Bad Gastein für Bobos?

Das Hotel Badeschloss hat kürzlich seine Türen geöffnet und markiert damit den ersten bedeutenden Neubau in Bad Gastein seit langer Zeit – doch definitiv nicht den letzten.

In Friedrich Liechtensteins Chanson „Das Badeschloss“ wird das Gefühl des plötzlichen Wandels und der Wiederkehr von Vergangenem beschrieben, lange bevor jegliche Baupläne existierten. Seit dem 1. Dezember ist dieses Zukunftsversprechen nun Wirklichkeit geworden und verankert sich fest im Ortszentrum, nur wenige Schritte vom Gasteiner Wasserfall entfernt, der die Fassade des historischen Badeschlosses mit einer eisigen Gischt umspielt.

Bad Gastein, oft als das „Manhattan der Alpen“ bezeichnet, besticht durch seine Villen, dramatischen Türmchen und die imposanten Grandhotels, die an den steilen Hängen zu gigantischen Unterkünften heranwachsen. In Anbetracht dieser charakteristischen Architekturtypen sah Erich Bernard, Partner bei BWM Architects and Designers, die logische Fortführung darin, die Stadt um ein modernes Hochhaus zu erweitern. Das Gebäude erstreckt sich über 13 Stockwerke und erreicht eine Höhe von 35 Metern, beherbergt 82 Zimmer, eine zweigeschossige Spa-Landschaft und einen beheizten Dach-Pool mit Blick auf das Tal.

Die äußere Gestaltung des neuneckigen Gebäudes präsentiert sich als doppelschalige Betonkonstruktion mit unregelmäßig versetzten, französischen Fenstern, deren Ausstrahlung je nach Wetterlage vor der Felsenkulisse zu einem Pixelmuster zu verschwimmen scheint. Im Kontrast dazu ließ sich das Architekturbüro von den Ursprüngen des 1794 erbauten Hauses inspirieren und verwandelte es in ein neues, gewagt modernes „Bobo-Badeschloss“ – mit lebhaften Farben, gefliesten Streifen im Schwimmbadbereich und gelben Perlonbändern, die üblicherweise als Armbänder mit Chips und Nummern getragen werden und nun als Schlaufen zum Öffnen von Schränken und Schubladen in den Zimmern dienen.

Bernard beschreibt die Aufgabe als eine wunderbare Herausforderung, die Vergangenheit in die Gegenwart zu überführen. Der Altbau wurde behutsam restauriert und aufgefrischt. Hier finden sich nun die Lobby, die Bar, die Rezeption, ein Restaurant mit offener Küche sowie 20 historische Zimmer.

Dieses Projekt ist jedoch nicht allein in Bad Gastein. Vis-à-vis wurde vor kurzem das Straubinger Grand Hotel eröffnet, mit einem luxuriösen Ansatz, der die Patina und das Flair vergangener Zeiten zelebriert. Obwohl beide Häuser sich unterschiedlich positionieren, teilen sie dasselbe Architekturteam und Management.

Diese Veränderungen haben das Interesse internationaler Hotelketten und Projektentwickler geweckt, und es scheint, als würde eine neue Ära des Baubooms in Bad Gastein beginnen. Während die Renaissance der Stadt eine Chance für Wachstum darstellt, ist es entscheidend, diese Entwicklung nicht ausschließlich den Investoren zu überlassen, sondern eine nachhaltige städtebauliche Vision zu entwickeln, um den einzigartigen Charme Bad Gasteins zu bewahren.

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