<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Top-Themen | Baukunst</title>
	<atom:link href="https://baukunst.art/category/top-themen/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://baukunst.art</link>
	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
	<lastBuildDate>Sun, 19 Apr 2026 14:25:38 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://baukunst.art/wp-content/uploads/2023/04/cropped-favicon-1-32x32.png</url>
	<title>Top-Themen | Baukunst</title>
	<link>https://baukunst.art</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Wer nicht wählt, darf sich nicht wundern</title>
		<link>https://baukunst.art/wer-nicht-waehlt-darf-sich-nicht-wundern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 12:05:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Editorial]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15881</guid>

					<description><![CDATA[„Ein Berufsstand, der über seine eigene Vertretung kaum abstimmt, kann nicht ernsthaft beklagen, dass seine Interessen nicht vertreten werden.“]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>baukunst.art</strong>  |  Kategorie: Editorial / Berufspolitik</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Wer schweigt, verliert: Das demokratische Versagen eines Berufsstands</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Editorial über das organisierte Desinteresse eines Berufsstands – und seine Folgen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">In Bayern läuft gerade eine Kammerwahl. 25.000 Architekten sind wahlberechtigt. Bei der letzten Wahl haben 42 Prozent abgestimmt – das gilt im bundesweiten Vergleich als gutes Ergebnis. In Berlin waren es 2021 noch 21 Prozent. Der Bundesschnitt dürfte irgendwo dazwischen liegen. Das ist kein bayerisches Problem. Das ist ein Problem des gesamten deutschen Berufsstands. Und es ist höchste Zeit, es so zu benennen.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der Anlass: Bayern. Der Befund: Deutschland.</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 30. April 2026 schließt die Wahlurne zur Vertreterversammlung der Bayerischen Architektenkammer. 125 Sitze, fünf Jahre, und die Möglichkeit, die Berufspolitik eines der größten Bundesländer aktiv mitzugestalten. Wer gewählt wird, entscheidet mit über Kammerbeiträge, Stellungnahmen zu Vergaberecht und HOAI, Fortbildungsordnungen, Nachwuchsprogramme, Positionen zur Bauordnung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ich schreibe dieses Editorial als jemand, der bei dieser Wahl kandidiert – Liste 7, Freischaffende Architekten. Das sage ich ausdrücklich, weil ich nicht so tun möchte, als hätte ich kein persönliches Interesse. Ich habe es. Und trotzdem – oder genau deshalb – ist das, was ich gleich schreibe, nicht als Wahlwerbung gemeint. Es ist ein Befund über einen Berufsstand, den ich seit über dreißig Jahren kenne und dem ich mich zugehörig fühle.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern ist der Anlass. Aber der Befund ist bundesweit gültig. Und er ist unbequem.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Zahlen</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern 2021: 42 Prozent Wahlbeteiligung bei der Kammerwahl. Die Kammer bezeichnete das als „tolle Wahlbeteiligung“. 14.000 von 25.000 Wahlberechtigten haben nicht abgestimmt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Berlin 2021: 21,88 Prozent. Drei von vier Kammermitgliedern haben geschwiegen. Nach 31,75 Prozent im Jahr 2017 war das ein weiterer Rückgang.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hessen: Bei der letzten Kammerwahl stimmten rund 36 Prozent ab. Auch das gilt nicht als schlechtes Ergebnis.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zum Vergleich: Die Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen liegt regelmäßig über 75 Prozent. Bei Landtagswahlen zwischen 55 und 70 Prozent. Die Menschen, die für ihren Bundestag oder Landtag zur Urne gehen, sind zu großen Teilen dieselben, die bei der Kammerwahl zu Hause bleiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">„Ein Berufsstand, der über seine eigene Vertretung kaum abstimmt, kann nicht ernsthaft beklagen, dass seine Interessen nicht vertreten werden.“</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das Paradox</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ich höre die Klagen. Ich führe sie selbst. Die HOAI, deren Mindestsätze das EuGH-Urteil 2019 zu Fall brachte. Das Vergabetransformationsgesetz, das Generalunternehmer begünstigt und Planungsleistungen bündelt. Die neue BayBO, die Vorhaben verfahrensfrei stellt, für die bisher ein Architekt Pflicht war. Das serielle Bauen, das politischen Rückenwind bekommt und dabei die gestalterische Kompetenz des Berufsstands tendenziell aus dem Prozess drängt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">All das sind reale Bedrohungen. Und für alle gilt: Sie werden in Gremien entschieden. In Ministerien, die mit Kammern verhandeln. In Parlamenten, die Kammern anhören. In Verbandsgremien, die Stellungnahmen einreichen. Und die Kammern, die das tun, sind umso wirkungsmächtiger, je größer ihre demokratische Legitimation ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Vertreterversammlung, hinter der 75 Prozent der Mitglieder stehen, spricht mit einer anderen Autorität als eine, hinter der 25 Prozent stehen. Das ist keine theoretische Überlegung. Das ist Realpolitik.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Und trotzdem: Zwei Drittel bis drei Viertel der Kammermitglieder stimmen nicht ab. Und klagen dann über Ergebnisse, die sie hätten mitgestalten können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum viele nicht wählen – und was das über die Kammern sagt</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ich möchte hier nicht moralisieren. Wer nicht wählt, hat dafür Gründe. Meistens ist es keine politische Überzeugung, sondern ganz pragmatisch: Zeitmangel. Die Wahlunterlagen lagen auf dem Schreibtisch, wurden zweimal zur Seite gelegt, und dann war die Frist vorbei.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das sagt aber auch etwas über die Kammern selbst. Wenn der Berufsstand die Wahl als nicht dringlich genug empfindet, um sich zehn Minuten Zeit zu nehmen – dann hat die Kammer ein Kommunikations- und Relevanzproblem. Eine Organisation, die ihre Mitglieder nicht von der Wichtigkeit ihrer eigenen Wahl überzeugt, muss sich fragen, warum das so ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Teil der Antwort liegt in der Struktur. Kammerpolitik ist kleinteilig, technisch, langsam. Die Wirkung einer Abstimmung im Juni ist in der Berufspolitik vielleicht erst in zwei Jahren spürbar – wenn überhaupt. Das ist weit weg vom Projektalltag eines Freischaffenden, der mit Genehmigungsbehörden kämpft, Honorare verhandelt und Bauherrenbriefe schreibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Trotzdem ist die Folge klar: Wer nicht wählt, überlässt das Feld denjenigen, die wählen.</strong> Und die sind – strukturell bedingt – öfter in größeren Büros angesiedelt, haben mehr Zeit für ehrenamtliches Engagement, sind in Verbänden organisiert, die Wahllisten aufstellen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was auf dem Spiel steht</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf <strong>baukunst.art</strong> haben wir in den vergangenen Wochen drei Analysen veröffentlicht, die zeigen, wie ernst die Lage ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Erstens: <strong><a href="https://baukunst.art/das-schweigen-der-kammern/" target="_blank" rel="noopener">Die Kammern wissen nicht, wie Bauherren Architekten finden</a></strong>. Keine einzige systematische Erhebung in Deutschland, Österreich oder der Schweiz hat diese Frage je beantwortet. Wer den Markt seiner Mitglieder nicht kennt, kann ihn nicht vertreten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zweitens: <strong><a href="https://baukunst.art/baukunst-unter-druck-warum-der-berufsstand-der-architektinnen-und-architekten-an-einem-scheideweg-steht/" target="_blank" rel="noopener">Der Berufsstand steht unter dreifachem Druck</a></strong> – HOAI, Vergaberecht, BayBO. Drei Entwicklungen, die sich überlagern und kleine, freischaffende Büros härter treffen als große.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drittens: <strong><a href="https://baukunst.art/das-stille-sterben-des-berufswissens/" target="_blank" rel="noopener">Bis 2035 werden im DACH-Raum rund 25.000 freischaffende Architekten ihre Büros schließen</a></strong> – ohne Nachfolge, ohne Archiv, ohne dass das in Jahrzehnten aufgebaute konstruktive und gestalterische Wissen irgendwo gesichert wird. Die Kammern haben dafür kein Programm.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">All diese Themen gehören in die Vertreterversammlung. In die Strategiegruppen. In die Vorstandssitzungen. Dort, wo Berufspolitik tatsächlich gemacht wird. Und dorthin gelangt nur, wer von den Mitgliedern gewählt wird. Von Mitgliedern, die wählen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was ich mir wünsche – als Architekt, nicht als Kandidat</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ich wünsche mir, dass dieser Berufsstand aufhört, seine demokratische Mitbestimmung als lästige Pflicht zu behandeln. Dass Kammerwahlen so selbstverständlich werden wie die nächste Bauherrenbesprechung. Dass die Frage „Haben Sie schon abgestimmt?“ unter Kollegen genauso normal ist wie „Wie läuft die Baustelle?“</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ich wünsche mir, dass die Kammern selbst aktiver werden in der Frage, warum ihre Mitglieder nicht wählen. Dass Wahlbeteiligung nicht als Erfolgsmerkmal gilt, wenn sie über 40 Prozent liegt, sondern als Versagen, wenn sie unter 70 Prozent bleibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Und ich wünsche mir, dass die nächste Generation freischaffender Architektinnen und Architekten die Kammern als ihr Werkzeug begreift – nicht als Verein, der Beiträge einzieht, und auch nicht als Bürokratie, die Formulare verwaltet, sondern als die Organisation, die ihre Rahmenbedingungen gestaltet. Wenn und nur wenn sie sich darum kümmert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eine Bitte zum Schluss</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Bayern läuft die Wahl noch bis 30. April 2026. In anderen Bundesländern sind die nächsten Kammerwahlen in den kommenden Jahren. Die Daten variieren, die Frist variiert – die Logik bleibt dieselbe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wählen Sie. Informieren Sie sich, welche Liste Ihre Themen vertritt. Und dann: Wählen Sie.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht für mich. Für den Berufsstand.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stuart Stadler, München, April 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Der Autor kandidiert bei der laufenden Kammerwahl Bayern auf Liste 7 – Freischaffende Architekten</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Aisthesis, kann man das lernen?</title>
		<link>https://baukunst.art/aisthesis-kann-man-das-lernen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Apr 2026 17:10:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Bologna-Erklärung]]></category>
		<category><![CDATA[Freihandzeichnen Regelwerke: EU-Berufsqualifikationsrichtlinie 2005/36/EG]]></category>
		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrnehmung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15849</guid>

					<description><![CDATA[Wahrnehmung gilt vielen als Talent. Doch Bauhaus, ETH, TUM und die Baukunst Sommerakademie in Ebbs zeigen: Architektonische Aisthesis lässt sich lehren, wenn man sie übt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong>  |  AUSBILDUNG / April 2026</p>
<h2>Aisthesis, das Spüren von Raum, gilt als unlehrbar. Stimmt nicht. Bauhaus, TUM und die Sommerakademie in Ebbs zeigen, wie Wahrnehmung trainiert wird.</h2>
<p>Aisthesis bezeichnet die sinnliche Wahrnehmung als eigenständige Erkenntnisform, und sie ist in der Architekturausbildung lehrbar, allerdings nur unter bestimmten didaktischen Bedingungen. Der Begriff geht auf Alexander Gottlieb Baumgarten zurück, der ihn 1750 in seiner „Aesthetica&#8220; als Gegenpol zur rationalen Logik etablierte. Für Architektinnen und Architekten beschreibt Aisthesis jene Fähigkeit, Raum, Material, Licht, Akustik und Proportion nicht nur zu denken, sondern zu spüren. Wer ein Gebäude entwirft, muss antizipieren, wie es sich anfühlt, darin zu stehen. Genau diese Kompetenz gilt vielen Lehrenden als schwer vermittelbar, manchen sogar als unlehrbar.</p>
<h3>Was meint Aisthesis in der Architektur konkret?</h3>
<p>Peter Zumthor nennt es Atmosphäre, Juhani Pallasmaa spricht in „Die Augen der Haut&#8220; von der leiblichen Basis des Sehens, Gernot Böhme von leiblicher Anwesenheit. Gemeint ist dasselbe: die Erfahrung eines Raums, bevor er interpretiert wird. Eine steinerne Schwelle klingt anders als eine hölzerne. Ein nach Norden belichteter Zeichensaal fühlt sich anders an als einer mit Südlicht. Diese Unterschiede lassen sich messen, aber sie wirken vor allem präreflexiv. Die architektonische Aisthesis umfasst damit die Gesamtheit sinnlicher Qualitäten, die ein Bauwerk trägt, und zugleich die geschulte Fähigkeit, diese Qualitäten zu lesen und zu erzeugen.</p>
<p>In der klassischen Beaux-Arts-Schule wurde Aisthesis durch langes Kopieren antiker Vorbilder geübt. Der Bauhaus-Vorkurs unter Johannes Itten, Josef Albers und László Moholy-Nagy setzte ab 1919 auf systematische Material- und Wahrnehmungsstudien. Studierende ertasteten Oberflächen mit verbundenen Augen, analysierten Kontraste, komponierten Klangräume. Die Methode wirkt heute aktueller als viele digitale Lehrformate.</p>
<h3>Lässt sich sinnliche Wahrnehmung überhaupt unterrichten?</h3>
<p>Die Antwort fällt differenziert aus. Wahrnehmung selbst ist biologisch gegeben, ihre Schulung jedoch erlernbar. Das zeigen Arbeiten zur Expertiseforschung, unter anderem die Studien von Anders Ericsson an der Florida State University, die belegen, dass Fachleute in Musik, Medizin oder Sensorik feinere Unterschiede wahrnehmen als Laien. Der Unterschied entsteht durch wiederholte, bewusst reflektierte Praxis. Übertragen auf die Architektur heißt das: Wer tausende Räume durchschritten, hundert Materialien befühlt und Dutzende Baustellen besucht hat, urteilt anders als jemand, der sich allein auf Renderings verlässt.</p>
<p>Die Bundesarchitektenkammer (BAK) verweist in ihrem Jahresbericht 2024 darauf, dass praxisnahe Lehrformate in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen haben. Gleichzeitig kritisiert der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) wiederholt, der Bologna-Prozess habe die zeitlichen Freiräume für genau jene Übungen beschnitten, die sinnliche Kompetenz aufbauen. Das Bachelor-Master-System verkürzt Entwurfsphasen, verdichtet Module und reduziert die Möglichkeiten für Exkursionen, Modellbau und handwerkliche Versuche. Die EU-Berufsqualifikationsrichtlinie 2005/36/EG schreibt zwar mindestens vier Jahre Vollzeitstudium für die Architektenanerkennung vor, doch die inhaltliche Ausgestaltung bleibt den Hochschulen überlassen.</p>
<h3>Welche Methoden funktionieren heute?</h3>
<p>Drei Ansätze haben sich als besonders wirksam erwiesen. Erstens das analoge Handwerk: An der Accademia di architettura Mendrisio, gegründet 1996 unter Mario Botta, gilt der Modellbau als Kernfach. Studierende bauen im Maßstab 1:50 und 1:20, teils in Gips, Holz oder Beton. Die taktile Erfahrung prägt den späteren Entwurfsblick. Zweitens die Reise: Die ETH Zürich integriert seit Jahrzehnten ausgedehnte Exkursionen in ihre Curricula, von japanischen Teehäusern bis zu skandinavischen Kirchen. Drittens das Zeichnen von Hand: An der Technischen Universität München (TUM) wurde das Fach Freihandzeichnen nach einer Phase der Vernachlässigung wieder gestärkt, weil der analoge Stift das Sehen schult wie kein Bildschirm.</p>
<p>Digitale Werkzeuge ersetzen diese Methoden nicht, sie ergänzen sie. Entscheidend bleibt die Verankerung im Körperlichen. Genau an dieser Nahtstelle setzt die <strong><a href="https://baukunst.art/akademie/sommerakademie-auf-schloss-wagrain/" target="_blank" rel="noopener">Baukunst Sommerakademie 2026 auf Schloss Wagrain</a> </strong>in Ebbs an. Vom 6. bis 17. Juli führen drei Blöcke Architektinnen und Architekten in die Tiroler Alpen, zu Weiterbildung mit bis zu 22 Kammerpunkten je Block. Im ersten Block leitet Prof. Michael Holze von der Berliner Hochschule für Technik (BHT) einen Workshop, der exemplarisch zeigt, wie analoge und digitale Wahrnehmungsschulung zusammengehen können. Thema ist die florale Freihandskizze und ihre Übersetzung in das digitale Bild. Teilnehmende zeichnen zunächst vor Ort, mit Bleistift und Aquarell, und überführen die Ergebnisse anschließend in KI-gestützte Bildprozesse. Die analoge Erfahrung bleibt dabei Ausgangspunkt, nicht Zitat.</p>
<p>Dieses Format macht sichtbar, was viele Hochschulen aus Zeitgründen nicht mehr leisten: eine kontinuierliche, mehrstufige Übung des Sehens. Ergänzt wird der Zeichenworkshop durch eine kuratierte Exkursion zum Festspielhaus Erl, wo Altbau und Neubau im direkten Dialog stehen. Die Kombination aus Skizze, Baustellenbesuch, Fachdiskussion und Konzertbesuch folgt einer einfachen Logik. <strong>Wahrnehmung braucht Rhythmus, nicht Taktung</strong>.</p>
<h3>Die Rolle der Lehrenden</h3>
<p>Aisthesis lehren heißt, Lernumgebungen zu schaffen, in denen Wahrnehmung überhaupt stattfinden darf. Wo Stundenpläne jeden Leerraum füllen, schrumpft die Fähigkeit zur Aufmerksamkeit. Der Architekturhistoriker Werner Oechslin hat in seinen Lehrveranstaltungen an der ETH gezeigt, wie ein einzelner Stich, lange betrachtet, mehr lehrt als ein ganzer Bildvortrag. Die Methode heißt verlangsamtes Sehen. Sie widerspricht dem Tempo digitaler Plattformen, aber sie bildet die Grundlage jeder architektonischen Aisthesis.</p>
<p>Für kleinere Hochschulen und private Bildungsangebote ergibt sich daraus eine Chance. Formate wie Sommerakademien, Meisterklassen oder Studienreisen können nachholen, was im regulären Curriculum zu kurz kommt. Die Bundesstiftung Baukultur fördert solche Formate seit ihrer Gründung 2007. Auch die Baukunst Akademie verfolgt dieses Ziel, indem sie Wahrnehmungsschulung, analoges Zeichnen und digitale Werkzeuge in einem durchgehenden didaktischen Bogen zusammenführt.</p>
<h3>Schlussbetrachtung</h3>
<p>Aisthesis ist lehrbar, aber nur durch Zeit, Körper und Material. Kein Algorithmus ersetzt den Moment, in dem eine Architektin zum ersten Mal begreift, warum ein Raum von Carlo Scarpa anders wirkt als eine Kopie davon. Genauso wenig ersetzt ein Prompt den Widerstand eines Bleistifts auf Papier. Wer Architektinnen und Architekten ausbildet, sollte diesen Moment nicht dem Zufall überlassen, sondern ihn kuratieren. In einer Disziplin, die zunehmend von Datenmodellen und Normenkatalogen bestimmt wird, bleibt Aisthesis das unverzichtbare Gegengewicht. Sie ist das, was Architektur von Bauwirtschaft unterscheidet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<h3 class="text-text-100 mt-2 -mb-1 text-base font-bold"><a href="https://baukunst.art/akademie/sommerakademie-auf-schloss-wagrain/">Baukunst Sommerakademie 2026 auf Schloss Wagrain</a></h3>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]">Ort: Schloss Wagrain, Schlossallee 25, 6341 Ebbs in Tirol</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]">Termine: <strong><a href="https://baukunst.art/kurse/sommerakademie-block-1/" target="_blank" rel="noopener">Block 1</a> </strong>vom 6. bis 9. Juli 2026, <strong><a href="https://baukunst.art/kurse/sommerakademie-block-2/" target="_blank" rel="noopener">Block 2</a></strong> vom 10. bis 13. Juli 2026, <strong><a href="https://baukunst.art/kurse/sommerakademie-block-3/" target="_blank" rel="noopener">Block 3</a></strong> vom 14. bis 17. Juli 2026. Alle Blöcke sind einzeln oder in Kombination buchbar.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]">Anerkennung: bis zu 22 Kammerpunkte je Block in deutschen Architektenkammern, Zertifikat und qualifizierte Teilnahmebescheinigung.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]">Kosten: 1.200 Euro je Block zzgl. MwSt., 1.080 Euro zzgl. MwSt. für Mitglieder des <strong><a href="https://baukunst.art/foerderverein/" target="_blank" rel="noopener">Baukunst Fördervereins</a>.</strong> Unterkunft und Verpflegung nicht enthalten, Sonderkonditionen in ausgewählten Hotels und Pensionen in Ebbs und Umgebung.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]">Anmeldung und Information: Baukunst Akademie, Stuart Stadler, <a class="underline underline underline-offset-2 decoration-1 decoration-current/40 hover:decoration-current focus:decoration-current" href="mailto:akademie@baukunst.art"><strong>akademie@baukunst.art</strong></a>, Telefon +49 171 813868. Programmübersicht und Anmeldung unter baukunst.art/akademie/sommerakademie-auf-schloss-wagrain.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bauen im Hochgebirge: Die ZV Tirol hebt Hochgurgl zum Forum der Alpenarchitektur</title>
		<link>https://baukunst.art/bauen-im-hochgebirge-die-zv-tirol-hebt-hochgurgl-zum-forum-der-alpenarchitektur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Apr 2026 18:14:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Alpenkonvention]]></category>
		<category><![CDATA[Alpenraum]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur Tirol]]></category>
		<category><![CDATA[OIB-Richtlinien]]></category>
		<category><![CDATA[Regionales]]></category>
		<category><![CDATA[TBO 2022]]></category>
		<category><![CDATA[TROG 2022]]></category>
		<category><![CDATA[ZVplus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15833</guid>

					<description><![CDATA[Die ZV Tirol lädt zum Auftakt eines neuen Symposiumsformats nach Hochgurgl: „Bauen im Hochgebirge“ versammelt am 19. Juni 2026 internationale Architekturbüros auf 2.000 Metern Seehöhe.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong> / Regionales</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Jenseits der Waldgrenze: Wer plant die Zukunft der Alpen?</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bauen im Hochgebirge bezeichnet das Planen und Errichten baulicher Anlagen unter extremen topografischen, klimatischen und ökologischen Bedingungen des alpinen Raums, in der Regel oberhalb von 1.500 Metern Seehöhe. In Tirol regeln die Tiroler Bauordnung 2022 (TBO 2022) und das Tiroler Raumordnungsgesetz 2022 (TROG 2022) diese anspruchsvolle Bauaufgabe. Mit dem neuen Symposiumsformat „ZVplus“ hebt die Zentralvereinigung der Architekt:innen Österreichs (ZV) genau dieses Thema in den Mittelpunkt ihres Auftaktes 2026. Am 19. Juni 2026 empfängt der Hangar des Heliports Hochgurgl, auf über 2.000 Metern Seehöhe im hinteren Ötztal gelegen, führende Architekturbüros, Ingenieurgesellschaften und Vertreter aus Bauwirtschaft, Politik und Verwaltung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Symposium, organisiert von der ZV Tirol unter dem Vorstandsduo Rainer Noldin und Alexander Topf, steht in Kooperation mit der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino. Diese grenzüberschreitende Einbindung ist kein Dekor, sondern Programm. Die Herausforderungen des alpinen Bauens enden nicht am Brenner oder am Reschenpass, und die Antworten auf Klima, Lawinen, Hangwasser und Freizeitwirtschaft sind in Innervillgraten ähnlich wie in Rasen-Antholz oder im Fleimstal zu finden. Die Liste der Vortragenden spiegelt diesen Anspruch: Snøhetta, Herzog &amp; de Meuron, MoDus Architects, Stifter + Bachmann, dreiplus Architekten, ao-architekten, Merz Kley Partner und Schnetzer Puskas Ingenieure gehören zu den einschlägigen Häusern des alpinen und urbanen Planens. Ergänzt werden sie durch Doris Hallama und Armin Neurauter aus der Tiroler Szene sowie Heli Austria als operativer Stimme der Hochgebirgslogistik. Harald Pechlaner von der EURAC Bozen vertritt die tourismusgeografische Perspektive.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum braucht der Alpenraum ein eigenes Symposiumsformat?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Hochgebirge ist in bauplanerischer Hinsicht ein Sonderraum. Schneelasten nach ÖNORM B 1991-1-3 erreichen in exponierten Lagen Werte, die die Tragwerksplanung in jeder Dimension dominieren. Die Temperaturgradienten zwischen winterlichen Tiefstwerten und sommerlicher UV-Belastung setzen Hüllkonstruktionen und Materialien unter Dauerbeanspruchung. Wasser ist zugleich knapp und gefährlich: Schmelzwasserführung, Murgänge und Lawinen prägen den Bauplatz. § 3 Abs. 2 TBO 2022 verlangt deshalb, dass auf Grundstücken mit Gefährdung durch Lawinen, Hochwasser, Wildbäche, Steinschlag oder Erdrutsch ein ausreichender Schutz gewährleistet sein muss, häufig über Sicherheitskonzepte und aktuelle Gefahrenzonenpläne. Zugleich ist der alpine Raum ökologisch sensibler als jedes städtische Biotop. Vegetation, die auf 2.000 Metern durch ein Fundament gestört wird, erholt sich nicht in einer Bauzeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommen die Strukturen der Tiroler Raumordnung. Mit der Novelle LGBl. Nr. 62/2022 wurde das Vorgehen gegen Freizeitwohnsitze, Chaletdörfer und Beherbergungsgroßbetriebe verschärft. Die Diskussion, was ein Hochgebirge noch verträgt und wer in ihm wohnen darf, wird dadurch nicht leiser. Bergbauernhaus, Bergstation, Schutzhaus, Schihütte, Hotel, Spital, Kapelle, Kraftwerksbau: Kaum eine andere Region in Europa versammelt auf so kleinem Raum eine solche Bandbreite typologischer Antworten. Dass die Zentralvereinigung, die älteste Vereinigung architekturschaffender Personen in Österreich, diesen Fragen ein eigenes Symposium widmet, ist folgerichtig. Die ZV wurde 1907 gegründet und zählt heute über 700 Mitglieder. Sie vergibt seit 1967 den österreichischen Bauherr:innenpreis und ist Gründungsmitglied der Architekturstiftung Österreich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Rahmen gelten oberhalb der Waldgrenze?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Oberhalb der Waldgrenze greifen mehrere Regelungsebenen ineinander. Auf Landesebene regeln die Tiroler Bauordnung 2022 und das Tiroler Raumordnungsgesetz 2022 die Zulässigkeit von Bauvorhaben. Technisch einschlägig sind die Richtlinien des Österreichischen Instituts für Bautechnik, die OIB-Richtlinien 1 bis 6, die die Anforderungen an Tragfähigkeit, Brandschutz, Hygiene, Nutzungssicherheit, Schallschutz und Energieeinsparung bundesweit harmonisieren. Für den Energienachweis gilt die OIB-Richtlinie 6 in der aktuellen Fassung, die auch für Hochlagengebäude einzuhalten ist, obwohl die heizgradspezifischen Randbedingungen auf 2.000 Metern ganz andere sind als in Innsbruck-Pradl. Überlagert wird die bauliche Ebene durch die Alpenkonvention und ihr Protokoll „Raumplanung und nachhaltige Entwicklung“, das für die Vertragsstaaten verbindlich ist und als Referenzrahmen jeder regionalen Planung dient.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Südtirol kommen das Landesgesetz für Raum und Landschaft (Lg 9/2018) und die entsprechenden Durchführungsverordnungen hinzu, im Trentino die Provinzialbauvorschriften. Die Euregio Tirol-Südtirol-Trentino ist deshalb mehr als eine symbolische Klammer. Grenzüberschreitende Projekte wie Schutzhütten oder Versorgungsinfrastrukturen sind in der Praxis mit unterschiedlichen, teils widersprüchlichen Rechtslagen konfrontiert. Genau hier setzt das Symposium an. Der Dialog zwischen Architekturbüros mit internationalem Auftritt, regionaler Bautradition und ingenieurseitiger Expertise soll Kriterien schärfen, die sich weder in Förderlinien noch in Normenpaketen allein abbilden lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass die Veranstaltung im Hangar eines Heliports stattfindet, ist eine bewusste Setzung. Der Hubschrauber ist im Hochgebirge nicht Luxus, sondern Grundlage jedes ernsthaften Bauprozesses: Materialtransport, Rettung, Medizin, Schutzbauten. Wer auf 2.000 Metern plant, plant von der Luftlogistik her. Die Einbindung der Heli Austria verankert die Diskussion in der operativen Realität. Dass Snøhetta, deren hochgelegenes Restaurant „Under“ ebenso wie ihre Schutzhüttenprojekte international Maßstäbe gesetzt haben, in einer Reihe mit Herzog &amp; de Meuron auftritt, ist programmatisch. Beide Büros stehen für eine Architektur, die sich der Topografie nicht unterwirft, sondern mit ihr verhandelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ebenso aufschlussreich ist die Präsenz der Ingenieurbüros. Schnetzer Puskas aus Basel und Merz Kley Partner aus Dornbirn repräsentieren eine Tragwerkskultur, die den modernen Holzbau in den Alpen wesentlich mitgeprägt hat. Der Holzhybridbau ist hier keine Modeerscheinung, sondern bauphysikalische Notwendigkeit: kurze Transportwege, hohe Vorfertigungstiefe, geringe Eigenlasten. Stifter + Bachmann aus Brixen und MoDus Architects aus Bozen bringen die südtirolerische Perspektive ein, dreiplus Architekten und ao-architekten die Tiroler Bauten entlang der Talachsen. Über das Architekturforum aut in Innsbruck und die Kammer Arch+Ing Tirol und Vorarlberg ist die Runde berufsständisch rückgekoppelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass mit Merz Kley Partner ein Dornbirner Büro in der Runde sitzt, rückt eine zweite Traditionslinie in den Fokus, die als Gegenpol zur Tiroler Entwicklung nicht unterschätzt werden darf: die Vorarlberger Baukünstler. Seit den 1960er Jahren haben Roland Gnaiger, Hans Purin, später Hermann Kaufmann, Dietmar Eberle und Wolfgang Ritsch im Rheintal eine Schule des strengen, handwerklich fundierten und materialehrlichen Bauens etabliert, die international Schule gemacht hat. Sie stützt sich auf eine kleinteilige Genossenschafts- und Gemeindekultur, auf flächendeckend eingesetzte Gestaltungsbeiräte und auf die ZV Vorarlberg unter Wolfgang Ritsch und Ursula Ender, die mit dem Projekt „Architektur in Vorarlberg“ bis 2026 eine eigene englischsprachige Fassung beim Verlag Edition DETAIL vorlegt. Tirol hingegen hat seine Baukultur über Jahrzehnte stärker entlang der Tourismusachse Kitzbühel-Sölden-Ischgl entwickelt, mit hoher Volumina- und Freizeitwohnsitzproblematik, die erst die Novelle LGBl. Nr. 62/2022 zum Thema Chaletdörfer und Beherbergungsgroßbetriebe systematisch angeht. Wenn in Hochgurgl beide Linien aufeinandertreffen, wird das Symposium vom Fachdialog zur überfälligen Konfrontation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, Übernachtung vor Ort möglich, Tickets in Kürze über <strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://kupfticket.com/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://kupfticket.com</a></span></span></strong> . Die Kuratierung liegt bei der ZV selbst, was eine fachlich unabhängige Gesprächsführung ohne unmittelbare Sponsoreninteressen verspricht. Für die Tiroler Baukultur, die zwischen Massentourismus, demografischen Schieflagen und hoher architektonischer Ambition oszilliert, ist ein solches Forum überfällig. Parallel laufende Initiativen wie die Auszeichnung des Landes Tirol für Neues Bauen 2026, deren Einreichfrist mit dem 19. Juni 2026 zusammenfällt, schärfen den Blick zusätzlich. Ob das Format tragfähig genug ist, sich als jährliches Observatorium des alpinen Planens zu etablieren, wird sich am 20. Juni 2026 entscheiden, wenn die Teilnehmer den Rückflug ins Tal antreten. Der Auftakt aber liegt hoch und richtig platziert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Baukunst unter Druck: Warum der Berufsstand der Architektinnen und Architekten an einem Scheideweg steht</title>
		<link>https://baukunst.art/baukunst-unter-druck-warum-der-berufsstand-der-architektinnen-und-architekten-an-einem-scheideweg-steht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 11:43:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[#Zukunftarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15791</guid>

