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	<title>Baukultur-Archiv - Baukunst</title>
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	<description>Architektur und Ästhetik im gebauten Raum</description>
	<lastBuildDate>Tue, 07 Jul 2026 12:06:15 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Baukultur-Archiv - Baukunst</title>
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		<title>Bauen für die Macht: Was der Pavillon Le Corbusier über Architektur und Herrschaft lehrt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Jul 2026 10:26:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur und Macht]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Pavillon Le Corbusier Zürich seziert die Symbiose von Architektur und Herrschaft. Warum Le Corbusiers „Plan Voisin“ zeigt, wozu das moderne Planungsrecht die Antwort ist. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/bauen-fuer-die-macht-was-der-pavillon-le-corbusier-ueber-architektur-und-herrschaft-lehrt/">Bauen für die Macht: Was der Pavillon Le Corbusier über Architektur und Herrschaft lehrt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong>  |  Unterwegs | Juli 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Wem gehört die Stadt? Der Pavillon Le Corbusier und die Verführung des großen Wurfs</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">„Bauen für die Macht“ bezeichnet die jahrtausendealte Symbiose zwischen Architektur und Herrschaft, in der monumentale Bauten Autorität sichtbar machen und Baukünstlerinnen und Baukünstler dafür Aufträge, Ruhm und dauerhafte Wirkung erhalten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau dieses Verhältnis rückt der Pavillon Le Corbusier in Zürich vom 17. April bis 29. November 2026 ins Zentrum. Die vom Museum für Gestaltung Zürich verantwortete Ausstellung, kuratiert und szenografiert von Direktor Christian Brändle, stellt eine Frage, die weit über die Kunstgeschichte hinausreicht: Wem dient der Städtebau, wenn er im großen Maßstab denkt? Der Ausstellungsort selbst, Le Corbusiers letztes gebautes Werk und sein einziger Bau aus Stahl und Glas, wird dabei zum wichtigsten Exponat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Tradition, der die Schau nachspürt, ist alt. Von den Pyramiden der Antike über Triumphbögen und Parlamentsbauten bis zu den Hauptsitzen globaler Konzerne dienen Monumentalität, Dauerhaftigkeit und Maßstab immer wieder als Werkzeuge politischer, religiöser oder ökonomischer Macht. Sie prägen bis heute die gebaute Umwelt und versprechen den Planenden im Gegenzug Sichtbarkeit, Einfluss und Nachruhm.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was zeigt die Ausstellung im Pavillon Le Corbusier?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf rund 600 Quadratmetern und über vier Geschosse folgt die Schau der Anziehungskraft, die monumentale Aufträge auf Architektinnen und Architekten ausüben. Als Kronzeuge dient Le Corbusier (1887 bis 1965), geboren als Charles-Édouard Jeanneret-Gris. Seine Idealstädte der Zwischenkriegszeit oszillieren zwischen utopischem Fortschrittsglauben und autoritärer Ordnung. Die „Ville contemporaine“ von 1922 skizziert eine vertikal verdichtete Stadt für drei Millionen Menschen; der „Plan Voisin“ fordert den großflächigen Abriss ganzer Pariser Quartiere zugunsten einer streng gerasterten Neubaulandschaft. In der „Ville radieuse“ von 1930 verdichtet sich diese Vision zur Idee einer Heilung der Gesellschaft durch Planung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Schau benennt auch die formalen Werkzeuge dieser Tradition. Monumentale Dimensionen, endlose symmetrische Achsen und der Rückgriff auf die Formensprache der Antike lassen das Individuum klein und das System groß erscheinen; der gemeinsame Bauprozess wiederum stiftet ein Kollektiv der Beteiligten, oft auf Kosten der Vielfalt. Im Erdgeschoss treffen mit dem „Pavillon des Temps Nouveaux“ von 1937 und den städtebaulichen Großentwürfen zwei Schlüsselwerke aufeinander, die Le Corbusiers Ideen als visuelles Manifest lesbar machen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Museumsdirektor Christian Brändle formuliert die These pointiert: Le Corbusier sei „kein Nazi, kein Faschist“ gewesen, wohl aber „ein gnadenloser Opportunist“. Die Ausstellung zeichnet den Weg von frühen Pariser Entwürfen über Projektangebote an Stalin bis zu Verhandlungen mit dem Vichy-Regime nach. Dass Le Corbusier die Formensprache Albert Speers ablehnte, hatte demnach weniger moralische als ästhetische Gründe: Pomp und Pathos widersprachen seiner Idee funktionaler Reinheit. Diese Ambivalenz macht die faszinierenden Entwürfe heute zu verstörenden Dokumenten der Zeitgeschichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dass die Versuchung des radikalen Umbaus auch Zürich erreichte, belegt ein lokaler Bezug innerhalb der Schau: Karl Mosers Planungsstudie für die Zürcher Altstadt von 1933. Der Pavillon rahmt diese Erzählung doppelt. Er entstand nach einem Entwurf Le Corbusiers, wurde von der Bauherrin Heidi Weber initiiert und zwei Jahre nach dem Tod des Architekten 1967 vollendet. Heute steht er unter Denkmalschutz und wird seit 2019 vom Museum für Gestaltung im Auftrag der Stadt Zürich betrieben. Der Bau lädt zu einer promenade architecturale über mehrere Geschosse ein und macht das Ideal der Moderne körperlich erfahrbar. Ein Werk der Moderne wird so zum Gehäuse einer Kritik an der Moderne.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet Le Corbusiers Erbe für das heutige Planungsrecht?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die entscheidende Lehre der Ausstellung liegt weniger in der Person als im Verfahren. Der „Plan Voisin“ verkörpert eine Planung von oben: Ein einzelner Gestalter entwirft die Stadt als Ganzes, die Bewohnerschaft kommt darin nur als zu ordnende Masse vor. Genau gegen diese Versuchung ist das moderne Raumplanungsrecht gebaut. Das schweizerische Bundesgesetz über die Raumplanung (RPG, SR 700) verteilt die Planungshoheit bewusst auf Bund, Kantone und Gemeinden und bindet sie in Art. 1 RPG an das Ziel der haushälterischen Bodennutzung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zentral ist Art. 4 RPG: Die mit Planungsaufgaben betrauten Behörden müssen die Bevölkerung über Ziele und Ablauf der Planungen unterrichten und dafür sorgen, dass sie in geeigneter Weise mitwirken kann; die Pläne sind öffentlich. Wo Le Corbusier ein Quartier per Federstrich auslöschte, verlangt das geltende Recht Information, Mitwirkung und öffentliche Auflage. Der Städtebau wird damit vom Machtinstrument zum ausgehandelten Gemeinwerk. Auch der Denkmalschutz, der den Pavillon heute sichert, gehört zu dieser Ordnung: Das Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG, SR 451) schützt das bauliche Erbe gerade vor jener Tabula-rasa-Logik, die der „Plan Voisin“ gefeiert hatte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese föderale Zuständigkeitsordnung ist kein bürokratischer Zufall, sondern eine bewusste Gewaltenteilung im Raum: Was der Bund im RPG als Rahmen vorgibt, konkretisieren Kantone und Gemeinden in ihren Bau- und Zonenordnungen, stets unter dem Vorbehalt der Mitwirkung. So wird verhindert, dass eine einzelne Instanz, sei es ein Architekt oder ein Regime, die gebaute Umwelt im Alleingang bestimmt. Dass der denkmalgeschützte Pavillon den heutigen Bauvorschriften nicht mehr entspricht und dennoch Bestand hat, ist selbst ein Beleg für den Vorrang des kulturellen Werts vor der reinen Norm.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Praxis ist das mehr als Rechtsgeschichte. Verdichtung, Klimaanpassung und Wohnungsnot verlangen heute wieder Eingriffe im großen Maßstab. Die Ausstellung erinnert daran, dass der Maßstab allein noch keine Legitimität schafft. Ob ein Großprojekt der Gesellschaft dient oder sie überformt, entscheidet nicht die Kühnheit des Entwurfs, sondern die Qualität des Verfahrens: Beteiligung, Transparenz und der Schutz des Bestehenden. Der Streit um Nachverdichtung, Hochhauszonen und den Abbruch intakter Bausubstanz wird in Zürich, München und Wien mit ähnlichen Argumenten geführt wie einst gegen den Plan Voisin. Wer Quartiere im Namen der Effizienz opfert, verliert leicht aus dem Blick, dass eine Stadt aus mehr besteht als aus optimierten Grundrissen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">So gelesen ist „Bauen für die Macht“ keine reine Corbusier-Retrospektive, sondern eine Mahnung an die Gegenwart. Wer heute für die Verdichtung plant, sollte den Pavillon nicht allein als Denkmal der Moderne besuchen, sondern als Lehrstück über ihre blinden Flecken. Die Davos-Erklärung zur Baukultur von 2018 fordert eine hohe Baukultur für alle; ihr institutionelles Fundament aber bleibt das Planungsrecht. Es diszipliniert die Faszination des großen Wurfs, indem es die Macht über den Raum an Verfahren und Öffentlichkeit zurückbindet. Genau diese Rückbindung sollte das Publikum mitnehmen, wenn es den gläsernen Pavillon am Zürcher Seeufer wieder verlässt.</p>
<h2 style="font-weight: 400;"><strong>Besucherinformation</strong></h2>
<table style="font-weight: 400;" width="624">
<tbody>
<tr>
<td width="153"><strong>Ausstellung</strong></td>
<td width="471">„Bauen für die Macht“. Beziehungen zwischen Architektur und Autorität</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Ort</strong></td>
<td width="471">Pavillon Le Corbusier, Höschgasse 8, 8008 Zürich</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Träger</strong></td>
<td width="471">Museum für Gestaltung Zürich, im Auftrag der Stadt Zürich</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Laufzeit</strong></td>
<td width="471">17. April bis 29. November 2026 (Saison 2026)</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Öffnungszeiten</strong></td>
<td width="471">Dienstag bis Sonntag 12 bis 18 Uhr</p>
<p>Donnerstag 12 bis 20 Uhr</p>
<p>Montag geschlossen</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Eintritt</strong></td>
<td width="471">Erwachsene CHF 15, ermäßigt CHF 10</p>
<p>Unter 20 Jahren freier Eintritt</p>
<p>Donnerstags ab 17 Uhr freier Eintritt</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"></td>
<td width="471"></td>
</tr>
<tr>
<td width="153"></td>
<td width="471"></td>
</tr>
<tr>
<td width="153"></td>
<td width="471">Audio-Tour mit 18 Stationen; Führungen, Ausstellungsgespräche und Workshops</td>
</tr>
<tr>
<td width="153"><strong>Kontakt</strong></td>
<td width="471">Telefon +41 43 446 44 68, <a href="mailto:welcome@museum-gestaltung.ch" target="_blank" rel="noopener">welcome@museum-gestaltung.ch</a></p>
<p>Web: <a href="https://pavillon-le-corbusier.ch/de" target="_blank" rel="noopener">pavillon-le-corbusier.ch</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="font-weight: 400;"><em>Angaben ohne Gewähr; Stand der Recherche Juli 2026. Öffnungszeiten und Eintritt bitte vor dem Besuch prüfen.</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/bauen-fuer-die-macht-was-der-pavillon-le-corbusier-ueber-architektur-und-herrschaft-lehrt/">Bauen für die Macht: Was der Pavillon Le Corbusier über Architektur und Herrschaft lehrt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Gestaltung als Voraussetzung des Zusammenhalts: der Baukulturbericht 2026/27</title>
		<link>https://baukunst.art/gestaltung-als-voraussetzung-des-zusammenhalts-der-baukulturbericht-2026-27/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 09:12:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[BauGB]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Baukulturelle Leitlinien des Bundes]]></category>
		<category><![CDATA[Davos-Erklärung]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaftlicher Zusammenhalt]]></category>
		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlicher Raum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gestaltqualität als Frage des sozialen Zusammenhalts: was der siebte Baukulturbericht der Bundesstiftung Baukultur für Städte und Demokratie bedeutet.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/gestaltung-als-voraussetzung-des-zusammenhalts-der-baukulturbericht-2026-27/">Gestaltung als Voraussetzung des Zusammenhalts: der Baukulturbericht 2026/27</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>baukunst.art</strong> | Gesellschaft | Juni 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Vermessung des Zusammenhalts: Wie ein Bericht Architektur zur Demokratiefrage macht</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Baukultur bezeichnet die Gesamtheit der gestalterischen, prozessualen und sozialen Qualitäten des Planens und Bauens, und der am 11. Juni 2026 beim Konvent der Baukultur in Potsdam vorgestellte Baukulturbericht 2026/27 der Bundesstiftung Baukultur erhebt diese Qualität zur Voraussetzung gesellschaftlichen Zusammenhalts. Unter dem Titel „Gestalten: Prozesse, Bauen, Zusammenhalt“ legt die Stiftung ihren siebten Lagebericht vor, den der Stiftungsrat am 7. April 2026 verabschiedet hat und den Vorstandsvorsitzender Reiner Nagel an die Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, Verena Hubertz, übergeben hat. Die Bundesregierung hat die Vorlage in ihrer Unterrichtung (Bundestagsdrucksache 21/6220) ausdrücklich begrüßt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Befund verschiebt den Blickwinkel. Wo frühere Ausgaben die Infrastrukturen (2024/25), die neue Umbaukultur (2022/23) oder die öffentlichen Räume (2020/21) in den Mittelpunkt rückten, fragt der aktuelle Bericht, wie gestalterische Entscheidungen das demokratische Miteinander prägen. Grundlage sind vier Baukulturwerkstätten, eine vom Meinungsforschungsinstitut forsa durchgeführte Bevölkerungsbefragung, eine Kommunalumfrage sowie eine Umfrage bei den planenden Berufen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum verknüpft der Bericht Gestaltung mit Demokratie?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die zentrale These lautet, dass gebaute Umwelt nicht neutral ist, sondern soziale Wirklichkeit erzeugt. Gut gestaltete Orte stiften Orientierung, signalisieren Wertschätzung und ermöglichen Begegnung; vernachlässigte Räume verlagern Kosten in spätere Umbauten, in Konflikte und in eine wachsende Entfremdung. Diese Lesart steht in der Tradition der Davos-Erklärung von 2018, die hohe Baukultur als Gemeingut und als Beitrag zu sozialer Kohäsion definiert, und sie schließt an die Baukulturellen Leitlinien des Bundes an. Sie berührt zugleich eine ältere stadtsoziologische Einsicht, wonach der Zugang zu qualitätvollem Raum eine Frage gesellschaftlicher Teilhabe ist und nicht des privaten Geschmacks.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bericht unterlegt die These mit Daten. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft sank der kommunale Anteil öffentlicher Mittel für die Gestaltung der Umwelt zwischen 1992 und 2022 von 34 auf 20 Prozent. Gleichzeitig halten rund 90 Prozent der Bevölkerung gute Gestaltung beim Bauen für stark oder sehr stark förderlich für das Wohlbefinden, so die forsa-Bevölkerungsbefragung 2026. Zwischen dem Anspruch der Bürgerinnen und Bürger und der haushälterischen Wirklichkeit der Städte und Gemeinden klafft demnach eine Lücke. Der Bericht verbindet diese Lücke mit einem politischen Befund: Viele Menschen bekennen sich zur Demokratie, zugleich wachsen die Unzufriedenheit mit ihrem Funktionieren und das Gefühl, kaum Einfluss zu haben. Gut gestaltete Orte könnten hier Vertrauen stiften, weil sie Sicherheit ausstrahlen und Teilhabe erfahrbar machen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Rolle spielen öffentliche Räume für den Zusammenhalt?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Schlüsselrolle, so die Argumentation. Der Bericht beschreibt Begegnungsorte als infrastrukturelle Voraussetzung von Teilhabe und greift dabei das Konzept der dritten und vierten Orte auf: Bibliotheken, Nachbarschaftstreffs, Parks und Formen gemeinschaftlichen Wohnens, die jenseits von Wohnung und Arbeitsplatz Halt geben. Als gebaute Beispiele führt die Stiftung unter anderem das Bürgerzentrum Alte Feuerwache in Köln, die zur Gemeinschaftsnutzung umgebaute Dornbuschkirche in Frankfurt am Main, das Quartier Franklin Village in Mannheim sowie einen Übernachtungsschutz für wohnungslose Menschen in München an. Letzteres Beispiel verknüpft die Gestaltfrage ausdrücklich mit Inklusion und sozialer Teilhabe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonderes Gewicht erhalten die Orte der Demokratie. Öffentliche Bauherrinnen und Bauherren, also Bund, Länder und Kommunen, prägen mit Rathäusern, Schulen und Plätzen das Bild des Gemeinwesens; der Bericht fordert für diese Vorhaben höchste architektonische, ökologische und soziale Standards und rechnet auch die Erinnerungskultur dazu. Rechtlich anschlussfähig ist die Forderung über Paragraf 1 Absatz 6 Nummer 5 des Baugesetzbuches, der die Belange der Baukultur als Abwägungsgrund der Bauleitplanung benennt. Auch verkehrspolitische Weichenstellungen wirken hinein: die Fußverkehrsstrategie der Bundesregierung von 2025 sowie die Reform von Straßenverkehrsgesetz und Straßenverkehrsordnung von 2024 erweitern den Spielraum der Kommunen, öffentlichen Raum zugunsten von Aufenthalt und Begegnung umzuverteilen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet der Befund für planende Büros und Kommunen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Praxis rückt der Bericht den Prozess vor das Objekt. Qualität entscheide sich früh, in der sogenannten Phase Null, also der gestalterischen Bedarfsklärung vor den Leistungsphasen 1 bis 9 der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI), und sie müsse über eine Phase Zehn bis in Betrieb und Pflege weiterverfolgt werden. Wettbewerbe, fachliche Beratung und verbindliche Qualitätsanforderungen in Vergabe und Förderung gelten als zentrale Instrumente. Ergänzend mahnt der Bericht, baukulturelle Kompetenz früher in Schulen, Handwerksausbildung und Hochschulstudium zu verankern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt die Umbaukultur. Die europäische Bürgerinitiative HouseEurope! wirbt für ein „Right to Reuse“ und damit für einen strukturellen Vorrang des Weiterbauens vor dem Abriss. Ein 2025 veröffentlichtes Forschungsprojekt der Technischen Universität Dresden weist erstmals einen Rückgang der jährlichen Abrisszahlen nach und führt ihn auf gewandeltes Bewusstsein und wirtschaftliche Erwägungen zurück. Niedersachsen hat mit der Novelle seiner Bauordnung von 2024 einen rechtlichen Rahmen geschaffen, der den Umbau erleichtert; der Bericht empfiehlt vergleichbare Umbauordnungen für weitere Länder.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritisch bleibt zu fragen, ob ein Appell an Gestaltqualität trägt, solange die kommunalen Mittel schrumpfen und der Fachkräftemangel die Bauwirtschaft bremst. Der Bericht benennt diese Spannung selbst, indem er Baukultur ausdrücklich als Aufgabe für Krisenzeiten und nicht als Luxus guter Jahre versteht. Seine Handlungsempfehlungen, von der verbindlichen Phase Null über demokratiefördernde öffentliche Bauten bis zur Stärkung zivilgesellschaftlichen Engagements, adressieren Politik, Verwaltung, planende Berufe und Handwerk gleichermaßen. Ob daraus mehr wird als ein weiterer wohlmeinender Statusbericht, hängt davon ab, ob Gestaltung als messbarer Belang in Haushalte, Vergaberichtlinien und Förderprogramme einzieht. Die gebaute Umwelt, daran lässt der <strong><a href="https://www.bundesstiftung-baukultur.de/fileadmin/files/BKB-26/260604_Baukulturbericht_2026-27_Gestalten_barrierefrei.pdf" target="_blank" rel="noopener">Baukulturbericht 2026/27</a></strong> keinen Zweifel, ist das größte gemeinsame Projekt einer Gesellschaft, und ihre Qualität entscheidet mit darüber, ob Menschen einander begegnen oder sich ins Private zurückziehen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"></h1>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/gestaltung-als-voraussetzung-des-zusammenhalts-der-baukulturbericht-2026-27/">Gestaltung als Voraussetzung des Zusammenhalts: der Baukulturbericht 2026/27</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wer entscheidet, was gute Architektur ist?</title>
		<link>https://baukunst.art/wer-entscheidet-was-gute-architektur-ist/</link>
					<comments>https://baukunst.art/wer-entscheidet-was-gute-architektur-ist/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 May 2026 14:34:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Premium]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
		<category><![CDATA[RPW 2013]]></category>
		<category><![CDATA[Vergabewesen]]></category>
		<category><![CDATA[VgV]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=16459</guid>

					<description><![CDATA[<p>Trump verordnet per Dekret die Klassik, die AfD träumt vom Heimatstil, und prominente Stararchitekten loben halblaut den autoritären Bauherrn, der ohne Bürgerbeteiligung und Vergaberegeln bauen lässt. Politisch trennt diese Lager alles. Im Kern aber teilen sie eine Geringschätzung des geregelten Verfahrens, das die Architektenkammern verteidigen. Wer darf eigentlich entscheiden, was gute Architektur ist, das Preisgericht oder die Macht? Eine berufspolitische Einordnung.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wer-entscheidet-was-gute-architektur-ist/">Wer entscheidet, was gute Architektur ist?</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Meinung <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Mai 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Verachtung des Verfahrens: über Stilverordnung und die Liebe zum starken Bauherrn</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage, wer über gute Architektur entscheidet, ist keine ästhetische, sondern eine Machtfrage; und die bemerkenswerteste Entwicklung der vergangenen Jahre besteht darin, dass politische Stilverordner und ungeduldige Stararchitekten bei ihrer Antwort näher beieinanderliegen, als beide zugeben würden. Beide misstrauen dem Verfahren.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wer verordnet inzwischen den Geschmack?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der prominenteste Fall steht in Washington. Im August 2025 unterzeichnete US-Präsident Donald Trump die Verfügung „Making Federal Architecture Beautiful Again“, die klassische und traditionelle Architektur zum bevorzugten Stil für neue Bundesbauten erklärt. In der Hauptstadt soll die Klassik zur Standardwahl werden, Bauten sollen als Zivilbauten erkennbar sein und Würde, Stabilität und Inspiration verkörpern. Brutalismus und Moderne werden ausdrücklich als überholte Moden genannt. Die Verfügung wiederholt einen Erlass aus Trumps erster Amtszeit von 2020, den der damalige Präsident Joe Biden 2021 zurücknahm.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Strukturell ist das dasselbe Muster, das sich auch im Programmentwurf der Alternative für Deutschland (AfD) in Mecklenburg-Vorpommern findet, der einen unscharfen architektonischen Heimatstil für öffentliche Bauten fordert. Wie an dieser Stelle bereits ausgeführt, verschiebt eine solche Vorgabe die Gestaltungsfrage von der fachlichen Beurteilung zur staatlichen Stilkontrolle. Die ästhetischen Vorzeichen unterscheiden sich, hier nationale Klassik, dort Regionalstil; das ordnungspolitische Prinzip ist identisch. Der Staat schreibt die Form vor, und das Urteil der Fachleute wird zur nachgeordneten Größe.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist die Begründung. In beiden Fällen wird der Wille einer Mehrheit beschworen, die sich angeblich von der Moderne abgewandt hat. Das Weisse Haus berief sich in seinem Fact Sheet ausdrücklich auf die Präferenzen der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Geschmack wird so zur Frage demokratischer Legitimation umgedeutet, was eine bequeme, aber gefährliche Verschiebung darstellt. Denn niemand stimmt über Fassaden ab, und kein Wahlergebnis ersetzt eine fachliche Beurteilung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum lieben manche Stararchitekten den autoritären Bauherrn?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die zweite, leisere Stimme kommt aus dem Berufsstand selbst. Patrik Schumacher, Direktor von Zaha Hadid Architects, hat mehrfach vertreten, dass Aufträge in Ländern wie China, Aserbaidschan oder im Ägypten Husni Mubaraks gerade bei Kulturprojekten als möglicher Gewinn für die Menschenrechte zu deuten seien und nicht als Unterstützung von Unrecht. Sein bekanntestes Beispiel ist das Heydar-Aliyev-Center im aserbaidschanischen Baku, ein gefeierter Bau in einem autoritär regierten Staat.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Schumachers eigene Politik ist dabei keineswegs autoritär, im Gegenteil. Der frühere Marxist gilt heute als Anarcho-Kapitalist, lehnt sozialen Wohnungsbau, Wohnungsregulierung und zentrale Stadtplanung ab und wirbt für privat betriebene Städte. Sein Argument für den autoritären Auftraggeber ist deshalb kein ästhetisches, sondern ein praktisches: Wo demokratische Beteiligung, Vergaberegeln und knappe öffentliche Budgets fehlen, lassen sich kühne Entwürfe schneller und ungehinderter realisieren. Der Diktator ist als Bauherr nicht attraktiv, weil er besseren Geschmack hätte, sondern weil er ohne Reibung entscheidet und zahlt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau hier treffen sich die beiden Lager, die politisch Gegenpole sind. Der verordnende Politiker und der ungeduldige Stararchitekt teilen eine Geringschätzung: Beide empfinden das offene, regelgebundene Verfahren als Hindernis. Der eine will es durch Stilvorgaben ersetzen, der andere durch seine Umgehung. Was dem einen die lästige Mehrheitsmoderne ist, ist dem anderen die lästige Bürgerbeteiligung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was verteidigen Kammern und Berufsrecht eigentlich?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">An dieser Stelle wird die berufspolitische Dimension sichtbar. Das deutsche Vergaberecht behandelt die genannte Reibung nicht als Mangel, sondern als Qualitätssicherung. Nach § 74 Vergabeverordnung (VgV) sollen Architektenleistungen oberhalb der EU-Schwellenwerte in der Regel im Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb vergeben werden; bei Planungswettbewerben verpflichtet § 78 Absatz 2 VgV öffentliche Auftraggeber zur Anwendung der Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW 2013). Anonymität, unabhängiges Preisgericht und die Beurteilung der besten Lösung sind keine Bürokratie, sondern Schutzmechanismen gegen genau jene beiden Versuchungen, die Verordnung von oben und die Willkür des einzelnen Bauherrn.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundesarchitektenkammer (BAK) verfolgt mit ihrem Compliance-Papier von 2018 das Ziel, möglichst jedes konkurrierende Verfahren als geregelten, fairen Leistungswettbewerb durchzuführen. Dahinter steht eine Überzeugung, die in der aktuellen Debatte oft untergeht: Gute Architektur entsteht nicht, weil eine Autorität sie befiehlt, sondern weil konkurrierende Entwürfe von unabhängigen Fachleuten geprüft werden. Das Verfahren ist nicht die Bremse der Qualität, es ist ihre Voraussetzung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Einwand liegt nahe, dass Wettbewerbe langsam, teuer und manchmal mutlos seien. Das stimmt in Einzelfällen, und niemand sollte das Verfahren gegen Kritik immunisieren. Doch die Antwort auf ein verbesserungswürdiges Verfahren ist seine Reform, nicht seine Abschaffung zugunsten eines starken Mannes, der entscheidet, oder einer Verordnung, die vorschreibt. Wer schnelle, prächtige Bauten allein als Argument für autoritäre Effizienz anführt, verwechselt das Bauwerk mit dem Weg dorthin.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Damit schließt sich der Kreis. Die Sehnsucht nach dem reibungslosen Bauen, ob in Gestalt der präsidialen Stilverfügung oder der Bewunderung für den Golf-Auftraggeber, läuft auf dieselbe Entmündigung hinaus. Sie nimmt der Fachöffentlichkeit das Urteil und überträgt es an die Macht. Die freien Berufe haben dem historisch das geregelte Verfahren entgegengesetzt, das unabhängige Preisgericht und die fachliche Verantwortung. Diese Errungenschaft zu verteidigen, ist weniger spektakulär als ein neuer Prachtbau in Baku oder eine klassizistische Fassade in Washington. Sie ist aber das, was Architektur von reiner Machtdemonstration unterscheidet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Architektonischer Heimatstil</title>
