Das Privatmuseum

Sammlungen reicher Menschen können oft recht langweilig sein. Sie bestehen oft aus verlässlichen, bekannten Namen wie Anish Kapoor, Andreas Gursky, Julian Opie, David Hockney, Georg Baselitz und Anselm Kiefer, die in Auktionen erworben wurden. Hortensia Herrero, eine der reichsten Spanierinnen und Mitverwalterin der größten Supermarktkette des Landes, Mercadona, hat diese Künstler auch in ihrer Sammlung, die sie zusammen mit dem erfahrenen Kurator Xavier Molins zusammenstellt. Ihr Ansatz unterscheidet sich jedoch wohltuend von anderen Sammlungen.

Jedes einzelne Kunstwerk, teils direkt aus den Ateliers, wird gründlich diskutiert und ausgewählt. Im Gegensatz zu anderen Sammlungen wird die Auswahl der Werke persönlicher gestaltet. Die Hälfte der Künstler stammt aus Spanien, darunter Größen wie Cristina Iglesias mit ihren flüssigen Bronzewänden und -böden sowie der renommierte Bildhauer Miquel Barceló. Ein Fünftel der Werke stammt aus lokalen Galerien. Nach einer fünfjährigen Renovierungsphase des Valeriola-Renaissancepalastes im ehemaligen jüdischen Viertel von Valencia wurde die einzigartige Sammlung Raum für Raum in das weitläufige Gebäude integriert. Jeder Raum wurde entsprechend den Besonderheiten der Werke und möglicher Bezüge zur Geschichte des Gebäudes gestaltet.

Das Gebäude selbst, mit seinen Ziegelwänden aus dem 16. Jahrhundert, zeigt seine älteren Teile aus dem Mittelalter, ähnlich wie es auch in Barcelona der Fall ist. Es wurde für 40 Millionen Euro renoviert, da es jahrzehntelang für verschiedene Zwecke genutzt wurde, darunter sogar als Club mit Löwenkäfigen, in denen Betrunkene mutige Aktionen vollbrachten. Im Inneren des Gebäudes schweben nun kubistische Glaswolken des Künstlers Tomás Saraceno im Innenhof und verwandeln diesen in eine sich ständig verändernde Skulptur.

Die Sammlung selbst präsentiert sich in verschiedenen Räumen des Gebäudes, beginnend mit klassischen Werken wie Dubuffets „Milord“ von 1974 bis hin zu zeitgenössischen Arbeiten. Besonders beeindruckend ist der Raum, der einst als Palastkapelle diente und komplett vom Künstler Sean Scully gestaltet wurde. Seine Fenster erzeugen ein ungewöhnliches Licht und seine Kunst schafft eine Verbindung zwischen Poesie und Spiritualität.

Die Sammlung reflektiert auch die lokale Geschichte und moderne Elemente. Videoinstallationen des Briten Mat Collishaw zeigen beispielsweise die imposanten Feuerwerke und rituellen Verbrennungen riesiger Holzpuppen, die Teil der Tradition des Stadtfestes zum heiligen Joseph sind. Eine ähnliche Verbindung zur Stadt wird durch andere Installationen hergestellt, die auf historische Ereignisse und lokale Legenden eingehen.

zum thema

Völliger Größenwahn?

Mit einer Länge von 365 Metern, einem Gewicht von 250.800 Bruttotonnen und Platz für 7.600 Passagiere wird die "Icon of the Seas" das neue größte Kreuzfahrtschiff der Welt sein.

Genua wird völlig unterschätzt

Bei einem Städtetrip nach Italien denkt man in der Regel zunächst an die bekannten Metropolen Rom, Florenz und Venedig. Genua hingegen gerät oft unbeachtet. Doch die Hafenstadt hat viele Überraschungen zu bieten.