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	<title>Top-Themen-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
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	<title>Top-Themen-Archiv - Baukunst</title>
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		<title>Der Klang, den niemand hört: Wie akustische Gesundheit zum Entwurfsparameter wird</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Jun 2026 15:47:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
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		<category><![CDATA[Akustische Gesundheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Akustik ist mehr als hörbarer Komfort: Selbst unhörbarer Infraschall verändert Stimmung und Stresshormone. Warum Klang zum Entwurfsparameter wird, den die Architektur nicht länger ignorieren sollte.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-klang-den-niemand-hoert-wie-akustische-gesundheit-zum-entwurfsparameter-wird/">Der Klang, den niemand hört: Wie akustische Gesundheit zum Entwurfsparameter wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Innovation <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Der Klang an einem Ort ist wichtig für unser Wohlbefinden</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">„Der Klang an einem Ort ist wichtig für unser Wohlbefinden.“ Dieser Satz beschreibt eine Verschiebung, die der Architektur eine neue Entwurfsdimension eröffnet: Klang wird vom nachträglichen Komfortthema zum gestalterischen Parameter, und zwar bis weit unter die Hörschwelle. Akustische Innovation bedeutet heute, nicht nur den hörbaren Schall zu beherrschen, sondern auch jene unhörbaren tieffrequenten Schwingungen, die Stimmung und Stresshormone messbar beeinflussen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Anstoß gibt eine im April 2026 in der Fachzeitschrift Frontiers in Behavioral Neuroscience veröffentlichte Studie. Das Team um Rodney Schmaltz an der kanadischen MacEwan University setzte 36 Probandinnen und Probanden Infraschall von etwa 18 Hertz aus, also Schall unterhalb der menschlichen Hörschwelle von rund 20 Hertz. Bei aktivem Infraschall stieg das im Speichel gemessene Stresshormon Cortisol signifikant an, die Teilnehmenden fühlten sich gereizter und bewerteten Musik als trauriger, ohne den Ton bewusst wahrzunehmen. Ein Nocebo-Effekt ließ sich ausschließen. Der Befund bestätigt ältere Beobachtungen: Der britische Ingenieur Vic Tandy hatte 1998 eine stehende Welle bei 19 Hertz als Ursache vermeintlicher Spukerlebnisse identifiziert, und ein Feldversuch des britischen National Physical Laboratory zeigte 2003, dass ein 17-Hertz-Ton bei 22 Prozent von rund 750 Konzertbesuchenden Beklemmung auslöste.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Warum wird Klang zum Entwurfsparameter?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Klang wird zum Entwurfsparameter, weil sich seine Wirkung auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit inzwischen belegen lässt. Lange galt Akustik als Disziplin der Nachbesserung, etwa wenn ein Großraumbüro zu hallig oder eine Wohnung zu hellhörig geriet. Die neue Forschung erweitert das Feld um eine unsichtbare Ebene, denn Räume wirken über den ganzen Körper, nicht nur über das bewusste Hören. Damit rückt die akustische Qualität auf eine Stufe mit Tageslicht, Raumluft und Temperatur, also mit jenen Faktoren, die Entwurf und Zertifizierung längst steuern. Der WELL Building Standard behandelt akustischen Komfort ausdrücklich als Faktor des Wohlbefindens, und auch das Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen (DGNB) bewertet die akustische Behaglichkeit. Wer Klang von Anfang an mitdenkt, gestaltet nicht nur angenehmere, sondern gesündere Räume.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Welche Werkzeuge erschließen den unhörbaren Bereich?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den unhörbaren Bereich erschließen vor allem neue Mess- und Simulationsverfahren. Tieffrequenter Schall lässt sich mit speziellen Mikrofonen und Beschleunigungssensoren erfassen, die langsame Druckänderungen registrieren, welche gewöhnliche Messtechnik überhört. In der Planung erlauben akustische Simulationen, die Eigenfrequenzen eines Raumes vorab zu berechnen, sodass kritische Resonanzen im Bereich um 18 bis 19 Hertz gar nicht erst entstehen. Tandys berüchtigter Korridor besaß genau die Länge, um eine solche stehende Welle aufzuschaukeln, ein Effekt, der sich heute am Modell vermeiden lässt. Auf der Bauteilebene entkoppeln elastische Lager Pumpen, Lüfter und Aufzüge schwingungstechnisch vom Tragwerk. Hinzu kommen digitale Monitoringsysteme, die tieffrequente Belastungen im Betrieb dauerhaft überwachen, vergleichbar mit Sensoren für Luftqualität. Aus einer diffusen Störquelle wird so eine planbare und messbare Größe.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das für Standards und Praxis?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Praxis folgt daraus, dass tieffrequenter Schall als eigenständige Größe in den Entwurf gehört. Die geltenden Regelwerke decken ihn nur teilweise ab. Die DIN 4109 (Schallschutz im Hochbau) und die DIN 18041 (Hörsamkeit in Räumen) zielen auf den hörbaren Bereich, die DIN 45680 (Messung und Bewertung tieffrequenter Geräuschimmissionen in der Nachbarschaft) sowie die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) setzen erst oberhalb deutlicher Belästigungsschwellen an. Die nun belegten subtilen Effekte unterhalb dieser Schwellen erfassen sie kaum. Hier liegt das eigentliche Innovationsfeld für Planungsbüros, die akustische Gesundheit zum Standard machen, statt auf eine Verschärfung der Normen zu warten. Erste Ansätze zeigen sich in Schulen, Kliniken und Bürobauten, in denen Lüftungs- und Klimatechnik bewusst leiser und entkoppelt geplant wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bei aller Aufbruchstimmung ist Augenmaß nötig. Die Stichproben der vorliegenden Studien sind klein, die Effekte moderat, und nicht jede Befindlichkeit lässt sich auf Infraschall zurückführen. Die aufgeheizte Debatte um Infraschall durch Windkraftanlagen mahnt zur Vorsicht, denn das Umweltbundesamt (UBA) verweist darauf, dass dieser in üblichen Abständen unter der Wahrnehmungsschwelle bleibt. Innovation heißt hier nicht, ein neues Schreckgespenst zu erzeugen, sondern eine bislang übersehene Qualität nüchtern zu gestalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Baukultur eröffnet sich damit ein lohnendes Feld. Der Trend zu hoch technisierten, dicht gedämmten Gebäuden verlagert die Quellen tieffrequenter Schwingungen ins Innere, dorthin, wo Menschen schlafen, lernen und arbeiten. Wer den Klang eines Ortes als Teil seines Wohlbefindens versteht, gestaltet Architektur, die nicht nur gesehen, sondern im besten Sinne gespürt wird. Aus dem alten Schauer im Gemäuer wird so eine Frage moderner, gesundheitsorientierter Planung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Der Schweizer Pavillion: Das unerledigte Geschäft des Zusammenlebens</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2026 15:11:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inspiration]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Pro Helvetia]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Pavillon]]></category>
		<category><![CDATA[Venedig-Biennale 2026]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hinter Giacomettis Backsteinmauern verhandelt eine sechsköpfige Gruppe, was Zusammenleben heute bedeutet. Ausgangspunkt: eine Schweizer Fernsehdebatte von 1978. Ein Pavillon als Echoraum.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Biennale <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Mai 2026</p>
<h1>Schweizer Pavillon, Biennale Venedig 2026</h1>
<p>61. Internationale Kunstausstellung, „In Minor Keys“, 9. Mai bis 22. November 2026</p>
<h3>Ein Pavillon aus Backstein und Erinnerung</h3>
<p>Rechter Hand, gleich nach dem Haupteingang zu den Giardini, steht der erste Bau, den die Biennale nach dem Zweiten Weltkrieg überhaupt errichten liess. Bruno Giacometti, jüngster Bruder Albertos und in Zürich tätig, entwarf den Schweizer Pavillon 1951 und 1952 als feingliedrige Anordnung asymmetrischer Volumen. Unverputztes Backsteinmauerwerk, ein baumbestandener Innenhof, ein shedüberdachter Saal für die Malerei, ein Skulpturensaal unter hauchdünnem Tonnendach, dazu ein Natursteinboden alla veneziana. Carlo Scarpa, der wenig später den benachbarten venezolanischen Pavillon plante, führte einen geradezu liebevollen Dialog mit diesem Bau; bis heute teilen sich die beiden als einzige eine gemeinsame Mauer.</p>
<p>In diese siebzig Jahre alte Architektur zieht 2026 ein Projekt ein, das nichts weniger verhandelt als die Frage, wer in einer Gesellschaft sprechen darf und wer gehört wird.</p>
<h3>„The Unfinished Business of Living Together“</h3>
<p>Erstmals bestimmte Pro Helvetia den Schweizer Beitrag über einen offenen Wettbewerb. Aus 140 eingereichten Projekten wählte die Jury eine sechsköpfige Gruppe: Gianmaria Andreetta, Luca Beeler, Nina Wakeford, Miriam Laura Leonardi, Lithic Alliance und Yul Tomatala. Das Konzept geht auf die Kuratierenden Andreetta und Beeler sowie die Künstlerin Wakeford zurück, künstlerisch entwickelt hat es die gesamte Gruppe.</p>
<p>Ihr Titel klingt nach offener Rechnung, und genau so ist er gemeint. „The Unfinished Business of Living Together“ begreift das Zusammenleben nicht als gelösten Zustand, sondern als fortlaufende Aushandlung. Bemühungen um gesellschaftlichen Wandel, so die These, konkurrieren noch immer mit etablierten Normen und mit institutionalisierten Systemen des Schweigens. Der Pavillon wird damit weniger zur Bühne fertiger Werke als zum Resonanzraum, in dem Stimmen, Perspektiven und Räume neu verteilt werden.</p>
<h3>Eine Fernsehdebatte als Resonanzraum</h3>
<p>Als historischen Ausgangspunkt wählt die Gruppe ein scheinbar randständiges Dokument: eine „Telearena“ des Schweizer Fernsehens von 1978, in der Fragen der sexuellen Orientierung kontrovers, mitunter schroff verhandelt wurden. Homosexualität dient hier nicht als Thema im engeren Sinn, sondern als historisch präzises Vergrösserungsglas. An ihm lässt sich studieren, wie soziale Normen festlegen, wessen Rede als legitim gilt.</p>
<p>Von dort spannt das Projekt einen weiten Bogen: zu staatlichen Sicherheitsinteressen, die Überwachung rechtfertigen, zu Moralpaniken rund um die Kernfamilie, zu jenen wiederkehrenden Mustern, in denen Andersartigkeit zur Bedrohung der gesellschaftlichen Ordnung erklärt wird. Ein Archiv von 1978 wird so zur Gegenwartsdiagnose, ohne den Zeigefinger zu heben. Die Gruppe formuliert das als Frage, die sich die Besucherinnen und Besucher selbst stellen sollen: Wann und wo passiert das hier eigentlich, und welche Autorität besitzt dieses Archiv?</p>
<h3>Polyphonie statt Solostimme</h3>
<p>Auffällig ist die Konstruktion des Beitrags selbst. Sechs Beteiligte aus der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz sowie aus London, verschiedene Generationen, unterschiedliche Praxen von Skulptur über Performance bis zur kollektiven Recherche. Das Ergebnis ist kein Werk mit Urheberschaft, sondern eine Versuchsanordnung, in der mehrere Stimmen nebeneinander bestehen, ohne sich zu einer einzigen zu glätten.</p>
<p>Das passt zur Formensprache der Schau, die sich abzeichnet: weniger die monumentale Geste, mehr das Gefüge aus Fragment, Ton und Bewegung. Giacomettis abwechselnd offene und nach innen gewandte Räume kommen einer solchen Dramaturgie entgegen. Wo das Tonnendach das Licht filtert und der Innenhof die Lagune ahnen lässt, entsteht beinahe von selbst jene Abfolge aus Verdichtung und Weite, die ein vielstimmiges Projekt benötigt.</p>
<h3>Im Zeichen einer Abwesenheit</h3>
<p>Über der gesamten 61. Kunstbiennale liegt das Motto „In Minor Keys“, entworfen von Koyo Kouoh. Die kamerunisch-schweizerische Kuratorin, in Douala geboren, im Aargau aufgewachsen, zuletzt Direktorin des Zeitz MOCAA in Kapstadt, hätte als erste Frau vom afrikanischen Kontinent die Schau leiten sollen. Sie starb im Mai 2025 unerwartet in Basel. Die Biennale führt ihr Projekt mit Unterstützung der Familie und des Teams posthum aus.</p>
<p>Kouohs Programm ist eine Einladung, einen Gang zurückzuschalten und auf die leisen Tonarten zu hören, auf das Emotionale, Sinnliche, Beziehungshafte. Der Schweizer Beitrag fügt sich darin ein, ohne in Sanftheit zu verfallen. Eine leise Tonart kann auch ein Verhör von 1978 sein, das nachhallt. Dass eine Kuratorin mit tiefen Schweizer Wurzeln das Vorzeichen setzt, unter dem dieser Pavillon nun erklingt, ist eine jener Fügungen, die das Programm fast überdeutlich kommentieren.</p>
<h3>Schöne Mauern, offene Fragen</h3>
<p>Bleibt eine kritische Notiz, die der Beitrag selbst nahelegt. Die Architekturbiennale 2025 erinnerte mit dem Kollektiv Annexe daran, dass kein einziger Länderpavillon der Giardini von einer Architektin gebaut wurde. Ein Projekt, das Ausgrenzung und das Recht zu sprechen verhandelt, agiert also in einem Gehäuse, dessen Entstehungsgeschichte exakt jene Hierarchien spiegelt, die es befragt. Darin liegt keine Schwäche, sondern eine produktive Reibung. Die Mauern aus Sichtbackstein sind schön, und sie sind nicht unschuldig.</p>
<p>Genau diese Spannung macht den Beitrag interessant. Er sucht das Atmosphärische nicht als Beruhigung, sondern als Methode. Wo andere Pavillons Haltung behaupten, organisiert dieser ein Zuhören. Ob daraus mehr wird als ein elegant inszeniertes Unbehagen, entscheidet sich erst vor Ort, zwischen dem 9. Mai und dem 22. November 2026. Das unerledigte Geschäft, so viel ist sicher, bleibt vorerst unerledigt. Vermutlich ist das die ehrlichste Antwort, die ein Pavillon geben kann.</p>
<h3>Leserinformation</h3>
<p>Beitrag: „The Unfinished Business of Living Together“</p>
<p>Kunstschaffende: Gianmaria Andreetta (Lugano/Berlin), Luca Beeler (Zürich), Nina Wakeford (London), Miriam Laura Leonardi (Zürich), Lithic Alliance (Zürich/Brüssel), Yul Tomatala (Genf)</p>
<p>Auftraggeberin: Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia (Katharina Brandl, Sandi Paucic, Rachele Giudici Legittimo); Direktion: Philippe Bischof</p>
<p>Auswahl: erstmals über offenen Wettbewerb, 140 eingereichte Projekte</p>
<p>Pavillon: Schweizer Pavillon, Giardini, erbaut 1951/52 von Bruno Giacometti (1907 bis 2012)</p>
<p>Rahmen: 61. Internationale Kunstausstellung „In Minor Keys“, kuratiert von Koyo Kouoh (1967 bis 2025), posthum realisiert</p>
<p>Laufzeit: 9. Mai bis 22. November 2026</p>
<p>Links: http://prohelvetia.ch , http://labiennale.org</p>
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		<title>Die belastete Adresse: Wie Geschichte Immobilienwerte formt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 May 2026 07:39:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturessay]]></category>
		<category><![CDATA[Baugeschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[Immobilienrecht]]></category>
		<category><![CDATA[ImmoWertV]]></category>
		<category><![CDATA[NS Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Stigmatisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Wertgutachten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie beeinflussen Geschichte und Stigma den Wert einer Immobilie? Vom Spukhaus zum NS-Bau: ein Essay über belastete Adressen und die Rolle der Architektur.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/die-belastete-adresse-wie-geschichte-immobilienwerte-formt/">Die belastete Adresse: Wie Geschichte Immobilienwerte formt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Gesellschaft <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Mai 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Mauern haben ein Gedächtnis</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Vom Spukhaus zum Speer-Bau: Wie Geschichte den Wert und das Schicksal von Immobilien formt</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es gibt Häuser, die niemand kaufen will, und solche, deren Geschichte sich nicht abreißen lässt. Vom Suizid im Treppenhaus bis zur Villa eines NS-Funktionärs: Immobilien tragen Erinnerung, ob es ihren Eigentümerinnen und Eigentümern gefällt oder nicht. Wie wirkt sich diese unsichtbare Last auf Wert, Nutzung und Verantwortung aus? Und welche Rolle spielen Architektinnen und Architekten, wenn ein Bauwerk mehr Geschichte trägt als Substanz?</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Beeinflusst die Geschichte einer Immobilie ihren Wert?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Immobilie ist nie nur ein Bauwerk. Sie ist ein Stück Stadt, ein Stück Biografie, manchmal ein Stück Schande. Käuferinnen und Käufer entscheiden selten allein nach Quadratmetern und Substanz. Sie kaufen auch eine Adresse, eine Nachbarschaft, eine Erzählung. Und wenn diese Erzählung belastet ist, fällt der Preis. Manchmal um Prozente, manchmal um die Hälfte, manchmal so weit, dass sich kein Käufer mehr findet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Belastung muss dabei nicht historisch verbürgt sein. Es genügt, dass sie geglaubt wird. Ein Suizid, ein Tötungsdelikt, ein zugesprochener Spuk wirken wirtschaftlich, weil sie den Kreis der potenziellen Käuferinnen und Käufer verkleinern. Wer sich auf die Verhandlung einlässt, weiß das und kalkuliert es ein.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was sagt das deutsche Recht zur Stigmatisierung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Juristisch ist die Lage in Deutschland klar und gleichzeitig unbefriedigend. Ein Suizid, ein Tötungsdelikt, ein vermuteter Spuk berühren die physische Beschaffenheit einer Immobilie nicht und gelten daher nach herrschender Meinung nicht als Sachmangel im Sinne des § 434 BGB. Der Bundesgerichtshof hat das in mehreren Entscheidungen bestätigt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aufgeklärt werden muss aber, wer gefragt wird. Eine arglistige Täuschung beim Verkauf führt zur Rückabwicklung, selbst dann, wenn der Mangel nur in den Köpfen existiert. Einige Instanzgerichte gehen weiter und verlangen bei besonders schweren Vorfällen, etwa Mehrfachmord, eine Offenbarung auch ohne Nachfrage. Wertgutachten nach ImmoWertV erfassen das Phänomen ohnehin nicht. Was zwischen Verkehrswert und Verkaufspreis liegt, ist Verhandlung, nicht Methodik.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie gehen andere Länder mit belasteten Immobilien um?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im internationalen Vergleich wirkt der deutsche Markt fast gelassen. In Hongkong werden Wohnungen, in denen jemand unnatürlich gestorben ist, als „Hongza&#8220; (凶宅) in eigenen Datenbanken geführt. Der Abschlag liegt regelmäßig zwischen zwanzig und vierzig Prozent, in Einzelfällen höher. In Japan firmiert Vergleichbares unter „jiko bukken&#8220; (事故物件), mit Offenlegungsrichtlinien des Verkehrsministeriums und deutlich niedrigerer Miete. In vielen US-Bundesstaaten ist die Disclosure für „stigmatized properties&#8220; gesetzlich vorgeschrieben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der deutsche Pragmatismus wirkt dagegen wie eine ungeschriebene Übereinkunft, das Thema möglichst nicht zu groß werden zu lassen. Das hat Vorteile, weil es Spekulationen über Verkaufsobjekte begrenzt. Es hat Nachteile, weil es Käuferinnen und Käufer im Unklaren lässt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was passiert mit Bauten von NS-Größen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die schwerere Frage beginnt dort, wo die belastete Geschichte nicht mehr persönlich, sondern kollektiv ist. Hitlers Geburtshaus in Braunau wurde nach Jahrzehnten juristischen Tauziehens 2016 von der Republik Österreich enteignet und zur Polizeidienststelle umgebaut. Bewusst, um die symbolische Aufladung zu neutralisieren. Der Berghof am Obersalzberg wurde 1952 gesprengt, das Gelände später überformt. Carinhall, das Jagdhaus Hermann Görings, sprengte die Wehrmacht selbst noch im Krieg. Rudolf Heß wohnte in einer Pullacher Villa, auf deren Gelände heute der Bundesnachrichtendienst sitzt. Das Haus der Wannsee-Konferenz dagegen wurde nicht ausgelöscht, sondern musealisiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jede dieser Entscheidungen ist eine politische Setzung, keine bautechnische. Abriss, Umnutzung, Gedenkstätte, schlichte Weiternutzung: alle vier Wege sind begangen worden, und keiner ist neutral. Hinzu kommt das marktwirtschaftliche Problem. Auch unterhalb der prominenten Beispiele gibt es zehntausende Häuser, die einst arisiert wurden, Funktionärsfamilien beherbergten oder im Auftrag der NSDAP entstanden. Die offenen Restitutionsfragen belasten Verkehrswerte bis heute. Der Käuferkreis sortiert sich selbst aus, sobald die Geschichte bekannt wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wer kauft ein belastetes Haus?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau hier liegt die unangenehme Asymmetrie. Während sich seriöse Interessentinnen und Interessenten zurückziehen, steigt das Risiko, dass sich die falsche Klientel meldet. Rechtsextreme Pilger, ideologische Erbschleicher, Investoren mit Inszenierungsabsicht. Kommunen und Länder reagieren darauf seit Jahren defensiv. Vorkaufsrechte werden gezogen, Verkäufe scheitern an Auflagen, Liegenschaften werden lieber öffentlich gehalten als am Markt platziert. Es ist eine stille Form der Geschichtspolitik mit den Mitteln des Liegenschaftsrechts.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Rolle spielen Architektinnen und Architekten?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für unseren Berufsstand entsteht daraus eine Aufgabe, die mit klassischer Baukunst wenig zu tun hat. Wer ein belastetes Bauwerk saniert, umnutzt oder kontextualisiert, betreibt Erinnerungsarbeit mit baulichen Mitteln. Das Ordensburg-Gelände Vogelsang in der Eifel ist dafür das instruktivste Beispiel: ein architektonisch hochwertiger NS-Bau, der seit zwei Jahrzehnten konsequent sichtbar gemacht statt versteckt wird. Die alten Reliefs bleiben. Die neuen Texttafeln daneben sprechen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Tendenz der letzten zwanzig Jahre geht klar weg vom Verdrängen, hin zur sichtbaren Kontextualisierung. Das gilt nicht nur für NS-Bauten. Es gilt auch für DDR-Funktionsbauten, für koloniale Verwaltungssitze, für Sakralbauten, deren Gemeinde verschwunden ist. Architektur ist nie eine ahistorische Hülle. Sie ist immer ein Speicher.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt vom belasteten Haus?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Ende stellt sich die schlichte Frage. Was machen wir mit Häusern, deren Geschichte größer ist als ihre Substanz? Drei Antworten haben sich etabliert. Abriss als Befreiung, Musealisierung als Pflicht, Umnutzung als Pragmatismus. Die vierte Antwort, schlicht weiterbewohnen, als sei nichts geschehen, wird gesellschaftlich immer schlechter akzeptiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis. Eine Immobilie ist nie nur eine Ware. Sie ist eine Verbindlichkeit gegenüber dem, was war. Wer kauft, übernimmt nicht nur Substanz, sondern auch Erzählung. Wer baut, schreibt an dieser Erzählung mit. Und wer abreißt, löscht nicht selten mehr, als ihm lieb ist.</p>
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		<title>Wenn Häuser können, was Bilder fordern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 17:26:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Editorial]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Ausstellung Mai 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[DACH-Raum]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sechs Ausstellungen zwischen Wien, Zürich und Deutschland zeigen, was Museumsarchitektur leistet. Eine siebte, das Pergamonmuseum, zeigt, was sie kostet.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art</strong> | Editorial | Mai 2026<br />