		<link>https://baukunst.art/architektonischer-heimatstil/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 30 May 2026 09:25:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
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		<category><![CDATA[RPW 2013]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die AfD will öffentliche Bauten einem architektonischen Heimatstil unterwerfen. Der Begriff bleibt vage, die Folgen für Vergaberecht, Kammern und Baukultur sind konkret. Eine Einordnung.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Beruf <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Mai 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heimat aus Stein: über den Versuch, Architektur politisch zu normieren</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektonischer Heimatstil bezeichnet die Vorstellung, dass öffentliche Bauten regionale Bautraditionen sichtbar fortschreiben sollen; als verbindliche politische Vorgabe formuliert, verschiebt der Begriff die Gestaltungsfrage von der fachlichen Beurteilung zur staatlichen Stilkontrolle. Genau in dieser Form taucht er nun in einem Programmentwurf der Alternative für Deutschland (AfD) auf, und genau deshalb verdient er eine berufspolitische Einordnung.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was steht im Programmentwurf der AfD?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Mai 2026 enthält der nicht-öffentliche Entwurf für ein Regierungsprogramm der AfD in Mecklenburg-Vorpommern die Forderung, bei öffentlichen Bauten künftig auf einen architektonischen Heimatstil zu achten. Zur Begründung heißt es, eine gesichtslose moderne Architektur habe Einzug gehalten, regionale Baustile fänden sich nur noch selten und sorgten so für eine mangelnde Identifikation mit der Heimat. Wie dieser Stil konkret aussehen soll, bleibt im Entwurf offen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Vorstoß steht nicht allein. Bereits 2024 verurteilte die AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt das Bauhaus in einem Antrag als Irrweg der Moderne und forderte, die Glorifizierung des Bauhaus-Erbes abzulehnen. Anlass war das Doppeljubiläum des UNESCO-Weltkulturerbes Bauhaus in den Jahren 2025 und 2026. Flankiert wird der aktuelle Entwurf von Plänen zur Förderung traditioneller Volkskunst und zur Überprüfung ideologisch motivierter Projekte, was bei Kulturschaffenden im Land erkennbar Sorgen auslöst.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ist das nicht dasselbe wie bei König Charles?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Parallele liegt nahe, trägt aber nur an der Oberfläche. Als Prince of Wales war Charles über Jahrzehnte der prominenteste Kritiker der britischen Nachkriegsmoderne. 1984 bezeichnete er einen geplanten Erweiterungsbau der National Gallery am Trafalgar Square als monströsen Auswuchs im Gesicht eines geliebten Freundes; der Entwurf wurde daraufhin fallengelassen. 1989 folgte mit „A Vision of Britain“ ein Buch samt BBC-Dokumentation, in dem er zehn Grundsätze für Architektur und Stadtplanung formulierte: Ortsbezug, menschlicher Maßstab, regionale Materialien, Vorrang des Fußgängers. Umgesetzt hat er diese Haltung in der Modellstadt Poundbury in Dorset, deren Masterplan vom Architekten Léon Krier stammt, und später in Nansledan bei Newquay.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Unterschied ist entscheidend. Bei Charles handelte es sich um eine ästhetische und stadtbauliche Position, vorgetragen von einer Person ohne Gesetzgebungsmacht, finanziert auf eigenem Grund und der fachlichen Kritik ausgesetzt. Der AfD-Entwurf hingegen stellt einen unscharfen Heimatstil als mögliche verbindliche Vorgabe für öffentliche Bauten in Aussicht, eingebettet in ein identitätspolitisches Programm. Die Worte ähneln sich, der gesichtslose Modernismus gegen die verlorene Identität; der ordnungspolitische Rahmen unterscheidet sich grundlegend.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Begriff selbst ist historisch vorbelastet. Als Heimatschutzstil bezeichnete man um 1900 eine Strömung, die sich gegen die Industriearchitektur wandte und regionale Bauformen pflegte; im Nationalsozialismus wurde diese Formensprache für eine völkische Heimatideologie vereinnahmt und gegen die als undeutsch diffamierte Moderne in Stellung gebracht. Wer den Begriff heute ohne Erläuterung als politische Vorgabe einsetzt, ruft diese Vorgeschichte mit auf, ob gewollt oder nicht.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet eine staatliche Stilvorgabe für das Vergaberecht?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier liegt der eigentliche berufspolitische Konflikt. Die Vergabe von Architektenleistungen folgt einem geregelten Verfahren. Oberhalb der EU-Schwellenwerte sollen Planungsleistungen nach § 74 Vergabeverordnung (VgV) in der Regel im Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb vergeben werden; bei Planungswettbewerben verpflichtet § 78 Absatz 2 VgV öffentliche Auftraggeber zur Anwendung der Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW 2013). Diese Verfahren beruhen auf Anonymität, auf einem unabhängigen Preisgericht und auf der Beurteilung der besten Lösung, nicht der politisch genehmen Form.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine verbindliche Stilvorgabe griffe in dieses System ein. Wer als Auslobungskriterium einen Heimatstil verlangt, ohne ihn fachlich definieren zu können, schafft Rechtsunsicherheit und öffnet die Beurteilung für sachfremde Erwägungen. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) verfolgt mit dem Compliance-Papier von 2018 das erklärte Ziel, möglichst jedes konkurrierende Verfahren als geregelten, fairen Leistungswettbewerb durchzuführen. Eine staatlich verordnete Formensprache liefe diesem Anspruch zuwider.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was folgt daraus für kleine Büros und die Baukultur?</strong></h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Betroffen wären zunächst kleine und mittlere Planungsbüros. Sie tragen die Mehrzahl der öffentlichen Verfahren und besitzen weder die Ressourcen noch den Spielraum, um auf wechselnde politische Stilkonjunkturen zu reagieren. Eine unbestimmte Vorgabe wie Heimatstil verlagert das Risiko auf die Einreichenden und bevorzugt jene, die das jeweils Erwünschte am besten antizipieren. Für Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger, die ohnehin schwer in geschlossene Verfahren gelangen, wächst die Hürde weiter.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt der gesetzliche Auftrag der Architektenkammern, die Baukultur zu fördern. Baukultur meint nicht eine bestimmte Epoche, sondern die Qualität des Prozesses und des Ergebnisses. Sie schließt sorgfältig geplante Rekonstruktionen ebenso ein wie zeitgenössische Entwürfe. Eine politische Festlegung auf einen einzigen, noch dazu undefinierten Stil verengt diesen Begriff und stellt die fachliche Selbstverwaltung in Frage, die das Berufsrecht den Kammern zuweist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenschaft tut deshalb gut daran, die Debatte nicht den politischen Lagern zu überlassen. Der berechtigte Wunsch vieler Menschen nach Orten, mit denen sie sich identifizieren, ist real und durch den Immobilienmarkt belegt; urbane Altbauten erzielen vielerorts die höchsten Quadratmeterpreise. Diesen Wunsch ernst zu nehmen, heißt jedoch nicht, ihn per Verordnung in eine Stilrichtung zu zwingen. Es heißt, Verfahren so zu gestalten, dass Ortsbezug, Maßstab und Materialgerechtigkeit zu echten Wettbewerbskriterien werden, beurteilt von unabhängigen Fachleuten statt von Parteitagen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heimatstil ist damit weniger eine Stilfrage als eine Machtfrage: Wer entscheidet über die Gestalt des öffentlichen Raums? Die Antwort der freien Berufe lautet seit jeher das geregelte Verfahren, das unabhängige Urteil und die fachliche Verantwortung. Diese Antwort zu verteidigen, ist berufspolitisch wichtiger als jede einzelne Fassade.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Die belastete Adresse: Wie Geschichte Immobilienwerte formt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 May 2026 07:39:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie beeinflussen Geschichte und Stigma den Wert einer Immobilie? Vom Spukhaus zum NS-Bau: ein Essay über belastete Adressen und die Rolle der Architektur.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">| </strong></em>Gesellschaft <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">| </em>Mai 2026</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Mauern haben ein Gedächtnis</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Vom Spukhaus zum Speer-Bau: Wie Geschichte den Wert und das Schicksal von Immobilien formt</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es gibt Häuser, die niemand kaufen will, und solche, deren Geschichte sich nicht abreißen lässt. Vom Suizid im Treppenhaus bis zur Villa eines NS-Funktionärs: Immobilien tragen Erinnerung, ob es ihren Eigentümerinnen und Eigentümern gefällt oder nicht. Wie wirkt sich diese unsichtbare Last auf Wert, Nutzung und Verantwortung aus? Und welche Rolle spielen Architektinnen und Architekten, wenn ein Bauwerk mehr Geschichte trägt als Substanz?</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Beeinflusst die Geschichte einer Immobilie ihren Wert?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Immobilie ist nie nur ein Bauwerk. Sie ist ein Stück Stadt, ein Stück Biografie, manchmal ein Stück Schande. Käuferinnen und Käufer entscheiden selten allein nach Quadratmetern und Substanz. Sie kaufen auch eine Adresse, eine Nachbarschaft, eine Erzählung. Und wenn diese Erzählung belastet ist, fällt der Preis. Manchmal um Prozente, manchmal um die Hälfte, manchmal so weit, dass sich kein Käufer mehr findet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Belastung muss dabei nicht historisch verbürgt sein. Es genügt, dass sie geglaubt wird. Ein Suizid, ein Tötungsdelikt, ein zugesprochener Spuk wirken wirtschaftlich, weil sie den Kreis der potenziellen Käuferinnen und Käufer verkleinern. Wer sich auf die Verhandlung einlässt, weiß das und kalkuliert es ein.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was sagt das deutsche Recht zur Stigmatisierung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Juristisch ist die Lage in Deutschland klar und gleichzeitig unbefriedigend. Ein Suizid, ein Tötungsdelikt, ein vermuteter Spuk berühren die physische Beschaffenheit einer Immobilie nicht und gelten daher nach herrschender Meinung nicht als Sachmangel im Sinne des § 434 BGB. Der Bundesgerichtshof hat das in mehreren Entscheidungen bestätigt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aufgeklärt werden muss aber, wer gefragt wird. Eine arglistige Täuschung beim Verkauf führt zur Rückabwicklung, selbst dann, wenn der Mangel nur in den Köpfen existiert. Einige Instanzgerichte gehen weiter und verlangen bei besonders schweren Vorfällen, etwa Mehrfachmord, eine Offenbarung auch ohne Nachfrage. Wertgutachten nach ImmoWertV erfassen das Phänomen ohnehin nicht. Was zwischen Verkehrswert und Verkaufspreis liegt, ist Verhandlung, nicht Methodik.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie gehen andere Länder mit belasteten Immobilien um?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im internationalen Vergleich wirkt der deutsche Markt fast gelassen. In Hongkong werden Wohnungen, in denen jemand unnatürlich gestorben ist, als „Hongza&#8220; (凶宅) in eigenen Datenbanken geführt. Der Abschlag liegt regelmäßig zwischen zwanzig und vierzig Prozent, in Einzelfällen höher. In Japan firmiert Vergleichbares unter „jiko bukken&#8220; (事故物件), mit Offenlegungsrichtlinien des Verkehrsministeriums und deutlich niedrigerer Miete. In vielen US-Bundesstaaten ist die Disclosure für „stigmatized properties&#8220; gesetzlich vorgeschrieben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der deutsche Pragmatismus wirkt dagegen wie eine ungeschriebene Übereinkunft, das Thema möglichst nicht zu groß werden zu lassen. Das hat Vorteile, weil es Spekulationen über Verkaufsobjekte begrenzt. Es hat Nachteile, weil es Käuferinnen und Käufer im Unklaren lässt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was passiert mit Bauten von NS-Größen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die schwerere Frage beginnt dort, wo die belastete Geschichte nicht mehr persönlich, sondern kollektiv ist. Hitlers Geburtshaus in Braunau wurde nach Jahrzehnten juristischen Tauziehens 2016 von der Republik Österreich enteignet und zur Polizeidienststelle umgebaut. Bewusst, um die symbolische Aufladung zu neutralisieren. Der Berghof am Obersalzberg wurde 1952 gesprengt, das Gelände später überformt. Carinhall, das Jagdhaus Hermann Görings, sprengte die Wehrmacht selbst noch im Krieg. Rudolf Heß wohnte in einer Pullacher Villa, auf deren Gelände heute der Bundesnachrichtendienst sitzt. Das Haus der Wannsee-Konferenz dagegen wurde nicht ausgelöscht, sondern musealisiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jede dieser Entscheidungen ist eine politische Setzung, keine bautechnische. Abriss, Umnutzung, Gedenkstätte, schlichte Weiternutzung: alle vier Wege sind begangen worden, und keiner ist neutral. Hinzu kommt das marktwirtschaftliche Problem. Auch unterhalb der prominenten Beispiele gibt es zehntausende Häuser, die einst arisiert wurden, Funktionärsfamilien beherbergten oder im Auftrag der NSDAP entstanden. Die offenen Restitutionsfragen belasten Verkehrswerte bis heute. Der Käuferkreis sortiert sich selbst aus, sobald die Geschichte bekannt wird.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wer kauft ein belastetes Haus?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau hier liegt die unangenehme Asymmetrie. Während sich seriöse Interessentinnen und Interessenten zurückziehen, steigt das Risiko, dass sich die falsche Klientel meldet. Rechtsextreme Pilger, ideologische Erbschleicher, Investoren mit Inszenierungsabsicht. Kommunen und Länder reagieren darauf seit Jahren defensiv. Vorkaufsrechte werden gezogen, Verkäufe scheitern an Auflagen, Liegenschaften werden lieber öffentlich gehalten als am Markt platziert. Es ist eine stille Form der Geschichtspolitik mit den Mitteln des Liegenschaftsrechts.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Rolle spielen Architektinnen und Architekten?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für unseren Berufsstand entsteht daraus eine Aufgabe, die mit klassischer Baukunst wenig zu tun hat. Wer ein belastetes Bauwerk saniert, umnutzt oder kontextualisiert, betreibt Erinnerungsarbeit mit baulichen Mitteln. Das Ordensburg-Gelände Vogelsang in der Eifel ist dafür das instruktivste Beispiel: ein architektonisch hochwertiger NS-Bau, der seit zwei Jahrzehnten konsequent sichtbar gemacht statt versteckt wird. Die alten Reliefs bleiben. Die neuen Texttafeln daneben sprechen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Tendenz der letzten zwanzig Jahre geht klar weg vom Verdrängen, hin zur sichtbaren Kontextualisierung. Das gilt nicht nur für NS-Bauten. Es gilt auch für DDR-Funktionsbauten, für koloniale Verwaltungssitze, für Sakralbauten, deren Gemeinde verschwunden ist. Architektur ist nie eine ahistorische Hülle. Sie ist immer ein Speicher.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt vom belasteten Haus?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Ende stellt sich die schlichte Frage. Was machen wir mit Häusern, deren Geschichte größer ist als ihre Substanz? Drei Antworten haben sich etabliert. Abriss als Befreiung, Musealisierung als Pflicht, Umnutzung als Pragmatismus. Die vierte Antwort, schlicht weiterbewohnen, als sei nichts geschehen, wird gesellschaftlich immer schlechter akzeptiert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis. Eine Immobilie ist nie nur eine Ware. Sie ist eine Verbindlichkeit gegenüber dem, was war. Wer kauft, übernimmt nicht nur Substanz, sondern auch Erzählung. Wer baut, schreibt an dieser Erzählung mit. Und wer abreißt, löscht nicht selten mehr, als ihm lieb ist.</p>
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		<title>Wenn Häuser können, was Bilder fordern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 17:26:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Editorial]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Ausstellung Mai 2026]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[DACH-Raum]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sechs Ausstellungen zwischen Wien, Zürich und Deutschland zeigen, was Museumsarchitektur leistet. Eine siebte, das Pergamonmuseum, zeigt, was sie kostet.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong>baukunst.art</strong> | Editorial | Mai 2026<br />
Lesezeit 12 Minuten</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was Baukunst kann. Sechs Museumsbauten und ein Großprojekt im Vergleich</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Sechs Ausstellungen zwischen Wien, Zürich und der deutschen Museumslandschaft machen sichtbar, was Architektur leistet. Eine siebte, das Pergamonmuseum, zeigt, was sie kostet.</em></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es ist Zufall, aber er trägt. Wer im Mai 2026 zwischen Hamburg und Duisburg, zwischen Kassel und Remagen, zwischen Frankfurt und Köln pendelt, kann an einem einzigen Wochenende erleben, was sonst nur in der Theorie behauptet wird. Dass ein Museum nicht Behälter ist, sondern Gesprächspartner. Dass Architektur und Werk einander erst etwas abgewinnen müssen, bevor eine Ausstellung tatsächlich stattfindet. Und dass die deutsche Museumslandschaft in diesem Frühjahr eine bemerkenswerte Reibung produziert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In sechs Häusern laufen gleichzeitig Schauen, die ihr jeweiliges Gebäude unter Druck setzen. Yayoi Kusamas Polka Dots treffen im Museum Ludwig auf das 10,80-Meter-Raster von Busmann und Haberer. Die Wiener Malerin Maria Lassnig hängt in Hamburg neben Edvard Munch, gerahmt von Oswald Mathias Ungers&#8216; weißem Würfel und kuratiert in Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich. Anish Kapoor stellt seine spiegelnden Skulpturen in den Sichtbetonschalen Manfred Lehmbrucks aus. Günther Uecker, in seiner letzten Schau, steht im Arp Museum zwischen dem klassizistischen Bahnhof Rolandseck und Richard Meiers Purismus auf der Rheinhöhe. In Kassel zeigt Hessen Kassel Heritage Rembrandts Markenwerdung in einem Schloss, das selbst Marke war. Und im Frankfurter Städel hängt Monets Étretat unter den 195 runden Oberlichtern der unterirdischen Gartenhalle von schneider+schumacher.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sechs Häuser, sechs Epochen, sechs kuratorische Antworten auf dieselbe Frage. Und einmal sogar eine echte DACH-Klammer: Hamburg zeigt Lassnig aus der Wiener Stiftung neben Munch aus Oslo, konzipiert mit Zürich. Was wie ein deutsches Frühjahr aussieht, ist tatsächlich ein deutschsprachiges.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was unterscheidet einen Behälter von einem Resonanzraum?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Frage ist nicht akademisch. Sie entscheidet darüber, ob ein Museum Baukunst ist oder Infrastruktur. Wer Ungers&#8216; Galerie der Gegenwart durchquert und vor Lassnigs „Mit einem Tiger schlafen&#8220; steht, erfährt etwas, das in keinem Lehrbuch über Museumsbau steht. Die Strenge des Hauses behauptet sich nicht gegen das Bild, sie verlangt vom Bild eine Antwort. Wer in Duisburg von der eingegrabenen Lehmbruck-Halle in die stützenfreie Glashalle wechselt und dort Kapoors S-Kurven sieht, erlebt zwei gegensätzliche Raumkonzepte als gleichberechtigte Stimmen. Die Architektur nimmt sich nicht zurück, sie spricht mit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau das ist die Pointe des Mai-Programms. Häuser, die in der Architekturkritik oft als zu streng (Ungers), zu eigenwillig (Busmann und Haberer), zu introvertiert (Lehmbruck) oder zu purem Manifest (Meier) beschrieben werden, erweisen sich in dieser Saison als robuster, als ihre Kritiker behaupten. Sie tragen Werke, die ihre ästhetischen Voraussetzungen in Frage stellen, und gehen dabei nicht unter. Im Gegenteil. Sie werden lesbar.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was zeigt das Pergamonmuseum, das die anderen nicht zeigen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während sechs Häuser im Frühjahr 2026 vorführen, wie Architektur und Werk miteinander sprechen, hebt ein siebtes die Frage auf eine andere Ebene. <strong><a href="https://baukunst.art/das-pergamonmuseum-berlins-ewige-baustelle/" target="_blank" rel="noopener">Das Pergamonmuseum</a> </strong>auf der Berliner Museumsinsel ist seit Oktober 2023 vollständig geschlossen. Die Sanierung läuft bis 2037. Vierundzwanzig Jahre für ein Haus, das in seinen besten Jahren zu den meistbesuchten Museen Deutschlands gehörte. Eineinhalb Milliarden Euro vom Bund. Ein Bauabschnitt im Dezember 2025 fertig, der nächste begonnen, der dritte ohne belastbares Datum.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage ist hier nicht mehr, wie ein Haus ausstellt. Sondern ob es überhaupt noch ausstellt, bevor eine ganze Architektenkarriere zu Ende geht. Wer 2013 als Berufseinsteiger den ersten Spatenstein miterlebt hat, kann zur vollständigen Wiedereröffnung im Vorruhestand stehen. Das ist keine Anekdote, sondern eine baukulturelle Diagnose. Wo das einzelne Haus in Hamburg, Köln oder Duisburg sein Profil schärft, verliert das Großprojekt in Berlin den Begriff des Provisoriums.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vielleicht ist genau das die Lehre des Mai 2026. Museumsbau gelingt nicht in der Größe, sondern in der Schärfe.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was lohnt sich zu sehen?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer einen Tag hat, fährt nach <strong><a href="https://baukunst.art/polka-dots-im-sheddach-wenn-kusamas-kunst-die-architektur-von-busmann-haberer-befragt/" target="_blank" rel="noopener">Köln</a></strong> und <strong><a href="https://baukunst.art/anish-kapoor-im-lehmbruck-museum-wenn-skulptur-die-nachkriegsmoderne-befragt/" target="_blank" rel="noopener">Duisburg</a></strong>. Zwei Häuser der 1980er Jahre, zwei Skulpturen-Positionen, eine Stunde Bahnfahrt. <a href="https://baukunst.art/polka-dots-im-sheddach-wenn-kusamas-kunst-die-architektur-von-busmann-haberer-befragt/" target="_blank" rel="noopener">Kusama</a> gegen <a href="https://baukunst.art/anish-kapoor-im-lehmbruck-museum-wenn-skulptur-die-nachkriegsmoderne-befragt/" target="_blank" rel="noopener">Kapoor</a>, Sheddach gegen Sichtbeton. Wer ein Wochenende hat, kombiniert <strong><a href="https://baukunst.art/zwei-marken-zwei-haeuser-wie-hessen-2026-rembrandt-und-monet-inszeniert/" target="_blank" rel="noopener">Kassel</a></strong> und <strong><a href="https://baukunst.art/zwei-marken-zwei-haeuser-wie-hessen-2026-rembrandt-und-monet-inszeniert/" target="_blank" rel="noopener">Frankfurt</a></strong>. Klassizismus und unterirdische Lichthalle, Rembrandt und Monet, der Vergleich zweier Inszenierungskulturen inklusive. Wer die lange Strecke wählt, nimmt <strong><a href="https://baukunst.art/zwei-leben-ein-weisser-wuerfel/" target="_blank" rel="noopener">Hamburg</a></strong> und <strong><a href="https://baukunst.art/verletzlichkeit-zwischen-klassizismus-und-stahlbeton-uecker-im-arp-museum/" target="_blank" rel="noopener">Rolandseck</a></strong>. Ungers&#8216; Würfel und Meiers Tunnel als Eckpunkte einer westdeutschen Museumsgeschichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Leserinnen und Leser in Österreich und der Schweiz ist die <strong><a href="https://baukunst.art/zwei-leben-ein-weisser-wuerfel/" target="_blank" rel="noopener">Hamburger Scha</a>u</strong> ohnehin der direkteste Anker. Sie ist eine Kooperation des Kunsthauses Zürich, sie zeigt eine Wiener Malerin, sie ist die einzige Station, die das DACH-Spektrum in einer einzigen Ausstellung zusammenbindet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bleibt der Hinweis auf Berlin. Wer die Mschattafassade sehen will, muss noch elf Jahre warten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>„Aufbruch, Salzkammergut!“: Modellregion der neuen Ländlichkeit</title>
