkonen für die Bestandswohnungen und einem neuen Aufzugsturm. Gebaut wurde im laufenden Betrieb, die Bauzeit betrug 15 Monate. Die Gesellschaft, die zur Hälfte der Stadt Esslingen gehört und zur anderen Hälfte Unternehmen wie der Mercedes-Benz Group, EnBW, Eberspächer und der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, plant künftig jedes Jahr ein solches Projekt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vier Novellen, vier Schritte nach vorn</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was sich nach entschlossenem Handeln anhört, ist in Wirklichkeit das schrittweise Abtragen eines jahrzehntelang gewachsenen Normendschungels. Der Weg zur heutigen Regelung begann 2019, als das Land die Pflicht abschaffte, bei Aufstockungen zusätzliche Stellplätze nachzuweisen. Ein Stellplatz in einer Tiefgarage kann, wie der Esslinger Architekt Till Heller von LP&amp;H-Architekten bestätigt, bis zu 50.000 Euro kosten. Gleichzeitig entfiel die Verpflichtung zur Barrierefreiheit in den neuen Wohnungen, die barrierefreie Ausführung macht Wohnungen erfahrungsgemäß fünf bis zehn Prozent größer. Im Jahr 2023 kam die Abschaffung der Aufzugspflicht hinzu: Eine Aufstockung um bis zu zwei Geschosse an Gebäuden, deren Baugenehmigung mindestens fünf Jahre zurückliegt, muss seither keinen neuen Aufzug nach sich ziehen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die jüngste Novelle bringt den vielleicht bedeutsamsten Schritt: Wechselt ein Gebäude durch die Aufstockung in eine höhere Gebäudeklasse, so gelten dafür keine zusätzlichen Brandschutzanforderungen mehr. Gebäudeklassen sind das bauordnungsrechtliche Rückgrat des Brandschutzes, eingeteilt in fünf Kategorien nach Höhe, Fläche und Nutzung. Je höher die Klasse, desto strenger die Anforderungen an Feuerwiderstand und Rettungswege. Die neue Regelung koppelt den Klassenwechsel durch Aufstockung von den entsprechenden Mehrkosten ab, was Heller als sehr große Erleichterung bezeichnet. Zusätzlich entfällt die Pflicht zum Bau von Abstellräumen, wenn kein Keller vorhanden ist. Die geschätzte Kosteneinsparung beträgt rund 4.500 Euro je Quadratmeter Untergeschossfläche.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Normendschungel mit 4.000 Einträgen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Fabian Viehrig, Leiter Bauen und Technik beim Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW, setzt die Esslinger Erfahrungen in einen breiteren Kontext. Im deutschen Bauwesen existieren nach seiner Schätzung rund 3.900 bis 4.000 DIN-Normen, die zum erheblichen Teil den Wohnungsbau betreffen, dazu kommen weitere technische Regelwerke. Normen seien grundsätzlich sinnvoll, weil sie Abläufe vereinfachten, Sicherheit schüfen und technische Kompatibilität gewährleisteten. Schwierig werde es durch die schiere Menge und wachsende Komplexität. Bauen war nie trivial, aber heute ist es durch detaillierte Normenwerke und deren Auslegung oft übermäßig kompliziert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der GdW fordert daher eine weitere Durchforstung der Landesbauordnungen. Normen und technische Standards müssten entschlackt und praxistauglicher gestaltet werden. Gesetzliche Anforderungen sollten stärker auf Zielerreichung als auf Detailvorgaben ausgerichtet sein. Viehrig mahnt an, die Prozesse von der Genehmigung über die Vergabe bis zur Ausführung zu vereinfachen und zu beschleunigen. Die Hoffnung dahinter ist einfach: Weniger Vorgaben bedeuten geringere Kosten.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Modell mit Reichweite und Grenzen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baden-Württemberg ist mit seinem Reformkurs nicht allein. Auch Bayern und Schleswig-Holstein haben zuletzt Erleichterungen bei Aufstockungen eingeführt. Auf Bundesebene trat am 30. Oktober 2025 der sogenannte BauTurbo gemäß Paragraf 264e BauGB in Kraft, der die Schaffung von Wohnraum durch Abweichung vom geltenden Planungsrecht ermöglicht. Die Entwicklung zeigt: Was lange als bürokratische Selbstverständlichkeit galt, gerät unter Druck, wenn der Wohnungsbau kollabiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dennoch lohnt ein kritischer Blick. Die Reformen erleichtern das Aufstocken erheblich, setzen aber voraus, dass das statische Potenzial im Bestand überhaupt vorhanden ist. Nicht jedes Nachkriegsgebäude verträgt zwei zusätzliche Geschosse. Architektinnen und Architekten tragen durch die vereinfachten Genehmigungsverfahren zunehmend allein die Verantwortung für die Einhaltung öffentlich-rechtlicher Vorschriften, da die Baurechtsbehörden diese im Kenntnisgabeverfahren nicht mehr prüfen. Mit der Abschaffung des Widerspruchsverfahrens entfällt für Nachbarinnen und Nachbarn zudem ein niedrigschwelliges Rechtsschutzinstrument; der Weg zum Verwaltungsgericht bleibt als einzige Abhilfe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">EWB-Geschäftsführer Hagen Schröter sieht die Lage pragmatisch: Die Möglichkeiten und Potenziale, die sich aus der Reform ergeben, sollten Wohnungsunternehmen jetzt entschieden und zügig nutzen, besonders im Bestand. Das klingt nach einem Aufruf, der in vielen Kommunen noch nicht gehört wurde. Denn ob ein Wohnungsunternehmen jährliche Aufstockungen plant, hängt nicht nur von der Bauordnung ab, sondern auch von Finanzierungsbedingungen, kommunalem Willen und dem Mut zur Investition in einen schwierigen Markt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachverdichtung als Prinzip, nicht als Notlösung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Esslinger Projekt zeigt, was möglich ist, wenn Bauordnung, kommunale Wohnungsgesellschaft und engagierte Planungsbüros an einem Strang ziehen. Vier neue Wohnungen auf einem Bestandsgrundbuch, ohne Flächenverbrauch, ohne Abriss, ohne Neuerschließung. Aus nachhaltiger Sicht ist das vorbildlich: Graufeldreserven in der Stadt nutzen, Graue Energie der bestehenden Konstruktion erhalten, Infrastruktur nicht neu ausbauen müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Übertragbarkeit des Modells auf andere Bundesländer ist gegeben, der politische Wille entscheidet. Baden-Württemberg hat gezeigt, dass eine konsequente Reformpolitik über mehrere Legislaturperioden die Rahmenbedingungen tatsächlich verändern kann. Was bleibt, ist die Frage nach den Grenzen der Deregulierung: Brandschutz, Barrierefreiheit und nachbarschaftliche Rechte sind nicht beliebig disponibel. Die Kunst liegt darin, die Stellschrauben richtig zu justieren, also Bürokratie abzubauen, ohne Schutzniveaus zu erodieren. Ob Baden-Württemberg diesen Balanceakt langfristig gelingt, wird die Praxis zeigen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Mainzer Mediathek am Gutenbergplatz: Wie Haushaltszwang ein Kulturhaus neu erfindet</title>
		<link>https://baukunst.art/mainzer-mediathek-am-gutenbergplatz-wie-haushaltszwang-ein-kulturhaus-neu-erfindet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 14:16:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtbibliothek]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung Mainz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mainz gibt seinen Kulturhaus-Traum auf. Statt Kleinkunst und Kino zieht nun die Stadtbücherei ins neue Zentrumsgebäude. Warum das klüger sein könnte, als es klingt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/mainzer-mediathek-am-gutenbergplatz-wie-haushaltszwang-ein-kulturhaus-neu-erfindet/">Mainzer Mediathek am Gutenbergplatz: Wie Haushaltszwang ein Kulturhaus neu erfindet</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn die Kasse klingt, schweigen die Musen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mainz ändert seine Kulturpläne: Aus dem ambitionierten Kulturhaus wird eine Mediathek. Das ist weniger schlecht, als es klingt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Ende eines großen Plans</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mainz hatte Großes vor. Im Herzen der Altstadt, auf dem ehemaligen Karstadt-Areal an der Ludwigsstraße, sollte ein neues Kulturhaus entstehen, das der Stadt endlich das geben würde, was sie seit Jahren vermisste: einen zentralen Ort für Kleinkunst, Kino und städtisches Leben unter einem Dach. Die Kleinkunstbühne Unterhaus und das Studiokino Ciné Mayence waren gesetzt, die Kosten veranschlagt, die Begeisterung groß. Dann platzte Ende 2024 der Mainzer Haushalt, und mit ihm der Traum vom großen Kulturhaus. Rund 48 Millionen Euro, die Bürgermeister Günter Beck für das Vorhaben vorgesehen hatte, mussten gestrichen werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was blieb, war ein Rohbau an der Ecke Fuststraße und Gutenbergplatz, entworfen vom Mainzer Büro Faerber Architekten, der nun nach einer neuen Bestimmung suchte. Diese Bestimmung hat die Stadt im Dezember 2025 gefunden: Die Anna-Seghers-Bücherei, seit gut 40 Jahren in einem Anbau der Bonifaziustürme am Hauptbahnhof untergebracht, soll ins Zentrum der Gutenbergstadt umziehen. Aus dem Kulturhaus wird eine Mediathek. Oder, wie Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) schwärmte: ein Ort, der Medienbildung dorthin bringt, wo sie hingehört.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisches Erbe und neue Nutzung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bau selbst ist bereits fertig und kann für sich sprechen. Faerber Architekten haben an der Ecke Fuststraße und Gutenbergplatz einen Neubau geschaffen, der bewusst Maßstab und Charakter der Mainzer Altstadt aufnimmt, ohne in historisierendem Kleinmut zu versinken. Die Jury des vorangegangenen Wettbewerbs lobte die skulpturale Ausarbeitung der Fassaden mit ihren schrägen Elementen als neues Merkmal, das sich gut in die städtebauliche Umgebung einfüge. Das Gebäude bietet Raum für Wohnungen im Obergeschoss, Einzelhandel im Erdgeschoss sowie die künftigen Kulturnutzungen in den Mitteletagen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau diese Mischung aus Wohnen, Handel und öffentlicher Nutzung entspricht zeitgemäßen Vorstellungen von urbanem Leben. Dass das Philharmonische Staatsorchester Mainz ebenfalls einzieht, mit neuen Proberäumen und einem Kammermusiksaal gegenüber dem Staatstheater, verleiht dem Gebäude eine institutionelle Tiefe, die über die bloße Bibliotheksnutzung hinausgeht. Hier entsteht kein monofunktionaler Kulturbunker, sondern ein gemischter Stadtbaustein, der verschiedene Nutzergruppen und Rhythmen zusammenführt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bibliotheken als demokratische Räume</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer die Entscheidung für eine Mediathek nur als Rückzug aus dem Kulturvorhaben wertet, unterschätzt, was öffentliche Bibliotheken leisten. Sie gehören zu den meistbesuchten kulturellen Einrichtungen in Deutschland, und das nicht zufällig: frei zugänglich, frei von Konsumzwang, für alle Altersgruppen und sozialen Schichten offen. Die bisherige Anna-Seghers-Bücherei an den Bonifaziustürmen zählt täglich rund 750 Besucherinnen und Besucher und organisiert jährlich etwa 400 Veranstaltungen, ein Pensum, das viele selbstbewusste Kulturhäuser vor Neid erblassen ließe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am neuen Standort soll die Bibliothek über 1000 Quadratmeter mehr Fläche verfügen. Eine Kinder- und Jugendmediathek, gemütliche Leseecken, moderne Arbeitsplätze, ein Maker Space für digitale und interaktive Formate sowie ein Saal für Lesungen und Workshops sind geplant. Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD) betonte, es entstehe ein neuer &#8222;dritter Ort&#8220;, ein Begriff aus der Stadtsoziologie für jene Räume, die weder Wohnung noch Arbeitsplatz sind, aber das Rückgrat sozialer Begegnung bilden. Wenn das gelingt, wäre die Mediathek am Gutenbergplatz mehr als ein Ersatz für das gescheiterte Kulturhaus: Sie wäre ein eigenständiges Stadtangebot, das Mainz langfristig stärker prägen könnte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Finanzen: Teuer, aber kalkuliert</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ganz billig kommt der Verzicht auf das ursprüngliche Kulturhaus nicht. Der Kauf von Teilen des Erbbaurechts am Gebäude Fuststraße 2 von der Gemünden-Molitor-Gruppe kostet rund 20,75 Millionen Euro, hinzu kommen 2,47 Millionen Euro für Büroflächen im zweiten Obergeschoss sowie bis zu 3 Millionen Euro für die Innenausstattung. Zusammen nähert sich das Vorhaben der 30-Millionen-Euro-Marke. Finanziert werden soll es aus dem Sondervermögen &#8222;Rheinland-Pfalz-Plan für Bildung, Klima und Infrastruktur&#8220;, das Bund und Land mit insgesamt 167 Millionen Euro gefüllt haben. Die jährliche Haushaltbelastung für die Stadt steigt von rund 562.000 Euro auf rund 872.000 Euro, getilgt über 30 Jahre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vor 2027 dürften in dieser Angelegenheit keine nennenswerten Zahlungen fällig werden, der Innenausbau soll bereits in der ersten Jahreshälfte 2026 beginnen. Stadtrat und die zuständigen Fachausschüsse haben dem Vorhaben bereits im Dezember 2025 zugestimmt. Was fehlt, ist ein verbindlicher Eröffnungstermin, der über die Jahreszahl 2027 hinausgeht. Bauvorhaben dieser Komplexität haben eine ausgeprägte Neigung, ihren eigenen Zeitplan zu torpedieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was von der ursprünglichen Vision bleibt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die eigentlichen Verliererinnen und Verlierer dieser Geschichte sind das Unterhaus und das Ciné Mayence. Beide Institutionen hatten auf einen zentralen Neubau gehofft und müssen nun weiter in ihren angestammten, räumlich beengten Verhältnissen operieren. Dass die angespannte Haushaltslage der Stadt diesen Institutionen auf absehbare Zeit keine Alternative bieten wird, ist die stille Schattenseite des Dezemberbeschlusses.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Architektur des Vorhabens stellt sich eine andere Frage: Hat Faerber Architekten einen Bau entworfen, der sich für eine Mediathek so gut eignet, wie er ursprünglich für ein Kulturhaus gedacht war? Die Grundrisse mit Unter-, Erd- und Obergeschoss sowie Büroflächen im zweiten Stock lassen sich für eine Bibliothek mit Verwaltungseinheit gut nutzen, Flexibilität war offensichtlich Teil des Entwurfsgedankens. Der Rohbau steht, die Nutzung hat sich geändert, und der Umbauaufwand hält sich in Grenzen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Modell für andere Kommunen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mainz steht mit diesem Dilemma nicht allein. Überall in Deutschland stehen Stadtentwicklungsprojekte im Zeichen angespannter Haushalte, geschrumpfter Ambition und notwendiger Pragmatik. Die Antwort, die Mainz gefunden hat, ist keine heroische, aber eine solide: Ein öffentliches, niederschwelliges Kulturangebot im Zentrum, das architektonisch eingebettet ist in einen gemischten Stadtbaustein, ohne maximalen Aufwand zu betreiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was das Mainzer Beispiel überregional interessant macht, ist die Frage nach dem Verhältnis zwischen programmatischem Anspruch und baulicher Realität. Ein Kulturhaus, das nie gebaut wird, hilft niemandem. Eine Mediathek, die täglich 750 Menschen anzieht und einem neuen Gebäude im Herzen der Stadt Würde verleiht, ist besser als ein leerer Rohbau, der auf bessere Haushaltszeiten wartet. Manchmal ist die zweite Wahl die klügere.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/mainzer-mediathek-am-gutenbergplatz-wie-haushaltszwang-ein-kulturhaus-neu-erfindet/">Mainzer Mediathek am Gutenbergplatz: Wie Haushaltszwang ein Kulturhaus neu erfindet</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Archistories in der Karlsruher Kunsthalle: Wenn Architektur zur Kunst wird und Gebäude Geschichten erzählen</title>
