Baukunst - „Aufbruch, Salzkammergut!“: Modellregion der neuen Ländlichkeit
sudhaus 081 Motoi Yamamoto - Labyrinth © Mitchell Kearney, courtesy Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024

„Aufbruch, Salzkammergut!“: Modellregion der neuen Ländlichkeit

18.04.2026
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Ignatz Wrobel

baukunst.art · Kategorie Österreich

Salzkammergut: Vom Titeljahr zur Dauerbewegung

Nach dem Titeljahr 2024 organisiert sich das Salzkammergut strukturell neu. Die Nachfolgeorganisation „Aufbruch, Salzkammergut!“ will die 23 Kulturhauptstadt-Gemeinden in Oberösterreich und der Steiermark als Modellregion für das ländliche Europa positionieren. Im Herbst 2027 ist erstmals eine Salzkammergut-Triennale geplant. Für die Baukultur ist die Nachnutzung baulicher Infrastrukturen aus dem Titeljahr zentral.

Was ist „Aufbruch, Salzkammergut!“?

Die Initiative ist die oberösterreichische Nachfolgeorganisation der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024. Projektträger ist die Otelo eGen mit Sitz in Vorchdorf. Das Team arbeitet in der Kulturvilla Vorchdorf, Bahnhofstraße 13, und betreibt freitags ein offenes Büro im Otelo Bad Ischl in der Pfarrgasse 11. Geleitet wird das Projekt von Christina Jaritsch, Obmann der Otelo eGen ist Martin Hollinetz. In der Steiermark besteht mit dem Kulturbüro Ausseerland Salzkammergut eine zweite Nachfolgestruktur. Beide fungieren künftig als regionale Drehscheiben für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft. Die Zusammenarbeit ist nicht mehr an die 23 Kulturhauptstadt-Gemeinden gebunden, sondern öffnet sich gezielt in Richtung Salzburg und darüber hinaus.

Wie erfolgreich war die Kulturhauptstadt Bad Ischl 2024?

Die Endbilanz vom 27. März 2025 in der Bad Ischler Trinkhalle nennt 824.518 Besuche, 314 realisierte Projekte und 2.800 Beteiligte aus 73 Ländern. Die Ausgaben lagen bei rund 31 Millionen Euro. Eine im Dezember 2025 veröffentlichte Studie des Zentrums für Nonprofit-Organisationen und Social Impact an der Wirtschaftsuniversität Wien berechnet den Social Return on Investment: Jeder investierte Euro erzeugte einen monetarisierten Gegenwert von 4,28 Euro. Bad Ischl war die erste inneralpine, ländlich geprägte Kulturhauptstadt in der Geschichte des EU-Titels.

Was bedeutet „neue Ländlichkeit“ konkret?

Die Nachfolgeorganisation versteht den ländlichen Raum nicht als Defizitzone, sondern als Zukunftsraum. Projektleiterin Christina Jaritsch beschreibt das Ziel als Verbindung von Tradition und zeitgenössischer Kultur, ohne Bräuche gegen Innovation auszuspielen. Thematisch geht es um Abwanderung junger Menschen, Daseinsvorsorge, Beteiligungsformate und internationale Vernetzung. Der programmatische Leitsatz der Initiative lautet: nicht für die Region, sondern mit der Region. Im europäischen Kontext positioniert sich das Salzkammergut damit als Modellraum für Regionen, die nach einem Kulturhauptstadtjahr Strukturen verstetigen wollen.

Welche Baukultur-Projekte werden weitergeführt?

Aus dem Kulturhauptstadtjahr reichen mehrere bauliche Ankerprojekte in die Nachnutzung. Das Sudhaus in Bad Ischl wird als Kulturhaus revitalisiert. Das Lehár-Theater wird seit 2025 generalsaniert, die Wiedereröffnung ist für 2027 vorgesehen. Das Museum der Stadt Bad Ischl wurde neu gestaltet, das Schriftmuseum Bartlhaus und das Literaturmuseum Altaussee arbeiten weiter. In Gmunden ist mit dem KunstQuartier ein neuer Ankerpunkt für zeitgenössische Kunst entstanden. ÖBB-Bahnhöfe wurden zwischenzeitlich mit Kunst bespielt. Die Baukultur- und Handwerksformate interventa Hallstatt, Zimmer mit Aussicht und SCALA Salzkammergut Craft Art Lab bleiben in der Region aktiv. Die strukturelle Weiternutzung dieser Orte ist für die Glaubwürdigkeit der Modellregion entscheidend.

Wann findet die Salzkammergut-Triennale 2027 statt?

Die erste Ausgabe der Salzkammergut-Triennale ist für Herbst 2027 angekündigt. Sie soll einen dreijährigen Rhythmus für eine regionale Großveranstaltung etablieren und den Impuls des Titeljahres verstetigen. Ein detailliertes Programmgerüst ist öffentlich noch nicht kommuniziert. Parallel läuft die Generalsanierung des Lehár-Theaters, dessen Wiedereröffnung mit der Triennale zusammenfällt.

Wie ist „Aufbruch, Salzkammergut!“ finanziert?

Mit Landtagsbeschluss vom 29. Jänner 2026 wurde die Basisfinanzierung bis 2028 mit 380.000 Euro abgesichert. Dazu kommen private Sponsoren, Bundesmittel über das zuständige Ministerium sowie eine EU-Kofinanzierung. Die Trägerorganisation Otelo eGen verantwortet die operative Steuerung. Bürgermeisterin Ines Schiller (SPÖ) und Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) stellen die Initiative politisch breit auf.

Einordnung für die Baukultur

Das Salzkammergut wird zum Testfall für die These, dass ein Kulturhauptstadtjahr nicht im Abschlussfest endet, sondern in eine regionale Infrastruktur übersetzt werden kann. Für Architektur und Baukultur entscheidet sich der Erfolg an konkreten Objekten: Lehár-Theater, Sudhaus, KunstQuartier Gmunden. Gelingt die Nachnutzung, bekommt der Begriff „neue Ländlichkeit“ ein belastbares Fundament. Gelingt sie nicht, bleibt er Rhetorik.


Die Eckdaten:

824.518 Besuche im Titeljahr, 314 Projekte, 2.800 Beteiligte aus 73 Ländern.

WU-Wien-SROI-Studie (Dezember 2025): 4,28 Euro Gegenwert pro investiertem Euro.

Landtagsbeschluss OÖ (29.1.2026): 380.000 Euro Basisfinanzierung bis 2028.

Erste Salzkammergut-Triennale: Herbst 2027.

Für die Baukultur relevant sind die Generalsanierung des Lehár-Theaters bis 2027, die Revitalisierung des Sudhauses als Kulturhaus und das neue KunstQuartier Gmunden. Die Formate interventa Hallstatt und SCALA Craft Art Lab bleiben aktiv.

Leitformel der Initiative: nicht für die Region, sondern mit der Region.