					<description><![CDATA[Architektinnen und Architekten kämpfen um ihre Existenz: Honorardumping, Regulierungsabbau und serielles Bauen bedrohen Baukultur und Berufsstand gleichermaßen. Unterstützen Sie diese Initiative]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Wie ein EU-Urteil, Fertigbaulobby und Bürokratieabbau den Berufsstand der Architektinnen und Architekten in die Existenzfalle treiben</em></h1>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Fundament bröckelt</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer ein Haus baut, braucht soliden Grund. Was für Gebäude gilt, trifft auf Berufe ebenso zu – und der Berufsstand der Architektinnen und Architekten steht gegenwärtig auf erschüttertem Terrain. Drei Entwicklungen überlagern sich dabei auf unglückliche Weise: das <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">EuGH-Urteil zur HOAI</strong> aus dem Jahr 2019, das <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Vergabetransformationsgesetz</strong> mit seiner Tendenz zur Generalübernehmervergabe sowie Erleichterungen in der seit dem 1. Januar 2025 gültigen Fassung der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">bayerischen Bauordnung (BayBO)</strong>, die bestimmte Bauvorhaben nun verfahrensfrei stellt – Vorhaben, die bisher zwingend eine Architektin oder einen Architekten erforderten. Zusammen ergeben diese drei Entwicklungen eine Gemengelage, die in ihrer Konsequenz den Berufsstand strukturell gefährdet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rund vierzig Jahre Berufspraxis lehren eines: Architektinnen und Architekten haben schon manchen Sturm überstanden. Die HOAI-Novellen der Vergangenheit, die Digitalisierungswelle, der BIM-Umbruch – jedes Mal gelang die Anpassung. Doch das EuGH-Urteil vom 4. Juli 2019 (Rechtssache C-377/17) trifft tiefer. Der Europäische Gerichtshof erklärte die verbindlichen Mindest- und Höchstsätze der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Honorarordnung für Architektinnen und Architekten sowie Ingenieurinnen und Ingenieure</strong> für unvereinbar mit europäischem Recht. Das Gericht sah im Wesentlichen eine unzulässige Beschränkung des freien Dienstleistungsverkehrs – und ließ dabei weitgehend unbeantwortet, wie Planungsqualität anderweitig gesichert werden soll.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Honorardumping als Systemrisiko</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Folgen zeigen sich im Alltag kleiner und mittlerer Büros mit erschreckender Deutlichkeit. Ohne verbindliche Mindestsätze gerät jede Honorarverhandlung zum Pokerspiel, bei dem Bauherrinnen und Bauherren naturgemäß das stärkere Blatt halten. Wer als Einzelkämpfer oder kleines Büro antritt, hat gegen Generalübernehmer mit eigenen Planungsabteilungen strukturell das Nachsehen. Das <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Vergabetransformationsgesetz</strong>, das die Vergabe von Bauvorhaben an Generalübernehmende begünstigt, verschärft diesen Wettbewerbsnachteil zusätzlich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Vergleich mit anderen Freiberuflern drängt sich auf: Niemand käme auf die Idee, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten zu untersagen, sich auf ein Mindesthonorar zu berufen. Der Gesetzgeber erkennt dort an, dass Qualität ihren Preis hat und Preisdumping letztlich zu Lasten der Mandantschaft geht. Bei Planungsleistungen gilt diese Logik offenbar nicht – obwohl die Konsequenzen schlecht geplanter Gebäude deutlich sichtbarer sind als die eines schlecht formulierten Schriftsatzes.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Seriell und modular: Fortschritt oder Verdrängung?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Parallel dazu gewinnt das <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">modulare und serielle Bauen</strong> politischen Rückenwind. Die Argumente dafür sind nicht von der Hand zu weisen: Wohnungsnot, explodierte Baukosten und ein eklatanter Fachkräftemangel machen schnellere, standardisierbarere Lösungen zwingend erforderlich. Fertighaussysteme, vorgefertigte Module und typisierte Grundrisse können tatsächlich helfen, den Neubaumarkt zu entlasten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage ist allerdings, was dabei verloren geht. <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Baukultur</strong> entsteht nicht durch Wiederholung. Sie ist das Ergebnis von Auseinandersetzung – mit dem Ort, mit dem Klima, mit der Nutzerin und dem Nutzer, mit dem gewachsenen städtebaulichen Kontext. Kleine und mittlere Architekturbüros sind dabei unverzichtbare Träger regionaler Identität: Sie kennen den örtlichen Handwerker, den Bebauungsplan der Gemeinde und die Geschichte des Grundstücks. Diese lokale Verankerung lässt sich nicht standardisieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Modulares Bauen und hochwertige Architektur schließen sich nicht grundsätzlich aus – aber die aktuelle Debatte neigt dazu, beide gegeneinander auszuspielen, als wären Kosteneffizienz und Gestaltungsqualität unvereinbare Gegensätze. Das sind sie nicht. Wer jedoch die Planungsbeteiligung qualifizierter Architektinnen und Architekten schrittweise durch Verfahrensfreistellungen und Generalübernehmermodelle aushöhlt, beantwortet die Frage implizit: mit der falschen Antwort.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was die Initiative Baukunst fordert</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vor diesem Hintergrund haben Architektinnen und Architekten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum – von München bis Wien, von Hamburg bis Straßburg – einen offenen Brief an die Architekturverbände und Architektenkammern Deutschlands verfasst. Die Unterzeichnenden fordern kein Festhalten am Status quo, sondern konstruktive Lösungen: stärkere Interessenvertretung auf nationaler und europäischer Ebene, transparente Honorarmodelle, die insbesondere kleinen Büros eine tragfähige Existenzgrundlage bieten, sowie gezielte <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Qualitätssicherung</strong> durch Weiterbildung und klare Planungsberechtigungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders hervorzuheben ist der Appell zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Bauherrinnen und Bauherren verstehen häufig nicht, was qualifizierte Planungsleistung kostet – und warum das so ist. Architektur wird allzu oft als Kostenfaktor wahrgenommen, nicht als Investition in Nutzerqualität, Langlebigkeit und städtebaulichen Zusammenhang. Hier liegt eine genuine Kommunikationsaufgabe, der sich die Kammern und Verbände mit mehr Nachdruck widmen könnten.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">HOAI als Orientierung – nicht als Korsett</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein häufiges Missverständnis gilt es auszuräumen: Die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">HOAI</strong> war nie ein Zwangskorsett, das jede Honorarvereinbarung starr determinierte. Sie war – in ihrer besten Lesart – ein Orientierungsrahmen, der sowohl Planenden als auch Auftraggebenden Transparenz und Vergleichbarkeit bot. Als Leitplanke für faire Vergütung hat sie nach wie vor ihre Berechtigung, auch wenn die verbindliche Untergrenze europarechtlich gefallen ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessanterweise greifen viele Büros intern nach wie vor auf die HOAI-Tabellen zurück – weil es schlicht kein besseres Kalkulationsinstrument gibt. Was fehlt, ist die rechtliche Absicherung im Streitfall. Genau hier liegt Handlungsbedarf: nicht in der Nostalgie nach einem Rechtszustand von gestern, sondern in der Entwicklung belastbarer Alternativen, die europarechtlich standfest sind.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Berufsstand, der sich neu erfindet</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vierzig Jahre Berufspraxis haben gezeigt: Die besten Architektinnen und die klügsten Architekten sind diejenigen, die Veränderung nicht beklagen, sondern gestalten. Der Druck auf den Berufsstand ist real – aber er kann auch Antrieb sein. Die Initiative Baukunst ist ein Zeichen, dass die Branche diesen Weg gehen will: nicht im Rückzug, sondern im Dialog.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Unterzeichnenden aus Deutschland, Österreich und Frankreich stehen exemplarisch für eine Branche, die ihre Stimme erhebt – konstruktiv, sachlich und mit dem langen Atem, den komplexe Systeme erfordern. Architektinnen und Architekten planen in Jahrzehnten. Warum sollten sie bei der Gestaltung ihrer eigenen Zukunft weniger Weitblick beweisen als beim nächsten Bauprojekt?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="https://baukunst.art/ihre-stimme-fuer-die-zukunft-der-architektur-offenen-brief-unterzeichnen/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">Zum offener Brief</a></span></span></strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><a href="https://baukunst.art/ihre-stimme-fuer-die-zukunft-der-architektur-offenen-brief-unterzeichnen/"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter wp-image-11911 size-full" src="https://baukunst.art/wp-content/uploads/2025/03/baukunst-Ihre-Stimme.gif" alt="Baukunst-Ihre Stimme für die Zukunft der Architektur – Offenen Brief unterzeichnen!" width="1280" height="720" srcset="https://baukunst.art/wp-content/uploads/2025/03/baukunst-Ihre-Stimme.gif 1280w, https://baukunst.art/wp-content/uploads/2025/03/baukunst-Ihre-Stimme-768x432.gif 768w" sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /></a></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"> </span></span></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das stille Sterben des Berufswissens</title>
		<link>https://baukunst.art/das-stille-sterben-des-berufswissens/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 07:57:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15777</guid>

					<description><![CDATA[20.000 Freischaffende scheiden bis 2035 aus. Mit ihnen geht jahrzehntelanges Bauwissen verloren. Die Kammern schauen zu. Ein Befund.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">baukunst.art  |   Berufspolitik / Meinung &amp; Kritik</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Warum das Ende freischaffender Architekturbüros auch das Ende ihrer Bautechnik bedeutet</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Architekturbüros schließen, geht ihr Wissen verloren. Für immer. Die Kammern schauen zu.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Zwischen 2025 und 2035 werden im DACH-Raum schätzungsweise 24.000 bis 26.000 freischaffende Architekten ihre Büros schließen – ohne Nachfolge, ohne Archiv, ohne dass das in Jahrzehnten erarbeitete konstruktive und gestalterische Wissen irgendwo gesichert wird. Die Architektenkammern in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben dafür kein Programm. Kein einziges. Ein Befund – und eine Forderung.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was verschwindet wirklich, wenn ein Architekturbüro schließt?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn ein Arzt in Rente geht, übernimmt ein Nachfolger die Praxis und die Patientenkartei. Wenn ein Anwalt aufhört, übernimmt ein Kollege die laufenden Mandate. Wenn ein Handwerksmeister sein Unternehmen schließt, endet die Firma – aber das handwerkliche Wissen lebt in den Gesellen weiter, die er ausgebildet hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn eine Architektin nach 35 Jahren Freiberuflichkeit ihr Büro schließt, verschwindet in den meisten Fällen alles. Die Planschränke werden entleert oder entsorgt. Die Festplatte mit den CAD-Dateien landet irgendwo. Die Detailbibliothek, die über Jahrzehnte gewachsen ist – Anschlussdetails, bauphysikalische Lösungen, erprobte Fassadenkonstruktionen, regionale Baukenntnisse – existiert nirgendwo sonst. Sie ist diese eine Person. Und jetzt ist sie weg.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie groß ist das Problem – und warum kommt es jetzt?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen sind eindeutig. Laut BAK-Bundeskammerstatistik (Stand 1.1.2024) sind in Deutschland 53.268 Freischaffende in den Kammern eingetragen. Die BAK-Strukturbefragung 2024 zeigt: Das Durchschnittsalter dieser Selbstständigen liegt bei 55 Jahren – und der Anteil der über 60-Jährigen unter den Freischaffenden ist seit 2015 von 20 auf 30 Prozent gestiegen. Das sind rechnerisch rund 16.000 Menschen, die bereits heute im letzten aktiven Jahrzehnt ihrer Selbstständigkeit stehen. Bis 2035 werden – unter Einschluss der heute 57- bis 60-Jährigen – schätzungsweise 20.000 bis 22.000 freischaffende Architekten in Deutschland aus der Selbstständigkeit ausscheiden. Im DACH-Raum insgesamt sind es rund 24.000 bis 26.000.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Besondere an dieser Kohorte: Es handelt sich um die Gründergeneration der Bundesrepublik – Architektinnen und Architekten, die in den 1970er, 1980er und frühen 1990er Jahren ihre Büros gegründet haben. Sie haben nicht nur Gebäude entworfen. Sie haben einen Wissensbestand aufgebaut, der die Architekturpraxis des DACH-Raums bis heute trägt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig zeigen die Strukturdaten: 89 Prozent der deutschen Architekturbüros haben weniger als 10 Mitarbeiterinnen, 35 Prozent sind Solo-Büros ohne Angestellte. Das bedeutet: In der überwältigenden Mehrheit der Fälle gibt es niemanden, dem dieses Wissen intern weitergegeben werden könnte. Es gibt keine Schülerin, keinen Gesellen, keinen Junior-Partner, der das Handwerk übernimmt. Es gibt nur den Inhaber – und den Abschluss.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Dimensionen des Wissens stehen auf dem Spiel?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wissensforschung unterscheidet zwischen explizitem und implizitem Wissen. Explizites Wissen ist dokumentierbar – es steht in Normen, Fachbüchern, Handbüchern. Implizites Wissen ist personengebunden, durch Erfahrung entstanden, schwer in Worte zu fassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Dimension 1 – Das implizite Erfahrungswissen: nicht rettbar</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Netz aus Beziehungen zu Behördenmitarbeitern, zu Handwerkern, zu Stammauftraggebern: implizit. Die Kenntnis lokaler Boden- und Klimabedingungen, der regionalen Bautypologien, der stillen Eigenheiten von Bebauungsplänen: implizit. Das Gespür für den richtigen Materialeinsatz, das aus hundert Baustellenerfahrungen entstanden ist: implizit. Es stirbt mit dem Inhaber – das war schon immer so und wird so bleiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Dimension 2 – Das gezeichnete Detailwissen: prinzipiell rettbar, aber nicht gerettet</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Detailbibliothek eines Büros – Konstruktionsschnitte, Anschlusspunkte, bewährte Fassadenlösungen, Sonderdetails für spezifische bauphysikalische Aufgaben – liegt als Zeichnung vor. Sie ist materialisierbar, archivierbar, weiterzugeben. Das ist der entscheidende Unterschied zur Arztpraxis oder zur Kanzlei: In der Architektur könnte man diesen Wissenstypus retten. Man tut es nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Dimension 3 – Das gebäudebezogene Planwissen: rechtlich gesichert, praktisch gefährdet</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Grundrisse, Schnitte, Ausführungsdetails zu konkreten Gebäuden unterliegen Aufbewahrungsfristen – steuerlich zehn Jahre, haftungsrechtlich oft deutlich länger. Aber diese Pläne verbleiben im Büro, werden nicht übergeben, landen nach Ablauf der Fristen im Altpapier. Das Gebäude steht noch achtzig Jahre. Die Bestandspläne sind in zehn Jahren weg.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum ist das digitale Planarchiv besonders gefährdet?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Planarchiv auf Papier war greifbar, beständig, verständlich. Die Planschränke der 1970er und 1980er sind, sofern noch vorhanden, physisch zugänglich – und können im Notfall gescannt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Planarchiv auf dem Computer ist eine andere Sache. Weit über 90 Prozent der umlaufenden CAD-Dateien liegen im proprietären DWG-Format des Marktführers Autodesk vor. Dieses Format ist nicht offen, nicht standardisiert, nicht langzeitstabil. Konvertierungsversuche in offene Formate erzeugen regelmäßig Informationsverluste. Und selbst wenn eine Festplatte gut erhalten ist – in zwanzig Jahren kann niemand mehr garantieren, dass die Datei noch lesbar ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In allen Denkmalämtern der Bundesrepublik fehlen bis heute verbindliche technische Standards für die Langzeitarchivierung digitaler Baudokumentationen. Für die freischaffenden Architekturbüros gibt es nicht einmal den Ansatz einer Empfehlung. Die Bayerische Architektenkammer weist in ihrer Rechtsauskunft darauf hin, dass Architekten aus Haftungsgründen nicht verpflichtet sind, CAD-Dateien in weiterbearbeitbaren Formaten herauszugeben. Im laufenden Betrieb schützt das den Architekten. Beim Büroabschluss bedeutet es: Das gezeichnete Wissen eines Berufslebens stirbt mit dem proprietären Format auf der Festplatte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was tun die Kammern – und was tun sie nicht?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenkammern in Deutschland, Österreich und der Schweiz erfüllen einen klaren gesetzlichen Auftrag: die Baukultur zu fördern. Baukultur aber entsteht nicht nur durch neue Projekte. Sie wird auch durch das akkumulierte handwerkliche und gestalterische Wissen getragen, das sich in freischaffenden Büros über Jahrzehnte sedimentiert hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was tun die Kammern für diesen Wissenserhalt? Einzelne Landesarchitektenkammern betreiben Bürovermittlungsdienste, um Nachfolgeregelungen zu erleichtern. Die Architektenkammer Berlin hat in einem vom Bundesministerium für Wirtschaft geförderten Pilotprojekt eine Nachfolge-Plattform erprobt und eine Broschüre vorgelegt. Die Architektenkammer NRW unterhält das Baukunstarchiv NRW. Und damit endet die Liste.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kein Programm zur Sicherung konstruktiven Detailwissens. Kein niedrigschwelliges Angebot für den normalen Freischaffenden, sein Planarchiv geordnet zu übergeben. Keine Initiative zur digitalen Langzeitarchivierung von CAD-Beständen. Keine Kooperation mit Architekturfakultäten, um das Erfahrungswissen der Babyboomer-Generation systematisch in die Lehre zu überführen. Nichts.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Baukunstarchiv der Akademie der Künste in Berlin, das Architekturmuseum der TUM, das Architekturzentrum Wien und das gta Archiv der ETH Zürich sind exzellente Institutionen – aber sie sammeln kanonische Architektennachlässe, keine baukonstruktiven Detailarchive des freischaffenden Mittelstands. Von den 53.268 Freischaffenden in Deutschland werden weniger als ein Prozent jemals Kontakt zu einer dieser Institutionen aufnehmen. Für die übrigen 99 Prozent gibt es nichts.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was verliert die nächste Generation?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Junge Architektinnen und Architekten lernen aus drei Quellen: Hochschule, eigene Erfahrung – und dem Wissen älterer Kolleginnen und Kollegen. Die Hochschule liefert Entwurfsbildung. Die eigene Erfahrung kommt mit den Jahren. Das Wissen erfahrener Büros war bisher der dritte Pfeiler – durch Anstellungsverhältnisse, durch Mentoring, durch informellen Austausch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn in den nächsten zehn Jahren 20.000 Büros schließen, ohne dass dieses Wissen irgendwo gesichert wird, verliert dieser dritte Pfeiler seine Substanz. Die Generation, die mit BIM aufwächst und KI nutzt, wird bautechnische Detailentscheidungen zunehmend ohne das handwerkliche Fundament treffen, das nur aus jahrzehntelanger Praxis entstehen kann. Das ist kein Generationenproblem. Es ist ein Qualitätsproblem – für Planung, für Ausführung, für das gebaute Ergebnis.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der demografische Wandel trifft alle Branchen. In der Architektur hat er eine Besonderheit: Das Wissen dieser Branche ist zu einem erheblichen Teil zeichnerisch erfasst. Es wäre prinzipiell rettbar. Dass es trotzdem nicht gerettet wird, ist eine Entscheidung – keine Naturnotwendigkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was wäre jetzt zu tun?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort ist nicht komplex. Sie erfordert politischen Willen – und Kammerarbeit, die über Verwaltung und Interessenvertretung hinausgeht.</p>
<ol class="ak-ol" start="1" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="orderedList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kammerprogramm Wissen sichern</strong></p>
</li>
</ol>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Analog zur Berliner Nachfolge-Plattform braucht es ein bundesweites, kammergefördertes Angebot, das ausscheidende Büroinhaber dabei unterstützt, ihre Detailbibliotheken zu dokumentieren und in zugänglicher Form zu hinterlassen – nicht für die Archive, sondern für den Berufsstand, für Hochschulen, für die Praxis.</p>
<ol class="ak-ol" start="2" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="orderedList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Offener Standard für die Büroarchivierung</strong></p>
</li>
</ol>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundesarchitektenkammer sollte gemeinsam mit dem BBSR einen verbindlichen Mindeststandard für die Archivierung von CAD-Beständen beim Büroabschluss entwickeln – ein herstellerunabhängiges Exportformat (PDF/A-3, IFC), das in 50 Jahren noch lesbar ist.</p>
<ol class="ak-ol" start="3" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="orderedList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Öffnung der Archivlandschaft nach unten</strong></p>
</li>
</ol>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die bestehenden Architekturarchive müssen ihren Selektionsfokus erweitern. Es braucht eine ergänzende Struktur, die das konstruktive Alltagswissen freischaffender Büros sichert – nicht als museales Objekt, sondern als professionelle Ressource für den Berufsstand.</p>
<ol class="ak-ol" start="4" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="orderedList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kooperationen zwischen Kammern und Hochschulen</strong></p>
</li>
</ol>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In strukturierten Programmen könnten ausscheidende Büroinhaber ihr Detailwissen in Lehrveranstaltungen, Workshops und dokumentierten Projektstudien weitergeben – als systematischen Teil ihrer Berufsbiografie, nicht als gelegentlichen Gastauftritt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Solange niemand das benennt, rückt es nicht auf die Agenda.</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kammern sind auf die Begleitung aktiver Berufstätigkeit ausgelegt, nicht auf die Sicherung des Erbes beim Ausscheiden. Solange niemand das öffentlich benennt, bleibt es außerhalb der berufspolitischen Agenda. Solange es außerhalb der Agenda bleibt, geschieht nichts.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der demografische Wandel gibt dem Berufsstand ein Jahrzehnt. Dann ist es zu spät.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">■  Quellen</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">BAK – Bundesarchitektenkammer: Bundeskammerstatistik (Stand 1.1.2024), Strukturbefragung 2024 (Berichtsjahr 2023), <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://bak.de/" data-inline-card="" data-card-data="">http://bak.de</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Deutsches Architektenblatt: Architektenstatistik: Alter, Arbeitszeiten, Büros, Umsatz und Gehalt, Januar 2025, <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://dabonline.de/" data-inline-card="" data-card-data="">http://dabonline.de</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektenkammer Hessen (AKH): Kurzauswertung der BAK-Strukturbefragung 2024, <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://akh.de/" data-inline-card="" data-card-data="">http://akh.de</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">ACE – Architects&#8216; Council of Europe: Sector Study 2024 (9. Ausgabe), <a href="http://ace-cae.eu/" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link">ace-cae.eu</a></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">KfW Research: Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2024, <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://kfw.de/" data-inline-card="" data-card-data="">http://kfw.de</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">DIHK: Report Unternehmensnachfolge 2024, <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://dihk.de/" data-inline-card="" data-card-data="">http://dihk.de</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bearing Point: Studie Wissensmanagement im Kundenservice 2024</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">EU-Kommission: Schaden durch ungesichertes Wissen, jährliche Schätzung</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Akademie der Künste Berlin: Baukunstarchiv, <a href="http://adk.de/" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link">adk.de</a></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architekturmuseum TUM München: Sammlung und Archiv, <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://architekturmuseum.de/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://architekturmuseum.de</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architekturzentrum Wien (Az W): Vor- und Nachlässe, <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://azw.at/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://azw.at</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayerische Architektenkammer: Rechtliche Hinweise zu Aufbewahrungsfristen, <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://byak.de/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://byak.de</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektenkammer Berlin: Plattform Büronachfolge / Broschüre, <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://ak-berlin.de/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://ak-berlin.de</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vereinigung der Landesdenkmalpfleger: Langzeitarchivierung digitaler Baudokumentation, Nr. 30</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">BAK-Bundeskammerstatistik: Freischaffende Architekten nach Fachrichtungen (PDF), Stand 1.1.2024</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der gestoppte Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig</title>
		<link>https://baukunst.art/der-gestoppte-erweiterungsbau-der-deutschen-nationalbibliothek-leipzig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Mar 2026 18:56:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Archivinfrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[BHO]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesbaurecht]]></category>
		<category><![CDATA[CODE UNIQUE Architekten]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Nationalbibliothek]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[DNBG]]></category>
		<category><![CDATA[Erweiterungsbau Leipzig]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturbau]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[PflAV]]></category>
		<category><![CDATA[Pflichtexemplar]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15689</guid>

