Berlins (braunes?) Stadtschloss

Ein Zankapfel zwischen Kultur und Politik. Das Berliner Stadtschloss, einst Residenz der Preußenkönige, steht heute im Mittelpunkt einer kontroversen Debatte. Der Grund: Die Finanzierung seiner Fassadenrekonstruktion, die durch Spenden aus der Bevölkerung ermöglicht wurde, stammt unter anderem aus rechtsgerichteten Kreisen. Philipp Oswalt, Architekt und Professor, hebt hervor, dass die historisierende Fassade, entgegen der modernen Gestaltung des Inneren, zu einem großen Teil von privaten Geldgebern finanziert wurde. Die öffentliche Hand trug 572 Millionen Euro der Gesamtkosten von 677 Millionen Euro, während die restlichen 105 Millionen Euro durch den 1992 gegründeten Förderverein Berliner Schloss eingesammelt wurden.

Finanzierung durch rechte Spender

Die Recherche Oswalts, die im Rahmen seines Buches „Bauen am nationalen Haus. Architektur als Identitätspolitik“ durchgeführt wurde, offenbart Verbindungen des Fördervereins ins rechte Milieu. Besonders der Bankier Ehrhardt Bödecker, ein Großspender des Projekts, steht posthum im Zentrum der Kritik. Bödeckers Äußerungen, die in einem Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte als antisemitisch und rechtsextrem bezeichnet wurden, zeigen, dass Spender mittels optionaler Bausteine sogar Einfluss auf die architektonische Gestaltung nehmen konnten – etwa bei der Rekonstruktion der Kuppel und des Eosanderportals.

Unterstützung aus rechtsextremen Kreisen

Der Förderverein, der politische Neutralität zu wahren suchte, um breite Unterstützung nicht zu gefährden, hatte laut Oswalt seit Gründung Verbindungen zu rechtsradikalen Politikern und Organisationen. Dies zeigt sich unter anderem in der Kooperation mit Figure

n wie Dieter Lieberwirth, einem Politiker der Partei Die Republikaner, der dem Gründungsvorstand des Vereins angehörte. Ferner waren rechtsgerichtete Publikationen wie die Zeitung Junge Freiheit namentlich als Spender aufgeführt und unterstützten das Projekt auch publizistisch. Diese Befunde werfen Fragen nach der politischen Dimension der Finanzierung und des Einflusses auf die Gestaltung des Schlosses auf.

Konflikte und Konsequenzen

Die Enthüllungen führten zu öffentlichen Diskussionen und internen Überprüfungen. Die Stiftung Humboldt Forum reagierte mit der Entfernung einer Ehrhardt Bödecker gewidmeten Ehrentafel und prüfte die Hintergründe weiterer Großspender. Trotz der Entwarnung seitens des Fördervereins hinsichtlich rechtsextremer Spender, basierend auf einer Überprüfung durch den Berliner Anwalt Peter Raue, bleiben Zweifel, da anonyme Spenden in Höhe von 25 Millionen Euro nicht rückverfolgbar waren und Raue in einem Interessenkonflikt stand.

Architektur und Identitätspolitik

Die Debatte um das Berliner Stadtschloss und die Garnisonkirche Potsdam, beide Rekonstruktionsprojekte mit historischem Symbolwert, spiegelt die strategischen Bemühungen der Neuen Rechten wider, ihr Gedankengut in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Oswalts Recherchen verweisen auf die Bedeutung solcher Bauprojekte im kulturellen Kampf um die Interpretation nationaler Identität und Geschichte.

Oswalts Artikel im Magazin ZEIT ONLINE deckt auf, dass das Berliner Stadtschloss nicht nur ein architektonisches, sondern auch ein politisches Symbol ist, das zwischen demokratischen Werten und rechtsextremer Vereinnahmung steht.

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