		<link>https://baukunst.art/aufbruch-salzkammergut-modellregion-der-neuen-laendlichkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Apr 2026 09:26:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturhauptstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Regionalentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Salzkammergut]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Salzkammergut will Modellregion ländlicher Zukunft werden. „Aufbruch, Salzkammergut!“ führt die Kulturhauptstadt 2024 fort, 2027 startet die Triennale.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">baukunst.art · Kategorie Österreich</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Salzkammergut: Vom Titeljahr zur Dauerbewegung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><em>Nach dem Titeljahr 2024 organisiert sich das Salzkammergut strukturell neu. Die Nachfolgeorganisation „Aufbruch, Salzkammergut!“ will die 23 Kulturhauptstadt-Gemeinden in Oberösterreich und der Steiermark als Modellregion für das ländliche Europa positionieren. Im Herbst 2027 ist erstmals eine Salzkammergut-Triennale geplant. Für die Baukultur ist die Nachnutzung baulicher Infrastrukturen aus dem Titeljahr zentral.</em></p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was ist „Aufbruch, Salzkammergut!“?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Initiative ist die oberösterreichische Nachfolgeorganisation der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024. Projektträger ist die Otelo eGen mit Sitz in Vorchdorf. Das Team arbeitet in der Kulturvilla Vorchdorf, Bahnhofstraße 13, und betreibt freitags ein offenes Büro im Otelo Bad Ischl in der Pfarrgasse 11. Geleitet wird das Projekt von Christina Jaritsch, Obmann der Otelo eGen ist Martin Hollinetz. In der Steiermark besteht mit dem Kulturbüro Ausseerland Salzkammergut eine zweite Nachfolgestruktur. Beide fungieren künftig als regionale Drehscheiben für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft. Die Zusammenarbeit ist nicht mehr an die 23 Kulturhauptstadt-Gemeinden gebunden, sondern öffnet sich gezielt in Richtung Salzburg und darüber hinaus.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie erfolgreich war die Kulturhauptstadt Bad Ischl 2024?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Endbilanz vom 27. März 2025 in der Bad Ischler Trinkhalle nennt 824.518 Besuche, 314 realisierte Projekte und 2.800 Beteiligte aus 73 Ländern. Die Ausgaben lagen bei rund 31 Millionen Euro. Eine im Dezember 2025 veröffentlichte Studie des Zentrums für Nonprofit-Organisationen und Social Impact an der Wirtschaftsuniversität Wien berechnet den Social Return on Investment: Jeder investierte Euro erzeugte einen monetarisierten Gegenwert von 4,28 Euro. Bad Ischl war die erste inneralpine, ländlich geprägte Kulturhauptstadt in der Geschichte des EU-Titels.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet „neue Ländlichkeit“ konkret?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Nachfolgeorganisation versteht den ländlichen Raum nicht als Defizitzone, sondern als Zukunftsraum. Projektleiterin Christina Jaritsch beschreibt das Ziel als Verbindung von Tradition und zeitgenössischer Kultur, ohne Bräuche gegen Innovation auszuspielen. Thematisch geht es um Abwanderung junger Menschen, Daseinsvorsorge, Beteiligungsformate und internationale Vernetzung. Der programmatische Leitsatz der Initiative lautet: nicht für die Region, sondern mit der Region. Im europäischen Kontext positioniert sich das Salzkammergut damit als Modellraum für Regionen, die nach einem Kulturhauptstadtjahr Strukturen verstetigen wollen.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Welche Baukultur-Projekte werden weitergeführt?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus dem Kulturhauptstadtjahr reichen mehrere bauliche Ankerprojekte in die Nachnutzung. Das Sudhaus in Bad Ischl wird als Kulturhaus revitalisiert. Das Lehár-Theater wird seit 2025 generalsaniert, die Wiedereröffnung ist für 2027 vorgesehen. Das Museum der Stadt Bad Ischl wurde neu gestaltet, das Schriftmuseum Bartlhaus und das Literaturmuseum Altaussee arbeiten weiter. In Gmunden ist mit dem KunstQuartier ein neuer Ankerpunkt für zeitgenössische Kunst entstanden. ÖBB-Bahnhöfe wurden zwischenzeitlich mit Kunst bespielt. Die Baukultur- und Handwerksformate interventa Hallstatt, Zimmer mit Aussicht und SCALA Salzkammergut Craft Art Lab bleiben in der Region aktiv. Die strukturelle Weiternutzung dieser Orte ist für die Glaubwürdigkeit der Modellregion entscheidend.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wann findet die Salzkammergut-Triennale 2027 statt?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die erste Ausgabe der Salzkammergut-Triennale ist für Herbst 2027 angekündigt. Sie soll einen dreijährigen Rhythmus für eine regionale Großveranstaltung etablieren und den Impuls des Titeljahres verstetigen. Ein detailliertes Programmgerüst ist öffentlich noch nicht kommuniziert. Parallel läuft die Generalsanierung des Lehár-Theaters, dessen Wiedereröffnung mit der Triennale zusammenfällt.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie ist „Aufbruch, Salzkammergut!“ finanziert?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit Landtagsbeschluss vom 29. Jänner 2026 wurde die Basisfinanzierung bis 2028 mit 380.000 Euro abgesichert. Dazu kommen private Sponsoren, Bundesmittel über das zuständige Ministerium sowie eine EU-Kofinanzierung. Die Trägerorganisation Otelo eGen verantwortet die operative Steuerung. Bürgermeisterin Ines Schiller (SPÖ) und Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) stellen die Initiative politisch breit auf.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Einordnung für die Baukultur</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Salzkammergut wird zum Testfall für die These, dass ein Kulturhauptstadtjahr nicht im Abschlussfest endet, sondern in eine regionale Infrastruktur übersetzt werden kann. Für Architektur und Baukultur entscheidet sich der Erfolg an konkreten Objekten: Lehár-Theater, Sudhaus, KunstQuartier Gmunden. Gelingt die Nachnutzung, bekommt der Begriff „neue Ländlichkeit“ ein belastbares Fundament. Gelingt sie nicht, bleibt er Rhetorik.</p>
<hr />
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>Die Eckdaten:</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">824.518 Besuche im Titeljahr, 314 Projekte, 2.800 Beteiligte aus 73 Ländern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">WU-Wien-SROI-Studie (Dezember 2025): 4,28 Euro Gegenwert pro investiertem Euro.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Landtagsbeschluss OÖ (29.1.2026): 380.000 Euro Basisfinanzierung bis 2028.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Erste Salzkammergut-Triennale: Herbst 2027.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Baukultur relevant sind die Generalsanierung des Lehár-Theaters bis 2027, die Revitalisierung des Sudhauses als Kulturhaus und das neue KunstQuartier Gmunden. Die Formate interventa Hallstatt und SCALA Craft Art Lab bleiben aktiv.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Leitformel der Initiative: nicht für die Region, sondern mit der Region.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/aufbruch-salzkammergut-modellregion-der-neuen-laendlichkeit/">„Aufbruch, Salzkammergut!“: Modellregion der neuen Ländlichkeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Baukunst unter Druck: Warum der Berufsstand der Architektinnen und Architekten an einem Scheideweg steht</title>
		<link>https://baukunst.art/baukunst-unter-druck-warum-der-berufsstand-der-architektinnen-und-architekten-an-einem-scheideweg-steht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 11:43:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[#Zukunftarchitektur]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[HOAI]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15791</guid>

					<description><![CDATA[<p>Architektinnen und Architekten kämpfen um ihre Existenz: Honorardumping, Regulierungsabbau und serielles Bauen bedrohen Baukultur und Berufsstand gleichermaßen. Unterstützen Sie diese Initiative</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/baukunst-unter-druck-warum-der-berufsstand-der-architektinnen-und-architekten-an-einem-scheideweg-steht/">Baukunst unter Druck: Warum der Berufsstand der Architektinnen und Architekten an einem Scheideweg steht</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Wie ein EU-Urteil, Fertigbaulobby und Bürokratieabbau den Berufsstand der Architektinnen und Architekten in die Existenzfalle treiben</em></h1>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Fundament bröckelt</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer ein Haus baut, braucht soliden Grund. Was für Gebäude gilt, trifft auf Berufe ebenso zu – und der Berufsstand der Architektinnen und Architekten steht gegenwärtig auf erschüttertem Terrain. Drei Entwicklungen überlagern sich dabei auf unglückliche Weise: das <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">EuGH-Urteil zur HOAI</strong> aus dem Jahr 2019, das <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Vergabetransformationsgesetz</strong> mit seiner Tendenz zur Generalübernehmervergabe sowie Erleichterungen in der seit dem 1. Januar 2025 gültigen Fassung der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">bayerischen Bauordnung (BayBO)</strong>, die bestimmte Bauvorhaben nun verfahrensfrei stellt – Vorhaben, die bisher zwingend eine Architektin oder einen Architekten erforderten. Zusammen ergeben diese drei Entwicklungen eine Gemengelage, die in ihrer Konsequenz den Berufsstand strukturell gefährdet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Rund vierzig Jahre Berufspraxis lehren eines: Architektinnen und Architekten haben schon manchen Sturm überstanden. Die HOAI-Novellen der Vergangenheit, die Digitalisierungswelle, der BIM-Umbruch – jedes Mal gelang die Anpassung. Doch das EuGH-Urteil vom 4. Juli 2019 (Rechtssache C-377/17) trifft tiefer. Der Europäische Gerichtshof erklärte die verbindlichen Mindest- und Höchstsätze der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Honorarordnung für Architektinnen und Architekten sowie Ingenieurinnen und Ingenieure</strong> für unvereinbar mit europäischem Recht. Das Gericht sah im Wesentlichen eine unzulässige Beschränkung des freien Dienstleistungsverkehrs – und ließ dabei weitgehend unbeantwortet, wie Planungsqualität anderweitig gesichert werden soll.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Honorardumping als Systemrisiko</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Folgen zeigen sich im Alltag kleiner und mittlerer Büros mit erschreckender Deutlichkeit. Ohne verbindliche Mindestsätze gerät jede Honorarverhandlung zum Pokerspiel, bei dem Bauherrinnen und Bauherren naturgemäß das stärkere Blatt halten. Wer als Einzelkämpfer oder kleines Büro antritt, hat gegen Generalübernehmer mit eigenen Planungsabteilungen strukturell das Nachsehen. Das <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Vergabetransformationsgesetz</strong>, das die Vergabe von Bauvorhaben an Generalübernehmende begünstigt, verschärft diesen Wettbewerbsnachteil zusätzlich.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Vergleich mit anderen Freiberuflern drängt sich auf: Niemand käme auf die Idee, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten zu untersagen, sich auf ein Mindesthonorar zu berufen. Der Gesetzgeber erkennt dort an, dass Qualität ihren Preis hat und Preisdumping letztlich zu Lasten der Mandantschaft geht. Bei Planungsleistungen gilt diese Logik offenbar nicht – obwohl die Konsequenzen schlecht geplanter Gebäude deutlich sichtbarer sind als die eines schlecht formulierten Schriftsatzes.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Seriell und modular: Fortschritt oder Verdrängung?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Parallel dazu gewinnt das <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">modulare und serielle Bauen</strong> politischen Rückenwind. Die Argumente dafür sind nicht von der Hand zu weisen: Wohnungsnot, explodierte Baukosten und ein eklatanter Fachkräftemangel machen schnellere, standardisierbarere Lösungen zwingend erforderlich. Fertighaussysteme, vorgefertigte Module und typisierte Grundrisse können tatsächlich helfen, den Neubaumarkt zu entlasten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage ist allerdings, was dabei verloren geht. <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Baukultur</strong> entsteht nicht durch Wiederholung. Sie ist das Ergebnis von Auseinandersetzung – mit dem Ort, mit dem Klima, mit der Nutzerin und dem Nutzer, mit dem gewachsenen städtebaulichen Kontext. Kleine und mittlere Architekturbüros sind dabei unverzichtbare Träger regionaler Identität: Sie kennen den örtlichen Handwerker, den Bebauungsplan der Gemeinde und die Geschichte des Grundstücks. Diese lokale Verankerung lässt sich nicht standardisieren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Modulares Bauen und hochwertige Architektur schließen sich nicht grundsätzlich aus – aber die aktuelle Debatte neigt dazu, beide gegeneinander auszuspielen, als wären Kosteneffizienz und Gestaltungsqualität unvereinbare Gegensätze. Das sind sie nicht. Wer jedoch die Planungsbeteiligung qualifizierter Architektinnen und Architekten schrittweise durch Verfahrensfreistellungen und Generalübernehmermodelle aushöhlt, beantwortet die Frage implizit: mit der falschen Antwort.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was die Initiative Baukunst fordert</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vor diesem Hintergrund haben Architektinnen und Architekten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum – von München bis Wien, von Hamburg bis Straßburg – einen offenen Brief an die Architekturverbände und Architektenkammern Deutschlands verfasst. Die Unterzeichnenden fordern kein Festhalten am Status quo, sondern konstruktive Lösungen: stärkere Interessenvertretung auf nationaler und europäischer Ebene, transparente Honorarmodelle, die insbesondere kleinen Büros eine tragfähige Existenzgrundlage bieten, sowie gezielte <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Qualitätssicherung</strong> durch Weiterbildung und klare Planungsberechtigungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders hervorzuheben ist der Appell zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Bauherrinnen und Bauherren verstehen häufig nicht, was qualifizierte Planungsleistung kostet – und warum das so ist. Architektur wird allzu oft als Kostenfaktor wahrgenommen, nicht als Investition in Nutzerqualität, Langlebigkeit und städtebaulichen Zusammenhang. Hier liegt eine genuine Kommunikationsaufgabe, der sich die Kammern und Verbände mit mehr Nachdruck widmen könnten.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">HOAI als Orientierung – nicht als Korsett</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein häufiges Missverständnis gilt es auszuräumen: Die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">HOAI</strong> war nie ein Zwangskorsett, das jede Honorarvereinbarung starr determinierte. Sie war – in ihrer besten Lesart – ein Orientierungsrahmen, der sowohl Planenden als auch Auftraggebenden Transparenz und Vergleichbarkeit bot. Als Leitplanke für faire Vergütung hat sie nach wie vor ihre Berechtigung, auch wenn die verbindliche Untergrenze europarechtlich gefallen ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessanterweise greifen viele Büros intern nach wie vor auf die HOAI-Tabellen zurück – weil es schlicht kein besseres Kalkulationsinstrument gibt. Was fehlt, ist die rechtliche Absicherung im Streitfall. Genau hier liegt Handlungsbedarf: nicht in der Nostalgie nach einem Rechtszustand von gestern, sondern in der Entwicklung belastbarer Alternativen, die europarechtlich standfest sind.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Berufsstand, der sich neu erfindet</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Vierzig Jahre Berufspraxis haben gezeigt: Die besten Architektinnen und die klügsten Architekten sind diejenigen, die Veränderung nicht beklagen, sondern gestalten. Der Druck auf den Berufsstand ist real – aber er kann auch Antrieb sein. Die Initiative Baukunst ist ein Zeichen, dass die Branche diesen Weg gehen will: nicht im Rückzug, sondern im Dialog.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Unterzeichnenden aus Deutschland, Österreich und Frankreich stehen exemplarisch für eine Branche, die ihre Stimme erhebt – konstruktiv, sachlich und mit dem langen Atem, den komplexe Systeme erfordern. Architektinnen und Architekten planen in Jahrzehnten. Warum sollten sie bei der Gestaltung ihrer eigenen Zukunft weniger Weitblick beweisen als beim nächsten Bauprojekt?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"><a href="https://baukunst.art/ihre-stimme-fuer-die-zukunft-der-architektur-offenen-brief-unterzeichnen/" target="_blank" rel="noopener" data-inline-card="" data-card-data="">Zum offener Brief</a></span></span></strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><a href="https://baukunst.art/ihre-stimme-fuer-die-zukunft-der-architektur-offenen-brief-unterzeichnen/"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter wp-image-11911 size-full" src="https://baukunst.art/wp-content/uploads/2025/03/baukunst-Ihre-Stimme.gif" alt="Baukunst-Ihre Stimme für die Zukunft der Architektur – Offenen Brief unterzeichnen!" width="1280" height="720" srcset="https://baukunst.art/wp-content/uploads/2025/03/baukunst-Ihre-Stimme.gif 1280w, https://baukunst.art/wp-content/uploads/2025/03/baukunst-Ihre-Stimme-768x432.gif 768w" sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /></a></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong><span class="inlineCardView-content-wrap inlineNodeView" data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="inlineCard" data-prosemirror-node-inline="true"><span class="card" aria-busy="true"> </span></span></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/baukunst-unter-druck-warum-der-berufsstand-der-architektinnen-und-architekten-an-einem-scheideweg-steht/">Baukunst unter Druck: Warum der Berufsstand der Architektinnen und Architekten an einem Scheideweg steht</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>IBA Berlin 2034-37: Wie die Hauptstadt die urbane Transformation zur Pflichtaufgabe macht</title>
		<link>https://baukunst.art/iba-berlin-2034-37-wie-die-hauptstadt-die-urbane-transformation-zur-pflichtaufgabe-macht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 15:30:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[BauGB]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[BauO Bln]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner KliSchG]]></category>
		<category><![CDATA[Bestandsumbau]]></category>
		<category><![CDATA[IBA Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Bauausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaschutz Stadtplanung]]></category>
		<category><![CDATA[Kreislaufwirtschaft Bau]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Transformation]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbau Berlin]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15695</guid>

					<description><![CDATA[<p>Berlin hat die IBA 2034-37 beschlossen. Die dritte Bauausstellung der Hauptstadt soll urbane Transformation, Klimaschutz und Bestandsumbau zur Leitaufgabe machen. Eine Einordnung.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/iba-berlin-2034-37-wie-die-hauptstadt-die-urbane-transformation-zur-pflichtaufgabe-macht/">IBA Berlin 2034-37: Wie die Hauptstadt die urbane Transformation zur Pflichtaufgabe macht</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">baukunst.art</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektur. Stadtplanung. Baukultur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">REGIONALES</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Berlins neue IBA: Grosses Versprechen oder teures Spektakel?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eine Internationale Bauausstellung ist kein Schaufenster, sondern ein Werkzeug: Berlin hat dies zweimal bewiesen, und mit dem Senatsbeschluss vom 24. März 2026 zur IBA 2034-37 setzt die Hauptstadt erneut auf dieses Instrument, um die drängendsten Fragen der Stadtentwicklung verbindlich zu beantworten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nirgendwo in Deutschland ist die Wechselwirkung zwischen politischer Geschichte und Stadtgestalt so unmittelbar ablesbar wie in Berlin. Die Interbau 1957 antwortete auf die monumentale Karl-Marx-Allee im Ostteil der Stadt mit dem Neubau des Hansaviertels, das dem durch den Krieg stark zerstörten Stadtgebiet nicht nur Wohnraum geben, sondern eine westliche Stadtidee verkörpern sollte. Dreissig Jahre danach stand die IBA 1987 vor einer anderen Aufgabe: die Rückgewinnung der durch Krieg und Mauerbau zerstörten historischen Innenstadt. Mit den Leitbildern der behutsamen Stadterneuerung und der kritischen Rekonstruktion schrieb diese zweite Berliner IBA europäische Städtebaugeschichte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heute lauten die Themen Klimaschutz, Klimaanpassung und Ressourcenschonung. Die dritte Berliner IBA soll Antworten auf eine Stadtgesellschaft liefern, die wächst, sich verdichtet und gleichzeitig tiefgreifend umgebaut werden muss, ohne dabei sozialen Zusammenhalt und ökologische Belastbarkeit zu opfern.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was will die IBA Berlin 2034-37 konkret leisten?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Laut dem Beschluss des Berliner Senats soll die IBA-Gesellschaft die urbane Transformation der Hauptstadt ins Zentrum stellen. Ziel ist es, neue Herangehensweisen im Umgang mit der bestehenden Stadt zu entwickeln. Klimaschutz, Klimaanpassung sowie der nachhaltige Umgang mit städtischem Grund und Boden sind dabei handlungsleitend. Christian Gaebler, Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, formuliert den Anspruch klar: Berlin solle national und international als Standort für zukunftsfähigen Städtebau positioniert werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die räumliche Verortung der IBA-Projekte folgt einer überzeugenden Logik: Die Vorhaben sollen sich beidseitig entlang des Berliner S-Bahnrings sowie entlang der Radialen entwickeln, also jener Verkehrsachsen, die vom innerstädtischen Kern in die Aussenbereiche führen. Hier treffen unterschiedliche Lebensrealitäten, Mobilitätsmuster und städtebauliche Situationen aufeinander. Die IBA soll stadträumliche Barrieren überwinden, Stadtquartiere besser miteinander verbinden und gleichzeitig qualitätsvolle neue Lebensräume schaffen. Diese Strategie ist klug: Sie zieht die gesamte Stadtgesellschaft in den Prozess, nicht nur die ohnehin gut vernetzten Innenstadtlagen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Finanziell ist die Unternehmung substanziell hinterlegt. Laut einem Bericht der taz vom 25. März 2026 werden für die Gründung der IBA-Gesellschaft und Organisationskosten bis 2037 insgesamt 54 Millionen Euro bereitgestellt, ergänzt durch 24 Millionen Euro an Programmmitteln. Hinzu kommen private Investitionen in Höhe von bis zu 1,15 Milliarden Euro. Das ist eine ernsthafte Grössenordnung, die über symbolische Stadtpolitik weit hinausgeht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum fordert die Architektenkammer Berlin verbindliche Qualitätsstandards?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Architektenkammer Berlin begrüsst die Initiative des Senats ausdrücklich, stellt aber zugleich klare Bedingungen. Der Fokus auf Umnutzung, Ertüchtigung und schonenden Umbau entspreche zwar den zentralen Forderungen der Kammer, müsse jedoch konsequent umgesetzt werden. Das Weiterbauen im Bestand, die Aktivierung untergenutzter Flächen sowie Strategien der Suffizienz und Zirkularität, ausgedrückt im Sinne des Kreislaufwirtschaftsprinzips, müssten verbindliche Leitprinzipien aller IBA-Projekte sein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kammerpräsident Eike Roswag-Klinge bringt die Haltung der Kammer auf den Punkt: Grossereignisse entfalten nur dann eine positive Wirkung, wenn sie mehr leisten als kurzfristige Investitions- oder Imageprojekte. Sie müssten messbare Beiträge zur Lösung zentraler Herausforderungen liefern, insbesondere in den Bereichen bezahlbarer Wohnraum, Klimaanpassung, Biodiversität und soziale Gerechtigkeit. Diese Forderungen treffen den Kern: Stadtpolitik und Architektur müssen sich an Wirkung messen lassen, nicht an Aussenauftritt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Forderung nach konsequenten Wettbewerbsverfahren und interdisziplinärer Planung unter Einbeziehung aller Fachdisziplinen ist dabei keine formale Pflichtübung. Sie ist Voraussetzung dafür, dass die IBA nicht zum Vehikel einzelner Partialinteressen wird. Berlin hat in der IBA 1987 gezeigt, was möglich ist, wenn städtebauliche Qualität als gesellschaftlicher Auftrag verstanden wird, und nicht als Wettbewerbsvorteil für Investoren.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus Sicht der Planungskultur ist besonders der Hinweis auf Suffizienz und Zirkularität bemerkenswert. Er signalisiert, dass die Berliner Architektenkammer die ökologische Transformation nicht als technisches Zusatzprogramm, sondern als konzeptionellen Neuanfang begreift. Das entspricht dem Stand der fachlichen Diskussion und geht über die Berliner Landesbauordnung (BauO Bln) und das Berliner Klimaschutz- und Energiewendegesetz (Berliner KliSchG) deutlich hinaus, die zwar wichtige Rahmenbedingungen setzen, aber keine inhaltliche Leitfigur für eine IBA liefern können.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für den Rest des DACH-Raums ist das Berliner Modell aufmerksam zu verfolgen. Wien hat mit der Seestadt Aspern gezeigt, dass grossmassstäbliche Stadtentwicklung mit klaren Qualitätsanforderungen gelingen kann, bleibt aber ein Sonderfall durch die starke Rolle der kommunalen Wohnungswirtschaft. In der Schweiz setzt Zürich mit Instrumenten wie dem kommunalen Richtplan und dem Stadtentwicklungskonzept auf langfristige Planungskultur, ohne das Format einer Bauausstellung zu benötigen. Deutschland dagegen ist föderalistisch geprägt: Bauausstellungen wie die IBA Hamburg, die IBA Thüringen oder die IBA&#8217;27 Stuttgart zeigen unterschiedliche Antworten auf regionale Herausforderungen, aber keine systematische Übertragbarkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Genau hier liegt die Stärke und gleichzeitig die Schwäche des IBA-Formats: Es erzeugt Aufmerksamkeit und mobilisiert Expertise, bleibt aber im deutschen Planungsrecht strukturell schwach verankert. Das Baugesetzbuch (BauGB) kennt keine IBA als Rechtsfigur. Die Planungshoheit der Bezirke nach dem Berliner Bezirksverwaltungsgesetz (BezVG) kann IBA-Vorhaben faktisch blockieren, wenn die politische Abstimmung nicht gelingt. Der Senatsbeschluss ist deshalb ein Anfang, kein Garant.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die IBA Berlin 2034-37 hat das Potenzial, erneut Massstäbe zu setzen, wenn sie konsequent auf Bestand statt auf Neubau, auf Zirkularität statt auf lineare Ressourcennutzung und auf soziale Durchmischung statt auf Verdrängung setzt. Ob sie dieses Potenzial einlöst, wird sich nicht im Gründungsbeschluss entscheiden, sondern in den nächsten Jahren der inhaltlichen Programmentwicklung und der Auswahl der Projekte. Berlin hat die Aufgabe angenommen. Jetzt kommt es auf die Umsetzung an.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/iba-berlin-2034-37-wie-die-hauptstadt-die-urbane-transformation-zur-pflichtaufgabe-macht/">IBA Berlin 2034-37: Wie die Hauptstadt die urbane Transformation zur Pflichtaufgabe macht</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Über das Schöne, das Büro und die Frage, was wirklich zählt</title>