					<description><![CDATA[Sieben Millionen Euro Planungskosten, ein abgeschlossener Architekturwettbewerb, ein preisgekrönter Entwurf des Dresdner Büros CODE UNIQUE: Der fünfte Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig hätte 2027 beginnen sollen. Dann stoppte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer das Projekt im März 2026, lakonisch und ohne parlamentarische Debatte. Ein Eingriff in das kulturelle Gedächtnis der Nation, der weit über Leipzig hinauswirkt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Baukunst.art<br />
</strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">REGIONALES | Kulturbau | Archivinfrastruktur</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gedächtnis auf Abruf &#8211; Das nationale Gedächtnis braucht Quadratmeter, keine Cloud</h1>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) ist das gesetzlich verankerte Gedächtnis der deutschen Sprach- und Verlagskultur, verpflichtet seit ihrer Gründung als Deutsche Bücherei Leipzig im Jahr 1912, sämtliche Publikationen in deutscher Sprache zu sammeln, dauerhaft zu archivieren und für die Nutzung bereitzustellen.</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Am 5. März 2026 erklärte der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer (parteilos), den geplanten fünften Erweiterungsbau am Deutschen Platz in Leipzig für beendet. Die Begründung: Die langfristige Sammlung körperlicher Medienwerke sei nicht mehr zeitgemäß; die DNB solle sich stärker auf digitale Sammlungen konzentrieren. Damit waren, mit einem einzigen Satz, acht Jahre Planung, ein europaweiter Architekturwettbewerb und sieben Millionen Euro Planungskosten obsolet.</p>
<h2>Was genau war geplant und warum war der Bau zwingend notwendig?</h2>
<p style="font-weight: 400;">Der Magazinbau, der fünfte Erweiterungsbau der DNB am Standort Leipzig, war als hochfunktionales, klimastabiles Archivgebäude konzipiert, das die sichere Aufbewahrung von derzeit rund 35,5 Millionen Medienwerken für einen Zeitraum von etwa 30 Jahren gewährleisten sollte. Täglichen Zugängen von rund 13.100 neuen Medienwerken, darunter 3.300 analoge und 9.800 digitale Publikationen, stehen nahezu erschöpfte Lagerkapazitäten am Standort Leipzig gegenüber. Gleichzeitig müssen Bestände aus klimatisch ungeeigneten Altbaubereichen verlagert werden, um sie langfristig zu sichern.</p>
<p style="font-weight: 400;">Seit 2018 wurde das Projekt in enger Abstimmung zwischen der DNB, dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) sowie dem Sächsischen Staatsministerium der Finanzen geplant. Nach einem internationalen Architekturwettbewerb mit 20 zugelassenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern erhielt Anfang 2025 das Dresdner Büro CODE UNIQUE Architekten GmbH den Zuschlag zur Realisierung. Im August 2025 lag ein gemeinsam mit 15 Fachplanenden erarbeitetes, detailliertes Planungskonzept vor. Baukosten: rund 30 Millionen Euro unter dem ursprünglich bewilligten Rahmen, wie Generaldirektor Frank Scholze betonte, ein seltener Fall kostendisziplinierter öffentlicher Planung.</p>
<p style="font-weight: 400;">Geplanter Baubeginn war Ende 2027, Fertigstellung für 2032 vorgesehen. Dann stoppte Weimer das Projekt. &#8218;Das Bauprojekt ist mangels Finanzierung beendet&#8216;, hieß es in einer Pressemitteilung der DNB, die den Beschluss des Ministers für Kultur und Medien lakonisch zusammenfasste.</p>
<h2>Ist digitale Langzeitarchivierung ein tragfähiger Ersatz für physische Magazine?</h2>
<p style="font-weight: 400;">Die Antwort aus Fachkreisen ist eindeutig: nein, zumindest nicht unter den aktuellen technischen und rechtlichen Gegebenheiten. Das Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG) verpflichtet die Institution, physische Medienwerke in zwei Pflichtexemplaren zu sammeln. Eine Reduktion auf ein Exemplar oder eine rein digitale Archivierung erfordert eine Änderung des DNBG, also ein parlamentarisches Verfahren. Weimers Vorgehen setzt sich damit über geltendes Recht hinweg.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der die DNB 1912 mitgegründet hat, bezeichnete den Schritt als &#8218;völlig falsche Entscheidung&#8216;. Hauptgeschäftsführer Peter Kraus vom Cleff erklärte, eine Modernisierung des Sammelauftrags sei zwar denkbar, könne aber &#8217;nicht durch den handstreichartigen Stopp eines bereits geplanten und dringend nötigen Erweiterungsbaus aus Kostengründen erfolgen&#8216;. Die sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch, reagierte ebenfalls scharf: &#8218;Digitalisierung und das gedruckte Buch dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, wir brauchen beides.&#8216;</p>
<p style="font-weight: 400;">Hinzu kommt das grundsätzliche Problem digitaler Langzeitarchivierung. Wer die Geschichte analoger Datenträger verfolgt, von der Diskette über die CD-ROM bis zur DVD, kennt das Muster: Formate veralten, Abspielgeräte verschwinden, Datenverluste entstehen durch Überschreiben oder schlichten Zerfall der Träger. Die NASA musste dies schmerzlich erfahren, als Magnetbänder mit telemetrischen Daten der ersten Mondlandung von 1969 als irreversibel verloren galten. Der Stab aus Fachleuten, der die DNB beriet, hat genau diese Szenarien durchgespielt. Das Ergebnis war eindeutig: physische Redundanz ist kein Anachronismus, sondern eine zivilisatorische Notwendigkeit.</p>
<h2>Welche planungsrechtlichen und institutionellen Konsequenzen hat der Baustopp?</h2>
<p style="font-weight: 400;">Aus Sicht der Bau- und Planungskultur ist der Fall exemplarisch für ein wiederkehrendes Muster in der deutschen Kulturinfrastrukturpolitik: aufwendige, kostspielige und politisch legitimierte Planungsverfahren werden durch kurzfristige Haushaltsentscheidungen überrollt, ohne dass die rechtlichen Grundlagen, die Langzeitfolgen oder die institutionelle Verantwortung ausreichend geprüft werden. Siebt man durch das Geflecht aus DNBG, Pflichtablieferungsverordnung (PflAV) und Bundeshaushaltsordnung, bleiben erhebliche Risiken. Alternative Lösungen für die Unterbringung des wachsenden Bestands werden zusätzliche Kosten verursachen, die absehbar jene der verhinderten Magazinerweiterung übersteigen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Für Leipzig selbst ist der Vorfall auch städtebaulich bedeutsam. Der Deutsche Platz ist historisch als Ort des nationalen Schriftguts geprägt, die DNB mit ihren denkmalgeschützten Bauten ein architektonisches Ensemble von nationaler Bedeutung. Die Erweiterung durch CODE UNIQUE hätte dieses Ensemble qualitativ fortgeschrieben, ein neues Magazin als zeitgemäßes Archivgebäude, energieeffizient, klimastabil, in Maßstab und Sprache dem Bestand gegenüber sensibel entwickelt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Am 18. März 2026, kurz vor Eröffnung der Leipziger Buchmesse, ruderte Weimer teilweise zurück und erklärte, er erarbeite Vorschläge für eine Reform des DNBG. Vertrauen wiederhergestellt hat er damit kaum. Kulturpolitische Verlässlichkeit bemisst sich nicht an eiligen Korrekturen unter öffentlichem Druck, sondern an der Fähigkeit, komplexe institutionelle und rechtliche Zusammenhänge zu verstehen, bevor man handelt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Debatte um den fünften Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig ist in ihrer Tiefe eine Debatte über das Verhältnis des Staates zu seinem kulturellen Gedächtnis. Ob gedruckt oder digital, dieses Gedächtnis braucht physischen Raum, rechtsverbindliche Strukturen und politische Kontinuität. Beides sind keine Luxusgüteranforderungen, sondern Grundvoraussetzungen demokratischer Informationsfreiheit im Sinne des Gesetzes über die Deutsche Nationalbibliothek.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Propaganda oder Polyphonie? Die Rückkehr Russlands zur Venedig-Biennale 2026</title>
		<link>https://baukunst.art/propaganda-oder-polyphonie-die-rueckkehr-russlands-zur-venedig-biennale-2026/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Mar 2026 11:33:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Fort- & Weiterbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Förderung]]></category>
		<category><![CDATA[Fondazione Biennale]]></category>
		<category><![CDATA[internationale Ausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturboykott]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Kunstfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[russischer Pavillon]]></category>
		<category><![CDATA[Ukraine-Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Venedig-Biennale 2026]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15671</guid>

					<description><![CDATA[Erstmals seit 2021 bespielt Russland wieder seinen Pavillon in den Giardini. Der Streit darum offenbart einen grundlegenden Konflikt: Was darf Kunstfreiheit, und was muss sie verweigern?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| Kategorie: BILDUNG</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stuart Stadler, Architekt | Herausgeber Baukunst.art | Stand März 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Venedig-Biennale als Lernort über Kunst, Krieg und kulturelle Verantwortung</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Venedig-Biennale ist seit ihrer Gründung 1895 nicht nur Ausstellungsort, sondern kultureller Lehrraum: Hier artikulieren Gesellschaften, was sie für zeitgenössisch, notwendig und sagbar halten. Dass ausgerechnet dieser Ort im Frühjahr 2026 zum Schauplatz einer hitzigen Debatte über die Rückkehr Russlands geworden ist, überrascht kaum. Es ist eine Debatte, die weit über Kunstpolitik hinausgeht und grundlegende Fragen der kulturellen Bildung aufwirft: Welche Bildungsaufgabe hat Kunst in Zeiten aktiver militärischer Aggression?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was macht den russischen Pavillon 2026 so brisant?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit dem großangelegten Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 blieb der russische Pavillon in den Giardini zweimal leer. 2022 zogen die ursprünglich vorgesehenen russischen Künstlerinnen und Künstler Kirill Savchenkov und Alexandra Sukhareva ihre Teilnahme zurück und bezeichneten den Krieg als politisch und emotional unerträglich. 2024 überließ Russland seinen Pavillon Bolivien, ohne offizielle Erklärung. Nun, zur 61. Ausgabe der Internationalen Kunstausstellung vom 9. Mai bis 22. November 2026, kehrt Russland offiziell zurück.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt trägt den Titel &#8222;The Tree Is Rooted in the Sky&#8220; und soll ein Musikfestival unter Beteiligung von mehr als fünfzig Künstlerinnen und Künstlern aus Russland sowie aus Argentinien, Brasilien, Mali und Mexiko beheimaten. Michail Schwydkoi, Russlands Beauftragter für internationale Kulturbeziehungen und ehemaliger Kulturminister, betonte, Russlands Kultur sei nicht isoliert, und die westlichen Versuche, sie zu canceln, seien gescheitert. Dass Kultur dabei über die Politik siege, sei das erklärte Ziel.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch schon die personelle Zusammensetzung der russischen Delegation gibt zu denken. Anastasia Karnewa, die Kommissarin des Pavillons, ist Tochter des ehemaligen stellvertretenden Generaldirektors von Rostec, Russlands staatlichem Rüstungskonzern, der seit 2014 auf den Sanktionslisten der EU-Mitgliedstaaten und der USA steht. Karnewa gründete 2016 gemeinsam mit Ekaterina Winokurowa, der Tochter von Außenminister Sergej Lawrow, das Ausstellungsunternehmen Smart Art, das den Pavillon organisiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum reagiert die EU mit der Drohung des Förderentzugs?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der EU-Kulturkommissar Glenn Micallef und Henna Virkkunen, EU-Vizepräsidentin für Technologie, Sicherheit und Demokratie, griffen in scharfer Form ein: Die Entscheidung der Fondazione Biennale sei nicht vereinbar mit der kollektiven Reaktion der EU auf die russische Aggression. Kultur, so ihre gemeinsame Erklärung, fördere demokratische Werte und offenen Dialog, dürfe aber niemals als Plattform für Propaganda genutzt werden. Sollte die Biennale-Stiftung bei ihrer Entscheidung bleiben, werde man weitere Maßnahmen prüfen, einschließlich der Aussetzung oder Beendigung eines laufenden EU-Zuschusses an die Fondazione Biennale. Die Europäische Kommission stellt der Biennale derzeit im Rahmen der Venice Production Bridge insgesamt zwei Millionen Euro über drei Jahre zur Förderung von Filmproduzenten und immersiver Technik zur Verfügung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch 26 Europaabgeordnete richteten einen offenen Brief an Biennale-Präsident Pietrangelo Buttafuoco und forderten die Rücknahme der Entscheidung. Zu den Unterzeichnerinnen gehört die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Pina Picierno. Die ukrainische Regierung ließ ebenfalls unmissverständlich Widerspruch erkennen: Außenminister Andrij Sybiha und Kulturministerin Tetjana Bereschna wiesen auf die Verbindungen der Pavillonverantwortlichen zur russischen Rüstungsindustrie hin. Kulturminister aus 22 europäischen Staaten schlossen sich in einem gemeinsamen Schreiben dem Protest an.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Italien selbst verlief die politische Gemengelage widersprüchlich. Kulturminister Alessandro Giuli erklärte offiziell, die russische Teilnahme nicht gebilligt zu haben, obwohl Biennale-Präsident Buttafuoco dem politischen Umfeld der Regierung Meloni nahesteht. Gleichzeitig trat der ehemalige sozialdemokratische Bürgermeister Venedigs, Massimo Cacciari, mit einer konträren Position auf: Die Zensur von Künstlerinnen und Künstlern sei grundsätzlich zu verurteilen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Offene Institution oder politisches Instrument: Wo liegt die Grenze der künstlerischen Freiheit?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Fondazione Biennale selbst argumentiert mit dem Prinzip der offenen Institution: Die Biennale entscheide nicht über nationale Teilnahmen, da es den einzelnen Staaten obliege, ob sie sich beteiligen wollten. Jedes von der Italienischen Republik anerkannte Land könne eigenständig eine Teilnahme beantragen. Buttafuoco sprach von einer kulturellen Waffenruhe, die die Ausstellung in einer von Konflikten geprägten Welt ermöglichen solle.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Demgegenüber steht eine nüchterne Analyse der Teilnehmendenliste des russischen Pavillons. Das Volksmusikensemble Toloka etwa, das im russischen Pavillon auftreten soll, verabschiedete noch vor wenigen Monaten ein Mitglied feierlich in den Militärdienst und postete dies auf seinen sozialen Kanälen als Erfüllung der männlichen Pflicht vor der Heimat. Subversion oder kritische Auseinandersetzung mit der russischen Kriegspolitik ist von einem solchen Ensemble kaum zu erwarten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die regierungskritische Gruppe Pussy Riot machte darauf aufmerksam, dass der russische Pavillon in den Giardini auf italienischem Staatsgebiet steht und somit keinen diplomatischen Status genießt. Es sei sehr wohl eine Entscheidung der italienischen Regierung, ob Russland teilnehme oder nicht. Pussy Riot kündigte an, mit einer eigenen Intervention zur Biennale zu kommen, um Solidarität mit der Ukraine zu zeigen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet dieser Konflikt für die kulturelle Bildung im Architekturkontext?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten, die die Biennale traditionell als wichtigen Bildungsort wahrnehmen, stellt sich die Frage nach dem Lernwert dieser Auseinandersetzung neu. Die Biennale war stets mehr als Ausstellung: Sie war und ist ein Ort der Wissensproduktion, der Reflexion über den Zustand gebauter und kultureller Umwelten, der Begegnung zwischen unterschiedlichen Verständnissen von Raum, Gemeinschaft und Zukunft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn nun ein Staat, der nachweislich Kulturdenkmäler zerstört, darunter die Verklärungskathedrale in Odessa sowie unzählige Wohngebäude und historische Stadtkerne, seinen Pavillon mit dem Narrativ einer weltoffenen Polyphonie der Kulturen bespielt, dann ist dies auch eine pädagogische Herausforderung: Welche Botschaften werden als Wissen vermittelt? Welche Kontexte werden ausgeblendet? Wer spricht, und in wessen Namen?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Debatte um den russischen Pavillon zeigt, dass internationale Kulturbegegnungen immer auch Bildungsereignisse sind. Sie formen kollektive Wahrnehmungen, setzen Rahmen für Deutungen und entscheiden darüber, welche Stimmen als legitim gelten. Die Fondazione Biennale hat mit ihrer Entscheidung zumindest eines erreicht: eine weltweite Debatte über die politische Dimension von Kulturveranstaltungen, die in ihrer Intensität selbst bildend wirkt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob Russland im Mai tatsächlich seinen Pavillon bespielen wird, war zum Redaktionsschluss dieses Artikels noch offen. Die EU-Drohung mit dem Förderentzug, der politische Druck aus mehreren europäischen Hauptstädten und die angekündigten Proteste von Künstlerinnen und Künstlern aus dem russischen Exil lassen eine Eskalation bis zur Eröffnung am 9. Mai nicht ausschließen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Abholzen statt Aufforsten: Bayern gibt den Holzbau auf</title>
		<link>https://baukunst.art/abholzen-statt-aufforsten-bayern-gibt-den-holzbau-auf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 09:34:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[BauGB]]></category>
		<category><![CDATA[BayBO]]></category>
		<category><![CDATA[bayern]]></category>
		<category><![CDATA[BayFHolz]]></category>
		<category><![CDATA[GEG]]></category>
		<category><![CDATA[Holzbau]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbau]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15620</guid>

					<description><![CDATA[Bayern strich die Holzbauförderung BayFHolz. Ein politischer Kurswechsel mit Folgen für Klimaschutz, Baubranche und die Zukunft des nachwachsenden Baustoffs.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Abholzen statt Aufforsten: Bayern gibt den Holzbau auf</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bayerische Holzbauförderprogramm (BayFHolz) ist ein staatliches Instrument zur finanziellen Unterstützung klimagerechten Bauens, das die bayerische Staatsregierung 2022 als Teil ihrer Klimastrategie einführte und das zum Ende des Jahres 2026 ohne Nachfolgeprogramm ausläuft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was zunächst wie eine Fußnote in der Haushaltspolitik klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als symptomatisch für einen breiteren Stimmungswandel in der deutschen Klimaschutzpolitik. Bayern, das sich nicht ohne Stolz als zukünftiges &#8222;Holzbauland Nummer eins&#8220; inszenierte, zieht nun still und leise die Reißleine. Neue Anträge nimmt das Bayerische Bauministerium ab sofort nicht mehr entgegen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was leistete BayFHolz, und warum war das Programm überhaupt bedeutsam?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Programm förderete den Neubau sowie die Erweiterung und Aufstockung kommunaler Einrichtungen und mehrgeschossiger Wohngebäude in Holzbauweise. Die Zuwendung berechnete sich dabei nicht pauschal, sondern nach einem ökologisch sinnvollen Schlüssel: 500 Euro je Tonne der in Holzbauelementen und Dämmstoffen gebundenen Kohlenstoffmenge. Seit der Einführung unterstützte das Programm laut Bayerischem Bauministerium rund 510 Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von rund 58 Millionen Euro.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dieses Fördermodell besaß einen doppelten Hebel: Zum einen schuf es direkte finanzielle Anreize für Bauherrinnen und Bauherren, Kommunen sowie private Unternehmen, auf den nachwachsenden Rohstoff Holz umzusteigen. Zum anderen sandte es ein politisches Signal: Der Freistaat steht zur Bauwende. Beide Botschaften sind mit dem Programmende hinfällig.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum schafft Bayern die Holzbauförderung ab, und was folgt daraus?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bayerische Bauministerium begründet die Entscheidung nüchtern: &#8222;Vor dem Hintergrund des weiterhin hohen Bedarfs an bezahlbarem Wohnraum konzentriert die Staatsregierung die verfügbaren Mittel verstärkt auf Programme mit breiter und sozialer Wirkung&#8220;, erklaert ein Sprecher gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Das Auslaufen bedeute weder eine Abkehr vom Klimaschutz noch eine Reduzierung der Gesamtförderung. Der Holzbau sei &#8222;mittlerweile wettbewerbsfähig und fest im Markt verankert&#8220;, strukturell negative Auswirkungen seien deshalb nicht zu erwarten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das klingt nach Sachlichkeit, lässt aber eine Reihe unbequemer Fragen unbeantwortet. Wettbewerbsfähig im Vergleich zu was? Holz konkurriert in der Praxis vor allem mit Stahlbeton, einem Material, dessen graue Energie und CO2-Intensität im Lebenszyklus ungleich höher liegen. Wenn Förderinstrumente ihre Arbeit getan haben und wegfallen, weil der Markt funktioniert, wäre das tatsächlich ein Erfolg. Wenn sie wegfallen, weil das Budget anderswo gebraucht wird, ist das eine andere Geschichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schärfere Worte kommen von den Grünen im bayerischen Landtag. Ursula Sowa, Bau-Sprecherin der Fraktion, sieht im Programmende einen direkten Angriff auf die Bauwende: &#8222;Wer die Holzbauförderung streicht, blockiert aktiven Klimaschutz im Gebäudebereich.&#8220; Das Ende des Programms entziehe der Branche Planungssicherheit und erschwere den Umstieg auf klimagerechtes Bauen massiv, so die Politikerin.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Einschätzung deckt sich mit dem, was Architektinnen und Architekten sowie Holzbauunternehmer in der Praxis wahrnehmen. Förderungen wirken nicht nur kurzfristig als Investitionshilfe, sondern langfristig als Qualifizierungsmotor: Betriebe investieren in Weiterbildungen, in Maschinen, in Know-how, wenn sie wissen, dass der Markt stabil bleibt. Entzieht man diesen Rahmen abrupt, entsteht Unsicherheit, die sich schlechter berechnen lässt als CO2 pro Kubikmeter Brettschichtholz.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Konsequenzen hat das für andere Bundeslaender und die DACH-Region?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern ist nicht allein. Auch in anderen Bundesländern stehen Klimaschutzprogramme unter Haushaltsdruck. Die Bayerische Architektenkammer (ByAK) hat sich in der Vergangenheit mehrfach für eine Stärkung des Holzbaus eingesetzt, zuletzt im Kontext der Novelle der Bayerischen Bauordnung (BayBO), die in § 26 BayBO erweiterte Möglichkeiten für brennbare Baustoffe in höheren Gebäudeklassen vorsieht. Dieser regulatorische Fortschritt und die nun ausbleibende Förderung stehen in einem eigentümlichen Missverhältnis: Dürfen tut man mehr, finanzieren will der Staat weniger.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Vergleich dazu hält Baden-Württemberg an seiner Holzbauoffensive fest, Österreich fördert über den Klima- und Energiefonds weiterhin Holz- und Hybridbauweisen, und die Schweiz integriert Holzbau systematisch in die kantonale Energiegesetzgebung. Bayern, einst Taktgeber im deutschsprachigen Raum, riskiert damit eine Positionsverschiebung im regionalen Wettbewerb um innovative Baubetriebe, qualifizierte Fachkräfte und zukunftsorientierte Kommunen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist kein Plädoyer für staatliche Dauersubventionierung. Märkte sollen funktionieren, und erfolgreiche Technologien brauchen irgendwann keine Krücken mehr. Aber der Holzbau ist in Deutschland noch nicht an dem Punkt, an dem er ohne politische Rückendeckung einfach läuft. Laut Statistischem Bundesamt lag der Anteil von Gebäuden in Holzbauweise am Wohnungsneubau 2023 bei rund 20 Prozent. Wachstumspotenzial ist vorhanden, Selbstläufer ist der Markt noch nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was am Ende bleibt, ist ein Paradox: Eine Staatsregierung, die sich dem Klimaschutz verpflichtet und gleichzeitig ein Instrument abbaut, das genau diesem Klimaschutz diente. Das Argument der Wettbewerbsreife mag stimmen; das Argument der politischen Signalwirkung wird dabei ausgeblendet. Denn auch Symbolpolitik hat eine Funktion: Sie zeigt an, wohin eine Gesellschaft sich bewegen will. Holz war dieses Signal. Jetzt ist es abgeholzt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mondstaub als Baumaterial: GRU Space plant das erste Hotel auf dem Mond</title>
		<link>https://baukunst.art/mondstaub-als-baumaterial-gru-space-plant-das-erste-hotel-auf-dem-mond/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Mar 2026 18:06:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[In-situ-Ressourcennutzung]]></category>
		<category><![CDATA[Materialinnovation]]></category>
		<category><![CDATA[Mondarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[New Space]]></category>
		<category><![CDATA[Weltraumtourismus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15594</guid>