		<link>https://baukunst.art/archistories-in-der-karlsruher-kunsthalle-wenn-architektur-zur-kunst-wird-und-gebaeude-geschichten-erzaehlen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 Jan 2026 15:18:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Archistories]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Kunsthalle Karlsruhe]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14861</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Kunsthalle Karlsruhe eröffnet mit Archistories eine Ausstellung, die 500 Jahre Architekturdarstellung vereint. Von Piranesis Kerkern bis zu zeitgenössischen Videoinstallationen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/archistories-in-der-karlsruher-kunsthalle-wenn-architektur-zur-kunst-wird-und-gebaeude-geschichten-erzaehlen/">Archistories in der Karlsruher Kunsthalle: Wenn Architektur zur Kunst wird und Gebäude Geschichten erzählen</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1>Die gebauten Träume der Menschheit</h1>
<p style="font-weight: 400;"><em>Wie die Karlsruher Kunsthalle mit Archistories einen Dialog zwischen Kunst und Architektur inszeniert</em></p>
<p style="font-weight: 400;">Architektur formt nicht nur unsere Städte, sondern auch unser Bewusstsein. Sie definiert, wie wir uns bewegen, wie wir sehen, wie wir fühlen. Diese tiefgreifende Erkenntnis bildet den Kern der Ausstellung Archistories, die seit Ende November 2025 in der frisch sanierten Orangerie der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zu sehen ist. Rund 100 Werke von etwa 70 Künstlerinnen und Künstlern aus fünf Jahrhunderten treten hier in einen Dialog, der weit über die bloße Darstellung von Gebäuden hinausgeht.</p>
<h2>Ein historisches Gewächshaus als Schauplatz</h2>
<p style="font-weight: 400;">Die Wahl der Orangerie als Ausstellungsort ist kein Zufall. Das von Heinrich Hübsch Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Gebäude, dessen Lehrer Friedrich Weinbrenner einst das klassizistische Gesicht Karlsruhes prägte, stand selbst jahrelang leer und wurde aufwendig saniert. Die gläserne Kuppel der Rotunde, im Zweiten Weltkrieg zerstört und lange Zeit provisorisch geflickt, erstrahlt nun wieder in vollem Glanz. In einer Stadt, die zunehmend unter Hitzewellen leidet, gewinnt dieses lichtdurchflutete Bauwerk eine neue, fast ironische Bedeutung: als Architekturdenkmal und ökologisches Sinnbild zugleich.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Orangerie dient nun als zentraler Sonderausstellungsort, während das Hauptgebäude der Kunsthalle voraussichtlich bis 2029 saniert wird. Die Kuratorin PD Dr. Kirsten Claudia Voigt, die seit 1999 am Karlsruher Institut für Technologie lehrt, hat mit Archistories eine Schau konzipiert, die Lesbarkeit vor Überwältigung stellt.</p>
<h2>Vom Kerker zur Videoinstallation</h2>
<p style="font-weight: 400;">Der Parcours beginnt mit dem Haus als Grundmotiv, jenem alltäglichen Bauwerk, das zwischen Schutz und Ausschluss, zwischen Intimität und Instabilität oszilliert. Giovanni Battista Piranesis berühmte Carceri d&#8217;Invenzione, jene erfundenen Kerkerdarstellungen aus dem 18. Jahrhundert, eröffnen den gedanklichen Raum. Die Kunsthalle besitzt Federzeichnungen des Meisters sowie Vorlagen aus seiner Werkstatt, die einst im Besitz Friedrich Weinbrenners waren. Diese historische Verbindung zwischen dem Klassizisten Karlsruhes und dem visionären Italiener schlägt eine Brücke, die die gesamte Ausstellung trägt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Unmittelbar konfrontiert die Künstlerin Julia Oschatz die Besuchenden mit einer großangelegten Videoinstallation. Auf der einen Hälfte einer Wand erscheint ein geometrisches Raumraster, auf der anderen läuft ein Video im Loop. Die maskierte Künstlerin selbst bemalt in sisyphosartiger Arbeit Wände und steigt unentwegt von einem Raumgehäuse ins nächste. Gegenüber lehnen drei mit schwarzem Eisenpulver bestäubte Magnetplatten von Nicolas Daubanes, die ein reliefartiges Geflecht zeigen und an gotische Kerker im Stile Piranesis erinnern.</p>
<h2>Brücken als verbindende und trennende Elemente</h2>
<p style="font-weight: 400;">Von den Raumgehäusen führt der Weg in transitorische Welten. Brücken von Albert Marquet bis Lyonel Feininger erscheinen sanft in Stadtlandschaften eingelassen oder als kühne Eisenkonstruktionen. Wilhelm Trübners Londoner Stadtszenerie zeigt winterlich gekleidete Passantinnen im Vordergrund und rauchende Schlote im Hintergrund. Die gusseiserne Brücke wurde später abgerissen, doch der Eiffelturm überdauerte. Laurent Goldring dokumentiert ihn in einem im Gegenlicht gefilmten Video, das emsige Menschen zeigt, die wie Schatten die eisernen Treppen scheinbar endlos hinauf und hinunterhasten.</p>
<p style="font-weight: 400;">Robert Delaunays kubistischer Eiffelturm von 1909 bis 1911 verdeutlicht, wie unterschiedlich Künstlerinnen und Künstler dasselbe Bauwerk interpretieren können. Sean Scullys erdiges Werk, inspiriert von den Pyramiden von Chichén Itzá, kontrastiert mit Fritz Klemms gespachteltem Relief, das auf seine Atelierwände aus Sichtbeton zurückgreift. Der Bildhauer Werner Pokorny platziert ein Häuschen mit Satteldach auf übereinandergetürmten wuchtigen Gefäßformen, verwundbar und eigenwillig zugleich.</p>
<h2>Ruinen als Zonen der Transformation</h2>
<p style="font-weight: 400;">Den Abschluss bilden Darstellungen von Ruinen und Fragmenten. Sie erscheinen nicht als melancholische Endpunkte, sondern als Zonen der Transformation. Isa Melsheimer aquarelliert brutalistische Bauwerke vor bestirntem Firmament, die so betrachtet durchaus liebenswert wirken. Erwin Spulers großformatiges Ölbild einer von oben betrachteten zerbombten Stadt von 1945 erschüttert hingegen zutiefst. Laurent Goldring dokumentiert in rhythmischen Sequenzen die Niederwalzung eines von Sinti und Roma angelegten Hüttendorfs bei Paris. Noch die ärmlichste Hütte dient als bergende Behausung.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Ausstellung verzichtet bewusst auf fertige Antworten. Sie öffnet Denkräume und stellt Fragen, die in den Stadtraum zurückwirken: Wie leben wir zusammen? Welche Bilder von Ordnung, Freiheit und Fürsorge prägen unsere Gebäude? Architektur, so die zentrale These, bildet die Grundlage für das menschliche Zusammenleben. Archistories belegt dies eindrucksvoll.</p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Archistories. Architektur in der Kunst</em>. Orangerie der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, bis 12. April 2026. Der Katalog kostet 48 Euro.</p>
<p style="font-weight: 400;">
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		<title>BW verdoppelt Schulbauförderung: 450 Millionen Euro für marode Klassenzimmer</title>
		<link>https://baukunst.art/bw-verdoppelt-schulbaufoerderung-450-millionen-euro-fuer-marode-klassenzimmer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Jan 2026 14:46:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Baden Württemberg]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunale Investitionen]]></category>
		<category><![CDATA[Schulbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Baden Württemberg verdoppelt seine Schulbauförderung auf 450 Millionen Euro. Eine längst überfällige Reaktion auf explodierende Baukosten und einen bundesweiten Sanierungsstau von 68 Milliarden.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Verdoppelung mit Verspätung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Baden Württembergs neue Schulbauförderung zwischen Aufbruchsignal und Tropfen auf den heissen Stein</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen klingen zunächst imposant: 468 Millionen Euro hat Baden Württemberg im Jahr 2025 für kommunale Schulbauprojekte ausgegeben. Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) verkündete Mitte Dezember stolz, dass künftig mehr als 450 Millionen Euro jährlich aus dem Kommunalen Investitionsfonds (KIF) bereitstehen werden. Eine Verdoppelung gegenüber den bisherigen 200 Millionen. Doch wer glaubt, damit sei das Problem maroder Schulgebäude gelöst, unterschätzt die Dimension der Herausforderung gewaltig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neue Verwaltungsvorschrift Schulbauförderung, die rückwirkend zum 1. Januar 2025 in Kraft trat, soll laut Ministerium die Förderungen im Einzelfall substanziell verbessern und die Verfahren erheblich vereinfachen. Von den diesjährigen Mitteln flossen 282,5 Millionen Euro in Neubauprojekte, 160 Millionen in Sanierungen und 25,8 Millionen in Ganztagsprojekte. Eine Verteilung, die Prioritäten erkennen lässt: Der Neubau dominiert, während die Sanierung des Bestands im Schatten bleibt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Sanierungsstau von historischem Ausmass</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die bundesweite Perspektive relativiert die baden württembergische Offensive erheblich. Das KfW Kommunalpanel 2025 beziffert den Investitionsrückstand bei deutschen Schulgebäuden auf 67,8 Milliarden Euro. Das entspricht 31 Prozent des gesamten kommunalen Investitionsstaus von 215,7 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Würde man diese Summe in 100 Euro Scheinen aneinanderreihen, käme man auf eine Strecke von 99.000 Kilometern, also zweieinhalb Mal um die Erde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders alarmierend: Der Anteil der Kommunen, denen der Unterhalt ihrer Schulen nur in geringem Umfang oder gar nicht mehr gelingt, ist 2024 sprunghaft angestiegen. Nach Jahren relativer Stabilität bei etwa elf Prozent kletterte dieser Wert auf 17 Prozent. Knapp jede fünfte Kommune kann ihre Schulen kaum noch instandhalten. Das Risiko teurer Notmassnahmen steigt damit erheblich.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Süddeutsche Privilegien und strukturelle Ungleichheiten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baden Württemberg profitiert von seiner wirtschaftlichen Stärke. Kommunen in Süddeutschland haben laut KfW Kommunalpanel deutlich seltener einen gravierenden Investitionsrückstand als jene in Nordrhein Westfalen, Hessen, Rheinland Pfalz oder dem Saarland. Doch diese relative Privilegierung sollte nicht über die strukturellen Probleme hinwegtäuschen: Auch im Südwesten stehen Städte und Gemeinden vor enormen Herausforderungen, wie Ministerin Schopper selbst einräumt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Korrelation zwischen Kommunengrösse und Sanierungsstau ist dabei eindeutig. Während etwa die Hälfte der Gemeinden mit 2.000 bis 5.000 Einwohnerinnen und Einwohnern nennenswerte Rückstände verzeichnet, steigt dieser Anteil bei Städten über 50.000 Einwohner auf fast 90 Prozent. Die Grossstädte, in denen die meisten Schülerinnen und Schüler lernen, sind am stärksten betroffen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Ganztag als Treiber und Brandbeschleuniger</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ab dem Schuljahr 2026/2027 greift der bundesweite Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Erstklässlerinnen und Erstklässler. Bis 2029/2030 wird er auf alle Grundschulkinder ausgeweitet. Acht Stunden an fünf Werktagen, inklusive Ferienbetreuung: Das bedeutet nicht nur Personal, sondern vor allem Räume. Mensen, Aufenthaltsbereiche, Bewegungsflächen müssen geschaffen werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die baden württembergische Erhöhung der Ganztagsbauförderung auf 25,8 Millionen Euro wirkt vor diesem Hintergrund bescheiden. Denn die baulichen Anforderungen für einen qualitätsvollen Ganztag übersteigen die Möglichkeiten vieler Schulträger bei weitem. Der bisherige Planungswert von zwei Quadratmetern pro Schülerin oder Schüler ist angesichts neuer pädagogischer Konzepte längst überholt. Teamorientiertes Lernen, Differenzierungsräume, Rückzugszonen: Die Schulbauten der Babyboomer Generation sind dafür nicht konzipiert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Schwimmbäder als Novum</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine bemerkenswerte Neuerung der überarbeiteten Verwaltungsvorschrift betrifft die Schwimmbadförderung. Erstmals können Sanierungsmassnahmen an Lehrschwimmbecken und kommunalen Schwimmbädern, die für den Schulunterricht genutzt werden, gefördert werden. Im Ausnahmefall ist sogar ein Ersatzneubau möglich, sofern dieser wirtschaftlicher ist als die Sanierung. Angesichts des bundesweiten Bädersterbens und der zunehmenden Schwimmdefizite bei Kindern ein überfälliger Schritt, der die Verknüpfung von Bildungs und Sportinfrastruktur anerkennt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Planungssicherheit und Realitätsferne</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Verdoppelung der Fördermittel reagiert auf drastisch gestiegene Baukosten, die viele geplante Projekte verteuert oder verzögert haben. Ministerin Schopper betont die gewonnene Planungssicherheit für Schulträgerinnen und Schulträger. Doch selbst mit erhöhten Mitteln bleibt die Frage, ob die Kommunen diese überhaupt abrufen können. Personalmangel in den Bauämtern, langwierige Genehmigungsverfahren und Kapazitätsengpässe in der Bauwirtschaft führen dazu, dass 2024 bundesweit 17 Milliarden Euro weniger investiert wurden als geplant.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das im März 2025 beschlossene Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur und Klimaneutralität mit einem Volumen von 500 Milliarden Euro könnte hier Abhilfe schaffen. Knapp 100 Milliarden sollen an Länder und Kommunen fliessen. Wie viel davon tatsächlich den Schulen zugutekommt, ist jedoch noch offen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Notwendig, aber nicht hinreichend</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baden Württembergs Verdoppelung der Schulbauförderung ist ein richtiges Signal zur richtigen Zeit. Sie zeigt, dass das Land seine kommunalen Partner nicht allein lässt, wie Schopper betont. Doch gemessen am tatsächlichen Bedarf bleibt sie ein Tropfen auf den heissen Stein. Der Sanierungsstau erfordert nicht nur mehr Geld, sondern auch schnellere Verfahren, mehr Planungskapazitäten und eine ehrliche Bestandsaufnahme dessen, was moderne Schulen heute leisten müssen. Die Klassenzimmer der Nachkriegszeit sind mit neuen Fenstern allein nicht zukunftsfähig zu machen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur 2025: Wie die Mehrzweckhalle Ingerkingen das Weiterbauen revolutioniert</title>