Lesezeit 12 Minuten</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was Baukunst kann. Sechs Museumsbauten und ein Großprojekt im Vergleich</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Sechs Ausstellungen zwischen Wien, Zürich und der deutschen Museumslandschaft machen sichtbar, was Architektur leistet. Eine siebte, das Pergamonmuseum, zeigt, was sie kostet.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es ist Zufall, aber er trägt. Wer im Mai 2026 zwischen Hamburg und Duisburg, zwischen Kassel und Remagen, zwischen Frankfurt und Köln pendelt, kann an einem einzigen Wochenende erleben, was sonst nur in der Theorie behauptet wird. Dass ein Museum nicht Behälter ist, sondern Gesprächspartner. Dass Architektur und Werk einander erst etwas abgewinnen müssen, bevor eine Ausstellung tatsächlich stattfindet. Und dass die deutsche Museumslandschaft in diesem Frühjahr eine bemerkenswerte Reibung produziert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In sechs Häusern laufen gleichzeitig Schauen, die ihr jeweiliges Gebäude unter Druck setzen. Yayoi Kusamas Polka Dots treffen im Museum Ludwig auf das 10,80-Meter-Raster von Busmann und Haberer. Die Wiener Malerin Maria Lassnig hängt in Hamburg neben Edvard Munch, gerahmt von Oswald Mathias Ungers&#8216; weißem Würfel und kuratiert in Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich. Anish Kapoor stellt seine spiegelnden Skulpturen in den Sichtbetonschalen Manfred Lehmbrucks aus. Günther Uecker, in seiner letzten Schau, steht im Arp Museum zwischen dem klassizistischen Bahnhof Rolandseck und Richard Meiers Purismus auf der Rheinhöhe. In Kassel zeigt Hessen Kassel Heritage Rembrandts Markenwerdung in einem Schloss, das selbst Marke war. Und im Frankfurter Städel hängt Monets Étretat unter den 195 runden Oberlichtern der unterirdischen Gartenhalle von schneider+schumacher.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sechs Häuser, sechs Epochen, sechs kuratorische Antworten auf dieselbe Frage. Und einmal sogar eine echte DACH-Klammer: Hamburg zeigt Lassnig aus der Wiener Stiftung neben Munch aus Oslo, konzipiert mit Zürich. Was wie ein deutsches Frühjahr aussieht, ist tatsächlich ein deutschsprachiges.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was unterscheidet einen Behälter von einem Resonanzraum?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Frage ist nicht akademisch. Sie entscheidet darüber, ob ein Museum Baukunst ist oder Infrastruktur. Wer Ungers&#8216; Galerie der Gegenwart durchquert und vor Lassnigs „Mit einem Tiger schlafen&#8220; steht, erfährt etwas, das in keinem Lehrbuch über Museumsbau steht. Die Strenge des Hauses behauptet sich nicht gegen das Bild, sie verlangt vom Bild eine Antwort. Wer in Duisburg von der eingegrabenen Lehmbruck-Halle in die stützenfreie Glashalle wechselt und dort Kapoors S-Kurven sieht, erlebt zwei gegensätzliche Raumkonzepte als gleichberechtigte Stimmen. Die Architektur nimmt sich nicht zurück, sie spricht mit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau das ist die Pointe des Mai-Programms. Häuser, die in der Architekturkritik oft als zu streng (Ungers), zu eigenwillig (Busmann und Haberer), zu introvertiert (Lehmbruck) oder zu purem Manifest (Meier) beschrieben werden, erweisen sich in dieser Saison als robuster, als ihre Kritiker behaupten. Sie tragen Werke, die ihre ästhetischen Voraussetzungen in Frage stellen, und gehen dabei nicht unter. Im Gegenteil. Sie werden lesbar.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was zeigt das Pergamonmuseum, das die anderen nicht zeigen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während sechs Häuser im Frühjahr 2026 vorführen, wie Architektur und Werk miteinander sprechen, hebt ein siebtes die Frage auf eine andere Ebene. <strong><a href="https://baukunst.art/das-pergamonmuseum-berlins-ewige-baustelle/" target="_blank" rel="noopener">Das Pergamonmuseum</a> </strong>auf der Berliner Museumsinsel ist seit Oktober 2023 vollständig geschlossen. Die Sanierung läuft bis 2037. Vierundzwanzig Jahre für ein Haus, das in seinen besten Jahren zu den meistbesuchten Museen Deutschlands gehörte. Eineinhalb Milliarden Euro vom Bund. Ein Bauabschnitt im Dezember 2025 fertig, der nächste begonnen, der dritte ohne belastbares Datum.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage ist hier nicht mehr, wie ein Haus ausstellt. Sondern ob es überhaupt noch ausstellt, bevor eine ganze Architektenkarriere zu Ende geht. Wer 2013 als Berufseinsteiger den ersten Spatenstein miterlebt hat, kann zur vollständigen Wiedereröffnung im Vorruhestand stehen. Das ist keine Anekdote, sondern eine baukulturelle Diagnose. Wo das einzelne Haus in Hamburg, Köln oder Duisburg sein Profil schärft, verliert das Großprojekt in Berlin den Begriff des Provisoriums.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vielleicht ist genau das die Lehre des Mai 2026. Museumsbau gelingt nicht in der Größe, sondern in der Schärfe.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was lohnt sich zu sehen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer einen Tag hat, fährt nach <strong><a href="https://baukunst.art/polka-dots-im-sheddach-wenn-kusamas-kunst-die-architektur-von-busmann-haberer-befragt/" target="_blank" rel="noopener">Köln</a></strong> und <strong><a href="https://baukunst.art/anish-kapoor-im-lehmbruck-museum-wenn-skulptur-die-nachkriegsmoderne-befragt/" target="_blank" rel="noopener">Duisburg</a></strong>. Zwei Häuser der 1980er Jahre, zwei Skulpturen-Positionen, eine Stunde Bahnfahrt. <a href="https://baukunst.art/polka-dots-im-sheddach-wenn-kusamas-kunst-die-architektur-von-busmann-haberer-befragt/" target="_blank" rel="noopener">Kusama</a> gegen <a href="https://baukunst.art/anish-kapoor-im-lehmbruck-museum-wenn-skulptur-die-nachkriegsmoderne-befragt/" target="_blank" rel="noopener">Kapoor</a>, Sheddach gegen Sichtbeton. Wer ein Wochenende hat, kombiniert <strong><a href="https://baukunst.art/zwei-marken-zwei-haeuser-wie-hessen-2026-rembrandt-und-monet-inszeniert/" target="_blank" rel="noopener">Kassel</a></strong> und <strong><a href="https://baukunst.art/zwei-marken-zwei-haeuser-wie-hessen-2026-rembrandt-und-monet-inszeniert/" target="_blank" rel="noopener">Frankfurt</a></strong>. Klassizismus und unterirdische Lichthalle, Rembrandt und Monet, der Vergleich zweier Inszenierungskulturen inklusive. Wer die lange Strecke wählt, nimmt <strong><a href="https://baukunst.art/zwei-leben-ein-weisser-wuerfel/" target="_blank" rel="noopener">Hamburg</a></strong> und <strong><a href="https://baukunst.art/verletzlichkeit-zwischen-klassizismus-und-stahlbeton-uecker-im-arp-museum/" target="_blank" rel="noopener">Rolandseck</a></strong>. Ungers&#8216; Würfel und Meiers Tunnel als Eckpunkte einer westdeutschen Museumsgeschichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Leserinnen und Leser in Österreich und der Schweiz ist die <strong><a href="https://baukunst.art/zwei-leben-ein-weisser-wuerfel/" target="_blank" rel="noopener">Hamburger Scha</a>u</strong> ohnehin der direkteste Anker. Sie ist eine Kooperation des Kunsthauses Zürich, sie zeigt eine Wiener Malerin, sie ist die einzige Station, die das DACH-Spektrum in einer einzigen Ausstellung zusammenbindet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bleibt der Hinweis auf Berlin. Wer die Mschattafassade sehen will, muss noch elf Jahre warten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Der Pavillon als Kläranlage: Eine Architektur, die ihre eigene Logik unterläuft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 May 2026 13:25:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inspiration]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Pavillon-Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Performance-Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Venedig-Biennale]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Seaworld Venice" verwandelt den Österreichischen Pavillon in Vergnügungspark, Sakralbau und Klärwerk zugleich. Florentina Holzinger denkt Venedig vom Wasser her neu.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Baukunst.art | </b>Inspiration /Biennale di Venezia  | Mai 2026<br />
<strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Veröffentlichungsdatum:</strong> 11. Mai 2026<br />
<strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Lesezeit:</strong> ca. 7 Minuten</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektur als Stoffwechsel: der österreichische Beitrag in Venedig</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In den Giardini steht ein Pavillon, der seine Form gegen sich selbst wendet. Der österreichische Bau, 1934 nach Plänen von Josef Hoffmann und Robert Kramreiter errichtet, 1984 von Hans Hollein restauriert, denkmalgeschützt, präsentiert sich gewöhnlich als kühles, helles Kabinett. Klare Achsen, getragene Symmetrie, eine Architektur, die das Ausgestellte rahmt. Florentina Holzinger und ihre Kuratorin Nora-Swantje Almes haben dieses Verhältnis umgekehrt. Unter dem Titel „Seaworld Venice&#8220; verwandelt sich der Pavillon in eine Apparatur, die ihn buchstäblich verzehrt. Die Architektur dient nicht mehr als Bühne. Sie ist Substrat geworden, Filter, Tank, Reservoir. Wer eintritt, bewegt sich nicht durch eine Ausstellung, sondern durch die Eingeweide eines Organismus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Idee ist gleichermaßen einfach und konsequent. Zwei mobile Toiletten am Eingang sammeln den Urin der Besucherinnen und Besucher. Diese Flüssigkeit zirkuliert durch ein System aus Becken, Schläuchen und Pumpen, das der Tidenrhythmik der venezianischen Lagune nachgebildet ist. In den Tanks halten sich nackte Performerinnen auf, deren Lebensraum die Ausscheidungen anderer bilden. Der Pavillon ist Vergnügungspark, Sakralbau und Klärwerk in einem.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wasser als Material und Metapher</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wasser bildet den Stoff dieser Arbeit auf jeder Ebene. Es trägt, hebt, dringt ein, verdampft, riecht. Es ist Lebensgrundlage und Bedrohung in einer Stadt, die sich seit Jahrhunderten gegen das Adriatische Meer behauptet und seit Jahrzehnten gegen es verliert. Holzinger nimmt diese doppelte Bewegung ernst. Ihr Pavillon zeigt eine Zukunft, in der das Festland verschwunden ist, in der Mensch und Technik so verflochten sind, dass ein einziger Steuerungsfehler das System zum Kippen bringt. Eine Performerin hängt kopfüber in einer großen Bronzeglocke und schlägt sie als Klangkörper. Auf einer Wetterfahne balancieren Akteurinnen, ein Jetski zieht Kreise und zitiert das touristische Treiben, das Venedig zugleich nährt und auszehrt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Bilder wirken sinnlich, aber nicht dekorativ. Sie funktionieren, weil sie sich an konkretem Material abarbeiten. Bronze, Stahl, Wasser, Kunststoff, Haut. Der Materialkanon entstammt nicht der Galerie, sondern der Werft, der Sanitärtechnik, dem Stuntwesen. Genau hier verschiebt sich die Ästhetik des Pavillons. Das Sakrale entsteht nicht aus Dekor, sondern aus der Würde technischer Notwendigkeit. Die Glocke läutet nicht symbolisch. Sie läutet, weil eine Performerin sie zum Klingen bringt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine andere Linie der österreichischen Kunstgeschichte</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Holzinger, geboren 1986 in Wien, kommt aus dem Tanz, aus dem Theater, aus einem Genre, das mit den klassischen Galeriekategorien lange wenig zu tun hatte. Ihre Stücke „Tanz&#8220; (2019), „Ophelia&#8217;s Got Talent&#8220; (2022) und die Oper „Sancta&#8220;, deren Stuttgarter Aufführungen 2024 achtzehn Zuschauerinnen und Zuschauer in ärztliche Behandlung brachten, haben ihren Ruf als Künstlerin eines extremen, körperlich präzisen Bühnenrealismus begründet. Mit „Seaworld Venice&#8220; greift sie nun in die Codes des Kunstbetriebs ein, ohne ihre Mittel zu ändern. Der Pavillon wird zur Bühne, auf der sieben Monate lang gespielt wird. Performerinnen halten den Raum durchgehend bespielt, von der Eröffnung am 9. Mai bis zum Schluss am 22. November.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Almes verortet die Arbeit in einer doppelten Tradition. Einerseits in der Linie des Wiener Aktionismus der 1960er und 1970er Jahre, andererseits in der feministischen Body Art. Diese Verortung ist nicht harmlos. Der Aktionismus war eine zutiefst männlich dominierte Bewegung, deren ikonische Bilder oft auf Kosten weiblicher Körper entstanden sind. Holzinger wendet die Werkzeuge dieser Tradition gegen sie selbst. Die Verletzung wird zur Dramaturgie, der Schock zum Eintritt, das Spektakel zum Lockmittel für das, was darunter liegt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Pavillon als Versuchsanordnung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus architektonischer Sicht ist die radikalste Geste in „Seaworld Venice&#8220; nicht die Performance, sondern der Eingriff in das Gebäude selbst. Ein denkmalgeschützter Pavillon, der mit einer fest installierten Sanitärinfrastruktur überzogen wird, mit Pumpen, Schläuchen, Tanks und einer funktionierenden Kläranlage, das ist ein Vorgang, den klassische Ausstellungsarchitektur kaum kennt. Die Grenze zwischen Bauwerk und Werkzeug verschwimmt. Der Pavillon wird Maschine, ohne aufzuhören, Architektur zu sein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Verschmelzung trägt einen Gedanken, der weit über die Biennale hinausweist. Sobald Architektur als Klimainfrastruktur ernst genommen wird, hört sie auf, bloßer Behälter zu sein. Sie wird Teil des Stoffwechsels, den sie organisiert. Holzinger inszeniert diese Pointe in einer Stadt, die diese Logik täglich vorlebt. Venedig ist seit Jahrhunderten weniger Stadt auf dem Wasser als Stadt aus Wasser, ein Verbund aus Pfählen, Kanälen, Schleusen, Pumpen. „Seaworld Venice&#8220; macht diese verborgene Infrastruktur sichtbar. Die Sanitärtechnik tritt aus dem Untergrund in den Schauraum.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt vom nationalen Modell</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In einer Biennale, die in diesem Jahr von der Kontroverse um den russischen Pavillon, vom Rückzug Irans und von Protesten gegen die Wiederzulassung russischer Kunst überschattet wird, stellt sich die Frage nach dem nationalen Pavillon-Modell mit besonderer Schärfe. Der österreichische Beitrag liefert eine Antwort, die nicht institutionspolitisch argumentiert, sondern materiell. Der Pavillon Österreichs handelt nicht von Österreich. Er handelt von einer Stadt, einem Element, einer möglichen Zukunft. Er nutzt seine Trägerstruktur, ohne sich von ihr definieren zu lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau darin liegt die ästhetische Kraft der Arbeit. „Seaworld Venice&#8220; verwandelt die Symbolik des Pavillons in eine Frage. Wer trägt diesen Raum? Wessen Körper hält ihn am Leben? Wessen Ausscheidungen halten das System in Bewegung? Die Antworten bleiben unbequem. Das Werk wirkt nicht durch Polemik, sondern durch die Konsequenz seiner Anordnung. Die Glocke schlägt, das Wasser fließt, der Jetski zieht seine Kreise, und der Pavillon, der dies alles trägt, ist selbst Teil des Kreislaufs geworden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Venedig, einer Stadt, die ihre Schönheit immer schon mit ihrer Verletzlichkeit erkauft hat, schlägt diese Arbeit eine seltene Balance. Sie ist Spektakel und Stille. Sie ist Schock und Sakralität. Sie ist Kunst und Gebrauchsanweisung. Vor allem aber ist sie eine Architekturform, die ihre eigene Substanz zur Verhandlung stellt. Das macht sie zu einem der bemerkenswertesten Pavillons dieser Biennale.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Leserinformation</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Titel: Seaworld Venice Künstlerin: Florentina Holzinger (geboren 1986 in Wien) Kuratorin: Nora-Swantje Almes Kommissar: Sektion Kunst und Kultur des Bundesministeriums für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, Republik Österreich Standort: Österreichischer Pavillon, Giardini della Biennale, Venedig Pavillon-Architektur: Josef Hoffmann und Robert Kramreiter, 1934, restauriert 1984 durch Hans Hollein, denkmalgeschützt Laufzeit: 9. Mai bis 22. November 2026 Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 9.5. bis 30.9. von 11 bis 19 Uhr, 1.10. bis 22.11. von 10 bis 18 Uhr Webseite: <strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://seaworldvenice.at/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://seaworldvenice.at</a></span></span></strong></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-pavillon-als-klaeranlage-eine-architektur-die-ihre-eigene-logik-unterlaeuft/">Der Pavillon als Kläranlage: Eine Architektur, die ihre eigene Logik unterläuft</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Das Schiff des Theseus: Wenn KI die Architektur Stück für Stück erneuert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 May 2026 17:41:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Foster + Partners]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[NXT BLD 2026]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Beim Foster-Vortrag auf der NXT BLD 2026 wird die KI-Frage zur Berufsfrage: Welche Planken der Architekturpraxis sind ausgetauscht, und welche tragen das neue Schiff?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-schiff-des-theseus-wenn-ki-die-architektur-stueck-fuer-stueck-erneuert/">Das Schiff des Theseus: Wenn KI die Architektur Stück für Stück erneuert</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  | Bildung |  KI | Mai 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wenn die Künstliche Intelligenz das Reißbrett ersetzt</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Schiff des Theseus, ein antikes Gedankenexperiment über Identität bei vollständigem Austausch aller Bauteile, beschreibt präzise die aktuelle Lage des Architekturberufs unter dem Druck generativer Künstlicher Intelligenz. Die spannendere Frage ist nicht, ob das Schiff dasselbe bleibt; sie lautet, ob nach dem Austausch genügend vieler Planken ein besseres Schiff entstanden ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau diese Verschiebung der Fragestellung steht im Zentrum eines Vortrags, den Martha Tsigkari, Senior Partner und Head of Applied R+D, gemeinsam mit Sherif Tarabishy, Associate Partner und Design Systems Analyst, am 13. Mai 2026 auf der NXT BLD im Queen Elizabeth II Centre in London halten. Das Applied R+D Team von Foster + Partners gehört seit über einem Jahrzehnt zu den prägenden Stimmen der computergestützten Architekturpraxis und nutzt die Bühne in diesem Jahr für eine Bilanz aus rund zwei Jahrzehnten maschineller Designunterstützung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet die Theseus-Frage für die Architekturpraxis?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Generative Werkzeuge übernehmen bereits heute Aufgaben, die in den Leistungsphasen 1 bis 3 nach § 34 HOAI klassisch von Architektinnen und Architekten ausgeführt wurden. Massenstudien, Variantenbildung, Tageslichtanalyse und erste BIM-Modelle entstehen in Sekunden statt Tagen. Plattformen wie Finch, Snaptrude oder Hypar, allesamt Vortragsthemen derselben Konferenz, verkürzen den Weg vom Brief bis zu einem detaillierten BIM-Modell auf Minuten; Snaptrude demonstriert auf der NXT BLD 2026 ein vollständig editierbares LOD-300-Modell in unter fünfzehn Minuten. Eine Planke nach der anderen wird also ausgetauscht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Schiff fährt weiter, und die Frage nach seiner Identität wird drängend. Solange Künstliche Intelligenz nur einzelne Aufgaben automatisiert, lässt sich die Praxis als Werkzeugwechsel beschreiben, vergleichbar mit der Einführung von CAD in den 1990er Jahren oder von BIM nach 2010. Wenn jedoch Konzeptfindung, Entwurfsiteration und technische Klärung gleichzeitig delegiert werden, verschiebt sich der Berufsinhalt strukturell. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) hat in ihren Stellungnahmen seit 2024 darauf hingewiesen, dass die berufsrechtliche Verantwortung nach den Architektengesetzen der Länder weiterhin bei der menschlichen Person liegt, unabhängig vom Grad der Automatisierung im Entwurfsprozess.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Planken werden zuerst ausgetauscht?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die empirische Antwort liegt in den Forschungsprojekten von Foster + Partners selbst. Tsigkaris Arbeit für die Applied Research and Development Group umfasst computergestützten Entwurf, Mensch-Maschine-Interaktion, maschinelles Lernen und Optimierung; sie hat den Einsatz tiefer neuronaler Netze und genetischer Algorithmen im Entwurfsprozess untersucht, von passiv aktivierten Mikromaterialien bis zu performanzgesteuerten Stadtgrundrissen. Auf der NXT BLD 2025 zeigte Tsigkari unter dem Titel „The White Rabbit&#8220;, wie generative Modelle ganze Entwurfsserien produzieren, ohne dass Planerinnen und Planer einzelne Optionen nochmals händisch zeichnen müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Daraus folgen drei Beobachtungen. Erstens werden zunächst repetitive, datennahe Tätigkeiten ersetzt, also genau jene Leistungen, die die Honorartabellen der HOAI in Vorplanung und Entwurfsplanung als zeitintensiv ausweisen. Zweitens wandert die Wertschöpfung von der Ausführung zur Spezifikation; wer die Anforderungen präzise formuliert, profitiert am stärksten. Drittens entsteht ein neuer Bedarf an Validierung. Modelle, die in Sekunden Hunderte Varianten erzeugen, benötigen architektonische Urteilskraft, um konstruktive, soziale und ökologische Qualität zuverlässig zu erkennen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wo bleibt die Verantwortung der Architektinnen und Architekten?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Vergleich mit Theseus täuscht in einem entscheidenden Punkt. Eine Planke ist passiv; sie wird ersetzt. Eine Architektin oder ein Architekt entscheidet, welche Planke ersetzt wird, nach welchen Kriterien, und ob das neue Holz tragfähig ist. Genau hier liegt der Hebel der Profession.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die DIN EN ISO 19650 zur BIM-Informationsstruktur, die DIN 276 zur Kostenplanung sowie das Gebäudeenergiegesetz (GEG) in seiner aktuellen Fassung fordern dokumentierte, nachvollziehbare Entscheidungen. Eine generierte Variante ohne erklärbare Herleitung erfüllt diese Anforderung nicht. Die Verantwortung verlagert sich also vom Zeichenstift zur kuratierten Entscheidung. Pamela Nunez Wallgren und Jesper Wallgren von Finch beschreiben diese Verschiebung am selben Konferenztag als Wandel vom Architekten als Zeichner zum Architekten als Kurator von Systemen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Verschiebung hat regulatorische Folgen. Nach § 1 BauGB sowie den landesrechtlichen Bauordnungen, etwa Art. 3 BayBO, bleibt die menschliche Prüfung von Standsicherheit, Brandschutz und sozialer Verträglichkeit nicht nur ratsam, sondern verpflichtend. Wer eine KI-generierte Planung ohne fachliche Durchdringung einreicht, riskiert die Versagung der Baugenehmigung und im Schadensfall die persönliche Haftung nach BGB.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lernt das Schiff, ein besseres Schiff zu werden?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">An diesem Punkt setzt die zentrale These des Foster-Vortrags an. Das eigentliche Versprechen der Künstlichen Intelligenz in der Architektur liegt nicht in der Beschleunigung, sondern in der Fähigkeit, aus Tausenden Iterationen Erkenntnisse zu gewinnen, die ein einzelnes Büro in einem Berufsleben nicht sammeln könnte. Wenn jede ersetzte Planke datenseitig dokumentiert und ausgewertet wird, entsteht eine kollektive Werkstattlehre, die über das einzelne Projekt hinausweist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Voraussetzung dafür ist offene Dateninfrastruktur. Die Initiativen rund um BoHM von Büro Happold, die offene Datenebene von Speckle sowie der OpenBIM-Diskurs aus dem Hause HOK zeigen, dass eine herstellerunabhängige Datenebene technisch erreichbar ist. Ob sie auch ökonomisch und vertraglich tragfähig wird, entscheidet sich nicht in den Forschungsabteilungen der großen Büros, sondern bei den mittelständischen Architekturbüros, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Mehrheit der Projekte verantworten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Theseus kehrte am Ende nach Athen zurück, mit einem Schiff, dessen Identität die Philosophen über Jahrhunderte beschäftigte. Die Architektur des Jahres 2026 fährt in vergleichbar unsicherem Wasser, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied. Diese Mannschaft entscheidet selbst, welche Planken ersetzt werden, in welcher Reihenfolge, und nach welchen Werten. Das Ergebnis ist nicht vorbestimmt; es wird gebaut.</p>
<p><strong>Leserinformation</strong></p>
<p>Der Vortrag „The Ship of Theseus&#8220; von Martha Tsigkari, Senior Partner und Head of Applied R+D, sowie Sherif Tarabishy, Associate Partner und Design Systems Analyst, beide Foster + Partners, findet am 13. Mai 2026 auf der NXT BLD im Queen Elizabeth II Centre in London statt. Konferenztage sind der 13. und 14. Mai 2026. Programm und Tickets unter <strong><a href="https://nxtbld.com/" target="_blank" rel="noopener">nxtbld.com</a>.</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-schiff-des-theseus-wenn-ki-die-architektur-stueck-fuer-stueck-erneuert/">Das Schiff des Theseus: Wenn KI die Architektur Stück für Stück erneuert</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Bayerns Architekten verweigern die eigene Wahl: Beteiligung stürzt auf 29,87 Prozent</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 May 2026 10:32:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Bayerische Architektenkammer]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Kammerwahl 2026]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nur 29,87 % der bayerischen Architekten haben gewählt. Der BDA gewinnt 35 Sitze, klimawende:planen 13. Was bedeutet diese Legitimationskrise für die Berufspolitik?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art</strong> | Bayern · Berufspolitik · Kammerwahl 2026 | Mai 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">29,87 Prozent: Bayerns Architekten bestätigen den Verdacht</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wahl zur XIV. Vertreterversammlung der Bayerischen Architektenkammer hat am 5. Mai 2026 ihr Ergebnis gefunden, und es markiert einen historischen Tiefstand: 29,87 Prozent Wahlbeteiligung, ein Einbruch um über zwölf Prozentpunkte gegenüber der Wahl 2021. Von 25.993 wahlberechtigten Architektinnen und Architekten haben nur 7.763 ihre Stimme abgegeben. Damit hat sich der Befund, den die Redaktion von baukunst.art im April-Editorial <strong><a href="https://baukunst.art/wer-nicht-waehlt-darf-sich-nicht-wundern/">„Wer nicht wählt, darf sich nicht wundern“</a></strong> formuliert hatte, nicht nur bestätigt, sondern dramatisch verschärft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im April hatte die Redaktion an die 42 Prozent Beteiligung von 2021 erinnert und gewarnt, ein Berufsstand, der seine eigene Vertretung mehrheitlich ignoriere, könne sich nicht ernsthaft beklagen, wenn seine Interessen in der politischen Auseinandersetzung wenig Gewicht hätten. Die Zahlen vom 5. Mai zeigen jetzt: Nicht einmal mehr drei von zehn Mitgliedern sind dem Aufruf zur Wahl gefolgt. Sieben von zehn haben sich entschieden zu schweigen, und das im Vorfeld einer Legislaturperiode, in der über Reformen der HOAI, das Vergabetransformationsgesetz und die anstehende Novelle der Bayerischen Bauordnung (BayBO) entschieden wird.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was sagt eine Wahlbeteiligung von 29,87 Prozent über die Legitimation der Architektenkammer aus?</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Vertreterversammlung der Bayerischen Architektenkammer ist gemäß Artikel 22 des Baukammerngesetzes (BauKaG) das oberste Beschlussorgan einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie verhandelt mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, sie nimmt Stellung zur novellierten BayBO, sie steuert die Bayerische Architektenversorgung und legt die Beitragsordnung fest. All das geschieht im Auftrag von rund 26.000 Mitgliedern. Wenn aber nur 7.763 dieser Mitglieder die Vertretung legitimieren, fragt sich, mit welcher Autorität die Kammer auftritt, wenn sie gegenüber dem Freistaat Bayern oder dem Bund Position bezieht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die nüchterne Antwort: mit einer schwachen. Eine Vertretung, hinter der weniger als ein Drittel des Berufsstands steht, lässt sich politisch leichter relativieren als eine, die 70 Prozent der Mitglieder hinter sich versammelt. Wer in München, Berlin oder Brüssel die HOAI verhandelt, weiß: Die ByAK spricht laut Statistik für jeden zehnten Bauplaner Deutschlands. Sie spricht aber nicht mit dem Mandat aller, sondern mit dem Mandat der knapp 30 Prozent, die abgestimmt haben. Für die anstehende BayBO-Novelle, in der das verfahrensfreie Bauen weiter ausgeweitet werden soll, ist das ein konkreter politischer Nachteil.</p>
