KI ist nur ein Hilfsmittel!

Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Architektur: Eine kritische Betrachtung der Entwurfskompetenz

Die Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI) in der Architektur wächst kontinuierlich, und wie sie die Disziplin verändern wird, hängt maßgeblich von den Menschen ab, die sie nutzen. Dies wurde auf der Konferenz „AI – Architectural Intelligence“ an der ZHAW deutlich. Während KI viele Vorteile bietet, gibt es ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die Entwurfskompetenz, insbesondere bei Auszubildenden.

KI: Chancen und Grenzen in der Architektur

Elena Gavagnin vom Institut für Wirtschaftsinformatik der ZHAW betonte, dass KI auf Wahrscheinlichkeitsrechnungen basiert und nicht in der Lage ist, kreative Lösungen zu entwickeln oder strategische Entscheidungen zu treffen. KI kann große Datenmengen durchforsten und Muster erkennen, ist aber unfähig, Kontext und Kausalitäten zu verstehen oder Einfühlungsvermögen zu zeigen – Fähigkeiten, die für gute Architektur unerlässlich sind.

KI in der Praxis: Zwischen Inspiration und Abhängigkeit

Programme wie DALL-E und Midjourney, die auf Texteingaben basierend Bilder generieren, wurden von Studierenden in Entwurfskursen genutzt. Die Bilder waren inspirierend, aber die Kontrolle über die Bildproduktion war begrenzt. Dies zeigt, dass KI zwar nützlich sein kann, aber nicht die alleinige Basis für den Entwurfsprozess sein sollte. Georg Vrachliotis betonte, dass KI ein zusätzliches Werkzeug ist, das traditionelle Methoden wie Skizzieren und Modellbau nicht ersetzen kann.

Gefahr der Verflachung der Raumwahrnehmung

Ein zentrales Problem bei der Nutzung von KI in der Architektur ist die mögliche Verflachung der Raumwahrnehmung. Patric Furrer, Andreas Jud und Stefan Kurath warnen in ihrem Buch „Digitalisierung und Architektur in Lehre und Praxis“ vor Architektur, die nur visuell ansprechend ist, aber andere Sinne vernachlässigt. Physische Modelle bleiben daher unverzichtbar, um die räumlichen und sinnlichen Qualitäten von Entwürfen zu überprüfen.

Der kreative Prozess: Mehr als nur eine Idee

Stefan Kurath von der ZHAW betonte, dass die Arbeit von Architektinnen und Architekten nicht mit der Idee endet, sondern erst beginnt. Architektur entsteht in einem komplexen Prozess, der soziale, wirtschaftliche, politische und ökologische Faktoren berücksichtigt. KI kann diese vielschichtigen Anforderungen nicht erfüllen, da sie nur Vorhandenes reproduziert und keine neuen Konzepte entwickelt.

Integration von KI und menschlicher Expertise

Für zukünftige Projekte ist es entscheidend, dass KI und menschliche Intelligenz zusammenwirken. Architektinnen und Architekten müssen ein tiefes Verständnis für die Stärken und Schwächen von KI entwickeln, um sie sinnvoll einzusetzen. Anstatt zu fürchten, dass KI Arbeitsplätze gefährdet, sollten wir uns darauf konzentrieren, wie sie genutzt werden kann, um ökologisch und sozial nachhaltig zu bauen.

Fazit: KI als Ergänzung, nicht Ersatz

KI kann zwar unterstützend wirken, aber die kreativen und komplexen Anforderungen der Architektur erfordern weiterhin menschliches Wissen und Erfahrung. Architekturschulen müssen daher sicherstellen, dass Auszubildende eine umfassende Entwurfskompetenz entwickeln, die über das bloße Erstellen von Bildern hinausgeht.

Die Konferenz „AI – Architectural Intelligence“ zeigte, dass es wichtig ist, sich mit den Möglichkeiten und Grenzen von KI auseinanderzusetzen. Architekten müssen sich aktiv mit dem Thema beschäftigen, um ihre Schlüsselrolle im Bauprozess der Zukunft zu sichern. Nur so kann gewährleistet werden, dass Architektur weiterhin alle Sinne anspricht und den komplexen Anforderungen unserer Zeit gerecht wird. mehr…

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