		<link>https://baukunst.art/deutscher-nachhaltigkeitspreis-architektur-2025-wie-die-mehrzweckhalle-ingerkingen-das-weiterbauen-revolutioniert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Dec 2025 09:39:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Bestandssanierung]]></category>
		<category><![CDATA[Holzbauweise]]></category>
		<category><![CDATA[nachhaltiges Bauen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Mehrzweckhalle Ingerkingen gewinnt den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur 2025. Das Projekt zeigt, wie Bestandserhalt und Innovation zusammenfinden.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Weiterbauen statt Abreißen: Deutscher Nachhaltigkeitspreis geht nach Oberschwaben</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 27. November 2025 wurde in der Bundeskunsthalle Bonn eine Entscheidung verkündet, die weit über die üblichen Preiswürdigungen hinausweist. Der 13. Deutsche Nachhaltigkeitspreis Architektur ging an ein Projekt, das auf den ersten Blick unspektakulär erscheint: die sanierte und erweiterte Mehrzweckhalle im oberschwäbischen Ingerkingen, einem Ortsteil der Gemeinde Schemmerhofen südwestlich von Ulm. Doch gerade diese vermeintliche Unscheinbarkeit macht den eigentlichen Reiz und die Tragweite dieser Auszeichnung aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Stuttgarter Architekturbüro Atelier Kaiser Shen hat hier demonstriert, was nachhaltiges Bauen im besten Sinne bedeuten kann: nicht das Ersetzen durch Neues, sondern das intelligente Weiterschreiben einer baulichen Geschichte. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) und die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis würdigten das Projekt als herausragendes Beispiel für ökologisch wie architektonisch überzeugendes Weiterbauen im Sinne des Gemeinwohls.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Dorf und seine Halle</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die ursprüngliche Mehrzweckhalle wurde 1964 nach Plänen der Architekten Pfalzer und Schenk als Schulsporthalle errichtet. Über sechs Jahrzehnte hinweg diente sie als sozialer Mittelpunkt der Gemeinde, wurde mehrfach umgebaut und erweitert. In direkter Nachbarschaft zu Grundschule, Musikerheim und Feuerwehr bildet sie das Herz des Dorflebens. Neben dem Schulsport dient sie Vereinen als Treffpunkt, Veranstaltungs und Trainingsort.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als 2020 der Wettbewerb ausgeschrieben wurde, ließ die Gemeinde bewusst offen, ob die sanierungsbedürftige Halle erhalten oder einem Neubau weichen sollte. Für Kilian Juraschitz, der seit September 2025 gemeinsam mit Florian Kaiser das Büro leitet und als Kind selbst in dieser Halle am Sportunterricht teilgenommen hatte, war die Entscheidung klar. Das Team entschied sich für eine behutsame Transformation, geleitet vom Bild einer zerbrochenen chinesischen Porzellanschüssel, die nach der Reparatur erst ihre eigentliche Poesie entfaltet.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Konstruktive Innovation als Schlüssel</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bestandserhalt konnte nur durch ein innovatives Tragwerk realisiert werden. Gemeinsam mit dem Stuttgarter Tragwerksplanungsbüro str.ucture unter der Leitung von Julian Lienhard entwickelte das Team eine Lösung, die technisch und ästhetisch überzeugt. Um den Anforderungen einer zeitgenössischen Einfeldsporthalle zu genügen, wurde die Halle im südlichen und östlichen Bereich rückgebaut und vergrößert. Dabei blieben Fundamente und Bodenplatte, Decken, die massiven Wände im nördlichen Teil sowie der straßenseitige Bühnentrakt erhalten. Insgesamt konnten rund 60 Prozent der Baumasse bewahrt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das eigentlich Innovative ist ein einhüftiger Zweigelenkrahmen aus Brettschichtholz, der auf dem Achsraster der bestehenden Stahlbetonstützen ausgerichtet ist. Durch die Trägergeometrie und die biegesteife Rahmenecke werden etwa 60 Prozent der Vertikal und alle Horizontallasten in die neuen Fundamente im Süden eingeleitet. Die Hallenrahmen geben lediglich 40 Prozent der Vertikallasten und keine Horizontallasten an den Bestand ab. Die geschwungene Form der Binder zeichnet den Momentenverlauf nach und verleiht dem Innenraum eine spielerische Leichtigkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Julian Lienhard beschreibt das Zusammenspiel von Alt und Neu als Win Win Win Situation: Der Überstand des Daches entlastet durch sein Eigengewicht das Feld, ermöglicht eine Querschnittsoptimierung und fungiert gleichzeitig als konstruktiver Holzschutz. Die Auskragung nach Süden schafft zudem eine wettergeschützte Terrasse, die bei gutem Wetter direkt mit der Halle verbunden werden kann.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Materialität und Kreislaufdenken</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architekten wählten Materialien und Fügungen so, dass ein Großteil der Baustoffe bei einem möglichen Rückbau sortenrein trennbar und in die Kreislaufwirtschaft zurückgeführt werden können. Der Bestand wurde gedämmt und verputzt, während die Aufstockung und Erweiterung eine hinterlüftete Holzfassade aus unbehandelter Fichte erhielten. Der Versatz von rund zwölf Zentimetern zwischen dem dünneren Holzrahmenbau und dem alten Mauerwerk schärft die Plastizität des Bauwerks und macht Alt und Neu ablesbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Beweis der Vorzüge trennbarer Konstruktionen lieferten die Nutzerinnen und Nutzer selbst. Um Kosten zu sparen, wurde die alte Halle vorab von örtlichen Vereinen ehrenamtlich entkernt. Ausgebaute Sanitärobjekte und die Kücheneinrichtung wurden weiterverkauft, die Leistenschalung der ehemaligen Holzbekleidung fand als Fassade einer nahegelegenen Waldhütte eine zweite Nutzung. Ein eindrucksvolles Beispiel gelebter Kreislaufwirtschaft auf kommunaler Ebene.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gemeinwohl als architektonische Kategorie</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">DGNB Vizepräsident Martin Haas betonte in seiner Laudatio den identitätsstiftenden Charakter des Projekts. Die Jury beschreibt das Gebäude als Haus ohne Rückseite, das sich nach allen Seiten einladend zur Gemeinde öffnet. Zusammen mit der benachbarten Schule, dem vorgelagerten Festplatz und dem Feuerwehrhaus bildet die Halle das Zentrum des Ortes.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">DGNB Präsident Amandus Samsøe Sattler würdigte das Projekt als Beispiel dafür, dass Architektur nicht laut sein muss, um wirksam zu sein. Die Mehrzweckhalle verbinde technologische Innovation mit gesellschaftlicher Relevanz und schaffe einen Ort, der Menschen stärke und Ressourcen schütze. Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, ergänzte, dass es dem Architekturbüro gelinge, dem Konzept des Weiterbauens ein überzeugendes Gesicht zu geben.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein posthumer Erfolg</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Preis hat auch eine melancholische Dimension. Guobin Shen, Mitgründer des Büros und maßgeblich am Projekt beteiligt, verstarb im Mai 2024 im Alter von nur 40 Jahren bei einem Kletterunfall. Der 1984 in Zhejiang geborene Architekt hatte 2017 gemeinsam mit seinem Studienfreund Florian Kaiser das Atelier Kaiser Shen gegründet. Ihre Philosophie des Weiterbauens, des Schaffens unfertiger Häuser, die von den Nutzenden weitergeschrieben werden können, prägte auch dieses Projekt. Die Auszeichnung in Bonn ist somit auch eine posthume Würdigung seines Schaffens.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vorbild für eine Transformation</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Deutschland verfügt über Tausende ähnlicher Mehrzweckhallen aus den Nachkriegsjahrzehnten, die vor vergleichbaren Entscheidungen stehen. Die Mehrzweckhalle Ingerkingen zeigt, dass Sanierung und Erweiterung nicht nur ökologisch sinnvoller, sondern auch wirtschaftlich günstiger sein können als ein Neubau. Die Jury hob hervor, dass das Projekt zu einem Vorbild für ähnliche Sanierungsaufgaben in ganz Deutschland werden könnte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass der Preis erstmals im Rahmen des neuen Forums Nachhaltige Architektur verliehen wurde, unterstreicht den programmatischen Anspruch. Die DGNB und die Architektenkammer Nordrhein Westfalen wollen mit diesem Format gezielt Planende erreichen, die Nachhaltigkeit und Klimaschutz konsequent umsetzen möchten. Das Siegerprojekt aus dem oberschwäbischen Ingerkingen liefert dafür die beste Blaupause: unaufgeregt, präzise und zutiefst menschlich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/deutscher-nachhaltigkeitspreis-architektur-2025-wie-die-mehrzweckhalle-ingerkingen-das-weiterbauen-revolutioniert/">Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur 2025: Wie die Mehrzweckhalle Ingerkingen das Weiterbauen revolutioniert</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Milliardengrab Stuttgart 21: Die neue Chefin wusste genau, wann sie reden muss</title>
		<link>https://baukunst.art/milliardengrab-stuttgart-21-die-neue-chefin-wusste-genau-wann-sie-reden-muss/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2025 15:26:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Bahn]]></category>
		<category><![CDATA[Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Stuttgart 21]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14573</guid>

					<description><![CDATA[<p>Das 13 Milliarden Euro teure Jahrhundertprojekt Stuttgart 21 versinkt im Chaos: Die neue Bahnchefin nennt keinen Eröffnungstermin mehr. Kluges Timing oder echte Kapitulation?</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Pallas Befreiungsschlag: Wie die neue Bahnchefin mit der Altlast Stuttgart 21 aufräumt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Fünfzehn Jahre Bauzeit, acht Jahre Verzögerung, eine Kostenexplosion von 4,5 auf über 11 Milliarden Euro: Stuttgart 21 hat sich vom Leuchtturmprojekt deutscher Ingenieurskunst zur Dauerbaustelle entwickelt, die das Vertrauen in öffentliche Großprojekte erschüttert. Als die Deutsche Bahn am 19. November 2025 mitteilte, dass auch der für Dezember 2026 geplante Eröffnungstermin nicht zu halten sei, verzichtete sie gleich ganz auf einen neuen Termin. Terminrisiken in bisher nicht vorhersehbarer Dimension wurde als Begründung genannt. Die Kapitulation vor der eigenen Komplexität kam dabei zu einem bemerkenswert günstigen Zeitpunkt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Schlechte Nachrichten zum richtigen Zeitpunkt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neue Bahnchefin Evelyn Palla hatte erst im Oktober 2025 das Ruder von ihrem Vorgänger Richard Lutz übernommen, der wegen schlechter Pünktlichkeitswerte in der Kritik gestanden hatte. Keine sechs Wochen später verkündete sie die bittere Wahrheit über Stuttgart 21. Wer Management studiert hat, kennt dieses Muster: Schlechte Nachrichten verkündet man am besten unmittelbar nach dem Amtsantritt. Was schiefgelaufen ist, lässt sich dem Vorgänger zuschreiben. Die neue Führung kann sich als Aufklärerin positionieren, die endlich reinen Tisch macht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es ist ein klassischer Schachzug aus dem Werkzeugkasten erfahrener Managerinnen und Manager. Die Erwartungen werden radikal nach unten korrigiert, um später positive Überraschungen liefern zu können. Palla sprach davon, den Konzern vom Kopf auf die Beine stellen zu wollen. Dass sie dabei gleich mehrere Führungswechsel im Management durchsetzte und den Posten des Infrastrukturvorstandes komplett strich, passt ins Bild einer Neuausrichtung, die mit der Vergangenheit bricht. Ob die Terminprobleme tatsächlich in bisher nicht vorhersehbarer Dimension neu aufgetreten sind oder schlicht verschwiegen wurden, wird sich zeigen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Architektonische Ambition trifft technisches Scheitern</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was architektonisch als Meisterleistung begann, erstickt im technischen Detail. Der Entwurf von Christoph Ingenhoven, 1997 unter 126 Wettbewerbsbeiträgen einstimmig ausgewählt, versprach eine neue Ära des Bahnhofsdesigns. Die 28 Kelchstützen aus weißem Sichtbeton, jede einzelne 1.000 Tonnen schwer und mit einem Durchmesser von 32 Metern, sollten Tageslicht durch die sogenannten Lichtaugen in die unterirdische Bahnsteighalle bringen. Eine Konstruktion, die in dieser Form noch nie gebaut wurde, entwickelt in Zusammenarbeit mit Frei Otto anhand von Seifenhautmodellen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Jury lobte seinerzeit, der Entwurf schreibe sich als großes städtebauliches Zeichen in den Stadtgrundriss ein, ohne jegliche Monumentalität und ohne dem historischen Bonatzbau Konkurrenz zu machen. Ingenhoven sprach von poetisch lichtdurchfluteten Räumen und gotischen Kathedralen, die weder Heizung noch Kühlung benötigen würden. Während der Rohbau der Bahnsteighalle weitgehend fertiggestellt ist und alle 28 Kelchstützen betoniert wurden, scheitert das Projekt nun an seiner digitalen Infrastruktur.