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	<title>Top-Themen-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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		<title>Longevity in der Baukunst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Sep 2026 10:33:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Nicht das Material entscheidet über die Klimabilanz eines Gebäudes, sondern die Frage, ob es ein zweites Mal genutzt wird. Nur misst das keine Kennzahl.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/longevity-in-der-baukunst/">Longevity in der Baukunst</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">MEINUNG &amp; KRITIK</strong> | September 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><span style="color: #993300;">Holz oder Beton? Die Frage lenkt vom eigentlichen Problem ab</span></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Longevity in der Baukunst bezeichnet die Fähigkeit eines Gebäudes, über Generationen hinweg genutzt, umgenutzt und instand gehalten zu werden. Sie ist die wirksamste Stellschraube der Herstellungsemissionen und zugleich die einzige, die in keine Klimakennzahl eingeht. Das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) des Bundes rechnet mit 50 Jahren, das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) legt in seinen Bilanzierungsregeln vom 19. Juli 2024 denselben Zeitraum fest, der OI3-Leitfaden des Österreichischen Instituts für Bauen und Ökologie schreibt in der Version 5.0 von 2023 maximal 50 Jahre vor. Auch Anhang III der Richtlinie (EU) 2024/1275 setzt für das Lebenszyklus-Treibhauspotenzial 50 Jahre an. Ein Bauwerk, das für 120 Jahre entworfen wird, kann diesen Vorzug in keiner dieser Bilanzen ausweisen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><span style="color: #993300;">Wie groß ist der Zeithebel wirklich?</span></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) beziffert in ihrer Benchmarkstudie von 2021 die Treibhausgasemissionen der Gebäudekonstruktion im Mittel auf 8,7 Kilogramm CO2-Äquivalent je Quadratmeter und Jahr, bezogen auf Herstellung, Errichtung, Austausch und Entsorgung über 50 Jahre. In dieser Zahl steckt eine unausgesprochene Annahme: Sie unterstellt, dass nach 50 Jahren wieder gebaut wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Über einen festen Horizont von hundert Jahren wird daraus ein belastbarer Vergleich. Zwei aufeinanderfolgende Gebäude verursachen rund 870 Kilogramm CO2-Äquivalent je Quadratmeter, weil die Herstellung zweimal anfällt. Ein einziges Gebäude, das hundert Jahre trägt, verursacht rund 495: Die Herstellung fällt einmal an, die Austauschzyklen für Fassade und Technik laufen dagegen etwa doppelt so oft. Das sind 43 Prozent weniger. Rechnet man zehn bis fünfzehn Prozent zusätzliche Herstellungsemissionen für lichte Höhe, Lastreserven und trennbare Schichten ein, liegt der Break-even bei rund sechzig Nutzungsjahren. Der Materialhebel liegt in derselben Größenordnung: Zwischen dem günstigsten Sechstel der untersuchten Gebäude mit 6,5 und dem schlechtesten Zehntel mit 11,9 Kilogramm liegen 45 Prozent. Zeit und Material konkurrieren also nicht, sie multiplizieren sich. Nur wird der eine Faktor gemessen und der andere nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Einwand bleibt und ist ernst zu nehmen. Die Herstellungsemissionen fallen heute an, in dem Jahrzehnt, das über das Restbudget entscheidet; der vermiedene Ersatzneubau fällt nach 2075 an, wenn Zement und Stahl vermutlich sauberer sind. Wer Emissionen nach ihrem Zeitpunkt gewichtet, muss diesen Nutzen abzinsen, und der Break-even wandert auf rund achtzig Jahre. Genau deshalb ist der Bestand dem langlebigen Neubau nicht gleichrangig, sondern vorgeordnet: Er spart sofort, was der Neubau erst in achtzig Jahren spart.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><span style="color: #993300;">Was ist am Kohlenstoffspeicher Holz tatsächlich dran?</span></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Speicherwirkung von Holz ist real, ihre bilanzielle Bewertung jedoch unschärfer, als der Fachdiskurs nahelegt. Eine Übersichtsarbeit von Endrit Hoxha, Alexander Passer und weiteren, 2020 in der Zeitschrift Buildings &amp; Cities erschienen, vergleicht die gebräuchlichen Bilanzierungsmethoden für biogenen Kohlenstoff: Je nach Methode weichen die Ergebnisse auf Gebäudeebene um rund 16 Prozent voneinander ab, auf Bauteilebene um 35 bis 200 Prozent. Für ein neungeschossiges Holzwohnhaus in Graz liefert der dynamische Ansatz 26,67 statt 20,7 Kilogramm je Quadratmeter und Jahr. Diese 29 Prozent gelten allerdings für ein einzelnes Gebäude ohne mineralisches Vergleichsobjekt. Sie sagen nichts darüber, ob Holz gegenüber Beton vorne liegt, sondern nur, wie weit derselbe Bau je nach Rechenverfahren auseinanderliegt. Hinzu kommt, dass die europäische Regel dem Holz ohnehin keinen dauerhaften Bonus zugesteht: Nach DIN EN 15804+A2 ergibt biogener Kohlenstoff über den vollen Lebenszyklus netto null.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zur Größenordnung: Eine Arbeit von Lisa Kaufmann und weiteren am Institut für Soziale Ökologie der Universität für Bodenkultur Wien, 2024 in den Environmental Research Letters erschienen, beziffert den in sämtlichen Materialbeständen der Gesellschaft aktiv gespeicherten Kohlenstoff auf etwa vier Prozent jener Menge, die der Atmosphäre bis 2100 entzogen werden müsste. Das ist allerdings ein Maßstab, an dem jede Einzelmaßnahme scheitert. Umgekehrt kommt eine aus dem Waldfonds geförderte Untersuchung der Technischen Universität Wien vom März 2026 zu dem Ergebnis, dass Holz- und Holzhybridbauweisen im Geschosswohnbau das Treibhauspotenzial gegenüber vergleichbaren Stahlbetonbauten um bis zu 50 Prozent senken können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Damit kein Missverständnis entsteht: Der Zeithebel spielt nicht gegen Holz, er spielt mit ihm. Skelettbauweisen mit lösbaren Fügungen, großen Spannweiten und geringem Eigengewicht erfüllen die Umnutzungskriterien besser als jede Ortbetondecke mit einbetonierten Leitungen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><span style="color: #993300;">Warum zahlt Dauerhaftigkeit nicht auf die Klimakennzahl ein?</span></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bewertungssysteme kennen Umnutzungsfähigkeit durchaus. Das BNB bepunktet im Kriterium 3.2.3 lichte Raumhöhen ab drei Metern, Nutzlastreserven über fünf Kilonewton je Quadratmeter, Gebäudetiefen unter 11,50 Metern und revisierbare Leitungsführungen; die DGNB führt Anpassungsfähigkeit in ECO2.4 und zirkuläres Bauen in TEC1.6. Nur zahlt diese Währung nicht auf jene eine Zahl ein, die ab 2028 im Energieausweis steht. Der Grund ist eine Konvention, nicht die Norm: DIN EN 15978 weist die Herstellungsemissionen der Module A1 bis A3 als einmalige Größe aus, erst die nationalen Bewertungssysteme verteilen sie über den Bezugszeitraum. Wie starr das ist, zeigt ein Detail: Für die Austauschzyklen verweist das QNG verbindlich auf die BBSR-Tabelle „Nutzungsdauern von Bauteilen“ in der Fassung vom 24. Februar 2017, obwohl neu erhobene Fassungen bis März 2026 vorliegen. Ab dem 1. Januar 2028 verlangt Artikel 7 Absatz 2 der Richtlinie (EU) 2024/1275 für Neubauten über 1.000 Quadratmeter, ab 2030 für alle, die Offenlegung des Lebenszyklus-Treibhauspotenzials im Energieausweis. Eine Kennzahl, die Dauerhaftigkeit nicht abbilden kann, wird sie auch nicht erzeugen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><span style="color: #993300;">Woran Gebäude tatsächlich sterben</span></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat im Mai 2025 eine von Charlotte Dorn und Jens Otto an der Technischen Universität Dresden erarbeitete Auswertung vorgelegt. Zwischen 2007 und 2021 wurden jährlich knapp 12.000 Gebäude abgebrochen; von den Wohngebäuden, die zwischen 2016 und 2021 abgingen, erreichten 17,3 Prozent nicht einmal 42 Jahre. Häufigster Abbruchgrund ist mit 53,4 Prozent die Errichtung eines neuen Wohngebäudes an gleicher Stelle. Das ist keine bauliche, sondern eine Bodenpreisentscheidung, und sie fällt auch gegen intakte Bauten. Tragwerksversagen kommt vor, aber als Ausnahme: Spannungsrisskorrosion an vergütetem Spannstahl der sechziger Jahre, Chloridschäden in Parkbauten, vor allem aber Asbest und polychlorierte Biphenyle, an denen nicht die Statik scheitert, sondern die Sanierungskostenrechnung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Rest ist Ökonomie. Ein seit 2023 fertiggestelltes Wohngebäude ist nach § 7 Absatz 4 des Einkommensteuergesetzes in 33 Jahren abgeschrieben, institutionelle Eigentümerinnen und Eigentümer halten sieben bis zehn Jahre, und das Bauordnungsrecht stellt den Abriss vielfach genehmigungsfrei, den Umbau nicht. Der Entwurf entscheidet deshalb nicht darüber, ob ein Gebäude erhalten wird, sondern nur darüber, ob es erhalten werden kann. Was übrig bleibt, weist das Umweltbundesamt für 2022 mit 207,9 Millionen Tonnen mineralischer Bauabfälle einschließlich Bodenaushub aus, rund 61 Prozent des deutschen Abfallaufkommens.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><span style="color: #993300;">Was folgt daraus für den Entwurf?</span></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zuerst der zweite Rettungsweg. Das häufigste harte Hindernis bei der Umnutzung von Büro zu Wohnen ist nicht die Raumhöhe, sondern die Erschließung: notwendige Treppenräume, Nutzungseinheiten mit eigenem Rettungsweg, Schachtquerschnitte für eine nachträgliche Entrauchung. Kerne und Schächte gehören nach der anspruchsvollsten denkbaren Nutzung dimensioniert, nicht nach der ersten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dann die Lastreserve, und zwar beziffert. Nach DIN EN 1991-1-1 mit Nationalem Anhang liegt Wohnen bei 1,5 bis 2,0, Büro bei 2,0, Versammlung bei 3,0 bis 5,0 Kilonewton je Quadratmeter. Wer heute auf 5,0 auslegt, hält Büro, Verkauf, Bibliothek und Versammlung gleichzeitig offen. Fundament- und Stützenreserven für eine spätere Aufstockung sind die einzigen, die sich praktisch nie nachrüsten lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drittens die Erneuerbarkeit der Hülle, denn die Fassade dominiert den Austauschanteil der Ökobilanz. Mechanisch gefügt und sortenrein trennbar bleibt sie erneuerbar; geklebt und verbundstoffgebunden erzwingt sie beim nächsten Zyklus einen Eingriff ins Tragwerk. Langlebigkeit ist nur dann klimapositiv, wenn die kurzlebigen Schichten austauschbar sind. Sonst wird sie zur Emissionsgarantie über hundert Jahre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Honorarrecht trägt diesen Aufwand bereits: Nach § 4 Absatz 3 der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure ist die mitzuverarbeitende Bausubstanz zu ermitteln und in Textform zu vereinbaren, nach § 6 Absatz 2 gilt ab durchschnittlichem Schwierigkeitsgrad ein Umbauzuschlag von 20 Prozent. Die Muster-Umbauordnung, die die Bundesarchitektenkammer am 19. Mai 2023 vorlegte, wurde als solche nirgends übernommen, ihr Anliegen inzwischen mehrfach: Hamburg seit Januar 2026, Nordrhein-Westfalen mit dem BauCode NRW seit September 2026, Bayern mit einem Kabinettsbeschluss vom Juni 2026.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus vierzig Berufsjahren bleibt eine Beobachtung. Die Gebäude, die überdauern, sind selten die technisch avanciertesten, sondern die, die jemand behalten wollte. Eine Halle aus dem 19. Jahrhundert wird zur Markthalle, zum Büro, zum Konzertsaal, weil Proportion, Licht und Robustheit jede dieser Nutzungen tragen. Ein Verwaltungsbau der siebziger Jahre mit zu geringer Höhe und zu enger Stütze wird nach vierzig Jahren entsorgt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><span style="color: #993300;">Baukunst ist eben nicht nur eine optische Qualität. Sie ist die Eigenschaft, die einem Bauwerk seine zweite, dritte und vierte Nutzung offenhält, und damit die einzige Form der Kohlenstoffspeicherung, die ein Gebäude verlässlich leistet. Der beste Baustoff ist das Gebäude, das bereits steht. Der zweitbeste ist das, welches so entworfen wird, dass es in hundert Jahren noch niemand abreißen will.</span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/longevity-in-der-baukunst/">Longevity in der Baukunst</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Die Rückkehr der guten Geschichte. Narrative als Instrument der Planung</title>
		<link>https://baukunst.art/die-rueckkehr-der-guten-geschichte-narrative-als-instrument-der-planung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Sep 2026 10:05:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
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		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>71 Prozent meiden Nachrichten. Was das für Planungsverfahren bedeutet, warum die Krisenerzählung im Bauwesen unvollständig ist und wie belastbare positive Narrative entstehen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">GESELLSCHAFT</strong> | September 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die magische Kraft: Was positive Narrative in Zeiten schlechter Nachrichten bewirken und wie sie entstehen</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein positives Narrativ ist keine gute Nachricht, sondern eine Erzählstruktur: Es verknüpft einen konkreten Ort, handelnde Personen und einen überprüfbaren Fortschritt zu einer Geschichte, die Handlungsfähigkeit unterstellt statt Ohnmacht. In der Stadtentwicklung ist das keine Frage der Stimmung, sondern eine Ressource der Planung. Ein Quartier, das ausschließlich als Problemfall beschrieben wird, organisiert Abwehr. Dasselbe Quartier, als Vorhaben beschrieben, organisiert Beteiligung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bedarf lässt sich beziffern. Nach dem Reuters Institute Digital News Report 2025, dessen deutsche Teilstudie das Leibniz-Institut für Medienforschung, Hans-Bredow-Institut (HBI), im Juni 2025 vorgelegt hat, meiden 71 Prozent der erwachsenen Internetnutzerinnen und -nutzer in Deutschland zumindest gelegentlich aktiv Nachrichten. 48 Prozent begründen das mit den negativen Auswirkungen auf die eigene Stimmung, 39 Prozent mit der Übermenge an Kriegs- und Konfliktberichterstattung. Für die Planungspraxis ist dieser Rückzug folgenreich: Wer abschaltet, erscheint auch nicht zur frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit nach § 3 Absatz 1 Baugesetzbuch (BauGB). Die Erörterungen füllen dann jene, die eine feste Meinung mitbringen, meist eine ablehnende.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum ist die Krisenerzählung im Bauwesen unvollständig?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen zum deutschen Wohnungsbau taugten drei Jahre lang als Beleg für den Niedergang, und sie taugen inzwischen auch für das Gegenteil. Das Statistische Bundesamt meldete für das erste Halbjahr 2026 Baugenehmigungen für 126.300 Wohnungen, ein Plus von 15,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und damit die stärkste prozentuale Zunahme in einem ersten Halbjahr seit 2016. Im Juni 2026 lag der Zuwachs bei 13,8 Prozent, bei Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden bei 12,1 Prozent. Wer die Zahl allein stehen lässt, betreibt allerdings dasselbe Verfahren wie die Krisenerzählung, nur mit umgekehrtem Vorzeichen: 2016 waren es im selben Zeitraum 182.800 Wohnungen, das aktuelle Niveau liegt also rund ein Drittel darunter. Genehmigt ist zudem nicht gebaut.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau hier liegt die eigentliche Leistung positiver Narrative, und zugleich ihre Grenze. Sie korrigieren keine Fakten, sie korrigieren die Auswahl. Die Krisenerzählung ist selten falsch, sie ist unvollständig. Und Unvollständigkeit hat planerische Kosten: Investitionsentscheidungen, kommunale Ratsbeschlüsse und die Bereitschaft junger Menschen, einen Bauberuf zu ergreifen, folgen weniger der Statistik als dem Bild, das sich eine Gesellschaft von ihrer eigenen Lage macht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was unterscheidet ein tragfähiges Narrativ von Schönfärberei?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Forschung ist an dieser Stelle unbequemer, als es den Fürsprechern des konstruktiven Journalismus lieb sein dürfte. Eine experimentelle Studie von Klaus Meier an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, im Mai und Juni 2016 in Kooperation mit dem Magazin „chrismon“ mit 130 Teilnehmenden durchgeführt und 2018 in der Fachzeitschrift „Journalistik“ veröffentlicht, verglich konstruktive und nicht-konstruktive Fassungen derselben Texte. Das Ergebnis fällt zweischneidig aus: Die konstruktiven Varianten wurden hoch signifikant als hoffnungsvoller wahrgenommen, die Leserinnen und Leser reagierten interessierter und weniger gelangweilt. Bei der tatsächlichen Handlungsabsicht ließ sich dagegen kein signifikanter Unterschied nachweisen. Bei 130 Befragten ist das kein Beleg für Wirkungslosigkeit, wohl aber eine Mahnung an alle, die sich von guten Geschichten unmittelbare Verhaltensänderungen versprechen. Ein Teil der Befragten reagierte zudem misstrauisch: Positive Beispiele gerieten in den Verdacht versteckter Werbung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dieses Misstrauen ist berechtigt und für das Bauwesen besonders einschlägig. Placemaking-Kampagnen, die Zwischennutzung als Kulturprogramm feiern und den anschließenden Mietsprung verschweigen, sind keine positiven Narrative, sondern Vermarktung. Ein tragfähiges Narrativ hält drei Bedingungen aus: Es benennt Kosten und Konflikte, es macht die Trägerschaft kenntlich, und es bleibt überprüfbar, weil Ort, Zeitraum und Beteiligte konkret sind. Fehlt eine dieser Bedingungen, entsteht kein Narrativ, sondern eine Broschüre.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie entstehen positive Narrative in der Stadtentwicklung?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht durch Kommunikation, sondern durch Verfahren. Wer den Entstehungsweg der bekannten Beispiele rekonstruiert, findet regelmäßig dieselbe Reihenfolge: zuerst eine rechtliche oder organisatorische Konstruktion, dann eine bauliche Realität, erst zuletzt die Erzählung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Leipziger Modell der Wächterhäuser, getragen vom Verein HausHalten e. V., der im Oktober 2004 gegründet wurde, ist dafür der klarste Fall. Ausgangspunkt war kein Leitbild, sondern ein Gestattungsvertrag zwischen Eigentümerschaft und Nutzenden: Nutzung ohne Miete gegen Übernahme der Betriebskosten und der einfachen Instandhaltung. Der Bestand blieb erhalten, weil jemand ihn benutzte. Die Erzählung vom „Leipziger Weg“ entstand Jahre später, aus einer Praxis heraus, die man besichtigen konnte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ähnlich arbeitet die Internationale Bauausstellung IBA’27 StadtRegion Stuttgart, deren Ausstellungsjahr vom 24. April bis zum 30. Oktober 2027 läuft. Ihre Wirkung liegt weniger in einzelnen Projekten als in der Verabredung, über einen definierten Zeitraum eine gemeinsame Frage zu bearbeiten. Ein festes Datum erzeugt Verbindlichkeit dort, wo Absichtserklärungen folgenlos bleiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das dritte Element ist die Vorphase. Die sogenannte Phase Null, die der Grundlagenermittlung nach § 34 der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) vorausgeht, klärt Bedarf, Nutzung und Trägerschaft, bevor die erste Zeichnung entsteht. Wo sie ernsthaft durchgeführt wird, entsteht ein Narrativ nebenbei: Beteiligte, die den Bedarf selbst formuliert haben, erzählen das Ergebnis später als eigenes. Das ist der Unterschied zwischen Akzeptanzmanagement und Beteiligung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein viertes Element wird regelmäßig unterschätzt: der Ort, an dem erzählt wird. Derselbe Reuters Institute Digital News Report 2025 weist Lokal- und Regionalzeitungen neben den öffentlich-rechtlichen Angeboten das höchste Vertrauen aus, während nur 45 Prozent der Befragten angeben, den meisten Nachrichten meistens zu vertrauen. Ein Quartiersprojekt, über das die Lokalredaktion berichtet, erreicht damit eine Glaubwürdigkeit, die keine Imagebroschüre und keine kommunale Pressestelle herstellen kann. Die Konsequenz ist banal und wird trotzdem selten gezogen: Wer will, dass über ein Vorhaben berichtet wird, muss es berichtbar machen, mit Terminen, Zahlen und ansprechbaren Personen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das für Kommunen und Büros?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Baukulturbericht 2026/27 „Gestalten. Prozesse, Bauen, Zusammenhalt“ der Bundesstiftung Baukultur, am 11. Juni 2026 beim Konvent der Baukultur in Potsdam vorgestellt und von der Bundesregierung in ihrer Stellungnahme begrüßt, macht diesen Zusammenhang zum Programm. Gestaltungsqualität erscheint dort nicht als ästhetische Zugabe, sondern als Bedingung von Identifikation und gesellschaftlichem Zusammenhalt, und zwar durchgehend von der Vorbereitung eines Vorhabens an. Der Bericht empfiehlt zudem, Leerstand strategisch zu nutzen, die aktive Bodenpolitik zu stärken und bürgerschaftliches Engagement zu unterstützen. Das ist keine Kommunikationsagenda, sondern eine Verfahrensagenda. Sie beschreibt die Bedingungen, unter denen sich überhaupt etwas erzählen lässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Kommunen folgt daraus eine unspektakuläre Konsequenz: Positive Narrative lassen sich nicht beauftragen, ihre Voraussetzungen aber lassen sich herstellen. Dazu gehören überschaubare Vorhaben mit sichtbarem Abschluss, eine namentlich benannte verantwortliche Person statt eines zuständigen Amtes, und die Bereitschaft, Zwischenergebnisse zu zeigen, bevor alles entschieden ist. Für Architekturbüros gilt Vergleichbares. Die Dokumentation eines Projekts beginnt nicht bei der Fertigstellungsfotografie, sondern bei der Frage, welches Problem am Anfang stand und wer es formuliert hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die magische Kraft positiver Narrative ist nach allem, was die Empirie hergibt, deutlich kleiner als ihre Fürsprecher behaupten und deutlich größer als ihre Kritikerinnen und Kritiker zugestehen. Ein unmittelbarer Effekt auf das Verhalten ist bislang nicht nachgewiesen. Nachgewiesen ist, dass positive Narrative Aufmerksamkeit offenhalten, und ohne Aufmerksamkeit entsteht weder Beteiligung noch Widerspruch. In einer Öffentlichkeit, in der sieben von zehn Menschen den Nachrichten zeitweise ausweichen, ist das keine geringe Leistung.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Das Wasserstoff-Märchen aus dem Untergrund</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Sep 2026 09:57:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kreisrunde Senken über Wasserstofffeldern, Billionen Tonnen im Untergrund, eine neue Explorationsmethode: Der Hype um weißen Wasserstoff wächst schneller als die Datenlage. Eine Einordnung.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-wasserstoff-maerchen-aus-dem-untergrund/">Das Wasserstoff-Märchen aus dem Untergrund</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">INNOVATION</strong> | September 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Weißer Wasserstoff: Warum 5,6 Billionen Tonnen kein Bauprogramm sind</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Geologischer Wasserstoff, im Marketing „weißer Wasserstoff&#8220; genannt, ist molekularer Wasserstoff, der in der Erdkruste laufend neu entsteht, überwiegend durch Serpentinisierung eisenhaltiger Gesteine und durch Radiolyse von Porenwasser. Die Ressource ist real und geochemisch gut belegt. Die Schlussfolgerungen, die daraus derzeit für den Gebäudesektor gezogen werden, sind es nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahl, die den Diskurs trägt, stammt vom United States Geological Survey (USGS). Geoffrey S. Ellis und Sarah E. Gelman modellierten im Dezember 2024 in der Fachzeitschrift Science Advances einen wahrscheinlichsten Wert von rund 5,6 Billionen Tonnen Wasserstoff im Untergrund. Bereits zwei Prozent davon würden den für ein Netto-Null-Szenario projizierten Weltbedarf etwa 200 Jahre decken. Zitiert wird meist genau diese Hälfte des Befunds. Die andere Hälfte steht in derselben Veröffentlichung: Der weitaus größte Teil dieses Wasserstoffs dürfte praktisch nicht förderbar sein, und die Bandbreite des Modells erstreckt sich über sieben Größenordnungen. Eine Abschätzung, deren Unsicherheit den Faktor zehn Millionen umfasst, ist ein Forschungsauftrag und keine Reserve.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was haben Feenkreise mit Energiepolitik zu tun?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den jüngsten Aufmerksamkeitsschub lieferte die Geologie. Martin P. J. Schöpfer vom Institut für Geologie der Universität Wien veröffentlichte im September 2025 gemeinsam mit Christine Detournay und Gábor Tari in der Fachzeitschrift Geology (Band 53, Heft 9, Seiten 712 bis 716) ein mechanisches Modell für sogenannte subzirkuläre Senken, jene kreisrunden vegetationsfreien Vertiefungen, die in Russland, Brasilien, Australien und den USA über wasserstoffführenden Formationen auftreten. Steigt Wasserstoff aus der Tiefe in wassergesättigte Sedimente, verdrängt er das Porenwasser und hebt die Oberfläche an, das Sediment geht auf wie ein Soufflé. Versiegt der Gasstrom, fällt der Druck, das Material kompaktiert, die Senke bleibt zurück. In den Simulationen korrelieren Durchmesser und Absenktiefe mit Gasdruck und Tiefe der Quelle. Damit ließe sich aus der Geometrie an der Oberfläche auf die Tiefe eines Reservoirs schließen, bevor gebohrt wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zwei Einordnungen gehören dazu, die in der Berichterstattung regelmäßig fehlen. Erstens stammt die Arbeit nicht aus einem industriefernen Umfeld: Der Energiekonzern OMV finanzierte sie, und Ko-Autor Gábor Tari ist Group Chief Geologist der OMV-Sparte Exploration und Produktion. Das entwertet die Methode nicht, erklärt aber die Richtung der Fragestellung, denn der praktische Nutzen des Modells liegt in der Verbilligung von Exploration. Zweitens sind die berühmten Feenkreise im namibischen Grasland ein anderes Phänomen; die Ökologie erklärt sie überwiegend über Termiten und über Selbstorganisation der Vegetation bei Wasserkonkurrenz. Die Begriffsgleichheit erzeugt eine Suggestion, die die Daten nicht hergeben. Ein Oberflächenindiz ist zudem kein Lagerstättennachweis, sondern bestenfalls ein Hinweis darauf, wo sich eine Bohrung lohnen könnte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum gibt es weltweit nur eine einzige fördernde Quelle?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wirtschaftlich gefördert wird geologischer Wasserstoff bislang an genau einem Ort: in Bourakébougou in Mali, seit 2012, mit einer Reinheit von über 95 Prozent. Die Quelle versorgt ein Dorf mit rund 1.500 Einwohnerinnen und Einwohnern mit Strom, und der Betreiber Hydroma berichtet, dass der Lagerstättendruck nach elf Jahren gestiegen statt gefallen sei. Das ist geologisch bemerkenswert. Es bleibt zugleich eine Größenordnung, die ein Dorf beschreibt und keinen Industriestandort.