
Wohnen im Jahr 2037: Was Rainer Grießhammers Zukunftsroman über unsere Städte verrät
SEO-Überschriftenvorschlag: Tiny Lofts statt Mietwohnungen: Was Rainer Grießhammers Roman „Alles wird gut – nur anders“ über die Stadt von morgen lehrt
Einleitung (max. 200 Zeichen)
Ein 18-Jähriger, seine Wahlgroßeltern und eine Stadt des Jahres 2037: Rainer Grießhammers Roman zeigt, wie Wohnungsnot, Klimapolitik und Digitalisierung unseren Alltag formen könnten.
Tiny Lofts und Wahlgroßeltern: Wie die Stadt von 2037 aussehen könnte
Was passiert mit unseren Städten, wenn Klimatribunal und Grundeinkommen keine Visionen mehr sind, sondern Realität? Rainer Grießhammer, langjähriger Geschäftsführer des Öko-Instituts und Vorstandssprecher der Stiftung Zukunftserbe, hat in seinem im März 2024 beim oekom Verlag erschienenen Roman „Alles wird gut – nur anders – Geschichten aus dem Jahr 2037“ einen Versuch unternommen, diese Frage erzählerisch zu beantworten. Das Ergebnis ist ein Buch, das sich weder als dystopischer Schreckensroman noch als naive Utopie einordnen lässt, sondern als etwas deutlich Unbequemeres: als plausible Möglichkeit.
Der 18-jährige Paul und seine Wahlgroßeltern bilden das Zentrum einer Drei-Generationen-Geschichte, die den Alltag eines fiktiven Jahres 2037 durchleuchtet. Grießhammer setzt dabei auf eine ungewöhnliche Methode: Alle Ereignisse bis 2023 sind real dokumentiert, alles Spätere wurde vom Autor kreativ fortgeschrieben. Diese Kombination aus Faktenbasis und Fiktion ist kein literarischer Trick, sondern ein bewusstes gesellschaftspolitisches Instrument.
Tiny Lofts als Symptom: Wenn Wohnraum zur knappen Ressource wird
Im Mittelpunkt der beschriebenen Welt von 2037 stehen Tiny Lofts als dominierende Wohnform. Für Architektinnen und Architekten ist das kein futuristisches Detail, sondern eine hochaktuelle Bestandsaufnahme: Der Trend zur Verkleinerung privaten Wohnraums bei gleichzeitiger Intensivierung gemeinschaftlicher Infrastrukturen ist bereits heute in deutschen Grossstädten spürbar. Grießhammer extrapoliert diese Entwicklung konsequent und ohne romantisierende Überhöhung.
Die Tiny Lofts seines Romans sind keine ökologisch verklärten Miniaturwohnungen aus dem Lifestyle-Magazin. Sie sind vielmehr das architektonische Ergebnis einer Gesellschaft, in der bezahlbarer Wohnraum systematisch zur Mangelware geworden ist und in der die Umverteilung von Fläche nicht durch den Markt, sondern durch politische Entscheidungen geregelt wird. Das klingt nach Spekulation, entspricht aber Tendenzen, die Stadtforschende seit Jahren beobachten: In Wien, Zürich und München wächst der Anteil von Wohnformen, die auf gemeinschaftliche Nutzung setzen, während die durchschnittliche Wohnfläche pro Person in Neubauten sinkt.
Drei Generationen, drei Stadtvorstellungen
Was Grießhammers Roman für den urbanistischen Diskurs besonders produktiv macht, ist die generationelle Perspektive. Paul, der 18-Jährige, ist in einer Welt aufgewachsen, in der autonome Solarautos und Retrorestaurants ohne Servierroboter genauso selbstverständlich sind wie frühere Generationen den Diesel-PKW oder das Fast-Food-Lokal mit menschlichem Personal kannten. Seine Wahlgroßeltern hingegen tragen die Erinnerung an eine andere Stadt mit sich: eine Stadt mit mehr privatem Raum, mehr individuellem Konsum, aber auch mit mehr CO2-Emissionen und sozialer Segregation.
Diese Generationenkonstellation ist kein literarisches Ornament. Sie spiegelt die reale Planungsdebatte wider, die derzeit in deutschen Städten geführt wird: Wie viel persönliche Wohnfläche ist sozial verträglich? Wem gehört die Stadt – dem Individuum oder der Gemeinschaft? Grießhammer gibt keine Antwort, aber er macht die Konfliktlinien sichtbar. Dass dabei Turbokapitalismus, Postwachstum und Grundeinkommen als ernsthafte politische Optionen aufeinanderprallen, zeigt den Anspruch des Buches: Es ist kein Roman über Architektur, aber es ist ein Roman über die Gesellschaft, die Architektur erst möglich macht.