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Digitale Knoten als Achillesferse</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Digitale Knoten Stuttgart (DKS) sollte den Bahnhof zum ersten vollständig digitalisierten Verkehrsknoten Deutschlands machen. Klassische Lichtsignale werden nicht verbaut, stattdessen setzt man ausschließlich auf das europäische Zugsicherungssystem ETCS. Ein Pilotprojekt mit Ausnahmecharakter, das die Leit und Sicherungstechnik im gesamten Großraum Stuttgart digitalisieren soll. Rund 3.500 Feldelemente wie Weichen, Signale und Balisen müssen zertifiziert werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Probleme mit dem japanischen Konzern Hitachi, einem zentralen Projektpartner für die digitale Technik, reichen weit zurück. Nach der Übernahme des ursprünglich beauftragten Unternehmens Thales/GTS gestaltete sich die Fusion schwierig. Bereits die Inbetriebnahme eines digitalen Stellwerks Ende 2023 und einer ETCS ausgerüsteten Teilstrecke Anfang 2024 waren gescheitert. Auch in Köln kommt es nach dem Einbau digitaler Stellwerkstechnik von Hitachi immer wieder zu Schwierigkeiten mit Zügen von Siemens.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Frustration und verlorenes Vertrauen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Verkehrsminister Winfried Hermann bezeichnete die erneute Verschiebung als fatale Nachricht. Die Fahrgäste ächzten seit Jahren unter den Folgen der Großbaustelle, ein Ende des angeblich bestgeplanten Bauprojekts sei nicht absehbar. Das letzte bisschen Vertrauen in die Bahn werde mit dieser Ankündigung verspielt. Besonders brisant: Noch einen Monat zuvor hatte die Bahn den Eröffnungstermin auf Rückfragen hin bestätigt. Wir fühlen uns getäuscht, so der Grüne Politiker. Hermann fordert nun einen Sonderlenkungskreis und echte Transparenz statt neuer Termine ohne Substanz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage, ob die neuen Terminrisiken tatsächlich erst nach Pallas Amtsantritt erkennbar wurden oder ob das alte Management die Probleme bewusst verschleiert hatte, bleibt offen. Analysen der DB Projekt Stuttgart Ulm GmbH sowie des Beratungsunternehmens PwC hatten laut Berichten bereits im Sommer erhebliche Risiken für den geplanten Eröffnungstermin aufgezeigt. Detlef Neuß vom Fahrgastverband Pro Bahn nannte die Entwicklung eine Riesenblamage.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die städtebauliche Dimension</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Über die technischen Probleme hinaus berührt Stuttgart 21 fundamentale Fragen der Stadtentwicklung. Die freiwerdenden Gleisflächen von 109 Hektar, für 459 Millionen Euro bereits 2001 von der Stadt erworben, sollten ein neues Stadtquartier ermöglichen. Ingenhoven träumte von der Vision einer Stadt im Garten mit zurückgebauten Straßen und Vorfahrt für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Radfahrende. Stattdessen prägen seit 2010 Baustellen die Wege, Lärm den Alltag und Zäune das Stadtbild.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Bürgerbegehren gegen die Bebauung der Gleisflächen scheiterte im November 2025. Die Erschließung des neuen Rosenstein Quartiers wird nach Angaben der Stadt im Milliardenbereich kosten. Kritikerinnen und Kritiker des Projekts verweisen zudem auf grundlegende Konstruktionsmängel: Die Gleisneigung übersteige auf 400 Metern Länge das erlaubte Maß, die Halbierung der Gleisanzahl von 16 auf 8 reduziere die Fahrgastkapazität erheblich.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lehren für die Baukultur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stuttgart 21 steht exemplarisch für die Schwierigkeiten deutscher Großprojekte. Die Geschichte des Bahnhofs liest sich wie ein Lehrbuch für Projektmanagement Versagen, kommentierte die Fachpresse. Während andere Länder ihre Infrastruktur konsequent modernisieren, verheddern sich hiesige Vorhaben in bürokratischen Zulassungsverfahren und technischen Problemen. Dass ausgerechnet die Digitalisierung zum Stolperstein wird, offenbart die Misere deutscher Infrastrukturpolitik.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der architektonisch ambitionierte Entwurf von Ingenhoven verdient Anerkennung, doch Architektur allein schafft keine funktionierenden Verkehrsknoten. Die 28 Kelchstützen mögen architektonische Meisterwerke sein. Ob sie jemals Züge im digitalen Takt empfangen werden, bleibt ungewiss. Für die neue Bahnchefin Palla könnte sich der Zeitpunkt der Wahrheit dennoch als klug erweisen: Gelingt eine Eröffnung in ihrer Amtszeit, wird sie als diejenige gelten, die das Chaos beendet hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/milliardengrab-stuttgart-21-die-neue-chefin-wusste-genau-wann-sie-reden-muss/">Milliardengrab Stuttgart 21: Die neue Chefin wusste genau, wann sie reden muss</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Museum Wiesbaden: Warum ein Wiener Büro deutsche Kulturbaupolitik beschämt</title>
		<link>https://baukunst.art/museum-wiesbaden-warum-ein-wiener-buero-deutsche-kulturbaupolitik-beschaemt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Nov 2025 15:23:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturwettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsbau]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14394</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wiener Büro gewinnt Wettbewerb für Museumserweiterung in Wiesbaden. Der Siegerentwurf verbindet Respekt vor Theodor Fischers Erbe mit zeitgenössischer Klarheit.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/museum-wiesbaden-warum-ein-wiener-buero-deutsche-kulturbaupolitik-beschaemt/">Museum Wiesbaden: Warum ein Wiener Büro deutsche Kulturbaupolitik beschämt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Wiener Eleganz im hessischen Südhof</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Der Wettbewerb für den Erweiterungsbau des Museums Wiesbaden setzt Maßstäbe für den respektvollen Umgang mit denkmalgeschützten Ensembles</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Museum Wiesbaden feiert 2025 seinen 200. Geburtstag. Im Jahr der Jubiläumsfeierlichkeiten verkündete das Land Hessen die Entscheidung eines Architekturwettbewerbs, der die räumliche Zukunft des Landesmuseums für Kunst und Natur besiegeln soll. Das Wiener Büro Schenker Salvi Weber setzte sich gegen 18 Mitbewerber durch und präsentiert einen Entwurf, der die heikle Balance zwischen historischer Substanz und zeitgenössischem Anspruch meisterhaft auslotet.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Denkmal verlangt nach Erweiterung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bestandsbau an der Friedrich Ebert Allee, zwischen 1912 und 1920 nach Plänen des renommierten Museumsarchitekten Theodor Fischer errichtet, gehört zu den bedeutendsten Kulturbauten der Landeshauptstadt. Fischer, dessen Hessisches Landesmuseum in Kassel und das Kunstgebäude am Stuttgarter Schlossplatz zeitgleich entstanden, schuf in Wiesbaden ein dreiflügeliges Ensemble, das den bildungsbürgerlichen Geist des frühen 20. Jahrhunderts atmet. Vor dem Haupteingang plante Fischer einst ein Goethe Denkmal, was angesichts der Rolle Johann Wolfgang von Goethes bei der Museumsgründung 1825 durchaus programmatischen Charakter besaß.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heute verfügt das Haus über rund 7.400 Quadratmeter Ausstellungsfläche, die Kunstsammlungen von den Alten Meistern über die Klassische Moderne bis zur Gegenwartskunst sowie die Naturhistorischen Sammlungen beherbergen. Doch der Raum genügt längst nicht mehr. Museumsdirektor Dr. Andreas Henning bringt die Situation auf den Punkt: Der Erweiterungsbau sei grundlegend für jegliche Weiterentwicklung des Landesmuseums. Erstmals erhalte man konkurrenzfähige Sonderausstellungsflächen, adäquate Depotflächen und Räume für Gegenwartskunst.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Wettbewerbsverfahren</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Land Hessen, vertreten durch das Finanzministerium, lobte den nichtoffenen Realisierungswettbewerb nach RPW aus. Der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen übernahm die Betreuung, die Düsseldorfer FALTIN+SATTLER FSW GmbH fungierte als Wettbewerbsbetreuerin. Aus über 120 Bewerbungen wurden 20 Architekturbüros zur Teilnahme eingeladen. Das hochkarätig besetzte Preisgericht unter Vorsitz von Professorin Gesine Weinmiller vereinte Fachpreisrichterinnen und Fachpreisrichter der Architektur mit Vertreterinnen und Vertretern des Wissenschafts, des Finanzministeriums, des Landesbetriebs, des Museums, der Stadt Wiesbaden und des Landesamts für Denkmalpflege.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Verfahren verlief in zwei Phasen. Im Juli 2025 entschied die Jury, zwei Konzepte auf einem geteilten zweiten Rang zu platzieren und beide Büros in eine Überarbeitungsphase zu schicken. Im November 2025 beurteilte das Preisgericht die präzisierten Arbeiten erneut und votierte schließlich einstimmig für den Siegerentwurf von Schenker Salvi Weber. Den zweiten Platz belegte Wandel Lorch Götze Wach aus Frankfurt am Main. Unter den weiteren Platzierten fanden sich renommierte Büros wie Degelo Architekten, gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner, Faerber Architekten und Staab Architekten.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die städtebauliche Herausforderung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Entwurfsaufgabe konzentrierte sich auf ein Baufeld im Südhof des Bestandsgebäudes, eine Entscheidung, die nach intensiven Voruntersuchungen und Abstimmungen mit allen Beteiligten getroffen wurde. Die kompakte Baufläche, die denkmalschutzrechtlichen Restriktionen und die Notwendigkeit einer sensiblen Integration in Fischers Ensemble machten die Aufgabe zu einer der anspruchsvollsten im aktuellen hessischen Kulturbauprogramm. Gefordert waren rund 3.000 Quadratmeter zusätzliche Nutzfläche für Sonder und Dauerausstellungen, Depoträume sowie Büro und Technikflächen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die planerische Leitlinie sah eine deutliche gestalterische Trennung von Alt und Neubau vor. Die historische Struktur des Fischer Ensembles sollte respektiert, zugleich aber eine zeitgemäße Erweiterung geschaffen werden. Kein leichtes Unterfangen, denn allzu viele Erweiterungsbauten der vergangenen Jahrzehnte scheiterten an genau dieser Gratwanderung zwischen Anpassung und Eigenständigkeit.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Siegerentwurf: Klarheit und Respekt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Wiener<strong> <a href="https://www.schenkersalviweber.com/erweiterung-museum-wiesbaden/" target="_blank" rel="noopener">Büro Schenker Salvi Weber</a>,</strong> 2009 von Andres Schenker, Michael Salvi und Thomas Weber gegründet, bringt einschlägige Erfahrung im Museumsbau mit. Das KinderKunstLabor in St. Pölten, mit dem Bauherrinnen und Bauherrenpreis 2024 ausgezeichnet, das Museum Belvedere Salzburg, derzeit im Bau, sowie die Nominierung für den Mies van der Rohe Award 2018 belegen die Kompetenz des mittlerweile rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählenden Teams.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Juryvorsitzende Gesine Weinmiller begründete die Entscheidung: Der Entwurf überzeuge durch eine klare städtebauliche Haltung, respektvollen Umgang mit dem Bestand und eine eigenständige architektonische Identität. Die funktionale Organisation mit zentralem Atrium und durchdachter Erschließung biete hohe räumliche Qualität. Insgesamt handele es sich um eine überzeugende, weiterentwickelte Lösung mit großem Entwicklungspotenzial.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit als Planungsprämisse</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der geplante Erweiterungsbau soll nach den Maßstäben des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen realisiert werden und mindestens den Silber Standard erreichen. Ziel ist es, den Neubau mit einem geringen CO2 Fußabdruck zu errichten und im Betrieb klimaneutral zu betreiben. Passive Strategien zur Energieeinsparung, klimaresiliente Bauweisen und der Einsatz regenerativer Energien werden Teil der weiteren Planung sein. Damit reiht sich das Projekt in die ambitionierte Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Hessen ein.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Politische Dimension und Ausblick</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kunst und Kulturminister Timon Gremmels betonte, der Entwurf verbinde architektonische Qualität, funktionale Klarheit und eine sensible Einbindung in den historischen Bestand. Das Bauvorhaben stehe beispielhaft für den Anspruch Hessens, Kultur, Architektur und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen. Finanzminister Professor Dr. R. Alexander Lorz verwies auf die beharrlich wachsende Sammlung, die den Anbau notwendig mache.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Museumsdirektor Henning formulierte einen bemerkenswerten Wunsch: Den herausragenden Siegerentwurf zu realisieren, wäre das schönste Geschenk, das die Landesregierung dem Museum zu seinem 200jährigen Jubiläum machen könnte. Ob und wann dieses Geschenk überreicht wird, bleibt abzuwarten. Der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen wird nun ein Verhandlungsverfahren mit den Preisträgerinnen und Preisträgern durchführen. Erst nach dessen Abschluss werden Kosten und Zeitrahmen konkretisiert.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Würdigung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Wettbewerb demonstriert, wie anspruchsvolle Planungskultur funktionieren kann. Die Zweiphasigkeit des Verfahrens, die hochkarätige Jurybesetzung, die Einbeziehung der Denkmalpflege von Beginn an: All dies zeugt von professionellem Vorgehen. Die Entscheidung für ein internationales Büro mit deutschsprachigem Hintergrund erscheint nachvollziehbar, brachte Schenker Salvi Weber doch sowohl Schweizer Präzision als auch österreichische Kulturbaukompetenz mit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob der Erweiterungsbau tatsächlich realisiert wird, hängt letztlich von politischen Prioritäten und Haushaltsentscheidungen ab. In Zeiten knapper öffentlicher Kassen steht die Kulturbaupolitik unter besonderem Rechtfertigungsdruck. Doch gerade das 200jährige Jubiläum bietet einen symbolischen Anlass, in die Zukunft des Hauses zu investieren. Das Museum Wiesbaden, dessen Ursprünge auf bürgerschaftliches Engagement und Goethes Weitblick zurückgehen, verdient eine bauliche Fortsetzung seiner beeindruckenden Geschichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Ulmer Orgelpfeifen für den Widerstand</title>
