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	<title>Top-Themen-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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	<title>Top-Themen-Archiv - Baukunst</title>
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		<title>Umbauen statt abreissen: Ein französisches Modell stellt die Dämmdoktrin infrage</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jul 2026 07:31:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
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		<category><![CDATA[Bestandssanierung]]></category>
		<category><![CDATA[Lacaton & Vassal]]></category>
		<category><![CDATA[Wintergarten-Pufferzone]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Statt dicker Dämmung eine transparente Pufferzone: Das preisgekrönte Modell von Lacaton &#038; Vassal spart Heizenergie, gewinnt Wohnraum und fordert die deutsche Passivhaus-Logik heraus.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/umbauen-statt-abreissen-ein-franzoesisches-modell-stellt-die-daemmdoktrin-infrage/">Umbauen statt abreissen: Ein französisches Modell stellt die Dämmdoktrin infrage</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong>  | Innovation | Juli 2026 | Lesezeit: ca. 5 Minuten</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Pufferzone statt Dämmpaket: Warum ein französisches Sanierungsmodell das Passivhaus herausfordert</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Pufferzonensanierung bezeichnet die energetische Ertüchtigung eines Bestandsgebäudes durch eine vorgelagerte, unbeheizte Raumschicht aus Wintergärten und Balkonen, die als thermischer Puffer wirkt und den Wohnungen zugleich Fläche verschafft. <strong><a href="https://www.lacatonvassal.com/" target="_blank" rel="noopener">Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal</a></strong>, seit dem Pritzker-Preis 2021 die international bekanntesten Vertreterinnen und Vertreter dieses Ansatzes, stellen damit die deutsche Sanierungslogik auf den Kopf: Statt den Baukörper in immer dickere Dämmschichten zu hüllen, setzen sie eine transparente Hülle davor. Das Ergebnis sind bis zu 60 Prozent weniger Heizenergie und zusätzlicher Wohnraum, erreicht mit vergleichsweise geringem Materialeinsatz.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was unterscheidet die Pufferzone von der Dämmschicht?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das deutsche Passivhaus, 1991 von Wolfgang Feist in Darmstadt-Kranichstein erstmals gebaut und seit 1996 vom Passivhaus Institut zertifiziert, folgt einem klaren Prinzip: maximale Dämmung, luftdichte Hülle, kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Der Heizwärmebedarf darf 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr nicht überschreiten, die Luftdichtheit muss einen n50-Wert von höchstens 0,6 erreichen. Für die Sanierung existiert mit dem EnerPHit-Standard eine eigene Variante, die einen Heizwärmebedarf von bis zu 25 kWh pro Quadratmeter und Jahr zulässt. Gegenüber dem Bestand spart das Passivhaus bis zu 90 Prozent Energie, allerdings um den Preis einer aufwendigen, materialintensiven Gebäudehülle.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Lacaton und Vassal verfolgen die entgegengesetzte Strategie. Vor die bestehende Fassade setzen sie eine drei bis vier Meter tiefe Schicht aus Wintergärten und Balkonen. Diese unbeheizte Zone fängt solare Gewinne ein, senkt die Transmissionsverluste der dahinterliegenden Wohnräume und wirkt im Sommer als Verschattung. Der Wintergarten arbeitet nicht gegen, sondern mit dem Klima. Ein deutscher Vorläufer dieser Bauweise ist der Architekt und Hochschullehrer Thomas Herzog, der bereits 1979 in Regensburg ein Wohnhaus mit doppelter, klimaaktiver Hülle realisierte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie viel Energie und Fläche gewinnt der Bestand tatsächlich?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Beweis liefern zwei Projekte. Beim Tour Bois-le-Prêtre, einem 1961 von Raymond Lopez errichteten Pariser Wohnhochhaus mit 96 Wohnungen, entfernten Frédéric Druot, Lacaton und Vassal 2011 die alte Betonfassade und legten eine raumhohe Glasschicht davor. Die Wohnungen wuchsen erheblich, die Mieterinnen und Mieter konnten während der Bauzeit in ihren Wohnungen bleiben, und die Kosten lagen bei rund einem Drittel dessen, was Abriss und Neubau verschlungen hätten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch größer war der Maßstab in Bordeaux. Für die Cité du Grand Parc transformierte das Team um Lacaton, Vassal, Druot und Christophe Hutin 2017 drei Wohnblöcke mit insgesamt 530 Sozialwohnungen. Vorgefertigte Betonmodule von 3,8 Metern Tiefe wurden vor die Fassade gehängt, die Kosten blieben bei etwa 50.000 Euro pro Wohnung, die Mieten unverändert. 2019 erhielt das Projekt den Mies-van-der-Rohe-Preis der Europäischen Union. Die Grundidee reicht bis zur Studie „Plus&#8220; von 2004 zurück, mit der die Beteiligten auf staatliche Pläne reagierten, rund 200.000 Wohnungen der Nachkriegsmoderne durch Neubauten zu ersetzen. Sie wiesen nach, dass sich für den Preis eines Abrisses drei bis vier Bestandswohnungen aufwerten lassen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum tut sich Deutschland mit dem Ansatz schwer?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Geschosswohnungsbau kam das Konzept hierzulande bislang nicht zum Zug. Das hat mehrere Gründe. Zum einen prägt die Passivhaus-Kultur die Förderlandschaft: Das Gebäudeenergiegesetz (GEG), zuletzt 2024 novelliert, und die Programme der Kreditanstalt für Wiederaufbau belohnen messbare Kennwerte für Dämmung und Anlagentechnik, nicht aber den Flächengewinn einer ungeheizten Pufferzone. Zum anderen zählt eine solche Zone nach der Wohnflächenverordnung (WoFlV) nicht ohne Weiteres als vollwertige Wohnfläche, was ihre wirtschaftliche Bewertung erschwert. In Frankreich nutzten Lacaton und Vassal genau diesen Umstand als Vorteil, weil Wintergärten dort nicht auf die streng normierte Sozialwohnungsfläche angerechnet werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt eine kulturelle Prägung. Die deutsche Debatte denkt Sanierung vom Grenzwert her, nicht vom Raum. Ein Ansatz, der Behaglichkeit und Großzügigkeit über die reine Kilowattstunde stellt, fügt sich nur schwer in ein Regelwerk, das den Erfolg an der Nachkommastelle des Heizwärmebedarfs misst.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was ändert die EPBD 2024 an dieser Abwägung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die überarbeitete EU-Gebäuderichtlinie EPBD, am 28. Mai 2024 in Kraft getreten und bis 2026 in nationales Recht zu überführen, verschiebt den Maßstab. Erstmals verlangt sie die Bilanzierung des Lebenszyklus-Treibhauspotenzials, das die „graue&#8220; Energie in Baustoffen mit den Emissionen der Nutzungsphase zusammenführt. Ab 2028 gilt die Nachweispflicht für große Neubauten, ab 2030 für alle. Der Gebäudesektor zählt europaweit zu den größten Verursachern von Treibhausgasen, und ein erheblicher Teil davon steckt bereits vor dem ersten Heiztag in Herstellung und Transport der Baustoffe. Damit rückt jene Rechnung ins Zentrum, die Lacaton und Vassal seit jeher aufmachen: Ein Abriss vernichtet nicht nur Material und Geschichte, sondern auch die bereits investierte graue Energie des Bestands.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Sanierung folgt daraus eine neue Logik. Wer Bestand erhält und mit geringem Materialeinsatz ertüchtigt, punktet in der Gesamtbilanz oft stärker als ein hochgedämmter Neubau. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) hat den Umsetzungsprozess der EPBD begleitet und dringt darauf, den Vorrang der Bestandserhaltung im deutschen Recht zu verankern. Ein Abrissmoratorium, wie es Teile der Fachwelt fordern, ist damit noch nicht verbunden, doch die Richtung ist vorgezeichnet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das für kleine und mittlere Büros?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Planerinnen und Planer jenseits der großen Konzerne liegt darin eine Chance. Das Konzept verlangt kein Hochtechnologie-Repertoire, sondern präzises Entwerfen mit einfachen, industriell verfügbaren Bauteilen: Stahlrahmen, Polycarbonat, vorgefertigte Betonelemente. Es eignet sich besonders für die zahlreichen Wohnungen in deutschen Großsiedlungen der 1960er und 1970er Jahre, deren Grundrisse eng und deren Fassaden sanierungsbedürftig sind. Zugleich verspricht der Ansatz eine soziale Dividende, weil sich Wohnraum gewinnen lässt, ohne die Bewohnerinnen und Bewohner durch Luxussanierung und steigende Mieten zu verdrängen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Grenzen des Ansatzes sind gleichwohl real. Nördlich der Alpen fallen die solaren Gewinne geringer aus als in Bordeaux, der sommerliche Wärmeschutz nach DIN 4108-2 verlangt sorgfältige Verschattung, um eine Überhitzung der Pufferzone zu vermeiden, und der Brandschutz vorgelagerter Glasschichten stellt eigene Anforderungen. Damit das Modell hierzulande Fuß fasst, müsste zudem die Fördersystematik den Flächengewinn honorieren, nicht allein den Dämmwert. Doch als Ergänzung zur Dämmorthodoxie, nicht als deren Ersatz, verdient das französische Modell in Deutschland mehr Aufmerksamkeit, als es bisher erhält. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob gedämmt oder gepuffert wird, sondern wie viel Bestand, Fläche und graue Energie sich mit dem geringsten Aufwand bewahren lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Der schnelle Staat: Wie Österreich seine Baugenehmigungen entrümpeln will</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Jul 2026 16:01:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Bauverfahren]]></category>
		<category><![CDATA[Gestaltungsbeiräte]]></category>
		<category><![CDATA[Staatsreform Österreich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Ein Projekt, eine Behörde, ein Verfahren, ein Bescheid": So verspricht die Staatsreform Tempo. Doch neun Bauordnungen und die Gestaltungsbeiräte erzählen eine differenziertere Geschichte.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong>  | Österreich | <strong>Berufspolitik</strong> | Juli 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Projekt, eine Behörde, ein Bescheid: Was die Staatsreform 2026 für Bauverfahren bedeutet</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em>Von Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Staatsreform Österreich ist ein 2026 von der Reformpartnerschaft aus Bund, Ländern, Städten und Gemeinden vereinbartes Maßnahmenpaket, das Verwaltung, Energie, Gesundheit und Bildung entbürokratisieren und staatliche Verfahren beschleunigen soll. Ihr Leitbild formuliert die Bundesregierung knapp: einen Staat, „der rasch entscheidet, verlässlich handelt und Anliegen einfach, effizient und bürgernah erledigt&#8220;. Für die Baubranche klingt das nach einem längst überfälligen Versprechen. Doch zwischen Ankündigung und Baustelle liegen in Österreich neun Landesbauordnungen, und genau dort entscheidet sich, ob aus der Reformrhetorik gebautes Recht wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was verspricht die Staatsreform 2026 für das Bauen?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am deutlichsten wird die Reform dort, wo der Bund unmittelbar zuständig ist: bei der Energie und der Infrastruktur. Für Energieprojekte gilt künftig das Prinzip „ein Projekt, eine Behörde, ein Verfahren, ein Bescheid&#8220;, und bei großen Vorhaben wie Bahnstrecken soll das Umweltverfahren gebündelt bei einer Behörde geführt werden, statt wie bisher doppelt. Das ist die Grammatik der gesamten Reform: Zuständigkeiten bündeln, Doppelprüfungen streichen, digital abwickeln. Das „Once-Only-Prinzip&#8220; soll verhindern, dass Antragstellerinnen und Antragsteller denselben Nachweis mehrfach erbringen, und über GovTech Austria sollen digitale Lösungen einmal entwickelt und im ganzen Land genutzt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für das klassische Hochbau-Bauverfahren aber greift der Bund nur mittelbar. Die Baubewilligung ist Sache der Länder, geregelt in neun eigenständigen Bauordnungen mit eigenen Fristen, Verfahrensarten und Nachbarrechten. Die Staatsreform kann hier Impulse setzen und einheitliche Standards anregen, etwa wenn sie bundesweit gleiche Regeln „statt neun unterschiedlicher Landesgesetze&#8220; verspricht, doch anordnen kann sie den Ländern wenig. Wer also fragt, ob Baugenehmigungen schneller werden, muss zwei Ebenen unterscheiden: die bundespolitische Ansage und die föderale Umsetzung. Beide bewegen sich 2026, aber in unterschiedlichem Tempo.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wo werden Bauverfahren tatsächlich verschlankt?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Konkret wird es dort, wo Länder ihre eigenen Ordnungen novellieren. Niederösterreich hat mit der NÖ Bauordnung 2026, in Kraft seit 1. März 2026, den weitesten Schritt gewagt. Das bisherige Anzeigeverfahren wurde abgeschafft und durch verbindliche Bescheide ersetzt, die mehr Rechtssicherheit schaffen sollen. Bestandsgebäude, die vor dem 1. Februar 2015 genehmigt wurden, werden bei Aufstockung oder Nutzungsänderung von bestimmten technischen Anforderungen befreit, um Sanierungen zu erleichtern. Hinzu kommen Spielräume bei Bauabständen, Flachdachregelungen und Stellplatzpflichten. Der Grundgedanke deckt sich mit der Staatsreform: den Bestand mobilisieren, Verfahren straffen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Parallel modernisiert der Bund die Verwaltungsgerichtsbarkeit, jene Instanz, bei der Bauverfahren im Streitfall landen. Der entsprechende Gesetzesentwurf ging am 25. Juni 2026 in Begutachtung, zehn Jahre nach Einführung des Systems. Er sieht verpflichtend elektronische Gutachten vor, harmonisierte Standards für die Aktenvorlage und Sanktionen gegen mutwillige Verzögerungen. Staatssekretär Alexander Pröll nennt effiziente Verwaltung das „beste Bürger-Service&#8220;, Staatssekretär Sepp Schellhorn warnt, „der Rechtsstaat&#8220; dürfe „kein Warteraum sein&#8220;. Für Infrastruktur- und Genehmigungsprojekte, deren Bekämpfung sich über Jahre ziehen kann, ist das der eigentliche Hebel.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das für Genehmigungsdauern?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wie dringend die Beschleunigung ist, zeigen Zahlen der Vereinigung Österreichischer Projektentwickler (VÖPE) und der Gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV), die am 23. Juni 2026 gemeinsame Vorschläge vorlegten. Ein Wohnbauprojekt braucht demnach im Schnitt 67 Monate von der Widmung bis zur Bewilligung. Allein das Widmungsverfahren dauert durchschnittlich 35 Monate, obwohl der Gesetzgeber rund acht Monate vorsieht, das Baubewilligungsverfahren weitere 21 Monate. Fünfeinhalb Jahre bis zum Spatenstich sind in einer Wohnungskrise kein Verwaltungsdetail, sondern ein struktureller Kostentreiber.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">VÖPE und GBV schlagen vier Ansätze vor: die Brandschutzprüfung durch zertifizierte Ziviltechnikerinnen und Ziviltechniker schon vor der Einreichung, was sechs bis neun Monate sparen soll; eine Genehmigungsfiktion, bei der ein Verfahren bei Fristüberschreitung automatisch als genehmigt gilt; wirksamere Kontrolle unverhältnismäßiger Einsprüche; und einen „gläsernen Akt&#8220;, der den Bearbeitungsstand digital nachvollziehbar macht. Besonders die Genehmigungsfiktion ist heikel. Sie verlagert das Risiko einer überlasteten Behörde auf die Allgemeinheit, denn was fingiert genehmigt wird, wurde inhaltlich womöglich nie geprüft. Tempo und Sorgfalt geraten hier in direkten Konflikt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Und was wird aus den Gestaltungsbeiräten?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau an dieser Stelle betritt die Baukultur die Bühne. Gestaltungsbeiräte sind unabhängige Fachgremien, die Kommunen bei größeren Bauvorhaben beraten und über die gestalterische und städtebauliche Qualität eines Entwurfs wachen, meist noch vor dem formellen Genehmigungsverfahren. Sie sind kein gesetzlicher Pflichtbestandteil, sondern eine freiwillige Selbstbindung, und ihre Empfehlungen kosten Zeit. Wer Verfahren an Monaten misst, sieht in ihnen leicht ein Hindernis. Wer Städte an Jahrzehnten misst, sieht in ihnen eine Versicherung gegen dauerhafte Fehler.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier liegt die eigentliche Spannung der Reform. Eine Genehmigungsfiktion, die nach Fristablauf greift, kann einen Beiratsprozess technisch aushebeln, wenn dessen Beratung als Verzögerung gewertet wird. Beschleunigung, die nur zählt, wie schnell ein Bescheid ergeht, nicht, wie gut ein Haus in seinen Ort passt, kauft Tempo mit Substanz. Dass die Länder das erkennen, zeigt eine parallele Bewegung: Der Österreichische Beirat für Baukultur, 2008 gegründet und europaweit in dieser Form einzigartig, startete am 18. März 2026 unter der Architektin Katharina Bayer in seine vierte Funktionsperiode. Als „Impulsgeber für eine qualitätsvolle Bau- und Planungskultur&#8220; mit Schwerpunkten auf Bestand, Nachhaltigkeit und leistbarem Wohnbau steht er programmatisch für das, was die reine Verfahrenslogik zu übersehen droht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Staatsreform 2026 ist damit weder Segen noch Bedrohung, sondern eine Weichenstellung. Verfahren zu entrümpeln, Doppelprüfungen zu streichen und die Verwaltungsgerichtsbarkeit zu digitalisieren, ist überfällig und hilft der Baukultur eher, als dass es ihr schadet, denn kein Gestaltungsbeirat gewinnt an einem Verfahren, das an Formfehlern und Doppelzuständigkeiten scheitert. Riskant wird es dort, wo Beschleunigung zum Selbstzweck gerät und die inhaltliche Prüfung zur lästigen Frist verkommt. Die kluge Reform verschlankt das Verfahren und schützt zugleich den Ort, an dem über Qualität entschieden wird. Ob Österreich diese Balance hält, entscheidet sich nicht in Wien, sondern in neun Bauordnungen und in den Sitzungen der Gestaltungsbeiräte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Das Licht, das nicht kühlt</title>
		<link>https://baukunst.art/das-licht-das-nicht-kuehlt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jul 2026 13:09:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inspiration]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Giovanni Segantini]]></category>
		<category><![CDATA[Licht und Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Sommerlicher Wärmeschutz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Pariser Retrospektive zeigt Giovanni Segantini als Maler eines Lichts, das nichts beschönigt. Im Sommer der Rekordhitze wird daraus eine Lektion für die Architektur.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | Inspiration | Juli 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Maler starb in den Bergen, weil er das Licht sehen wollte. Was seine Bilder über unsere überhitzten Wohnungen erzählen</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Retrospektive im <strong><a href="https://www.marmottan.fr/en/" target="_blank" rel="noopener">Pariser Musée Marmottan Monet</a></strong> zeigt Giovanni Segantini als Maler eines Lichts, das nichts beschönigt. Für die Architektur der Hitzesommer ist das eine unbequeme Lehre.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Licht, das jede Täuschung ausschloss</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rainer Maria Rilke fand für Segantinis Berglandschaften eine Formel, die sich nicht abnutzt. Er sprach von einem „hellen, wahrsagenden Licht, das jede Täuschung ausschloß; jede Erscheinung, in dieses Licht gehalten, erschien in ihrem wahren Wert&#8220;. Wer bis zum 16. August durch die Pariser Ausstellung „Je veux voir mes montagnes&#8220; geht, versteht, was gemeint ist. Segantini trägt die Farbe nicht in Punkten auf wie die Neoimpressionisten, sondern in langen, feinen Fäden, deren Zwischenräume komplementäre Töne füllen. Aus der Nähe flimmert die Fläche, aus der Distanz steht sie still. Das Licht in diesen Bildern ist keine Stimmung, die über die Dinge gelegt wird. Es ist eine physikalische Größe, die sie hervorbringt, aufzehrt und wieder freigibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau diese Unterscheidung hat die Architektur der vergangenen sechzig Jahre nur halbherzig vollzogen. Licht gilt im Entwurf als Atmosphäre, als Qualität, als das Weiche im Programm. Auf der Baustelle ist es Energie. Ein Quadratmeter Dreifachverglasung nach Süden lässt an einem klaren Julitag eine Strahlungsleistung passieren, die einem kleinen Heizlüfter entspricht. Der Unterschied zwischen dem Licht, von dem Architektinnen und Architekten sprechen, und dem Licht, das durch ihre Fenster fällt, ist der Unterschied zwischen einer Stimmung und einer Rechnung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Elektrische Ventilatoren zur Erzeugung der Frische</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Segantini selbst hat diese Grenze überschritten, und zwar auf eine Weise, die heute fast schon prophetisch wirkt. Für die Pariser Weltausstellung 1900 plante er ein begehbares Panorama, eine steinerne Rotunde mit einem Rundumbild von 360 Grad. Malerei allein sollte dabei nicht genügen. „Wir werden elektrische Ventilatoren haben zur Erzeugung der Frische, verschiedene berechnete Anordnungen von Licht und Schatten, hydraulische Einrichtungen und akustische Werke&#8220;, kündigte er an, damit der Besucher glaube, „als befände er sich wirklich auf unseren Bergen&#8220;. Die Fassade der Rotunde war als Werbefläche für die schweizerische Tourismusindustrie vorgesehen. Das Projekt scheiterte an der Finanzierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es lohnt sich, diesen Fußnotenapparat der Kunstgeschichte einen Moment ernst zu nehmen. Ein Maler, dessen Bilder ihre Kraft aus der Unbestechlichkeit des Höhenlichts beziehen, entwirft eine Maschine, die alpine Kühle künstlich herstellt, und finanziert sie über Fremdenverkehrswerbung. Die Ahnenreihe der Klimaanlage beginnt nicht bei Willis Carrier, sie beginnt bei Leuten, die ein Gefühl verkaufen wollten. Und sie endet vorläufig bei den Glastürmen der Innenstädte, deren Bewohnerinnen und Bewohner im Sommer hinter unbeweglichen Scheiben sitzen, auf eine Landschaft blicken, die sie nicht spüren, und deren Frische aus dem Kanal kommt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die stille Enteignung der Fassade</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bis ins zwanzigste Jahrhundert war die Fassade das Instrument, mit dem ein Haus sein Verhältnis zur Sonne aushandelte. Die tiefen Laibungen des mediterranen Massivbaus, die Loggien Oberitaliens, der Erker, die Jalousie, das Vordach: lauter Werkzeuge, mit denen Licht dosiert und Wärme abgewiesen wurde, ohne dass ein Kilowatt floss. Der Bauernhof, den Segantini in „All&#8217;ovile&#8220; malt, führt das vor. Der Stall nimmt das Licht durch eine schmale Öffnung, der Rest ist Masse, Schatten und Zeit. Man kann darin eine Idylle sehen. Man kann darin auch eine Konstruktionsanweisung erkennen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die klassische Moderne wusste das noch. Le Corbusiers brise-soleil in Marseille und Chandigarh war kein ornamentaler Einfall, sondern die Einsicht, dass sich ein Fenster in Indien anders verhält als in Paris. Bei Luis Barragán trifft Licht auf pigmentierte Masse und wird zur Temperatur. Peter Zumthor hat in Vals gezeigt, dass ein Stein, der Kühle speichert, mehr Atmosphäre erzeugt als jede Lichtplanung mit Katalog. Was danach kam, war die stille Enteignung der Fassade: Sie wurde zur Membran, dann zur Vitrine, und ihre klimatische Aufgabe wanderte in die Haustechnik. Der Preis dafür steht in den Betriebskostenabrechnungen und inzwischen auch in den Temperaturstatistiken.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">41,8 Grad</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der 27. Juni 2026 hat die Debatte aus dem Konjunktiv geholt. In Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt maß der Deutsche Wetterdienst 41,8 Grad, den höchsten je in Deutschland registrierten Wert. An 46 Stationen in elf Bundesländern wurde die 40-Grad-Marke erreicht oder überschritten. Der DWD nennt die Hitzewelle, die vielerorts am 18. Juni begann, historisch, weil es eine derart lange und intensive Periode so früh im Sommer noch nie gab. Anfang Juli folgte die nächste. Wer in diesen Wochen in einem Dachgeschoss unter unbeschatteten Gauben gesessen hat, braucht keine Grafik.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Fach hat die Antworten längst, sie sind nur unbeliebt, weil sie nichts kosten und deshalb niemanden reich machen. Außenliegender, beweglicher Sonnenschutz schlägt jede innenliegende Lösung um den Faktor drei bis vier. Speichermasse, die tagsüber Wärme aufnimmt und nachts über geöffnete Fenster abgibt, ersetzt in weiten Teilen Mitteleuropas die Kältemaschine. Fensterflächenanteile jenseits von sechzig Prozent sind nach Süden und Westen ein Rechenproblem, kein Entwurfsargument. Der Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes nach DIN 4108-2 kennt all das. Er wird oft am Ende der Planung geführt, wenn die Kubatur längst feststeht, und dient dann dem Beweis, dass richtig ist, was ohnehin gebaut werden soll. Bäume, um es beiläufig zu erwähnen, verschatten zuverlässig und kühlen zusätzlich durch Verdunstung. Sie tauchen in keiner Kostengruppe der DIN 276 als Klimatechnik auf.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warm und kalt zugleich</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Paris hängt „Ave Maria bei der Überfahrt&#8220; von 1886, ein Bild, das der Schriftsteller Michael Krüger treffend „warm und kalt zugleich&#8220; genannt hat. Im letzten Sonnenlicht treibt ein mit Schafen beladenes Boot über den See, der Fährmann sitzt tatenlos in sich versunken, und im verzerrten Spiegelbild im Wasser zerlegt Segantini die friedliche Idylle in ihre Bestandteile. Man sieht nicht, wohin das Boot steuert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für ein Fach, das seine Häuser gern in goldenes Abendlicht rendert und die Julimittagssonne der Simulation überlässt, ist das ein präzises Sinnbild. Segantinis Licht schmeichelt nicht, es misst. Es zeigt die Dinge in ihrem wahren Wert, und dieser Wert ist im Sommer 2026 in Grad Celsius ablesbar. Die gute Nachricht: Ein Gebäude, das Licht ernst nimmt, statt es zu inszenieren, wird selten hässlich. Die Loggia, die Laibung, der Baum vor dem Fenster und die schwere Wand haben nie schlecht ausgesehen. Sie waren nur nie das, wofür man sie hielt, nämlich Dekoration.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Leserinformation</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>„Je veux voir mes montagnes“. Giovanni Segantini (1858 bis 1899)</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ort: Musée Marmottan Monet, 2 rue Louis Boilly, 75016 Paris</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Laufzeit: 29. April bis 16. August 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kuratorinnen: Gabriella Belli und Diana Segantini</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Umfang: Rund 60 Gemälde, Pastelle und Zeichnungen; ergänzend vier Arbeiten von Anselm Kiefer (1988 bis 2025) unter dem Titel „Voglio vedere le mie montagne“</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Katalog: 33 Euro</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Fünf Prozent in einem Jahr: Die Baupreise ziehen wieder an</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2026 13:10:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Praxis]]></category>