<h4 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Listen prägen jetzt die bayerische Berufspolitik?</strong></h4>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer wählt, gestaltet. <strong><a href="https://www.byak.de/aktuelles/newsdetail/kammerwahl-2026.html" target="_blank" rel="noopener">Das Ergebnis der Listenwahl</a></strong> macht klar, wer den Berufsstand in den nächsten fünf Jahren repräsentiert. Mit deutlichem Abstand stärkste Kraft ist der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA): 8.393 Stimmen, 35 von 125 Sitzen, drei der elf Vorstandssitze. Damit verfügt der BDA über mehr Sitze als die nächsten drei Listen zusammen. Eine derart deutliche Mehrheit war in den vergangenen Wahlperioden nicht zu beobachten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf Platz zwei folgt klimawende:planen mit 3.004 Stimmen und 13 Sitzen, ein Hinweis darauf, dass die ökologische Transformation der Baukultur in der Wahrnehmung der Wählenden offenbar an Gewicht gewonnen hat. Nahezu gleichauf liegen die Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten (bdla) mit ebenfalls 13 Sitzen. Die Liste 7 „Freischaffende Architekten“ erhielt 2.487 Stimmen und 10 Sitze, die Liste 6 „BauFrauen“ zog mit 2.053 Stimmen und 9 Sitzen ein und ist damit die stärkste explizit auf Geschlechtergerechtigkeit ausgerichtete Liste in der Geschichte der ByAK.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die Vorstandszusammensetzung. Acht der fünfzehn angetretenen Listen sind im elfköpfigen Vorstand vertreten, der BDA dreifach, die übrigen sieben Listen mit je einem Sitz. Das Ergebnis zeigt eine fragmentierte, aber breit aufgestellte Spitze, in der die großen freien Berufsverbände (BDA, bdla, bdia, Freischaffende) den Ton angeben, ergänzt um Themenlisten zu Klimaschutz, Geschlechtergerechtigkeit, Nachwuchs und öffentlichem Dienst. Die Architektenpolitik in Bayern ist damit pluraler geworden, ihre Beschlussfähigkeit wird in der Vertreterversammlung allerdings davon abhängen, ob sich Mehrheiten bilden lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wer wählt, wer schweigt?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer auf die Mikrostruktur der Wahlbeteiligung schaut, erkennt ein vertrautes Muster. Beamtete Architektinnen und Architekten haben zu 44,12 Prozent gewählt, Stadtplaner zu 45,66 Prozent, Landschaftsarchitekten zu 45,87 Prozent. Im Gegensatz dazu beteiligten sich freischaffend Tätige zu lediglich 29,17 Prozent, baugewerblich Tätige sogar nur zu 17,65 Prozent. Wer im öffentlichen Dienst arbeitet oder in einer Fachrichtung mit kleinerer, gut vernetzter Mitgliederbasis, der wählt häufiger. Wer im Tagesgeschäft eines Architekturbüros oder am Bau steht, also dort, wo HOAI-Reformen und Vergabeentscheidungen unmittelbar wirken, der schweigt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch geografisch bleibt die Beteiligung niedrig. Die Oberpfalz erreicht 30,45 Prozent, Oberbayern 30,40 Prozent, Schwaben mit 27,26 Prozent das Schlusslicht. Frauen wählten geringfügig häufiger als Männer (30,55 zu 28,69 Prozent). Ein Lichtblick ist die Wahl der Beratenden für Juniormitglieder: Hier lag die Beteiligung bei 32,6 Prozent, gewählt wurden vier Frauen, mit Antonia Rieß an der Spitze. Die Generation, die in den nächsten Jahrzehnten den Berufsstand tragen wird, zeigt also mehr demokratisches Engagement als der Durchschnitt der gestandenen Kollegenschaft. Das ist ein Signal, das in den Strategiegruppen der ByAK nicht überhört werden sollte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was die Kammer und der Berufsstand jetzt tun müssen</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Wahlergebnis ist nicht das Versagen der Bayerischen Architektenkammer, die professionell organisiert hat, mit Online-Wahl, Erinnerungsaktionen und transparenter Vorbereitung. Es ist der Befund eines Berufsstands, der seine demokratische Selbstvertretung schleifen lässt. Die ByAK hat in den nächsten Wochen vor allem zwei Aufgaben: Erstens, die mit dem schwachen Mandat verbundene Verhandlungsposition gegenüber Staatsministerium und Bundesgremien realistisch zu bewerten und sich nicht hinter formaler Repräsentativität zu verstecken. Zweitens, eine belastbare Strategie zu entwickeln, wie sie ihre Mitglieder beim nächsten Mal überhaupt erreicht, am Laptop, im Posteingang, in der täglichen Wahrnehmungslage zwischen Genehmigungsverfahren und Bauleitung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Berufsstand selbst sollte aus diesem Ergebnis ableiten: Wer die Rahmenbedingungen seines Berufs gestalten will, muss sich an deren Gestaltung beteiligen. Sonst gilt, was die Redaktion bereits im April formulierte: Wer nicht wählt, darf sich nicht wundern. Fünf Jahre Vertreterversammlung sind eine lange Zeit,für berufspolitische Entscheidungen die über die Zukunft unseres Berufstand entscheiden werden. Die XIV. Wahlperiode beginnt mit einem schwachen Mandat. Sie sollte mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme einhergehen, was Berufspolitik in Bayern in den nächsten fünf Jahren überhaupt noch erreichen kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/bayerns-architekten-verweigern-die-eigene-wahl-beteiligung-stuerzt-auf-2987-prozent/">Bayerns Architekten verweigern die eigene Wahl: Beteiligung stürzt auf 29,87 Prozent</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Der Pavillon der Selbstüberschätzung. Wie sich die 61. Venedig-Biennale aus eigenem Antrieb demontiert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 May 2026 07:37:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inspiration]]></category>
		<category><![CDATA[Premium]]></category>
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		<category><![CDATA[Kulturdiplomatie]]></category>
		<category><![CDATA[Kunstpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Rom-Statut IStGH]]></category>
		<category><![CDATA[Statuto Fondazione Biennale]]></category>
		<category><![CDATA[Venedig-Biennale 2026]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vier Tage vor Eröffnung steht die wichtigste Kunstausstellung der Welt ohne Jury, ohne Eröffnungsfeier und ohne Goldene Löwen da. Was als Kunstbiennale begann, ist zum kulturpolitischen Lehrstück geworden: Pietrangelo Buttafuoco wollte mit der Wiederzulassung Russlands Diplomatie betreiben, die Jury Farkas wollte mit dem Ausschluss Russlands und Israels Gericht halten, die Regierung Meloni wollte Kuratorin sein. Was übrig bleibt, ist ein Theater ohne Stück.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-pavillon-der-selbstueberschaetzung-wie-sich-die-61-venedig-biennale-aus-eigenem-antrieb-demontiert/">Der Pavillon der Selbstüberschätzung. Wie sich die 61. Venedig-Biennale aus eigenem Antrieb demontiert</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art </strong> /  Inspiration? / Mai 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stuart Stadler Architekt, Herausgeber baukunst.art</strong></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Krieg in der Lagune</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die 61. Internationale Kunstausstellung der Biennale di Venezia eröffnet am 9. Mai 2026 als institutionell beschädigte Veranstaltung: ohne Jury, ohne Eröffnungsfeier und ohne die traditionelle Vergabe der Goldenen Löwen zu Beginn. Damit hat eine Krise, die im März 2026 mit der Wiederzulassung Russlands begann, ihren vorläufigen Tiefpunkt erreicht. Die Vorgänge sind kein Streit mehr um eine einzelne Pavillon-Genehmigung. Sie sind das Lehrstück, was passiert, wenn eine Kunstinstitution sich anmaßt, internationale Politik zu machen, und wenn die internationale Politik sich anmaßt, über Kunst zu urteilen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Eskalation lässt sich präzise datieren. Im März meldete Russland nach vier Jahren Pause seinen Pavillon zur Biennale an, kuratiert durch Anastasija Kornejewa, Tochter eines russischen Rüstungsmanagers im Rang eines Geheimdienstgenerals und Geschäftspartnerin der Tochter von Außenminister Sergej Lawrow. Im April kündigten EU-Kulturkommissar Glenn Micallef und EU-Vizepräsidentin Henna Virkkunen an, der Fondazione Biennale Subventionen in Höhe von zwei Millionen Euro zu streichen, sollte Russland teilnehmen. Mitte April beschloss die Jury unter Vorsitz der brasilianischen Kunsthistorikerin Solange Farkas, sowohl Russland als auch Israel von der Preisvergabe auszuschließen, gestützt auf die Anklagen gegen Putin und Netanjahu vor dem Internationalen Strafgerichtshof. Die italienische Regierung entsandte daraufhin Inspektoren. Vergangene Woche trat die Jury geschlossen zurück, zum ersten Mal seit der Gründung der Biennale 1895. Die Eröffnungsfeier wurde abgesagt, die Goldenen Löwen werden Ende November als „Leoni dei Visitatori&#8220; durch Publikumsabstimmung vergeben.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie konnte aus einer Pavillon-Genehmigung ein kontinentaler Konflikt werden?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der zentrale Fehler liegt bei Pietrangelo Buttafuoco, dem von der Regierung Meloni im März 2024 eingesetzten Biennale-Präsidenten. Buttafuoco hat den Russland-Pavillon mit dem Argument einer „kulturellen Waffenruhe&#8220; verteidigt. Italiens Kulturminister Alessandro Giuli hat ihm vergangene Woche in „La Repubblica&#8220; vorgeworfen, eine „Vereinte Nationen der Kunst&#8220; konstruieren zu wollen und einer „pazifistischen Fantasie&#8220; erlegen zu sein. Bemerkenswert ist die Quelle dieser Kritik: Giuli und Buttafuoco kommen aus demselben politischen Lager. Eine Ablösung wird inzwischen offen diskutiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Vorwurf Giulis trifft, ungeachtet seiner parteipolitischen Motive, einen sachlichen Punkt. Eine Kunstinstitution kann sich nicht gleichzeitig als unabhängige Plattform und als außenpolitischer Akteur positionieren. Buttafuocos Berufung auf das Statuto der Fondazione Biennale, das Eingriffe in nationale Pavillon-Anmeldungen formal ausschließt, ist juristisch korrekt und politisch unbeholfen. Wer Russland 2026 zur Beteiligung einlädt, weiß, dass die kuratorisch Verantwortlichen Verbindungen in den Sicherheitsapparat haben. Wer das nicht weiß, sollte ein anderes Amt führen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet es, wenn eine Jury Außenpolitik betreibt?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Jury Farkas ist mit ihrem Ausschluss-Beschluss in dasselbe Loch gefallen, nur aus der entgegengesetzten Richtung. Sie hat die Künstlerinnen und Künstler in Sippenhaft für ihre Regierungschefs genommen. Im Fall Israels trifft das den jüdisch-rumänischen Künstler Belu-Simion Fainaru, dessen von Paul Celan inspirierte Installation „Rose of Nothingness&#8220; kein einziges Argument für Netanjahu vorträgt. Die Logik wird umso fragwürdiger, weil eine analoge Anwendung auf die USA, deren Präsident Krieg gegen Iran führt, unterblieb. Die Jury hat damit jene Glaubwürdigkeit beschädigt, die sie für ihre Preisvergabe gebraucht hätte. Ihr Rücktritt war konsequent. Die Lösung, die Goldenen Löwen durch Publikumsvotum zu vergeben, ist allerdings keine Lösung, sondern eine Kapitulation. Wer die Bewertung zeitgenössischer Kunst dem Publikum überlässt, schafft die Idee einer Fachjury ab. Das mag publikumstauglich sein. Mit der Funktion der Biennale als Bewertungsinstitution hat es nichts zu tun.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wo bleiben die anderen Pavillons?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während Russland und Israel die Schlagzeilen besetzen, geht unter, dass die übrigen Pavillons das Problem strukturell spiegeln. Südafrikas Kulturminister Gayton McKenzie hat den eigenen Beitrag im Januar 2026 mit der Begründung gestoppt, ein nationaler Pavillon dürfe „nicht dazu genutzt werden, spaltende globale Konflikte zu verstärken, die nicht Südafrikas eigene Geschichte in den Mittelpunkt stellen&#8220;. Das ist die einzige institutionell erwachsene Reaktion in diesem ganzen Vorgang. Iran nimmt nicht teil. Die USA werden vom bislang weitgehend unbekannten Bildhauer Alma Allen vertreten, kuratiert von der ehemaligen Hundefutter-Vertreterin Jenni Parido aus Tampa, eingesetzt durch Trumps Vertrauten Dan Scavino. Die ursprünglich vorgesehene Künstlerin Barbara Chase-Riboud hatte mit den Worten „Now is not the moment!&#8220; abgesagt, weil die neuen Richtlinien des US-Außenministeriums verlangen, dass Pavillon-Beiträge „amerikanische Werte fördern&#8220; und „den Exzeptionalismus der USA präsentieren&#8220;. Österreich lässt Florentina Holzinger im Pavillon „Seaworld Venice&#8220; Urintanks installieren, gefördert mit 600.000 Euro Steuermitteln des Bundes. Wer die Liste durchgeht, erkennt: Es ist nicht die Biennale, die in der Krise steckt. Es sind die Staaten, die sie beschicken.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was lernt die Architekturbiennale 2027 aus diesem Vorgang?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die 19. Internationale Architekturausstellung wird 2027 unter neuen Vorzeichen eröffnen. Eine Lehre lässt sich jetzt ziehen: Wer kuratorische Verantwortung mit politischer Diplomatie verwechselt, beschädigt beide. Die Biennale braucht einen Präsidenten, der den Unterschied zwischen einer Pavillon-Genehmigung und einem außenpolitischen Statement kennt. Sie braucht eine Jury, die ihre Bewertungsfunktion wahrnimmt, statt sich an politischen Sippenhaft-Begründungen zu beteiligen. Sie braucht Pavillons, die Kunst zeigen, nicht nationale Selbstinszenierung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die 61. Kunstausstellung wird stattfinden. Sie wird Besucher haben, sie wird Berichte produzieren, sie wird in der Kunstgeschichte verzeichnet bleiben. Sie wird aber auch das Datum markieren, an dem eine Institution ihre Funktion verloren hat, weil keiner der Beteiligten bereit war, seine eigene Rolle ernst zu nehmen. Der Präsident wollte Diplomat sein, die Jury wollte Gericht sein, die Politik wollte Kuratorin sein. Am Ende bleibt, was übrig bleibt, wenn alle ihre Posten verlassen: ein Theater ohne Stück. „In Minor Keys&#8220;, das Motto der Biennale, hat ungewollt eine zweite Bedeutung gewonnen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/der-pavillon-der-selbstueberschaetzung-wie-sich-die-61-venedig-biennale-aus-eigenem-antrieb-demontiert/">Der Pavillon der Selbstüberschätzung. Wie sich die 61. Venedig-Biennale aus eigenem Antrieb demontiert</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Münchens Ludwigstraße wird klimagerechter Saalplatz: Pariser Büro gewinnt Realisierungswettbewerb</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 May 2026 07:18:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Freiraumplanung]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaanpassung Innenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Landschaftsarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Ludwigstraße München]]></category>
		<category><![CDATA[Verkehrswende]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>München wagt den Umbau einer der bedeutendsten Prachtstraßen Europas: Aus sechs Fahrspuren werden zwei, aus einer Transitachse ein klimagerechter Saalplatz mit Baumhainen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>baukunst.art </strong> /  Regionales / Mai 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Verkehrswende auf Königsachse: München baut Ludwigstraße radikal um</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Von Stuart Stadler, Architekt VFA, Herausgeber baukunst.art</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">München, 5. Mai 2026</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ludwigstraße in München, eine der vier städtebaulich bedeutendsten Prachtstraßen der bayerischen Landeshauptstadt, wird zum begrünten Saalplatz mit Baumhainen umgebaut. Den freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb mit Ideenteil nach RPW 2013 hat das Pariser Büro MDP Michel Desvigne Paysagiste mit PCA-STREAM gewonnen, wie das Baureferat der Landeshauptstadt am 4. Mai 2026 mitteilte. Aus sechs Fahrspuren zwischen Brienner Straße und Oskar-von-Miller-Ring werden zwei. Aus einer Transitachse soll ein Aufenthaltsraum von welthistorischem Rang werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Preisgericht unter Vorsitz der Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer (BAK), tagte zweistufig: nach erster Sichtung am 13. Februar 2026 und einer Überarbeitungsrunde am 28. April 2026. Am Verfahren beteiligten sich zwölf nationale und internationale Büros. Den zweiten Preis erhielt TOPOTEK 1, Berlin (Martin Rein-Cano), den dritten ImI Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, Berlin. Anerkennungen gingen an studioB Landschaftsarchitektur, München, sowie an raum + zeit Landschaftsarchitektur Stadtplanung, Landshut.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Auftakt nahm der Wettbewerb mit einem Stadtratsbeschluss, der das Baureferat (Gartenbau) federführend mit der Auslobung beauftragte. Vorbereitet wurde das Verfahren gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und weiteren Fachreferaten der Landeshauptstadt. In Beteiligungsterminen wurden Ministerien und Bauämter des Freistaats, Anwohnerinnen und Anwohner, Gewerbetreibende, der Verband der Automobilindustrie, das Kreisverwaltungsreferat sowie der Festring München e. V. eingebunden. Die Auslobung verlangte explizit eine klimaverantwortliche Gestaltung bei gleichzeitiger Wahrung des denkmalgeschützten Erscheinungsbildes des Klenze-Gärtner-Ensembles.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie reagiert ein königliches Ensemble auf den Klimawandel?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ludwigstraße ist ein Gesamtkunstwerk des 19. Jahrhunderts. Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner planten die Achse zwischen Odeonsplatz und Siegestor von 1816 bis 1852 für Kronprinz, später König Ludwig I. Der eigens entwickelte Rundbogenstil, italienische Neurenaissance im Süden, Neuromanik im Norden, prägt die Straße bis heute. Sie steht unter Ensembleschutz nach Art. 1 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 6 des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes (BayDSchG); die Einzelbauten sind Baudenkmäler nach Art. 1 Abs. 2 BayDSchG.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau dieser Schutzstatus macht die Aufgabe heikel. Eingriffe in das geschützte Erscheinungsbild bedürfen der Erlaubnis der Denkmalschutzbehörde nach Art. 6 BayDSchG. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege war daher von Beginn an in die Wettbewerbsvorbereitung eingebunden. Grundlage der Entwürfe war eine vom Stadtrat beschlossene und mit dem Denkmalschutz abgestimmte Musterlösung zur Neuaufteilung der Verkehrsflächen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort des Pariser Siegerteams um Michel Desvigne und Philippe Chiambaretta liegt in einer scheinbar zurückhaltenden Geste. Die Verfasserinnen und Verfasser begreifen den Raum zwischen Klenzes und Gärtners Bauten nicht als zu möblierende Straße, sondern als großen städtischen „Saalplatz“ mit weitgehend durchgängigem Belag. Trittsteinartig verteilte, artenreiche Baumhaine setzen Akzente, ohne die axiale Wirkung des Ensembles zu zerschneiden. Die Jury hebt hervor, dass diese Hain-Inseln „inselartige, schattige und überwiegend unversiegelte Aufenthaltsbereiche“ schaffen, ohne die Lesbarkeit des historischen Stadtraums zu kompromittieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der zweitprämierte Entwurf von TOPOTEK 1 setzte demgegenüber auf eine stärker rhythmische Gliederung mit linear geführten Pflanzstreifen, die das Straßenbild taktweise unterteilen. Der Berliner Beitrag von ImI Levin Monsigny entwickelte einen eher gartenkünstlerischen Ansatz mit klar abgegrenzten Vegetationsfeldern. Beide Konzepte wurden von der Jury für ihre Schärfe gewürdigt, blieben aber im Vergleich zur trittsteinartigen Logik des Pariser Beitrags hinter dessen Balance aus städtebaulicher Großzügigkeit und mikroklimatischer Detailaufmerksamkeit zurück.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Signalwirkung hat das Verfahren für andere Städte?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Münchner Schritt ist mehr als eine lokale Verkehrsumplanung. Er ist ein Modellfall für die Frage, wie Deutschland mit dem Konflikt zwischen Denkmalschutz und Klimaanpassung umgeht. Die Vorgaben des Bundes-Klimaanpassungsgesetzes (KAnG) vom Juli 2024 und die Empfehlungen der DIN EN 17210 für barrierefreie und klimaresiliente öffentliche Räume verlangen genau jene Entsiegelung und Beschattung, die in steingeprägten Innenstadträumen am schwersten umzusetzen ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt der bauklimatische Druck. Der Deutsche Wetterdienst dokumentiert für süddeutsche Großstädte einen Anstieg der mittleren Jahrestemperatur seit Ende des 19. Jahrhunderts um etwa zwei Grad. Die Münchner Innenstadt zwischen Stachus und Odeonsplatz zählt nach Erhebungen des Referats für Klima- und Umweltschutz zu den am stärksten von Hitzeinseln betroffenen Bereichen Bayerns. Eine sechsspurige, weitgehend versiegelte Asphaltachse mitten im historischen Ensemble verstärkt diesen Effekt; jeder zusätzliche Quadratmeter Beschattung und Entsiegelung wirkt mikroklimatisch unmittelbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die institutionelle Choreographie des Verfahrens. Beteiligt waren das Baureferat (Gartenbau), das Referat für Stadtplanung und Bauordnung, das Kreisverwaltungsreferat, das Referat für Arbeit und Wirtschaft, das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, der Freistaat Bayern als Eigentümer mehrerer Liegenschaften sowie der Festring München e. V. wegen des Trachten- und Schützenzugs zum Oktoberfest. Die Verzahnung mit dem Umbau des Sperrengeschosses am U-Bahnhof Odeonsplatz durch SWM und MVG erlaubt zudem, Baulogistik und Oberflächenwiederherstellung in einem Zug zu denken, statt zweimal aufzureißen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Andrea Gebhard nennt im Jurykommentar einen „mutigen Schritt“, ein Ensemble von Weltrang so umzugestalten. Dieses Lob ist zugleich Benchmarkbildung. Wenn München es schafft, einen königlichen Repräsentationsraum vom Auto zurückzuerobern, sinkt die Hemmschwelle für Stuttgart, Dresden, Wiesbaden oder Leipzig, ähnliche Verfahren auf eigenen Achsen anzustoßen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritisch bleibt die Realisierungsphase. Die Reduktion von sechs auf zwei Fahrspuren ist nur möglich, weil seit 2025 der motorisierte Verkehr von Norden über den Oskar-von-Miller-Ring den Altstadtring direkt erreichen kann. Solche Vorbedingungen sind in anderen Städten nicht selbstverständlich gegeben. Im neu geordneten Querschnitt müssen Busverkehr, Radverkehr in Form des Radschnellwegs München-Garching, Anlieferung und Behindertenstellplätze koexistieren, ohne den Aufenthaltscharakter zu kannibalisieren. Hinzu kommt die offene Finanzierungsfrage: Konkrete Kostenangaben fehlen bislang, der Stadtrat soll erst auf Grundlage des Wettbewerbsergebnisses über das weitere Vorgehen entscheiden. Die HOAI 2021 (§§ 39 ff. für Freianlagen) liefert den Honorarrahmen, die Bauleistungen werden über die VOB/A in mehreren Losen ausgeschrieben werden müssen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die zweistufige Ausstellung der Wettbewerbsbeiträge, vom 26. Mai bis 7. Juni im Oskar-von-Miller-Forum und vom 9. bis 19. Juni in der Halle des Technischen Rathauses, signalisiert, dass das Verfahren nicht abgeschlossen, sondern eröffnet ist. Die eigentliche Probe steht bevor: die denkmalrechtliche Erlaubnis im Detail, die Verträglichkeit mit dem laufenden Trachten- und Schützenzug, die langfristige Pflege der neuen Baumhaine in einem klimatisch zunehmend mediterranen München.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was München mit Klenze, Gärtner und nun Desvigne wagt, ist die Übersetzung historischer Stadtbaukunst ins 21. Jahrhundert. Das denkmalgeschützte Ensemble bleibt Hauptdarsteller, der Raum davor wird vom Verkehrsapparat zur klimaresilienten Bühne der Stadtgesellschaft. Berlin hat mit der gescheiterten Verkehrsberuhigung der Friedrichstraße jüngst gezeigt, wie verfehlt eine schlecht koordinierte Umgestaltung wirken kann. München setzt dem ein dialogisch vorbereitetes, zweistufiges RPW-Verfahren mit eingebundenem Denkmalfachamt entgegen. Sollte die Realisierung gelingen, dürfte die Ludwigstraße zur Referenz für vergleichbare Projekte in der gesamten DACH-Region werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Wer zahlt, gewinnt: Über die stille Käuflichkeit der Architekturauszeichnungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2026 09:53:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturpreise]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[German Design Award]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Recherche des Spiegel rückt die Vergabepraxis großer Architektur- und Designpreise in ein neues Licht. Pay-to-win statt Qualitätsversprechen, und was das für die Berufspolitik bedeutet.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art </strong> /  Berufspraxis / Mai 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Pay-to-win bei Architekturpreisen: Was die Spiegel-Recherche zum Geschäftsmodell der Auszeichnungen aufdeckt</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Pay-to-win-Awards bezeichnen Architektur- und Designpreise, bei denen die Auszeichnung weniger durch unabhängige Jurybewertung entsteht als durch gestaffelte Teilnahme-, Nominierungs- und Servicegebühren der Preisträgerinnen und Preisträger. Genau dieses Modell hat eine Recherche von Verena Töpper im Spiegel vom 2. Februar 2026 in den öffentlichen Fokus gerückt; die Kernaussage fasst es nüchtern: Wer ausgezeichnet werden möchte, zahlt am Ende rund 2900 Euro. Der Befund trifft die Branche an einer empfindlichen Stelle, weil zugleich der Honorardruck nach der novellierten HOAI 2021 und der Marketingbedarf kleinerer Büros wächst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Zentrum der Recherche steht der German Design Award, vergeben vom Rat für Formgebung in Frankfurt am Main, dessen Award Show 2026 im Rahmen der Messe Ambiente stattfand. Bereits die Nominierungsgebühr liegt bei bis zu 590 Euro, weitere Kosten fallen nach einem möglichen Gewinn an. Ähnliche Strukturen finden sich beim Red Dot Award, beim iF Design Award, bei den ICONIC AWARDS, beim A+ Award und bei best architects.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie funktioniert das Geschäftsmodell der großen Designpreise?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Mechanik ist in der Branche seit Jahren bekannt, gerät aber durch die jüngste Berichterstattung in eine breitere Öffentlichkeit. Drei Stufen tragen das System: eine Anmelde- oder Nominierungsgebühr von rund 300 bis 600 Euro, eine sogenannte „Gewinnergebühr&#8220; von bis zu 2.800 Euro je Preiskategorie und 580 Euro Printkosten bei Publikation einer Nominierung, dazu weitere Posten für Trophäen und Galaeinladungen. Wer auf mehreren Auszeichnungsschienen mitläuft, zahlt schnell vierstellig pro Projekt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt eine ungewöhnlich hohe Auszeichnungsquote. Im Jahr 2014 wurden 90 Gewinner gekürt, im Jahr 2016 erhielten 42 Preisträger die höchste Auszeichnung. Der Designer und Buchautor Florian Pfeffer hat das Geschäftsprinzip früh analysiert: Designpreise dieses Zuschnitts lohnen sich vor allem für die Auslober. Erik Spiekermann, eines von zwölf Präsidiumsmitgliedern im Rat für Formgebung, hält dagegen, wer keine Teilnahmegebühr aufbringe, wolle ohnehin nicht am Markt erscheinen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Logik blendet die wirtschaftliche Realität kleiner und mittlerer Architekturbüros aus. Wer pro Projekt mehrere Tausend Euro für Auszeichnungssiegel aufbringen muss, verschiebt das Spielfeld zugunsten kapitalstarker Marken und Investorenarchitektur. Die Folge: Ein Gütesiegel verspricht Qualität, signalisiert aber zunehmend nur die Bereitschaft zur Beteiligung am Marketingsystem des Auslobers.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das für die Berufspolitik?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die berufspolitische Brisanz ergibt sich aus dem Spannungsverhältnis zum Standesrecht. Die Berufsordnungen der deutschen Architektenkammern, etwa die Berufsordnung der Bayerischen Architektenkammer, verpflichten zu Sachlichkeit in der Außendarstellung und untersagen anpreisende oder irreführende Werbung. Wenn eine Auszeichnung jedoch maßgeblich auf einer Geldzahlung beruht, stellt sich die Frage, ob das werbliche Tragen eines solchen Siegels noch dem Sachlichkeitsgebot entspricht. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) hat sich zu diesem Konflikt bislang nicht öffentlich positioniert; sie verweist auf eine vom Förderverein Bundesstiftung Baukultur e. V. ins Netz gestellte Liste von Architekturpreisen, ohne zwischen kostenfreien und gebührenfinanzierten Auszeichnungen zu unterscheiden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der zweite Hebel betrifft das Vergaberecht. Auftraggeber, vor allem im privaten Bereich, ziehen Awards in Eignungsprüfungen heran. § 75 Vergabeverordnung (VgV) verlangt für Planungsleistungen den Nachweis fachlicher Eignung; ausgezeichnete Referenzen ersetzen dabei häufig den teuren Wettbewerb nach RPW 2013. Wenn Auszeichnungen jedoch zur reinen Marketingressource degradieren, verzerrt das die Bewerberauswahl und benachteiligt jene Büros, die Honorarmittel lieber in Personalentwicklung oder Forschung investieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drittens berührt das Geschäftsmodell den Wettbewerb um Nachwuchs. Junge Architektinnen und Architekten ohne Eigenkapital lassen sich seltener nominieren. Damit reproduziert das System bestehende Ungleichgewichte und verfehlt den im Baukulturbericht 2024/25 der Bundesstiftung Baukultur formulierten Anspruch, Baukultur als gesamtgesellschaftliche Aufgabe sichtbar zu machen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Alternativen tragen die Berufspolitik?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Tragfähige Modelle existieren bereits. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und die Bundesarchitektenkammer haben 2023 erneut den Deutschen Architekturpreis verliehen, der ohne Teilnahmegebühr auskommt und mit Preisgeld dotiert ist. Der Mies van der Rohe Award for European Architecture wird im Rahmen des Programms Kreatives Europa der Europäischen Kommission und der Mies van der Rohe-Stiftung in Barcelona vergeben, ebenfalls kostenfrei. Auf Länderebene zeigt der Auszeichnungsweg „Beispielhaftes Bauen&#8220; der Bayerischen Architektenkammer, wie eine kammerinterne Würdigung durch Sachjurys ohne Gebühren funktioniert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Reformlinie für die Berufspolitik ergibt sich daraus in drei Punkten. Erstens sollten Bundesarchitektenkammer und Länderkammern eine Klassifizierung von Architekturauszeichnungen einführen, die zwischen unabhängig juriert-dotierten und gebührenfinanzierten Verfahren unterscheidet. Eine solche Liste böte Auftraggebern und Öffentlichkeit Orientierung. Zweitens ließe sich das Standesrecht präzisieren: Die Verwendung kostenpflichtiger Awards in der Außendarstellung könnte an Transparenzpflichten gebunden werden, etwa an die Angabe der bezahlten Gewinnergebühr. Drittens wäre eine staatliche Aufwertung des Deutschen Architekturpreises und der Landespreise sinnvoll, einschließlich angemessener Dotierung, um eine sichtbare öffentliche Alternative zum kommerziellen Awardmarkt zu setzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Spiegel-Recherche schafft das Momentum für diese Debatte. Sie öffnet ein Fenster, das sich schnell wieder schließt, wenn die Berufsvertretung nicht reagiert. Der Rat für Formgebung verteidigt sein Geschäftsmodell mit Hinweis auf Sichtbarkeit und Marketingnutzen; das ist legitim, solange das Modell als Marketinginstrument und nicht als unabhängige Qualitätsauszeichnung kommuniziert wird. Die Aufgabe der Berufspolitik liegt darin, diese Unterscheidung sichtbar zu machen und die ethischen Standards des Berufsstandes auch im Award-Wesen zu verankern. Andernfalls droht ein schleichender Vertrauensverlust, der am Ende nicht die Auslober trifft, sondern die gesamte Architektenschaft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wer-zahlt-gewinnt-ueber-die-stille-kaeuflichkeit-der-architekturauszeichnungen/">Wer zahlt, gewinnt: Über die stille Käuflichkeit der Architekturauszeichnungen</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Schrottimmobilien und Wohnungsmangel: Wenn Verfall zum Geschäftsmodell wird</title>