		<link>https://baukunst.art/ulmer-orgelpfeifen-fuer-den-widerstand/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Nov 2025 15:16:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Brunner/Ritz]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Weiße Rose]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14391</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ulm erhält einen skulpturalen Gedenkort für die Weiße Rose. Der Entwurf des Künstlerduos Brunner/Ritz verbindet Orgelarchitektur mit NS-Widerstandsgeschichte.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ulms neuer Lernort Weiße Rose verbindet Erinnerungskultur mit skulpturaler Architektur</strong></em></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">An der Martin-Luther-Kirche in der Ulmer Weststadt wächst ein Rundbau aus dem Boden, der historische Symbolik mit zeitgenössischer Installationskunst verschmelzt. Die Stadt hat den Entwurf des Münchner Künstlerduos Brunner/Ritz für den neuen Lernort Weiße Rose bewilligt, einen elfmetrigen Zylinder aus rund 600 symbolischen Orgelpfeifen. Der Bauausschuss votierte einstimmig für das Projekt, das bis 2027 fertiggestellt werden soll.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein authentischer Ort findet seine Fortsetzung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Orgelstube der Martin-Luther-Kirche birgt eines der letzten authentischen Zeugnisse des studentischen Widerstands gegen das NS-Regime. Im Januar 1943 versteckten Hans und Susanne Hirzel gemeinsam mit Franz Josef Müller etwa 2000 Exemplare des fünften Flugblatts der Weißen Rose hinter dem Orgelprospekt der großen Walcker-Orgel. Die Geschwister Scholl hatten die Schriften von München nach Ulm gebracht, wo ihr enger Freundeskreis die gefährliche Arbeit des Kuvertierens und Verteilens übernahm.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch dieser historisch bedeutsame Raum ist für die Öffentlichkeit kaum zugänglich. Feuerpolizeiliche Auflagen und die beengte Raumsituation im Kirchturm machen reguläre Besichtigungen unmöglich. Die bestehende Ausstellung im Treppenhaus, einst von Schülerinnen und Schülern gestaltet, entspricht längst nicht mehr heutigen museumsdidaktischen Standards. Der Ulmer Stadtarchivar Michael Wettengel bezeichnet die Orgelstube als den wahrscheinlich einzigen authentisch erhaltenen Ort des Jugendwiderstands gegen die NS-Herrschaft und unterstreicht damit die Dringlichkeit einer angemessenen Präsentation.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Brunner/Ritz: Künstler mit Ulm-Erfahrung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wahl des Künstlerduos Brunner/Ritz überrascht nicht. Johannes Brunner und Raimund Ritz haben mit dem <a href="https://www.brunner-ritz.de/" target="_blank" rel="noopener">Berblingerturm</a> bereits 2020 bewiesen, dass sie ortsspezifische Kunst auf höchstem Niveau zu realisieren vermögen. Der um zehn Grad geneigte Stahlturm an der Adlerbastei, der an den legendären Flugversuch des Schneiders von Ulm erinnert, entwickelte sich binnen kurzer Zeit zum neuen Wahrzeichen der Stadt. Über 200.000 Besucherinnen und Besucher erklommen in den ersten Monaten die 71 Stufen zur Aussichtsplattform.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die beiden Münchner Künstler arbeiten seit 1990 an der Schnittstelle zwischen Bildhauerei und Musik, zwischen Installation und Performance. Brunner, Professor für Bildhauerei an der Alanus Hochschule in Alfter, und Ritz, Komponist und Klangkünstler, verstehen es meisterhaft, Orte durch multisensorische Elemente neu erfahrbar zu machen. Ihre Arbeiten für die Technische Universität München, die Stadtwerke München oder das Forum Duisburg zeugen von einer konsequenten Auseinandersetzung mit architektonischen Situationen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektur des Erinnerns</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Entwurf für den Lernort Weiße Rose überzeugt durch seine stringente Symbolik. Die Außenhülle aus rund 600 Rohrelementen in Form von Orgelpfeifen nimmt direkten Bezug auf das historische Versteck hinter dem Orgelprospekt. Gleichzeitig visualisiert die Fassade die Idee der gehefteten Flugblätter, jene Schriften, die einst so gefährlich waren, dass ihre Verteilung mit dem Tod bestraft wurde. Im Inneren des etwa elf Meter hohen Rundbaus findet eine Schulklasse oder Besuchergruppe von bis zu 30 Personen Platz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Konzeption nimmt, wie der Ulmer Dekan Torsten Krannich treffend formuliert, die Enge und Abgeschiedenheit der Orgelkammer auf und stellt gleichzeitig überzeugend öffentlich dar, was damals ganz im Geheimen geschehen musste. Hier liegt die eigentliche Stärke des Entwurfs: Er transformiert das Verborgene ins Sichtbare, ohne die historische Spannung zwischen Heimlichkeit und öffentlichem Bekenntnis aufzulösen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Würdigung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die multimediale Ausstellung im Inneren sollen Fachhistorikerinnen und Fachhistoriker der Ludwig-Maximilians-Universität München erarbeiten. Hier zeigt sich ein kluger Schachzug: Die LMU, deren Lichthof als wichtigster Gedenkort der Weißen Rose gilt, bringt ihre wissenschaftliche Expertise in das Ulmer Projekt ein. Die inhaltliche Verknüpfung der beiden Standorte verspricht eine differenzierte Darstellung des Widerstands, die München und Ulm gleichermaßen würdigt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichwohl wirft das Projekt Fragen auf. Mit 1,5 Millionen Euro Bundesförderung, die der Biberacher Bundestagsabgeordnete Martin Gerster im Haushaltsausschuss durchsetzte, ist die Finanzierung zwar gesichert. Doch reicht dieses Budget für einen Bau, der sowohl architektonisch ambitioniert als auch technisch anspruchsvoll sein muss? Die Integration multimedialer Installationen, die langfristige Wartung der Klang- und Lichttechnik sowie die barrierefreie Erschließung werden die Kosten treiben. Ob die geplante Fertigstellung bis 2027 oder spätestens zur Landesgartenschau 2030 realistisch ist, bleibt abzuwarten.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Erinnerungskultur im Wandel</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Lernort Weiße Rose fügt sich in eine bemerkenswerte Entwicklung der Ulmer Erinnerungskultur ein. Das Einstein-Familienmuseum, das Denkzeichen für die Opfer von NS-Zwangssterilisation am Landgericht, die kritische Aufarbeitung der NS-Vergangenheit des Universitätsgründungsrektors Ludwig Heilmeyer und nun das geplante Einstein Discovery Center nach Entwürfen von Daniel Libeskind zeigen eine Stadt, die sich ihrer Geschichte aktiv stellt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir, Vorsitzender des Fördervereins Lernort Weiße Rose, betont die Aktualität der Botschaft: Die Aufforderung in dem Flugblatt, den Mantel der Gleichgültigkeit zu zerreißen, und der Satz, dass Deutschland nur in einem föderalen Europa eine Zukunft hat, beeindrucken mich bis heute. In Zeiten wachsender Demokratieskepsis und europäischer Krisen gewinnt diese Mahnung neue Dringlichkeit.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Modell für andere Regionen?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Ulmer Projekt demonstriert, wie kleinere Städte authentische Gedenkorte zeitgemäß weiterentwickeln können. Die Kombination aus skulpturaler Architektur, wissenschaftlich fundierter Vermittlung und digitaler Erweiterung setzt Maßstäbe. Für andere Kommunen mit vergleichbaren historischen Stätten könnte der Lernort Weiße Rose als Referenzprojekt dienen, freilich unter Berücksichtigung der jeweiligen lokalen Besonderheiten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Entscheidend wird sein, ob der Ort junge Menschen wirklich erreicht. Die Instagram-Kampagne @‌ichbinsophiescholl von SWR und BR hat gezeigt, welches Potenzial in zeitgemäßen Vermittlungsformaten steckt. Der neue Lernort muss diesen digitalen Ansatz konsequent weiterdenken, ohne in oberflächliche Gamification abzugleiten. Die Geschichte der Weißen Rose verdient mehr als ein interaktives Erlebnis. Sie verlangt nach echter Auseinandersetzung mit Mut, Gewissen und den Grenzen des Gehorsams.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Wie ein Dorf im Nahetal Deutschlands Baugeschichte für die Zukunft bewahrt</title>
		<link>https://baukunst.art/wie-ein-dorf-im-nahetal-deutschlands-baugeschichte-fuer-die-zukunft-bewahrt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 09:59:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalpflege Rheinland-Pfalz]]></category>
		<category><![CDATA[Handwerkliche Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[regionale Baukultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bad Sobernheim zeigt, wie regionale Baukultur durch konsequente Denkmalpflege lebendig bleibt. Das Freilichtmuseum und die Klosterruinen bilden ein Architektur-Lehrbuch der Nahe-Region – vorindustrielle Handwerkstradition trifft auf mittelalterliche Klosterarchitektur.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektur der Erinnerung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Nahetal bei Bad Sobernheim hat sich eine Region bewahrt, in der architektonische Zeugnisse mehrerer Jahrhunderte nebeneinander bestehen – nicht als museale Kuriosa, sondern als aktive Schauplätze einer gelebten Baukultur. Das Freilichtmuseum Rheinland-Pfalz und der Disibodenberg verkörpern zwei Facetten dieser Strategie: Während das Museum Bausubstanz konserviert, die sonst verloren wäre, versucht die Klosterstiftung, historische Räume für zeitgenössische Nutzungen zu erschließen. In beiden Fällen geht es um mehr als Denkmalpflege – es geht um die Frage, wie Gesellschaften ihre architektonische DNA bewahren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Handwerk im Freilichtmuseum: Fachwerkbau als regionaler Standard</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das vor 50 Jahren gegründete Freilichtmuseum auf 35 Hektar versammelt etwa 40 Bauernhöfe und Handwerksbetriebe – ein Querschnitt durch die vorindustrielle Architektur der Region. Diese Gebäude, gerettet vor Abriss oder Verfall, stammen aus Eifel, Westerwald, Hunsrück, Pfalz und Rheinhessen. Was fasziniert an diesen Strukturen architektonisch?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Fachwerkbauten erzählen von einer Ökonomie der Materialien. Der charakteristische Holzrahmen mit gefachtem Leichtlehm war nicht ästhetisch gemeint, sondern praktisch: Er nutzte das verfügbare Material (Holz aus lokalen Wäldern) optimal aus und ermöglichte schnelle, kostengünstige Erstellung. Die Architekturform folgt funktionaler Notwendigkeit. Dennoch entstanden dabei proportional ausgewogene, in ihrer Bescheidenheit elegante Bauten. Das Satteldach mit Ziegeln, die charakteristische Ausrichtung der Fenster zur Südseite – jedes Detail rationales Ergebnis eines handwerklichen Wissens, das sich über Generationen sedimentierte. Im Museum werden diese Bauten vornehmlich zu besonderen Anlässen „belebt&#8220;, wenn Backen, Weben oder Schmieden vorgeführt werden. Das ist aus konservatorischer Sicht kritisch zu sehen: Die Gebäude sind dann weniger lebender Handwerksraum, mehr Schauplatz. Doch praktisch gibt es oft keine Alternative, wenn moderne Nutzungen fehlen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Disibodenberg: Klosterarchitektur zwischen Ruine und Restauration</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine andere architektonische Herausforderung stellt der benachbarte Disibodenberg dar. Das Kloster, gegründet im 7. Jahrhundert, erlebte seine bauliche Blüte zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert. Die Hauptsubstanz – Basilika, Kreuzgang, Kapitelsaal, Klausur – stammte von Zisterzienser-Baumeistern, die nach strikten funktionalen Prinzipien arbeiteten. Nach Säkularisation und Verkauf zur Abbruchreife blieb von dieser mächtigen Anlage nur fragmentarisch Substanz erhalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit 1989 versucht die Scivias-Stiftung das Vermächtnis wiederherzustellen – eine Strategie der Ruinen-Archäologie im 21. Jahrhundert. Das augenfälligste Rekonstruktionsprojekt war die Wiedererrichtung des 40 Meter langen Gästehauses (Hospiz). Doch hier offenbaren sich die Grenzen: Klausur, Basilika und Kreuzgang wurden „in Grundzügen aufgemauert und begrünt&#8220;, wie es beschönigend heißt. Steine und Bäume wirken „wie miteinander verwachsen&#8220;. Das ist historische Romantisierung – wobei nicht kritisiert werden soll, dass der Klosterruine neue Konturen gegeben wurden. Vielmehr zeigt sich hier eine architektonische Schizophrenie: Ist das Ziel die akkurate Rekonstruktion historischer Bauformen, oder die Schaffung einer „entrückten Welt&#8220; für gegenwärtiges Erleben? Diese Frage wird nicht klar beantwortet, weshalb die Maßnahmen zwischen Denkmalpflege und Szenografie schweben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Heilarchitektur: Emanuel Felke und die Lehrmanwendungen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine regionale Besonderheit Bad Sobernheims ist die Tradition der Heilarchitektur, geprägt durch Pastor Emanuel Felke. Der 1915 angekommene Heiler entwickelte die „Lehrmanwendungen&#8220; – Methoden der ganzheitlichen Heilkunde, die enge Verflechtung zwischen Körper, Raum und Natur vorsahen. Das manifeste Zeugnis ist der 1992 angelegte Barfußpfad an der Nahe – der erste seiner Art in Deutschland, 3,5 Kilometer lang.