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		<category><![CDATA[Fachkräftemangel]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Wohnungsneubau verteuert sich im Mai 2026 um 5,0 Prozent, nach 3,3 Prozent im Februar. Der Anstieg kommt diesmal nicht aus dem Material, sondern aus dem Lohn. Das ändert die Debatte.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | Beruf | Praxis | Juli 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Deutschlands Wohnungsbau verteuert sich schneller, als die Politik reagiert</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Baupreisindex des Statistischen Bundesamtes misst die Preise für Bauleistungen am Bauwerk einschließlich Mehrwertsteuer, und er meldet für Mai 2026 eine Beschleunigung: Der Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude verteuerte sich gegenüber Mai 2025 um 5,0 Prozent. Das geht aus der Pressemitteilung Nr. 241 des Statistischen Bundesamtes (Destatis) vom 10. Juli 2026 hervor. Im Februar 2026, dem vorherigen Berichtsmonat der Statistik, hatte die Jahresrate noch 3,3 Prozent betragen. Binnen eines Quartals legten die Baupreise um 2,4 Prozent zu.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahl ist kein Ausreißer einer Randgewerkegruppe. Sie trägt breit. Rohbauarbeiten verteuerten sich um 4,9 Prozent, Ausbauarbeiten um 5,1 Prozent. Betonarbeiten und Mauerarbeiten, die den größten Anteil am Gesamtindex haben, stiegen mit 3,6 und 3,8 Prozent noch vergleichsweise moderat. Dachdeckungsarbeiten sowie Zimmer- und Holzbauarbeiten kosteten dagegen jeweils 7,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Erdarbeiten 5,4 Prozent. Im Ausbau zogen Elektro-, Sicherheits- und informationstechnische Anlagen um 6,4 Prozent an, Heizanlagen und zentrale Wassererwärmungsanlagen, darunter Wärmepumpen, um 5,0 Prozent. Instandhaltungsarbeiten an Wohngebäuden ohne Schönheitsreparaturen wurden um 5,6 Prozent teurer. Auch außerhalb des Wohnungsbaus dasselbe Bild: Bürogebäude plus 5,2 Prozent, gewerbliche Betriebsgebäude plus 5,0 Prozent, Straßenbau plus 6,2 Prozent.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum beschleunigt sich der Preisanstieg ausgerechnet jetzt?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Erklärung liegt weniger im Material als in der Arbeit. Der Preisschub von 2021 bis 2023 war ein Materialpreisschock, ausgelöst durch gestörte Lieferketten und Energiekosten. Der aktuelle Anstieg hat eine andere Signatur: Die Gewerke mit dem höchsten Lohnanteil führen die Rangliste an. Dachdeckung, Zimmerei und Holzbau sind personalintensiv und leiden zugleich unter dem stärksten Fachkräftemangel. Wo Kapazität knapp ist, wird sie teuer, unabhängig davon, was der Baustoff kostet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dazu kommt eine Nachfrage, die sich nach zwei schwachen Jahren zurückmeldet. Die Behörden genehmigten 2025 den Bau von 238.500 Wohnungen, 10,8 Prozent mehr als 2024. Von Januar bis März 2026 lag die Zahl der genehmigten Neubauwohnungen 14,0 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Fertiggestellt wurden 2025 dagegen nur 206.600 Wohnungen, 18,0 Prozent weniger als im Vorjahr und das zweite deutliche Minus in Folge. Die durchschnittliche Abwicklungsdauer von der Genehmigung bis zur Fertigstellung stieg auf 27 Monate, 2020 waren es noch 20. Genehmigungen wachsen also, die Ausführungskapazität nicht. Genau in dieser Schere entstehen Preise.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Muster ist bekannt aus jeder Konjunkturerholung im Bauwesen, nur setzt es diesmal auf einem Niveau ein, das seit 2020 um rund die Hälfte über dem Ausgangspunkt liegt. Eine Erholung, die sich sofort in Preisen statt in Fertigstellungen niederschlägt, ist keine Erholung des Wohnungsmarkts. Sie ist die Ankündigung der nächsten Stockung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeuten fünf Prozent für die Honorarpraxis?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten wirkt der Index doppelt, und beide Wirkungen ziehen in dieselbe Richtung. Nominell steigen die anrechenbaren Kosten nach § 4 der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI), die sich nach den Kostengruppen der DIN 276 bestimmen, und mit ihnen das Honorar nach § 6 HOAI. Real ist davon wenig übrig, denn dieselbe Teuerung trifft die Bürokosten, allen voran die Personalkosten, die auch bei den Planenden den größten Block bilden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gravierender ist die zweite Wirkung. Bei einem Quartalsanstieg von 2,4 Prozent altert eine Kostenberechnung nach DIN 276 innerhalb der Leistungsphase 3 schneller, als das Projekt die Leistungsphase 4 erreicht. Wer eine Kostenschätzung aus der Leistungsphase 2 zwölf Monate später gegen ein Angebot hält, erklärt eine Abweichung, die er nicht verursacht hat. Bauherrinnen und Bauherren, insbesondere institutionelle, reagieren darauf mit Kostenobergrenzen. Wird eine solche Obergrenze als Beschaffenheit vereinbart, haftet das Büro für ihre Einhaltung, auch wenn der Markt sich bewegt. Der Baupreisindex verschiebt damit still ein Haftungsrisiko von der Konjunktur auf die Planung. Wer Kostenobergrenzen vereinbart, sollte sie an einen Stichtag und an eine Indexklausel binden, nicht an ein Versprechen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kann der Gebäudetyp E die Kostenkurve brechen?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der politische Hoffnungsträger heißt Gebäudetyp E. Das Eckpunktepapier vom November 2025 sieht vor, dass Abweichungen von nicht sicherheitsrelevanten Komfortnormen zwischen fachkundigen Vertragsparteien nicht länger automatisch als Mangel gelten. Das Bundesministerium der Justiz will einen ersten Referentenentwurf nach dem Sommer 2026 vorlegen, die Verabschiedung ist für Ende 2026 angepeilt. Schätzungen zum Einsparpotenzial reichen von zehn bis zwanzig Prozent der Baukosten, in einzelnen Rechnungen bis zu 1.000 Euro je Quadratmeter. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) unterstützt das Vorhaben, kritisiert aber den gestreckten Zeitplan.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Kritik trifft einen wunden Punkt. Selbst bei planmäßiger Verabschiedung Ende 2026 greift das Gesetz frühestens in Projekten, die 2027 beauftragt werden und nach 27 Monaten Abwicklungsdauer 2029 fertig werden. Bis dahin läuft der Index weiter. Fünf Prozent jährlich über drei Jahre summieren sich auf gut fünfzehn Prozent, also auf ungefähr jenen Betrag, den der Gebäudetyp E im günstigsten Fall einspart. Ein Gesetz, das eine Teuerung einholt, die während seines Gesetzgebungsverfahrens entsteht, ist kein Kostensenkungsprogramm. Es ist eine Bremse gegen den Rückwärtsgang.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt ein blinder Fleck. Der Gebäudetyp E setzt am Normenkorsett an, also am Standard. Der aktuelle Preisanstieg kommt aber aus dem Lohn. Ein vereinfachter Dachaufbau spart Material und Ausführungsschritte, er schafft aber keine Dachdeckerin und keinen Zimmerer. Solange die Kapazität die Engstelle ist, verlagert eine Standardsenkung die Nachfrage, sie befriedigt sie nicht. Berufspolitisch heißt das: Die Debatte über Normen darf die Debatte über Nachwuchs und Ausbildung nicht ersetzen. Bisher tut sie genau das.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was folgt daraus für die Interessenvertretung?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drei Punkte gehören auf die Tagesordnung der Kammern. Erstens die Kostenkommunikation: Solange Kostenberechnungen ohne Indexbindung vorgelegt werden, tragen Planende ein Marktrisiko als Planungsfehler. Musterklauseln mit Bezug auf den Baupreisindex des Statistischen Bundesamtes wären ein wirksamerer Beitrag zur Haftungsbegrenzung als manche Fortbildung. Zweitens der Zeitplan des Gebäudetyp-E-Gesetzes: Die Forderung der Bundesarchitektenkammer nach Beschleunigung ist berechtigt und sollte mit den Zahlen aus dieser Statistik unterlegt werden, nicht mit Appellen. Drittens die Kapazität: Wer 400.000 Wohnungen jährlich fordert und gleichzeitig 206.600 fertigstellt, während die Preise um fünf Prozent steigen, hat kein Genehmigungsproblem, sondern ein Ausführungsproblem.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Pressemitteilung vom 10. Juli 2026 musste übrigens wegen einer falschen Jahreszahl korrigiert werden. Ein kleiner Fehler in einer Meldung, die eine große Zahl transportiert. Die Zahl selbst blieb, wie sie war.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Bauen für die Macht: Was der Pavillon Le Corbusier über Architektur und Herrschaft lehrt</title>
		<link>https://baukunst.art/bauen-fuer-die-macht-was-der-pavillon-le-corbusier-ueber-architektur-und-herrschaft-lehrt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Jul 2026 10:26:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur und Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Le Corbusier]]></category>
		<category><![CDATA[Pavillon Le Corbusier Zürich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Pavillon Le Corbusier Zürich seziert die Symbiose von Architektur und Herrschaft. Warum Le Corbusiers „Plan Voisin“ zeigt, wozu das moderne Planungsrecht die Antwort ist. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/bauen-fuer-die-macht-was-der-pavillon-le-corbusier-ueber-architektur-und-herrschaft-lehrt/">Bauen für die Macht: Was der Pavillon Le Corbusier über Architektur und Herrschaft lehrt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  |  Unterwegs | Juli 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Wem gehört die Stadt? Der Pavillon Le Corbusier und die Verführung des großen Wurfs</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">„Bauen für die Macht“ bezeichnet die jahrtausendealte Symbiose zwischen Architektur und Herrschaft, in der monumentale Bauten Autorität sichtbar machen und Baukünstlerinnen und Baukünstler dafür Aufträge, Ruhm und dauerhafte Wirkung erhalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau dieses Verhältnis rückt der Pavillon Le Corbusier in Zürich vom 17. April bis 29. November 2026 ins Zentrum. Die vom Museum für Gestaltung Zürich verantwortete Ausstellung, kuratiert und szenografiert von Direktor Christian Brändle, stellt eine Frage, die weit über die Kunstgeschichte hinausreicht: Wem dient der Städtebau, wenn er im großen Maßstab denkt? Der Ausstellungsort selbst, Le Corbusiers letztes gebautes Werk und sein einziger Bau aus Stahl und Glas, wird dabei zum wichtigsten Exponat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Tradition, der die Schau nachspürt, ist alt. Von den Pyramiden der Antike über Triumphbögen und Parlamentsbauten bis zu den Hauptsitzen globaler Konzerne dienen Monumentalität, Dauerhaftigkeit und Maßstab immer wieder als Werkzeuge politischer, religiöser oder ökonomischer Macht. Sie prägen bis heute die gebaute Umwelt und versprechen den Planenden im Gegenzug Sichtbarkeit, Einfluss und Nachruhm.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was zeigt die Ausstellung im Pavillon Le Corbusier?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf rund 600 Quadratmetern und über vier Geschosse folgt die Schau der Anziehungskraft, die monumentale Aufträge auf Architektinnen und Architekten ausüben. Als Kronzeuge dient Le Corbusier (1887 bis 1965), geboren als Charles-Édouard Jeanneret-Gris. Seine Idealstädte der Zwischenkriegszeit oszillieren zwischen utopischem Fortschrittsglauben und autoritärer Ordnung. Die „Ville contemporaine“ von 1922 skizziert eine vertikal verdichtete Stadt für drei Millionen Menschen; der „Plan Voisin“ fordert den großflächigen Abriss ganzer Pariser Quartiere zugunsten einer streng gerasterten Neubaulandschaft. In der „Ville radieuse“ von 1930 verdichtet sich diese Vision zur Idee einer Heilung der Gesellschaft durch Planung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Schau benennt auch die formalen Werkzeuge dieser Tradition. Monumentale Dimensionen, endlose symmetrische Achsen und der Rückgriff auf die Formensprache der Antike lassen das Individuum klein und das System groß erscheinen; der gemeinsame Bauprozess wiederum stiftet ein Kollektiv der Beteiligten, oft auf Kosten der Vielfalt. Im Erdgeschoss treffen mit dem „Pavillon des Temps Nouveaux“ von 1937 und den städtebaulichen Großentwürfen zwei Schlüsselwerke aufeinander, die Le Corbusiers Ideen als visuelles Manifest lesbar machen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Museumsdirektor Christian Brändle formuliert die These pointiert: Le Corbusier sei „kein Nazi, kein Faschist“ gewesen, wohl aber „ein gnadenloser Opportunist“. Die Ausstellung zeichnet den Weg von frühen Pariser Entwürfen über Projektangebote an Stalin bis zu Verhandlungen mit dem Vichy-Regime nach. Dass Le Corbusier die Formensprache Albert Speers ablehnte, hatte demnach weniger moralische als ästhetische Gründe: Pomp und Pathos widersprachen seiner Idee funktionaler Reinheit. Diese Ambivalenz macht die faszinierenden Entwürfe heute zu verstörenden Dokumenten der Zeitgeschichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass die Versuchung des radikalen Umbaus auch Zürich erreichte, belegt ein lokaler Bezug innerhalb der Schau: Karl Mosers Planungsstudie für die Zürcher Altstadt von 1933. Der Pavillon rahmt diese Erzählung doppelt. Er entstand nach einem Entwurf Le Corbusiers, wurde von der Bauherrin Heidi Weber initiiert und zwei Jahre nach dem Tod des Architekten 1967 vollendet. Heute steht er unter Denkmalschutz und wird seit 2019 vom Museum für Gestaltung im Auftrag der Stadt Zürich betrieben. Der Bau lädt zu einer promenade architecturale über mehrere Geschosse ein und macht das Ideal der Moderne körperlich erfahrbar. Ein Werk der Moderne wird so zum Gehäuse einer Kritik an der Moderne.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet Le Corbusiers Erbe für das heutige Planungsrecht?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die entscheidende Lehre der Ausstellung liegt weniger in der Person als im Verfahren. Der „Plan Voisin“ verkörpert eine Planung von oben: Ein einzelner Gestalter entwirft die Stadt als Ganzes, die Bewohnerschaft kommt darin nur als zu ordnende Masse vor. Genau gegen diese Versuchung ist das moderne Raumplanungsrecht gebaut. Das schweizerische Bundesgesetz über die Raumplanung (RPG, SR 700) verteilt die Planungshoheit bewusst auf Bund, Kantone und Gemeinden und bindet sie in Art. 1 RPG an das Ziel der haushälterischen Bodennutzung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zentral ist Art. 4 RPG: Die mit Planungsaufgaben betrauten Behörden müssen die Bevölkerung über Ziele und Ablauf der Planungen unterrichten und dafür sorgen, dass sie in geeigneter Weise mitwirken kann; die Pläne sind öffentlich. Wo Le Corbusier ein Quartier per Federstrich auslöschte, verlangt das geltende Recht Information, Mitwirkung und öffentliche Auflage. Der Städtebau wird damit vom Machtinstrument zum ausgehandelten Gemeinwerk. Auch der Denkmalschutz, der den Pavillon heute sichert, gehört zu dieser Ordnung: Das Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG, SR 451) schützt das bauliche Erbe gerade vor jener Tabula-rasa-Logik, die der „Plan Voisin“ gefeiert hatte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese föderale Zuständigkeitsordnung ist kein bürokratischer Zufall, sondern eine bewusste Gewaltenteilung im Raum: Was der Bund im RPG als Rahmen vorgibt, konkretisieren Kantone und Gemeinden in ihren Bau- und Zonenordnungen, stets unter dem Vorbehalt der Mitwirkung. So wird verhindert, dass eine einzelne Instanz, sei es ein Architekt oder ein Regime, die gebaute Umwelt im Alleingang bestimmt. Dass der denkmalgeschützte Pavillon den heutigen Bauvorschriften nicht mehr entspricht und dennoch Bestand hat, ist selbst ein Beleg für den Vorrang des kulturellen Werts vor der reinen Norm.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Praxis ist das mehr als Rechtsgeschichte. Verdichtung, Klimaanpassung und Wohnungsnot verlangen heute wieder Eingriffe im großen Maßstab. Die Ausstellung erinnert daran, dass der Maßstab allein noch keine Legitimität schafft. Ob ein Großprojekt der Gesellschaft dient oder sie überformt, entscheidet nicht die Kühnheit des Entwurfs, sondern die Qualität des Verfahrens: Beteiligung, Transparenz und der Schutz des Bestehenden. Der Streit um Nachverdichtung, Hochhauszonen und den Abbruch intakter Bausubstanz wird in Zürich, München und Wien mit ähnlichen Argumenten geführt wie einst gegen den Plan Voisin. Wer Quartiere im Namen der Effizienz opfert, verliert leicht aus dem Blick, dass eine Stadt aus mehr besteht als aus optimierten Grundrissen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">So gelesen ist „Bauen für die Macht“ keine reine Corbusier-Retrospektive, sondern eine Mahnung an die Gegenwart. Wer heute für die Verdichtung plant, sollte den Pavillon nicht allein als Denkmal der Moderne besuchen, sondern als Lehrstück über ihre blinden Flecken. Die Davos-Erklärung zur Baukultur von 2018 fordert eine hohe Baukultur für alle; ihr institutionelles Fundament aber bleibt das Planungsrecht. Es diszipliniert die Faszination des großen Wurfs, indem es die Macht über den Raum an Verfahren und Öffentlichkeit zurückbindet. Genau diese Rückbindung sollte das Publikum mitnehmen, wenn es den gläsernen Pavillon am Zürcher Seeufer wieder verlässt.</p>
<h2 style="font-weight: 400;"><strong>Besucherinformation</strong></h2>
<table style="font-weight: 400;" width="624">
<tbody>
<tr>
<td width="153"><strong>Ausstellung</strong></td>
<td width="471">„Bauen für die Macht“. Beziehungen zwischen Architektur und Autorität</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Ort</strong></td>
<td width="471">Pavillon Le Corbusier, Höschgasse 8, 8008 Zürich</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Träger</strong></td>
<td width="471">Museum für Gestaltung Zürich, im Auftrag der Stadt Zürich</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Laufzeit</strong></td>
<td width="471">17. April bis 29. November 2026 (Saison 2026)</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Öffnungszeiten</strong></td>
<td width="471">Dienstag bis Sonntag 12 bis 18 Uhr</p>
<p>Donnerstag 12 bis 20 Uhr</p>
<p>Montag geschlossen</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Eintritt</strong></td>
<td width="471">Erwachsene CHF 15, ermäßigt CHF 10</p>
<p>Unter 20 Jahren freier Eintritt</p>
<p>Donnerstags ab 17 Uhr freier Eintritt</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"></td>
<td width="471"></td>
</tr>
<tr>
<td width="153"></td>
<td width="471"></td>
</tr>
<tr>
<td width="153"></td>
<td width="471">Audio-Tour mit 18 Stationen; Führungen, Ausstellungsgespräche und Workshops</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Kontakt</strong></td>
<td width="471">Telefon +41 43 446 44 68, <a href="mailto:welcome@museum-gestaltung.ch" target="_blank" rel="noopener">welcome@museum-gestaltung.ch</a></p>
<p>Web: <a href="https://pavillon-le-corbusier.ch/de" target="_blank" rel="noopener">pavillon-le-corbusier.ch</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="font-weight: 400;"><em>Angaben ohne Gewähr; Stand der Recherche Juli 2026. Öffnungszeiten und Eintritt bitte vor dem Besuch prüfen.</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/bauen-fuer-die-macht-was-der-pavillon-le-corbusier-ueber-architektur-und-herrschaft-lehrt/">Bauen für die Macht: Was der Pavillon Le Corbusier über Architektur und Herrschaft lehrt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>„Long Life, Loose Fit&#8220;: Warum Haltbarkeit das eigentliche Nachhaltigkeitskriterium ist</title>
		<link>https://baukunst.art/long-life-loose-fit-warum-haltbarkeit-das-eigentliche-nachhaltigkeitskriterium-ist/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 15:39:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Bauen im Bestand Regelwerke: DIN EN 15978]]></category>
		<category><![CDATA[Dauerhaftigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[DIN 276]]></category>
		<category><![CDATA[Ersatzbaustoffverordnung]]></category>
		<category><![CDATA[GEG]]></category>
		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
		<category><![CDATA[Zirkuläres Bauen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Kommentar zur Nachhaltigkeitsdebatte: Nicht die Recycling-Geste entscheidet über die Ökobilanz, sondern die Lebensdauer. Was Haltbarkeit im Entwurf wirklich meint.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/long-life-loose-fit-warum-haltbarkeit-das-eigentliche-nachhaltigkeitskriterium-ist/">„Long Life, Loose Fit&#8220;: Warum Haltbarkeit das eigentliche Nachhaltigkeitskriterium ist</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong>   |   Meinung   |   Juli 2026</p>
<p>Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Nachhaltig ist, was bleibt, nicht was posiert</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Das nachhaltigste Gebäude ist jenes, das am längsten genutzt wird; jede andere Kennzahl im nachhaltigen Bauen ist dieser einen nachgeordnet. Die These klingt schlicht, doch sie ordnet die aktuelle Debatte um Zirkularität und Wiederverwendung neu. Wenn Dauer das Ziel ist, dann muss eine Konstruktion nicht in erster Linie recycelbar aussehen, sondern lange halten und, mindestens ebenso wichtig, lange passen. Der Satz des amerikanischen Architekten Carl Elefante, das nachhaltigste Gebäude sei das bereits gebaute, meint genau das: Jedes zusätzliche Standjahr streckt die graue Energie über eine längere Nutzung, und in der Ökobilanz nach DIN EN 15978 sinkt der jährliche Treibhausgasanteil pro Quadratmeter mit jedem Jahr, das ein Bauwerk länger dient.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum werden Gebäude tatsächlich abgerissen?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht das Tragwerk gibt den Ausschlag, sondern die Nutzung. Die wenigsten Gebäude verschwinden, weil ihre Substanz versagt; sie verschwinden, weil sich der Grundriss nicht mehr an neue Anforderungen anpassen lässt. Diese funktionale Obsoleszenz, nicht die statische, ist die eigentliche Abrissursache. Ein massiv errichtetes Haus, das keine Umnutzung zulässt, steht am Ende ebenso vor dem Bagger wie ein schwaches. Der<strong><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Alex_Gordon_(architect)" target="_blank" rel="noopener"> britische Architekt Alex Gordon</a></strong> fasste das bereits 1972 in die Formel „Long Life, Loose Fit, Low Energy&#8220;, langes Leben, lockere Passform, niedriger Energieverbrauch. <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stewart_Brand" target="_blank" rel="noopener">Stewart Brand</a></strong> hat die Idee später präzisiert: Ein Gebäude besteht aus Schichten sehr unterschiedlicher Lebensdauer, das Tragwerk währt Jahrhunderte, die Haustechnik nur Jahre. Wer diese Schichten unlösbar verbindet, verkürzt die Lebensdauer des Ganzen auf jene seines kurzlebigsten Teils.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Daraus folgt eine Definition von Haltbarkeit, die über Materialwerte hinausgeht. Dauerhaftigkeit entsteht aus dem Zusammenspiel dreier Eigenschaften: der Robustheit der Substanz, der Anpassungsfähigkeit des Raums (grosszügige lichte Höhen, nutzungsoffene Spannweiten, redundante Erschliessung) und der Reparierbarkeit der einzelnen Bauteile. Fehlt eine davon, bleibt Langlebigkeit Behauptung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ist Demontierbarkeit ein Widerspruch zur Dauerhaftigkeit?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der verbreitete Reflex, Wiederverwendung und Dauer gegeneinander auszuspielen, verfehlt den Punkt. Reversible, sortenrein trennbare Fügung ist kein Gegenteil von Haltbarkeit, sie kann ihr dienen. Ein Bauteil, das sich zerstörungsfrei ausbauen, warten und wieder einsetzen lässt, überlebt jene Umbauten, an denen ein verklebtes, verschäumtes oder einbetoniertes Bauteil zu Abfall wird. Trennbarkeit verlängert also potenziell die Lebensdauer, statt sie zu bedrohen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der berechtigte Kern der Kritik, wie sie etwa der Frankfurter<strong><a href="https://swiss-architects.com/de/architecture-news/gefunden/ich-sehe-keinen-grund-warum-wir-eine-neue-architektursprache-erfinden-sollten" target="_blank" rel="noopener"> Architekt Stefan Forster</a></strong> gegen die Preisvergabe des <strong><a href="https://www.dam-preis.de/de/136/dam-preis-2026/preistraeger/" target="_blank" rel="noopener">Deutschen Architekturmuseums (DAM)</a></strong> vorgebracht hat, trifft deshalb nicht die Trennbarkeit selbst, sondern ihre Verkehrung in eine Geste. Wo die Ästhetik der Wiederverwendung zum Selbstzweck wird und Fügungen hervorbringt, die fragil wirken und schwer zu unterhalten sind, verwechselt sie das Mittel mit dem Ziel. Ein Provisorium, das Dauerhaftigkeit nur zitiert, ist keine. Bezeichnend ist, dass das preisgekrönte Berliner Projekt, die Erweiterung des ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, in diesem Streit eher auf der Seite der Dauer steht: Es verlängert das Leben eines alten Güterbahnhofs und ist damit gelebter Bestandserhalt. Umstritten sind nicht der Umbau, sondern die experimentellen Demontage-Projekte, die unter demselben Etikett laufen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was folgt daraus für den Entwurf?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Anspruch auf Haltbarkeit gehört zurück ins Zentrum des Entwurfs, allerdings richtig verstanden. Robustheit allein genügt nicht, denn sie sichert die Substanz, aber nicht die Nutzbarkeit; Trennbarkeit allein genügt ebenso wenig, denn sie erleichtert den Rückbau, ohne für sich schon Dauer zu schaffen. Zusammen ergeben sie eine Baukultur, die Langlebigkeit konstruktiv verankert: nutzungsoffene Strukturen, die Wohnen, Arbeiten und Gemeinbedarf über Jahrzehnte aufnehmen können, sortenrein getrennte Schichten und dokumentierte Bauteile, etwa über einen Gebäuderessourcenpass.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Ordnungsrahmen trägt diese Richtung bereits ansatzweise mit. Die Kostenermittlung nach DIN 276 verschiebt sich zu den Lebenszykluskosten, die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) honoriert das Bauen im Bestand über den Umbauzuschlag nach § 6 HOAI, das Gebäudeenergiegesetz (GEG) verlangt langfristig gedachte Effizienz, und der neue Gebäudetyp E soll den Bestandsumbau von überzogenen Standards entlasten. Der DAM Preis 2026 weist damit in die richtige Richtung, sofern er als Plädoyer für Dauer gelesen wird und nicht als Feier des Vorläufigen. Nachhaltigkeit misst sich nicht an der Sichtbarkeit des Recyclings, sondern an der Zahl der Jahre, die ein Gebäude sinnvoll genutzt wird. Wer lange bauen will, muss robust, anpassbar und trennbar zugleich denken.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/long-life-loose-fit-warum-haltbarkeit-das-eigentliche-nachhaltigkeitskriterium-ist/">„Long Life, Loose Fit&#8220;: Warum Haltbarkeit das eigentliche Nachhaltigkeitskriterium ist</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Gewerbe zu Wohnen: Der KfW-Zuschuss 266 startet zum 1. Juli 2026</title>