		<link>https://baukunst.art/schrottimmobilien-und-wohnungsmangel-wenn-verfall-zum-geschaeftsmodell-wird/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Apr 2026 08:51:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Problemimmobilien]]></category>
		<category><![CDATA[Stadterneuerung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungspolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Während der Wohnungsmangel Rekordstände erreicht, verfallen tausende Gebäude ungenutzt. Schrottimmobilien sind kein Randphänomen, sondern ein systemisches Problem mit politischer Sprengkraft.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art </strong> /  Gesellschaft / Mai 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Geschäft mit dem Verfall: Wie Schrottimmobilien den Wohnungsmarkt vergiften</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Schrottimmobilie ist ein bewohnbares oder ehemals bewohntes Gebäude, dessen Eigentümerinnen oder Eigentümer notwendige Instandsetzungen verweigern und damit gezielt einen baulichen Missstand erzeugen, der negativ auf das umgebende Quartier ausstrahlt. Diese Definition des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) trifft den Kern eines Phänomens, das in deutschen Städten seit Jahren wächst, während gleichzeitig der Wohnraum knapp wird wie nie zuvor.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Laut Pestel-Institut fehlten in Deutschland Ende 2024 rund 1,4 Millionen Wohnungen, allein in Nordrhein-Westfalen 376.000, in Bayern 233.000. Bis 2030 schätzt das Institut den Gesamtbedarf auf bis zu 2,4 Millionen neue Wohnungen. Im ersten Halbjahr 2025 wurden bundesweit jedoch nur etwa 110.000 Wohnungen genehmigt, weit entfernt vom politisch ausgegebenen Ziel der Bundesregierung von 400.000 jährlich. Parallel dazu steht laut Zensus 2022 eine siebenstellige Zahl von Wohnungen leer. Ein Teil dieser Bestände sind Schrottimmobilien, deren Inverkehrbringen ein politisch und juristisch zähes Geschäft ist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was sind Schrottimmobilien eigentlich und wer betreibt sie?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schrottimmobilien entstehen selten zufällig. In den Problemquartieren von Duisburg, Gelsenkirchen, Dortmund oder Essen, aber auch in Berliner und Leipziger Straßenzügen, hat sich ein Geschäftsmodell etabliert, das gezielt auf Verwahrlosung setzt. Häuser werden in heruntergekommenem Zustand günstig erworben, kaum oder gar nicht instandgehalten und an besonders prekäre Mieterinnen und Mieter weitervermietet, häufig an Empfangende staatlicher Sozialleistungen. Die Mieten werden direkt mit dem Jobcenter abgerechnet, in dokumentierten Fällen bis zu 42 Euro pro Quadratmeter, weit jenseits jeder ortsüblichen Vergleichsmiete.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Eigentümerstrukturen sind häufig verschachtelt. Briefkastengesellschaften im Ausland, schnell wechselnde Verwaltungen und schwer greifbare wirtschaftlich Berechtigte erschweren den kommunalen Zugriff. Die Bewohnerinnen und Bewohner leben dabei mit Schimmel, defekten Elektroleitungen, ausgefallenen Heizungen und überbelegten Räumen. Die nordrhein-westfälische Wohnungsaufsicht hat seit Einführung des Wohnungsaufsichtsgesetzes (WAG NRW) im Mai 2014 mehrere tausend Fälle bearbeitet, allein bis Ende 2016 rund 6.200. Heute wenden weit über 100 Kommunen das Gesetz aktiv an.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum verschärfen Schrottimmobilien den Wohnungsmangel?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Zusammenhang zwischen Verfallsbeständen und Wohnungsknappheit ist nicht trivial, aber real. Erstens werden Wohneinheiten dem Markt entzogen oder in einem Zustand gehalten, der unterhalb gesetzlicher Mindeststandards liegt: nach § 4 WAG NRW etwa neun Quadratmeter Mindestwohnfläche für Erwachsene, sechs Quadratmeter für Kinder, hell, trocken, beheizbar, mit funktionierenden sanitären Anlagen. Zweitens ziehen verwahrloste Liegenschaften Quartiere mit nach unten, vermindern die Investitionsbereitschaft benachbarter Eigentümerinnen und Eigentümer und blockieren so städtebauliche Aufwertungsprozesse, die zusätzlichen Wohnraum schaffen könnten. Drittens binden sie kommunale Ressourcen, von Ordnungsbehörde über Bauaufsicht bis hin zur Sozialarbeit, die anderswo fehlen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ökonomisch wirkt das Phänomen wie ein doppelter Schaden. Während das Pestel-Institut den Wohnungsmangel bereits als Wachstumsbremse identifiziert, weil Unternehmen in angespannten Märkten kaum noch Fachkräfte rekrutieren können, drücken Schrottimmobilien zugleich die soziale Stabilität ganzer Stadtteile. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) verweist in ihren wohnungspolitischen Stellungnahmen regelmäßig auf den Zusammenhang von baulicher Substanzqualität und sozialem Zusammenhalt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche rechtlichen Werkzeuge stehen den Kommunen zur Verfügung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Instrumentarium ist breiter, als die öffentliche Debatte oft vermuten lässt. § 177 Baugesetzbuch (BauGB) erlaubt Modernisierungs- und Instandsetzungsgebote, § 176 BauGB ein Baugebot bei unbebauten oder mindergenutzten Grundstücken, § 179 BauGB sogar ein Rückbaugebot. Die in mehreren Bundesländern existierenden Wohnungsaufsichtsgesetze, neben Nordrhein-Westfalen auch in Berlin, Bremen, Hessen und Hamburg, ergänzen diese städtebaulichen Instrumente um eine ordnungsrechtliche Schiene. Bußgelder bis 50.000 Euro, Unbewohnbarkeitserklärungen und Räumungen sind möglich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit dem 2026 in den Landtag eingebrachten Faires-Wohnen-Gesetz geht Nordrhein-Westfalen einen Schritt weiter. Vorgesehen ist eine Treuhandverwaltung bei beharrlicher Missachtung von Sanierungsauflagen sowie, als ultima ratio, die Enteignung. Beides gilt als juristisches Novum im Wohnungsbereich und wird absehbar gerichtlich überprüft werden. Kritikerinnen und Kritiker, darunter die kommunalen Spitzenverbände, weisen auf die ungeklärte Finanzierung hin: Treuhänder kosten Geld, ebenso die Übernahme sanierungsbedürftiger Bausubstanz durch öffentliche Hand.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bauordnungsrechtlich greifen die jeweiligen Landesbauordnungen, in Bayern die BayBO, ergänzend bei Gefahr für Leib und Leben, etwa über § 76 BayBO (Anordnungen). Steuerlich diskutiert wird seit Längerem die Einführung einer Zweckentfremdungsabgabe auf Bundesebene, die bislang nur durch landesrechtliche Zweckentfremdungsverbotsgesetze in Bayern, Berlin, Hamburg und weiteren Ländern abgebildet ist.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was lehrt der Blick auf Duisburg-Marxloh und Gelsenkirchen-Ückendorf?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Beide Quartiere gelten als Lehrbeispiele. Duisburg hat seit 2014 mehrere Schrottimmobilien für unbewohnbar erklärt und in Einzelfällen abgerissen. Gelsenkirchen verzeichnete 2018 allein 354 WAG-Anwendungsfälle. Die Erfolge sind real, aber begrenzt. Wo eine Liegenschaft saniert oder beseitigt wird, taucht das Geschäftsmodell oft im Nachbarstraßenzug wieder auf. Der Bundesrechnungshof und mehrere Landesrechnungshöfe haben wiederholt angemahnt, dass ohne abgestimmtes Vorgehen aus Bauaufsicht, Sozialbehörden, Steuerverwaltung und Polizei das System Schrottimmobilie kaum dauerhaft zu zerschlagen sei.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektonisch und städtebaulich ergibt sich daraus eine doppelte Aufgabe. Erstens braucht es Konzepte für die Reaktivierung von Bestandsgebäuden, die häufig substanziell wertvoll sind, etwa gründerzeitliche Mietshäuser mit hoher Geschossflächenzahl in zentralen Lagen. Zweitens erfordert die soziale Mischung in Problemquartieren bauliche Antworten, die über reine Sanierung hinausgehen: durchmischte Erdgeschosszonen, gemeinschaftliche Außenräume, barrierefreie Erschließungen nach DIN 18040-2, energetische Ertüchtigung im Rahmen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG).</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Bestand vor Neubau</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Wohnungsmangel lässt sich nicht allein durch Neubau lösen. Genehmigungszahlen, Bauzinsen und Materialkosten sprechen gegen kurzfristige Effekte. Umso wichtiger wird die Aktivierung problematischer Bestände. Schrottimmobilien sind dabei kein moralisches Randthema, sondern ein wohnungspolitischer Hebel, dessen Nutzung sowohl rechtliche Konsequenz als auch städtebauliche Sorgfalt erfordert. Das bedeutet, kommunalen Behörden ausreichend personelle und finanzielle Mittel an die Hand zu geben, gesetzliche Lücken zu schließen, etwa bei der Eigentümerermittlung über das Geldwäschegesetz und das Transparenzregister, und die Sanierung über Förderprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sowie der Wohnraumförderung der Länder gezielt zu unterstützen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer den Wohnungsmangel ernst nimmt, kommt an der Schrottimmobilie nicht vorbei. Sie ist Symptom und Ursache zugleich, juristisches Problem und gestalterische Aufgabe. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die neuen Werkzeuge des Faires-Wohnen-Gesetzes mehr sind als ein politisches Signal.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Neues Terminal 3 am Frankfurter Flughafen: Die Neue Nationalgalerie lässt grüßen</title>
		<link>https://baukunst.art/neues-terminal-3-am-frankfurter-flughafen-die-neue-nationalgalerie-laesst-gruessen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Apr 2026 08:03:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Mäckler]]></category>
		<category><![CDATA[Mies van der Rohe]]></category>
		<category><![CDATA[Terminal 3 Frankfurt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vier Milliarden Euro, 21 Jahre Bauzeit, eine 18 Meter hohe Glashalle: Christoph Mäcklers Terminal 3 verbeugt sich vor Mies van der Rohes Neuer Nationalgalerie.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>baukunst.art </strong> /  Meinung / Mai 2026</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Geniales Zitat oder ehrgeizige Kopie? Das Terminal 3 fordert die Moderne heraus</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das am 22. April 2026 eröffnete Terminal 3 am Frankfurter Flughafen ist die größte privatwirtschaftliche Hochbauleistung, die Deutschland in den vergangenen drei Jahrzehnten realisiert hat, und zugleich ein Bekenntnis zur klassischen Moderne, das ausgerechnet von einem ihrer profiliertesten Kritiker stammt. <strong><a href="https://chm.de" target="_blank" rel="noopener">Christoph Mäckler,</a></strong> sonst entschiedener Anwalt der europäischen Stadt mit Putzfassade und Steildach, hat in Frankfurt eine 18 Meter hohe Glashalle gebaut, deren formaler Bezug auf <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Nationalgalerie" target="_blank" rel="noopener">Mies van der Rohes Neue Nationalgalerie</a></strong> unverkennbar ist. Wer das Bauwerk betritt, sieht den Berliner Universalraum von 1968 wiederkehren, hochskaliert ins Rechteckige. Das ist die eigentliche Pointe dieses Vier-Milliarden-Euro-Projekts.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Worum geht es bei Terminal 3 wirklich?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf rund 361.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche sollen jährlich bis zu 19 Millionen Fluggäste abgefertigt werden, langfristig sind 25 Millionen vorgesehen. Drei Piers (G, H und J), 21 Sicherheitskontrollspuren mit CT-Scannern, rund 100 Check-in-Schalter, ein 6.000 Quadratmeter großer „Marktplatz&#8220;, 99 Aufzüge und ein eigenes Parkhaus mit 8.500 Stellplätzen bilden das funktionale Programm. Die Tragwerksplanung verantwortet das Frankfurter Büro Bollinger und Grohmann, die markante Tropfendecke der zentralen Halle stammt vom Stuttgarter Büro LAVA, eine raumgreifende Kunstinstallation steuert Julius von Bismarck bei. Der Spiegel kommentierte zur Eröffnung, hier baue Deutschland endlich wieder, wie es schon immer bauen wollte: effizient, präzise, verlässlich. Die FAZ nannte die Check-in-Halle ein „geniales Plagiat&#8220; der Neuen Nationalgalerie. Das Online-Portal BauNetz sprach hingegen von „Anmaßung&#8220;. Beide Reaktionen sind verständlich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Verständlich ist die Begeisterung, weil Terminal 3 in Zeiten der BER-Hängepartien und Stuttgart-21-Endlosgeschichten als Beleg gilt, dass deutsche Großprojekte funktionieren können. Das stimmt allerdings nur eingeschränkt. Ursprünglich war die Eröffnung für 2022 geplant, sie verschob sich um vier Jahre, die Kosten stiegen von einst kommunizierten 2,5 auf rund vier Milliarden Euro, und der ehemals geplante vierte Pier ist vorerst gestrichen. Verständlich ist auch die Skepsis, denn ein Frankfurter Stadtbaukünstler, der jahrzehntelang gegen „Glas- und Blechkisten&#8220; anredet, baut nun selbst die größte Glaskiste der Republik.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum greift Mäckler ausgerechnet auf Mies zurück?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort steckt in der Bauaufgabe. Ein Terminal ist kein Wohnquartier in Frankfurt-Westend, das nach Main-Sandstein und gefasster Lochfassade verlangt. Ein Terminal ist ein Stützengewölbe für tausende Menschen in Bewegung. Wo Mäckler sonst Kontext, Material und Ortsbezug einfordert, gibt es hier nichts als das Vorfeld, die Rollwege und den Himmel. Der Universalraum, den Mies van der Rohe in Berlin als skulpturale Setzung isoliert hatte, findet in Frankfurt endlich seine eigentliche Funktion: als Schwelle zwischen Stadt und Welt. Insofern ist die Referenz weniger Plagiat als typologisch zwingend.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch genau hier beginnt die Kritik. Eine 155 mal 82 Meter große Halle mit kreuzförmigen Stahlstützen und überkragendem Raumtragwerk ist kein neutrales Zitat. Sie ist eine Geste, die sich an der Schaffenshöhe eines der wirkmächtigsten Architekten der Moderne bemisst. Wer das Erbe der Neuen Nationalgalerie in dieser Größe aufruft, muss es auch tragen können. Mies hatte in Berlin ein Quadrat von 50 mal 50 Metern, geometrisch perfekt, mit acht Stützen unter einem einzigen Dach. Mäckler hat in Frankfurt das Dreifache, dazu einen Knick im unteren Drittel der raumhohen Fassadenverglasung zur Aufnahme von Windlasten, eine Tropfendecke, eine Kunstinstallation, Retail-Flächen und ein Wegeleitsystem für 19 Millionen Passagiere. Das Ergebnis ist beeindruckend, aber nicht souverän. Es ist Mies in der Vergrößerung, nicht Mies im Nachvollzug. Sein Universalraum war nie eine Frage der Quadratmeter, sondern der inneren Konsequenz. Er duldet keine Möblierung, keine Zwischennutzung, keine Tropfendecke. Er hält genau das aus, wofür er entworfen wurde, und nichts darüber hinaus.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das für die deutsche Architekturpraxis?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drei Beobachtungen lassen sich festhalten. Erstens: Die These, Christoph Mäckler stehe für eine traditionalistische Gegenposition zur Moderne, ist mit Terminal 3 erledigt. Wer einen Funktionsbau dieser Größenordnung gestalten muss, kommt am modernen Erbe nicht vorbei. Die Frage ist nur, ob man es virtuos einsetzt oder lediglich auf eine Größenordnung skaliert, in der die ursprüngliche Proportion verloren geht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zweitens: Komplexität und Honorarstruktur solcher Projekte sind mit den Leistungsbildern nach § 15 HOAI nur noch unter Einsatz hochspezialisierter Generalplaner-Strukturen zu bewältigen. Ein Bauwerk dieser Größenordnung, geplant über 21 Jahre und nach einem mehrstufigen Wettbewerb (2002 Foster and Partners im Ideenwettbewerb, 2005 Mäckler im Realisierungswettbewerb), gehört in die Hand eines Großbüros mit eigenständiger Projektsteuerung, nicht eines klassischen Stadtbaukunst-Ateliers. Mäckler hat das mit der Tochtergesellschaft CHM Airport organisatorisch abgebildet. Das ist klug, verändert aber die Rolle des Architekten grundlegend, weg vom gestaltenden Autor, hin zum Steuermann eines Planungsapparats.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drittens: Nachhaltigkeit. Terminal 3 wirbt mit reduziertem Energiebedarf, und auf der Gebäudeebene ist das nach den Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) plausibel. Die ökologische Wahrheit eines Flughafenneubaus liegt allerdings nicht im Gebäude, sondern im Geschäftsmodell. Jeder zusätzliche Sitzplatz im Linienverkehr produziert Tonnen CO2, gleich wie effizient die Klimaanlage läuft. Das Terminal nach DIN 276 zu kalkulieren und nach GEG zu bilanzieren, ist Pflicht. Den ökologischen Fußabdruck des Wachstumsversprechens auf 25 Millionen Passagiere zu verschweigen, ist Marketing.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bleibt die Frage nach dem architektonischen Bleibewert. Terminal 3 wird sehr wahrscheinlich gut altern. Die Tropfendecke von LAVA ist eine eigenständige Setzung, die Materialwahl in den Marktbereichen wirkt im Bestand wertig, die Wegeführung ist klar, die Hallen sind tageslichtdurchflutet. Wer aus München, Berlin oder Wien anreist, wird den Vergleich mit den Heimatflughäfen suchen und Frankfurt nicht hintenanstellen. Das ist viel, gemessen an dem, was deutsche Verkehrsbauten der vergangenen zwei Jahrzehnte abgeliefert haben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch es ist auch nicht alles. Die Schaffenshöhe der klassischen Moderne lag in der Spannung zwischen Reduktion und Idee. Mies in Barcelona, Brno und Berlin, Le Corbusier in Marseille, Kahn in Dhaka: Jeder dieser Bauten hat das Programm, das ihn umgab, infrage gestellt. Terminal 3 stellt nichts infrage. Es bestätigt das Wachstumsversprechen des Luftverkehrs, des Flughafenbetreibers Fraport und einer Architektur, die sich an den großen Vorbildern misst, ohne deren Radikalität einzulösen. Die Neue Nationalgalerie lässt grüßen, ja. Aber sie schmunzelt dabei.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Drei bis fünf Prozent: Was der Iran-Krieg für deutsche Bauherren wirklich bedeutet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Apr 2026 07:47:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Baukosten]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik Regelwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Iran-Krieg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Drei bis fünf Prozent teurer seit Kriegsbeginn: Der Iran-Konflikt verschärft die strukturelle Krise am Bau. Die Berufspolitik steht unter sichtbarem Zugzwang.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong>baukunst.art </strong> /  Politik / Berufspraxis</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Iran-Krieg: Baukosten für Hausbau steigen um bis zu fünf Prozent</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Baukosten für konventionelle Wohngebäude in Deutschland liegen seit Beginn des Iran-Krieges um drei bis fünf Prozent höher als zuvor; Treiber sind energieintensiv hergestellte Materialien wie Stahl, Beton und Dämmstoffe sowie deutlich gestiegene Logistikkosten. Diese Größenordnung wird im April 2026 vom Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen, vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) und vom Bauindustrieverband HDB übereinstimmend bestätigt. Aus berufspolitischer Sicht stellt sich damit weniger die Frage nach dem Befund als nach dem Instrumentenkasten: Welche Werkzeuge haben Kammern, Verbände und Bundesregierung kurzfristig zur Hand?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausgangslage ist angespannt. Schon in den Jahren 2024 und 2025 stiegen die Baupreise laut Statistischem Bundesamt um jeweils rund drei Prozent. Das Defizit am Wohnungsmarkt liegt bei rund einer Million Einheiten, einzelne Erhebungen sprechen von bis zu 1,4 Millionen. Für 2026 werden lediglich 215.000 bis 222.000 Fertigstellungen erwartet, weit unterhalb des Regierungsziels von 400.000 Einheiten pro Jahr. In dieser Lage wirkt der Krieg, so Bauministerin Verena Hubertz (SPD) im ARD-Morgenmagazin, wie ein Brennglas auf vorhandene strukturelle Probleme.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wer trägt die Mehrkosten am Bau?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Regelfall bleibt das Risiko zunächst bei den Auftragnehmenden. Werkverträge nach BGB und VOB/B sehen Festpreise vor; Stoffpreisgleitklauseln sind außerhalb öffentlicher Vergaben die Ausnahme. Tim-Oliver Müller vom HDB berichtete von Preissteigerungen bei Diesel um rund 25 Prozent und bei Bitumen, dem auf Erdöl basierenden Bindemittel im Asphalt, um etwa 36 Prozent innerhalb eines Monats. Eine belastbare Kalkulation ist unter diesen Bedingungen kaum noch möglich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Architektenschaft heißt das: Bauherrenberatung wird zur Risikodisziplin. Wer in laufenden Projekten in Leistungsphase 6 und 7 der HOAI Vergaben vorbereitet, sollte Stoffpreisgleitklauseln, Bauzeitenpuffer und Mehrkostenanzeigen nach § 650b BGB systematisch prüfen. Festpreisangebote über lange Realisierungszeiträume sind unter aktuellen Bedingungen wirtschaftlich kaum belastbar. Mehrere Architektenkammern raten zu klar dokumentierten Risikohinweisen gegenüber Bauherrenschaften, auch zur Begrenzung eigener Haftungsrisiken nach den Grundsätzen der Aufklärungs- und Beratungspflicht.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche berufspolitischen Antworten formieren sich?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundesarchitektenkammer (BAK) und die Länderkammern bekräftigen ihre Forderung nach planbaren Rahmenbedingungen. Drei Themen stehen im Zentrum: die Beschleunigung des sogenannten Bau-Turbos, der Gebäudetyp E nach den Plänen des Bundesbauministeriums sowie eine Modernisierung der HOAI in Richtung leistungsgerechter Honorierung. Ministerin Hubertz hat einen Gesetzesentwurf zum Gebäudetyp E bis Sommer 2026 angekündigt; er soll vereinfachtes Bauen ohne sogenannte Goldstandards ermöglichen. Aus Sicht vieler Architektinnen und Architekten birgt das Chancen, etwa beim Verzicht auf überzogene Schallschutz- oder Komfortnormen, zugleich aber Haftungsrisiken, solange das Verhältnis zu den anerkannten Regeln der Technik nicht abschließend geklärt ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf europäischer Ebene bleibt die Umsetzung der EU-Gebäudeenergieeffizienzrichtlinie (EPBD) ein Reizthema. Höhere Sanierungsquoten und ambitionierte Effizienzanforderungen treffen auf eine Branche, die an Materialknappheit und Personalengpässen laboriert. Die Architektenkammern fordern, dass die Anforderungen aus dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) und der EPBD-Umsetzung mit den realen Marktverhältnissen abgeglichen werden. Eine starre Fortschreibung von Effizienzklassen, ohne Rücksicht auf Kostenrealität und Lieferketten, droht den Neubau weiter abzuwürgen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was tut die Politik kurzfristig?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bundestag hat am 24. April 2026 einen zweimonatigen Tankrabatt beschlossen, der die Energiesteuer auf Kraftstoffe ab Mai senken soll. Ob die Entlastung in der Baulogistik ankommt, ist nach Einschätzung des ADAC offen. Für die soziale Wohnraumförderung stehen 2026 rund vier Milliarden Euro im Bundeshaushalt bereit. Parallel arbeitet die Koalition an einer Reform des Mietrechts; der Kabinettsbeschluss zur GEG-Novelle ist für den 13. Mai 2026 geplant.