Privater Flughafen wird Design-Ikone

Die Galeristin Nina Yashar haucht dem historischen Flughafen am Lido von Venedig neues, farbenfrohes Leben ein – ein hochkarätiges Kunst- und Designspektakel, das Sie nicht verpassen sollten. Unter dem Titel “The Ever-Present Future of Design” verwandelt Nina Yashar den historischen Flughafen Nicelli am Lido von Venedig in ein kulturelles Zentrum.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts flogen nicht nur Möwen und Kormorane über den Lido von Venedig, sondern auch kleine Flugzeuge, um die anspruchsvolle Kundschaft der Grand Hotels der Lagune zu unterhalten. Bald musste der Inselflughafen nördlich der Strände erweitert werden. Damals prägte die rationalistische Architektur ganz Italien, eine Synthese aus Klassizismus und Zukunfts­glauben, insbesondere bei Gebäuden öffentlicher Institutionen. Die neue Abfertigungshalle, entworfen von Mario Emmer, wurde 1934 nach Giovanni Nicelli benannt, einem Flieger des Ersten Weltkriegs, der 1918 im Alter von 24 Jahren starb, als sein Flugzeug während des Flugs in zwei Teile zerbrach. Der Aeroporto Nicelli hat seitdem Ruhm, zahlreiche Veränderungen und etliche konjunkturelle Schwankungen erlebt. Vor vier Jahren übernahm eine Gruppe einflussreicher Venezianer die Verwaltung. Seitdem hat der Nicelli, den die britische BBC einmal zu einem der zehn schönsten Flughäfen der Welt kürte, eine Doppelrolle: Nach wie vor starten und landen hier kleinere Maschinen, aber der Nicelli ist nun auch ein Zentrum, das Kunst und Kultur am Lido fördern soll, mit Ausstellungen und Design, Kino und Tanz.

Pünktlich zur Kunstbiennale 2022 beauftragte man Nina Yashar mit der Gestaltung des Inneren der Abflughalle. Ihre Aufgabe als Mailänder Design-Expertin und Gründerin der Galerie Nilufar war es, in den Wartesälen des Flughafens eine temporäre Ausstellung einzurichten und historische Möbelstücke in einen Dialog mit zeitgenössischen Werken zu bringen. Nun ist aus der Episode eine feste Einrichtung geworden. Das Motto lautet: „Die Immerwährende Zukunft des Designs“. Yashars Inszenierung soll nun jedes Jahr durch eine neue abgelöst werden. „Die Zusammenarbeit sieht ein fluides Projekt vor, das Objekte, die die Geschichte des Designs geprägt haben und immer noch prägen, in ein lebendiges, eigentlich ganz anders genutztes Environment transportiert“, erklärt die Galeristin und Design-Verlegerin. Und so treffen nun ein „Goldfish Modular Table“ von Analogia Project, Sessel von Khaled El Mays und ein Teppich von Martino Gamper auf Fifties-Sofas des Amerikaners Edward Wormley und Pietro Consagras Skulptur „Banca Bianca“ von 1976. Wer möchte, kann sich auch Gedanken machen über mögliche Verbindungen zwischen den grünen und blauen, spindeldürren, todschicken und brandneuen Tischen und Bänken von Marco Lavit und den Gemälden des Künstlers Ignazio Moncada di Paternò aus den frühen Siebzigern. Bereit für den Abflug! mehr

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