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisch ist der Barfußpfad eine innovative Typus-Erfindung: ein lineares Bewegungsobjekt, das Natur und Heilwirkung durch räumliche Sequenzierung verbindet. Die Abfolge verschiedener Naturmaterialien (Kies, Gras, Schotter, Holz) erzeugt körperliche Stimulation – architektur als sensorische Erfahrung. Mit modernem Verständnis: Ein therapeutischer Raum, der Fußboden als programmatischer Erlebnisraum. Die Hängebrücke und Seilfähre des Pfads stellen zusätzliche räumliche Erlebnisse bereit. Damit wurde in Bad Sobernheim früher ein konzept entwickelt, das heute unter „Healing Environments&#8220; und Biophilic Design Karriere macht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Barock und Schlichtheit: Die religiöse Architektur der Stadt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Staudernheim, dem benachbarten Ort, steht ein „kaum verändertes Barockensemble&#8220; aus Johanneskirche und Pfarrhaus. Dies ist ein Beispiel für die regionale Kirchenarchitektur des 18. Jahrhunderts. Die Barockkirche in dieser Region folgte – anders als die südlichen Barockzonen – einer Ästhetik der Schlichtheit: klare Fassaden, einfache geometrische Proportionen, Verzicht auf Ornamentik. Das ist konfessionell bedingt (protestantische Barockarchitektur) und zeigt die regionale Eigenständigkeit gegenüber den südlichen Barock-Zentren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Baukultur zwischen Konservierung und Krise</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bad Sobernheim demonstriert strukturelle Herausforderungen der Denkmalpflege in peripheren Regionen. Die Finanzierung der Freilichtmuseum und der Klosterruinen läuft nicht durch staatliche Politik, sondern durch Stiftungsarbeit und Engagement von Ehrenamtlichen. Das ist honorierend, aber fragil. Solche Strukturen sind anfällig für personelle Diskontinuität und finanzielle Volatilität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zugleich zeigt die Region ein innovatives Modell: Lokale Winzer betreiben einen Weinberg mit Reben aus allen Anbaugebieten des Landes. Das ist Baukultur im erweiterten Sinn – es nutzt die architektonische Infrastruktur (das Museum, die Nahe-Landschaft) für gegenwärtige wirtschaftliche und kulturelle Zwecke. Dadurch wird die Region nicht zum musealen Schrumpfraum, sondern bleibt produktiv.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Architektur als regionales Gedächtnis</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bad Sobernheim zeigt, dass regionale Architekturgeschichte nicht antiquarisch sein muss. Das Freilichtmuseum bewahrt handwerkliche Techniken und Proportionen, die zeitgenössischem Bauen als Lernbeispiel dienen könnten. Der Disibodenberg verhandelt die Frage, wie Ruinen bewohnt werden können. Der Barfußpfad ist ein Konzept für therapeutische Architektur, das aktuell ist. Und die schlichte Barockkirche in Staudernheim zeigt, dass regionale Eigenständigkeit ein architektonisches Merkmal ist, das zu würdigen sich lohnt. Was fehlt, ist eine stärkere Vernetzung dieser architektonischen Stränge zu einer regional schlüssigen Erzählung – nicht als nostalgia, sondern als Gegenwarts-Ressource.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Das Wunder von Mannheim: So sieht nachhaltiges Wohnen der Zukunft aus</title>
		<link>https://baukunst.art/das-wunder-von-mannheim-so-sieht-nachhaltiges-wohnen-der-zukunft-aus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 09:49:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Holzbau]]></category>
		<category><![CDATA[Nachverdichtung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnqualität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nachverdichtung mit Leuchtturmcharakter: Das Franklin Village in Mannheim zeigt, wie Holzbau, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Vielfalt auf engstem Raum gelingen – gerade weil die Architekten es verstanden haben.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vom Militärareal zur Leuchtturmstadt</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Transformation eines ehemaligen Militärareals in der Barockstadt Mannheim erzählt eine Geschichte, die sich in vielen deutschen Städten wiederholt. Brachliegende Flächen, Denkmalschutz und die drängenden Fragen der Gegenwart – wie schafft man bezahlbaren Wohnraum ohne dabei die Qualität zu opfern? Das Franklin Village liefert Antworten, die regional bedeutsam sind und deutschlandweit Aufmerksamkeit verdienen. Mit fünf Neubauten und einem sensibel erweiterten Bestandsgebäude entstand ein Quartier, das städtebaulich nachhaltiges Denken mit architektonischer Haltung verbindet.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachverdichtung mit Gesicht – Das Konzept</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Franklin Village verkörpert ein architektonisches Credo, das sich durch die aktuelle Baden-Württembergische Landesentwicklungsplanung zieht: Innenentwicklung statt Flächen versiegeln. Doch hier bleibt das Projekt nicht im Methodischen stecken. Um einen geschützten, mit einheimischen Bäumen begrünten Innenhof gruppiert sich das Ensemble. Stützenfrei vorgelagerte Laubengänge ermöglichen spontane Nachbarschaftsbegegnungen – eine bauliche Antwort auf die moderne Frage nach nachbarschaftlichem Zusammenleben. Die farbigen Trennwände und Deckenunterseiten kontrastieren zur grau lasierten Holzfassade und verleihen dem Hof eine heitere, unverwechselbare Atmosphäre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders regional bedeutsam ist die konsequente Holzbauweise des Projekts. Im Kontext der Baden-Württembergischen Forstwirtschaft und des lokalen Handwerks symbolisiert dies mehr als technische Materialwahl: Es ist ein Statement für regionale Wertschöpfung und CO2-Effizienz. Wenn der Holzbau von Fachleuten aus dem Land realisiert wird, stärkt dies gleichzeitig die lokale Handwerkskultur. Das Projekt zeigt: nachhaltig bedeutet nicht abstrakt, sondern konkret, lokal und wirtschaftlich sinnvoll.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vielfalt als Grundprinzip</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders unter den gegenwärtigen Bedingungen der Wohnungskrise verdient das Programmatische des Franklin Village Aufmerksamkeit. Single-Apartments, klassische Familienwohnungen und Clusterwohnungen mit gemeinschaftlichen Nutzungsbereichen bilden ein Portfolio, das gesellschaftliche Vielfalt nicht bloß verspricht, sondern lebt. Dies entspricht einer regionalen Notwendigkeit, die in den Oberflächenentwicklungsstudien Baden-Württembergs deutlich wird: Der Bedarf an flexiblen Wohnformen wächst kontinuierlich. Pflegefamilien, Patchwork-Konstellationen, Wohngruppen – das Franklin Village antizipiert diese Realität nicht als exotische Ausnahme, sondern als Normalität des urbanen Zusammenlebens.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Planerinnen und Planer Mannheims und der Region hat das Projekt demnach vorbildhafte Qualität. Es demonstriert, dass Dichte und Grün nicht in Widerspruch stehen, dass Kostengünstigkeit und Gestaltungsanspruch koexistieren können und dass Nachhaltigkeit kein Luxusmerkmal sein muss.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Räumliche Lösungen als Angebot</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Detail offenbart die Sorgfalt des Entwurfs: Die großzügigen Freitreppen in den Innenhof schaffen ein Wegekontinuum, das nicht nur funktional ist, sondern einen räumlichen Rahmen für gelebte Gemeinschaft bietet. <a href="https://www.bbr.bund.de/BBR/DE/Wettbewerbe/DeutscherArchitekturpreis/2025/finalisten/franklin-village-mannheim/projektinformation.html#doc2095862bodyText4" target="_blank" rel="noopener">Die Architekten Sauerbruch Hutton</a> haben verstanden, dass Wohnqualität sich nicht in der Privatwohnung erschöpft. Stattdessen wird Gemeinsinn durch Infrastruktur ermöglicht – durch Orte, die Begegnung erlauben, aber nicht erzwingen. Dies ist insbesondere für Mannheim als Industriestadt mit migrationsprägter Bevölkerung bedeutsam. Das Franklin Village könnte ein Modell für weitere Quartiersentwicklungen werden, in denen soziale Durchmischung geplant wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisch überzeugt das Ensemble durch eine klare, unaufgeregte Sprache. Keine stilistische Überzeichnung, keine postmodernen Schnörkel – stattdessen eine kompromisslose Qualität im Holzbau, die zeigt, dass Nachhaltigkeit und Gestaltung Hand in Hand gehen. Für die regionalen Architektenkammer Baden-Württemberg ist dies ein besonders wertvolles Projekt, weil es beweist, dass Dauerhaftigkeit kein Gegensatz zu Innovation darstellt.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausstrahlungskraft und Vorbildfunktion</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob es die Fürther Straße ist oder die Neckarstadt – in Mannheim gibt es zahlreiche Orte, an denen ähnliche Transformationen möglich wären. Das Franklin Village ist weniger ein isoliertes Prestigeprojekt als vielmehr ein Katalysator für Gedankenprozesse. Es zeigt, dass sich der öffentliche Raum nicht von Privatwohnungen trennt, dass Mehrfamilienhaus und Aufenthaltsqualität kein Widerspruch darstellen. Dies ist eine regionalpolitische Botschaft an die Kommunen des Rhein-Neckar-Raums.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Franklin Village ist mehr als ein Wohnbauprojekt. Es ist ein Statement für eine zukunftsfähige Stadtgesellschaft: vielfältig, nachhaltig, schön. Mit der Auszeichnung durch den Deutschen Architekturpreis 2025 hat die Jury erkannt, dass vorbildliches Bauen sich nicht in spektakulären Gesten erschöpft, sondern in der subtilen Integration von Nachhaltigkeit, Funktionalität und Ästhetik besteht. Für Mannheim, für Baden-Württemberg und für alle deutschen Städte mit ähnlichen Herausforderungen ist dies eine wichtige Referenz geworden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><a href="https://bak.de/presse/pressemitteilungen/ausgezeichnete-architektur-deutscher-architekturpreis-2025-fuer-innovatives-wohnquartier-verliehen/?utm_source=&amp;utm_medium=&amp;utm_campaign=" target="_blank" rel="noopener">mehr&#8230;</a></p>
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		<title>Zwischen Bewahrung und Erneuerung: Die Kunst der unsichtbaren Renovation im Brenners Park-Hotel</title>
		<link>https://baukunst.art/zwischen-bewahrung-und-erneuerung-die-kunst-der-unsichtbaren-renovation-im-brenners-park-hotel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Sep 2025 09:49:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Baden-Baden]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Hotelsanierung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13455</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wie das Brenners Park-Hotel in Baden-Baden bei laufendem Betrieb komplett saniert wurde – und warum man davon nichts sieht. Ein Lehrstück über sensible Denkmalsanierung im UNESCO-Welterbe.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein architektonisches Kunststück an der Lichtentaler Allee</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die vollständige Grundsanierung eines über hundertjährigen Grandhotels bei laufendem Betrieb gleicht einem chirurgischen Eingriff am offenen Herzen. Das Brenners Park-Hotel &amp; Spa in Baden-Baden hat diese Herkulesaufgabe zwischen Oktober 2023 und 2024 gemeistert – und dabei ein Paradoxon geschaffen: Eine Renovation, die alles verändert und doch nichts sichtbar macht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die DNA des Ortes bewahren</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baden-Baden, seit 2021 Teil des UNESCO-Welterbes der „Great Spa Towns of Europe&#8220;, stellt besondere Anforderungen an bauliche Eingriffe. Die Landesbauordnung Baden-Württembergs in Verbindung mit strengen Denkmalschutzauflagen fordert hier einen Spagat zwischen zeitgemäßer Haustechnik und historischer Substanz. Bergit Gräfin Douglas, die als Innenarchitektin die Neugestaltung verantwortete, löste diese Aufgabe mit bemerkenswerter Sensibilität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wahl monochromer Wandfarben in klassischen Nuancen des 19. Jahrhunderts mag auf den ersten Blick konservativ erscheinen. Tatsächlich handelt es sich um eine raffinierte Strategie: Die historischen Farbpaletten der Kurarchitektur Baden-Badens werden nicht kopiert, sondern zeitgenössisch interpretiert. Diese Herangehensweise respektiert die regionale Bautradition der Bäderarchitektur, ohne in museale Erstarrung zu verfallen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Unsichtbare Modernisierung als Meisterleistung</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der eigentliche architektonische Coup liegt in der technischen Erneuerung. Sieben monumentale Versorgungsschächte wurden in das historische Gebäude integriert, ein separater Personalaufzug eingebaut, komplett neue Sanitär- und Belüftungsanlagen installiert. Diese massiven Eingriffe in die Bausubstanz bleiben für Gäste unsichtbar – ein Triumph der Planungskunst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Herausforderung lag nicht nur in der Statik eines Gebäudes aus der Gründerzeit, sondern auch in der topografischen Lage. Das Hotel schmiegt sich an den sanften Hang zur Oos, eingebettet in die Parklandschaft der Lichtentaler Allee. Diese für Baden-Baden typische Verschmelzung von Architektur und Landschaftsraum durfte durch die Baumaßnahmen nicht gestört werden. Die Lösung: Alle schweren Eingriffe erfolgten von innen heraus, die Fassade blieb während der gesamten Bauzeit intakt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Regionale Handwerkskunst trifft internationale Standards</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein bemerkenswertes Detail der Renovation ist die Rettung historischer Tapeten. Statt diese zu entsorgen, transformierte man sie in individuelle Reisebegleiter – handgefertigte Notizbücher mit Fragmenten der Originaltapeten aus den jeweiligen Zimmern. Diese Geste verkörpert eine spezifisch baden-württembergische Tugend: die Verbindung von Sparsamkeit, Handwerkskunst und Wertschätzung für Geschichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Einbindung regionaler Betriebe zeigt sich auch in der täglichen Hotelpraxis. Die Brötchen stammen von der Bäckerei Böckeler aus Bühl, der Kaffee aus Achern, der Honig vom hauseigenen Imker aus Kuppenheim. Diese Verflechtung mit der Region ist mehr als Marketing – sie ist Ausdruck einer Baukultur, die Architektur nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil eines lebendigen Gefüges versteht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die architektonische Nachbarschaft des Hotels verdeutlicht das kreative Spannungsfeld Baden-Badens: Direkt gegenüber erhebt sich das Museum Frieder Burda, ein puristischer Kubus von Richard Meier aus dem Jahr 2004. Statt eines Konflikts entsteht ein Dialog zwischen historischer Grandhotelarchitektur und zeitgenössischer Museumsarchitektur – ein Sinnbild für die Planungskultur der Kurstadt, die Altes und Neues nicht als Gegensatz, sondern als Bereicherung versteht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Villa Stephanie, die während der Renovierung des Haupthauses als Ausweichquartier diente, zeigt exemplarisch den regionalen Umgang mit historischer Bausubstanz. Das 2015 auf 5000 Quadratmetern eingerichtete Luxus-Spa verbindet historische Villenarchitektur mit modernster Wellness-Technologie – ohne dass die ursprüngliche Raumstruktur aufgegeben wurde.