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Alles Weitere ist Exploration, und die publizierten Mengen sind Hochrechnungen, keine Messwerte. Ein Forschungsteam um Jacques Pironon und Philippe de Donato vom Labor GeoRessources der Université de Lorraine und des Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) extrapolierte 2023 aus Messungen in einer einzelnen Altbohrung im lothringischen Folschviller ein Vorkommen von 46 Millionen Tonnen, bezogen auf das gesamte Becken bis zu 260 Millionen Tonnen; das Unternehmen Française de l’Énergie strebt eine Förderung ab 2027 oder 2028 an. In Südaustralien traf Gold Hydrogen auf der Yorke-Halbinsel nach Unternehmensangaben auf 97 Prozent reinen Wasserstoff. In Saskatchewan meldet MAX Power seit Juli 2026 ein kommerzielles Validierungsprogramm auf dem Lawson-Komplex mit bis zu 28,6 Prozent Wasserstoff im Bohrgas. Sämtliche dieser Angaben stammen aus Unternehmensmitteilungen. Keines der Projekte hat bislang belegt, was allein zählt, nämlich eine stabile Förderrate über Jahre.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der physikalische Grund für diese Zurückhaltung ist banal und hartnäckig. Wasserstoff ist das kleinste Molekül überhaupt. Er diffundiert durch Deckschichten, an denen Methan zuverlässig hängen bleibt, und er wird unterwegs von Mikroorganismen verstoffwechselt, die daraus Methan machen. Ob es überhaupt genügend geologische Fallen gibt, in denen sich Wasserstoff über lange Zeiträume in abbauwürdiger Menge sammelt, ist die offene Kernfrage der gesamten Branche. Sie ist nicht beantwortet. Bezeichnenderweise sprechen Ellis und Gelman von Ressourcen und nicht von Reserven. In der Rohstoffwirtschaft trennt dieser Unterschied alles: Ressourcen sind vermutete Mengen im Untergrund, Reserven sind nachgewiesen und mit heutiger Technik wirtschaftlich gewinnbar. Geologischer Wasserstoff hat bis heute keine Reservenposition.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das für die Planung von Gebäuden?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">An dieser Stelle wird aus einer geologischen Debatte ein baupraktisches Problem. Der Befund wandert im politischen Raum vom Bergbau in die Heizungstechnik, und dort richtet er Schaden an. Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), von Bundestag und Bundesrat am 10. Juli 2026 beschlossen und am 28. Juli 2026 im Bundesgesetzblatt verkündet, ersetzt das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und streicht die Pflicht zu 65 Prozent erneuerbarer Energie bei neuen Heizungen nach § 71 Abs. 1 GEG. An ihre Stelle tritt die sogenannte Bio-Treppe mit 10 Prozent klimafreundlicher Brennstoffe ab 2029, 15 Prozent ab 2030, 30 Prozent ab 2035 und 60 Prozent ab 2040, flankiert von einer Grüngasquote für Inverkehrbringer, die 2028 bei einem Prozent beginnt. Deren konkrete Ausgestaltung steht bis zum 1. Dezember 2026 noch aus. Schon das H2-ready-Privileg nach § 71k GEG war in der Praxis jene Erfüllungsoption mit den geringsten unmittelbaren Konsequenzen für Bauherrschaften.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier liegt die Pointe, die in der Debatte konsequent übersehen wird. Anrechenbar ist nach derzeitigem Stand grüner Wasserstoff, also solcher aus erneuerbarem Strom. Geologischer Wasserstoff ist kein grüner Wasserstoff. Er stammt aus einer Bohrung, nicht aus einem Elektrolyseur, und er erfüllt die einschlägigen Herkunftsdefinitionen bislang nicht. Wer die Funde in Lothringen oder Mali als Begründung dafür anführt, eine Gasheizung einzubauen, argumentiert also mit einem Brennstoff, der die eigene Erfüllungsoption gar nicht bedient. Ob und wie geologischer Wasserstoff künftig eingeordnet wird, ist eine offene regulatorische Frage, keine bestehende Rechtslage.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Evidenz spricht dagegen, und zwar ungewöhnlich eindeutig. Jan Rosenow vom Environmental Change Institute der University of Oxford wertete 2024 in der Fachzeitschrift Cell Reports Sustainability 54 unabhängige Studien zur Gebäudebeheizung mit Wasserstoff aus. Keine einzige davon sieht darin eine tragende Rolle. Der Grund ist thermodynamisch und nicht ideologisch: Eine Wärmepumpe liefert aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme, während der Umweg über Erzeugung, Verdichtung, Transport und Verbrennung von Wasserstoff den größten Teil der eingesetzten Energie vernichtet. Wasserstoff aus dem Untergrund verändert an dieser Kette genau einen Punkt, nämlich die Erzeugungskosten. Alle übrigen Verluste bleiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch die Infrastruktur zeigt, wohin die Reise tatsächlich geht. Die Bundesnetzagentur genehmigte am 22. Oktober 2024 das Wasserstoff-Kernnetz mit 9.040 Kilometern Länge und 18,9 Milliarden Euro Investitionsvolumen bis 2032, davon rund 60 Prozent umgestellte Erdgasleitungen. Dieses Netz verbindet Stahlwerke, Raffinerien und Chemiestandorte. Es endet nicht im Reihenhausgebiet, und es wird dort auch nicht enden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wo der Fund tatsächlich zählt</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nichts davon spricht gegen die Forschung. Sollten sich auch nur einige der explorierten Felder als produzierbar erweisen, wäre das erheblich, weil geologischer Wasserstoff die Ökonomie von Stahlerzeugung, Ammoniaksynthese und Raffinerieprozessen verändern könnte, ohne den enormen Strombedarf der Elektrolyse. Das ist ein industriepolitisch bedeutender Vorgang und für die graue Energie von Baustoffen mittelbar relevant, denn primärer Stahl und Zement hängen an genau diesen Prozessen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Entwurfsebene folgt daraus nichts. Der Fund unter Lothringen ist kein Argument, einen Gasanschluss zu behalten, und ein Kreismuster in der brasilianischen Savanne ersetzt keine kommunale Wärmeplanung. Die eigentliche Gefahr dieser Meldungen liegt nicht in ihrem wissenschaftlichen Gehalt, sondern in ihrer politischen Verwendbarkeit: Sie liefern eine Begründung, Entscheidungen zu vertagen, deren Alternativen längst marktreif sind. Innovation lässt sich auch dadurch simulieren, dass man auf eine bessere Zukunft wartet, statt die verfügbare Gegenwart zu bauen.</p>
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		<title>Der schmale August</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Aug 2026 14:44:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Editorial]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Baukunst Akademie]]></category>
		<category><![CDATA[Fortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
		<category><![CDATA[Redaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Unabhängigkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der August fällt schmaler aus. Ein Editorial über ehrenamtliche Redaktionsarbeit, werbefreie Fachpublizistik und die Frage, wer das eigentlich bezahlt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-schmale-august/">Der schmale August</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Editorial</strong> | August 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Liebe Kollegin, lieber Kollege,</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">ein Architekturmagazin ohne Werbung und ohne Bezahlschranke verfügt über genau zwei Ressourcen: verfügbare Zeit und die Überzeugung, dass die Sache es wert ist. Beide sind endlich. Der August macht das sichtbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Ausgabe fällt schmaler aus als gewohnt. Weniger Beiträge, kürzere Strecken, kein ausgebauter Themenschwerpunkt. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern eine Entscheidung. Der Sommer leert die Büros, die Baustellen ruhen zwischen zwei Ferienwochen, und auch eine Redaktion, die vollständig aus ehrenamtlicher Arbeit besteht, braucht gelegentlich einen Monat ohne vollen Umfang. Lieber eine kleine Ausgabe mit sorgfältig geprüften Texten als eine große mit Füllmaterial.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum erscheint der August in reduzierter Form?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Weil jede Zeile dieses Magazins neben der Berufspraxis entsteht. baukunst.art wird ehrenamtlich erstellt, Monat für Monat, ohne Anzeigenabteilung, ohne bezahlte Beiträge, ohne Kooperationen, die redaktionelle Fläche kaufen. Was hier steht, steht hier, weil die Redaktion es für relevant hält, und aus keinem anderen Grund. Diese Unabhängigkeit ist der eigentliche Wert des Projekts. Sie hat einen Preis, und der wird in Arbeitszeit bezahlt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wer trägt die Kosten eines werbefreien Magazins?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hosting, Lizenzen, Bildrechte, Technik, Korrektorat: all das kostet Geld, auch wenn niemand ein Honorar erhält. Die einzige regelmäßige Einnahmequelle ist die Baukunst Akademie. Die dort angebotenen Lehrgänge finanzieren einen Teil der Arbeit an diesem Magazin. Wer einen Kurs bucht, erwirbt also nicht nur Fachwissen für die eigene Praxis, sondern hält zugleich eine unabhängige Fachpublikation am Leben. Das ist kein Spendenaufruf, sondern ein sachlicher Zusammenhang, der bekannt sein sollte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Konstruktion ist eine Reaktion auf eine Entwicklung, die jede Kollegin und jeder Kollege im Zeitschriftenregal beobachten kann. Die klassische Architekturfachpresse finanziert sich seit Jahrzehnten überwiegend über Anzeigen der Bauproduktindustrie. Das funktioniert, solange die Budgets fließen, erzeugt aber eine Abhängigkeit, die sich in der Themenwahl niederschlägt. Wo Hersteller die Seiten bezahlen, fällt die kritische Betrachtung ihrer Produkte erfahrungsgemäß knapper aus. Ein werbefreies Magazin kauft sich von diesem Zusammenhang frei, und zwar buchstäblich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Kurse beginnen im September?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ab dem 8. September läuft der Lehrgang „KI als Assistent im Büroalltag“, vier Online-Module zu je 90 Minuten über den praktischen Einsatz von Sprachmodellen in Planung, Kommunikation und Büroorganisation. Ab dem 10. September folgt der „Psychologie Grundkurs im Architekturbüro“, ebenfalls vier Module, von der Stressreaktion über die Grundbedürfnisse bis zur Selbststeuerung. Beide Lehrgänge werden von den Architektenkammern mit bis zu acht Fortbildungspunkten anerkannt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">KI als Assistent im Büroalltag: <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="https://baukunst.art/kurse/lehrgang-ki-im-bueroalltag-2-3/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">https://baukunst.art/kurse/lehrgang-ki-im-bueroalltag-2-3/</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Psychologie Grundkurs im Architekturbüro: <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="https://baukunst.art/kurse/lehrgang-psychologie-gk-im-architekturbuero-1-3/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">https://baukunst.art/kurse/lehrgang-psychologie-gk-im-architekturbuero-1-3/</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Danach geht es weiter. Ab dem 8. Oktober behandelt „Bauherren gewinnen“ die Akquisestrategie für Architekturbüros, ab dem 3. November folgt „Rechtlich sicher“ mit Vertragsgestaltung, Leistungsphasen und Haftungsfragen. Alle Lehrgänge finden online statt, jeweils von 17 bis 18.30 Uhr, damit sie sich neben dem Büroalltag bewältigen lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bauherren gewinnen: Akquisestrategie für Architekturbüros: <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="https://baukunst.art/kurse/marketing-11-akquisestrategie-1-2/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">https://baukunst.art/kurse/marketing-11-akquisestrategie-1-2/</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rechtlich sicher: <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="https://baukunst.art/kurse/lehrgang-rechtlich-sicher-1-3/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">https://baukunst.art/kurse/lehrgang-rechtlich-sicher-1-3/</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der schmale August ist also kein Rückzug, sondern eine Atempause. Ab September erscheint baukunst.art wieder im gewohnten Umfang, mit ausgebautem Schwerpunkt und den bekannten Rubriken. Bis dahin lohnt der Blick in die vorliegenden Beiträge dieser Ausgabe, die trotz ihrer geringeren Zahl nichts an Sorgfalt eingebüßt haben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Fachmagazin, das niemandem gehört außer seiner Leserschaft, ist in der deutschen Architekturpublizistik selten geworden. Es zu erhalten, ist einfacher, als es klingt: durch Lesen, durch Weiterempfehlen, durch die Teilnahme an einem Kurs.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit kollegialen Grüßen</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stuart Stadler</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Hitzeresiliente Stadt: Vier Wirkprinzipien und die Technologien dahinter</title>
		<link>https://baukunst.art/hitzeresiliente-stadt-vier-wirkprinzipien-und-die-technologien-dahinter/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Aug 2026 13:00:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[BauGB]]></category>
		<category><![CDATA[DIN 4108-2]]></category>
		<category><![CDATA[DWA-A 138-1]]></category>
		<category><![CDATA[GEG]]></category>
		<category><![CDATA[Hitzeresilienz]]></category>
		<category><![CDATA[KAnG]]></category>
		<category><![CDATA[Schwammstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtklima]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nicht die Mittagsspitze entscheidet, sondern die Tropennacht. Welche vier Wirkprinzipien Städte kühlen und welche Technologien ihre Wirkung erstmals belegen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | <strong>INNOVATION</strong> | August 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Hitzeresilienz im Entwurf: Simulation verändert die Stadtplanung</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hitzeresilienz bezeichnet die Fähigkeit einer Stadt, Extremhitze ohne gesundheitliche Schäden und ohne Funktionsverlust zu überstehen. Technisch entsteht sie aus vier Wirkprinzipien: Verschattung, Verdunstung, Kaltluftzufuhr und thermisch träge Bauweise. Alles Übrige ist Beiwerk, mitunter teures.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Dringlichkeit lässt sich beziffern. Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt im Wochenbericht zur Hitzemortalität vom 13. August 2026 bis zur Kalenderwoche 31 rund 12.500 hitzebedingte Sterbefälle, davon etwa 9.600 allein in der Extremwoche Ende Juni. Die Altersgruppe ab 85 Jahren trug mit 193,6 Sterbefällen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner die Hauptlast. Zum Vergleich: Für die Sommer 2018 und 2019 zusammen weist das Umweltbundesamt (UBA) rund 15.600 zusätzliche Sterbefälle aus. Hitze wirkt damit in einer epidemiologischen Größenordnung, und sie trifft zuerst dort, wo die Bebauungsdichte hoch und der Grünanteil niedrig ist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum entscheidet die Nacht und nicht der Mittag?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die planerisch relevante Größe ist nicht die Tagesspitze, sondern die Tropennacht, definiert als Nacht mit einem Temperaturminimum von 20 Grad oder darüber. Der menschliche Organismus kompensiert einen heißen Tag zuverlässig, sofern die Nacht Erholung erlaubt. Bleibt die Auskühlung aus, addieren sich die Belastungen, und dieser Kumulationseffekt erzeugt die Sterbefallkurven des RKI.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nachts zeigt sich zugleich der städtische Wärmeinseleffekt am deutlichsten. Asphalt, Beton und Klinker speichern die Einstrahlung des Tages und geben sie nach Sonnenuntergang wieder ab, während das Umland bereits abkühlt. Zwischen dicht bebauten Quartieren und offener Landschaft entstehen Temperaturdifferenzen von im Mittel zwei bis vier Kelvin, die nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in windschwachen Strahlungsnächten bis zu zehn Kelvin erreichen können. Daraus folgt eine unbequeme Erkenntnis: Sonnensegel, Sprühnebel und mobile Beschattung adressieren die Mittagsspitze, also den falschen Parameter. Wirksam sind für Planerinnen und Planer jene Maßnahmen, die den nächtlichen Wärmeabfluss verbessern, nämlich Entsiegelung, Kaltluftleitbahnen und die Reduktion gespeicherter Wärme in Oberflächen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was leistet Simulation, was Faustregeln nicht können?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der eigentliche Innovationssprung der vergangenen Jahre liegt nicht im Material, sondern im Nachweis. Mit dem Stadtklimamodell PALM-4U, entwickelt unter Federführung des Instituts für Meteorologie und Klimatologie der Leibniz Universität Hannover in der Fördermaßnahme „Stadtklima im Wandel“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), lässt sich das Mikroklima gebäudeauflösend simulieren. Der Unterschied zur klassischen Klimafunktionskarte ist derselbe wie zwischen einer Faustformel und einer Tragwerksberechnung: Statt allgemeiner Empfehlungen liefert das Modell die Kelvin-Differenz einer konkreten Variante an einem konkreten Ort.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Grenze war bislang die Rechenzeit: Eine gebäudeauflösende Quartierssimulation beansprucht Hochleistungsrechner über Tage, im Wettbewerbstakt also unbrauchbar. Genau hier setzt das Projekt MACspeeDZ an, das im Dezember 2025 unter Konsortialführung der Stadt Mannheim gestartet ist und bis November 2029 läuft. Beteiligt sind neben Mannheim die Stadt Aachen, die regio iT, die GEO-NET Umweltconsulting sowie Forschungsgruppen der RWTH Aachen und der Universität Stuttgart. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das Vorhaben mit 3,24 Millionen Euro bei einem Gesamtvolumen von rund 3,9 Millionen Euro. Ein eigens trainiertes KI-Modell soll die aufwendige Strömungssimulation approximieren, gespeist von 100 über das Stadtgebiet verteilten Klimasensoren. Gelingt das, verschiebt sich die Klimabewertung aus der nachgelagerten Gutachtenphase in den Entwurf, dorthin also, wo Entscheidungen noch kostenneutral revidierbar sind.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Materialien: Kühlung ohne Energieeinsatz</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei den Oberflächen ist die passive Strahlungskühlung der interessanteste Ansatz. Sie nutzt das atmosphärische Fenster zwischen 8 und 13 Mikrometern, in dem Wärmestrahlung nahezu ungehindert in den Weltraum entweicht. Ein Team der Columbia University um Qilong Cheng zeigte 2024 in der Fachzeitschrift Nexus, dass bereits die Geometrie hilft: Eine Wand mit Zickzackprofil bleibt im Tagesmittel 2,3 Kelvin kühler als eine ebene Wand mit identischer Beschichtung, mittags bis zu 3,1 Kelvin. In der Gebäudesimulation sinkt der jährliche Kühlenergiebedarf je nach Klimazone um 2 bis 26 Prozent. Der Effekt entsteht ohne Strom, ohne Anlagentechnik, ohne Wartungsvertrag.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Einschränkungen gehören zur Wahrheit: Verschmutzung mindert das Emissionsverhalten, und in der Heizperiode kühlt die Fassade weiter, was den Jahresenergiebedarf verschlechtern kann. Adaptive Systeme mit umschaltbaren Elementen sind Gegenstand laufender Forschung, marktreif sind sie nicht. Wo kein Baum wachsen kann, etwa auf Dächern und in engen Straßenräumen, bleibt die Technologie dennoch aussichtsreich.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der unterschätzte Hebel liegt unter dem Belag</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Messungen der Technischen Universität München an Münchner Straßenbäumen ergaben Saftflussraten von bis zu acht Litern je Stunde und eine Kühlleistung von bis zu 2,3 Kilowatt je Baum, was der Leistung eines Raumklimageräts entspricht (Rahman und andere, Science of the Total Environment, 2018). Der begrenzende Faktor ist nicht die Pflanzung, sondern der durchwurzelbare Raum unter der Oberfläche. Das Stockholmer Modell löst das mit einem tragfähigen Skelettsubstrat aus grobem Schotter, Kompost und Pflanzenkohle, das zugleich als Rigole für Niederschlagswasser dient. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) förderte von Dezember 2022 bis Januar 2025 ein Übertragungsprojekt der Carbuna AG mit 125.000 Euro; das Ergebnis: übertragbar ohne wesentliche Änderungen, geringe rechtliche Hürden, Nachholbedarf bei der Normung. Damit fallen zwei Ziele zusammen, die häufig als konkurrierende Projekte geführt werden, nämlich Regenwasserbewirtschaftung nach DWA-A 138-1 (Oktober 2024) und Verschattung des Straßenraums. Für die Schnittstelle erarbeiten die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) und die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) derzeit gemeinsam das Merkblatt DWA-M 163 „Baumstandorte und Regenwasserbewirtschaftung“.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was heißt das für die Planungspraxis?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit dem 1. Juli 2024 gilt das Bundes-Klimaanpassungsgesetz (KAnG). Das Berücksichtigungsgebot nach § 8 KAnG verpflichtet die Träger öffentlicher Aufgaben, Klimarisiken fachübergreifend in Planungen und Vorhaben einzubeziehen; es greift für alle Verfahren, die ab dem 1. Januar 2025 beantragt oder angezeigt wurden. Nach § 12 Abs. 1 KAnG bestimmen die Länder, welche Stellen kommunale Klimaanpassungskonzepte aufzustellen haben, eine Frist nennt das Gesetz dafür nicht; ihre eigenen Anpassungsstrategien müssen die Länder nach § 10 Abs. 6 KAnG bis zum 31. Januar 2027 vorlegen. Die Werkzeuge existieren längst: § 1 Abs. 5 und § 1a Abs. 5 Baugesetzbuch (BauGB) verankern Klimaanpassung in der Abwägung, § 9 Abs. 1 Nr. 20 und Nr. 25 BauGB erlauben Festsetzungen zu Flächen, Bepflanzung und Erhaltungsbindungen. Auf Gebäudeebene regelt § 14 Gebäudeenergiegesetz (GEG) den sommerlichen Wärmeschutz mit Nachweis nach DIN 4108-2:2013-02, Abschnitt 8, ein Nachweis, der in der Praxis zu oft am unteren Rand geführt wird und damit die spätere Nachrüstung von Splitgeräten vorprogrammiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">München hat am 2. Juli 2025 mit dem Stadtratsbeschluss „Klimaresilientes München 2050“ 26 konkrete Ziele bis 2030 formuliert und die Stadtklimaanalyse aus dem Jahr 2014 fortgeschrieben; die Neuauflage wurde im August 2026 veröffentlicht, ergänzt um einen Katalog von 21 klimaökologisch wirksamen Einzelmaßnahmen. Das ist ein solider Rahmen. Der Engpass liegt danach: bei Pflege- und Bewässerungsbudgets, die über zwanzig Jahre gesichert sein müssen, und beim Zielkonflikt zwischen Nachverdichtung nach § 34 BauGB und dem Erhalt von Freiflächen, der bislang meist zugunsten der Verdichtung entschieden wird. Technologie ersetzt diese Entscheidung nicht. Sie macht ihre Folgen nur erstmals sichtbar, bevor gebaut wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Terafab in Texas: Was der Rekord über unsere Planungskultur verrät</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Aug 2026 12:09:16 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Neun Komma drei Millionen Quadratmeter unter einem Dach. Was der texanische Rekordbau über Genehmigungsrecht, Flächenpolitik und regionale Industriekultur im deutschsprachigen Raum offenlegt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | <strong>UNTERWEGS</strong> | August 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Größenwahn mit Baugenehmigung?</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Terafab heißt die Halbleiterfabrik, die SpaceX und Tesla im texanischen Grimes County errichten wollen, angekündigt mit über 100 Millionen Quadratfuß (rund 9,3 Millionen Quadratmeter) und damit als größtes Gebäude der Welt. Zum Vergleich: Als größtes Gebäude nach Geschossfläche gilt bislang das Hauptmontagewerk des russischen Herstellers AvtoVAZ in Toljatti, je nach Quelle mit 4,9 bis 6 Millionen Quadratmetern, als größtes nach Rauminhalt die Boeing-Montagehalle in Everett. Die erste Ausbaustufe ist mit 16,8 Milliarden US-Dollar veranschlagt, langfristig nennen die Unternehmen bis zu 119 Milliarden. Rund 3.000 Arbeitsplätze sollen entstehen, das Betriebswasser stammt aus dem Gibbons Creek Reservoir, dessen Infrastruktur von einem 2018 stillgelegten Kohlekraftwerk übrig blieb. Intel ist als Technologiepartner beteiligt. Produziert werden sollen Chips für den Cybercab, den humanoiden Roboter Optimus und für orbitale Rechenzentren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zwei Vorbehalte gehören zu dieser Ankündigung. Erstens lassen die bisherigen Veröffentlichungen offen, ob sich die 100 Millionen Quadratfuß auf die überbaute Fläche oder auf das gesamte Areal beziehen. Zweitens beschreibt SpaceX das Vorhaben in den eigenen Börsenunterlagen als allgemeinen Rahmen ohne bindende Verpflichtungen. Auch die genannte Zielgröße von über einem Terawatt Rechenkapazität jährlich ist eher Programm als Planungsgrundlage, sie entspricht einem Vielfachen der in Deutschland installierten Kraftwerksleistung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessant an diesem Vorhaben ist deshalb weniger die Zahl selbst als das, was sie im Vergleich sichtbar macht. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob so etwas technisch machbar ist. Sie lautet, warum vergleichbare Maßstäbe in Bayern, Brandenburg oder Sachsen undenkbar wären, und ob das ein Mangel ist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum wäre ein Terafab in Deutschland nicht genehmigungsfähig?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Anlage dieser Art fiele in Deutschland unter das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) und durchliefe ein förmliches Verfahren nach § 10 BImSchG mit Öffentlichkeitsbeteiligung, dazu eine Umweltverträglichkeitsprüfung nach dem Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) und, weil kein Bebauungsplan solche Dimensionen vorsieht, ein paralleles Bauleitplanverfahren nach Baugesetzbuch (BauGB).</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Referenzbeispiel liegt in Brandenburg. Das Verfahren für die Gigafactory Berlin-Brandenburg in Grünheide lief ab Anfang 2020, die endgültige Genehmigung datiert auf den 4. März 2022, also gut zwei Jahre später. Gebaut wurde in der Zwischenzeit trotzdem, auf Grundlage von mindestens vierzehn Zulassungen vorzeitigen Beginns nach § 8a BImSchG, jeweils auf Risiko des Vorhabenträgers. Das Werksgelände umfasst rund 300 Hektar, die geplante Gebäudegrundfläche etwa 729.000 Quadratmeter. Das Terafab käme, die angekündigte Zahl als Gebäudefläche gelesen, auf mehr als das Dreifache des gesamten Grünheider Areals.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dazu kommt die Flächenpolitik. Die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland wuchs nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Pressemitteilung vom August 2025) um 51 Hektar täglich, während die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie eine Reduktion auf unter 30 Hektar pro Tag bis 2030 vorsieht. Ein einzelnes Gebäude von 930 Hektar entspräche mehr als achtzehn Tagen bundesdeutschen Flächenverbrauchs. Die Bodenschutzklausel des § 1a Absatz 2 Baugesetzbuch (BauGB) verpflichtet zum sparsamen Umgang mit Grund und Boden, § 2 Absatz 2 Raumordnungsgesetz (ROG) wiederholt den Grundsatz auf der Ebene der Landesplanung. Das ist am Ende keine Genehmigungsfrage mehr, sondern eine politische.