Skandal in der Pinakothek?

Der Störfaktor Kunst: Wenn ein Museumsmitarbeiter selbst zum Künstler wird

Normalerweise freuen sich bayerische Museen über weltweite mediale Aufmerksamkeit, doch der Vorfall Ende Februar in der Münchner Pinakothek der Moderne hätte wohl lieber unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden. Ein technischer Mitarbeiter, 51 Jahre alt und nebenbei freischaffender Künstler, hatte sich einen Moment neben die großen Namen der modernen Kunst gemogelt – mit einem selbst aufgehängten Bild.

Am Morgen des 23. Februar befestigte der Mitarbeiter sein 120 x 60 cm großes Gemälde, ein mit weißer Farbe übermaltes Familienporträt, an einer Wand der Pinakothek. Die Aufseher entdeckten die unerwünschte Kunst noch am selben Tag, der Schaden war geringfügig. Trotzdem verlor der Möchtegern-Picasso seinen Job und bekam Hausverbot für alle Einrichtungen der Staatsgemäldesammlungen.

Interessanterweise fand die Aktion im Rahmen der Ausstellung „Glitch – Die Kunst der Störung“ statt. Glitches, Fehler in analogen und digitalen Medien, waren das Thema der Schau, kuratiert von Franziska Kunze. Die ironische Pointe: Der Mitarbeiter hatte ein Bild in eine Ausstellung über Fehler eingeschleust – eine doppelte Störung. Ob inspiriert durch die Ausstellung oder nicht, sein Werk fügte sich nahtlos in das Konzept ein.

Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus. Sogar Whoopi Goldberg sprach in ihrer Talk-Show „The View“ über den Fall, und das Feuilleton diskutierte, ob es sich nicht um eine ernst zu nehmende Kunstaktion handeln könnte. Manche verglichen den Vorfall gar mit frühen Werken des Street-Art-Künstlers Banksy.

Dennoch blieb die offizielle Meinung der Staatsgemäldesammlungen ungerührt. Trotz des provokanten Kontextes sah man keinen künstlerischen Wert in der Aktion. Die Leitung betonte: „Eine künstlerische Intervention lebt davon, Hürden zu überwinden, um die eigene Kunst in Fremdräumen zu platzieren. In diesem Fall handelt es sich lediglich um einen Vertrauensbruch.“

Während Kuratorin Kunze im Vorfeld der Ausstellung die produktive Kraft von Fehlern lobte, bewies dieser Vorfall, dass Theorie und Praxis oft weit auseinanderliegen. Der ungewollte Künstler musste die Konsequenzen tragen, doch die Frage bleibt: War dies ein subversiver Kommentar zum Kunstbetrieb oder schlicht ein unüberlegter Streich?

So bleibt die Geschichte des Münchner Museumsmitarbeiters, der einmal neben Picasso und Warhol hängen wollte, eine kuriose Anekdote über die Grenzen von Kunst und die Reaktionen des etablierten Kunstbetriebs. Mit einem Augenzwinkern und einem ironischen Blick auf die Kunstwelt fragt man sich: War es ein Glitch oder doch nur ein peinlicher Fehler?

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