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachhaltigkeit durch Bestand</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Zeiten des Klimawandels gewinnt die Entscheidung zur Bestandssanierung zusätzliche Relevanz. Die graue Energie des historischen Gebäudes bleibt erhalten, während die technische Modernisierung den Energieverbrauch drastisch reduziert. Die neuen Belüftungsanlagen arbeiten mit Wärmerückgewinnung, die Sanitäranlagen entsprechen modernsten Wassersparstandards.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Form der Nachhaltigkeit entspricht der baden-württembergischen Bautradition des „Häusle-Bauens&#8220; – der sorgsame Umgang mit Ressourcen und die Pflege des Bestehenden haben hier kulturelle Wurzeln. Das Brenners verkörpert diese Haltung auf Luxusniveau: Bewahrung ohne Stillstand, Innovation ohne Zerstörung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Modell für sensible Hotelsanierungen</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Renovation des Brenners Park-Hotels könnte Modellcharakter für ähnliche Projekte in anderen deutschen Kurorten entwickeln. Von Wiesbaden über Bad Homburg bis Bad Kissingen stehen historische Grandhotels vor ähnlichen Herausforderungen: Wie lässt sich die Aura des Ortes bewahren und gleichzeitig zeitgemäßer Komfort bieten?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Baden-Badener Lösung zeigt: Es bedarf eines interdisziplinären Teams aus Denkmalpflegern, Architekten und Fachplanern, das die spezifischen Qualitäten des Ortes versteht. Die enge Zusammenarbeit mit lokalen Handwerksbetrieben und die Wertschätzung regionaler Bautraditionen sind dabei keine romantische Folklore, sondern praktische Notwendigkeit. Nur wer die lokalen klimatischen Bedingungen, die historischen Bautechniken und die kulturellen Erwartungen kennt, kann eine Sanierung durchführen, die mehr ist als technische Ertüchtigung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fazit: Die Zukunft liegt in der Vergangenheit</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Brenners Park-Hotel beweist, dass Denkmalschutz und Luxushotellerie keine Gegensätze sein müssen. Die gelungene Synthese aus Bewahrung und Erneuerung zeigt einen Weg auf, wie historische Bausubstanz für kommende Generationen erhalten werden kann – ohne museale Erstarrung, aber mit Respekt vor der Geschichte. In einer Zeit, in der Abriss und Neubau oft als einfachste Lösung erscheinen, setzt Baden-Baden ein Zeichen für die behutsame Transformation. Das ist nicht nur nachhaltig, sondern auch ökonomisch sinnvoll: Die Authentizität historischer Grandhotels lässt sich nicht nachbauen, nur bewahren.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Sozialer Wohnungsbau statt Blechlawinen: Karlsruhes mutiger Schritt</title>
		<link>https://baukunst.art/sozialer-wohnungsbau-statt-blechlawinen-karlsruhes-mutiger-schritt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Sep 2025 09:41:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Baurecht]]></category>
		<category><![CDATA[Nachverdichtung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Karlsruhe baut Wohnungen auf Garagen – genial einfach, doch warum klappt's woanders nicht? Über Baurecht, Beton und föderale Blockaden.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/sozialer-wohnungsbau-statt-blechlawinen-karlsruhes-mutiger-schritt/">Sozialer Wohnungsbau statt Blechlawinen: Karlsruhes mutiger Schritt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Garagendächer als Bauland: </strong><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Leuchtturm mit Schattenseiten</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen den Zeilenbauten des Karlsruher Stadtteils Rintheim hat sich etwas Bemerkenswertes entwickelt. Wo jahrzehntelang nur Betondecken die Autos vor Regen schützten, thronen heute zwölf neue Wohnungen auf drei Garagenkomplexen. Die Volkswohnung Karlsruhe hat geschafft, woran andere Kommunen verzweifeln: Sie hat brachliegende Flächen mitten in der Stadt aktiviert – ohne einen einzigen Quadratmeter Grün zu versiegeln.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Baden-Württemberg prescht vor</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was in Karlsruhe gelungen ist, spiegelt die progressive Planungskultur Baden-Württembergs wider. Die Landesbauordnung wurde bereits 2019 reformiert, um innovative Nachverdichtung zu erleichtern. Während Bayern noch über Lockerungen der Abstandsflächenregelungen diskutiert und Nordrhein-Westfalen mit seiner komplexen Genehmigungspraxis kämpft, zeigt der Südwesten, wie pragmatische Lösungen aussehen können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Karlsruher Architekt Falk Schneemann hat dabei nicht nur ein architektonisches, sondern ein regionales Statement gesetzt: Die Holzfertigbauweise nutzt ausschließlich Materialien aus dem Schwarzwald und der Rheinebene. „Wir wollten zeigen, dass regionale Wertschöpfung und sozialer Wohnungsbau kein Widerspruch sind&#8220;, erklärt der Planer, dessen Büro seit Jahren auf lokale Handwerksbetriebe setzt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ost-West-Gefälle der Möglichkeiten</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Realität sieht andernorts ernüchternd aus. Besonders in den östlichen Bundesländern, wo Garagenhöfe zur DNA der Plattenbausiedlungen gehören, scheitern ähnliche Projekte reihenweise. In Dresden-Prohlis stehen über 2.000 Garagen leer, in Leipzig-Grünau verfallen ganze Komplexe. Die sächsische Bauordnung würde Aufstockungen theoretisch erlauben, doch die maroden DDR-Fertigteilkonstruktionen tragen keine zusätzlichen Lasten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„Sehr dünner Beton mit kleinen Fundamenten&#8220;, charakterisiert Schneemann das Problem. Die westdeutschen Garagen der 1960er und 70er Jahre seien dagegen oft überraschend solide. Ein baukulturelles Erbe, das niemand auf dem Schirm hatte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Föderale Blockaden</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der wahre Hemmschuh liegt jedoch tiefer: im deutschen Baurecht. Während die Niederlande mit ihrer „Crisis- en herstelwet&#8220; temporäre Nutzungsänderungen binnen Wochen genehmigen, dauern Bebauungsplanänderungen hierzulande Jahre. Bayern pocht auf seine restriktiven Abstandsflächenregelungen, Hessen verweist auf den Bestandsschutz alter Bebauungspläne, und in Berlin scheitern Projekte am Milieuschutz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das 2021 beschlossene Baulandmobilisierungsgesetz sollte Abhilfe schaffen. Doch die Bilanz ist ernüchternd: Von den 16 Bundesländern haben nur Baden-Württemberg, Hamburg und Berlin die neuen Spielräume in ihre Landesbauordnungen übernommen. Rheinland-Pfalz diskutiert noch, Sachsen-Anhalt schweigt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Lokale Allianzen als Erfolgsrezept</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wo es funktioniert, zeigt sich ein Muster: In Karlsruhe arbeiteten Volkswohnung, Stadtplanungsamt und lokale Zimmereibetriebe Hand in Hand. Die Stadt Reutlingen, ebenfalls in Baden-Württemberg, ging einen pragmatischeren Weg: Die dortige GWG setzte Fertigmodule von Schwörerhaus auf neue Garagen – von Anfang an statisch eingeplant.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In München hingegen scheiterte ein ähnliches Projekt der Gewofag am Widerstand der Lokalbaukommission. Die bayerische Landeshauptstadt, die mit 1,8 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern und astronomischen Mieten kämpft, hat geschätzte 50.000 Garagen. Ein ungenutztes Potenzial von theoretisch 10.000 Wohnungen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Klimaanpassung trifft Wohnungsnot</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Karlsruher Lösung punktet auch klimatisch: Die Holzbauweise speichert CO₂, die Dächer sind begrünt, Photovoltaik ist vorbereitet. Das Land Baden-Württemberg förderte das Projekt mit 1,2 Millionen Euro aus dem Programm „Wohnungsbau BW – innovativ&#8220;. Andere Bundesländer haben keine vergleichbaren Programme.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei wäre gerade in Hitze-Hotspots wie Frankfurt, Mannheim oder dem Ruhrgebiet die Kombination aus Nachverdichtung und Klimaanpassung essentiell. Doch während Stuttgart seinen Holzbau-Offensive vorantreibt, verharrt Düsseldorf in der Betontradition.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Modell mit Grenzen</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei aller Euphorie: Das Karlsruher Modell ist kein Selbstläufer. Die 4,5 Millionen Euro Gesamtkosten relativieren sich, wenn man bedenkt, dass nur zwölf Wohnungen entstanden. Die Quadratmeterkosten will die Volkswohnung nicht nennen – „experimenteller Ansatz&#8220;, heißt es.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotzdem: Die Mieten von 7,75 bis 9,30 Euro pro Quadratmeter sind in Karlsruhe, wo der Durchschnitt bei 12 Euro liegt, eine soziale Tat. Die Warteliste ist lang, die mediale Aufmerksamkeit groß. Delegationen aus Hamburg, Frankfurt und sogar Wien pilgern nach Rintheim.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ausblick: Revolution von unten</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Lösung wird nicht vom Bund kommen. Zu verfahren ist die Große Koalition der Bedenkenträger aus Bauordnungsrecht, Brandschutzlobby und Nimby-Mentalität. Die Revolution muss von unten kommen: von mutigen kommunalen Wohnungsbaugesellschaften, progressiven Oberbürgermeisterinnen und Landräten, die sich trauen, alte Pläne über Bord zu werfen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nordrhein-Westfalen plant eine „Experimentierklausel&#8220; in der Landesbauordnung. Thüringen prüft ein Sonderprogramm für Garagenaufstockungen. Selbst das traditionsbewusste Bayern denkt um: Ein Pilotprojekt in Augsburg soll 2025 starten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Garagen sind da. Die Wohnungsnot auch. Was fehlt, ist der politische Mut, beides zusammenzubringen. Karlsruhe hat es vorgemacht. Der Rest ist Föderalismus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Die neue Sehnsucht nach Gemeinschaft – eine Spurensuche in Mainz</title>
		<link>https://baukunst.art/die-neue-sehnsucht-nach-gemeinschaft-eine-spurensuche-in-mainz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Aug 2025 09:52:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinschaftliches Wohnen]]></category>
		<category><![CDATA[Mainz Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbaugenossenschaften]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mainz revolutioniert das Wohnen: Genossenschaften, Inklusion und Nachhaltigkeit prägen neue Quartiere. Wie die Landeshauptstadt zum Vorreiter gemeinschaftlichen Bauens wird.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Mainz macht&#8217;s vor: Wie gemeinschaftliches Wohnen die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt transformiert</strong></h2>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Zwischen Dom und Dichte: Eine Stadt erfindet sich neu</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mainz durchlebt eine bemerkenswerte Metamorphose. Während bundesweit über Wohnungsnot und soziale Isolation debattiert wird, entstehen in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt wegweisende Wohnmodelle, die gemeinschaftliches Leben mit urbanem Flair verbinden. Das Heiligkreuzviertel, einst militärisches Sperrgebiet, avanciert dabei zum Experimentierfeld einer neuen Wohnkultur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Z.WO eG steht exemplarisch für diesen Wandel. 36 barrierefreie Wohneinheiten, durchdacht geplant und konsequent auf Inklusion ausgerichtet, markieren einen Paradigmenwechsel in der regionalen Wohnungsbaupolitik. Clusterwohnungen treffen hier auf Dachgärten, Werkstätten auf Waschsalons – Räume, die Begegnung nicht nur ermöglichen, sondern bewusst inszenieren. Die Genossenschaft organisiert sich nach den Prinzipien der Soziokratie 3.0, einem Governance-Modell, das hierarchische Strukturen durch Kreisorganisation ersetzt. Ein mutiger Schritt, der zeigt: Mainz traut sich was.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Rheinland-pfälzische Bauordnung als Katalysator</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landesbauordnung Rheinland-Pfalz erweist sich als überraschend progressiv. Während andere Bundesländer noch über Stellplatzschlüssel diskutieren, ermöglicht die hiesige Gesetzgebung bereits heute reduzierte Stellplatzzahlen bei Car-Sharing-Konzepten. Die Z.WO eG nutzt diese Spielräume konsequent: Fahrradpools und geteilte Autos ersetzen private PKW-Stellplätze. Ein Modell, das in dieser Form in Bayern oder Baden-Württemberg undenkbar wäre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig profitieren die Projekte von der städtischen Konversionspolitik. Die Transformation ehemaliger Militärflächen – eine rheinland-pfälzische Spezialität angesichts der Historie als Besatzungszone – schafft Raum für experimentelle Wohnformen. Das Fort Heiligkreuz, wo das Projekt TÜR AN TÜR 25 Wohneinheiten realisiert, symbolisiert diesen Wandel von militärischer Abschottung zu sozialem Miteinander.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Mainzer Mischung: Zwischen Tradition und Innovation</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die geografische Lage prägt die Baukultur. Mainz, eingeklemmt zwischen Rhein und Rheinhessen, kämpft mit Flächenknappheit. Diese Enge zwingt zu kreativen Lösungen. Das Wohnprojekt 49°Nord interpretiert urbane Dichte neu: Statt anonymer Hochhauswüsten entstehen vernetzte Nachbarschaften mit aktivem Miteinander. Der Name – eine Referenz auf den Breitengrad – verortet das Projekt selbstbewusst im globalen Kontext, bleibt aber lokal verwurzelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders bemerkenswert: Die Integration unterschiedlicher Zielgruppen gelingt ohne paternalistische Attitüde. Alleinerziehende Mütter und Väter, Seniorinnen und Senioren, Menschen mit Behinderungen – sie alle finden hier nicht nur Wohnraum, sondern Gemeinschaft. Die Wohnbau Mainz, kommunale Wohnungsbaugesellschaft mit Tradition, adaptiert diese Konzepte für den sozialen Wohnungsbau. &#8222;Zuhause in Mainz – miteinander sorgenfrei leben&#8220; mag marketingtechnisch etwas bemüht klingen, trifft aber den Kern: barrierearm, generationenübergreifend, inklusiv.