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was lehrt die Cargolifter-Halle über Größenrekorde?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Brandenburg hat mit dem Größten bereits Erfahrung. Rund vierzig Kilometer südlich von Grünheide steht in Brand die frühere Cargolifter-Werfthalle: 360 Meter lang, 210 Meter breit, 107 Meter hoch, rund 66.000 Quadratmeter Grundfläche, fünf freitragende Stahlbögen über einer halbzylindrischen Kubatur und damit bis heute die größte stützenfreie Halle der Welt. Fertiggestellt wurde sie im November 2000 für Lastenluftschiffe, deren Hersteller im Juni 2002 Insolvenz anmeldete. Seit Dezember 2004 beherbergt der Bau ein Tropenbad.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Halle ist ein regionales Lehrstück. Ihre Konstruktion war eine architektonische und ingenieurtechnische Leistung ersten Ranges, ihr Geschäftsmodell hielt keine vier Jahre. Was blieb, war eine Struktur, für die es exakt eine plausible Nachnutzung gab, und die hatte mit Luftfahrt nichts zu tun. Monofunktionale Großstrukturen sind riskant, weil sie sich schlecht umbauen lassen. Bei 9,3 Millionen Quadratmetern potenziert sich dieses Risiko.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der zweite Beleg ist jünger. Das Intel-Vorhaben in Magdeburg, einst mit 9,9 Milliarden Euro Förderzusage als Ankerprojekt der ostdeutschen Halbleiterindustrie gefeiert, wurde im Juli 2025 endgültig aufgegeben. Ausgezahlt wurde nichts, weil die Förderung an den Baubeginn geknüpft war. Sachsen-Anhalt hat gelernt, was regionale Standortpolitik kostet, wenn sie auf einen einzelnen Konzern setzt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was macht Dresden anders?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gut zweihundert Kilometer südöstlich von Magdeburg funktioniert es. Die European Semiconductor Manufacturing Company (ESMC), ein Gemeinschaftsunternehmen von TSMC (70 Prozent) mit Bosch, Infineon und NXP (je 10 Prozent), errichtet in Dresden seit dem Spatenstich im August 2024 eine Fabrik für über zehn Milliarden Euro, davon fünf Milliarden aus Bundesförderung. Der Produktionsstart ist für Ende 2027 vorgesehen, geplant sind 40.000 Wafer monatlich in ausgereiften Technologieknoten von 28/22 und 16/12 Nanometern, also keine Spitzenprozessoren, sondern Chips für Fahrzeug- und Industrieelektronik. Das eigentliche Reinraumgebäude misst etwa 200 mal 200 Meter, rund ein Zweihundertdreißigstel der texanischen Ankündigung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Unterschied zu Magdeburg liegt nicht im Maßstab, sondern in der Einbettung. Bosch, Infineon und NXP sind Minderheitsgesellschafter und zugleich Abnehmer. Der Standort ruht auf einem Cluster, das seit den neunziger Jahren gewachsen ist und sich seit 2000 im Verein Silicon Saxony organisiert, mit Zulieferern, Hochschulen und Fachkräften in kurzer Entfernung. Rund 2.000 direkte Arbeitsplätze entstehen, dazu mehrere tausend indirekte in der europäischen Lieferkette. Dresden gewinnt nicht durch Fläche, sondern durch Dichte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der Rekord als Betriebsform</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Terafab ist streng genommen kein architektonisches Projekt, sondern ein logistisches. Alles unter ein Dach zu legen, Fertigung, Verpackung, Prüfung, ist eine Antwort auf Lieferkettenrisiken und Transportzeiten, nicht auf eine Bauaufgabe. Genau deshalb taugt der Vergleich mit dem deutschsprachigen Raum nur bedingt: Wo Grund und Boden praktisch unbegrenzt und Verfahren kurz sind, ist Größe schlicht die billigste Lösung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt eine Differenz der Baukultur. Der Industriebau im deutschsprachigen Raum kennt seit Peter Behrens und der AEG-Turbinenhalle eine Tradition, die das Werk als gestaltete öffentliche Sache begreift, und diese Haltung hat sich in den Gestaltungsbeiräten und kommunalen Gestaltungssatzungen der Gegenwart erhalten. In Vorarlberg, in Oberbayern, im Vogtland verhandeln Kommunen die Höhenentwicklung und Fassade einer Produktionshalle mit einer Ernsthaftigkeit, die aus texanischer Sicht absurd wirken muss. Das kostet Zeit und gelegentlich Ansiedlungen. Es sorgt aber dafür, dass Gewerbegebiete nach zwanzig Jahren noch etwas anderes sind als Restflächen. Wer den Verfahrensaufwand kritisiert, sollte diese Kehrseite mitrechnen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bleiben die Fragen, die auch in Texas nicht verschwinden. Ein Gebäude dieser Dimension verbraucht in seiner Errichtung eine graue Energie, die keine Betriebsoptimierung je zurückholt. Der Wasserbedarf einer Halbleiterfertigung dieser Größenordnung trifft in Grimes County auf ein einzelnes Speicherbecken, dessen Entnahmerechte aus der Zeit eines längst stillgelegten Kohlekraftwerks stammen. Und die Frage der Nachnutzung stellt sich bei Chipfabriken schneller, als es die Investitionssummen nahelegen, weil Technologieknoten veralten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Regionen im deutschsprachigen Raum liegt die übertragbare Lehre nicht im Maßstab. Sie liegt in der Erkenntnis, dass die Widerstandsfähigkeit eines Industriestandorts von der Zahl seiner Verbindungen abhängt, nicht von der Grundfläche seiner größten Halle. Brand hatte die größte Halle. Dresden hat das Netzwerk.</p>
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		<title>Kennzeichnungspflicht für KI: Was seit dem 2. August 2026 im Architekturbüro gilt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Aug 2026 10:02:10 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[KI-Verordnung (EU) 2024/1689]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Transparenzpflichten der KI-Verordnung gelten seit dem 2. August 2026. Wer im Büro generative Systeme nutzt, muss wissen, was gekennzeichnet werden muss und was nicht.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | <strong>FORTBILDUNG</strong> | August 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Kennzeichnen oder haften: Was Architekten jetzt beachten müssen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte ist die Vorgabe aus Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 über künstliche Intelligenz (KI-Verordnung), bestimmte KI-erzeugte oder KI-manipulierte Inhalte als solche erkennbar zu machen. Seit dem 2. August 2026 gilt sie unmittelbar, auch für Architektur- und Ingenieurbüros, die generative Systeme im Alltag einsetzen. Die Pflicht trifft dabei nicht nur die Anbieter der Modelle, sondern auch diejenigen, die sie beruflich anwenden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Zeitpunkt ist bemerkenswert, weil die Aufmerksamkeit der Branche zuletzt woanders lag. Der KI-Omnibus, im Trilog am 7. Mai 2026 vereinbart und vom Rat der Europäischen Union am 29. Juni 2026 beschlossen, hat zentrale Fristen der KI-Verordnung nach hinten geschoben: Die Anforderungen an Hochrisiko-Systeme nach Anhang III greifen erst zum 2. Dezember 2027, jene nach Anhang I zum 2. August 2028. Die Verschiebung wurde vielfach als generelle Atempause gelesen. Sie ist keine. Die Transparenzpflichten des Artikels 50 blieben inhaltlich unverändert und beim ursprünglichen Datum. Lediglich Anbieter generativer Systeme, die bereits vor dem 2. August 2026 auf dem Markt waren, erhielten für die technische Markierung nach Artikel 50 Absatz 2 eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Inhalte müssen gekennzeichnet werden und welche nicht?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine allgemeine Kennzeichnungspflicht für alles, was mit ChatGPT, Claude oder Gemini entsteht, existiert nicht. Artikel 50 unterscheidet vier Konstellationen, und nur zwei davon berühren den Büroalltag regelmäßig.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Artikel 50 Absatz 1 richtet sich an die Anbieter von Systemen, die unmittelbar mit Menschen kommunizieren, etwa an die Hersteller eines Chatbots. Die Offenlegung hat bei der ersten Interaktion zu erfolgen, es sei denn, die maschinelle Natur des Gegenübers ist ohnehin offensichtlich. Ein Büro, das einen zugekauften Chatbot auf der eigenen Website unter eigenem Namen bereitstellt, wird nach Artikel 25 der KI-Verordnung allerdings selbst zum Anbieter und damit zum Adressaten dieser Pflicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Artikel 50 Absatz 4 verpflichtet die Anwender, und hier wird es für die Planungspraxis konkret. Zu kennzeichnen sind Deepfakes, also täuschend echt wirkende Bild-, Ton- oder Videoinhalte, sowie KI-erzeugte Texte, die der Information der Öffentlichkeit zu Angelegenheiten von öffentlichem Interesse dienen. Für Architektinnen und Architekten heißt das konkret: Eine fotorealistische Visualisierung, die einen noch nicht gebauten Zustand als Fotografie erscheinen lässt, fällt in den Anwendungsbereich. Eine stilisierte Perspektive, ein Diagramm oder ein Piktogramm dagegen nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ebenso wenig kennzeichnungspflichtig sind interne Protokolle, Aktenvermerke und E-Mails, bei denen KI als Schreibassistenz dient. Auch die Korrektur von Grammatik und Stil oder die Übersetzung eigener Texte bleibt außen vor. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen KI als Werkzeug und KI als alleiniger Urheberin eines veröffentlichten Inhalts. Artikel 50 Absatz 4 nimmt Texte ausdrücklich aus, die einer menschlichen Prüfung oder redaktionellen Kontrolle unterlagen und für die eine natürliche oder juristische Person die redaktionelle Verantwortung trägt. Diese Ausnahme gilt jedoch nur für Texte. Ein fotorealistisches Rendering wird nicht dadurch kennzeichnungsfrei, dass jemand es vor der Veröffentlichung geprüft hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Sanktionen sind gleichwohl kein Randthema. Verstöße gegen die Transparenzpflichten fallen unter Artikel 99 Absatz 4 der KI-Verordnung und können mit Geldbußen bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden, wobei für kleine und mittlere Unternehmen der jeweils niedrigere Betrag maßgeblich ist. Für die Marktüberwachung in Deutschland ist die Bundesnetzagentur (BNetzA) zuständig. Sie hat diese Rolle durch das Gesetz zur Marktüberwachung und Innovationsförderung von künstlicher Intelligenz (KI-MIG) übernommen, das der Deutsche Bundestag am 11. Juni 2026 beschlossen hat und das am 29. Juli 2026 in Kraft getreten ist. Praktisch relevanter als die Bußgeldandrohung dürfte für die meisten Büros allerdings das Wettbewerbsrecht sein: Eine nicht gekennzeichnete Visualisierung in einer Projektpräsentation lässt sich abmahnen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das für kleine und mittlere Architekturbüros?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenig Bürokratie, aber eine unvermeidliche Entscheidung. Die Verordnung verlangt keine Dokumentationspflicht im Stil der DIN 276 und kein Verzeichnis nach dem Muster der Datenschutz-Grundverordnung. Sie verlangt eine bewusste Einordnung: Welche Inhalte verlassen das Büro, wie sind sie entstanden, und würde ein angemessen informierter Betrachter die Herkunft erkennen?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Frage lässt sich nicht durch ein Werkzeug beantworten, sondern nur durch Personen, die verstehen, was ihre Werkzeuge tun. Genau hier liegt die eigentliche Zumutung der Verordnung. Sie ist weniger eine Compliance-Aufgabe als eine Bildungsaufgabe.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum die Kennzeichnungspflicht in Wahrheit eine Kompetenzfrage ist</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Artikel 4 der KI-Verordnung gilt seit dem 2. Februar 2025 und adressiert genau diesen Punkt. In der ursprünglichen Fassung verlangte er von Anbietern und Betreibern, ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz ihres Personals sicherzustellen. Der KI-Omnibus hat die Vorschrift entschärft: Aus der Pflicht, Kompetenz sicherzustellen, wurde die Pflicht, sie zu fördern. Ein eigener Bußgeldtatbestand ist damit nicht verbunden, die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten setzen auf Praxisbeispiele und Empfehlungen statt auf Sanktionen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer daraus ableitet, das Thema habe sich erledigt, verwechselt allerdings Aufsichtsrecht mit Berufsrisiko. Ob eine Visualisierung gekennzeichnet werden muss, entscheidet kein Werkzeug und keine Behörde, sondern die Person, die das Bild freigibt. Fällt die Entscheidung falsch aus, greift nicht Artikel 4, sondern das Wettbewerbsrecht, das Urheberrecht und die Haftung gegenüber der Bauherrschaft. Die Kompetenzanforderung verschwindet also nicht, sie wandert von der Aufsicht in die Berufshaftung. Wer entscheiden soll, ob eine Fassadenstudie aus der Leistungsphase 3 nach § 34 HOAI kennzeichnungspflichtig ist, muss wissen, wie sie zustande kam.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie lässt sich KI-Kompetenz im Büro nachweisen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Über drei Wege, die sich ergänzen. Erstens durch dokumentierte Fortbildung, also Teilnahmenachweise mit Datum, Inhalt und Umfang. Zweitens durch eine schriftliche Nutzungsregel, die festlegt, welche Systeme für welche Zwecke freigegeben sind und wo Mandantendaten nichts zu suchen haben. Drittens durch eine schlichte Übersicht der eingesetzten Werkzeuge, die bei jeder Softwareänderung fortgeschrieben wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenkammern der Länder erkennen Fortbildungen zu Digitalisierung und Recht in der Regel als Fortbildungspunkte an, wobei sich die Anerkennung nach der jeweiligen Fortbildungsordnung richtet. Sinnvoll ist eine Aufteilung nach Rollen: Wer Texte für die Öffentlichkeit verantwortet, braucht anderes Wissen als jemand, der Varianten in der Entwurfsphase generiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert bleibt eine Unschärfe der Verordnung. Was genau eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse ist, definiert Artikel 50 nicht abschließend. Ein Wettbewerbsbeitrag für ein Schulgebäude dürfte darunterfallen, ein Angebotsschreiben an eine Privatbauherrin kaum. Zwischen diesen Polen liegt ein weites Feld, das erst die Aufsichtspraxis und die Gerichte vermessen werden. Bis dahin gilt der unspektakuläre Grundsatz, der auch sonst trägt: Wer offenlegt, wie etwas entstanden ist, muss den Streit darüber nicht führen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„KI als Assistent im Büroalltag“</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der vierteilige Lehrgang „KI als Assistent im Büroalltag“ der Baukunst Akademie behandelt diese Fragen praxisnah, von den rechtlichen Grundlagen über Textarbeit und Dokumentenanalyse bis zu Entwurf, Visualisierung und Bildrechten. Termine: 8., 15., 22. und 29. September 2026, jeweils ab 17:00 Uhr, online. Referenten sind Prof. Michael Holze (Berliner Hochschule für Technik), der Fachanwalt für IT-Recht Andreas Nörr, Tobias Jonas (innFactory) und Stuart Stadler. Bis zu 8 Kammerpunkte, Teilnahmegebühr 400 Euro zzgl. MwSt., für Mitglieder des Fördervereins 360 Euro. Anmeldung: <a href="https://baukunst.art/kurse/lehrgang-ki-im-bueroalltag-2-3/" target="_blank" rel="noopener">baukunst.art/kurse/lehrgang-ki-im-bueroalltag-2-3/</a></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/kennzeichnungspflicht-fuer-ki-was-seit-dem-2-august-2026-im-architekturbuero-gilt/">Kennzeichnungspflicht für KI: Was seit dem 2. August 2026 im Architekturbüro gilt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Pfusch am Spiegel der Nation</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Aug 2026 14:51:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
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		<category><![CDATA[Bauqualität]]></category>
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		<category><![CDATA[DIN 18535]]></category>
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		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Wasserbecken, sechzehn Millionen Dollar und ein beschuldigter Olympiateilnehmer. Was der Fall Washington über fehlende Leistungsphasen verrät.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/pfusch-am-spiegel-der-nation/">Pfusch am Spiegel der Nation</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">MEINUNG &amp; KRITIK</strong> | August 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bauqualität als öffentliche Verpflichtung: Der Fall des Reflecting Pool</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Schaden am Lincoln Memorial Reflecting Pool in Washington ist kein Vandalismusfall, sondern das erwartbare Ergebnis eines Bauablaufs ohne Ausführungsplanung, ohne Vergabewettbewerb und ohne örtliche Bauüberwachung. Ein Wasserbecken dieser Größenordnung wäre nach deutschem Recht ein Ingenieurbauwerk. § 43 Absatz 1 der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI 2021) bewertet dort die Ausführungsplanung mit 15, die Vorbereitung der Vergabe mit 13, die Mitwirkung bei der Vergabe mit 4 und die Bauoberleitung mit 15 Prozent. Wer diese vier Leistungsphasen streicht, verzichtet auf 47 Prozent des Leistungsbilds. Bei Gebäuden wären es nach § 34 Absatz 3 HOAI sogar 71 Prozent.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Chronologie ist rasch erzählt. Im Frühjahr 2026 kündigte Präsident Donald Trump die Sanierung des Beckens vor dem Lincoln Memorial an, rechtzeitig zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeit am 4. Juli. Veranschlagt waren nach Angaben von Newsweek rund eine Woche Bauzeit und etwa 1,8 Millionen US-Dollar. Im Mai lagen die Vertragssummen bereits bei rund 14 Millionen, am Ende bei über 16 Millionen US-Dollar. Anfang Juni öffnete das Becken mit einer neuen blauen Auskleidung des Bodens. Mitte Juni warf diese Auskleidung Blasen und löste sich an mehreren Stellen, das Wasser färbte sich grün. Die Nationalparkverwaltung meldete am 9. Juni zusätzlich einen Schnitt in der Auskleidung. Am 4. Juli blieb das Becken trotz sichtbarer Mängel geöffnet, am 10. Juli wurden die rund vier Millionen Gallonen Wasser zum zweiten Mal abgelassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Regierung erklärte die Schäden zu Sabotage. Mehrere Personen gerieten in Verdacht, darunter der ehemalige Olympiateilnehmer und Kanute David Hearn. Ende Juli beantragte die für den District of Columbia zuständige Bundesanwältin Jeanine Pirro die Einstellung des Verfahrens, weil die Schäden auf eine überstürzte und fehlerhafte Ausführung zurückgingen. Ein Richter wies die Anklage ab. Am 10. August räumte auch Trump einen Ausführungsfehler ein, verursacht durch die Beschleunigung der Arbeiten, nannte ihn aber unerheblich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was passiert, wenn die Ausführungsplanung fehlt?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein flaches, öffentlich zugängliches Wasserbecken ist bauphysikalisch anspruchsvoller, als es aussieht. Geringe Wassertiefe bedeutet im Sommer hohe Wassertemperaturen, starke UV-Belastung und damit Algenwachstum. Der Betonuntergrund arbeitet, er dehnt sich, er trägt Restfeuchte. In Deutschland regelt DIN 18535 die Abdichtung von Behältern und Becken, Teil 3 behandelt die flüssig zu verarbeitenden Abdichtungsstoffe. Die Norm verlangt eine definierte Wassereinwirkungsklasse, einen geprüften Untergrund und Nachweise zu Haftzugfestigkeit, Untergrundfeuchte und Verarbeitungstemperatur. Diese Nachweise entstehen in der Ausführungsplanung, nicht auf der Baustelle.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Welches Produkt in Washington eingebaut wurde, geht aus den Berichten nicht eindeutig hervor, mal ist von einer Beschichtung die Rede, mal von einer Auskleidung. Der Unterschied ist erheblich, denn eine Beschichtung ist noch keine Abdichtung. Das Schadensbild dagegen gehört zu den Standardfehlern des Fachs: Blasenbildung und Ablösung innerhalb weniger Wochen deuten auf zu feuchten Untergrund, unzureichende Vorbereitung, ein ungeeignetes Produkt oder eine zu kurze Aushärtung. Jeder dieser Punkte wäre in einer Ausführungsplanung zeichnerisch und textlich festzulegen gewesen. Die politische Vorgabe eines Eröffnungstermins ersetzt keine Trocknungszeit. Beton verhandelt nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum wird eine Vergabe ohne Wettbewerb teurer statt billiger?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Aufträge gingen ohne Ausschreibung an ein Unternehmen, das nach Recherchen des Magazins TIME zuvor keine Erfahrung mit Bundesbauprojekten hatte. Ein zweiter Direktauftrag über 1,7 Millionen US-Dollar für die Algenbekämpfung ging nach derselben Quelle an eine Firma, die das eingesetzte Verfahren nie zuvor an einem Becken erprobt hatte und deren Eigentümer als Spender des Präsidenten gilt. Aus 1,8 Millionen wurden über 16 Millionen, fast das Neunfache der angekündigten Summe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau dagegen sind die Leistungsphasen 6 und 7 gebaut. Die Vorbereitung der Vergabe erzwingt ein Leistungsverzeichnis, das die Leistung eindeutig und erschöpfend beschreibt, wie es § 7 der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB/A) fordert. Die Mitwirkung bei der Vergabe erzwingt Preisvergleich und Eignungsprüfung der Bieterinnen und Bieter. Beides zusammen kostet bei Ingenieurbauwerken 17 Prozent des Leistungsbilds und ist damit die günstigste Versicherung des gesamten Bauprozesses. Ohne Leistungsverzeichnis gibt es keinen Vergleichsmaßstab, ohne Vergleichsmaßstab keine belastbare Nachtragsprüfung, ohne Nachtragsprüfung eine Kostenentwicklung wie die beschriebene. Die Kostenermittlung nach DIN 276 liefert dabei das Raster, an dem eine Abweichung überhaupt erst sichtbar wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wer haftet, wenn niemand die Bauüberwachung führt?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier liegt die eigentliche Pointe des Regelwerks. Bei Ingenieurbauwerken ist die örtliche Bauüberwachung keine Grundleistung, sondern eine Besondere Leistung. Sie muss also gesondert beauftragt und gesondert vergütet werden. Genau diese Position fällt bei öffentlichen Vorhaben regelmäßig als erste dem Rotstift zum Opfer, obwohl sie die einzige Leistung ist, die täglich prüft, ob das Eingebaute dem Geplanten entspricht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bauüberwachung kontrolliert nicht nur, sie dokumentiert. Bautagebuch, Aufmaß, Abnahmeprotokoll und Mängelrüge sind Beweismittel. Fehlt diese Dokumentation, bleibt einer Bauherrschaft im Schadensfall nur die Behauptung. Der Vorgang in Washington führt das mit unfreiwilliger Klarheit vor: Anstelle eines Abnahmeprotokolls trat der Verdacht, anstelle einer Mängelrüge eine Strafanzeige. Für die behaupteten Beschädigungen gebe es kein Video und keinen Beweis außer dem Schaden selbst, räumte der Präsident nach Berichten von Forbes ein. Das ist die Lage, in die jede Bauherrschaft ohne Bauüberwachung gerät. Sie kann den Mangel sehen, aber nicht zuordnen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert bleibt die Reaktion des Innenministeriums. Innenminister Doug Burgum kündigte an, die Nachbesserung demselben Unternehmen zu übertragen, weil es hervorragende Arbeit geleistet habe. Die Richtung wäre nach deutschem Werkvertragsrecht folgerichtig, denn die Nacherfüllung nach § 635 des Bürgerlichen Gesetzbuchs schuldet der ursprüngliche Auftragnehmer. Nur wäre sie dann kostenlos. Ein neuer Auftrag zum vollen Preis ist keine Nacherfüllung, sondern eine zweite Vergabe für dieselbe Leistung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was folgt daraus für Bauherrinnen und Bauherren in Europa?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Fall wirkt exotisch, sein Muster ist es nicht. Auch in Deutschland wird die Bauüberwachung zuerst gekürzt, wenn ein Budget klemmt, und auch hier gilt die Generalunternehmervergabe als Beschleunigungsinstrument, obwohl sie Ausführung und Kontrolle in derselben Hand bündelt. Die Elbphilharmonie und der Flughafen Berlin Brandenburg sind keine Betriebsunfälle, sie sind dasselbe Muster in größerem Maßstab: Termin vor Planung, Vergabe vor Beschreibung, Eröffnung vor Abnahme.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus vierzig Berufsjahren lässt sich dazu eine schlichte Erfahrung beisteuern. Kein Projekt scheitert an zu viel Planung. Es scheitert an der Annahme, Planung sei ein Kostenblock und keine Risikovorsorge. Die HOAI beschreibt in ihren neun Leistungsphasen die Reihenfolge, in der ein Bauwerk entsteht, ohne dass später jemand raten muss, was schiefgegangen ist. Wer sie umstellt, zahlt zweimal.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der eigentliche Schaden liegt ohnehin woanders. Das Becken gehört zu einem Denkmalensemble von hoher symbolischer Aufladung, Schauplatz des Marsches auf Washington im Jahr 1963 und der Rede von Martin Luther King. An einem solchen Ort ist Bauqualität keine technische Kategorie, sondern eine kulturelle. Dass eine Regierung dort erst schlecht bauen lässt und anschließend einen Sportler dafür haftbar machen will, beschädigt mehr als eine Auskleidung. Es beschädigt die Vorstellung, dass öffentliches Bauen überprüfbaren Regeln folgt. Diese Vorstellung ist der eigentliche Bestand, den es zu erhalten gilt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Umbauen statt abreissen: Ein französisches Modell stellt die Dämmdoktrin infrage</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jul 2026 07:31:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Bestandssanierung]]></category>
		<category><![CDATA[Lacaton & Vassal]]></category>