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus berufspolitischer Sicht reicht das nicht. Die Bayerische Architektenkammer und mehrere Schwesterkammern haben in den vergangenen Wochen erneut auf die Schieflage zwischen Anforderungsdichte und Honorarstruktur hingewiesen. Die HOAI in der Fassung von 2021 bildet den gestiegenen Aufwand bei Nachhaltigkeitsnachweisen, Lebenszyklusberechnungen nach DIN 276 und DIN 277 sowie energetischen Optimierungen nur unzureichend ab. Wenn Mehrkosten bei Material und Logistik auf statische Honorartafeln treffen, wird die wirtschaftliche Tragfähigkeit kleiner und mittlerer Büros zur Existenzfrage.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Konsequenzen ergeben sich für die Berufspraxis?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die einzelne Berufsträgerin und den einzelnen Berufsträger zeichnen sich drei Handlungsebenen ab. Erstens die Vertragsgestaltung: Architektenverträge sollten Mehraufwand bei Umplanungen wegen Materialwechseln klar regeln, mit präziser Abgrenzung zwischen Grundleistungen der HOAI und gesondert vergüteten Besonderen Leistungen. Zweitens die Kommunikation: Frühzeitige Hinweise auf Marktrisiken, dokumentiert in Protokollen und Aktenvermerken, sind kein Misstrauensvotum gegenüber den Bauherrenschaften, sondern Teil der Beratungspflicht. Drittens die kollektive Interessenvertretung: Mitwirkung in Kammergremien, Vergabeausschüssen und Stellungnahmeverfahren entfaltet derzeit mehr Wirkung als Einzelinitiativen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) verweist auf einen weiteren Effekt: Sinkende Kaufkraft durch hohe Energiepreise reduziert den Spielraum privater Bauherrenschaften zusätzlich. Die Gemeinnützigen Bauvereinigungen rechnen erst ab 2027 mit einer spürbaren Erholung, vorausgesetzt, der Bau-Turbo greift und die Zinsentwicklung lässt es zu.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Krieg im Iran wird die strukturelle Krise des deutschen Wohnungsbaus nicht verursachen, aber sichtbar verschärfen. Die berufspolitischen Werkzeuge, von der HOAI-Reform über den Gebäudetyp E bis zu einer realistischen GEG-Fortschreibung, liegen auf dem Tisch. Ihre Wirksamkeit entscheidet darüber, ob in Deutschland in zwei Jahren wieder unter belastbaren Rahmenbedingungen geplant und gebaut werden kann; oder ob die Branche den nächsten geopolitischen Schock mit denselben Defiziten erlebt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/drei-bis-fuenf-prozent-was-der-iran-krieg-fuer-deutsche-bauherren-wirklich-bedeutet/">Drei bis fünf Prozent: Was der Iran-Krieg für deutsche Bauherren wirklich bedeutet</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Wer nicht wählt, darf sich nicht wundern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 12:05:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Editorial]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Ein Berufsstand, der über seine eigene Vertretung kaum abstimmt, kann nicht ernsthaft beklagen, dass seine Interessen nicht vertreten werden.“</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wer-nicht-waehlt-darf-sich-nicht-wundern/">Wer nicht wählt, darf sich nicht wundern</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>baukunst.art</strong>  |  Kategorie: Editorial / Berufspolitik</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Wer schweigt, verliert: Das demokratische Versagen eines Berufsstands</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Editorial über das organisierte Desinteresse eines Berufsstands – und seine Folgen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">In Bayern läuft gerade eine Kammerwahl. 25.000 Architekten sind wahlberechtigt. Bei der letzten Wahl haben 42 Prozent abgestimmt – das gilt im bundesweiten Vergleich als gutes Ergebnis. In Berlin waren es 2021 noch 21 Prozent. Der Bundesschnitt dürfte irgendwo dazwischen liegen. Das ist kein bayerisches Problem. Das ist ein Problem des gesamten deutschen Berufsstands. Und es ist höchste Zeit, es so zu benennen.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der Anlass: Bayern. Der Befund: Deutschland.</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 30. April 2026 schließt die Wahlurne zur Vertreterversammlung der Bayerischen Architektenkammer. 125 Sitze, fünf Jahre, und die Möglichkeit, die Berufspolitik eines der größten Bundesländer aktiv mitzugestalten. Wer gewählt wird, entscheidet mit über Kammerbeiträge, Stellungnahmen zu Vergaberecht und HOAI, Fortbildungsordnungen, Nachwuchsprogramme, Positionen zur Bauordnung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ich schreibe dieses Editorial als jemand, der bei dieser Wahl kandidiert – Liste 7, Freischaffende Architekten. Das sage ich ausdrücklich, weil ich nicht so tun möchte, als hätte ich kein persönliches Interesse. Ich habe es. Und trotzdem – oder genau deshalb – ist das, was ich gleich schreibe, nicht als Wahlwerbung gemeint. Es ist ein Befund über einen Berufsstand, den ich seit über dreißig Jahren kenne und dem ich mich zugehörig fühle.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern ist der Anlass. Aber der Befund ist bundesweit gültig. Und er ist unbequem.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Zahlen</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern 2021: 42 Prozent Wahlbeteiligung bei der Kammerwahl. Die Kammer bezeichnete das als „tolle Wahlbeteiligung“. 14.000 von 25.000 Wahlberechtigten haben nicht abgestimmt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Berlin 2021: 21,88 Prozent. Drei von vier Kammermitgliedern haben geschwiegen. Nach 31,75 Prozent im Jahr 2017 war das ein weiterer Rückgang.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hessen: Bei der letzten Kammerwahl stimmten rund 36 Prozent ab. Auch das gilt nicht als schlechtes Ergebnis.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zum Vergleich: Die Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen liegt regelmäßig über 75 Prozent. Bei Landtagswahlen zwischen 55 und 70 Prozent. Die Menschen, die für ihren Bundestag oder Landtag zur Urne gehen, sind zu großen Teilen dieselben, die bei der Kammerwahl zu Hause bleiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">„Ein Berufsstand, der über seine eigene Vertretung kaum abstimmt, kann nicht ernsthaft beklagen, dass seine Interessen nicht vertreten werden.“</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das Paradox</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ich höre die Klagen. Ich führe sie selbst. Die HOAI, deren Mindestsätze das EuGH-Urteil 2019 zu Fall brachte. Das Vergabetransformationsgesetz, das Generalunternehmer begünstigt und Planungsleistungen bündelt. Die neue BayBO, die Vorhaben verfahrensfrei stellt, für die bisher ein Architekt Pflicht war. Das serielle Bauen, das politischen Rückenwind bekommt und dabei die gestalterische Kompetenz des Berufsstands tendenziell aus dem Prozess drängt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">All das sind reale Bedrohungen. Und für alle gilt: Sie werden in Gremien entschieden. In Ministerien, die mit Kammern verhandeln. In Parlamenten, die Kammern anhören. In Verbandsgremien, die Stellungnahmen einreichen. Und die Kammern, die das tun, sind umso wirkungsmächtiger, je größer ihre demokratische Legitimation ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Vertreterversammlung, hinter der 75 Prozent der Mitglieder stehen, spricht mit einer anderen Autorität als eine, hinter der 25 Prozent stehen. Das ist keine theoretische Überlegung. Das ist Realpolitik.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Und trotzdem: Zwei Drittel bis drei Viertel der Kammermitglieder stimmen nicht ab. Und klagen dann über Ergebnisse, die sie hätten mitgestalten können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum viele nicht wählen – und was das über die Kammern sagt</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ich möchte hier nicht moralisieren. Wer nicht wählt, hat dafür Gründe. Meistens ist es keine politische Überzeugung, sondern ganz pragmatisch: Zeitmangel. Die Wahlunterlagen lagen auf dem Schreibtisch, wurden zweimal zur Seite gelegt, und dann war die Frist vorbei.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das sagt aber auch etwas über die Kammern selbst. Wenn der Berufsstand die Wahl als nicht dringlich genug empfindet, um sich zehn Minuten Zeit zu nehmen – dann hat die Kammer ein Kommunikations- und Relevanzproblem. Eine Organisation, die ihre Mitglieder nicht von der Wichtigkeit ihrer eigenen Wahl überzeugt, muss sich fragen, warum das so ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Teil der Antwort liegt in der Struktur. Kammerpolitik ist kleinteilig, technisch, langsam. Die Wirkung einer Abstimmung im Juni ist in der Berufspolitik vielleicht erst in zwei Jahren spürbar – wenn überhaupt. Das ist weit weg vom Projektalltag eines Freischaffenden, der mit Genehmigungsbehörden kämpft, Honorare verhandelt und Bauherrenbriefe schreibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Trotzdem ist die Folge klar: Wer nicht wählt, überlässt das Feld denjenigen, die wählen.</strong> Und die sind – strukturell bedingt – öfter in größeren Büros angesiedelt, haben mehr Zeit für ehrenamtliches Engagement, sind in Verbänden organisiert, die Wahllisten aufstellen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was auf dem Spiel steht</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf <strong>baukunst.art</strong> haben wir in den vergangenen Wochen drei Analysen veröffentlicht, die zeigen, wie ernst die Lage ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Erstens: <strong><a href="https://baukunst.art/das-schweigen-der-kammern/" target="_blank" rel="noopener">Die Kammern wissen nicht, wie Bauherren Architekten finden</a></strong>. Keine einzige systematische Erhebung in Deutschland, Österreich oder der Schweiz hat diese Frage je beantwortet. Wer den Markt seiner Mitglieder nicht kennt, kann ihn nicht vertreten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zweitens: <strong><a href="https://baukunst.art/baukunst-unter-druck-warum-der-berufsstand-der-architektinnen-und-architekten-an-einem-scheideweg-steht/" target="_blank" rel="noopener">Der Berufsstand steht unter dreifachem Druck</a></strong> – HOAI, Vergaberecht, BayBO. Drei Entwicklungen, die sich überlagern und kleine, freischaffende Büros härter treffen als große.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drittens: <strong><a href="https://baukunst.art/das-stille-sterben-des-berufswissens/" target="_blank" rel="noopener">Bis 2035 werden im DACH-Raum rund 25.000 freischaffende Architekten ihre Büros schließen</a></strong> – ohne Nachfolge, ohne Archiv, ohne dass das in Jahrzehnten aufgebaute konstruktive und gestalterische Wissen irgendwo gesichert wird. Die Kammern haben dafür kein Programm.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">All diese Themen gehören in die Vertreterversammlung. In die Strategiegruppen. In die Vorstandssitzungen. Dort, wo Berufspolitik tatsächlich gemacht wird. Und dorthin gelangt nur, wer von den Mitgliedern gewählt wird. Von Mitgliedern, die wählen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was ich mir wünsche – als Architekt, nicht als Kandidat</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ich wünsche mir, dass dieser Berufsstand aufhört, seine demokratische Mitbestimmung als lästige Pflicht zu behandeln. Dass Kammerwahlen so selbstverständlich werden wie die nächste Bauherrenbesprechung. Dass die Frage „Haben Sie schon abgestimmt?“ unter Kollegen genauso normal ist wie „Wie läuft die Baustelle?“</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ich wünsche mir, dass die Kammern selbst aktiver werden in der Frage, warum ihre Mitglieder nicht wählen. Dass Wahlbeteiligung nicht als Erfolgsmerkmal gilt, wenn sie über 40 Prozent liegt, sondern als Versagen, wenn sie unter 70 Prozent bleibt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Und ich wünsche mir, dass die nächste Generation freischaffender Architektinnen und Architekten die Kammern als ihr Werkzeug begreift – nicht als Verein, der Beiträge einzieht, und auch nicht als Bürokratie, die Formulare verwaltet, sondern als die Organisation, die ihre Rahmenbedingungen gestaltet. Wenn und nur wenn sie sich darum kümmert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eine Bitte zum Schluss</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Bayern läuft die Wahl noch bis 30. April 2026. In anderen Bundesländern sind die nächsten Kammerwahlen in den kommenden Jahren. Die Daten variieren, die Frist variiert – die Logik bleibt dieselbe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wählen Sie. Informieren Sie sich, welche Liste Ihre Themen vertritt. Und dann: Wählen Sie.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht für mich. Für den Berufsstand.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stuart Stadler, München, April 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Der Autor kandidiert bei der laufenden Kammerwahl Bayern auf Liste 7 – Freischaffende Architekten</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>Aisthesis, kann man das lernen?</title>
		<link>https://baukunst.art/aisthesis-kann-man-das-lernen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Apr 2026 17:10:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Bologna-Erklärung]]></category>
		<category><![CDATA[Freihandzeichnen Regelwerke: EU-Berufsqualifikationsrichtlinie 2005/36/EG]]></category>
		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrnehmung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15849</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wahrnehmung gilt vielen als Talent. Doch Bauhaus, ETH, TUM und die Baukunst Sommerakademie in Ebbs zeigen: Architektonische Aisthesis lässt sich lehren, wenn man sie übt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/aisthesis-kann-man-das-lernen/">Aisthesis, kann man das lernen?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong>  |  AUSBILDUNG / April 2026</p>
<h2>Aisthesis, das Spüren von Raum, gilt als unlehrbar. Stimmt nicht. Bauhaus, TUM und die Sommerakademie in Ebbs zeigen, wie Wahrnehmung trainiert wird.</h2>
<p>Aisthesis bezeichnet die sinnliche Wahrnehmung als eigenständige Erkenntnisform, und sie ist in der Architekturausbildung lehrbar, allerdings nur unter bestimmten didaktischen Bedingungen. Der Begriff geht auf Alexander Gottlieb Baumgarten zurück, der ihn 1750 in seiner „Aesthetica&#8220; als Gegenpol zur rationalen Logik etablierte. Für Architektinnen und Architekten beschreibt Aisthesis jene Fähigkeit, Raum, Material, Licht, Akustik und Proportion nicht nur zu denken, sondern zu spüren. Wer ein Gebäude entwirft, muss antizipieren, wie es sich anfühlt, darin zu stehen. Genau diese Kompetenz gilt vielen Lehrenden als schwer vermittelbar, manchen sogar als unlehrbar.</p>
<h3>Was meint Aisthesis in der Architektur konkret?</h3>
<p>Peter Zumthor nennt es Atmosphäre, Juhani Pallasmaa spricht in „Die Augen der Haut&#8220; von der leiblichen Basis des Sehens, Gernot Böhme von leiblicher Anwesenheit. Gemeint ist dasselbe: die Erfahrung eines Raums, bevor er interpretiert wird. Eine steinerne Schwelle klingt anders als eine hölzerne. Ein nach Norden belichteter Zeichensaal fühlt sich anders an als einer mit Südlicht. Diese Unterschiede lassen sich messen, aber sie wirken vor allem präreflexiv. Die architektonische Aisthesis umfasst damit die Gesamtheit sinnlicher Qualitäten, die ein Bauwerk trägt, und zugleich die geschulte Fähigkeit, diese Qualitäten zu lesen und zu erzeugen.</p>
<p>In der klassischen Beaux-Arts-Schule wurde Aisthesis durch langes Kopieren antiker Vorbilder geübt. Der Bauhaus-Vorkurs unter Johannes Itten, Josef Albers und László Moholy-Nagy setzte ab 1919 auf systematische Material- und Wahrnehmungsstudien. Studierende ertasteten Oberflächen mit verbundenen Augen, analysierten Kontraste, komponierten Klangräume. Die Methode wirkt heute aktueller als viele digitale Lehrformate.</p>
<h3>Lässt sich sinnliche Wahrnehmung überhaupt unterrichten?</h3>
<p>Die Antwort fällt differenziert aus. Wahrnehmung selbst ist biologisch gegeben, ihre Schulung jedoch erlernbar. Das zeigen Arbeiten zur Expertiseforschung, unter anderem die Studien von Anders Ericsson an der Florida State University, die belegen, dass Fachleute in Musik, Medizin oder Sensorik feinere Unterschiede wahrnehmen als Laien. Der Unterschied entsteht durch wiederholte, bewusst reflektierte Praxis. Übertragen auf die Architektur heißt das: Wer tausende Räume durchschritten, hundert Materialien befühlt und Dutzende Baustellen besucht hat, urteilt anders als jemand, der sich allein auf Renderings verlässt.</p>
<p>Die Bundesarchitektenkammer (BAK) verweist in ihrem Jahresbericht 2024 darauf, dass praxisnahe Lehrformate in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen haben. Gleichzeitig kritisiert der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) wiederholt, der Bologna-Prozess habe die zeitlichen Freiräume für genau jene Übungen beschnitten, die sinnliche Kompetenz aufbauen. Das Bachelor-Master-System verkürzt Entwurfsphasen, verdichtet Module und reduziert die Möglichkeiten für Exkursionen, Modellbau und handwerkliche Versuche. Die EU-Berufsqualifikationsrichtlinie 2005/36/EG schreibt zwar mindestens vier Jahre Vollzeitstudium für die Architektenanerkennung vor, doch die inhaltliche Ausgestaltung bleibt den Hochschulen überlassen.</p>
<h3>Welche Methoden funktionieren heute?</h3>
<p>Drei Ansätze haben sich als besonders wirksam erwiesen. Erstens das analoge Handwerk: An der Accademia di architettura Mendrisio, gegründet 1996 unter Mario Botta, gilt der Modellbau als Kernfach. Studierende bauen im Maßstab 1:50 und 1:20, teils in Gips, Holz oder Beton. Die taktile Erfahrung prägt den späteren Entwurfsblick. Zweitens die Reise: Die ETH Zürich integriert seit Jahrzehnten ausgedehnte Exkursionen in ihre Curricula, von japanischen Teehäusern bis zu skandinavischen Kirchen. Drittens das Zeichnen von Hand: An der Technischen Universität München (TUM) wurde das Fach Freihandzeichnen nach einer Phase der Vernachlässigung wieder gestärkt, weil der analoge Stift das Sehen schult wie kein Bildschirm.</p>
<p>Digitale Werkzeuge ersetzen diese Methoden nicht, sie ergänzen sie. Entscheidend bleibt die Verankerung im Körperlichen. Genau an dieser Nahtstelle setzt die <strong><a href="https://baukunst.art/akademie/sommerakademie-auf-schloss-wagrain/" target="_blank" rel="noopener">Baukunst Sommerakademie 2026 auf Schloss Wagrain</a> </strong>in Ebbs an. Vom 6. bis 17. Juli führen drei Blöcke Architektinnen und Architekten in die Tiroler Alpen, zu Weiterbildung mit bis zu 22 Kammerpunkten je Block. Im ersten Block leitet Prof. Michael Holze von der Berliner Hochschule für Technik (BHT) einen Workshop, der exemplarisch zeigt, wie analoge und digitale Wahrnehmungsschulung zusammengehen können. Thema ist die florale Freihandskizze und ihre Übersetzung in das digitale Bild. Teilnehmende zeichnen zunächst vor Ort, mit Bleistift und Aquarell, und überführen die Ergebnisse anschließend in KI-gestützte Bildprozesse. Die analoge Erfahrung bleibt dabei Ausgangspunkt, nicht Zitat.</p>
<p>Dieses Format macht sichtbar, was viele Hochschulen aus Zeitgründen nicht mehr leisten: eine kontinuierliche, mehrstufige Übung des Sehens. Ergänzt wird der Zeichenworkshop durch eine kuratierte Exkursion zum Festspielhaus Erl, wo Altbau und Neubau im direkten Dialog stehen. Die Kombination aus Skizze, Baustellenbesuch, Fachdiskussion und Konzertbesuch folgt einer einfachen Logik. <strong>Wahrnehmung braucht Rhythmus, nicht Taktung</strong>.</p>
<h3>Die Rolle der Lehrenden</h3>
<p>Aisthesis lehren heißt, Lernumgebungen zu schaffen, in denen Wahrnehmung überhaupt stattfinden darf. Wo Stundenpläne jeden Leerraum füllen, schrumpft die Fähigkeit zur Aufmerksamkeit. Der Architekturhistoriker Werner Oechslin hat in seinen Lehrveranstaltungen an der ETH gezeigt, wie ein einzelner Stich, lange betrachtet, mehr lehrt als ein ganzer Bildvortrag. Die Methode heißt verlangsamtes Sehen. Sie widerspricht dem Tempo digitaler Plattformen, aber sie bildet die Grundlage jeder architektonischen Aisthesis.</p>
<p>Für kleinere Hochschulen und private Bildungsangebote ergibt sich daraus eine Chance. Formate wie Sommerakademien, Meisterklassen oder Studienreisen können nachholen, was im regulären Curriculum zu kurz kommt. Die Bundesstiftung Baukultur fördert solche Formate seit ihrer Gründung 2007. Auch die Baukunst Akademie verfolgt dieses Ziel, indem sie Wahrnehmungsschulung, analoges Zeichnen und digitale Werkzeuge in einem durchgehenden didaktischen Bogen zusammenführt.</p>
<h3>Schlussbetrachtung</h3>
<p>Aisthesis ist lehrbar, aber nur durch Zeit, Körper und Material. Kein Algorithmus ersetzt den Moment, in dem eine Architektin zum ersten Mal begreift, warum ein Raum von Carlo Scarpa anders wirkt als eine Kopie davon. Genauso wenig ersetzt ein Prompt den Widerstand eines Bleistifts auf Papier. Wer Architektinnen und Architekten ausbildet, sollte diesen Moment nicht dem Zufall überlassen, sondern ihn kuratieren. In einer Disziplin, die zunehmend von Datenmodellen und Normenkatalogen bestimmt wird, bleibt Aisthesis das unverzichtbare Gegengewicht. Sie ist das, was Architektur von Bauwirtschaft unterscheidet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<h3 class="text-text-100 mt-2 -mb-1 text-base font-bold"><a href="https://baukunst.art/akademie/sommerakademie-auf-schloss-wagrain/">Baukunst Sommerakademie 2026 auf Schloss Wagrain</a></h3>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]">Ort: Schloss Wagrain, Schlossallee 25, 6341 Ebbs in Tirol</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]">Termine: <strong><a href="https://baukunst.art/kurse/sommerakademie-block-1/" target="_blank" rel="noopener">Block 1</a> </strong>vom 6. bis 9. Juli 2026, <strong><a href="https://baukunst.art/kurse/sommerakademie-block-2/" target="_blank" rel="noopener">Block 2</a></strong> vom 10. bis 13. Juli 2026, <strong><a href="https://baukunst.art/kurse/sommerakademie-block-3/" target="_blank" rel="noopener">Block 3</a></strong> vom 14. bis 17. Juli 2026. Alle Blöcke sind einzeln oder in Kombination buchbar.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]">Anerkennung: bis zu 22 Kammerpunkte je Block in deutschen Architektenkammern, Zertifikat und qualifizierte Teilnahmebescheinigung.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]">Kosten: 1.200 Euro je Block zzgl. MwSt., 1.080 Euro zzgl. MwSt. für Mitglieder des <strong><a href="https://baukunst.art/foerderverein/" target="_blank" rel="noopener">Baukunst Fördervereins</a>.</strong> Unterkunft und Verpflegung nicht enthalten, Sonderkonditionen in ausgewählten Hotels und Pensionen in Ebbs und Umgebung.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]">Anmeldung und Information: Baukunst Akademie, Stuart Stadler, <a class="underline underline underline-offset-2 decoration-1 decoration-current/40 hover:decoration-current focus:decoration-current" href="mailto:akademie@baukunst.art"><strong>akademie@baukunst.art</strong></a>, Telefon +49 171 813868. Programmübersicht und Anmeldung unter baukunst.art/akademie/sommerakademie-auf-schloss-wagrain.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Bauen im Hochgebirge: Die ZV Tirol hebt Hochgurgl zum Forum der Alpenarchitektur</title>
