
Liebe Kollegin, lieber Kollege,
während ich diese Zeilen schreibe, liegt der August in seiner ganzen sommerlichen Pracht vor uns. Auf den Baustellen und in den Büros herrscht Ferienbetrieb, und manch einer nutzt die ruhigeren Wochen für strategische Überlegungen. Doch bereits jetzt richtet sich mein Blick auf den Herbst – traditionell die Zeit der großen Architekturereignisse, der fachlichen Vertiefung und der kollegialen Begegnungen.
Nach vielen Jahren in diesem wunderbaren Beruf weiß ich: Der Rhythmus unserer Profession folgt eigenen Gesetzen. Während andere Branchen im September langsam wieder anlaufen, explodiert die Architekturwelt förmlich vor Aktivität. Messen, Biennalen, Symposien – als hätten sich alle Veranstalterinnen und Veranstalter verschworen, uns nach der Sommerpause mit geballter Inspiration zu versorgen.
Venedig ruft – und wir antworten
Das absolute Highlight dieses Herbstes wird zweifellos unser gemeinsamer Besuch der Architekturbiennale in Venedig am 17. Oktober sein. Nach der erfolgreichen Gründung unserer Baukunst Akademie freue ich mich besonders, Sie zu diesem kuratierten Erlebnis einladen zu können. Fünf intensive Stunden werden wir gemeinsam durch die Giardini und das Arsenale wandeln, werden diskutieren, staunen und uns inspirieren lassen.
Venedig im Oktober – das ist mehr als nur eine Biennale-Besichtigung. Es ist die Stadt ohne Sommerhitze und Touristenmassen, es sind die architektonischen Interventionen Carlo Scarpas in ihrem ursprünglichen Kontext, es ist der Aperitif mit anschließendem Abendessen in der legendären Locanda Montin, wo schon Peggy Guggenheim ihre Gäste empfing. Diese Investition in Ihre fachliche und persönliche Weiterentwicklung wird sich mehrfach auszahlen – Details zu den Teilnahmekosten folgen in der kommenden Woche über unseren Akademie-Newsletter.
Die Biennale 2025 verspricht besonders spannend zu sein. Nach Jahren der Krisenbewältigung – Pandemie, Energiewende, Materialknappheit – scheint sich die internationale Architekturszene neu zu erfinden. Die Ausstellungen deuten auf eine Rückbesinnung auf das Wesentliche hin: Wie bauen wir für Menschen? Wie integrieren wir Technologie, ohne die Seele der Architektur zu verlieren? Fragen, die uns alle umtreiben.
Künstliche Intelligenz – vom Hype zur Praxis
Apropos Technologie: Unser Lehrgang „KI im Architekturbüro„ geht bereits in die dritte Runde. Die Nachfrage überrascht selbst mich, zeigt aber, wie groß und dringend der Bedarf an fundierter Weiterbildung in diesem Bereich ist. Im September bieten wir noch einmal die Möglichkeit, sich systematisch mit den Chancen und Herausforderungen künstlicher Intelligenz für unsere Planungspraxis auseinanderzusetzen.
Was vor zwei Jahren noch wie Science-Fiction klang, ist heute Büroalltag: KI-gestützte Entwurfsvarianten, automatisierte Kostenschätzungen, intelligente Bauablaufplanungen. Doch die Erfahrung zeigt: Ohne fundiertes Verständnis der Möglichkeiten und Grenzen dieser Werkzeuge bleiben sie Spielerei. Unser Lehrgang vermittelt das notwendige Rüstzeug, um KI sinnvoll und effizient einzusetzen – ohne dabei die architektonische Qualität aus den Augen zu verlieren.
Die menschliche Dimension
Besonders freue ich mich über eine Novität in unserem Akademieprogramm: Steffen Pöhlmann, Gründungsmitglied unserer Baukunst Initiative und erfahrener Psychologe, wird ab Oktober einen vierteiligen Lehrgang zur Psychologie im Architekturbüro anbieten. Der Titel „Architekten sind auch Menschen„ mag zunächst banal klingen, trifft aber einen brisanten und aktuellen Punkt unserer Profession.