					<description><![CDATA[GRU Space plant das erste Mondhotel aus Lunar Bricks. Das Verfahren, Mondregolith in Baumaterial umzuwandeln, zeigt, wohin sich Bauen im Weltraum entwickelt.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Mondstaub als Ziegelstein: Das ehrgeizigste Bauprojekt der Welt will 2032 eröffnen</h2>
<p>In-situ-Ressourcennutzung (ISRU) bezeichnet das Verfahren, Baumaterialien direkt am Einsatzort zu gewinnen, statt sie aufwendig vom Ausgangsort zu transportieren. Das Start-up Galactic Resource Utilization Space (GRU Space) aus San Francisco hat dieses Prinzip zum Kern eines der ambitioniertesten Bauprojekte der Gegenwart gemacht: dem ersten Hotel auf dem Mond, geplant zur Eröffnung im Jahr 2032.</p>
<p>Das Konzept des GRU Lunar Hotels kombiniert aufblasbare Habitatmodule, die auf der Erde gefertigt und zum Mond transportiert werden, mit einer Außenhülle aus Mondsteinen, sogenannten Lunar Bricks, die direkt aus dem Mondboden hergestellt werden sollen. Die Fassade des Entwurfs zeigt engstehende dorische Säulen, die vollständig aus der grau-texturierten Mondstein-Optik hervorgehen, eine Hülle, die innen liegende Druckmodule schützt.</p>
<h3>Wie funktioniert das Bauen mit Mondstaub?</h3>
<p>Das Kernstück der Technologie ist die sogenannte „Moon Factory&#8220;: ein patentiertes System, das Mondregolith autonom zu Struktursteinen verarbeitet. GRU Space gibt an, einen funktionsfähigen Prototyp dieser Anlage in sechs Wochen für unter 5.000 Dollar gebaut zu haben. Der Prozess basiert auf Geopolymertechnologie: Mondregolith, das feinkörnige Deckgestein der Mondoberfläche, wird mit Bindungsflüssigkeiten aus dem Erdvorrat vermischt und in Form gepresst. Das Prinzip, Regolith in Baumaterial umzuwandeln, ist ein gut erforschtes Feld. In der Theorie lassen sich aus dem Material Steine herstellen, entweder durch 3D-Druck oder durch Sintern von Mondstaub.</p>
<p>Die Roadmap sieht eine gestaffelte Missionsstrategie vor: 2027 soll eine erste kleine Nutzlast auf dem Mond landen und die Schlüsseltechnologien zur Ziegelherstellung und zum Habitateinsatz demonstrieren. 2031 folgt eine zweite, deutlich größere Mission in der Nähe eines lunaren Grabens, der natürlichen Strahlungsschutz durch die Oberfläche bietet. 2032 soll das erste Hotel für bis zu vier Gäste in Betrieb gehen, ausgelegt auf mehrere Tage Aufenthalt, mit Blick auf die Mondlandschaft und die Erde.</p>
<p>Aus bautechnischer Perspektive ist die Grundidee nicht so abwegig, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Aufblasbare Tragstrukturen kennt die Bauindustrie seit Jahrzehnten, von temporären Hallen bis zu Katastrophenschutzunterkünften. Auch NASA und die inzwischen nicht mehr aktive Firma Bigelow Aerospace haben Testmodule aufblasbarer Habitatstrukturen entwickelt und teils im Orbit erprobt. Der entscheidende Innovationsschritt von GRU Space liegt nicht im Modul selbst, sondern in der robotergestützten Umhüllung des aufgeblasenen Körpers mit vor Ort hergestellten Steinen, eine Kombination aus Leichtbau und massiver Schutzschale, die an das Prinzip archaischer Erdkeller oder in Fels gehauener Höhlenbauten erinnert.</p>
<h3>Welche technischen und regulatorischen Hürden bleiben offen?</h3>
<p>Kritiker sehen erhebliche Schwachstellen: Es existiert bislang keine Mondtourismusindustrie, keine regulären bemannten Mondflüge und keine Notfallversorgungsinfrastruktur auf dem Mond. Medizinische Evakuierungskonzepte und Versicherungsrahmen sind nicht vorhanden. GRU Space besitzt zudem weder eigene Trägerrakete noch eine eigene Landeeinheit und hat keine Zulassung für den Betrieb eines Weltraumtourismusprojekts.</p>
<p>Das Unternehmen macht seine gesamte Roadmap von sinkenden Startkosten, regelmäßigen und verlässlichen bemannten Mondmissionen, einem günstigen regulatorischen Umfeld und unterstützender Technologie wie Stromversorgung und Kommunikation auf dem Mond abhängig. All das befindet sich in verschiedenen Entwicklungsstadien. Das ist eine bemerkenswert ehrliche Selbsteinschätzung für ein Unternehmen, das gleichzeitig Reservierungsanzahlungen von einer Million US-Dollar entgegennimmt.</p>
<p>GRU Space verweist darauf, dass die Ankündigung des Projekts auch durch die von Präsident Trump und NASA-Administrator Jared Isaacman bekanntgegebene Absicht ausgelöst wurde, bis 2030 erste Elemente einer permanenten Mondbasis zu errichten. Der politische Rückenwind aus Washington ist real, die technischen Abhängigkeiten von SpaceX und Blue Origin für Transporte sind es ebenfalls. Das Projekt setzt konsequent auf das Prinzip des Infrastruktur-Parasitismus: Es baut auf Systemen auf, die andere entwickeln, und konzentriert sich auf das eine spezifische Problem, das es lösen will: die Hülle.</p>
<h3>Architektur ohne Vorbild</h3>
<p>Der Entwurf tritt bewusst nicht als Replik irdischer Luxushotels auf. Die regolithbasierten Steine bilden gerippte Schutzschalen und tragende Strukturen, die eine eigene architektonische Formensprache entwickeln, die unmittelbar aus Funktion und Ort abgeleitet ist. Das ist aus gestalterischer Sicht der interessanteste Aspekt des Projekts: eine Architektur, die buchstäblich keinen gestalterischen Referenzrahmen hat, weil es noch kein gebautes Vorbild auf dem Mond gibt.</p>
<p>Die Innenmodule sollen für kurze Aufenthalte ausgelegt sein, zunächst klein, schlicht und überwiegend auf der Erde gefertigt, aber mit der Perspektive, durch Neumaterial vor Ort zu wachsen. Panoramafenster auf die Mondlandschaft und die Erde sind fester Bestandteil des Konzepts. Für Architektinnen und Architekten, die sich mit extremen Standortbedingungen befassen, ist das Projekt ein Lehrbeispiel in radikal kontextgerechtem Bauen: kein Material, das nicht vor Ort verfügbar ist; keine Form, die nicht aus dem Schutzanspruch gegen Strahlung, Mikrometeoriten und Temperaturschwankungen von bis zu 250 Grad Celsius entwickelt wurde.</p>
<p>Wer heute reservieren möchte, zahlt zunächst eine nicht erstattungsfähige Bewerbungsgebühr von 10.000 US-Dollar. Bei Auswahl folgt eine Anzahlung von 250.000 oder einer Million Dollar, je nach Buchungsoption. Der Endpreis wird laut Unternehmensangaben voraussichtlich zehn Millionen Dollar übersteigen.</p>
<p>GRU Space ist kein Architekturbüro. Es ist ein Ingenieursstart-up mit einem 21-jährigen Gründer, das eine Frage beantwortet, die Architektur und Raumfahrt gleichermaßen beschäftigt: Wie baut man dort, wo es kein Material gibt, das nicht astronomisch teuer hertransportiert werden müsste? Die Antwort, man verwendet das Material, das schon da ist, ist alt. Die Technologie, sie auf dem Mond umzusetzen, ist es nicht.</p>
<p>Ob das Hotel bis 2032 steht, ist offen. Dass der Ansatz, Mondregolith als primären Baustoff zu nutzen, die Architektur des 21. Jahrhunderts noch beschäftigen wird, ist kaum zu bezweifeln.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Wahre, Schöne und Gute: Hat die Architektur ihre Seele verkauft?</title>
		<link>https://baukunst.art/das-wahre-schoene-und-gute-hat-die-architektur-ihre-seele-verkauft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Mar 2026 17:36:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Ästhetik]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenszykluskosten]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15584</guid>

					<description><![CDATA[Das Wahre, Schöne und Gute hat die Architektur nicht verloren, es wurde aus den Planungsprozessen herausgekürzt. Eine Rückholung ist möglich und nötig.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []" />
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber Baukunst.art</strong></p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Schön, wahr, gut: Wie die Architektur ihre drei wichtigsten Werte verlor und warum sie sie jetzt zurückbraucht</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Trias des Wahren, Schönen und Guten ist in der Architektur nicht tot, sie wurde nur systematisch aus den Planungsprozessen herausgekürzt, durch Kostenkennwerte ersetzt und als romantischer Anachronismus abgeschrieben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bernd Eilert hat im Januar 2026 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine brillante Inventur dieser drei platonischen Ideale vorgelegt und mit entwaffnender Präzision festgestellt, dass das Schöne den steilsten Absturz in der Werteskala erfahren hat. Für die Architektur gilt das in besonderem Maß. Kein Bereich der Gegenwartskultur hat das Schöne so systematisch verabschiedet wie das Bauen. Und kein Bereich zahlt dafür einen so konkreten, messbaren Preis.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum ist das Schöne aus der Architektur verschwunden?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die ehrliche Antwort lautet: Es wurde nie offiziell abgeschafft. Es hat sich still verdrückt, während die Planungsparameter enger wurden. In vier Jahrzehnten Berufspraxis lässt sich diese Erosion präzise datieren. In den 1980er Jahren sprachen Bauherren noch selbstverständlich von Haltung, von Wirkung, von Würde eines Gebäudes. Heute liefert die erste Projektbesprechung Abschreibungszeiträume und Nutzungskostenprognosen. Was sich rechnen lässt, wird berechnet. Was sich nicht rechnen lässt, findet keinen Platz in der Tabellenkalkulation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Tragische daran: Das Schöne lässt sich rechnen, nur eben nicht im Monatsbericht. Schöne Gebäude werden länger genutzt. Sie erzeugen Identifikation, reduzieren Vandalismus, erhöhen die Bereitschaft zur Pflege. Eine Studie aus dem Vereinigten Königreich, auf die das Fachmagazin Dezeen in seiner Recherche „How long should a building last?&#8220; (Dezember 2025) hinweist, belegt, was Architektinnen und Architekten längst wissen: Gebäude, die als schön empfunden werden, haben eine signifikant längere Nutzungsdauer als ihre optimierten, aber gleichgültigen Pendants. Der erste Träger des britischen Stirling Prize, das Centenary Building der Universität Salford, wurde 2025 zum Abriss freigegeben: 30 Jahre nach Fertigstellung. Ein preisgekröntes Gebäude, das niemand behalten wollte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eilert zitiert den belgischen Maler Michaël Borremans mit dem Satz, Schönheit sei heute Tabu, romantisch und nicht mehr en vogue. In der zeitgenössischen bildenden Kunst mag das als ästhetisches Programm noch funktionieren. Ein Gemälde kann provozieren, irritieren, verstören und trotzdem seinen Platz im Museum behaupten. Ein Wohngebäude, das irritiert und verstört, ist schlicht unbewohnbar.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hat die Moderne die Architektur um ihre Wahrheit gebracht?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Wahre in der Architektur war einmal die Ehrlichkeit der Konstruktion, die Sichtbarkeit des Tragwerks, die Lesbarkeit des Materials. Mies van der Rohe nannte es Tektonik. John Ruskin sprach von der Wahrheit des Handwerks. Beide meinten dasselbe: Ein Gebäude soll zeigen, was es ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was zeigen unsere Gebäude heute? In den meisten Fällen: so wenig wie möglich. Fassaden sind Verkleidungen geworden, Hüllen ohne Beziehung zur Konstruktion dahinter. Das Tragwerk verschwindet hinter Abhangdecken und Doppelböden. Die Haustechnik übernimmt die Raumgeometrie. Das Ergebnis sind Gebäude, die man nicht lesen kann, weil sie nichts erzählen wollen außer ihrer eigenen Beliebigkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nietzsche, den Eilert zitiert, formulierte den Widerspruch radikal: Die Wahrheit sei hässlich, die Kunst existiere, damit wir nicht an ihr zugrunde gehen. Für die Gegenwartsarchitektur trifft das in einer bitteren Umkehrung zu: Die Architektur hat die Wahrheit der Konstruktion aufgegeben, nicht um schöner zu werden, sondern um billiger zu bauen. Das Ergebnis ist weder wahr noch schön.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Gute als verlorene Haltung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am schwersten wiegt der Verlust des Dritten im Bunde. Das Gute in der Architektur meint nicht Moral im engen Sinn, sondern Haltung, Verantwortung gegenüber dem öffentlichen Raum, die Verpflichtung, mit dem Bauen die Welt ein wenig bewohnbarer zu hinterlassen. Schiller sah das Theater als moralische Anstalt dem Wahren, Schönen, Guten verpflichtet. Für die Stadt der Neuzeit war das Gebäude diese moralische Anstalt: es definierte den Straßenraum, es orientierte, es gab Maßstab.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heute bestimmt der gewerbliche Investor in Abschreibungszyklen von 15 bis 20 Jahren. Was danach kommt, ist planungstechnisch irrelevant. Das Gebäude als Finanzprodukt hat das Gebäude als baukulturellen Ort längst verdrängt. Wer billiger baut und früher abreißt, gewinnt die Ausschreibung. Wer teurer baut, aber 150 Jahre lang nicht abreißen muss, verliert sie. Eilerts Beobachtung, die Bourgeoisie quassle in einem fort vom Schönen, Guten, Wahren und knicke doch nur vor dem Goldenen Kalb ein, trifft die Baubranche mit chirurgischer Genauigkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Paradox der Situation liegt darin, dass ausgerechnet die Klimakrise jetzt das leistet, was Jahrzehnte Baukulturdiskussion nicht vermochten: Sie zwingt die Branche zur Langfristigkeit. Der Begriff „embodied carbon&#8220;, der im Baumaterial gebundene Kohlenstoff, hat eine neue Qualitätsdiskussion ausgelöst, nicht aus ästhetischen, sondern aus ökologischen Gründen. Wer ein Gebäude nach 30 Jahren abreißt, hat den enormen CO2-Aufwand seiner Herstellung nie amortisiert. Die Lebensdauer eines Gebäudes ist kein romantisches Thema mehr. Sie ist eine Klimafrage. Und damit, auf Umwegen, wieder eine Frage des Guten.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt von der Trias?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eilert endet seinen brillanten Essay mit der Beobachtung, dass die Sehnsucht nach dem Schönen geblieben ist, auch wenn das Schöne als Ideal verlorengegangen schien. Taylor-Swift-Fans strömen ins Hessische Landesmuseum Wiesbaden, um ein Gemälde zu betrachten, das sie ungeschützt schön nennen würden. Die Sehnsucht ist nicht verschwunden. Sie hat nur keinen institutionellen Ort mehr.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In der Architektur gibt es diesen Ort noch, er wird nur selten genutzt. Jedes Mal, wenn ein Gebäude entsteht, das den öffentlichen Raum bereichert statt beschädigt, wenn ein Haus gebaut wird, das seine Bewohnerinnen und Bewohner nicht gleichgültig lässt, wenn eine Konstruktion ehrlich zeigt, was sie ist, ist das Wahre, Schöne und Gute noch anwesend. Nicht als Programm. Nicht als Inschrift im Dreiecksgiebel. Als Haltung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zu retten ist die Trias nicht als abstrakte Formel. Aber als Maßstab für eine Architektur, die mehr will als Rendite und Restnutzungsdauer: jederzeit.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bauen für die Ewigkeit? Über die Halbwertszeit des Architektonischen</title>
		<link>https://baukunst.art/bauen-fuer-die-ewigkeit-ueber-die-halbwertszeit-des-architektonischen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Mar 2026 17:22:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Embodied Carbon]]></category>
		<category><![CDATA[Gebäudelebensdauer]]></category>
		<category><![CDATA[GEG]]></category>
		<category><![CDATA[Kreislaufwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15580</guid>

					<description><![CDATA[Abriss nach einer Generation, Holzpavillons als Brennstoff, Stirling-Prize-Bauten im Abbruchcontainer: Die Kürze des Bauens ist längst kein Randphänomen mehr. Ein Kommentar.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"> Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber Baukunst.art</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Gebaut und schon veraltet: Der kurze Atem der Gegenwartsarchitektur</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bauwerke sind keine Wegwerfprodukte. Diese Aussage klingt so selbstverständlich, dass man sie kaum aussprechen müsste, und doch beschreibt sie einen Widerspruch, der den gegenwärtigen Architekturdiskurs zunehmend bestimmt: Gebäude werden kürzer genutzt, früher abgerissen und schneller ersetzt als je zuvor in der Nachkriegsgeschichte des Bauens.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das britische Fachmagazin Dezeen hat im Dezember 2025 eine längere Recherche unter dem Titel „How long should a building last?&#8220; veröffentlicht, die diesen Widerspruch auf den Punkt bringt. Die Fakten sind ernüchternd: Die meisten Gewerbebauten werden mit einer kalkulierten Nutzungsdauer von 50 bis 60 Jahren entworfen, in der Praxis halten viele nicht einmal halb so lange. Als symptomatisches Beispiel nennt der Artikel den ersten Träger des britischen Stirling Prize, das Centenary Building der Universität Salford: Noch in diesem Jahr wurde der Abriss genehmigt, gerade einmal 30 Jahre nach der Fertigstellung. Ein Preis für Architektur, die drei Jahrzehnte später nicht mehr gebraucht wird. Das ist keine Randnotiz, das ist ein Systemversagen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum werden Gebäude so früh aufgegeben?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort ist vielschichtig. In vier Jahrzehnten Berufspraxis habe ich erlebt, wie sich das Verhältnis zwischen Bauinvestition und Nutzungshorizont verschoben hat. In den 1980er Jahren sprachen Bauherrinnen und Bauherren noch selbstverständlich von Generationenprojekten. Heute denkt der gewerbliche Investor in Abschreibungszyklen von 15 bis 20 Jahren. Was danach kommt, ist planungstechnisch irrelevant, weil es wirtschaftlich nicht mehr interessiert. Das Gebäude als Finanzprodukt hat das Gebäude als baukulturelles Erbe längst überholt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt eine strukturelle Schwäche der Moderne: die Monofunktionalität. Städtische Stadien für Olympia und Fußball-Weltmeisterschaften werden heute bewusst als temporäre Strukturen geplant, was für diesen Sonderfall auch vertretbar ist. Problematisch wird es, wenn diese Denkweise auf das Alltagsbauen übertragen wird. Bürogebäude, die auf einen einzigen Nutzertyp zugeschnitten sind, Einzelhandelsbauten, deren Geometrie keine Umnutzung erlaubt, Schulen ohne Flexibilitätsreserven: All das produziert Gebäude mit vorgezogenem Verfallsdatum. Das Gegenteil von baulicher Weisheit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht zufällig haben die großen Bauwerke der Geschichte überlebt, weil sie strukturell großzügig dimensioniert waren: massive Mauern, hohe Räume, neutrale Grundrisse. Der gotische Sakralbau lässt sich vom Gotteshaus zum Konzerthall umnutzen, weil seine Geometrie Spielraum lässt. Das durchoptimierte Bürogebäude der Jahrtausendwende hingegen ist nach 20 Jahren Technologiegeschichte buchstäblich überholt, weil seine Grundrissraster, seine Haustechnikschächte und seine Installationsebenen auf eine bestimmte Arbeitsorganisation zugeschnitten wurden, die es nicht mehr gibt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet verkörperter Kohlenstoff für die Lebensdauerdebatte?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das wachsende Bewusstsein für die enormen Umweltkosten von Bauen und Abriss verstärkt den Druck, zu einer langlebigeren Architektur zurückzukehren. Der Begriff „embodied carbon&#8220;, auf Deutsch: der im Gebäude gebundene Kohlenstoff, ist in der Fachwelt angekommen, hat aber die Planungspraxis noch nicht grundlegend verändert. Dabei liegt die Rechnung auf der Hand: Wenn ein Gebäude in 30 Jahren abgerissen wird, amortisiert sich der erhebliche CO2-Aufwand seiner Herstellung nie. Das graue Energie-Budget ist schlicht verbraucht, ohne dass ein adäquater Nutzen dagegen steht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Expo-Beispiel aus Osaka, das Dezeen ebenfalls beleuchtet, zeigt die Grenzen gut gemeinter Intentionen. Der Grand Ring, das weltgrößte Holzgebäude, war als demontierbare Konstruktion konzipiert. Soweit, so nachhaltig. Doch nach Informationen des Dezeen-Autors soll das Gros der verwendeten 27.000 Kubikmeter Holz schlicht verbrannt werden, als Brennstoff, was der Architekt selbst als „das Schlimmste&#8220; bezeichnet, was man damit tun könnte. Der Kreislauf bleibt offen, das Material wird vernichtet. Die schöne Idee der Kreislaufwirtschaft scheitert an der logistischen Realität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Planungspraxis folgt daraus ein unbequemer Auftrag: Nicht jedes Material eignet sich für jeden Zweck, nicht jede Bauform ist gleich klimaverträglich. Wer ernsthaft über Nachhaltigkeit spricht, muss auch ernsthaft über Dauerhaftigkeit sprechen. Die Lebensdauer eines Gebäudes ist kein ästhetisches Thema, sie ist ein ökologisches.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Für die Ewigkeit bauen, ohne an die Ewigkeit zu glauben</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">John Ruskin, der viktorianische Architekturkritiker, schrieb bekanntlich: „When we build, let us think that we build forever.&#8220; Dieser Satz klingt heute fast utopisch. Aber er enthält eine operative Wahrheit, die keine Romantik ist, sondern Handlungsanweisung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine der befragten Architektinnen formuliert es pragmatisch: Es gehe darum zu wissen, „wann man mit Tinte zeichnet und wann mit Bleistift&#8220;. Das trifft den Kern. Nicht alles muss für die Ewigkeit gebaut sein. Ein Ausstellungspavillon, ein temporäres Bürogebäude für eine Projektphase, ein Notfallbau: Hier ist Vergänglichkeit systemimmanent und legitim. Die moralische Frage stellt sich bei Wohngebäuden, Schulen, Krankenhäusern, Verwaltungsbauten. Bei der Infrastruktur des öffentlichen Lebens.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau hier aber regiert seit Jahrzehnten die Kostenkalkulation auf Basis des Tagespreises, nicht der Lebenszykluskosten. Wer billiger baut und früher abreißt, gewinnt die Ausschreibung. Wer teurer baut, aber 150 Jahre lang nicht abreißen muss, verliert sie. Das ist kein Marktversagen, das ist Politikversagen. Die öffentliche Hand, die bei Beschaffung und Förderprogrammen nicht konsequent auf Lebenszyklusbetrachtungen umstellt, trägt eine Mitverantwortung für die strukturelle Kurzlebigkeit des Baubestands.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gute Architektur ist keine Frage des Stils, sie ist eine Frage der Haltung. Und zur Haltung gehört, nicht nur die Eröffnung zu denken, sondern das Ende. Ein Gebäude, das nach einer Generation nichts mehr wert ist, war von Anfang an zu wenig gedacht. Dass sich diese Einsicht ausgerechnet über die Klimakrise in die Planungsdebatte zurückarbeitet, ist eine der wenigen produktiven Nebenwirkungen des ökologischen Drucks.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vielleicht ist das der eigentliche Fortschritt: nicht das immer Neue, sondern das entschlossen Bleibende.</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Förderung auf Abruf: Warum das EH55-Programm kaum in Fahrt kommt</title>
		<link>https://baukunst.art/foerderung-auf-abruf-warum-das-eh55-programm-kaum-in-fahrt-kommt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 Mar 2026 11:15:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[BEG]]></category>
		<category><![CDATA[EH55]]></category>
		<category><![CDATA[GEG]]></category>
		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
		<category><![CDATA[KfW]]></category>
		<category><![CDATA[Neubauförderung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbaukrise]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15533</guid>

					<description><![CDATA[Die reaktivierte EH55-Förderung der KfW läuft seit Dezember 2025, doch strukturelle Hemmnisse und Kapitalmarktzinsen bremsen die erhoffte Wohnungsbauoffensive.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">BERUFSPOLITIK | FÖRDERUNG</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Milliarden für nichts? Warum Deutschlands Wohnungsbauoffensive stottert</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drei Monate nach dem Start der EH55-Förderung zeigt sich: Zinssenkungen allein reichen nicht, um den Bauüberhang von 760.000 Wohnungen zu mobilisieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Effizienzhaus 55 (EH55) bezeichnet ein Wohngebäude, das lediglich 55 Prozent der Primärenergie verbraucht, die ein gesetzlich definiertes Referenzgebäude nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) benötigt. Seit dem 16. Dezember 2025 ist dieser Standard im Rahmen des KfW-Programms &#8222;Klimafreundlicher Neubau&#8220; (Programmkennzeichen 297/298) wieder förderfähig, nachdem die Ampel-Koalition die Förderung im Januar 2022 abrupt eingestellt hatte. Die schwarz-rote Bundesregierung unter Bundesbauministerin Verena Hubertz reaktivierte das Programm mit einem Gesamtvolumen von 800 Millionen Euro, um den sogenannten Bauüberhang abzubauen: jene mehr als 760.000 Wohnungen, die zwar genehmigt, aber nie gebaut wurden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Idee dahinter war so bestechend wie sie simpel klang. Wer bereits eine Baugenehmigung in der Schublade hatte und nach EH55-Standard gebaut hätte, sollte nun mit zinsvergünstigten KfW-Krediten von bis zu 100.000 Euro pro Wohneinheit den letzten Anstoß zum Bauen erhalten. Fossile Energieträger wie Gas oder Öl sind ausgeschlossen; Wärme muss zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien stammen. Das Programm ist zeitlich befristet und endet, wenn der Fördertopf erschöpft ist, spätestens aber zum 30. Juni 2026.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum wurden von 800 Millionen Euro bis Februar erst 150 Millionen abgerufen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bilanz nach den ersten zwei Monaten ist ernüchternd. Laut einer Recherche des Handelsblatts waren von den bereitgestellten 800 Millionen Euro Anfang Februar 2026 erst rund 150 Millionen Euro abgerufen worden. Gefördert wurden bis Ende Februar insgesamt rund 17.000 Wohneinheiten. Gemessen am Potenzial des Bauüberhangs ist das wenig. Vier strukturelle Hemmnisse erklären, warum das Programm bislang hinter den Erwartungen zurückbleibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Erstens: die Definition des Vorhabenbeginns. Bereits der Abschluss eines Liefer- oder Leistungsvertrags gilt als Förderschaden. Für Wohnungsunternehmen, die öffentlich ausschreiben müssen oder mit Generalübernehmern arbeiten, ist das faktisch ein Ausschluss. Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft (GdW) kritisiert dies ausdrücklich und fordert eine praxistauglichere Regelung. Besonders absurd: Die Nutzung der GdW-Rahmenvereinbarung für serielles und modulares Bauen ist derzeit förderschädlich, obwohl genau diese Bauweise günstiger und schneller wäre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zweitens: der Zinsvorteil schrumpft rascher als versprochen. Zum 2. März 2026 senkte das Bundesbauministerium den Effektivzins auf historisch niedrige 1,0 Prozent (bei zehn Jahren Laufzeit und zehn Jahren Zinsbindung). KfW-Vorständin Melanie Kehr sprach von einem &#8222;Signalzins&#8220;. Doch bereits bis zum 12. März war der Zins wieder auf 1,23 Prozent gestiegen. Der Grund: Der Effektivzins ergibt sich nicht allein aus der staatlichen Zinsverbilligung, sondern auch aus den Kapitalmarktzinsen und weiteren Kosten. Geopolitische Verwerfungen, etwa in Nahost, treiben die Kapitalmärkte und damit die Zinslast. Was die Politik mit der linken Hand gibt, holt der Markt mit der rechten zurück.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drittens: die Baukosten bleiben strukturell hoch. Die EH55-Förderung adressiert ausschließlich den Finanzierungsaspekt. Sie ändert nichts an den nach wie vor erhöhten Kosten für Material, Handwerk und Energieberatung. Wer einen Energieberater einschalten muss (Voraussetzung für die Förderung), zahlt dabei zusätzlich. Der tatsächliche Zinsvorteil schrumpft, wenn man Beratungskosten, Planungsaufwand und Antragsverfahren gegenrechnet. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, begrüßt das Programm grundsätzlich als &#8222;gute Ergänzung&#8220;, mahnt aber, dass Bauwillige zunächst den Mut zum Bauen fassen müssen, bevor ein Zinsvorteil überhaupt wirken kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Viertens: die Reichweite des Programms ist begrenzt. Bei einem Budget von 800 Millionen Euro und einem maximalen Kreditbetrag von 100.000 Euro pro Wohneinheit lassen sich rechnerisch maximal 8.000 Wohneinheiten fördern. Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln rechnet vor: Würde man jede genehmigte Wohnung einmalig mit 10.000 Euro Zuschuss fördern, könnte man nicht einmal den Bau von 6.000 Wohnungen unterstützen. Gemessen an den 760.000 Wohnungen im Bauüberhang ist das ein Tropfen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche strukturellen Reformen braucht die Wohnungsbauförderung wirklich?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Reaktivierung der EH55-Förderung ist politisch verständlich. Sie signalisiert Handlungsbereitschaft in einem Markt, der seit Jahren stagniert: 2024 wurden bundesweit nur noch 251.900 Wohnungen fertiggestellt, für 2025 rechnen Experten mit rund 200.000 Einheiten. Das Jahresziel von 400.000 Wohnungen, das die Ampel einst ausgerufen hatte, ist in weite Ferne gerückt. Der Koalitionsvertrag von Union und SPD sah die befristete Reaktivierung des EH55-Standards ausdrücklich vor, um den Bauüberhang zu aktivieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch ein Förderprogramm ersetzt keine Baurechtsreform. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) weist seit Jahren darauf hin, dass die eigentlichen Bremsen im System tiefer liegen: träge Genehmigungsverfahren, kleinteiliges Bauordnungsrecht der Länder, steigende Anforderungen an Nachweise und Zertifizierungen. Wer für die EH55-Förderung einen Energieberater benötigt, der auch die Lebenszyklusanalyse (LCA) zertifiziert hat (ab 1. Juli 2025 Pflicht für KfW-Programme), erhöht die Projektkosten weiter. Die Förderung verlangt immer mehr, während der Vorteil immer kleiner wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">GdW-Präsident Axel Gedaschko fasste die Lage präzise zusammen: Die Zinssenkung sei ein richtiges Signal, aber die Programme müssten praxistauglich und verlässlich ausgestaltet werden. Die sozial orientierte Wohnungswirtschaft brauche Zinsen nahe einem Prozent, damit Neubaumieten bezahlbar bleiben. Genau das hat das Ministerium am 2. März geliefert. Und zehn Tage später war der Vorteil bereits wieder erodiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Historisch betrachtet ist das EH55-Desaster ein Lehrbeispiel für wohnungspolitisches Stückwerk. Im Januar 2022 stoppte die Bundesregierung die Förderung mit sofortiger Wirkung, nachdem Anträge für EH55-Neubauten in kürzester Zeit 5 Milliarden Euro der vorläufigen Haushaltsmittel erschöpft hatten. Das Bundeswirtschaftsministerium sprach damals von einer &#8222;klimapolitischen Fehlsteuerung&#8220;: Man habe jahrelang einen Standard gefördert, der sich längst am Markt durchgesetzt hatte. Seit 2023 ist EH55 ohnehin der gesetzliche Mindeststandard für Neubauten nach dem GEG. Dennoch ließ man Zehntausende Projekte im Nichts stehen. Drei Jahre später reaktiviert man dasselbe Programm als Krisenmedizin.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Signal mit kurzem Atem</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die EH55-Förderung ist ein politisch gut gemeintes Instrument mit strukturell begrenzter Wirkung. Der Zinsvorteil ist real, aber volatil; das Budget ist gering und die bürokratischen Anforderungen sind erheblich. Architekten und Planungsbüros, die Bauherren beraten, sollten die Konditionen kontinuierlich im Auge behalten und Antragszeitpunkte sorgfältig kalkulieren. Wer zögert, riskiert, dass der Fördertopf ausgeschöpft ist; wer zu früh handelt, riskiert die Förderschädlichkeit durch voreiligen Vertragsabschluss.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was die Wohnungsbaukrise in Deutschland braucht, ist keine befristete Zinshilfe mit einem Verfallsdatum zum 30. Juni 2026. Gebraucht werden stabile, langfristige Förderarchitekturen, beschleunigte Genehmigungsverfahren und verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen. Die EH55-Neuauflage gibt dem Markt einen Impuls. Ob daraus eine Trendwende wird, entscheidet sich nicht in Fördertöpfen, sondern in Planungsämtern, Normenausschüssen und auf Bundesebene. Die Baukrise ist kein Finanzierungsproblem. Sie ist ein Systemproblem.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Wert des Analogen in einer digitalen Welt</title>
		<link>https://baukunst.art/der-wert-des-analogen-in-einer-digitalen-welt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Feb 2026 08:09:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Editorial]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturfortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Baukunst Förderverein]]></category>
		<category><![CDATA[Sommerakademie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15366</guid>

