Weniger ist mehr

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wie oft sind wir schon gefragt worden, welches unser Lieblingsbauwerk ist? Auch wenn es anmaßend ist, die gesamte Architektur auf ein Gebäude aus einer Epoche reduzieren zu wollen, war dies auch Thema in einer Runde von Kolleginnen und Kollegen. Einige schwärmten von historischen Meisterwerken in Italien, andere wiederum von modernen Museen. Eine Antwort ist mir nachhaltig in Erinnerung geblieben: Die Kollegin betonte, dass unsere nächste architektonische Herausforderung stets für uns das beste Werk sein sollte. Ich gehe mal davon aus, dass sie damit in erster Linie die künstlerische Herausforderung und nicht die finanzielle Absicherung einer neuen Bauaufgabe meinte. In jedem Fall ist es ein klarer Blick nach vorne und zeugt gerade heute, wo Baukunst ein immer größeren und wichtigeren Stellenwert in unserer Gesellschaft einnimmt, von Entschlossenheit und Verantwortungsbewusstsein. In einer Zeit zunehmender Anforderungen an das Können und Wissen des praktizierenden Baukünstlers ist solch eine Einstellung sowohl erfrischend als auch inspirierend.

Eine aktuelle Initiative zeigt jedoch, dass nicht alle bereit sind, sich mit immer komplizierteren Vorschriften und Limitierungen abzufinden. Diese von bayerischen Kollegen ins Leben gerufene Bewegung plädiert für ein einfacheres, kosteneffizienteres Bauen. Dabei soll es Architekten und Bauherren ermöglicht werden, eigene Zielsetzungen festzulegen und diese gesetzeskonform umzusetzen. Unser spannendes Interview mit dem Kollegen Florian Dilg, einem der Initiatoren, beleuchtet dies näher.

Aber nicht nur Architektinnen und Architekten und Bauherrinnen und Bauherren stöhnen unter der Last immer weiter steigenden Kosten durch stetig zunehmender Auflagen und Einschränkungen. Eine Studie belegt nun, wie wenig Nutzen und welche unsinnigen Mehrkosten durch verschärfte Förderkriterien ab 2025 beim Bau entstehen würden. Sogar unsere Bundesbauministerin Klara Geywitz hat vorgeschlagen, die geplanten Verschärfungen vorerst auf Eis zu legen.

“Weniger ist mehr“ – dieses Prinzip gilt heute nicht nur für unsere Entwürfe, sondern auch für die dahinterstehenden Verwaltungsprozesse. Ein Zurück zu den Basics, zur Essenz der Baukunst, wird letztendlich nicht nur uns, sondern der gesamten Gesellschaft zugutekommen.

Herzlichst

Stuart Stadler
Architekt VFA

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