		<link>https://baukunst.art/ueber-das-schoene-das-buero-und-die-frage-was-wirklich-zaehlt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Mar 2026 14:39:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Editorial]]></category>
		<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturbüro]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[GEG]]></category>
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		<category><![CDATA[Nachhaltigkei]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Resilienz]]></category>
		<category><![CDATA[Schönheit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15678</guid>

					<description><![CDATA[<p>Was hat Architektur mit dem Schönen, Wahren und Guten zu tun, und warum ist Psychologie im Büro keine Nebensache? Die Osterlektüre auf Baukunst.art.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/ueber-das-schoene-das-buero-und-die-frage-was-wirklich-zaehlt/">Über das Schöne, das Büro und die Frage, was wirklich zählt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Baukunst.art</strong>   |   Editorial   |   Ausgabe März 2026</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber baukunst.art</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Liebe Kollegin, lieber Kollege</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Osterausgabe von Baukunst.art stellt eine Frage, die so alt ist wie das Bauen selbst: <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was hat Architektur mit dem Schönen, dem Wahren und dem Guten zu tun</strong> — und warum fällt die Antwort im Jahr 2026 so schwer?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ostern ist seit Jahrhunderten eine Zäsur. Die Zeitumstellung, die wenige Tage zuvor das Abendlicht zurückgebracht hat, markiert diesen Übergang mit fast mechanischer Klarheit: <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">eine Stunde wird geopfert für mehr Helligkeit.</strong> Ein kollektives Arrangement mit dem Licht. In der Architektur vollzieht sich gerade etwas Ähnliches, <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">nur ohne festgelegten Termin und ohne die Gewissheit, dass die verlorene Stunde je zurückkommt.</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum hat die Architektur das Schöne so leise verabschiedet?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Trias des Wahren, Schönen und Guten, </strong>seit Platon das Fundament ästhetischer Reflexion, ist in der Gegenwartsarchitektur nicht programmatisch abgeschafft worden. Sie hat sich still verdrückt, <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Quartal für Quartal, Ausschreibung für Ausschreibung, Kostenkennwert für Kostenkennwert.</strong> Das ist die unbequeme Diagnose, die auf Baukunst.art dieser Tage gestellt wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bernd Eilert hat im Januar 2026 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine Inventur dieser drei Ideale vorgelegt. Sein Befund trifft die Architektur mit besonderer Wucht: <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das Schöne hat den steilsten Absturz erfahren.</strong> In vier Jahrzehnten Berufspraxis lässt sich diese Erosion präzise beobachten. In den 1980er Jahren sprachen Bauherrinnen und Bauherren noch selbstverständlich von der Würde eines Gebäudes, von seiner Wirkung auf den Ort, von seiner Verantwortung gegenüber dem Stadtraum. <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Heute liefert die erste Projektbesprechung Abschreibungszeiträume und Nutzungskostenprognosen.</strong> Was sich rechnen lässt, wird berechnet. Was sich nicht rechnen lässt, taucht im Protokoll nicht auf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das Paradoxe daran: Das Schöne lässt sich rechnen, nur nicht im Monatsbericht.</strong> Schöne Gebäude werden länger genutzt, erzeugen Identifikation, reduzieren Vandalismus und erhöhen die Bereitschaft zur Pflege. Das Fachmagazin Dezeen hat in seiner Recherche &#8218;How long should a building last?&#8216; (Dezember 2025) belegt, was Architektinnen und Architekten längst wissen: Gebäude, die als schön empfunden werden, haben eine signifikant längere Nutzungsdauer als technisch optimierte, aber gleichgültige Bauten. Der erste Träger des britischen Stirling Prize, das Centenary Building der Universität Salford, wurde 2025 zum Abriss freigegeben. <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Dreißig Jahre nach Fertigstellung.</strong> Ein preisgekröntes Gebäude, das niemand behalten wollte. <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Diese Geschichte gehört in jedes Seminar, das Nachhaltigkeit ernst nimmt.</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das Wahre in der Architektur </strong>war einmal die Ehrlichkeit der Konstruktion, die Lesbarkeit des Materials, die Sichtbarkeit des Tragwerks. Mies van der Rohe nannte es Tektonik, John Ruskin die Wahrheit des Handwerks. Was zeigen Gebäude heute? <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Fassaden sind oftmals Verkleidungen geworden, </strong>Hüllen ohne Beziehung zur Konstruktion dahinter.Das Tragwerk verschwindet hinter Abhangdecken und Doppelböden, die Haustechnik übernimmt die Raumgeometrie. Das Ergebnis sind Gebäude, die man nicht lesen kann, weil sie oftmals nichts erzählen wollen außer ihrer eigenen Beliebigkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Am schwersten wiegt der Verlust des Guten.</strong> Nicht im moralischen Sinn, sondern als Haltung: die Verantwortung gegenüber dem öffentlichen Raum, die Verpflichtung, mit dem Bauen die Welt ein wenig bewohnbarer zu hinterlassen. <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das Gebäude als baukulturellen Ort </strong>hat das Gebäude als Finanzprodukt mit 15-jährigem Abschreibungszyklus weitgehend verdrängt. Wer billiger baut und früher abreißt, gewinnt die Ausschreibung. Wer teurer baut, aber 150 Jahre stehen bleibt, verliert sie. Jetzt leistet ausgerechnet die Klimakrise das, was Jahrzehnte Baukulturdiskussion nicht vermochten: <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Sie zwingt zur Langfristigkeit.</strong> Der Begriff &#8218;embodied carbon&#8216;, der im Baumaterial gebundene Kohlenstoff, hat eine neue Qualitätsdebatte ausgelöst, die über ästhetische Überzeugungen weit hinausgeht. <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Lebensdauer eines Gebäudes ist keine romantische Kategorie mehr. Sie ist eine Klimafrage.</strong> Und damit, auf Umwegen, wieder eine Frage des Guten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was hat Psychologie mit Baukultur zu tun, und warum lohnt die Antwort gerade jetzt?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es gibt eine Verbindung zwischen der philosophischen Frage nach dem Schönen und der praktischen Frage, wie Architektinnen und Architekten ihren Büroalltag führen. Sie verblüfft auf den ersten Blick und leuchtet auf den zweiten ein: <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wer anderen Räume baut, die bewohnenswert sind, braucht auch selbst bewohnenswerte innere Zustände. </strong>Resilienz, Urteilskraft, die Fähigkeit zu klarer Kommunikation unter Druck, das sind keine Softskills. <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das sind Berufsvoraussetzungen.</strong> Der Lehrgang <strong><a href="https://baukunst.art/kurse/lehrgang-psychologie-gk-im-architekturbuero-1-2/">&#8218;Psychologie im Architekturbüro, Menschen verstehen&#8216;</a></strong>, den die Baukunst Akademie ab dem 8. April 2026 als vierteiligen Onlinekurs anbietet, setzt genau hier an.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das klingt nach Selbstoptimierung und ist doch etwas anderes. <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wer versteht, wie Stress das Urteilsvermögen beeinträchtigt, trifft in Baubesprechungen bessere Entscheidungen.</strong> Wer die Grundbedürfnisse seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennt, führt ein Büro mit weniger Reibungsverlust. Wer die eigene Stimmungsdynamik kennt, weiß, wann ein Entwurf den zweiten Blick braucht und wann er fertig ist. <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das sind keine Wohlfühlthemen.</strong> Das sind Werkzeuge für die tägliche Arbeit.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]">Liebe Kollegin, lieber Kollege: Die Fragen, die diese Ausgabe stellt, haben keine schnellen Antworten. Das Schöne lässt sich nicht per Beschluss zurückholen, und Haltung entsteht in der Kontemplation. Diese Ausgabe bietet dafür reichlich Stoff zur Lektüre: vom <strong><a href="https://baukunst.art/mondstaub-als-baumaterial-gru-space-plant-das-erste-hotel-auf-dem-mond/">Mondhotel</a></strong> bis zum <strong><a href="https://baukunst.art/das-einfamilienhaus-auslaufmodell-oder-unterschaetzter-schluessel-zur-wohnungsfrage/">Einfamilienhaus</a></strong>, von einer <strong><a href="https://baukunst.art/madrid-im-maerz/">Reise nach Madrid</a> </strong>bis zur Frage, was <strong><a href="https://baukunst.art/das-wahre-schoene-und-gute-hat-die-architektur-ihre-seele-verkauft/">Architektur noch mit Wahrheit</a></strong> zu tun hat. Ostern ist ein guter Anlass, sich die Zeit zu nehmen, die solche Themen verdienen.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]"><strong>Gute Lektüre und ein erholsames Osterfest.</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Herzlichst Ihr</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stuart Stadler</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/ueber-das-schoene-das-buero-und-die-frage-was-wirklich-zaehlt/">Über das Schöne, das Büro und die Frage, was wirklich zählt</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Mit maximaler Transparenz: Helsinki plant das neue Museum für Architektur und Design</title>
		<link>https://baukunst.art/mit-maximaler-transparenz-helsinki-plant-das-neue-museum-fuer-architektur-und-design/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Mar 2026 11:50:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturwettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Finnland]]></category>
		<category><![CDATA[Helsinki]]></category>
		<category><![CDATA[JKMM Architects]]></category>
		<category><![CDATA[Museum für Architektur und Design]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsbau]]></category>
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		<category><![CDATA[SAFA]]></category>
		<category><![CDATA[Südhafen Helsinki]]></category>
		<category><![CDATA[UNESCO-Pufferzone]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Hafen, eine Entscheidung, ein Versprechen: Helsinki gibt seiner Baukultur ein neues Zuhause, und die Stadt macht dabei alles öffentlich.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/mit-maximaler-transparenz-helsinki-plant-das-neue-museum-fuer-architektur-und-design/">Mit maximaler Transparenz: Helsinki plant das neue Museum für Architektur und Design</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Recycelter Backstein, öffentliche Terrassen, 900.000 Objekte: Helsinkis Museumsversprechen</h1>
<p style="font-weight: 400;">Das neue Museum für Architektur und Design Finnlands (Museum of Architecture and Design, kurz: AD Museum) ist ein kulturpolitisches Projekt, das zeigt, wie eine Gesellschaft mit öffentlichen Geldern, urbanem Erbe und architektonischer Verantwortung umgehen kann.</p>
<p style="font-weight: 400;">Im September 2025 gab die Jury unter Vorsitz des früheren Leiters des Stadtplanungsamtes Helsinki, Mikko Aho, den Sieger eines der bemerkenswertesten Architekturwettbewerbe der jüngeren europäischen Geschichte bekannt: Das <strong><a href="https://jkmm.fi/work/architecture-and-design-museum-of-finland/" target="_blank" rel="noopener">Büro JKMM Architects aus Helsinki</a> </strong>gewann mit seinem Entwurf &#8222;Kumma&#8220; den offenen, zweistufigen, anonymen internationalen Wettbewerb für das neue Museum für Architektur und Design an Helsinkis Südhafen. 624 Teams aus aller Welt hatten eingereicht, darunter starke Beiträge aus Italien, den USA, Frankreich und dem Vereinigten Königreich.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Was macht diesen Wettbewerb zum Vorbild für städtische Baukultur?</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Die Antwort liegt weniger im Entwurf selbst als im Prozess. Der Wettbewerb wurde von der Immobiliengesellschaft AD Museum, einem Gemeinschaftsunternehmen der Stadt Helsinki und des finnischen Staates, gemeinsam mit der Stiftung für das finnische Museum für Architektur und Design und dem finnischen Architektenverband SAFA (Suomen Arkkitehtiliitto) organisiert. Schon diese Trägerstruktur signalisiert: Hier handelt nicht ein privater Investor, sondern ein kollektiv verantwortetes Gemeinwesen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Noch ungewöhnlicher war die demokratische Einbindung der Öffentlichkeit. Alle fünf Shortlist-Entwürfe wurden anonym veröffentlicht, und bis Ende Januar 2025 war jede und jeder eingeladen, die Projekte online zu kommentieren. Ergänzend dazu führte KONE Finland für sämtliche 624 Beiträge eine People Flow Analysis durch, öffentliche Workshops mit Nutzerinnen und Nutzern flossen in die Bewertung ein. Transparenz als Planungsprinzip, nicht als PR-Massnahme.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Warum ist der Standort am Südhafen so bedeutsam?</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Das neue Museum entsteht auf einem brachliegenden Dockareal direkt am Marktplatz (Kauppatori), in unmittelbarer Nachbarschaft zu Alvar Aaltos &#8222;Zuckerwürfel&#8220; (dem Enso-Gutzeit-Gebäude von 1962), der lutherischen und der orthodoxen Kathedrale sowie dem Esplanade-Park. Der Standort liegt zudem innerhalb der UNESCO-Pufferzone der Seefestung Suomenlinna (Weltkulturerbe). Prominenter geht es kaum.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Entscheidung für diesen Ort ist eine stadtplanerische Aussage: Das Hafenareal soll vom Transitraum zum kulturellen Herzstück werden. Das AD Museum ist Initialzündung für eine umfassendere Regenerationsstrategie, die den Südhafen als fussgängerfreundliches, maritimes Stadtquartier neu denkt. Entstanden ist das Projekt aus der Zusammenführung zweier historisch bedeutender Institutionen: des 1952 gegründeten Museums für Finnische Architektur und des 1873 gegründeten Designmuseums Helsinki. Beide waren bislang in Altbauten untergebracht, die für zeitgemässe Museumszwecke nur bedingt geeignet waren.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Was unterscheidet den Siegerentwurf von anderen Projekten?</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">JKMM Architects setzen auf recycelten Backstein als primäres Fassadenmaterial, eine skulpturale Setzung mit einer starken urbanen Terrasse sowie eine Gebäudekubatur, die Öffentlichkeit buchstäblich einlädt: Freie Zugangsterrassen, eine Designbibliothek, flexible Ausstellungsgalerien und barrierefreie Begegnungsräume machen das Museum zu einem Ort, der zwischen Monumentalität und Annäherung vermittelt. Die Gesamtnutzfläche beträgt 10.050 Quadratmeter.</p>
<p style="font-weight: 400;">Samuli Miettinen, Gründungspartner und leitender Entwerfer bei JKMM Architects, formulierte den Anspruch klar: Die Realisierung des Museums solle zeigen, wie Neues verantwortungsbewusst und handwerklich solid gebaut werden kann. Architektur und Design seien tief menschlich, geboren aus Träumen und Sehnsüchten, und bekämen ihren Sinn in Orten gemeinschaftlichen Erlebens.</p>
<p style="font-weight: 400;">Zweiten Preis erhielten Cossement Cardoso (Portugal/Belgien) für &#8222;City, Sea and Sky&#8220;, den dritten Preis das Schweizer Büro Lopes Brenna für &#8222;Moby&#8220;. Auch ein finnisches Architektenkollektiv sowie das französische Büro Atelier Orda wurden ausgezeichnet.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei diesem Vorhaben?</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Nachhaltigkeit war keine nachträgliche Anforderung, sondern zentraler Bestandteil des Wettbewerbsprogramms. Die Stadt Helsinki hat sich verpflichtet, bis 2030 klimaneutral zu sein, in dasselbe Jahr, das für die Eröffnung des Museums geplant ist. JKMM Architects wurden ausdrücklich für ihre klimaintelligenzen Lösungen und ökologisch-soziale Responsivität gelobt. Die Verwendung von Recyclingmaterialien, insbesondere des wiederverwendeten Backsteins, ist dabei nicht bloss gestalterische Haltung, sondern ressourcenpolitisches Bekenntnis.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die ökologische Ambition spiegelt eine breitere skandinavische Planungskultur wider, die Nachhaltigkeit nicht als Einschränkung, sondern als kreative Bedingung versteht. Das AD Museum soll laut Jury zum Massstab für künftige Museumsarchitektur in Europa werden, sowohl in Fragen der Resilienz als auch der sozialen Inklusion.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Was kann die deutschsprachige Architekturszene daraus lernen?</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Der Vergleich ist provokant, aber berechtigt: In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind Verfahren dieser Grössenordnung häufig durch Intransparenz, eingeschränkte Teilnahmebedingungen oder mangelnde Öffentlichkeitsbeteiligung geprägt. Die Vergabe von Wettbewerben für kulturelle Infrastrukturbauten bleibt oft kleinen Zirkeln aus gelisteten Büros vorbehalten. Helsinki hat mit 624 anonymen Einreichungen aus aller Welt das Gegenteil demonstriert.</p>
<p style="font-weight: 400;">Besonders bemerkenswert ist die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung: nicht als Alibi-Konsultation am Ende des Verfahrens, sondern als strukturelle Komponente der Entwurfsbewertung. Das entspricht dem, was die Bundesarchitektenkammer (BAK) in ihren Empfehlungen zur Qualitätssicherung im Wettbewerbswesen seit Jahren fordert, ohne dass es flächendeckend umgesetzt wird.</p>
<p style="font-weight: 400;">Das AD Museum wird ab 2027 gebaut und soll Ende 2030 eröffnen. Es wird über 900.000 Artefakte aus Architektur und Design beherbergen, von Arbeiten der Aaltos bis zu zeitgenössischen Positionen. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass dieser Wettbewerb nicht nur ein Bauwerk erzeugt, sondern eine Verfahrenskultur, die exportfähig ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>UM BAUEN! Die IBA&#8217;27 als gesellschaftliches Experiment</title>
		<link>https://baukunst.art/um-bauen-die-iba27-als-gesellschaftliches-experiment/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 15:45:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[IBA'27]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipative Planung]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungspolitik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15654</guid>

					<description><![CDATA[<p>In gut einem Jahr öffnet die IBA'27 ihre Tore. Was als regionales Stadtentwicklungsprojekt begann, ist zum bundesweit beachteten Labor für Baukultur, Wohnungspolitik und demokratische Planung geworden.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">baukunst.art | Gesellschaft &amp; Urbanismus</em></p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wohnen, Bauen, Zusammenleben: Wie die IBA&#8217;27 Stuttgart eine Antwort auf die Wohnungskrise sucht</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die <strong><a href="https://www.iba27.de/#!" target="_blank" rel="noopener">Internationale Bauausstellung 2027</a></strong> StadtRegion Stuttgart (IBA&#8217;27) ist kein Architekturspektakel, sondern ein auf zehn Jahre angelegtes gesellschaftliches Experiment: Sie untersucht, wie eine ganze Region durch partizipative Prozesse, nachhaltiges Bauen und soziale Innovation neu gedacht werden kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wenn im April 2027 das Ausstellungsjahr beginnt, wird Stuttgart nicht einfach Modellgebäude zeigen, sondern das Ergebnis eines langen kollektiven Lernprozesses. Seit 2017 hat die IBA&#8217;27 GmbH, deren Gesellschafter die Landeshauptstadt Stuttgart, der Verband Region Stuttgart, die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, die Architektenkammer Baden-Württemberg und die Universität Stuttgart sind, Kommunen, Initiativen, Investorinnen und Planungsbüros zusammengebracht. Das Resultat: inzwischen 37 offizielle IBA&#8217;27-Projekte, verteilt über die gesamte StadtRegion.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Unter dem Motto &#8222;UM BAUEN!&#8220; findet die Ausstellung vom 24. April bis 30. Oktober 2027 statt. Der Doppelsinn ist programmatisch: Es geht ums Umbauen im technischen Sinn, und es geht um ein Umdenken, um eine Baukultur, die ökologische, soziale und ökonomische Kriterien nicht gegeneinander ausspielt, sondern integriert.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was macht die IBA&#8217;27 zu mehr als einer Architekturausstellung?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Antwort liegt in ihrer räumlichen und sozialen Reichweite. Während klassische Ausstellungen Objekte in Museen zeigen, macht die IBA&#8217;27 die gesamte Region zur Ausstellungsfläche. An rund 40 Standorten in Stuttgart und Umgebung sind Projekte zu erleben, von Einzelgebäuden bis zu ganzen Quartieren. Viele befinden sich 2027 noch im Bau oder in der Entwicklung, was den Besucherinnen und Besuchern ermöglicht, Stadtentwicklung als Prozess zu verstehen, nicht nur als fertiges Produkt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zentraler Ausstellungsort in der Innenstadt wird das ehemalige Galeria-Kaufhof-Gebäude in der Eberhardstrasse, das die Landeshauptstadt Stuttgart 2023 erworben hat. Die beiden Erdgeschosse werden zur Hauptausstellungsfläche umgenutzt. Welche Nachnutzung das Gebäude langfristig erhält, ist noch offen: Im Gespräch sind ein Haus der Kulturen oder städtische Büroflächen. Diese Offenheit ist selbst eine programmatische Aussage über den Umgang mit leerstehendem Bestand in Innenstadtlagen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Einen Vorgeschmack auf die Ausstellung bot bereits die Lange Nacht der Museen am 21. März 2026: Mit einer Licht- und Soundinstallation der Künstler Roland Batroff und Clemens Schneider wurde das Kaufhof-Gebäude erstmals als IBA&#8217;27-Schauplatz erlebbar gemacht.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wie verändert partizipative Planung das soziale Gefüge einer Stadt?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die IBA&#8217;27 liefert auf diese Frage konkrete Antworten, keine abstrakten Bekenntnisse. Im Quartier Böckinger Strasse in Stuttgart-Rot entstehen rund 400 Wohneinheiten, davon 290 im sozial geförderten Wohnungsbau. Das Projekt der städtischen Wohnbaugesellschaft SWSG zeigt, dass kommunale Träger auch unter schwierigen Marktbedingungen Massstäbe für soziale Durchmischung setzen können. Im Quartier am Rotweg sollen bis zur Bauausstellung 210 Wohneinheiten fertiggestellt sein, ebenfalls mit einem Drittel sozial gefördertem Wohnungsbau.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bemerkenswert ist auch das IBA&#8217;27-Projekt &#8222;Aquabox&#8220;: Ein mobiles Hallenbad in Holzmodulbauweise, das am Kelterplatz in Stuttgart-Zuffenhausen ab Herbst 2026 als Interimslösung während des Hallenbadneubaus dient und danach an weitere Standorte versetzt werden kann. Das Projekt, am 24. März 2026 als offizielles IBA&#8217;27-Vorhaben aufgenommen, steht exemplarisch für einen neuen Typ kommunaler Infrastruktur: flexibel, zirkulär, übertragbar. IBA&#8217;27-Intendant Andreas Hofer bringt es auf den Punkt: Viele Kommunen stehen vor der Aufgabe, marode Schwimmbäder aus den 1960er- und 1970er-Jahren zu ersetzen. Die Aquabox zeigt, wie sich diese Aufgabe als mobiles System intelligent lösen lässt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Holzgebäude nutzt Wärmepumpen, eine hocheffiziente Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und eine Photovoltaikanlage. Realisiert wurde es in einer branchenübergreifenden Zusammenarbeit von POOL out of the BOX GmbH, 4a Architekten und Blumer Lehmann. Planungs- und Bauprozess sind also selbst modellhaft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Sichtbar im Stadtraum sind die IBA&#8217;27-Projekte seit März 2026 durch leuchtend gelbe Stahlskulpturen der Stuttgarter Designagentur Haus Otto. Bis zu vier Meter hohe Projektmarker in vier modularen Varianten, von der Sitzbank bis zur &#8222;Himmelstreppe&#8220;, stehen an 22 Projektstandorten. Sie funktionieren als Einladung, sich bereits jetzt mit den Orten der IBA auseinanderzusetzen, und sollen nach 2027 als dauerhaftes Stadtmöbel bleiben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am Weissenhof, wo 1927 die Avantgarde des europäischen Wohnungsbaus ihre radikalen Ideen baute, entsteht das neue Besucher- und Informationszentrum Weissenhof.Forum nach Entwurf von Barkow Leibinger. Mit Dauerausstellung, Vortragsräumen und Café schafft das Forum die seit langem fehlende Infrastruktur für eine der meistbesuchten Architektursiedlungen Deutschlands. Die Brenzkirche in unmittelbarer Nachbarschaft wird behutsam umgebaut und erhält ihre identitätsstiftenden Elemente zurück.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Bopp benennt die übergeordnete Ambition ohne Umschweife: Bauen sei der grösste Kohlendioxid-Treiber weltweit. Die IBA&#8217;27 soll zeigen, dass ein struktureller Wandel in der Bauwirtschaft nicht nur notwendig, sondern möglich ist. Das Ausstellungsjahr verstehe sich deshalb nicht als Abschluss, sondern als Ausgangspunkt: Die IBA&#8217;27 GmbH wird bis 2030 weitergeführt, um Erfahrungen zu dokumentieren, Projekte zu begleiten und Netzwerke zu sichern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was die IBA&#8217;27 von vielen Bauausstellungen unterscheidet, ist dieser explizit gesellschaftliche Anspruch. Architektur wird hier nicht als autonome Kunstform verstanden, sondern als Werkzeug für soziale Transformation. Thematische Routen zu Neues Wohnen, Produktive Stadt, Einfaches Bauen, Bautechnik und Stadt am Fluss sollen 2027 unterschiedliche Zielgruppen ansprechen und die Projekte in nachvollziehbare Erzählungen einbetten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Frage, die IBA&#8217;27-Intendant Andreas Hofer an den Weissenhof stellt, gilt für die gesamte Ausstellung: Was können wir vom Wohnungsbau der Moderne lernen, und was müssen wir für die nächsten hundert Jahre fordern? Die Antworten darauf werden nicht in Stuttgart allein geschrieben. Aber Stuttgart liefert gerade ein lesenswertes erstes Kapitel.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Das House of Jazz Berlin: Ein Denkmal wird zur Bühne</title>