		<link>https://baukunst.art/gewerbe-zu-wohnen-der-kfw-zuschuss-266-startet-zum-1-juli-2026/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 15:07:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bestandsumnutzung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungspolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Leere Büros, fehlende Wohnungen: Der Bund will beides zugleich lösen. Seit dem 1. Juli fließt Fördergeld für den Umbau. Doch der Zuschuss allein macht kein Projekt wirtschaftlich.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/gewerbe-zu-wohnen-der-kfw-zuschuss-266-startet-zum-1-juli-2026/">Gewerbe zu Wohnen: Der KfW-Zuschuss 266 startet zum 1. Juli 2026</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong>   |   BERUF   |   Juli 2026</p>
<p>Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Leerstand nebenan: Wie aus dem alten Bürohaus bezahlbare Wohnungen werden</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der KfW-Zuschuss 266 „Gewerbe zu Wohnen“ ist ein direkter, nicht rückzahlbarer Baukostenzuschuss des Bundes, der seit dem 1. Juli 2026 den Umbau leerstehender Nichtwohngebäude zu Wohnungen mit bis zu 30.000 Euro je neuer Wohneinheit unterstützt. Abgewickelt wird das Programm von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB). Die zugrunde liegende Förderrichtlinie erschien am 2. April 2026 im Bundesanzeiger, für das Haushaltsjahr 2026 stehen 300 Millionen Euro bereit, und die Laufzeit endet vorerst mit Ablauf des 31. Dezember 2026.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausgangslage ist in wenigen Zahlen umrissen. Laut einem Bericht der Bundesregierung vom November 2025 stieg die Leerstandsquote in den großen deutschen Büromärkten zwischen 2019 und 2024 von rund zwei auf 5,6 Prozent, was etwa elf Millionen Quadratmetern ungenutzter Fläche entspricht. Das Beratungshaus JLL bezifferte den Büroleerstand in den sieben größten Städten Ende 2025 auf 8,1 Millionen Quadratmeter. Dem steht ein anhaltender Mangel an bezahlbarem Wohnraum gegenüber. Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) verbindet mit dem Programm daher ein dreifaches Versprechen: Leerstand abbauen, Wohnraum schaffen und den Gebäudebestand klimagerecht erneuern.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was fördert der Zuschuss 266 konkret?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gefördert werden ausschließlich die baulichen Umbaumaßnahmen. Dazu zählen Rückbau, Grundrissänderungen, der Bau neuer Treppenhäuser, die Erschließung, statische Anpassungen, der gesamte Innenausbau sowie die Umgestaltung der Außenflächen einschließlich Entsiegelung. Der Fördersatz beträgt 30 Prozent der förderfähigen Kosten, bezogen auf höchstens 100.000 Euro je neuer Wohneinheit. Daraus ergibt sich der Höchstbetrag von 30.000 Euro pro Wohnung. Voraussetzung ist, dass durch den Umbau mindestens eine neue, abgeschlossene Wohneinheit entsteht und das Gebäude zuvor beheizt und nicht zu Wohnzwecken genutzt wurde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine wichtige Trennlinie verläuft bei der Energetik. Die Kosten der energetischen Sanierung, also Dämmung, Fenster oder Wärmeerzeuger, sind über den Zuschuss 266 nicht förderfähig. Dafür ist die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) zuständig, etwa über das KfW-Programm 261. Beide Linien lassen sich kombinieren, solange dieselbe Kostenposition nicht doppelt angesetzt wird. Zugleich verlangt das Programm einen energetischen Zielstandard: Nach dem Umbau muss mindestens das Niveau „Effizienzhaus 85 Erneuerbare-Energien“ erreicht werden, bei denkmalgeschützter Substanz genügt „Effizienzhaus Denkmal Erneuerbare-Energien“. Die Einbindung einer Sachverständigen oder eines Sachverständigen aus der Expertenliste für Förderprogramme des Bundes bei der Deutschen Energie-Agentur (dena) ist verpflichtend.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wer ist antragsberechtigt, und wo lauert die zeitliche Falle?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Antragsberechtigt sind natürliche wie juristische Personen, also Selbstnutzerinnen und Selbstnutzer ebenso wie private Investoren, Wohnungsunternehmen, Kommunen und gemeinnützige Organisationen. Die spätere Vermietung der neuen Wohnungen ist ausdrücklich zulässig. Für Unternehmen ist allerdings die De-minimis-Regelung zu beachten, die staatliche Beihilfen über einen Dreijahreszeitraum begrenzt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die entscheidende Hürde ist zeitlicher Natur. Der Antrag muss vor Vorhabenbeginn bei der KfW gestellt sein. Als Vorhabenbeginn gilt der Abschluss eines der Ausführung zuzurechnenden Liefer- oder Leistungsvertrags. Planungs- und Beratungsleistungen dürfen vorher erbracht werden, der erste Bauauftrag jedoch nicht. Wer vor der Förderzusage Material bestellt oder Abrissarbeiten beauftragt, verliert den Anspruch vollständig. Zusätzlich bedarf die Nutzungsänderung von Gewerbe zu Wohnen in aller Regel einer Baugenehmigung. Der Umsetzungszeitraum beträgt maximal 54 Monate.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum entscheidet sich die Wirtschaftlichkeit selten am Zuschuss?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Zuschuss wirkt als Anschub, nicht als Vollfinanzierung. Als grobe Orientierung gelten für den reinen Umbau 800 bis 2.000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Ein Projekt mit zehn Wohnungen bringt bei maximaler Ausschöpfung 300.000 Euro, was die Umbaukosten je nach Objekt um etwa zehn bis zwanzig Prozent entlastet. Der Löwenanteil der Ausgaben entsteht andernorts: bei der Ertüchtigung der Tragkonstruktion, dem Einbau von Nasszellen, der Anpassung der Gebäudehülle an den geforderten Effizienzstandard und, nicht zuletzt, in der Dauer der Genehmigungsverfahren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Flankiert wird das Programm von mehreren Rechtsänderungen. Die Novelle des Baugesetzbuchs aus dem Jahr 2025 führte mit § 246e BauGB den sogenannten Bau-Turbo ein, der erweiterte Befreiungen nach § 31 BauGB und verbindliche Bearbeitungsfristen vorsieht. Die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) wurde angepasst, um Nutzungskonflikte zwischen Gewerbe und Wohnen zu entschärfen. In Bayern verhindert Art. 81 der Bayerischen Bauordnung (BayBO), dass Gemeinden allein wegen der Umnutzung zu Wohnzwecken zusätzliche Stellplätze verlangen. Solche Erleichterungen senken einzelne Kostenhürden, ersetzen aber keine objektbezogene Machbarkeitsprüfung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das Programm für die gemischte Stadt?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jenseits der Kostenrechnung liefert die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen ein gewichtiges Argument. Die Umnutzung von Bestandsgebäuden spart nach Angaben des BMWSB bis zu zwei Drittel der Kohlendioxid-Emissionen gegenüber einem vergleichbaren Neubau. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) empfahl im Frühjahr 2026 in seiner Stellungnahme „Zirkulär bauen: Bestand erhalten, Kreisläufe schließen“, Kreislaufkriterien fest in die Bauförderung zu verankern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritik bleibt dennoch nicht aus. Vertreterinnen und Vertreter der Immobilienwirtschaft begrüßen den Impuls, halten ihn aber für strukturell begrenzt. Sozialpolitisch orientierte Stimmen bemängeln die fehlende Mietbindung: Ein öffentlich subventionierter Umbau kann anschließend zu beliebigen Marktmieten vermietet werden. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) warnt zudem davor, dass die flächendeckende Umwandlung von Ladenlokalen die Nutzungsmischung in den Innenstädten kippen lässt, auf die das Handwerk für seine Kundennähe angewiesen ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">So markiert der Zuschuss 266 vor allem den politischen Willen zur Aktivierung des Bestands. Ob die 300 Millionen Euro den Unterschied zwischen einem rechnerisch tragfähigen und einem tatsächlich gebauten Projekt ausmachen, entscheidet sich am einzelnen Objekt, an den Genehmigungszeiten und an der Frage, ob das vereinfachte Bauen nach dem Gebäudetyp E auch für Umnutzungen praxistauglich wird.</p>
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<h3 class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal">Leser-Info: KfW-Zuschuss 266 „Gewerbe zu Wohnen&#8220;</h3>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal"><strong>Programm:</strong> Gewerbe zu Wohnen (GzW), abgewickelt als KfW-Zuschuss Nr. 266<br />
<strong>Träger:</strong> Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB), Umsetzung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)<br />
<strong>Laufzeit:</strong> Antragstellung seit 1. Juli 2026, befristet bis 31. Dezember 2026<br />
<strong>Volumen:</strong> 300 Millionen Euro für das Haushaltsjahr 2026</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal"><strong>Förderhöhe:</strong> 30 Prozent der förderfähigen Umbaukosten, bezogen auf höchstens 100.000 Euro je neuer Wohneinheit, also bis zu 30.000 Euro je Wohnung. Direkter, nicht rückzahlbarer Zuschuss.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal"><strong>Antragsberechtigt:</strong> natürliche und juristische Personen, also Selbstnutzerinnen und Selbstnutzer, private Investoren, Wohnungsunternehmen, Kommunen und gemeinnützige Organisationen. Spätere Vermietung zulässig. Für Unternehmen gilt die De-minimis-Regelung.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal"><strong>Voraussetzungen</strong>: mindestens eine neue, abgeschlossene Wohneinheit; Gebäude zuvor beheizt und nicht zu Wohnzwecken genutzt; energetischer Zielstandard mindestens Effizienzhaus 85 Erneuerbare-Energien (bei Denkmälern Effizienzhaus Denkmal EE); Einbindung einer Sachverständigen oder eines Sachverständigen aus der dena-Expertenliste ist Pflicht.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal"><strong>Wichtig:</strong> Der Antrag muss vor Vorhabenbeginn gestellt sein. Als Vorhabenbeginn gilt der Abschluss eines Liefer- oder Leistungsvertrags; Planung und Beratung sind vorher zulässig. Die Nutzungsänderung von Gewerbe zu Wohnen bedarf in der Regel einer Baugenehmigung. Umsetzungszeitraum maximal 54 Monate.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal"><strong>Nicht förderfähig:</strong> energetische Sanierung (Dämmung, Fenster, Wärmeerzeuger). Dafür ist die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) zuständig, etwa über das KfW-Programm 261. Beide Linien sind kombinierbar, sofern dieselbe Kostenposition nicht doppelt angesetzt wird.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal"><strong>Antragsweg und Quellen:</strong> direkt bei der KfW (kfw.de, Produktseite „Gewerbe zu Wohnen (266)&#8220;), Programminformationen des BMWSB unter bmwsb.bund.de.</p>
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		<title>Was KI beim Hitzeschutz verschweigt, und warum das teuer wird</title>
		<link>https://baukunst.art/was-ki-beim-hitzeschutz-verschweigt-und-warum-das-teuer-wird/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Jun 2026 13:30:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Drei KI-Prompts zum temporären Hitzeschutz, gegengelesen: wo das Tool glättet, falsch zitiert und die Genehmigungsfrage unterschlägt. Ein Lehrfall.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/was-ki-beim-hitzeschutz-verschweigt-und-warum-das-teuer-wird/">Was KI beim Hitzeschutz verschweigt, und warum das teuer wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Was KI wirklich kann, lernt man am Detail: Ein Lehrfall zum temporären Hitzeschutz</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Künstliche Intelligenz beantwortet jede Frage in Sekunden. Das ist der einfache Teil. Der schwierige Teil beginnt danach: Wo liegt das Tool richtig, wo glättet es, wo schweigt es über genau die Ebene, an der ein Projekt scheitert? Am Beispiel des temporären Hitzeschutzes lässt sich das vorführen. Wir haben drei Fragen gestellt, die jede Architektin und jeder Architekt im Bestand kennt, und die Antworten gegengelesen.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die folgenden drei Blöcke zeigen jeweils den realen Prompt, das KI-Ergebnis und unsere Einordnung. Nicht das Werkzeug ist die Lektion, sondern der Blick, mit dem man das Werkzeug liest.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie ordnet KI die gängigen Verschattungslösungen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Prompt: </strong>Welche temporären, reversiblen Maßnahmen schützen ein Bestandsgebäude im Sommer vor Überhitzung? Ordne nach Wirksamkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">KI-Ergebnis (gekürzt): </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Das Tool listet außenliegende Markisen, Sonnensegel, mobile Raffstores, Verschattungsfolien und innenliegende Plissees. Es bezeichnet innenliegenden Sonnenschutz als „eine gleichwertige, einfacher umzusetzende Alternative“.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Reihenfolge stimmt im Kern, die Gleichsetzung nicht. Außenliegender Sonnenschutz fängt die Strahlung vor der Scheibe ab, innenliegender lässt sie weitgehend ins Glas und in den Raum. Der Unterschied ist kein Komfortdetail, sondern eine Größenordnung: Der Abminderungsfaktor außenliegender Systeme liegt grob im Bereich um 0,25, innenliegender eher um 0,75. Diese Zahlen sind hier als Orientierung gedacht, nicht als Nachweiswert. Wer damit plant, zieht sie aus dem Datenblatt des konkreten Produkts, nicht aus einer KI-Antwort, denn sie schwanken je nach System erheblich. Das Tool kennt das Prinzip, macht aber aus zwei sehr unterschiedlichen Wirkungsgraden eine Frage der Bequemlichkeit. Dieses Glätten ist der erste Fehlertyp, den man erkennen muss.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kennt KI den richtigen Nachweisweg?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Prompt: </strong>Nach welcher Norm wird der sommerliche Wärmeschutz nachgewiesen und welche Kennwerte gehen ein?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">KI-Ergebnis (gekürzt): </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Das Tool nennt die DIN 4108-2, das Sonneneintragskennwert-Verfahren, den g-Wert und die Fenstergröße. Es bietet an, den Nachweis „direkt zu berechnen“.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Methode und Kennwerte sind korrekt benannt. Hier liegen zwei Fallen. Erstens die Normfassung: Tools zitieren gern eine überholte Ausgabe, und welche gerade gilt, muss man unabhängig prüfen. Zweitens das Rechenangebot. Ohne geprüfte Eingabewerte und ohne die zutreffende Klimaregion liefert das Tool eine Plausibilität, keinen Nachweis. Es klingt nach Ergebnis und ist eine Schätzung. Genau an dieser Stelle endet der Knopfdruck und beginnt die Fachverantwortung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Beantwortet KI die Genehmigungsfrage vollständig?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Prompt: </strong>Ist temporäre Fassadenverschattung an einem Bestandsgebäude in Bayern genehmigungsfrei?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">KI-Ergebnis (gekürzt): </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">„Reversible Maßnahmen sind in der Regel verfahrensfrei und benötigen keine Baugenehmigung.“</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Verkürzt und damit riskant. Die Verfahrensfreiheit richtet sich nach dem Katalog der BayBO, derzeit Art. 57, und hängt an Art und Größe der Maßnahme, nicht allein an der Reversibilität. Ein Hinweis in eigener Sache: Auch dieser Paragraphenverweis gehört vor jeder Berufung darauf gegen die geltende Fassung geprüft, denn das ist genau die Sorgfalt, die das Tool im Beispiel vermissen lässt. Vor allem überschreibt das Denkmalrecht die Regel: An einem Baudenkmal ist auch die rückbaubare Markise erlaubnispflichtig. Das Tool unterschlägt genau die Ebene, auf der die meisten Bestandsprojekte tatsächlich hängen bleiben. Die Antwort ist nicht falsch, sie ist unvollständig, und Unvollständigkeit ist im Genehmigungsverfahren teurer als ein offener Fehler.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt als Lehre?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drei Fragen, drei wiederkehrende Muster: falsche Gewichtung bei richtigem Prinzip, ein überholtes Normzitat mit Scheingenauigkeit, eine unterschlagene Rechtsebene. Keiner dieser Fehler entsteht, weil das Tool schlecht wäre. Sie entstehen, weil eine Sprach-KI auf Plausibilität optimiert ist, nicht auf Haftung. Der Mehrwert liegt deshalb nicht im Prompt allein, sondern im Lesen der Antwort. Das gilt übrigens auch für diesen Text: Die genannten Faktoren sind Größenordnungen, der Paragraphenverweis ist gegen die geltende Fassung zu prüfen. Wer weiß, wo geglättet wird, im fremden wie im eigenen Text, gewinnt Tempo, ohne Sicherheit zu verlieren. Wer es nicht weiß, übernimmt Risiken, die im Output unsichtbar bleiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Baukunst Akademie: </strong>Welcher Prompt ein brauchbares Ergebnis liefert und woran man erkennt, wo ein Tool danebenliegt, ist Kern des <strong><a href="https://baukunst.art/kurse/lehrgang-ki-im-bueroalltag-2-3/" target="_blank" rel="noopener">KI-Lehrgangs der Baukunst Akademie</a></strong>. Der Kurs richtet sich an kleine und mittlere Architekturbüros. Nächster Termin September 2026.</p>
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		<title>Der 13-Punkte-Plan von Verena Hubertz: Reformimpuls oder Symbolpolitik?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Jun 2026 08:47:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[13-Punkte-Plan Baukosten]]></category>
		<category><![CDATA[Baukostensenkung]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Gebäudetyp E]]></category>
		<category><![CDATA[Hubertz Aktionsplan]]></category>
		<category><![CDATA[Neubauförderung 2027]]></category>
		<category><![CDATA[serielles Bauen]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ab 2028 nur noch digitale Bauanträge, ein gebündeltes Förderprogramm und Boni für schnelles Bauen: Der Aktionsplan der Bauministerin verspricht viel. Wie tragfähig sind die dreizehn Punkte wirklich?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-13-punkte-plan-von-verena-hubertz-reformimpuls-oder-symbolpolitik/">Der 13-Punkte-Plan von Verena Hubertz: Reformimpuls oder Symbolpolitik?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art </strong>  |   BERUF   |   Juni 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wohnungsnot trifft Sparzwang: Hubertz&#8216; Plan zwischen Anspruch und Wirklichkeit</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der am 19. Juni 2026 in Frankfurt vorgestellte Aktionsplan von Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) ist ein Bündel aus dreizehn Einzelmaßnahmen, das die Baukosten dämpfen und den stockenden Wohnungsbau wieder in Gang bringen soll, ohne dabei unmittelbar ein einziges neues Gesetz in Kraft zu setzen. Vorgelegt wurde das Papier vor Vertreterinnen und Vertretern der Immobilien- und Finanzbranche, nicht im Deutschen Bundestag. Schon dieser Rahmen verrät die Zwitterstellung des Vorhabens: halb Reformfahrplan, halb Werbeauftritt um Investitionen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausgangslage rechtfertigt jeden Tatendrang. Laut Statistischem Bundesamt wurden 2025 in Deutschland nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt, rund 18 Prozent weniger als im Vorjahr und der niedrigste Stand seit 2012. Bundesweit fehlen schätzungsweise eine Million Wohnungen. Hubertz formuliert das Problem ungewohnt offen: Es gehe nicht mehr darum, das Bauen attraktiver zu machen, sondern dafür zu sorgen, dass Projekte überhaupt noch realisiert würden. Die Baukosten hätten, so die Ministerin, ein unsägliches Niveau erreicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Verschärft wird die Lage durch die Finanzierungsseite. Gestiegene Kreditzinsen haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Vorhaben unrentabel gemacht. Die von Hubertz angekündigte Verlängerung von Abschreibungsmöglichkeiten weist in die richtige Richtung, doch ihre konkrete Ausgestaltung fehlt bislang. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob aus einer Ankündigung messbare Wirkung wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was steht konkret im Aktionsplan?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den sichtbarsten Punkt bildet die Digitalpflicht: Ab 2028 soll der digitale Bauantrag zum verbindlichen Regelweg werden, Papieranträge nur noch in begründeten Härtefällen zulässig sein. Ziel ist eine durchgängige Digitalisierung vom Antrag bis zur Genehmigung. Zweitens bündelt das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen die bislang zersplitterte Neubauförderung ab 2027 in einem einzigen Programm mit dem schlichten Namen Neubau; der Aufbau von Wohneigentum für Familien soll dabei ein zentrales Kriterium sein. Drittens kündigt Hubertz ein Bonus-System an, das verkürzte Bauzeiten und reduzierte Kosten belohnt und damit serielles wie modulares Bauen mit vorgefertigten Bauteilen anreizt. Hinzu kommt die Absicht, Bauleitplanverfahren mit standardisierten Datenmodellen auf maximal zwei Jahre zu begrenzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders die Zwei-Jahres-Grenze für Bauleitplanverfahren ist ambitioniert. Bebauungspläne nach Baugesetzbuch (BauGB) scheitern in der Praxis selten am Formular, sondern an Umweltprüfungen, Beteiligungsverfahren und Abwägungen widerstreitender Belange. Standardisierte Datenmodelle können die Verwaltung entlasten, doch die rechtlich gebotene Sorgfalt lässt sich nicht per Frist verordnen. Wer Verfahren wirklich verkürzen will, muss an die materiellen Anforderungen heran, nicht nur an deren digitale Verpackung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vieles davon ist nicht neu. Der prominent platzierte Gebäudetyp E, der ein rechtssicheres Abweichen von Normen und technischen Standards etwa bei Tiefgaragen erlauben soll, geht noch auf die Ampelkoalition zurück. Der zugehörige Gesetzentwurf soll laut Hubertz erst in diesem Jahr vom Bundesministerium der Justiz vorgelegt werden. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), bringt die Geduldsprobe auf den Punkt: Beim Gebäudetyp E sei bereits über ein Jahr dieser Legislaturperiode verloren gegangen. Er bewertet den Plan grundsätzlich positiv, fordert aber deutlich mehr Tempo und Ehrgeiz in der Umsetzung sowie kurzfristige finanzielle Anreize.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Beschleunigt die Digitalpflicht wirklich die Verfahren?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier zeigt sich die zentrale Schwäche des Plans. Ein digitaler Bauantrag beschleunigt nichts, solange die Genehmigungsbehörden personell unterbesetzt sind und jedes Bundesland eine eigene Bauordnung pflegt. Die Bayerische Bauordnung (BayBO) unterscheidet sich von der Bauordnung in Nordrhein-Westfalen oder Sachsen erheblich; ein bundesweit einheitlicher digitaler Antrag setzt eine Harmonisierung voraus, die der Aktionsplan nicht liefert. Digitalisierung ohne Verfahrensvereinfachung verlagert die Aktenberge lediglich auf den Server.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt der Datenschutz. Bauanträge enthalten regelmäßig personenbezogene Daten und sensible Grundstücksinformationen, deren Verarbeitung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) genügen muss. Wo zusätzliche Prüfschritte, Aufbewahrungsfristen und Nachweispflichten entstehen, kann Digitalisierung Verfahren sogar verlängern statt verkürzen. Beschleunigung gelingt nur, wenn die materielle Prüfdichte sinkt, nicht allein das Medium wechselt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch das serielle Bauen verdient einen nüchternen Blick. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) räumte selbst ein, dass erst rund zehn Prozent der Gebäude in Deutschland mit vorgefertigten Bauteilen errichtet würden. Kritikerinnen und Kritiker warnen, dass serieller Wohnungsbau für Verdichtung und Aufstockung in den Innenstädten kaum taugt und derzeit nicht einmal günstiger ist. Der von Hubertz beschworene Vergleich, ganze Wohnviertel rollten vom Fließband, weckt zudem ungute Erinnerungen an den industriellen Plattenbau; die architektonische und städtebauliche Qualität bleibt im Aktionsplan eine Leerstelle.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das für kleine und mittlere Planungsbüros?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Architektenschaft ist der Plan ein zweischneidiges Schwert. Einerseits eröffnet die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) bei standardisierten und seriellen Projekten weniger Spielraum für die volle Leistungstiefe; wo Gebäude faktisch aus dem Katalog kommen, schrumpft der Anteil planerischer Wertschöpfung. Andererseits verschiebt der Gebäudetyp E Verantwortung zurück zu den Entwerfenden: <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wer rechtssicher von einer Norm abweicht, braucht fundierte fachliche Begründung, saubere Dokumentation und ein waches Haftungsbewusstsein.</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Beides begünstigt eher das größere Büro mit eigener Rechtsabteilung als die kleine Partnerschaft. Hier wären berufspolitische Leitplanken der Bundesarchitektenkammer (BAK) und der Länderarchitektenkammern gefragt, etwa die Forderung, dass Standardisierung die Planungshoheit nicht aushöhlt, dass Haftungsrisiken beim Abweichen von Normen fair verteilt werden und dass Beschleunigung nicht zulasten der Baukultur geht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Unterbelichtet bleibt schließlich der Fachkräftemangel. Schnellere Verfahren und mehr Förderung erhöhen die Nachfrage nach Planungsleistungen, doch ohne qualifizierte Nachwuchskräfte in Büro und Bauamt verpufft jeder Beschleunigungseffekt. Eine ehrliche Wohnungsbaupolitik wäre stärker mit Nachwuchsförderung und der personellen Ausstattung der Bauverwaltung verzahnt; im Aktionsplan kommt dieser Zusammenhang kaum vor, obwohl die Branche genau davon abhängig ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der ehrliche Befund lautet: Der Aktionsplan ist weder reiner Aktionismus noch fertige Politik. Er benennt die richtigen Hebel, Kosten, Zeit und Verfahren, bleibt aber bei der Ausgestaltung vage und schiebt die entscheidenden Gesetzgebungsschritte in die Zukunft. Ein Papier, das überwiegend aus Absichtserklärungen und bereits bekannten Vorhaben besteht und auf einer Investorenkonferenz statt im Parlament präsentiert wird, ist zunächst ein politisches Signal. Ob daraus sinnvolle Politik wird, entscheidet sich nicht an der Zahl dreizehn, sondern an den Gesetzentwürfen, die noch in diesem Jahr folgen müssen. Andernfalls droht dem schönsten Plan das Schicksal so vieler Wohnungsbauoffensiven der vergangenen Jahre: viel angekündigt, wenig gebaut.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-13-punkte-plan-von-verena-hubertz-reformimpuls-oder-symbolpolitik/">Der 13-Punkte-Plan von Verena Hubertz: Reformimpuls oder Symbolpolitik?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Olivenhaine in Ostösterreich: Klimaanpassung oder Spinnerei?</title>
