Baukunst ist eine Haltung

Liebe Kollegin, lieber Kollege,

das vergangene Jahrzehnt war für uns Architektinnen und Architekten eine Zeit des Wohlstands, beflügelt durch niedrige Zinsen, die den Immobiliensektor und die damit verbundenen Planungsberufe, einschließlich der Architektur, befruchteten. Immobilieninvestitionen, oft als “Betongold” bezeichnet, haben eine Blütezeit unseres Berufsstandes eingeläutet.

Jedoch stehen wir jetzt vor Herausforderungen. Veränderungen zeigen sich nicht nur bei großen Akteuren wie René Benko und seine Signa Gruppe, sondern betreffen auch die energetische Sanierung bestehender Gebäude. Inflation, steigende Zinsen und finanzielle Einschränkungen des Staates, unter anderem durch ein BGH-Urteil, bringen viele geplante Investitionen ins Wanken. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Baubranche, einschließlich der Architekturbüros, die bereits eine Verringerung des Auftragsvolumens bemerken.

Politische Ankündigungen wie die “Bauwende” geben zwar Anlass zur Hoffnung, aber ihre Finanzierung und gesamtwirtschaftliche Durchdachtheit bleiben fraglich. Ein von Bund und Ländern angestoßener “Bau-Turbo” mag zwar das Bauen erleichtern, kommt jedoch in einer Zeit, in der die Branche bereits unter Druck steht. Hinzu kommt der Fachkräftemangel, der unsere Arbeit und das Erreichen der Klimaziele bedroht.

Für Architekturbüros bleibt die Zukunft unsicher. Eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs im Juli 2019 hat die verbindlichen Mindestsätze nach der HOAI für Architektenhonorare aufgehoben, was es schwieriger macht, angemessene Honorare in wirtschaftlich angespannten Zeiten durchzusetzen. Ergänzend zu einer geplanten Erhöhung der HOAI-Honorarsätze müssen Bedingungen geschaffen werden, um diese auch in der Praxis realisieren zu können.

Baukunst ist eine Haltung und kennt keine Grenzen. Wenn man das EUGH-Urteil genau studiert, könnte eine deutsche Lösung zumindest für den Bereich des Entwurfs erreichbar sein. Ziel muss es jedoch sein, allen Architektinnen und Architekten angemessene Honorare zu ermöglichen. Die Durchsetzung dieses Anspruchs kann allerdings nur dann erfolgreich sein, wenn nicht nur national, sondern auch international gedacht wird.

Stuart Stadler
Architekt VFA

zum thema

KI – Jenseits des Menschlichen?

Künstliche Intelligenz ist im Bereich der Architektur und des Bauwesens angekommen. Sie läßt sich jetzt in breiter Art und Weise im Architekturbetrieb einsetzen. Mit Midjourney, Dall●E, Stable Diffusion, Craiyon, etc. werden offene Türen eingerannt. Michael Holze ist Professor für computergestützte Architekturdarstellung an der BHT Berlin. Bei BAUKUNST erklärt er, wie KI heute in der Architektur eingesetzt wird.

Initiative Baukunst wird Baukunst.ART

Heute, da ein Schwerpunkt meiner Arbeit in der ehrenamtlichen Auseinandersetzung mit Architektur liegt, freue ich mich, ein aufregendes neues Kapitel für unsere Zeitschrift „Baukunst“ einzuläuten.

Selbstversuch mit Künstlicher Intelligenz

In diesem kurzen Dialog zwischen einem Architekten und einer KI beleuchten wir die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit einer KI am Beispiel einer Planung für ein Wochenendhauses in Tirol.