		<link>https://baukunst.art/das-house-of-jazz-berlin-ein-denkmal-wird-zur-buehne/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 08:45:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berlin / Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[House of Jazz]]></category>
		<category><![CDATA[Jazz]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[kulturzentrum]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15610</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ein leerstehendes Kino aus den Fünfzigerjahren, ein Trompeter mit Weitblick und der politische Wille zweier Ebenen: Das House of Jazz Berlin rückt näher.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Vom Luftwaffen-Kino zum Jazzpalast: Berlin plant ein Kulturwunder</strong></h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das House of Jazz Berlin: Ein Denkmal wird zur Bühne</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das House of Jazz Berlin ist ein geplantes nationales Zentrum für Jazz und improvisierte Musik, das seit über einem Jahrzehnt zwischen politischem Willen, Haushaltszwängen und der Suche nach einem geeigneten Ort pendelt. Seit Ende 2025 zeichnet sich ab, dass beides zusammengekommen sein könnte: ein konkreter Standort und ein stabiler politischer Rückhalt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Idee geht auf Till Brönner zurück, Jazztrompeter von internationalem Rang mit Wohnsitz in Potsdam und Los Angeles. In seinem 2010 erschienenen Buch &#8218;Talking Jazz&#8216; skizzierte er ein düsteres Zukunftsbild für den Jazz in Deutschland: abgewickelte Rundfunk-Bigbands, jazzfreies Fernsehen, ein öffentlich-rechtliches Radio, das selbst die kleinen Sendeplätze aufgibt. Seiner Dystopie stellte er eine konkrete Forderung entgegen. Er schlug die Gründung einer Jazz-Akademie vor, nicht ganz wie das Lincoln Center in New York, aber doch in dessen Geiste. Und er bestand darauf: Diese Einrichtung müsse in Berlin entstehen, weil die Hauptstadt, wenn sie keine Kulturmetropole sei, überhaupt keine Metropole sei.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Welchen Standort bekommt das House of Jazz?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Seitdem ist viel Zeit vergangen. Ein erster Anlauf scheiterte: Die Alte Münze in Berlin-Mitte wurde schließlich nicht für das Jazz-Zentrum genutzt, sondern für zwei Jahrzehnte an das privatwirtschaftliche Event- und Clubunternehmen &#8218;Spreewerkstätten&#8216; vermietet, obwohl bereits 12,5 Millionen Euro Investivmittel im Bundeshaushalt 2016 dafür eingestellt worden waren. Das Projekt wurde zwar nicht zu den Akten gelegt, aber es verlor an Fahrt. Erst ab 2020 setzte eine kontinuierliche institutionelle Förderung ein: Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien stellt seither jährlich 250.000 Euro bereit, seit 2022 kommt vom Land Berlin eine weitere Förderung von 300.000 Euro hinzu. Im Haushaltsbeschluss des Landes für 2026/2027 sind diese Mittel bereits ungekürzt eingeplant.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der neue Standort, der nun politisch diskutiert wird, ist die Kino- und Theateranlage L&#8217;Aiglon am Kurt-Schumacher-Damm 121 im Berliner Bezirk Reinickendorf. Das Ensemble gehörte einst zum Luftwaffen-Kasernengelände und wurde nach 1945 als &#8218;Quartier Napoleon&#8216; zum Hauptquartier der französischen Streitkräfte in Berlin umfunktioniert. Anfang der 1950er-Jahre entwarf der Architekt Hans Wolff-Grohmann das Kulturhaus als Teil eines Ensembles aus Kino, niedrigem Querbau mit ehemaligem Restaurant und einem viergeschossigen Hotel. Das Ergebnis ist eine markante Architektur jener Zeit: großflächig verglastes Foyer mit wellenförmig geschwungener Fassade und Neon-Leuchtschrift, ein großzügiger Zuschauerraum mit Orchestergraben, eine ausschwingende Treppe zur Empore. Seit 1994 steht das Kino leer, seit 2023 ist die Liegenschaft im Besitz des Landes Berlin.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was macht das L&#8217;Aiglon zum richtigen Ort für ein Jazzhaus?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Theatersaal mit Orchestergraben fasst 350 Besucherinnen und Besucher. Das Ensemble bietet darüber hinaus Räumlichkeiten für Verwaltung, Ton- und Lichtregie, Kellerräume sowie das angrenzende Hotel als Gästeunterkunft. Die ehemalige Kommandanten-Villa könnte als interdisziplinäres Residenzhaus genutzt werden. Auf einem Areal von rund 3.000 Quadratmetern wären zudem Anbauten für Proberäume und Gastronomie möglich. Die Deutsche Jazzunion und die IG Jazz Berlin, die das Projekt unter dem Namen &#8218;Zentrum für Jazz und Improvisierte Musik&#8216; vorantreiben, sehen in dem Ensemble eine funktionale wie symbolische Entsprechung dessen, was ein Jazzhaus leisten soll: Bühne, Archiv, Begegnungsraum, Residenz.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Vergleich zur Alten Münze erscheint die Realisierung am Kurt-Schumacher-Damm einfacher, kostengünstiger und zeitlich früher möglich. Das politische Plazet scheint zu wachsen. Brönner hat in seinen sozialen Netzwerken über Treffen mit Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer berichtet, ohne den Inhalt der Gespräche im Einzelnen zu kommentieren. Der Ton wirkte zuversichtlich.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie schneidet Deutschland im europäischen Vergleich ab?</strong></h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Blick über die Grenzen ist ernüchternd. Frankreich fördert seine Jazzszene über die Musikergewerkschaft und die Association Jazzé Croisé, unterstützt vom Kulturministerium. Norwegen betreibt fünf regionale Jazzzentren sowie die Victoria, Nasjional Jazzscene Oslo als überregionale Spielstätte. Dänemark verfügt mit JazzDanmark über eine nationale Förderorganisation. Das Budapest Music Center fungiert als staatlich gefördertes Zentrum für klassische Musik und Jazz gleichberechtigt, mit eigenem Jazzclub, Bibliothek, Archiv und internationalem Residenzprogramm.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Deutschland dagegen verfügt über eine breite, aber fragile Infrastruktur: den Stadtgarten in Köln, den Jazzkeller in Frankfurt, das Jazzinstitut Darmstadt als eines der bedeutendsten Jazzarchive weltweit, ein flächendeckendes Netz aus Clubs und Festivals. München hat sich mit den Labels ECM und ACT Music einen internationalen Ruf erarbeitet. Aber ein nationales Zentrum fehlt. Die Bundeskonferenz Jazz hat 2024 in einem Bericht die Marginalisierung des Jazz in den Medien und die ökonomischen Schwierigkeiten von Jazzmusikern und Jazzmusikerinnen dokumentiert, ein Befund, der seit Brönners Dystopie von 2010 nicht besser geworden ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ob ein solches Zentrum dem föderalen System widerspricht, ist eine Frage, die immer wieder gestellt wird. Die Antwort liegt nahe: Einrichtungen mit Exzellenzcharakter wirken nicht als Konkurrenz zu regionalen Institutionen, sondern als Impulsgeber. Das zeigt das Jazz at Lincoln Center in New York, das Berklee College of Music in Boston, und, als regionales Beispiel aus der Klassik, die Kronberg Academy.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das House of Jazz wird gebraucht. Nicht weil der Jazz in Deutschland tot wäre, sondern weil er ein sichtbares Zentrum verdient. Das L&#8217;Aiglon, ein vergessenes Stück Berliner Stadtgeschichte, könnte dieser Ort sein, wenn die politischen Entscheidungen jetzt getroffen werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Wenn Jugendliche Architekten sind: Der Wettbewerb, der Zürichs Stadtbild mitgestaltet</title>
		<link>https://baukunst.art/wenn-jugendliche-architekten-sind-der-wettbewerb-der-zuerichs-stadtbild-mitgestaltet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Mar 2026 08:11:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturvermittlung]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[GEG]]></category>
		<category><![CDATA[Jugendwettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[Nachwuchsförderung]]></category>
		<category><![CDATA[Opernhaus Zürich]]></category>
		<category><![CDATA[Transformation]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15598</guid>

					<description><![CDATA[<p>700 Schülerinnen und Schüler aus dem Kanton Zürich haben ein echtes Stadtbauprojekt entworfen. Das Ergebnis ist beeindruckend und ein Vorbild für Architekturvermittlung.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Baukunst.art | Kategorie: Bildung</h2>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true"></h3>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Jugend plant Zürichs Opernhaus um: Warum ein Wettbewerb zeigt, was Schulen bei der Architekturbildung versäumen</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architektonische Bildung beginnt nicht im Seminarraum, sondern am konkreten Ort. Das hat der Jugendarchitekturwettbewerb des Opernhauses Zürich eindrucksvoll bewiesen: Rund 700 Schülerinnen und Schüler aus dem gesamten Kanton Zürich haben sich zwischen Herbst 2025 und dem Einsendeschluss am 22. Februar 2026 mit einem genuinen städtebaulichen Problem auseinandergesetzt. Ihre Aufgabe war alles andere als abstrakt: Am Sechseläutenplatz, zwischen dem historischen Opernhaus von 1891 und dem Zürichsee, entsteht ein neues Gebäude mit einem öffentlichen Begegnungsraum und einer Aussichtsterrasse. Bevor internationale Architekturbüros die Entwürfe übernehmen, durfte die Jugend vorausdenken.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Über 350 Arbeiten sind dabei entstanden und in einer öffentlichen Ausstellung vom 7. bis 17. März 2026 in der Baugewerblichen Berufsschule Zürich (BBZ) gezeigt worden. Dass die BBZ als Ausstellungsort gewählt wurde, ist kein Zufall: Sie bildet junge Menschen für bauverwandte Berufe aus, befindet sich in einem zeitgemäßen Neubau und liegt gut erreichbar in der Nähe des Hauptbahnhofs. Die Ausstellung bleibt als Online-Format dauerhaft abrufbar.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was leistet ein Architekturwettbewerb für die Bildung von Jugendlichen?</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architekturbezogene Bildungsangebote beschränken sich an Schulen häufig auf Besichtigungen, punktuelle Kunstprojekte oder sporadische Kooperationen mit Planungsbüros. Der Wettbewerb des Opernhauses Zürich geht einen anderen Weg: Zehn- bis Achtzehnjährige bearbeiteten echte Planungsfragen, die das reale Bauprojekt &#8222;Zukunft Oper&#8220; direkt betreffen. Drei Themenfelder standen zur Auswahl: die Innenraumgestaltung beziehungsweise der öffentliche Begegnungsraum, die Terrasse und der Aussenraum sowie die Transformation von Alt- zu Neubau.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Dreiteilung ist pädagogisch klug. Sie entspricht den tatsächlichen Planungsphasen und Interessenschwerpunkten, die auch Profis beschäftigen. Wer als Schülerin oder Schüler darüber nachdenkt, wie Innenräume gleichzeitig einladend und ruhig, belebt und geschützt sein können, übt räumliches Vorstellungsvermögen, das keine Lehrbuchangelegenheit ist. Wer sich mit dem Übergang zwischen historischer Substanz und zeitgenössischem Neubau beschäftigt, trifft auf eine der zentralsten Fragen der gegenwärtigen Architektur. Das Thema Transformation und Bestandserhalt steht spätestens seit den Debatten rund um die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) und die Diskussionen über serielle Sanierung ganz oben auf der baupolitischen Agenda.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Getragen wurde der Wettbewerb vom Opernhaus Zürich und der Stiftung Zukunft Opernhaus Zürich sowie dem Heimatschutzzentrum, OFFCUT Zürich, Schule und Kultur sowie dem ZAZ BELLERIVE Zentrum für Architektur Zürich. Dieses institutionelle Bündnis aus Kulturhaus, Denkmalschutzorganisation, Bildungseinrichtung und Architekturvermittlungszentrum ist in seiner Breite bemerkenswert und dürfte ein wesentlicher Faktor für die hohe Beteiligung sein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Lernformat, das verschiedene Zugänge verbindet</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dem Wettbewerb war ein differenziertes Workshop-Programm vorgelagert, das unterschiedliche Lerntemperamenten gerecht wurde. Bei OFFCUT Zürich konnten Jugendliche im Workshop &#8222;Der grosse Wurf&#8220; mit Materialien arbeiten, die sonst im Abfall landen würden. Das haptische Bauen mit Recyclingmaterialien verknüpft Architekturvermittlung unmittelbar mit Kreislaufdenken, einem Thema, das in der Ausbildung von Architektinnen und Architekten zunehmend Gewicht erhält.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Lernzentrum Tekmania bot mit der &#8222;Minecraft Architecture Challenge&#8220; einen digitalen Zugang. Der Auftrag lautete, ein modernes Bauwerk zu gestalten, das respektvoll mit dem historischen Opernhaus umgeht. Das ist konzeptionell anspruchsvoll, auch wenn das Werkzeug ein Computerspiel ist. Minecraft hat sich in den vergangenen Jahren als niederschwelliges Planungstool bewährt, das räumliches Denken fördert, ohne technisches Vorwissen vorauszusetzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Architekturatelier spacecake schließlich bot in Werkraummodulen und Ferienkursen intensive Begleitung an. Alle dort entstandenen Entwürfe wurden gemeinschaftlich als &#8222;Team spacecake&#8220; eingereicht, eine bewusste Entscheidung: Kooperatives Entwerfen, das kollektive Ringen um die beste Lösung, ist eine Kernkompetenz in jedem Planungsbüro. Wer diese Erfahrung früh macht, entwickelt ein anderes Verständnis von Architektur als kollektiver Praxis.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was die Ergebnisse über das Potenzial junger Planender verraten</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Jury hatte eine schwierige Aufgabe. In der Kategorie 1 (10 bis 12 Jahre) überzeugten Emma M. und Claire B. mit einem Entwurf, der durch Detailliebe, geschützte Rückzugsorte und eine architektonische Inversion begeisterte: Das Innere wurde nach außen gestülpt. Diese konzeptionelle Entscheidung zeigt, dass radikale Ideen nicht das Vorrecht von Architekturstudierenden sind.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In der mittleren Altersgruppe (13 bis 15 Jahre) gewann eine vollständige Schulklasse der Aemtler-B-Sekundarschule Zürich, begleitet von ihrer Lehrerin Julia Hofstetter. 22 Schülerinnen und Schüler haben gemeinsam einen Entwurf entwickelt, der die Jury für seine spriessende Kreativität und ästhetische Umsetzung begeisterte. Dieser Hauptpreis der Kategorie 2 zeigt, wie fruchtbar kollektives Entwerfen sein kann, wenn es von einer engagierten Lehrperson begleitet wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Den Hauptpreis der Kategorie 3 (16 bis 18 Jahre) holten sich Arthur T. und Oscar V. von der Kantonsschule Zürich Nord mit ihrem Entwurf &#8222;Schwebendes Forum&#8220;. Die klare Formsprache, das Dachkonzept und die bewusste Öffnung nach außen haben die Jury überzeugt. Besonders gewürdigt wurde die intensive Auseinandersetzung mit der Verbindung von Alt- und Neubau, eine Thematik, die in der aktuellen Architekturdebatte rund um Transformation, Abriss und Bestandserhalt zentral ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Publikumspreis kann noch bis zum 1. April 2026 über die Online-Ausstellung vergeben werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Warum solche Formate auch in Deutschland Schule machen sollten</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Jugendarchitekturwettbewerb des Opernhauses Zürich ist mehr als ein Kommunikationsprojekt eines Kulturhauses. Er ist ein übertragbares Modell dafür, wie Architekturvermittlung gelingen kann: wenn sie an reale städtebauliche Vorhaben geknüpft ist, unterschiedliche Lernformate verbindet und die Ergebnisse öffentlich sichtbar werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In Deutschland fehlen vergleichbare Formate weitgehend. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) hat verschiedene Bildungsinitiativen angestoßen, doch ein systematisches Programm, das Architekturwettbewerbe für Jugendliche dauerhaft an reale Bauprojekte koppelt, existiert nicht. Dabei wäre das Potenzial groß: Baugewerbliche Schulen, Handwerkskammern, Architektenkammern und Kulturinstitutionen könnten in ähnlichen Konstellationen zusammenarbeiten. Die Bayerische Architektenkammer verfügt über ein gut ausgebautes Netzwerk, das als Grundlage für ein entsprechendes Pilotprogramm dienen könnte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Architekturbildung, die greift, beginnt mit echten Orten und echten Fragen. Zürich hat vorgemacht, wie das aussehen kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Das Wahre, Schöne und Gute: Hat die Architektur ihre Seele verkauft?</title>
		<link>https://baukunst.art/das-wahre-schoene-und-gute-hat-die-architektur-ihre-seele-verkauft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Mar 2026 17:36:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Ästhetik]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenszykluskosten]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15584</guid>

					<description><![CDATA[<p>Das Wahre, Schöne und Gute hat die Architektur nicht verloren, es wurde aus den Planungsprozessen herausgekürzt. Eine Rückholung ist möglich und nötig.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []" />
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stuart Stadler, Architekt, Herausgeber Baukunst.art</strong></p>
<hr data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="rule" data-prosemirror-node-block="true" />
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Schön, wahr, gut: Wie die Architektur ihre drei wichtigsten Werte verlor und warum sie sie jetzt zurückbraucht</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Trias des Wahren, Schönen und Guten ist in der Architektur nicht tot, sie wurde nur systematisch aus den Planungsprozessen herausgekürzt, durch Kostenkennwerte ersetzt und als romantischer Anachronismus abgeschrieben.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bernd Eilert hat im Januar 2026 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine brillante Inventur dieser drei platonischen Ideale vorgelegt und mit entwaffnender Präzision festgestellt, dass das Schöne den steilsten Absturz in der Werteskala erfahren hat. Für die Architektur gilt das in besonderem Maß. Kein Bereich der Gegenwartskultur hat das Schöne so systematisch verabschiedet wie das Bauen. Und kein Bereich zahlt dafür einen so konkreten, messbaren Preis.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Warum ist das Schöne aus der Architektur verschwunden?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die ehrliche Antwort lautet: Es wurde nie offiziell abgeschafft. Es hat sich still verdrückt, während die Planungsparameter enger wurden. In vier Jahrzehnten Berufspraxis lässt sich diese Erosion präzise datieren. In den 1980er Jahren sprachen Bauherren noch selbstverständlich von Haltung, von Wirkung, von Würde eines Gebäudes. Heute liefert die erste Projektbesprechung Abschreibungszeiträume und Nutzungskostenprognosen. Was sich rechnen lässt, wird berechnet. Was sich nicht rechnen lässt, findet keinen Platz in der Tabellenkalkulation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Tragische daran: Das Schöne lässt sich rechnen, nur eben nicht im Monatsbericht. Schöne Gebäude werden länger genutzt. Sie erzeugen Identifikation, reduzieren Vandalismus, erhöhen die Bereitschaft zur Pflege. Eine Studie aus dem Vereinigten Königreich, auf die das Fachmagazin Dezeen in seiner Recherche „How long should a building last?&#8220; (Dezember 2025) hinweist, belegt, was Architektinnen und Architekten längst wissen: Gebäude, die als schön empfunden werden, haben eine signifikant längere Nutzungsdauer als ihre optimierten, aber gleichgültigen Pendants. Der erste Träger des britischen Stirling Prize, das Centenary Building der Universität Salford, wurde 2025 zum Abriss freigegeben: 30 Jahre nach Fertigstellung. Ein preisgekröntes Gebäude, das niemand behalten wollte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eilert zitiert den belgischen Maler Michaël Borremans mit dem Satz, Schönheit sei heute Tabu, romantisch und nicht mehr en vogue. In der zeitgenössischen bildenden Kunst mag das als ästhetisches Programm noch funktionieren. Ein Gemälde kann provozieren, irritieren, verstören und trotzdem seinen Platz im Museum behaupten. Ein Wohngebäude, das irritiert und verstört, ist schlicht unbewohnbar.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Hat die Moderne die Architektur um ihre Wahrheit gebracht?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Wahre in der Architektur war einmal die Ehrlichkeit der Konstruktion, die Sichtbarkeit des Tragwerks, die Lesbarkeit des Materials. Mies van der Rohe nannte es Tektonik. John Ruskin sprach von der Wahrheit des Handwerks. Beide meinten dasselbe: Ein Gebäude soll zeigen, was es ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was zeigen unsere Gebäude heute? In den meisten Fällen: so wenig wie möglich. Fassaden sind Verkleidungen geworden, Hüllen ohne Beziehung zur Konstruktion dahinter. Das Tragwerk verschwindet hinter Abhangdecken und Doppelböden. Die Haustechnik übernimmt die Raumgeometrie. Das Ergebnis sind Gebäude, die man nicht lesen kann, weil sie nichts erzählen wollen außer ihrer eigenen Beliebigkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Nietzsche, den Eilert zitiert, formulierte den Widerspruch radikal: Die Wahrheit sei hässlich, die Kunst existiere, damit wir nicht an ihr zugrunde gehen. Für die Gegenwartsarchitektur trifft das in einer bitteren Umkehrung zu: Die Architektur hat die Wahrheit der Konstruktion aufgegeben, nicht um schöner zu werden, sondern um billiger zu bauen. Das Ergebnis ist weder wahr noch schön.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Gute als verlorene Haltung</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am schwersten wiegt der Verlust des Dritten im Bunde. Das Gute in der Architektur meint nicht Moral im engen Sinn, sondern Haltung, Verantwortung gegenüber dem öffentlichen Raum, die Verpflichtung, mit dem Bauen die Welt ein wenig bewohnbarer zu hinterlassen. Schiller sah das Theater als moralische Anstalt dem Wahren, Schönen, Guten verpflichtet. Für die Stadt der Neuzeit war das Gebäude diese moralische Anstalt: es definierte den Straßenraum, es orientierte, es gab Maßstab.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Heute bestimmt der gewerbliche Investor in Abschreibungszyklen von 15 bis 20 Jahren. Was danach kommt, ist planungstechnisch irrelevant. Das Gebäude als Finanzprodukt hat das Gebäude als baukulturellen Ort längst verdrängt. Wer billiger baut und früher abreißt, gewinnt die Ausschreibung. Wer teurer baut, aber 150 Jahre lang nicht abreißen muss, verliert sie. Eilerts Beobachtung, die Bourgeoisie quassle in einem fort vom Schönen, Guten, Wahren und knicke doch nur vor dem Goldenen Kalb ein, trifft die Baubranche mit chirurgischer Genauigkeit.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Paradox der Situation liegt darin, dass ausgerechnet die Klimakrise jetzt das leistet, was Jahrzehnte Baukulturdiskussion nicht vermochten: Sie zwingt die Branche zur Langfristigkeit. Der Begriff „embodied carbon&#8220;, der im Baumaterial gebundene Kohlenstoff, hat eine neue Qualitätsdiskussion ausgelöst, nicht aus ästhetischen, sondern aus ökologischen Gründen. Wer ein Gebäude nach 30 Jahren abreißt, hat den enormen CO2-Aufwand seiner Herstellung nie amortisiert. Die Lebensdauer eines Gebäudes ist kein romantisches Thema mehr. Sie ist eine Klimafrage. Und damit, auf Umwegen, wieder eine Frage des Guten.</p>
<h3 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was bleibt von der Trias?</h3>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eilert endet seinen brillanten Essay mit der Beobachtung, dass die Sehnsucht nach dem Schönen geblieben ist, auch wenn das Schöne als Ideal verlorengegangen schien. Taylor-Swift-Fans strömen ins Hessische Landesmuseum Wiesbaden, um ein Gemälde zu betrachten, das sie ungeschützt schön nennen würden. Die Sehnsucht ist nicht verschwunden. Sie hat nur keinen institutionellen Ort mehr.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In der Architektur gibt es diesen Ort noch, er wird nur selten genutzt. Jedes Mal, wenn ein Gebäude entsteht, das den öffentlichen Raum bereichert statt beschädigt, wenn ein Haus gebaut wird, das seine Bewohnerinnen und Bewohner nicht gleichgültig lässt, wenn eine Konstruktion ehrlich zeigt, was sie ist, ist das Wahre, Schöne und Gute noch anwesend. Nicht als Programm. Nicht als Inschrift im Dreiecksgiebel. Als Haltung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zu retten ist die Trias nicht als abstrakte Formel. Aber als Maßstab für eine Architektur, die mehr will als Rendite und Restnutzungsdauer: jederzeit.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Österreichisches Mietenpaket 2026: MieWeG, 5. MILG und ZIAG im kritischen Architekturcheck</title>