					<description><![CDATA[Drei Tage, drei Themen, eine Gemeinschaft: Warum persönlicher Austausch unter Kolleginnen und Kollegen das leistet, was kein Webinar kann.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Liebe Kollegin, lieber Kollege,</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">die Stille nach dem letzten Konzert hält immer etwas länger an als erwartet. Der Abend unter freiem Himmel, das Gespräch danach beim Wein, die Skizze, die am nächsten Morgen plötzlich auf einem Serviettenstück weitergezeichnet wird – das sind keine Zufälle. Das ist das Wesen der Sommerakademie. Und es ist kein Zufall, dass all das an einem bestimmten Ort stattfindet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Schloss Wagrain ist kein Tagungshotel, sondern Heimat</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schloss Wagrain ist der Heimatort der Baukunst. Hier trifft sich die Redaktion, hier hat der Baukunst Förderverein seinen Sitz, hier kehren viele der Vortragenden seit Jahren regelmäßig ein. Als die Idee der Sommerakademie entstand, war die Begeisterung unter den Beteiligten sofort da: Natürlich hier.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer nach Wagrain kommt, betritt keinen neutralen Konferenzraum. Er kommt an einen Ort, der bereits mit dem Denken über Architektur aufgeladen ist – mit Gesprächen, die hier geführt wurden, mit Ideen, die hier entstanden sind, und mit Menschen, die diese Ideen weitergetragen haben. Die Vortragenden sind keine eingekauften Referentinnen und Referenten. Sie sind Stammgäste, die aus Überzeugung dabei sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dieser Unterschied ist spürbar. Fortbildung an einem Ort, der bereits Gemeinschaft verkörpert, wirkt anders als jede neutrale Tagungsstätte. Wer drei Tage in Wagrain verbringt, kehrt nicht nur mit Notizen zurück – er kehrt mit einem Gefühl zurück, das schwer zu beschreiben, aber leicht zu erkennen ist: dazuzugehören.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Drei Welten, eine Gemeinschaft</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wir leben in einer Zeit, in der jede Fachfrage in Sekunden beantwortet werden kann. Und dennoch: Die Kompetenz, die Architektinnen und Architekten im Alltag am meisten fehlt, ist nicht Information – sondern Urteilsvermögen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Urteilsvermögen entsteht nicht im Webinar. Es wächst im Gespräch.</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das <strong><a href="https://baukunst.art/akademie/sommerakademie-auf-schloss-wagrain/" target="_blank" rel="noopener">Programm der Sommerakademie 2026</a></strong> verbindet drei Wissensbereiche, die im Büroalltag täglich aufeinandertreffen, aber selten gemeinsam gedacht werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der technische Block zur Künstlichen Intelligenz ist keine Einführungsveranstaltung mehr. Die Fragen, die Büros heute stellen, sind konkreter: Welche Werkzeuge lohnen sich für welche Projektphase? Wo liegt das rechtliche Risiko beim Einsatz automatisierter Texte in Leistungsverzeichnissen? Wie verändert sich die Arbeit mit Auftraggebern, wenn Visualisierungen in Minuten entstehen? Diese Fragen brauchen keine Foliensätze – sie brauchen Diskussion unter Praktikerinnen und Praktikern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der rechtliche Block mit Baurecht-Spezialist Julian Stahl bringt jene Sicherheit, die im Studium systematisch fehlt: das Verständnis für Haftung, Honorar und die kleinen Formulierungen, die große Konsequenzen haben. Weniger Haftung, mehr Honorar – das ist kein Slogan. Es ist das Ergebnis von Wissen, das konsequent in den Büroalltag übertragen wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Und dann ist da die Zeichnung. Professor Holze führt in der Sommerakademie ein, was viele Architektinnen und Architekten im Studium als selbstverständlich lernten und im Büroalltag langsam verlernt haben: das freie Zeichnen als Denkinstrument. Nicht als nostalgische Übung, sondern als Gegengewicht zur digitalen Präzision. Die Hand, die zeichnet, denkt anders als der Finger, der klickt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Konzert am Abend, der gemeinsame Gang durch gebaute Architektur, die Diskussion darüber, was gelungen ist und was nicht: Das sind keine Rahmenprogramme. Das ist das Programm.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Förderverein als Fundament</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sommerakademie 2026 ist auch ein Einstieg. Mit der Gründung des <strong><a href="https://baukunst.art/foerderverein/" target="_blank" rel="noopener">Baukunst Fördervereins</a></strong> entsteht ein Rahmen, der über einzelne Kursbesuche hinausgeht. Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sommerakademie erhalten im ersten Jahr eine kostenlose Mitgliedschaft – und damit Zugang zu einem Netzwerk, das sich über die eigenen Bürogrenzen hinaus erstreckt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jährliche Treffen in Venedig mit Zugang zur Architekturbiennale, Mentoring-Programme, exklusive Ressourcen für Mitglieder: Das sind keine Nebenleistungen. Das ist der Versuch, etwas aufzubauen, was der deutschen Architekturszene fehlt – eine Gemeinschaft von Praktikerinnen und Praktikern, die sich regelmäßig begegnen und voneinander lernen, nicht aus Pflicht, sondern aus Überzeugung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Für wen ist das?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nach vielen Jahren in diesem Beruf lässt sich sagen, wer von solchen Formaten am meisten profitiert: nicht die Berufsanfänger, die noch alles lernen müssen, und nicht die arrivierten Partner großer Büros, die bereits alles wissen. Es sind die Architektinnen und Architekten in der Mitte – mit fünf bis fünfzehn Jahren Erfahrung, mit dem Bewusstsein, dass das Studium nicht auf den Beruf vorbereitet hat, und mit der Energie, das zu ändern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer in dieser Lebensphase den Austausch sucht und findet, verändert sein Büro. Oft still, ohne großes Aufheben – aber dauerhaft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die anderen Beiträge dieser Ausgabe gehen tiefer in einzelne Themen: KI in den Leistungsphasen, rechtliche Absicherung im Bestandsbau, Materialwahl unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten. Lesen Sie sie mit der Frage, welche davon Sie in Wagrain weiterdenken möchten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit herzlichen Grüßen,</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stuart Stadler</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baukunst Akademie</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Deutschlands erste Fassade aus recyceltem Plastik entsteht im Münchner Werksviertel</title>
		<link>https://baukunst.art/deutschlands-erste-fassade-aus-recyceltem-plastik-entsteht-im-muenchner-werksviertel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Feb 2026 14:19:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Kreislaufwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[nachhaltiges Bauen]]></category>
		<category><![CDATA[Recycling-Fassade]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15254</guid>

					<description><![CDATA[Plastik mit Vergangenheit, Gebäude mit Zukunft Das Bürogebäude MONACO im Münchner Werksviertel erhält eine Fassade aus recyceltem Kunststoff. Pretty Plastic aus Amsterdam liefert die Schindeln, MVRDV aus Rotterdam den Entwurf. Ein Pilotprojekt, das zeigt, wohin die Reise gehen kann. Es gibt Materialien, die man kennt, ohne sie je wirklich gesehen zu haben. Fensterrahmen, Regenrinnen, Fallrohre: Sie gehören zum Alltag, bis&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Plastik mit Vergangenheit, Gebäude mit Zukunft</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bürogebäude MONACO im Münchner Werksviertel erhält eine Fassade aus recyceltem Kunststoff. Pretty Plastic aus Amsterdam liefert die Schindeln, <strong><a href="https://www.mvrdv.com/" target="_blank" rel="noopener">MVRDV aus Rotterdam</a> </strong>den Entwurf. Ein Pilotprojekt, das zeigt, wohin die Reise gehen kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es gibt Materialien, die man kennt, ohne sie je wirklich gesehen zu haben. Fensterrahmen, Regenrinnen, Fallrohre: Sie gehören zum Alltag, bis sie ausgedient haben, und dann verschwinden sie still in der Mülltonne oder, schlimmer noch, im Verbrennungsofen. Das Amsterdamer Unternehmen Pretty Plastic hat sich seit 2017 zur Aufgabe gemacht, genau diesen Moment zu verhindern. Aus geschreddertem PVC-Abfall presst die Firma farbige Fassadenschindeln, die in zwölf Farben und drei Designs erhältlich sind und inzwischen auf Gebäuden in Belgien, Großbritannien, Frankreich und Dänemark zu finden sind. Deutschland war bislang außen vor. Das ändert sich gerade grundlegend.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Münchner Werksviertel entsteht aktuell das Bürogebäude MONACO, entworfen vom renommierten Rotterdamer Büro MVRDV. Das Projekt ist nicht groß im klassischen Sinne: Rund 4.500 Quadratmeter Nutzfläche verteilen sich auf sechs Stockwerke. Aber MONACO ist ambitioniert in dem, was es über seine Materialien aussagen will. Ein Drittel der Fassade wird mit 20.000 Plastikschindeln von Pretty Plastic verkleidet, der Rest mit rund 60.000 wiederverwendeten Klinkersteinen aus regionalen Abbruchhallen der 1920er und 1930er Jahre. Spatenstich war im April 2025, die Fertigstellung ist für Mitte 2027 geplant.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Work und Play als architektonisches Prinzip</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">MVRDV teilt das Gebäude konzeptionell in zwei Bereiche: Arbeit und Spiel. Der Arbeitsbereich präsentiert sich als solider sechsgeschossiger Kubus, verkleidet mit dem warmen Rotbraun der recycelten Klinker. Der Spielbereich wächst kaskadenartig nach oben und zur Seite, verkleidet mit den bunten Kunststoffschindeln in Blau- und Lilatönen. Diese Dualität setzt sich im Inneren fort: klassische Büroflächen auf der einen Seite, auf der anderen ein Forum für Vorträge und Ideenaustausch, ein Coworking-Biergarten mit Terrasse sowie Lesezimmer für kontemplativere Tätigkeiten. Das Konzept bezeichnet Rock Capital als &#8222;New Work&#8220;, eine Idee, die nicht neu ist, hier aber raumlich und material konsequent durchgezogen wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Verweis auf die TV-Figur Monaco Franze und den legendären Münchner Originalschauplatz ist dabei mehr als Folklore. Sven Thorissen, Direktor des Studio DAS bei MVRDV, formuliert es so: Das Werksviertel ziehe ein internationales Publikum an, das bunte Erscheinungsbild greife die Vergangenheit des Areals als Kunst- und Kulturviertel auf. Wo früher die Pfanni-Fabrik stand, dann der Kunstpark Ost und die Kultfabrik pulsierten, soll jetzt ein Bürogebäude entstehen, das den Geist des Ortes weiterträgt. Das ist ein ehrenwerter Anspruch. Ob er eingelöst wird, hängt nicht zuletzt davon ab, ob die Architektur den Test der Zeit besteht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Material: mehr als ein Nachhaltigkeitsversprechen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Pretty Plastic wurde von den Architekten Overtreders W und bureau SLA gegründet und verfolgt seit Beginn ein klares Ziel: Plastikmüll in langlebige Baumaterialien zu verwandeln. Die Schindeln bestehen zu 100 Prozent aus aufbereitetem PVC-Abfall, können am Ende ihrer Nutzungsdauer vollständig wiederverwertet werden und erfüllen damit das Cradle-to-Cradle-Prinzip in seiner reinsten Form. Welche Farbe eine Schindel erhält, hängt von den verwendeten Abfallmaterialien ab, was jedem Produkt eine leicht individuelle Note gibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Beim MONACO werden rund 70 Prozent des bunten Fassadenteils mit <strong><a href="https://www.prettyplastic.nl/" target="_blank" rel="noopener">Pretty-Plastic-Schindeln</a></strong> verkleidet. Der Rest besteht aus Keramikschindeln, die aus brandschutztechnischen Gründen notwendig sind: Wo die Fassade an ein Nachbargebäude grenzt, schreibt das deutsche Baurecht höhere Brandschutzanforderungen vor, denen Kunststoff nicht genügen kann. Genau diese regulatorische Hürde war laut Rock-Capital-Geschäftsführer Andreas Wißmeier eine der größten Herausforderungen des Projekts. Umfangreiche bauliche und brandschutztechnische Kompensationsmaßnahmen machten schließlich eine Ausnahmegenehmigung möglich. Das deutet darauf hin, dass der Weg zur Kreislaufwirtschaft in der deutschen Bauwirtschaft noch erheblicher regulatorischer Anpassungsarbeit bedarf.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein teures Bekenntnis zur Nachhaltigkeit</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Gesamtinvestition für das MONACO beziffert Wißmeier auf rund 75 Millionen Euro. Die Recyclingfassade sei deutlich teurer als eine konventionelle Konstruktion aus Glas und Stahl, räumt er offen ein. Das ist bemerkenswert ehrlich und zugleich ein strukturelles Problem: Solange nachhaltige Materialien teurer sind als ihre konventionellen Alternativen, bleibt ihre Anwendung auf Bauherrinnen und Bauherren beschränkt, die entweder idealistisch motiviert sind oder sich auf lange Sicht strategische Vorteile erhoffen, etwa durch Zertifizierungen und Reputationsgewinn.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rock Capital strebt für das MONACO eine LEED-Platin-Zertifizierung an, die höchste Stufe des amerikanischen Nachhaltigkeitssystems. Hinzu kommt die WiredScore-Platin-Zertifizierung für digitale Konnektivität. Im Betrieb sollen intelligente Systeme für Beleuchtung, Heizung und Kühlung den Energieverbrauch minimieren. Fahrradparkplätze, Duschen für Radfahrerinnen und Radfahrer sowie mindestens 20 Ladepunkte für Elektrofahrzeuge runden das Nachhaltigkeitsbild ab. Vor Baubeginn wurde das Projekt bereits mit dem German Design Award 2025 ausgezeichnet. MONACO ist damit schon jetzt ein Projekt der Superlative auf dem Papier. Ob es das auch als gebautes Haus sein wird, entscheidet sich erst in zwei Jahren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Standort als Argument</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das MONACO steht in einer Straße, die einen Namen trägt, der kaum passender sein könnte: Helmut-Dietl-Straße, benannt nach dem Münchner Regisseur und geistigen Schöpfer der Monaco-Franze-Figur. Es liegt zwischen den Hochhäusern Atlas und Highrise One, in unmittelbarer Nachbarschaft zu WERK12, dem anderen MVRDV-Gebäude im Werksviertel, das 2021 mit dem Preis des Deutschen Architekturmuseums als Bauwerk des Jahres ausgezeichnet wurde. MVRDV ist damit im Werksviertel kein Unbekannter mehr. Der neue Auftrag ist in gewisser Weise auch eine Bestätigung einer funktionierenden Zusammenarbeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stadtbaurätin Elisabeth Merk bezeichnet das MONACO als stadtbildprägend und hebt die Klinker als Referenz an das industriekulturelle Erbe des Areals hervor. Das ist kein leeres Lob: Das Werksviertel ist tatsächlich ein seltenes Beispiel dafür, wie ein ehemaliges Industrieareal nicht durch Verdrängung, sondern durch schrittweise Verdichtung und Aufwertung neues Leben erhält. Das MONACO fügt diesem Prozess ein Material hinzu, das bisher im deutschen Stadtbild nicht vorkam.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Pilotprojekt mit Signalwirkung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass Pretty Plastic bisher in Deutschland nicht zum Einsatz kam, liegt nicht an mangelnder Qualität der Produkte. Es liegt an der Kombination aus ungewohntem Material, deutschen Brandschutzvorschriften und einer Baubranche, die Innovation strukturell skeptisch gegenübersteht. In den Niederlanden, wo Pretty Plastic gegründet wurde, stehen die bisher größten Projekte des Unternehmens, etwa das nationale Schwimmcenter Tongelreep in Eindhoven mit fast 31.000 Schindeln auf 1.400 Quadratmetern Fassadenfläche. Deutschland entdeckt das Material nun mit einem vergleichsweise kleinen, aber sichtbaren Gebäude.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob das MONACO Nachahmerinnen und Nachahmer findet, hängt wesentlich davon ab, wie Betrieb und Vermarktung des Gebäudes verlaufen. Wenn sich zeigt, dass die Schindeln wartungsarm und dauerhaft sind, dass die Zertifizierungen helfen, Mieterinnen und Mieter anzuziehen, und dass der Preisaufschlag für die Bauherrschaft langfristig aufgeht, könnte das Projekt tatsächlich einen Markt öffnen. Die Kreislaufwirtschaft braucht Leuchtturmprojekte. Das MONACO hat das Potenzial, eines zu sein. Gebaut werden muss es noch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kirchlicher Immobilienverkauf: Wer übernimmt die sozialen Räume und ist die Kirchensteuer noch zeitgemäß?</title>
		<link>https://baukunst.art/kirchlicher-immobilienverkauf-wer-uebernimmt-die-sozialen-raeume-und-ist-die-kirchensteuer-noch-zeitgemaess/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Feb 2026 14:15:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchenimmobilien]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchensteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Infrastruktur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15184</guid>

					<description><![CDATA[Beide großen Kirchen verkaufen massenhaft Immobilien. Doch wer kümmert sich danach um die Schwachen? Und zahlen wir eigentlich noch die richtige Steuer?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gottes Grundstücke zu Marktpreisen: Was der kirchliche Immobilienabverkauf für die Gesellschaft bedeutet</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die kleinen Kleider der großen Kirche</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es gibt Sätze, die klingen nach Selbsteinsicht und entpuppen sich bei näherer Betrachtung als Eingeständnis eines strukturellen Versagens. Tobias Blum, Pressesprecher des Bistums Mainz, sagte es vor wenigen Monaten öffentlich: 201EEs ist in allen katholischen Diözesen und auch den evangelischen Landeskirchen so, dass man merkt, dass uns die Kleider zu groß sind.201C Damit hatte er natürlich recht. Nur: Wessen Kleider sind das eigentlich? Und wer trägt die Folgen, wenn diese Kleider nun zum Ausverkauf kommen?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hintergrund ist ein dramatischer Umstrukturierungsprozess, der in seiner Tragweite für die gebaute Stadtstruktur Deutschlands kaum zu überschätzen ist. Eine 2023 gemeinsam von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und dem Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) in Auftrag gegebene Studie prognostiziert, dass sich beide Kirchen bis zum Jahr 2060 von rund 40.000 Immobilien trennen müssen. Das entspricht etwa einem Drittel des gesamten kirchlichen Gebäudebestandes. Die evangelische Kirche verwaltet derzeit rund 75.000 Gebäude, darunter allein 21.000 Kirchengebäude, 17.000 Pfarrhäuser, 13.000 Gemeindezentren und 14.000 Betriebsgebäude. Der Immobilienbestand der katholischen Kirche umfasst nach älteren Schätzungen rund 130.000 Wohnungen. Der monetäre Wert dieser Bestände ist enorm, ihr Unterhalt aber ebenso. Schon im Jahr 2005 betrugen die Gebäudelasten der evangelischen Kirche rund eine Milliarde Euro jährlich.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bistum um Bistum: Der Rückzug ist längst in vollem Gang</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was abstrakt klingt, ist längst operative Realität. Das Erzbistum Hamburg hat alle rund 800 Immobilien auf den Prüfstand gestellt und dabei zwischen sogenannten Primär- und Sekundärimmobilien unterschieden. Letztere, voraussichtlich rund 350 bis 400 Objekte also etwa die Hälfte des Bestandes, sollen bis 2030 entwickelt, verpachtet oder veräußert werden. Das Bistum Mainz plant, rund die Hälfte seiner 1.700 Immobilien abzugeben, in erster Linie Pfarrhäuser und Gemeindezentren. Gleichzeitig werden die bisher rund 300 pastoralen Einheiten des Bistums zu nur noch 46 zusammengelegt. Das Erzbistum Berlin hat im Mai 2024 einen umfassenden Beratungsprozess mit einem externen Immobiliendienstleister gestartet, der bis 2030 abgeschlossen sein soll. Finanziell erzwingt das der Druck von unten: Das Bistum Mainz muss bis 2030 mindestens 50 Millionen Euro pro Jahr einsparen, was 25 Prozent seiner Gesamtausgaben entspricht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Grund für diesen Rückzug ist nüchtern betrachtet demografischer und finanzieller Natur: Die Zahl der Kirchenmitglieder in Deutschland ist von 57,4 Prozent der Bevölkerung im Jahr 2014 auf 45,2 Prozent gesunken. Bis 2060 soll die Zahl der Kirchensteuerpflichtigen um weitere 49 Prozent abnehmen, prognostizieren Forscher der Universität Freiburg. Weniger Mitglieder bedeuten weniger Kirchensteuereinnahmen, und das bedeutet weniger Geld für Gebäudeunterhalt. Die Logik ist simpel, ihr architektonisches Erbe aber komplex.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Denkmalschutz trifft Marktlogik: Ein ungleiches Duell</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als Architekt betrachte ich diesen Prozess mit großer Sorge. Unter den rund 40.000 freizusetzenden Immobilien befinden sich tausende denkmalgeschützte Gebäude, darunter Kirchensäle mit aufwendigen Bleiglasfenstern und historischen Ausstattungen, für die sich keine wirtschaftlich tragfähige Nachnutzung finden lässt. Kirchen sind keine Lagerhallen. Sie sind Raumkunstwerke, die über Jahrhunderte das städtische Bild geprägt haben und deren Qualitäten sich nicht einfach durch eine Nutzungsänderung erhalten lassen. In den Niederlanden hat man bereits vorgemacht, was passieren kann: Kirchen werden zu Supermärkten, Bowlingbahnen oder Kletterparks umgewidmet. Manches davon gelingt kreativ, vieles davon geht auf Kosten der Raumwirkung. Dennoch: Auch Kirchengebäude sollen nach Bistumsplan nur im Ausnahmefall aufgegeben werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das eigentliche architektonische Problem liegt freilich nicht in den Kirchenschiffen selbst, sondern in den Gemeindezentren, den Pfarrhäusern und sozialen Räumen, die seit den 1950er und 1970er Jahren in großer Zahl als schlichte Zweckbauten errichtet wurden. Diese Gebäude stehen nun buchstäblich zur Disposition. Und mit ihnen ihre Funktion.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was geschieht mit dem sozialen Gefüge?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier liegt die eigentliche gesellschaftliche Sprengkraft des Prozesses. In kirchlichen Gemeindehäusern finden Selbsthilfegruppen statt, Seniorennachmittage, Jugendtreffs, Notunterkünfte, Beratungsangebote und Sprachkurse. Diese Räume kosten wenig Miete oder keine. Wer übernimmt sie, wenn die Kirche nicht mehr Eigentümerin ist? Ein privater Käufer wird sie marktgerecht vermieten oder abreißen. Eine Kommune, die selbst unter Haushaltsdruck steht, kann und wird nicht in jedem Fall einspringen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Wohlfahrtsverband Caritas beschäftigt rund 740.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und gilt als größter privatrechtlicher Arbeitgeber Deutschlands. Die Diakonie betreibt ein Einrichtungsvolumen von rund 50 Milliarden Euro jährlich. Beide Organisationen sind jedoch rechtlich eigenständig und weitgehend staatlich finanziert. Lediglich 1,8 bis 6 Prozent der Betriebskosten bei Caritas und Diakonie stammen aus Kirchenmitteln. Bei der Diakonie konkret sind es nur 3,8 Prozent, während staatliche Zuschüsse 82 Prozent ausmachen. Diese Zahlen wurden 2023 auch von einer Beraterin der Deutschen Bischofskonferenz bestätigt. Das bedeutet: Die großen kirchlichen Sozialwerke werden durch den Immobilienverkauf kaum erschüttert. Sie sind de facto schon heute staatlich finanzierte Dienstleister unter christlichem Dach.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was fehlen wird, sind die kleineren, informellen Räume, die dezentralen Treffpunkte in Stadtvierteln und ländlichen Gemeinden, die nicht buchhalterisch erfasst werden, aber Gemeinschaft ermöglichen. Ihr Verlust ist schwer zu quantifizieren, aber real.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Kirchensteuer: Ein Modell von gestern?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">An diesem Punkt drängt sich eine Frage auf, die lange als tabuverdächtig galt: Ist die Kirchensteuer noch zeitgemäß? Das Instrument, das den deutschen Staat zum Steuereinzüger der Konfessionen macht, wird laut Umfragen von rund 67 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger abgelehnt. Für das Jahr 2027 prognostiziert das Institut der deutschen Wirtschaft Einnahmen von 14,4 Milliarden Euro. Unter Berücksichtigung der Inflation entspricht das jedoch faktisch einem Minus von rund einer Milliarde Euro gegenüber dem bisherigen Höchststand. Der Trend zeigt unmissverständlich nach unten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei sind die Kirchensteuereinnahmen nicht der einzige finanzielle Zufluss: Die Länder zahlen den Kirchen zusätzlich staatliche Leistungen, die sogenannten Staatsleistungen, deren historischer Ursprung in der Säkularisation des Jahres 1803 liegt und die seither nie abgelöst wurden. Im Jahr 2025 belaufen sich diese Zahlungen auf über 657 Millionen Euro. Das Grundgesetz schreibt in Artikel 140 ausdrücklich die Ablösung dieser Leistungen vor. Sie ist bis heute nicht erfolgt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Man könnte das alles als kircheninterne Finanzierungsfrage abtun. Aber das wäre zu kurz gedacht. Die Kirchen sind nicht zuletzt deshalb so prägend in der deutschen Stadtstruktur verankert, weil sie über Jahrhunderte steuerliche Privilegien genossen und staatliche Unterstützung erhielten. Wenn sie nun Immobilien in großem Stil veräußern, wird der durch staatliche Mittel mitfinanzierte Substanzwert in private Hände übertragen. Das ist eine sozialpolitische Entscheidung von erheblicher Reichweite, die einer breiten öffentlichen Debatte bedarf.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was jetzt zu tun wäre: Ein Plädoyer für Transparenz und Gemeinwohl</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Als jemand, der  Gebäude plant, nutzt und analysiert, möchte ich Klarheit einfordern: Die Kirchen sollten ihre Immobilien nicht einfach dem freien Markt überlassen. Stattdessen braucht es transparente Verfahren, bei denen soziale Träger, Kommunen und zivilgesellschaftliche Organisationen Vorkaufsrechte erhalten. Erbbaurechtsmodelle, wie sie einzelne Bistümer bereits erproben, sind ein richtiger Ansatz: Das Eigentumsrecht bleibt in kirchlicher Hand, die Nutzung wird sozialen Zwecken sichergestellt. Das Erzbistum Hamburg schreibt in seinen Verkaufsrichtlinien ausdrücklich aus, dass Nutzungen als Nachtlokale, Spielhallen oder durch nichtchristliche Religionsgemeinschaften ausgeschlossen sind. Das ist ein legitimer Vorbehalt, aber er schafft allein noch keine Gemeinwohlorientierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig sollte der Staat die Gelegenheit nutzen, das jahrhundertealte Konstrukt der Kirchensteuer und der Staatsleistungen kritisch zu überdenken. Wenn die Kirchen selbst einräumen, dass ihnen die Kleider zu groß sind, dann muss auch die Frage erlaubt sein, ob das Kleid der finanziellen Sonderprivilegien noch passt. Eine ehrliche gesellschaftliche Debatte über die Neujustierung des Verhältnisses von Staat und Kirche ist überfällig. Sie ist kein Angriff auf die Religion, sondern ein Gebot der Fairness gegenüber allen Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Berliner Blackout 2026: Was der Stromausfall über die Verwundbarkeit unserer Städte verrät</title>
		<link>https://baukunst.art/berliner-blackout-2026-was-der-stromausfall-ueber-die-verwundbarkeit-unserer-staedte-verraet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Feb 2026 13:50:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Blackout 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Kritische Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Resilienz Stadtplanung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15167</guid>

