So viel russisches Geld in Kitzbühel

Die Alpenstadt Kitzbühel ist nicht nur für ihre malerische Landschaft und exklusiven Skigebiete bekannt, sondern auch für ihre prominenten Bewohner und luxuriösen Immobilien. Ein kürzlich enthüllter Skandal rückt die Stadt erneut ins Rampenlicht: Der russische Oligarch Eduard Chudainatow, ehemaliger Chef des Energieriesen Rosneft und enger Vertrauter von Wladimir Putin, steht im Zentrum einer komplexen Immobilienaffäre.

Chudainatow, der seit Juni 2022 von der EU sanktioniert ist, wird verdächtigt, mehrere millionenschwere Villen in Kitzbühel über seine langjährige Partnerin erworben zu haben. Die Villen, darunter das berühmte ehemalige Anwesen des Münchner „Gourmet-Papstes“ Gerd Käfer, befinden sich in bester Lage und sind durch ihre prunkvolle Ausstattung und Geschichte bekannt.

Die Recherchen von DER STANDARD, in Zusammenarbeit mit dem Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) und dem russischen Investigativmedium IStories, zeigen, dass Chudainatows Partnerin innerhalb weniger Jahre vier luxuriöse Immobilien im Wert von rund 26 Millionen Euro erworben hat. Diese Immobilien befinden sich in unmittelbarer Nähe des Schwarzsees und des Golfplatzes, und gehören zu den exklusivsten Adressen Kitzbühels.

Die Transaktionen werfen viele Fragen auf: Wie konnte eine scheinbar unauffällige Frau, die im Melderegister nicht auftaucht und im Internet kaum Spuren hinterlässt, solche umfangreichen Käufe tätigen? Die Vermutung liegt nahe, dass die Millionenbeträge für die Immobilien direkt von Chudainatow stammen, der sie über komplexe Firmengeflechte und mithilfe von Offshore-Finanzzentren nach Österreich transferiert hat.

Chudainatows Verbindungen zu Putin und seine Rolle als inoffizieller „Geldverwalter“ des russischen Präsidenten machen diese Affäre besonders brisant. Trotz Sanktionen und Ermittlungen konnten viele dieser Transaktionen ungehindert stattfinden, was auf Lücken im österreichischen Sanktionsregime hinweist.

Die Behörden stehen nun vor der Herausforderung, die rechtmäßige Nutzung dieser Luxusimmobilien zu überprüfen, insbesondere da in Kitzbühel ein Freizeitwohnsitzverbot gilt. Die Stadt Kitzbühel hat bereits Untersuchungen eingeleitet, um die legalen und illegalen Aspekte dieser Immobilienkäufe zu klären.

Diese Enthüllungen werfen ein Schlaglicht auf die komplexen und oft undurchsichtigen Wege, über die Oligarchen ihr Vermögen ins Ausland transferieren und in Luxusgüter investieren. Sie zeigen auch, wie schwer es ist, solchen Finanzströmen effektiv entgegenzutreten und Transparenz in den Immobilienmärkten zu gewährleisten. mehr

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