		<category><![CDATA[Wintergarten-Pufferzone]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Statt dicker Dämmung eine transparente Pufferzone: Das preisgekrönte Modell von Lacaton &#038; Vassal spart Heizenergie, gewinnt Wohnraum und fordert die deutsche Passivhaus-Logik heraus.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/umbauen-statt-abreissen-ein-franzoesisches-modell-stellt-die-daemmdoktrin-infrage/">Umbauen statt abreissen: Ein französisches Modell stellt die Dämmdoktrin infrage</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong>  | Innovation | Juli 2026 | Lesezeit: ca. 5 Minuten</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Pufferzone statt Dämmpaket: Warum ein französisches Sanierungsmodell das Passivhaus herausfordert</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Pufferzonensanierung bezeichnet die energetische Ertüchtigung eines Bestandsgebäudes durch eine vorgelagerte, unbeheizte Raumschicht aus Wintergärten und Balkonen, die als thermischer Puffer wirkt und den Wohnungen zugleich Fläche verschafft. <strong><a href="https://www.lacatonvassal.com/" target="_blank" rel="noopener">Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal</a></strong>, seit dem Pritzker-Preis 2021 die international bekanntesten Vertreterinnen und Vertreter dieses Ansatzes, stellen damit die deutsche Sanierungslogik auf den Kopf: Statt den Baukörper in immer dickere Dämmschichten zu hüllen, setzen sie eine transparente Hülle davor. Das Ergebnis sind bis zu 60 Prozent weniger Heizenergie und zusätzlicher Wohnraum, erreicht mit vergleichsweise geringem Materialeinsatz.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was unterscheidet die Pufferzone von der Dämmschicht?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das deutsche Passivhaus, 1991 von Wolfgang Feist in Darmstadt-Kranichstein erstmals gebaut und seit 1996 vom Passivhaus Institut zertifiziert, folgt einem klaren Prinzip: maximale Dämmung, luftdichte Hülle, kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Der Heizwärmebedarf darf 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr nicht überschreiten, die Luftdichtheit muss einen n50-Wert von höchstens 0,6 erreichen. Für die Sanierung existiert mit dem EnerPHit-Standard eine eigene Variante, die einen Heizwärmebedarf von bis zu 25 kWh pro Quadratmeter und Jahr zulässt. Gegenüber dem Bestand spart das Passivhaus bis zu 90 Prozent Energie, allerdings um den Preis einer aufwendigen, materialintensiven Gebäudehülle.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Lacaton und Vassal verfolgen die entgegengesetzte Strategie. Vor die bestehende Fassade setzen sie eine drei bis vier Meter tiefe Schicht aus Wintergärten und Balkonen. Diese unbeheizte Zone fängt solare Gewinne ein, senkt die Transmissionsverluste der dahinterliegenden Wohnräume und wirkt im Sommer als Verschattung. Der Wintergarten arbeitet nicht gegen, sondern mit dem Klima. Ein deutscher Vorläufer dieser Bauweise ist der Architekt und Hochschullehrer Thomas Herzog, der bereits 1979 in Regensburg ein Wohnhaus mit doppelter, klimaaktiver Hülle realisierte.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie viel Energie und Fläche gewinnt der Bestand tatsächlich?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Beweis liefern zwei Projekte. Beim Tour Bois-le-Prêtre, einem 1961 von Raymond Lopez errichteten Pariser Wohnhochhaus mit 96 Wohnungen, entfernten Frédéric Druot, Lacaton und Vassal 2011 die alte Betonfassade und legten eine raumhohe Glasschicht davor. Die Wohnungen wuchsen erheblich, die Mieterinnen und Mieter konnten während der Bauzeit in ihren Wohnungen bleiben, und die Kosten lagen bei rund einem Drittel dessen, was Abriss und Neubau verschlungen hätten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch größer war der Maßstab in Bordeaux. Für die Cité du Grand Parc transformierte das Team um Lacaton, Vassal, Druot und Christophe Hutin 2017 drei Wohnblöcke mit insgesamt 530 Sozialwohnungen. Vorgefertigte Betonmodule von 3,8 Metern Tiefe wurden vor die Fassade gehängt, die Kosten blieben bei etwa 50.000 Euro pro Wohnung, die Mieten unverändert. 2019 erhielt das Projekt den Mies-van-der-Rohe-Preis der Europäischen Union. Die Grundidee reicht bis zur Studie „Plus&#8220; von 2004 zurück, mit der die Beteiligten auf staatliche Pläne reagierten, rund 200.000 Wohnungen der Nachkriegsmoderne durch Neubauten zu ersetzen. Sie wiesen nach, dass sich für den Preis eines Abrisses drei bis vier Bestandswohnungen aufwerten lassen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum tut sich Deutschland mit dem Ansatz schwer?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Geschosswohnungsbau kam das Konzept hierzulande bislang nicht zum Zug. Das hat mehrere Gründe. Zum einen prägt die Passivhaus-Kultur die Förderlandschaft: Das Gebäudeenergiegesetz (GEG), zuletzt 2024 novelliert, und die Programme der Kreditanstalt für Wiederaufbau belohnen messbare Kennwerte für Dämmung und Anlagentechnik, nicht aber den Flächengewinn einer ungeheizten Pufferzone. Zum anderen zählt eine solche Zone nach der Wohnflächenverordnung (WoFlV) nicht ohne Weiteres als vollwertige Wohnfläche, was ihre wirtschaftliche Bewertung erschwert. In Frankreich nutzten Lacaton und Vassal genau diesen Umstand als Vorteil, weil Wintergärten dort nicht auf die streng normierte Sozialwohnungsfläche angerechnet werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt eine kulturelle Prägung. Die deutsche Debatte denkt Sanierung vom Grenzwert her, nicht vom Raum. Ein Ansatz, der Behaglichkeit und Großzügigkeit über die reine Kilowattstunde stellt, fügt sich nur schwer in ein Regelwerk, das den Erfolg an der Nachkommastelle des Heizwärmebedarfs misst.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was ändert die EPBD 2024 an dieser Abwägung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die überarbeitete EU-Gebäuderichtlinie EPBD, am 28. Mai 2024 in Kraft getreten und bis 2026 in nationales Recht zu überführen, verschiebt den Maßstab. Erstmals verlangt sie die Bilanzierung des Lebenszyklus-Treibhauspotenzials, das die „graue&#8220; Energie in Baustoffen mit den Emissionen der Nutzungsphase zusammenführt. Ab 2028 gilt die Nachweispflicht für große Neubauten, ab 2030 für alle. Der Gebäudesektor zählt europaweit zu den größten Verursachern von Treibhausgasen, und ein erheblicher Teil davon steckt bereits vor dem ersten Heiztag in Herstellung und Transport der Baustoffe. Damit rückt jene Rechnung ins Zentrum, die Lacaton und Vassal seit jeher aufmachen: Ein Abriss vernichtet nicht nur Material und Geschichte, sondern auch die bereits investierte graue Energie des Bestands.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Sanierung folgt daraus eine neue Logik. Wer Bestand erhält und mit geringem Materialeinsatz ertüchtigt, punktet in der Gesamtbilanz oft stärker als ein hochgedämmter Neubau. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) hat den Umsetzungsprozess der EPBD begleitet und dringt darauf, den Vorrang der Bestandserhaltung im deutschen Recht zu verankern. Ein Abrissmoratorium, wie es Teile der Fachwelt fordern, ist damit noch nicht verbunden, doch die Richtung ist vorgezeichnet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das für kleine und mittlere Büros?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Planerinnen und Planer jenseits der großen Konzerne liegt darin eine Chance. Das Konzept verlangt kein Hochtechnologie-Repertoire, sondern präzises Entwerfen mit einfachen, industriell verfügbaren Bauteilen: Stahlrahmen, Polycarbonat, vorgefertigte Betonelemente. Es eignet sich besonders für die zahlreichen Wohnungen in deutschen Großsiedlungen der 1960er und 1970er Jahre, deren Grundrisse eng und deren Fassaden sanierungsbedürftig sind. Zugleich verspricht der Ansatz eine soziale Dividende, weil sich Wohnraum gewinnen lässt, ohne die Bewohnerinnen und Bewohner durch Luxussanierung und steigende Mieten zu verdrängen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Grenzen des Ansatzes sind gleichwohl real. Nördlich der Alpen fallen die solaren Gewinne geringer aus als in Bordeaux, der sommerliche Wärmeschutz nach DIN 4108-2 verlangt sorgfältige Verschattung, um eine Überhitzung der Pufferzone zu vermeiden, und der Brandschutz vorgelagerter Glasschichten stellt eigene Anforderungen. Damit das Modell hierzulande Fuß fasst, müsste zudem die Fördersystematik den Flächengewinn honorieren, nicht allein den Dämmwert. Doch als Ergänzung zur Dämmorthodoxie, nicht als deren Ersatz, verdient das französische Modell in Deutschland mehr Aufmerksamkeit, als es bisher erhält. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob gedämmt oder gepuffert wird, sondern wie viel Bestand, Fläche und graue Energie sich mit dem geringsten Aufwand bewahren lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/umbauen-statt-abreissen-ein-franzoesisches-modell-stellt-die-daemmdoktrin-infrage/">Umbauen statt abreissen: Ein französisches Modell stellt die Dämmdoktrin infrage</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Der schnelle Staat: Wie Österreich seine Baugenehmigungen entrümpeln will</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Jul 2026 16:01:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Bauverfahren]]></category>
		<category><![CDATA[Gestaltungsbeiräte]]></category>
		<category><![CDATA[Staatsreform Österreich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Ein Projekt, eine Behörde, ein Verfahren, ein Bescheid": So verspricht die Staatsreform Tempo. Doch neun Bauordnungen und die Gestaltungsbeiräte erzählen eine differenziertere Geschichte.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong>  | Österreich | <strong>Berufspolitik</strong> | Juli 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Projekt, eine Behörde, ein Bescheid: Was die Staatsreform 2026 für Bauverfahren bedeutet</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em>Von Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Staatsreform Österreich ist ein 2026 von der Reformpartnerschaft aus Bund, Ländern, Städten und Gemeinden vereinbartes Maßnahmenpaket, das Verwaltung, Energie, Gesundheit und Bildung entbürokratisieren und staatliche Verfahren beschleunigen soll. Ihr Leitbild formuliert die Bundesregierung knapp: einen Staat, „der rasch entscheidet, verlässlich handelt und Anliegen einfach, effizient und bürgernah erledigt&#8220;. Für die Baubranche klingt das nach einem längst überfälligen Versprechen. Doch zwischen Ankündigung und Baustelle liegen in Österreich neun Landesbauordnungen, und genau dort entscheidet sich, ob aus der Reformrhetorik gebautes Recht wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was verspricht die Staatsreform 2026 für das Bauen?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am deutlichsten wird die Reform dort, wo der Bund unmittelbar zuständig ist: bei der Energie und der Infrastruktur. Für Energieprojekte gilt künftig das Prinzip „ein Projekt, eine Behörde, ein Verfahren, ein Bescheid&#8220;, und bei großen Vorhaben wie Bahnstrecken soll das Umweltverfahren gebündelt bei einer Behörde geführt werden, statt wie bisher doppelt. Das ist die Grammatik der gesamten Reform: Zuständigkeiten bündeln, Doppelprüfungen streichen, digital abwickeln. Das „Once-Only-Prinzip&#8220; soll verhindern, dass Antragstellerinnen und Antragsteller denselben Nachweis mehrfach erbringen, und über GovTech Austria sollen digitale Lösungen einmal entwickelt und im ganzen Land genutzt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für das klassische Hochbau-Bauverfahren aber greift der Bund nur mittelbar. Die Baubewilligung ist Sache der Länder, geregelt in neun eigenständigen Bauordnungen mit eigenen Fristen, Verfahrensarten und Nachbarrechten. Die Staatsreform kann hier Impulse setzen und einheitliche Standards anregen, etwa wenn sie bundesweit gleiche Regeln „statt neun unterschiedlicher Landesgesetze&#8220; verspricht, doch anordnen kann sie den Ländern wenig. Wer also fragt, ob Baugenehmigungen schneller werden, muss zwei Ebenen unterscheiden: die bundespolitische Ansage und die föderale Umsetzung. Beide bewegen sich 2026, aber in unterschiedlichem Tempo.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wo werden Bauverfahren tatsächlich verschlankt?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Konkret wird es dort, wo Länder ihre eigenen Ordnungen novellieren. Niederösterreich hat mit der NÖ Bauordnung 2026, in Kraft seit 1. März 2026, den weitesten Schritt gewagt. Das bisherige Anzeigeverfahren wurde abgeschafft und durch verbindliche Bescheide ersetzt, die mehr Rechtssicherheit schaffen sollen. Bestandsgebäude, die vor dem 1. Februar 2015 genehmigt wurden, werden bei Aufstockung oder Nutzungsänderung von bestimmten technischen Anforderungen befreit, um Sanierungen zu erleichtern. Hinzu kommen Spielräume bei Bauabständen, Flachdachregelungen und Stellplatzpflichten. Der Grundgedanke deckt sich mit der Staatsreform: den Bestand mobilisieren, Verfahren straffen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Parallel modernisiert der Bund die Verwaltungsgerichtsbarkeit, jene Instanz, bei der Bauverfahren im Streitfall landen. Der entsprechende Gesetzesentwurf ging am 25. Juni 2026 in Begutachtung, zehn Jahre nach Einführung des Systems. Er sieht verpflichtend elektronische Gutachten vor, harmonisierte Standards für die Aktenvorlage und Sanktionen gegen mutwillige Verzögerungen. Staatssekretär Alexander Pröll nennt effiziente Verwaltung das „beste Bürger-Service&#8220;, Staatssekretär Sepp Schellhorn warnt, „der Rechtsstaat&#8220; dürfe „kein Warteraum sein&#8220;. Für Infrastruktur- und Genehmigungsprojekte, deren Bekämpfung sich über Jahre ziehen kann, ist das der eigentliche Hebel.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das für Genehmigungsdauern?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wie dringend die Beschleunigung ist, zeigen Zahlen der Vereinigung Österreichischer Projektentwickler (VÖPE) und der Gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV), die am 23. Juni 2026 gemeinsame Vorschläge vorlegten. Ein Wohnbauprojekt braucht demnach im Schnitt 67 Monate von der Widmung bis zur Bewilligung. Allein das Widmungsverfahren dauert durchschnittlich 35 Monate, obwohl der Gesetzgeber rund acht Monate vorsieht, das Baubewilligungsverfahren weitere 21 Monate. Fünfeinhalb Jahre bis zum Spatenstich sind in einer Wohnungskrise kein Verwaltungsdetail, sondern ein struktureller Kostentreiber.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">VÖPE und GBV schlagen vier Ansätze vor: die Brandschutzprüfung durch zertifizierte Ziviltechnikerinnen und Ziviltechniker schon vor der Einreichung, was sechs bis neun Monate sparen soll; eine Genehmigungsfiktion, bei der ein Verfahren bei Fristüberschreitung automatisch als genehmigt gilt; wirksamere Kontrolle unverhältnismäßiger Einsprüche; und einen „gläsernen Akt&#8220;, der den Bearbeitungsstand digital nachvollziehbar macht. Besonders die Genehmigungsfiktion ist heikel. Sie verlagert das Risiko einer überlasteten Behörde auf die Allgemeinheit, denn was fingiert genehmigt wird, wurde inhaltlich womöglich nie geprüft. Tempo und Sorgfalt geraten hier in direkten Konflikt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Und was wird aus den Gestaltungsbeiräten?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau an dieser Stelle betritt die Baukultur die Bühne. Gestaltungsbeiräte sind unabhängige Fachgremien, die Kommunen bei größeren Bauvorhaben beraten und über die gestalterische und städtebauliche Qualität eines Entwurfs wachen, meist noch vor dem formellen Genehmigungsverfahren. Sie sind kein gesetzlicher Pflichtbestandteil, sondern eine freiwillige Selbstbindung, und ihre Empfehlungen kosten Zeit. Wer Verfahren an Monaten misst, sieht in ihnen leicht ein Hindernis. Wer Städte an Jahrzehnten misst, sieht in ihnen eine Versicherung gegen dauerhafte Fehler.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier liegt die eigentliche Spannung der Reform. Eine Genehmigungsfiktion, die nach Fristablauf greift, kann einen Beiratsprozess technisch aushebeln, wenn dessen Beratung als Verzögerung gewertet wird. Beschleunigung, die nur zählt, wie schnell ein Bescheid ergeht, nicht, wie gut ein Haus in seinen Ort passt, kauft Tempo mit Substanz. Dass die Länder das erkennen, zeigt eine parallele Bewegung: Der Österreichische Beirat für Baukultur, 2008 gegründet und europaweit in dieser Form einzigartig, startete am 18. März 2026 unter der Architektin Katharina Bayer in seine vierte Funktionsperiode. Als „Impulsgeber für eine qualitätsvolle Bau- und Planungskultur&#8220; mit Schwerpunkten auf Bestand, Nachhaltigkeit und leistbarem Wohnbau steht er programmatisch für das, was die reine Verfahrenslogik zu übersehen droht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Staatsreform 2026 ist damit weder Segen noch Bedrohung, sondern eine Weichenstellung. Verfahren zu entrümpeln, Doppelprüfungen zu streichen und die Verwaltungsgerichtsbarkeit zu digitalisieren, ist überfällig und hilft der Baukultur eher, als dass es ihr schadet, denn kein Gestaltungsbeirat gewinnt an einem Verfahren, das an Formfehlern und Doppelzuständigkeiten scheitert. Riskant wird es dort, wo Beschleunigung zum Selbstzweck gerät und die inhaltliche Prüfung zur lästigen Frist verkommt. Die kluge Reform verschlankt das Verfahren und schützt zugleich den Ort, an dem über Qualität entschieden wird. Ob Österreich diese Balance hält, entscheidet sich nicht in Wien, sondern in neun Bauordnungen und in den Sitzungen der Gestaltungsbeiräte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Das Licht, das nicht kühlt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jul 2026 13:09:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inspiration]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Giovanni Segantini]]></category>
		<category><![CDATA[Licht und Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Sommerlicher Wärmeschutz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Pariser Retrospektive zeigt Giovanni Segantini als Maler eines Lichts, das nichts beschönigt. Im Sommer der Rekordhitze wird daraus eine Lektion für die Architektur.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | Inspiration | Juli 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Maler starb in den Bergen, weil er das Licht sehen wollte. Was seine Bilder über unsere überhitzten Wohnungen erzählen</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Retrospektive im <strong><a href="https://www.marmottan.fr/en/" target="_blank" rel="noopener">Pariser Musée Marmottan Monet</a></strong> zeigt Giovanni Segantini als Maler eines Lichts, das nichts beschönigt. Für die Architektur der Hitzesommer ist das eine unbequeme Lehre.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Licht, das jede Täuschung ausschloss</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rainer Maria Rilke fand für Segantinis Berglandschaften eine Formel, die sich nicht abnutzt. Er sprach von einem „hellen, wahrsagenden Licht, das jede Täuschung ausschloß; jede Erscheinung, in dieses Licht gehalten, erschien in ihrem wahren Wert&#8220;. Wer bis zum 16. August durch die Pariser Ausstellung „Je veux voir mes montagnes&#8220; geht, versteht, was gemeint ist. Segantini trägt die Farbe nicht in Punkten auf wie die Neoimpressionisten, sondern in langen, feinen Fäden, deren Zwischenräume komplementäre Töne füllen. Aus der Nähe flimmert die Fläche, aus der Distanz steht sie still. Das Licht in diesen Bildern ist keine Stimmung, die über die Dinge gelegt wird. Es ist eine physikalische Größe, die sie hervorbringt, aufzehrt und wieder freigibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau diese Unterscheidung hat die Architektur der vergangenen sechzig Jahre nur halbherzig vollzogen. Licht gilt im Entwurf als Atmosphäre, als Qualität, als das Weiche im Programm. Auf der Baustelle ist es Energie. Ein Quadratmeter Dreifachverglasung nach Süden lässt an einem klaren Julitag eine Strahlungsleistung passieren, die einem kleinen Heizlüfter entspricht. Der Unterschied zwischen dem Licht, von dem Architektinnen und Architekten sprechen, und dem Licht, das durch ihre Fenster fällt, ist der Unterschied zwischen einer Stimmung und einer Rechnung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Elektrische Ventilatoren zur Erzeugung der Frische</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Segantini selbst hat diese Grenze überschritten, und zwar auf eine Weise, die heute fast schon prophetisch wirkt. Für die Pariser Weltausstellung 1900 plante er ein begehbares Panorama, eine steinerne Rotunde mit einem Rundumbild von 360 Grad. Malerei allein sollte dabei nicht genügen. „Wir werden elektrische Ventilatoren haben zur Erzeugung der Frische, verschiedene berechnete Anordnungen von Licht und Schatten, hydraulische Einrichtungen und akustische Werke&#8220;, kündigte er an, damit der Besucher glaube, „als befände er sich wirklich auf unseren Bergen&#8220;. Die Fassade der Rotunde war als Werbefläche für die schweizerische Tourismusindustrie vorgesehen. Das Projekt scheiterte an der Finanzierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es lohnt sich, diesen Fußnotenapparat der Kunstgeschichte einen Moment ernst zu nehmen. Ein Maler, dessen Bilder ihre Kraft aus der Unbestechlichkeit des Höhenlichts beziehen, entwirft eine Maschine, die alpine Kühle künstlich herstellt, und finanziert sie über Fremdenverkehrswerbung. Die Ahnenreihe der Klimaanlage beginnt nicht bei Willis Carrier, sie beginnt bei Leuten, die ein Gefühl verkaufen wollten. Und sie endet vorläufig bei den Glastürmen der Innenstädte, deren Bewohnerinnen und Bewohner im Sommer hinter unbeweglichen Scheiben sitzen, auf eine Landschaft blicken, die sie nicht spüren, und deren Frische aus dem Kanal kommt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die stille Enteignung der Fassade</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bis ins zwanzigste Jahrhundert war die Fassade das Instrument, mit dem ein Haus sein Verhältnis zur Sonne aushandelte. Die tiefen Laibungen des mediterranen Massivbaus, die Loggien Oberitaliens, der Erker, die Jalousie, das Vordach: lauter Werkzeuge, mit denen Licht dosiert und Wärme abgewiesen wurde, ohne dass ein Kilowatt floss. Der Bauernhof, den Segantini in „All&#8217;ovile&#8220; malt, führt das vor. Der Stall nimmt das Licht durch eine schmale Öffnung, der Rest ist Masse, Schatten und Zeit. Man kann darin eine Idylle sehen. Man kann darin auch eine Konstruktionsanweisung erkennen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die klassische Moderne wusste das noch. Le Corbusiers brise-soleil in Marseille und Chandigarh war kein ornamentaler Einfall, sondern die Einsicht, dass sich ein Fenster in Indien anders verhält als in Paris. Bei Luis Barragán trifft Licht auf pigmentierte Masse und wird zur Temperatur. Peter Zumthor hat in Vals gezeigt, dass ein Stein, der Kühle speichert, mehr Atmosphäre erzeugt als jede Lichtplanung mit Katalog. Was danach kam, war die stille Enteignung der Fassade: Sie wurde zur Membran, dann zur Vitrine, und ihre klimatische Aufgabe wanderte in die Haustechnik. Der Preis dafür steht in den Betriebskostenabrechnungen und inzwischen auch in den Temperaturstatistiken.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">41,8 Grad</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der 27. Juni 2026 hat die Debatte aus dem Konjunktiv geholt. In Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt maß der Deutsche Wetterdienst 41,8 Grad, den höchsten je in Deutschland registrierten Wert. An 46 Stationen in elf Bundesländern wurde die 40-Grad-Marke erreicht oder überschritten. Der DWD nennt die Hitzewelle, die vielerorts am 18. Juni begann, historisch, weil es eine derart lange und intensive Periode so früh im Sommer noch nie gab. Anfang Juli folgte die nächste. Wer in diesen Wochen in einem Dachgeschoss unter unbeschatteten Gauben gesessen hat, braucht keine Grafik.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Fach hat die Antworten längst, sie sind nur unbeliebt, weil sie nichts kosten und deshalb niemanden reich machen. Außenliegender, beweglicher Sonnenschutz schlägt jede innenliegende Lösung um den Faktor drei bis vier. Speichermasse, die tagsüber Wärme aufnimmt und nachts über geöffnete Fenster abgibt, ersetzt in weiten Teilen Mitteleuropas die Kältemaschine. Fensterflächenanteile jenseits von sechzig Prozent sind nach Süden und Westen ein Rechenproblem, kein Entwurfsargument. Der Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes nach DIN 4108-2 kennt all das. Er wird oft am Ende der Planung geführt, wenn die Kubatur längst feststeht, und dient dann dem Beweis, dass richtig ist, was ohnehin gebaut werden soll. Bäume, um es beiläufig zu erwähnen, verschatten zuverlässig und kühlen zusätzlich durch Verdunstung. Sie tauchen in keiner Kostengruppe der DIN 276 als Klimatechnik auf.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warm und kalt zugleich</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Paris hängt „Ave Maria bei der Überfahrt&#8220; von 1886, ein Bild, das der Schriftsteller Michael Krüger treffend „warm und kalt zugleich&#8220; genannt hat. Im letzten Sonnenlicht treibt ein mit Schafen beladenes Boot über den See, der Fährmann sitzt tatenlos in sich versunken, und im verzerrten Spiegelbild im Wasser zerlegt Segantini die friedliche Idylle in ihre Bestandteile. Man sieht nicht, wohin das Boot steuert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für ein Fach, das seine Häuser gern in goldenes Abendlicht rendert und die Julimittagssonne der Simulation überlässt, ist das ein präzises Sinnbild. Segantinis Licht schmeichelt nicht, es misst. Es zeigt die Dinge in ihrem wahren Wert, und dieser Wert ist im Sommer 2026 in Grad Celsius ablesbar. Die gute Nachricht: Ein Gebäude, das Licht ernst nimmt, statt es zu inszenieren, wird selten hässlich. Die Loggia, die Laibung, der Baum vor dem Fenster und die schwere Wand haben nie schlecht ausgesehen. Sie waren nur nie das, wofür man sie hielt, nämlich Dekoration.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Leserinformation</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>„Je veux voir mes montagnes“. Giovanni Segantini (1858 bis 1899)</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ort: Musée Marmottan Monet, 2 rue Louis Boilly, 75016 Paris</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Laufzeit: 29. April bis 16. August 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kuratorinnen: Gabriella Belli und Diana Segantini</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Umfang: Rund 60 Gemälde, Pastelle und Zeichnungen; ergänzend vier Arbeiten von Anselm Kiefer (1988 bis 2025) unter dem Titel „Voglio vedere le mie montagne“</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Katalog: 33 Euro</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Fünf Prozent in einem Jahr: Die Baupreise ziehen wieder an</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2026 13:10:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Baupreisindex]]></category>