					<description><![CDATA[Kein Licht, keine Heizung, kein Notarzt: Berlins Blackout 2026 zeigt, wie fragil unsere Städte sind – und wer dafür verantwortlich ist.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Strom weg, Gesellschaft bloß</strong></h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der Berliner Blackout und die Architektur der Verwundbarkeit</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am frühen Morgen des 3. Januar 2026 erlosch in weiten Teilen des Berliner Südwestens das Licht. Nicht wegen eines technischen Defekts, nicht wegen Schneesturm oder Altersschwäche der Netze, sondern wegen eines gezielten Brandanschlags auf eine Kabelbrücke über den Teltowkanal beim Heizkraftwerk Lichterfelde. Fünf Hochspannungs- und zehn Mittelspannungskabel wurden beschädigt. Rund 45.400 Haushalte und 2.200 Betriebe in Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde blieben tagelang ohne Strom und Heizung, mitten im tiefsten Winter. Es war der längste Stromausfall der Stadt seit 1945.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die linksextreme Vulkangruppe bekannte sich zu dem Anschlag. Doch wer die Bombe zündete, erklärt noch nicht, warum sie so verheerend wirkte. Diese Frage ist eine architektonische, eine stadtplanerische und zutiefst gesellschaftliche.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eine Stadt auf einem Bein</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Moderne Großstädte sind Hochleistungssysteme mit erschreckend dünner Redundanz. Das Berliner Stromnetz, wie das der meisten deutschen Großstädte, ist historisch gewachsen, nicht für hybride Angriffe konzipiert, sondern für den Normalbetrieb optimiert. Einzelne Knotenpunkte tragen Lasten, die für ganze Stadtteile existenziell sind. Fachleute nennen das single points of failure: eine einzige Kabelbrücke, eine einzige Verbindungsleitung, ein einziges Unterwerk, und Zehntausende sitzen im Dunkeln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schon die Flutkatastrophe im Ahrtal hat gezeigt, dass sämtliche Kapazitäten für eine Region mit 42.000 Betroffenen eingesetzt wurden. Die Berliner Hauptstadtregion zählt vier Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Ein längerer, flächendeckender Ausfall wäre logistisch kaum beherrschbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Schwachstellen liegen nicht nur in der Energieinfrastruktur. Heizungsanlagen, Wasserdruckpumpen in Hochhäusern, Mobilfunktürme, Klinik-IT, Ampelanlagen, Eisenbahnstellwerke, alles hängt am Strom. Fällt er weg, bricht eine Kaskade zusammen. Im Januar 2026 waren zeitweise 39 Mobilfunkstandorte eines einzigen Anbieters ausgefallen. Der Notruf war stundenlang überlastet, nicht mit echten Notfällen, sondern mit Anrufen besorgter Bürgerinnen und Bürger ohne Strom.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wer wohnt, wer friert, wer geht</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Blackout traf Quartiere mit sehr unterschiedlicher sozialer Zusammensetzung. Nikolassee, Wannsee, Schlachtensee sind die Villenviertel des gutbürgerlichen Berliner Westens. Aber auch dicht besiedelte Mehrfamilienhaussiedlungen wie die Thermometersiedlung in Lichterfelde gehörten zum betroffenen Gebiet. Hier zeigt sich eine soziale Asymmetrie, die Stadtplaner und Architektinnen kennen, die aber selten so scharf hervortritt wie in einer Krise.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer ein eigenes Haus, ein Auto, Verwandte auf dem Land oder genug Mittel für ein Hotelzimmer hat, übersteht einen mehrtägigen Stromausfall mit Unannehmlichkeiten. Wer in einem Hochhaus im 14. Stock lebt, auf einen Aufzug angewiesen ist, in einer Pflegeeinrichtung wohnt oder keine sozialen Netzwerke besitzt, steht vor einer anderen Situation. Der Bezirk richtete Notunterkünfte ein, Feldbetten in Sportzentren, Wärmestuben, Ladestationen für Handys. Das ist Krisenmanagement im Geiste der Nachkriegszeit: improvisiert, würdig, aber nicht konzipiert für eine Stadt des 21. Jahrhunderts.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ferdinand Gehringer, Ko-Autor eines Buchs über &#8218;Deutschland im Ernstfall&#8216;, benennt das strukturelle Versagen: Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser verfügen zwar über Generatoren, doch die Kapazitäten reichen selten für mehrtägige Ausfälle. In Skandinavien ist es selbstverständlich, dass Betriebe Notstromaggregate vorhalten. In Deutschland ist das die Ausnahme.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das Krisenmanagement als Spiegel</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner erklärte öffentlich, er habe den Tag des Anschlags koordinierend in seinem Büro verbracht. Später stellte sich heraus, dass er zeitweise Tennis gespielt hatte, gemeinsam mit Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch, seiner Lebensgefährtin. Das Bild wurde zur Metapher.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht weil Tennis ein Vergehen wäre. Sondern weil es die Frage aufwirft, ob die politische Führung einer Großstadt Protokolle und Reflexe für solche Lagen überhaupt besitzt. Die Großschadenslage wurde erst einen Tag nach dem Anschlag ausgerufen, als das volle Ausmaß bereits bekannt war. Die Bundeswehr wurde erst nach einem Tag der Zurückhaltung angefordert. Die 45 vom Senat angekündigten Katastrophenschutz-Leuchttürme, Anlaufstellen für die Bevölkerung in Krisen, waren zum Zeitpunkt des Blackouts zu nur knapp einem Drittel einsatzbereit, wie der Berliner Rechnungshof kurz zuvor bemängelt hatte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Lücken sind keine Einzelversagen. Sie sind das Ergebnis jahrzehntelanger Fehlpriorisierung in der Stadtplanung. Der Begriff der Friedensdividende lässt sich auf viele Bereiche ausdehnen: nicht nur auf Bundeswehr und Straßenmeisterei, sondern auch auf Katastrophenschutz, Redundanz im Versorgungsnetz und die schlichte Frage, ob eine Stadt Notfallpläne hat, die auch funktionieren.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Resilienz ist keine Kostenstelle, sondern Bauaufgabe</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus architektonischer Sicht stellt sich der Berliner Blackout als Planungsversagen dar, das sich über Jahrzehnte aufgeschichtet hat. Kritische Infrastruktur, Stromkabelbrücken, Unterwerke, Wasserwerke, Knotenpunkte des Mobilfunknetzes, ist in der Stadtplanung vielfach unterbelichtet geblieben. Sie verschwindet im Untergrund, wird hinter Zäunen versteckt oder in Industriezonen abgeschoben. Unsichtbarkeit ist ihr Schicksal und ihre Schwäche.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine resilientere Stadtstruktur würde kritische Infrastruktur nicht verstecken, sondern redundant anlegen: Leitungen unterirdisch, mehrfach und aus verschiedenen Richtungen. Knotenpunkte nicht als singuläre Punkte, sondern als verteilte Systeme. Dazu bräuchte es verstärkte physische Sicherung, Zaunanlagen, Zugangskontrollen, Überwachung. Das klingt unattraktiv. Es ist aber Stadtbau.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das seit Langem diskutierte KRITIS-Dachgesetz, das Betreiber kritischer Infrastruktur zu Resilienzinvestitionen verpflichtet, war zum Zeitpunkt des Anschlags noch nicht vom Bundestag verabschiedet. Es ist ein symptomatisches Detail: Auch der Rechtsrahmen war nicht resilient genug. Nach dem Berliner Blackout soll das Gesetz beschleunigt kommen. Manche Lehren zahlt man teuer.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Freiheit und Sicherheit: Keine falschen Gegensätze</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es wäre verleiterisch, aus dem Berliner Blackout zu schließen, Sicherheit und Freiheit stünden in einem grundlegenden Spannungsverhältnis. Mehr Überwachung, mehr Abschottung, mehr Kontrolle als Reaktion auf hybride Angriffe liegt nahe. Sie führt aber in die Irre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was Berlin wirklich braucht, sind keine Überwachungskameras an jeder Kabelbrücke. Gebraucht werden kluge Stadtplanung, verteilte Strukturen statt zentralisierter Systeme, robuste statt effizienzmaximierte Infrastruktur, soziale Resilienz statt bloßer technischer Absicherung. Dazu gehört auch, dass Bevölkerungsgruppen sich in Krisen gegenseitig stützen können, was Gemeinschaftsräume, funktionierende Nachbarschaften und soziale Infrastrukturen voraussetzt. Ein Quartier, dessen Bewohnerinnen und Bewohner sich kennen, ist resilienter als eine Siedlung anonymer Mieterinnen und Mieter.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Studie der Technischen Universität Kaiserslautern-Landau von 2025 ergab: Mehr als die Hälfte der Befragten hat sich bislang nicht mit Notfallvorsorge beschäftigt. Ein Drittel hält persönliche Katastrophenbetroffenheit für unwahrscheinlich. Das ist kein Versagen der Bevölkerung, es ist ein Versagen der Kommunikation, Planung und politischen Bildung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Berliner Blackout ist kein Ausnahmefall. Er ist ein Vorgeschmack. Drei vergleichbare Anschläge auf Berliner Strominfrastruktur in zwei Jahren, Adlershof im September 2025, Lichterfelde im Januar 2026, dazu der Anschlag auf das Tesla-Werk in Grünheide 2024, zeigen ein Muster. Die Reaktion darauf darf nicht nur eine sicherheitspolitische sein. Sie muss eine stadtbauliche sein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Geschäftsklima Architekturbüros 2026: ifo Index auf 17 Jahres Tief, Nachfrage bricht ein, KI als Hoffnungsschimmer</title>
		<link>https://baukunst.art/geschaeftsklima-architekturbueros-2026-ifo-index-auf-17-jahres-tief-nachfrage-bricht-ein-ki-als-hoffnungsschimmer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Feb 2026 17:11:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbüros Konjunktur]]></category>
		<category><![CDATA[ifo Geschäftsklimaindex]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbaukrise Deutschland]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15078</guid>

					<description><![CDATA[Der ifo Geschäftsklimaindex für Architekturbüros stürzt im Januar 2026 auf minus 9,8 Saldenpunkte und erreicht damit den schlechtesten Wert seit 17 Jahren. So pessimistisch blickten Architektinnen und Architekten zuletzt während der Finanzkrise 2009 auf die eigene Lage. Die Bundesarchitektenkammer zeigt sich überrascht. Fehlende Nachfrage hat den Fachkräftemangel als größtes Problem abgelöst, während die Investitionsbereitschaft in KI und Digitalisierung Rekordwerte erreicht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Stimmung in Architekturbüros im Keller: Geschäftsklimaindex fällt auf 17 Jahres Tief</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer zu Jahresbeginn 2026 auf einen konjunkturellen Silberstreif am Horizont der deutschen Architekturlandschaft gehofft hatte, wurde im Januar bitter enttäuscht. Der Geschäftsklimaindex (GKI) des ifo Instituts für Architekturbüros sackte auf minus 9,8 Saldenpunkte ab. Das ist nicht nur eine deutliche Verschlechterung gegenüber dem Jahresende 2025, sondern markiert zugleich den schlechtesten Wert seit dem Frühsommer 2009, als die Lehman Pleite die gesamte Immobilienwirtschaft erschütterte. Zum Vergleich: Der Gesamtwert für alle Branchen liegt im Januar bei minus 8,6 Punkten. Die Architekturbranche schneidet damit sogar schlechter ab als der ohnehin schwächelnde Durchschnitt der deutschen Wirtschaft.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Drei Jahre im Negativbereich</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der GKI basiert auf monatlichen Umfragen des Münchner ifo Instituts unter mehreren Hundert Architekturbüros und setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: der Beurteilung der aktuellen wirtschaftlichen Situation und den Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate. Beide Teilindizes fielen im Januar so schlecht aus wie seit mindestens einem Jahr nicht mehr. In der Bundesarchitektenkammer (BAK) hatte man gerade zu Jahresbeginn auf einen Aufschwung gehofft. Seit gut drei Jahren bewegen sich die Werte inzwischen im negativen Bereich. Im vergangenen Sommer zeigte der Index bei Architektinnen und Architekten zwar mehrere Monate lang nach oben, doch die Erholung hat sich nicht verfestigt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist besonders bemerkenswert, weil das Geschäftsklima bei den befragten Architekturbüros laut BAK Daten seit dem Jahr 2022 kontinuierlich eingetrübt ist. Die Geschäftserwartungen schwanken seit drei Jahren um einen negativen Saldenwert von minus 20. Zum Ende des dritten Quartals 2025 hatte der Pessimismus bei den Erwartungen sogar weiter zugenommen, die Auftragsbestände waren gesunken und die Zahlen deuteten auf erwarteten Personalabbau hin. Der kurze Lichtblick im Sommer 2025 erwies sich als Strohfeuer.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachfrage als Kernproblem</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Diagnose der BAK Wirtschaftsabteilung ist eindeutig: Für die Architekturbüros ist die unzureichende Nachfrage derzeit das größte Problem und wird viel stärker als geschäftsbehindernd angesehen als der Fachkräftemangel. Diese Verschiebung der Problemwahrnehmung ist beachtenswert. Noch vor zwei Jahren klagten die Büros vorrangig über fehlende Fachkräfte. Dass nun der Mangel an Aufträgen den Personalmangel als größte Sorge abgelöst hat, zeigt die Dimension der Krise.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Offenbar wirken die politischen Maßnahmen zur Ankurbelung des Wohnungsbaus noch nicht richtig oder sind nicht richtig konzeptioniert. Diese Einschätzung deckt sich mit Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), das für 2026 nur noch rund 215.000 fertiggestellte Wohnungen prognostiziert. Das Ziel von 400.000 Wohnungen pro Jahr, das bereits die Ampel Regierung nie erreicht hatte, rückt damit in immer weitere Ferne. Im Jahr 2024 wurden so wenige Wohnungen fertiggestellt wie seit 2015 nicht mehr. Der sogenannte Bau Turbo der Bundesregierung soll über schnellere Genehmigungen gegensteuern, doch die Fakten sprechen eine andere Sprache: Nur was in den Vorjahren genehmigt wurde, kann heute baulich vollendet werden. Die Genehmigungsdauer bis zur Fertigstellung beträgt inzwischen durchschnittlich 26 Monate, bei Geschosswohnungen sogar 34 Monate.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Strukturelle Verwerfungen hinter den Zahlen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Malaise der Architekturbüros ist kein isoliertes Branchenphänomen, sondern Ausdruck einer tiefen strukturellen Krise des deutschen Bausektors. Der ifo Geschäftsklimaindex für die Gesamtwirtschaft verharrte im Januar 2026 unverändert bei 87,6 Punkten, die Erwartungen trübten sich leicht ein. Die deutsche Wirtschaft startet ohne Schwung ins neue Jahr. Im Bauhauptgewerbe hellte sich die Stimmung zwar etwas auf, doch im Hochbau blieb die Auftragslage weiterhin schwach. Die Kapazitätsauslastung im verarbeitenden Gewerbe sank auf 77,5 Prozent und liegt damit deutlich unter dem langfristigen Mittelwert von 83,2 Prozent.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die knapp 40.000 deutschen Architekturbüros, zu über 90 Prozent Einheiten mit weniger als zehn Beschäftigten, spüren diese Entwicklungen unmittelbar. Eine gemeinsame Mitgliederbefragung von BAK, Bundesingenieurkammer, AHO und VBI ergab, dass knapp 40 Prozent aller befragten Büros einen rückläufigen Auftragsbestand in den vergangenen sechs Monaten verzeichneten. Nur noch 84 Prozent der Büros erzielten einen Gewinn, im Vorjahr waren es noch 97 Prozent. Die Ursachen der angespannten Lage liegen in gestörten Projektabläufen, steigenden regulatorischen Anforderungen und dem Ringen um faire Verträge mit angemessener Vergütung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">KI Boom als digitaler Lichtblick</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ergebnisse der Januar Befragung sind allerdings nicht durchweg negativ. Ein bemerkenswerter Befund: So viele Betriebe wie noch nie gaben an, in diesem Jahr Geld in neue Software und Digitalisierung investieren zu wollen, getrieben vom anhaltenden KI Boom. Die Branche scheint verstanden zu haben, dass Produktivitätssteigerung durch Technologie kein optionaler Luxus mehr ist, sondern Überlebensstrategie. Tatsächlich schätzen die befragten Büros ihre eigene Produktivität weiterhin sehr hoch ein, was darauf hindeutet, dass die Investitionsbereitschaft in digitale Werkzeuge bereits Früchte trägt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein weiterer kleiner Lichtblick: Beschäftigte kündigen zu müssen, erwarten etwas weniger Büros als noch im Dezember. Das deutet darauf hin, dass trotz der düsteren Stimmung viele Büros versuchen, ihr qualifiziertes Personal zu halten, wohl in der Hoffnung, dass die Auftragslage irgendwann wieder anzieht. Wer einmal erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verloren hat, weiß, wie schwer es ist, sie zurückzugewinnen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Politischer Handlungsdruck wächst</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen des ifo Instituts sind ein Weckruf an die Politik. Die Bundesregierung hat mit dem Bau Turbo und der Aufstockung der Mittel für den sozialen Wohnungsbau auf 23,5 Milliarden Euro für den Zeitraum 2025 bis 2029 zwar Signale gesetzt. Doch zwischen politischer Absichtserklärung und spürbarer Wirkung in den Büros klafft eine Lücke, die sich mit jedem Monat negativer Konjunkturdaten weiter öffnet. Die Baugenehmigungen stiegen zwar zuletzt leicht, liegen aber im Vergleich zu 2020 noch immer um 35 Prozent niedriger. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie warnt, dass die Fertigstellungen 2026 unter 200.000 Wohnungen fallen könnten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was die Branche braucht, ist keine weitere Ankündigungspolitik, sondern verlässliche Rahmenbedingungen, konsequenten Bürokratieabbau und eine ehrliche Debatte über Baukosten und Normungsdichte. Die Digitalisierung von Genehmigungsverfahren, ein besseres Flächenmanagement der Städte und die Vereinfachung regulatorischer Anforderungen stehen seit Jahren auf der Forderungsliste der Branchenverbände. Dass diese Themen nicht entschiedener angegangen werden, während der Geschäftsklimaindex auf den tiefsten Stand seit der Finanzkrise fällt, darf als politisches Versäumnis gelten. Architektinnen und Architekten planen heute, was morgen gebaut wird. Wenn sie keine Aufträge haben, fehlen übermorgen die Wohnungen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die große Wärmepumpen-Lüge: Warum der Altbau-Mythos endlich fällt</title>
		<link>https://baukunst.art/die-grosse-waermepumpen-luege-warum-der-altbau-mythos-endlich-faellt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 Jan 2026 12:11:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Premium]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14794</guid>