		<link>https://baukunst.art/olivenhaine-in-ostoesterreich-klimaanpassung-oder-spinnerei/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jun 2026 16:24:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaanpassung]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturlandschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Olivenanbau]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=16638</guid>

					<description><![CDATA[<p>Olivenhaine im Marchfeld und Burgenland: Der Verein Agro Rebels macht aus dem Klimawandel ein Anbauprogramm. Spinnerei oder ernsthafte Antwort? Ein Blick auf Recht und Landschaft.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/olivenhaine-in-ostoesterreich-klimaanpassung-oder-spinnerei/">Olivenhaine in Ostösterreich: Klimaanpassung oder Spinnerei?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art </strong>  |   Innovation   |   Ausgabe Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Grosses Experiment im Osten: Wie Österreich zum Olivenland werden könnte</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Klimaadaptive Landnutzung bezeichnet den planmäßigen Umbau landwirtschaftlicher Anbausysteme an veränderte Temperatur- und Niederschlagsregime. Genau dieses Prinzip verfolgt der Verein Agro Rebels, der seit 2019 den Anbau von Olivenbäumen in Österreich vorantreibt. Was zunächst nach südländischer Folklore im Marchfeld klingt, berührt handfeste Fragen der Raumordnung, des Bodenschutzes und des Sortenrechts. Die Olive ist hier weniger ein kulinarisches Versprechen als ein Testfall dafür, wie sich Kulturlandschaft unter dem Druck der Erwärmung neu ordnet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mitgegründet von Daniel Rössler und dem Physiker Markus Fink, versteht sich der Verein ausdrücklich als Reaktion auf den Klimawandel; auf der eigenen Website firmiert das Projekt unter dem Motto „powered by climate change“. Seit der ersten Pflanzung 2019/20 wurden nach Vereinsangaben rund 3.000 Bäume ausgesetzt, getestet wurden 25 Sorten aus fünf Ländern. Die Schwerpunkte liegen im Osten: im Marchfeld, im Burgenland, im niederösterreichischen Umland von Wien und im steirischen Vulkanland. Rund 30 Partnerbetriebe arbeiten mit, jährlich kommen etwa zehn hinzu.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Verein ist dabei nicht allein. Genossenschaftliche Strukturen wie die pannonische Olivenöl-Genossenschaft Pannolio wollen Anbau, Qualität und Vermarktung bündeln. Pioniere wie der Betrieb Olivenbuam im Seewinkel oder ein Quereinsteigerpaar im Südburgenland, das 2023 auf knapp einem Hektar rund 350 Bäume setzte, zeigen, dass die Idee über den Verein hinaus Anhängerinnen und Anhänger findet. Was als Forschungsprojekt begann, hat sich zu einer kleinen Bewegung verdichtet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum verschiebt der Klimawandel die Anbaugrenzen nach Mitteleuropa?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Grundlage des Projekts ist eine Verschiebung der Klimazonen. Prognosen, auf die sich Agro Rebels stützt, erwarten für Teile Österreichs bereits um 2030 Temperaturverhältnisse, wie sie heute in Südeuropa herrschen. Besonders betroffen sind Niederösterreich, Wien und das Burgenland, die schon jetzt die geringsten Niederschlagsmengen des Landes verzeichnen. Wo Getreide unter Trockenheit und Hitze an Ertrag verliert, soll die Olive eine Lücke füllen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Botanisch ist der Ansatz weniger abwegig, als er klingt. Die getesteten Sorten weisen eine Frosthärte von etwa minus zwölf bis minus fünfzehn Grad auf und überstehen damit milde Lagen im Osten. Die späte Blüte schützt vor Spätfrösten, der geringe Wasserbedarf passt zu trockenen Sommern, und karge Böden, auf denen klassische Kulturen kaum noch tragen, genügen dem Baum. Gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) kreuzt der Verein frostresistente mit ertragreichen Sorten, um einen heimischen Typ zu züchten. Bis Bäume nennenswert tragen, vergehen allerdings sieben bis neun Jahre; das erste rein österreichische Öl wird erst in kleinen Mengen erwartet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der wirtschaftliche Reiz ist beträchtlich. Österreich importiert nahezu sein gesamtes Olivenöl; der Pro-Kopf-Verbrauch lag 2018 bei rund 1,2 Litern und dürfte mit dem Trend zu pflanzlichen Fetten weiter steigen. Wer einen Teil dieser Nachfrage regional bedient, erschließt einen Markt, der bislang vollständig südeuropäischen Erzeugerinnen und Erzeugern gehört. Genau diese Importsubstitution ist das ökonomische Versprechen hinter dem Projekt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet der Olivenanbau für Raumordnung und Bodenschutz?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier beginnt die eigentlich planungsrelevante Dimension. Der Anbau selbst ist raumordnungsrechtlich unkompliziert: Olivenhaine bleiben landwirtschaftliche Nutzung und sind auf als Grünland gewidmeten Flächen zulässig, ohne dass eine Umwidmung nötig wäre. Das Burgenländische Raumplanungsgesetz 2019 (Bgld. RPG 2019) ordnet in § 15 die landwirtschaftlich genutzten Flächen dem Grünland zu; ein Wechsel der Feldfrucht verändert die Widmung nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heikler wird es bei den Bauten, die eine Wertschöpfungskette braucht. Ölmühlen, Press- und Lagergebäude sind im Grünland nur als privilegierte landwirtschaftliche Bauten zulässig, sofern sie einem konkreten Betrieb dienen und in Funktion sowie Dimension dem landwirtschaftlichen Zweck entsprechen. Sobald aus der Olivenproduktion ein verarbeitender oder touristischer Betrieb wird, etwa mit Verkostung und Direktvermarktung, verlässt das Vorhaben rasch den geschützten Rahmen und benötigt eine entsprechende Widmung. Wer in der Fläche dauerhaft baut, trifft auf dieselben Schranken wie jeder andere Betrieb.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die bodenpolitische Schlagseite des Projekts. Viele Haine entstehen auf Brachflächen, also auf Land, das zuvor nicht mehr ertragreich bewirtschaftet wurde. Das stellt die Olive in einen produktiven Gegensatz zur Bodenversiegelung, die das eigentliche Problem der österreichischen Raumordnung bleibt. Die Bodenstrategie für Österreich der Österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK, 2023) nennt als Zielwert eine Reduktion der Flächeninanspruchnahme auf 2,5 Hektar pro Tag. Eine Nutzung, die Brachen reaktiviert, statt Boden zu verbrauchen, fügt sich in dieses Ziel besser ein als manches Gewerbegebiet auf der grünen Wiese.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ungelöst ist die sortenrechtliche Frage. Bevor ein „österreichischer Olivenbaum“ kommerziell vertrieben werden darf, muss er in die Sortenliste eingetragen werden, die in Österreich die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) führt; auf Unionsebene regelt die Verordnung (EG) Nr. 2100/94 den gemeinschaftlichen Sortenschutz. Der Verein peilt die Eintragung vor Ende des Jahrzehnts an. Eine geschützte Ursprungsbezeichnung nach der Verordnung (EU) Nr. 1151/2012, wie sie etwa toskanisches Öl trägt, wäre der nächste, weit entfernte Schritt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ist der heimische Olivenhain Spinnerei oder belastbare Klimaanpassung?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die ehrliche Antwort lautet: noch keines von beidem abschließend. Für die Ernsthaftigkeit sprechen die wissenschaftliche Begleitung durch die BOKU, die regionale Streuung der Versuche und die schlichte Logik, dass sich Anbaugrenzen messbar nordwärts verschieben. Olivenhaine binden Kohlenstoff, brauchen kaum Bewässerung und bleiben über Jahrzehnte produktiv; als zusätzliches Standbein auf sonst unrentablen Lagen ergeben sie betriebswirtschaftlich Sinn.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zur Vorsicht mahnt zugleich mehreres. Die langen Vorlaufzeiten binden Kapital, ohne kurzfristigen Ertrag; ein einzelner harter Winter kann Bestände vernichten, wie ein früher Totalausfall in Kärnten zeigte. Dass Beratung durch den Verein und der Verkauf der Bäume über ein angeschlossenes Unternehmen laufen, verleiht dem Optimismus einen kommerziellen Beiklang. Und die Landwirtschaftskammer Oberösterreich warnte zuletzt, das öffentliche Bild mediterraner Kulturen verstelle den Blick auf die eigentliche Aufgabe: die Anpassung der bewährten Ackerkulturen an Hitze und Dürre. Eine Olive ersetzt keine Ackerbaustrategie.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Baukultur ist die Pointe weniger der Geschmack des Öls als die Veränderung des Landschaftsbildes. Wo silbrig-graue Haine die pannonische Ebene überziehen, verschiebt sich ein über Jahrhunderte gewachsenes Bild. Die Erklärung von Davos zur Baukultur (2018) zählt ausdrücklich auch die Landschaft zur gebauten Umwelt; nach diesem Verständnis ist ein neuer Olivengürtel ebenso ein baukulturelles Ereignis wie ein Stadtquartier. Kulturlandschaft ist gebaute Umwelt, und ihr Wandel verdient dieselbe planerische Aufmerksamkeit wie jeder Hochbau. Ob die Olive zur Folklore oder zur Infrastruktur der Klimaanpassung wird, entscheidet sich nicht an der Begeisterung einzelner Pionierinnen und Pioniere, sondern daran, ob Sortenrecht, Raumordnung und Marktnachfrage zusammenfinden. Spinnerei ist das Projekt jedenfalls nicht. Es ist ein Realexperiment mit offenem Ausgang, und gerade als solches gehört es ernst genommen.</p>
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		<title>Wie kühlt man Gebäude, ohne die Klimabilanz zu ruinieren?</title>
		<link>https://baukunst.art/wie-kuehlt-man-gebaeude-ohne-die-klimabilanz-zu-ruinieren/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jun 2026 16:12:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Bauteilaktivierung]]></category>
		<category><![CDATA[KI im Gebäudebetrieb]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaangepasstes Bauen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Steigende Temperaturen machen Kühlung zur Pflichtaufgabe der Baukultur. Welche Technologien Gebäude erträglich halten und warum künstliche Intelligenz den Unterschied macht.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art </strong>  |   Unterwegs   |   Ausgabe Juni 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Kühl wohnen trotz Rekordhitze: Was wirklich hilft</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Klimaangepasstes Bauen umfasst alle baulichen und technischen Maßnahmen, die ein Gebäude bei zunehmender Hitze kühl halten, ohne den Energiebedarf zu steigern. Mit der Häufung extremer Hitzeperioden wird diese Aufgabe zur zentralen Frage der Baukultur. Das Robert Koch-Institut (RKI) und das Umweltbundesamt (UBA) schätzen für die Sommer 2023 und 2024 jeweils rund 3.000 hitzebedingte Sterbefälle in Deutschland, in den Extremsommern 2018 und 2019 lag die Zahl bei jeweils etwa 7.000 (RKI/UBA, 2025). Besonders gefährdet sind Menschen über 75 Jahre mit Herz-Kreislauf-, Atemwegs- oder neurologischen Vorerkrankungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass sich das Problem mit angepassten Bauweisen entschärfen lässt, betont Silvia Öttl, Professorin am Department Smart Building Technologies des Management Center Innsbruck (MCI). Die nötigen Technologien seien längst vorhanden, würden gegen die sommerliche Überhitzung aber noch wenig genutzt. Anschauliches Beispiel ist die Wärmepumpe: Sie gewinnt in Neubau und Sanierung an Beliebtheit, kommt jedoch meist nur zum Heizen zum Einsatz.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum heizen sich Städte stärker auf als das Umland?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Versiegelte Flächen speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts nur langsam ab, weshalb Innenstädte zu Hitzeinseln werden. Fassadenbegrünungen setzen genau hier an und bringen laut Öttl einen doppelten Nutzen: Die Verschattung dämmt das Gebäude, während die Verdunstung das Mikroklima ringsum verbessert. Jeder Baum zähle, und überall, wo sich Natur zulassen lasse, solle man das auch tun.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gesetzgeber hat die Stoßrichtung längst aufgenommen. Das Baugesetzbuch verankert in § 1 Absatz 5 BauGB den Klimaschutz und die Klimaanpassung als ausdrücklichen Belang der Bauleitplanung, und das Bundes-Klimaanpassungsgesetz (KAnG), seit 1. Juli 2024 in Kraft, verpflichtet die Kommunen erstmals zu vorsorgenden Anpassungsstrategien. Begrünte Fassaden, entsiegelte Höfe und Stadtbäume sind damit nicht länger Kür, sondern Teil einer rechtlich eingeforderten Vorsorge. Architektinnen und Architekten gewinnen so ein Werkzeug, das Gesundheitsschutz und Gestaltung verbindet.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Haustechnik kühlt und heizt zugleich?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Wärmepumpe lässt sich ohne großen Mehraufwand auch zum Kühlen verwenden, etwa in Kombination mit einer Fußbodenheizung. Statt warmer Flüssigkeit zirkuliert dann kühle in den Rohren, nimmt Wärme aus dem Raum auf und transportiert sie ab. Vielen Bauherrinnen und Bauherren sei diese Möglichkeit gar nicht bewusst, so Öttl.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch weiter geht die Bauteilaktivierung, bei der die Masse von Betondecken oder -wänden selbst zur Speicherung und Abgabe von Wärme dient. Eingegossene Rohre führen eine Trägerflüssigkeit, die je nach Bedarf wärmt oder kühlt. Was lange als Nischentechnik galt, kommt nun verstärkt auch in der Sanierung an, etwa über vorgefertigte Fassadenelemente, die bereits entsprechend ausgestattet sind. Die thermische Trägheit der Speichermasse glättet Temperaturspitzen und senkt den Bedarf an aktiver Kühlung, ein Prinzip, das auch der sommerliche Wärmeschutz nach § 14 Gebäudeenergiegesetz (GEG) honoriert: Massive, schwere Bauweisen erhalten im Nachweisverfahren nach DIN 4108-2:2013-02 rechnerische Vorteile.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was leistet die Gebäudehülle gegen die Sommerhitze?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Verglasung entscheidet maßgeblich über den Wärmeeintrag. Die im Winter erwünschte Wärmeschutzverglasung hält Wärme im Haus, was im Sommer kontraproduktiv wirkt. Eine Sonnenschutzverglasung kehrt das Prinzip um: Tageslicht gelangt hinein, die aufheizende thermische Strahlung wird durch eine spezielle Beschichtung draußen gehalten. Schaltbare Verglasungen können beide Effekte kombinieren und den Lichtdurchlass dynamisch regeln, allerdings zu einem höheren Preis.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Reguliert wird dieser Bereich über § 14 GEG, der für Neubauten einen ausreichenden sommerlichen Wärmeschutz fordert. Der Nachweis erfolgt nach DIN 4108-2:2013-02, entweder über das vereinfachte Sonneneintragskennwertverfahren oder über eine thermische Gebäudesimulation, die für die drei Sommerklimaregionen A, B und C unterschiedliche Grenz-Raumtemperaturen zwischen 25 und 27 Grad Celsius zugrunde legt. Bei den hitzeresistenten Materialien erlebt ein alter Bekannter eine Renaissance: Holz. Es eigne sich grundsätzlich gut, müsse aber mit anderen baulichen Maßnahmen kombiniert werden, vor allem mit einer wirksamen Wärmedämmung, betont Öttl. Ein gut gedämmtes Haus verhindere nicht nur den Wärmeverlust im Winter, sondern halte im Sommer die Hitze draußen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wo liegt das größte Potenzial der künstlichen Intelligenz?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den größten Hebel sieht Öttl nicht in einer einzelnen Technologie, sondern in der intelligenten Vernetzung des Vorhandenen. Werden getrennte Systeme wie Wärmepumpe, Photovoltaikdach und elektrisch steuerbare Verschattung miteinander gekoppelt und aufeinander abgestimmt, lassen sich sommerliche Energiespitzen gezielt zum Kühlen nutzen oder die ohnehin anfallende Abwärme bestimmter Prozesse verwenden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier kommt die künstliche Intelligenz ins Spiel. Schon in der Planung könnte sie energetische Einsparpotenziale aufspüren, die sonst unentdeckt blieben. Vor allem im Betrieb spielt sie ihre Stärke aus, denn die Optimierung eines Gebäudes verlangt Datenauswertung, und gerade darin ist maschinelles Lernen leistungsfähig. Öttls aktuelle Forschung zielt genau dorthin: Im Projekt „Sunne&#8220; (Laufzeit 2025 bis 2028) entwickelt ihr Team datengetriebene digitale Zwillinge, die Wärmepumpen über Gebäude-Energie-Management-Systeme adaptiv und skalierbar steuern. Sensordaten moderner Verschattungssysteme schließen dabei eine bislang blinde Stelle im thermischen Gebäudeverhalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein nüchterner Befund bleibt: Zukunftsorientiertes Bauen erfordert höhere Investitionen, und die angespannte Lage der Bauwirtschaft bremst diese derzeit. Die Branche sei lange erfolgsverwöhnt gewesen und müsse aktuell sparen, so Öttl. Die Technologien gegen die Hitze sind vorhanden. Ob sie flächendeckend zum Einsatz kommen, entscheidet sich weniger an der Forschung als an der Bereitschaft, kurzfristige Baukosten gegen langfristige Klimafestigkeit abzuwägen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Kühldächer: Warum heller Anstrich Städte wirksamer kühlt als Stadtgrün</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 09:30:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Hitzeanpassung]]></category>
		<category><![CDATA[Kühldächer]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtklima]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gegen Hitze in der Stadt gilt Grün als erste Wahl. Eine Modellstudie aus London stellt diese Gewissheit infrage und kürt eine überraschend simple Maßnahme zur wirksamsten: den weißen Anstrich.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong> | Innovation | Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Das Missverständnis vom grünen Dach</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Kühldächer sind Dachflächen mit stark erhöhter Albedo, die einen Großteil der einfallenden Sonnenstrahlung reflektieren, statt sie als Wärme aufzunehmen. Eine im Juli 2024 in der Fachzeitschrift Geophysical Research Letters erschienene <strong><a href="https://agupubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1029/2024GL109634" target="_blank" rel="noopener">Modellstudie des University College London (UCL)</a></strong> kommt zu einem unbequemen Ergebnis: Unter neun gängigen Maßnahmen gegen städtische Hitze kühlt ausgerechnet die simpelste, der helle Anstrich, am stärksten, deutlich wirksamer als Gründächer, Stadtbäume oder Photovoltaik.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Team um Oscar Brousse von der UCL Bartlett School of Environment, Energy and Resources rechnete mit dem mesoskaligen Stadtklimamodell WRF BEP-BEM in einer Auflösung von einem Kilometer. Untersucht wurde die Region Greater London für die beiden heißesten Tage des Sommers 2018, den 26. und 27. Juli, in einem Sommer, der für das Vereinigte Königreich der wärmste seit Messbeginn war. Jede Intervention wurde zweifach betrachtet: einmal als theoretisches Maximum, flächendeckend über alle Gebäude hinweg, einmal als praktikable Variante im Rahmen des realen Gebäudebestands.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Maßnahme kühlt am stärksten?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Flächendeckend eingesetzte Kühldächer, modelliert mit einer Albedo von 0,85, senken die bodennahe Lufttemperatur stadtweit um durchschnittlich rund 1,2 Grad Celsius, lokal um bis zu 2 Grad. An den heißesten Stunden, wenn die räumlichen Mittelwerte 33 oder 37 Grad erreichen, fällt die Abkühlung mit 3,2 beziehungsweise 2,8 Grad noch deutlicher aus. Photovoltaik über die gesamte Stadt bringt im Mittel etwa 0,5 Grad, der Umbau von Grün- und Ackerflächen zu Laubbaumbestand rund 0,3 Grad. Gründächer aus Sedum schließlich verändern die Tagesmitteltemperatur praktisch nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Energetisch erklärt sich der Effekt sauber. Die erhöhte Albedo reduziert die aufgenommene kurzwellige Strahlung um etwa 50 Watt pro Quadratmeter, der Strom fühlbarer Wärme sinkt um rund 30 Watt pro Quadratmeter. Weniger Einstrahlung, weniger Aufheizung, kühlere Luft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum enttäuschen Gründächer im Mittel?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gründächer gelten als ökologischer Königsweg, doch die Londoner Rechnung differenziert. Tagsüber, zwischen 11 und 14 Uhr, kühlen sie die Umgebung um 0,5 bis 0,8 Grad. Nachts kehrt sich der Effekt um: Die thermische Masse des Aufbaus speichert die Tageswärme und gibt sie nach Sonnenuntergang wieder ab, was die Temperatur am frühen Morgen um rund 0,5 Grad anhebt. Über den Tag gemittelt bleibt kaum messbare Abkühlung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das schmälert den Wert begrünter Dächer nicht. Sie halten Regenwasser zurück, bieten Insekten und Vögeln Lebensraum und verbessern die Dämmwirkung. Als Instrument gegen nächtliche Hitze, die für gesundheitlich gefährdete Menschen besonders kritisch ist, taugen sie der Studie zufolge jedoch nur bedingt. Ähnlich ambivalent fällt das Urteil über Stadtbäume aus: Sie kühlen vor allem abends, erhöhen tagsüber aber über die Verdunstung den Wasserdampfgehalt der Luft. Die steigende Feuchte kann das Hitzeempfinden der Bewohnerinnen und Bewohner verschlechtern, selbst wenn das Thermometer sinkt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist der Befund zur Klimatisierung. Klimaanlagen verlagern Wärme aus dem Inneren nach außen und heizen den Straßenraum auf, stadtweit um 0,15 Grad, in der dichten Innenstadt um bis zu 1 Grad. Eine praktikabel ausgebaute Photovoltaik könnte den dafür nötigen Strom rechnerisch decken, ihre mittlere Leistung von 4,70 Megawatt läge knapp über dem mittleren Verbrauch der Klimageräte von 4,61 Megawatt. Die kühle Innenwelt erkauft sich also eine wärmere Außenwelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das für den Innovationsbegriff?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier wird die Studie für die Baukultur interessant. Sie modelliert Kühldächer bewusst als simpelsten Fall, als Beton mit hoher Albedo, und benennt selbst, dass jüngere technologische Entwicklungen nicht erfasst sind. Genau dort liegt das Innovationspotenzial. Passive Strahlungskühlung etwa, bei der spezielle Beschichtungen Wärme im sogenannten atmosphärischen Fenster direkt in den Weltraum abstrahlen, erreicht im Idealfall Oberflächentemperaturen unter der Umgebungsluft. Hochreflektive Anstriche, kombinierte Solar-Kühldach-Systeme oder schaltbare Materialien, die im Winter Wärme zulassen und im Sommer reflektieren, adressieren genau die Schwäche, die das Modell offenlegt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Denn der helle Anstrich hat eine Kehrseite. Im Winter reflektiert er auch jene Strahlung, die den Heizbedarf senken könnte. Die Autorinnen und Autoren betonen daher, dass Kühldächer mit guter Dämmung kombiniert gehören. Reflektierte Strahlung kann zudem benachbarte Fassaden aufheizen, und großflächig weiße Dachlandschaften werfen ästhetische wie denkmalpflegerische Fragen auf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie übertragbar sind die Ergebnisse auf deutsche Städte?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der städtische Wärmeinseleffekt wirkt in München, Köln oder Berlin nach denselben physikalischen Prinzipien wie in London. Mit dem Bundes-Klimaanpassungsgesetz (KAnG), das im Juli 2024 in Kraft trat, sind Länder und Kommunen zur Hitzevorsorge verpflichtet; das Baugesetzbuch verankert in § 1 Absatz 5 BauGB Klimaschutz und Klimaanpassung als Leitlinie der Bauleitplanung. Helle Dachflächen sind in diesem Rahmen ein technisch simples, kostengünstiges und sofort wirksames Werkzeug, das weder statische Ertüchtigung noch nennenswerten Pflegeaufwand verlangt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zugleich mahnt die Studie zur Vorsicht. Sie beruht auf einem einzigen Modell und nur zwei Hitzetagen, die berechneten Unterschiede liegen teils unter der Modellungenauigkeit. Eine im Oktober 2024 in Nature Cities veröffentlichte Anschlussarbeit desselben Forschungsumfelds bezifferte den möglichen Nutzen dennoch konkret: Flächendeckende Kühldächer hätten London im Hitzesommer 2018 um etwa 0,8 Grad gekühlt und schätzungsweise 249 hitzebedingte Todesfälle verhindert, knapp ein Drittel der damals registrierten Hitzetoten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die eigentliche Innovation liegt damit weniger im Material als in der Methode. Erstmals werden gängige Maßnahmen unter gleichen Bedingungen gegeneinander gestellt und ihre Wirkmechanismen physikalisch zerlegt. Das ersetzt das Bauchgefühl, Grün sei stets gut und Technik stets fragwürdig, durch eine belastbare Vergleichsgrundlage. Für Planerinnen und Planer verschiebt sich damit die Leitfrage: Nicht das sichtbarste, sondern das wirksamste Mittel sollte den Vorrang erhalten. Im überhitzten Sommer der Stadt ist das, zumindest tagsüber, ausgerechnet die unscheinbare helle Farbe auf dem Dach.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/kuehldaecher-warum-heller-anstrich-staedte-wirksamer-kuehlt-als-stadtgruen/">Kühldächer: Warum heller Anstrich Städte wirksamer kühlt als Stadtgrün</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Sichtbar, nicht entdeckt: Warum das Aussenbild eines Architekturbüros gestaltet werden muss</title>