		<link>https://baukunst.art/bauen-im-hochgebirge-die-zv-tirol-hebt-hochgurgl-zum-forum-der-alpenarchitektur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Apr 2026 18:14:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die ZV Tirol lädt zum Auftakt eines neuen Symposiumsformats nach Hochgurgl: „Bauen im Hochgebirge“ versammelt am 19. Juni 2026 internationale Architekturbüros auf 2.000 Metern Seehöhe.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong> / Regionales</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Jenseits der Waldgrenze: Wer plant die Zukunft der Alpen?</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bauen im Hochgebirge bezeichnet das Planen und Errichten baulicher Anlagen unter extremen topografischen, klimatischen und ökologischen Bedingungen des alpinen Raums, in der Regel oberhalb von 1.500 Metern Seehöhe. In Tirol regeln die Tiroler Bauordnung 2022 (TBO 2022) und das Tiroler Raumordnungsgesetz 2022 (TROG 2022) diese anspruchsvolle Bauaufgabe. Mit dem neuen Symposiumsformat „ZVplus“ hebt die Zentralvereinigung der Architekt:innen Österreichs (ZV) genau dieses Thema in den Mittelpunkt ihres Auftaktes 2026. Am 19. Juni 2026 empfängt der Hangar des Heliports Hochgurgl, auf über 2.000 Metern Seehöhe im hinteren Ötztal gelegen, führende Architekturbüros, Ingenieurgesellschaften und Vertreter aus Bauwirtschaft, Politik und Verwaltung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Symposium, organisiert von der ZV Tirol unter dem Vorstandsduo Rainer Noldin und Alexander Topf, steht in Kooperation mit der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino. Diese grenzüberschreitende Einbindung ist kein Dekor, sondern Programm. Die Herausforderungen des alpinen Bauens enden nicht am Brenner oder am Reschenpass, und die Antworten auf Klima, Lawinen, Hangwasser und Freizeitwirtschaft sind in Innervillgraten ähnlich wie in Rasen-Antholz oder im Fleimstal zu finden. Die Liste der Vortragenden spiegelt diesen Anspruch: Snøhetta, Herzog &amp; de Meuron, MoDus Architects, Stifter + Bachmann, dreiplus Architekten, ao-architekten, Merz Kley Partner und Schnetzer Puskas Ingenieure gehören zu den einschlägigen Häusern des alpinen und urbanen Planens. Ergänzt werden sie durch Doris Hallama und Armin Neurauter aus der Tiroler Szene sowie Heli Austria als operativer Stimme der Hochgebirgslogistik. Harald Pechlaner von der EURAC Bozen vertritt die tourismusgeografische Perspektive.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum braucht der Alpenraum ein eigenes Symposiumsformat?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Hochgebirge ist in bauplanerischer Hinsicht ein Sonderraum. Schneelasten nach ÖNORM B 1991-1-3 erreichen in exponierten Lagen Werte, die die Tragwerksplanung in jeder Dimension dominieren. Die Temperaturgradienten zwischen winterlichen Tiefstwerten und sommerlicher UV-Belastung setzen Hüllkonstruktionen und Materialien unter Dauerbeanspruchung. Wasser ist zugleich knapp und gefährlich: Schmelzwasserführung, Murgänge und Lawinen prägen den Bauplatz. § 3 Abs. 2 TBO 2022 verlangt deshalb, dass auf Grundstücken mit Gefährdung durch Lawinen, Hochwasser, Wildbäche, Steinschlag oder Erdrutsch ein ausreichender Schutz gewährleistet sein muss, häufig über Sicherheitskonzepte und aktuelle Gefahrenzonenpläne. Zugleich ist der alpine Raum ökologisch sensibler als jedes städtische Biotop. Vegetation, die auf 2.000 Metern durch ein Fundament gestört wird, erholt sich nicht in einer Bauzeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommen die Strukturen der Tiroler Raumordnung. Mit der Novelle LGBl. Nr. 62/2022 wurde das Vorgehen gegen Freizeitwohnsitze, Chaletdörfer und Beherbergungsgroßbetriebe verschärft. Die Diskussion, was ein Hochgebirge noch verträgt und wer in ihm wohnen darf, wird dadurch nicht leiser. Bergbauernhaus, Bergstation, Schutzhaus, Schihütte, Hotel, Spital, Kapelle, Kraftwerksbau: Kaum eine andere Region in Europa versammelt auf so kleinem Raum eine solche Bandbreite typologischer Antworten. Dass die Zentralvereinigung, die älteste Vereinigung architekturschaffender Personen in Österreich, diesen Fragen ein eigenes Symposium widmet, ist folgerichtig. Die ZV wurde 1907 gegründet und zählt heute über 700 Mitglieder. Sie vergibt seit 1967 den österreichischen Bauherr:innenpreis und ist Gründungsmitglied der Architekturstiftung Österreich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Rahmen gelten oberhalb der Waldgrenze?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Oberhalb der Waldgrenze greifen mehrere Regelungsebenen ineinander. Auf Landesebene regeln die Tiroler Bauordnung 2022 und das Tiroler Raumordnungsgesetz 2022 die Zulässigkeit von Bauvorhaben. Technisch einschlägig sind die Richtlinien des Österreichischen Instituts für Bautechnik, die OIB-Richtlinien 1 bis 6, die die Anforderungen an Tragfähigkeit, Brandschutz, Hygiene, Nutzungssicherheit, Schallschutz und Energieeinsparung bundesweit harmonisieren. Für den Energienachweis gilt die OIB-Richtlinie 6 in der aktuellen Fassung, die auch für Hochlagengebäude einzuhalten ist, obwohl die heizgradspezifischen Randbedingungen auf 2.000 Metern ganz andere sind als in Innsbruck-Pradl. Überlagert wird die bauliche Ebene durch die Alpenkonvention und ihr Protokoll „Raumplanung und nachhaltige Entwicklung“, das für die Vertragsstaaten verbindlich ist und als Referenzrahmen jeder regionalen Planung dient.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Südtirol kommen das Landesgesetz für Raum und Landschaft (Lg 9/2018) und die entsprechenden Durchführungsverordnungen hinzu, im Trentino die Provinzialbauvorschriften. Die Euregio Tirol-Südtirol-Trentino ist deshalb mehr als eine symbolische Klammer. Grenzüberschreitende Projekte wie Schutzhütten oder Versorgungsinfrastrukturen sind in der Praxis mit unterschiedlichen, teils widersprüchlichen Rechtslagen konfrontiert. Genau hier setzt das Symposium an. Der Dialog zwischen Architekturbüros mit internationalem Auftritt, regionaler Bautradition und ingenieurseitiger Expertise soll Kriterien schärfen, die sich weder in Förderlinien noch in Normenpaketen allein abbilden lassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass die Veranstaltung im Hangar eines Heliports stattfindet, ist eine bewusste Setzung. Der Hubschrauber ist im Hochgebirge nicht Luxus, sondern Grundlage jedes ernsthaften Bauprozesses: Materialtransport, Rettung, Medizin, Schutzbauten. Wer auf 2.000 Metern plant, plant von der Luftlogistik her. Die Einbindung der Heli Austria verankert die Diskussion in der operativen Realität. Dass Snøhetta, deren hochgelegenes Restaurant „Under“ ebenso wie ihre Schutzhüttenprojekte international Maßstäbe gesetzt haben, in einer Reihe mit Herzog &amp; de Meuron auftritt, ist programmatisch. Beide Büros stehen für eine Architektur, die sich der Topografie nicht unterwirft, sondern mit ihr verhandelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ebenso aufschlussreich ist die Präsenz der Ingenieurbüros. Schnetzer Puskas aus Basel und Merz Kley Partner aus Dornbirn repräsentieren eine Tragwerkskultur, die den modernen Holzbau in den Alpen wesentlich mitgeprägt hat. Der Holzhybridbau ist hier keine Modeerscheinung, sondern bauphysikalische Notwendigkeit: kurze Transportwege, hohe Vorfertigungstiefe, geringe Eigenlasten. Stifter + Bachmann aus Brixen und MoDus Architects aus Bozen bringen die südtirolerische Perspektive ein, dreiplus Architekten und ao-architekten die Tiroler Bauten entlang der Talachsen. Über das Architekturforum aut in Innsbruck und die Kammer Arch+Ing Tirol und Vorarlberg ist die Runde berufsständisch rückgekoppelt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass mit Merz Kley Partner ein Dornbirner Büro in der Runde sitzt, rückt eine zweite Traditionslinie in den Fokus, die als Gegenpol zur Tiroler Entwicklung nicht unterschätzt werden darf: die Vorarlberger Baukünstler. Seit den 1960er Jahren haben Roland Gnaiger, Hans Purin, später Hermann Kaufmann, Dietmar Eberle und Wolfgang Ritsch im Rheintal eine Schule des strengen, handwerklich fundierten und materialehrlichen Bauens etabliert, die international Schule gemacht hat. Sie stützt sich auf eine kleinteilige Genossenschafts- und Gemeindekultur, auf flächendeckend eingesetzte Gestaltungsbeiräte und auf die ZV Vorarlberg unter Wolfgang Ritsch und Ursula Ender, die mit dem Projekt „Architektur in Vorarlberg“ bis 2026 eine eigene englischsprachige Fassung beim Verlag Edition DETAIL vorlegt. Tirol hingegen hat seine Baukultur über Jahrzehnte stärker entlang der Tourismusachse Kitzbühel-Sölden-Ischgl entwickelt, mit hoher Volumina- und Freizeitwohnsitzproblematik, die erst die Novelle LGBl. Nr. 62/2022 zum Thema Chaletdörfer und Beherbergungsgroßbetriebe systematisch angeht. Wenn in Hochgurgl beide Linien aufeinandertreffen, wird das Symposium vom Fachdialog zur überfälligen Konfrontation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, Übernachtung vor Ort möglich, Tickets in Kürze über <strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://kupfticket.com/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://kupfticket.com</a></span></span></strong> . Die Kuratierung liegt bei der ZV selbst, was eine fachlich unabhängige Gesprächsführung ohne unmittelbare Sponsoreninteressen verspricht. Für die Tiroler Baukultur, die zwischen Massentourismus, demografischen Schieflagen und hoher architektonischer Ambition oszilliert, ist ein solches Forum überfällig. Parallel laufende Initiativen wie die Auszeichnung des Landes Tirol für Neues Bauen 2026, deren Einreichfrist mit dem 19. Juni 2026 zusammenfällt, schärfen den Blick zusätzlich. Ob das Format tragfähig genug ist, sich als jährliches Observatorium des alpinen Planens zu etablieren, wird sich am 20. Juni 2026 entscheiden, wenn die Teilnehmer den Rückflug ins Tal antreten. Der Auftakt aber liegt hoch und richtig platziert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Baukunst unter Druck: Warum der Berufsstand der Architektinnen und Architekten an einem Scheideweg steht</title>
		<link>https://baukunst.art/baukunst-unter-druck-warum-der-berufsstand-der-architektinnen-und-architekten-an-einem-scheideweg-steht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 11:43:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[#Zukunftarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Architektinnen und Architekten kämpfen um ihre Existenz: Honorardumping, Regulierungsabbau und serielles Bauen bedrohen Baukultur und Berufsstand gleichermaßen. Unterstützen Sie diese Initiative</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Wie ein EU-Urteil, Fertigbaulobby und Bürokratieabbau den Berufsstand der Architektinnen und Architekten in die Existenzfalle treiben</em></h1>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Fundament bröckelt</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer ein Haus baut, braucht soliden Grund. Was für Gebäude gilt, trifft auf Berufe ebenso zu – und der Berufsstand der Architektinnen und Architekten steht gegenwärtig auf erschüttertem Terrain. Drei Entwicklungen überlagern sich dabei auf unglückliche Weise: das <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">EuGH-Urteil zur HOAI</strong> aus dem Jahr 2019, das <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Vergabetransformationsgesetz</strong> mit seiner Tendenz zur Generalübernehmervergabe sowie Erleichterungen in der seit dem 1. Januar 2025 gültigen Fassung der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">bayerischen Bauordnung (BayBO)</strong>, die bestimmte Bauvorhaben nun verfahrensfrei stellt – Vorhaben, die bisher zwingend eine Architektin oder einen Architekten erforderten. Zusammen ergeben diese drei Entwicklungen eine Gemengelage, die in ihrer Konsequenz den Berufsstand strukturell gefährdet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rund vierzig Jahre Berufspraxis lehren eines: Architektinnen und Architekten haben schon manchen Sturm überstanden. Die HOAI-Novellen der Vergangenheit, die Digitalisierungswelle, der BIM-Umbruch – jedes Mal gelang die Anpassung. Doch das EuGH-Urteil vom 4. Juli 2019 (Rechtssache C-377/17) trifft tiefer. Der Europäische Gerichtshof erklärte die verbindlichen Mindest- und Höchstsätze der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Honorarordnung für Architektinnen und Architekten sowie Ingenieurinnen und Ingenieure</strong> für unvereinbar mit europäischem Recht. Das Gericht sah im Wesentlichen eine unzulässige Beschränkung des freien Dienstleistungsverkehrs – und ließ dabei weitgehend unbeantwortet, wie Planungsqualität anderweitig gesichert werden soll.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Honorardumping als Systemrisiko</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Folgen zeigen sich im Alltag kleiner und mittlerer Büros mit erschreckender Deutlichkeit. Ohne verbindliche Mindestsätze gerät jede Honorarverhandlung zum Pokerspiel, bei dem Bauherrinnen und Bauherren naturgemäß das stärkere Blatt halten. Wer als Einzelkämpfer oder kleines Büro antritt, hat gegen Generalübernehmer mit eigenen Planungsabteilungen strukturell das Nachsehen. Das <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Vergabetransformationsgesetz</strong>, das die Vergabe von Bauvorhaben an Generalübernehmende begünstigt, verschärft diesen Wettbewerbsnachteil zusätzlich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Vergleich mit anderen Freiberuflern drängt sich auf: Niemand käme auf die Idee, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten zu untersagen, sich auf ein Mindesthonorar zu berufen. Der Gesetzgeber erkennt dort an, dass Qualität ihren Preis hat und Preisdumping letztlich zu Lasten der Mandantschaft geht. Bei Planungsleistungen gilt diese Logik offenbar nicht – obwohl die Konsequenzen schlecht geplanter Gebäude deutlich sichtbarer sind als die eines schlecht formulierten Schriftsatzes.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Seriell und modular: Fortschritt oder Verdrängung?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Parallel dazu gewinnt das <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">modulare und serielle Bauen</strong> politischen Rückenwind. Die Argumente dafür sind nicht von der Hand zu weisen: Wohnungsnot, explodierte Baukosten und ein eklatanter Fachkräftemangel machen schnellere, standardisierbarere Lösungen zwingend erforderlich. Fertighaussysteme, vorgefertigte Module und typisierte Grundrisse können tatsächlich helfen, den Neubaumarkt zu entlasten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage ist allerdings, was dabei verloren geht. <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Baukultur</strong> entsteht nicht durch Wiederholung. Sie ist das Ergebnis von Auseinandersetzung – mit dem Ort, mit dem Klima, mit der Nutzerin und dem Nutzer, mit dem gewachsenen städtebaulichen Kontext. Kleine und mittlere Architekturbüros sind dabei unverzichtbare Träger regionaler Identität: Sie kennen den örtlichen Handwerker, den Bebauungsplan der Gemeinde und die Geschichte des Grundstücks. Diese lokale Verankerung lässt sich nicht standardisieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Modulares Bauen und hochwertige Architektur schließen sich nicht grundsätzlich aus – aber die aktuelle Debatte neigt dazu, beide gegeneinander auszuspielen, als wären Kosteneffizienz und Gestaltungsqualität unvereinbare Gegensätze. Das sind sie nicht. Wer jedoch die Planungsbeteiligung qualifizierter Architektinnen und Architekten schrittweise durch Verfahrensfreistellungen und Generalübernehmermodelle aushöhlt, beantwortet die Frage implizit: mit der falschen Antwort.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was die Initiative Baukunst fordert</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vor diesem Hintergrund haben Architektinnen und Architekten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum – von München bis Wien, von Hamburg bis Straßburg – einen offenen Brief an die Architekturverbände und Architektenkammern Deutschlands verfasst. Die Unterzeichnenden fordern kein Festhalten am Status quo, sondern konstruktive Lösungen: stärkere Interessenvertretung auf nationaler und europäischer Ebene, transparente Honorarmodelle, die insbesondere kleinen Büros eine tragfähige Existenzgrundlage bieten, sowie gezielte <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Qualitätssicherung</strong> durch Weiterbildung und klare Planungsberechtigungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders hervorzuheben ist der Appell zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Bauherrinnen und Bauherren verstehen häufig nicht, was qualifizierte Planungsleistung kostet – und warum das so ist. Architektur wird allzu oft als Kostenfaktor wahrgenommen, nicht als Investition in Nutzerqualität, Langlebigkeit und städtebaulichen Zusammenhang. Hier liegt eine genuine Kommunikationsaufgabe, der sich die Kammern und Verbände mit mehr Nachdruck widmen könnten.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">HOAI als Orientierung – nicht als Korsett</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein häufiges Missverständnis gilt es auszuräumen: Die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">HOAI</strong> war nie ein Zwangskorsett, das jede Honorarvereinbarung starr determinierte. Sie war – in ihrer besten Lesart – ein Orientierungsrahmen, der sowohl Planenden als auch Auftraggebenden Transparenz und Vergleichbarkeit bot. Als Leitplanke für faire Vergütung hat sie nach wie vor ihre Berechtigung, auch wenn die verbindliche Untergrenze europarechtlich gefallen ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessanterweise greifen viele Büros intern nach wie vor auf die HOAI-Tabellen zurück – weil es schlicht kein besseres Kalkulationsinstrument gibt. Was fehlt, ist die rechtliche Absicherung im Streitfall. Genau hier liegt Handlungsbedarf: nicht in der Nostalgie nach einem Rechtszustand von gestern, sondern in der Entwicklung belastbarer Alternativen, die europarechtlich standfest sind.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Berufsstand, der sich neu erfindet</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vierzig Jahre Berufspraxis haben gezeigt: Die besten Architektinnen und die klügsten Architekten sind diejenigen, die Veränderung nicht beklagen, sondern gestalten. Der Druck auf den Berufsstand ist real – aber er kann auch Antrieb sein. Die Initiative Baukunst ist ein Zeichen, dass die Branche diesen Weg gehen will: nicht im Rückzug, sondern im Dialog.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Unterzeichnenden aus Deutschland, Österreich und Frankreich stehen exemplarisch für eine Branche, die ihre Stimme erhebt – konstruktiv, sachlich und mit dem langen Atem, den komplexe Systeme erfordern. Architektinnen und Architekten planen in Jahrzehnten. Warum sollten sie bei der Gestaltung ihrer eigenen Zukunft weniger Weitblick beweisen als beim nächsten Bauprojekt?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="https://baukunst.art/ihre-stimme-fuer-die-zukunft-der-architektur-offenen-brief-unterzeichnen/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">Zum offener Brief</a></span></span></strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><a href="https://baukunst.art/ihre-stimme-fuer-die-zukunft-der-architektur-offenen-brief-unterzeichnen/"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter wp-image-11911 size-full" src="https://baukunst.art/wp-content/uploads/2025/03/baukunst-Ihre-Stimme.gif" alt="Baukunst-Ihre Stimme für die Zukunft der Architektur – Offenen Brief unterzeichnen!" width="1280" height="720" srcset="https://baukunst.art/wp-content/uploads/2025/03/baukunst-Ihre-Stimme.gif 1280w, https://baukunst.art/wp-content/uploads/2025/03/baukunst-Ihre-Stimme-768x432.gif 768w" sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /></a></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"> </span></span></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Das stille Sterben des Berufswissens</title>
		<link>https://baukunst.art/das-stille-sterben-des-berufswissens/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 07:57:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15777</guid>

					<description><![CDATA[<p>20.000 Freischaffende scheiden bis 2035 aus. Mit ihnen geht jahrzehntelanges Bauwissen verloren. Die Kammern schauen zu. Ein Befund.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">baukunst.art  |   Berufspolitik / Meinung &amp; Kritik</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Warum das Ende freischaffender Architekturbüros auch das Ende ihrer Bautechnik bedeutet</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Architekturbüros schließen, geht ihr Wissen verloren. Für immer. Die Kammern schauen zu.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Zwischen 2025 und 2035 werden im DACH-Raum schätzungsweise 24.000 bis 26.000 freischaffende Architekten ihre Büros schließen – ohne Nachfolge, ohne Archiv, ohne dass das in Jahrzehnten erarbeitete konstruktive und gestalterische Wissen irgendwo gesichert wird. Die Architektenkammern in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben dafür kein Programm. Kein einziges. Ein Befund – und eine Forderung.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was verschwindet wirklich, wenn ein Architekturbüro schließt?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn ein Arzt in Rente geht, übernimmt ein Nachfolger die Praxis und die Patientenkartei. Wenn ein Anwalt aufhört, übernimmt ein Kollege die laufenden Mandate. Wenn ein Handwerksmeister sein Unternehmen schließt, endet die Firma – aber das handwerkliche Wissen lebt in den Gesellen weiter, die er ausgebildet hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn eine Architektin nach 35 Jahren Freiberuflichkeit ihr Büro schließt, verschwindet in den meisten Fällen alles. Die Planschränke werden entleert oder entsorgt. Die Festplatte mit den CAD-Dateien landet irgendwo. Die Detailbibliothek, die über Jahrzehnte gewachsen ist – Anschlussdetails, bauphysikalische Lösungen, erprobte Fassadenkonstruktionen, regionale Baukenntnisse – existiert nirgendwo sonst. Sie ist diese eine Person. Und jetzt ist sie weg.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie groß ist das Problem – und warum kommt es jetzt?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Zahlen sind eindeutig. Laut BAK-Bundeskammerstatistik (Stand 1.1.2024) sind in Deutschland 53.268 Freischaffende in den Kammern eingetragen. Die BAK-Strukturbefragung 2024 zeigt: Das Durchschnittsalter dieser Selbstständigen liegt bei 55 Jahren – und der Anteil der über 60-Jährigen unter den Freischaffenden ist seit 2015 von 20 auf 30 Prozent gestiegen. Das sind rechnerisch rund 16.000 Menschen, die bereits heute im letzten aktiven Jahrzehnt ihrer Selbstständigkeit stehen. Bis 2035 werden – unter Einschluss der heute 57- bis 60-Jährigen – schätzungsweise 20.000 bis 22.000 freischaffende Architekten in Deutschland aus der Selbstständigkeit ausscheiden. Im DACH-Raum insgesamt sind es rund 24.000 bis 26.000.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Besondere an dieser Kohorte: Es handelt sich um die Gründergeneration der Bundesrepublik – Architektinnen und Architekten, die in den 1970er, 1980er und frühen 1990er Jahren ihre Büros gegründet haben. Sie haben nicht nur Gebäude entworfen. Sie haben einen Wissensbestand aufgebaut, der die Architekturpraxis des DACH-Raums bis heute trägt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gleichzeitig zeigen die Strukturdaten: 89 Prozent der deutschen Architekturbüros haben weniger als 10 Mitarbeiterinnen, 35 Prozent sind Solo-Büros ohne Angestellte. Das bedeutet: In der überwältigenden Mehrheit der Fälle gibt es niemanden, dem dieses Wissen intern weitergegeben werden könnte. Es gibt keine Schülerin, keinen Gesellen, keinen Junior-Partner, der das Handwerk übernimmt. Es gibt nur den Inhaber – und den Abschluss.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welche Dimensionen des Wissens stehen auf dem Spiel?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Wissensforschung unterscheidet zwischen explizitem und implizitem Wissen. Explizites Wissen ist dokumentierbar – es steht in Normen, Fachbüchern, Handbüchern. Implizites Wissen ist personengebunden, durch Erfahrung entstanden, schwer in Worte zu fassen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Dimension 1 – Das implizite Erfahrungswissen: nicht rettbar</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Netz aus Beziehungen zu Behördenmitarbeitern, zu Handwerkern, zu Stammauftraggebern: implizit. Die Kenntnis lokaler Boden- und Klimabedingungen, der regionalen Bautypologien, der stillen Eigenheiten von Bebauungsplänen: implizit. Das Gespür für den richtigen Materialeinsatz, das aus hundert Baustellenerfahrungen entstanden ist: implizit. Es stirbt mit dem Inhaber – das war schon immer so und wird so bleiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Dimension 2 – Das gezeichnete Detailwissen: prinzipiell rettbar, aber nicht gerettet</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Detailbibliothek eines Büros – Konstruktionsschnitte, Anschlusspunkte, bewährte Fassadenlösungen, Sonderdetails für spezifische bauphysikalische Aufgaben – liegt als Zeichnung vor. Sie ist materialisierbar, archivierbar, weiterzugeben. Das ist der entscheidende Unterschied zur Arztpraxis oder zur Kanzlei: In der Architektur könnte man diesen Wissenstypus retten. Man tut es nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Dimension 3 – Das gebäudebezogene Planwissen: rechtlich gesichert, praktisch gefährdet</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Grundrisse, Schnitte, Ausführungsdetails zu konkreten Gebäuden unterliegen Aufbewahrungsfristen – steuerlich zehn Jahre, haftungsrechtlich oft deutlich länger. Aber diese Pläne verbleiben im Büro, werden nicht übergeben, landen nach Ablauf der Fristen im Altpapier. Das Gebäude steht noch achtzig Jahre. Die Bestandspläne sind in zehn Jahren weg.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum ist das digitale Planarchiv besonders gefährdet?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Planarchiv auf Papier war greifbar, beständig, verständlich. Die Planschränke der 1970er und 1980er sind, sofern noch vorhanden, physisch zugänglich – und können im Notfall gescannt werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Planarchiv auf dem Computer ist eine andere Sache. Weit über 90 Prozent der umlaufenden CAD-Dateien liegen im proprietären DWG-Format des Marktführers Autodesk vor. Dieses Format ist nicht offen, nicht standardisiert, nicht langzeitstabil. Konvertierungsversuche in offene Formate erzeugen regelmäßig Informationsverluste. Und selbst wenn eine Festplatte gut erhalten ist – in zwanzig Jahren kann niemand mehr garantieren, dass die Datei noch lesbar ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In allen Denkmalämtern der Bundesrepublik fehlen bis heute verbindliche technische Standards für die Langzeitarchivierung digitaler Baudokumentationen. Für die freischaffenden Architekturbüros gibt es nicht einmal den Ansatz einer Empfehlung. Die Bayerische Architektenkammer weist in ihrer Rechtsauskunft darauf hin, dass Architekten aus Haftungsgründen nicht verpflichtet sind, CAD-Dateien in weiterbearbeitbaren Formaten herauszugeben. Im laufenden Betrieb schützt das den Architekten. Beim Büroabschluss bedeutet es: Das gezeichnete Wissen eines Berufslebens stirbt mit dem proprietären Format auf der Festplatte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was tun die Kammern – und was tun sie nicht?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenkammern in Deutschland, Österreich und der Schweiz erfüllen einen klaren gesetzlichen Auftrag: die Baukultur zu fördern. Baukultur aber entsteht nicht nur durch neue Projekte. Sie wird auch durch das akkumulierte handwerkliche und gestalterische Wissen getragen, das sich in freischaffenden Büros über Jahrzehnte sedimentiert hat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was tun die Kammern für diesen Wissenserhalt? Einzelne Landesarchitektenkammern betreiben Bürovermittlungsdienste, um Nachfolgeregelungen zu erleichtern. Die Architektenkammer Berlin hat in einem vom Bundesministerium für Wirtschaft geförderten Pilotprojekt eine Nachfolge-Plattform erprobt und eine Broschüre vorgelegt. Die Architektenkammer NRW unterhält das Baukunstarchiv NRW. Und damit endet die Liste.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kein Programm zur Sicherung konstruktiven Detailwissens. Kein niedrigschwelliges Angebot für den normalen Freischaffenden, sein Planarchiv geordnet zu übergeben. Keine Initiative zur digitalen Langzeitarchivierung von CAD-Beständen. Keine Kooperation mit Architekturfakultäten, um das Erfahrungswissen der Babyboomer-Generation systematisch in die Lehre zu überführen. Nichts.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Baukunstarchiv der Akademie der Künste in Berlin, das Architekturmuseum der TUM, das Architekturzentrum Wien und das gta Archiv der ETH Zürich sind exzellente Institutionen – aber sie sammeln kanonische Architektennachlässe, keine baukonstruktiven Detailarchive des freischaffenden Mittelstands. Von den 53.268 Freischaffenden in Deutschland werden weniger als ein Prozent jemals Kontakt zu einer dieser Institutionen aufnehmen. Für die übrigen 99 Prozent gibt es nichts.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was verliert die nächste Generation?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Junge Architektinnen und Architekten lernen aus drei Quellen: Hochschule, eigene Erfahrung – und dem Wissen älterer Kolleginnen und Kollegen. Die Hochschule liefert Entwurfsbildung. Die eigene Erfahrung kommt mit den Jahren. Das Wissen erfahrener Büros war bisher der dritte Pfeiler – durch Anstellungsverhältnisse, durch Mentoring, durch informellen Austausch.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn in den nächsten zehn Jahren 20.000 Büros schließen, ohne dass dieses Wissen irgendwo gesichert wird, verliert dieser dritte Pfeiler seine Substanz. Die Generation, die mit BIM aufwächst und KI nutzt, wird bautechnische Detailentscheidungen zunehmend ohne das handwerkliche Fundament treffen, das nur aus jahrzehntelanger Praxis entstehen kann. Das ist kein Generationenproblem. Es ist ein Qualitätsproblem – für Planung, für Ausführung, für das gebaute Ergebnis.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der demografische Wandel trifft alle Branchen. In der Architektur hat er eine Besonderheit: Das Wissen dieser Branche ist zu einem erheblichen Teil zeichnerisch erfasst. Es wäre prinzipiell rettbar. Dass es trotzdem nicht gerettet wird, ist eine Entscheidung – keine Naturnotwendigkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was wäre jetzt zu tun?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort ist nicht komplex. Sie erfordert politischen Willen – und Kammerarbeit, die über Verwaltung und Interessenvertretung hinausgeht.</p>
<ol class="ak-ol" start="1" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="orderedList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kammerprogramm Wissen sichern</strong></p>
</li>
