Nachhaltige Bautechniken

Wie der „Low Carbon Brick“ das Klima schützen könnte

Die Baubranche steht vor einer entscheidenden Wende. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels und der Notwendigkeit, CO2-Emissionen drastisch zu reduzieren, gewinnt die Entwicklung nachhaltiger Bautechniken immer mehr an Bedeutung. Ein besonders innovativer Ansatz kommt aus Australien: Der „Low Carbon Brick“ des Start-ups MCi Carbon könnte die Baubranche revolutionieren. Der österreichische Konzern RHI Magnesita setzt auf diese Technologie, um CO2 zu binden. Kann das funktionieren?

Der Klimawandel und die Hard-to-Abate-Emissionen

Es ist bekannt, dass die Erderwärmung durch den Verzicht auf fossile Brennstoffe eingedämmt werden muss. Dennoch bleiben sogenannte Hard-to-Abate-Emissionen, die direkt aus Produktionsprozessen stammen, ein Problem. Ein prominentes Beispiel ist die Zementproduktion, bei der Kohlenstoff aus Kalkstein freigesetzt wird. Laut WWF ist die globale Zementproduktion für etwa acht Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Wie kann man diese unvermeidlichen Emissionen angehen?

RHI Magnesita und die CO2-Bindungstechnologie

Der österreichische Weltmarktführer RHI Magnesita, der Feuerfestmaterialien herstellt, hat sich vorgenommen, bis 2050 klimaneutral zu werden. Um die Emissionen zu bewältigen, die bei der Verarbeitung von Materialien zu Feuerfestprodukten entstehen, kooperiert das Unternehmen mit dem australischen Start-up MCi Carbon. Dieses 2013 gegründete Unternehmen ist auf Climate Capture and Utilization (CCU) spezialisiert – die Abscheidung und Nutzung von Kohlenstoff.

Die Technologie hinter dem Low Carbon Brick

MCi Carbon nutzt einen Prozess, der auf natürlicher chemischer Verwitterung basiert, jedoch künstlich beschleunigt wird. Natürliches Gestein wird zermahlen, mit Wasser vermischt und mit CO2-haltigem Abgas kombiniert. Das Resultat ist unter anderem Magnesiumkarbonat, in dem das CO2 stabil gebunden ist. Das Ausgangsmaterial kann somit wiederverwendet werden, was zu einem geschlossenen Kreislauf führt.

Praktische Anwendung und Herausforderungen

RHI Magnesita plant, diese Technologie in einer großen Pilotanlage in Hochfilzen, Tirol, zu testen. Im vollausgebauten System könnte der Konzern bis zu 90 Prozent CO2 im Vergleich zur bisherigen Produktionsweise einsparen. Allerdings ist der Prozess komplex und energieintensiv. Die Herstellung von Magnesiumkarbonat erfordert Druck und Hitze, und der Transport großer Gesteinsmengen stellt eine logistische Herausforderung dar.

Fortschritte und Zukunftsaussichten

Seit der ersten Testanwendung im Jahr 2013 hat MCi Carbon Fortschritte gemacht. Der Prozess soll mittlerweile mit geringem Druck und niedrigen Temperaturen ablaufen, was die CO2-Bilanz verbessert. Derzeit verarbeitet MCi Carbon jährlich zwischen 1.000 und 3.000 Tonnen CO2. Ab 2028 sollen es 50.000 Tonnen pro Jahr sein. Dies könnte ein bedeutender Schritt zur Dekarbonisierung der Industrie sein.

Kritische Stimmen und der Weg nach vorn

Trotz der Fortschritte bleibt die Kohlenstoffspeicherung umstritten. Umweltorganisationen wie Greenpeace kritisieren sie als „Scheinlösung“. Wichtig ist daher, diese Technologie gezielt dort einzusetzen, wo herkömmlicher Klimaschutz an seine Grenzen stößt. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Integration nachhaltiger Praktiken in den gesamten Produktionsprozess und der Nutzung erneuerbarer Energien.

Fazit: Der „Low Carbon Brick“ als Teil einer nachhaltigen Bauzukunft

Die Kooperation zwischen RHI Magnesita und MCi Carbon zeigt, dass große Industriebetriebe bereit sind, innovative Wege zu gehen, um ihre CO2-Emissionen zu reduzieren. Der „Low Carbon Brick“ könnte ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur klimaneutralen Bauindustrie sein. Doch der Erfolg hängt von der sorgfältigen Umsetzung und fortlaufenden Optimierung der Technologie ab. Nur durch die Kombination von technologischem Fortschritt und nachhaltigen Praktiken kann die Baubranche ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten.

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