					<description><![CDATA[Wärmepumpen funktionieren nicht im Altbau, so lautet ein hartnäckiges Vorurteil. Eine vierjährige Langzeitstudie des Fraunhofer ISE widerlegt es eindrucksvoll: In 77 untersuchten Gebäuden mit Baujahren zwischen 1826 und 2001 arbeiteten Wärmepumpen effizient, auch ohne Vollsanierung. Der CO₂-Ausstoß lag 64 Prozent unter dem von Gasheizungen. Warum der Mythos fällt und wo es trotzdem noch hakt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1>Wärmepumpe im Altbau: Fraunhofer Studie 2025 beweist überraschende Effizienz auch ohne Vollsanierung</h1>
<p>Ein Gebäude aus dem Jahr 1826. Keine Fußbodenheizung, keine gedämmte Fassade, keine Dreifachverglasung. Und trotzdem heizt dort seit Jahren eine Wärmepumpe zuverlässig und effizient. Was für viele Fachleute noch vor wenigen Jahren als technisches Experiment galt, entpuppt sich nach einer vierjährigen Langzeitstudie des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) als tragfähige Realität: Wärmepumpen funktionieren auch im Altbau erheblich besser als gedacht.</p>
<h2>Das Ende eines Vorurteils</h2>
<p>Die Ergebnisse der im November 2025 abgeschlossenen Studie  sind eindeutig. Danny Günther, Teamleiter für Wärmepumpen und Transformation Gebäudebestand am Fraunhofer ISE, fasst zusammen: Wärmepumpen können auch in älteren Gebäuden effizient betrieben werden und heizen klimaschonend, ohne dass die Gebäude auf Neubaustandard saniert werden müssen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten 77 Wärmepumpenanlagen in Ein- bis Dreifamilienhäusern mit Baujahren zwischen 1826 und 2001. Der untersuchte Pool umfasste 61 Luft/Wasser-Wärmepumpen und 16 Sole/Wasser-Wärmepumpen mit Erdsonden. Die beheizten Flächen lagen zwischen 90 und 370 Quadratmetern.</p>
<p>Das zentrale Ergebnis: Die Jahresarbeitszahlen, also das Verhältnis von erzeugter Wärme zu eingesetztem Strom, reichten von 2,6 bis 5,4. Luft/Wasser-Wärmepumpen erreichten im Durchschnitt eine Jahresarbeitszahl von 3,4, eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorgängerprojekt von 2019, das noch bei 3,1 lag. Erdgekoppelte Anlagen schnitten mit durchschnittlich 4,3 noch besser ab. Besonders bemerkenswert: Eine Korrelation zwischen Baujahr der Gebäude und Effizienz der Wärmepumpen konnte nicht festgestellt werden. Das alte Haus von 1826 schneidet also nicht zwangsläufig schlechter ab als ein Nachkriegsbau aus den 1960er Jahren.</p>
<h2>64 Prozent weniger CO₂ als Gasheizungen</h2>
<p>Erstmals berechneten die Forschenden die CO₂-Bilanz unter Berücksichtigung zeitlich variierender Strommix-Daten. Dabei wurden die viertelstündlich schwankenden Emissionswerte im deutschen Strommix erfasst. Das Ergebnis dieser dynamischen Bilanzierung: Im Jahr 2024 lag der CO₂-Ausstoß der untersuchten Wärmepumpen im Schnitt um 64 Prozent niedriger als bei Gasheizungen. Diese Zahl fällt zwar vier Prozentpunkte geringer aus als bei der konventionellen statischen Berechnungsmethode, bleibt aber eindrucksvoll. Mit dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien im Strommix wird sich dieser Vorteil noch verstärken. Für das Jahr 2030 prognostizieren die Forschenden Einsparungen zwischen 58 und 89 Prozent.</p>
<p>Auch konventionelle Heizkörper funktionieren</p>
<p>Ein weiterer Mythos, der ins Wanken gerät: die Annahme, Wärmepumpen benötigten zwingend Fußbodenheizungen. Die Studie zeigt, dass auch konventionelle Heizkörper für den effizienten Betrieb tauglich sind, sofern sie ausreichend dimensioniert werden. In den untersuchten Fällen konnten sie mit ähnlich niedrigen Vorlauftemperaturen betrieben werden wie Flächenheizungen. Die Angst vieler Altbaubesitzerinnen und Altbaubesitzer vor einem kompletten Umbau ihrer Wärmeverteilung erscheint damit übertrieben.</p>
<h2>Optimierungspotenzial aufgedeckt</h2>
<p>Trotz der positiven Gesamtbilanz identifizierte das Forschungsteam auch Schwachstellen. Viele Wärmepumpen waren auf den Verbrauch bezogen überdimensioniert, die Schalthäufigkeiten lagen bei einigen Anlagen im sehr hohen Bereich. Bei Anlagen mit Kombispeichern wurde teilweise keine zuverlässige Trennung der Temperaturniveaus für Raumheizung und Trinkwassererwärmung realisiert, was zu unnötiger Wärmebereitstellung auf Warmwasser-Temperaturniveau führte.</p>
<p>Diese Erkenntnisse decken sich mit einer europaweiten Feldstudie der ETH Zürich, die im Mai 2025 veröffentlicht wurde. Über zwei Jahre analysierten die Schweizer Forschenden 1.023 Wärmepumpen in zehn europäischen Ländern. Das Ergebnis: 17 Prozent der untersuchten Luftwärmepumpen unterschritten die europäischen Effizienzstandards. Die Anlagen mit dem niedrigsten Wirkungsgrad lagen zum Teil um das Zwei- bis Dreifache unter denjenigen mit dem höchsten Wirkungsgrad. Thorsten Staake, Co-Leiter des Bits to Energy Labs der ETH Zürich, kommentierte: Auch wenn bekannt war, dass fehlerhafte Planungen und Einstellungen keine Seltenheit sind, hat überrascht, wie stark sich dies im tatsächlich erzielten Effizienzniveau widerspiegelt.</p>
<p>Bei 41 Prozent der in einer früheren Schweizer Studie untersuchten Anlagen war die Heizkurve zu hoch eingestellt. In 36 Prozent der Fälle führte die aktivierte Nachtabsenkung zur Abkühlung der Gebäude und einem höheren Nachheizen. Jede zehnte Anlage war überdimensioniert.</p>
<h2>Der Markt reagiert</h2>
<p>Die verbesserte Faktenlage spiegelt sich zunehmend im Kaufverhalten wider. Im ersten Halbjahr 2025 wurden in Deutschland 139.500 Wärmepumpen installiert, ein Anstieg von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit übertraf die Wärmepumpe erstmals in der Geschichte des deutschen Heizungsmarktes die Zahl der neu verkauften Gasheizungen. Zwei Drittel aller 2024 verbauten Wärmepumpen wurden in Bestandsgebäuden installiert, nicht im Neubau. Die Modernisierung, nicht der Neubau, treibt den Markt.</p>
<p>Dennoch bleibt Deutschland im europäischen Vergleich zurückhaltend. Mit 10,6 installierten Geräten pro 1.000 Haushalte liegt die Bundesrepublik weit hinter Norwegen mit 57,34 oder Finnland mit 38,66. Das politische Ziel von 500.000 jährlich installierten Wärmepumpen wurde auch 2025 deutlich verfehlt. Für das Gesamtjahr prognostiziert der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie rund 284.000 abgesetzte Geräte.</p>
<h2>Was bleibt zu tun</h2>
<p>Die Forschungsergebnisse zeigen zweierlei: Erstens funktioniert die Technologie im Altbau besser als ihr Ruf. Zweitens hängt der tatsächliche Erfolg stark von Planung, Installation und Einstellung ab. Das Fraunhofer ISE hat im Abschlussbericht eine Prozessmatrix erstellt, die für die Phasen Planung, Installation und Inbetriebnahme mögliche Qualitätsdefizite dokumentiert. Die ETH Zürich schlägt als Lösungsansatz eine europaweite standardisierte Überwachung vor, gestützt auf Smart-Meter-Daten und KI-gestützte Analysen.</p>
<p>Die Kombination mit Photovoltaik bietet zusätzliches Potenzial. Ohne Batteriespeicher erreichten die in der Fraunhofer-Studie untersuchten Gebäude einen Autarkiegrad von 25 bis 40 Prozent. Die Wärmepumpe im Altbau ist keine Utopie mehr, sondern eine Frage der Qualitätssicherung.</p>
<p>QUELLEN</p>
<p><a href="https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2025/waermepumpen-heizen-auch-im-altbau-klimafreundlich-forschungsprojekt-des-fraunhofer-ise-abgeschlossen.html" target="_blank" rel="noopener">Fraunhofer ISE Studie (November 2025):</a></p>
<p><a href="https://ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2025/05/wie-effizient-arbeiten-waermepumpen-tatsaechlich.html" target="_blank" rel="noopener">ETH Zürich Feldstudie (Mai 2025):</a></p>
<p>_____________________________________________________________________________</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Schöne. Das Wahre. Das Gute.  Baukunst braucht Gemeinschaft.</title>
		<link>https://baukunst.art/das-schoene-das-wahre-das-gute-baukunst-braucht-gemeinschaft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Jan 2026 16:40:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Baukunst]]></category>
		<category><![CDATA[Förderverein]]></category>
		<category><![CDATA[satzung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14951</guid>

					<description><![CDATA[Liebe Kollegin, lieber Kollege, Baukultur und Architektur prägen unsere Lebensräume – sie stiften Identität, fördern Austausch und wirken weit über das einzelne Gebäude hinaus. Gerade jetzt braucht es einen starken, gemeinschaftlichen Impuls, der Bildung, Forschung sowie Kunst und Kultur im Feld der Baukunst zusammenbringt und den Gestaltungsdiskurs offen, fundiert und zukunftsorientiert führt. Der Baukunst Förderverein setzt genau hier an: Er&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="x-text x-content e9888-e23 m7mo-1g m7mo-1h m7mo-1i m7mo-1j m7mo-1l">
<p>Liebe Kollegin, lieber Kollege,</p>
<p>Baukultur und Architektur prägen unsere Lebensräume – sie stiften Identität, fördern Austausch und wirken weit über das einzelne Gebäude hinaus. Gerade jetzt braucht es einen starken, <strong>gemeinschaftlichen</strong> Impuls, der Bildung, Forschung sowie Kunst und Kultur im Feld der Baukunst zusammenbringt und den Gestaltungsdiskurs offen, fundiert und zukunftsorientiert führt.</p>
<p>Der <strong>Baukunst Förderverein</strong> setzt genau hier an: Er stärkt die <strong>Volks- und Berufsbildung</strong>, unterstützt <strong>Wissenschaft und Forschung</strong> und macht <strong>kulturelle Perspektiven</strong> auf Architektur sichtbar. Durch den gezielten Dialog zwischen <strong>Theorie und Praxis</strong>, die Förderung von <strong>Bildungs- und Forschungsaktivitäten</strong> sowie durch <strong>nationale und internationale Vernetzung</strong> schafft der Verein Räume für neue Ideen, tragfähige Kooperationen und eine Baukultur, die den Herausforderungen unserer Zeit standhält.</p>
<p>Fördermitglied werden können <strong>Einzelpersonen</strong>, <strong>juristische Personen</strong> sowie <strong>Organisationen und Initiativen</strong>, die diese Ziele teilen und die Weiterentwicklung einer verantwortungsvollen, lebenswerten gebauten Umwelt aktiv mittragen möchten.</p>
<p>Stuart Stadler, Architekt</p>
<p><strong>#ZukunftArchitektur</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong><a href="https://baukunst.art/mitgliedschaft/">MITGLIEDSANTRAG</a></strong></p>
<p><strong><a href="https://baukunst.art/foerderverein-statuten/">SATZUNG</a></strong></p>
<p><a href="https://baukunst.art/datenschutz/"><strong>DATENSCHUTZ</strong></a></p>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bauen für den Leerstand? Das Paradoxon der europäischen Wohnungspolitik</title>
		<link>https://baukunst.art/bauen-fuer-den-leerstand-das-paradoxon-der-europaeischen-wohnungspolitik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Jan 2026 17:26:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Editorial]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[#Zukunftarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[demografischer Wandel]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Wohnungsplan]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungspolitik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14863</guid>

					<description><![CDATA[43 Milliarden Euro für neuen Wohnraum, während ganze Regionen schrumpfen: Europas Wohnungspolitik steht vor einem beispiellosen Paradoxon. Eine kritische Einordnung.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Liebe Kollegin, lieber Kollege,</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">im Dezember 2025 präsentierte die Europäische Kommission den ersten <strong><a href="https://baukunst.art/eu-wohnungsplan-2025-43-milliarden-euro-gegen-die-europaeische-wohnungskrise/">European Affordable Housing Plan</a>.</strong> 43 Milliarden Euro wurden bereits mobilisiert, weitere zehn Milliarden sollen bis 2027 folgen. Dan Jørgensen, der erste EU-Kommissar für Wohnungsbau überhaupt, verkündete stolz eine neue Ära europäischer Wohnungspolitik. Doch während in Brüssel die Champagnerkorken knallen, zeichnet sich in den Statistikämtern ein ganz anderes Bild ab: Deutschland schrumpft, und zwar dramatisch.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die demografische Zeitbombe</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die <strong><a href="https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/12/PD25_446_12.html" target="_blank" rel="noopener">16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes</a></strong> liest sich wie ein Abgesang auf ganze Landstriche. Sachsen wird noch in diesem Jahr unter vier Millionen Einwohner fallen und könnte bis 2070 auf 2,9 Millionen schrumpfen. Thüringen unterschreitet Anfang der 2030er Jahre die Zwei-Millionen-Grenze. Die ostdeutschen Flächenländer verlieren je nach Szenario zwischen 14 und 30 Prozent ihrer Bevölkerung. Das sind keine abstrakten Zahlen, das sind leerstehende Häuser, verwaiste Schulen und geschlossene Arztpraxen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig altert die Gesellschaft in einem Tempo, das alle bisherigen Prognosen übertrifft. 2035 wird bereits jede vierte Person in Deutschland 67 Jahre oder älter sein. Im Osten liegt der Anteil der über 67-Jährigen schon heute bei 24 Prozent. Die Babyboomer gehen in Rente, und auf sie folgen deutlich kleinere Jahrgänge. Die sogenannte fehlende Generation, also die nicht geborenen Kinder der Wendezeit, rächt sich nun als nicht vorhandene Elterngeneration.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Paradoxon der zwei Deutschlands</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier liegt das fundamentale Missverständnis der aktuellen Wohnungspolitik: Es gibt nicht die eine Wohnungsnot. Es gibt überhitzte Metropolregionen, in denen München, Berlin, Hamburg und Frankfurt um jeden Quadratmeter kämpfen. Und es gibt schrumpfende Regionen, in denen Sachsen trotz hohem Leerstand verzweifelt nach Lösungen sucht. Der FAZ-Gastautor Günter Vornholz hat es auf den Punkt gebracht: Der tatsächliche Nachholbedarf in ganz Deutschland liegt bei etwa 300.000 Wohnungen, nicht bei der oft zitierten Million.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ifo-Institut prognostiziert für 2026 nur noch 175.000 bis 185.000 Fertigstellungen, ein historischer Tiefstand. Der sogenannte <strong><a href="https://baukunst.art/schneller-billiger-einsamer-wie-der-bau-turbo-die-baukultur-gefaehrdet/">Bau-Turbo von Bundesbauministerin Verena Hubertz</a> </strong>verpufft wirkungslos. Doch die eigentliche Frage lautet: Brauchen wir überhaupt mehr Neubau, oder brauchen wir anderen Neubau an anderen Orten?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was das für Architekturbüros bedeutet</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten in Deutschland ergeben sich daraus grundlegende strategische Fragen. Wer heute ein Mehrfamilienhaus in Görlitz oder Gera plant, muss sich fragen, wer dort in 20 Jahren noch wohnen wird. Der klassische Neubau auf der grünen Wiese wird in vielen Regionen zum wirtschaftlichen Risiko.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zukunft liegt vielmehr im <a href="https://baukunst.art/toxische-nachkriegsarchitektur/"><strong>intelligenten Umbau des Bestands</strong></a>. Barrierearme Wohnungen für eine alternde Bevölkerung, energetische Sanierung statt Abriss und Neubau, flexible Grundrisse für schrumpfende Haushaltsgrößen: Das sind die Aufgaben, die auf Planerinnen und Planer zukommen. In Japan, wo die Überalterung schon weiter fortgeschritten ist, stehen allein in Tokio 900.000 Wohnungen leer. Das sollte uns zu denken geben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Europa denkt zu groß</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der European Affordable Housing Plan ist gut gemeint, aber zu pauschal gedacht. Die EU rechnet mit einem Defizit von 650.000 Wohnungen pro Jahr. Doch diese Zahl ignoriert die regionalen Unterschiede. Während Portugal unter einer Immobilienüberbewertung von 35 Prozent ächzt und Kurzzeitvermietungen an Touristen den Wohnungsmarkt verzerren, kämpfen ländliche Gemeinden in Österreich und Ostdeutschland mit dem gegenteiligen Problem: Es gibt zu viele Häuser und zu wenige Menschen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die geplante Regulierung von Kurzzeitvermietungen ab Mai 2026 und die neue European Housing Alliance sind richtige Ansätze. Doch sie adressieren nur einen Teil des Problems. Was fehlt, ist eine ehrliche Diskussion darüber, dass Bauen allein keine Antwort auf demografischen Wandel ist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Plädoyer für regionale Differenzierung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architekturbranche steht vor einer Zeitenwende. Die Frage ist nicht mehr nur, wie wir bauen, sondern ob und wo wir bauen. In Ballungsräumen bleibt Nachverdichtung das Gebot der Stunde. In schrumpfenden Regionen wird der kontrollierte Rückbau zur planerischen Aufgabe. Beides erfordert architektonische Kompetenz, aber unterschiedliche Ansätze.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die 43 Milliarden Euro aus Brüssel könnten Gutes bewirken, wenn sie klug eingesetzt werden. Nicht für Neubau um jeden Preis, sondern für Transformation des Bestands. Nicht nach dem Gießkannenprinzip, sondern mit regionalem Augenmaß. Der erste EU-Wohnungsgipfel 2026 wird zeigen, ob die Politik diese Differenzierung verstanden hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eines ist sicher: Wer heute plant, muss in Jahrzehnten denken. Die <strong>demografischen Daten</strong> liegen auf dem Tisch. Ignorieren wäre fahrlässig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Mit kollegialen Grüßen</em> <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Ihr </em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em>Stuart Stadler</em></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wohnungsmarktbericht 2025: Warum Niedersachsen 218.000 neue Wohnungen braucht, obwohl die Bevölkerung schrumpft</title>
		<link>https://baukunst.art/wohnungsmarktbericht-2025-warum-niedersachsen-218-000-neue-wohnungen-braucht-obwohl-die-bevoelkerung-schrumpft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Jan 2026 17:37:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[demografischer Wandel]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialwohnungsbau]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsmarkt Niedersachsen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14845</guid>

					<description><![CDATA[Weniger Menschen, mehr Wohnungsbedarf: Niedersachsens Wohnungsmarktbericht 2025 offenbart ein paradoxes Bild. Während manche Regionen boomen, droht andernorts der Verfall.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Niedersachsen zwischen Wachstum und Leerstand: Das Wohnungsdilemma eines Flächenlandes</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das klingt zunächst wie ein Rechenfehler: Ein Bundesland, dessen Bevölkerung bis 2045 um rund 302.000 Menschen schrumpfen wird, soll gleichzeitig 218.000 neue Wohnungen bauen. Doch der Wohnungsmarktbericht 2025, den Bauminister Grant Hendrik Tonne (SPD) gemeinsam mit NBank Vorstandsvorsitzendem Michael Kiesewetter und vdw Verbandsdirektorin Dr. Susanne Schmitt vorgestellt hat, zeigt: In Niedersachsen gelten andere Gesetze als die der simplen Mathematik.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Zwei Niedersachsen, zwei Realitäten</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen erzählen von einem zerrissenen Land. In Wachstumsregionen wie Hannover, Oldenburg und dem Hamburger Umland jagt die Nachfrage das Angebot davon. Hier steigen die Mieten, hier fehlen bezahlbare Wohnungen, hier verdichten sich die Probleme einer alternden Gesellschaft. Gleichzeitig prognostiziert der Bericht für strukturschwächere Gebiete in Süd und Nordwestniedersachsen einen Überhang von 191.000 Wohnungen. Leerstände, die sich dort ansammeln werden, können den Mangel in den Ballungsräumen nicht ausgleichen. Eine Familie aus dem Hamburger Umland wird kaum nach Holzminden umsiedeln, weil dort eine Wohnung frei steht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Minister Tonne fasst die Situation knapp zusammen: Niedersachsen brauche eine Doppelstrategie aus Neubau und Bestandsentwicklung. Anderen Bundesländern gehe es ähnlich, für Niedersachsen als Flächenland seien die Herausforderungen aber besonders.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der demografische Wandel als Treiber</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Erklärung für das scheinbare Paradox liegt in der veränderten Haushaltsstruktur. Die klassischen Familienhaushalte der geburtenstarken Jahrgänge lösen sich auf. Aus Babyboomer Familien werden Babyboomer Singles. Die Zahl älterer Einpersonenhaushalte steigt massiv an, während die Gesamtbevölkerung schrumpft. Das erhöht den Bedarf an kleineren, barrierefreien und zentrumsnahen Wohnungen. Ein Einfamilienhaus in der Peripherie, das ehemals eine vierköpfige Familie beherbergte, steht nun leer oder wird von einer einzelnen Person bewohnt, die eigentlich eine kleinere, altersgerechte Wohnung in der Stadt bräuchte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rund 181.000 neue Wohneinheiten werden bis 2045 im Mehrfamilienhaussegment benötigt. Das klassische Einfamilienhaus hingegen verliert an Bedeutung. Für Architektinnen und Stadtplaner bedeutet dies eine fundamentale Neuausrichtung: weg vom suburbanen Eigenheim, hin zum urbanen Geschosswohnungsbau.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Mietpreisspirale dreht sich weiter</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen zur Mietentwicklung sollten niemanden in der Branche kalt lassen. Während die Bestandsmieten zwischen 2015 und 2024 vergleichsweise moderat von etwa 5 Euro auf knapp über 6 Euro pro Quadratmeter stiegen, explodierten die Angebotsmieten regelrecht: von etwas mehr als 8 Euro auf über 11 Euro pro Quadratmeter. In manchen Regionen wie dem Landkreis Cuxhaven, Osnabrück oder Harburg legten die Mieten bei Neuvermietungen um mehr als 40 Cent pro Quadratmeter innerhalb eines Jahres zu.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders dramatisch zeigt sich die Entwicklung in Oldenburg, wo die Angebotsmieten innerhalb eines Jahres um fast 24 Prozent gestiegen sind. Hannover verzeichnete einen Anstieg von knapp 7 Prozent. Diese Dynamik trifft vor allem Haushalte mit geringem Einkommen, für die der geförderte Wohnungsbau eigentlich eine Alternative sein sollte.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der stille Exodus aus dem Sozialen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier offenbart der Bericht eine der beunruhigendsten Entwicklungen: Der Bestand an geförderten Wohnungen mit Mietpreisbindung hat sich seit 2015 nahezu halbiert. Von einst rund 90.000 Sozialwohnungen sind nur noch etwas über 50.000 übrig. Gut ein Drittel davon konzentriert sich auf Hannover. Für den Rest des Landes bedeutet dies: Bezahlbarer Wohnraum wird zur Mangelware.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Land Niedersachsen reagiert mit zusätzlichen 400 Millionen Euro für die Wohnraumförderung. Ob diese Summe ausreicht, um den jahrzehntelangen Rückzug der öffentlichen Hand aus dem sozialen Wohnungsbau zu kompensieren, darf bezweifelt werden. Die Förderlogik früherer Jahrzehnte, bei der Bindungen nach 15 oder 20 Jahren auslaufen und Wohnungen in den freien Markt entlassen werden, rächt sich nun mit zeitlicher Verzögerung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bauordnungsnovelle: Hoffnung auf günstigeres Bauen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Landesregierung setzt neben direkten Fördermitteln auf ordnungsrechtliche Erleichterungen. Die Niedersächsische Bauordnung wurde bereits zweimal novelliert, weitere Anpassungen hat Minister Tonne angekündigt. Die Änderungen seit Juli 2024 erleichtern den Umbau von Bestandsgebäuden erheblich: Bei Umbauten und Nutzungsänderungen älterer Gebäude müssen nicht mehr zwingend die neuesten Standards angewandt werden. Der Fokus liegt künftig allein auf Standsicherheit und Brandschutz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Grenzabstände wurden von 0,5 H auf 0,4 H reduziert, der Katalog verfahrensfreier Baumaßnahmen erweitert. Der „Gebäudetyp E&#8220; soll einfacheres, kostengünstigeres Bauen ermöglichen. Die Architektenkammer Niedersachsen hat die Novellen weitgehend begrüßt. Kammerpräsident Robert Marlow sieht echtes Potenzial, das Bauen im Bestand erheblich zu erleichtern und Baukosten deutlich zu senken.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Bestand als Ressource</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mehr als 85 Prozent der rund 4,15 Millionen Wohnungen in Niedersachsen wurden vor dem Jahr 2000 errichtet. Ihre Modernisierung und Anpassung an veränderte Bedürfnisse ist eine zentrale Aufgabe der kommenden Jahrzehnte. Aufstockung, Dachgeschossausbau und Umnutzung gewinnen an Bedeutung, um Wohnraum zu schaffen, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der vdw Niedersachsen Bremen warnt jedoch vor zu strengen Anforderungen und fordert mehr Flexibilität beim Umbau. Die Bauwerkskosten haben sich in den vergangenen 25 Jahren mehr als verdoppelt, die Finanzierungszinsen liegen bei 3 bis 4 Prozent. Die Zahl der Baugenehmigungen ist seit 2021 um über 50 Prozent eingebrochen. Unter diesen Bedingungen werden Neubauprojekte zur betriebswirtschaftlichen Gratwanderung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Modell mit Übertragungspotenzial</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Wohnungsmarktbericht 2025 enthält erstmals Praxisbeispiele und Empfehlungen für kommunale Akteure. Diese Orientierungshilfen sollen Städten und Gemeinden ermöglichen, systematisch Handlungsschwerpunkte zu identifizieren. NBank Vorstandsvorsitzender Kiesewetter betont die Notwendigkeit einer koordinierten Zusammenarbeit zwischen Land, Kommunen, Bauwirtschaft und Wohnungsunternehmen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für andere Bundesländer könnte Niedersachsen zum Testfall werden. Die Herausforderungen, mit denen das zweitgrößte Flächenland kämpft, werden in den kommenden Jahren auch Bayern, Baden Württemberg und Nordrhein Westfalen erreichen: alternde Gesellschaften, divergierende Wohnungsmärkte zwischen Stadt und Land, ein geschrumpfter Sozialwohnungsbestand. Die Doppelstrategie aus gezieltem Neubau in Wachstumsregionen und intelligenter Bestandsentwicklung könnte zum Vorbild werden, wenn sie denn funktioniert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage ist nicht, ob Niedersachsen seine Wohnungspolitik ändern muss. Die Frage ist, ob es schnell genug gelingt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026: Highlights, Termine und was Architektinnen und Architekten wissen müssen</title>
		<link>https://baukunst.art/world-design-capital-frankfurt-rheinmain-2026-highlights-termine-und-was-architektinnen-und-architekten-wissen-muessen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Jan 2026 14:19:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Design for Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt RheinMain]]></category>
		<category><![CDATA[World Design Capital 2026]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14828</guid>