In vier Modulen – „Unheilvermeidung“, „Grundbedürfnisse“, „Stimmungen“ und „Eigenmächtigkeit“ – vermittelt Pöhlmann psychologisches Know-how für den Büroalltag. Wie erkennen wir Stresssignale rechtzeitig? Wie schaffen wir ein positives Teamklima trotz Termindruck? Wie bewahren wir unsere kreative Energie in repetitiven Projektphasen?
Die besten Entwürfe entstehen nicht unter Dauerstress, sondern in einer Atmosphäre konzentrierter Gelassenheit. Teams, die aufeinander achten, sind nicht nur produktiver, sondern auch innovativer. Pöhlmanns Ansatz, psychologische Erkenntnisse direkt auf unseren Berufsalltag zu übertragen, halte ich für wegweisend.
Der große Zusammenhang
Diese drei Veranstaltungen – Biennale- Exkursion, KI- Lehrgang und Psychologie-Seminar – mögen auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben. Doch sie spiegeln die Komplexität unserer gegenwärtigen Berufspraxis wider: Wir müssen international denken (Venedig), technologisch auf der Höhe sein (KI) und dabei menschlich bleiben (mentale Gesundheit).
Die Architektur der kommenden Jahre wird sich fundamental wandeln. Klimaneutralität, Ressourcenknappheit, demografischer Wandel – die Herausforderungen sind gewaltig. Gleichzeitig eröffnen neue Technologien ungeahnte Möglichkeiten. In diesem Spannungsfeld zu navigieren, erfordert mehr als fachliches Können. Es braucht Weitblick, Flexibilität und die Fähigkeit, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Unsere Baukunst Akademie versteht sich als Plattform für genau diese Weiterentwicklung. Nicht als akademischer Elfenbeinturm, sondern als praxisnaher Ort des Austauschs unter Kolleginnen und Kollegen. Die Resonanz auf unsere bisherigen Veranstaltungen zeigt: Der Bedarf ist da, die Bereitschaft zur Weiterbildung größer denn je.
Ein Blick nach vorn
Der Herbst 2025 wird mehr sein als eine Aneinanderreihung von Fortbildungen. Er markiert einen Wendepunkt in der Art, wie wir unseren Beruf verstehen und ausüben. Die junge Generation drängt mit neuen Ideen und Arbeitsweisen in die Büros. Etablierte Kolleginnen und Kollegen suchen nach Wegen, ihre Erfahrung mit neuen Anforderungen zu verbinden. Und dazwischen stehen wir alle, verbunden durch die Leidenschaft für gute Architektur.
Wenn wir uns im Oktober in Venedig treffen, zwischen Palladios Erbe und zeitgenössischen Installationen, werden wir nicht nur über Architektur sprechen. Wir werden über unsere Zukunft diskutieren, über die Rolle der Architektur in einer sich rasant wandelnden Welt, über unsere Verantwortung als Gestalterinnen und Gestalter des gebauten Raums.
Ich lade Sie herzlich ein, diesen Weg gemeinsam zu gehen. Nutzen Sie die Angebote unserer Akademie, aber vor allem: Bleiben Sie neugierig, bleiben Sie kritisch, bleiben Sie im Gespräch. Die Architektur braucht engagierte Praktikerinnen und Praktiker, die über den Tellerrand blicken und gleichzeitig mit beiden Beinen auf dem Boden stehen.
Der August mag der Monat der Ruhe sein – der Herbst wird es definitiv nicht. Und das ist gut so. Denn Stillstand war noch nie die Stärke unserer Zunft.
Mit kollegialen Grüßen und in Vorfreude auf inspirierende Begegnungen
Ihr Stuart Stadler

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