Digitalisierung und Gemeinschaft: Der öffentliche Raum unter Druck
Perureisen finden im Metaverse statt, Bademeisterdrohnen schweben über Baggerseen – Grießhammers Zukunft ist digital durchdrungen bis in den letzten Winkel des Alltags. Für die Stadtplanung bedeutet das eine Verschiebung: Wenn Erlebnisse virtuell konsumierbar werden, verändert sich die Funktion öffentlichen Raums grundlegend. Das Retrorestaurant ohne Servierroboter wird zum Ort der Echtheit, zum sozialen Kontrapunkt zur durchdigitalisierten Umwelt.
Diese Entwicklung hat architektonische Konsequenzen. Orte, die bewusste Technikfreiheit oder Langsamkeit inszenieren, könnten in einer Welt hypervernetzter Räume eine neue urbanistische Wertigkeit erhalten. Grießhammer beschreibt das nicht als Nostalgie, sondern als bewusste gesellschaftliche Entscheidung. Und gerade das macht seine Prognose architektonisch interessant: Die Menschen seiner Geschichte treffen Entscheidungen darüber, wie sie miteinander leben wollen – und das schlägt sich räumlich nieder.
Klimatribunal und Innovationsstau: Die Rahmenbedingungen des Bauens
Dass Grießhammers Roman auch Klimatribunal, Digitalsteuer und bezahlte Klimaleugner thematisiert, mag für einen Architekturartikel zunächst peripher erscheinen. Es ist es nicht. Die rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen, unter denen gebaut wird, bestimmen mit derselben Schärfe die Gestalt unserer Städte wie das Entwerfen selbst. Wenn ein Klimatribunal zur institutionalisierten Instanz wird, die wirtschaftliche Entscheidungen rückwirkend bewertet, verändert das die Risikoabwägung von Investorinnen und Investoren im Bausektor fundamental.
Gleichzeitig beschreibt Grießhammer einen Innovationsstau als reales gesellschaftliches Problem des Jahres 2037. Das ist für die Baubranche keine abstrakte Bedrohung. Wer die Zertifizierungsverfahren für neue Baustoffe, die Planungszeiträume für quartiersbezogene Infrastrukturprojekte oder die Reaktionsgeschwindigkeit regulatorischer Rahmenbedingungen auf klimatische Herausforderungen in Deutschland kennt, wird Grießhammers Diagnose nicht als Fiktion empfinden, sondern als Protokoll.
Eine lebenswerte Welt: Anspruch und Grenzen des Zukunftsromans
„Grießhammer ist es gelungen, ein Nachhaltigkeitsnarrativ zu kreieren, das vorstellbar macht, was passieren könnte“, schrieb Philipp Krohn in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Das ist zutreffend und zugleich der entscheidende Einwand. Der Roman ist narrativ optimistisch – er entwirft eine Welt, in der Probleme nicht verschwunden, aber bearbeitbar sind. Für die urbanistische Debatte hat das einen doppelten Wert und eine methodische Grenze.
Der Wert liegt in der Mobilisierungsfunktion positiver Szenarien. Grießhammer selbst hat in Interviews betont, dass er die gesellschaftliche Lähmung angesichts multipler Krisen überwinden will, indem er zeigt, dass Transformation möglich und gestaltbar ist. Das ist legitim und notwendig. Die Grenze liegt dort, wo narrative Plausibilität mit analytischer Präzision verwechselt wird. Ein Roman, der bis 2023 auf Fakten basiert und danach kreativ fortschreibt, beschreibt eine mögliche Welt – aber eben nur eine von vielen.
Dennoch: Als Denkanstoss, als Werkzeug zur Erweiterung des kollektiven Vorstellungsraums über zukünftiges Wohnen und Leben, ist „Alles wird gut – nur anders“ ein ungewöhnlich präzises Buch. Wer wissen will, welche gesellschaftlichen Voraussetzungen Tiny Lofts, autonome Solarautos und Wahlgroßeltern zur Norm werden lassen könnten, findet hier keine Antwort – aber eine produktiv irritierende Annäherung.
Den Roman „Alles wird gut – nur anders“ von Rainer Grießhammer kannst du unter anderem an folgenden Stellen erwerben:
Als gedrucktes Buch:
- Direkt beim oekom Verlag: oekom.de
Als E-Book:
- Bei PocketBook: pocketbook.de
- Bei Thalia: thalia.de
Der Roman ist sowohl als Hardcover als auch als E-Book erhältlich. Die ISBN lautet 978-3-98726-087-2 (gedruckt) bzw. 978-3-98726-326-2 (E-Book).

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