		<category><![CDATA[Fachkräftemangel]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Wohnungsneubau verteuert sich im Mai 2026 um 5,0 Prozent, nach 3,3 Prozent im Februar. Der Anstieg kommt diesmal nicht aus dem Material, sondern aus dem Lohn. Das ändert die Debatte.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | Beruf | Praxis | Juli 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Deutschlands Wohnungsbau verteuert sich schneller, als die Politik reagiert</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Baupreisindex des Statistischen Bundesamtes misst die Preise für Bauleistungen am Bauwerk einschließlich Mehrwertsteuer, und er meldet für Mai 2026 eine Beschleunigung: Der Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude verteuerte sich gegenüber Mai 2025 um 5,0 Prozent. Das geht aus der Pressemitteilung Nr. 241 des Statistischen Bundesamtes (Destatis) vom 10. Juli 2026 hervor. Im Februar 2026, dem vorherigen Berichtsmonat der Statistik, hatte die Jahresrate noch 3,3 Prozent betragen. Binnen eines Quartals legten die Baupreise um 2,4 Prozent zu.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahl ist kein Ausreißer einer Randgewerkegruppe. Sie trägt breit. Rohbauarbeiten verteuerten sich um 4,9 Prozent, Ausbauarbeiten um 5,1 Prozent. Betonarbeiten und Mauerarbeiten, die den größten Anteil am Gesamtindex haben, stiegen mit 3,6 und 3,8 Prozent noch vergleichsweise moderat. Dachdeckungsarbeiten sowie Zimmer- und Holzbauarbeiten kosteten dagegen jeweils 7,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Erdarbeiten 5,4 Prozent. Im Ausbau zogen Elektro-, Sicherheits- und informationstechnische Anlagen um 6,4 Prozent an, Heizanlagen und zentrale Wassererwärmungsanlagen, darunter Wärmepumpen, um 5,0 Prozent. Instandhaltungsarbeiten an Wohngebäuden ohne Schönheitsreparaturen wurden um 5,6 Prozent teurer. Auch außerhalb des Wohnungsbaus dasselbe Bild: Bürogebäude plus 5,2 Prozent, gewerbliche Betriebsgebäude plus 5,0 Prozent, Straßenbau plus 6,2 Prozent.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum beschleunigt sich der Preisanstieg ausgerechnet jetzt?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Erklärung liegt weniger im Material als in der Arbeit. Der Preisschub von 2021 bis 2023 war ein Materialpreisschock, ausgelöst durch gestörte Lieferketten und Energiekosten. Der aktuelle Anstieg hat eine andere Signatur: Die Gewerke mit dem höchsten Lohnanteil führen die Rangliste an. Dachdeckung, Zimmerei und Holzbau sind personalintensiv und leiden zugleich unter dem stärksten Fachkräftemangel. Wo Kapazität knapp ist, wird sie teuer, unabhängig davon, was der Baustoff kostet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dazu kommt eine Nachfrage, die sich nach zwei schwachen Jahren zurückmeldet. Die Behörden genehmigten 2025 den Bau von 238.500 Wohnungen, 10,8 Prozent mehr als 2024. Von Januar bis März 2026 lag die Zahl der genehmigten Neubauwohnungen 14,0 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Fertiggestellt wurden 2025 dagegen nur 206.600 Wohnungen, 18,0 Prozent weniger als im Vorjahr und das zweite deutliche Minus in Folge. Die durchschnittliche Abwicklungsdauer von der Genehmigung bis zur Fertigstellung stieg auf 27 Monate, 2020 waren es noch 20. Genehmigungen wachsen also, die Ausführungskapazität nicht. Genau in dieser Schere entstehen Preise.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Muster ist bekannt aus jeder Konjunkturerholung im Bauwesen, nur setzt es diesmal auf einem Niveau ein, das seit 2020 um rund die Hälfte über dem Ausgangspunkt liegt. Eine Erholung, die sich sofort in Preisen statt in Fertigstellungen niederschlägt, ist keine Erholung des Wohnungsmarkts. Sie ist die Ankündigung der nächsten Stockung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeuten fünf Prozent für die Honorarpraxis?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten wirkt der Index doppelt, und beide Wirkungen ziehen in dieselbe Richtung. Nominell steigen die anrechenbaren Kosten nach § 4 der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI), die sich nach den Kostengruppen der DIN 276 bestimmen, und mit ihnen das Honorar nach § 6 HOAI. Real ist davon wenig übrig, denn dieselbe Teuerung trifft die Bürokosten, allen voran die Personalkosten, die auch bei den Planenden den größten Block bilden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gravierender ist die zweite Wirkung. Bei einem Quartalsanstieg von 2,4 Prozent altert eine Kostenberechnung nach DIN 276 innerhalb der Leistungsphase 3 schneller, als das Projekt die Leistungsphase 4 erreicht. Wer eine Kostenschätzung aus der Leistungsphase 2 zwölf Monate später gegen ein Angebot hält, erklärt eine Abweichung, die er nicht verursacht hat. Bauherrinnen und Bauherren, insbesondere institutionelle, reagieren darauf mit Kostenobergrenzen. Wird eine solche Obergrenze als Beschaffenheit vereinbart, haftet das Büro für ihre Einhaltung, auch wenn der Markt sich bewegt. Der Baupreisindex verschiebt damit still ein Haftungsrisiko von der Konjunktur auf die Planung. Wer Kostenobergrenzen vereinbart, sollte sie an einen Stichtag und an eine Indexklausel binden, nicht an ein Versprechen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kann der Gebäudetyp E die Kostenkurve brechen?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der politische Hoffnungsträger heißt Gebäudetyp E. Das Eckpunktepapier vom November 2025 sieht vor, dass Abweichungen von nicht sicherheitsrelevanten Komfortnormen zwischen fachkundigen Vertragsparteien nicht länger automatisch als Mangel gelten. Das Bundesministerium der Justiz will einen ersten Referentenentwurf nach dem Sommer 2026 vorlegen, die Verabschiedung ist für Ende 2026 angepeilt. Schätzungen zum Einsparpotenzial reichen von zehn bis zwanzig Prozent der Baukosten, in einzelnen Rechnungen bis zu 1.000 Euro je Quadratmeter. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) unterstützt das Vorhaben, kritisiert aber den gestreckten Zeitplan.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Kritik trifft einen wunden Punkt. Selbst bei planmäßiger Verabschiedung Ende 2026 greift das Gesetz frühestens in Projekten, die 2027 beauftragt werden und nach 27 Monaten Abwicklungsdauer 2029 fertig werden. Bis dahin läuft der Index weiter. Fünf Prozent jährlich über drei Jahre summieren sich auf gut fünfzehn Prozent, also auf ungefähr jenen Betrag, den der Gebäudetyp E im günstigsten Fall einspart. Ein Gesetz, das eine Teuerung einholt, die während seines Gesetzgebungsverfahrens entsteht, ist kein Kostensenkungsprogramm. Es ist eine Bremse gegen den Rückwärtsgang.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt ein blinder Fleck. Der Gebäudetyp E setzt am Normenkorsett an, also am Standard. Der aktuelle Preisanstieg kommt aber aus dem Lohn. Ein vereinfachter Dachaufbau spart Material und Ausführungsschritte, er schafft aber keine Dachdeckerin und keinen Zimmerer. Solange die Kapazität die Engstelle ist, verlagert eine Standardsenkung die Nachfrage, sie befriedigt sie nicht. Berufspolitisch heißt das: Die Debatte über Normen darf die Debatte über Nachwuchs und Ausbildung nicht ersetzen. Bisher tut sie genau das.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was folgt daraus für die Interessenvertretung?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drei Punkte gehören auf die Tagesordnung der Kammern. Erstens die Kostenkommunikation: Solange Kostenberechnungen ohne Indexbindung vorgelegt werden, tragen Planende ein Marktrisiko als Planungsfehler. Musterklauseln mit Bezug auf den Baupreisindex des Statistischen Bundesamtes wären ein wirksamerer Beitrag zur Haftungsbegrenzung als manche Fortbildung. Zweitens der Zeitplan des Gebäudetyp-E-Gesetzes: Die Forderung der Bundesarchitektenkammer nach Beschleunigung ist berechtigt und sollte mit den Zahlen aus dieser Statistik unterlegt werden, nicht mit Appellen. Drittens die Kapazität: Wer 400.000 Wohnungen jährlich fordert und gleichzeitig 206.600 fertigstellt, während die Preise um fünf Prozent steigen, hat kein Genehmigungsproblem, sondern ein Ausführungsproblem.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Pressemitteilung vom 10. Juli 2026 musste übrigens wegen einer falschen Jahreszahl korrigiert werden. Ein kleiner Fehler in einer Meldung, die eine große Zahl transportiert. Die Zahl selbst blieb, wie sie war.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Bauen für die Macht: Was der Pavillon Le Corbusier über Architektur und Herrschaft lehrt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Jul 2026 10:26:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur und Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Le Corbusier]]></category>
		<category><![CDATA[Pavillon Le Corbusier Zürich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Pavillon Le Corbusier Zürich seziert die Symbiose von Architektur und Herrschaft. Warum Le Corbusiers „Plan Voisin“ zeigt, wozu das moderne Planungsrecht die Antwort ist. </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  |  Unterwegs | Juli 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Wem gehört die Stadt? Der Pavillon Le Corbusier und die Verführung des großen Wurfs</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">„Bauen für die Macht“ bezeichnet die jahrtausendealte Symbiose zwischen Architektur und Herrschaft, in der monumentale Bauten Autorität sichtbar machen und Baukünstlerinnen und Baukünstler dafür Aufträge, Ruhm und dauerhafte Wirkung erhalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau dieses Verhältnis rückt der Pavillon Le Corbusier in Zürich vom 17. April bis 29. November 2026 ins Zentrum. Die vom Museum für Gestaltung Zürich verantwortete Ausstellung, kuratiert und szenografiert von Direktor Christian Brändle, stellt eine Frage, die weit über die Kunstgeschichte hinausreicht: Wem dient der Städtebau, wenn er im großen Maßstab denkt? Der Ausstellungsort selbst, Le Corbusiers letztes gebautes Werk und sein einziger Bau aus Stahl und Glas, wird dabei zum wichtigsten Exponat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Tradition, der die Schau nachspürt, ist alt. Von den Pyramiden der Antike über Triumphbögen und Parlamentsbauten bis zu den Hauptsitzen globaler Konzerne dienen Monumentalität, Dauerhaftigkeit und Maßstab immer wieder als Werkzeuge politischer, religiöser oder ökonomischer Macht. Sie prägen bis heute die gebaute Umwelt und versprechen den Planenden im Gegenzug Sichtbarkeit, Einfluss und Nachruhm.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was zeigt die Ausstellung im Pavillon Le Corbusier?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf rund 600 Quadratmetern und über vier Geschosse folgt die Schau der Anziehungskraft, die monumentale Aufträge auf Architektinnen und Architekten ausüben. Als Kronzeuge dient Le Corbusier (1887 bis 1965), geboren als Charles-Édouard Jeanneret-Gris. Seine Idealstädte der Zwischenkriegszeit oszillieren zwischen utopischem Fortschrittsglauben und autoritärer Ordnung. Die „Ville contemporaine“ von 1922 skizziert eine vertikal verdichtete Stadt für drei Millionen Menschen; der „Plan Voisin“ fordert den großflächigen Abriss ganzer Pariser Quartiere zugunsten einer streng gerasterten Neubaulandschaft. In der „Ville radieuse“ von 1930 verdichtet sich diese Vision zur Idee einer Heilung der Gesellschaft durch Planung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Schau benennt auch die formalen Werkzeuge dieser Tradition. Monumentale Dimensionen, endlose symmetrische Achsen und der Rückgriff auf die Formensprache der Antike lassen das Individuum klein und das System groß erscheinen; der gemeinsame Bauprozess wiederum stiftet ein Kollektiv der Beteiligten, oft auf Kosten der Vielfalt. Im Erdgeschoss treffen mit dem „Pavillon des Temps Nouveaux“ von 1937 und den städtebaulichen Großentwürfen zwei Schlüsselwerke aufeinander, die Le Corbusiers Ideen als visuelles Manifest lesbar machen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Museumsdirektor Christian Brändle formuliert die These pointiert: Le Corbusier sei „kein Nazi, kein Faschist“ gewesen, wohl aber „ein gnadenloser Opportunist“. Die Ausstellung zeichnet den Weg von frühen Pariser Entwürfen über Projektangebote an Stalin bis zu Verhandlungen mit dem Vichy-Regime nach. Dass Le Corbusier die Formensprache Albert Speers ablehnte, hatte demnach weniger moralische als ästhetische Gründe: Pomp und Pathos widersprachen seiner Idee funktionaler Reinheit. Diese Ambivalenz macht die faszinierenden Entwürfe heute zu verstörenden Dokumenten der Zeitgeschichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass die Versuchung des radikalen Umbaus auch Zürich erreichte, belegt ein lokaler Bezug innerhalb der Schau: Karl Mosers Planungsstudie für die Zürcher Altstadt von 1933. Der Pavillon rahmt diese Erzählung doppelt. Er entstand nach einem Entwurf Le Corbusiers, wurde von der Bauherrin Heidi Weber initiiert und zwei Jahre nach dem Tod des Architekten 1967 vollendet. Heute steht er unter Denkmalschutz und wird seit 2019 vom Museum für Gestaltung im Auftrag der Stadt Zürich betrieben. Der Bau lädt zu einer promenade architecturale über mehrere Geschosse ein und macht das Ideal der Moderne körperlich erfahrbar. Ein Werk der Moderne wird so zum Gehäuse einer Kritik an der Moderne.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet Le Corbusiers Erbe für das heutige Planungsrecht?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die entscheidende Lehre der Ausstellung liegt weniger in der Person als im Verfahren. Der „Plan Voisin“ verkörpert eine Planung von oben: Ein einzelner Gestalter entwirft die Stadt als Ganzes, die Bewohnerschaft kommt darin nur als zu ordnende Masse vor. Genau gegen diese Versuchung ist das moderne Raumplanungsrecht gebaut. Das schweizerische Bundesgesetz über die Raumplanung (RPG, SR 700) verteilt die Planungshoheit bewusst auf Bund, Kantone und Gemeinden und bindet sie in Art. 1 RPG an das Ziel der haushälterischen Bodennutzung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zentral ist Art. 4 RPG: Die mit Planungsaufgaben betrauten Behörden müssen die Bevölkerung über Ziele und Ablauf der Planungen unterrichten und dafür sorgen, dass sie in geeigneter Weise mitwirken kann; die Pläne sind öffentlich. Wo Le Corbusier ein Quartier per Federstrich auslöschte, verlangt das geltende Recht Information, Mitwirkung und öffentliche Auflage. Der Städtebau wird damit vom Machtinstrument zum ausgehandelten Gemeinwerk. Auch der Denkmalschutz, der den Pavillon heute sichert, gehört zu dieser Ordnung: Das Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG, SR 451) schützt das bauliche Erbe gerade vor jener Tabula-rasa-Logik, die der „Plan Voisin“ gefeiert hatte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese föderale Zuständigkeitsordnung ist kein bürokratischer Zufall, sondern eine bewusste Gewaltenteilung im Raum: Was der Bund im RPG als Rahmen vorgibt, konkretisieren Kantone und Gemeinden in ihren Bau- und Zonenordnungen, stets unter dem Vorbehalt der Mitwirkung. So wird verhindert, dass eine einzelne Instanz, sei es ein Architekt oder ein Regime, die gebaute Umwelt im Alleingang bestimmt. Dass der denkmalgeschützte Pavillon den heutigen Bauvorschriften nicht mehr entspricht und dennoch Bestand hat, ist selbst ein Beleg für den Vorrang des kulturellen Werts vor der reinen Norm.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Praxis ist das mehr als Rechtsgeschichte. Verdichtung, Klimaanpassung und Wohnungsnot verlangen heute wieder Eingriffe im großen Maßstab. Die Ausstellung erinnert daran, dass der Maßstab allein noch keine Legitimität schafft. Ob ein Großprojekt der Gesellschaft dient oder sie überformt, entscheidet nicht die Kühnheit des Entwurfs, sondern die Qualität des Verfahrens: Beteiligung, Transparenz und der Schutz des Bestehenden. Der Streit um Nachverdichtung, Hochhauszonen und den Abbruch intakter Bausubstanz wird in Zürich, München und Wien mit ähnlichen Argumenten geführt wie einst gegen den Plan Voisin. Wer Quartiere im Namen der Effizienz opfert, verliert leicht aus dem Blick, dass eine Stadt aus mehr besteht als aus optimierten Grundrissen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">So gelesen ist „Bauen für die Macht“ keine reine Corbusier-Retrospektive, sondern eine Mahnung an die Gegenwart. Wer heute für die Verdichtung plant, sollte den Pavillon nicht allein als Denkmal der Moderne besuchen, sondern als Lehrstück über ihre blinden Flecken. Die Davos-Erklärung zur Baukultur von 2018 fordert eine hohe Baukultur für alle; ihr institutionelles Fundament aber bleibt das Planungsrecht. Es diszipliniert die Faszination des großen Wurfs, indem es die Macht über den Raum an Verfahren und Öffentlichkeit zurückbindet. Genau diese Rückbindung sollte das Publikum mitnehmen, wenn es den gläsernen Pavillon am Zürcher Seeufer wieder verlässt.</p>
<h2 style="font-weight: 400;"><strong>Besucherinformation</strong></h2>
<table style="font-weight: 400;" width="624">
<tbody>
<tr>
<td width="153"><strong>Ausstellung</strong></td>
<td width="471">„Bauen für die Macht“. Beziehungen zwischen Architektur und Autorität</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Ort</strong></td>
<td width="471">Pavillon Le Corbusier, Höschgasse 8, 8008 Zürich</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Träger</strong></td>
<td width="471">Museum für Gestaltung Zürich, im Auftrag der Stadt Zürich</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Laufzeit</strong></td>
<td width="471">17. April bis 29. November 2026 (Saison 2026)</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Öffnungszeiten</strong></td>
<td width="471">Dienstag bis Sonntag 12 bis 18 Uhr</p>
<p>Donnerstag 12 bis 20 Uhr</p>
<p>Montag geschlossen</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Eintritt</strong></td>
<td width="471">Erwachsene CHF 15, ermäßigt CHF 10</p>
<p>Unter 20 Jahren freier Eintritt</p>
<p>Donnerstags ab 17 Uhr freier Eintritt</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"></td>
<td width="471"></td>
</tr>
<tr>
<td width="153"></td>
<td width="471"></td>
</tr>
<tr>
<td width="153"></td>
<td width="471">Audio-Tour mit 18 Stationen; Führungen, Ausstellungsgespräche und Workshops</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Kontakt</strong></td>
<td width="471">Telefon +41 43 446 44 68, <a href="mailto:welcome@museum-gestaltung.ch" target="_blank" rel="noopener">welcome@museum-gestaltung.ch</a></p>
<p>Web: <a href="https://pavillon-le-corbusier.ch/de" target="_blank" rel="noopener">pavillon-le-corbusier.ch</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="font-weight: 400;"><em>Angaben ohne Gewähr; Stand der Recherche Juli 2026. Öffnungszeiten und Eintritt bitte vor dem Besuch prüfen.</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/bauen-fuer-die-macht-was-der-pavillon-le-corbusier-ueber-architektur-und-herrschaft-lehrt/">Bauen für die Macht: Was der Pavillon Le Corbusier über Architektur und Herrschaft lehrt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>„Long Life, Loose Fit&#8220;: Warum Haltbarkeit das eigentliche Nachhaltigkeitskriterium ist</title>
		<link>https://baukunst.art/long-life-loose-fit-warum-haltbarkeit-das-eigentliche-nachhaltigkeitskriterium-ist/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 15:39:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Bauen im Bestand Regelwerke: DIN EN 15978]]></category>
		<category><![CDATA[Dauerhaftigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[DIN 276]]></category>
		<category><![CDATA[Ersatzbaustoffverordnung]]></category>
		<category><![CDATA[GEG]]></category>
		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
		<category><![CDATA[Zirkuläres Bauen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=16660</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ein Kommentar zur Nachhaltigkeitsdebatte: Nicht die Recycling-Geste entscheidet über die Ökobilanz, sondern die Lebensdauer. Was Haltbarkeit im Entwurf wirklich meint.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/long-life-loose-fit-warum-haltbarkeit-das-eigentliche-nachhaltigkeitskriterium-ist/">„Long Life, Loose Fit&#8220;: Warum Haltbarkeit das eigentliche Nachhaltigkeitskriterium ist</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong>   |   Meinung   |   Juli 2026</p>
<p>Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Nachhaltig ist, was bleibt, nicht was posiert</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Das nachhaltigste Gebäude ist jenes, das am längsten genutzt wird; jede andere Kennzahl im nachhaltigen Bauen ist dieser einen nachgeordnet. Die These klingt schlicht, doch sie ordnet die aktuelle Debatte um Zirkularität und Wiederverwendung neu. Wenn Dauer das Ziel ist, dann muss eine Konstruktion nicht in erster Linie recycelbar aussehen, sondern lange halten und, mindestens ebenso wichtig, lange passen. Der Satz des amerikanischen Architekten Carl Elefante, das nachhaltigste Gebäude sei das bereits gebaute, meint genau das: Jedes zusätzliche Standjahr streckt die graue Energie über eine längere Nutzung, und in der Ökobilanz nach DIN EN 15978 sinkt der jährliche Treibhausgasanteil pro Quadratmeter mit jedem Jahr, das ein Bauwerk länger dient.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum werden Gebäude tatsächlich abgerissen?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht das Tragwerk gibt den Ausschlag, sondern die Nutzung. Die wenigsten Gebäude verschwinden, weil ihre Substanz versagt; sie verschwinden, weil sich der Grundriss nicht mehr an neue Anforderungen anpassen lässt. Diese funktionale Obsoleszenz, nicht die statische, ist die eigentliche Abrissursache. Ein massiv errichtetes Haus, das keine Umnutzung zulässt, steht am Ende ebenso vor dem Bagger wie ein schwaches. Der<strong><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Alex_Gordon_(architect)" target="_blank" rel="noopener"> britische Architekt Alex Gordon</a></strong> fasste das bereits 1972 in die Formel „Long Life, Loose Fit, Low Energy&#8220;, langes Leben, lockere Passform, niedriger Energieverbrauch. <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stewart_Brand" target="_blank" rel="noopener">Stewart Brand</a></strong> hat die Idee später präzisiert: Ein Gebäude besteht aus Schichten sehr unterschiedlicher Lebensdauer, das Tragwerk währt Jahrhunderte, die Haustechnik nur Jahre. Wer diese Schichten unlösbar verbindet, verkürzt die Lebensdauer des Ganzen auf jene seines kurzlebigsten Teils.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Daraus folgt eine Definition von Haltbarkeit, die über Materialwerte hinausgeht. Dauerhaftigkeit entsteht aus dem Zusammenspiel dreier Eigenschaften: der Robustheit der Substanz, der Anpassungsfähigkeit des Raums (grosszügige lichte Höhen, nutzungsoffene Spannweiten, redundante Erschliessung) und der Reparierbarkeit der einzelnen Bauteile. Fehlt eine davon, bleibt Langlebigkeit Behauptung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ist Demontierbarkeit ein Widerspruch zur Dauerhaftigkeit?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der verbreitete Reflex, Wiederverwendung und Dauer gegeneinander auszuspielen, verfehlt den Punkt. Reversible, sortenrein trennbare Fügung ist kein Gegenteil von Haltbarkeit, sie kann ihr dienen. Ein Bauteil, das sich zerstörungsfrei ausbauen, warten und wieder einsetzen lässt, überlebt jene Umbauten, an denen ein verklebtes, verschäumtes oder einbetoniertes Bauteil zu Abfall wird. Trennbarkeit verlängert also potenziell die Lebensdauer, statt sie zu bedrohen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der berechtigte Kern der Kritik, wie sie etwa der Frankfurter<strong><a href="https://swiss-architects.com/de/architecture-news/gefunden/ich-sehe-keinen-grund-warum-wir-eine-neue-architektursprache-erfinden-sollten" target="_blank" rel="noopener"> Architekt Stefan Forster</a></strong> gegen die Preisvergabe des <strong><a href="https://www.dam-preis.de/de/136/dam-preis-2026/preistraeger/" target="_blank" rel="noopener">Deutschen Architekturmuseums (DAM)</a></strong> vorgebracht hat, trifft deshalb nicht die Trennbarkeit selbst, sondern ihre Verkehrung in eine Geste. Wo die Ästhetik der Wiederverwendung zum Selbstzweck wird und Fügungen hervorbringt, die fragil wirken und schwer zu unterhalten sind, verwechselt sie das Mittel mit dem Ziel. Ein Provisorium, das Dauerhaftigkeit nur zitiert, ist keine. Bezeichnend ist, dass das preisgekrönte Berliner Projekt, die Erweiterung des ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, in diesem Streit eher auf der Seite der Dauer steht: Es verlängert das Leben eines alten Güterbahnhofs und ist damit gelebter Bestandserhalt. Umstritten sind nicht der Umbau, sondern die experimentellen Demontage-Projekte, die unter demselben Etikett laufen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was folgt daraus für den Entwurf?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Anspruch auf Haltbarkeit gehört zurück ins Zentrum des Entwurfs, allerdings richtig verstanden. Robustheit allein genügt nicht, denn sie sichert die Substanz, aber nicht die Nutzbarkeit; Trennbarkeit allein genügt ebenso wenig, denn sie erleichtert den Rückbau, ohne für sich schon Dauer zu schaffen. Zusammen ergeben sie eine Baukultur, die Langlebigkeit konstruktiv verankert: nutzungsoffene Strukturen, die Wohnen, Arbeiten und Gemeinbedarf über Jahrzehnte aufnehmen können, sortenrein getrennte Schichten und dokumentierte Bauteile, etwa über einen Gebäuderessourcenpass.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Ordnungsrahmen trägt diese Richtung bereits ansatzweise mit. Die Kostenermittlung nach DIN 276 verschiebt sich zu den Lebenszykluskosten, die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) honoriert das Bauen im Bestand über den Umbauzuschlag nach § 6 HOAI, das Gebäudeenergiegesetz (GEG) verlangt langfristig gedachte Effizienz, und der neue Gebäudetyp E soll den Bestandsumbau von überzogenen Standards entlasten. Der DAM Preis 2026 weist damit in die richtige Richtung, sofern er als Plädoyer für Dauer gelesen wird und nicht als Feier des Vorläufigen. Nachhaltigkeit misst sich nicht an der Sichtbarkeit des Recyclings, sondern an der Zahl der Jahre, die ein Gebäude sinnvoll genutzt wird. Wer lange bauen will, muss robust, anpassbar und trennbar zugleich denken.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/long-life-loose-fit-warum-haltbarkeit-das-eigentliche-nachhaltigkeitskriterium-ist/">„Long Life, Loose Fit&#8220;: Warum Haltbarkeit das eigentliche Nachhaltigkeitskriterium ist</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Gewerbe zu Wohnen: Der KfW-Zuschuss 266 startet zum 1. Juli 2026</title>
		<link>https://baukunst.art/gewerbe-zu-wohnen-der-kfw-zuschuss-266-startet-zum-1-juli-2026/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 15:07:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bestandsumnutzung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungspolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Leere Büros, fehlende Wohnungen: Der Bund will beides zugleich lösen. Seit dem 1. Juli fließt Fördergeld für den Umbau. Doch der Zuschuss allein macht kein Projekt wirtschaftlich.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/gewerbe-zu-wohnen-der-kfw-zuschuss-266-startet-zum-1-juli-2026/">Gewerbe zu Wohnen: Der KfW-Zuschuss 266 startet zum 1. Juli 2026</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong>   |   BERUF   |   Juli 2026</p>