		<link>https://baukunst.art/oesterreichisches-mietenpaket-2026-mieweg-5-milg-und-ziag-im-kritischen-architekturcheck/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Feb 2026 11:05:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Mietreform Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Österreichs Mietreform 2026 verspricht leistbares Wohnen, doch Expertinnen und Experten sehen Lücken. Was bedeutet das für die Baukultur?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []">Ein Paket, drei Gesetze, eine offene Frage</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am 2. Dezember 2025 passierte das österreichische Mietenpaket den Bautenausschuss, am 11. Dezember 2025 beschloss der Nationalrat die neue Gesetzgebung. Seitdem gilt mit 1. Januar 2026 ein Dreigestirn aus Regelwerken, das den Wiener Mietmarkt und in seiner Auswirkung die gesamte österreichische Wohnarchitektur neu vermessen will: das Mieten-Wertsicherungsgesetz (MieWeG), das 5. Mietrechtliche Inflationslinderungsgesetz (5. MILG) sowie das Zivilrechtliche Indexierungs-Anpassungsgesetz (ZIAG). Drei Kürzel, ein Versprechen: leistbares Wohnen. Doch wer die Gesetze genauer liest, erkennt, dass zwischen Gesetzgebungsabsicht und architektonischer Realität oft eine beachtliche Lücke klafft.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architektinnen und Architekten, die im sozialen Wohnbau, im geförderten Geschosswohnungsbau oder als Planende für private Vermieterinnen und Vermieter tätig sind, ist diese Reform mehr als politisches Hintergrundrauschen. Sie verändert die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen Bauvorhaben geplant, finanziert und vermietet werden. Wer heute ein Mehrfamilienhaus entwirft, plant immer auch in ein Mietrechtssystem hinein.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Mechanik der Mietpreisbremse: Eleganz mit Tücken</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das MieWeG führt erstmals eine gesetzliche Begrenzung vertraglicher Wertsicherungsklauseln für Wohnungsmietverträge ein, und zwar sowohl im Voll- als auch im Teilanwendungsbereich des Mietrechtsgesetzes. Das Grundprinzip klingt überzeugend: Mietanpassungen erfolgen nur noch einmal jährlich zum 1. April. Liegt die Vorjahresinflation gemessen am Verbraucherpreisindex (VPI 2020) über drei Prozent, darf der darüber hinausgehende Teil nur zur Hälfte auf die Miete umgelegt werden. Eine Formel also, die den Mieterinnen und Mietern in Hochinflationsphasen echte Erleichterung bringen kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Grünen-Bautensprecherin Nina Tomaselli wies jedoch unmittelbar nach dem Ausschussbeschluss auf eine entscheidende Schwäche hin: In den vergangenen 25 Jahren lag der VPI nur viermal über der Dreiprozentmarke, davon zweimal nur sehr knapp. Das bedeutet: Der Mechanismus greift in normalen Inflationszeiten kaum. Er ist ein Instrument für Ausnahmesituationen, das sich als dauerhafte Wohnkostenbremse verkauft. Architektinnen und Architekten, die im Auftrag institutioneller Bauträgerinnen und Bauträger langfristige Investitionskalkulationen erstellen, sollten diese statistische Schwäche kennen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hinzu kommt eine Übergangsregelung, die selbst Fachleute herausfordert. Für Verträge, die vor dem 1. Januar 2026 abgeschlossen wurden, gilt als massgeblicher Startpunkt jener Zeitpunkt, auf den sich der letzte Indexwert der vorangehenden Wertsicherung bezieht. Die Folge: Parallele Berechnungsmodelle für Alt- und Neuverträge, die nach Einschätzung von Expertinnen und Experten im Begutachtungsverfahren zu erheblicher Rechtsunsicherheit führen. Ausgerechnet ein Gesetz, das die Mietanpassungen vereinfachen wollte, erzeugt komplexe Parallelrechnungen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Längere Befristungen: Stabilität oder Falle?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Mit dem 5. MILG wird auch die Mindestdauer befristeter Wohnungsmietverträge neu geregelt. Sie steigt von bislang drei auf fünf Jahre, gültig für alle Verlängerungen und Neuvermietungen ab 1. Januar 2026. ÖVP-Abgeordneter Andreas Ottenschläger sprach von Rechts- und Planungssicherheit für alle Beteiligten, SPÖ-Bautensprecherin Elke Hanel-Torsch von einem grossen Mietrechtspaket für leistbares Wohnen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für die Praxis des Wohnungsbaus bedeutet die verlängerte Mindestbefristung eine strukturelle Veränderung im Verhältnis zwischen Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Nutzerinnen und Nutzern. Bauherrinnen und Bauherren, die auf private Kleinvermieter als Klientel setzen, werden eine Ausnahmebestimmung nutzen dürfen: Wer keine Unternehmerin und kein Unternehmer im Sinne des Konsumentenschutzgesetzes ist, bleibt von der Fünfjahresperson befreit. Was im politischen Diskurs als Schutz kleiner Vermieterinnen und Vermieter verhandelt wird, schafft in der Rechtsanwendung eine Grauzone, die Architektinnen und Architekten kennen sollten, wenn sie Wohngebäude für ein gemischtes Vermieterfeld planen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das ZIAG: Rechtssicherheit auf Kosten der Mieterrechte?</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Am schärfsten umstritten ist das ZIAG, das Zivilrechtliche Indexierungs-Anpassungsgesetz. Es regelt Rückforderungsansprüche aus unwirksamen Wertsicherungsklauseln neu und gilt nicht nur für Mietverträge, sondern auch für Versicherungs-, Kredit- und Leasingverträge. Die Grünen bezeichneten das Gesetz als Kniefall vor der Immobilienlobby: Vermieterinnen und Vermieter, die jahrelang rechtswidrige Klauseln verwendet hatten, kommen durch das ZIAG günstiger davon als ohne gesetzliche Neuregelung. Konsumentenansprüche im Umfang von mehreren Hundert Millionen Euro würden damit nach Einschätzung Tomasellis vernichtet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Arbeiterkammer, VKI, Mietervereinigung und ÖGB kritisierten den Entwurf als verfassungs- beziehungsweise unionsrechtswidrig. Ob das ZIAG einer verfassungsrechtlichen Prüfung standhält, bleibt abzuwarten. Für Planende im Bereich des gewerblichen Mietwohnungsbaus ist diese Rechtsunsicherheit jedoch ein Hinweis: Wer Gebäude für Bauträgerinnen und Bauträger entwirft, die auf komplexe Mietvertragsstrukturen setzen, sollte das juristische Umfeld kennen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was die Reform nicht angeht: der freie Markt und die Baukosten</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Trotz aller politischen Rhetorik bleibt das neue Mietenpaket in einem entscheidenden Punkt stumm: Es adressiert nicht die Ursachen steigender Wohnkosten, sondern versucht, deren Symptome zu dämpfen. Die Baukosten in Österreich sind in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen, Baugenehmigungsverfahren dauern zu lang, und der soziale Wohnungsbau erhält trotz nomineller Bekenntnisse zu wenig strukturelle Förderung. Eine echte Leerstandsabgabe, wie von den Grünen im Rahmen ihres Fünf-Punkte-Plans gefordert, fehlt im beschlossenen Paket ebenso wie das Bestellerprinzip beim Kauf oder verbindliche Mietobergrenzen für Nachkriegsbauten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus architektonischer Perspektive ist dieser Befund bedeutsam: Wohnungspolitik, die primär auf Mietpreisregulierung setzt, ohne gleichzeitig ausreichend Neubau zu stimulieren, erzeugt mittelfristig Angebotsknappheit. Werden Vermietungen wirtschaftlich unattraktiver, ohne dass neue Wohneinheiten entstehen, sinkt das Angebot weiter. Architektinnen und Architekten, die in der Wohnbauberatung tätig sind, kennen diesen Mechanismus aus anderen europäischen Ländern.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Historische Einordnung: Österreichs regulierter Mietmarkt im europäischen Vergleich</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das österreichische Mietrecht zählt zu den ältesten und komplexesten in Europa. Das Mietrechtsgesetz geht in wesentlichen Teilen auf das Jahr 1981 zurück, seine Vorläufer auf die Erste Republik. Jede Reform fügt einem bereits mehrfach geflickten System weitere Schichten hinzu. Das MieWeG ist das fünfte Inflationslinderungsgesetz in Folge, ein Umstand, der für sich spricht: Was systematisch gelöst werden sollte, wird legislativ verwaltet.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Vergleich dazu hat Deutschland mit dem Berliner Mietendeckel ein besonders drastisches Experiment unternommen, das vom Bundesverfassungsgericht gestoppt wurde. Die Niederlande reformieren derzeit das Mietrecht grundlegend. In Österreich hingegen bleibt das dualistische System aus vollreguliertem Altbau und weitgehend freiem Neubaumarkt unangetastet. Dieser Dualismus prägt auch die architektonische Praxis: Wer im Altbestand saniert, bewegt sich in einem anderen Regelwerk als wer neu baut.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Konsequenzen für die architektonische Berufspraxis in Österreich</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet das neue Mietenpaket konkret für Architektinnen und Architekten? Erstens: Wer Wohngebäude für gewerbliche Vermieterinnen und Vermieter plant, sollte die neuen Befristungsregeln und deren Ausnahmen kennen. Zweitens: Kalkulationsmodelle für Renditewohnungsbau müssen das MieWeG einbeziehen, auch wenn sein praktischer Effekt bei moderater Inflation gering bleibt. Drittens: Die Rechtsunsicherheit rund um das ZIAG kann Entscheidungsprozesse bei der Planung von Mietobjekten verzögern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Darüber hinaus bleibt eine grundlegende Frage offen, die weit über Paragrafen hinausgeht: Welche Baukultur entsteht in einem Markt, der durch immer mehr Regulierung gesteuert wird? Gut gestaltete, langlebige und energieeffiziente Wohngebäude brauchen stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Eine Wohnpolitik, die primär kurzfristige Mietentlastung sucht, ohne die Qualität des Bauens strukturell zu fördern, läuft Gefahr, die Symptome zu lindern und die Ursachen zu verstärken. Das beste Instrument gegen überhöhte Mieten bleibt am Ende das, was kein Mietrechtsgesetz ersetzen kann: ausreichend guter Wohnraum.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>Rurasmus: Wenn Studierende ländliche Gemeinden neu denken</title>
		<link>https://baukunst.art/rurasmus-wenn-studierende-laendliche-gemeinden-neu-denken/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Feb 2026 10:59:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschulbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Ländlicher Raum]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=15241</guid>

					<description><![CDATA[<p>Das Rurasmus-Programm schickt Studierende für ein Semester aufs Land. Frischer Blick, echte Projekte, neue Baukultur. Was daraus entsteht, überrascht Gemeinden und Studierende gleichermassen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Wenn Studierende ländliche Gemeinden neu denken</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wo früher eine Bäckerei die Dorfmitte belebte, staube heute das Schaufenster ein. Leerstand ist in vielen ländlichen Gemeinden Österreichs und Deutschlands keine Randerscheinung mehr, sondern ein prägendes städtebauliches Faktum. Rollläden, die auf Dauer geschlossen bleiben, erzählen eine Geschichte vom Braindrain, vom Schrumpfen, von einer Gesellschaft, die ihre Dörfer vergisst. Und genau hier setzt ein Bildungsprogramm an, das so unspektakulär klingt, wie es im Ergebnis wirkungsvoll ist: Rurasmus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Name ist ein Kunstwort, zusammengesetzt aus &#8222;rural&#8220; und &#8222;Erasmus&#8220;. Dahinter steckt ein europäisches Forschungsinstitut mit Sitz im kärntner Moosburg, gegründet von Roland Gruber und Elisabeth Leitner. Ihr Ausgangsbefund ist simpel und ernüchternd: Seit Jahrzehnten jammert man über die Abwanderung der Jungen vom Land, vor allem der Frauen. Passiert ist strukturell wenig. Rurasmus versucht etwas anderes: Statt die Jungen zu beklagen, holt man sie zurück, zumindest für ein Semester.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Modell: Gemeinde als Universität</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Idee ist konzeptionell elegant: Studierende aller Studienrichtungen verbringen mindestens ein Semester kostenfrei in einer ländlichen Gemeinde. Diese wird dabei nicht zur Kulisse, sondern zum Ausbildungsort. Die lokalen Herausforderungen sind die Aufgabenstellung, die Bürgerinnen und Bürger werden zu Praxispartnerinnen und Praxispartnern, die Gemeindestruktur zum Forschungsfeld. Das Rurasmus-Forschungsinstitut fungiert als organisatorische Drehscheibe und sichert Qualitätsstandards, während Hochschulen die akademische Begleitung übernehmen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Sommersemester 2025 lebten fünf Studentinnen in Gemeinden in Oberösterreich und Kärnten: in der Region Mostlandl Hausruck, in Michaelnbach, in Taufkirchen an der Trattnach sowie in der Stadtgemeinde Althofen. Das Programm existiert seit drei Jahren und wurde unter anderem im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024 umgesetzt. Mittlerweile gibt es INTERREG-Förderung, was europäische Ambitionen unterstreicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Lena Keresztes und die Pionierinnen des Leerstands</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein konkretes Beispiel macht deutlich, wie das Modell in der Praxis wirkt. Lena Keresztes, Studentin der Raumordnung und Raumforschung an der Universität Wien, verbrachte ihr Semester in der Region Mostlandl Hausruck. Ihr Auftrag: Leerstand nicht als Problem verwalten, sondern als Potenzial sichtbar machen. Keresztes arbeitete vor Ort mit den Managerinnen und Managern des EU-Projekts Leader sowie der Klima- und Energie-Modellregionen (KEM) zusammen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ihr Projekt war handfest: Sie suchte und fand Pionierinnen und Pioniere der Leerstandsentwicklung in der Region und dokumentierte deren Erfahrungen in Steckbriefen. Ein Friseursalon in einer ehemaligen Werkstatt, ein Bauernladen in einem leerstehenden Geschäft, ein Museum in einer alten Mühle. Das klingt nach lokalem Kleinod, ist aber strategisch gedacht: Wer einen Leerstand wiederbeleben will, soll wissen, wer das bereits getan hat. Vernetzung als Baukultur, könnte man sagen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Keresztes stammt aus Wien und kannte das Landleben zuvor kaum. Das Semester war nach eigener Aussage trotz aller positiver Erfahrungen auch ein Kulturschock. Sozialkontakte zu knüpfen sei schwierig gewesen: Menschen in ihrem Alter würden heute entweder nicht mehr in der Region leben oder sich bereits in einer anderen Lebensphase befinden. Die dörfliche Gemeinschaft sei eng und warm, für Neuzugänge aber nicht immer leicht zugänglich. Dennoch: Sie würde das Semester uneingeschränkt empfehlen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Was Baukultur mit Bildungsinnovation zu tun hat</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architekturschaffende und Raumplanerinnern und Raumplaner ist Rurasmus kein bloßes Sozialprojekt. Es ist ein handfester Beitrag zur Frage, wie Baukultur vermittelt wird und wo sie entsteht. Indem Studierende konkret an der Wiederbelebung von Ortskernen, an der Nachverdichtung im Bestand und an Konzepten für den öffentlichen Raum arbeiten, lernen sie nicht aus dem Lehrbuch, sondern aus der Realität eines schrumpfenden Dorfs.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist methodisch wertvoller als manches Entwurfsseminar an einer gut ausgestatteten Stadtuniversität. Denn der ländliche Raum schult eine Tugend, die an Großstadthochschulen selten systematisch gelehrt wird: das Denken in beschränkten Ressourcen, mit bestehenden Strukturen, unter Einbindung einer Bevölkerung, die nicht Design-affin, aber durchaus meinungsstark ist. Roland Gruber, Vorsitzender des Rurasmus-Forschungsinstituts, bringt es auf den Punkt: Das Aufs-Land-Semester sei ein europäischer Lernraum, in dem Gemeinden erleben, wie der frische Blick junger Menschen wichtige Impulse für ein gutes Leben liefert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Modell mit Grenzen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritisch zu hinterfragen bleibt, ob ein Semester ausreicht, um nachhaltige Veränderungen anzustossen. Fünf Studentinnen in einem Semester sind kein flächendeckendes Programm. Die strukturellen Ursachen des Leerstands, überteuerte Immobilienvorstellungen von Eigentümerinnen und Eigentümern, unklare Erbschaften, mangelnde kommunale Instrumente, lassen sich mit Steckbriefen allein nicht beseitigen. Rurasmus kann Anstösse geben, aber keine Bauordnung ersetzen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dennoch: Das Modell zeigt, wie universitäre Bildung und ländliche Entwicklung einander befruchten können, wenn man sie systematisch zusammenbringt. Dass dabei auch Studierende etwas über sich lernen, über ihre eigenen Stadtblasen und Komfortzonen, ist ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt. Bildung funktioniert eben in beide Richtungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Für Architekturschaffende, die sich mit ländlichem Bauen beschäftigen, bietet Rurasmus zudem ein Netzwerk an jungen Menschen, die den ländlichen Raum nicht aus touristischer Distanz, sondern aus gelebter Alltagserfahrung kennen. Das ist ein Rohstoff, der in Zeiten zunehmender Suburbanisierung und Flächenversiegelung kaum wertvoll genug sein kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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			</item>
		<item>
		<title>Wohnungskrise Innsbruck 2026: Zwei Ausstellungen zeigen Ursachen und Folgen der teuersten Stadt Österreichs</title>
		<link>https://baukunst.art/wohnungskrise-innsbruck-2026-zwei-ausstellungen-zeigen-ursachen-und-folgen-der-teuersten-stadt-oesterreichs/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Jan 2026 08:48:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Innsbruck]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsnot]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=14882</guid>

					<description><![CDATA[<p>In Österreichs teuerster Stadt zeigen zwei Ausstellungen, warum leistbares Wohnen zur Utopie wurde. Die Kritik sitzt, die Lösungen bleiben aus.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/wohnungskrise-innsbruck-2026-zwei-ausstellungen-zeigen-ursachen-und-folgen-der-teuersten-stadt-oesterreichs/">Wohnungskrise Innsbruck 2026: Zwei Ausstellungen zeigen Ursachen und Folgen der teuersten Stadt Österreichs</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Innsbruck im Würgegriff: Wenn zwei Ausstellungen die Wohnungskrise sezieren</h1>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Von Baracken, Betongold und der Ohnmacht der Politik</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Innsbruck hält einen zweifelhaften Rekord: Keine österreichische Landeshauptstadt verlangt höhere Preise für Wohnraum. Mit durchschnittlich 7.900 Euro pro Quadratmeter für Eigentumswohnungen übertrifft die Tiroler Metropole selbst Wien und Salzburg. In der Gemeinde Reith müsste ein Durchschnittsverdiener 29 Jahre lang arbeiten, nur um ein 500 Quadratmeter großes Grundstück zu erwerben. Dass ausgerechnet hier, unter dem Goldenen Dachl, zwei Ausstellungen das Thema Wohnungsnot aufgreifen, erscheint da fast zwingend.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im aut. architektur und tirol läuft noch bis Ende Februar 2026 die Schau „geld . macht . raum – über die ökonomie des wohnens&#8220;. Parallel dazu zeigte das Stadtmuseum Innsbruck bis Anfang Januar „Suche Wohnung! Von der Baracke zum Leerstand&#8220;. Beide Ausstellungen nähern sich demselben Problemfeld aus unterschiedlichen Richtungen und schaffen es gemeinsam, ein erschreckendes Panorama städtischer Wohnpolitik zu zeichnen.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Historische Tiefenbohrung im Stadtmuseum</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Kuratorenduo Renate Ursprunger und Niko Hofinger wagt im Stadtmuseum einen Blick, der über hundert Jahre zurückreicht. Nach dem Ersten Weltkrieg eskalierte die Wohnungsnot in Innsbruck dramatisch. Ehemalige Angestellte der k.u.k. Südbahn, aus Norditalien ausgewiesen, fanden zwar Arbeit bei der Bundesbahn, doch keine Bleibe. Familien hausten in ausrangierten Viehwaggons oder in den Holzbaracken des ehemaligen NS-Arbeitserziehungslagers Reichenau. Zehn Schilling Miete pro Monat für einen Verschlag ohne Kanalanschluss, mit Ziehbrunnen und Plumpsklo.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung dokumentiert diese prekären Verhältnisse mit Fotografien und Zeitzeugenberichten. Was zunächst wie eine historische Aufarbeitung wirkt, entpuppt sich rasch als Kommentar zur Gegenwart. Im Innsbrucker Gemeinderat wurde bereits 1922 über ähnliche Themen gestritten wie 2022, stellt Hofinger trocken fest. Eine Sammlung von Wahlplakaten aus mehreren Jahrzehnten belegt: Leistbares Wohnen war Dauerbrenner aller Parteien, doch nennenswerte Ergebnisse blieben aus.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die interaktive Schau konfrontiert Besucherinnen und Besucher auch mit dem heiklen Thema Leerstand. Die Kuratoren berichten von zögerlichen städtischen Ämtern, die aktuelle Zahlen nur widerwillig herausrückten. Dabei verfügt Innsbruck im österreichischen Vergleich über erstaunlich gute Erfassungsdaten: Von mehr als 60 Prozent der Wohnungen lässt sich feststellen, ob sie tatsächlich bewohnt sind.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das aut wagt den politischen Frontalangriff</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Während das Stadtmuseum die historische Dimension auslotet, wählt das aut einen dezidiert politischen Zugang. aut-Chef Arno Ritter bezeichnet „geld . macht . raum&#8220; als seine bisher politischste Ausstellung. Die Schau entstand anlässlich des 50-jährigen Jubiläums von DOWAS, dem Durchgangsort für Wohnungs- und Arbeitssuchende, der seit 1975 obdachlose Jugendliche und sozial ausgegrenzte junge Erwachsene mit Notwohnungen versorgt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ritter spart nicht mit Kritik an der hiesigen Wohnpolitik. Es habe in Innsbruck in der jüngeren Vergangenheit eine Stadtregierung mit einer Frau an der Spitze gegeben, die den Neoliberalismus in die Stadt gebracht habe, sagt er und meint damit Alt-Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer von der Wahlliste „Für Innsbruck&#8220;. Umstrittene Bauprojekte aus ihrer Ära tauchen auch in den ausgestellten Medienberichten auf.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Ausstellung rollt mit Statistiken, Rechercheergebnissen und Studien ein gesellschaftliches Konfliktfeld auf, das weit über Tirol hinausweist. Wohnraum als Kapitalanlage, die sogenannte Logik des freien Marktes, stetig steigende Preise: Die Wohnraumkrise ist längst eine der großen sozialen Fragen unserer Zeit. Das zeigt sich in unzähligen europäischen Städten, aber auch in New York, wo der Sozialist Zohran Mamdani mit dem Versprechen von leistbarem Wohnen die Bürgermeisterwahl gewonnen hat.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kunst als ironischer Kommentar</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zwischen den Infografiken und Zeitungsausschnitten setzen künstlerische Arbeiten pointierte Akzente. Roland Maurmairs Installation „Singlehit / Garçonnière&#8220; aus dem Jahr 2021 bringt die Situation ironisch auf den Punkt: Ein riesiges Vogelnest, aus dem eine Fernsehantenne ragt, bietet sich als Wohnform an. Der 1975 in Innsbruck geborene Künstler, bekannt für seine Arbeiten im Spannungsfeld von Natur und Urbanität, verkehrt hier die Verhältnisse: Während er in anderen Arbeiten Vögeln menschliche Infrastruktur anbietet, offeriert er hier den Menschen spielerisch Vogelarchitektur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auch die Fotoarbeit „Kapital schafft&#8220; von Julius C. Schreiner sowie Videoarbeiten von Anita Witek ergänzen die Ausstellung um kritische künstlerische Perspektiven. Im öffentlichen Raum sorgte bis vor wenigen Wochen eine Installation des Architekturkollektivs Columbosnext für Aufmerksamkeit: Eine gelb gestrichene Stahlkonstruktion, die die Silhouette eines Wohnhauses formte, stand auf einem seit Jahren brachliegenden Grundstück an der Uni-Kreuzung. Sie symbolisierte, was fehlt. Die Brache bleibt.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Strukturelle Ursachen, fehlende Lösungen</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die alpine Lage zwischen Nordkette und Mittelgebirge begrenzt das Bauland natürlich. Doch strukturelle Faktoren verschärfen die Situation: Die Niedrigzinsphase bis 2021 heizte den Markt an, internationale Investoren entdeckten die Alpenstadt, Kurzzeitvermietungen an Touristen entziehen dem Markt Wohnraum. Die Stadt Innsbruck vergibt zwar rund 17.200 Wohnungen über den Magistrat, doch der überhitzte Privatmarkt diktiert das Preisniveau.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Beide Ausstellungen liefern keine einfachen Antworten. Eine Patentlösung gibt es nicht, schreibt das aut in einer Medienmitteilung. Doch sie schaffen Bewusstsein und laden zur Auseinandersetzung ein. Die Forderung liegt in der Luft: Boden und Wohnraum müssen der Marktlogik entrissen werden. Wohnen ist ein zentrales Grundbedürfnis, Grund und Boden sind keine klassische Ware, da sie nicht produzier- und vermehrbar sind, schreibt Arno Ritter.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Symposium „Wohnen Morgen&#8220;, Anfang des Jahres von aut und Land Tirol organisiert, versuchte innovative Ansätze zu diskutieren. Das größte Stadtentwicklungsprojekt Innsbrucks, die Campagne Reichenau, soll bis 2030 rund 1.000 Wohnungen entstehen lassen. Doch solange der Budgetentwurf für 2026 den Verkauf städtischer Wohnungen vorsieht, bleiben Zweifel an der politischen Ernsthaftigkeit.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Wohnungsnot als Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was beide Ausstellungen letztlich zeigen: Die Wohnungsfrage ist keine technische Herausforderung, die sich durch geschickte Planung lösen ließe. Sie ist Ausdruck gesellschaftlicher Machtverhältnisse und politischer Prioritäten. Dass ausgerechnet in der Stadt des Goldenen Dachls Menschen kein Dach über dem Kopf finden, ist keine Ironie des Schicksals, sondern Ergebnis von Entscheidungen. Die Politik wäre gefragt, mutige Schritte zu setzen. Die Ausstellungen in Innsbruck dokumentieren, dass sie es bisher nicht getan hat.</p>
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		<title>Das Osthaus Museum und die Reklamation von Kunstdemokratie</title>
		<link>https://baukunst.art/das-osthaus-museum-und-die-reklamation-von-kunstdemokratie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Nov 2025 09:35:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Industriekultur]]></category>