</ol>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Analog zur Berliner Nachfolge-Plattform braucht es ein bundesweites, kammergefördertes Angebot, das ausscheidende Büroinhaber dabei unterstützt, ihre Detailbibliotheken zu dokumentieren und in zugänglicher Form zu hinterlassen – nicht für die Archive, sondern für den Berufsstand, für Hochschulen, für die Praxis.</p>
<ol class="ak-ol" start="2" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="orderedList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Offener Standard für die Büroarchivierung</strong></p>
</li>
</ol>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundesarchitektenkammer sollte gemeinsam mit dem BBSR einen verbindlichen Mindeststandard für die Archivierung von CAD-Beständen beim Büroabschluss entwickeln – ein herstellerunabhängiges Exportformat (PDF/A-3, IFC), das in 50 Jahren noch lesbar ist.</p>
<ol class="ak-ol" start="3" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="orderedList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Öffnung der Archivlandschaft nach unten</strong></p>
</li>
</ol>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die bestehenden Architekturarchive müssen ihren Selektionsfokus erweitern. Es braucht eine ergänzende Struktur, die das konstruktive Alltagswissen freischaffender Büros sichert – nicht als museales Objekt, sondern als professionelle Ressource für den Berufsstand.</p>
<ol class="ak-ol" start="4" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="orderedList" data-prosemirror-node-block="true">
<li data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="listItem" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kooperationen zwischen Kammern und Hochschulen</strong></p>
</li>
</ol>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In strukturierten Programmen könnten ausscheidende Büroinhaber ihr Detailwissen in Lehrveranstaltungen, Workshops und dokumentierten Projektstudien weitergeben – als systematischen Teil ihrer Berufsbiografie, nicht als gelegentlichen Gastauftritt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Solange niemand das benennt, rückt es nicht auf die Agenda.</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kammern sind auf die Begleitung aktiver Berufstätigkeit ausgelegt, nicht auf die Sicherung des Erbes beim Ausscheiden. Solange niemand das öffentlich benennt, bleibt es außerhalb der berufspolitischen Agenda. Solange es außerhalb der Agenda bleibt, geschieht nichts.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der demografische Wandel gibt dem Berufsstand ein Jahrzehnt. Dann ist es zu spät.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">■  Quellen</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">BAK – Bundesarchitektenkammer: Bundeskammerstatistik (Stand 1.1.2024), Strukturbefragung 2024 (Berichtsjahr 2023), <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://bak.de/" data-inline-card="" data-card-data="">http://bak.de</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Deutsches Architektenblatt: Architektenstatistik: Alter, Arbeitszeiten, Büros, Umsatz und Gehalt, Januar 2025, <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://dabonline.de/" data-inline-card="" data-card-data="">http://dabonline.de</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektenkammer Hessen (AKH): Kurzauswertung der BAK-Strukturbefragung 2024, <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://akh.de/" data-inline-card="" data-card-data="">http://akh.de</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">ACE – Architects&#8216; Council of Europe: Sector Study 2024 (9. Ausgabe), <a href="http://ace-cae.eu/" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link">ace-cae.eu</a></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">KfW Research: Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2024, <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://kfw.de/" data-inline-card="" data-card-data="">http://kfw.de</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">DIHK: Report Unternehmensnachfolge 2024, <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://dihk.de/" data-inline-card="" data-card-data="">http://dihk.de</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bearing Point: Studie Wissensmanagement im Kundenservice 2024</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">EU-Kommission: Schaden durch ungesichertes Wissen, jährliche Schätzung</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Akademie der Künste Berlin: Baukunstarchiv, <a href="http://adk.de/" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link">adk.de</a></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architekturmuseum TUM München: Sammlung und Archiv, <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://architekturmuseum.de/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://architekturmuseum.de</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architekturzentrum Wien (Az W): Vor- und Nachlässe, <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://azw.at/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://azw.at</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayerische Architektenkammer: Rechtliche Hinweise zu Aufbewahrungsfristen, <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://byak.de/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://byak.de</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektenkammer Berlin: Plattform Büronachfolge / Broschüre, <span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="http://ak-berlin.de/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">http://ak-berlin.de</a></span></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vereinigung der Landesdenkmalpfleger: Langzeitarchivierung digitaler Baudokumentation, Nr. 30</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">BAK-Bundeskammerstatistik: Freischaffende Architekten nach Fachrichtungen (PDF), Stand 1.1.2024</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/das-stille-sterben-des-berufswissens/">Das stille Sterben des Berufswissens</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Der gestoppte Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig</title>
		<link>https://baukunst.art/der-gestoppte-erweiterungsbau-der-deutschen-nationalbibliothek-leipzig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Mar 2026 18:56:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitte]]></category>
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		<category><![CDATA[Bundesbaurecht]]></category>
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		<category><![CDATA[Deutsche Nationalbibliothek]]></category>
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		<category><![CDATA[DNBG]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sieben Millionen Euro Planungskosten, ein abgeschlossener Architekturwettbewerb, ein preisgekrönter Entwurf des Dresdner Büros CODE UNIQUE: Der fünfte Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig hätte 2027 beginnen sollen. Dann stoppte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer das Projekt im März 2026, lakonisch und ohne parlamentarische Debatte. Ein Eingriff in das kulturelle Gedächtnis der Nation, der weit über Leipzig hinauswirkt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Baukunst.art<br />
</strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">REGIONALES | Kulturbau | Archivinfrastruktur</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gedächtnis auf Abruf &#8211; Das nationale Gedächtnis braucht Quadratmeter, keine Cloud</h1>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) ist das gesetzlich verankerte Gedächtnis der deutschen Sprach- und Verlagskultur, verpflichtet seit ihrer Gründung als Deutsche Bücherei Leipzig im Jahr 1912, sämtliche Publikationen in deutscher Sprache zu sammeln, dauerhaft zu archivieren und für die Nutzung bereitzustellen.</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Am 5. März 2026 erklärte der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer (parteilos), den geplanten fünften Erweiterungsbau am Deutschen Platz in Leipzig für beendet. Die Begründung: Die langfristige Sammlung körperlicher Medienwerke sei nicht mehr zeitgemäß; die DNB solle sich stärker auf digitale Sammlungen konzentrieren. Damit waren, mit einem einzigen Satz, acht Jahre Planung, ein europaweiter Architekturwettbewerb und sieben Millionen Euro Planungskosten obsolet.</p>
<h2>Was genau war geplant und warum war der Bau zwingend notwendig?</h2>
<p style="font-weight: 400;">Der Magazinbau, der fünfte Erweiterungsbau der DNB am Standort Leipzig, war als hochfunktionales, klimastabiles Archivgebäude konzipiert, das die sichere Aufbewahrung von derzeit rund 35,5 Millionen Medienwerken für einen Zeitraum von etwa 30 Jahren gewährleisten sollte. Täglichen Zugängen von rund 13.100 neuen Medienwerken, darunter 3.300 analoge und 9.800 digitale Publikationen, stehen nahezu erschöpfte Lagerkapazitäten am Standort Leipzig gegenüber. Gleichzeitig müssen Bestände aus klimatisch ungeeigneten Altbaubereichen verlagert werden, um sie langfristig zu sichern.</p>
<p style="font-weight: 400;">Seit 2018 wurde das Projekt in enger Abstimmung zwischen der DNB, dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) sowie dem Sächsischen Staatsministerium der Finanzen geplant. Nach einem internationalen Architekturwettbewerb mit 20 zugelassenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern erhielt Anfang 2025 das Dresdner Büro CODE UNIQUE Architekten GmbH den Zuschlag zur Realisierung. Im August 2025 lag ein gemeinsam mit 15 Fachplanenden erarbeitetes, detailliertes Planungskonzept vor. Baukosten: rund 30 Millionen Euro unter dem ursprünglich bewilligten Rahmen, wie Generaldirektor Frank Scholze betonte, ein seltener Fall kostendisziplinierter öffentlicher Planung.</p>
<p style="font-weight: 400;">Geplanter Baubeginn war Ende 2027, Fertigstellung für 2032 vorgesehen. Dann stoppte Weimer das Projekt. &#8218;Das Bauprojekt ist mangels Finanzierung beendet&#8216;, hieß es in einer Pressemitteilung der DNB, die den Beschluss des Ministers für Kultur und Medien lakonisch zusammenfasste.</p>
<h2>Ist digitale Langzeitarchivierung ein tragfähiger Ersatz für physische Magazine?</h2>
<p style="font-weight: 400;">Die Antwort aus Fachkreisen ist eindeutig: nein, zumindest nicht unter den aktuellen technischen und rechtlichen Gegebenheiten. Das Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG) verpflichtet die Institution, physische Medienwerke in zwei Pflichtexemplaren zu sammeln. Eine Reduktion auf ein Exemplar oder eine rein digitale Archivierung erfordert eine Änderung des DNBG, also ein parlamentarisches Verfahren. Weimers Vorgehen setzt sich damit über geltendes Recht hinweg.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der die DNB 1912 mitgegründet hat, bezeichnete den Schritt als &#8218;völlig falsche Entscheidung&#8216;. Hauptgeschäftsführer Peter Kraus vom Cleff erklärte, eine Modernisierung des Sammelauftrags sei zwar denkbar, könne aber &#8217;nicht durch den handstreichartigen Stopp eines bereits geplanten und dringend nötigen Erweiterungsbaus aus Kostengründen erfolgen&#8216;. Die sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch, reagierte ebenfalls scharf: &#8218;Digitalisierung und das gedruckte Buch dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, wir brauchen beides.&#8216;</p>
<p style="font-weight: 400;">Hinzu kommt das grundsätzliche Problem digitaler Langzeitarchivierung. Wer die Geschichte analoger Datenträger verfolgt, von der Diskette über die CD-ROM bis zur DVD, kennt das Muster: Formate veralten, Abspielgeräte verschwinden, Datenverluste entstehen durch Überschreiben oder schlichten Zerfall der Träger. Die NASA musste dies schmerzlich erfahren, als Magnetbänder mit telemetrischen Daten der ersten Mondlandung von 1969 als irreversibel verloren galten. Der Stab aus Fachleuten, der die DNB beriet, hat genau diese Szenarien durchgespielt. Das Ergebnis war eindeutig: physische Redundanz ist kein Anachronismus, sondern eine zivilisatorische Notwendigkeit.</p>
<h2>Welche planungsrechtlichen und institutionellen Konsequenzen hat der Baustopp?</h2>
<p style="font-weight: 400;">Aus Sicht der Bau- und Planungskultur ist der Fall exemplarisch für ein wiederkehrendes Muster in der deutschen Kulturinfrastrukturpolitik: aufwendige, kostspielige und politisch legitimierte Planungsverfahren werden durch kurzfristige Haushaltsentscheidungen überrollt, ohne dass die rechtlichen Grundlagen, die Langzeitfolgen oder die institutionelle Verantwortung ausreichend geprüft werden. Siebt man durch das Geflecht aus DNBG, Pflichtablieferungsverordnung (PflAV) und Bundeshaushaltsordnung, bleiben erhebliche Risiken. Alternative Lösungen für die Unterbringung des wachsenden Bestands werden zusätzliche Kosten verursachen, die absehbar jene der verhinderten Magazinerweiterung übersteigen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Für Leipzig selbst ist der Vorfall auch städtebaulich bedeutsam. Der Deutsche Platz ist historisch als Ort des nationalen Schriftguts geprägt, die DNB mit ihren denkmalgeschützten Bauten ein architektonisches Ensemble von nationaler Bedeutung. Die Erweiterung durch CODE UNIQUE hätte dieses Ensemble qualitativ fortgeschrieben, ein neues Magazin als zeitgemäßes Archivgebäude, energieeffizient, klimastabil, in Maßstab und Sprache dem Bestand gegenüber sensibel entwickelt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Am 18. März 2026, kurz vor Eröffnung der Leipziger Buchmesse, ruderte Weimer teilweise zurück und erklärte, er erarbeite Vorschläge für eine Reform des DNBG. Vertrauen wiederhergestellt hat er damit kaum. Kulturpolitische Verlässlichkeit bemisst sich nicht an eiligen Korrekturen unter öffentlichem Druck, sondern an der Fähigkeit, komplexe institutionelle und rechtliche Zusammenhänge zu verstehen, bevor man handelt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Debatte um den fünften Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig ist in ihrer Tiefe eine Debatte über das Verhältnis des Staates zu seinem kulturellen Gedächtnis. Ob gedruckt oder digital, dieses Gedächtnis braucht physischen Raum, rechtsverbindliche Strukturen und politische Kontinuität. Beides sind keine Luxusgüteranforderungen, sondern Grundvoraussetzungen demokratischer Informationsfreiheit im Sinne des Gesetzes über die Deutsche Nationalbibliothek.</p>
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		<title>Propaganda oder Polyphonie? Die Rückkehr Russlands zur Venedig-Biennale 2026</title>
		<link>https://baukunst.art/propaganda-oder-polyphonie-die-rueckkehr-russlands-zur-venedig-biennale-2026/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Mar 2026 11:33:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Fort- & Weiterbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
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		<category><![CDATA[russischer Pavillon]]></category>
		<category><![CDATA[Ukraine-Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Venedig-Biennale 2026]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Erstmals seit 2021 bespielt Russland wieder seinen Pavillon in den Giardini. Der Streit darum offenbart einen grundlegenden Konflikt: Was darf Kunstfreiheit, und was muss sie verweigern?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/propaganda-oder-polyphonie-die-rueckkehr-russlands-zur-venedig-biennale-2026/">Propaganda oder Polyphonie? Die Rückkehr Russlands zur Venedig-Biennale 2026</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| Kategorie: BILDUNG</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Stuart Stadler, Architekt | Herausgeber Baukunst.art | Stand März 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Venedig-Biennale als Lernort über Kunst, Krieg und kulturelle Verantwortung</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Venedig-Biennale ist seit ihrer Gründung 1895 nicht nur Ausstellungsort, sondern kultureller Lehrraum: Hier artikulieren Gesellschaften, was sie für zeitgenössisch, notwendig und sagbar halten. Dass ausgerechnet dieser Ort im Frühjahr 2026 zum Schauplatz einer hitzigen Debatte über die Rückkehr Russlands geworden ist, überrascht kaum. Es ist eine Debatte, die weit über Kunstpolitik hinausgeht und grundlegende Fragen der kulturellen Bildung aufwirft: Welche Bildungsaufgabe hat Kunst in Zeiten aktiver militärischer Aggression?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was macht den russischen Pavillon 2026 so brisant?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seit dem großangelegten Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 blieb der russische Pavillon in den Giardini zweimal leer. 2022 zogen die ursprünglich vorgesehenen russischen Künstlerinnen und Künstler Kirill Savchenkov und Alexandra Sukhareva ihre Teilnahme zurück und bezeichneten den Krieg als politisch und emotional unerträglich. 2024 überließ Russland seinen Pavillon Bolivien, ohne offizielle Erklärung. Nun, zur 61. Ausgabe der Internationalen Kunstausstellung vom 9. Mai bis 22. November 2026, kehrt Russland offiziell zurück.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Projekt trägt den Titel &#8222;The Tree Is Rooted in the Sky&#8220; und soll ein Musikfestival unter Beteiligung von mehr als fünfzig Künstlerinnen und Künstlern aus Russland sowie aus Argentinien, Brasilien, Mali und Mexiko beheimaten. Michail Schwydkoi, Russlands Beauftragter für internationale Kulturbeziehungen und ehemaliger Kulturminister, betonte, Russlands Kultur sei nicht isoliert, und die westlichen Versuche, sie zu canceln, seien gescheitert. Dass Kultur dabei über die Politik siege, sei das erklärte Ziel.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch schon die personelle Zusammensetzung der russischen Delegation gibt zu denken. Anastasia Karnewa, die Kommissarin des Pavillons, ist Tochter des ehemaligen stellvertretenden Generaldirektors von Rostec, Russlands staatlichem Rüstungskonzern, der seit 2014 auf den Sanktionslisten der EU-Mitgliedstaaten und der USA steht. Karnewa gründete 2016 gemeinsam mit Ekaterina Winokurowa, der Tochter von Außenminister Sergej Lawrow, das Ausstellungsunternehmen Smart Art, das den Pavillon organisiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum reagiert die EU mit der Drohung des Förderentzugs?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der EU-Kulturkommissar Glenn Micallef und Henna Virkkunen, EU-Vizepräsidentin für Technologie, Sicherheit und Demokratie, griffen in scharfer Form ein: Die Entscheidung der Fondazione Biennale sei nicht vereinbar mit der kollektiven Reaktion der EU auf die russische Aggression. Kultur, so ihre gemeinsame Erklärung, fördere demokratische Werte und offenen Dialog, dürfe aber niemals als Plattform für Propaganda genutzt werden. Sollte die Biennale-Stiftung bei ihrer Entscheidung bleiben, werde man weitere Maßnahmen prüfen, einschließlich der Aussetzung oder Beendigung eines laufenden EU-Zuschusses an die Fondazione Biennale. Die Europäische Kommission stellt der Biennale derzeit im Rahmen der Venice Production Bridge insgesamt zwei Millionen Euro über drei Jahre zur Förderung von Filmproduzenten und immersiver Technik zur Verfügung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch 26 Europaabgeordnete richteten einen offenen Brief an Biennale-Präsident Pietrangelo Buttafuoco und forderten die Rücknahme der Entscheidung. Zu den Unterzeichnerinnen gehört die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Pina Picierno. Die ukrainische Regierung ließ ebenfalls unmissverständlich Widerspruch erkennen: Außenminister Andrij Sybiha und Kulturministerin Tetjana Bereschna wiesen auf die Verbindungen der Pavillonverantwortlichen zur russischen Rüstungsindustrie hin. Kulturminister aus 22 europäischen Staaten schlossen sich in einem gemeinsamen Schreiben dem Protest an.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Italien selbst verlief die politische Gemengelage widersprüchlich. Kulturminister Alessandro Giuli erklärte offiziell, die russische Teilnahme nicht gebilligt zu haben, obwohl Biennale-Präsident Buttafuoco dem politischen Umfeld der Regierung Meloni nahesteht. Gleichzeitig trat der ehemalige sozialdemokratische Bürgermeister Venedigs, Massimo Cacciari, mit einer konträren Position auf: Die Zensur von Künstlerinnen und Künstlern sei grundsätzlich zu verurteilen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Offene Institution oder politisches Instrument: Wo liegt die Grenze der künstlerischen Freiheit?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Fondazione Biennale selbst argumentiert mit dem Prinzip der offenen Institution: Die Biennale entscheide nicht über nationale Teilnahmen, da es den einzelnen Staaten obliege, ob sie sich beteiligen wollten. Jedes von der Italienischen Republik anerkannte Land könne eigenständig eine Teilnahme beantragen. Buttafuoco sprach von einer kulturellen Waffenruhe, die die Ausstellung in einer von Konflikten geprägten Welt ermöglichen solle.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Demgegenüber steht eine nüchterne Analyse der Teilnehmendenliste des russischen Pavillons. Das Volksmusikensemble Toloka etwa, das im russischen Pavillon auftreten soll, verabschiedete noch vor wenigen Monaten ein Mitglied feierlich in den Militärdienst und postete dies auf seinen sozialen Kanälen als Erfüllung der männlichen Pflicht vor der Heimat. Subversion oder kritische Auseinandersetzung mit der russischen Kriegspolitik ist von einem solchen Ensemble kaum zu erwarten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die regierungskritische Gruppe Pussy Riot machte darauf aufmerksam, dass der russische Pavillon in den Giardini auf italienischem Staatsgebiet steht und somit keinen diplomatischen Status genießt. Es sei sehr wohl eine Entscheidung der italienischen Regierung, ob Russland teilnehme oder nicht. Pussy Riot kündigte an, mit einer eigenen Intervention zur Biennale zu kommen, um Solidarität mit der Ukraine zu zeigen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet dieser Konflikt für die kulturelle Bildung im Architekturkontext?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten, die die Biennale traditionell als wichtigen Bildungsort wahrnehmen, stellt sich die Frage nach dem Lernwert dieser Auseinandersetzung neu. Die Biennale war stets mehr als Ausstellung: Sie war und ist ein Ort der Wissensproduktion, der Reflexion über den Zustand gebauter und kultureller Umwelten, der Begegnung zwischen unterschiedlichen Verständnissen von Raum, Gemeinschaft und Zukunft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn nun ein Staat, der nachweislich Kulturdenkmäler zerstört, darunter die Verklärungskathedrale in Odessa sowie unzählige Wohngebäude und historische Stadtkerne, seinen Pavillon mit dem Narrativ einer weltoffenen Polyphonie der Kulturen bespielt, dann ist dies auch eine pädagogische Herausforderung: Welche Botschaften werden als Wissen vermittelt? Welche Kontexte werden ausgeblendet? Wer spricht, und in wessen Namen?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Debatte um den russischen Pavillon zeigt, dass internationale Kulturbegegnungen immer auch Bildungsereignisse sind. Sie formen kollektive Wahrnehmungen, setzen Rahmen für Deutungen und entscheiden darüber, welche Stimmen als legitim gelten. Die Fondazione Biennale hat mit ihrer Entscheidung zumindest eines erreicht: eine weltweite Debatte über die politische Dimension von Kulturveranstaltungen, die in ihrer Intensität selbst bildend wirkt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob Russland im Mai tatsächlich seinen Pavillon bespielen wird, war zum Redaktionsschluss dieses Artikels noch offen. Die EU-Drohung mit dem Förderentzug, der politische Druck aus mehreren europäischen Hauptstädten und die angekündigten Proteste von Künstlerinnen und Künstlern aus dem russischen Exil lassen eine Eskalation bis zur Eröffnung am 9. Mai nicht ausschließen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>Abholzen statt Aufforsten: Bayern gibt den Holzbau auf</title>
		<link>https://baukunst.art/abholzen-statt-aufforsten-bayern-gibt-den-holzbau-auf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 09:34:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
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		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15620</guid>