<p>Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Leerstand nebenan: Wie aus dem alten Bürohaus bezahlbare Wohnungen werden</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der KfW-Zuschuss 266 „Gewerbe zu Wohnen“ ist ein direkter, nicht rückzahlbarer Baukostenzuschuss des Bundes, der seit dem 1. Juli 2026 den Umbau leerstehender Nichtwohngebäude zu Wohnungen mit bis zu 30.000 Euro je neuer Wohneinheit unterstützt. Abgewickelt wird das Programm von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB). Die zugrunde liegende Förderrichtlinie erschien am 2. April 2026 im Bundesanzeiger, für das Haushaltsjahr 2026 stehen 300 Millionen Euro bereit, und die Laufzeit endet vorerst mit Ablauf des 31. Dezember 2026.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausgangslage ist in wenigen Zahlen umrissen. Laut einem Bericht der Bundesregierung vom November 2025 stieg die Leerstandsquote in den großen deutschen Büromärkten zwischen 2019 und 2024 von rund zwei auf 5,6 Prozent, was etwa elf Millionen Quadratmetern ungenutzter Fläche entspricht. Das Beratungshaus JLL bezifferte den Büroleerstand in den sieben größten Städten Ende 2025 auf 8,1 Millionen Quadratmeter. Dem steht ein anhaltender Mangel an bezahlbarem Wohnraum gegenüber. Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) verbindet mit dem Programm daher ein dreifaches Versprechen: Leerstand abbauen, Wohnraum schaffen und den Gebäudebestand klimagerecht erneuern.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was fördert der Zuschuss 266 konkret?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gefördert werden ausschließlich die baulichen Umbaumaßnahmen. Dazu zählen Rückbau, Grundrissänderungen, der Bau neuer Treppenhäuser, die Erschließung, statische Anpassungen, der gesamte Innenausbau sowie die Umgestaltung der Außenflächen einschließlich Entsiegelung. Der Fördersatz beträgt 30 Prozent der förderfähigen Kosten, bezogen auf höchstens 100.000 Euro je neuer Wohneinheit. Daraus ergibt sich der Höchstbetrag von 30.000 Euro pro Wohnung. Voraussetzung ist, dass durch den Umbau mindestens eine neue, abgeschlossene Wohneinheit entsteht und das Gebäude zuvor beheizt und nicht zu Wohnzwecken genutzt wurde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine wichtige Trennlinie verläuft bei der Energetik. Die Kosten der energetischen Sanierung, also Dämmung, Fenster oder Wärmeerzeuger, sind über den Zuschuss 266 nicht förderfähig. Dafür ist die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) zuständig, etwa über das KfW-Programm 261. Beide Linien lassen sich kombinieren, solange dieselbe Kostenposition nicht doppelt angesetzt wird. Zugleich verlangt das Programm einen energetischen Zielstandard: Nach dem Umbau muss mindestens das Niveau „Effizienzhaus 85 Erneuerbare-Energien“ erreicht werden, bei denkmalgeschützter Substanz genügt „Effizienzhaus Denkmal Erneuerbare-Energien“. Die Einbindung einer Sachverständigen oder eines Sachverständigen aus der Expertenliste für Förderprogramme des Bundes bei der Deutschen Energie-Agentur (dena) ist verpflichtend.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wer ist antragsberechtigt, und wo lauert die zeitliche Falle?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Antragsberechtigt sind natürliche wie juristische Personen, also Selbstnutzerinnen und Selbstnutzer ebenso wie private Investoren, Wohnungsunternehmen, Kommunen und gemeinnützige Organisationen. Die spätere Vermietung der neuen Wohnungen ist ausdrücklich zulässig. Für Unternehmen ist allerdings die De-minimis-Regelung zu beachten, die staatliche Beihilfen über einen Dreijahreszeitraum begrenzt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die entscheidende Hürde ist zeitlicher Natur. Der Antrag muss vor Vorhabenbeginn bei der KfW gestellt sein. Als Vorhabenbeginn gilt der Abschluss eines der Ausführung zuzurechnenden Liefer- oder Leistungsvertrags. Planungs- und Beratungsleistungen dürfen vorher erbracht werden, der erste Bauauftrag jedoch nicht. Wer vor der Förderzusage Material bestellt oder Abrissarbeiten beauftragt, verliert den Anspruch vollständig. Zusätzlich bedarf die Nutzungsänderung von Gewerbe zu Wohnen in aller Regel einer Baugenehmigung. Der Umsetzungszeitraum beträgt maximal 54 Monate.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum entscheidet sich die Wirtschaftlichkeit selten am Zuschuss?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Zuschuss wirkt als Anschub, nicht als Vollfinanzierung. Als grobe Orientierung gelten für den reinen Umbau 800 bis 2.000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Ein Projekt mit zehn Wohnungen bringt bei maximaler Ausschöpfung 300.000 Euro, was die Umbaukosten je nach Objekt um etwa zehn bis zwanzig Prozent entlastet. Der Löwenanteil der Ausgaben entsteht andernorts: bei der Ertüchtigung der Tragkonstruktion, dem Einbau von Nasszellen, der Anpassung der Gebäudehülle an den geforderten Effizienzstandard und, nicht zuletzt, in der Dauer der Genehmigungsverfahren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Flankiert wird das Programm von mehreren Rechtsänderungen. Die Novelle des Baugesetzbuchs aus dem Jahr 2025 führte mit § 246e BauGB den sogenannten Bau-Turbo ein, der erweiterte Befreiungen nach § 31 BauGB und verbindliche Bearbeitungsfristen vorsieht. Die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) wurde angepasst, um Nutzungskonflikte zwischen Gewerbe und Wohnen zu entschärfen. In Bayern verhindert Art. 81 der Bayerischen Bauordnung (BayBO), dass Gemeinden allein wegen der Umnutzung zu Wohnzwecken zusätzliche Stellplätze verlangen. Solche Erleichterungen senken einzelne Kostenhürden, ersetzen aber keine objektbezogene Machbarkeitsprüfung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das Programm für die gemischte Stadt?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jenseits der Kostenrechnung liefert die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen ein gewichtiges Argument. Die Umnutzung von Bestandsgebäuden spart nach Angaben des BMWSB bis zu zwei Drittel der Kohlendioxid-Emissionen gegenüber einem vergleichbaren Neubau. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) empfahl im Frühjahr 2026 in seiner Stellungnahme „Zirkulär bauen: Bestand erhalten, Kreisläufe schließen“, Kreislaufkriterien fest in die Bauförderung zu verankern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritik bleibt dennoch nicht aus. Vertreterinnen und Vertreter der Immobilienwirtschaft begrüßen den Impuls, halten ihn aber für strukturell begrenzt. Sozialpolitisch orientierte Stimmen bemängeln die fehlende Mietbindung: Ein öffentlich subventionierter Umbau kann anschließend zu beliebigen Marktmieten vermietet werden. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) warnt zudem davor, dass die flächendeckende Umwandlung von Ladenlokalen die Nutzungsmischung in den Innenstädten kippen lässt, auf die das Handwerk für seine Kundennähe angewiesen ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">So markiert der Zuschuss 266 vor allem den politischen Willen zur Aktivierung des Bestands. Ob die 300 Millionen Euro den Unterschied zwischen einem rechnerisch tragfähigen und einem tatsächlich gebauten Projekt ausmachen, entscheidet sich am einzelnen Objekt, an den Genehmigungszeiten und an der Frage, ob das vereinfachte Bauen nach dem Gebäudetyp E auch für Umnutzungen praxistauglich wird.</p>
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<h3 class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal">Leser-Info: KfW-Zuschuss 266 „Gewerbe zu Wohnen&#8220;</h3>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal"><strong>Programm:</strong> Gewerbe zu Wohnen (GzW), abgewickelt als KfW-Zuschuss Nr. 266<br />
<strong>Träger:</strong> Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB), Umsetzung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)<br />
<strong>Laufzeit:</strong> Antragstellung seit 1. Juli 2026, befristet bis 31. Dezember 2026<br />
<strong>Volumen:</strong> 300 Millionen Euro für das Haushaltsjahr 2026</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal"><strong>Förderhöhe:</strong> 30 Prozent der förderfähigen Umbaukosten, bezogen auf höchstens 100.000 Euro je neuer Wohneinheit, also bis zu 30.000 Euro je Wohnung. Direkter, nicht rückzahlbarer Zuschuss.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal"><strong>Antragsberechtigt:</strong> natürliche und juristische Personen, also Selbstnutzerinnen und Selbstnutzer, private Investoren, Wohnungsunternehmen, Kommunen und gemeinnützige Organisationen. Spätere Vermietung zulässig. Für Unternehmen gilt die De-minimis-Regelung.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal"><strong>Voraussetzungen</strong>: mindestens eine neue, abgeschlossene Wohneinheit; Gebäude zuvor beheizt und nicht zu Wohnzwecken genutzt; energetischer Zielstandard mindestens Effizienzhaus 85 Erneuerbare-Energien (bei Denkmälern Effizienzhaus Denkmal EE); Einbindung einer Sachverständigen oder eines Sachverständigen aus der dena-Expertenliste ist Pflicht.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal"><strong>Wichtig:</strong> Der Antrag muss vor Vorhabenbeginn gestellt sein. Als Vorhabenbeginn gilt der Abschluss eines Liefer- oder Leistungsvertrags; Planung und Beratung sind vorher zulässig. Die Nutzungsänderung von Gewerbe zu Wohnen bedarf in der Regel einer Baugenehmigung. Umsetzungszeitraum maximal 54 Monate.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal"><strong>Nicht förderfähig:</strong> energetische Sanierung (Dämmung, Fenster, Wärmeerzeuger). Dafür ist die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) zuständig, etwa über das KfW-Programm 261. Beide Linien sind kombinierbar, sofern dieselbe Kostenposition nicht doppelt angesetzt wird.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal"><strong>Antragsweg und Quellen:</strong> direkt bei der KfW (kfw.de, Produktseite „Gewerbe zu Wohnen (266)&#8220;), Programminformationen des BMWSB unter bmwsb.bund.de.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal">
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<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/gewerbe-zu-wohnen-der-kfw-zuschuss-266-startet-zum-1-juli-2026/">Gewerbe zu Wohnen: Der KfW-Zuschuss 266 startet zum 1. Juli 2026</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Was KI beim Hitzeschutz verschweigt, und warum das teuer wird</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Jun 2026 13:30:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Drei KI-Prompts zum temporären Hitzeschutz, gegengelesen: wo das Tool glättet, falsch zitiert und die Genehmigungsfrage unterschlägt. Ein Lehrfall.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/was-ki-beim-hitzeschutz-verschweigt-und-warum-das-teuer-wird/">Was KI beim Hitzeschutz verschweigt, und warum das teuer wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Was KI wirklich kann, lernt man am Detail: Ein Lehrfall zum temporären Hitzeschutz</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Künstliche Intelligenz beantwortet jede Frage in Sekunden. Das ist der einfache Teil. Der schwierige Teil beginnt danach: Wo liegt das Tool richtig, wo glättet es, wo schweigt es über genau die Ebene, an der ein Projekt scheitert? Am Beispiel des temporären Hitzeschutzes lässt sich das vorführen. Wir haben drei Fragen gestellt, die jede Architektin und jeder Architekt im Bestand kennt, und die Antworten gegengelesen.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die folgenden drei Blöcke zeigen jeweils den realen Prompt, das KI-Ergebnis und unsere Einordnung. Nicht das Werkzeug ist die Lektion, sondern der Blick, mit dem man das Werkzeug liest.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie ordnet KI die gängigen Verschattungslösungen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Prompt: </strong>Welche temporären, reversiblen Maßnahmen schützen ein Bestandsgebäude im Sommer vor Überhitzung? Ordne nach Wirksamkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">KI-Ergebnis (gekürzt): </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Das Tool listet außenliegende Markisen, Sonnensegel, mobile Raffstores, Verschattungsfolien und innenliegende Plissees. Es bezeichnet innenliegenden Sonnenschutz als „eine gleichwertige, einfacher umzusetzende Alternative“.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Reihenfolge stimmt im Kern, die Gleichsetzung nicht. Außenliegender Sonnenschutz fängt die Strahlung vor der Scheibe ab, innenliegender lässt sie weitgehend ins Glas und in den Raum. Der Unterschied ist kein Komfortdetail, sondern eine Größenordnung: Der Abminderungsfaktor außenliegender Systeme liegt grob im Bereich um 0,25, innenliegender eher um 0,75. Diese Zahlen sind hier als Orientierung gedacht, nicht als Nachweiswert. Wer damit plant, zieht sie aus dem Datenblatt des konkreten Produkts, nicht aus einer KI-Antwort, denn sie schwanken je nach System erheblich. Das Tool kennt das Prinzip, macht aber aus zwei sehr unterschiedlichen Wirkungsgraden eine Frage der Bequemlichkeit. Dieses Glätten ist der erste Fehlertyp, den man erkennen muss.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kennt KI den richtigen Nachweisweg?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Prompt: </strong>Nach welcher Norm wird der sommerliche Wärmeschutz nachgewiesen und welche Kennwerte gehen ein?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">KI-Ergebnis (gekürzt): </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Das Tool nennt die DIN 4108-2, das Sonneneintragskennwert-Verfahren, den g-Wert und die Fenstergröße. Es bietet an, den Nachweis „direkt zu berechnen“.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Methode und Kennwerte sind korrekt benannt. Hier liegen zwei Fallen. Erstens die Normfassung: Tools zitieren gern eine überholte Ausgabe, und welche gerade gilt, muss man unabhängig prüfen. Zweitens das Rechenangebot. Ohne geprüfte Eingabewerte und ohne die zutreffende Klimaregion liefert das Tool eine Plausibilität, keinen Nachweis. Es klingt nach Ergebnis und ist eine Schätzung. Genau an dieser Stelle endet der Knopfdruck und beginnt die Fachverantwortung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Beantwortet KI die Genehmigungsfrage vollständig?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Prompt: </strong>Ist temporäre Fassadenverschattung an einem Bestandsgebäude in Bayern genehmigungsfrei?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">KI-Ergebnis (gekürzt): </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">„Reversible Maßnahmen sind in der Regel verfahrensfrei und benötigen keine Baugenehmigung.“</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Verkürzt und damit riskant. Die Verfahrensfreiheit richtet sich nach dem Katalog der BayBO, derzeit Art. 57, und hängt an Art und Größe der Maßnahme, nicht allein an der Reversibilität. Ein Hinweis in eigener Sache: Auch dieser Paragraphenverweis gehört vor jeder Berufung darauf gegen die geltende Fassung geprüft, denn das ist genau die Sorgfalt, die das Tool im Beispiel vermissen lässt. Vor allem überschreibt das Denkmalrecht die Regel: An einem Baudenkmal ist auch die rückbaubare Markise erlaubnispflichtig. Das Tool unterschlägt genau die Ebene, auf der die meisten Bestandsprojekte tatsächlich hängen bleiben. Die Antwort ist nicht falsch, sie ist unvollständig, und Unvollständigkeit ist im Genehmigungsverfahren teurer als ein offener Fehler.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt als Lehre?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drei Fragen, drei wiederkehrende Muster: falsche Gewichtung bei richtigem Prinzip, ein überholtes Normzitat mit Scheingenauigkeit, eine unterschlagene Rechtsebene. Keiner dieser Fehler entsteht, weil das Tool schlecht wäre. Sie entstehen, weil eine Sprach-KI auf Plausibilität optimiert ist, nicht auf Haftung. Der Mehrwert liegt deshalb nicht im Prompt allein, sondern im Lesen der Antwort. Das gilt übrigens auch für diesen Text: Die genannten Faktoren sind Größenordnungen, der Paragraphenverweis ist gegen die geltende Fassung zu prüfen. Wer weiß, wo geglättet wird, im fremden wie im eigenen Text, gewinnt Tempo, ohne Sicherheit zu verlieren. Wer es nicht weiß, übernimmt Risiken, die im Output unsichtbar bleiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Baukunst Akademie: </strong>Welcher Prompt ein brauchbares Ergebnis liefert und woran man erkennt, wo ein Tool danebenliegt, ist Kern des <strong><a href="https://baukunst.art/kurse/lehrgang-ki-im-bueroalltag-2-3/" target="_blank" rel="noopener">KI-Lehrgangs der Baukunst Akademie</a></strong>. Der Kurs richtet sich an kleine und mittlere Architekturbüros. Nächster Termin September 2026.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/was-ki-beim-hitzeschutz-verschweigt-und-warum-das-teuer-wird/">Was KI beim Hitzeschutz verschweigt, und warum das teuer wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Der 13-Punkte-Plan von Verena Hubertz: Reformimpuls oder Symbolpolitik?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Jun 2026 08:47:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[13-Punkte-Plan Baukosten]]></category>
		<category><![CDATA[Baukostensenkung]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Gebäudetyp E]]></category>
		<category><![CDATA[Hubertz Aktionsplan]]></category>
		<category><![CDATA[Neubauförderung 2027]]></category>
		<category><![CDATA[serielles Bauen]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ab 2028 nur noch digitale Bauanträge, ein gebündeltes Förderprogramm und Boni für schnelles Bauen: Der Aktionsplan der Bauministerin verspricht viel. Wie tragfähig sind die dreizehn Punkte wirklich?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art </strong>  |   BERUF   |   Juni 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wohnungsnot trifft Sparzwang: Hubertz&#8216; Plan zwischen Anspruch und Wirklichkeit</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der am 19. Juni 2026 in Frankfurt vorgestellte Aktionsplan von Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) ist ein Bündel aus dreizehn Einzelmaßnahmen, das die Baukosten dämpfen und den stockenden Wohnungsbau wieder in Gang bringen soll, ohne dabei unmittelbar ein einziges neues Gesetz in Kraft zu setzen. Vorgelegt wurde das Papier vor Vertreterinnen und Vertretern der Immobilien- und Finanzbranche, nicht im Deutschen Bundestag. Schon dieser Rahmen verrät die Zwitterstellung des Vorhabens: halb Reformfahrplan, halb Werbeauftritt um Investitionen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausgangslage rechtfertigt jeden Tatendrang. Laut Statistischem Bundesamt wurden 2025 in Deutschland nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt, rund 18 Prozent weniger als im Vorjahr und der niedrigste Stand seit 2012. Bundesweit fehlen schätzungsweise eine Million Wohnungen. Hubertz formuliert das Problem ungewohnt offen: Es gehe nicht mehr darum, das Bauen attraktiver zu machen, sondern dafür zu sorgen, dass Projekte überhaupt noch realisiert würden. Die Baukosten hätten, so die Ministerin, ein unsägliches Niveau erreicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Verschärft wird die Lage durch die Finanzierungsseite. Gestiegene Kreditzinsen haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Vorhaben unrentabel gemacht. Die von Hubertz angekündigte Verlängerung von Abschreibungsmöglichkeiten weist in die richtige Richtung, doch ihre konkrete Ausgestaltung fehlt bislang. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob aus einer Ankündigung messbare Wirkung wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was steht konkret im Aktionsplan?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den sichtbarsten Punkt bildet die Digitalpflicht: Ab 2028 soll der digitale Bauantrag zum verbindlichen Regelweg werden, Papieranträge nur noch in begründeten Härtefällen zulässig sein. Ziel ist eine durchgängige Digitalisierung vom Antrag bis zur Genehmigung. Zweitens bündelt das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen die bislang zersplitterte Neubauförderung ab 2027 in einem einzigen Programm mit dem schlichten Namen Neubau; der Aufbau von Wohneigentum für Familien soll dabei ein zentrales Kriterium sein. Drittens kündigt Hubertz ein Bonus-System an, das verkürzte Bauzeiten und reduzierte Kosten belohnt und damit serielles wie modulares Bauen mit vorgefertigten Bauteilen anreizt. Hinzu kommt die Absicht, Bauleitplanverfahren mit standardisierten Datenmodellen auf maximal zwei Jahre zu begrenzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders die Zwei-Jahres-Grenze für Bauleitplanverfahren ist ambitioniert. Bebauungspläne nach Baugesetzbuch (BauGB) scheitern in der Praxis selten am Formular, sondern an Umweltprüfungen, Beteiligungsverfahren und Abwägungen widerstreitender Belange. Standardisierte Datenmodelle können die Verwaltung entlasten, doch die rechtlich gebotene Sorgfalt lässt sich nicht per Frist verordnen. Wer Verfahren wirklich verkürzen will, muss an die materiellen Anforderungen heran, nicht nur an deren digitale Verpackung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vieles davon ist nicht neu. Der prominent platzierte Gebäudetyp E, der ein rechtssicheres Abweichen von Normen und technischen Standards etwa bei Tiefgaragen erlauben soll, geht noch auf die Ampelkoalition zurück. Der zugehörige Gesetzentwurf soll laut Hubertz erst in diesem Jahr vom Bundesministerium der Justiz vorgelegt werden. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), bringt die Geduldsprobe auf den Punkt: Beim Gebäudetyp E sei bereits über ein Jahr dieser Legislaturperiode verloren gegangen. Er bewertet den Plan grundsätzlich positiv, fordert aber deutlich mehr Tempo und Ehrgeiz in der Umsetzung sowie kurzfristige finanzielle Anreize.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Beschleunigt die Digitalpflicht wirklich die Verfahren?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier zeigt sich die zentrale Schwäche des Plans. Ein digitaler Bauantrag beschleunigt nichts, solange die Genehmigungsbehörden personell unterbesetzt sind und jedes Bundesland eine eigene Bauordnung pflegt. Die Bayerische Bauordnung (BayBO) unterscheidet sich von der Bauordnung in Nordrhein-Westfalen oder Sachsen erheblich; ein bundesweit einheitlicher digitaler Antrag setzt eine Harmonisierung voraus, die der Aktionsplan nicht liefert. Digitalisierung ohne Verfahrensvereinfachung verlagert die Aktenberge lediglich auf den Server.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt der Datenschutz. Bauanträge enthalten regelmäßig personenbezogene Daten und sensible Grundstücksinformationen, deren Verarbeitung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) genügen muss. Wo zusätzliche Prüfschritte, Aufbewahrungsfristen und Nachweispflichten entstehen, kann Digitalisierung Verfahren sogar verlängern statt verkürzen. Beschleunigung gelingt nur, wenn die materielle Prüfdichte sinkt, nicht allein das Medium wechselt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch das serielle Bauen verdient einen nüchternen Blick. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) räumte selbst ein, dass erst rund zehn Prozent der Gebäude in Deutschland mit vorgefertigten Bauteilen errichtet würden. Kritikerinnen und Kritiker warnen, dass serieller Wohnungsbau für Verdichtung und Aufstockung in den Innenstädten kaum taugt und derzeit nicht einmal günstiger ist. Der von Hubertz beschworene Vergleich, ganze Wohnviertel rollten vom Fließband, weckt zudem ungute Erinnerungen an den industriellen Plattenbau; die architektonische und städtebauliche Qualität bleibt im Aktionsplan eine Leerstelle.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das für kleine und mittlere Planungsbüros?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Architektenschaft ist der Plan ein zweischneidiges Schwert. Einerseits eröffnet die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) bei standardisierten und seriellen Projekten weniger Spielraum für die volle Leistungstiefe; wo Gebäude faktisch aus dem Katalog kommen, schrumpft der Anteil planerischer Wertschöpfung. Andererseits verschiebt der Gebäudetyp E Verantwortung zurück zu den Entwerfenden: <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wer rechtssicher von einer Norm abweicht, braucht fundierte fachliche Begründung, saubere Dokumentation und ein waches Haftungsbewusstsein.</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Beides begünstigt eher das größere Büro mit eigener Rechtsabteilung als die kleine Partnerschaft. Hier wären berufspolitische Leitplanken der Bundesarchitektenkammer (BAK) und der Länderarchitektenkammern gefragt, etwa die Forderung, dass Standardisierung die Planungshoheit nicht aushöhlt, dass Haftungsrisiken beim Abweichen von Normen fair verteilt werden und dass Beschleunigung nicht zulasten der Baukultur geht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Unterbelichtet bleibt schließlich der Fachkräftemangel. Schnellere Verfahren und mehr Förderung erhöhen die Nachfrage nach Planungsleistungen, doch ohne qualifizierte Nachwuchskräfte in Büro und Bauamt verpufft jeder Beschleunigungseffekt. Eine ehrliche Wohnungsbaupolitik wäre stärker mit Nachwuchsförderung und der personellen Ausstattung der Bauverwaltung verzahnt; im Aktionsplan kommt dieser Zusammenhang kaum vor, obwohl die Branche genau davon abhängig ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der ehrliche Befund lautet: Der Aktionsplan ist weder reiner Aktionismus noch fertige Politik. Er benennt die richtigen Hebel, Kosten, Zeit und Verfahren, bleibt aber bei der Ausgestaltung vage und schiebt die entscheidenden Gesetzgebungsschritte in die Zukunft. Ein Papier, das überwiegend aus Absichtserklärungen und bereits bekannten Vorhaben besteht und auf einer Investorenkonferenz statt im Parlament präsentiert wird, ist zunächst ein politisches Signal. Ob daraus sinnvolle Politik wird, entscheidet sich nicht an der Zahl dreizehn, sondern an den Gesetzentwürfen, die noch in diesem Jahr folgen müssen. Andernfalls droht dem schönsten Plan das Schicksal so vieler Wohnungsbauoffensiven der vergangenen Jahre: viel angekündigt, wenig gebaut.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>Olivenhaine in Ostösterreich: Klimaanpassung oder Spinnerei?</title>