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Finanzierungsmodelle mit regionalem Charakter</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Finanzierungsstrukturen spiegeln rheinland-pfälzische Besonderheiten wider. Die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) fördert gemeinschaftliche Wohnprojekte mit zinsgünstigen Darlehen – allerdings nur bei Einhaltung sozialer Kriterien. Ein Balanceakt zwischen wirtschaftlicher Tragfähigkeit und sozialer Verantwortung, der typisch für die Mainzer Projekte ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Genossenschaftsmodelle profitieren von der regionalen Bankenlandschaft. Sparkasse Mainz und Volksbank Alzey-Worms verstehen die Konzepte, kennen die lokalen Akteurinnen und Akteure. Diese Nähe erleichtert Finanzierungen, die Großbanken als zu komplex ablehnen würden. Ein unterschätzter Standortvorteil, der die Realisierung ermöglicht.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Architektonische Antworten auf klimatische Herausforderungen</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das milde Rheintal-Klima erlaubt architektonische Freiheiten, die im rauen Hunsrück undenkbar wären. Großzügige Balkone, offene Laubengänge, begrünte Innenhöfe – die Mainzer Projekte nutzen diese klimatischen Vorteile konsequent. Photovoltaikanlagen, bei TÜR AN TÜR bereits Standard, profitieren von überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig reagieren die Planungen auf zunehmende Hitzeperioden. Verschattung, Durchlüftung, Begrünung – Strategien gegen urbane Überhitzung werden integral mitgedacht. Die Z.WO eG setzt auf extensive Dachbegrünung, die nicht nur kühlt, sondern auch Regenwasser zurückhält. Eine Antwort auf Starkregenereignisse, die Mainz zunehmend treffen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kritische Reflexion: Grenzen des Modells</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei aller Euphorie bleiben Fragen offen. Die Projekte erreichen primär eine bildungsaffine Mittelschicht. Migrantinnen und Migranten, in Mainz immerhin 30 Prozent der Bevölkerung, sind unterrepräsentiert. Die Soziokratie-Modelle setzen Zeit und Engagement voraus – Luxusgüter für Alleinerziehende im Schichtdienst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch die Skalierbarkeit bleibt fraglich. Die vorgestellten Projekte profitieren von Konversionsflächen, die endlich sind. Wie gemeinschaftliches Wohnen im Bestand funktioniert, bleibt weitgehend unbeantwortet. Die Mainzer Altstadt mit ihrer kleinteiligen Eigentümerstruktur bietet kaum Ansatzpunkte.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ausblick: Mainz als Labor</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotz dieser Einschränkungen: Mainz entwickelt sich zum Reallabor für gemeinschaftliches Wohnen. Die Nähe zu Frankfurt, die Universität als Innovationsmotor, die aufgeschlossene Kommunalpolitik – ideale Rahmenbedingungen für weitere Experimente. Das geplante Projekt SNUG (Selbstbestimmte, nachhaltige, urbane Gemeinschaft) deutet die nächste Evolutionsstufe an: radikal ökologisch, konsequent selbstverwaltet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt beweist: Gemeinschaftliches Wohnen ist keine romantische Utopie, sondern praktikable Alternative. Die Projekte mögen klein sein, ihre Strahlkraft reicht weit über Mainz hinaus. Andere Kommunen, von Trier bis Ludwigshafen, beobachten genau, adaptieren Konzepte, lernen aus Fehlern. Mainz macht&#8217;s vor – mal sehen, wer folgt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/die-neue-sehnsucht-nach-gemeinschaft-eine-spurensuche-in-mainz/">Die neue Sehnsucht nach Gemeinschaft – eine Spurensuche in Mainz</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Neustadt macht Tabula rasa: Der Abriss der Hertie-Ruine als städtebaulicher Befreiungsschlag</title>
		<link>https://baukunst.art/neustadt-macht-tabula-rasa-der-abriss-der-hertie-ruine-als-staedtebaulicher-befreiungsschlag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Aug 2025 08:36:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Südwest]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerbeteiligung Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Hertie-Ruine Neustadt]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung Rheinland-Pfalz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=12997</guid>

					<description><![CDATA[<p>Nach 15 Jahren Stillstand kauft Neustadt die Hertie-Ruine für 4,5 Mio. Euro. Der radikale Abriss macht den Weg frei für einen Neustart mit Bürgerbeteiligung und städtebaulichem Wettbewerb.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/neustadt-macht-tabula-rasa-der-abriss-der-hertie-ruine-als-staedtebaulicher-befreiungsschlag/">Neustadt macht Tabula rasa: Der Abriss der Hertie-Ruine als städtebaulicher Befreiungsschlag</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Demokratie baut Stadt: Neustadts mutiger Weg aus der Investorenpleite</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Kapitel schließt sich – endlich</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Fünfzehn Jahre des Stillstands haben in Neustadt an der Weinstraße tiefe Spuren hinterlassen. Die ehemalige Hertie-Filiale am Bachgängel, einst pulsierendes Herz des innerstädtischen Einzelhandels, verkam zur steinernen Mahnung gescheiterter Projektentwicklung. Nun hat die Stadt das Heft des Handelns selbst in die Hand genommen: Mit dem einstimmigen Stadtratsbeschluss vom 29. April 2025, die Immobilie für 4,5 Millionen Euro aus der Insolvenzmasse der Devello AG zu erwerben, beginnt eine neue Zeitrechnung. Der geplante Abriss bis auf die Kellerplatte mag radikal erscheinen – tatsächlich ist er ein überfälliger Befreiungsschlag.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Rheinland-pfälzische Planungskultur im Praxistest</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Geschichte der Hertie-Ruine spiegelt exemplarisch die Herausforderungen mittelgroßer Städte in Rheinland-Pfalz wider. Während Mainz und Ludwigshafen mit Landesförderprogrammen für Innenstadtentwicklung operieren können, kämpfen Städte wie Neustadt oft allein gegen städtebauliche Missstände. Die rheinland-pfälzische Landesbauordnung gibt den Kommunen zwar weitreichende Eingriffsmöglichkeiten bei Schrottimmobilien, doch die finanziellen Mittel für deren Umsetzung fehlen häufig. Neustadt zeigt nun, dass kommunaler Mut sich auszahlen kann: Der Erwerb erfolgt bewusst ohne gesicherte Anschlussnutzung, dafür mit dem klaren Bekenntnis zur Bürgerbeteiligung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Oberbürgermeister Marc Weigel spricht von einem &#8222;städtebaulichen Missstand&#8220;, der endlich beseitigt werden müsse. Diese Formulierung ist juristisch präzise gewählt: Nach § 177 BauGB hätte die Stadt theoretisch schon früher ein Modernisierungs- oder Abbruchgebot erlassen können. Dass man stattdessen den Weg des Erwerbs wählte, zeigt pragmatische Weitsicht. Die Kontrolle über die Entwicklung liegt nun vollständig bei der Kommune – ein Luxus, den sich nicht jede Stadt leisten kann oder will.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen Parkplatz und Perspektive</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Interimslösung Parkplatz mag auf den ersten Blick fantasielos wirken. Tatsächlich offenbart sie cleveres Kalkül: Mit geschätzten 1,5 Millionen Euro für Abriss und Oberflächengestaltung entstehen überschaubare Folgekosten, während die Parkgebühren zur Refinanzierung beitragen. Wichtiger noch: Die Stadt gewinnt Zeit für einen qualitätsvollen Planungsprozess. Der angekündigte Wettbewerb soll nicht nur Architektinnen und Architekten, sondern auch die Bürgerschaft einbeziehen – ein Ansatz, der in der Pfalz Schule machen könnte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die regionale Baukultur steht dabei vor besonderen Herausforderungen. Neustadt, als historische Residenzstadt mit barockem Erbe und gründerzeitlicher Prägung, verlangt nach sensibler Einfügung neuer Bausubstanz. Die gescheiterten Versuche der Devello AG, mit einer &#8222;perforierten Aluminiumfassade im Fachwerkstil&#8220; zu operieren, zeigen die Fallstricke oberflächlicher Kontextualisierung. Der kommende Wettbewerb muss diese Fehler vermeiden und stattdessen zeitgemäße Antworten auf die Frage finden, wie moderne Handelsarchitektur in gewachsene Strukturen integriert werden kann.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lehren aus dem Devello-Debakel</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Scheitern der Hamburger Devello AG ist mehr als eine unternehmerische Pleite – es ist ein Lehrstück über die Risiken auswärtiger Investoren in regionalen Märkten. Die Firma hatte das Gebäude 2018 übernommen und vollmundig eine Eröffnung für 2020 angekündigt. Was folgte, war eine Kaskade von Verzögerungen, Baufirmen-Wechseln und schließlich die Insolvenz. Christian Zöll, Geschäftsführer der Devello, hatte noch 2023 von &#8222;70 Prozent Vermietungsquote&#8220; gesprochen – eine Zahl, die sich im Nachhinein als Luftschloss erwies.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die lokale Immobilienwirtschaft und regionale Projektentwickler beobachteten das Geschehen mit gemischten Gefühlen. Einerseits bestätigte sich die Skepsis gegenüber ortsfremden Akteuren, andererseits wurde deutlich, dass auch heimische Kräfte keine Lösung parat hatten. Die Tatsache, dass beim finalen Bieterverfahren offenbar keine ernst zu nehmende Konkurrenz zur Stadt auftrat, spricht Bände über die Markteinschätzung der Immobilie.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Netzwerke als Erfolgsfaktor</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Neustadter Weg zeigt, wie wichtig funktionierende regionale Netzwerke sind. Die Zusammenarbeit zwischen Stadt, Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Neustadt und dem Insolvenzverwalter verlief konstruktiv – keine Selbstverständlichkeit in solchen Verfahren. Besonders bemerkenswert: Die ADD signalisierte frühzeitig Unterstützung für den notwendigen Nachtragshaushalt, ohne den der Erwerb nicht möglich gewesen wäre. Diese Art der unbürokratischen Zusammenarbeit zwischen kommunaler und Landesebene könnte Modellcharakter für andere rheinland-pfälzische Städte haben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch die lokale Politik zog an einem Strang. Der einstimmige Stadtratsbeschluss über alle Fraktionsgrenzen hinweg ist in Zeiten polarisierter Kommunalpolitik keine Selbstverständlichkeit. Er zeigt, dass der Leidensdruck groß genug war, um parteipolitische Differenzen hintanzustellen. Diese Einigkeit wird auch für die kommenden Planungsprozesse wichtig sein.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bürgerbeteiligung als Chance und Herausforderung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Wir wollen etwas Tragfähiges und Sinnhaftes entwickeln&#8220;, verspricht Oberbürgermeister Weigel. Die angekündigte breite Bürgerbeteiligung ist dabei mehr als demokratisches Feigenblatt – sie ist notwendige Voraussetzung für die Akzeptanz der künftigen Lösung. Die Neustadter Bürgerinnen und Bürger haben fünfzehn Jahre des Verfalls miterlebt, sie haben ein Recht auf Mitsprache bei der Neugestaltung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch Bürgerbeteiligung in der Stadtentwicklung ist kein Selbstläufer. Die Erfahrungen aus anderen pfälzischen Städten zeigen: Ohne professionelle Moderation und klare Spielregeln verkommen solche Prozesse schnell zu Wunschkonzerten ohne Realisierungschance. Neustadt täte gut daran, sich externe Expertise zu sichern – etwa vom Büro für Bürgerbeteiligung des Landes Rheinland-Pfalz oder von spezialisierten Planungsbüros mit Moderationserfahrung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeitsaspekte im Fokus</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Abriss eines Bestandsgebäudes wirft unweigerlich Fragen der Nachhaltigkeit auf. Die graue Energie, die in der Bausubstanz steckt, wird vernichtet – ein Aspekt, der in Zeiten des Klimawandels nicht ignoriert werden darf. Andererseits zeigen die gescheiterten Sanierungsversuche, dass nicht jede Bausubstanz erhaltenswert ist. Die von Wasserschäden durchzogene Ruine hätte nur mit unverhältnismäßigem Aufwand saniert werden können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Erhalt der Kellerplatte ist ein kluger Kompromiss. Sie kann als Fundament für einen Neubau dienen und spart Ressourcen bei der Gründung. Zudem bleiben unterirdische Leitungen und Anschlüsse erhalten – ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor. Der kommende Wettbewerb sollte explizit nachhaltige Baukonzepte einfordern: Holzhybridbau, Photovoltaik-Integration und Regenwassermanagement könnten Neustadt zum Vorreiter klimagerechten Bauens in der Pfalz machen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Von der Last zur Chance</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Hertie-Ruine war jahrelang das Symbol für Stillstand und verpasste Chancen in Neustadt. Ihr Abriss markiert nun einen Neuanfang – nicht nur städtebaulich, sondern auch mental. Die Stadt beweist Handlungsfähigkeit und Gestaltungswillen, Eigenschaften, die in der interkommunalen Konkurrenz der Metropolregion Rhein-Neckar überlebenswichtig sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der vor uns liegende Prozess wird Jahre dauern. Vom Abriss über Bürgerbeteiligung und Wettbewerb bis zur Realisierung eines neuen Konzepts vergehen erfahrungsgemäß mindestens fünf Jahre. Doch diese Zeit ist gut investiert, wenn am Ende eine Lösung steht, die von der Stadtgesellschaft getragen wird und Neustadt städtebaulich voranbringt. Die Chance, aus dem Schandfleck einen Glanzpunkt zu machen, war nie größer. Es liegt nun an allen Beteiligten, sie zu nutzen.</p>
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