		<link>https://baukunst.art/sichtbar-nicht-entdeckt-warum-das-aussenbild-eines-architekturbueros-gestaltet-werden-muss/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 07:31:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Fort- & Weiterbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Akquise]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturkommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Sichtbarkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein gutes Büro spricht durch seine Bauten. Doch wer es nicht kennt, begegnet ihm zuerst am Bildschirm. Über Sichtbarkeit als erlernbare Kompetenz. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/sichtbar-nicht-entdeckt-warum-das-aussenbild-eines-architekturbueros-gestaltet-werden-muss/">Sichtbar, nicht entdeckt: Warum das Aussenbild eines Architekturbüros gestaltet werden muss</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong> | Bildung | Marketing| Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Wenn Qualität unsichtbar bleibt: Die digitale Lücke der Architekturbüros</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Das Aussenbild eines Architekturbüros bezeichnet die Summe aller öffentlich wahrnehmbaren Signale, über die eine Bauherrschaft ein Büro findet, einordnet und als vertrauenswürdig bestätigt. Wer dieses Bild dem Zufall überlässt, verzichtet nicht etwa auf Werbung, sondern auf die Chance, im entscheidenden Moment überhaupt geprüft zu werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Lange galt Sichtbarkeit als nachrangiges Thema, beinahe als Makel. Ein gutes Büro, so die Annahme, spreche durch seine Bauten. Die Annahme stimmt, doch sie greift zu kurz. Bauten sprechen nur zu jenen, die sie kennen. Alle anderen begegnen einem Büro zuerst über einen Bildschirm. Damit wird das Aussenbild zur Schnittstelle zwischen fachlicher Substanz und ihrer Wahrnehmung, und seine Gestaltung zu einer Kompetenz, die sich erlernen lässt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum wird ein Büro online bestätigt und nicht entdeckt?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die verbreitete Vorstellung, Akquise funktioniere wie Werbung, hält der Praxis selten stand. Eine Bauherrschaft sucht kaum nach Entdeckung. Meist steht ein Name bereits im Raum, getragen von einer Empfehlung, einem Vortrag oder einem gebauten Projekt. Die anschließende digitale Recherche dient der Bestätigung, nicht der Suche. Aus dieser Beobachtung folgt ein Perspektivwechsel: Sichtbarkeit ist Verifikationsarbeit. Das Aussenbild muss dort belastbar sein, wo geprüft wird, also in der Google-Suche, in der Antwort eines KI-Systems und im öffentlichen Register der zuständigen Architektenkammer.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Verhalten der Bauherrschaft lässt sich als dreistufiger Vorgang beschreiben: auf die informelle Erstfindung über Empfehlung oder Begegnung folgt die digitale Sondierung, an deren Ende die institutionelle Verifikation über das Kammerregister steht. Jede Stufe hat ihren eigenen Ort und ihre eigene Sprache. Ein Aussenbild, das nur eine dieser Stufen bedient, bricht genau dort ab, wo die Entscheidung reift.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Belastbare Zahlen zu der Frage, über welchen Kanal Bauinteressierte ihr Büro finden, fehlen bislang. Die ACE Sector Study 2024 des Architects&#8216; Council of Europe beschreibt die wirtschaftliche Lage des Berufsstandes in Europa, eine repräsentative Untersuchung des Erstkontakts zwischen Bauherrschaft und Büro liegt jedoch nicht vor. Die Branche handelt insoweit auf Basis von Plausibilität und Erfahrungswissen. Gerade diese Lücke verleiht dem gestalteten Aussenbild Gewicht, denn wo gesicherte Daten fehlen, entscheidet der erste belastbare Eindruck.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Kompetenzen verlangt ein sichtbares Aussenbild?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sichtbarkeit ist eine Fähigkeit, keine Begabung. Sie lässt sich beschreiben, lehren und üben. Den Kern bildet die eigene Website, verstanden als Vertrauensdokument und nicht als Prospekt. International beachtete Büros wie OMA, BIG oder Snøhetta zeigen ein wiederkehrendes Muster: wenige Seitentypen, das Projekt zuerst, keine werblichen Versprechen auf der Startseite. Eine Projektseite, die Ausgangslage, Konzept und Besonderheit klar voneinander trennt, überzeugt mehr als jede Anpreisung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt die technische Auffindbarkeit. Neben die klassische Suchmaschinenoptimierung tritt die Generative Engine Optimization, also die gezielte Aufbereitung von Inhalten, damit Systeme wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity ein Büro korrekt benennen und zitieren. Beide Disziplinen verlangen handwerkliche Sorgfalt statt Marketingrhetorik. Wer seine Inhalte sauber strukturiert, mit eindeutigen Bezeichnungen und nachprüfbaren Angaben, erhöht die Wahrscheinlichkeit, in einer maschinell erzeugten Antwort als Quelle aufzutauchen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zur Auffindbarkeit tritt die aktive Darstellung. Sie folgt keiner Pflicht zur Dauerpräsenz, sondern einer einfachen Ordnung. Zwei Kanäle genügen in der Regel, einer für die fachliche Verifikation und einer für den Einblick in die Arbeit, ergänzt um einen Newsletter als algorithmusunabhängigen Draht ins eigene Netzwerk. Auch der öffentliche Vortrag zählt dazu: Kammertermine, Hochschulkritiken und Fach-Podcasts sind Bühnen, die andere bauen und die zugleich verifizieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der rechtliche Rahmen stützt diesen sachlichen Zugang. Die Berufsordnungen der Architektenkammern erlauben berufsbezogene und sachliche Werbung, untersagen jedoch irreführende und anpreisende Darstellung. Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) zieht eine zusätzliche Grenze. Eine sichtbare Selbstdarstellung, die auf Substanz beruht, steht damit im Einklang mit dem Berufsrecht. Wer hingegen Reichweite über die Grenzen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) hinweg einkauft, handelt sich Risiken ein, die den vermeintlichen Gewinn übersteigen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was lässt sich konkret lernen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">An dieser Stelle setzt der Lehrgang<a href="https://baukunst.art/kurse/marketing-12-akquisestrategie/" target="_blank" rel="noopener"> „<strong>Bauherren gewinnen: KI-gestützte Akquisestrategie für Architekturbüros“</strong></a> der Baukunst Akademie an. In vier Online-Modulen, jeweils donnerstags vom 9. bis 30. Juli 2026 von 17 bis 18.30 Uhr, entsteht ein zusammenhängender Akquiseplan. Das erste Modul klärt Markt und Positionierung, das zweite die Auffindbarkeit bei Google und in KI-Suchen, das dritte die proaktive Darstellung über LinkedIn und Instagram, das vierte die Präsentation und eine Planung über 180 Tage. Die Leitung übernimmt Carla Carlotta Stadler, Marketing- und Kommunikationsmanagerin, gemeinsam mit Stuart Stadler.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Prinzipien werden an bekannten Büros hergeleitet und am Münchner Büro oha architekten konkret durchgespielt, von der Haltung über die Website bis zum einzelnen Projekttext. Künstliche Intelligenz dient dabei als Werkzeug, nicht als Autor. Sie gibt Tempo bei Texten, Struktur und Bildaufbereitung, ersetzt aber weder das fachliche Urteil noch die eigene Haltung. Der Lehrgang umfasst acht Fortbildungspunkte, die von der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen anerkannt sind; Mitglieder anderer Kammern können sie in der Regel anrechnen lassen, sofern die jeweilige Kammer die Muster-Fortbildungsordnung der Bundesarchitektenkammer (BAK) umgesetzt hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert bleibt, dass diese Fähigkeit in der akademischen Ausbildung lange keinen Platz hatte. Entwurf, Konstruktion und Baurecht prägen das Studium, die Übersetzung der eigenen Arbeit in eine auffindbare Form dagegen kaum. So entsteht eine Generation gut ausgebildeter Architektinnen und Architekten, deren Qualität im Moment der Prüfung unsichtbar bleibt. Weiterbildung schließt hier eine Lücke, die das Studium offen lässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Aussenbild eines Büros lässt sich weder vollständig delegieren noch ein für alle Mal abschließen. Es verlangt eine Haltung, deren Übersetzung in Text, Bild und Struktur und die Bereitschaft, diese Übersetzung regelmäßig zu pflegen. Sichtbarkeit ersetzt keine Qualität. Unsichtbare Qualität jedoch bleibt im Moment der Entscheidung wirkungslos.</p>
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		<title>Der Klang, den niemand hört: Wie akustische Gesundheit zum Entwurfsparameter wird</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2026 15:47:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Akustische Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Raumakustik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Akustik ist mehr als hörbarer Komfort: Selbst unhörbarer Infraschall verändert Stimmung und Stresshormone. Warum Klang zum Entwurfsparameter wird, den die Architektur nicht länger ignorieren sollte.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-klang-den-niemand-hoert-wie-akustische-gesundheit-zum-entwurfsparameter-wird/">Der Klang, den niemand hört: Wie akustische Gesundheit zum Entwurfsparameter wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Innovation <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Klang an einem Ort ist wichtig für unser Wohlbefinden</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„Der Klang an einem Ort ist wichtig für unser Wohlbefinden.“ Dieser Satz beschreibt eine Verschiebung, die der Architektur eine neue Entwurfsdimension eröffnet: Klang wird vom nachträglichen Komfortthema zum gestalterischen Parameter, und zwar bis weit unter die Hörschwelle. Akustische Innovation bedeutet heute, nicht nur den hörbaren Schall zu beherrschen, sondern auch jene unhörbaren tieffrequenten Schwingungen, die Stimmung und Stresshormone messbar beeinflussen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Anstoß gibt eine im April 2026 in der Fachzeitschrift Frontiers in Behavioral Neuroscience veröffentlichte Studie. Das Team um Rodney Schmaltz an der kanadischen MacEwan University setzte 36 Probandinnen und Probanden Infraschall von etwa 18 Hertz aus, also Schall unterhalb der menschlichen Hörschwelle von rund 20 Hertz. Bei aktivem Infraschall stieg das im Speichel gemessene Stresshormon Cortisol signifikant an, die Teilnehmenden fühlten sich gereizter und bewerteten Musik als trauriger, ohne den Ton bewusst wahrzunehmen. Ein Nocebo-Effekt ließ sich ausschließen. Der Befund bestätigt ältere Beobachtungen: Der britische Ingenieur Vic Tandy hatte 1998 eine stehende Welle bei 19 Hertz als Ursache vermeintlicher Spukerlebnisse identifiziert, und ein Feldversuch des britischen National Physical Laboratory zeigte 2003, dass ein 17-Hertz-Ton bei 22 Prozent von rund 750 Konzertbesuchenden Beklemmung auslöste.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Warum wird Klang zum Entwurfsparameter?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Klang wird zum Entwurfsparameter, weil sich seine Wirkung auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit inzwischen belegen lässt. Lange galt Akustik als Disziplin der Nachbesserung, etwa wenn ein Großraumbüro zu hallig oder eine Wohnung zu hellhörig geriet. Die neue Forschung erweitert das Feld um eine unsichtbare Ebene, denn Räume wirken über den ganzen Körper, nicht nur über das bewusste Hören. Damit rückt die akustische Qualität auf eine Stufe mit Tageslicht, Raumluft und Temperatur, also mit jenen Faktoren, die Entwurf und Zertifizierung längst steuern. Der WELL Building Standard behandelt akustischen Komfort ausdrücklich als Faktor des Wohlbefindens, und auch das Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen (DGNB) bewertet die akustische Behaglichkeit. Wer Klang von Anfang an mitdenkt, gestaltet nicht nur angenehmere, sondern gesündere Räume.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Welche Werkzeuge erschließen den unhörbaren Bereich?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den unhörbaren Bereich erschließen vor allem neue Mess- und Simulationsverfahren. Tieffrequenter Schall lässt sich mit speziellen Mikrofonen und Beschleunigungssensoren erfassen, die langsame Druckänderungen registrieren, welche gewöhnliche Messtechnik überhört. In der Planung erlauben akustische Simulationen, die Eigenfrequenzen eines Raumes vorab zu berechnen, sodass kritische Resonanzen im Bereich um 18 bis 19 Hertz gar nicht erst entstehen. Tandys berüchtigter Korridor besaß genau die Länge, um eine solche stehende Welle aufzuschaukeln, ein Effekt, der sich heute am Modell vermeiden lässt. Auf der Bauteilebene entkoppeln elastische Lager Pumpen, Lüfter und Aufzüge schwingungstechnisch vom Tragwerk. Hinzu kommen digitale Monitoringsysteme, die tieffrequente Belastungen im Betrieb dauerhaft überwachen, vergleichbar mit Sensoren für Luftqualität. Aus einer diffusen Störquelle wird so eine planbare und messbare Größe.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das für Standards und Praxis?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Praxis folgt daraus, dass tieffrequenter Schall als eigenständige Größe in den Entwurf gehört. Die geltenden Regelwerke decken ihn nur teilweise ab. Die DIN 4109 (Schallschutz im Hochbau) und die DIN 18041 (Hörsamkeit in Räumen) zielen auf den hörbaren Bereich, die DIN 45680 (Messung und Bewertung tieffrequenter Geräuschimmissionen in der Nachbarschaft) sowie die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) setzen erst oberhalb deutlicher Belästigungsschwellen an. Die nun belegten subtilen Effekte unterhalb dieser Schwellen erfassen sie kaum. Hier liegt das eigentliche Innovationsfeld für Planungsbüros, die akustische Gesundheit zum Standard machen, statt auf eine Verschärfung der Normen zu warten. Erste Ansätze zeigen sich in Schulen, Kliniken und Bürobauten, in denen Lüftungs- und Klimatechnik bewusst leiser und entkoppelt geplant wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei aller Aufbruchstimmung ist Augenmaß nötig. Die Stichproben der vorliegenden Studien sind klein, die Effekte moderat, und nicht jede Befindlichkeit lässt sich auf Infraschall zurückführen. Die aufgeheizte Debatte um Infraschall durch Windkraftanlagen mahnt zur Vorsicht, denn das Umweltbundesamt (UBA) verweist darauf, dass dieser in üblichen Abständen unter der Wahrnehmungsschwelle bleibt. Innovation heißt hier nicht, ein neues Schreckgespenst zu erzeugen, sondern eine bislang übersehene Qualität nüchtern zu gestalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Baukultur eröffnet sich damit ein lohnendes Feld. Der Trend zu hoch technisierten, dicht gedämmten Gebäuden verlagert die Quellen tieffrequenter Schwingungen ins Innere, dorthin, wo Menschen schlafen, lernen und arbeiten. Wer den Klang eines Ortes als Teil seines Wohlbefindens versteht, gestaltet Architektur, die nicht nur gesehen, sondern im besten Sinne gespürt wird. Aus dem alten Schauer im Gemäuer wird so eine Frage moderner, gesundheitsorientierter Planung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-klang-den-niemand-hoert-wie-akustische-gesundheit-zum-entwurfsparameter-wird/">Der Klang, den niemand hört: Wie akustische Gesundheit zum Entwurfsparameter wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Der Schweizer Pavillion: Das unerledigte Geschäft des Zusammenlebens</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2026 15:11:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inspiration]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Pro Helvetia]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Pavillon]]></category>
		<category><![CDATA[Venedig-Biennale 2026]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hinter Giacomettis Backsteinmauern verhandelt eine sechsköpfige Gruppe, was Zusammenleben heute bedeutet. Ausgangspunkt: eine Schweizer Fernsehdebatte von 1978. Ein Pavillon als Echoraum.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-schweizer-pavillion-das-unerledigte-geschaeft-des-zusammenlebens/">Der Schweizer Pavillion: Das unerledigte Geschäft des Zusammenlebens</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Biennale <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Mai 2026</p>
<h1>Schweizer Pavillon, Biennale Venedig 2026</h1>
<p>61. Internationale Kunstausstellung, „In Minor Keys“, 9. Mai bis 22. November 2026</p>
<h3>Ein Pavillon aus Backstein und Erinnerung</h3>
<p>Rechter Hand, gleich nach dem Haupteingang zu den Giardini, steht der erste Bau, den die Biennale nach dem Zweiten Weltkrieg überhaupt errichten liess. Bruno Giacometti, jüngster Bruder Albertos und in Zürich tätig, entwarf den Schweizer Pavillon 1951 und 1952 als feingliedrige Anordnung asymmetrischer Volumen. Unverputztes Backsteinmauerwerk, ein baumbestandener Innenhof, ein shedüberdachter Saal für die Malerei, ein Skulpturensaal unter hauchdünnem Tonnendach, dazu ein Natursteinboden alla veneziana. Carlo Scarpa, der wenig später den benachbarten venezolanischen Pavillon plante, führte einen geradezu liebevollen Dialog mit diesem Bau; bis heute teilen sich die beiden als einzige eine gemeinsame Mauer.</p>
<p>In diese siebzig Jahre alte Architektur zieht 2026 ein Projekt ein, das nichts weniger verhandelt als die Frage, wer in einer Gesellschaft sprechen darf und wer gehört wird.</p>
<h3>„The Unfinished Business of Living Together“</h3>
<p>Erstmals bestimmte Pro Helvetia den Schweizer Beitrag über einen offenen Wettbewerb. Aus 140 eingereichten Projekten wählte die Jury eine sechsköpfige Gruppe: Gianmaria Andreetta, Luca Beeler, Nina Wakeford, Miriam Laura Leonardi, Lithic Alliance und Yul Tomatala. Das Konzept geht auf die Kuratierenden Andreetta und Beeler sowie die Künstlerin Wakeford zurück, künstlerisch entwickelt hat es die gesamte Gruppe.</p>
<p>Ihr Titel klingt nach offener Rechnung, und genau so ist er gemeint. „The Unfinished Business of Living Together“ begreift das Zusammenleben nicht als gelösten Zustand, sondern als fortlaufende Aushandlung. Bemühungen um gesellschaftlichen Wandel, so die These, konkurrieren noch immer mit etablierten Normen und mit institutionalisierten Systemen des Schweigens. Der Pavillon wird damit weniger zur Bühne fertiger Werke als zum Resonanzraum, in dem Stimmen, Perspektiven und Räume neu verteilt werden.</p>
<h3>Eine Fernsehdebatte als Resonanzraum</h3>
<p>Als historischen Ausgangspunkt wählt die Gruppe ein scheinbar randständiges Dokument: eine „Telearena“ des Schweizer Fernsehens von 1978, in der Fragen der sexuellen Orientierung kontrovers, mitunter schroff verhandelt wurden. Homosexualität dient hier nicht als Thema im engeren Sinn, sondern als historisch präzises Vergrösserungsglas. An ihm lässt sich studieren, wie soziale Normen festlegen, wessen Rede als legitim gilt.</p>
<p>Von dort spannt das Projekt einen weiten Bogen: zu staatlichen Sicherheitsinteressen, die Überwachung rechtfertigen, zu Moralpaniken rund um die Kernfamilie, zu jenen wiederkehrenden Mustern, in denen Andersartigkeit zur Bedrohung der gesellschaftlichen Ordnung erklärt wird. Ein Archiv von 1978 wird so zur Gegenwartsdiagnose, ohne den Zeigefinger zu heben. Die Gruppe formuliert das als Frage, die sich die Besucherinnen und Besucher selbst stellen sollen: Wann und wo passiert das hier eigentlich, und welche Autorität besitzt dieses Archiv?</p>
<h3>Polyphonie statt Solostimme</h3>
<p>Auffällig ist die Konstruktion des Beitrags selbst. Sechs Beteiligte aus der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz sowie aus London, verschiedene Generationen, unterschiedliche Praxen von Skulptur über Performance bis zur kollektiven Recherche. Das Ergebnis ist kein Werk mit Urheberschaft, sondern eine Versuchsanordnung, in der mehrere Stimmen nebeneinander bestehen, ohne sich zu einer einzigen zu glätten.</p>
<p>Das passt zur Formensprache der Schau, die sich abzeichnet: weniger die monumentale Geste, mehr das Gefüge aus Fragment, Ton und Bewegung. Giacomettis abwechselnd offene und nach innen gewandte Räume kommen einer solchen Dramaturgie entgegen. Wo das Tonnendach das Licht filtert und der Innenhof die Lagune ahnen lässt, entsteht beinahe von selbst jene Abfolge aus Verdichtung und Weite, die ein vielstimmiges Projekt benötigt.</p>
<h3>Im Zeichen einer Abwesenheit</h3>
<p>Über der gesamten 61. Kunstbiennale liegt das Motto „In Minor Keys“, entworfen von Koyo Kouoh. Die kamerunisch-schweizerische Kuratorin, in Douala geboren, im Aargau aufgewachsen, zuletzt Direktorin des Zeitz MOCAA in Kapstadt, hätte als erste Frau vom afrikanischen Kontinent die Schau leiten sollen. Sie starb im Mai 2025 unerwartet in Basel. Die Biennale führt ihr Projekt mit Unterstützung der Familie und des Teams posthum aus.</p>
<p>Kouohs Programm ist eine Einladung, einen Gang zurückzuschalten und auf die leisen Tonarten zu hören, auf das Emotionale, Sinnliche, Beziehungshafte. Der Schweizer Beitrag fügt sich darin ein, ohne in Sanftheit zu verfallen. Eine leise Tonart kann auch ein Verhör von 1978 sein, das nachhallt. Dass eine Kuratorin mit tiefen Schweizer Wurzeln das Vorzeichen setzt, unter dem dieser Pavillon nun erklingt, ist eine jener Fügungen, die das Programm fast überdeutlich kommentieren.</p>
<h3>Schöne Mauern, offene Fragen</h3>
<p>Bleibt eine kritische Notiz, die der Beitrag selbst nahelegt. Die Architekturbiennale 2025 erinnerte mit dem Kollektiv Annexe daran, dass kein einziger Länderpavillon der Giardini von einer Architektin gebaut wurde. Ein Projekt, das Ausgrenzung und das Recht zu sprechen verhandelt, agiert also in einem Gehäuse, dessen Entstehungsgeschichte exakt jene Hierarchien spiegelt, die es befragt. Darin liegt keine Schwäche, sondern eine produktive Reibung. Die Mauern aus Sichtbackstein sind schön, und sie sind nicht unschuldig.</p>
<p>Genau diese Spannung macht den Beitrag interessant. Er sucht das Atmosphärische nicht als Beruhigung, sondern als Methode. Wo andere Pavillons Haltung behaupten, organisiert dieser ein Zuhören. Ob daraus mehr wird als ein elegant inszeniertes Unbehagen, entscheidet sich erst vor Ort, zwischen dem 9. Mai und dem 22. November 2026. Das unerledigte Geschäft, so viel ist sicher, bleibt vorerst unerledigt. Vermutlich ist das die ehrlichste Antwort, die ein Pavillon geben kann.</p>
<h3>Leserinformation</h3>
<p>Beitrag: „The Unfinished Business of Living Together“</p>
<p>Kunstschaffende: Gianmaria Andreetta (Lugano/Berlin), Luca Beeler (Zürich), Nina Wakeford (London), Miriam Laura Leonardi (Zürich), Lithic Alliance (Zürich/Brüssel), Yul Tomatala (Genf)</p>
<p>Auftraggeberin: Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia (Katharina Brandl, Sandi Paucic, Rachele Giudici Legittimo); Direktion: Philippe Bischof</p>
<p>Auswahl: erstmals über offenen Wettbewerb, 140 eingereichte Projekte</p>
<p>Pavillon: Schweizer Pavillon, Giardini, erbaut 1951/52 von Bruno Giacometti (1907 bis 2012)</p>
<p>Rahmen: 61. Internationale Kunstausstellung „In Minor Keys“, kuratiert von Koyo Kouoh (1967 bis 2025), posthum realisiert</p>
<p>Laufzeit: 9. Mai bis 22. November 2026</p>
<p>Links: http://prohelvetia.ch , http://labiennale.org</p>