		<link>https://baukunst.art/olivenhaine-in-ostoesterreich-klimaanpassung-oder-spinnerei/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jun 2026 16:24:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaanpassung]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturlandschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Olivenanbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Olivenhaine im Marchfeld und Burgenland: Der Verein Agro Rebels macht aus dem Klimawandel ein Anbauprogramm. Spinnerei oder ernsthafte Antwort? Ein Blick auf Recht und Landschaft.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/olivenhaine-in-ostoesterreich-klimaanpassung-oder-spinnerei/">Olivenhaine in Ostösterreich: Klimaanpassung oder Spinnerei?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art </strong>  |   Innovation   |   Ausgabe Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Grosses Experiment im Osten: Wie Österreich zum Olivenland werden könnte</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Klimaadaptive Landnutzung bezeichnet den planmäßigen Umbau landwirtschaftlicher Anbausysteme an veränderte Temperatur- und Niederschlagsregime. Genau dieses Prinzip verfolgt der Verein Agro Rebels, der seit 2019 den Anbau von Olivenbäumen in Österreich vorantreibt. Was zunächst nach südländischer Folklore im Marchfeld klingt, berührt handfeste Fragen der Raumordnung, des Bodenschutzes und des Sortenrechts. Die Olive ist hier weniger ein kulinarisches Versprechen als ein Testfall dafür, wie sich Kulturlandschaft unter dem Druck der Erwärmung neu ordnet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mitgegründet von Daniel Rössler und dem Physiker Markus Fink, versteht sich der Verein ausdrücklich als Reaktion auf den Klimawandel; auf der eigenen Website firmiert das Projekt unter dem Motto „powered by climate change“. Seit der ersten Pflanzung 2019/20 wurden nach Vereinsangaben rund 3.000 Bäume ausgesetzt, getestet wurden 25 Sorten aus fünf Ländern. Die Schwerpunkte liegen im Osten: im Marchfeld, im Burgenland, im niederösterreichischen Umland von Wien und im steirischen Vulkanland. Rund 30 Partnerbetriebe arbeiten mit, jährlich kommen etwa zehn hinzu.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Verein ist dabei nicht allein. Genossenschaftliche Strukturen wie die pannonische Olivenöl-Genossenschaft Pannolio wollen Anbau, Qualität und Vermarktung bündeln. Pioniere wie der Betrieb Olivenbuam im Seewinkel oder ein Quereinsteigerpaar im Südburgenland, das 2023 auf knapp einem Hektar rund 350 Bäume setzte, zeigen, dass die Idee über den Verein hinaus Anhängerinnen und Anhänger findet. Was als Forschungsprojekt begann, hat sich zu einer kleinen Bewegung verdichtet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum verschiebt der Klimawandel die Anbaugrenzen nach Mitteleuropa?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Grundlage des Projekts ist eine Verschiebung der Klimazonen. Prognosen, auf die sich Agro Rebels stützt, erwarten für Teile Österreichs bereits um 2030 Temperaturverhältnisse, wie sie heute in Südeuropa herrschen. Besonders betroffen sind Niederösterreich, Wien und das Burgenland, die schon jetzt die geringsten Niederschlagsmengen des Landes verzeichnen. Wo Getreide unter Trockenheit und Hitze an Ertrag verliert, soll die Olive eine Lücke füllen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Botanisch ist der Ansatz weniger abwegig, als er klingt. Die getesteten Sorten weisen eine Frosthärte von etwa minus zwölf bis minus fünfzehn Grad auf und überstehen damit milde Lagen im Osten. Die späte Blüte schützt vor Spätfrösten, der geringe Wasserbedarf passt zu trockenen Sommern, und karge Böden, auf denen klassische Kulturen kaum noch tragen, genügen dem Baum. Gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) kreuzt der Verein frostresistente mit ertragreichen Sorten, um einen heimischen Typ zu züchten. Bis Bäume nennenswert tragen, vergehen allerdings sieben bis neun Jahre; das erste rein österreichische Öl wird erst in kleinen Mengen erwartet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der wirtschaftliche Reiz ist beträchtlich. Österreich importiert nahezu sein gesamtes Olivenöl; der Pro-Kopf-Verbrauch lag 2018 bei rund 1,2 Litern und dürfte mit dem Trend zu pflanzlichen Fetten weiter steigen. Wer einen Teil dieser Nachfrage regional bedient, erschließt einen Markt, der bislang vollständig südeuropäischen Erzeugerinnen und Erzeugern gehört. Genau diese Importsubstitution ist das ökonomische Versprechen hinter dem Projekt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet der Olivenanbau für Raumordnung und Bodenschutz?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier beginnt die eigentlich planungsrelevante Dimension. Der Anbau selbst ist raumordnungsrechtlich unkompliziert: Olivenhaine bleiben landwirtschaftliche Nutzung und sind auf als Grünland gewidmeten Flächen zulässig, ohne dass eine Umwidmung nötig wäre. Das Burgenländische Raumplanungsgesetz 2019 (Bgld. RPG 2019) ordnet in § 15 die landwirtschaftlich genutzten Flächen dem Grünland zu; ein Wechsel der Feldfrucht verändert die Widmung nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heikler wird es bei den Bauten, die eine Wertschöpfungskette braucht. Ölmühlen, Press- und Lagergebäude sind im Grünland nur als privilegierte landwirtschaftliche Bauten zulässig, sofern sie einem konkreten Betrieb dienen und in Funktion sowie Dimension dem landwirtschaftlichen Zweck entsprechen. Sobald aus der Olivenproduktion ein verarbeitender oder touristischer Betrieb wird, etwa mit Verkostung und Direktvermarktung, verlässt das Vorhaben rasch den geschützten Rahmen und benötigt eine entsprechende Widmung. Wer in der Fläche dauerhaft baut, trifft auf dieselben Schranken wie jeder andere Betrieb.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die bodenpolitische Schlagseite des Projekts. Viele Haine entstehen auf Brachflächen, also auf Land, das zuvor nicht mehr ertragreich bewirtschaftet wurde. Das stellt die Olive in einen produktiven Gegensatz zur Bodenversiegelung, die das eigentliche Problem der österreichischen Raumordnung bleibt. Die Bodenstrategie für Österreich der Österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK, 2023) nennt als Zielwert eine Reduktion der Flächeninanspruchnahme auf 2,5 Hektar pro Tag. Eine Nutzung, die Brachen reaktiviert, statt Boden zu verbrauchen, fügt sich in dieses Ziel besser ein als manches Gewerbegebiet auf der grünen Wiese.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ungelöst ist die sortenrechtliche Frage. Bevor ein „österreichischer Olivenbaum“ kommerziell vertrieben werden darf, muss er in die Sortenliste eingetragen werden, die in Österreich die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) führt; auf Unionsebene regelt die Verordnung (EG) Nr. 2100/94 den gemeinschaftlichen Sortenschutz. Der Verein peilt die Eintragung vor Ende des Jahrzehnts an. Eine geschützte Ursprungsbezeichnung nach der Verordnung (EU) Nr. 1151/2012, wie sie etwa toskanisches Öl trägt, wäre der nächste, weit entfernte Schritt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ist der heimische Olivenhain Spinnerei oder belastbare Klimaanpassung?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die ehrliche Antwort lautet: noch keines von beidem abschließend. Für die Ernsthaftigkeit sprechen die wissenschaftliche Begleitung durch die BOKU, die regionale Streuung der Versuche und die schlichte Logik, dass sich Anbaugrenzen messbar nordwärts verschieben. Olivenhaine binden Kohlenstoff, brauchen kaum Bewässerung und bleiben über Jahrzehnte produktiv; als zusätzliches Standbein auf sonst unrentablen Lagen ergeben sie betriebswirtschaftlich Sinn.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zur Vorsicht mahnt zugleich mehreres. Die langen Vorlaufzeiten binden Kapital, ohne kurzfristigen Ertrag; ein einzelner harter Winter kann Bestände vernichten, wie ein früher Totalausfall in Kärnten zeigte. Dass Beratung durch den Verein und der Verkauf der Bäume über ein angeschlossenes Unternehmen laufen, verleiht dem Optimismus einen kommerziellen Beiklang. Und die Landwirtschaftskammer Oberösterreich warnte zuletzt, das öffentliche Bild mediterraner Kulturen verstelle den Blick auf die eigentliche Aufgabe: die Anpassung der bewährten Ackerkulturen an Hitze und Dürre. Eine Olive ersetzt keine Ackerbaustrategie.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Baukultur ist die Pointe weniger der Geschmack des Öls als die Veränderung des Landschaftsbildes. Wo silbrig-graue Haine die pannonische Ebene überziehen, verschiebt sich ein über Jahrhunderte gewachsenes Bild. Die Erklärung von Davos zur Baukultur (2018) zählt ausdrücklich auch die Landschaft zur gebauten Umwelt; nach diesem Verständnis ist ein neuer Olivengürtel ebenso ein baukulturelles Ereignis wie ein Stadtquartier. Kulturlandschaft ist gebaute Umwelt, und ihr Wandel verdient dieselbe planerische Aufmerksamkeit wie jeder Hochbau. Ob die Olive zur Folklore oder zur Infrastruktur der Klimaanpassung wird, entscheidet sich nicht an der Begeisterung einzelner Pionierinnen und Pioniere, sondern daran, ob Sortenrecht, Raumordnung und Marktnachfrage zusammenfinden. Spinnerei ist das Projekt jedenfalls nicht. Es ist ein Realexperiment mit offenem Ausgang, und gerade als solches gehört es ernst genommen.</p>
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		<title>Wie kühlt man Gebäude, ohne die Klimabilanz zu ruinieren?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jun 2026 16:12:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Bauteilaktivierung]]></category>
		<category><![CDATA[KI im Gebäudebetrieb]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaangepasstes Bauen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Steigende Temperaturen machen Kühlung zur Pflichtaufgabe der Baukultur. Welche Technologien Gebäude erträglich halten und warum künstliche Intelligenz den Unterschied macht.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wie-kuehlt-man-gebaeude-ohne-die-klimabilanz-zu-ruinieren/">Wie kühlt man Gebäude, ohne die Klimabilanz zu ruinieren?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art </strong>  |   Unterwegs   |   Ausgabe Juni 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Kühl wohnen trotz Rekordhitze: Was wirklich hilft</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Klimaangepasstes Bauen umfasst alle baulichen und technischen Maßnahmen, die ein Gebäude bei zunehmender Hitze kühl halten, ohne den Energiebedarf zu steigern. Mit der Häufung extremer Hitzeperioden wird diese Aufgabe zur zentralen Frage der Baukultur. Das Robert Koch-Institut (RKI) und das Umweltbundesamt (UBA) schätzen für die Sommer 2023 und 2024 jeweils rund 3.000 hitzebedingte Sterbefälle in Deutschland, in den Extremsommern 2018 und 2019 lag die Zahl bei jeweils etwa 7.000 (RKI/UBA, 2025). Besonders gefährdet sind Menschen über 75 Jahre mit Herz-Kreislauf-, Atemwegs- oder neurologischen Vorerkrankungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass sich das Problem mit angepassten Bauweisen entschärfen lässt, betont Silvia Öttl, Professorin am Department Smart Building Technologies des Management Center Innsbruck (MCI). Die nötigen Technologien seien längst vorhanden, würden gegen die sommerliche Überhitzung aber noch wenig genutzt. Anschauliches Beispiel ist die Wärmepumpe: Sie gewinnt in Neubau und Sanierung an Beliebtheit, kommt jedoch meist nur zum Heizen zum Einsatz.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum heizen sich Städte stärker auf als das Umland?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Versiegelte Flächen speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts nur langsam ab, weshalb Innenstädte zu Hitzeinseln werden. Fassadenbegrünungen setzen genau hier an und bringen laut Öttl einen doppelten Nutzen: Die Verschattung dämmt das Gebäude, während die Verdunstung das Mikroklima ringsum verbessert. Jeder Baum zähle, und überall, wo sich Natur zulassen lasse, solle man das auch tun.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gesetzgeber hat die Stoßrichtung längst aufgenommen. Das Baugesetzbuch verankert in § 1 Absatz 5 BauGB den Klimaschutz und die Klimaanpassung als ausdrücklichen Belang der Bauleitplanung, und das Bundes-Klimaanpassungsgesetz (KAnG), seit 1. Juli 2024 in Kraft, verpflichtet die Kommunen erstmals zu vorsorgenden Anpassungsstrategien. Begrünte Fassaden, entsiegelte Höfe und Stadtbäume sind damit nicht länger Kür, sondern Teil einer rechtlich eingeforderten Vorsorge. Architektinnen und Architekten gewinnen so ein Werkzeug, das Gesundheitsschutz und Gestaltung verbindet.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Haustechnik kühlt und heizt zugleich?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Wärmepumpe lässt sich ohne großen Mehraufwand auch zum Kühlen verwenden, etwa in Kombination mit einer Fußbodenheizung. Statt warmer Flüssigkeit zirkuliert dann kühle in den Rohren, nimmt Wärme aus dem Raum auf und transportiert sie ab. Vielen Bauherrinnen und Bauherren sei diese Möglichkeit gar nicht bewusst, so Öttl.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Noch weiter geht die Bauteilaktivierung, bei der die Masse von Betondecken oder -wänden selbst zur Speicherung und Abgabe von Wärme dient. Eingegossene Rohre führen eine Trägerflüssigkeit, die je nach Bedarf wärmt oder kühlt. Was lange als Nischentechnik galt, kommt nun verstärkt auch in der Sanierung an, etwa über vorgefertigte Fassadenelemente, die bereits entsprechend ausgestattet sind. Die thermische Trägheit der Speichermasse glättet Temperaturspitzen und senkt den Bedarf an aktiver Kühlung, ein Prinzip, das auch der sommerliche Wärmeschutz nach § 14 Gebäudeenergiegesetz (GEG) honoriert: Massive, schwere Bauweisen erhalten im Nachweisverfahren nach DIN 4108-2:2013-02 rechnerische Vorteile.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was leistet die Gebäudehülle gegen die Sommerhitze?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Verglasung entscheidet maßgeblich über den Wärmeeintrag. Die im Winter erwünschte Wärmeschutzverglasung hält Wärme im Haus, was im Sommer kontraproduktiv wirkt. Eine Sonnenschutzverglasung kehrt das Prinzip um: Tageslicht gelangt hinein, die aufheizende thermische Strahlung wird durch eine spezielle Beschichtung draußen gehalten. Schaltbare Verglasungen können beide Effekte kombinieren und den Lichtdurchlass dynamisch regeln, allerdings zu einem höheren Preis.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Reguliert wird dieser Bereich über § 14 GEG, der für Neubauten einen ausreichenden sommerlichen Wärmeschutz fordert. Der Nachweis erfolgt nach DIN 4108-2:2013-02, entweder über das vereinfachte Sonneneintragskennwertverfahren oder über eine thermische Gebäudesimulation, die für die drei Sommerklimaregionen A, B und C unterschiedliche Grenz-Raumtemperaturen zwischen 25 und 27 Grad Celsius zugrunde legt. Bei den hitzeresistenten Materialien erlebt ein alter Bekannter eine Renaissance: Holz. Es eigne sich grundsätzlich gut, müsse aber mit anderen baulichen Maßnahmen kombiniert werden, vor allem mit einer wirksamen Wärmedämmung, betont Öttl. Ein gut gedämmtes Haus verhindere nicht nur den Wärmeverlust im Winter, sondern halte im Sommer die Hitze draußen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wo liegt das größte Potenzial der künstlichen Intelligenz?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den größten Hebel sieht Öttl nicht in einer einzelnen Technologie, sondern in der intelligenten Vernetzung des Vorhandenen. Werden getrennte Systeme wie Wärmepumpe, Photovoltaikdach und elektrisch steuerbare Verschattung miteinander gekoppelt und aufeinander abgestimmt, lassen sich sommerliche Energiespitzen gezielt zum Kühlen nutzen oder die ohnehin anfallende Abwärme bestimmter Prozesse verwenden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier kommt die künstliche Intelligenz ins Spiel. Schon in der Planung könnte sie energetische Einsparpotenziale aufspüren, die sonst unentdeckt blieben. Vor allem im Betrieb spielt sie ihre Stärke aus, denn die Optimierung eines Gebäudes verlangt Datenauswertung, und gerade darin ist maschinelles Lernen leistungsfähig. Öttls aktuelle Forschung zielt genau dorthin: Im Projekt „Sunne&#8220; (Laufzeit 2025 bis 2028) entwickelt ihr Team datengetriebene digitale Zwillinge, die Wärmepumpen über Gebäude-Energie-Management-Systeme adaptiv und skalierbar steuern. Sensordaten moderner Verschattungssysteme schließen dabei eine bislang blinde Stelle im thermischen Gebäudeverhalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein nüchterner Befund bleibt: Zukunftsorientiertes Bauen erfordert höhere Investitionen, und die angespannte Lage der Bauwirtschaft bremst diese derzeit. Die Branche sei lange erfolgsverwöhnt gewesen und müsse aktuell sparen, so Öttl. Die Technologien gegen die Hitze sind vorhanden. Ob sie flächendeckend zum Einsatz kommen, entscheidet sich weniger an der Forschung als an der Bereitschaft, kurzfristige Baukosten gegen langfristige Klimafestigkeit abzuwägen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Kühldächer: Warum heller Anstrich Städte wirksamer kühlt als Stadtgrün</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 09:30:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Hitzeanpassung]]></category>
		<category><![CDATA[Kühldächer]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtklima]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gegen Hitze in der Stadt gilt Grün als erste Wahl. Eine Modellstudie aus London stellt diese Gewissheit infrage und kürt eine überraschend simple Maßnahme zur wirksamsten: den weißen Anstrich.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong> | Innovation | Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Das Missverständnis vom grünen Dach</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Kühldächer sind Dachflächen mit stark erhöhter Albedo, die einen Großteil der einfallenden Sonnenstrahlung reflektieren, statt sie als Wärme aufzunehmen. Eine im Juli 2024 in der Fachzeitschrift Geophysical Research Letters erschienene <strong><a href="https://agupubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1029/2024GL109634" target="_blank" rel="noopener">Modellstudie des University College London (UCL)</a></strong> kommt zu einem unbequemen Ergebnis: Unter neun gängigen Maßnahmen gegen städtische Hitze kühlt ausgerechnet die simpelste, der helle Anstrich, am stärksten, deutlich wirksamer als Gründächer, Stadtbäume oder Photovoltaik.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Team um Oscar Brousse von der UCL Bartlett School of Environment, Energy and Resources rechnete mit dem mesoskaligen Stadtklimamodell WRF BEP-BEM in einer Auflösung von einem Kilometer. Untersucht wurde die Region Greater London für die beiden heißesten Tage des Sommers 2018, den 26. und 27. Juli, in einem Sommer, der für das Vereinigte Königreich der wärmste seit Messbeginn war. Jede Intervention wurde zweifach betrachtet: einmal als theoretisches Maximum, flächendeckend über alle Gebäude hinweg, einmal als praktikable Variante im Rahmen des realen Gebäudebestands.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Maßnahme kühlt am stärksten?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Flächendeckend eingesetzte Kühldächer, modelliert mit einer Albedo von 0,85, senken die bodennahe Lufttemperatur stadtweit um durchschnittlich rund 1,2 Grad Celsius, lokal um bis zu 2 Grad. An den heißesten Stunden, wenn die räumlichen Mittelwerte 33 oder 37 Grad erreichen, fällt die Abkühlung mit 3,2 beziehungsweise 2,8 Grad noch deutlicher aus. Photovoltaik über die gesamte Stadt bringt im Mittel etwa 0,5 Grad, der Umbau von Grün- und Ackerflächen zu Laubbaumbestand rund 0,3 Grad. Gründächer aus Sedum schließlich verändern die Tagesmitteltemperatur praktisch nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Energetisch erklärt sich der Effekt sauber. Die erhöhte Albedo reduziert die aufgenommene kurzwellige Strahlung um etwa 50 Watt pro Quadratmeter, der Strom fühlbarer Wärme sinkt um rund 30 Watt pro Quadratmeter. Weniger Einstrahlung, weniger Aufheizung, kühlere Luft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum enttäuschen Gründächer im Mittel?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gründächer gelten als ökologischer Königsweg, doch die Londoner Rechnung differenziert. Tagsüber, zwischen 11 und 14 Uhr, kühlen sie die Umgebung um 0,5 bis 0,8 Grad. Nachts kehrt sich der Effekt um: Die thermische Masse des Aufbaus speichert die Tageswärme und gibt sie nach Sonnenuntergang wieder ab, was die Temperatur am frühen Morgen um rund 0,5 Grad anhebt. Über den Tag gemittelt bleibt kaum messbare Abkühlung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das schmälert den Wert begrünter Dächer nicht. Sie halten Regenwasser zurück, bieten Insekten und Vögeln Lebensraum und verbessern die Dämmwirkung. Als Instrument gegen nächtliche Hitze, die für gesundheitlich gefährdete Menschen besonders kritisch ist, taugen sie der Studie zufolge jedoch nur bedingt. Ähnlich ambivalent fällt das Urteil über Stadtbäume aus: Sie kühlen vor allem abends, erhöhen tagsüber aber über die Verdunstung den Wasserdampfgehalt der Luft. Die steigende Feuchte kann das Hitzeempfinden der Bewohnerinnen und Bewohner verschlechtern, selbst wenn das Thermometer sinkt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist der Befund zur Klimatisierung. Klimaanlagen verlagern Wärme aus dem Inneren nach außen und heizen den Straßenraum auf, stadtweit um 0,15 Grad, in der dichten Innenstadt um bis zu 1 Grad. Eine praktikabel ausgebaute Photovoltaik könnte den dafür nötigen Strom rechnerisch decken, ihre mittlere Leistung von 4,70 Megawatt läge knapp über dem mittleren Verbrauch der Klimageräte von 4,61 Megawatt. Die kühle Innenwelt erkauft sich also eine wärmere Außenwelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet das für den Innovationsbegriff?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier wird die Studie für die Baukultur interessant. Sie modelliert Kühldächer bewusst als simpelsten Fall, als Beton mit hoher Albedo, und benennt selbst, dass jüngere technologische Entwicklungen nicht erfasst sind. Genau dort liegt das Innovationspotenzial. Passive Strahlungskühlung etwa, bei der spezielle Beschichtungen Wärme im sogenannten atmosphärischen Fenster direkt in den Weltraum abstrahlen, erreicht im Idealfall Oberflächentemperaturen unter der Umgebungsluft. Hochreflektive Anstriche, kombinierte Solar-Kühldach-Systeme oder schaltbare Materialien, die im Winter Wärme zulassen und im Sommer reflektieren, adressieren genau die Schwäche, die das Modell offenlegt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Denn der helle Anstrich hat eine Kehrseite. Im Winter reflektiert er auch jene Strahlung, die den Heizbedarf senken könnte. Die Autorinnen und Autoren betonen daher, dass Kühldächer mit guter Dämmung kombiniert gehören. Reflektierte Strahlung kann zudem benachbarte Fassaden aufheizen, und großflächig weiße Dachlandschaften werfen ästhetische wie denkmalpflegerische Fragen auf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie übertragbar sind die Ergebnisse auf deutsche Städte?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der städtische Wärmeinseleffekt wirkt in München, Köln oder Berlin nach denselben physikalischen Prinzipien wie in London. Mit dem Bundes-Klimaanpassungsgesetz (KAnG), das im Juli 2024 in Kraft trat, sind Länder und Kommunen zur Hitzevorsorge verpflichtet; das Baugesetzbuch verankert in § 1 Absatz 5 BauGB Klimaschutz und Klimaanpassung als Leitlinie der Bauleitplanung. Helle Dachflächen sind in diesem Rahmen ein technisch simples, kostengünstiges und sofort wirksames Werkzeug, das weder statische Ertüchtigung noch nennenswerten Pflegeaufwand verlangt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zugleich mahnt die Studie zur Vorsicht. Sie beruht auf einem einzigen Modell und nur zwei Hitzetagen, die berechneten Unterschiede liegen teils unter der Modellungenauigkeit. Eine im Oktober 2024 in Nature Cities veröffentlichte Anschlussarbeit desselben Forschungsumfelds bezifferte den möglichen Nutzen dennoch konkret: Flächendeckende Kühldächer hätten London im Hitzesommer 2018 um etwa 0,8 Grad gekühlt und schätzungsweise 249 hitzebedingte Todesfälle verhindert, knapp ein Drittel der damals registrierten Hitzetoten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die eigentliche Innovation liegt damit weniger im Material als in der Methode. Erstmals werden gängige Maßnahmen unter gleichen Bedingungen gegeneinander gestellt und ihre Wirkmechanismen physikalisch zerlegt. Das ersetzt das Bauchgefühl, Grün sei stets gut und Technik stets fragwürdig, durch eine belastbare Vergleichsgrundlage. Für Planerinnen und Planer verschiebt sich damit die Leitfrage: Nicht das sichtbarste, sondern das wirksamste Mittel sollte den Vorrang erhalten. Im überhitzten Sommer der Stadt ist das, zumindest tagsüber, ausgerechnet die unscheinbare helle Farbe auf dem Dach.</p>
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		<title>Sichtbar, nicht entdeckt: Warum das Aussenbild eines Architekturbüros gestaltet werden muss</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 07:31:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Fort- & Weiterbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Akquise]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturkommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Sichtbarkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein gutes Büro spricht durch seine Bauten. Doch wer es nicht kennt, begegnet ihm zuerst am Bildschirm. Über Sichtbarkeit als erlernbare Kompetenz. </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong> | Bildung | Marketing| Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Wenn Qualität unsichtbar bleibt: Die digitale Lücke der Architekturbüros</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Das Aussenbild eines Architekturbüros bezeichnet die Summe aller öffentlich wahrnehmbaren Signale, über die eine Bauherrschaft ein Büro findet, einordnet und als vertrauenswürdig bestätigt. Wer dieses Bild dem Zufall überlässt, verzichtet nicht etwa auf Werbung, sondern auf die Chance, im entscheidenden Moment überhaupt geprüft zu werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Lange galt Sichtbarkeit als nachrangiges Thema, beinahe als Makel. Ein gutes Büro, so die Annahme, spreche durch seine Bauten. Die Annahme stimmt, doch sie greift zu kurz. Bauten sprechen nur zu jenen, die sie kennen. Alle anderen begegnen einem Büro zuerst über einen Bildschirm. Damit wird das Aussenbild zur Schnittstelle zwischen fachlicher Substanz und ihrer Wahrnehmung, und seine Gestaltung zu einer Kompetenz, die sich erlernen lässt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum wird ein Büro online bestätigt und nicht entdeckt?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die verbreitete Vorstellung, Akquise funktioniere wie Werbung, hält der Praxis selten stand. Eine Bauherrschaft sucht kaum nach Entdeckung. Meist steht ein Name bereits im Raum, getragen von einer Empfehlung, einem Vortrag oder einem gebauten Projekt. Die anschließende digitale Recherche dient der Bestätigung, nicht der Suche. Aus dieser Beobachtung folgt ein Perspektivwechsel: Sichtbarkeit ist Verifikationsarbeit. Das Aussenbild muss dort belastbar sein, wo geprüft wird, also in der Google-Suche, in der Antwort eines KI-Systems und im öffentlichen Register der zuständigen Architektenkammer.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Verhalten der Bauherrschaft lässt sich als dreistufiger Vorgang beschreiben: auf die informelle Erstfindung über Empfehlung oder Begegnung folgt die digitale Sondierung, an deren Ende die institutionelle Verifikation über das Kammerregister steht. Jede Stufe hat ihren eigenen Ort und ihre eigene Sprache. Ein Aussenbild, das nur eine dieser Stufen bedient, bricht genau dort ab, wo die Entscheidung reift.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Belastbare Zahlen zu der Frage, über welchen Kanal Bauinteressierte ihr Büro finden, fehlen bislang. Die ACE Sector Study 2024 des Architects&#8216; Council of Europe beschreibt die wirtschaftliche Lage des Berufsstandes in Europa, eine repräsentative Untersuchung des Erstkontakts zwischen Bauherrschaft und Büro liegt jedoch nicht vor. Die Branche handelt insoweit auf Basis von Plausibilität und Erfahrungswissen. Gerade diese Lücke verleiht dem gestalteten Aussenbild Gewicht, denn wo gesicherte Daten fehlen, entscheidet der erste belastbare Eindruck.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Kompetenzen verlangt ein sichtbares Aussenbild?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sichtbarkeit ist eine Fähigkeit, keine Begabung. Sie lässt sich beschreiben, lehren und üben. Den Kern bildet die eigene Website, verstanden als Vertrauensdokument und nicht als Prospekt. International beachtete Büros wie OMA, BIG oder Snøhetta zeigen ein wiederkehrendes Muster: wenige Seitentypen, das Projekt zuerst, keine werblichen Versprechen auf der Startseite. Eine Projektseite, die Ausgangslage, Konzept und Besonderheit klar voneinander trennt, überzeugt mehr als jede Anpreisung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt die technische Auffindbarkeit. Neben die klassische Suchmaschinenoptimierung tritt die Generative Engine Optimization, also die gezielte Aufbereitung von Inhalten, damit Systeme wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity ein Büro korrekt benennen und zitieren. Beide Disziplinen verlangen handwerkliche Sorgfalt statt Marketingrhetorik. Wer seine Inhalte sauber strukturiert, mit eindeutigen Bezeichnungen und nachprüfbaren Angaben, erhöht die Wahrscheinlichkeit, in einer maschinell erzeugten Antwort als Quelle aufzutauchen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zur Auffindbarkeit tritt die aktive Darstellung. Sie folgt keiner Pflicht zur Dauerpräsenz, sondern einer einfachen Ordnung. Zwei Kanäle genügen in der Regel, einer für die fachliche Verifikation und einer für den Einblick in die Arbeit, ergänzt um einen Newsletter als algorithmusunabhängigen Draht ins eigene Netzwerk. Auch der öffentliche Vortrag zählt dazu: Kammertermine, Hochschulkritiken und Fach-Podcasts sind Bühnen, die andere bauen und die zugleich verifizieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der rechtliche Rahmen stützt diesen sachlichen Zugang. Die Berufsordnungen der Architektenkammern erlauben berufsbezogene und sachliche Werbung, untersagen jedoch irreführende und anpreisende Darstellung. Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) zieht eine zusätzliche Grenze. Eine sichtbare Selbstdarstellung, die auf Substanz beruht, steht damit im Einklang mit dem Berufsrecht. Wer hingegen Reichweite über die Grenzen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) hinweg einkauft, handelt sich Risiken ein, die den vermeintlichen Gewinn übersteigen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was lässt sich konkret lernen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">An dieser Stelle setzt der Lehrgang<a href="https://baukunst.art/kurse/marketing-12-akquisestrategie/" target="_blank" rel="noopener"> „<strong>Bauherren gewinnen: KI-gestützte Akquisestrategie für Architekturbüros“</strong></a> der Baukunst Akademie an. In vier Online-Modulen, jeweils donnerstags vom 9. bis 30. Juli 2026 von 17 bis 18.30 Uhr, entsteht ein zusammenhängender Akquiseplan. Das erste Modul klärt Markt und Positionierung, das zweite die Auffindbarkeit bei Google und in KI-Suchen, das dritte die proaktive Darstellung über LinkedIn und Instagram, das vierte die Präsentation und eine Planung über 180 Tage. Die Leitung übernimmt Carla Carlotta Stadler, Marketing- und Kommunikationsmanagerin, gemeinsam mit Stuart Stadler.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Prinzipien werden an bekannten Büros hergeleitet und am Münchner Büro oha architekten konkret durchgespielt, von der Haltung über die Website bis zum einzelnen Projekttext. Künstliche Intelligenz dient dabei als Werkzeug, nicht als Autor. Sie gibt Tempo bei Texten, Struktur und Bildaufbereitung, ersetzt aber weder das fachliche Urteil noch die eigene Haltung. Der Lehrgang umfasst acht Fortbildungspunkte, die von der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen anerkannt sind; Mitglieder anderer Kammern können sie in der Regel anrechnen lassen, sofern die jeweilige Kammer die Muster-Fortbildungsordnung der Bundesarchitektenkammer (BAK) umgesetzt hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert bleibt, dass diese Fähigkeit in der akademischen Ausbildung lange keinen Platz hatte. Entwurf, Konstruktion und Baurecht prägen das Studium, die Übersetzung der eigenen Arbeit in eine auffindbare Form dagegen kaum. So entsteht eine Generation gut ausgebildeter Architektinnen und Architekten, deren Qualität im Moment der Prüfung unsichtbar bleibt. Weiterbildung schließt hier eine Lücke, die das Studium offen lässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Aussenbild eines Büros lässt sich weder vollständig delegieren noch ein für alle Mal abschließen. Es verlangt eine Haltung, deren Übersetzung in Text, Bild und Struktur und die Bereitschaft, diese Übersetzung regelmäßig zu pflegen. Sichtbarkeit ersetzt keine Qualität. Unsichtbare Qualität jedoch bleibt im Moment der Entscheidung wirkungslos.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/sichtbar-nicht-entdeckt-warum-das-aussenbild-eines-architekturbueros-gestaltet-werden-muss/">Sichtbar, nicht entdeckt: Warum das Aussenbild eines Architekturbüros gestaltet werden muss</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Der Klang, den niemand hört: Wie akustische Gesundheit zum Entwurfsparameter wird</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2026 15:47:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Akustische Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Raumakustik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Akustik ist mehr als hörbarer Komfort: Selbst unhörbarer Infraschall verändert Stimmung und Stresshormone. Warum Klang zum Entwurfsparameter wird, den die Architektur nicht länger ignorieren sollte.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-klang-den-niemand-hoert-wie-akustische-gesundheit-zum-entwurfsparameter-wird/">Der Klang, den niemand hört: Wie akustische Gesundheit zum Entwurfsparameter wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Innovation <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Klang an einem Ort ist wichtig für unser Wohlbefinden</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„Der Klang an einem Ort ist wichtig für unser Wohlbefinden.“ Dieser Satz beschreibt eine Verschiebung, die der Architektur eine neue Entwurfsdimension eröffnet: Klang wird vom nachträglichen Komfortthema zum gestalterischen Parameter, und zwar bis weit unter die Hörschwelle. Akustische Innovation bedeutet heute, nicht nur den hörbaren Schall zu beherrschen, sondern auch jene unhörbaren tieffrequenten Schwingungen, die Stimmung und Stresshormone messbar beeinflussen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Anstoß gibt eine im April 2026 in der Fachzeitschrift Frontiers in Behavioral Neuroscience veröffentlichte Studie. Das Team um Rodney Schmaltz an der kanadischen MacEwan University setzte 36 Probandinnen und Probanden Infraschall von etwa 18 Hertz aus, also Schall unterhalb der menschlichen Hörschwelle von rund 20 Hertz. Bei aktivem Infraschall stieg das im Speichel gemessene Stresshormon Cortisol signifikant an, die Teilnehmenden fühlten sich gereizter und bewerteten Musik als trauriger, ohne den Ton bewusst wahrzunehmen. Ein Nocebo-Effekt ließ sich ausschließen. Der Befund bestätigt ältere Beobachtungen: Der britische Ingenieur Vic Tandy hatte 1998 eine stehende Welle bei 19 Hertz als Ursache vermeintlicher Spukerlebnisse identifiziert, und ein Feldversuch des britischen National Physical Laboratory zeigte 2003, dass ein 17-Hertz-Ton bei 22 Prozent von rund 750 Konzertbesuchenden Beklemmung auslöste.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Warum wird Klang zum Entwurfsparameter?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Klang wird zum Entwurfsparameter, weil sich seine Wirkung auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit inzwischen belegen lässt. Lange galt Akustik als Disziplin der Nachbesserung, etwa wenn ein Großraumbüro zu hallig oder eine Wohnung zu hellhörig geriet. Die neue Forschung erweitert das Feld um eine unsichtbare Ebene, denn Räume wirken über den ganzen Körper, nicht nur über das bewusste Hören. Damit rückt die akustische Qualität auf eine Stufe mit Tageslicht, Raumluft und Temperatur, also mit jenen Faktoren, die Entwurf und Zertifizierung längst steuern. Der WELL Building Standard behandelt akustischen Komfort ausdrücklich als Faktor des Wohlbefindens, und auch das Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen (DGNB) bewertet die akustische Behaglichkeit. Wer Klang von Anfang an mitdenkt, gestaltet nicht nur angenehmere, sondern gesündere Räume.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Welche Werkzeuge erschließen den unhörbaren Bereich?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den unhörbaren Bereich erschließen vor allem neue Mess- und Simulationsverfahren. Tieffrequenter Schall lässt sich mit speziellen Mikrofonen und Beschleunigungssensoren erfassen, die langsame Druckänderungen registrieren, welche gewöhnliche Messtechnik überhört. In der Planung erlauben akustische Simulationen, die Eigenfrequenzen eines Raumes vorab zu berechnen, sodass kritische Resonanzen im Bereich um 18 bis 19 Hertz gar nicht erst entstehen. Tandys berüchtigter Korridor besaß genau die Länge, um eine solche stehende Welle aufzuschaukeln, ein Effekt, der sich heute am Modell vermeiden lässt. Auf der Bauteilebene entkoppeln elastische Lager Pumpen, Lüfter und Aufzüge schwingungstechnisch vom Tragwerk. Hinzu kommen digitale Monitoringsysteme, die tieffrequente Belastungen im Betrieb dauerhaft überwachen, vergleichbar mit Sensoren für Luftqualität. Aus einer diffusen Störquelle wird so eine planbare und messbare Größe.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das für Standards und Praxis?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Praxis folgt daraus, dass tieffrequenter Schall als eigenständige Größe in den Entwurf gehört. Die geltenden Regelwerke decken ihn nur teilweise ab. Die DIN 4109 (Schallschutz im Hochbau) und die DIN 18041 (Hörsamkeit in Räumen) zielen auf den hörbaren Bereich, die DIN 45680 (Messung und Bewertung tieffrequenter Geräuschimmissionen in der Nachbarschaft) sowie die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) setzen erst oberhalb deutlicher Belästigungsschwellen an. Die nun belegten subtilen Effekte unterhalb dieser Schwellen erfassen sie kaum. Hier liegt das eigentliche Innovationsfeld für Planungsbüros, die akustische Gesundheit zum Standard machen, statt auf eine Verschärfung der Normen zu warten. Erste Ansätze zeigen sich in Schulen, Kliniken und Bürobauten, in denen Lüftungs- und Klimatechnik bewusst leiser und entkoppelt geplant wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei aller Aufbruchstimmung ist Augenmaß nötig. Die Stichproben der vorliegenden Studien sind klein, die Effekte moderat, und nicht jede Befindlichkeit lässt sich auf Infraschall zurückführen. Die aufgeheizte Debatte um Infraschall durch Windkraftanlagen mahnt zur Vorsicht, denn das Umweltbundesamt (UBA) verweist darauf, dass dieser in üblichen Abständen unter der Wahrnehmungsschwelle bleibt. Innovation heißt hier nicht, ein neues Schreckgespenst zu erzeugen, sondern eine bislang übersehene Qualität nüchtern zu gestalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Baukultur eröffnet sich damit ein lohnendes Feld. Der Trend zu hoch technisierten, dicht gedämmten Gebäuden verlagert die Quellen tieffrequenter Schwingungen ins Innere, dorthin, wo Menschen schlafen, lernen und arbeiten. Wer den Klang eines Ortes als Teil seines Wohlbefindens versteht, gestaltet Architektur, die nicht nur gesehen, sondern im besten Sinne gespürt wird. Aus dem alten Schauer im Gemäuer wird so eine Frage moderner, gesundheitsorientierter Planung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Der Schweizer Pavillion: Das unerledigte Geschäft des Zusammenlebens</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2026 15:11:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inspiration]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Pro Helvetia]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Pavillon]]></category>
		<category><![CDATA[Venedig-Biennale 2026]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hinter Giacomettis Backsteinmauern verhandelt eine sechsköpfige Gruppe, was Zusammenleben heute bedeutet. Ausgangspunkt: eine Schweizer Fernsehdebatte von 1978. Ein Pavillon als Echoraum.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-schweizer-pavillion-das-unerledigte-geschaeft-des-zusammenlebens/">Der Schweizer Pavillion: Das unerledigte Geschäft des Zusammenlebens</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Biennale <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Mai 2026</p>
<h1>Schweizer Pavillon, Biennale Venedig 2026</h1>
<p>61. Internationale Kunstausstellung, „In Minor Keys“, 9. Mai bis 22. November 2026</p>
<h3>Ein Pavillon aus Backstein und Erinnerung</h3>
<p>Rechter Hand, gleich nach dem Haupteingang zu den Giardini, steht der erste Bau, den die Biennale nach dem Zweiten Weltkrieg überhaupt errichten liess. Bruno Giacometti, jüngster Bruder Albertos und in Zürich tätig, entwarf den Schweizer Pavillon 1951 und 1952 als feingliedrige Anordnung asymmetrischer Volumen. Unverputztes Backsteinmauerwerk, ein baumbestandener Innenhof, ein shedüberdachter Saal für die Malerei, ein Skulpturensaal unter hauchdünnem Tonnendach, dazu ein Natursteinboden alla veneziana. Carlo Scarpa, der wenig später den benachbarten venezolanischen Pavillon plante, führte einen geradezu liebevollen Dialog mit diesem Bau; bis heute teilen sich die beiden als einzige eine gemeinsame Mauer.</p>
<p>In diese siebzig Jahre alte Architektur zieht 2026 ein Projekt ein, das nichts weniger verhandelt als die Frage, wer in einer Gesellschaft sprechen darf und wer gehört wird.</p>
<h3>„The Unfinished Business of Living Together“</h3>
<p>Erstmals bestimmte Pro Helvetia den Schweizer Beitrag über einen offenen Wettbewerb. Aus 140 eingereichten Projekten wählte die Jury eine sechsköpfige Gruppe: Gianmaria Andreetta, Luca Beeler, Nina Wakeford, Miriam Laura Leonardi, Lithic Alliance und Yul Tomatala. Das Konzept geht auf die Kuratierenden Andreetta und Beeler sowie die Künstlerin Wakeford zurück, künstlerisch entwickelt hat es die gesamte Gruppe.</p>
<p>Ihr Titel klingt nach offener Rechnung, und genau so ist er gemeint. „The Unfinished Business of Living Together“ begreift das Zusammenleben nicht als gelösten Zustand, sondern als fortlaufende Aushandlung. Bemühungen um gesellschaftlichen Wandel, so die These, konkurrieren noch immer mit etablierten Normen und mit institutionalisierten Systemen des Schweigens. Der Pavillon wird damit weniger zur Bühne fertiger Werke als zum Resonanzraum, in dem Stimmen, Perspektiven und Räume neu verteilt werden.</p>
<h3>Eine Fernsehdebatte als Resonanzraum</h3>
<p>Als historischen Ausgangspunkt wählt die Gruppe ein scheinbar randständiges Dokument: eine „Telearena“ des Schweizer Fernsehens von 1978, in der Fragen der sexuellen Orientierung kontrovers, mitunter schroff verhandelt wurden. Homosexualität dient hier nicht als Thema im engeren Sinn, sondern als historisch präzises Vergrösserungsglas. An ihm lässt sich studieren, wie soziale Normen festlegen, wessen Rede als legitim gilt.</p>
<p>Von dort spannt das Projekt einen weiten Bogen: zu staatlichen Sicherheitsinteressen, die Überwachung rechtfertigen, zu Moralpaniken rund um die Kernfamilie, zu jenen wiederkehrenden Mustern, in denen Andersartigkeit zur Bedrohung der gesellschaftlichen Ordnung erklärt wird. Ein Archiv von 1978 wird so zur Gegenwartsdiagnose, ohne den Zeigefinger zu heben. Die Gruppe formuliert das als Frage, die sich die Besucherinnen und Besucher selbst stellen sollen: Wann und wo passiert das hier eigentlich, und welche Autorität besitzt dieses Archiv?</p>
<h3>Polyphonie statt Solostimme</h3>
<p>Auffällig ist die Konstruktion des Beitrags selbst. Sechs Beteiligte aus der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz sowie aus London, verschiedene Generationen, unterschiedliche Praxen von Skulptur über Performance bis zur kollektiven Recherche. Das Ergebnis ist kein Werk mit Urheberschaft, sondern eine Versuchsanordnung, in der mehrere Stimmen nebeneinander bestehen, ohne sich zu einer einzigen zu glätten.</p>
<p>Das passt zur Formensprache der Schau, die sich abzeichnet: weniger die monumentale Geste, mehr das Gefüge aus Fragment, Ton und Bewegung. Giacomettis abwechselnd offene und nach innen gewandte Räume kommen einer solchen Dramaturgie entgegen. Wo das Tonnendach das Licht filtert und der Innenhof die Lagune ahnen lässt, entsteht beinahe von selbst jene Abfolge aus Verdichtung und Weite, die ein vielstimmiges Projekt benötigt.</p>
<h3>Im Zeichen einer Abwesenheit</h3>
<p>Über der gesamten 61. Kunstbiennale liegt das Motto „In Minor Keys“, entworfen von Koyo Kouoh. Die kamerunisch-schweizerische Kuratorin, in Douala geboren, im Aargau aufgewachsen, zuletzt Direktorin des Zeitz MOCAA in Kapstadt, hätte als erste Frau vom afrikanischen Kontinent die Schau leiten sollen. Sie starb im Mai 2025 unerwartet in Basel. Die Biennale führt ihr Projekt mit Unterstützung der Familie und des Teams posthum aus.</p>
<p>Kouohs Programm ist eine Einladung, einen Gang zurückzuschalten und auf die leisen Tonarten zu hören, auf das Emotionale, Sinnliche, Beziehungshafte. Der Schweizer Beitrag fügt sich darin ein, ohne in Sanftheit zu verfallen. Eine leise Tonart kann auch ein Verhör von 1978 sein, das nachhallt. Dass eine Kuratorin mit tiefen Schweizer Wurzeln das Vorzeichen setzt, unter dem dieser Pavillon nun erklingt, ist eine jener Fügungen, die das Programm fast überdeutlich kommentieren.</p>
<h3>Schöne Mauern, offene Fragen</h3>
<p>Bleibt eine kritische Notiz, die der Beitrag selbst nahelegt. Die Architekturbiennale 2025 erinnerte mit dem Kollektiv Annexe daran, dass kein einziger Länderpavillon der Giardini von einer Architektin gebaut wurde. Ein Projekt, das Ausgrenzung und das Recht zu sprechen verhandelt, agiert also in einem Gehäuse, dessen Entstehungsgeschichte exakt jene Hierarchien spiegelt, die es befragt. Darin liegt keine Schwäche, sondern eine produktive Reibung. Die Mauern aus Sichtbackstein sind schön, und sie sind nicht unschuldig.</p>
<p>Genau diese Spannung macht den Beitrag interessant. Er sucht das Atmosphärische nicht als Beruhigung, sondern als Methode. Wo andere Pavillons Haltung behaupten, organisiert dieser ein Zuhören. Ob daraus mehr wird als ein elegant inszeniertes Unbehagen, entscheidet sich erst vor Ort, zwischen dem 9. Mai und dem 22. November 2026. Das unerledigte Geschäft, so viel ist sicher, bleibt vorerst unerledigt. Vermutlich ist das die ehrlichste Antwort, die ein Pavillon geben kann.</p>
<h3>Leserinformation</h3>
<p>Beitrag: „The Unfinished Business of Living Together“</p>
<p>Kunstschaffende: Gianmaria Andreetta (Lugano/Berlin), Luca Beeler (Zürich), Nina Wakeford (London), Miriam Laura Leonardi (Zürich), Lithic Alliance (Zürich/Brüssel), Yul Tomatala (Genf)</p>
<p>Auftraggeberin: Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia (Katharina Brandl, Sandi Paucic, Rachele Giudici Legittimo); Direktion: Philippe Bischof</p>
<p>Auswahl: erstmals über offenen Wettbewerb, 140 eingereichte Projekte</p>
<p>Pavillon: Schweizer Pavillon, Giardini, erbaut 1951/52 von Bruno Giacometti (1907 bis 2012)</p>
<p>Rahmen: 61. Internationale Kunstausstellung „In Minor Keys“, kuratiert von Koyo Kouoh (1967 bis 2025), posthum realisiert</p>
<p>Laufzeit: 9. Mai bis 22. November 2026</p>
<p>Links: http://prohelvetia.ch , http://labiennale.org</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-schweizer-pavillion-das-unerledigte-geschaeft-des-zusammenlebens/">Der Schweizer Pavillion: Das unerledigte Geschäft des Zusammenlebens</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Die belastete Adresse: Wie Geschichte Immobilienwerte formt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 May 2026 07:39:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturessay]]></category>
		<category><![CDATA[Baugeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
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		<category><![CDATA[Denkmalpflege]]></category>
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		<category><![CDATA[Immobilienrecht]]></category>
		<category><![CDATA[ImmoWertV]]></category>
		<category><![CDATA[NS Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Stigmatisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Wertgutachten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie beeinflussen Geschichte und Stigma den Wert einer Immobilie? Vom Spukhaus zum NS-Bau: ein Essay über belastete Adressen und die Rolle der Architektur.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/die-belastete-adresse-wie-geschichte-immobilienwerte-formt/">Die belastete Adresse: Wie Geschichte Immobilienwerte formt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Gesellschaft <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Mai 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Mauern haben ein Gedächtnis</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Vom Spukhaus zum Speer-Bau: Wie Geschichte den Wert und das Schicksal von Immobilien formt</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es gibt Häuser, die niemand kaufen will, und solche, deren Geschichte sich nicht abreißen lässt. Vom Suizid im Treppenhaus bis zur Villa eines NS-Funktionärs: Immobilien tragen Erinnerung, ob es ihren Eigentümerinnen und Eigentümern gefällt oder nicht. Wie wirkt sich diese unsichtbare Last auf Wert, Nutzung und Verantwortung aus? Und welche Rolle spielen Architektinnen und Architekten, wenn ein Bauwerk mehr Geschichte trägt als Substanz?</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Beeinflusst die Geschichte einer Immobilie ihren Wert?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Immobilie ist nie nur ein Bauwerk. Sie ist ein Stück Stadt, ein Stück Biografie, manchmal ein Stück Schande. Käuferinnen und Käufer entscheiden selten allein nach Quadratmetern und Substanz. Sie kaufen auch eine Adresse, eine Nachbarschaft, eine Erzählung. Und wenn diese Erzählung belastet ist, fällt der Preis. Manchmal um Prozente, manchmal um die Hälfte, manchmal so weit, dass sich kein Käufer mehr findet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Belastung muss dabei nicht historisch verbürgt sein. Es genügt, dass sie geglaubt wird. Ein Suizid, ein Tötungsdelikt, ein zugesprochener Spuk wirken wirtschaftlich, weil sie den Kreis der potenziellen Käuferinnen und Käufer verkleinern. Wer sich auf die Verhandlung einlässt, weiß das und kalkuliert es ein.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was sagt das deutsche Recht zur Stigmatisierung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Juristisch ist die Lage in Deutschland klar und gleichzeitig unbefriedigend. Ein Suizid, ein Tötungsdelikt, ein vermuteter Spuk berühren die physische Beschaffenheit einer Immobilie nicht und gelten daher nach herrschender Meinung nicht als Sachmangel im Sinne des § 434 BGB. Der Bundesgerichtshof hat das in mehreren Entscheidungen bestätigt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aufgeklärt werden muss aber, wer gefragt wird. Eine arglistige Täuschung beim Verkauf führt zur Rückabwicklung, selbst dann, wenn der Mangel nur in den Köpfen existiert. Einige Instanzgerichte gehen weiter und verlangen bei besonders schweren Vorfällen, etwa Mehrfachmord, eine Offenbarung auch ohne Nachfrage. Wertgutachten nach ImmoWertV erfassen das Phänomen ohnehin nicht. Was zwischen Verkehrswert und Verkaufspreis liegt, ist Verhandlung, nicht Methodik.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie gehen andere Länder mit belasteten Immobilien um?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im internationalen Vergleich wirkt der deutsche Markt fast gelassen. In Hongkong werden Wohnungen, in denen jemand unnatürlich gestorben ist, als „Hongza&#8220; (凶宅) in eigenen Datenbanken geführt. Der Abschlag liegt regelmäßig zwischen zwanzig und vierzig Prozent, in Einzelfällen höher. In Japan firmiert Vergleichbares unter „jiko bukken&#8220; (事故物件), mit Offenlegungsrichtlinien des Verkehrsministeriums und deutlich niedrigerer Miete. In vielen US-Bundesstaaten ist die Disclosure für „stigmatized properties&#8220; gesetzlich vorgeschrieben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der deutsche Pragmatismus wirkt dagegen wie eine ungeschriebene Übereinkunft, das Thema möglichst nicht zu groß werden zu lassen. Das hat Vorteile, weil es Spekulationen über Verkaufsobjekte begrenzt. Es hat Nachteile, weil es Käuferinnen und Käufer im Unklaren lässt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was passiert mit Bauten von NS-Größen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die schwerere Frage beginnt dort, wo die belastete Geschichte nicht mehr persönlich, sondern kollektiv ist. Hitlers Geburtshaus in Braunau wurde nach Jahrzehnten juristischen Tauziehens 2016 von der Republik Österreich enteignet und zur Polizeidienststelle umgebaut. Bewusst, um die symbolische Aufladung zu neutralisieren. Der Berghof am Obersalzberg wurde 1952 gesprengt, das Gelände später überformt. Carinhall, das Jagdhaus Hermann Görings, sprengte die Wehrmacht selbst noch im Krieg. Rudolf Heß wohnte in einer Pullacher Villa, auf deren Gelände heute der Bundesnachrichtendienst sitzt. Das Haus der Wannsee-Konferenz dagegen wurde nicht ausgelöscht, sondern musealisiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jede dieser Entscheidungen ist eine politische Setzung, keine bautechnische. Abriss, Umnutzung, Gedenkstätte, schlichte Weiternutzung: alle vier Wege sind begangen worden, und keiner ist neutral. Hinzu kommt das marktwirtschaftliche Problem. Auch unterhalb der prominenten Beispiele gibt es zehntausende Häuser, die einst arisiert wurden, Funktionärsfamilien beherbergten oder im Auftrag der NSDAP entstanden. Die offenen Restitutionsfragen belasten Verkehrswerte bis heute. Der Käuferkreis sortiert sich selbst aus, sobald die Geschichte bekannt wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wer kauft ein belastetes Haus?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau hier liegt die unangenehme Asymmetrie. Während sich seriöse Interessentinnen und Interessenten zurückziehen, steigt das Risiko, dass sich die falsche Klientel meldet. Rechtsextreme Pilger, ideologische Erbschleicher, Investoren mit Inszenierungsabsicht. Kommunen und Länder reagieren darauf seit Jahren defensiv. Vorkaufsrechte werden gezogen, Verkäufe scheitern an Auflagen, Liegenschaften werden lieber öffentlich gehalten als am Markt platziert. Es ist eine stille Form der Geschichtspolitik mit den Mitteln des Liegenschaftsrechts.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Rolle spielen Architektinnen und Architekten?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für unseren Berufsstand entsteht daraus eine Aufgabe, die mit klassischer Baukunst wenig zu tun hat. Wer ein belastetes Bauwerk saniert, umnutzt oder kontextualisiert, betreibt Erinnerungsarbeit mit baulichen Mitteln. Das Ordensburg-Gelände Vogelsang in der Eifel ist dafür das instruktivste Beispiel: ein architektonisch hochwertiger NS-Bau, der seit zwei Jahrzehnten konsequent sichtbar gemacht statt versteckt wird. Die alten Reliefs bleiben. Die neuen Texttafeln daneben sprechen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Tendenz der letzten zwanzig Jahre geht klar weg vom Verdrängen, hin zur sichtbaren Kontextualisierung. Das gilt nicht nur für NS-Bauten. Es gilt auch für DDR-Funktionsbauten, für koloniale Verwaltungssitze, für Sakralbauten, deren Gemeinde verschwunden ist. Architektur ist nie eine ahistorische Hülle. Sie ist immer ein Speicher.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt vom belasteten Haus?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Ende stellt sich die schlichte Frage. Was machen wir mit Häusern, deren Geschichte größer ist als ihre Substanz? Drei Antworten haben sich etabliert. Abriss als Befreiung, Musealisierung als Pflicht, Umnutzung als Pragmatismus. Die vierte Antwort, schlicht weiterbewohnen, als sei nichts geschehen, wird gesellschaftlich immer schlechter akzeptiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis. Eine Immobilie ist nie nur eine Ware. Sie ist eine Verbindlichkeit gegenüber dem, was war. Wer kauft, übernimmt nicht nur Substanz, sondern auch Erzählung. Wer baut, schreibt an dieser Erzählung mit. Und wer abreißt, löscht nicht selten mehr, als ihm lieb ist.</p>
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