					<description><![CDATA[Frankfurt RheinMain ist erste deutsche Weltdesignhauptstadt. Rund 2000 Veranstaltungen versprechen Design als demokratisches Werkzeug. Welche Events für die Architekturbranche relevant sind.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">World Design Capital 2026: Diese Veranstaltungen lohnen sich</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Frankfurt RheinMain trägt 2026 als erste Region Deutschlands den Titel World Design Capital. Die World Design Organization (WDO) mit Sitz in Montreal vergibt diese Auszeichnung alle zwei Jahre an Städte und Regionen, die Design als Instrument gesellschaftlicher Veränderung einsetzen. Mit dem Motto „Design for Democracy. Atmospheres for a better life&#8220; gewann die Rhein-Main-Region gegen die saudi-arabische Hauptstadt Riad.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 16. Januar feierte das Programmjahr seinen offiziellen Auftakt mit dem Grand Opening in der Darmstädter Centralstation. Ministerpräsident Boris Rhein, Darmstadts Oberbürgermeister Hanno Benz und WDC-Geschäftsführerin Carolina Romahn eröffneten das Veranstaltungsjahr. Die Soziologin Prof. Dr. Martina Löw hielt eine Keynote unter dem Titel „Kann Qualität demokratisch sein?&#8220; und stellte damit eine Frage, die das gesamte Programmjahr durchzieht.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der WDC-Hub als Schaltzentrale</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt verwandelt sich seit dem 24. Januar in den WDC-Hub. Er ist als lebendiger Treffpunkt und zentrale Anlaufstelle konzipiert. Das Studio formagora aus Münster gestaltete den Raum bewusst als „Soft Opening&#8220;: kein fertiger Ort, sondern ein sich wandelndes Labor für Austausch und Experiment. Forum und Foyer verschmelzen zu einem flexiblen Raum für Gespräche, Workshops und spontane Begegnungen. Der Eintritt ist frei.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten bietet der Hub die Möglichkeit, sich über die rund 450 Kooperationsprojekte zu informieren. Darunter befinden sich namhafte Institutionen wie die HfG Offenbach, das Jüdische Museum Frankfurt und die Mathildenhöhe Darmstadt. Der monatliche WDC-Stammtisch, jeden dritten Mittwoch an wechselnden Orten, erleichtert die Vernetzung mit lokalen Akteuren.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Open Design Week: Zehn Tage Gestaltungskompetenz</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der erste echte Höhepunkt für die Designbranche findet vom 5. bis 14. Juni statt. Die Open Design Week Frankfurt RheinMain ist als zentrale Design Week Deutschlands konzipiert und vernetzt Agenturen, Studios, Hochschulen und Unternehmen. Im Mittelpunkt steht das Thema „Gestaltung als Wegbereiter einer ressourcenschonenden und zukunftsfähigen Ökonomie&#8220;.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das internationale Forward Festival bildet einen Treffpunkt für Designerinnen und Designer sowie Branchenprofis. Das Massif E, ein Schiff auf dem Main, und der schwimmende Floating Space ergänzen das Programm als mobile Ausstellungsorte. Für die Architekturbranche bietet die Design Week die Gelegenheit, über den eigenen Tellerrand zu schauen und interdisziplinäre Ansätze kennenzulernen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Module Festival: Kulturcampus als Experimentierfeld</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vom 13. bis 16. August verwandelt sich der Kulturcampus in Frankfurt-Bockenheim in ein Labor für künstlerische und gesellschaftliche Experimente. Das Module Festival ist kostenlos und verbindet Musik, Gestaltung und gesellschaftlich relevante Themen. Musikerinnen und AV-Künstler entwickeln neue Werke, die als audiovisuelle Projektionen auf die umliegenden Gebäude übertragen werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Kulturcampus selbst ist für Architektinnen und Architekten interessant: Das ehemalige Universitätsgelände durchläuft einen umfassenden Transformationsprozess. Eine temporäre Radiostation begleitet das Festival und wird täglich von verschiedenen Communities kuratiert. Die Kooperation mit internationalen Online-Radios unterstreicht den Anspruch, lokale Initiativen mit globalen Netzwerken zu verbinden.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Superblock Wiesbaden: Barcelona als Vorbild</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Rheingauviertel in Wiesbaden wird an mehreren Sonntagen zum ersten Superblock Hessens. Nach dem Vorbild Barcelonas, der diesjährigen Welthauptstadt der Architektur, verwandelt sich der Straßenraum temporär in eine öffentliche Spiel- und Begegnungszone. Die Initiative „Superblock Rheingauviertel&#8220; arbeitet gemeinsam mit der Stadtverwaltung an diesem Pilotprojekt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Planerinnen und Planer bietet das Projekt eine seltene Gelegenheit, temporäre Verkehrsberuhigung im deutschen Kontext zu beobachten. Barcelona hat seit 2016 mit Superblocks Erfahrungen gesammelt, die in verdichteten Stadtquartieren zu verbesserter Lebensqualität führten. Ob sich das Konzept auf deutsche Verhältnisse übertragen lässt, wird das Wiesbadener Experiment zeigen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Weitere Projekte mit Architekturrelevanz</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt Main-Light am Frankfurter Mainufer installiert eine autarke und klimaneutrale Beleuchtung für den öffentlichen Raum. Der Fahrradweg wird insektenfreundlich und bedarfsgesteuert illuminiert. Das Designstudio OMC°C entwickelt mit „Schattengrün&#8220; modulare Systeme zur Begrünung urbaner Räume und setzt damit auf Abkühlung durch Grünstrukturen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ada-Kantine in Frankfurt-Bockenheim entwickelt zusammen mit dem Studio formagora Tische und Stühle für ihr „solidarisches Restaurant&#8220;. Die Möbel werden in öffentlichen Bauevents gemeinsam hergestellt. In Offenbach wird die frühere Kaufhof-Filiale zu einem lebendigen Treffpunkt mit öffentlicher Bibliothek umgebaut.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Policy Days: Abschluss in der Paulskirche</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vom 11. bis 14. November bilden die World Design Policy Days den Abschluss des Programmjahres. Die dreitägige Konferenz findet simultan in Wiesbaden, Frankfurt und Offenbach statt und behandelt die Themenbereiche Politik, Verwaltung und Haltung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Höhepunkt ist die Abschlussveranstaltung in der Frankfurter Paulskirche. Hier trifft das internationale Netzwerk der World Design Capitals auf regionale Akteure. Die feierliche Übergabe des WDC-Titels an Busan in Südkorea bildet den symbolischen Schlusspunkt. Die Wahl der Paulskirche als Veranstaltungsort ist programmatisch: Sie gilt als Wiege der deutschen Demokratie und unterstreicht das Leitmotiv „Design for Democracy&#8220;.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kritische Einordnung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektin und Kuratorin Anna Scheuermann, verantwortlich für die Bewerbungsphase, räumt selbst ein, dass der hochtrabende Titel der Weltdesignhauptstadt bezogen auf manche Orte in der Region „etwas lächerlich&#8220; klinge. Allerdings sei es nie darum gegangen, zu zeigen, wie schick alles ist. Vielmehr gehe es darum, wie das Zusammenleben in der Region funktioniert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Selbstreflexion ist sympathisch, wirft aber Fragen auf. Mit 4,5 Millionen Euro Budget für Projekte und Kooperationen ist die WDC kein Prestigeprojekt ohne Substanz. Ob die Impulse jedoch über 2026 hinaus wirken, hängt von der Nachhaltigkeit der angestoßenen Prozesse ab. Die WDC-Akademie soll Projektmacherinnen und Projektmacher befähigen, langfristig wirksame Beiträge zu leisten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten in der Region bietet das Programmjahr zahlreiche Anknüpfungspunkte. Die Verbindung von Design, Demokratie und Stadtentwicklung entspricht aktuellen Diskursen in der Fachwelt. Ob die World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 tatsächlich nachhaltige Veränderungen bewirkt oder als aufwendige Selbstinszenierung in Erinnerung bleibt, wird sich erst nach dem Programmjahr zeigen.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vitruv Basilika Fano: Der Fund, der die Architekturgeschichte neu schreibt</title>
		<link>https://baukunst.art/vitruv-basilika-fano-der-fund-der-die-architekturgeschichte-neu-schreibt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Jan 2026 13:23:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[antike Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Archäologie Italien]]></category>
		<category><![CDATA[Vitruv]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14808</guid>

					<description><![CDATA[In Fano haben Archäologinnen und Archäologen die einzige bekannte Basilika des antiken Architekten Vitruv gefunden. Der Fund beendet eine 500 Jahre währende Suche.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vitruv Basilika in Fano entdeckt: Archäologische Sensation nach 500 Jahren Suche</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mehr als zwei Jahrtausende lang existierte die Basilika des Vitruv ausschließlich in der Vorstellungswelt von Architektinnen und Architekten. Im fünften Buch seines epochalen Werkes De architectura beschrieb der römische Baumeister Marcus Vitruvius Pollio ein Gebäude, das er selbst in der Kolonie Fanum Fortunae errichtet hatte. Generationen von Gelehrten interpretierten diese Zeilen, zeichneten Rekonstruktionen, stritten über Proportionen. Doch niemand konnte belegen, ob das Bauwerk jemals so ausgesehen hatte, wie der Autor es schilderte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit dem 19. Januar 2026 hat diese Unsicherheit ein Ende. Bei Arbeiten zur Neugestaltung der Piazza Andrea Costa in Fano stießen Ausgräberinnen und Ausgräber auf antike Strukturen, die exakt mit Vitruvs Beschreibungen übereinstimmen. Wie das italienische Kulturministerium in einer Pressekonferenz in der Mediateca Montanari bekanntgab, handelt es sich um das einzige Gebäude, das dem antiken Architekten mit Sicherheit zugeschrieben werden kann. Minister Alessandro Giuli, der per Videoschaltung teilnahm, erklärte: Fano sei das Herz der ältesten architektonischen Weisheit der westlichen Zivilisation. (Quelle: <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="https://cultura.gov.it/comunicato/28580" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">https://cultura.gov.it/comunicato/28580</a></span></span> )</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Präzision über die Jahrtausende</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die technischen Details des Fundes übertreffen alle Erwartungen. Die Basilika besitzt einen rechteckigen Grundriss mit umlaufendem Säulengang: acht Säulen an den Längsseiten, vier an den Kurzseiten. Die Säulen messen etwa fünf römische Fuß im Durchmesser, das entspricht 147 bis 150 Zentimetern. Ihre Höhe betrug circa 15 Meter. Sie waren an Pilaster und tragende Paraste angelehnt, die ein Obergeschoss stützten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die endgültige Bestätigung lieferte ein letzter Sondierungsgraben, der die fünfte Ecksäule freilegte. Damit konnte die genaue Position und Orientierung des Gebäudes zwischen den beiden Plätzen bestimmt werden. Die planimetrische Rekonstruktion auf Basis der vitruvianischen Beschreibung stimmte auf den Zentimeter genau mit dem Befund überein. Der regionale Denkmalpfleger Andrea Pessina, der die Soprintendenz für Archäologie, Schöne Künste und Landschaft von Ancona und Pesaro-Urbino leitet, sprach von einer außerordentlichen Bedeutung für die Forschungsgeschichte und die wissenschaftliche Gemeinschaft.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Vater der westlichen Baukunst</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer versteht, warum dieser Fund die Fachwelt derart elektrisiert, muss sich die Bedeutung Vitruvs für die abendländische Architektur vergegenwärtigen. Seine Zehn Bücher über Architektur sind das einzige vollständig erhaltene Architekturtraktat der Antike. Darin formulierte er die berühmte Trias firmitas, utilitas, venustas: Festigkeit, Nützlichkeit, Schönheit. Diese drei Grundprinzipien prägten das Bauen von der Renaissance bis in die Gegenwart.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Basilika von Fano war das einzige Gebäude, das Vitruv in seinem Werk ausdrücklich als eigenes Werk erwähnte. Damit stellt sie eine einzigartige Verbindung zwischen Theorie und Praxis her. Der Theoretiker Vitruv blieb für die Nachwelt stets etwas abstrakt. Nun zeigt sich, dass er auch ein fähiger Praktiker war, dessen gebaute Realität seinen geschriebenen Ansprüchen standhielt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Eine Forschungsgeschichte mit Vorläufern</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der aktuelle Fund steht nicht isoliert. Bereits 2022 kamen in der Via Vitruvio, unweit der Piazza Andrea Costa, imposante Mauerstrukturen und Fußböden aus edlen Marmorsorten zum Vorschein. Diese Funde deuteten auf öffentliche Gebäude von hohem Rang hin, ließen jedoch noch keine eindeutige Zuordnung zu. Erst die jüngsten Grabungen im Rahmen der mit PNRR-Mitteln finanzierten Platzumgestaltung brachten den Durchbruch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Pessina betonte, dass die Entdeckung auch neue Perspektiven für bereits bekannte archäologische Zeugnisse eröffne. So könne nun etwa das Gebäude unter der Kirche Sant&#8217;Agostino neu interpretiert werden. Die Identifizierung der Basilika liefere einen entscheidenden Schlüssel, um Spuren, Strukturen und Zeugnisse der Vergangenheit klarer miteinander in Beziehung zu setzen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Renaissance der Rekonstruktionen</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Geschichte der Suche nach Vitruvs Basilika ist selbst ein faszinierendes Kapitel der Architekturgeschichte. Seit der Wiederentdeckung von De architectura im 15. Jahrhundert versuchten Gelehrte, das beschriebene Bauwerk zeichnerisch zu rekonstruieren. Francesco di Giorgio, Fra Giocondo, Andrea Palladio, Sebastiano Serlio, Giovanni Poleni und sogar Raffael lieferten Interpretationen. Jeder las die lateinischen Zeilen anders, jeder zeichnete eine andere Basilika.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Palladio etwa übernahm die Maßverhältnisse aus Vitruvs Beschreibung für seine eigene Rekonstruktion von 1556. Er variierte jedoch Details nach eigenem Ermessen. Seine Zeichnungen beeinflussten wiederum Generationen von Architekten. Die Basilika von Vicenza, sein bekanntestes öffentliches Gebäude, trägt zwar den Namen einer antiken Bauform, folgt aber bereits anderen Prinzipien als das römische Vorbild.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nun lässt sich erstmals überprüfen, welche der zahllosen Rekonstruktionen der historischen Realität am nächsten kam. Das Vitruvianische Studienzentrum in Fano, das seit über 30 Jahren die Erforschung des antiken Baumeisters vorantreibt, dürfte in den kommenden Monaten Hochkonjunktur erleben.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Politische Dimension und regionale Bedeutung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Pressekonferenz vom 19. Januar verdeutlichte auch die politische Tragweite der Entdeckung. Neben Minister Giuli waren der Präsident der Region Marken, Francesco Acquaroli, und der Bürgermeister von Fano, Luca Serfilippi, anwesend. Acquaroli sprach davon, dass der Fund die Wahrnehmung der Stadt Fano, der Region und des gesamten italienischen Kulturerbes verändere. Er kündigte an, die Entdeckung gemeinsam in einen Motor der Entwicklung für Stadt und Region zu verwandeln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bürgermeister Serfilippi betonte den identitätsstiftenden Charakter: Die Entdeckung gebe der Gemeinschaft ein Fragment ihrer historischen und kulturellen Identität von universellem Wert zurück. Nach Jahrhunderten des Wartens und Forschens habe sich das, was lange nur durch das geschriebene Wort überliefert worden sei, in eine konkrete, greifbare und teilbare Realität verwandelt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Offene Fragen und kritische Perspektiven</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">So euphorisch die Reaktionen auch ausfallen: Einige kritische Anmerkungen erscheinen angebracht. Zunächst befinden sich die Ausgrabungen noch in einem frühen Stadium. Wie viel von der ursprünglichen Basilika tatsächlich erhalten ist, muss noch geklärt werden. Die gotischen Invasoren zerstörten Fano im Jahr 540 n. Chr. weitgehend. Die mittelalterliche und neuzeitliche Stadt wurde direkt über den römischen Ruinen errichtet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zudem stellt sich die Frage, wie Fano mit diesem Erbe umgehen wird. Acquaroli sprach bereits vom wirtschaftlichen Wert und dem touristischen Potenzial. Die Gefahr besteht, dass die wissenschaftliche Erforschung hinter Vermarktungsinteressen zurücktritt. Eine sorgfältige Ausgrabung und Dokumentation benötigt Zeit und Ruhe, die im Zeitalter der sozialen Medien und des Overtourism knapp bemessen sein könnten.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lehren für die Architekturausbildung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Ausbildung von Architektinnen und Architekten bietet der Fund außergewöhnliche Chancen. Vitruv formulierte nicht nur ästhetische Prinzipien, sondern auch ein umfassendes Bildungsideal. Ein Architekt sollte nach seiner Vorstellung in zehn Wissensgebieten bewandert sein: Schriftkunde, Zeichnen, Geometrie, Arithmetik, Geschichte, Philosophie, Musik, Medizin, Jura und Astronomie. Nur wer alle diese Fächer beherrsche, erreiche den summum templum architecturae, den höchsten Tempel der Baukunst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dieses Ideal einer umfassenden Bildung wirkt in einer Zeit der Spezialisierung beinahe utopisch. Doch gerade die Interdisziplinarität erlebt in der zeitgenössischen Architekturausbildung eine Renaissance. Nachhaltiges Bauen erfordert Kenntnisse in Materialwissenschaft, Klimatechnik, Soziologie und Ökonomie. Die Digitalisierung verlangt Kompetenzen in Programmierung und parametrischem Entwerfen. Vielleicht war Vitruv seiner Zeit näher als gedacht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fund in Fano könnte als Anlass dienen, die Geschichte der Architekturtheorie wieder stärker in die Curricula zu integrieren. Wer versteht, wie unterschiedlich dieselbe Textpassage über Jahrhunderte interpretiert wurde, entwickelt ein Gespür für die Relativität vermeintlicher Gewissheiten. Diese Kompetenz erscheint im Zeitalter von KI-generierten Entwürfen und parametrischer Optimierung wertvoller denn je.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Archäologinnen und Archäologen werden in den kommenden Monaten und Jahren weiter graben. Jede freigelegte Schicht verspricht neue Erkenntnisse. Vielleicht finden sich Reste der Innenausstattung, Fragmente von Wandmalereien oder Inschriften, die weitere Fragen beantworten. Vielleicht widerlegen neue Funde auch Teile der bisherigen Interpretation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Pessina sprach vom Beginn einer neuen Forschungsphase: bewusster, präziser, ambitionierter. Fano habe nun ein Werkzeug mehr, um der Welt seine Geschichte zu erzählen. Minister Giuli formulierte es noch emphatischer: Die Geschichte der Archäologie und der Forschung teile sich nun in ein Davor und ein Danach dieser Entdeckung.</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Quelle:</strong> Ministero della Cultura, Pressemitteilung vom 19. Januar 2026 <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="https://cultura.gov.it/comunicato/28580" data-inline-card="" data-card-data="">https://cultura.gov.it/comunicato/28580</a></span></span></p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>HOAI Reform 2026: Warum die neue Honorarordnung das Dumping Problem nicht löst und was Architekten wirklich brauchen</title>
		<link>https://baukunst.art/hoai-reform-2026-warum-die-neue-honorarordnung-das-dumping-problem-nicht-loest-und-was-architekten-wirklich-brauchen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Jan 2026 15:15:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[#Zukunftarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
		<category><![CDATA[Honorarordnung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14778</guid>

					<description><![CDATA[Die HOAI Novelle liegt auf Eis, und selbst wenn sie kommt, löst sie das Grundproblem nicht. Ohne verbindliche Mindestsätze bleibt die Honorarordnung wirkungslos. Zeit für einen Kurswechsel der Verbände.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Warten geht weiter</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Jahr ist vergangen, seit die Ampelkoalition zerbrach und mit ihr ein Projekt, das die planenden Berufe jahrelang vorangetrieben hatten: die umfassende Novellierung der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure. Was im Dezember 2024 als nahezu fertige Reform galt, liegt seither auf Eis. Die wissenschaftlichen Gutachten sind vollständig, die fachlichen Grundlagen erarbeitet, mehr als 200 Architektinnen und Ingenieure haben seit 2021 an modernisierten Leistungsbildern gefeilt. Doch politisch passiert: nichts.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei der AHO Herbsttagung Anfang Dezember 2025 in Berlin machte Dr. Gunnar Zillmann vom Bundeswirtschaftsministerium unmissverständlich klar, woran die Planenden sind. Die HOAI habe bei den Bundesministerien derzeit keine hohe Priorität. Andere Gesetze seien wichtiger, das Vergabebeschleunigungsgesetz etwa. Immerhin: Am 21. Januar 2026 soll es ein Erstgespräch zwischen dem Wirtschafts und dem Bauministerium sowie den Planerverbänden geben. Dann wolle man besprechen, wie es auf Basis der vorliegenden Gutachten weitergehen könne.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gutachten ohne Biss</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dabei mangelt es nicht an Substanz. Zwei wissenschaftliche Fachgutachten liegen vor, die eine solide Grundlage für die Reform bilden. Das Planungsbereichsgutachten aus dem Jahr 2023 evaluierte die Leistungsbilder grundlegend. Es berücksichtigt erstmals systematisch die Anforderungen an Nachhaltigkeit, Digitalisierung und das Planen im Bestand. Ein eigenständiges Leistungsbild für den städtebaulichen Entwurf wurde entwickelt. BIM erhält einen Regelprozess mit klar definierten Grund und Besonderen Leistungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das im Januar 2025 fertiggestellte Honorargutachten geht noch weiter. Es empfiehlt Honorarerhöhungen zwischen 16 und 67 Prozent bei der Objektplanung Gebäude, bei der Technischen Ausrüstung sogar zwischen 26 und 76 Prozent. Kleinere Projekte mit geringen anrechenbaren Kosten sollen überproportional angehoben werden, weil deren Honorare bislang schlicht nicht auskömmlich waren. Die Zahlen sind keine Wunschliste der Verbände, sondern wissenschaftlich ermittelte Anpassungen an die Realität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Doch was nützen wissenschaftlich fundierte Honorartafeln, wenn sie niemand einhalten muss?</strong> Genau hier liegt das Problem, das auch die beste Novellierung nicht lösen wird. Die neuen Werte sind Empfehlungen, Orientierungshilfen, unverbindliche Richtwerte. Jeder Auftraggeber kann sie ignorieren, jeder Bauherr kann weiterhin Dumpingpreise durchsetzen. <strong>Die HOAI bleibt ein zahnloser Tiger.</strong></p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das EuGH Urteil ist kein Naturgesetz</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Europäische Gerichtshof entschied 2019, dass die verbindlichen Mindest und Höchstsätze der HOAI gegen die EU Dienstleistungsrichtlinie verstoßen. Was als Qualitätssicherung gedacht war, wurde zur unzulässigen Marktbeschränkung erklärt. <strong>Seither akzeptieren Kammern und Verbände dieses Urteil als unverrückbare Tatsache.</strong> Die HOAI 2021 reagierte notgedrungen, die geplante Novelle bewegt sich ebenfalls im Rahmen des Erlaubten. Doch dieser Rahmen ist zu eng.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was dabei vergessen wird:<strong> EU Recht ist kein Naturgesetz. Es kann geändert werden, wenn der politische Wille da ist.</strong> Die Dienstleistungsrichtlinie von 2006 entstand in einer Zeit, als Deregulierung und Marktöffnung als Allheilmittel galten. Inzwischen hat sich das Klima gewandelt. Qualitätssicherung, Verbraucherschutz und faire Arbeitsbedingungen stehen wieder höher auf der Agenda. Die EU selbst diskutiert längst über die Grenzen des freien Marktes, wenn es um kritische Infrastruktur und strategische Sektoren geht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Das Bauwesen ist ein solcher Sektor. Wer minderwertig plant, gefährdet nicht nur Budgets, sondern Menschenleben. Wer Honorare drückt, bis Qualität leidet, schadet dem Gemeinwohl. Diese Argumente müssten auf europäischer Ebene vorgetragen werden. Doch von einer konzertierten Lobbyarbeit der deutschen Planerkammern in Brüssel ist wenig zu hören. Stattdessen arrangiert man sich mit dem Status quo.</strong></p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Vorbehaltsaufgaben als Ausweg</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es gäbe Alternativen. Eine davon sind sogenannte Vorbehaltsaufgaben. Bestimmte Planungsleistungen dürften dann nur von qualifizierten Architektinnen und Ingenieuren erbracht werden. Das existiert in anderen Berufen längst: Ärztinnen dürfen Diagnosen stellen, Anwälte vor Gericht vertreten, Wirtschaftsprüfer Bilanzen testieren. Warum sollte nicht auch die Entwurfsplanung eines Gebäudes oder die Tragwerksberechnung einer Brücke an einen Qualifikationsnachweis gebunden sein?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Grünen hatten in ihren Wahlprüfsteinen zur Bundestagswahl einen offenen Dialog über Vorbehaltsaufgaben angekündigt. Die SPD verwies auf die Länderzuständigkeit, zeigte sich aber nicht grundsätzlich ablehnend. Die CDU schwieg. Die Verbände griffen das Thema auf, doch es verschwand in den Niederungen der Koalitionsverhandlungen. Im neuen Koalitionsvertrag findet sich kein Wort dazu.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vorbehaltsaufgaben würden nicht direkt Mindesthonorare zurückbringen. Aber sie würden den Markt bereinigen. Wer nur noch qualifizierte Büros beauftragen darf, kann nicht mehr auf Billiganbieter ohne entsprechende Expertise ausweichen. Der Wettbewerb verlagert sich von reinen Preisvergleichen hin zu Qualitätskriterien. Das wäre ein echter Paradigmenwechsel.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Koalitionsvertrag schweigt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat im April 2025 ihren Koalitionsvertrag vorgelegt. Das Dokument trägt den Titel Verantwortung für Deutschland und enthält durchaus ambitionierte Vorhaben für die Bauwirtschaft. Ein Wohnbauturbo soll Genehmigungsverfahren beschleunigen, der Gebäudetyp E wird gesetzlich verankert, das Bauministerium bleibt als eigenständiges Ressort erhalten. Für eine koordinierte Baupolitik ist das ein wichtiges Signal.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was im Koalitionsvertrag allerdings fehlt, ist jede Erwähnung der HOAI. Anders als im Ampelkoalitionsvertrag, der die Modernisierung der Honorarordnung explizit als Ziel formulierte, findet sich im neuen Regierungsprogramm kein Wort dazu. Der Bund Deutscher Baumeister kritisierte diese Leerstelle prompt: Die HOAI sei ein Kernanliegen der planenden Berufe, ihr Fehlen im Vertrag ein deutliches Versäumnis.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch gravierender ist das Schweigen zu grundsätzlichen Reformen. Vorbehaltsaufgaben? Kein Thema. Europäische Initiative für faire Honorierung? Fehlanzeige. Stärkung der Planungsqualität durch verbindliche Standards? Nicht vorgesehen. Die Regierung will schneller bauen, aber sie ignoriert die Frage, wer das Bauen eigentlich plant und unter welchen Bedingungen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Leidtragenden</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In der Praxis bedeutet das: Architektinnen und Ingenieure müssen ihre Honorare weiterhin individuell verhandeln, oft unter erheblichem Preisdruck. Besonders kleinere Büros geraten dabei in Bedrängnis. Wer keine starke Verhandlungsposition hat, verkauft seine Leistungen unter Wert. Die Folgen sind absehbar: Qualifizierter Nachwuchs wandert in besser bezahlte Branchen ab. Erfahrene Planerinnen und Planer reduzieren ihr Engagement oder geben auf. Büros, die seriös kalkulieren, verlieren Aufträge an jene, die mit Dumpingpreisen locken.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch die modernisierte HOAI wird daran nichts ändern. Wissenschaftlich fundierte Honorartafeln sind schön und gut, doch sie entfalten keine Wirkung, wenn der Markt sie ignoriert. Ein Auftraggeber, der weiß, dass er rechtlich nichts zu befürchten hat, wird weiterhin nach dem günstigsten Angebot greifen. Dass dieses Angebot möglicherweise nicht auskömmlich ist, dass dahinter ein Büro steht, das sich nur durch Selbstausbeutung über Wasser hält, interessiert ihn nicht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was die Verbände tun müssten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kammern und Verbände haben in den vergangenen Jahren beachtliche Arbeit geleistet. Mehr als 200 Fachleute haben an den Gutachten mitgewirkt, die Geschlossenheit zwischen Architekten und Ingenieuren ist beispielhaft, die fachlichen Grundlagen sind solide. Doch diese Arbeit bewegt sich innerhalb eines Systems, das grundsätzlich defekt ist. Sie optimiert Details, während das Fundament bröckelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Kurswechsel wäre nötig. Die Verbände müssten die Frage der verbindlichen Honorare wieder auf die Agenda setzen. Nicht als nostalgische Forderung nach der guten alten Zeit, sondern als sachlich begründetes Anliegen: Qualitätssicherung im Bauwesen erfordert angemessene Vergütung. Angemessene Vergütung erfordert Verbindlichkeit. Verbindlichkeit erfordert politischen Willen, auch auf europäischer Ebene.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Argument, das EuGH Urteil sei unumstößlich, greift zu kurz. Der Gerichtshof hat geltendes Recht ausgelegt. Dieses Recht kann geändert werden. Andere Branchen lobbyieren erfolgreich für ihre Interessen in Brüssel. Die Agrarwirtschaft bekommt Subventionen, die Automobilindustrie Ausnahmeregelungen, die Finanzbranche Rettungsschirme. Warum sollten ausgerechnet die planenden Berufe sich mit einem Urteil abfinden, das ihre wirtschaftliche Grundlage untergräbt?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick mit bitterem Beigeschmack</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn alles gut läuft, so die vorsichtige Prognose aus dem Ministerium, könnte im Sommer 2026 ein Referentenentwurf vorliegen. Die neue HOAI träte dann frühestens Anfang 2027 in Kraft. Ursprünglich war sie für 2025 geplant. Die Verzögerung beträgt damit mindestens zwei Jahre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Verbände bedeutet das: weitermachen, präsent bleiben, Druck aufbauen. Klaus Dieter Abraham vom AHO, Heinrich Bökamp von der Bundesingenieurkammer und Andrea Gebhard von der Bundesarchitektenkammer werden nicht müde, die Dringlichkeit der Novellierung zu betonen. Die wissenschaftlichen Grundlagen liegen vor, die Branche ist sich einig, selbst die Auftraggeber haben die Empfehlungen mitgetragen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch selbst wenn die Novelle kommt, bleibt ein bitterer Beigeschmack. Sie wird modernere Leistungsbilder bringen, höhere Orientierungswerte, bessere Definitionen für BIM und Nachhaltigkeit. Sie wird den Planenden helfen, ihre Angebote zu begründen. Aber sie wird das strukturelle Problem nicht lösen: dass Planungsleistungen in Deutschland unter Wert verkauft werden, weil es keine Mechanismen gibt, die das verhindern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Das Gespräch am 21. Januar 2026 wird zeigen, ob die Politik zumindest die kleine Reform vorantreibt. Die große Reform, die Rückkehr zu verbindlichen Standards, bleibt vorerst eine Utopie. Es sei denn, die Verbände beginnen endlich, für sie zu kämpfen.</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