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		<title>Die belastete Adresse: Wie Geschichte Immobilienwerte formt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 May 2026 07:39:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie beeinflussen Geschichte und Stigma den Wert einer Immobilie? Vom Spukhaus zum NS-Bau: ein Essay über belastete Adressen und die Rolle der Architektur.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Gesellschaft <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Mai 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Mauern haben ein Gedächtnis</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Vom Spukhaus zum Speer-Bau: Wie Geschichte den Wert und das Schicksal von Immobilien formt</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es gibt Häuser, die niemand kaufen will, und solche, deren Geschichte sich nicht abreißen lässt. Vom Suizid im Treppenhaus bis zur Villa eines NS-Funktionärs: Immobilien tragen Erinnerung, ob es ihren Eigentümerinnen und Eigentümern gefällt oder nicht. Wie wirkt sich diese unsichtbare Last auf Wert, Nutzung und Verantwortung aus? Und welche Rolle spielen Architektinnen und Architekten, wenn ein Bauwerk mehr Geschichte trägt als Substanz?</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Beeinflusst die Geschichte einer Immobilie ihren Wert?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Immobilie ist nie nur ein Bauwerk. Sie ist ein Stück Stadt, ein Stück Biografie, manchmal ein Stück Schande. Käuferinnen und Käufer entscheiden selten allein nach Quadratmetern und Substanz. Sie kaufen auch eine Adresse, eine Nachbarschaft, eine Erzählung. Und wenn diese Erzählung belastet ist, fällt der Preis. Manchmal um Prozente, manchmal um die Hälfte, manchmal so weit, dass sich kein Käufer mehr findet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Belastung muss dabei nicht historisch verbürgt sein. Es genügt, dass sie geglaubt wird. Ein Suizid, ein Tötungsdelikt, ein zugesprochener Spuk wirken wirtschaftlich, weil sie den Kreis der potenziellen Käuferinnen und Käufer verkleinern. Wer sich auf die Verhandlung einlässt, weiß das und kalkuliert es ein.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was sagt das deutsche Recht zur Stigmatisierung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Juristisch ist die Lage in Deutschland klar und gleichzeitig unbefriedigend. Ein Suizid, ein Tötungsdelikt, ein vermuteter Spuk berühren die physische Beschaffenheit einer Immobilie nicht und gelten daher nach herrschender Meinung nicht als Sachmangel im Sinne des § 434 BGB. Der Bundesgerichtshof hat das in mehreren Entscheidungen bestätigt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aufgeklärt werden muss aber, wer gefragt wird. Eine arglistige Täuschung beim Verkauf führt zur Rückabwicklung, selbst dann, wenn der Mangel nur in den Köpfen existiert. Einige Instanzgerichte gehen weiter und verlangen bei besonders schweren Vorfällen, etwa Mehrfachmord, eine Offenbarung auch ohne Nachfrage. Wertgutachten nach ImmoWertV erfassen das Phänomen ohnehin nicht. Was zwischen Verkehrswert und Verkaufspreis liegt, ist Verhandlung, nicht Methodik.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie gehen andere Länder mit belasteten Immobilien um?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im internationalen Vergleich wirkt der deutsche Markt fast gelassen. In Hongkong werden Wohnungen, in denen jemand unnatürlich gestorben ist, als „Hongza&#8220; (凶宅) in eigenen Datenbanken geführt. Der Abschlag liegt regelmäßig zwischen zwanzig und vierzig Prozent, in Einzelfällen höher. In Japan firmiert Vergleichbares unter „jiko bukken&#8220; (事故物件), mit Offenlegungsrichtlinien des Verkehrsministeriums und deutlich niedrigerer Miete. In vielen US-Bundesstaaten ist die Disclosure für „stigmatized properties&#8220; gesetzlich vorgeschrieben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der deutsche Pragmatismus wirkt dagegen wie eine ungeschriebene Übereinkunft, das Thema möglichst nicht zu groß werden zu lassen. Das hat Vorteile, weil es Spekulationen über Verkaufsobjekte begrenzt. Es hat Nachteile, weil es Käuferinnen und Käufer im Unklaren lässt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was passiert mit Bauten von NS-Größen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die schwerere Frage beginnt dort, wo die belastete Geschichte nicht mehr persönlich, sondern kollektiv ist. Hitlers Geburtshaus in Braunau wurde nach Jahrzehnten juristischen Tauziehens 2016 von der Republik Österreich enteignet und zur Polizeidienststelle umgebaut. Bewusst, um die symbolische Aufladung zu neutralisieren. Der Berghof am Obersalzberg wurde 1952 gesprengt, das Gelände später überformt. Carinhall, das Jagdhaus Hermann Görings, sprengte die Wehrmacht selbst noch im Krieg. Rudolf Heß wohnte in einer Pullacher Villa, auf deren Gelände heute der Bundesnachrichtendienst sitzt. Das Haus der Wannsee-Konferenz dagegen wurde nicht ausgelöscht, sondern musealisiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jede dieser Entscheidungen ist eine politische Setzung, keine bautechnische. Abriss, Umnutzung, Gedenkstätte, schlichte Weiternutzung: alle vier Wege sind begangen worden, und keiner ist neutral. Hinzu kommt das marktwirtschaftliche Problem. Auch unterhalb der prominenten Beispiele gibt es zehntausende Häuser, die einst arisiert wurden, Funktionärsfamilien beherbergten oder im Auftrag der NSDAP entstanden. Die offenen Restitutionsfragen belasten Verkehrswerte bis heute. Der Käuferkreis sortiert sich selbst aus, sobald die Geschichte bekannt wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wer kauft ein belastetes Haus?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau hier liegt die unangenehme Asymmetrie. Während sich seriöse Interessentinnen und Interessenten zurückziehen, steigt das Risiko, dass sich die falsche Klientel meldet. Rechtsextreme Pilger, ideologische Erbschleicher, Investoren mit Inszenierungsabsicht. Kommunen und Länder reagieren darauf seit Jahren defensiv. Vorkaufsrechte werden gezogen, Verkäufe scheitern an Auflagen, Liegenschaften werden lieber öffentlich gehalten als am Markt platziert. Es ist eine stille Form der Geschichtspolitik mit den Mitteln des Liegenschaftsrechts.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Rolle spielen Architektinnen und Architekten?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für unseren Berufsstand entsteht daraus eine Aufgabe, die mit klassischer Baukunst wenig zu tun hat. Wer ein belastetes Bauwerk saniert, umnutzt oder kontextualisiert, betreibt Erinnerungsarbeit mit baulichen Mitteln. Das Ordensburg-Gelände Vogelsang in der Eifel ist dafür das instruktivste Beispiel: ein architektonisch hochwertiger NS-Bau, der seit zwei Jahrzehnten konsequent sichtbar gemacht statt versteckt wird. Die alten Reliefs bleiben. Die neuen Texttafeln daneben sprechen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Tendenz der letzten zwanzig Jahre geht klar weg vom Verdrängen, hin zur sichtbaren Kontextualisierung. Das gilt nicht nur für NS-Bauten. Es gilt auch für DDR-Funktionsbauten, für koloniale Verwaltungssitze, für Sakralbauten, deren Gemeinde verschwunden ist. Architektur ist nie eine ahistorische Hülle. Sie ist immer ein Speicher.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt vom belasteten Haus?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Ende stellt sich die schlichte Frage. Was machen wir mit Häusern, deren Geschichte größer ist als ihre Substanz? Drei Antworten haben sich etabliert. Abriss als Befreiung, Musealisierung als Pflicht, Umnutzung als Pragmatismus. Die vierte Antwort, schlicht weiterbewohnen, als sei nichts geschehen, wird gesellschaftlich immer schlechter akzeptiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis. Eine Immobilie ist nie nur eine Ware. Sie ist eine Verbindlichkeit gegenüber dem, was war. Wer kauft, übernimmt nicht nur Substanz, sondern auch Erzählung. Wer baut, schreibt an dieser Erzählung mit. Und wer abreißt, löscht nicht selten mehr, als ihm lieb ist.</p>
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		<title>Wenn Häuser können, was Bilder fordern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 17:26:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Editorial]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Ausstellung Mai 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[DACH-Raum]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sechs Ausstellungen zwischen Wien, Zürich und Deutschland zeigen, was Museumsarchitektur leistet. Eine siebte, das Pergamonmuseum, zeigt, was sie kostet.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art</strong> | Editorial | Mai 2026<br />
Lesezeit 12 Minuten</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was Baukunst kann. Sechs Museumsbauten und ein Großprojekt im Vergleich</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Sechs Ausstellungen zwischen Wien, Zürich und der deutschen Museumslandschaft machen sichtbar, was Architektur leistet. Eine siebte, das Pergamonmuseum, zeigt, was sie kostet.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es ist Zufall, aber er trägt. Wer im Mai 2026 zwischen Hamburg und Duisburg, zwischen Kassel und Remagen, zwischen Frankfurt und Köln pendelt, kann an einem einzigen Wochenende erleben, was sonst nur in der Theorie behauptet wird. Dass ein Museum nicht Behälter ist, sondern Gesprächspartner. Dass Architektur und Werk einander erst etwas abgewinnen müssen, bevor eine Ausstellung tatsächlich stattfindet. Und dass die deutsche Museumslandschaft in diesem Frühjahr eine bemerkenswerte Reibung produziert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In sechs Häusern laufen gleichzeitig Schauen, die ihr jeweiliges Gebäude unter Druck setzen. Yayoi Kusamas Polka Dots treffen im Museum Ludwig auf das 10,80-Meter-Raster von Busmann und Haberer. Die Wiener Malerin Maria Lassnig hängt in Hamburg neben Edvard Munch, gerahmt von Oswald Mathias Ungers&#8216; weißem Würfel und kuratiert in Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich. Anish Kapoor stellt seine spiegelnden Skulpturen in den Sichtbetonschalen Manfred Lehmbrucks aus. Günther Uecker, in seiner letzten Schau, steht im Arp Museum zwischen dem klassizistischen Bahnhof Rolandseck und Richard Meiers Purismus auf der Rheinhöhe. In Kassel zeigt Hessen Kassel Heritage Rembrandts Markenwerdung in einem Schloss, das selbst Marke war. Und im Frankfurter Städel hängt Monets Étretat unter den 195 runden Oberlichtern der unterirdischen Gartenhalle von schneider+schumacher.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sechs Häuser, sechs Epochen, sechs kuratorische Antworten auf dieselbe Frage. Und einmal sogar eine echte DACH-Klammer: Hamburg zeigt Lassnig aus der Wiener Stiftung neben Munch aus Oslo, konzipiert mit Zürich. Was wie ein deutsches Frühjahr aussieht, ist tatsächlich ein deutschsprachiges.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was unterscheidet einen Behälter von einem Resonanzraum?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Frage ist nicht akademisch. Sie entscheidet darüber, ob ein Museum Baukunst ist oder Infrastruktur. Wer Ungers&#8216; Galerie der Gegenwart durchquert und vor Lassnigs „Mit einem Tiger schlafen&#8220; steht, erfährt etwas, das in keinem Lehrbuch über Museumsbau steht. Die Strenge des Hauses behauptet sich nicht gegen das Bild, sie verlangt vom Bild eine Antwort. Wer in Duisburg von der eingegrabenen Lehmbruck-Halle in die stützenfreie Glashalle wechselt und dort Kapoors S-Kurven sieht, erlebt zwei gegensätzliche Raumkonzepte als gleichberechtigte Stimmen. Die Architektur nimmt sich nicht zurück, sie spricht mit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau das ist die Pointe des Mai-Programms. Häuser, die in der Architekturkritik oft als zu streng (Ungers), zu eigenwillig (Busmann und Haberer), zu introvertiert (Lehmbruck) oder zu purem Manifest (Meier) beschrieben werden, erweisen sich in dieser Saison als robuster, als ihre Kritiker behaupten. Sie tragen Werke, die ihre ästhetischen Voraussetzungen in Frage stellen, und gehen dabei nicht unter. Im Gegenteil. Sie werden lesbar.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was zeigt das Pergamonmuseum, das die anderen nicht zeigen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während sechs Häuser im Frühjahr 2026 vorführen, wie Architektur und Werk miteinander sprechen, hebt ein siebtes die Frage auf eine andere Ebene. <strong><a href="https://baukunst.art/das-pergamonmuseum-berlins-ewige-baustelle/" target="_blank" rel="noopener">Das Pergamonmuseum</a> </strong>auf der Berliner Museumsinsel ist seit Oktober 2023 vollständig geschlossen. Die Sanierung läuft bis 2037. Vierundzwanzig Jahre für ein Haus, das in seinen besten Jahren zu den meistbesuchten Museen Deutschlands gehörte. Eineinhalb Milliarden Euro vom Bund. Ein Bauabschnitt im Dezember 2025 fertig, der nächste begonnen, der dritte ohne belastbares Datum.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage ist hier nicht mehr, wie ein Haus ausstellt. Sondern ob es überhaupt noch ausstellt, bevor eine ganze Architektenkarriere zu Ende geht. Wer 2013 als Berufseinsteiger den ersten Spatenstein miterlebt hat, kann zur vollständigen Wiedereröffnung im Vorruhestand stehen. Das ist keine Anekdote, sondern eine baukulturelle Diagnose. Wo das einzelne Haus in Hamburg, Köln oder Duisburg sein Profil schärft, verliert das Großprojekt in Berlin den Begriff des Provisoriums.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vielleicht ist genau das die Lehre des Mai 2026. Museumsbau gelingt nicht in der Größe, sondern in der Schärfe.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was lohnt sich zu sehen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer einen Tag hat, fährt nach <strong><a href="https://baukunst.art/polka-dots-im-sheddach-wenn-kusamas-kunst-die-architektur-von-busmann-haberer-befragt/" target="_blank" rel="noopener">Köln</a></strong> und <strong><a href="https://baukunst.art/anish-kapoor-im-lehmbruck-museum-wenn-skulptur-die-nachkriegsmoderne-befragt/" target="_blank" rel="noopener">Duisburg</a></strong>. Zwei Häuser der 1980er Jahre, zwei Skulpturen-Positionen, eine Stunde Bahnfahrt. <a href="https://baukunst.art/polka-dots-im-sheddach-wenn-kusamas-kunst-die-architektur-von-busmann-haberer-befragt/" target="_blank" rel="noopener">Kusama</a> gegen <a href="https://baukunst.art/anish-kapoor-im-lehmbruck-museum-wenn-skulptur-die-nachkriegsmoderne-befragt/" target="_blank" rel="noopener">Kapoor</a>, Sheddach gegen Sichtbeton. Wer ein Wochenende hat, kombiniert <strong><a href="https://baukunst.art/zwei-marken-zwei-haeuser-wie-hessen-2026-rembrandt-und-monet-inszeniert/" target="_blank" rel="noopener">Kassel</a></strong> und <strong><a href="https://baukunst.art/zwei-marken-zwei-haeuser-wie-hessen-2026-rembrandt-und-monet-inszeniert/" target="_blank" rel="noopener">Frankfurt</a></strong>. Klassizismus und unterirdische Lichthalle, Rembrandt und Monet, der Vergleich zweier Inszenierungskulturen inklusive. Wer die lange Strecke wählt, nimmt <strong><a href="https://baukunst.art/zwei-leben-ein-weisser-wuerfel/" target="_blank" rel="noopener">Hamburg</a></strong> und <strong><a href="https://baukunst.art/verletzlichkeit-zwischen-klassizismus-und-stahlbeton-uecker-im-arp-museum/" target="_blank" rel="noopener">Rolandseck</a></strong>. Ungers&#8216; Würfel und Meiers Tunnel als Eckpunkte einer westdeutschen Museumsgeschichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Leserinnen und Leser in Österreich und der Schweiz ist die <strong><a href="https://baukunst.art/zwei-leben-ein-weisser-wuerfel/" target="_blank" rel="noopener">Hamburger Scha</a>u</strong> ohnehin der direkteste Anker. Sie ist eine Kooperation des Kunsthauses Zürich, sie zeigt eine Wiener Malerin, sie ist die einzige Station, die das DACH-Spektrum in einer einzigen Ausstellung zusammenbindet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bleibt der Hinweis auf Berlin. Wer die Mschattafassade sehen will, muss noch elf Jahre warten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Der Pavillon als Kläranlage: Eine Architektur, die ihre eigene Logik unterläuft</title>
		<link>https://baukunst.art/der-pavillon-als-klaeranlage-eine-architektur-die-ihre-eigene-logik-unterlaeuft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 May 2026 13:25:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inspiration]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Pavillon-Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Performance-Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Venedig-Biennale]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=16102</guid>

					<description><![CDATA[<p>„Seaworld Venice" verwandelt den Österreichischen Pavillon in Vergnügungspark, Sakralbau und Klärwerk zugleich. Florentina Holzinger denkt Venedig vom Wasser her neu.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-pavillon-als-klaeranlage-eine-architektur-die-ihre-eigene-logik-unterlaeuft/">Der Pavillon als Kläranlage: Eine Architektur, die ihre eigene Logik unterläuft</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Baukunst.art | </b>Inspiration /Biennale di Venezia  | Mai 2026<br />
<strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Veröffentlichungsdatum:</strong> 11. Mai 2026<br />
<strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Lesezeit:</strong> ca. 7 Minuten</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektur als Stoffwechsel: der österreichische Beitrag in Venedig</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In den Giardini steht ein Pavillon, der seine Form gegen sich selbst wendet. Der österreichische Bau, 1934 nach Plänen von Josef Hoffmann und Robert Kramreiter errichtet, 1984 von Hans Hollein restauriert, denkmalgeschützt, präsentiert sich gewöhnlich als kühles, helles Kabinett. Klare Achsen, getragene Symmetrie, eine Architektur, die das Ausgestellte rahmt. Florentina Holzinger und ihre Kuratorin Nora-Swantje Almes haben dieses Verhältnis umgekehrt. Unter dem Titel „Seaworld Venice&#8220; verwandelt sich der Pavillon in eine Apparatur, die ihn buchstäblich verzehrt. Die Architektur dient nicht mehr als Bühne. Sie ist Substrat geworden, Filter, Tank, Reservoir. Wer eintritt, bewegt sich nicht durch eine Ausstellung, sondern durch die Eingeweide eines Organismus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Idee ist gleichermaßen einfach und konsequent. Zwei mobile Toiletten am Eingang sammeln den Urin der Besucherinnen und Besucher. Diese Flüssigkeit zirkuliert durch ein System aus Becken, Schläuchen und Pumpen, das der Tidenrhythmik der venezianischen Lagune nachgebildet ist. In den Tanks halten sich nackte Performerinnen auf, deren Lebensraum die Ausscheidungen anderer bilden. Der Pavillon ist Vergnügungspark, Sakralbau und Klärwerk in einem.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wasser als Material und Metapher</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wasser bildet den Stoff dieser Arbeit auf jeder Ebene. Es trägt, hebt, dringt ein, verdampft, riecht. Es ist Lebensgrundlage und Bedrohung in einer Stadt, die sich seit Jahrhunderten gegen das Adriatische Meer behauptet und seit Jahrzehnten gegen es verliert. Holzinger nimmt diese doppelte Bewegung ernst. Ihr Pavillon zeigt eine Zukunft, in der das Festland verschwunden ist, in der Mensch und Technik so verflochten sind, dass ein einziger Steuerungsfehler das System zum Kippen bringt. Eine Performerin hängt kopfüber in einer großen Bronzeglocke und schlägt sie als Klangkörper. Auf einer Wetterfahne balancieren Akteurinnen, ein Jetski zieht Kreise und zitiert das touristische Treiben, das Venedig zugleich nährt und auszehrt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Bilder wirken sinnlich, aber nicht dekorativ. Sie funktionieren, weil sie sich an konkretem Material abarbeiten. Bronze, Stahl, Wasser, Kunststoff, Haut. Der Materialkanon entstammt nicht der Galerie, sondern der Werft, der Sanitärtechnik, dem Stuntwesen. Genau hier verschiebt sich die Ästhetik des Pavillons. Das Sakrale entsteht nicht aus Dekor, sondern aus der Würde technischer Notwendigkeit. Die Glocke läutet nicht symbolisch. Sie läutet, weil eine Performerin sie zum Klingen bringt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine andere Linie der österreichischen Kunstgeschichte</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Holzinger, geboren 1986 in Wien, kommt aus dem Tanz, aus dem Theater, aus einem Genre, das mit den klassischen Galeriekategorien lange wenig zu tun hatte. Ihre Stücke „Tanz&#8220; (2019), „Ophelia&#8217;s Got Talent&#8220; (2022) und die Oper „Sancta&#8220;, deren Stuttgarter Aufführungen 2024 achtzehn Zuschauerinnen und Zuschauer in ärztliche Behandlung brachten, haben ihren Ruf als Künstlerin eines extremen, körperlich präzisen Bühnenrealismus begründet. Mit „Seaworld Venice&#8220; greift sie nun in die Codes des Kunstbetriebs ein, ohne ihre Mittel zu ändern. Der Pavillon wird zur Bühne, auf der sieben Monate lang gespielt wird. Performerinnen halten den Raum durchgehend bespielt, von der Eröffnung am 9. Mai bis zum Schluss am 22. November.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Almes verortet die Arbeit in einer doppelten Tradition. Einerseits in der Linie des Wiener Aktionismus der 1960er und 1970er Jahre, andererseits in der feministischen Body Art. Diese Verortung ist nicht harmlos. Der Aktionismus war eine zutiefst männlich dominierte Bewegung, deren ikonische Bilder oft auf Kosten weiblicher Körper entstanden sind. Holzinger wendet die Werkzeuge dieser Tradition gegen sie selbst. Die Verletzung wird zur Dramaturgie, der Schock zum Eintritt, das Spektakel zum Lockmittel für das, was darunter liegt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Pavillon als Versuchsanordnung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus architektonischer Sicht ist die radikalste Geste in „Seaworld Venice&#8220; nicht die Performance, sondern der Eingriff in das Gebäude selbst. Ein denkmalgeschützter Pavillon, der mit einer fest installierten Sanitärinfrastruktur überzogen wird, mit Pumpen, Schläuchen, Tanks und einer funktionierenden Kläranlage, das ist ein Vorgang, den klassische Ausstellungsarchitektur kaum kennt. Die Grenze zwischen Bauwerk und Werkzeug verschwimmt. Der Pavillon wird Maschine, ohne aufzuhören, Architektur zu sein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Verschmelzung trägt einen Gedanken, der weit über die Biennale hinausweist. Sobald Architektur als Klimainfrastruktur ernst genommen wird, hört sie auf, bloßer Behälter zu sein. Sie wird Teil des Stoffwechsels, den sie organisiert. Holzinger inszeniert diese Pointe in einer Stadt, die diese Logik täglich vorlebt. Venedig ist seit Jahrhunderten weniger Stadt auf dem Wasser als Stadt aus Wasser, ein Verbund aus Pfählen, Kanälen, Schleusen, Pumpen. „Seaworld Venice&#8220; macht diese verborgene Infrastruktur sichtbar. Die Sanitärtechnik tritt aus dem Untergrund in den Schauraum.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt vom nationalen Modell</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In einer Biennale, die in diesem Jahr von der Kontroverse um den russischen Pavillon, vom Rückzug Irans und von Protesten gegen die Wiederzulassung russischer Kunst überschattet wird, stellt sich die Frage nach dem nationalen Pavillon-Modell mit besonderer Schärfe. Der österreichische Beitrag liefert eine Antwort, die nicht institutionspolitisch argumentiert, sondern materiell. Der Pavillon Österreichs handelt nicht von Österreich. Er handelt von einer Stadt, einem Element, einer möglichen Zukunft. Er nutzt seine Trägerstruktur, ohne sich von ihr definieren zu lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau darin liegt die ästhetische Kraft der Arbeit. „Seaworld Venice&#8220; verwandelt die Symbolik des Pavillons in eine Frage. Wer trägt diesen Raum? Wessen Körper hält ihn am Leben? Wessen Ausscheidungen halten das System in Bewegung? Die Antworten bleiben unbequem. Das Werk wirkt nicht durch Polemik, sondern durch die Konsequenz seiner Anordnung. Die Glocke schlägt, das Wasser fließt, der Jetski zieht seine Kreise, und der Pavillon, der dies alles trägt, ist selbst Teil des Kreislaufs geworden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Venedig, einer Stadt, die ihre Schönheit immer schon mit ihrer Verletzlichkeit erkauft hat, schlägt diese Arbeit eine seltene Balance. Sie ist Spektakel und Stille. Sie ist Schock und Sakralität. Sie ist Kunst und Gebrauchsanweisung. Vor allem aber ist sie eine Architekturform, die ihre eigene Substanz zur Verhandlung stellt. Das macht sie zu einem der bemerkenswertesten Pavillons dieser Biennale.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Leserinformation</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Titel: Seaworld Venice Künstlerin: Florentina Holzinger (geboren 1986 in Wien) Kuratorin: Nora-Swantje Almes Kommissar: Sektion Kunst und Kultur des Bundesministeriums für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, Republik Österreich Standort: Österreichischer Pavillon, Giardini della Biennale, Venedig Pavillon-Architektur: Josef Hoffmann und Robert Kramreiter, 1934, restauriert 1984 durch Hans Hollein, denkmalgeschützt Laufzeit: 9. Mai bis 22. November 2026 Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 9.5. bis 30.9. von 11 bis 19 Uhr, 1.10. bis 22.11. von 10 bis 18 Uhr Webseite: <strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://seaworldvenice.at/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://seaworldvenice.at</a></span></span></strong></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-pavillon-als-klaeranlage-eine-architektur-die-ihre-eigene-logik-unterlaeuft/">Der Pavillon als Kläranlage: Eine Architektur, die ihre eigene Logik unterläuft</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Das Schiff des Theseus: Wenn KI die Architektur Stück für Stück erneuert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 May 2026 17:41:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Foster + Partners]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[NXT BLD 2026]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Beim Foster-Vortrag auf der NXT BLD 2026 wird die KI-Frage zur Berufsfrage: Welche Planken der Architekturpraxis sind ausgetauscht, und welche tragen das neue Schiff?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-schiff-des-theseus-wenn-ki-die-architektur-stueck-fuer-stueck-erneuert/">Das Schiff des Theseus: Wenn KI die Architektur Stück für Stück erneuert</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | Bildung |  KI | Mai 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wenn die Künstliche Intelligenz das Reißbrett ersetzt</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Schiff des Theseus, ein antikes Gedankenexperiment über Identität bei vollständigem Austausch aller Bauteile, beschreibt präzise die aktuelle Lage des Architekturberufs unter dem Druck generativer Künstlicher Intelligenz. Die spannendere Frage ist nicht, ob das Schiff dasselbe bleibt; sie lautet, ob nach dem Austausch genügend vieler Planken ein besseres Schiff entstanden ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau diese Verschiebung der Fragestellung steht im Zentrum eines Vortrags, den Martha Tsigkari, Senior Partner und Head of Applied R+D, gemeinsam mit Sherif Tarabishy, Associate Partner und Design Systems Analyst, am 13. Mai 2026 auf der NXT BLD im Queen Elizabeth II Centre in London halten. Das Applied R+D Team von Foster + Partners gehört seit über einem Jahrzehnt zu den prägenden Stimmen der computergestützten Architekturpraxis und nutzt die Bühne in diesem Jahr für eine Bilanz aus rund zwei Jahrzehnten maschineller Designunterstützung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet die Theseus-Frage für die Architekturpraxis?