Einfache CO2-Berechnung für Architekturbüros

Ein System, das den Planungsprozess revolutioniert

CO2 ist die Währung der Stunde, und gerade in der Baubranche sollte man meinen, dass es überall darum geht, den CO2-Fußabdruck zu minimieren. Doch die Realität sieht anders aus: Nur wenige Architekturbüros haben einen Überblick über den CO2-Verbrauch ihrer Gebäude. Das soll sich nun ändern – dank eines neuen, einfach anwendbaren Systems der Bundesarchitektenkammer (BAK). Eva Holdenried und Bert Bielefeld, Mitglieder der entsprechenden Arbeitsgruppe, erläutern die Details.

Status quo der CO2-Berechnung

Bert Bielefeld, Professor für Bauökonomie und Baumanagement, erklärt, dass die CO2-Berechnung bisher kein selbstverständlicher Teil des Planungsprozesses ist. Oft wird sie erst im Nachgang durchgeführt, um Fördermittel zu beantragen oder Zertifikate zu erhalten. Eva Holdenried, Innenarchitektin und Leiterin der BAK-Arbeitsgruppe Digitalisierung und Nachhaltigkeit, fügt hinzu, dass viele Architekturbüros schlichtweg nicht wissen, wo sie anfangen sollen.

Die Lösung: Ein bekanntes System

Das Ziel der neuen Methode ist es, die CO2-Berechnung so einfach wie möglich zu gestalten. Holdenried und Bielefeld schlagen vor, die bereits bekannte Systematik der Kostenermittlung auf die CO2-Berechnung zu übertragen. „Wir Architektinnen und Architekten sind in der Lage, eine planungsbegleitende CO2-Ermittlung mit dem Methodenkatalog der DIN 276 zu machen“, so Bielefeld. Die Methodik, die in der Branche bereits beherrscht wird, soll nun auch für die CO2-Berechnung genutzt werden.

Vom Groben ins Feine

Traditionell erfolgt die CO2-Berechnung oft retrospektiv, was den Planungsprozess unnötig verkompliziert. Die neue Herangehensweise soll es ermöglichen, CO2-Werte bereits während des Planens zu berücksichtigen. Dies erlaubt es Architektinnen und Architekten, fundierte Entscheidungen zu treffen – beispielsweise ob ein Holz- oder Massivbau sinnvoller ist – und die CO2-Bilanz direkt in ihre Planungsgespräche mit Bauherren einzubeziehen.

Praktische Umsetzung

Für die praktische Umsetzung bieten sich verschiedene Tools an, wobei BIM (Building Information Modeling) erhebliche Vorteile bietet. Jedoch ist es laut Holdenried und Bielefeld auch möglich, einfache Mittel wie Excel-Tabellen zu nutzen. Hier können zusätzliche Spalten für CO2-Werte eingefügt werden, um Kosten und CO2-Bilanz parallel zu betrachten.

Datenverfügbarkeit und Zukunftsperspektiven

Das Baukosteninformationszentrum der Architektenkammern (BKI) arbeitet daran, substanzielle CO2-Werte bereitzustellen, die den verschiedenen Planungsstufen entsprechen. Dieser Prozess wird in den nächsten Jahren voranschreiten, sodass Architekturbüros bald mit den CO2-Daten ähnlich wie mit Baukosten agieren können.

Zusätzlicher Aufwand und Honorierung

Die CO2-Berechnung stellt zwar eine zusätzliche Leistung dar, die entsprechend honoriert werden kann. Bielefeld betont jedoch, dass dieses Thema durch den Gesetzgeber bald stärker in den Fokus rücken wird. Architekturbüros sollten daher vorbereitet sein und ihre Prozesse anpassen.

Fazit

Mit dem neuen System der BAK wird die CO2-Berechnung für Architekturbüros nicht nur einfacher, sondern auch integraler Bestandteil des Planungsprozesses. Dies ermöglicht es, nachhaltigere Entscheidungen zu treffen und den CO2-Fußabdruck von Gebäuden bereits in der Planungsphase zu reduzieren. So wird die Baubranche einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten können – und das ohne großen zusätzlichen Aufwand.

BKI Konstruktionsatlas KA1

Bauteile mit Ökobilanzen, CO2-Äquivalenten und Baupreisen für die nachhaltige und wirtschaftliche Planung

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