					<description><![CDATA[<p>Bayern strich die Holzbauförderung BayFHolz. Ein politischer Kurswechsel mit Folgen für Klimaschutz, Baubranche und die Zukunft des nachwachsenden Baustoffs.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Abholzen statt Aufforsten: Bayern gibt den Holzbau auf</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bayerische Holzbauförderprogramm (BayFHolz) ist ein staatliches Instrument zur finanziellen Unterstützung klimagerechten Bauens, das die bayerische Staatsregierung 2022 als Teil ihrer Klimastrategie einführte und das zum Ende des Jahres 2026 ohne Nachfolgeprogramm ausläuft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was zunächst wie eine Fußnote in der Haushaltspolitik klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als symptomatisch für einen breiteren Stimmungswandel in der deutschen Klimaschutzpolitik. Bayern, das sich nicht ohne Stolz als zukünftiges &#8222;Holzbauland Nummer eins&#8220; inszenierte, zieht nun still und leise die Reißleine. Neue Anträge nimmt das Bayerische Bauministerium ab sofort nicht mehr entgegen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was leistete BayFHolz, und warum war das Programm überhaupt bedeutsam?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Programm förderete den Neubau sowie die Erweiterung und Aufstockung kommunaler Einrichtungen und mehrgeschossiger Wohngebäude in Holzbauweise. Die Zuwendung berechnete sich dabei nicht pauschal, sondern nach einem ökologisch sinnvollen Schlüssel: 500 Euro je Tonne der in Holzbauelementen und Dämmstoffen gebundenen Kohlenstoffmenge. Seit der Einführung unterstützte das Programm laut Bayerischem Bauministerium rund 510 Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von rund 58 Millionen Euro.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dieses Fördermodell besaß einen doppelten Hebel: Zum einen schuf es direkte finanzielle Anreize für Bauherrinnen und Bauherren, Kommunen sowie private Unternehmen, auf den nachwachsenden Rohstoff Holz umzusteigen. Zum anderen sandte es ein politisches Signal: Der Freistaat steht zur Bauwende. Beide Botschaften sind mit dem Programmende hinfällig.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum schafft Bayern die Holzbauförderung ab, und was folgt daraus?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bayerische Bauministerium begründet die Entscheidung nüchtern: &#8222;Vor dem Hintergrund des weiterhin hohen Bedarfs an bezahlbarem Wohnraum konzentriert die Staatsregierung die verfügbaren Mittel verstärkt auf Programme mit breiter und sozialer Wirkung&#8220;, erklaert ein Sprecher gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Das Auslaufen bedeute weder eine Abkehr vom Klimaschutz noch eine Reduzierung der Gesamtförderung. Der Holzbau sei &#8222;mittlerweile wettbewerbsfähig und fest im Markt verankert&#8220;, strukturell negative Auswirkungen seien deshalb nicht zu erwarten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das klingt nach Sachlichkeit, lässt aber eine Reihe unbequemer Fragen unbeantwortet. Wettbewerbsfähig im Vergleich zu was? Holz konkurriert in der Praxis vor allem mit Stahlbeton, einem Material, dessen graue Energie und CO2-Intensität im Lebenszyklus ungleich höher liegen. Wenn Förderinstrumente ihre Arbeit getan haben und wegfallen, weil der Markt funktioniert, wäre das tatsächlich ein Erfolg. Wenn sie wegfallen, weil das Budget anderswo gebraucht wird, ist das eine andere Geschichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schärfere Worte kommen von den Grünen im bayerischen Landtag. Ursula Sowa, Bau-Sprecherin der Fraktion, sieht im Programmende einen direkten Angriff auf die Bauwende: &#8222;Wer die Holzbauförderung streicht, blockiert aktiven Klimaschutz im Gebäudebereich.&#8220; Das Ende des Programms entziehe der Branche Planungssicherheit und erschwere den Umstieg auf klimagerechtes Bauen massiv, so die Politikerin.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Einschätzung deckt sich mit dem, was Architektinnen und Architekten sowie Holzbauunternehmer in der Praxis wahrnehmen. Förderungen wirken nicht nur kurzfristig als Investitionshilfe, sondern langfristig als Qualifizierungsmotor: Betriebe investieren in Weiterbildungen, in Maschinen, in Know-how, wenn sie wissen, dass der Markt stabil bleibt. Entzieht man diesen Rahmen abrupt, entsteht Unsicherheit, die sich schlechter berechnen lässt als CO2 pro Kubikmeter Brettschichtholz.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Konsequenzen hat das für andere Bundeslaender und die DACH-Region?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern ist nicht allein. Auch in anderen Bundesländern stehen Klimaschutzprogramme unter Haushaltsdruck. Die Bayerische Architektenkammer (ByAK) hat sich in der Vergangenheit mehrfach für eine Stärkung des Holzbaus eingesetzt, zuletzt im Kontext der Novelle der Bayerischen Bauordnung (BayBO), die in § 26 BayBO erweiterte Möglichkeiten für brennbare Baustoffe in höheren Gebäudeklassen vorsieht. Dieser regulatorische Fortschritt und die nun ausbleibende Förderung stehen in einem eigentümlichen Missverhältnis: Dürfen tut man mehr, finanzieren will der Staat weniger.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Vergleich dazu hält Baden-Württemberg an seiner Holzbauoffensive fest, Österreich fördert über den Klima- und Energiefonds weiterhin Holz- und Hybridbauweisen, und die Schweiz integriert Holzbau systematisch in die kantonale Energiegesetzgebung. Bayern, einst Taktgeber im deutschsprachigen Raum, riskiert damit eine Positionsverschiebung im regionalen Wettbewerb um innovative Baubetriebe, qualifizierte Fachkräfte und zukunftsorientierte Kommunen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist kein Plädoyer für staatliche Dauersubventionierung. Märkte sollen funktionieren, und erfolgreiche Technologien brauchen irgendwann keine Krücken mehr. Aber der Holzbau ist in Deutschland noch nicht an dem Punkt, an dem er ohne politische Rückendeckung einfach läuft. Laut Statistischem Bundesamt lag der Anteil von Gebäuden in Holzbauweise am Wohnungsneubau 2023 bei rund 20 Prozent. Wachstumspotenzial ist vorhanden, Selbstläufer ist der Markt noch nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was am Ende bleibt, ist ein Paradox: Eine Staatsregierung, die sich dem Klimaschutz verpflichtet und gleichzeitig ein Instrument abbaut, das genau diesem Klimaschutz diente. Das Argument der Wettbewerbsreife mag stimmen; das Argument der politischen Signalwirkung wird dabei ausgeblendet. Denn auch Symbolpolitik hat eine Funktion: Sie zeigt an, wohin eine Gesellschaft sich bewegen will. Holz war dieses Signal. Jetzt ist es abgeholzt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Mondstaub als Baumaterial: GRU Space plant das erste Hotel auf dem Mond</title>
		<link>https://baukunst.art/mondstaub-als-baumaterial-gru-space-plant-das-erste-hotel-auf-dem-mond/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Mar 2026 18:06:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[In-situ-Ressourcennutzung]]></category>
		<category><![CDATA[Materialinnovation]]></category>
		<category><![CDATA[Mondarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[New Space]]></category>
		<category><![CDATA[Weltraumtourismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>GRU Space plant das erste Mondhotel aus Lunar Bricks. Das Verfahren, Mondregolith in Baumaterial umzuwandeln, zeigt, wohin sich Bauen im Weltraum entwickelt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Mondstaub als Ziegelstein: Das ehrgeizigste Bauprojekt der Welt will 2032 eröffnen</h2>
<p>In-situ-Ressourcennutzung (ISRU) bezeichnet das Verfahren, Baumaterialien direkt am Einsatzort zu gewinnen, statt sie aufwendig vom Ausgangsort zu transportieren. Das Start-up Galactic Resource Utilization Space (GRU Space) aus San Francisco hat dieses Prinzip zum Kern eines der ambitioniertesten Bauprojekte der Gegenwart gemacht: dem ersten Hotel auf dem Mond, geplant zur Eröffnung im Jahr 2032.</p>
<p>Das Konzept des GRU Lunar Hotels kombiniert aufblasbare Habitatmodule, die auf der Erde gefertigt und zum Mond transportiert werden, mit einer Außenhülle aus Mondsteinen, sogenannten Lunar Bricks, die direkt aus dem Mondboden hergestellt werden sollen. Die Fassade des Entwurfs zeigt engstehende dorische Säulen, die vollständig aus der grau-texturierten Mondstein-Optik hervorgehen, eine Hülle, die innen liegende Druckmodule schützt.</p>
<h3>Wie funktioniert das Bauen mit Mondstaub?</h3>
<p>Das Kernstück der Technologie ist die sogenannte „Moon Factory&#8220;: ein patentiertes System, das Mondregolith autonom zu Struktursteinen verarbeitet. GRU Space gibt an, einen funktionsfähigen Prototyp dieser Anlage in sechs Wochen für unter 5.000 Dollar gebaut zu haben. Der Prozess basiert auf Geopolymertechnologie: Mondregolith, das feinkörnige Deckgestein der Mondoberfläche, wird mit Bindungsflüssigkeiten aus dem Erdvorrat vermischt und in Form gepresst. Das Prinzip, Regolith in Baumaterial umzuwandeln, ist ein gut erforschtes Feld. In der Theorie lassen sich aus dem Material Steine herstellen, entweder durch 3D-Druck oder durch Sintern von Mondstaub.</p>
<p>Die Roadmap sieht eine gestaffelte Missionsstrategie vor: 2027 soll eine erste kleine Nutzlast auf dem Mond landen und die Schlüsseltechnologien zur Ziegelherstellung und zum Habitateinsatz demonstrieren. 2031 folgt eine zweite, deutlich größere Mission in der Nähe eines lunaren Grabens, der natürlichen Strahlungsschutz durch die Oberfläche bietet. 2032 soll das erste Hotel für bis zu vier Gäste in Betrieb gehen, ausgelegt auf mehrere Tage Aufenthalt, mit Blick auf die Mondlandschaft und die Erde.</p>
<p>Aus bautechnischer Perspektive ist die Grundidee nicht so abwegig, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Aufblasbare Tragstrukturen kennt die Bauindustrie seit Jahrzehnten, von temporären Hallen bis zu Katastrophenschutzunterkünften. Auch NASA und die inzwischen nicht mehr aktive Firma Bigelow Aerospace haben Testmodule aufblasbarer Habitatstrukturen entwickelt und teils im Orbit erprobt. Der entscheidende Innovationsschritt von GRU Space liegt nicht im Modul selbst, sondern in der robotergestützten Umhüllung des aufgeblasenen Körpers mit vor Ort hergestellten Steinen, eine Kombination aus Leichtbau und massiver Schutzschale, die an das Prinzip archaischer Erdkeller oder in Fels gehauener Höhlenbauten erinnert.</p>
<h3>Welche technischen und regulatorischen Hürden bleiben offen?</h3>
<p>Kritiker sehen erhebliche Schwachstellen: Es existiert bislang keine Mondtourismusindustrie, keine regulären bemannten Mondflüge und keine Notfallversorgungsinfrastruktur auf dem Mond. Medizinische Evakuierungskonzepte und Versicherungsrahmen sind nicht vorhanden. GRU Space besitzt zudem weder eigene Trägerrakete noch eine eigene Landeeinheit und hat keine Zulassung für den Betrieb eines Weltraumtourismusprojekts.</p>
<p>Das Unternehmen macht seine gesamte Roadmap von sinkenden Startkosten, regelmäßigen und verlässlichen bemannten Mondmissionen, einem günstigen regulatorischen Umfeld und unterstützender Technologie wie Stromversorgung und Kommunikation auf dem Mond abhängig. All das befindet sich in verschiedenen Entwicklungsstadien. Das ist eine bemerkenswert ehrliche Selbsteinschätzung für ein Unternehmen, das gleichzeitig Reservierungsanzahlungen von einer Million US-Dollar entgegennimmt.</p>
<p>GRU Space verweist darauf, dass die Ankündigung des Projekts auch durch die von Präsident Trump und NASA-Administrator Jared Isaacman bekanntgegebene Absicht ausgelöst wurde, bis 2030 erste Elemente einer permanenten Mondbasis zu errichten. Der politische Rückenwind aus Washington ist real, die technischen Abhängigkeiten von SpaceX und Blue Origin für Transporte sind es ebenfalls. Das Projekt setzt konsequent auf das Prinzip des Infrastruktur-Parasitismus: Es baut auf Systemen auf, die andere entwickeln, und konzentriert sich auf das eine spezifische Problem, das es lösen will: die Hülle.</p>
<h3>Architektur ohne Vorbild</h3>
<p>Der Entwurf tritt bewusst nicht als Replik irdischer Luxushotels auf. Die regolithbasierten Steine bilden gerippte Schutzschalen und tragende Strukturen, die eine eigene architektonische Formensprache entwickeln, die unmittelbar aus Funktion und Ort abgeleitet ist. Das ist aus gestalterischer Sicht der interessanteste Aspekt des Projekts: eine Architektur, die buchstäblich keinen gestalterischen Referenzrahmen hat, weil es noch kein gebautes Vorbild auf dem Mond gibt.</p>
<p>Die Innenmodule sollen für kurze Aufenthalte ausgelegt sein, zunächst klein, schlicht und überwiegend auf der Erde gefertigt, aber mit der Perspektive, durch Neumaterial vor Ort zu wachsen. Panoramafenster auf die Mondlandschaft und die Erde sind fester Bestandteil des Konzepts. Für Architektinnen und Architekten, die sich mit extremen Standortbedingungen befassen, ist das Projekt ein Lehrbeispiel in radikal kontextgerechtem Bauen: kein Material, das nicht vor Ort verfügbar ist; keine Form, die nicht aus dem Schutzanspruch gegen Strahlung, Mikrometeoriten und Temperaturschwankungen von bis zu 250 Grad Celsius entwickelt wurde.</p>
<p>Wer heute reservieren möchte, zahlt zunächst eine nicht erstattungsfähige Bewerbungsgebühr von 10.000 US-Dollar. Bei Auswahl folgt eine Anzahlung von 250.000 oder einer Million Dollar, je nach Buchungsoption. Der Endpreis wird laut Unternehmensangaben voraussichtlich zehn Millionen Dollar übersteigen.</p>
<p>GRU Space ist kein Architekturbüro. Es ist ein Ingenieursstart-up mit einem 21-jährigen Gründer, das eine Frage beantwortet, die Architektur und Raumfahrt gleichermaßen beschäftigt: Wie baut man dort, wo es kein Material gibt, das nicht astronomisch teuer hertransportiert werden müsste? Die Antwort, man verwendet das Material, das schon da ist, ist alt. Die Technologie, sie auf dem Mond umzusetzen, ist es nicht.</p>
<p>Ob das Hotel bis 2032 steht, ist offen. Dass der Ansatz, Mondregolith als primären Baustoff zu nutzen, die Architektur des 21. Jahrhunderts noch beschäftigen wird, ist kaum zu bezweifeln.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Das Wahre, Schöne und Gute: Hat die Architektur ihre Seele verkauft?</title>
		<link>https://baukunst.art/das-wahre-schoene-und-gute-hat-die-architektur-ihre-seele-verkauft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Mar 2026 17:36:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Ästhetik]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenszykluskosten]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Wahre, Schöne und Gute hat die Architektur nicht verloren, es wurde aus den Planungsprozessen herausgekürzt. Eine Rückholung ist möglich und nötig.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []" />
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber Baukunst.art</strong></p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Schön, wahr, gut: Wie die Architektur ihre drei wichtigsten Werte verlor und warum sie sie jetzt zurückbraucht</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Trias des Wahren, Schönen und Guten ist in der Architektur nicht tot, sie wurde nur systematisch aus den Planungsprozessen herausgekürzt, durch Kostenkennwerte ersetzt und als romantischer Anachronismus abgeschrieben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bernd Eilert hat im Januar 2026 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine brillante Inventur dieser drei platonischen Ideale vorgelegt und mit entwaffnender Präzision festgestellt, dass das Schöne den steilsten Absturz in der Werteskala erfahren hat. Für die Architektur gilt das in besonderem Maß. Kein Bereich der Gegenwartskultur hat das Schöne so systematisch verabschiedet wie das Bauen. Und kein Bereich zahlt dafür einen so konkreten, messbaren Preis.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum ist das Schöne aus der Architektur verschwunden?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die ehrliche Antwort lautet: Es wurde nie offiziell abgeschafft. Es hat sich still verdrückt, während die Planungsparameter enger wurden. In vier Jahrzehnten Berufspraxis lässt sich diese Erosion präzise datieren. In den 1980er Jahren sprachen Bauherren noch selbstverständlich von Haltung, von Wirkung, von Würde eines Gebäudes. Heute liefert die erste Projektbesprechung Abschreibungszeiträume und Nutzungskostenprognosen. Was sich rechnen lässt, wird berechnet. Was sich nicht rechnen lässt, findet keinen Platz in der Tabellenkalkulation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Tragische daran: Das Schöne lässt sich rechnen, nur eben nicht im Monatsbericht. Schöne Gebäude werden länger genutzt. Sie erzeugen Identifikation, reduzieren Vandalismus, erhöhen die Bereitschaft zur Pflege. Eine Studie aus dem Vereinigten Königreich, auf die das Fachmagazin Dezeen in seiner Recherche „How long should a building last?&#8220; (Dezember 2025) hinweist, belegt, was Architektinnen und Architekten längst wissen: Gebäude, die als schön empfunden werden, haben eine signifikant längere Nutzungsdauer als ihre optimierten, aber gleichgültigen Pendants. Der erste Träger des britischen Stirling Prize, das Centenary Building der Universität Salford, wurde 2025 zum Abriss freigegeben: 30 Jahre nach Fertigstellung. Ein preisgekröntes Gebäude, das niemand behalten wollte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eilert zitiert den belgischen Maler Michaël Borremans mit dem Satz, Schönheit sei heute Tabu, romantisch und nicht mehr en vogue. In der zeitgenössischen bildenden Kunst mag das als ästhetisches Programm noch funktionieren. Ein Gemälde kann provozieren, irritieren, verstören und trotzdem seinen Platz im Museum behaupten. Ein Wohngebäude, das irritiert und verstört, ist schlicht unbewohnbar.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hat die Moderne die Architektur um ihre Wahrheit gebracht?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Wahre in der Architektur war einmal die Ehrlichkeit der Konstruktion, die Sichtbarkeit des Tragwerks, die Lesbarkeit des Materials. Mies van der Rohe nannte es Tektonik. John Ruskin sprach von der Wahrheit des Handwerks. Beide meinten dasselbe: Ein Gebäude soll zeigen, was es ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was zeigen unsere Gebäude heute? In den meisten Fällen: so wenig wie möglich. Fassaden sind Verkleidungen geworden, Hüllen ohne Beziehung zur Konstruktion dahinter. Das Tragwerk verschwindet hinter Abhangdecken und Doppelböden. Die Haustechnik übernimmt die Raumgeometrie. Das Ergebnis sind Gebäude, die man nicht lesen kann, weil sie nichts erzählen wollen außer ihrer eigenen Beliebigkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nietzsche, den Eilert zitiert, formulierte den Widerspruch radikal: Die Wahrheit sei hässlich, die Kunst existiere, damit wir nicht an ihr zugrunde gehen. Für die Gegenwartsarchitektur trifft das in einer bitteren Umkehrung zu: Die Architektur hat die Wahrheit der Konstruktion aufgegeben, nicht um schöner zu werden, sondern um billiger zu bauen. Das Ergebnis ist weder wahr noch schön.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Gute als verlorene Haltung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am schwersten wiegt der Verlust des Dritten im Bunde. Das Gute in der Architektur meint nicht Moral im engen Sinn, sondern Haltung, Verantwortung gegenüber dem öffentlichen Raum, die Verpflichtung, mit dem Bauen die Welt ein wenig bewohnbarer zu hinterlassen. Schiller sah das Theater als moralische Anstalt dem Wahren, Schönen, Guten verpflichtet. Für die Stadt der Neuzeit war das Gebäude diese moralische Anstalt: es definierte den Straßenraum, es orientierte, es gab Maßstab.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heute bestimmt der gewerbliche Investor in Abschreibungszyklen von 15 bis 20 Jahren. Was danach kommt, ist planungstechnisch irrelevant. Das Gebäude als Finanzprodukt hat das Gebäude als baukulturellen Ort längst verdrängt. Wer billiger baut und früher abreißt, gewinnt die Ausschreibung. Wer teurer baut, aber 150 Jahre lang nicht abreißen muss, verliert sie. Eilerts Beobachtung, die Bourgeoisie quassle in einem fort vom Schönen, Guten, Wahren und knicke doch nur vor dem Goldenen Kalb ein, trifft die Baubranche mit chirurgischer Genauigkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Paradox der Situation liegt darin, dass ausgerechnet die Klimakrise jetzt das leistet, was Jahrzehnte Baukulturdiskussion nicht vermochten: Sie zwingt die Branche zur Langfristigkeit. Der Begriff „embodied carbon&#8220;, der im Baumaterial gebundene Kohlenstoff, hat eine neue Qualitätsdiskussion ausgelöst, nicht aus ästhetischen, sondern aus ökologischen Gründen. Wer ein Gebäude nach 30 Jahren abreißt, hat den enormen CO2-Aufwand seiner Herstellung nie amortisiert. Die Lebensdauer eines Gebäudes ist kein romantisches Thema mehr. Sie ist eine Klimafrage. Und damit, auf Umwegen, wieder eine Frage des Guten.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt von der Trias?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eilert endet seinen brillanten Essay mit der Beobachtung, dass die Sehnsucht nach dem Schönen geblieben ist, auch wenn das Schöne als Ideal verlorengegangen schien. Taylor-Swift-Fans strömen ins Hessische Landesmuseum Wiesbaden, um ein Gemälde zu betrachten, das sie ungeschützt schön nennen würden. Die Sehnsucht ist nicht verschwunden. Sie hat nur keinen institutionellen Ort mehr.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In der Architektur gibt es diesen Ort noch, er wird nur selten genutzt. Jedes Mal, wenn ein Gebäude entsteht, das den öffentlichen Raum bereichert statt beschädigt, wenn ein Haus gebaut wird, das seine Bewohnerinnen und Bewohner nicht gleichgültig lässt, wenn eine Konstruktion ehrlich zeigt, was sie ist, ist das Wahre, Schöne und Gute noch anwesend. Nicht als Programm. Nicht als Inschrift im Dreiecksgiebel. Als Haltung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zu retten ist die Trias nicht als abstrakte Formel. Aber als Maßstab für eine Architektur, die mehr will als Rendite und Restnutzungsdauer: jederzeit.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Bauen für die Ewigkeit? Über die Halbwertszeit des Architektonischen</title>
		<link>https://baukunst.art/bauen-fuer-die-ewigkeit-ueber-die-halbwertszeit-des-architektonischen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Mar 2026 17:22:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Embodied Carbon]]></category>
		<category><![CDATA[Gebäudelebensdauer]]></category>
		<category><![CDATA[GEG]]></category>
		<category><![CDATA[Kreislaufwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15580</guid>

					<description><![CDATA[<p>Abriss nach einer Generation, Holzpavillons als Brennstoff, Stirling-Prize-Bauten im Abbruchcontainer: Die Kürze des Bauens ist längst kein Randphänomen mehr. Ein Kommentar.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"> Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber Baukunst.art</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Gebaut und schon veraltet: Der kurze Atem der Gegenwartsarchitektur</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bauwerke sind keine Wegwerfprodukte. Diese Aussage klingt so selbstverständlich, dass man sie kaum aussprechen müsste, und doch beschreibt sie einen Widerspruch, der den gegenwärtigen Architekturdiskurs zunehmend bestimmt: Gebäude werden kürzer genutzt, früher abgerissen und schneller ersetzt als je zuvor in der Nachkriegsgeschichte des Bauens.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das britische Fachmagazin Dezeen hat im Dezember 2025 eine längere Recherche unter dem Titel „How long should a building last?&#8220; veröffentlicht, die diesen Widerspruch auf den Punkt bringt. Die Fakten sind ernüchternd: Die meisten Gewerbebauten werden mit einer kalkulierten Nutzungsdauer von 50 bis 60 Jahren entworfen, in der Praxis halten viele nicht einmal halb so lange. Als symptomatisches Beispiel nennt der Artikel den ersten Träger des britischen Stirling Prize, das Centenary Building der Universität Salford: Noch in diesem Jahr wurde der Abriss genehmigt, gerade einmal 30 Jahre nach der Fertigstellung. Ein Preis für Architektur, die drei Jahrzehnte später nicht mehr gebraucht wird. Das ist keine Randnotiz, das ist ein Systemversagen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum werden Gebäude so früh aufgegeben?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort ist vielschichtig. In vier Jahrzehnten Berufspraxis habe ich erlebt, wie sich das Verhältnis zwischen Bauinvestition und Nutzungshorizont verschoben hat. In den 1980er Jahren sprachen Bauherrinnen und Bauherren noch selbstverständlich von Generationenprojekten. Heute denkt der gewerbliche Investor in Abschreibungszyklen von 15 bis 20 Jahren. Was danach kommt, ist planungstechnisch irrelevant, weil es wirtschaftlich nicht mehr interessiert. Das Gebäude als Finanzprodukt hat das Gebäude als baukulturelles Erbe längst überholt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt eine strukturelle Schwäche der Moderne: die Monofunktionalität. Städtische Stadien für Olympia und Fußball-Weltmeisterschaften werden heute bewusst als temporäre Strukturen geplant, was für diesen Sonderfall auch vertretbar ist. Problematisch wird es, wenn diese Denkweise auf das Alltagsbauen übertragen wird. Bürogebäude, die auf einen einzigen Nutzertyp zugeschnitten sind, Einzelhandelsbauten, deren Geometrie keine Umnutzung erlaubt, Schulen ohne Flexibilitätsreserven: All das produziert Gebäude mit vorgezogenem Verfallsdatum. Das Gegenteil von baulicher Weisheit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nicht zufällig haben die großen Bauwerke der Geschichte überlebt, weil sie strukturell großzügig dimensioniert waren: massive Mauern, hohe Räume, neutrale Grundrisse. Der gotische Sakralbau lässt sich vom Gotteshaus zum Konzerthall umnutzen, weil seine Geometrie Spielraum lässt. Das durchoptimierte Bürogebäude der Jahrtausendwende hingegen ist nach 20 Jahren Technologiegeschichte buchstäblich überholt, weil seine Grundrissraster, seine Haustechnikschächte und seine Installationsebenen auf eine bestimmte Arbeitsorganisation zugeschnitten wurden, die es nicht mehr gibt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet verkörperter Kohlenstoff für die Lebensdauerdebatte?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das wachsende Bewusstsein für die enormen Umweltkosten von Bauen und Abriss verstärkt den Druck, zu einer langlebigeren Architektur zurückzukehren. Der Begriff „embodied carbon&#8220;, auf Deutsch: der im Gebäude gebundene Kohlenstoff, ist in der Fachwelt angekommen, hat aber die Planungspraxis noch nicht grundlegend verändert. Dabei liegt die Rechnung auf der Hand: Wenn ein Gebäude in 30 Jahren abgerissen wird, amortisiert sich der erhebliche CO2-Aufwand seiner Herstellung nie. Das graue Energie-Budget ist schlicht verbraucht, ohne dass ein adäquater Nutzen dagegen steht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Expo-Beispiel aus Osaka, das Dezeen ebenfalls beleuchtet, zeigt die Grenzen gut gemeinter Intentionen. Der Grand Ring, das weltgrößte Holzgebäude, war als demontierbare Konstruktion konzipiert. Soweit, so nachhaltig. Doch nach Informationen des Dezeen-Autors soll das Gros der verwendeten 27.000 Kubikmeter Holz schlicht verbrannt werden, als Brennstoff, was der Architekt selbst als „das Schlimmste&#8220; bezeichnet, was man damit tun könnte. Der Kreislauf bleibt offen, das Material wird vernichtet. Die schöne Idee der Kreislaufwirtschaft scheitert an der logistischen Realität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Planungspraxis folgt daraus ein unbequemer Auftrag: Nicht jedes Material eignet sich für jeden Zweck, nicht jede Bauform ist gleich klimaverträglich. Wer ernsthaft über Nachhaltigkeit spricht, muss auch ernsthaft über Dauerhaftigkeit sprechen. Die Lebensdauer eines Gebäudes ist kein ästhetisches Thema, sie ist ein ökologisches.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Für die Ewigkeit bauen, ohne an die Ewigkeit zu glauben</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">John Ruskin, der viktorianische Architekturkritiker, schrieb bekanntlich: „When we build, let us think that we build forever.&#8220; Dieser Satz klingt heute fast utopisch. Aber er enthält eine operative Wahrheit, die keine Romantik ist, sondern Handlungsanweisung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine der befragten Architektinnen formuliert es pragmatisch: Es gehe darum zu wissen, „wann man mit Tinte zeichnet und wann mit Bleistift&#8220;. Das trifft den Kern. Nicht alles muss für die Ewigkeit gebaut sein. Ein Ausstellungspavillon, ein temporäres Bürogebäude für eine Projektphase, ein Notfallbau: Hier ist Vergänglichkeit systemimmanent und legitim. Die moralische Frage stellt sich bei Wohngebäuden, Schulen, Krankenhäusern, Verwaltungsbauten. Bei der Infrastruktur des öffentlichen Lebens.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau hier aber regiert seit Jahrzehnten die Kostenkalkulation auf Basis des Tagespreises, nicht der Lebenszykluskosten. Wer billiger baut und früher abreißt, gewinnt die Ausschreibung. Wer teurer baut, aber 150 Jahre lang nicht abreißen muss, verliert sie. Das ist kein Marktversagen, das ist Politikversagen. Die öffentliche Hand, die bei Beschaffung und Förderprogrammen nicht konsequent auf Lebenszyklusbetrachtungen umstellt, trägt eine Mitverantwortung für die strukturelle Kurzlebigkeit des Baubestands.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Gute Architektur ist keine Frage des Stils, sie ist eine Frage der Haltung. Und zur Haltung gehört, nicht nur die Eröffnung zu denken, sondern das Ende. Ein Gebäude, das nach einer Generation nichts mehr wert ist, war von Anfang an zu wenig gedacht. Dass sich diese Einsicht ausgerechnet über die Klimakrise in die Planungsdebatte zurückarbeitet, ist eine der wenigen produktiven Nebenwirkungen des ökologischen Drucks.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vielleicht ist das der eigentliche Fortschritt: nicht das immer Neue, sondern das entschlossen Bleibende.</p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
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