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Generative Werkzeuge übernehmen bereits heute Aufgaben, die in den Leistungsphasen 1 bis 3 nach § 34 HOAI klassisch von Architektinnen und Architekten ausgeführt wurden. Massenstudien, Variantenbildung, Tageslichtanalyse und erste BIM-Modelle entstehen in Sekunden statt Tagen. Plattformen wie Finch, Snaptrude oder Hypar, allesamt Vortragsthemen derselben Konferenz, verkürzen den Weg vom Brief bis zu einem detaillierten BIM-Modell auf Minuten; Snaptrude demonstriert auf der NXT BLD 2026 ein vollständig editierbares LOD-300-Modell in unter fünfzehn Minuten. Eine Planke nach der anderen wird also ausgetauscht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Schiff fährt weiter, und die Frage nach seiner Identität wird drängend. Solange Künstliche Intelligenz nur einzelne Aufgaben automatisiert, lässt sich die Praxis als Werkzeugwechsel beschreiben, vergleichbar mit der Einführung von CAD in den 1990er Jahren oder von BIM nach 2010. Wenn jedoch Konzeptfindung, Entwurfsiteration und technische Klärung gleichzeitig delegiert werden, verschiebt sich der Berufsinhalt strukturell. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) hat in ihren Stellungnahmen seit 2024 darauf hingewiesen, dass die berufsrechtliche Verantwortung nach den Architektengesetzen der Länder weiterhin bei der menschlichen Person liegt, unabhängig vom Grad der Automatisierung im Entwurfsprozess.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Planken werden zuerst ausgetauscht?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die empirische Antwort liegt in den Forschungsprojekten von Foster + Partners selbst. Tsigkaris Arbeit für die Applied Research and Development Group umfasst computergestützten Entwurf, Mensch-Maschine-Interaktion, maschinelles Lernen und Optimierung; sie hat den Einsatz tiefer neuronaler Netze und genetischer Algorithmen im Entwurfsprozess untersucht, von passiv aktivierten Mikromaterialien bis zu performanzgesteuerten Stadtgrundrissen. Auf der NXT BLD 2025 zeigte Tsigkari unter dem Titel „The White Rabbit&#8220;, wie generative Modelle ganze Entwurfsserien produzieren, ohne dass Planerinnen und Planer einzelne Optionen nochmals händisch zeichnen müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Daraus folgen drei Beobachtungen. Erstens werden zunächst repetitive, datennahe Tätigkeiten ersetzt, also genau jene Leistungen, die die Honorartabellen der HOAI in Vorplanung und Entwurfsplanung als zeitintensiv ausweisen. Zweitens wandert die Wertschöpfung von der Ausführung zur Spezifikation; wer die Anforderungen präzise formuliert, profitiert am stärksten. Drittens entsteht ein neuer Bedarf an Validierung. Modelle, die in Sekunden Hunderte Varianten erzeugen, benötigen architektonische Urteilskraft, um konstruktive, soziale und ökologische Qualität zuverlässig zu erkennen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wo bleibt die Verantwortung der Architektinnen und Architekten?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Vergleich mit Theseus täuscht in einem entscheidenden Punkt. Eine Planke ist passiv; sie wird ersetzt. Eine Architektin oder ein Architekt entscheidet, welche Planke ersetzt wird, nach welchen Kriterien, und ob das neue Holz tragfähig ist. Genau hier liegt der Hebel der Profession.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die DIN EN ISO 19650 zur BIM-Informationsstruktur, die DIN 276 zur Kostenplanung sowie das Gebäudeenergiegesetz (GEG) in seiner aktuellen Fassung fordern dokumentierte, nachvollziehbare Entscheidungen. Eine generierte Variante ohne erklärbare Herleitung erfüllt diese Anforderung nicht. Die Verantwortung verlagert sich also vom Zeichenstift zur kuratierten Entscheidung. Pamela Nunez Wallgren und Jesper Wallgren von Finch beschreiben diese Verschiebung am selben Konferenztag als Wandel vom Architekten als Zeichner zum Architekten als Kurator von Systemen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Verschiebung hat regulatorische Folgen. Nach § 1 BauGB sowie den landesrechtlichen Bauordnungen, etwa Art. 3 BayBO, bleibt die menschliche Prüfung von Standsicherheit, Brandschutz und sozialer Verträglichkeit nicht nur ratsam, sondern verpflichtend. Wer eine KI-generierte Planung ohne fachliche Durchdringung einreicht, riskiert die Versagung der Baugenehmigung und im Schadensfall die persönliche Haftung nach BGB.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lernt das Schiff, ein besseres Schiff zu werden?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">An diesem Punkt setzt die zentrale These des Foster-Vortrags an. Das eigentliche Versprechen der Künstlichen Intelligenz in der Architektur liegt nicht in der Beschleunigung, sondern in der Fähigkeit, aus Tausenden Iterationen Erkenntnisse zu gewinnen, die ein einzelnes Büro in einem Berufsleben nicht sammeln könnte. Wenn jede ersetzte Planke datenseitig dokumentiert und ausgewertet wird, entsteht eine kollektive Werkstattlehre, die über das einzelne Projekt hinausweist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Voraussetzung dafür ist offene Dateninfrastruktur. Die Initiativen rund um BoHM von Büro Happold, die offene Datenebene von Speckle sowie der OpenBIM-Diskurs aus dem Hause HOK zeigen, dass eine herstellerunabhängige Datenebene technisch erreichbar ist. Ob sie auch ökonomisch und vertraglich tragfähig wird, entscheidet sich nicht in den Forschungsabteilungen der großen Büros, sondern bei den mittelständischen Architekturbüros, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Mehrheit der Projekte verantworten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Theseus kehrte am Ende nach Athen zurück, mit einem Schiff, dessen Identität die Philosophen über Jahrhunderte beschäftigte. Die Architektur des Jahres 2026 fährt in vergleichbar unsicherem Wasser, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied. Diese Mannschaft entscheidet selbst, welche Planken ersetzt werden, in welcher Reihenfolge, und nach welchen Werten. Das Ergebnis ist nicht vorbestimmt; es wird gebaut.</p>
<p><strong>Leserinformation</strong></p>
<p>Der Vortrag „The Ship of Theseus&#8220; von Martha Tsigkari, Senior Partner und Head of Applied R+D, sowie Sherif Tarabishy, Associate Partner und Design Systems Analyst, beide Foster + Partners, findet am 13. Mai 2026 auf der NXT BLD im Queen Elizabeth II Centre in London statt. Konferenztage sind der 13. und 14. Mai 2026. Programm und Tickets unter <strong><a href="https://nxtbld.com/" target="_blank" rel="noopener">nxtbld.com</a>.</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-schiff-des-theseus-wenn-ki-die-architektur-stueck-fuer-stueck-erneuert/">Das Schiff des Theseus: Wenn KI die Architektur Stück für Stück erneuert</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Bayerns Architekten verweigern die eigene Wahl: Beteiligung stürzt auf 29,87 Prozent</title>
		<link>https://baukunst.art/bayerns-architekten-verweigern-die-eigene-wahl-beteiligung-stuerzt-auf-2987-prozent/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 May 2026 10:32:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Bayerische Architektenkammer]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Kammerwahl 2026]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nur 29,87 % der bayerischen Architekten haben gewählt. Der BDA gewinnt 35 Sitze, klimawende:planen 13. Was bedeutet diese Legitimationskrise für die Berufspolitik?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/bayerns-architekten-verweigern-die-eigene-wahl-beteiligung-stuerzt-auf-2987-prozent/">Bayerns Architekten verweigern die eigene Wahl: Beteiligung stürzt auf 29,87 Prozent</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art</strong> | Bayern · Berufspolitik · Kammerwahl 2026 | Mai 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">29,87 Prozent: Bayerns Architekten bestätigen den Verdacht</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wahl zur XIV. Vertreterversammlung der Bayerischen Architektenkammer hat am 5. Mai 2026 ihr Ergebnis gefunden, und es markiert einen historischen Tiefstand: 29,87 Prozent Wahlbeteiligung, ein Einbruch um über zwölf Prozentpunkte gegenüber der Wahl 2021. Von 25.993 wahlberechtigten Architektinnen und Architekten haben nur 7.763 ihre Stimme abgegeben. Damit hat sich der Befund, den die Redaktion von baukunst.art im April-Editorial <strong><a href="https://baukunst.art/wer-nicht-waehlt-darf-sich-nicht-wundern/">„Wer nicht wählt, darf sich nicht wundern“</a></strong> formuliert hatte, nicht nur bestätigt, sondern dramatisch verschärft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im April hatte die Redaktion an die 42 Prozent Beteiligung von 2021 erinnert und gewarnt, ein Berufsstand, der seine eigene Vertretung mehrheitlich ignoriere, könne sich nicht ernsthaft beklagen, wenn seine Interessen in der politischen Auseinandersetzung wenig Gewicht hätten. Die Zahlen vom 5. Mai zeigen jetzt: Nicht einmal mehr drei von zehn Mitgliedern sind dem Aufruf zur Wahl gefolgt. Sieben von zehn haben sich entschieden zu schweigen, und das im Vorfeld einer Legislaturperiode, in der über Reformen der HOAI, das Vergabetransformationsgesetz und die anstehende Novelle der Bayerischen Bauordnung (BayBO) entschieden wird.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was sagt eine Wahlbeteiligung von 29,87 Prozent über die Legitimation der Architektenkammer aus?</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Vertreterversammlung der Bayerischen Architektenkammer ist gemäß Artikel 22 des Baukammerngesetzes (BauKaG) das oberste Beschlussorgan einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie verhandelt mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, sie nimmt Stellung zur novellierten BayBO, sie steuert die Bayerische Architektenversorgung und legt die Beitragsordnung fest. All das geschieht im Auftrag von rund 26.000 Mitgliedern. Wenn aber nur 7.763 dieser Mitglieder die Vertretung legitimieren, fragt sich, mit welcher Autorität die Kammer auftritt, wenn sie gegenüber dem Freistaat Bayern oder dem Bund Position bezieht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die nüchterne Antwort: mit einer schwachen. Eine Vertretung, hinter der weniger als ein Drittel des Berufsstands steht, lässt sich politisch leichter relativieren als eine, die 70 Prozent der Mitglieder hinter sich versammelt. Wer in München, Berlin oder Brüssel die HOAI verhandelt, weiß: Die ByAK spricht laut Statistik für jeden zehnten Bauplaner Deutschlands. Sie spricht aber nicht mit dem Mandat aller, sondern mit dem Mandat der knapp 30 Prozent, die abgestimmt haben. Für die anstehende BayBO-Novelle, in der das verfahrensfreie Bauen weiter ausgeweitet werden soll, ist das ein konkreter politischer Nachteil.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Listen prägen jetzt die bayerische Berufspolitik?</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer wählt, gestaltet. <strong><a href="https://www.byak.de/aktuelles/newsdetail/kammerwahl-2026.html" target="_blank" rel="noopener">Das Ergebnis der Listenwahl</a></strong> macht klar, wer den Berufsstand in den nächsten fünf Jahren repräsentiert. Mit deutlichem Abstand stärkste Kraft ist der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA): 8.393 Stimmen, 35 von 125 Sitzen, drei der elf Vorstandssitze. Damit verfügt der BDA über mehr Sitze als die nächsten drei Listen zusammen. Eine derart deutliche Mehrheit war in den vergangenen Wahlperioden nicht zu beobachten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf Platz zwei folgt klimawende:planen mit 3.004 Stimmen und 13 Sitzen, ein Hinweis darauf, dass die ökologische Transformation der Baukultur in der Wahrnehmung der Wählenden offenbar an Gewicht gewonnen hat. Nahezu gleichauf liegen die Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten (bdla) mit ebenfalls 13 Sitzen. Die Liste 7 „Freischaffende Architekten“ erhielt 2.487 Stimmen und 10 Sitze, die Liste 6 „BauFrauen“ zog mit 2.053 Stimmen und 9 Sitzen ein und ist damit die stärkste explizit auf Geschlechtergerechtigkeit ausgerichtete Liste in der Geschichte der ByAK.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die Vorstandszusammensetzung. Acht der fünfzehn angetretenen Listen sind im elfköpfigen Vorstand vertreten, der BDA dreifach, die übrigen sieben Listen mit je einem Sitz. Das Ergebnis zeigt eine fragmentierte, aber breit aufgestellte Spitze, in der die großen freien Berufsverbände (BDA, bdla, bdia, Freischaffende) den Ton angeben, ergänzt um Themenlisten zu Klimaschutz, Geschlechtergerechtigkeit, Nachwuchs und öffentlichem Dienst. Die Architektenpolitik in Bayern ist damit pluraler geworden, ihre Beschlussfähigkeit wird in der Vertreterversammlung allerdings davon abhängen, ob sich Mehrheiten bilden lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wer wählt, wer schweigt?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer auf die Mikrostruktur der Wahlbeteiligung schaut, erkennt ein vertrautes Muster. Beamtete Architektinnen und Architekten haben zu 44,12 Prozent gewählt, Stadtplaner zu 45,66 Prozent, Landschaftsarchitekten zu 45,87 Prozent. Im Gegensatz dazu beteiligten sich freischaffend Tätige zu lediglich 29,17 Prozent, baugewerblich Tätige sogar nur zu 17,65 Prozent. Wer im öffentlichen Dienst arbeitet oder in einer Fachrichtung mit kleinerer, gut vernetzter Mitgliederbasis, der wählt häufiger. Wer im Tagesgeschäft eines Architekturbüros oder am Bau steht, also dort, wo HOAI-Reformen und Vergabeentscheidungen unmittelbar wirken, der schweigt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch geografisch bleibt die Beteiligung niedrig. Die Oberpfalz erreicht 30,45 Prozent, Oberbayern 30,40 Prozent, Schwaben mit 27,26 Prozent das Schlusslicht. Frauen wählten geringfügig häufiger als Männer (30,55 zu 28,69 Prozent). Ein Lichtblick ist die Wahl der Beratenden für Juniormitglieder: Hier lag die Beteiligung bei 32,6 Prozent, gewählt wurden vier Frauen, mit Antonia Rieß an der Spitze. Die Generation, die in den nächsten Jahrzehnten den Berufsstand tragen wird, zeigt also mehr demokratisches Engagement als der Durchschnitt der gestandenen Kollegenschaft. Das ist ein Signal, das in den Strategiegruppen der ByAK nicht überhört werden sollte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was die Kammer und der Berufsstand jetzt tun müssen</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Wahlergebnis ist nicht das Versagen der Bayerischen Architektenkammer, die professionell organisiert hat, mit Online-Wahl, Erinnerungsaktionen und transparenter Vorbereitung. Es ist der Befund eines Berufsstands, der seine demokratische Selbstvertretung schleifen lässt. Die ByAK hat in den nächsten Wochen vor allem zwei Aufgaben: Erstens, die mit dem schwachen Mandat verbundene Verhandlungsposition gegenüber Staatsministerium und Bundesgremien realistisch zu bewerten und sich nicht hinter formaler Repräsentativität zu verstecken. Zweitens, eine belastbare Strategie zu entwickeln, wie sie ihre Mitglieder beim nächsten Mal überhaupt erreicht, am Laptop, im Posteingang, in der täglichen Wahrnehmungslage zwischen Genehmigungsverfahren und Bauleitung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Berufsstand selbst sollte aus diesem Ergebnis ableiten: Wer die Rahmenbedingungen seines Berufs gestalten will, muss sich an deren Gestaltung beteiligen. Sonst gilt, was die Redaktion bereits im April formulierte: Wer nicht wählt, darf sich nicht wundern. Fünf Jahre Vertreterversammlung sind eine lange Zeit,für berufspolitische Entscheidungen die über die Zukunft unseres Berufstand entscheiden werden. Die XIV. Wahlperiode beginnt mit einem schwachen Mandat. Sie sollte mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme einhergehen, was Berufspolitik in Bayern in den nächsten fünf Jahren überhaupt noch erreichen kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/bayerns-architekten-verweigern-die-eigene-wahl-beteiligung-stuerzt-auf-2987-prozent/">Bayerns Architekten verweigern die eigene Wahl: Beteiligung stürzt auf 29,87 Prozent</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Der Pavillon der Selbstüberschätzung. Wie sich die 61. Venedig-Biennale aus eigenem Antrieb demontiert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 May 2026 07:37:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inspiration]]></category>
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		<category><![CDATA[Rom-Statut IStGH]]></category>
		<category><![CDATA[Statuto Fondazione Biennale]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vier Tage vor Eröffnung steht die wichtigste Kunstausstellung der Welt ohne Jury, ohne Eröffnungsfeier und ohne Goldene Löwen da. Was als Kunstbiennale begann, ist zum kulturpolitischen Lehrstück geworden: Pietrangelo Buttafuoco wollte mit der Wiederzulassung Russlands Diplomatie betreiben, die Jury Farkas wollte mit dem Ausschluss Russlands und Israels Gericht halten, die Regierung Meloni wollte Kuratorin sein. Was übrig bleibt, ist ein Theater ohne Stück.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-pavillon-der-selbstueberschaetzung-wie-sich-die-61-venedig-biennale-aus-eigenem-antrieb-demontiert/">Der Pavillon der Selbstüberschätzung. Wie sich die 61. Venedig-Biennale aus eigenem Antrieb demontiert</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art </strong> /  Inspiration? / Mai 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stuart Stadler Architekt, Herausgeber baukunst.art</strong></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Krieg in der Lagune</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die 61. Internationale Kunstausstellung der Biennale di Venezia eröffnet am 9. Mai 2026 als institutionell beschädigte Veranstaltung: ohne Jury, ohne Eröffnungsfeier und ohne die traditionelle Vergabe der Goldenen Löwen zu Beginn. Damit hat eine Krise, die im März 2026 mit der Wiederzulassung Russlands begann, ihren vorläufigen Tiefpunkt erreicht. Die Vorgänge sind kein Streit mehr um eine einzelne Pavillon-Genehmigung. Sie sind das Lehrstück, was passiert, wenn eine Kunstinstitution sich anmaßt, internationale Politik zu machen, und wenn die internationale Politik sich anmaßt, über Kunst zu urteilen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Eskalation lässt sich präzise datieren. Im März meldete Russland nach vier Jahren Pause seinen Pavillon zur Biennale an, kuratiert durch Anastasija Kornejewa, Tochter eines russischen Rüstungsmanagers im Rang eines Geheimdienstgenerals und Geschäftspartnerin der Tochter von Außenminister Sergej Lawrow. Im April kündigten EU-Kulturkommissar Glenn Micallef und EU-Vizepräsidentin Henna Virkkunen an, der Fondazione Biennale Subventionen in Höhe von zwei Millionen Euro zu streichen, sollte Russland teilnehmen. Mitte April beschloss die Jury unter Vorsitz der brasilianischen Kunsthistorikerin Solange Farkas, sowohl Russland als auch Israel von der Preisvergabe auszuschließen, gestützt auf die Anklagen gegen Putin und Netanjahu vor dem Internationalen Strafgerichtshof. Die italienische Regierung entsandte daraufhin Inspektoren. Vergangene Woche trat die Jury geschlossen zurück, zum ersten Mal seit der Gründung der Biennale 1895. Die Eröffnungsfeier wurde abgesagt, die Goldenen Löwen werden Ende November als „Leoni dei Visitatori&#8220; durch Publikumsabstimmung vergeben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie konnte aus einer Pavillon-Genehmigung ein kontinentaler Konflikt werden?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der zentrale Fehler liegt bei Pietrangelo Buttafuoco, dem von der Regierung Meloni im März 2024 eingesetzten Biennale-Präsidenten. Buttafuoco hat den Russland-Pavillon mit dem Argument einer „kulturellen Waffenruhe&#8220; verteidigt. Italiens Kulturminister Alessandro Giuli hat ihm vergangene Woche in „La Repubblica&#8220; vorgeworfen, eine „Vereinte Nationen der Kunst&#8220; konstruieren zu wollen und einer „pazifistischen Fantasie&#8220; erlegen zu sein. Bemerkenswert ist die Quelle dieser Kritik: Giuli und Buttafuoco kommen aus demselben politischen Lager. Eine Ablösung wird inzwischen offen diskutiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Vorwurf Giulis trifft, ungeachtet seiner parteipolitischen Motive, einen sachlichen Punkt. Eine Kunstinstitution kann sich nicht gleichzeitig als unabhängige Plattform und als außenpolitischer Akteur positionieren. Buttafuocos Berufung auf das Statuto der Fondazione Biennale, das Eingriffe in nationale Pavillon-Anmeldungen formal ausschließt, ist juristisch korrekt und politisch unbeholfen. Wer Russland 2026 zur Beteiligung einlädt, weiß, dass die kuratorisch Verantwortlichen Verbindungen in den Sicherheitsapparat haben. Wer das nicht weiß, sollte ein anderes Amt führen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet es, wenn eine Jury Außenpolitik betreibt?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Jury Farkas ist mit ihrem Ausschluss-Beschluss in dasselbe Loch gefallen, nur aus der entgegengesetzten Richtung. Sie hat die Künstlerinnen und Künstler in Sippenhaft für ihre Regierungschefs genommen. Im Fall Israels trifft das den jüdisch-rumänischen Künstler Belu-Simion Fainaru, dessen von Paul Celan inspirierte Installation „Rose of Nothingness&#8220; kein einziges Argument für Netanjahu vorträgt. Die Logik wird umso fragwürdiger, weil eine analoge Anwendung auf die USA, deren Präsident Krieg gegen Iran führt, unterblieb. Die Jury hat damit jene Glaubwürdigkeit beschädigt, die sie für ihre Preisvergabe gebraucht hätte. Ihr Rücktritt war konsequent. Die Lösung, die Goldenen Löwen durch Publikumsvotum zu vergeben, ist allerdings keine Lösung, sondern eine Kapitulation. Wer die Bewertung zeitgenössischer Kunst dem Publikum überlässt, schafft die Idee einer Fachjury ab. Das mag publikumstauglich sein. Mit der Funktion der Biennale als Bewertungsinstitution hat es nichts zu tun.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wo bleiben die anderen Pavillons?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während Russland und Israel die Schlagzeilen besetzen, geht unter, dass die übrigen Pavillons das Problem strukturell spiegeln. Südafrikas Kulturminister Gayton McKenzie hat den eigenen Beitrag im Januar 2026 mit der Begründung gestoppt, ein nationaler Pavillon dürfe „nicht dazu genutzt werden, spaltende globale Konflikte zu verstärken, die nicht Südafrikas eigene Geschichte in den Mittelpunkt stellen&#8220;. Das ist die einzige institutionell erwachsene Reaktion in diesem ganzen Vorgang. Iran nimmt nicht teil. Die USA werden vom bislang weitgehend unbekannten Bildhauer Alma Allen vertreten, kuratiert von der ehemaligen Hundefutter-Vertreterin Jenni Parido aus Tampa, eingesetzt durch Trumps Vertrauten Dan Scavino. Die ursprünglich vorgesehene Künstlerin Barbara Chase-Riboud hatte mit den Worten „Now is not the moment!&#8220; abgesagt, weil die neuen Richtlinien des US-Außenministeriums verlangen, dass Pavillon-Beiträge „amerikanische Werte fördern&#8220; und „den Exzeptionalismus der USA präsentieren&#8220;. Österreich lässt Florentina Holzinger im Pavillon „Seaworld Venice&#8220; Urintanks installieren, gefördert mit 600.000 Euro Steuermitteln des Bundes. Wer die Liste durchgeht, erkennt: Es ist nicht die Biennale, die in der Krise steckt. Es sind die Staaten, die sie beschicken.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was lernt die Architekturbiennale 2027 aus diesem Vorgang?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die 19. Internationale Architekturausstellung wird 2027 unter neuen Vorzeichen eröffnen. Eine Lehre lässt sich jetzt ziehen: Wer kuratorische Verantwortung mit politischer Diplomatie verwechselt, beschädigt beide. Die Biennale braucht einen Präsidenten, der den Unterschied zwischen einer Pavillon-Genehmigung und einem außenpolitischen Statement kennt. Sie braucht eine Jury, die ihre Bewertungsfunktion wahrnimmt, statt sich an politischen Sippenhaft-Begründungen zu beteiligen. Sie braucht Pavillons, die Kunst zeigen, nicht nationale Selbstinszenierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die 61. Kunstausstellung wird stattfinden. Sie wird Besucher haben, sie wird Berichte produzieren, sie wird in der Kunstgeschichte verzeichnet bleiben. Sie wird aber auch das Datum markieren, an dem eine Institution ihre Funktion verloren hat, weil keiner der Beteiligten bereit war, seine eigene Rolle ernst zu nehmen. Der Präsident wollte Diplomat sein, die Jury wollte Gericht sein, die Politik wollte Kuratorin sein. Am Ende bleibt, was übrig bleibt, wenn alle ihre Posten verlassen: ein Theater ohne Stück. „In Minor Keys&#8220;, das Motto der Biennale, hat ungewollt eine zweite Bedeutung gewonnen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Münchens Ludwigstraße wird klimagerechter Saalplatz: Pariser Büro gewinnt Realisierungswettbewerb</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 May 2026 07:18:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