		<category><![CDATA[Regionalentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hagen bewährt die Idee der Kunstdemokratie: Das Osthaus Museum zeigt, wie regionale Initiative und Gestaltungswille Industriestädte zu Kulturleuchttürmen werden - gestern wie heute.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Industriekultur in die Zukunft: Das Osthaus Museum Hagen und die regionale Baukultur des Ruhrgebiets</strong> Wie regionale Initiative und Gestaltungswille ein Industriemuseum zum Leuchtfeuer der westfälischen Kunstszene machen</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ein Museum als Pionier der modernen Kunstidee</strong> Das Ruhrgebiet hat der Kunstwelt einiges zu verdanken. Dass sich gerade in einer Industriestadt wie Hagen eines der progressivsten Museen seiner Zeit etablierte, war keine Selbstverständlichkeit. Karl Ernst Osthaus, ein Bankierssohn mit seltener Weitsicht, schuf 1902 mit seinem Folkwang-Museum ein Haus, das sich selbst als Kunstwerk verstand und als erstes Museum weltweit zeitgenössische Kunst ausstellte. Diese regionalen Besonderheiten – die Verbindung von Unternehmertum, Kunstsinn und Verantwortung für die Gemeinschaft – prägen den westfälischen Kulturraum bis heute.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Regionale Industriekultur als kulturelle Gestaltungsaufgabe</strong> Osthaus war nicht nur Sammler, er war Gestalter einer Region. Sein Ziel war es, seinen kunstverlassenen Industriebezirk an der Ruhr für das moderne Kunstschaffen zu gewinnen und das Leben der Menschen durch Kunst, gutes Design und Kunsthandwerk zu verschönern. Diese philanthropische Orientierung unterscheidet sich grundlegend von reiner Kunstspekulation. In Hagen entstand ein Modell, bei dem die Vermittlung von Schönheit als stadtentwicklungspolitisches Programm verankert wurde.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Folkwang-Idee: Sammlungskonzept mit globalem Blick</strong> Mit der Unterstützung des Designers Henry van de Velde transformierte Osthaus sein ursprüngliches Konzept eines naturkundlich-antikenorientierten Museums grundlegend. Der Innenausbau wurde van de Velde anvertraut, und aus dieser Zusammenarbeit entstand eine der epochemachendsten Sammlungen europäischer Moderne. Van Gogh, Matisse, Cézanne, Gauguin, Klimt und Schiele – die Sammlung war im europäischen Maßstab bedeutend, behielt aber auch den Blick auf außereuropäische Kulturen. Das Hagener Folkwang-Museum war das erste seiner Art, das Kunstobjekte aus Afrika ausstellte. Diese regionale Initiative hatte internationale Strahlkraft und begründete einen Bedeutungsüberschuss, der Hagen über Jahrzehnte prägte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Verluste und Wiederaufbau: Regionalgeschichte im 20. Jahrhundert</strong> Der regionale Kontext wird in der Katastrophengeschichte besonders deutlich. Nach Osthaus’ frühem Tod 1921 wurde die grandiose Sammlung nach Essen verkauft – ein Verlust, der bis heute nachwirkt. Die zweite Zäsur erfolgte 1937, als die Nationalsozialisten deutsche Museen plünderten. In Hagen beschlagnahmten sie zahlreiche Werke als „entartete Kunst“, darunter über vierhundert Arbeiten des Moderne-Künstlers Christian Rohlfs, über den ein Malverbot verhängt wurde. Bei Kriegsende stand Hagen weitgehend mit leeren Händen da – ein Schicksal, das für viele regionale Kulturinstitutionen charakteristisch ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Museale Wiederaufbaukultur und zielgerichtete Ankaufspolitik</strong> Die Wiederaufbaugeschichte Hagens ist ein Beispiel für regionale Handlungsfähigkeit. Bereits im Dezember 1945 eröffnete Museumsdirektorin Herta Hesse-Frielinghaus das Haus für erste Ausstellungen. Über drei Jahrzehnte entwickelte sie eine überaus zielsichere Ankaufspolitik nach dem Motto: die besten Künstler zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Dieses Prinzip setzte lokale Marktkenntnis und strategisches Denken voraus. Viele dieser Ankäuf<strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">e</strong> wurden nur wenig später unerschwinglich. So legte Hesse-Frielinghaus den Grundstock zu einem Bestand, der die doppelten Verluste von 1922 und 1930 beinahe in Vergessenheit geraten ließ. Dies ist nicht bloße Regionalgeschichte, sondern ein Lehrstück über kuratorische Exzellenz unter schwersten Bedingungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Regionale Architektur- und Gestaltungskultur heute</strong> Osthaus hinterließ Hagen neben der erweiterten Museumsanlage noch weitere prägende Projekte. Die Privatvilla Haus Hohenhof sollte als Nukleus einer Künstlerkolonie Hohenhagen dienen – ein Gedanke, der sich nur in Ansätzen verwirklichte, aber die städtebaulichen Ambitionen der Region belegt. 2009 gesellte sich das Emil-Schumacher-Museum hinzu, das moderner regionaler Kunstförderung verpflichtet ist. Die jüngste Ausstellung <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">Von Renoir bis Warhol</em> zeigt: Hagen besinnt sich nach Jahren der Abweichung wieder auf seine eigenen Bestände und seine wechselvolle Geschichte. Dies ist unter den gegenwärtigen Herausforderungen – demografischer Wandel, Strukturwandel im Ruhrgebiet – eine bewusste kulturelle Selbstvergewisserung.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Modellcharakter für andere Regionen</strong> Hagener Museumspraxis hat Modellcharakter. Sie zeigt, wie regionale Kulturinstitutionen in Transformationsprozessen nicht allein Orte des Bewahrens sind, sondern aktive Gestalter regionaler Identität. Die Ankaufspolitik Hesse-Frielinghaus’ ist Ausdruck einer dezentralisierten Kunstförderung, wie sie heute unter Druck gerät. Die aktuelle Ausstellung, kuratiert von Rainer Stamm – einem Osthaus-Biografen – ist somit auch eine Aussage über regionale Verantwortung: Nach der Phase klandestiner Künstler wie Sylvester Stallone oder Dieter Nuhreine Rückbesinnung auf Qualität und Geschichte. Der doppelte Kurswechsel – erst weg von den eigenen Beständen, nun zurück – dokumentiert das Ringen einer Region um ihre kulturelle Orientierung in unsicheren Zeiten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Ausblick: Industriekultur als Aufgabe der Gestaltungsbeiräte</strong> Für Gestaltungsbeiräte und lokale Baukulturgremien im Ruhrgebiet und darüber hinaus bietet Hagen ein instruktives Beispiel: Wie baut man kulturelle Kontinuität in einer Region, deren Grundlagen sich grundlegend wandeln? Die Antwort liegt nicht in nostalgischer Bewahrung, sondern in kreativer Neudeutung. Das Osthaus Museum zeigt Kunstwerke von Renoir bis Warhol – ein Bogen von traditioneller Malerei zur Pop-Art. Dies ist kein Kunsthistoriker-Kitsch, sondern Zeichen einer Region, die ihre Offenheit für Modernes bewahrt hat. In Zeiten, da viele Regionen mit Leerständen und Identitätskrisen ringen, ist dies ein stilles und doch eloquentes Argument für den Wert von Gestaltung, regionaler Initiative und institutioneller Kontinuität.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">
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		<title>Gaudis unvollendete Revolution: Die Sagrada Familia entthront das Ulmer Münster</title>
		<link>https://baukunst.art/gaudis-unvollendete-revolution-die-sagrada-familia-entthront-das-ulmer-muenster/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2025 10:57:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Inspiration]]></category>
		<category><![CDATA[Antoni Gaudi]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Barcelona]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Sagrada Familia]]></category>
		<category><![CDATA[Sakralarchitektur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Barcelona schreibt Architekturgeschichte: Mit der Montage des ersten Kreuzarmssegments überragt die Sagrada Familia nun das Ulmer Münster. Doch was bedeutet dieser Höhenrekord für die Zukunft der Sakralarchitektur?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ein Rekordwechsel, der Geschichte schreibt</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Einhundertfünfunddreißig Jahre lang thronte das Ulmer Münster mit seinen 161,53 Metern als der höchste Kirchturm der Welt. Ein Rekord, der sich auch in der Identität Württembergs verfestigte, eine steile Vertikale als Ausdruck von Kontinuität und Verlässlichkeit. Im Oktober 2025 wurde diese Dominanz bescheiden durch ein anderes Bauwerk abgelöst: In Barcelona hat die Sagrada Familia des Architekten Antoni Gaudi einen neuen Maßstab gesetzt. Mit der Anbringung des unteren Kreuzarmssegments erreicht der zentrale Turm bereits eine Höhe von 162,91 Metern. Wenn 2026 der Turm Jesu Christi seine endgültige Höhe von 172,50 Metern erreicht, wird die katalanische Basilika nicht einfach nur eine Dimension überragen, sondern eine ganze Ära von Sakralarchitektur ablösen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch dieser Wechsel des Höhenrekords erzählt weniger von technischer Überlegenheit als vielmehr von zwei grundlegend unterschiedlichen Visionen architektonischen Gestaltens. Während das Ulmer Münster, 1890 vollendet, die Perfektion der Spätgotik verkörpert, folgt die Sagrada Familia einer anderen Logik: Sie ist nicht Abschluss, sondern Prozess. Nicht Vollendung eines Gedankens, sondern endlose Weiterentwicklung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gaudis Formensprache: Natur als architektonischer Kompass</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was die Sagrada Familia auszeichnet, ist nicht primär ihre Höhe, sondern die Philosophie, die hinter ihrer Gestaltung steht. Als Gaudi 1883 den Bau übernahm, verwarf er radikal die neugotische Planung seines Vorgängers. Stattdessen schuf er ein monumentales Ensemble, das sich organischen Formen anvertraut, wie sie in der Natur zu finden sind. Die achtzehn Türme erinnern nicht an konstruierte Geometrie, sondern an Stalaktiten, an Tropfsteine, die Jahrtausende benötigten, um ihre Form anzunehmen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Im Inneren wird diese Philosophie noch deutlicher. Die Säulen ähneln Baumstämmen, die sich zum Licht strecken. Die Gewölbe entstehen aus mathematisch präzisen Regelflächen, hyperbolischen Paraboloiden und Rotationshyperboloiden. Das klingt nach abstrakter Mathematik, ist aber tatsächlich Gaudis Versuch, die Natur in ihrer reinsten geometrischen Form zu verstehen. Schon bei seinen Studien zur Kirche der Colonia Güell hatte Gaudi erkannt, dass diese zweiseitig gekrümmten Flächen ohne zusätzliche Stützkonstruktionen auskommen, dass sie sich selbst tragen. Eine strukturelle Innovation, die erst moderne 3D-Simulationen vollständig nachvollziehen konnten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Besonders bemerkenswert ist Gaudis experimentelle Methode. Er beugte nicht komplexe Theorien der Praxis, sondern schuf das berühmte invertierte Modell aus Schnüren und Sandsäcken: Er hängte seine Konstruktion kopfüber auf, um zu verstehen, wie Gewichte sich verteilen, wie Drucklinien verlaufen. Was heute Finite-Element-Analyse heißt, war damals akribische Handarbeit im Dienste der Logik. Dieser methodische Radikalismus macht Gaudi zum Vordenker einer Architektur, die Science und Poetry verbindet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die ästhetik der Unvollendung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch hier tritt eine philosophische Paradoxie auf. Gaudi starb 1926, nach vierzig Jahren Arbeit. Er sah von seinem Werk nur einen Bruchteil vollendet: eine Fassade, die Krypta, einen einzelnen Turm. Der Spanische Bürgerkrieg zerstörte dann seine Werkstatt, seine Pläne, seine Modelle. Nur Gaudis detaillierte Notizen retteten die Vision vor dem völligen Vergessen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das wirft eine provokative Frage auf: Ist die Sagrada Familia tatsächlich ein Gaudí-Werk? Oder ist sie der kollektive Traum einer Stadt, die ein Vermächtnis weiterträgt? Neun verschiedene Chefarchitekten haben seit Gaudi das Projekt geleitet. Die gegenwärtige Leitung unter Jordi Fauli arbeit mit modernen Drohnen, 3D-Modellen und parametrischer Planung. Steinmetze führen immer noch von Hand aus, was die Maschinen vorbereiten. Dies ist keine ungebrochene Kontinuität, sondern eine eigenständige schöpferische Interpretation eines unvollendeten Gedankens.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Unvollendung ist dabei kein Manko, sondern eine produktive Bedingung. Während das Ulmer Münster als geschlossenes System funktioniert, bleibt die Sagrada Familia offen für die Gegenwart. Die monumentale Gloriafassade, die noch bis 2034 errichtet wird, muss mit modernen Mitteln gelöst werden. Die städtebaulichen Herausforderungen, die Gaudis massive Treppen mit sich brachten, erfordern neue Antworten. Jede Generation von Baumeistern bringt ihre Zeit in das Werk ein.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Materialiät und Rationalität: Das deutsche Bauteil</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Detail verdient besondere Aufmerksamkeit: Das Kreuzarmssegment, das den neuen Rekord möglich machte, wurde in Bayern gefertigt. Der untere Arm misst 7,25 Meter, wiegt 24 Tonnen. Aus weiss glasierter Keramik und Glas. Das ist nicht Romantik, sondern rationale Ingenieurskunst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Damit verbindet sich eine faszinierende Geschichte deutsch-katalanischer handwerklicher Zusammenarbeit. Die Bayern produzieren die Präzision, Barcelona liefert die Vision. Das Bauteil war seit Juli auf einer 54 Meter hohen Plattform positioniert, wohl vorbereitet, wartend auf seinen Moment. Als das erste Kreuzsegment im Oktober montiert wurde, war es nicht ein dramatischer Moment der Schöpfung, sondern die ruhige Durchführung eines perfekt geplanten Plans.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Kreuz selbst wird nach Fertigstellung 17 Meter hoch sein, 13,5 Meter breit. Ein Objekt von der Größe eines fünfstöckigen Gebäudes. Seine äussere Hülle aus Keramik und Glas wird extremen Wetterbedingungen standhalten und Licht reflektieren. Das ist Materialästhetik als Strategie: Durabilität und Schönheit sind keine Gegensätze, sondern Synonyme.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Das Gespenst der Fertigstellung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Hier tritt ein zweites paradoxes Moment auf. Das ursprüngliche Ziel war die Fertigstellung bis 2026, zum hundertsten Todestag Gaudis am 10. Juni. Ein symbolisches Datum, wunderschön in seiner Semetrie. Doch die COVID-19-Pandemie verlängerte die Bauunterbrechnungen um 114 Tage, forderte 81 Millionen Euro Schäden 2021. Nunmehr wird erwartet, dass die vollständige Fertigstellung erst 2033 oder 2035 erfolgt. Die Gloriafassade, Gaudis radikalste Schöpfung, wird sich bis in die 2030er Jahre dehnen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was bedeutet dies? Ein Jahrhundert des Wartens könnte sich zu anderthalb Jahrhunderten verlängern. Die Generationen, die den Baubeginn 1882 erlebten, sind längst verstorben. Gaudis direkter Schülerkreis ist Vergangenheit. Heute arbeiten Architekten, Ingenieure und Steinmetze an einem Werk, dessen Vollendung sie nicht sehen werden. Die Finanzierung erfolgt durch Spenden und Ticketverkäufe, ein fragiles Modell, abhängig von Tourismus, Wirtschaftskrise, unerwarteten Unterbrechungen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Unsicherheit ist nicht romantisch, sondern strukturell. Sie reflektiert die Vulnerabilität architektonischer Großprojekte in einer sich rapid verändernden Welt. Die Sagrada Familia ist ein architektonisches Großwerk, aber auch ein Testfall: Kann Architektur die Zeit überdauern? Kann eine künstlerische Vision über mehr als ein Jahrhundert hinweg kohärent bleiben, wenn unterschiedliche Interpretationen sie formen?</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeit und kollektive Dimension</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Interessanterweise zeigt Gaudis früher Einsatz von recycelten Materialien, insbesondere von Keramikabfällen, ein frühes Bewusstsein für ökologische Verantwortung. Das ist nicht die Performance-Nachhaltigkeit zeitgenössischer Starchitekten, sondern pragmatisches Handeln aus ökonomischem Zwang, dem sich kunstvolle Lösungen verdankten.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch es gibt noch eine andere Dimension: Die Sagrada Familia wird durch kollektive Mittel finanziert und erbaut. Keine Monarchie, keine Großindustrie, sondern Gläubige, Spender, Touristen. Ein anonymes Netzwerk von Individualinteressen, das sich zu einem gemeinsamen Werk zusammenfügt. Dies ist eine fast utopische Dimension urbaner Produktion, die zeitgenössische Architekturdebatten über Partizipation und Gemeinschaft vorwegnimmt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die drei Millionen Besucher jährlich (vor Pandemie) sind nicht passive Betrachter, sondern Finanziers einer laufenden Utopie. Sie zahlen, um zu sehen, wie eine Vision sich langsam manifestiert. Sie werden zu Akteuren einer Baugeschichte, die ihre Lebenszeit überschreitet.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Das Ende der Rekorde</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Enthronung des Ulmer Münsters ist also nicht ein Sieg der Höhe über die Höhe, sondern ein Paradigmenwechsel. Das Ulmer Münster ist architektonische Antwort auf eine Frage: Wie baut man schön und dauerhaft? Die Sagrada Familia stellt eine andere Frage: Wie kann Architektur lebendig bleiben, sich entwickeln, ihre Zeit reflektieren, während sie doch einem hundert Jahre alten Gedanken treu bleibt?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">2026 wird ein Meilenstein erreicht, aber nicht die Vollendung. Der zentrale Christusturm wird stehen, 172,50 Meter hoch, ein neuer Rekord. Doch die Basilika wird noch immer eine Baustelle sein, noch immer eine Verheissung mehr als eine Erfüllung. Und vielleicht ist genau das ihre grösste architektonische Leistung: nicht die Vollendung eines Gedankens, sondern die Kunst, einen Gedanken so auszuarbeiten, dass er Generation um Generation Architekten, Handwerker und Besucher fesselt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Ulmer Münster ist vollendet. Die Sagrada Familia ist gerade erst dabei, wirklich zu werden. Das ist kein Sieg, sondern ein anderer Weg zur Ewigkeit.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/gaudis-unvollendete-revolution-die-sagrada-familia-entthront-das-ulmer-muenster/">Gaudis unvollendete Revolution: Die Sagrada Familia entthront das Ulmer Münster</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Die Gratwanderung der Seele</title>
		<link>https://baukunst.art/die-gratwanderung-der-seele/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Oct 2025 17:17:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Editorial]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturethik]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing-Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Transformation]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13789</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ein Editorial über die Balance zwischen künstlerischem Anspruch und ethischer Verantwortung in der zeitgenössischen Architektur</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/die-gratwanderung-der-seele/">Die Gratwanderung der Seele</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Gratwanderung der Seele: Über Eitelkeit, Verantwortung und wahre Baukunst</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Liebe Kollegin, lieber Kollege,</strong></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">es gibt in unserem Beruf einen Moment der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wahrheit</strong>, den ich immer wieder erlebe: wenn die Zeichnungen fertig sind, die Modelle glänzen und alle <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kompromisse</strong> hinter uns liegen – dann zeigt sich, wer wir wirklich sind. Nicht als Künstler, nicht als Unternehmer, sondern als Menschen, die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Verantwortung</strong> für die Gestaltung von Raum tragen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Editorial dieser Ausgabe wirft diese Frage auf mit einer Klarheit, die sich nur aus jahrzehntelanger Praxis ergibt: Sind wir unserer eigenen Anschauung verpflichtet – oder sind wir es einer Vielzahl von Dingen, darunter auch unserem Ego?</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Spannung zwischen Kunst und Kommerz wird oft missverstanden. Sie ist nicht das Problem. Das Problem beginnt, wenn wir diese Spannung nicht mehr als Spannung anerkennen, sondern sie durch narrative Beschönigung aufzulösen versuchen. Wenn wir behaupten, dass ein <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Instagram</strong>-Denkmal in den Bergen gleichzeitig respektvolle Landschaftsinterpretation sei. Wenn wir mit einem <a href="https://baukunst.art/die-arc-de-trump-und-die-erosion-demokratischer-architekturkultur/" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">goldenen Triumphbogen in Washington</strong></a> behaupten, wir würden Freiheit feiern, während wir in <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wahrheit</strong> Macht materialisieren. Wenn wir <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Spektakel</strong> mit Innovation verwechseln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die sechs Artikel dieser Ausgabe erzählen diese Geschichte in präziser Form: Auf der einen Seite stehen die Projekte, die sich selbst in den Mittelpunkt stellen. Das <a href="https://baukunst.art/das-instagram-denkmal-in-den-bergen-wenn-architektur-zur-reklame-wird/" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">»Hub of Huts«, die Vertical Chalets,</strong></a> der geplante Ballsaal im Weißen Haus – sie alle legitimieren sich durch Visionen, die bei näherer Betrachtung wenig mit dem zu tun haben, was sie behaupten. Sie sind nicht skandalös, weil sie existieren. Sie sind skandalös, weil die architektonische Kritik – unsere Kritik – so zahm geworden ist, dass sie die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Hybris</strong> nicht mehr benennt, wenn sie ihr ins Gesicht schaut.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein besonders prägnantes Beispiel ist das Savarin-Projekt in Prag von Thomas <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Heatherwick</strong>. Der britische Star-Designer, der sich mit dem Manifest »<strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Humanize</strong>« gegen seelenlose Architektur stark macht, liefert genau das: Eine glitzernde Shopping-Mall mit geschwungenen Balkonen und Pflanzenarrangements, die wie die generische Lobby eines Flughafenhotels wirkt. Die obsessive Wiederholung des Treppen-Motivs – jenes Konzept, das bereits beim gescheiterten »Vessel« in New York zu mehreren Suiziden führte – wird hier recycelt und zerschnitten wie architektonische Landminen über den Prager Stadtblock verteilt. Die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Marketing-Rhetorik</strong> von »Humanisierung« prallte hier auf die bittere Realität: Was als menschenfreundliche Geste intendiert ist, wird zur Karikatur seiner selbst. Die historische Schönheit Prags wird durch einen architektonischen Eindringling kontaminiert, der mit seiner <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eitelkeit</strong> nicht rechnen kann.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das ist nicht <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Demut</strong>. Das ist die Perversion von <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Demut</strong>. Das ist <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Heatherwick</strong>, der sich selbst widerspricht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Auf der anderen Seite stehen ganz andere Arbeiten.<a href="https://baukunst.art/mit-leiser-hand-die-frick-collection-als-lehrstueck-moderner-denkmalpflege/" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link"> <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Die Frick Collection,</strong></a> saniert mit leiser Hand von Annabelle Selldorf, die es verstand, die Zeit weiterzuschreiben, ohne die Geschichte zu zerstören. <a href="https://baukunst.art/goldener-loewe-fuer-amerikanische-visionaere-architektur-als-umweltexperiment/" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Das Canal Café von Diller Scofidio + Renfro</strong></a><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">,</strong> das Ricardo Scofidios Vermächtnis krönt – ein Projekt, das nicht nur schön ist, sondern das sagt: Architektur kann Teil der Lösung sein. Es kann Wasser reinigen, es kann Bewusstsein wecken, es kann Hoffnung vermitteln.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Und dann ist da das Papier-Museum in Dänemark von der Bjarke Ingels Group: Ein ehemaliger Aldi-Supermarkt wird transformiert in ein führendes <a href="https://baukunst.art/die-papier-revolution-wie-ein-discounter-zum-kunsttempel-wird/" data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="link"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Museum für Papierkunst Skandinaviens.</strong></a> Das Genie des Projekts liegt in seiner Einfachheit: »Ein einzelnes Blatt Papier, das sich über den Bestand legt« – so beschreibt BIG-Partner David Zahle das Konzept. Keine <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Marketing-Rhetorik</strong>, keine obsessiven Wiederholungen, keine <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eitelkeit</strong>. Nur eine vereinende Geste. Die Dachkonstruktion ist inspiriert von der Origami-Kunst, die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachhaltigkeit</strong> wird ernst genommen (DGNB-Gold oder Platin angestrebt), und der Raum wird für echte Kultur genutzt. Das ist <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Transformation</strong> durch <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Reduktion</strong>. Das ist echte Architektur.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Unterschied liegt nicht in der Größe der Projekte. Der Unterschied liegt in der <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Haltung</strong> – und der Ehrlichkeit dieser <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Haltung</strong>.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ich kenne diese <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Alleskönner</strong>, die das Spagat vollbringen. Sie sind in deutschen Büros tätig, in österreichischen, in der Schweiz, in Dänemark. Sie navigieren zwischen künstlerischem Anspruch und wirtschaftlicher Realität, zwischen <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachhaltigkeit</strong> und Gestaltung, zwischen ihrem Ego und ihrer Ethik. Sie tun dies, indem sie eine fundamentale Entscheidung treffen: Sie akzeptieren, dass nicht sie im Zentrum stehen, sondern die Aufgabe. Der Mensch, der Raum, die Gesellschaft, in die das Gebäude eingebettet ist.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Es gibt aber auch Kolleginnen und Kollegen, die diesen Kampf verloren haben oder nie führen wollten. Sie haben sich einer bestechenden Einfachheit ergeben: dem Design von Bildern statt von Räumen. Der Erzeugung von Aufmerksamkeit statt von Qualität. Sie sind nicht böse. Sie sind nur verzweifelt danach, gehört zu werden.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Macht der Architektur ist größer als je zuvor – doch mit dieser Macht wächst auch die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Verantwortung</strong>. Wenn ein Triumphbogen nichts anderes ist als ein Ego-Monument, wird er zum Symbol einer Zivilisation, die ihre <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">ethisch</strong>en Grundlagen verloren hat. Wenn die Alpen zu <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Instagram</strong>-Inszenierungen werden, wird Schönheit zur Ware. Wenn <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachhaltigkeit</strong>sversprechen nur Greenwashing sind, wenn <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Marketing-Rhetorik</strong> sich als Philosophie tarnt, dann betrügen wir nicht nur die Umwelt, sondern auch uns selbst.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Was ist dann zu tun? Zuerst: Wir müssen wieder lernen, <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Kompromisse</strong> zu benennen. Nicht zu beschönigen. Eine Wärmepumpe auf dem Dach eines Hotels, das eine Berglandschaft zerstört, ist nicht nachhaltig – es ist <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">grüngewaschen</strong>. Ein Triumphbogen, der »Unabhängigkeit« feiert, während seine Finanzierung durch nicht-transparente Spender erfolgt, ist nicht demokratische Architektur – es ist <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">autoritäre Ästhetik</strong>. Geschwungene Treppen und Pflanzkübel in Prag sind nicht »Humanisierung« – sie sind Marketing. Wir, die Architektinnen und Architekten, müssen diese Unterschiede wieder sehen lernen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zweitens: Wir müssen die Projekte stärken, die die andere Richtung einschlagen. Nicht sie preisen, als ob sie spektakulär wären – sondern sie anerkennen als das, was sie sind: schwieriger, komplexer, demütiger. Die Frick Collection wird keine Meinungsartikel füllen. Das Canal Café wird nicht auf jeder Architekturreise landen. Das Papier-Museum wird nicht von <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Instagram</strong>-Influencern überrannt. Aber sie werden richtig wirken, und diese Wirkung hält länger als Likes und Renderings.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Drittens – und das ist für mich persönlich das Wichtigste – müssen wir unseren jungen Kolleginnen und Kollegen zeigen, dass es einen anderen Weg gibt. Dass man Architektin oder Architekt sein kann und nicht täglich wählen muss zwischen <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Integrität</strong> und Erfolg. Dass die echten <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Alleskönner</strong> genau diejenigen sind, die diesen Dualismus überwindet – nicht durch Narrative, nicht durch <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Marketing-Rhetorik</strong>, sondern durch authentische <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Haltung</strong>.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Gratwanderung</strong> ist real. Aber die Ansicht, dass es eine Mittellinie gibt zwischen Wahrem und Falschem, zwischen <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eitelkeit</strong> und <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Demut</strong> – diese Ansicht ist eine Illusion. Man kann nicht ein bisschen <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">moralisch</strong> sein. Man kann nicht behaupten, Architektur zu »humanisieren«, während man eine Stadt kolonisiert. Entweder man akzeptiert, dass Architektur eine gesellschaftliche <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Verantwortung</strong> hat, oder man tut es nicht.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">In einer Zeit, da die Welt umgestellt werden muss auf <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Nachhaltigkeit</strong>, da die Klimakrise nicht mehr abstrakt ist, da die Polarisierung der Gesellschaft auch in unseren Gebäuden sich abbildet – in dieser Zeit brauchen wir nicht mehr spektakuläre Architektur. Wir brauchen <strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">wahre Architektur</strong>. Architektur, die nicht prahlt, sondern dient. Die nicht trennt, sondern verbindet. Die nicht dominiert, sondern integriert. Architektur, die einen alten Supermarkt mit der gleichen Würde behandelt wie einen historischen Stadtkern.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ich wähle diesen Weg. Und ich hoffe, dass viele von uns das tun.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Herzlichst Ihr</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Stuart Stadler</strong></p>
