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Le Corbusier und das Leben in Chandigarh

17.03.2024
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stu.ART

Der Dokumentarfilm „Kraft der Utopie. Leben mit Le Corbusier in Chandigarh“ der Schweizer Filmemacher Thomas Karrer und Karin Bucher ist mehr als eine bloße Zeitreise. Er verbindet Reflexionen über Vergangenheit und Zukunft und untersucht die transformative Kraft der Architektur. Der Film, der ab morgen in deutschen Kinos läuft, beleuchtet die Dynamik zwischen Le Corbusiers visionärem Städtebau und dem heutigen Leben in Chandigarh.

Entstehungsgeschichte: Karrers und Buchers Faszination für Chandigarh, eine von Le Corbusier entworfene Planstadt in Indien, begann während einer Indienreise 2015. Ihre Neugierde wurde durch ein Foto eines ikonischen Gebäudes in einer Architekturzeitschrift geweckt. Die Stadt, ursprünglich für eine halbe Million Menschen geplant, beherbergt heute eine verdreifachte Bevölkerung und bildet eine Brücke zwischen verschiedenen Zeiten, Maßstäben und Vorstellungen.

Dynamische Dokumentation: Der Film wird von den Machern als „Labor“ beschrieben, welches die dynamische Natur ihres Projekts unterstreicht. Sie beobachten und dokumentieren die Widersprüche in Chandigarh, um Menschen weltweit zum Nachdenken über ihre eigenen Lebensräume und Utopien anzuregen.

Le Corbusiers Vision: Le Corbusier sah Chandigarh als sein Lebenswerk und gestaltete die Stadt nach dem Bild eines lebenden Wesens, mit einem Regierungszentrum als Kopf und Straßen und Grünflächen als Adern und Lungen. Der Film nimmt das Publikum mit auf eine Reise durch die Entstehungsgeschichte der Stadt, die sowohl eine Lektion in Geschichte als auch eine Reflexion über Kolonialismus ist.

Internationales Architektenteam: Der Film beleuchtet auch die internationale Zusammensetzung des Architektenteams, bestehend aus Le Corbusier, seinem Cousin Pierre Jeanneret sowie dem britischen Architektenpaar B. Maxwell Fry und Jane Drew, die nach der Teilung Indiens 1947 von der indischen Regierung rekrutiert wurden.

Lebendige Stadt: Chandigarh wird als „city beautiful“ bezeichnet, und der Film hebt die hohe Lebensqualität hervor. Er präsentiert das städteplanerische Projekt als Erfolg, trotz der Tatsache, dass Veränderungen ursprünglich nicht vorgesehen waren.

Kritische Reflexion: Der Film bezieht auch kritische Stimmen ein und zeigt die Herausforderungen, mit denen die Stadt konfrontiert ist, wie den eingeschränkten Zugang zum UNESCO-Weltkulturerbe „Capitol Complex“. Die Filmemacher urteilen dabei nicht, sondern präsentieren Chandigarh als ein komplexes, vielschichtiges Phänomen.

„Kraft der Utopie“ ist nicht nur eine Geschichtslektion, sondern auch eine Reflexion über die Rolle der Architektur in der Gesellschaft und das Potenzial von Utopien. Der Film regt zur Auseinandersetzung mit Fehlern und Lernprozessen im Kontext von Städtebau, Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit an.