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		<category><![CDATA[Landschaftsarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Ludwigstraße München]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>München wagt den Umbau einer der bedeutendsten Prachtstraßen Europas: Aus sechs Fahrspuren werden zwei, aus einer Transitachse ein klimagerechter Saalplatz mit Baumhainen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/muenchens-ludwigstrasse-wird-klimagerechter-saalplatz-pariser-buero-gewinnt-realisierungswettbewerb/">Münchens Ludwigstraße wird klimagerechter Saalplatz: Pariser Büro gewinnt Realisierungswettbewerb</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>baukunst.art </strong> /  Regionales / Mai 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Verkehrswende auf Königsachse: München baut Ludwigstraße radikal um</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Von Stuart Stadler, Architekt VFA, Herausgeber baukunst.art</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">München, 5. Mai 2026</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ludwigstraße in München, eine der vier städtebaulich bedeutendsten Prachtstraßen der bayerischen Landeshauptstadt, wird zum begrünten Saalplatz mit Baumhainen umgebaut. Den freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb mit Ideenteil nach RPW 2013 hat das Pariser Büro MDP Michel Desvigne Paysagiste mit PCA-STREAM gewonnen, wie das Baureferat der Landeshauptstadt am 4. Mai 2026 mitteilte. Aus sechs Fahrspuren zwischen Brienner Straße und Oskar-von-Miller-Ring werden zwei. Aus einer Transitachse soll ein Aufenthaltsraum von welthistorischem Rang werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Preisgericht unter Vorsitz der Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer (BAK), tagte zweistufig: nach erster Sichtung am 13. Februar 2026 und einer Überarbeitungsrunde am 28. April 2026. Am Verfahren beteiligten sich zwölf nationale und internationale Büros. Den zweiten Preis erhielt TOPOTEK 1, Berlin (Martin Rein-Cano), den dritten ImI Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, Berlin. Anerkennungen gingen an studioB Landschaftsarchitektur, München, sowie an raum + zeit Landschaftsarchitektur Stadtplanung, Landshut.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Auftakt nahm der Wettbewerb mit einem Stadtratsbeschluss, der das Baureferat (Gartenbau) federführend mit der Auslobung beauftragte. Vorbereitet wurde das Verfahren gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und weiteren Fachreferaten der Landeshauptstadt. In Beteiligungsterminen wurden Ministerien und Bauämter des Freistaats, Anwohnerinnen und Anwohner, Gewerbetreibende, der Verband der Automobilindustrie, das Kreisverwaltungsreferat sowie der Festring München e. V. eingebunden. Die Auslobung verlangte explizit eine klimaverantwortliche Gestaltung bei gleichzeitiger Wahrung des denkmalgeschützten Erscheinungsbildes des Klenze-Gärtner-Ensembles.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie reagiert ein königliches Ensemble auf den Klimawandel?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ludwigstraße ist ein Gesamtkunstwerk des 19. Jahrhunderts. Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner planten die Achse zwischen Odeonsplatz und Siegestor von 1816 bis 1852 für Kronprinz, später König Ludwig I. Der eigens entwickelte Rundbogenstil, italienische Neurenaissance im Süden, Neuromanik im Norden, prägt die Straße bis heute. Sie steht unter Ensembleschutz nach Art. 1 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 6 des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes (BayDSchG); die Einzelbauten sind Baudenkmäler nach Art. 1 Abs. 2 BayDSchG.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau dieser Schutzstatus macht die Aufgabe heikel. Eingriffe in das geschützte Erscheinungsbild bedürfen der Erlaubnis der Denkmalschutzbehörde nach Art. 6 BayDSchG. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege war daher von Beginn an in die Wettbewerbsvorbereitung eingebunden. Grundlage der Entwürfe war eine vom Stadtrat beschlossene und mit dem Denkmalschutz abgestimmte Musterlösung zur Neuaufteilung der Verkehrsflächen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort des Pariser Siegerteams um Michel Desvigne und Philippe Chiambaretta liegt in einer scheinbar zurückhaltenden Geste. Die Verfasserinnen und Verfasser begreifen den Raum zwischen Klenzes und Gärtners Bauten nicht als zu möblierende Straße, sondern als großen städtischen „Saalplatz“ mit weitgehend durchgängigem Belag. Trittsteinartig verteilte, artenreiche Baumhaine setzen Akzente, ohne die axiale Wirkung des Ensembles zu zerschneiden. Die Jury hebt hervor, dass diese Hain-Inseln „inselartige, schattige und überwiegend unversiegelte Aufenthaltsbereiche“ schaffen, ohne die Lesbarkeit des historischen Stadtraums zu kompromittieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der zweitprämierte Entwurf von TOPOTEK 1 setzte demgegenüber auf eine stärker rhythmische Gliederung mit linear geführten Pflanzstreifen, die das Straßenbild taktweise unterteilen. Der Berliner Beitrag von ImI Levin Monsigny entwickelte einen eher gartenkünstlerischen Ansatz mit klar abgegrenzten Vegetationsfeldern. Beide Konzepte wurden von der Jury für ihre Schärfe gewürdigt, blieben aber im Vergleich zur trittsteinartigen Logik des Pariser Beitrags hinter dessen Balance aus städtebaulicher Großzügigkeit und mikroklimatischer Detailaufmerksamkeit zurück.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Signalwirkung hat das Verfahren für andere Städte?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Münchner Schritt ist mehr als eine lokale Verkehrsumplanung. Er ist ein Modellfall für die Frage, wie Deutschland mit dem Konflikt zwischen Denkmalschutz und Klimaanpassung umgeht. Die Vorgaben des Bundes-Klimaanpassungsgesetzes (KAnG) vom Juli 2024 und die Empfehlungen der DIN EN 17210 für barrierefreie und klimaresiliente öffentliche Räume verlangen genau jene Entsiegelung und Beschattung, die in steingeprägten Innenstadträumen am schwersten umzusetzen ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt der bauklimatische Druck. Der Deutsche Wetterdienst dokumentiert für süddeutsche Großstädte einen Anstieg der mittleren Jahrestemperatur seit Ende des 19. Jahrhunderts um etwa zwei Grad. Die Münchner Innenstadt zwischen Stachus und Odeonsplatz zählt nach Erhebungen des Referats für Klima- und Umweltschutz zu den am stärksten von Hitzeinseln betroffenen Bereichen Bayerns. Eine sechsspurige, weitgehend versiegelte Asphaltachse mitten im historischen Ensemble verstärkt diesen Effekt; jeder zusätzliche Quadratmeter Beschattung und Entsiegelung wirkt mikroklimatisch unmittelbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die institutionelle Choreographie des Verfahrens. Beteiligt waren das Baureferat (Gartenbau), das Referat für Stadtplanung und Bauordnung, das Kreisverwaltungsreferat, das Referat für Arbeit und Wirtschaft, das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, der Freistaat Bayern als Eigentümer mehrerer Liegenschaften sowie der Festring München e. V. wegen des Trachten- und Schützenzugs zum Oktoberfest. Die Verzahnung mit dem Umbau des Sperrengeschosses am U-Bahnhof Odeonsplatz durch SWM und MVG erlaubt zudem, Baulogistik und Oberflächenwiederherstellung in einem Zug zu denken, statt zweimal aufzureißen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Andrea Gebhard nennt im Jurykommentar einen „mutigen Schritt“, ein Ensemble von Weltrang so umzugestalten. Dieses Lob ist zugleich Benchmarkbildung. Wenn München es schafft, einen königlichen Repräsentationsraum vom Auto zurückzuerobern, sinkt die Hemmschwelle für Stuttgart, Dresden, Wiesbaden oder Leipzig, ähnliche Verfahren auf eigenen Achsen anzustoßen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritisch bleibt die Realisierungsphase. Die Reduktion von sechs auf zwei Fahrspuren ist nur möglich, weil seit 2025 der motorisierte Verkehr von Norden über den Oskar-von-Miller-Ring den Altstadtring direkt erreichen kann. Solche Vorbedingungen sind in anderen Städten nicht selbstverständlich gegeben. Im neu geordneten Querschnitt müssen Busverkehr, Radverkehr in Form des Radschnellwegs München-Garching, Anlieferung und Behindertenstellplätze koexistieren, ohne den Aufenthaltscharakter zu kannibalisieren. Hinzu kommt die offene Finanzierungsfrage: Konkrete Kostenangaben fehlen bislang, der Stadtrat soll erst auf Grundlage des Wettbewerbsergebnisses über das weitere Vorgehen entscheiden. Die HOAI 2021 (§§ 39 ff. für Freianlagen) liefert den Honorarrahmen, die Bauleistungen werden über die VOB/A in mehreren Losen ausgeschrieben werden müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die zweistufige Ausstellung der Wettbewerbsbeiträge, vom 26. Mai bis 7. Juni im Oskar-von-Miller-Forum und vom 9. bis 19. Juni in der Halle des Technischen Rathauses, signalisiert, dass das Verfahren nicht abgeschlossen, sondern eröffnet ist. Die eigentliche Probe steht bevor: die denkmalrechtliche Erlaubnis im Detail, die Verträglichkeit mit dem laufenden Trachten- und Schützenzug, die langfristige Pflege der neuen Baumhaine in einem klimatisch zunehmend mediterranen München.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was München mit Klenze, Gärtner und nun Desvigne wagt, ist die Übersetzung historischer Stadtbaukunst ins 21. Jahrhundert. Das denkmalgeschützte Ensemble bleibt Hauptdarsteller, der Raum davor wird vom Verkehrsapparat zur klimaresilienten Bühne der Stadtgesellschaft. Berlin hat mit der gescheiterten Verkehrsberuhigung der Friedrichstraße jüngst gezeigt, wie verfehlt eine schlecht koordinierte Umgestaltung wirken kann. München setzt dem ein dialogisch vorbereitetes, zweistufiges RPW-Verfahren mit eingebundenem Denkmalfachamt entgegen. Sollte die Realisierung gelingen, dürfte die Ludwigstraße zur Referenz für vergleichbare Projekte in der gesamten DACH-Region werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Wer zahlt, gewinnt: Über die stille Käuflichkeit der Architekturauszeichnungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2026 09:53:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturpreise]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[German Design Award]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Recherche des Spiegel rückt die Vergabepraxis großer Architektur- und Designpreise in ein neues Licht. Pay-to-win statt Qualitätsversprechen, und was das für die Berufspolitik bedeutet.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art </strong> /  Berufspraxis / Mai 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Pay-to-win bei Architekturpreisen: Was die Spiegel-Recherche zum Geschäftsmodell der Auszeichnungen aufdeckt</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Pay-to-win-Awards bezeichnen Architektur- und Designpreise, bei denen die Auszeichnung weniger durch unabhängige Jurybewertung entsteht als durch gestaffelte Teilnahme-, Nominierungs- und Servicegebühren der Preisträgerinnen und Preisträger. Genau dieses Modell hat eine Recherche von Verena Töpper im Spiegel vom 2. Februar 2026 in den öffentlichen Fokus gerückt; die Kernaussage fasst es nüchtern: Wer ausgezeichnet werden möchte, zahlt am Ende rund 2900 Euro. Der Befund trifft die Branche an einer empfindlichen Stelle, weil zugleich der Honorardruck nach der novellierten HOAI 2021 und der Marketingbedarf kleinerer Büros wächst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Zentrum der Recherche steht der German Design Award, vergeben vom Rat für Formgebung in Frankfurt am Main, dessen Award Show 2026 im Rahmen der Messe Ambiente stattfand. Bereits die Nominierungsgebühr liegt bei bis zu 590 Euro, weitere Kosten fallen nach einem möglichen Gewinn an. Ähnliche Strukturen finden sich beim Red Dot Award, beim iF Design Award, bei den ICONIC AWARDS, beim A+ Award und bei best architects.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie funktioniert das Geschäftsmodell der großen Designpreise?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Mechanik ist in der Branche seit Jahren bekannt, gerät aber durch die jüngste Berichterstattung in eine breitere Öffentlichkeit. Drei Stufen tragen das System: eine Anmelde- oder Nominierungsgebühr von rund 300 bis 600 Euro, eine sogenannte „Gewinnergebühr&#8220; von bis zu 2.800 Euro je Preiskategorie und 580 Euro Printkosten bei Publikation einer Nominierung, dazu weitere Posten für Trophäen und Galaeinladungen. Wer auf mehreren Auszeichnungsschienen mitläuft, zahlt schnell vierstellig pro Projekt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt eine ungewöhnlich hohe Auszeichnungsquote. Im Jahr 2014 wurden 90 Gewinner gekürt, im Jahr 2016 erhielten 42 Preisträger die höchste Auszeichnung. Der Designer und Buchautor Florian Pfeffer hat das Geschäftsprinzip früh analysiert: Designpreise dieses Zuschnitts lohnen sich vor allem für die Auslober. Erik Spiekermann, eines von zwölf Präsidiumsmitgliedern im Rat für Formgebung, hält dagegen, wer keine Teilnahmegebühr aufbringe, wolle ohnehin nicht am Markt erscheinen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Logik blendet die wirtschaftliche Realität kleiner und mittlerer Architekturbüros aus. Wer pro Projekt mehrere Tausend Euro für Auszeichnungssiegel aufbringen muss, verschiebt das Spielfeld zugunsten kapitalstarker Marken und Investorenarchitektur. Die Folge: Ein Gütesiegel verspricht Qualität, signalisiert aber zunehmend nur die Bereitschaft zur Beteiligung am Marketingsystem des Auslobers.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das für die Berufspolitik?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die berufspolitische Brisanz ergibt sich aus dem Spannungsverhältnis zum Standesrecht. Die Berufsordnungen der deutschen Architektenkammern, etwa die Berufsordnung der Bayerischen Architektenkammer, verpflichten zu Sachlichkeit in der Außendarstellung und untersagen anpreisende oder irreführende Werbung. Wenn eine Auszeichnung jedoch maßgeblich auf einer Geldzahlung beruht, stellt sich die Frage, ob das werbliche Tragen eines solchen Siegels noch dem Sachlichkeitsgebot entspricht. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) hat sich zu diesem Konflikt bislang nicht öffentlich positioniert; sie verweist auf eine vom Förderverein Bundesstiftung Baukultur e. V. ins Netz gestellte Liste von Architekturpreisen, ohne zwischen kostenfreien und gebührenfinanzierten Auszeichnungen zu unterscheiden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der zweite Hebel betrifft das Vergaberecht. Auftraggeber, vor allem im privaten Bereich, ziehen Awards in Eignungsprüfungen heran. § 75 Vergabeverordnung (VgV) verlangt für Planungsleistungen den Nachweis fachlicher Eignung; ausgezeichnete Referenzen ersetzen dabei häufig den teuren Wettbewerb nach RPW 2013. Wenn Auszeichnungen jedoch zur reinen Marketingressource degradieren, verzerrt das die Bewerberauswahl und benachteiligt jene Büros, die Honorarmittel lieber in Personalentwicklung oder Forschung investieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drittens berührt das Geschäftsmodell den Wettbewerb um Nachwuchs. Junge Architektinnen und Architekten ohne Eigenkapital lassen sich seltener nominieren. Damit reproduziert das System bestehende Ungleichgewichte und verfehlt den im Baukulturbericht 2024/25 der Bundesstiftung Baukultur formulierten Anspruch, Baukultur als gesamtgesellschaftliche Aufgabe sichtbar zu machen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Alternativen tragen die Berufspolitik?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Tragfähige Modelle existieren bereits. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und die Bundesarchitektenkammer haben 2023 erneut den Deutschen Architekturpreis verliehen, der ohne Teilnahmegebühr auskommt und mit Preisgeld dotiert ist. Der Mies van der Rohe Award for European Architecture wird im Rahmen des Programms Kreatives Europa der Europäischen Kommission und der Mies van der Rohe-Stiftung in Barcelona vergeben, ebenfalls kostenfrei. Auf Länderebene zeigt der Auszeichnungsweg „Beispielhaftes Bauen&#8220; der Bayerischen Architektenkammer, wie eine kammerinterne Würdigung durch Sachjurys ohne Gebühren funktioniert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Reformlinie für die Berufspolitik ergibt sich daraus in drei Punkten. Erstens sollten Bundesarchitektenkammer und Länderkammern eine Klassifizierung von Architekturauszeichnungen einführen, die zwischen unabhängig juriert-dotierten und gebührenfinanzierten Verfahren unterscheidet. Eine solche Liste böte Auftraggebern und Öffentlichkeit Orientierung. Zweitens ließe sich das Standesrecht präzisieren: Die Verwendung kostenpflichtiger Awards in der Außendarstellung könnte an Transparenzpflichten gebunden werden, etwa an die Angabe der bezahlten Gewinnergebühr. Drittens wäre eine staatliche Aufwertung des Deutschen Architekturpreises und der Landespreise sinnvoll, einschließlich angemessener Dotierung, um eine sichtbare öffentliche Alternative zum kommerziellen Awardmarkt zu setzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Spiegel-Recherche schafft das Momentum für diese Debatte. Sie öffnet ein Fenster, das sich schnell wieder schließt, wenn die Berufsvertretung nicht reagiert. Der Rat für Formgebung verteidigt sein Geschäftsmodell mit Hinweis auf Sichtbarkeit und Marketingnutzen; das ist legitim, solange das Modell als Marketinginstrument und nicht als unabhängige Qualitätsauszeichnung kommuniziert wird. Die Aufgabe der Berufspolitik liegt darin, diese Unterscheidung sichtbar zu machen und die ethischen Standards des Berufsstandes auch im Award-Wesen zu verankern. Andernfalls droht ein schleichender Vertrauensverlust, der am Ende nicht die Auslober trifft, sondern die gesamte Architektenschaft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Schrottimmobilien und Wohnungsmangel: Wenn Verfall zum Geschäftsmodell wird</title>
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		<pubDate>Tue, 28 Apr 2026 08:51:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Problemimmobilien]]></category>
		<category><![CDATA[Stadterneuerung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungspolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Während der Wohnungsmangel Rekordstände erreicht, verfallen tausende Gebäude ungenutzt. Schrottimmobilien sind kein Randphänomen, sondern ein systemisches Problem mit politischer Sprengkraft.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art </strong> /  Gesellschaft / Mai 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Geschäft mit dem Verfall: Wie Schrottimmobilien den Wohnungsmarkt vergiften</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Schrottimmobilie ist ein bewohnbares oder ehemals bewohntes Gebäude, dessen Eigentümerinnen oder Eigentümer notwendige Instandsetzungen verweigern und damit gezielt einen baulichen Missstand erzeugen, der negativ auf das umgebende Quartier ausstrahlt. Diese Definition des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) trifft den Kern eines Phänomens, das in deutschen Städten seit Jahren wächst, während gleichzeitig der Wohnraum knapp wird wie nie zuvor.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Laut Pestel-Institut fehlten in Deutschland Ende 2024 rund 1,4 Millionen Wohnungen, allein in Nordrhein-Westfalen 376.000, in Bayern 233.000. Bis 2030 schätzt das Institut den Gesamtbedarf auf bis zu 2,4 Millionen neue Wohnungen. Im ersten Halbjahr 2025 wurden bundesweit jedoch nur etwa 110.000 Wohnungen genehmigt, weit entfernt vom politisch ausgegebenen Ziel der Bundesregierung von 400.000 jährlich. Parallel dazu steht laut Zensus 2022 eine siebenstellige Zahl von Wohnungen leer. Ein Teil dieser Bestände sind Schrottimmobilien, deren Inverkehrbringen ein politisch und juristisch zähes Geschäft ist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was sind Schrottimmobilien eigentlich und wer betreibt sie?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schrottimmobilien entstehen selten zufällig. In den Problemquartieren von Duisburg, Gelsenkirchen, Dortmund oder Essen, aber auch in Berliner und Leipziger Straßenzügen, hat sich ein Geschäftsmodell etabliert, das gezielt auf Verwahrlosung setzt. Häuser werden in heruntergekommenem Zustand günstig erworben, kaum oder gar nicht instandgehalten und an besonders prekäre Mieterinnen und Mieter weitervermietet, häufig an Empfangende staatlicher Sozialleistungen. Die Mieten werden direkt mit dem Jobcenter abgerechnet, in dokumentierten Fällen bis zu 42 Euro pro Quadratmeter, weit jenseits jeder ortsüblichen Vergleichsmiete.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Eigentümerstrukturen sind häufig verschachtelt. Briefkastengesellschaften im Ausland, schnell wechselnde Verwaltungen und schwer greifbare wirtschaftlich Berechtigte erschweren den kommunalen Zugriff. Die Bewohnerinnen und Bewohner leben dabei mit Schimmel, defekten Elektroleitungen, ausgefallenen Heizungen und überbelegten Räumen. Die nordrhein-westfälische Wohnungsaufsicht hat seit Einführung des Wohnungsaufsichtsgesetzes (WAG NRW) im Mai 2014 mehrere tausend Fälle bearbeitet, allein bis Ende 2016 rund 6.200. Heute wenden weit über 100 Kommunen das Gesetz aktiv an.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum verschärfen Schrottimmobilien den Wohnungsmangel?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Zusammenhang zwischen Verfallsbeständen und Wohnungsknappheit ist nicht trivial, aber real. Erstens werden Wohneinheiten dem Markt entzogen oder in einem Zustand gehalten, der unterhalb gesetzlicher Mindeststandards liegt: nach § 4 WAG NRW etwa neun Quadratmeter Mindestwohnfläche für Erwachsene, sechs Quadratmeter für Kinder, hell, trocken, beheizbar, mit funktionierenden sanitären Anlagen. Zweitens ziehen verwahrloste Liegenschaften Quartiere mit nach unten, vermindern die Investitionsbereitschaft benachbarter Eigentümerinnen und Eigentümer und blockieren so städtebauliche Aufwertungsprozesse, die zusätzlichen Wohnraum schaffen könnten. Drittens binden sie kommunale Ressourcen, von Ordnungsbehörde über Bauaufsicht bis hin zur Sozialarbeit, die anderswo fehlen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ökonomisch wirkt das Phänomen wie ein doppelter Schaden. Während das Pestel-Institut den Wohnungsmangel bereits als Wachstumsbremse identifiziert, weil Unternehmen in angespannten Märkten kaum noch Fachkräfte rekrutieren können, drücken Schrottimmobilien zugleich die soziale Stabilität ganzer Stadtteile. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) verweist in ihren wohnungspolitischen Stellungnahmen regelmäßig auf den Zusammenhang von baulicher Substanzqualität und sozialem Zusammenhalt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche rechtlichen Werkzeuge stehen den Kommunen zur Verfügung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Instrumentarium ist breiter, als die öffentliche Debatte oft vermuten lässt. § 177 Baugesetzbuch (BauGB) erlaubt Modernisierungs- und Instandsetzungsgebote, § 176 BauGB ein Baugebot bei unbebauten oder mindergenutzten Grundstücken, § 179 BauGB sogar ein Rückbaugebot. Die in mehreren Bundesländern existierenden Wohnungsaufsichtsgesetze, neben Nordrhein-Westfalen auch in Berlin, Bremen, Hessen und Hamburg, ergänzen diese städtebaulichen Instrumente um eine ordnungsrechtliche Schiene. Bußgelder bis 50.000 Euro, Unbewohnbarkeitserklärungen und Räumungen sind möglich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit dem 2026 in den Landtag eingebrachten Faires-Wohnen-Gesetz geht Nordrhein-Westfalen einen Schritt weiter. Vorgesehen ist eine Treuhandverwaltung bei beharrlicher Missachtung von Sanierungsauflagen sowie, als ultima ratio, die Enteignung. Beides gilt als juristisches Novum im Wohnungsbereich und wird absehbar gerichtlich überprüft werden. Kritikerinnen und Kritiker, darunter die kommunalen Spitzenverbände, weisen auf die ungeklärte Finanzierung hin: Treuhänder kosten Geld, ebenso die Übernahme sanierungsbedürftiger Bausubstanz durch öffentliche Hand.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bauordnungsrechtlich greifen die jeweiligen Landesbauordnungen, in Bayern die BayBO, ergänzend bei Gefahr für Leib und Leben, etwa über § 76 BayBO (Anordnungen). Steuerlich diskutiert wird seit Längerem die Einführung einer Zweckentfremdungsabgabe auf Bundesebene, die bislang nur durch landesrechtliche Zweckentfremdungsverbotsgesetze in Bayern, Berlin, Hamburg und weiteren Ländern abgebildet ist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was lehrt der Blick auf Duisburg-Marxloh und Gelsenkirchen-Ückendorf?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Beide Quartiere gelten als Lehrbeispiele. Duisburg hat seit 2014 mehrere Schrottimmobilien für unbewohnbar erklärt und in Einzelfällen abgerissen. Gelsenkirchen verzeichnete 2018 allein 354 WAG-Anwendungsfälle. Die Erfolge sind real, aber begrenzt. Wo eine Liegenschaft saniert oder beseitigt wird, taucht das Geschäftsmodell oft im Nachbarstraßenzug wieder auf. Der Bundesrechnungshof und mehrere Landesrechnungshöfe haben wiederholt angemahnt, dass ohne abgestimmtes Vorgehen aus Bauaufsicht, Sozialbehörden, Steuerverwaltung und Polizei das System Schrottimmobilie kaum dauerhaft zu zerschlagen sei.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisch und städtebaulich ergibt sich daraus eine doppelte Aufgabe. Erstens braucht es Konzepte für die Reaktivierung von Bestandsgebäuden, die häufig substanziell wertvoll sind, etwa gründerzeitliche Mietshäuser mit hoher Geschossflächenzahl in zentralen Lagen. Zweitens erfordert die soziale Mischung in Problemquartieren bauliche Antworten, die über reine Sanierung hinausgehen: durchmischte Erdgeschosszonen, gemeinschaftliche Außenräume, barrierefreie Erschließungen nach DIN 18040-2, energetische Ertüchtigung im Rahmen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG).</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Bestand vor Neubau</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Wohnungsmangel lässt sich nicht allein durch Neubau lösen. Genehmigungszahlen, Bauzinsen und Materialkosten sprechen gegen kurzfristige Effekte. Umso wichtiger wird die Aktivierung problematischer Bestände. Schrottimmobilien sind dabei kein moralisches Randthema, sondern ein wohnungspolitischer Hebel, dessen Nutzung sowohl rechtliche Konsequenz als auch städtebauliche Sorgfalt erfordert. Das bedeutet, kommunalen Behörden ausreichend personelle und finanzielle Mittel an die Hand zu geben, gesetzliche Lücken zu schließen, etwa bei der Eigentümerermittlung über das Geldwäschegesetz und das Transparenzregister, und die Sanierung über Förderprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sowie der Wohnraumförderung der Länder gezielt zu unterstützen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer den Wohnungsmangel ernst nimmt, kommt an der Schrottimmobilie nicht vorbei. Sie ist Symptom und Ursache zugleich, juristisches Problem und gestalterische Aufgabe. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die neuen Werkzeuge des Faires-Wohnen-Gesetzes mehr sind als ein politisches Signal.</p>
<p>&nbsp;</p>
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