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		<title>Schneller, billiger, einsamer? Wie der Bau-Turbo die Baukultur gefährdet</title>
		<link>https://baukunst.art/schneller-billiger-einsamer-wie-der-bau-turbo-die-baukultur-gefaehrdet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Oct 2025 08:50:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Berufspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungskrise]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13727</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der geplante "Bau-Turbo" soll Wohnungsbau beschleunigen, riskiert aber Standards zu gefährden. Die Bundesarchitektenkammer fordert einen anderen Weg.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/schneller-billiger-einsamer-wie-der-bau-turbo-die-baukultur-gefaehrdet/">Schneller, billiger, einsamer? Wie der Bau-Turbo die Baukultur gefährdet</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="0 0 []">Wohnraum schaffen statt Schnelligkeit um jeden Preis</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der geplante Paragraph 246e BauGB – im politischen Diskurs als &#8222;Bau-Turbo&#8220; bekannt – verspricht Beschleunigung im Wohnungsbau. Doch ein breites Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen, angeführt von der Bundesarchitektenkammer (BAK), warnt vor erheblichen Risiken: Einseitige Fokussierung auf Quantität und Schnelligkeit gefährde soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und demokratische Partizipation.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Wohnungskrise und die politische Antwort</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Deutschlands Wohnungsmarkt steht unter enormem Druck. Insbesondere in urbanen Ballungsräumen fehlen bezahlbare Wohnungen in großem Umfang. Die Bundesregierung reagierte mit dem geplanten &#8222;Bau-Turbo&#8220; – einer Gesetzesnovelle, die Genehmigungsverfahren vereinfachen und Planungsprozesse verkürzen soll. Bundesministerin Verena Hubertz (SPD) sieht in der beschleunigten Bauweise ein wirksames Instrument gegen die Wohnungsnot.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Doch das Vorhaben ist komplex: Es kollidiert mit etablierten Planungsprinzipien, Beteiligungsrechten und städtebaulichen Qualitätsstandards. Architekten und Planerinnen warnen vor ungewollten Konsequenzen, die Jahrzehnte nachwirken könnten.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Positionen der Bundesarchitektenkammer</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die BAK unter ihrer Präsidentin Andrea Gebhard hat sich klar positioniert: Zwar erkennt die Kammer die Wohnungskrise an, lehnt aber die aktuelle Ausgestaltung des Bau-Turbos ab. &#8222;Wir haben die Wohnungskrise erkannt&#8220;, betont Gebhard. &#8222;Die Kammern sehen viele Möglichkeiten für Lösungen und Verbesserungen.&#8220; Allerdings habe die jetzige Formulierung des Paragraphen 246e BauGB erhebliche Schwachstellen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Kernkritik der BAK richtet sich gegen die einseitige Fokussierung auf Tempo ohne Rücksicht auf strukturelle Qualitätsmerkmale. &#8222;Schneller Wohnungsbau darf nicht heißen, dass wir soziale, ökologische und baukulturelle Standards über Bord werfen&#8220;, macht Gebhard deutlich. Fläche sei eine endliche Ressource – wer sie verbrauche, schädige Landwirtschaft, Natur und mittel- bis langfristig die Zukunftsfähigkeit des Landes.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Innenentwicklung vor Zersiedelung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein Kernpunkt der Kritik betrifft die fehlende Priorisierung von Innenentwicklung. Der Bau-Turbo könnte Kommunen dazu verleiten, auf Neuerschließung statt auf intelligente Weiterentwicklung bestehender Siedlungsstrukturen zu setzen. Das widerspricht modernen Planungsprinzipien und Klimaschutzzielen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">&#8222;Innenentwicklung vor Zersiedelung&#8220; – dieser Maxime folgend fordert das von der BAK angeführte Bündnis, dass der Bau-Turbo ausschließlich in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt Anwendung finden darf und sich auf Innenentwicklung beschränken muss. Eine Anwendung auf neue Siedlungsflächen lehnen die Verbände ab.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Soziale Bindung statt Marktlogik</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein weiterer kritischer Punkt: verbindliche Quoten für dauerhaft sozial gebundenen Wohnraum. Der aktuelle Entwurf enthält zwar Formulierungen zum Thema Preisgünstigkeit, konkrete und verlässliche Verpflichtungen fehlen jedoch. Das schafft Unsicherheit, ob die geplanten Bauten tatsächlich der Bevölkerungsschicht zugute kommen, die Wohnungen am dringendsten benötigt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bündnis fordert daher mindestens 50,1 Prozent dauerhaft bezahlbar zu vermietende Wohnungen bei Neubauten ab sechs Einheiten. Damit sollen Flächen effizienter genutzt und soziale Wirkung gesichert werden – ein regulatorischer Rahmen, der den Markt zwar lenkt, aber nicht in sein Wesen eingreift.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bürgerbeteiligung und demokratische Legitimation</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Bau-Turbo sieht eine drastische Verkürzung der Beteiligungsfristen vor – auf zwei Monate für Öffentlichkeitsbeteiligungen und Stellungnahmen. Die Kritiker warnen: Dies gefährde die Qualität von Planungsprozessen erheblich und untermine demokratische Partizipation.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Qualitätsvolle Planung benötigt Zeit für Abstimmung, kritische Auseinandersetzung mit Alternativen und die Einbeziehung lokaler Expertise. Bürgerinnen und Bürger, Verbände und Fachleute brauchen realistische Zeitfenster, um sich informieren, zu evaluieren und Stellungnahmen vorzubereiten. Eine zu starke Verkürzung führe zu Frustration und könne am Ende die Akzeptanz von Projekten gefährden.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Kommunale Leistungsfähigkeit und finanzielle Ausstattung</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Ein häufig übersehener Aspekt: Die Umsetzung liegt zu großen Teilen bei den Kommunen. Viele Gemeinden und Städte kämpfen bereits mit Personalengpässen, komplexen Abstimmungsprozessen und finanziellen Unsicherheiten. Der Bau-Turbo könnte diese Strukturschwächen eher verschärfen als lösen. Vor allem kleinere und strukturell benachteiligte Kommunen könnten überfordert werden, wenn sie ohne zusätzliche Ressourcen schnellere Verfahren umsetzen sollen.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Gebäudetyp E als Alternative</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bundesarchitektenkammer weist auf innovative Ansätze hin, die weniger problematisch sind als der Bau-Turbo. Das Konzept des &#8222;Gebäudetyp E&#8220; – ein vereinfachter Typenbau – könnte Beschleunigung ohne Qualitätsverlust ermöglichen. Standardisierte Entwürfe reduzieren Planungsaufwand, beschleunigen Genehmigungen und wahren gleichzeitig baukulturelle Standards. Dies wäre ein konstruktiver Mittelweg zwischen Status quo und radikaler Deregulierung.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die berufspolitische Dimension</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Aus berufspolitischer Perspektive offenbart sich ein grundlegendes Spannungsfeld: Der Bau-Turbo könnte die klassische Rolle von Architektinnen und Architekten schwächen. Wenn Genehmigungen vereinfacht und Planungsprozesse verkürzt werden, verringert sich die Nachfrage nach qualitativer Planung. Dies könnte zu Druck auf Honorare und Beschäftigungschancen führen.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Zugleich wächst die Verantwortung der Architektenschaft: Als Anwältin und Anwalt von Qualität, Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung muss die Berufsgruppe intensiver in politische Diskurse eingreifen. Die BAK-Kampagne zeigt, dass dies geschieht – durch fundierte Kritik, alternative Lösungsvorschläge und Verbündung mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Ausblick: Eine zweite BauGB-Novelle?</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Bündnis fordert nicht nur Nachbesserungen am Bau-Turbo, sondern auch eine zweite, umfassende BauGB-Novelle noch in der laufenden Legislaturperiode. Diese solle verbindlich soziale, ökologische und langfristige Stadtentwicklung festschreiben. Dies wäre ein regulatorischer Rahmen, der über Tempo-Maßnahmen hinaus strukturelle Antworten auf die Wohnungskrise bietet.</p>
<h1 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit</h1>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der &#8222;Bau-Turbo&#8220; ist ein politisches Signal – mehr nicht. Er adressiert die Wohnungskrise, ohne ihre strukturellen Ursachen zu beheben. Während Geschwindigkeit in manchen Bereichen hilfreich sein kann, droht sie hier, Qualität, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zu gefährden. Die Bundesarchitektenkammer und ihr Bündnis zeigen einen Weg auf, wie Beschleunigung verantwortungsvoll gestaltet werden könnte – durch Fokus auf Innenentwicklung, verbindliche soziale Quoten, ausreichende Beteiligungszeit und Stärkung der Kommunen. Architektur ist nicht nur ein technisches oder wirtschaftliches Anliegen – sie ist gesellschaftlicher Auftrag. Wer baut, gestaltet Zukunft. Und Zukunft verlangt Sorgfalt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/schneller-billiger-einsamer-wie-der-bau-turbo-die-baukultur-gefaehrdet/">Schneller, billiger, einsamer? Wie der Bau-Turbo die Baukultur gefährdet</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
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		<title>Wie die Königsklasse des Bauens den Freistaat prägt</title>
		<link>https://baukunst.art/wie-die-koenigsklasse-des-bauens-den-freistaat-praegt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2025 08:48:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltige Architektur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13673</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Preis „Bauen im Bestand" 2025 zeigt: Bayern transformiert seine Architekturlandschaft durch intelligentes Umdenken. Würzburg gewinnt den Staatspreis – ein Signal für nachhaltiges Bauen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Renaissance der Bausubstanz</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Wer Bayern als Freistaat der glänzenden Neubauten wahrnimmt, täuscht sich fundamental. Die dritte Auflage des Preises „Bauen im Bestand 2025&#8243; offenbart eine architektonische Strategie, die bayernweit längst in den Handschriften ambitionierter Planerinnen und Planer geschrieben steht: Umbauen statt Abreißen, Transformation statt Tabula rasa. Der soeben verliehene Staatspreis für das Mozartareal in Würzburg ist dabei weniger eine Auszeichnung für Einzelleistung als vielmehr ein Manifest für eine Umbaukultur, die Bayern als Leitmacht etablieren könnte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern besitzt eine architektonische Gemengelage, die anderswo Neid weckt. Von den gründerzeitlichen Wohnquartieren Münchens über die industriellen Gutachterstädte Nürnbergs bis zu den kleinen, feinen Ensembles fränkischer und oberpfälzer Ortskerne – der Bestand ist nicht bloß Material, sondern kulturelle Erbschaft. Und genau hier setzt der aktuelle Preis an: Er erklärt die Bewahrung und intelligente Weiterentwicklung dieser Substanz zur Königsklasse der Baukunst.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Würzburg als Modell: Das Mozartareal</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Würzburger Entscheidung ist dabei alles andere als Sentimentalität. Das Hufeisen-Ensemble auf dem Mozartareal – ursprünglich eine Schulanlage der Nachkriegsjahrzehnte – wurde nicht musealisiert, sondern vitalisiert. Die Stadt Würzburg hätte die bequemere, profitablere Variante wählen können: Eine Shopping-Mall statt einer Schule, Konsum statt Konflikt mit Denkmalschutz. Die Architekten Grellmann Kriebel Teichmann &amp; Partner Architekten (Würzburg) erfassten indes die genuine Qualität des Bestandsbaus: die Großzügigkeit der Raumfolgen, die Qualität der Orientierungsfähigkeit durch Klarheit der Form, die Eignung als öffentlicher Ort.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Diese Transformation ist kein lokales Phänomen. Sie offenbart etwas Grundsätzliches über die Handlungsfähigkeit in bayerischen Stadträten: Während bundesweit die Fachwerkhütte zur Spekulationsmasse wird, bewies Würzburg, dass Kultur und Wirtschaftlichkeit keine Antagonisten sein müssen. Das Mozartareal wurde zur lebendigen Schule; es blieb im städtischen Diskurs präsent statt in den Aktenschränken zu verschwinden.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Bayern als Versuchslabor für Baukultur</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Blick auf die insgesamt 13 nominierten Projekte und die 68 Einreichungen aus Bayern belegt: Der Freistaat ist längst ein Laboratorium intelligenter Bestandstransformation geworden. Das Diözesanmuseum Freising – eine Umgestaltung eines Ursprungsgebäudes vor 1900 durch das Büro Brückner &amp; Brückner Architekten (Tirschenreuth/Würzburg) – zeigt, wie aus dem katholischen Knabenseminar ein lichtdurchfluteter Kunst-Tempel wird. Es ist Transformation als Emanzipation: Das Gebäude bekommt seine nächste Aufgabe, wächst in neue gesellschaftliche Funktionen hinein.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Der Gasteig HP8 in München wiederum beweist, dass auch Großstadtprojekte im mittleren siebenstelligen Investitionsbereich nicht an ihrer Bestandstragik scheitern müssen. Das Hamburger Büro gmp (von Gerkan, Marg und Partner) schuf aus einer Industriehalle an der Isar einen „backsteinernen Kultur-Leuchtturm&#8220; – wie Staatsminister Markus Blume ausdrücklich bemerkte. Ein Projekt, das die ganze Ambivalenz der modernen bayerischen Architekturpolitik offenbart: Kultur statt Rendite, ökologische Gesinnung statt Flächenversiegelung.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Nachhaltigkeitsbonus: Bayern als Klimavorreiter</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Klimaschutz- und Energiewende-Debatte wird vielerorts abstraktisiert. Bayern zeigt in der Bestandstransformation ein Phänomen: Das Umbauen ist nicht bloß ästhetische Preference, sondern ökologische Notwendigkeit. Jedes Gebäude, das bewahrt statt abgerissen wird, spart die sogenannte graue Energie – jenen enormen CO2-Rucksack, den jeder Neubau mit sich trägt.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Bayerische Architektenkammer, der Freistaat und die Bundesstiftung Baukultur haben diesen Nexus längst erfasst: Das Umbauen ist nicht Nostalgie, sondern Klimapolitik mit Architekturstift. Lydia Haack, Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer, formulierte es präzise: „Bauen im Bestand ist eine der größten kulturellen, ökologischen und gesellschaftlichen Aufgaben unserer Zeit.&#8220;</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Regionale Besonderheiten: Bayern zwischen Tradition und Moderne</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Bayern hat bei dieser Transformation strukturelle Vorteile. Die dezentrale Struktur des Freistaates – Franken, Oberbayern, Schwaben – erzeugt eine Vielfalt lokaler Baukulturen. Es gibt keine monolithische „bayerische Architektur&#8220;, sondern regionale Dialekte: die Ziegelbauweise Unterfrankens, die Alpenarchitektur Südbayerns, die Industriekultur der Nürnberger Gutachterstädte.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Eben dieser Reichtum wird im Preis „Bauen im Bestand&#8220; sichtbar: Das Schloss Geltolfing in Aiterhouten, die neue Ortsmitte MittenIM in Niederwerrn (Schwaben), der document Kepler in Regensburg – sie alle zeugen von lokalen Qualitätsansprüchen, die nicht unter der Betongarmatur des bundeseinheitlichen Standards verschwinden. Das ist nicht regionale Folklore, sondern Beweis dafür, dass Ortsgebundenheit und Exzellenz zusammengehen können.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Die Schattenseite: Fragmente statt Flächenbelegung</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Kritisch angemerkt: Der Preis würdigt Einzelprojekte, nicht Flächenstrategien. Bayern hat Tausende von Gebäuden, deren Zukunft ungewiss ist. Die großen Brachflächentransformationen – etwa die Konversion von Kasernen oder Fabrikareal – bleiben oft hinter ihren Potenzialen zurück. Der Bestand ist kein Problem, das mit drei Preisen gelöst wird.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Dennoch: Der symbolische Zuschlag an Würzburg, an Freising, an München signalisiert etwas Grundsätzliches über die Selbstverständigung eines Bundeslandes. Bayern positioniert sich nicht als Abreißrepublik, sondern als Transformationspionier. Das ist baukulturpolitisch relevant.</p>
<h2 data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="heading" data-prosemirror-node-block="true">Fazit: Intelligenz statt Improvisation</h2>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Die Preisträgerinnen und Preisträger des Jahres 2025 zeigen: Bauen im Bestand ist die Kunstform jener Architektur, die nicht einfach baut, sondern denkt. Bayern hat damit eine Chance, sich als Freistaat zu profilieren, der Nachhaltigkeit nicht als Marketing-Slogan missbraucht, sondern als architektonisches Handwerksprinzip verankert.</p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true">Das Mozartareal in Würzburg, die Architekturpreise und die 194 Einreichungen sind nicht bloß Meldungen für Fachjournalistinnen und Fachzeitschriften. Sie sind Indikatoren für eine Gesellschaft, die verstanden hat: Bauen bedeutet nicht, die Welt zu erneuern, sondern sie intelligent weiterzuentwickeln. Bayern macht das vor.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Architektur studieren in Braunschweig</title>
		<link>https://baukunst.art/architektur-studieren-in-braunschweig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Sep 2025 08:35:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Niedersachsen & Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturstudium]]></category>
		<category><![CDATA[Baukultur]]></category>
		<category><![CDATA[Braunschweig]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://baukunst.art/?p=13472</guid>

					<description><![CDATA[<p>Zwischen Fachwerk und Forschung: Warum Braunschweig für Architekturstudierende ein unterschätzter Studienort ist – und welche regionalen Besonderheiten ihn so besonders machen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://baukunst.art/architektur-studieren-in-braunschweig/">Architektur studieren in Braunschweig</a> erschien zuerst auf <a href="https://baukunst.art">Baukunst</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3>Architektur studieren in Braunschweig – eine unterschätzte Chance</h3>
<p>Braunschweig gilt nicht als klassische Studentenmetropole. Wer Architektur studieren möchte, denkt zuerst an Berlin, München oder Stuttgart. Doch die Löwenstadt überrascht – nicht nur mit ihrer lebendigen Hochschullandschaft, sondern auch mit einer facettenreichen Baukultur, die historische Schichten und zeitgenössische Impulse miteinander verwebt. Die Studentin Carla erinnert sich an ihre ersten Tage in Braunschweig: „Alle, die mich besuchen, sind überrascht, wie schön die Stadt ist.“ Zwischen mittelalterlichen Fachwerkhäusern, grünen Parkanlagen und modernen Institutsgebäuden hat sie einen Ort gefunden, der mehr zu bieten hat als man auf den ersten Blick vermutet.</p>
<h3>Eine Hochschule mit Profil</h3>
<p>Die Technische Universität Braunschweig (TU Braunschweig) ist die älteste technische Universität Deutschlands. Ihr Institut für Architektur und Städtebau genießt einen hervorragenden Ruf – insbesondere durch seine praxisorientierte Ausbildung. Die Lehre legt Wert auf interdisziplinäre Zusammenarbeit: Studierende arbeiten nicht nur an Entwurfsprojekten, sondern setzen sich auch mit Themen wie Nachhaltigkeit, denkmalgerechter Sanierung und klimafreundlicher Stadtentwicklung auseinander. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Holzbau-Forschung, passend zur niedersächsischen Bautradition, die seit Jahrhunderten auf regionale Materialien und Handwerkskunst setzt. Damit bildet Braunschweig Architektinnen und Architekten aus, die sowohl gestalterisch als auch technisch versiert sind.</p>
<h3>Regionale Besonderheiten: Baukultur zwischen Tradition und Zukunft</h3>
<p>Braunschweig liegt in einer Region, die architektonisch geprägt ist von mittelalterlicher Fachwerkarchitektur, Industriebauten der Gründerzeit und den Aufbaujahren der Nachkriegsmoderne. In unmittelbarer Nähe befinden sich historische Orte wie Wolfenbüttel oder die UNESCO-Weltkulturerbestätte Goslar, die den Studierenden Einblicke in den Erhalt und die Restaurierung historischer Substanz bieten. Gleichzeitig fordern aktuelle Herausforderungen wie Wohnraummangel und Energieeffizienz zeitgemäße Antworten – Themen, die an der TU intensiv erforscht und diskutiert werden. Die niedersächsische Bauordnung setzt hierbei eigene Akzente, insbesondere in den Bereichen Klimaschutz, barrierefreies Bauen und Holzbau, was den Studierenden praxisnah vermittelt wird.</p>
<h3>Stadt mit menschlichem Maßstab</h3>
<p>Braunschweig punktet mit kurzen Wegen: Viele Hochschulgebäude liegen in fußläufiger Distanz zur Innenstadt. Cafés, kleine Galerien und grüne Plätze schaffen eine angenehme Alltagskultur. Im Gegensatz zu Metropolen wie Berlin oder Hamburg sind die Lebenshaltungskosten moderat, was das Studium finanziell entspannter macht. Gleichzeitig bietet die Stadt genügend kulturelle Impulse – vom Staatstheater bis zur alternativen Kunstszene im Westlichen Ringgebiet. Diese Mischung macht Braunschweig zu einem idealen Ort, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: das eigene Studium und den kreativen Prozess des Entwerfens.</p>
<h3>Netzwerke und Chancen<br />
Ein starkes Plus für Braunschweig sind die regionalen Netzwerke:</h3>
<p>Architektenkammer Niedersachsen mit Sitz in Hannover bietet Seminare, Mentoringprogramme und Wettbewerbe.<br />
Lokale Gestaltungsbeiräte ermöglichen Studierenden frühzeitige Einblicke in reale Planungsprozesse.<br />
Kooperationen mit der Holzbau-Forschung in Göttingen und dem Fraunhofer-Institut stärken die wissenschaftliche Anbindung.<br />
Braunschweig ist zudem Teil der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg, wodurch Praktika und Berufseinstieg in einem breiten regionalen Umfeld erleichtert werden.</p>
<h3>Fazit: Ein Ort für Entfaltung</h3>
<p>Wer Architektur in Braunschweig studiert, findet ein Umfeld, das Praxisnähe, Forschung und Baukultur auf besondere Weise vereint. Die Stadt mag auf den ersten Blick unscheinbar wirken – doch wer genauer hinschaut, entdeckt ein lebendiges Labor für Architektur, das Tradition und Zukunft miteinander verbindet. Für Studierende, die eine fundierte Ausbildung suchen und zugleich regional verwurzelt arbeiten möchten, ist Braunschweig nicht nur eine Alternative, sondern ein echter Geheimtipp.</p>
<p>&nbsp;</p>
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